April. Dreizehnter Jahrgang. 1916. Folge 148. (Seite 3589 bis 3616.) Blätter für den Abteilungsunterricht, ITlonatschrift zur Förderung des österr. Schulwesens. (Schriftleiter: Dr. Rudolf Peerz.) o o o o o o Inhalt: Seite 1. Josef Scholz................................................... 3589 2. Wichtige Staatsprobleme, eingepflanzt in den Boden der Schule........................................» . . 3590 3. Zur Nacht......................................... 3592 4. Das Vaterland ruft................................ 3593 5. Allerlei Schulpraxis.............................. 3595 6. Ein Bild Andreas Hofers in der Seele des Tirolers 3596 7. Die zweite Kriegskrone der „Blätter“ .... 3597 8. Das leidige Vergessen des Lehrstoffes .... 3598 9. Pädagogische Reimpaare............................ 3599 10. Galerie moderner Pädagogen........................ 3600 11. Elementare Astronomie............................. 3601 12. Zur Ethik des Briefes............................. 3603 13. Feldpostbrief an die Leser der „Blätter“ . . . 3604 14. Wie ist plötzliches Versagen bei guten Schülern psychologisch zu erklären............................. 3605 15. Bisher erschienene Kriegsaufsätze................. 3606 16. Frühling.......................................... 3607 17. Ein Kriegskoffer voll zeitgemäßer Schriften . . 3608 18. Die Bienenzucht im Mittelalter....................3610 19. Praktische Rechenaufgaben.........................3610 20. Lesefrüchte.......................................3611 21. Briefkasten.......................................3611 22. Kleine Mitteilungen...............................3613 23. Talaufwärts durch den Krieg.......................3615 24. Polack-Ecke.......................................3616 Verlag der Blätter für den Abteilungsunterricht in Laibach. — Druck von J. Pavlicek in Gotische». Jährlicher Bezugspreis 6 K (6 Mk, 7 Frk.). 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Wl. »X U U U 11 y 111 J. unterricht In Laibach". Handschriften und Bücher an die Schrtstleltung der Blätter sür den AbleilungSuntcrrichl In MIeS (Böhmen). Oesterreichs Lehrerhelden in dem Großen Kriege 1914-16. Josef Schotz geboren am 19. Oktober 1891 in Weckersdorf bei Braunau in Böhmen, zuletzt Lehrer in Hauptmannsdorf, k. u. k. Fähnrich, wurde bei einem Sturmangriffe bei Korupan in Wolhynien am 25. September 1915 als Zugskommandant durch eine» Schrapncllfchuß in den Unterleib schwer verletzt und erlag am nächsten Tage seiner Verwundung. Die Lehrerschaft verliert in ihm einen tüchtigen, strebsamen Amtsbruder, das deutsche Volk einen seiner treuesten Söhne. Ehre dem Braven! Uraunauer Lchrervercin. Wichtige Staatsprodleme, eingepflansi in den Goden der Schule. i. In diesen welthistorischen Tagen, die den Übergang in ein neues Zeitalter bedeuten, ist die Schule als Siegkomponente und staatserhaltender Faktor bedeutsam in den Vordergrund getreten; man hat bei fortlaufender Begründung des Erfolges die äußersten und stärksten Wurzeln vielfach in ihrem Ackergrunde gefunden. Angesichts dieser Größe der Wirkung, der wir uns, die Besitzer der Domäne, keineswegs vollends bewußt sind, wie überhaupt die gewaltige Zeit im allgemeinen nicht so tief in die Seelen greift, als es ihr zukäme, weil uns ob des titanenhaften Geschehens, auf das unser Empfinden bisher nicht eingestellt war, ein Taumel ersaßt, — wäre es ein abderitischer Gegensatz, wollten wir uns mit ganzer Aufmerksamkeit dem leidigen Fachsimpel, dem nichtigen Zank und schulmeisterlicher Kleinkrämerei zuwenden. Das ist zwar richtig: Dem Volke darf kein Atom Bildung verloren gehen, darum muß die Schule in der Kleinarbeit groß bleiben; aber auch das ist klar: Wir dürfen uns nicht darin verzehren, ob nun der I-punkt 2/\0 oder 3/10 Millimeter über dem Schattenstriche des i zu stehen habe. Unser Blick muß aus der Werkstatt, darinnen der Eifer doppelt schafft, auch in die Weiten, über die großen Fragen der Zeit, in die Zukunft des Vaterlandes gleiten. Da wir, die Vertreter der Schule, durch ein wohl-geordnetes Erziehungssystem und durch eiserne Pflichterfüllung an dem großen Siege teilhaben, erwächst uns nicht allein ein Recht, sondern auch die Pflicht, in dem Rate zu sitzen, dem die Lösung von reifgewordenen Staatsproblemen zufällt. Als solche seien vorläufig vermerkt: V) Die einheitliche Wirtschaftssprache, 2.) Die Staatsvolksschule, 3.) Die Konsolidierung des Staatswesens, Zur Nacht. (Erstdruck.) Jetzt muß der wilde Tag zur Rüste gehn, Mein Auge trinkt sein letztes Glühen ein — Dann fällt die Nacht. Vom Kirchturm hallt es zehn. Die Gasse sinkt in süßes Stillesein. Nun ist nicht Krieg, nicht Blut, nicht Schwerterschlag, Ein wohliger Friede webt um First und Wand. Vergessen ist der wehe, wilde Tag, Und unsere Träume ziehn in Gottes Land. Franz Lüdtke. 3593 Das Vaterland ruft! Unter diesem Titel hast Du, g. Leser, im Wege der Behörden ein Schriftchen in die Hand bekommen, in dem ich Dir das Wesen der Kriegsanleihe sür eine Ansprache an das Volk zurechtgerichtct und einige Geschichtlern an die Hand gegeben habe, aus denen vorbildliche Arbeit im Dienste des kämpfenden Vaterlandes erkannt werden soll. Was ich meinen Ausführungen noch nachzuschicken habe, das ist ein Wort der Ermunterung zu werktätigem Schaffen. Laß es nicht beim Lesen des Büchleins bewenden, sei auch nicht mit der Zusage, die Deinem Vortrage folgte, zufrieden, sondern schreite hinter dem Entschlüsse, bis er zur tatsächlichen Durchführung gelangt! Sei besonders in dem Kriegsanleihe-Zeichnungsvereine tätig, vertiefe Dich in die Satzungen, damit es nicht etwa an Einsicht und flotter Technik fehle, mach Dich nützlich, wo Du kannst, damit ich Recht behalte, da ich riet, vor allem auf die Werbearbeit der Lehrerschaft zu rechnen. Der Lehrer ist mit dem Volke verwachsen, er findet das rechte Wort, daö Herz und den Säckel zu öffnen, ist vaterlandstreu, gründlich, tatkräftig; durch sein Eingreifen werden Milliarden vom flachen Lande herüber zu dem Kriegsschatze rollen. Und man glaubt an die Lehrerschaft und ihr Werk. Sollte man sich täuschen? Das wäre schlimm, sehr schlimm und vereitelte die schöne Zukunft, die vor uns liegt. „Helden im Feld und Helden daheim!" — das muß zum Schlagwvrte werden! — Für jene, die meine Werbeschrift nicht erreichte, sei hier ein kurzer Auszug wiedergegeben. Ein Wort zuvor! Bist Du, verehrter Leser, ein guter Patriot, das heißt, liebst Du Kaiser und Vaterland über alles? Wenn ja, so reiche ich Dir die Hand und will Dir viel Schönes aus einem Lande erzählen, in dem treue Herzen für unser liebes Österreich-Ungarn schlagen. Bist Du nicht ein Patriot von dieser Art, wie wir es sind und wie wir ihn wünschen, nicht einer, der es durch Taten erweist, sondern einer, der bloß viel Worte macht und keine Werke zeigt, dann folge mir um so mehr! Du sollst sehen, wie es andere halten, wie sie Reich und Herrscher mit ihrer ganzen Liebe umfangen. Und bist Du gar kein Patriot, so schnüre Dein Bündel und wandere aus unserem Hause! Du verdienst es dann nicht, daß Dich ein guter Kaiser schützt und die Sonne seiner Milde erwärmt. So höret denn alle, die Ihr wahrhaft Österreicher-Ungarn seid! — Ein großer Krieg, Ihr wißt es ja und fühlt es, ist über unser Vaterland gekommen. Man nennt ihn „ein großes Unglück". Gewiß ist er schrecklich, so schrecklich, wie noch nichts auf der Welt war. Aber er war nicht zu vermeiden. Der Engländer, der Franzose, der Italiener, der Russe: sie konnten es nicht ertragen, daß Deutschlands Handel den ganzen Erdkreis beherrschte und auch wir in den Welthandel einzugreifen begannen. So wollten sie denn das mächtige Bruderreich zertrümmern, sodann unser Vaterland angreifen und untereinander verteilen; das gleiche Schicksal war auch der Türkei und Bulgarien zugedacht. Der Krieg fordert nun nicht bloß Menschenleben, sondern auch ungeheure Geldopfer. Denkt nur einmal daran, was die vielen Kanonen und Geschosse kosten, wieviel Pulver da verbraucht wird, wieviel Eisenbahnen und Kraftwagen notwendig sind, wieviel Lasttiere, wieviel Schlachtvieh, wieviel Kleidungsstücke, wieviel Brot; denn bei all den Entbehrungen, bei der Kälte, bei den Strapazen, bei dem Wachen, Schleichen und Laufen und Klettern muß der Soldat tüchtig gekleidet sein und gut genährt werden. Und dabei ist doch alles so teuer wie nie zuvor, weil uns die Feinde jede Zufuhr von außen abgeschnitten haben. Ihr, liebe Landleute, wißt es wohl am besten, welche Unsummen an Geld der Staat für die Lebensmittel ausgibt. Nie hättet Ihr Eure Ochsen und Feldfrüchte so gut verkauft! Nun fragt es sich aber: „Woher nimmt der Staat das viele Geld?" Das ist so: „Seit Jahren und Jahren wurde gespart und ein Kriegsschatz angesammelt; denn unser fürsorglicher Kaiser wußte recht wohl, wenn es einmal zu einem Kriege kommt, ist das Geld die Hauptsache. Ohne Gelb läßt sich mit den besten Soldaten nichts machen. Abgesehen davon, was ich soeben angeführt habe, braucht man die Millionen auch, um Freunden zu Helsen. Ihr wißt ja, wie der reiche Krämer da drüben, der Engländer nämlich, einen Staat nach dem ändern erkaufte und, gegen uns aufstellte. Damit glaubte er, uns zu vernichten. Er sprach höhnend: „Ei was, das arme Österreich-Ungarn hat nichts und Deutschland kann nicht alles bestreiten! Da brauche ich nicht erst meine Söhne in den Kampf zu schicken. Die wilden Horden und die silbernen Kugeln werden es schon machen!" Darin hat sich der scheinbar schlaue Fuchs dreimal getäuscht und soll sich noch ärger täuschen. Deutschland hat ihm bereits gezeigt, daß die Rechnung nicht stimint; nun kommt die Reihe an uns. Auch wir wollen ihm das Spottwvrt vom „armen" Österreich-Ungarn zuschanden machen. Er soll sehen, wieviel Kraft, wieviel Geld und welche Hingabe für Kaiser, Volk und Reich in uns steckt! 3594 Da wird nun mancher meiner verehrten Leser im stillen sagen: „Ja, der Verfasser dieser Ansprache hat sicherlich recht. Aber wie kann ich, ein gewöhnlicher Landmann, dazu etwas beitragen? Ich will dem Kaiser geben, was er braucht, was er will; aber ich weiß nicht, wie ich es anstellen soll." Darüber wollen wir uns aussprechen. Hört nur einmall In alten Zeiten ließ sich ein Krieg ohne Geld auch nicht glücklich durchführen. Was machte da der Herrscher? Er ließ die Großen und Mächtigen des Reiches zu sich kommen und bat sie, ihm Geld vorzustrecken. Sie taten es gegen hohe Zinsen und gegen neue Rechte. Zumeist verlangten sie höheren Robot, größere Machtbefugnisse und ähnliches. So kam es, daß der Krieg am meisten am Bauer und am Handwerker ausging. Jedesmal hatte der Bauer die Folgen des Geldmangels zu tragen. Zu einem so gewaltigen Kampfe, wie es der gegenwärtige ist, wird unendlich viel Geld gebraucht. Daher mußte sich der Kaiser rechtzeitig um Hilfe Umsehen. Sollte er es so machen, wie es früher geschah? Nein, das lat er nicht! Er wandte sich vielmehr an das Volk. Der Kaiser weiß, daß die Fciedensjahre, die er uns wahrte, durch den ungestörten Handel viel Geld ins Reich gebracht haben; er wußte aber auch, daß er von seinen treuen Untertanen in den Tagen der Not jedes Opfer verlangen könne. Darum klopfte er an die Türen der Bauernhütten mit den Worten: „Gebt Mir Geld, liebe Bürger des Staates, damit Ich den Krieg glücklich zuende führen, damit Ich das Vaterland schirmen und Eure Söhne im Feld ernähren kannl" Und die Türen flogen aus und jeder öffnete seinen Schrein und legte dem Vater des Reiches sein erspartes Gelv mit Freuden in die Hand. Bereits dreimal ist der edle Kaiser, der Euch und Eure Rechte schützen will, der recht gut weiß, wo Geld zu finden ist, bei Euch zu Gaste gewesen. Nun kommt er ein viertes Mal, vielleicht das letztem»!, denn der große Krieg neigt sich seinem Ende zu. Aber eben nur dann, wenn Geld und Kraft und Mut den letzten gewaltigen Streich führen. Kraft und Mut steckt in Euren Söhnen, das Geld ist bei Euch. Ihr habt früher und besonders durch den Krieg gute Geschäfte gemacht: also könnt Ihr neuerdings die Hand des Kaisers füllen. Und hat die Zeit nicht neue Schätze gebracht, so greift in das äußerste Winkelchen und holt die alten Silberlinge und Goldmünzen hervorI Wenn wir noch das letzte Stück der ungeheuren Arbeit bewältigen, ist alles gewonnen und eine herrliche Zukunft erschließt sich unseren Blicken. Der geschlagene Feind muß eine hohe Entschädigung zahlen, neue Handelsgebiete werden für uns frei, die jetzt der Engländer und der Franzose als Kundschaft hatten, aus Ländern, die von uns abgeschlossen waren, strömen Rohprodukte zu uns, um bei uns verarbeitet und mit hohem Gewinn verkauft zu werden, unsere Landwirtschaft steigt durch vernünftige Pflege, kurz: eine Zeit des Segens bricht an. Fehlt aber das Geld, um noch in letzter Stunde alles Notwendige zu beschaffen, dann werden wir die Zahler sein und mit hohen Steuern belegt werden, um eine uns diktierte Kriegsentschädigung zu begleichen. Dieses Geld kehrt dann nicht mehr ins Vaterland zurück. Zudem werden fruchtbare Gebiete von unserem Staate gerissen, so daß wir aus der Teuerung überhaupt nicht mehr herauskommen, weil wir auf fremde Länder angewiesen sind; Tausende von uns werden Haus und Hof verlassen müssen, um dem Eroberer Platz zu machen; Not und Elend wird uns für alle Zeiten bedecken. Glaubt nur nicht, daß der Bär im Osten schon tot ist! Er kann sich wieder erheben, sofern wir ihm nicht rechtzeitig den letzten Hieb versetzen. Wenn wir jetzt auslassen, so ist das so, als ob jemand einen Stein über einen Hang hinaufwälzte und ihn knapp vor der Erreichung der Höhe ausließe. Der Stein rollte in die Tiefe und bliebe im Sumpfe liegen in alle Ewigkeit. So und nicht anders steht es dermalen mit uns. Mit gutem Willen und rascher Tat können wir alles erreichen, bei Lauheit und Zurückhaltung hingegen alles verlieren. Wird da einem echten Österreicher-Ungarn die Wahl schwer fallen können? In Grund und Boden müßte sich jeder schämen, so er nicht seinen Teil zum Gelingen beigetragen hätte. Die Kinder und Kindeskinder würden ihn verfluchen, wenn er schon im Grabe ruht, daß er nicht alles aufbot, das Vaterland zu retten. Wie eine böse Krankheit schliche die Not von Geschlecht zu Geschlecht. Httek der mitgeteilten Külle: 1.) Aus einer Predigt. (Der Priester wendet den Satz: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, .. ." auf die K. an.) — 2.) Ein wackerer Lehrer. (Er sprach in einer Versammlung, die er unter dem Titel „Allerlei Interessantes aus dem Kriege" einberusen, bei der er zunächst Kriegsereignisse mitgeteilt und sodann den Stand des Kampfes beleuchtet hatte, über die K. und zeichnete gleich selbst 