Freytag den 16. December 1626. Erinnerung an das wohlthatige Publicum in Laibach. Die seit dem Jahre 1817 bestehende Sitte, sich der conventionessen Neujahrswünsche durch Erlaß-Karten zu entbmden, deren Ertrag den hiesigen Armen gewidmet wird s.ll auch beym herannahenden Jahreswechsel fortgesetzt, und eine Quelle zur Unterstükuna dürftiger Mitmenschen bleiben. '93 So wie es bisher üblich war, werden diese Erlaßkarten im Handlungs-Comptoir des Herrn Leopold Frörentelch, Armen-Instttuts-Hauptcassier, taglich um den Er-lag von 20 kr. für eine Person zu habe^l seyn, wobey jedoch der gewohnten Großmuth der wohlthatigen Menschenfreunde keine schranken gesetzt werden. Die Nahmen der Neujahrs-Gratulanten werdcn in gedruckten Verzeichnissen, wie gewöhnlich, der Zeitung beygelegt, und der Gesammtbetrag besonders bekannt aemackt werden. " - Unglückseliges Sprichwort. (Aus dc:i' österr. Nürgrrblattc.) ,,^st der Herr z>« Hause?" f^gte ein i'mger Geist, licher deS Morgens im Hause des Herrn Wagner- und St.idckawmermeisiers Lebemann, einer der reichsten Bürger im Städtchen. „Ja," hieß es, und man wies ihn in das Zimmer des Meisters. Er trat hinein. Geist. „Erlauben Sie, daß ich Ihnen, dem Vor« stände der Bürgerschaft, meine Aufwartung mache. Ich bin der neue Cooperator an der Stadtpfarre." Meist. »Freut mich.« Geist. „Mehr noch komme ich, Ihnen für das Gute zu danken, das ich in früher Jugend von Ihnen empfing. Sie kennen mich wohl nicht mehr?« Meist. „Kann mich wahrlich nicht besinnen." Geist. «Der arme Student Felzer, dem Sie»ier Mahl die Woche den Tisch gaben." Meist. „In meiner Küche." Geist. „Dieser Umstand nimmt der Größe mei« nes Dankes nichts. Ich ward hierdurch frühzeitig in der Demuth geübt, und um so besser für meinen Stand vorbereitet." Meist. (Verlegen.) „Ich »ar — ich wollte— , Sie sind alsoCapellan unserer Stadtpfarre? freut mich > sehr. Nun haben wir doch einen gebildeten Mann mehr im Vtädtchen; und es s«-ll in unsern freundschaftlichen Er, Höhlungen bald lebendiger werden. Sehen Sie, ich bin wohl an Jahren, aber an meinem Hinlior nichts alter geworden. Ich lebt/ lasse leben, thue Niemanden Böses/ lass« mir nichts abgehen, mid habe meinen alcen Wahlspruch: Ein gut Gewissen, Ein guter Visftn, <3in Gläsel Wein, Ein Schlägel (Schlagssuß) drein, Das soll mein Ende seyn." Geist. „Ich kenne diesen Wahlspruch, hör« ihn «ber nie ohne Schaudern. Ich denke da an die Zeit der Heiden, wo man einen plötzlichen Tod den Kuh dt? Götter, und einen plötzlich Dahingerafften ihren Gunst» ling nannte. Wir Christen bethen : Vom jähen und un> versehenen Tode, erlöse uns, o Herr!" Meist. «Das mögen die Menschen bethen, bie mit ihrem Gewissen in Unfrieden leben, aber ich habt „ieht gestohlen, nicht betrogen, nichtgemordet u. s. w." Geist. «Der strengste Mann der Ordnung ist in seiner'jeitlichen Angelegenheit nicht so abgeschlossen und im Reinen, daß er augenblicklich eine Tagereise auch nur auf ein Paar Woche» antreten könnte, ohnevorläu» slg für sein Haus zu sorgen; dann erst ein« Reise auf Nimmer«Wiederkehr in eine schauderooll« Ewigkeit." Meist. „Dort liegt mein Testament, hier sind meine Bücher, hier die Schlüsselzu meinen Magazinen. N3as wollen Sie mehr?" Geist. „Doch Ihre Rechnung mit Gott'." Meist. „Ich sage Ihnen ja, ein gut Gewisse», — UNb schnell mit mir zu End«." Geist., »Das wolle Gott behüthen.