Nro. ZMllHtt ^ö^W'i AlUM Freptag den 18. Horn. 1792. Inländische Nachrichten. N)jen den 14. Horn. Das wichtigste , was wir dermalen von der untern Grätn? melden können, ist, daß der K. K. Gesandte be>.) dem Kongresse in S.iß-tow, Freyherr v. Herbert, sich geweigert habe, ferner einer Sitzung bcnMvohnen, bis nicht die türkischen Bevollmächtigten erklären werden, dm gerechten Forderungen desselben Gehör m geben: indem es eine ausgemachte Sache ist, daß der K< K- Hof schon vor dem Ausbruche dleses Krieges die fteoe Schiffahrt auf der Donau und dem schwarzen Meere, wie auch das durch Traktaten zugestandene Be-fugniß besessen habe , die Vergütung alles Schadens , dm die Afrikanischen Korsaren der K. K. Flagge zufügen dürften, sich auf türkischem Grund und Boden zu verschaffen, im Falle der verhangnißmäßi-ge Ersatz verweigert würde. Ver Kongreß ist also für so lange als abgebro- chen anzusehen, bis eine bejahende Ant-wo« von Konstantinopel kömmt, wofern der Großwesyr etwan Bedenken trüge, diesen Streit aus eigener Macht zu entscheiden. Wie man vernimmt, hat der K. K. Hof das dießfällige Benehmen des Freyherrn von Herbert vollkommen gut geheißen, und demselben aufgetragen, in diesem Punkte kein Haar breit nachzugeben ; es wäre denn, daß die Pforte sich zu einem Anerbieten von gleichem Werthe entschlösse. — Das Enlgegcnstreben eines gewissen Hofes, in allem, was den hie« sigen betrifft, ist nur zu sichtbar, und artet in das Gehassige aus. Auch der berüchtigte Dohmilche Brief hat in Wim ausserordentlichen Eindruck gemacht, und Manner von Einsicht können gar nicht begreifen, wie man diesen Schritt auch noch rechtfertigen wolle. Die Lüttlchl'r Deputieren konnttn es bey diesen Umsiän- den noch uicht erhalten, um vor Se. Majestät gelassen zu werden ; ja, man hatte ihnen sogar eine Staffelte entgegen geschickt, mit dcm Befehle, nicht hieher zu kommen, die sie aber verfehlte. Nächstens soll auch eine sehr ernsthafte Erklärung dcs K. K. Hofes qegen jenen von Berlin / loggen solcher Einstreuungen, die der Reichsverfassung so sehr zuwiidcr sind, öffentlich erscheinen. Der vorgeblich schon so oft ^um Kon« greße in Szißtow.abgereisete Ungarische Deputirte , Herr Graf Franz von Esterhazi, ist endlich heute wirklich dahin abgegangen, nachdem derselbe gestern aus der Kameralkassa eine Summe Geld zu seiner Reise erhoben, und mit dem Staats-vi^ekanzler, Herrn Grafen von Kobenzel eine lange Unterredung gchadt hatte. Allein seine geheimen Verhaltungsbefehle erhielt er von dem diplomatische» Ausschüsse des Landtags zu Preßburg. Warum der Herr Graf eben bis ^l dem jüngst vorgefallenen kritischen Umstände in S.ißtow , hier geblieben sey, und eben in diesem Augenblicke dahin gehe? Warum er gerade so lange gewartet habe, bis der K. K. Bevollmächtigte Freyherr von Herbert mit seine-i Verhandlungen eben zu der Epoche des ausqebro-chenen Kriegs gekommen war, dieß scheint allerdings nach einem gewissen Plane zu geschehen. Ob etwan der Herr Graf von Herzberg durch Anerkennung des Rechts der Ungarischen Nauon, Krieg und Frieden zu schließen, ihr nun selbst die Waffen gegen den Reichenbacher Vertag in die Hände geg'bcn haben mag ? Ob uicht endlich hierin ein zn erwartendes Eraugniß verborgen liege, worüber alks staunen dürfte? dieß sind Fragen, dercn Erörterung und Aufschluß wahrscheinlicher Weift nicht weit entfernt sein mögen. Sicher ist es, daß, so geringfügig auch die Lütticher Sache im Verhältniß gegen das große allgemeine Interesse Oesterreichs scheinen mag, selbige bey diesen Umstanden dennoch^ wichtige Folgen nach > sich ziehen kann. Man spricht unter der Hand von