400 K. Das Beispiel wirkte.) — 3.) Ein borstiger Bauer. („Ach was, jetzt Hab' ich meinen Sohn ins Feld geschickt und nun soll ich auch noch mein Geld hergeben?!" — „„Gerade deshalb! Wollen Sie etwa, daß Ihr Junge im Kriege Not leide? Oder wollen Sie, daß er wegen des Mangels an neuen Geschützen ohne Deckung in den Sturm rennt und darin umkommt? Oder ist es Ihnen darum zu tun, daß der Krieg 3595 noch länger dauert und daß sich der Feind wieder erholt?"" In dieser Art wird der Widerspenstige weiter überzeugt.) — 4.) Wie es der Postmeister T. machte. (Er hatte gehört, daß in dem Nachbarorte M. auf die Kriegsanleihe nicht ein Heller gezeichnet wurde. „Ei," dachte er bei sich, „da fehlt es an der Einsicht!" Flugs stieg er in sein Wägelchen und rollte hinüber. Er brachte 50.000 K heim.) — 5.) Der Rechtsanwalt Dr. W. sucht den Besitzer E. aus W. zu überzeugen, wie vorteilhaft es sei, die für die Tochter bestimmte Mitgift als Kriegsanleihe anzulegen. „Schon recht," meint der Vater, „wenn's nit so viel Jahr' dauern tat, bis man's wieder hingt! Mittlerweil ist's Madel a alte Jungfer, die neamd mehr mag. Beim Heirat'n muaß das Geld gleich aus'n Tisch g'legt werd'n!" Der Rechtsanwalt klärt den Bauer auf. — 6.) Ein Geschichtlein aus uralter Zeit. (Menenius Agrippa als Werber für die K.) — 7.) Bürgermeister R. v. St. fordert den Gemeinderat auf, von Haus zu Haus, von Person zu Person zu gehen, um für die Kriegsanleihe zu werben. „Aber, meine Herren," so schließt er seine Rede, „das sind Worte, nichts als Worte, und die gedruckten Zeichnungseinladungen, die ich Ihnen hier übergebe, sind Papier, nichts als Papier. Damit werden wir memanden von der Sicherheit und der guten Anlage des Geldes überzeugen. Was allein sofort und nachhaltig wirkt, das ist ein Beispiel usw. — 8.) Der Gemeindevorsteher und Gutsbesitzer I. in M. (Das Wesen der Kriegsanleihe-Zeichnungsvereine. — Es folgen noch zwölf Geschichtlein mit verschiedene« Gesichtspunkten. Wer die Schrift lesen will, erhält sie kostenlos vom k. k. Finanzministerium. — . Aas Schlußwort lautet: Die Kriegsanleihe ist eine Waffe wie das blanke Schwert. Ohne Geld ist der volle Sieg nicht möglich. Was nützte der größte Heldenmut, was nützten all die eherneil Taten unserer Armee, die das Erstaunen der Welt erzeugen, wenn wir nicht durchhalten könnten! Das ist ja der letzte Trumpf unserer Feinde, daß sie sagen, es würde uns das Geld zum Kriegsühren ausgehen; wir müßten sodann die Waffen aus der Hand legen und alle Eroberungen zurückgeben. Dazu darf es nicht kommen! Aber zum Durchhalten benötigen unsere Braven im Feld reichlich Kost und die Kanonen genügend Munition. Wehe dem, der jetzt, da die endgültige Entscheidung fällt, seine Habe ängstlich im Schreine verschließt! Das Blut der Gefallenen dampft für ihn wie Gifthaucht aus den Schlachtfeldern und als Rächer schleicht hinter dem Treulosen zeitlebens das böse Gewissen. In den nächsten Monaten kommt es zur bedeutungsvollsten Wende in der Weltgeschichte. Wer das Zünglein in der Schicksalswage so lenken will, daß uns die errungenen Güter bleiben, daß wir die Feinde für immer niedergeworfen haben, der greift tief, recht tief, bis zum letzten Zipfel in seine Tasche und leiht dem Kaiser die Waffe, das Werk der Rache für Mord und schändlichen Verrat und das Werk des dauernden Friedens zu vollenden. Aas ist der Kampf und das der Sieg der Aaßeimgcvkievencn, daß sie oö der Leiden des Krieges nicht «innen und ovendrein dem Vaterland« die Wittel vielen, Kßre und Auym zu sichern. Schreitet einmal das Siegesheer im Donner-schritt durch die Straßen der Heimat, so schließ Dich, der Du meinem Rufe gefolgt bist, an in dem Bewußt-sein, daß Du in ernster Stunde für das Reich Deinen letzten Sparrpfennig oder Deinen Kredit in die Schale geworfen hast, die den Ausgang des Weltkrieges bestimmt, aus der Du ihn mit reichem Gewinn wieder nehmen kannst! Kommt, legt alles, was Ihr Euer nennt, auf den Altar des Vaterlandes! Dann kehre ich beglückt zurück in die Front und künde es stolz den Tapsern: „Die daheim haben auch Großes vollbracht; darum hurra, vorwärts zum letzten Schwertstreich, zum herrlichsten Siege!" Allerlei Schulpraxis. 14. Die Bedeutung der Übungshefte für den Unterricht. Die Übungshefte beim Sprach- und Rechenunterrichte sind, insofern ehrlich gearbeitet wird, ein nicht zu unterschätzender Faktor bei Beurteilung der Leistungen der Schüler. Meiner Ansicht nach wäre daher den Übungsheften ein besonderes Augenmerk zuzuwenden, natürlich nicht in der Weise, daß der Lehrer z. B. der einer Oberklasse jeden Fehler im Hefte eines jeden Schülers zu korrigieren hat, sondern durch folgende Weise. Z. B. An einem Schultage ist von 9—10 Uhr Sprache oder Rechtschreiben. Naturgemäß wird sich der Unterricht in eine mündliche und eine schriftliche Übung gliedern. Ist die mündliche Übung absolviert und tritt nun die schriftliche Übung als Anwendung auf, so hat der Lehrer Zeit, sich mehrere Hefte anzusehen. Er lasse sich nun von diesem oder jenem Schüler das lieft zeigen. Ist der Schüler ein Taugenichts und treten Kleckse usw. auf, so wird er unnachsichtig als Arrestant dabehalten und hat unter Kontrolle des Lehrers die betreffende Übung mehrere-male zu schreiben. Diese Maßregel, konsequent angewendet, führt in vielen Fällen zum Ziel. Andere Mittel: Das Heft eines Schülers, der mit besonderer Sorgfalt arbeitet, in der Klasse herumzeigen! Viele Schüler werden sich bestreben, es dem Belobten nachzümachen. Oder eine besonders schön und fehlerfrei gearbeitete Übung mit dem Vermerk „Sehr gut“ oder „Brav“ oder „Diese Arbeit gefällt mir“ versehen! Oder einem Schüler, der andauernd gut arbeitet, in dem Kataloge in Gegenwart aller Schüler eine gute Note ein tragen. Diese Maßregeln verraten sofort dem Kinde, daß sich der Lehrer um seine Übungshefte kümmert. Es werden sich im Laufe des Schuljahres die Schriften bedeutend bessern, was in Bezug auf die Beurteilung der äußeren Form von Wert ist. Ich wenigstens habe nach einigen Wochen die Schrift manches Schmierers durch die strengen und zum Fleiß anspornenden Mittel zu einer ziemlich sorgfältigen Schrift gebracht. Im übrigen: Probieren geht Uber Studieren. R. Hauptmann, Lehrer in Scheiblingkirchen. 3596 Ein Md Andreas Hofers in der Seele des Tirolers. (Eine zeitgemäße psychologische Studie von Prof. Dr. Rud. Peerz, Feldpost 99.) Unserer Armee fehlt gegenwärtig eines: „des Heeres Abgott". Wohl klingt der Name des Einen durch alle Seelen; aber leise, ganz leise, denn der Bescheidene mag's nicht hören, daß man ihn laut feiert. Und doch ist ein Angelpunkt der Begeisterung notwendig. Das Volk braucht Götter, braucht Symbole, braucht ein Konkretum, weil sein Geist ohne Halt wenig zu fassen vermag. Die Phantasie ist im allgemeinen bequem; auch bei uns, den Gebildeten. Wenn wir ihr mit einem Bildchen nachhelfen, läßt sie den Dank als angenehmes Lösungsgesühl durch unser Inneres strömen. Der findige Verleger kommt diesein Bedürfnisse des Lesers entgegen, indem er seine Werke illustriert. Wie rasch wir doch an einem Artikel haften bleiben, in den auch bloß eine Zeichnung eingestellt ist! Und nun muten wir dem Mann aus dem Volke zu, daß er sich mit dem anschauungslosen Gedanken zufriedengebeI Niemand wie er, der ja in seinem Geistesleben ewig ein Kind bleibt, bedarf in allem und jedem des Handgreiflichen, des Wirklichen oder des Dargestellten, wenn es ein Erfassen gilt, und nicht minder, sofern seine Gefühle konzentriert und sodann nach einem bestimmten Punkte hin geleitet werden sollen. — Gefühle lassen sich nicht isoliert aus der Seele lösen; sie gehören in den Gesamtkomplex der psychischen Vorgänge. Also erwächst schon in rein apperzipierender Hinsicht die Notwendigkeit der Veranschaulichung. Weil nun nichts so leicht abfließt wie ein Gemütszustand (ich erinnere bloß an das rasche Vergessen befreundeter Verstorbener, an den Undank, an die Wendung des „Hosiannah I" in das „Kreuziget ihn 1", das jeder, der im Dienste der Öffentlichkeit wirkt, inkausnehmen muß), und es ist klar, daß ein Reservoir geschaffen werden soll, in dem sich das, was man erhalten will, sammelt. Das Reservoir ist mit Bezug auf die Kriegsbegeisteruug die Person des Helden. Ist er nicht zurhand, so muß man ihn konstruieren; bietet er sich jedoch in irgendeiner Weise, so entkleidet man ihn aller störenden Eigenschaften, auf daß er in seiner Funktion als Gefühlssammelpunkt sich voll auswirke. Man idealisiert ihn. — Dieser Prozeß war bei Andreas Hvfer, dem VolkSmanne, leicht. SWan griff die Gestalt aus dem Kampfe, ohne ihren Werdegang weiter ins Auge zu fassen. Damit konnte man sich auf einen engen Zeitraum beschränken. (Ich bin übrigens vollkommen überzeugt, daß die Abstraktion hemmender Komponenten auch dann nicht schwer fiele, so man Hofers Leben vom Anfänge an zur Schau stellen würde.) — In dem Stück, das man aus der Lebenszeile herausschnitt, strich man Privates, Menschliches, Profanes ab und schob damit die Vorzüge immer mehr in den Vordergrund, und zwar schon dadurch, daß man die Aufmerksamkeit des Beschauers nicht zersplitterte. Je mehr Momente ich vorführe, desto weniger scharf tritt das Einzelne in mein Bewußtsein ein. An dem Hofer-Bilde wurden darum bloß einige Merkmale gelassen, diese aber scharf ausgezogen und mit hervorstechenden Farben gefüllt. Auf solche Art ergab sich die deutliche Form als eine starke Hilfe für die Stiminungsrcproduklion. Hofer wurde zum typischen Gegenstandsnamen.------------- Wenn wir nun diese Analyse, die kein Denkender von der Hand weisen kann, auf unsere augenblicklichen Verhältnisse anwenden, so müssen wir uns sagen, daß außer den glücklichen Tirolern kein Volk unseres Vaterlandes sich eines so wirkungsvollen Begeisterungsvbjektes rühmen kann. Und die Wirkung? Sie tritt uns täglich, ja stündlich vor Äugen. Wenn anderwärts der hohe geistige Schwung die Seelen bewegt und zu unerhörten Heldentaten drängt, so ist es hier neben der Einsicht in das Wesen und die Bedeutung des Kampfes vor allem der in jedem Tiroler schlummernde Hofergedanke. Das Bild, das Lied, ja der bloße Name genügt, und mit einemmale flammt die ganze Glut auf. Man hat den Vvlkshelden in den Geist des Kindes gesenkt, indem man das bekannte Gemälde mit der Umrahmung der Tat an jede Schule des Landes sandte; man hat Vereine mit dem Namen des Vorkämpfers versehen; man hat ihn in jeder Wirtsstube dem Volke vor Augen gestellt; man hat das Hoferlied gesungen, Hoferstätten geheiligt usw. und so das, was wir „Stimmungshilfe" nennen wollen, dauernd und frisch erhalten. — Und nun, da sich das Mittel so trefflich bewährt hat, zögern wir noch, in anderen Ländern, ja im ganzen Reiche, den vorerwähnten diesbezüglichen Mangel zu begleichen! Das bedeutet einen Entgang an Begeisterung und damit ein Defizit an kriegerischer Kraft. Die Helden, die uns der gegenwärtige Krieg gebracht hat, müssen aus der Hülle der Bescheidenheit! Sie müssen uns gestatten, daß wir sie feiern, auf daß der Soldat seinen Abgott erhalte. Wir, die wir sodann ihre Bilder bieten, verzichten im voraus auf jedwede Ehrung, und sie, die sich konterfeien lassen, bekennen, daß sie sich nur der guten Sache zuliebe, die nun einmal in psychologischer 3597 Ergründung eine feste Form braucht, vor unser Blende stellten. Damit ist einerseits dem Vorwurfe selbstsüchtiger Schmeichelei, anderseits dem der persönlichen Eitelkeit die Spitze abgebrochen. In Deutschland draußen ist man in dieser Hinsicht schon zur Praxis übergegangen. Hindenburg ist ein Gott, Mackensen ist ein Gott, vor dem die Feinde erzittern, wenn sie nur den Namen hören, Ludendorff ist ein Gott; eine Walhalla tut sich dem kämpfenden deutschen Krieger auf. Und wir? Wir sind arm an Lichtgestalten, weil man es nicht gerne sieht, wenn wir die Führer, die uns so herrliche Siege beschicken, die unfern Namen wieder zu Ehren gebracht, die das Vaterland gerettet, die unsere Heere ins Feindesland geführt, uns das Tor nach dem Morgenlande erbrochen, die Adria erobert und an den Mauern des Reiches den überlegenen Feind abgeschlagen haben, — aus dem Dunstkreise des Alltagslebens heben. Die Bescheidenheit derer, denen unser Dank gilt und die wir darum aus der großen Masse holen wollen, auf daß der Glanz, der von ihnen fließt, die Herzen des Volkes erfülle, ist gewiß schön und edel; allein sie schädigt das höhere Interesse. Also fort mit den Bedenken, heraus unsere Prinzen im Feld, heraus unfern Conrad, heraus unfern Köveß, heraus unfern Dankl, heraus Pflanzer-Baltin, heraus BvroeviL, Roth, Rohr, Puhallo, Böhm-Ermolli und alle die Helden, deren Name für alle Zeiten in die Weltgeschichte eingetragen ist, mag's nun so oder anders kommen! — Wer da sagt, es sei bisnun auch ohne Soldatengötter gut gegangen, kann damit nicht beweisen, daß es sich mit der Begeisterungsstütze nicht besser und leichter entwickelt hätte. Tragen wir das Bild unserer Großen hinein in die Schulen, in die Schenken, in die Paläste, in die Hütten, senken wir's in die Seele des Volkes — und es wird Wunder zeugen wie das Hofers im Lande Tirol und überall dort, wo Tiroler fochten! Auch auf ein anderes hat inan bei uns bisher vergessen: auf die Feier von Siegen. Es muß doch jedem zu denken geben, wenn er hört, daß die Erstürmung des Lovcen in Deutschland draußen begeisterten Jubel auslöste und sich dieser in Feiern Luft machte, ja daß die Schulen geschlossen und die Häuser beflaggt wurden, wogegen in unserem Vaterlande das Ereignis im Grau des Alltags verschwand. Wie ist die Erscheinung zu erklären? Entweder sind wir uns der Tragweite des Erfolges und der Größe des Sieges nicht bewußt oder wir dämmern begeisterungslos in die große Zeit hinein oder wir besorgen am Ende, daß unsere Freude einen Verräter kränken könnte. Nichts von dem kann als Entschuldigung gelten. So weit muß jeder Halbwegs-Gebildete sehen können, wenn er sich Mühe gibt, zu sehen, daß die Taten, die unsere Braven gerade in letzter Zeit verrichtet haben, Wendepunkte in der Weltgeschichte bedeuten. Diese Erkenntnis erfüllt jeden Patrioten und ringt als Hochgefühl nach Ausdruck. Wir lassen ihm freien Lauf zu unserer Befriedigung, für die Masse des Volkes und für unsere Jugend, die zum Gedenken an die gewaltige Epoche starke Eindrücke braucht. Ein Begeisterungsstrom, der sich durchs Reich wälzt, schlägt mit seinen letzten Wogen auch in die Fronten hinein und erfaßt dort die Gemüter. Des soll der, der inneres Wollen zu werten weiß, nicht vergessen! — Die vorstehende Untersuchung tut dar, daß die Psyche des Volkes hungert. Gebt ihr Nahrung und schafft Meilensteine für die Wanderung auf der neuen Fährte durch die Geschichte unseres Vaterlandes! — Die zweite Kriegskrone der „Blätter“. H. Kerndl, Schulleiter in Roggendorf I. — J. Hollinger, Oberlehrer in Drösing 1. — F. Perk-told, Bezirksschulinsp. in Salzburg 1. — A. Gabriel, Oberlehrer in Diepolz 1. — A. Blaschke, Oberlehrer in Niederlichwe 1. — J. Mühlogger, Schll. in Latzfons 1. — Leitung der Knabenschule in Su-czawa 2. — Ungenannt 2. — Leitung der öffentl. Volksschule in Matzdorf 1. — M. Schubert, Ln. in Eichhorn 1. — ü. O. Pr. Mädchenvolksschule in U. Langendorf 1. — Dir. Micko in Muttersdorf 1. — Fr. Jung, L. in Neudorf 1. — J. Kaulfersch, Ln. in Friedland 1. — J. E. Mauriö, Obi. in Hl. Dreifaltigkeit 1. — Schulleitung in Oberpraußnitz 1. — Fr. Briller, Obi. in St. Martin a. W. I. — J. Forscher, Schll. in Steinbichl 1. — St. Lintner, Schll. in Weinern I. — Ortsschulrat Weidling 1. — E. Bukowski, Ln. in Krems 1. — Fr. Klinger, Obi. in Jagerberg 1. — J. Müller, L. in Michelsdorf 1. — G. Kunrath, Übl. in St. Pölten 1. — Dir. J. Wisniowski in Teschen 1. — J. Wex, L. in Pinswang I. — N. Logar, Ln. in Dolina 2. — F. Küssel, L. in Schierlichhäuser 1. — Th. Schwarz, Ob!, in St. Stefan. 