In unserem Verlage eršchien am Schlusse des abgelaufenen Jahres: CUSTOZA von E. Herrmann. — Zvveite Auflage. Reich illustriert, mit Karte und effektvollem farbigen Umschlag. — Preis K 1*20. Die erste Auflage war innerhalb drei Wochen vollstandig vergriffen. o o o Danzers Armeezeitung vom 17 . Dezember 1903 berichtet liber dieses Buch unter anderem: Endlich! Ja, endlich hat sich ein Schriftsteller gefunden, der den herrlichen, vom Mifigeschick im Norden verdunkelten Sieg der kaiserlichen Waffen bei Custoza in einem Buch von jener popularen Form bearbcitete, die in Karl Bleibtreus «Schlacht- dichtungen» so viele Erfolge gefeiert. Endlich kann auch das osterreichische Lese- publikum von einem herrlichen Siege seiner Armee lesen, ohne nach zwar verdienst- vollen, aber durch ihre Wissenschaftlichkeit doch fur die Allgemeinheit schwer verstandlichen Pandekten greifen zu miissen, von einem Siege, von dessen Existenz sogar — Gott seis geklagt — nur die wenigsten etwas wissen, vvahrend der Ungliicks- name «Koniggratz» in aller Munde liegt. Von diesem Standpunkte mufi das kleinc, nett ausgestattete und doch anspruchs- los bescheidene Biichlein betrachtet werden. Gewifi, fur die Historie grofien Stils, fur die militarische und sonstige Gelehrtheit wird das Buch E. Herrmanns — Ober- : leutnant im 27 . Infanterie-Regiment — nichts Neues bieten. Benlitzt es doch nur in i diesen Kreisen durchwegs bekannte, allgemein zugangliche gedruckte Quellen. Aber | es verarbeitet diese Quellen in fesselnder, popultirer Form, die geeigneter ist, dem- selben in den weitesten Kreisen Eingang zu verschaffen. Lebhaft, niit dem Herzen i und anschaulich geschrieben, wird es der Jugend im Heere und jener im Volke zu einer angenehmen und fafilichen Lekture werden, die den Ruhm Osterreichs und die Kunde von den Waffentaten seines Heeres eher verbreiten wird, als die verdienst- vollsten und eingehendsten wissenschaftlichen Publikationen. Wir brauchen uns der Vergangenheit unseres Heeres nicht zu schamen, darum ist dieser erste Versuch warm zu begrufien. An genialer, dramatischer Gestaltung, an phantasievoller Lebendigkeit steht dieses «Custoza> den Bleibtreuschen «Schlachtdichtungen» allerdings nach; aber es will ja auch keine Dichtung sein. An klarer Anschaulichkeit, die sowohl den Zusammen- hang miihelos erkennen, die einzelnen Darstellungen leicht erfassen liifit, ubertrifft es hingegen dieselben. C. Bleibtreu stellt an das Wissen und an die Phantasie seiner Leser bedeutend hohere Anforderungen als E. Herrmann. Aber eben das mag ge- eignet sein, dem Buche in den weitesten Kreisen Leser zu verschaffen. An der Darstellung der Ereignisse selbst ist nichts auszusetzen. Hochstens das, dafi im Kampfe um die entscheidenden Hohen bei und nachst Custoza zu oft die Uberzahl der Italiener betont war. So gewaltig auch die Uberzahl der Italiener war, hier an dieser entscheidenden Stelle war die Summe der nach und nach eingesetzten osterreichischen Krafte doch hoher, als die Gesamtsumme der italienischen Vertei- diger. Und \varen diese auch meist den Kampfern der ersten vereinzelten oster¬ reichischen Angriffe an Zahl tiberlegen, so ist doch zu bedenken, dafi diese selbst doch immer dieselben blieben, und steter Tropfen hohlt den Stein. Auch war diese Uberzahl nicht gar so erschiitternd. Sie kam nur deshalb so zum Ausdrucke, weil die Krafte der Italiener in der Verteidigung weniger in Anspruch genommen waren, als jene der in tropischer Ilitze, im Mantel und schwerbepackt die Hange hinaufkletternden osterreichischen Angreifer. Die Ausstattung des Buches ist sehr wiirdig. Reproduktionen der Original- aquarelle von Myrbachs Meisterhand fiir Oberst Dunckers Prachtwerk «Erzherzog Albrecht», eines Gemaldes von Fattori und eines anderen den Kampf der Siebzehner in Oliosi darstellenden vervollstandigen im Vereine mit kleinen wissenschaftlichen Skizzen das Bild der Schlacht. Das beigegebene Material an Kartenskizzen geniigt der Aufgabe des Buches