« Meist. „WaS wünschen Sie mir da? Eine lange Krankheit voll Jammer und Schmerzen?" Geist. „Ich wünsche und bethe täglich: Gott wolle weine» Gutthätern um seinei Nahmens Willen das ewi« gt Leben gebe,,." Meist. „Hören Sie, mein lieber Freund, ichge« le Ihnen gulen Nach; so müssen Sie sich in unserm Städtchen nicht ankündigen, wenn Sie Freunde und ei ne angenehme Existenz haben wollen, Vor Ihrer Fröm, migkeit im Amte allen Nesuect, doch außer dem Amte wollen wir einen gebildeten Mann, einen angenehm«n Gesellschafter, einen aufgeklarten Freund, der, wenn'S daran kommt, uns mit klarer Ausichc uild vernünftigem Troste aus der Welt hilft. Sie machen mir meinen Lieb« lingsspruch streitig. Sie solle» Zeug« meines Lebens seyn und selbst bekennen, daß ein Mann, wie ich, ein schnel» les, plötzliches Ende sich ohne Scrupel wünschen k^nn. Speisen Sie heut« bey mir. Lassen Sie die Amtsmiene aber zu Hause, denn ich will Sie meinen Freunden als «inen Freund deS Hauses vo>filhren. Wir eisen ,un » Uhr. Auf Wiedersehen." Die Mittagsstunde schlug. Der jiingi Pläsier f.im, und wurde der Gesellschaft als ein neuer Genosse ihrer Unterhaltungen vorgestellt. „Nicht genirt'" riefHerr Lebemann, „der jung« Mann da ist ein Freund meines Hauses." Die Untcr« Haltung wurde bald lebhaft, und nahm die Wendung auf die beliebten Neigungen und Maximen des Haus« hsrrn selbst. Man sprach von seinem Glücke bey den Weibern, von seinen Abenteuern, und auch von der Schei> düng eines ehelichen Paares um seinetwillen. Meist. „Die Norrinn hatte es zu ernst genommen, so, wie die bepoen Mädchen, wovon mir eine aui Bro. dy , und die andere aus Danzig nachreiste. Ich ließ mich honett sinden, und bezahlte." „Ja, j>, ," hi'eß eS, „Herr Lebemann hielt immer auf Nobletät. Ertonnte keine Art von Schmucken Iri. den. Wie edel hatte er sich nicht der fremden Marquise angenommen." Meist. „Ja, die Marquis,. Stellen Sie sich vor, ihr Beschützer und Liebhaber, ein angesehener Gutsb«. litzer, war auf dem Sprunge zu falliren. Sie wußte et nicht, und hätte, wic eine Bettlerinn, zum Lande hin« aus ziehen müssen. Ich nah,,, mich ihrer an, und zwcy Stunden vor Ausbruch des Falliments gelingt es mir, ihm das ansehnliche Silberzeug und die Preciosen der Mutter, wenigstens 5ooo Thaler an Werth, für sie , abzuschwatzen. Sie war geborgen, und reiste ab. Nai . konnte t»er Bettel der Masse nützen ? Wer !>nce sich ihrer angenommen? Sie wollte mir es mit der feurigsten , Zärtlichkeit danken und vergelte», ich ehrte das Verhält. , niß meines Freundes, und ließ sie unangefochten ziehen." „Es lebe der edle, uneigennützige Freund," hieß . «<, und die Gläser klirrten «uf sein Wohlseyn. M«n evschövfle sick in 3i.'l eserhebun^en üb«den Mann, der i>n Stadtchen wenigstens aus den ersten Häusern den bigotten Ton verdcangr, ilnd vieles Gute tingefi'ihl't habe. Meist. «So lebe ich uncer meinen Fleunden, und theile meinen Tisch und meine Freuden mit ihnen. Bin nie ein Kopfhänger gewesen, und werde es auch im Alter l,ichl sey,,. Kömmt Freund Hain, so sage ich ihm: Mach's rasch mir mir. So mitten unter euch, mitten u,:cer meinen Freunden möchte ich aufhören. Ein Gläsel Wein, Vin Schlagt! drein, DaS soll mein Ende seyn. (Mich unterbrach ein Fi-eunb durch einen Schnak die ernste Wendung des Gespräch«. Man ließ Herrn Le. btmanns Liebschaften und die Marquise leben. Der junge Priesteremofahl sich. „Morgen aufeiil Frühstück," rief ihm Herr Lebemann nach. Sie müssen ein Unsriger werden. Ich ruhe