1. — St. Wöss, Schll. in Kollmitzberg 1. — H. Caba, Ln. in St. Anna 1. — N. Gaischeg, Ln. in St. Anna 1. — J. Sklenar, Obi. in Deschney 1. — J. Reinisch, Obi. in Kundl 1. — O. Raab, Obi. in Simmersdorf 1. — Schulleitung Tarsdorf 1. — Schulleitung Kolmen 1. — V. Haas, Schll. in Kiblitz 1. — J. Haselbach, Obi. in Wolta 1. — A. Frosch, Obi. in Pettenbach I. — M. Längle, L. in Höchst 1. — G. Heidi, L. in Kottiken 1. — G. Ofner, L. in Straßburg 1. — A. Mick, Ln. in Krasna llski 1. — Schulleitung Unterpremstätten 2. — Schulleitung Weißenkirchen 1. — G. Krickl, Obi. in Walterskirchen 1. — L. Kuderer, Ln. in Wopfing 2. — E. Bayer, Schll. in Ober-Hautzental 1. — St. Gutmann, Schll. in Jaudling I. — ^Luegmayr, Schll. in Puchenau 1. — M. Robausch, Schll. in Schröcken 1. — A. Kasper, B. Sch. I. in eunkirchen 1. — W. Felbinger, Lehrer in Weinzierl 2. — Lehrkörper in Kirchberg a. W. 2. — J. Dostal, B. Sch. I. in Teschen 1. — Knabenbürgerschule in Skotschau 1. — J. Spreizhofer, Schll. in Lembach 1. — Knabenvolksschule in Wien, Grasgasse 1. — Gesamtsumme K 396'—. Das leidige Vergessen des Lehrstoffes. Man hört von vielen Lehrern häufig die Klage, daß die Schüler so schnell und so leicht vergessen, besonders daß ihnen über die Ferien von dem Erlernten so schrecklich viel aus dem Gedächtnisse entschwinde. Nun, es ist nicht zu bestreiten, daß dies ein arger Übelstand ist, mit dem die Schule zu kämpfen hat.J Es soll auch zugegeben werden, daß hiebei die Art des Unterrichtsgegenstandes eine Rolle spielt, indem Lehrfächer, bei welchen die Aneignung von Merkstoff hohe Anforderungen an das Gedächtnis stellt, schlechter wegkommen wie andere, wo dies nicht im gleichen Maße der Fall ist; weiter, daß es tatsächlich viele Schüler mit schwachem Gedächtnisse gibt; allein so arg, wie dies vielseitig hervorgehoben wird, brauchte dieser beklagenswerte Umstand die Unterrichtserfolge meiner Ansicht nach nicht zu beeinflussen. Ich glaube, daß die Art und Weise, wie der Lehrstoff eingeprägt und wie die Wiederholung gehandhabt wird, viel Schuld an dem leidigen Vergessen trägt. Mir wenigstens kommt das Vergessen in auffallender Weise nicht vor. Ich bin im Gegenteile oft angenehm überrascht, wenn ich bei Wiederholungen finde, daß sich die Schüler das früher Gebotene sehr gut gemerkt haben. Die von mir stets geübten Proben überzeugen mich Jahr für Jahr hievon. Auch meine ehemaligen Schüler haben mir, selbst nach langen Jahren, oft bestätigt, daß sie den Lehrstoff aus Geometrie, welchen Gegenstand ich nun schon seit 38 Jahren an der Bürgerschule lehre, von allen anderen Wissensstoffen am besten im Gedächtnisse behalten haben. Woran .mag das nun liegen? Ich kann mir doch nicht einbilden, eine besondere, anderen Lehrern fremde Methode zu pflegen; ich bin vielmehr der Meinung, auch nur nach allbekannten guten Unterrichtsregeln vorzugehen. Ich will versuchen, die Grundsätze meines Unterrichtsvorganges zu entwickeln, die ich als maßgebend für die feste Einprägung des Lehrstoffes betrachte. Vielleicht kommt doch ein Unterschied mit solchen Lehrweisen zum Vorschein, wo ein auffälliges Vergessen bei den Schülern beobachtet wird. Der gesamte Lehrstoff eines Unterrichtsgegenstandes muß ein wohl-geordnetes und wohlgefügtes Ganzes bilden, das im Bewußtsein fest verankert und verkittet liegt. Jedes Glied der Kette muß scharf umgrenzt, unauslöschlich in die Seele eingelegt sein und einen bestimmten Platz einnehmen. Daraus folgt, daß dem Lehrer ein vollständig klares und logisch richtig geordnetes Schema des Lehrstoffes vor Augen stehen muß, das von diesem höheren Gesichtspunkte aus auch zu behandeln und durchzuarbeiten ist. Aber auch dem Schüler muß diese Übersicht, Gliederung Ordnung, Zusammengehörigkeit, Verbindung und Abhängigkeit nach und nach, zuerst in großen Zügen, dann in immer weiterer Ausführung zur vollen Erkenntnis kommen. Bei einem so innigen Gefüge von Zusammengehörigkeit, Haupt- und Nebensache, Grund und Folge, Basis und Aufbau werden nach dem Gesetze der Ideenassoziation beim Auftauchen eines einzelnen Gliedes des verbundenen Stoffmateriales auch die damit verknüpften über-, neben- und untergeordneten Genossen ans Tageslicht treten. Selbstverständlich meine ich dabei nicht, daß auch schon im Pflichtschulunterrichte ein vollständiges wissenschaftliches System der einzelnen Unterrichtsfächer zugrunde zu legen sei. Nein, aber angemessen dem Lehrzwecke, ist der Umfang und Inhalt eines jeden Lehrgegenstandes für das gesamte Lehrziel und für die einzelnen Unterabteilungen desselben nicht nur an und für sich, sondern mit Rücksicht auf die Klasse und Abteilung, das Schülermaterial und die vorliegenden Verhältnisse genau festzustellen und im steten Hinblicke darauf und im genauen Verfolge desselben durchzuarbeiten. Jedes Glied der Reihung muß klar und richtig entwickelt und gekennzeichnet werden, auf daß ein vollständig deutliches Bild für die Aufnahme ins Gedächtnis entstehe und seinen Platz unter den Verbündeten sicherstelle. Hier ist jede Halbheit und Ungenauigkeit streng zu vermeiden. Die Entwicklung und Ableitung hat aus bereits Bekanntem, aus der Umwelt und dem Ideenkreise des Kindes zu erfolgen. Die Verstärkung des Eindruckes durch Aufnahme mittelst mehrerer Sinne, insbesondere die Mitverwendung des Naturobjektes und der eigenen und fremden graphischen Darstellung ist zu beachten. Man schränke den Stoff ein, nehme nur das Notwendige und Wichtige; insbesondere lege man das Hauptgewicht auf die Fundamentalgesetze und Grundformen, welche die Basis für das weitere Verständnis bilden. Und dann wiederhole man oft und eingehend, um ein sicheres Eigentum für das Bewußtsein zu gewinnen. Hierin ruht eine der gewichtigsten Forderungen für die Pflege des 3599 Gedächtnisses und das Entgegenarbeiten gegen das Vergessen. Bei mir durchzieht das Wiederholen wie ein stetig kreisendes Mühlenrad den Unterricht. Vor und nach jedem Abschnitte und sonst in entsprechenden Zeitpunkten werden in kleinen und größeren Partien die früher behandelten Bilder und Merksätze immer und immer wieder in das Gesichtsfeld und die Hör- und Empfindungsweite zurückgerufen und dabei wird nicht versäumt, auch die richtige Gruppierung und Reihung vorzunehmen, diese zu ergänzen, zu erweitern. Hiebei möchte ich noch eines Umstandes, bezw. Übelstandes gedenken, der meiner Ansicht nach die Lern- und Gedächtniserfolge der Neuschule ungünstig beeinflußt; es ist das das übermäßige Leichtmachen und die allzuviele Veranschaulichung im Unterrichte. Man mißverstehe mich nicht! Gewiß soll der Lehrer trachten, seinen Schülern Kenntnisse und Fertigkeiten auf nicht zu schwerem Wege, ohne allzugroße Anstrengung ihrerseits beizubringen, und soll sich hiebei eines entsprechend reichlichen Anschauungsmaterials bedienen; allein allzuviel ist ungesund. Eine Unterrichtsmethode, die tändelnd, spielend, ohne Ernst zu Werke geht, wo jede intensivere Inanspruchnahme der Denkfähigkeit scheu vermieden wird, ist unbedingt tadelnswert. Und in dieser Beziehung wird tatsächlich viel gesündigt. Die Denkkraft muß nachhaltig geübt werden, die Phantasie braucht vielseitige und zielbewußte Anregung, das Gedächtnis eifrige Pflege, sonst kommen nur Flachheit, Oberflächlichkeit, Einsichtslosigkeit, Vergeßlichkeit zum Vorschein. Ich bin von vorneherein überzeugt, daß von den Lesern dieser Ausführungen zweierlei Einwendungen erfolgen werden. Die einen werden sagen: „Ja, das ist doch nichts Neues, das sind ja alte, allgemein bekannte Grundsätze für die Unterrichtserteilung.“ Die anderen wieder werden die Betonung der Systempflege als unmodern, als mit den gegenwärtig als Errungenschaft hingestellten Unterrichtsregeln im Gegensatz stehend beanständen. Den ersteren gebe ich zur Antwort: Ganz richtig, ich weiß selbst, daß ich da keine neuartigen Regeln für den Unterricht und die Gedächtnispflege darbiete; allein es handelt sich um die wirkliche und strenge Durchführung derselben, um die Konsequenz ihrer Verfolgung, und da meine ich, mag es wohl bei Lehrern hapern, die mit dem Vergessen bei den Schülern so große Plage und Sorge haben. Den anderen aber möchte ich entgegnen, daß ich eben das Verwerfen des Systems, das heute mehr und mehr um sich greift, für das Vergessen auch zur Verantwortung ziehe. Logik, Ordnung, Gesetzmäßigkeit, systematische Entwicklung und Zusammenstellung des Lehrstoffes, überhaupt die Pflege der Denkkraft, die formale Bildung, werden unbedingt stets die Grundfesten für Erziehung und Unterricht abgeben und alle Abwege von diesen natürlichen Zielpunkten werden mit der Zeit wieder verschwinden. Es ist unheimlich, wie verworren und durcheinander geworfen der Lehrstoff in manchen der in neuester Zeit erschienenen, gut rezensierten Lehrbüchern zusammengestellt erscheint. Es ist kein deutlicher Anfang, kein klares Ende, keine folgerichtige Reihung zu finden. Ich will keine Namen anführen, aber es sind sogar Sprachlehr-, Rechen-, Geometrie- und Naturlehrbücher darunter, wo doch die logische Aufeinanderfolge eine Hauptsache bilden soll. Wenn ein Lehrer solchen Bahnen folgt, dann kann kein geordnetes, festsitzendes Wissen zum Vorschein kommen. Ich hätte meine Auseinandersetzung mehr ausweiten und durch Beispiele verdeutlichen können, vielleicht auch sollen; allein ich wollte mich bloß einmal auf die Darlegung der Hauptmomente beschränken. Es würde mich freuen, wenn ich auf die Zustimmung aus Kollegenkreisen stoßen und einigermaßen zur Verringerung der Vergeßlichkeit unter den Schülern beitragen könnte. Bürgerschuldirektor Neumann in Kukus, Böhmen. Nachbemerkung. Die vorstehenden Ausführungen empfehlen wir ernster Erwägung. Sie sind ein Pfosten für die Neuordnung im Unterrichtsverfahren. D. Sch. Mdagogische Weimpaare. 21. Luthers Ztat. Strafen magst du; doch merke dabei, Daß bei der Rute — der Apfel fei. 22. Strenge Zucht. Die lieben strenge Zucht, die mögen nicht vergessen: Man soll die Jugend ziehen, doch soll man sie nicht pressen. 3600 Galerie moderner Pädagogen. 8. Iran; Irisch f. Wenn er erst jetzt in unsere Walhalle eingereiht wird, so geschieht es nicht aus dem Grunde, den Toten zu ehren, sondern deshalb, weil nunmehr ein abschließendes Urteil gefällt werden muß. Sein Bild schwankte in den letzten Jahren in mir nicht allein persönlich, sondern auch in der Sache. Immer wieder erwartete ich ein Werk von Dauer, von Umfang, von Tiefe, um einmal die Seele dieses mit so reichen Gaben ausgestatteten Schulmannes miszuhorchen. Es kam nicht. Frisch war ja Direktor, Redakteur und obendrein noch Inspektor; damit ist der Ausbleib gerechtfertigt. Daß man soviel Last auf zwei Schultern packte, die zu einem siechen Körper gehörten! Wollte der Eifer nichts oblegen, so hätte man es nehmen sollen, um ein teueres Leben zu retten. Diese Ökonomie wird bei uns noch nicht erkannt; darum müssen sehr oft die Besten zu früh von uns scheiden. — Frisch war einer meiner Führer, Berater, Bormünder und in jungen Jahren ein Borbild. Er hat mich mächtig gefördert; darum lege ich vorerst den innigen Herzensdank auf sein Grab. Als ich an seiner Seite emporwuchs, fühlte ich die warme Hand des Freundes bis zu dem Zeitpunkte, da mein Stürmen eigene Fährten grub. Da lockerte sich das Band zwischen dem Schüler und dem Meister — Walther und Reinmar. Zuerst wegen der Gründung der „Blätter". Ich ersuchte damals F., für das neue Unternehmen ein Geleitwort zu schreiben; er lehnte ab, und zwar mit dem Hinweise, daß eine neue Fachzeitschrift unnötig sei. Wie sehr er im Unrecht war, erweist die Tat. — Zum zweitenmale kreuzten wir unsere Meinungen bei der Schaffung des Südheims. F. war für eine Austeilung des gesamten Geldes in der Form von Kurstipendien, ich focht für ein Heim. Auch hierin hat ihn die Tat überwiesen. Er trug mir's nicht nach; doch eines ward klar: Es standen sich nicht mehr der Lehrer und der Schüler, sondern zwei Programme gegenüber. Freilich sollten sachliche Erörterungen Menschen nicht trennen; allein wer kann aus der Jacke, die so eng an unsere Seele gelegt ist! — Was sich zwischen F. und mir im Verlauf der Jahre ergeben, das wiederholte sich in seiner Stellung zum Gros der Lehrerschaft, ob berechtigt oder nicht, das kann ich keineswegs sagen: kurz, eine Kluft tat sich auf, die den berufenen Führer, der F. vormals war, immer mehr und mehr entfremdete. Schade! Wir haben so wenig Frontmänner, die über alle Eigenschaften verfügen, so sie dem Verblichenen in reichem Maße eigen waren. In ihm erschienen Weitblick und Worte, Gedanke und Formgebung, Klarheit und Schärfe, Weltbürgertum und Kleinarbeit, Manieren und Politik gleichlaufend vereinigt; würde man diese Kraftnatur von der einen Seite nicht in Akten getaucht und von der ändern nicht ohne sorgfältige Prüfung der Tatsachen zur Seite gestellt haben, es wäre aus der Feder, die einst so schneidig und dabei so unendlich fein zu schreiben wußte, noch viel Wertvolles für Schule und Lehrerschaft geflossen. Als ich F. zum letztenmale sah, schien er mir seelisch verärgert, körperlich gebrochen zu sein. Mir tat es weh, weil ich nicht helfen konnte. Nun ist er mitten in der großen Zeit, die er sicherlich in ihrer Auswirkung gefördert hätte, vorzeitig dahingewelkt. Man hat seinen Heimgang mit den üblichen Sätzen mitgeteilt, ein „dauerndes Andenken" in Aussicht gestellt und auch den Wunsch nicht vergessen, daß ihm die Erde leicht sein möge. Nicht mehr? War Frisch nicht ein Bahnbrecher