vollkommen. Moge es ihm gelingen, diese Aufgabe zu erfiillen — und moge es viele Nachfolger finden: die Vergangenheit unsercr Armee bietet Anlafi genug dazu! — w— Aus Anlai3 der vierzigsten Jahresgedenkfeier an den ruhmreichen Feldzug 1864 der kaiserlichen und koniglichen Armee gewidmet vom Verfasser. OVERSEE O O O O O VON OBERLEUTNANT E. HERRMANN IM K. U. K. INFANTERIEREGIMENT LEOPOLD II., KONIG DER BELGIER, NR. 27 ( K * I j V (' K A L BIBLIOTHEE LAIBACH DRUCK UND VERLAG VON IG. v. KLEINMAYR & FED. BAMBERG 1904 Flensburg. \Tach den Bestimmungen des Londoner Protokolls liber- ^ ” nahm am 5. November 1863, als der Mannsstamm des danischen Konigshauses erlosch, Konig Christian IX. die Regierung. Durch die beabsichtigte Einverleibung von Schleswig in den danischen Gesamtstaat wurden aber die Verpflich- tuneen, welche Danemark den beiden deutschen GroD- machten gegeniiber eingegangen war, verletzt. Am 16ten Janner 1864 wurde ein aus diesem Grunde uberreichtes Ultimatum abgelehnt, worauf Osterreich und Preufien an Danemark den Krieg erklarten. Die beiden Herzogtumer Holstein und Lauenbnrg waren schon friiher, da der Deutsche Bund die Bundesexekution eintreten liefi, von 12.000 Sachsen und Hannoveranern besetzt worden. Osterreich und Preufien steli ten je ein Armee- korps auf. i * @ 4 ® Das osterreichische VI. Armeekorps war wie folgt zusammengesetzt: Kommandant: Feldmarschalleutnant Freiherr von Gablenz, Chef des Generalstabes: Oberstleutnant von Vlasits. Feldmarschalleutnant Freiherr von Gablenz. 1. Infanteriebrigade: Generalmajor Graf Gondrecourt, 18. Jagerbataillon: Major Eyfiler, 30. Infanterieregiment Martini (2 Bataillone): Oberst¬ leutnant Abele von Lilienberg, 34. Infanterieregiment Konig Wilhelm I. von PreuCen (2 Bataillone): Oberst Benedek; 2 . Infanteriebrigade: Generalmajor von Nostitz-Drzewiecki, 9. Jagerbataillon: Oberst Steiger von Mtinsingen, 27. Infanterieregiment Leopold I. Konig der Belgier (2 Bataillone): Oberst Wilhelm Herzog von Wtirt- temberg, ® 5 ■© 14. Infanterieregiment GroOherzog Ludwig III. von Hessen (2 Bataillone): Oberst Schiitte von Warensberg; J. Infanteriebrigade: Generalmajor Tomas, 11. Jagerbataillon: Oberst Schwab, 6. Infanterieregiment Graf Coronini - Kronberg (2 Ba¬ taillone): Oberst Fellner von Feldegg, 80. Infanterieregiment Prinz Wilhelm zu Schlesvvigf- Holstein - Gliicksburg (2 Bataillone): Oberst Graf Auersperg; 4. Infanteriebrigade: Generalmajor Dormus v. Kilianshausen, 22. Jagerbataillon: Oberst Milanes, 72. Infanterieregiment Feldmarschalleutnant Freiherr von Ramming (2 Bataillone); Oberst von Abele, 35. Infanterieregiment Graf Khevenhliller-Metsch (2 Ba¬ taillone): Oberst Kamptner; Kavalleriebrigade: Generalmajor Dobrzensky v.Dobrzenitz, 2. Dragonerregiment Alfred F'lirst zu Windischgratz (5 Eskadronen): Oberst Graf Bellegarde, 9. Husarenregiment Franz Fiirst Lichtenstein (5 Eska¬ dronen): Oberst Baselli von SliOenburg; Korpsgeschutzreserve: Major Neubauer; 2 Pionierkompagnien mit 2 Kriegsbrlickenequipagen; 1 Genie- und 1 Sanitafskompagnie. Im ganzen: 20 Bataillone, 10 Eskadronen, 11 Batterien und 3 Ivompagnien technischer Truppen (27.050 Mann, 4838 Pferde); davon waren streitbar: 19.248 Mann, 1523 Reiter, 48 Geschutze. @ 6 ® Am 18. Janner besichtigte Seine Majestat cler Kaiser die Brigaden Nostiz und Tomas in Wien auf der Domini- kaner- und Biberbastei, wobei er an das versammelte Offizierskorps folgende Ansprache richtete: «Ehe die heute ausgeriickten Truppen an ihre neue Bestimmung abgehen, spreche Ich denselben Meine volle Befriedigung aus iiber ihre Haltung vvahrend der Zeit, die sie hier in Garnison waren. «Sie haben die Bestimmung, die osterreichischen Waffen in fernen Ge^enden zu vertreten. Ich vveiB, daB Sie uns Ehre machen, daB Sie unsere Fahnen hochhalten werden. Deshalb ervvarte Ich fiir den Fali einer feind- lichen Aktion, daB Sie mit den preuBischen Truppen an Tapferkeit und Ausdauer wetteifern werden. «Ich ervvarte echte Kameradschaft mit den