dem Plane eines großen Ministers , welchen der Monarch mit Vcr-werfung eincs andern angenommen habe, ^ und dcr seiner Entwickelung nahe sey. Zwölfhundert Maurer sollen angewor« ben / "und nach Belgrad geschickt werden. Zum Niederreißen schwerlich; denn dies könnte auch ohne solche Professionisteu qeschehcn. Also zum Bauen? Ist dieses/ so ließe sichs bald klarer in die Zukunft schauen. — Man will wissen, Lord Elgin habe es gewagt,.gegen Se. Majestät den Kaiser etwas von der Trennung der Rußi-sch n Allianz zu erwähnen; allein der Mo« nar h habe dem Lord ganz kurz geantwortet : " Z?igcn S-ie mir eine andere und bessere. ,/ Brunn dm 9. Zorn. Nach einer von Rußland und der Pforte.erkannten Nothwendigkeit, herrscht dermalen zwi-, schen beydcn Partheyen in Asien und Europa Waffenruhe; nur nicht bey Braila, welches von dem Generale Grafen von Somocnow noch immer eingeschlossen ist« Dttsen Stillstand wenden nun die Tür^ ken dazu an, um ihre große Flotte so-schleunig als möglich in gehörigen Stand zu setzen, die geschwächte Lanbarmee zu verstärken, und für ihre festen Plätze^ besonders für Warna und Silistria / solche Anssalttn zu treffen, daß sie auch eine langwierige Belagerung aushalten n ögm. Nach einem Berichte aus Bukarest soll Baron von, Herbert in der bekann-tcn stürmischen Sitzung seine Rede an die Türkischen Deputirttll mit der Bemer- kullg geschlossftl haben ; " Es sey lächerlich, daß letztere wegen der Schiffahrt auf der Donau und dem schwarzen Meere so viele Einwendungen machen,..da,die Pforte in diesem Augenblicke weder das eine noch das andere besitze, und folglich darüber im Grunde nichts anordnen oder befthlie-sen, noch dem K. K. Hofe Vnrasc^ft dafür leisten könne. Bevor also dießfalls nichts Bestimmtes ausgemacht sey, könne dem K. K. Hofe nicht zugemuthet werden / das Gewisse für^das Ungewisse hinzugeben." Bestattiget sich dieß , so wäre freilich nichts in der Welt so sehr vermögend, die Os-manen auf Friedensgesinnlingen gegen Rußland ku lenken, als dieser Umstand; denn bis die Pforte die Donau und das schwarze Meer nicht zurück erhalt, kann der Friede mit Oesterreich immer nur Bedingungsweise geschloffen werden. Es ist aber sehr möglich, daß die Dazwischen-kunft des Grafen von Esterha.i an und für sich schon einen Strich durch das ganze Vermittelungsgeschaft macht. prchburg den 14. Horn. Se. Maj. der Kaiser und König haben für Se. K. Hoheit den Palatin einen Gehalt von isO/OOO ft. jährlich bestimmet, und hie-zu den Ertrag der Modenäischen Güter, die jedoch stets durch die königl. ungarische Hoft'ammer administrirt werden sollen ^ angewiesen, zu welchen Hochdiesel-ben den Gehalt als Präsident der königlichen Gtalthalterey als Ober^espann des Pesier Kon>itüls und die Einkünfte von den Distrikten der Iaziger und Kuma-nier, als oberstcr Nichttr derselben insgesammt also gegen ^8o,c)Or n von Witt qearbeitet haben, haben ebenfalls Gratifikationen , theils auch Rangserhö-tzungen, erhalten. Ihro Rußisch - Kais. Maj. haben dem Grafen C^ernischef, Vizepräsidenten der Admiralität, für fich und seine Nachkommen ein Ruhm - und Dank-Diplom bewilligt/ ihm auch eine Vermehrung seiner Tafelgelder von jahrlich 6oQc> Rubeln zugelegt. Der Vizeadmiral, Prinz von Nassau , ist zu qleicher Zeit zum Admiral befördert, und dürfte selbiger bey einem neuen Departement angestellt werden , welches , wie man sagt l, nächstens errichtet werden, und besonders die Sachen unter Handen haben soll, welche sich auf die Galeerenftotten, Scheebecken , Kanonenböte, lc. beziehen. England. <5r auf dem Platze Nra. «83. m der von Kleinmaycrschen Buchhandlung ausgegeben.