für die Neue Schule, nicht ein Stürmer für die Lehrerrechte, nicht ein Vorkämpfer für den Fortschritt, nicht ein Anwalt unserer Belange nach allein Seiten hin, nicht ein Beispiel, daß man auch ohne akademische Punze seinen Mann stellen kann, nicht ein Jugend- schriftsleller, der mit feinen Farben malte und edles Sinnen hob, nicht ein Neuerer in der Erdkunde, im Sprachunterricht, in der richtigen Lesestückbehandlung, nicht einer, der endlich auch „österreichische" Pädagogen ausgrub, nicht einer, der die Mädchenbildung hob und damit völkisch ein neues wichtiges Gebiet eröffnete, nicht einer, der aus dem Auslande guten Fruchtsamen mitbrachte und anbaute, nicht einer, der moderne Schulbauten schuf, nicht einer, der durch den „Öfterr. Schulboten" lautere Praxis, verbunden mit grundiger Theorie, an die Lehrerschaft hinausgab und immer wieder aus aller Welt Linien in unser Bildnngswesen zog? All dies mit ein paar Gangundgäbephrasen zu übertünchen, ist bequem, muß aber den, der um sich blickt und so wenige sieht, die zwar auf Kothurnen schreiten, aber dennoch an innerem Wert Frisch auch nicht annähernd erreichen, verstimmen. Darum habe ich es mir zur Pflicht gemacht, Österreichs Jungmannschaft auf einen ihrer Helden aufmerksam zu machen. Die Alten wissen, was Frisch war; der letzten und der vorletzten Generation ist er vielfach unbekannt. Lehrer der Pädagogik, klebt sein Bild in das Lebcnsbüchlein der jungen Genossen; sie werden sich daraus manches nehmen können, was vor dem Sinken in Niederungen bewahrt I Seerz. Elementare Astronomie. Eine Entgegnung von J. Proft in Auscha. Sehr geehrter Herr Professor! Der im Septemberheft der „Blätter“ erschienene Aufsatz über die Veranschaulichung der Achsendrehung der Erde beruht auf der falschen Voraussetzung, daß die Drehung der Erde und die Drehung des Schattens in derselben Richtung oder besser gesagt, in demselben Sinne erfolgen. Da dies nicht der Fall ist, ersuche ich Sie freundlichst um Veröffentlichung meiner Entgegnung, die auch sonst manches Interessante über die Frage enthält, was nicht allgemein bekannt sein dürfte. Mit größtem Interesse habe ich den Aufsatz des Amtsgenossen Hausotter im Septemberhefte der „Blätter“ gelesen und mich herzlich Uber seinen Eifer gefreut, womit er den Schülern die Bewegung der Erde klar zu machen sucht. Aber gelungen ist es ihm trotzdem nicht, den Kindern einen Beweis für die Achsendrehung der Erde zu geben; denn einen direkten Beweis hieftir in der Volks- und Bürgerschule zu bringen, halte ich für unmöglich. Auch der wandernde Schatten ist nur eine Folge der scheinbaren Bewegung der Sonne von Osten nach Westen, welche die Schüler durch tägliche Wahrnehmung erkennen; sie sehen ja tatsächlich, daß die Sonne im Osten aufgeht, zu Mittag im Süden steht und abends im Westen wieder untergeht. Der Herr Kollege ließ gleich von Anfang an bei der Beobachtung die Schüler fest-halten, daß die Sonne stets an ihrem Platze verweilt; die Kinder waren also gezwungen, der Autorität des Lehrers zu glauben, daß die Sonne feststehe, trotzdem der Augenschein sie lehrt, daß sie sich bewege. Übrigens habe ich beim Lesen des schönen Schülerbriefes den Eindruck gewonnen, daß der Schüler der Meinung ist, die Bewegung der Erde und die Bewegung des Schattens von Westen nach Osten seien identisch, was durchaus nicht der Fall ist, da die Bewegung der Erde von West über Süd nach Osten erfolgt, während sich der Schatten in umgekehrter Richtung von West Uber Nord nach Ost dreht. Der Schatten bewegt sich also in derselben Richtung wie die Sonne. Auch ist mir aus dem Briefe klar geworden, daß der Schüler die Wanderung des Schattens nicht den ganzen Tag beobachtet hat; denn daß der Schatten einen ganzen Kreis beschreibt, ist (von der verschiedenen Länge des Schattens zu verschiedenen Tageszeiten ganz abgesehen) bei uns unmöglich. Selbst am längsten Tage, dem 21. Juni, kann der Schatten bloß einen von 180 —|— 2 X 40°, d. i. von 260° durchlaufen. Um den Schülern die Achsendrehung der Erde klar zu machen, muß man sich begnügen, durch Rechnung, welche der Schüler selbsttätig durchführt, zu zeigen, daß es ganz undenkbar ist, daß sich die große Sonne in 24 Stunden um die kleine Erde bewege, denn da müßte sie in einer Sekunde mehr als 10.000 km zurtlcklegen. Eine so große Geschwindigkeit materieller Körper ist ganz undenkbar. (Umfang der Sonnenbahn 2 X 150,000.000 km X 3 l/7). Nehmen wir dagegen an, die Erde drehe sich um ihre Achse, so würde ein Punkt am Äquator bloß 40.000 km in 24 Stunden durcheilen, so daß ein größerer Schüler leicht selbst ausrechnen kann, daß bei dieser Annahme auf 1 Sekunde bloß 460 m entfallen, eine Geschwindigkeit, die nicht so unfaßbar groß ist, da ja der Schall 333 m, eine Gewehrkugel aber etwa 800 m in der Sekunde durchfliegt. Die übrigen Punkte der Erdoberfläche aber weisen, je weiter sie gegen die Pole liegen, eine um so geringere Geschwindigkeit auf, während sich die Pole an demselben Orte drehen müßten, wenn die Erde außer der täglichen nicht noch die jährliche Bewegung vollführte. Die Schüler sehen ferner, daß sich nicht nur die Sonne, sondern auch alle Sterne in 24 Stunden um die Erde zu bewegen scheinen. Diese Bewegung wäre noch wunderbarer als die Bewegung der Sonne um die Erde, denn einmal sind die Fixsterne so weit von uns entfernt, daß die Entfernung der Sonne dagegen zu einem Katzensprung zusammenschrumpft. Infolgedessen gibt man diese Entfernungen nicht mehr mit unserem irdischen Maße, dem Kilometer, sondern in Lichtjahren an, d. h. das Licht braucht Jahre, Jahrzehnte oder selbst Jahrhunderte, um von den Fixsternen auf die Erde zu gelangen, während das Licht der Sonne in 8 Minuten seinen Weg zur Erde durchläuft. Ist schon die Geschwindigkeit ganz unmöglich, welche die Sterne entwickeln müßten, wenn sie sich in 24 Stunden um die Erde bewegten, so wäre es noch wunderbarer, daß die Sterne, die sich doch in den verschiedensten Entfernungen von der Erde befinden und deshalb verschieden große Wege in 24 Stunden durchlaufen müßten, nach dieser Zeit genau wieder an der ursprünglichen Stelle sind. Das wäre unter den Wundern, die der gestirnte Himmel an und für sich schon bietet, doch das größte! Da die Schüler nun merken dürften, daß es ganz unmöglich ist, daß sich die Sonne und alle Sterne um die Erde bewegen, bleibt ihnen nichts anderes übrig als anzunehmen, daß sich die Erde um ihre Achse drehe. Bei dieser Gelegenheit stelle ich an die Schüler gewöhnlich die Frage: Was macht ihr, wenn ihr alle Dinge sehen wollt, die sich an den Wänden des Schulzimmers befinden? Antwort: Man dreht sich einmal um sich selbst. Dann füge ich bei: Ein Narr könnte vielleicht verlangen, daß sich das Zimmer drehe. In was für einer Richtung müßte sich aber das Zimmer drehen, wenn wir die Gegenstände in demselben in derselben Reihenfolge sehen wollten, wie vorhin, als wir uns selbst drehten? Sowenig sich nun das Zimmer um uns drehen kann, so wenig dreht sich die Himmelskugel mit Sonne, Mond und Sternen um die Erde. Um die Achsendrehung der Erde klar zu machen, bedürfen wir also gar keiner Apparate, wir müssen die Schüler nur dazu bringen, den Himmel zu betrachten und zu denken. In der gegenwärtigen Zeit, wo unsere Kanonen ihre feurigen Grüße nach Norden und nach Süden gegen die Feinde senden, weckt noch eine Erscheinung, die ebenfalls in der Achsendrehung der Erde ihre Ursache hat, besonders unser Interesse. Wenn ein Kanonier sein Geschütz nach einem im Süden befindlichen Ziele genau einstellte, dürfte die Kugel doch das Ziel nicht treffen, sondern westlich davon einschlagen. Der Standort des Geschützes und dieses selbst besitzen nämlich eine geringere Umdrehungsgeschwindigkeit als das weiter südlich liegende Ziel. Die Kugel behält nun während des Fluges infolge des Beharrungsvermögens auch die Rotationsgeschwindigkeit bei, wie sie sie im Augenblicke des Abfeuerns besaß. Das Ziel eilt also der Kugel gewissermaßen nach Osten voraus. Beim Schießen nach Norden wird die Kugel nach Osten abgelenkt; die Ablenkung erfolgt daher in beiden Fällen nach rechts. Wird das Geschütz dagegen in der Richtung des Parallelkreises, also nach Osten oder Westen, abgefeuert, so erfolgt selbstverständlich keine Abweichung. Ähnlich wie die Ablenkung einer in meridionaler Richtung abgefeuerten Kugel erklären sich die bekannten Fallversuche ebenfalls aus der Achsendrehung der Erde. Auch die fallenden Regentropfen müssen durch die Rotation der Erde von der lotrechten Richtung um so mehr abgelenkt werden, in je größerer Höhe die Regen spendende Wolke schwebt. Die Ablenkung muß stets genau nach Osten stattfinden und die geneigten Regenbahnen bei einem echten Sclinürelregen könnten vielleicht den augenscheinlichsten Beweis für die Achsendrehung der Erde abgeben. Freilich ist das eine bloße Vermutung, die in mir auf stieg, nachdem ich diesen Aufsatz schon abgeschlossen hatte und die erst der Nachprüfung durch die Beobachtung bedarf. Es wäre daher zu beobachten die Neigungsrichtung der fallenden Regentropfen bei Windstille wie auch bei bewegter Luft. Bestätigt sich die hier ausgesprochene Vermutung, so haben unsere „Blätter“ das Verdienst, den Anstoß gegeben zu haben zur Auffindung eines neuen, augenscheinlichen Beweises für die Drehung der Erde um ihre Achse. 3603 Zur Ethik des Briefes. Teuerster Freund! Entschuldige, bitte vielmals, daß ich Dir so lange nicht schrieb; ich hatte keine Zeit. Bei uns ist es jetzt sehr schön. Ich würde mich riesig freuen, wenn Du mich besuchen wolltest. Bitte nur Deine Eltern um ihre Zustimmung! Da können wir froh miteinander spielen. Ich hoffe, daß es Dir recht gut geht. In der Hoffnung, Dich bald hier zu sehen, grüßt Dich herzlich Dein aufrichtiger Freund N. ... So oder so ähnlich lauten die Briefaufsätze, die wir den Kindern vorsetzen. Nach diesem Schema wird nun das Äußere des Briefes eingedrillt und tüchtig geübt. Nun ja, gut, es muß so sein! Schauen wir einmal genauer hinein! Also erstmals das ganz Äußerliche: Zu einem Briefe gehört ein feines Papier. — Ja, es kommt darauf an, an wen ich schreiben soll. Unter Umständen wird man wohl die feinste Qualität nehmen müssen. Aber an einen Freund oder einen guten Bekannten (Verwandten), an die wir doch die meisten Briefe schreiben, wird es nicht so gefährlich sein! Ich würde für Kinder nicht das feinste Papier wählen. Nun hätten wir ein Papier, eine neue gute Feder und schreiben. Da verlangt man Schönschrift und besondere Sorgfalt. Ich möchte nun wissen, warum man zum Briefschreiben seine gewöhnliche Handschrift (gewöhnlich immerhin leserlich) durch eine kalligraphische, weniger eigentümliche ersetzen soll. Bei Briefen an Höhergestellte, in Ansuchen usw. will ich die Forderung zugestehen. Aber wäre es beispielsweise dem Freunde nicht lieber, wenn der Schreiber die Mühe, die er auf die Schrift verwendet, lieber auf böte, mehr zu schreiben? Deswegen wird ja vielen das Briefschreiben so verleidet; man hat eben nicht die Zeit, schön zu schreiben. Mir ist die natürliche Handschrift lieber als die verzierte. Aus der Sorgfalt entnehme ich gar nichts.1 Von den Kindern kann man allerdings verlangen, daß sie schön schreiben, in dem Maße als sie sonst ihre Schularbeiten zu erledigen haben. Um den nötigen „Respekt“ zu wahren, lasse ich es zu, in den betreffenden Briefen schön zu schreiben; aber für gewöhnlich, für Bekannte, wozu? (Hm, hm, das dürften nicht alle billigen! D. Sch.) Nun zur Überschrift! (Das Datum vergißt man so oft!) Durch die äußere Form des Briefes wird ja die Anrede ohnedies gekennzeichnet; sie könnte aber ganz gut in den ersten Satz eingeflochten werden.2 Weitere Forderungen: Respektsraum. — Wozu? Und endlich das obligate „nicht mit Ich anfangen.“ Lieber einen Satz verstümmeln oder das Subjekt an eine ungehörige Stelle setzen?! Wozu diese unbegreifliche Forderung?! Sie wird unseren Kindern sicherlich nicht einleuchten. Anredewörter müssen mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben werden! Wer hat denn diese Regel erfunden? Wenn es an eine hochgestellte Persönlichkeit geht, gebe ich es zu, da muß man auch so andere Verkehrsformen beobachten. Aber im gewöhnlichen Verkehre! — Wie kommt man da dazu!? Nimmt man denn im Gespräche auch bei den Anredewörtern den Hut ab oder verneigt sich! Was berechtigt uns zu dieser Orthographie-Umstürzung im Briefe? Wieviel Mühe kostet das den Schüler und manchen Schreiber! Zusammenfassung: Wir haben gesehen, im Briefschreiben drängt eine unnatürliche -Forderung die andere. Unwahrheit — aus Etikette — „durchgeistigt“ das ganze Schreiben. Womit ist dann der Empfänger beglückt (etwa ein Freund)? H. Krause, Dessendorf. 