preul3ischen \Vaffenbrudern. «Ich ervvarte die strengste Disziplin in jeder Be- ziehung. «Diese vrenigen Worte habe Ich Ihnen ans Herz legen vvollen, und nun leben Sie vvohl, meine Herren! Gott geleite Sie!» Die osterreichischen Truppen vvurden auf ihrer Fahrt nach dem Kriegsschauplatz auf preufiischem Gebiete durch das koniglich preuBische Militar uberall in der herzlichsten Weise empfangen. Das konigl. preuBische I. Armeekorps vvar wie folgt zusammengesetzt: © 7 ® Kommandierender General: Prinz Friedrich Karl von Preufien, General der Kavallerie, Ghef des Generalstabes: Oberst von Blumenthal; 6. Infanterietruppendivision: Generalleutnant v. Mannheim; n. Infanteriebriga.de: Generalmajor Freiherr von Canstein, Brandenburgisches Flisilierregiment Nr. 35: Oberst Elstermann von Elster, 7. Brandenburgisches Infanterieregiment Nr. 60: Oberst- o o leutnant von Hartmann; 12. Infanteriebrigade: Generalmajor von Roder II, 4. Brandenburgisches Infanterieregiment Nr. 24: Oberst von Hacke, 8. Brandenburgisches Infanterieregiment Nr. 64: Oberst von Kamiensky; ij. Infanterietruppendivision: Generalleutnant von Wint- zingerode; 2g. Infanteriebrigade: Generalmajor von Schmidt, 1. Westfalisches Infanterieregiment Nr. 13: Oberst von Witzleben, 5. Westfalisches Infanterieregiment Nr. 53: Oberst Baron von Buddenbrock; 26. Infanteriebrigade: Generalmajor von Goben, 2. Westfalisches Infanterieregiment Nr. 15: Oberst von Alvensleben, 6. Westfalisches Infanterieregiment Nr. 55: Oberst von Schwarzkoppen, Westfalisches Jagerbataillon Nr. 7: Major von Beckedorf; @ 8 ®> Kombinierte Kavalleriedivision: Generalmajor Graf zu Miinster-Meinhovel; 6. Kavalleriebrigade: Oberst Fliefi, Brandenburgisches Kurassierregiment (Kaiser Nikolaus I. von Rufiland) Nr. 6: Oberst Herzog Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin, Brandenburgisches Husarenregiment (Zieten-Husaren) Nr. 3: Oberst Graf von der Groben, Brandenburgisches Ulanenregiment Nr. 11: Oberst- leutnant von Sixthin; /J. Kavalleriebrigade: Generalmajor von Hobe, Westfalisches Kurassierregiment Nr. 4: Oberstleutnant von Schmidt, Westfalisches Dragonerregiment Nr. 7: Oberstleutnant von Ribbeck, Westfalisches Husarenregiment Nr. 8: Oberstleutnant von Rantzau; Kombinierte Artilleriebrigade: Oberst Colomier. Im ganzen: 25 Bataillone, 24 Eskadronen und 18 Batterien (27.000 Mann und 96 Geschiitze). Konigl. preufiische kombinierte Gardedivision: Kommandant: Generalleutnant von der Miilbe, Chef des Generalstabes: Major von Alvensleben; Kombinierte Garde-Infanteriebrigade: Generalmajor Graf von der Goltz, 3. Garderegiment zu FuB: Oberst von der Groben, 4. Garderegiment zu Fufi: Oberst von Korth; ® 9 ® Kombinierte Garde-Grenadierbrigade: Oberst v. Bentheim, 3. Garde-Grenadierregiment Konigin Elisabeth: Oberst o o von Winterfeld, 4. Garderegiment Konigin Augusta: Oberst von Oppel; Garde-Husarenregiment: Oberstleutnant von Kerssen- broigk; 1 Batterie der Gardeartillerie. Im ganzen: 12 Bataillone, 4 Eskadronen und 1 Batterie (10.500 Mann und 8 Geschiitze). Zum Oberbefehlshaber wurde der achtzigjahrige Feldmarschall Wrangel ernannt. Seine Majestat Kaiser Franz Josef I. geruhten an den Armeekommandanten folgendes Handschreiben zu erlassen: «Lieber Generalfeldmarschall Freiherr von VVrangel! «Es gereicht Mir zur wahren Befriedigung, Meine braven Truppen unter dem Kommando eines so be- \vahrten, kriegserfahrenen und Mir personlich bekannten Feldherrn zu wissen. «Dieselben werden, eingedenk Meiner Abschieds- worte, mit den preufiischen Waffenbrlidern in Tapferkeit, Hingebung und Ausdauer wetteifernd, in edler Kamerad- schaft mit vereinten Krdften der befreundeten Kriegsherren Zufriedenheit und Anerkennung wiirdig sein und bleiben. «Ihnen im vorhinein fiir die fursorgliche Fiilirung dankend, Ihr wohlgewogener Franz Joseph.