nicht,"—Am folgenden Morgen erschien der Priester beym Frühstücke. „Nun, wai sagen Sie zu meinerLedcnsweise, zumTone meines Hauses, zu meinem Wahlspruche?" Priest. „Preisen Sie oie Erbarmung GoiteS, daß er nicht in Erfüllung ging. Sie wäreil schwer belastet in die Grube gefahren." Meist. ^Auffahrend.) „Herr! was wissen Sie von mir?" Priest. „Nichts, als was Sie geilern selbst von sich bekannten. Sie erinnerten sich mil Wohlgefallen Hhrer früher» Verirrnngen, und sprachen mit Vergim» gen daoon. Dieser Zllstand ohne Scham und Reue über die begangenen Verbrechen ist kein Sland der Gnade mit Niihe an einen plötzlichen Tod zu denken. Vielleicht haben Sie so manchen Ihrer jungen Tischgenossen in eben diesen Veririungen bestärk. Eioe neueVerantivorcung. Ihre Geschichte mit der Marquise ist ein Unrecht." Meist. „Die Gläubigen haben nichts verloren." Priest, „Aber die Kiin'er jeueü Gutsbesitzers, die nach dem Tode ihres verblendeten, unglücklichen Va. tecs als Waisen vom Milleide der Verwaiidien leden." Meist. „Es war ei» Nothschritt fm> die Verlasse, nt. Das Gericht konnte mir nicht zu. Dle Cno.a >o^r «icht angemeldet." Prie st. „Die menschlichet, Gesetze klagen Sie nicht »«.Wie leicht ist ihre Form umgangen. Aber die gocr. licht GelechUHkeit lül)l sich nicht berücke,!. Vi« haoc» lvisssütlich unrecht gethan- In einem solchen Zustande sollten Sie nur mit Schrecken an die Möglichkeit den-ten, von einem plötzlichen Tode übereilt zu werden, ehe Sie das Unrecht gut gemacht und alle Ihre Venciun« gen bereuet haben." Meist. „Wer gibt Ihnen das Recht, so mit mi« zu sprechen?" Priest. „Sie selbst, da Sie mich um meine Meinung über Ihr unglückseliges Sprichwort gefragt haben." Meist. „Das hcitte ich bleiben lassen sollen. Priest. „Nein. Gott hat eS so gefügt, damit Sie Wahrheit hören." Meist. Meine Freunde und die Menschen, die mich achten, haben ein besseres llrtheil von mir." Priest. „Was sind Ihnen diese Freunde und Menschen, wenn Gott Sie abruft?" N,cl?t eine liebevolle Haud Stcl)t Imlfreich bey am Grabesrand.. Tue Freunde, oie er sonst gesucht, Die >hm, statt Par/idiesesfrucht, Stechäpfel boN)cn, Opium Scalt Himmclgtrank, sie siud jeHt stumm, Und keine Labung darf er hohlen I» ihren Mund. dc» Giftphiolcn. Meist. „Sie kommen >vie ein unseliger Störe»» fried in mein Haus." Priest. „Die Gnade Gottes ist ein glückseliger Störenfried im Hause des Verirrten." Meist. „W«e kommeich denn dazu, das von Ih« i,en anhören zu müsse»?" Priest. „Durch die Gnade Gottes." Meist. „Sie soliicn sich iu dem Hause, w« Sie einst als armer Slillein meinen Freytisch gefunden, mehr an die Pflichc der Daütbarkeit erinnern." Pl ieü. „Sie lies^n mich einst als Student in Ihrer Küche essen, nno ich mochte Sie dafür an die reiche Tafel der göttlichen Vergeltung lm5 Seligkeit fühven. Ich habe Sic ciüst alz armer Student oft a« Iyrein Tische bebic-nc, lino niili möchte ich Sic als Prieüer mit der Spelse deö Heus vo» der Tafel ,»es ^)errn esquicke»." Meist. „Meinen Sie es wohl gut mit mir?" Priest. «Daß weiß mei^ Gott." Meist. „W^s ich Ihlien als armen Studeute« erwiesen, war so wenig, und mit Demüthigung, wie ein gemeines Almosen begleitet." Priest. „Das war für den armen Burschen, für den Sohn eines Tagelöhners, Wohlthat genug. Ich dankte taglich dafür im Gebethe." Meist. ,,Ich halte Ihnen nichts für ungut, Sie haben es nach Ihrer Act wohlgemeint." „Um Gottes Willen!" schrie der hereinstürzende A.mtsbothe, „der Syndicus ist todt, von einem Scick-siusse getroffen. Er kam vom gestrigen Gelage eist um Mitternacht nach Hause." — „Nur schnell zu ihm," rief Herr Lebemann. „Seine arme Seele. Er war ein Freygeist von der starken Seite. Vielleicht ist noch Hülfe möglich."