1 Und doch! So mancher spricht: „Wer nur nicht soviel Achtung und Mühe zollt, daß er mir einen sorgfältig geschriebenen Brief sendet, den mag ich nicht vernehmen." — Ist auch die Form nicht alles, sie ist viel und geht leider unserer Zeit ganz ab. D. Sch. 8 Der Gedanke ist beachtenswert. Ich beginne meine Briefe in der Regel so: „Verehrter Herr Kollege hatten die Freundlichkeit, ..." P. Feldpostbrief an die Leser der „Matter". Getreue im weilen Reich! Der blutige Morgen breitet weithin grelle Nöte und jeden Augenblick erwartet das bangende Herz den Ausstieg der alles belebenden, beglückenden Sonne. Es ist ein Morgen, wie ihn noch keines Menschen Auge sah; so glühend, so furchtbar schön zeigt ihn kein Gemälde, schildert ihn kein Dichter. Wer drunten im Tale zu den Bergen emporblickt, erschaut bloß den Saum des Purpurs; wer noch in warmen Federn liegt, indes die Nebel weichen und der Feuerschein hinter den Felsenmauern hervorquillt, weiß nichts von dem Frost des Morgens, aber auch nichts von dem gewaltigen Bilde, das uns der werdende Tag entrollt. Schon blitzen die ersten Strahlen aus der Glut, schon will es sich hellen, schon regen sich Wald und Flur: die ersten Arbeiter, die fleißigsten, sie ziehen aus. Zwar schüttelt der scharfe Hauch, der vom Berge niederweht, ihre Glieder; aber sie wissen, wenn sie die Zeit recht nützen wollen, muß beim ersten Grauen Hand ans Werk gelegt werden. Nur der Schläfer rechtfertigt sich mit dem Worte: „Laßt Euch Zeit, man kommt noch immer zurecht!" und reibt sich erst die Augen, wenn andere schon ein tüchtiges Stück Arbeit geleistet haben. Ja, das Frühaufsteher:, das war niemals unsere Sache! Diesmal jedoch, da der schönste Sonnenaufgang der Weltgeschichte durch die glimmende Röte angekündet ist, sollten wir denn doch einmal mit einem energischen Ruck die Decke von uns werfen und uns mitten hinein in ein emsiges Schaffen stürzen! — Der Leser versteht, was ich mit dem Vergleiche meine: das gigantische Ringen steigert sich zum Höhepunkt und wird nach ein paar tüchtigen Schlägen rasch zur Katastrophe stürzen; ehe wir es ahnen, fällt der Vorhang; ehe wir uns noch besonnen, ist das Schauspielhaus leer; der Diener klappt die Sessel zu. Saperlott, schon wieder eine bildliche Darstellung und doch wollte ich offen und sachlich sein! Bleiben wir trotzdem beim raschen Abschluß! Er ist in Sicht. Also heißt es, den gesamten Inhalt im Gedächtnisse behalten und den letzten Szenen mit besonderer Aufmerksamkeit folgen! — Der Durchschnittszuhörer vergißt allzuleicht auf die Konzentration und Spannung; ist ihm jedoch ein Erklärer zur Seite, so läßt er sich führen und nach dem Grade des notwendigen Interesses strecken. Der Durchschnittszuhörer, das ist die große Masse des Volkes. Und der Erklärer — nun wem fällt wohl diese Rolle zu? Dem Lehrer! Jetzt ist der Augenblick gekommen, da er seinen Beruf über die Schulstube hinaus weilet und in den Terminus „Volkslehrer" faßt. Wie der Kriegsberichterstatter Front und Hinterland verbindet, so leitet der echte Volkslehrer die großen Ideen in die breiten Schichten. Eine hehre, eine schöne Aufgabe! Wir wollen sehen, wie sie sich aus dem Schoß unserer Gemeinde heraus lösen läßt. — Unsere „Blätter" sind schon längst nicht mehr das Fachblatt, dem nichts als die Beackerung eines engumgrenzten, bisher unbebauten Gebietes obliegt. Wie der Kleinbauer nach Jahren mühevollen Schaffens Stück um Stück zu seinem Grunde erwirbt und sich allmählich größeren Ausgaben zuwendet, ja sogar im Rat der Gemeinde ein Wort mitredet, so sind wir aus kleinen Anfängen zu einer großen Arbeitsgemeinde gediehen; zwar bleibt das Stück Erde, dem unsere erste Sorge galt, unser liebstes Allod. Allein wir fühlen Kräfte und fühlen die große Zeit in uns; also greifen wir weiter aus, um im Glanz des kommenden Tages Großes zu verrichten. — Wem es wie mir vergönnt ist, von der Warte des Krieges aus einerseits das Treiben in der Front, anderseits das im friedlichen Tale drunten, im Hinterland, zu betrachten, der nimmt wahr, daß die einen überaus tätig an der Arbeit sind, während von den ändern viele schlummern. Wenn nun der Schaffende hört, daß sein Mühen in Schaum ausgeht, weil der Langschläfer sich nicht regt, so fragt er sich: „Wozu ist denn all das Wagen und Schlagen, wenn Ihr träumt, indes wir ringen; soll mein Blut nur für den Augenblick fließen?" — Wer auch nur ein Atom Männlichkeit und Vaterlandsliebe in sich trägt, dem muß die Gewissensfrage auf der Seele brennen. Ich kenne Berufsgenossen und andere, die am Kriege nicht anders teilnehmen, als daß sie des Morgens wüten, weil die neuesten Nachrichten nicht eingelangt sind und die Kaisersemmel immer noch nicht erscheint, die ain Vorinittage die guten Frankfurter mit Groll entbehren, zu Mittag über den fleischlosen Tag schelten und am Abend ungehalten sind, weil das Bier ausging. Diese armseligen Gestalten im großen Rahmen der Zeit sollte man übernacht aufpacken und schnurstracks an die Front schleppen — es wird doch für sie gleicherweise gefochten wie für alle übrigen — und es würde alsbald eine ernstere Auffassung in sie einkehren. Das, was in der Tat Not ist und nicht bloß wegen des Fehlens einiger Bequemlichkeiten so genannt wird, ist noch weit, sehr weil von uns entfernt; wollen wir das Wort mit dem rechten Inhalte füllen, so mag es noch zehnmal schlimmer kommen. — Mit diesen Ausführungen habe ich zwei Momente aufgedcckt, die dem Feigen Tränen in die Augen drücken. Gegen diese Schlotterbeine muß der Lehrer zu Felde ziehen und gegen die, die zuwarten, bis der Tag anbricht, während sie noch in den Federn sind. Die uns zufallenden Aufgaben erfordern stetig Auffrischung und Kraftzusuhr. Unserer Gemeinde kommt beides durch die „Blätter" zu. Der Schriftleiter bringt aus dem frischen Quell der großen Ereignisse Nahrung herbei, auf daß jeder, der arbeiten will, arbeiten kann. Sv nun einer den befruchtenden strahl fühlt und das große Werk unter seinen Augen reifen sieht, ist es für ihn Pflicht, dafür zu sorgen, daß möglichst viele in die Reihe der Schaffenden treten, weil eine so bedeutsame Aufgabe, wie es die Erneuerung des Vaterlandes eine ist, nur mit einer starken Legion bewältigt werden kann. SovielKämpfende draußen rin gen, so viel Tätige müssen im Inneren des zu schaffenden Jung-Österreich-Ungarns stehen: das ist eine Formel, die niemand umstoßen kann, der nicht im Daun liegt und schläft. — Seit der Weltkrieg, der insbesondere für unser Vaterland eine wichtige Wendung bedeutet, begonnen hat, sind wir mit unseren „Bl." als unerschrockene Kämpfer auf den Plan getreten. Viele der Kameraden hat der Schlachtentod niedergerissen, viele sind in Not geraten, viele kleinlaut geworden. Darunter hat die Zeitschrift materiell gelitten. Die Herstellungskosten sind bedeutend erhöht worden, die Aufgaben gewachsen: Was tun? Ich habe den letzten Spar-psennig daran gewagt, das Unternehmen zum Besten der großen Sache und unseres Standes zu halten. Soll ich nun zu all den Mühen und Gefahren auch noch Schulden mit inkaufnehmen? Das kann mir niemand, der rechtlich denkt, zumuten. Also mag jeder, der die Bedeutung des Blattes würdigt, es vor der Schmälerung bewahren, da es in Weiten greifen soll. Auflassen werde ich es nicht, und wenn ich betteln gehen müßte; aber ich möchte es vor Hilfen bewahren, die eine Einschränkung des freien Tones beinhalten. — Das alles ist nicht „des Pudels Kern" und nicht „der Pferdefuß" und nicht „der langen Rede Sinn", sondern eine Darlegung, die aus den Gründen die Wichtigkeit baut. Ich habe nicht zu bitten, denn um mich handelt es sich keinesfalls, sondern habe bloß mitzuteilen, was uns alle, die gesamte Lehrerschaft und die Schule als Stütze des Vaterlandes, angeht. Wir haben mit unserer Zeitschrift seit 12 Jahren auf den Staatsgedanken, der sich nunmehr in Reife vor uns entfaltet, hingearbeitet und sollen in dem Zeitpunkte, da der kräftigende Hauch mehr denn je vonnöten ist, in der Begeisterung durch äußere Rücksichten gehemmt werden? — Zuckt man mit der Achsel und läßt das Rädchen laufen, bis es stillesteht oder sich mühsam im matten Schwung erhält — meinetwegen; ich habe die Schuld abgewälzt, nicht rechtzeitig auf die Umstände verwiesen zu haben. Mitglieder unserer Arbeitsgemeinde, Leser der „Bl." 1 Aus dem Feld, wo ich den Schritt der Neuen Zeit donnern höre, sende ich Gruß und Mahnung. Laßt die ändern schlafen, laßt sie kläffen, laßt sie hindämmern, seid aber selbst des herrlichen Tages, der anbricht, würdig! Es soll im Buche Euerer Enkel stehen: „Die von der „Blättergemeinde" haben rechtzeitig den Pflug erfaßt und tüchtig geführt." — Frohe Siegesgrüße aus dem Feld! Aeerz. Wie ist plötzliches Versagen bei guten Schülern physiologisch zu erklären? Vom einer. Universitätsassistenten Br. Leo Wolfer. Eine für den Schüler, mitunter aber auch für den Lehrer sehr unangenehme Erscheinung in der Schule ist die bekannte Tatsache, daß oft der beste Schüler in Gegenwart des Inspizierenden versagt. Sehr häufig bekommt man bei solchen Gelegenheiten aus dem Munde des Prüflings die recht billig erscheinende Entschuldigung zu hören, daß er daheim seine Sache recht gut gewußt habe, jetzt aber außerstande sei, sie aus dem Gedächtnisse zu reproduzieren. Obwohl sich gewiß die meisten wenigstens einmal auch schon in einer Situation befunden haben, in der sie trotz klarliegender Dinge nicht das richtige Wort zu finden vermochten, um beim ruhigen Überdenken in einer folgenden Stunde genau zu wissen, wie sie hätten sprechen oder handeln sollen, findet der Schüler maßgebendenorts für seine stammelnd vorgebrachte Behauptung nicht immer den gewünschten Glauben. Im gewöhnlichen Sprachgebrauch erklären wir diese Erscheinung durch die Aufregung, die uns im gegebenen Moment lähmend überkommt. — Es verrät daher Besonnenheit, wenn wir es uns zur Gewohnheit gemacht haben, vor dem Treffen einer folgenschweren Entschei- 3606 dung die Angelegenheit zu „tiberschlafen“ und den Sturm sich legen zu lassen, der in der Stunde, da die Tatsache sich ereignete, an unserem Nervensystem rüttelte. Leider jedoch ist uns nicht immer Bedenkzeit und am wenigsten einem Prüfling Gelegenheit zu ruhiger Sammlung geboten. Wie erklärt sich Nun dieses Versagen unseres Gehirnes während der Aufregungszustände und im Affekt überhaupt? Wir besitzen ein Gefäßzentrum, das zum Teil im verlängerten Mark, zum Teil im Rückenmark liegt. Von diesem Zentrum gehen Nervenfasern zu den Blutgefäßen ab, von denen die einen gefäßverengernd, die anderen gefäßerweiternd wirken. Von der Weite eines Blutgefäßes hängt die Höhe des Druckes der in ihm befindlichen Blutsäule, der Blutdruck, ab, dessen Ansteigen vor allem in stärkerem Herzklopfen zum Ausdruck kommen wird. Die gefäßverengernden, bezw. gefäßerweiternden Nervenfasern treten in Funktion, sobald irgend ein Reiz das Gefäßzentrum trifft. Einen solchen Reiz stellt z. B. irgendeine Gemütsbewegung dar, auf die das Kind namentlich im schulpflichtigen Alter viel lebhafter als der Erwachsene reagiert. Wie nun an einer Reihe physiologischer Versuche an trepanierten Tieren nachgewiesen worden ist, führen Veränderungen in der Gefäßinnervation und besonders der stärkere Herzschlag zu Schwankungen des Gehirnvolumens, welches eine derartige Vergrößerung erfahren kann, daß das Gehirn durch die zur Beobachtung geschaffene Öffnung im Schädel geradezu hervorzuquellen droht. Ferner hat sich gezeigt, daß diesen Schwankungen des Gehirnvolumens in der Tat auch Schwankungen der Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit entsprechen. Vom Grade und der Lebhaftigkeit dieser Schwankungen des Gehirnvolumens muß aber naturgemäß auch die Funktion des Gehirnes, dessen Rinde der Sitz aller Bewußtseinsvorgänge ist, abhängen. Solange sich diese Schwankungen in normalen Grenzen bewegen, d. h. solange sich im Menschen keine Affekte abspielen und das Herz sich in ruhiger Tätigkeit befindet, wird die Funktion des Gehirnes keine Störung erleiden. Je rascher und ausgesprochener aber Vorwölbungen und Einsenkungen der Gehirnoberfläche miteinander abwechseln, je stürmischer das Herz pocht, desto mehr muß die Tätigkeit des Gehirnes leiden und klares Denken unmöglich werden. Es ist daher als absolut unrichtig zu bezeichnen, wenn ein Lehrer aus einem Schüler, der unerwarteterweise versagt, auf einem anderen als dem eben versuchten Wege noch etwas „herausbringen“ will, weil er es gut mit ihm meint. Das einzige Mittel, die Funktionen des Gehirnes wieder zur Norm zurückkehren zu lassen, besteht darin, die Abnahme des Blutdruckes zu fördern. Das aber kann nur erreicht werden, wenn nicht weiter in den Schüler gedrungen, sondern diesem Ruhe gegönnt wird. Auf dieselbe Weise erklärt es sich, daß ein Schüler erst recht verwirrt wird, wenn er sieht, daß der Lehrer die Geduld verliert. Jeder Augenblick bringt die Entscheidung, die gefürchtete schlechte Note, die Pulse fliegen, der Herzschlag steigt zur Kehle empor, die Gehirnoberfläche wogt — der Schüler, der sonst fließend spricht, beginnt zu stammeln. Von diesen Stürmen im Zentralnervensystem sollte jeder Lehrer wissen. Je häufiger sie losbrechen und je heftiger sie einwirken, desto größer kann der Schaden sein, den sie anrichten. Bisher erschienene LriegsanfjStze in der Monafschrift zur Förderung des österreichischen Schulwesens. (Blätter für den Abteilungsunferricht.) 1. Der Krieg. (Einlageblatt der Augustsolge 1914.) 2. Der Krieg und die Lehrerschaft. (September 1914.) 3. Eine Ansprache an das Volk. (September 1914.) 4. Das Kriegsmanifest des Kaisers als Unterrichfslektion. (September 1914.) 6. Die Welt in Waffen. (September 1914.) 6. Eine Reise durch den Krieg. (September 1914.) 7. Eine Kriegsspende unserer „Blätter". (September 1914.) 8. Viribus unitis. (Oktober 1914.) 9. Ein Vorschlag. (Oktober 1914.) 10. Allerseelen 1914. (November 1914.) 3607 11. Zueignung. (Aus: Grüße an unsre tapfere Armee.) 12. Eine Weihnachtsfeier im Gedenken an unsere braven Soldaten im Feld. (Aus: Grüße an unsre tapfere Armee.) 13. Die große Zeit — ein großes Geschlecht. (Jänner 1915.) 14. Die Zuversicht des Kaisers. (Feber 1915.) 15. Der Kampf gegen die Kriegsnot. (März 1915.) 16. Wie ehren wir die Lehrerhelden. (April 1916.) 17. Unsere nächsten Arbeiten für das Vaterland. (Mai 1916.) 18. Vom Siege der Daheimgebliebenen. (Juni 1915.) 19. Unser diesjähriges Ferienprogramm. (Juli 1915.) 20. Brief an Se. Exzellenz den Unterrichtsminister a. D. Luige Credaro. (Juli 1915.) 21. Eine Siegesfeier. (Juli 1915.) 22. Die Sorge um das kommende Geschlecht. (August 1915.) 23. Prophetisches aus unseren „Blättern". (August 1915.) 24. Der Ruf an die kaisertreue Lehrerschaft des Reiches. (September 1915.) 25. Unsere glorreiche Armee. (Oktober 1915.) 26. Im Siegeszeichen der goldenen Ähre. (Oktober 1915.) 27. Talaufwärts durch den Krieg. (Oktober 1915.) 28. Die Siegesbeute des Bischofs Kollonitsch. (November 1915.) 29. Brief an Se. Exzellenz, den G. d. I.. Albin Reichssreiherrn v. Teuffenbach. (November 1915.) 30. ? I. (Dezember 1915.) 31. Soldatenbüchlein für die österreichisch-ungarische Armee. (Dezember 1916.) 32. Wir siegen I (Aus: Siegesklänge aus der deutschen Lehrerwelt.) 33. Der Sieg des Geldes. (Ein Aufruf.) (Aus: Siegesklänge aus der deutschen Lehrerwelt.) 34. Bilder aus der großen Zeit des Weltkrieges. (1. Die Musterung der Alten.) (AnS: Siegesklänge aus der deutschen Lehrcrwelt.) 36. Eine dringliche soziale Frage. (Jänner 1916.) 36. Er war mein Schüler. (Jänner 1916.) 37. Lehren aus der Front. (Feber 1916.) 38. Der österreichisch-ungarische Staatsgedanke in der Schule. (Feber 1916.) 39. Schule im Schützengraben. (Feber 1916.) 40. Unser Generalstabschef. (Feber 1916.) 41. Die braven Oberösterreicher an der Tiroler Front. (Feber 1916.) 42. Die Tiroler Wacht in Eis und Schnee. (Feber 1916.) 