* ® 10 "® Am 20.Janner erliefi der Armeekommandant folgenden Armeebefehl: «Nach Ubereinkommen Ihrer Majestaten des Kaisers von Osterreich und Konigs von PreuCen hat mein aller- gnadigster Herr mich zum Oberbefehlshaber der nach Schlesvvig bestimmten verbiindeten Armeen ernannt. «Ich habe dieses Kommando heute libernommen. «Offiziere und Soldaten der mir nunmehr unter- gebenen Armee, ich rufe Euch ein herzliches Will- kommen zu! «Was die Zukunft uns auch bringe, lasset uns nur einem Ziele entgegengehen: «Durch inniges Zusammenhalten und treue Pflicht- erfullung unseren erhabenen Kriegsherren zu zeigen, dafi wir iiberall, also auch in Schleswig, es verstehen, das in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. «Als gemeinsames Erkennungszeichen wird jeder Soldat eine weifie Binde um den linken Oberarm tragen, dasselbe Zeichen, mit vvelchem vor fiinfzig Jahren oster- reichische und preufiische Truppen in Eintracht vereint gekampft und gesiegt haben. Der Generalfeldmarschall: von Wrangel.» Das osterreichische Armeekorps marschierte mit dem Gros stidlich Rendsburg aufj wahrend sich das preuOische Armeekorps bei Kiel sammelte. Die preufiische Garde- division konzentrierte sich am linken Flugel der Auf- stellung. Nach der Verteilung der Streitkrafte der ver- O o ® 11 -S) biindeten Armee mufiten beim weiteren Vorriicken das den linken Flugel bildende k. k. VI. Armeekorps und die dem- selben folgende Gardedivision auf die Dannewerk-Position stofien, wahrend dem konigl. preufiischen Armeekorps als rechter Flugel die Aufgabe zufiel, die Schlei zu forcieren. Am 31. Janner abends solite das k. k. VI. Armee¬ korps, mit Ausnahme der Brigade Dormus und einiger Reserve-Anstalten, an der Eiderlinie konzentriert sein, um auf das Aviso «Drauf!» den Vormarsch auf die Stadt Schleswig durchzufuhren und die Dannewerk-Position an- zugreifen. Die kombinierte preufiische Gardedivision solite sich links vom k. k. VI. Armeekorps entwickeln und de- monstrieren. Die danische Armeeleitung plante, im Laufe des Janner unter Generalleutnant de Mezza eine Operationsarmee von drei Infanteriedivisionen, eine Reservetruppendivision und eine Kavallerietruppendivision — in der Sollstarke von 80.000 Mann — aufzustellen, welche Starke aber Anfang Februar noch lange nicht erreicht war. Es standen hochstens 40 000 Mann bereit, und zwar: 1. Division: Generalleutnant Gerlach, 1. Infanteriebrigade: 2. und 22. Infanterieregiment, 2. Infanteriebrigade: 3. und 18. Infanterieregiment, 3. Infanteriebrigade: 16. und 17. Infanterieregiment; 2 . Division: Generalmajor du Plat, 4. Infanteriebrigade: 4. und 6. Infanterieregiment, 5. Infanteriebrigade: 7. und 12. Infanterieregiment, 6. Infanteriebrigade: 5. und 10. Infanterieregiment; © 12 ® j. Division: Generalmajor Steinmann, 7. InfanteriebrGade: 1. und 9. Infanterieregiment, 8. InfanterfebrDade: 11. und 20. Infanterieregiment, 9. Infanteriebrigade: 19. und 21. Infanterieregiment. Res črve division: GeneralleutnantHeneennann-Lindencrona, Garde zu FuG, 8., 13 , 14. und 15. Infanterieregiment. Das danische Wehrsystem war ein Milizsystem mit festen Kaders. Die Bewaffnung der Infanterie bestand aus gezogenen Gewehren (System Minie), die Adjustierung aus dunkelblauem Waffenrock, lichtblauen Beinldeidern, braunem Mantel und einem Kappi als Kopfbedeckung. Jedes Bataillon hatte eine Fahne, den sogenannten Dane- brog, mit weiGem Kreuz im roten Felde und der be- treffenden Nummer. Das Land an und ostlich der groGen StraGe und Hauptoperationslinie Schleswig-Flensburg-Hadersleben - Veile-Alborg ist im allgemeinen trocken und uan^bar, doch auch von kurzen, rasch flieGenden Gevvassern durch- zogen, mit Seen und Teichen bedeckt. Ganz eigentiimlich ist die Kultur; die Feldparzellen (Koppeln) sind namlich von starken Erd- und Steindammen (Knicks) umschlossen, die liberdies mit Buschwerk und Baumen bepflanzt sind. Die tief eingeschnittenen, bis zu der oben bezeichneten Flauptkommunikation reichenden Meerbusen (Fjords) bilden ebensoviel Terrainabschnitte; sie sind bedeutende Be- wegungshindernisse und bieten dem auf seinen Inseln mittelst der Kriegsflotte basierten Verteidiger