—Der Priester und Herr Lebemann eilten zu ihm hin. Welch ein Anblick. Der Leuchter war vom Nachttische herabgeworfen. Auf dem Nachttische und dem nahen Sessel lagen Voltaire, Hume, Champford und ähnliche Werke. Von den Wänden lachten die nackteil Figuren der franzosischen Kupferstiche höhnend auf die Schreckensscene herab. Im zerwühlten Pecte lag die Leiche des Unglückseligen. Welch eine gräßliche Gestalt f Die Hände, wie zur Wut!) geballt, Aufsträubend Haar, das Haupt versenkt In Nacht, die Brust, wie stahlumschränkt/ Krampfhaft zurückqepreßt der Schmerz, Die Form ein ausgeglühtes Erz, Em B>ld, als sey's bestimmt, gediegen Im Guß. auf einem Sarg' zu liegen. So hat cin Geist, verstört und wild, Verkörpert Nch in menschlich Bild. Ihm galt der Strahl des innern Lichts, Ihm galt die Menschheit wenig, nichts. Was Irrwahn forscht, der Trug erträumf, Wo Stol; gebiethet, Wolluft schäumt, Das faßt er auf, Das ist sein Trachten, Sein Streben, Ringen. Wünschen. Schmachtet. E< kam arztliche Hülfe. Zu spät. Der Priester sprach die Gebeihe.— Herr Lebemann ging nach Hause, und ließ eine angenommene Einladung wieder absagen. Er war den ganzen Tag und Abend für keinen seiner Freunde sichtber. Als er Abends, von der sorglichen Gattinn genöthigt, eine Suppe mit Erbsen nahm/ schlüpfte ihm eine Erbse in die Lufirohre. Er svrang auf, ward roth und blau im Gesichte. „Herr Jesus," schrie die Frau, und er keuchte die Erbse glücklich wieder von sich. „Was ist der Mensch," sprach er ernst, als er sich wieder setzte. „Eine Erbse'kann ihn todten. Ein Paar Linien tiefer, und ich war nicht mehr." Am Frühesten, noch im Finstern des Novemberin or, gens, ging er aus, und kam nach zwey Stunden mit heiterem, ruhigen Antlitze wieder. Man hatte ihn nach oer Frühmesse die heil. Communion empfangen sehen. Für die Kinder des fallirten Gutsbesitzers wurde ein Eapital von I000 Thalern angelegt. Das Sprichwort war aus Herrn LebemannsMundenichtmehr zu hören. Der ungarische Soldaten-Nestor Ladislaus Scultctp. Herr Johann von Csaplovics theilt in der neuen Pesther Zeitschrift Iris i625 9e lang die Waffen getragen hat und noch tragt. Ein Beyspiel ohne Gleichen l Laoislaus Scultety aus Brezni'cza im Trentschi-lier Comitat, im I 17I5 geboren, katholisch, warb sich am i5. September 1752 bey dem damahligen Ba-ranyai», jetzt Kienmayer ungarischen Husarenregimente fceylvillig an, und ward am 1. November 177.6 zum Vice-, den 5. Iuly ,778 zum wirklichenCorporal und den i i. April 17^0 zum Slandartführer befördert. Er machte den siebeniährigen Krieg mit und ward 1767 bcy Collin an der rechten Hand und in demselben Jahre, beym Hadikschen Überfall von Berlin, am linke»« Ba» cken, 1769 aber bey Loschnitz am Kinn blessirr.Er lebt noch jetzt, 90, sage neunzig Jahre alt, bey dem Kieiiniayer Husarenreginiente, dermahlen in Wien, nachvem er 73, sage sieben zig und drey Jahre lang die Waffen getragen und seinem Könige treu gedient hat. Sein Bildniß, im großen Format lithogra« phirt, ist in Wien bey Haas um 1 si. C- M. zu haben. Er sitzt zu Pferde in voller Rüstung mit der Standarte in der Hand. Gedruckt bey Ignaz Aloys Edlen von Klcinmayr.