43. Feinde des Fortschritts — Feinde des Vaterlands. (März 1916.) Frühling. (Erzählung von K. Stumpfott, Lehrer in Wels.) Als wollte der Frühling dem Winter alle Herrschaft streitig machen — so schien es heuer zu sein. Zur Jahreswende stäubende Erlen- und Haselsträucher, silberhaarige Palmkätzchen, das ist doch etwas Ungewohntes. Der Frühling wollte unserer Sehnsucht zuvorkommen. Ehe wir es gedacht, war der buntgestickte Blumenteppich gewoben und über Flur und Hain gebreitet. Schneeglöckchen, Primeln, blauäugige Leberblümchen und Veilchen gucken nun schelmisch aus dem saftigen Grün, den feindlichen Winter verlachend, der aus der letzten Stellung geworfen ist. Der Frühling will Balsam in die klaffenden Wunden gießen, die der herbe Krieg uns schlug. Friede möchte er bringen! — Um sich einigermaßen aus der seelischen Niedergeschlagenheit herauszuarbeiten, war auch Luise, die Frau eines Dorfschullehrers, lustwandeln gegangen wie so viele andere. Die Sonne warf ihre Silbersträhne auf die blumigen Matten, der Himmel war in tiefes Azurblau getaucht, das Waldbächlein plätscherte sein lustig Lied, die Vöglein gaukelten toll von Zweig zu Zweig und schwatzten voll Übermut um die Wette — doch Luise konnte den Frühling nicht so froh und friedsam sehen wie sonst. Als ob sich ein Flor um all die Frühlingspracht zöge, als ob eine neidische Schlange mit ihrem giftigen Geifer den Glanz trübte, so trat ihr der Lenz 1916 entgegen. Ja, wäre Adolf, ihr Mann, zu Hause oder bekäme sie doch wieder einmal ein Lebenszeichen von ihm! Zwei Monate hindurch schon banges Warten. Sic wußte, 3G08 am Isonzo steht sein Regiment. Wirre Gedanken durchscliwirrten ihren Kopf. — Ahnungen, Hoffnungen, Träume — wenn sie vor der Landkarte saß und mit fieberhafter Eile die Zeitungsberichte durchflog, die von einer neuen Isonzoschlacht kündeten. Ist er gefangen ? oder —'? Luise war mit ihrem Bubi heimgekehrt und ordnete die Blumen, die ihr der gütige Frühling schenkte. Die Blütensterne schauten betrübt zu Boden als wollten sie mittrauern. Dem kleinen Bubi schien die wehmütige Stimmung nicht zu behagen und um dem Mollakkord den richtigen Grundton zu geben, ließ er sein Klagelied ertönen. Da auf einmal — horch! — Vom Schulhause klang es herüber: „Frühling, Frühling wird es nun bald!“ Der Bubi hörte auf zu weinen und unwillkürlich hob auch Luise den Kopf höher und lauschte den Tönen, die ihr wie eine überirdische, frohe Botschaft ans Ohr drangen. Da klopfte es an der Tür. Der Briefbote brachte eine Feldpostkarte: „Liebe Luise! Liege leicht verwundet als Kriegsgefangener im Spital zu Padua. Sei unbesorgt! Hoffe auf baldiges Wiedersehen! . . . Dein Adolf.“ — Eine Freudenträne quoll über Luisens Wange. Er lebt noch! Erleichtert atmete sie auf, trat zum Fenster und überflog nochmals die Zeilen. Der Frühling war jetzt in ihr Herz gezogen. Freudestrahlend sog ihr Auge die Lenzespracht. Wie von weichen, gütigen Händen gehoben, lichtete sich der düstere Schleier, der ihr die Frühlingsfreude mißgönnte und so hell wie schon lange nicht stimmte sie in den Kinderchor ein: „Die Voglein singen wieder, der Frühling ist erwacht und alles freut sich wieder nach langer Winternacht.“ Der Bubi lallte auch mit und schlug übermütig den Takt. Die Blumen hatten Wasser getrunken und die Köpfchen emporgerichtet. Vom nahen Felde hob sich trillernd eine Lerche, als wollte sie den Dank Luisens zum Himmel tragen. Ein Kriegskoffer voll Mtzemäfrer Schriften. 1.) Der Weltkrieg in der Volksschule und in den Ausangsülaffe» höherer Schulen. Zu dem amtlich empfohlenen Handbuche für Lehrer „Der Weltkrieg in der Volksschule und in den Anfangsklasse» höherer Schulen" von Dr. Sigismund Rauh, Stadtschulinspektor in Berlin, wird der 2. Teil in 5000 Exemplaren im April erscheinen. Wie uns der Verlag des Buches, Vandenhoeck u. Ruprecht in Göttingen, mitteilt, wird dieser wiederum mit Kartenskizzen ausgestattete Teil die Begebenheiten des Weltkrieges bis Anfang 1916 behandeln. Wir werden sofort nach Erscheinen ausführlich darüber berichten und wenn möglich eine Textprobe daraus zum Abdruck bringen. Der Preis wird gleich dem ersten, sehr willkommen aufgenommenen Teile etwa 2 M. sein. — Ausführliche Prospekte mit Textproben versendet der Verlag kostenfrei. — 2.) Kriegslieder. (Herausgeber: R. Löhrl und V. Reifner; Schulbüchcrverlag in Prag; 30 h.) Auch mit Klavierbegleitung erschienen. — So recht was fürs Feld und für die marschbereite Jugend. Die Sammler Haben es der sangessreudigen Seele abgelauscht, wornach sie lechzt. Prächtige neue Lieder mit urkräftigem Wortlaut. Kausen und singen! — 3.) Ser neue -Lehrplan für den Unterricht in der Geschichte an -Lehrer- und /ehrerinnenvikdungs-anstakten. (Verf.: G. Rusch; Verlag Pichlers Witwe u. Sohn, Wien V, Margaretenplatz 2.) — Unser bekannter Altmeister Rusch, dem der Ausschwung des geschichtlichen und geographischen Unterrichtes an den österr. Bildungsanstalten für Lehrer und Lehrerinnen zu danken ist, legt einen Entwurf vor, der bei der Neuschaffung eines Organisationsstatutcs zur Grundlage wird genommen werden müssen. R. ist kein Schmätzer; seine Darlegungen sind durchaus sachlich, klar. Man lese sie in den Heften 10—11 des „Österreichischen Schulboten" I — 4.) Sie Kartographische und Kchukgeographische Zeitschrift. Die „Kartographische und Schulgeographischc Zeitschrift", geleitet von Professor Rothaug, Verlag von G. Freytag u. Berndl in Wien, die in jährlich 10 Heften zum Preise von 3 K für den Jahrgang erscheint, bringt in dem vorliegenden Jännerheft des 5. Jahrganges wieder eine Reihe von geographischen Abhandlungen, denen im Interesse der kartographischen Schulung unseres Volkes die weiteste Verbreitung zu wünschen ist. Erwähnt seien nur „Die schweizerische Kartographie" von Professor Joh. Georg Rothaug, ein hochinteressanter Aufsatz, der Einblick in das Kartenwesen der Schweiz gewährt und zu Vergleichen mit unseren Verhältnissen veranlaßt, „Die elementare Behandlung der Loxodrome und Merkaiorkarte" von Dr. K. Schoy, ein Beitrag zur Lösung des Problems der Merkatorprojektion, „Kleinere Karstgebiele in den Voralpen von Niederösterreich" von Dr. Gustav Götzinger, dem bekannten fleißigen Scktionsgeologcn der k. k. Geologischen Reichsanstalt, der im Sinne der früheren Ausführungen Dir. Julius Mayers Mitteilungen über das Vorkommen von Dolineu auf der Rax und im westlichen Voralpengebiet Niederösterreichs macht; ferner „Die wirtschaftliche Bedeutung der Erdgassunde in Ungarn" von Dr. Joses Stadlmann, „Zur AtlaSfrage" von Professor Rothaug, „Die Gefährdung des 3600 Panamakanals" usw. Jcdcs Heft bringt eine zeitgemäße Karte mit einer entsprechenden Abhandlung, das vorliegende z. B. Saloniki und die Halbinsel Chalkidike. Aus den früheren Heften seien u. a. erwähnt: „Die Verbreitung der Ukrainer" (mit Karte) von Dr. Stephan Rudmckyj, „Die weltpolitische und weltwirtschaftliche Zukunft von Österreich-Ungarn" von Dr. Hermann Leiter, „Die Pässe und ihre Bedeutung im Kriege" von Fachlehrer Hans Kaindlstorser. „Italien und die dalmatinische Jnselfrage" (mit Karte) von Dr. Oskar Kende, „Zur Methodik des geographischen Unterrichtes" von Dr. G. Schrnf und Dr. A. Müller, „Kriegsgeologie" von Dr. F. König, „Die Verbreitung der Polen" (mit Karte) von Professor Rothaug, „Schule und Leben mit Berücksichtigung des geographischen Unterrichtes" von Dr. A. Müller, „Zum Bündnisbruch Italiens" (mit Karte) von Professor Rothaug, „Zum Kapitel Wirtschaftsgeographie" von Professor Joh. Georg Reis, „Neues über den Aufbau Niederösterreichs" von Dr. Julius Mayer, usw. — Unsere Zeit drängt zur Behandlung geographischer Fragen, die „Kartographische und Schulgeographische Zeitschrift" bringt dazu eine Fülle von Anregungen, die namentlich für Lehrerkreise und durch diese zur Umwertung für das Volk bestimmt sind. Die Zeitschrift verdient die weiteste Verbreitung; der ungewöhnlich geringe Bezugspreis mutz ihr ebenfalls zur besonderen Empfehlung gereichen. — 5.) Die weibliche Dienstpflicht. Der Verlag „Ärztliche Rundschau" (Otto Gmelin) in München, Wurzer-straße 1, versendet unter dieser Marke ein Buch, in dem die Kriegsarbeit der Frau nach allen Seiten hin vor uns ausgebreitet wird. Da bei uns trotz aller Hingabe des Schönen Geschlechtes an die große Sache sich noch nicht alle zarten Hände regen und es vielfach am selbstlosen Ernste mangelt, wird es angezeigt sein, den Münchner Wegweiser dieser oder jener saumseligen Runde zu präsentieren. (Preis 3 K.) — 6.) Das Denlien und die H'hantaste. (Verf.: Dr. Müller-Freienfels, Verlag A. Barth in Leipzig.) — Der Krieg gestattet nicht ein genaues Studium des Buches. Doch schon die flüchtige Durchsicht belehrt uns, daß wir es mit einem tiefgründigen Werke zu tun haben. Eine ausführliche Besprechung Vorbehalten. — 7.) Kandvuch für die Deranstaktung von SoldatenvortragsaVenden im Aefahnngs- und «Kriegs-gebiet. Aus Brüssel lief vom Abteilungsvsrsteher der Bildungszentrale beim Generalgouvernement Th. H. Jansen die obgenannte Schrift ein, nachdem der Verfasser auf unfern Artikel „Schule im Schützengraben" (Folge 146) aufmerksam gemacht worden war. Was deutsche Voraussicht ausdenkt und allsogleich zur Tat umsetzt, zeigt nicht bald eine Schrift so deutlich wie die vorliegende. Ach, wie langsam, wie schleppend wickelt sich bei uns die Verwirklichung der besten Pläne ab! Wird denn, um des Himmels Willen, nicht endlich einmal ein anderes Tempo in die Beine derer kommen, die Volksbildung und Volkskunst zu fördern berufen sind! — 8.) Kein», (Sin Wollt in Waffen. (Große Ausgabe.) Wie kein anderes Kriegsbuch hat die Feldpostausgabe von Hedins „Ein Volk in Waffen" das deutsche Volk zu packen verstanden, und voll Begeisterung ist das Büchlein draußen in den Schützengräben von Hand zu Hand gegangen, und im behaglichen Daheim wurde es voll Stolz gelesen als wahrheitsgetreue Schilderung, wie der Deutsche zu siegen, aber auch für das Vaterland zu sterben versteht. Weit über die deutschen Gaue hinaus schallte der markige Ruf des Neutralen, der auf seinen weltweiten Forschungsreisen aus eigener Erfahrung weiß, wie sehr Menschen, selbst Angehörige der Kulturnationen, der Niedertracht und Grausamkeit, aber auch des Heldenmutes und Opfersinnes fähig sind. Heute liegt des großen Kulturpioniers Werk „Ein Volk in Waffen" in vollständiger Ausgabe vor uns als ein stattlicher Band von über 500 Seiten, geschmückt mit einer Fülle von Bildern, die der Verfasser selbst mit Zeichenstift und Kamera ausgenommen hat. Wie alle übrigen Werke des berühmten Schweden hat Blockhaus auch dieses in ein sehr schmuckes Gewand gekleidet, und der Preis von 10 Mark für das gebundene Exemplar ist billig zu nennen. Daneben gibt es geheftete Exemplare (8 Mark), die für den Versand ins Feld in einer dreiteiligen Ausgabe in jeder Buchhandlung zu haben sind; jeder dieser drei Teile steckt zur bequemen Versendung als Feldpostbrief in einem mit entsprechendem Ausdruck versehenen Umschlag. Gegenüber der kleinen Ausgabe hat die große ein persönlicheres Gepräge, das ihr ein besonderes Interesse verleiht. Hedin sah nicht nur Kolonnen und Bataillone, Batterien und Schützengräben; er lernte unzählige Persönlichkeiten kennen, die er mit Namen nennt, charakterisiert oder im Bilde wiedergibt, vom Kaiser bis zu den einzelnen Soldalenlypen, führende Männer oder Kämpfer an der Front und die Organisatoren und stillen Arbeiter in den Etappenorten im Rücken des Heeres. Tausende deutscher Soldaten — Generale, Offiziere und Mannschaften — werden bei der Lektüre ausrusen können: „Da war ich mit dabei! Hier nennt Hedin auch mich!" Es ist Ehrenpflicht eines jeden Deutschen, Hedins „Ein Volk in Waffen" kennen zu lerne», diese lautere Quelle der Wahrheit, aus der jeder neue Siegeszuversicht schöpfen wird. Die Bienenzucht im Mittelalter. (Beitrag zur Invalidenversorgung.) Nachdem der mächtige Frankenfllrst Karl der Große das räuberische Volk der Avaren aus den Alpenländern und aus Ungarn verjagt hatte, siedelten sich in den neugewonnenen Gebieten bayrische Volksstämme an; zahlreiche Ortschaften mit dem Namen Baierdorf erinnern noch an diese Besiedelung. Diese Bewohner waren aber nicht völlig frei, sondern einem Bistum, einem Kloster oder einer adeligen Familie untertan und durften ihren Wohnort nicht wechseln und sich nur mit Bewilligung der „Herrschaft“ verheiraten. Auch konnten sie mit dem Grund und Boden verkauft, verschenkt oder vertauscht werden; sie galten also als eine Sache, über die der „Lehensherr“ volle Gewalt hatte. Für das Ackerland, das ihnen zur Bewirtschaftung zugewiesen war, mußten die Lehensleute Robotdienste leisten und auch Steuern in Form von „Zehent“, d. i. der zehnte Teil, bezahlen. Mit der Eintreibung desselben war nicht selten einer der Untertanen des Lehensherrn betraut, dessen llof häufig davon den Namen erhielt. Auch die in den Alpenländern öfter vorkommenden Schreibnamen „Zehentleitner, Zehentbauer, Zehentmoar“ u. a. lassen sich auf diese Einrichtung zurückfuhren. Als Zehent wurden erhoben „der gemeine Pfennig“, Roggen, Gerste, Hafer, Hopfen, Flachs, Jungschweine, Böcke, Ziegen, Hühner, Eier, Brot, Käse, Unschlitt, Holzkohle, Wolle und — Honig und Wachs. Im Mittelalter schätzte man nämlich den Honig als Nahrungs- und Heilmittel weit mehr als heute. Als einziges Versüßungsmittel für feinere Speisen, als Mittel zur Erzeugung von würzigem Met fand der Honig allgemeine Wertschätzung. Deshalb wurde er auch an manchen Orten in ansehnlichen Mengen als Zehent verlangt; ja, eine alte Pfarrurkunde des Marktes Purgstall in Nieder-Österreich berichtet, daß einzelne Gehöfte dort 2—3 Eimer dieser edlen Gottesgabe an die Herrschaft Purgstall abliefern mußten. Bedenkt man, daß ein Eimer 80 kg wiegt, so kann man sich ein Urteil bilden, wieviel Honig ein Bauer ernten mußte, um solche Mengen an die Obrigkeit als „Zehent“ abliefern zu können. Aber auch der Verbrauch an Wachs war in jener Zeit ein viel größerer als heutzutage. In den Kirchen wurden zur Verherrlichung des Gottesdienstes ausschließlich Wachskerzen, u. zw. in großer Menge gebrannt und besonders an Festtagen wurde in dieser Beziehung großer Aufwand getrieben. So berichtet die obgenannte Urkunde, daß manche Lehensmänner der Pfarre Purgstall ein, zwei, ja drei Pfund1 Wachs als Erträgnis der „Blumensuche“ abzuliefern hatten.2 Diese bedeutenden Abgaben an Honig und Wachs lassen wohl den Schluß zu, daß die Bodenkraft und naturgemäß auch die Verbreitung der Honigpflanzen in damaliger Zeit eine viel stärkere gewesen sein muß als in unseren Tagen. Vielleicht haben unsere Vorfahren die edle Imkerei auch mit mehr Hingebung betrieben als das heutige gewinnsüchtige Geschlecht. F. 8. Wamprechtsamer. Praktische Rechenaufgaben. Geometrie (Oberstufe). I.) Kinder, auf unserem vorgestrigen Lernausfluge maßen wir die Jauchegrube des Herrn L. Sch., die er heuer im Frühjahr anlegte, aus. Sie war 2 m 15 cm lang, ebenso breit und 1 Vs m tief; wieviel hl faßt die Grube? 2 ) Herr L. Sch. teilte uns mit, daß die Grube in drei Wochen voll werde; wieviel Jauche fließt also jeden Tag zu? 3.) Man hat gefunden, daß in 1000 1 nicht verdünnter Jauche 15 kg Stickstoff, 01 kg Phosphorsäure und 4'9 kg Kali enthalten sind; wieviel von diesen Nährstoffen enthält also die volle Jauchegrube? 