mannigfache Vorteile. Die Art dieses Basierung^sverhaltnisses zwingt o o @ 13 ® aber den Verteidiger zum exzentrischen Riickzuge und daher zur Sicherung jener Punkte an der Ostkiiste, von wo aus der Verkehr mit den Inseln sich am unge- zwungensten ergibt. Es stand zu erwarten, dafi der Ver- teidiger um den Besitz dieser Kustenpunkte kampfen und sich an den nattirlichen Verteidigungslinien des Landes stellen werde. Die Aufforderung an den General en chef der danischen Armee, Generalleutnant de Mezza, einem alten bevvahrten Soldaten, Schleswig zu raumen, wurde am 31. Janner von zwei Adjutanten des Feldtnarschalls von Wrangel uberbracht. In einer offenen Kalesche passierten die Botschafter, salutiert von den danischen VVachtposten, ungehindert die Tore Schleswigs. Als General Mezza die Depesche erbrach und las, zuckte er etwas zusammen, antwortete jedoch mit fester Stimme: «Nun wohl, meine Herren, wenn Seine Exzellenz der Herr Feldmarschall Gewalt austiben will, ich stehe mit den Waffen in der Hanci bereit.» Als ihm hierauf die Mitteilung gemacht wurde, die Uberbringer hatten die Anvveisung, sechs Stunden auf die zu gebende Antwort zu warten und eine solche schriftlich zu erbitten, erwiderte der General: «Jawohl, meine Herren, die Sache ist so wichtig, dafi es der Uberlegung bedarf; ich werde reiflich iiberlegen.» In funf Stunden fuhren die Abgesandten der Armee des Feldmarschalls Wrangel jenseits der Eider — mit der -s> 14 ® bekannten bundigen Antwort des Generals de Mezza: «ebensowenig das Recht austro-borussischer Truppen zur Besetzung irgend eines Teiles des danischen Reiches, als die Folgerichtigkeit der osterreichisch-preufiischen Moti- vierung der beabsichtigten Pfandnahme anzuerkennen, auch von seiner Regierung eine dieser Zumutung ganz entgegengesetzte Instruktion zu haben und bereit zu stehen, jeder Gewalttat mit den Waffen zu begegnen» •—- nach Rendsburg zuriick. Der Krieg war also zu erwarten, der Beginn der Feindseligkeiten war die unmittelbare, vorauszusehende Konsequenz dieses Aktes. GroBe Opfer bringen zu miissen \varen gewi6 beide Teile sich bewufit, beide sie zu bringen zweifellos bereit. Noch im Laufe des 31. Janner traf an die Korps- kommandanten der verbiindeten Armeen das Telegramm des Armeekommandos: «In Gottes Namen — draufb ein. Es erfolete am 1. Februar die Uberschreitungf der Eider, und schwache Demonstrationen entgegensetzend, zog sich die danische Armee, alles Kriegsmaterial mit sich nehmend, was irgend des Nehmens wert oder noch nicht genommen war, die Bewohner des Landes hart bedriickend, auf die Dannewerk-Stelluncr zuriick. Danne- werk, ein Wort, seit langem schon in vieler, seit Monaten fast in jedermanns Munde; Dannewerk, das Schach, welches Danemark den vereinigten Kraften Osterreichs und PreuCens entgegenstellte. Durch jahrelanges Arbeiten, mit Opfern @ 15 ® von Millionen, die Krafte des Landes auf das hochste anstrengfend, mit Anwendune rastlosen FleiOes und unver- O J o kennbarem Genie hatten die Jiinger der Befestigungskunst ein Werk geschaffen, das Sachverstandige und Laien staunen machte, einen Wall aufgeworfen und befestigt, der unter Umstanden sogar uneinnehmbar war — die Dannewerke. 75 Kilometer lang, zog sich diese Schanzen- linie unweit der Siidgrenze Schlesvvigs, in der Linie ostlich der Schlei, westlich der Treene und unteren Eider, bis ans Meer. ■© 16 ® Die Befestigungsanlagen bestanden aus 29 neu an- gelegten Werken. Die Armierung bestand aus ungefahr 140 Geschiitzen verschiedenen Kalibers: 6-, 18-, 24- und 48pfiinder. Fortifikatorisch am starksten und reichsten dotiert war der linke Flugel, wo auf einem Raume von 4000 Schritten in nordostlicher Richtung z\vblf, teilweise durch Brustvvehren fiir Infanterieverteidigung verbundene Werke auf den Bustorfer Hohen standen. Sie beherrscliten das zwischen diesen Flohen und dem siidlichen Schleibusen liegende Defile, flankierten die von Rendsburg kommende Strafie und verteidigten daher den siidlichen Zugang nach Schleswig. An diese VVerke schlossen sich vier Redouten, mit. der Front nach Siiden, an; sie verteidigten den Zu¬ gang von Westen her; die letzte von diesen Redouten lag in der Trasse des alten Dannewerkwalles, welcher iiber- haupt die weitere Fortsetzung der Befestigungslinie bildete. Er war entsprechend hergerichtet und durch fiinf Redouten und vier kleinere VVerke verstiirkt worden. Die rechte Flligelstiitze bildete eine Gruppe von vier VVerken, in der Miindungsgegend der Rheiderau in die Treene angelegt und bestimmt, die Inundationsdamme der Rheiderau zu decken. Die ganze Linie von der Stadt Schlesvvig bis an die Treene hatte eine Langenausdehnung von etwa 20.000 Schritten. Die eigentliche Verteidigungsfront beschrankte sich aber auf das Zentrum der Position, das ist auf die VVerke 10 bis 18, die in einer Lange von 6000 Schritten beiderseits der Ortschaften GroC- und Klein-Dannewerk ® 17 ® angelegt waren, denn es war kaum anzunehmen, daC sich der Angriff in der Richtung iiber den Sumpfstrich der Rheiderau oder durch das Borstorfer Defile entwickeln werde. Es wurde denn auch tatsachlich vom Armee- kommando eine ostlich und nachst GroC - Dannewerk fiihrende Linie, zwischen Werk 10 und 11, dem k. k. VI. Armeekorps als Angriffsrichtung bestimmt. Die Hauptkraft der Danen stand bei Schleswig, um einem eventuellen Durchbruch auf Flensburg entgegen- zutreten; starkere Detachements bewachten die wichtigsten Ubergangspunkte iiber die Schlei bei Arnis, Missunde und Cappeln in der linken Flanke, schwachere die Finie der Treene und Eider bei Friedrichstadt. Da die beiden Fliisse im Laufe des Janner zufroren und daher viel von ihrer Verteidigungsfahigkeit einbiiCten, wurden grobe An- strengungen auf das Aufeisen verwendet. Die danische Armee stand hinter den Dannewerken fest und wohl verschanzt, aber sie hatte keine Reserve. Ein gegliickter Ubergang liber die Schlei, eine Diversion geg-en ihre linke Flanke, und sie war verloren. Die Schwache der ganzen Dannewerksposition lag im Mifiverhaltnisse ihrer Ausdehnung zur verfiigbaren lebendigen Kraft, zumal verglichen mit der Starke des Angreifers. Die 40.000 Mann, iiber welche General de Mezza verfiigte, hatten allenfalls geniigt, das Dannewerk zu halten, es blieben dann aber keine Truppen iibrig fiir die Abwehr an der Schlei bei Missunde oder Arnis- Cappeln und fiir die Verteidigung von Friedrichstadt. Herrmann, Oversee. 2 @ 18 @ Auf das schon vorher eraahnte Telegramm des Armeekommandanten trat das osterreichische Korps den Vormarsch wie folgt an: Um halb 8 Uhr iiberschritt die Tete der Brigade Nostitz die Schleusenbrucke und gleichzeitig jene der Brigade Gondrecourt die Eisenbahnbriicke in Rendsburg. Im Kronenwerke stand nur mehr ein schwacher danischer Avisoposten. Dieser ging nach Abgabe einiger Schiisse, welche erwidert wurden, auf der Chaussee zuriick. Die Brigade Graf Gondrecourt, von welcher das 18. Jager- bataillon bei der Enge oberhalb Rendsburg uber die zu- gefrorene Eider gegangen war, riickte bis Rickert vor. Dortselbst vereinigten sich beide Brigaden. Die auf allen gegen die Sorge ftihrenden Kommunikationen vor- gebrochenen Abteilungen des Regiments Lichtenstein- Elusaren hatten auch die Verbindung in der rechten Flanke mit dem bei Cluvensick iibergegangenen Teil des konigl. o O o o preufiischen Armeekorps hergestellt. Die Brigade Dormus Iiberschritt mittlervveile ebenfalls die Eider und sammelte sich als Reserve auf den Hohen nordlich des Kronenwerkes. An der Sorge wurde die danische Nachhut, einige Kompagnien und eine Eskadron, durch die vorgegangenen Abteilungen des 9. Husarenregiments erreicht. Am Abend des 1. Februar kantonierte das k. k. VI. Armeekorps wie folgt: Brigade Nostitz westlich der Eisenbahn in und um Ahrenstedt mit den Vorposten an der Sorge, Brigade ® 19 ® Gondrecourt ostlich der Eisenbahn in Schulendam und Umgebung mit Vorposten im Anschlusse an jene der Brigade Nostitz bis an den Witensee, hier in Verbindung mit dem konigl. preuCischen