4.) Wir haben vor einiger Zeit berechnet, daß 1 kg Stickstoff (im Chilisalpeter) auf 2 K 13 h, 1 kg Phosphorsäure (im Thomasmehl) auf 36 h und 1 kg Kali (im Kainit) auf 45 h kommt; welchen Wert haben demnach die in der vorherigen Aufgabe berechneten Nährstoffmengen? 5.) Welcher Geldeswert floß dem Herrn L. Sch. jeden Tag beim Tor hinaus, bevor er die Jauchegrube angelegt hatte? 6.) Nach welcher Zeit werden demnach die Kosten für die Herstellung der Grube hereingebracht sein? (Auf unsere Frage teilte er uns mit, daß sich die Gesamtkosten auf 124 K beliefen.) 1 Ungefähr 56 dkg. 1 Nach „Aus der guten alten Zeit“ in Nr. 7 des „Bienen-Vater“ vom Jahre 1913. 8611 Lesefrüchte. Aus „Jugendlehre“ von Dr. Fr. W. Foerster. Die Hauptkunst beim Erziehen ist überhaupt nicht das Tadeln und Schelten, sondern das Erleichtern des Weges zum Guten. Man muß im anderen den Wunsch erregen, das Rechte zu tun. Aufrichten muß man ihn, nicht niederschlagen. — .. . Aber man verliert oft seine besten Freunde durch einen einzigen boshaften Witz; denn Lachen ist oft herzloser als Tadel. — Jeder Mensch, der ein großes Beispiel gibt und ein neues Licht in seinem Leben entzündet, der sitzt auf einem Königsthrone und wird weithin gesehen und hat Macht über die Menschen — auch wenn’s nur ein armer Schuhmacher ist. — Die rechte Geduld ist die größte Kraft, weil sie nie verlöscht, — sie ist wie das ewige Sternenlicht, und alle anderen Kunststücke des Menschen sind dagegen nur Raketen. — Der Selbstüberwinder ist der freieste Mensch! Daß Menschen da sind, die nie lügen, das ist Halt und Hilfe für Unzählige! — Dem modernen Menschen, der durch die Bücherbildung hindurchgegangen ist und durch das abstrakte Denken, ist die Fälligkeit der unmittelbaren Lebens- und Menschenbeobachtung in sehr hohem Grade verloren gegangen. Das wird jeder an sich gespürt haben — oder er wird es spüren, sobald er sich gezwungen sieht, Kindern über das Leben und die Menschen zu erzählen. Er findet sich in größter Verlegenheit. Es fehlt der Stoff. — Die große Masse der Menschen fühlt in jedem aufrichtig dem Höheren zugewandten Menschen eine Kritik ihrer eigenen satten Weltlichkeit, sie fühlen sich plötzlich als Menschen zweiten Ranges, weil einer da ist, der nicht mitmacht. Und je größer die Isolierung, um so stärker die Reaktion. So ergibt sich ein unausweichliches Märtyrertum all derer, die sich auch im kleinsten um tieferer Forderungen willen vom Haufen trennen. — Der mächtigste Mensch ist der, der so viel Feines und Gütiges in seiner Seele aufgespeichert hat, daß er von keinem Menschen mehr aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann, sondern ruhig das Ärgste anhört und seine Antwort immer nur aus seiner eigenen tiefen Liebe quellen läßt. — Wie der Vogel Phönix aus der Asche, so steigt aus dem Feuertode jedes selbstsüchtigen Wunsches ein schönerer Mensch empor. Und wer das nicht kennt und das nicht kann, der ist nur ein trüber Gast auf dieser schönen Erde. — Je gebildeter ein Mensch ist, um so bescheidener ist er, denn desto mehr weiß er, wie wenig er sich allein verdankt und wie groß die Zahl seiner Wohltäter ist. — Nichts beschämt so wie die verzeihende Güte — es liegt derselbe Zauber darin, wie in der Sonne, wenn sich alle Pflanzenkelche ihr zuwenden. — Großes Mitgefühl und große Persönlichkeit sind untrennbar: der kleine und schwache Mensch verbraucht all seine Kräfte für sich selbst, er hat keine Überschüsse, um fremdes Leben mitzuerleben; je reicher die Seele, desto inniger und mannigfaltiger verwächst sie mit dem Mitmenschen und quillt über in alle Kreatur. Vom nieder» Menschen aber gilt das Wort, das Faust dem Mephisto zuruft: „Du grinsest gelassen über das Schicksal von Tausenden hin!“ Wer es verschmäht, die Schwäche des ändern auszubeuten, der zeigt dadurch, daß er wahrhaft stark ist und für seine Stellung keine solchen billigen Triumphe braucht. — Je reifer der Mensch wird, um so tiefer und selbstloser wird seine Liebe. — Ein freundliches Wort aus dem Herzen ist ja so selten, und wenn es gesagt wird, der verliert es nie, sondern trägt es immer froh und sorgfältig mit sich herum wie ein Schulknabe ein gutes Zeugnis oder wie ein Bräutigam den Brief seiner Liebsten. Und wenn er dann von anderen Menschen harte Worte zu hören bekommt, so nimmt er schnell einen heimlichen Schluck von dem Herzenswort und spült damit den bitteren Geschmack hinunter. .. . Und doch ist jedes tröstende Wort wie ein Blumenkranz, den man auf ein Grab legt. Marie Smolik, prov. Lehrerin in Stefanau. Briefkasten. In die Mürzfolge habe» sich einige unangenehme Druckfehler geschlichen; das Drahthindernis (die Durchsicht) war zu schwach. Vom Felde ans durch die militärische Zensur hindurch eine Zeitung zu leiten, ist eben keine leichte Sache. Auch die prompte Ausgabe im bestimmten Datum kann unter diesen Umständen nicht erwartet werden. Dafür hat jedoch der Leser das Gefühl, daß alles, was ihm der grüne Bote bringt, bcn Krieg gesehen hat oder von ihm gestreift wurde. Unsere „Bl." dürsten zweifellos die einzige pädagogische Fachzeitschrift sein, deren Leiter durch die Fronten reist und dabei noch Muße findet, den aus vielverschlun» genen Fährten einlaufenden Stoff zu sichten und einzuordnen, bezw. aus dem unmittelbaren Geschehnis heraus Berichte als Erstdrucke zu liefern. Also mag ein bißchen Unregelmäßigkeit mit inkaufgenonnnen werden I — Auch der Drucker kann, entblößt der Hilfskräfte, nicht durchwegs das leisten, was er im Frieden bot; es ist überall Krieg: in der Leitung, im Letternsaal und in der Versendung. Der nahe Friede soll alles bessern! — Rektor H. W. in Kalle: Ich war immer dafür, daß im Bildungswesen politische Schranken nicht bestehen sollten; nun reißt der Krieg das nieder, was die engherzige Rücksicht ängstlich stützte. — Schule Aich vei Karlsbad: Die ins Feld gesandte Bildkarte . A. in Wien; Ja, das ist ein mir „ganz und gar angemessener Wirkungskreis"! Das Spielen mit Steinchen war mir längst zuwider, als ich sah, daß Schutt wegzuschaffeu ist, der uns den Weg zum Fortschritt verlegte. — I. H. Aeldp. 43: Sie bereiten sich im Schützengraben auf die Bürgerschullehrerprüfung vor. So ist's recht. Es gibt viele, die meinen, im Unterstände dürfe man nichts betreiben als Romanlesen, Kartenspielen und Spässefabrikation. „Schule im Schützengraben" und „Prüfunsrüstung im Schützengraben" — diese Termini sollten gangbar werden! — Kehrer A. A. in S.: Hätte ich den blutigen Krieg gescheut, so wäre ich nicht in sein Revier gezogen. Und nun soll ich der Kläffer fürchten, so ich mit stolzen Ideen komme? Nein! Wenn mich nur die in Rnhe ließe», die die Leuchte zu tragen vorgeben; die Finsterlinge will ich gern übernehme». — An meinen Schüler A. K. Aeldpost 66: Wir zogen aus, der ganze Jahrgang bis auf vier Mann. Auch die wird'S nicht in der Klause halten, da die Weltgeschichte an der Schultür vorüberdonnert. Selbst den Schul» dienet litt es nicht daheim. — An einen Schüler: Die bessere Note, mein Lieber, macht es nicht, sondern nur das bessere Können. Freuen Sie sich mehr über die Zensur, die das Gewissen gibt als über die auf dem Papiere! — Sind. pyil. A. Melrner, unser g. Mitarbeiter, hat das markige Gedicht „Der deutsche Landsturm" in Folge 146 der „Bl." vertont und dem Schriftleiter gewidmet. Die Noten werden zur Leihe kostenlos abgegeben. lEinzelgesang mit Klavierbegleitung.) — Mach Hottschee: Der Zuruf hat alte Erinnerungen wachgerufen, die einerseits zwar gemischte Gefühle aufleben ließen, anderseits aber zeugten, wie lebhaft das Gedenken in den Herzen der Ehrlichen schlummert, die vom Willen für Fortschritt und deutsche Bildung durchdrungen sind. — Kranz Arisch f. Eine ausführliche Würdigung dieses Schulmannes enthält der „Österr. Schulbote" aus der Feder Dr. Burgers. — Schllt. M. It. in Sch.: Sie fragen, welche Werke über das „Kriegsaussatzwesen" erschienen sind. Ja, mein Guter, eine Legion! Wollte ich sie anführen, so bliebe nicht Raum für anderen Stoff. Merken Sie: Wenn etwas die ausnahmsfähigen Seelen erfaßt, ist der pädagogische Geschäftsmann rasch zur Stelle, die Stimmung in klingende Münze umzusetzen. Warten Sie ab, was als inhaltsschwer zuboden sinkt! Bishin arbeiten Sie aus Ihrem Empfinden heraus! — Höerl. A. P. i« M.: Ihr Lob wärmt, allein der Abgang jener, die fielen, fröstelt. Bringen Sie Nachschub! Wenn wir die Lücken nicht sogleich ausfüllen, ist's schlimm bestellt mit unserer Macht. Das gilt nicht allein für die Bl., sonder vor allem auch fürs deutsche Volk, dem der Großteil an Blutopfern zufiel. — Wie man einen Pries nicht Beginnen soll: „Es gereicht mir jederzeit zu einer unermeßlich hohen Ehre, wenn mir Euer Hochwohlgeboren hinreichend gestatten wollen, an Sie, hochzuverehrender Herr, eine selbständige Frage zu übergehen, um eine Bitte, traut und zwanglos, verknüpfen zu dürfen." — In so ernster Zeit ein derart sinnloses Gesäusel! — Htappenpostmeister E. A. in Polen: Wann ich hinaufkomme, ist noch unbestimmt. Vorläufig gibt es im Süden zu schaffen. — An die Hiroler Standschühe» in K.: Mein Bericht bedeutet nur einen Schimmer von den. Glanz, der Euch und Euer Wirke» umgibt. Kann ich einmal offen sprechen, so will ich der Welt erzählen, was Ihr vollbracht, was ich an Aufopferung und Heldenmut in Euerem Kreise gesehen. — Wadi Prüssel; Treuen Dank für die schöne Gabe! Vergessen Sie nicht unser, die wir um gleiche Güter Schulter an Schulter mit Ihnen ringen! — Prof. M. E. in Kiel; Was ich seit Jahren gewünscht, wird nun Tat: Gemeinsames Schaffen, Austausch der Geisteswaren, innige Freundschaft. — K. It. im Aeld: Sicherlich reichen meine Fäden weit; allein für Drückebergerei bin ich nicht zu haben. — W. P.: Ja, worüber grämt sich denn W. so giftig? Er läßt die Unterrichtswalze täglich durch drei Stunden lausen, gähnt sodann in die Zeitung hinein, spielt abends seinen Tarock und entwickelt kühne Strategie. Und ich? Ich wandere indes zwischen Schnee und Eis, höre da und dort was zischen, menagiere im Schützengraben und liege in Frost und Nässe. Und darum beneidet mich W. so unendlich, das verdirbt ihm die Laune? — A. E. in P.: Wie können Sie darüber verärgert sein, nicht zu den Ausgezeichneten zu gehören! Werden wir denn nicht doch einmal so weit kommen, den schönsten Lohn im Erfolge zu genießen? 3613 — Irl. I. 5$. in K. (Steierm.): „Des Lehrers Takt und Schliff" erscheint erst in 2 Monaten; der Krieg hält alles auf. Ihren Aussatz hätte ich gere gebracht, wenn er nicht zuviel Lob für mich enthielte. Personenkult verdirbt die Sache. — ZlVnngsschukkehrer A. K. in M.: Also auch Sic litt es nicht in der Stube. Ich schmähe sie nicht, die am Schwungrade der Bildung blieben, sondern ich verachte nur die, denen der Lebensgenuß über Vaterland und Volkstum geht, die nichts könne» als andere vernadern und sich sorglich pflegen. — Kaisers. Ztat A. K. in Wien: Lieber Freund! Wir haben an Polack wohl beide viel verloren. Ich komme mir seit seinem Hinscheiden so einsam, so verwaist vor. Wohin ich auch sehe, kein Ersatz. — Lehrer A. %. in W.: Dem von Ihnen genannten Werke haftet Oberflächlichkeit an. Der Mann ist noch nicht fertig und schreibt zu viel. Später einmal wird er wohl selbst über die unreifen Schriften lächeln. Es ist mir auch so ergangen. — Lehrer W. K. in Wien: Dem Fleißigen und Denkenden fällt immer was ein; der Faule und Dumme erstickt in seinem Fett oder wälzt sich wie ein Klumpen durchs Leben. — Ar. K. Lüdtke in Werkin: Die Zuschrift hat mich im Felde erreicht. Ihre Mitarbeit ehrt mich. Beglücken Sie uns oft! — Lehrer in W. a. b. Aonau: Der Bürgerschullehrerkursus in den Bl. dauert zwei Jahre. Billiger läßt es sich nicht machen. — <3ugsf. W. W. Aeldpost 12: Ha, welche Ehr', zum Zeichen tüchtiger Wehr das Kreuzlein an der Brust und darunter das Bewußtsein der hohen Tat! — Kinj.-Ilreiw. (Lehrer) Htto Pospischill, derzeit in Turkestau, sendet unserer Arbcitsgemeiude treue Grüße. — I»rk. A. W. in K. A. (Wnkowina): Für Prüfungsfragen erübrige ich jetzt, da wir an einem neuen Österreich-Ungarn zimmern, keinen Raum. Das gleiche gilt auch für den Herrn Oberl. E. H. in W. — Wach Konstantinopek: Da der Balkan gesäubert ist, werde ich meine Kriegswanderschritte wahrscheinlich nach dem Norden lenken. — ZK. L. in (£.: Eine schöne Frau und viel Geschwätz hilft manchem über das Gesetz. — Aus verschiedenen Inschriften: 1.) Lcyrcr-Lentnant Kämpfern, Aekdpost 53: „Es ist ein wahrer Festtag, wenn sich wieder einmal ein Heft der Bl. zu uns wagt. Der Mangel an nützlichem Lesestoff ist ein großes Weh und Ach, nicht nur für uns, sondern auch für die brave Mannschaft." — 2.) Mektor <$>. Winter in Zleuliölkn: „Auf der gleichen Linie wie Ihre Schützengrabenschulidee liegt das, was in Sachen der Volksbildung in dem besetzten Belgien geleistet wird." — 3.) Htierk. A. Palme in Wokfslierg: „Ein Mitglied unseres Standes als Kriegsberichterstatter, das war eine Notwendigkeit, das beweisen die letzten Hefte der Bl. Das große Geschehen, in unmittelbarer Nähe mit den Augen eines erfahrenen Pädagogen betrachtet, wird sicher gute Früchte für die zukünftige Schule zeitigen." — 4.) Direktor K. Knemer in Hggenvurg: „Von den ausgezeichneten Aufsätzen in Folge 146 gefallen mir besonders: Lehren aus der Front, Der österr.-ungar. Staatsgedanke in der Schule und Die zehn Gebote der Kritik." — 5.) ZKarienheim in Koltschee; „Nun Ihre Feldpostnummer bekannt geworden ist, sendet ein — ehemals unter Ihren Fittichen gestandener — Lehrkörper innige Grüße und Wünsche zum gegenwärtigen Wirken. Wir im Hinterlande arbeiten auch im Dienste des Vaterlandes." — 6.) Lehrkörper Aich (Wöhmcn): „Ihre Marienbader Rede (Verlag des Bezirkslehrervereines Marienbad, Preis 40 h. D. Sch.) hat uns sehr begeistert. Wir haben schon immer in Ihrem Sinne fürs Vaterland gearbeitet und wollen jetzt erst recht alle unsere Kräfte in den Dienst unseres heißgeliebten Vaterlandes und des Volkes stellen." — 7.) Prof. Ar. Johannes Kühne! in Leipzig: „Schon eine halbe Stunde Vertiefung in die Febernummer der Bl. zeigt, wie reich an Gedanken und Anregungen sie ist." — 8.) Lehrkörper in Schlackenwerih: „Mit großem Interesse verfolgen wir die Kriegsberichte in Ihrem geschätzten Blatte. Wir glauben, daß Sie uns auch in die Reihen derer stellen würden, die stilles Heldentum verrichten." — !)) Hr-zelkenz, Acldmarschalleutnant (st.: „Die Hefte (Bl.) habe ich mit großem Interesse gelesen und darin manche Anregung gefunden, über die wir seinerzeit miteinander gesprochen." — 10.) Ale Hrußkarten aus Mies, Gmünd und Plan werden herzlich erwidert. — Weckruf. Wahrend diese Folge der Bl. durch die Presse läuft, erhallt die Welt vom größten Waffenlärm, der je dieses Erdental durchbebte. Ein Augenblick, der für alle Zeiten im Buch der Geschichte festgehalten werden wird, von dem die kommenden Geschlechter voll Bewunderung für unsere Größe die Kunde vernehmen werden, zieht an uns vorüber. Seien wir seiner würdig, denken wir groß, fühlen wir tief und handeln wir stark! P. Kleine Mitteilungen. 