Armeekorps. Die iibrigen Truppen kantonierten weiter riickwarts, die Brigade Dormus erreichte Nortorf, das Hauptquartier in Rendsburg. Die dem k. k. VI. Armeekorps gegeniiberstehende dritte danische Division, Generalmajor Steinmann, zwolf Bataillone, zwei Eskadronen, sechzehn Geschutze, bezog am 1. Februar den siidlichen Teil der Stadt Schleswig und alle Befestigungen am und nachst dem Bustorfer Defild. Hinter der dritten Division kantonierte die Infanterie- reserve (sieben Bataillone) im nordlichen Teile von Schles- wig. Rechts von der dritten Division besetzte die zweite c? Division das Dannewerk und mit einem Detachement Friedrichstadt; die iibrigen Truppen der danischen Armee standen entweder an der Schlei oder nordlich von Schleswig. Die Briicken uber die Sorge waren durch die Danen zerstort, jedoch in der Nacht vom 1. zum 2. Februar von den Pionieren des k. k. Armeekorps wieder hergestellt worden. Am 2. Februar hatte das k. k. VI. Armeekorps die westlich der Eisenbahn gelegenen Kantonnements an die kombinierte konigl. preufiische Gardedivision abzutreten, es fanden daher folgende Verschiebungen statt: o o 2 * @ 20 ® Die Brigade Nostitz rlickte nach Owschlag und stellte Vorposten langs des Wester-Moors auf, ostwarts im An- schlusse mit jenen der Brigade Tomas, die in Ahlenfeld nachtigte. Die Brigade Dormus erreichte Butelsdorf, vvahrend die Brigade Gondrecourt in Schulendam verblieb; das Hauptquartier wurde nach Alt-Bunge verlegt. Im Falle eines Angriffes auf die linke Flanke des Armeekorps hatten sich die Brigaden Nostitz und Gondre¬ court bei Ober-Selk zu konzentrieren. Ein vorgeschobenes Kavalleriedetachement, bestehend aus einem Zuge Lichtenstein-Husaren und einer Eskadron Windischgratz-Dragoner unter Major Kutschenbach, ging zum Angriff auf eine beim Hause Torfschuppen auf der Strafie zwischen Grofi-Breckendorf und Ober-Selk auf- gestellte feindliche Infanterieabteilung liber, drangte dieselbe in den Hof und schlichterte sie derart ein, dafi von ihr das Feuer eingestellt wurde. Als dann in der Richtung von Ober-Selk her eine 700 bis 800 Mann starke feind¬ liche Infanterieabteilung zur Unterstutzung anriickte, zog sich das Kavalleriedetachement langsam zuriick. In der Nacht zwischen 10 und 11 Uhr versuchte eine feindliche Kavallerieabteilung die Vedettenlinie des zvveiten Bataillons des Regiments Konig der Belgier Nr. 27 bei Breckendorf und Norby zu durchbrechen, wurde jedoch zurlickgewiesen. Auch das preufiische Armeekorps trat am 1. Februar den Vormarsch an. ® 21 @ Windischgratz-Dragoner bei Torfschuppen. •© 22 ®> Das preufiische Korps, dem sich starkere feindliche Abteilungen entgegenstellten, warf dieselben liber den Haufen, nahm Eckernforde und entrierte hier mit einer Batterie einen Geschutzkampf gegen die im Hafen be- fmdlichen danischen Krieg^sschiffe «Esbern-Snare» und «Thor». Nachdem mehrere Schiisse der Batterie die Kriegsschiffe getroffen hatten, suchten dieselben eilig das Weite. Fiir den 2. Februar wurde befohlen, dafi sich das preufiische Ivorps zwischen Eckernforde und Wittensee konzentriere. In Ausfiihrung dieser Disposition und da die Danen liberall zurlickgeworfen wurden, ging die Avant¬ garde des preufiischen Korps gleich bis Missunde, und Prinz Friedrich Karl nahm seine Artillerie vor, um die hier sildlich der Schlei gelegenen Schanzen zu beschiefien und unter dem Schutze dieses Feuers zu rekognoszieren, ob ein Ubergang liber die Schlei zu ermoglichen ware. Nach einem mehrstiindigen heftigen Geschiitzkampfej der um 1 Uhr mittags begann und bei dem die auf freiem Felde stehenden preufiischen Batterien in grofiem Nachteil oreaen die in den Schanzen gedeckt stehende danische Artillerie waren, gelang es, die danischen Ge- schlitze in den Schanzen teilvveise zum Schweigen zu bringen. Die Infanterie brannte vor Begierde, zum Sturme vorgeflihrt zu werclen. Doch der Prinz hatte inzwischen seine Rekognoszierung beendet und erkannt, dafi, wenn er auch diese vorliegenden