617.) Aer neue Schriftleiter des „Hsterr. Schulvoten", dieses ältesten vaterländischen Fachblattes, ist Dr. Eduard Burger. Der Verlag hätte das Erbe Frisch' keinem Würdigeren übertragen können. B., der aus dem Volksschullehrcrstande hervorgegangen ist und sich zur höchsten Bildungswarte emporgerungen hat, wird in der Lage sein, den bisherigen Ruf des Blattes nicht allein zu wahren, sondern auch zu mehren. Unsere Bl. und der Ö. Sch. werden einander non jetztab ergänzen: Hier Landschulpraxis und Wissenschaftlichkeit mit dem Sondergebiete der geteilten Schule, dort allgemeine Linien und die Theorie über das Gesamtfeld der Pädagogik. Ich habe die Weitung seit langem vermißt und mußte darum selbst aus dem Rahmen treten; nun nimmt Freund B. mir den Teil ab und ich kann wieder auf dem eigenen Grunde fleißig :iGi4 ackern. Naturgemäß bildet sich solcherart ein Zusammenarbeiten beider Zeitschriften heraus. — Die Lehrer-schuft muß es begrüßen, daß mit Dr. Burger wieder einer in die Schranken tritt, der berufen ist, voranzuschreiten. — 618.) Eine interessante tzrheöung. Der Gerichtsassessor Erich Warscha-uer in Kaltowitz richtet an den Leiter der Bl. eine Einladung, die auf die Ergründung des natürlichen Rechtsgefühles abziclt. In der Anweisung zur Untersuchung heißt es: Die Versuche sollen dazu dienen, Material zu schaffen für die Beantwortung folgender Fragen: 1.) Gibt es ein reines, angeborenes Rechtsgefühl, das den Menschen unabhängig von Erziehung, Erfahrung und Unterricht bei der Beurteilung eines rechtlichen Tatbestandes leitet? — 2.) Lassen sich bei der Betrachtung der Ergebnisse dieses Rcchtsgefühles Unterschiede scststellen, die etwa auf der Verschiedenheit der Geschlechter, der häuslichen und sozialen Verhältnisse, der Rassen und Nationalitäten, der Konfessionen beruhen? — 3.) In welchem Verhältnisse steht dieses Rechtsbewußtsein des Menschen zu dem Grade seiner allgemeinen Intelligenz, seiner sittlichen Veranlagung, seiner geistigen Bildung? Ist hiernach das Rechlsgesühl einer Pflege, Leitung und Beeinflussung von außen her fähig? Um dem Ziele der Versuche möglichst nahe zu kommen, ist es nötig, auf die größte Reinheit der Antworten von Einmischungen aller Art hinzuwirken. Hiezu ist es erforderlich, den Versuchspersonen (— Vp.) in einer kurzen mündlichen Ansprache, deren Fassung natürlich dem Alter der Vp. anzupasscn ist, etwa folgendes einzuschärfen: 1.) Es handelt sich um eine wichtige und für alle Menschen bedeutsame und nützliche Arbeit. Die Vp. müssen stolz darauf sein, sich daran beteiligen zu dürfe». 2.) Es kommt nicht darauf an, daß die Vp. richtige, gute oder kluge Antworten geben. Sie sollen schreiben, was sie denken. Falsche, dumme und schlechte Antworten gibt es nicht. Deshalb wäre es sinnlos, wenn die Vp. versuchten, von einander abzu-schrciben oder sich gegenseitig vorzusagen. 3.) Es ist selbstverständlich, daß die Art der Beantwortung für die Beurteilung der Klassenleistungen vollständig außer Betracht bleibt, noch selbstverständlicher, daß die Vp. für die oder jene Art der Beantwortung weder Lob noch Tadel oder gar Strafe zu erwarten haben. 4.) Dennoch soll natürlich nicht gedankenlos geraten oder drauf los geredet werden. Die Beantwortung der Fragen erfordert reifliche und ruhige Überlegung, denn die Antworten müssen begründet werden. Eine Antwort, der die Begründung fehlt, ist wertlos. Die Ausführung. 1.) Es ist unbedingt zu vermeiden, den Vp. irgend welche Anleitung zur Beantwortung der Fragen zu geben. Auch eine nähere Erläuterung der Fragen ist grundsätzlich unstatthaft. Sollte eine Vp. mündlich eine Frage stellen, so ist mit allergrößter Vorsicht daraus zu antworten. Nur wenn sich ergibt, daß die Vp. etwa den Wortsinn der schriftlichen Fragen nicht verstanden haben sollten, so ist eine behutsame Erklärung zu geben. Es versteht sich von selbst, daß auf Fragen technischer Art, wie etwa: in welcher Art der Bogen auszufüllen sei, eingegangen werden muß. Auf Fragen anderer Art ist nur negativ zu antworten. Der Grundsatz lautet: schreibe, was du für richtig hältst und so gut du es kannst. — 2.) Ein Abschreiben oder eine gegenseitige Verständigung ist mit allen Kräften zu verhindern. Vp., die derartiges unternehmen, sind von den Versuchen auszuschließen. Nach Möglichkeit ist Vp., die nebeneinander sitzen, nicht dieselbe Frage gleichzeitig vorzulegen. Die nähere Ausgestaltung bleibt der Geschicklichkeit und dem Takte des Versuchsleiters (— Vl.) überlassen. — 3.) Die Vp. haben auf dem Fragebogen oben nur ihren Namen und ihr Alter anzugeben. Der Vl. hat eine Liste anzulegen, in der aufzunehmen sind: Bezeichnung der Schulklasse (Die Auswahl der Klassen, in denen die Versuche vorgenommen werden, bleibt dem Vl. überlassen); Vor- und Zuname, Religion sowie Stand des Vaters bezüglich sämtlicher Vp.; ein Vermerk über den allgemeinen Jntclligenzgrad jeder Vp. Welche Bezeichnung er hiesür wählt, bleibt dem Vl. im allgemeinen überlassen. Es empfiehlt sich, feststehende Typen zu gebrauchen, etwa: sehr intelligent (über dem Durchschnitt des Alters und der Klasse), mittelmäßig (durchschnittlich) begabt, schwach (unter dem Durchschnitt) begabt. Es bedarf kaum der Hervorhebung, daß die Schulleistungen sowie der Fleiß und die Aufmerksamkeit der Vp. ebenso außer Betracht bleiben, wie ihre sittliche Führung. In den Bemerkungen des Vl. kann ferner in besonderen Fällen, in denen der Vl. das geboten hält, ein Vermerk ausgenommen werden über häusliche Verhältnisse der Vp. (vielleicht uneheliche Geburt), etwaige krankhafte Veranlagung, kriminelle Neigungen, unter Umständen auch über etwaige Normabroeichtmgen der Eltern (Geisteskrankheiten, verbrecherischer oder unsittlicher Lebenswandel). Diese Bemerkungen, von denen erwartet werden darf, daß sie nur nach sorgfältiger Prüfung der Sachlage gemacht werden, sind möglichst kurz zu halten. Es ist auch sehr erwünscht, daß die Bemerkung vom Vl. niedergeschrieben wird, bevor er den ausgefüllten Fragebogen zu sehen bekommt. — 4.) Die ausgefüllten und gesammelten Fragebogen sind möglichst sofort an die Sch. zu übersenden. In dem Übersendungsschreiben ist anzugeben: Datum und Tagesstunde der Versuche; eine ungefähre Angabe über die Zeit, die für die Ausfüllung gewährt und gebraucht worben ist; eine allgemeine Bemerkung über die Lust und das Interesse, das die Vp. den Versuchen entgegengebracht haben, und über etwaige Umstände, welche die Versuche beeinflußt haben können. — Die ersten drei Rechtfälle lauten: 1.) Herr S. läßt sich bei seinem Schneider einen Anzug machen, den er für morgen zu einer Hochzeit braucht. Heute kommt der Anzug. Er paßt ihm aber nicht. Daher nimmt ihn Herr S. nicht ab und kauft sich in einem Geschäfte einen fertigen Anzug. Am Tage nach der Hochzeit bringt der Schneider beit bestellten Anzug geändert zurück. Jetzt paßt er gut. Herr S. nimmt ihn aber nicht ab, weil er ja inzwischen einen anderen gekauft hat. Der Schneider verklagt ihn deshalb, a) Wer hat Recht? b) Warum hat er Recht? 2.) Hans spielt im Garten seines Vaters mit einem Freunde Ball. Der Ball fallt über des Nachbars Zaun in dessen Hof. Hans klettert hinüber, um den Ball zu holen. Inzwischen hat der Hund des Nachbars den Ball erwischt und trägt ihn im Maule. Hans will dem Hunde den Ball wegnehmen. Der Hund wird aber böse und schnappt nach Hans, wobei er ihm die Hose zerreißt. Hansens Vater verlangt vom Nachbar den Schaden ersetzt; der Nachbar weigert sich, a) Wer hat Recht? b) Warum hat er Recht? 3.) Herr M. vermietet in seinem Hause Wohnungen. Der eine Mieter zahlt die Miete nicht. Herr M. kündet ihm deshalb und der Mieter zieht aus. Da aber der Mieter dem Herrn M. noch viel Geld schuldig ist, so behält Herr M. Betten und Kleider des Mieters als Pfand zurück. Der Mieter will sich das nicht gefallen lassen, a) Wer hat Recht? b) Warum hat er Recht? — Die Leser der Bl. werden eingeladen, sich an der Untersuchung zu beteiligen und die erhaltenen Antworten an die Schristleitung zu übermitteln. 619.) Hin braver Kamerad gestorben. Auf meinen Kriegsfahrten traf ich als Kommandanten einer Standschützenabteilung den Oberlehrer Eduard Triebnig in Mauthen (Kärnten). Ihm war es gelungen, eine erkleckliche Zahl Daheimgebliebener für den Bewachungsdienst zu gewinnen, zu schulen und auf den gefahrvollen Posten zu stellen. — Nun kommt die Nachricht, daß T. seinem aus dem Kriege geholten Leiden erlegen ist. Auch ein Heldentod! Wenn man einmal die Namen der Braven aus unseren Reihen für alle Zeiten in Erz eingräbt, wird man des wackeren Oberlehrers von Mauthen nicht vergessen dürfen. Talaufwärts durch den Krieg. 6. Im Weiche der feldgrauen Liliputaner. Brrr! IDar das ein Saus uni die Ecke! Ich konnte nur noch die von einer Granate nmgclegte Kirchhofmauer wahrnehmen, mehr nicht, denn dichter Staub, durch den sich urrser Kraftwagen bohrte, trübte den Blick. Noch eine Windung, und wir waren beim Kommando der Etappenstation. Da gab’s ein Leben I Hier lagerte Infanterie, dort schossen Husaren vorüber. Nor dem Haufe des Kommandos erwartete uns ein (Oberleutnant. Er sprach in gebrochenem Deutsch. Ein ZHagyare, wie ich ihn aus dem Bilde als Type kannte. Der schwarzäugige, hochgewachsene (Offizier führte mich zu meiner Wohnung. Eine Schreibstube war zum Schlafzimmer umgewandelt worden. Dort in der Ecke sah ich auf einer Kiste ein eisernes Waschbecken; rechts eine zweite Kiste war der Tisch; links rückwärts eine dritte Kiste stellte meinen Kleiderschrank vor; rechts eine vierte und fünfte Kiste, die bildeten mein Bett. Man hatte drei Bretter darüber gelegt und daraus einen hochausgeschwollenen Strohsack. Also ein wahres Kistenland! — „Herr Doktor, es ist Krieg; wir können Ihnen nichts Besseres bieten!" „„Ei, das paßt mir gerade; ein Salonbett würde mir den Eindruck stören."" In der Tat, ich war glücklich, mit einem Schlage in ein rechtes Kriegsbild geraten zu fein. Allein die Freude wandelte sich bald in Schrecken. Als ich am Fenster lehnte, drang ohrenbetäubendes Kindergeschrei an mein (Ohr. In den Nebenraum, den bloß eine einfache Tür von meinem Gemach trennte, war eine achlköpfige Familie gepfercht worden. Ich sah durch den Spalt nichts als Säcke, auf denen sich die Schreihälse wälzten. Für den Hagestolz just nicht die angenehmste Nachbarschaft. Als ich aus meiner Stube trat, wogte es durch die Gänge. Alle Nationen wirbelten da im Feldgrau durcheinander. Daß sie sich nicht besondere Ruhe angelegen sein ließen, darauf mußte ich gefaßt sein; aber daß sie unaufhörlich singen, johlen, gröhlen sollten, dafür waren meine Nerven nicht vorbereitet. Auch unter mi. gab’s ein Soldatenkonzert. Nun ich dachte: „Bis die Nacht kommt, wird ihnen die Lust vergangen sein!" Also stapfte ich frohgemut dem Kommando zu und lobte dort mein Heim über die Maßen. Die Exzellenz meinte zwar: „Na, warten wir das gute Attest bis morgen ab I" Exzellenz hatte recht. Als ich nach dem Abendessen, bei deni ich mit mehreren Mitgliedern des Generalstabs überaus anregende Gespräche führte, in meiner Behausung anlangte und eine Visitation vornahm, bemerkte ich auf der Decke Leben, geruhsames Leben. — „Läuse 1" So entrang es sich meinen bleichen Lippen. Sie waren in reicher (Zahl zu meiner Begrüßung gekommen. So, da sah ich sie nun, die Kampfgenossen, von denen ich soviel Grausiges berichten hörte. Was tun? Sollte ich wirklich schon am ersten Tage mit ihnen Freundschaft schließen? Sollte ich tapfer sein oder feig auskneifen? — Je mehr ich überlegte, desto tiefer bohrte sich mein Blick in die Decke. Das Leben auf ihr nahm zu; an der Wand waren zudem Spuren von anderen Bürgern des Kleinstaates zu sehen. Auch Ritter sprengten über den plan. Eine gutbesuchte Volksversammlung I Da hinein sollte ich nun als Guliver mich legen! — Nein! Ich faßte meinen Rucksack und den Stock und ergriff die Flucht. Wohin? Der Oberleutnant hatte gesagt, das Zimmer fei der einzige leere Schlafraum im Orte. Also hinaus in die Nacht! Eine Bergwanderung sollte mich wacherhalten. Doch halt 1 Am Ende kann ich in der Schule nächtigen? Vor sieben Jahren hatte ich doch hier den Oberlehrer besucht. Ob er wohl in der Kriegszone verblieben ist? Am Ende wurde die Schule zum Spital umgewandelt ! Sehen wir nach! Da lag es still vor mir, das alte, breite Haus. Das Tor war offen, doch kein Lichtschein drang durch die Fenster. Ein schlimmes Zeichen. — Ich klopfe an. Nichts! — Ich klopfe abermals! Wieder nichts! — Ich klopfe an der anderen Tür... Da, ein tiefes „wer ist's?" „„Ein alter Bekannter!"" „Wie heißt er?" n "" \t irr. „Unmöglich! Halten Sie mich nicht zum besten!" „„Nein, nein, Herr Oberlehrer! Ich bin es, der Sie vor sieben Jahren besuchte."" Dann wurde es still. Hatte er es doch nicht geglaubt oder nicht vernommen? Genug, ich wartete. plötzlich knarrte die Tür, der gute Oberlehrer war da. Ein Schulmeisterrecke; ich habe ihn im „Talaufwärts von Schule zu Schule" 1 (S. W) gezeichnet. Leser, sieh nach und stelle dir die Begrüßung unter so seltenen Umständen vor! Lange, sehr lange sahen wir einander in die Augen. Dann sprach der Biedere: „Also, so müssen wir uns wiederfinden! Schwere Zeiten, lieber Herr Professor, sind über uns gekommen. Treten Sie ein; hären Sie, was ich in diesen Tagen der Not erlebt!" — (Fortsetzung folgt.) 1 Verlag der „Blätter für den Abteilungsunterricht" in Laibach (Kram). 3 K. Polack-Ccke. Nicht groß genug kann man von seiner Pflicht, nicht klein genug von seiner Kraft und seinen Erfolgen denken. Brosamen V., S. 98. Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter: Rudolf tteeti- — Druok non Josef Vanlicek in Gottschee 75 Auszeichnungen! Gegründet 1790. 75 Auszeichnungen! Franz u. Antonie = Rauch = vorm. Johann Hajek. Pilsen, Reichsgasse 4 Flügel, Pianinos, Harmoniums von bekannten Firmen: Bösendorfer, Förster, Wirth, iGebrüder Stingl, Rösler, Koch und Korelt u. a. Grosse Auswahl. Billige Preise. Leihanstalt. Bezahlung auch in Raten möglich, L.*C.Hardtmuths I Q A LI ft Pfltm I itli L*ClBardtmnUlS L&u.H3iOIIllllIll Schulstifte etc. WIEN IX. Budweis in Böhmen. Färb'9e Kreiden Für Schulzwecke anerkannt bestes Fabrikat. Durch jede Papierhandlung zu beziehen. 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