Schanzen erstiirmen liefi, er ■© 23 @ sie wegen des Feuers der Schanzen vom nordlichen Schlei- ufer nicht wlirde behaupten konnen und ein Ubergang liber die Schlei unter deren Feuer eine Unmoglichkeit sein wiirde. Er liefi deshalb die schon zum Sturme bereitstehenden Kolonnen sowie die Tirailleurs, die schon bis auf einige hundert Schritte an die Schanzen vorgedrungen waren, zuriickgehen und in die angewiesenen Ouartiere ab- marschieren, um so mehr, als sich der Tag schon dem Ende zuneigte. Nach den Weisungen des Armeekommandos hatte das k. k. VI. Armeekorps am 3. Februar in die Linie Nieder- und Ober-Selk-Jagel vorzuriicken. Feldmarschalleutnant Gablenz dirigierte die Brigade Tomas liber Geltdorf auf Loopstedt, die Brigade Gondre- court und hinter ihr die Brigaden Nostitz und Dormus o liber Grofi-Breckendorf auf Ober-Selk. Das anhaltende Tauwetter und ein mehrstiindiger Regen hatten die Strafien jetzt aufgeweicht, was das Marschieren sehr er- schwerte. Die Brigade Gondrecourt, als Avantgarde das 18. Jagerbataillon, ein Zug Husaren und zwei Geschiitze, verblieb bis Grofi-Breckendorf zusammen. Hier erhielt der Oberst Benedek mit dem ersten Bataillon seines Re- giments (Oberstleutnant Graf Poeting), einem Zug Husaren und zwei Geschlitzen den Auftrag, den Weg links iiber Lottorf nach Jagel einzuschlagen und diese Dorfer zu ® 24 @ nehmen. Der Rest der Aufgabe blieb dem Gros vor- behalten. Als solches folgte nunmehr das zweite Bataillon «Konig von PreuCen» (Major Stransky), das zweite Bataillon «Martini» (Major Stampfer), wie schon gesagt, mit dem 18. Jagerbataillon als Avant- und dem ersten Bataillon «Martini» (Oberstleutnant Oreskiewicz) als Arrieregarde, sechs Geschutze, der Rest der Kavallerie und Pioniere. Lottorf war unbesetzt. Nordwestlich von demselben zieht sich die Eisenbahn durcli ein Torfmoor und schneidet bei Klosterkrug die ehemalige Hauptstrafie von Rendsburg nach Schleswig, die Chaussee. Klosterkrug war die eigentliche Bahnstation Schleswig. In fast un- mittelbarer Nahe des Bahnhofes befand sich eine Schanze; etwas mehr westlich erhebt sich eine Anhohe, «Konigs- hohe» (Konigsberg) genannt. Beim Uberschreiten fand sich kein Hindernis und erst beim Dorfe Jagel begriifiten die Danen die linke Flanke der Brigade vom Bahnhof aus mit Geschiitz- und aus dem Dorfe mit Gewehrfeuer. Die Danen waren eben im Begriffe, ihre Vorposten abzulosen, die hier und um Jagel standen, und schienen augenblicklich auf keinen Angriff gefaCt zu sein. Jagel hatte zwanzig Gehofte; soviel Positionen waren aber zu nehmen, denn die Danen hatten sofort samtliche Hauser besetzt und feuerten stark aus clenselben. Es ent- spann sich ein hartnackiger Kampf. In todesverachtendem Ansturme drangen die Osterreicher vor; gleich zu Be- ginn wurde Oberst Benedek verwundet. Jedes Gehoft, ® 25 ® jedes Haus mufite im Einzelkampf genommen werden. Aus der Schanze fuhr alsbald zur Unterstiitzuna der o zwei Bataillone des ersten und neunten danischen Regi- ments eine Feldbatterie auf. Trotz des vernichtenden Kartatschenfeuers sturmten Feldwebel Haselberger, God- lewski, Michailovits und Fiihrer Miiller mit ihren Feuten geeen die Batterie, zwei Geschiitze wurden im Feuer genommen. Nach etwa zweistiindigem erbitterten Kampfe war und blieb Jagel genommen; zwei Fahnen fielen den Siegern in die Hande. Auch das Gros der Brigade stie!3 auf den Feind. Die Danen zogen sich fechtend bis in die Hohe von Ober-Selk zuruck, wo sie sich, durch hohe Knicks gedeckt, zu hartnackigem Widerstande vorbereiteten. Den Osterreichern standen sieben Bataillone und acht Geschiitze gregenuber. Das erste Treffen, unterstiitzt durch die Artillerie, fur welche sich endlich eine giinstige Aufstellung abseits der StraOe gefunden hatte, gincr mit solcher Entschiedenheit vor, dah nicht nur ein versuchter OffensivstoC des Gegfners vereitelt, sondern der Ort Ober-Selk erobert wurde, wobei ein Geschiitz in die Hande des 18. Jagerbataillons fiel. Mit der Ersturmungf dieses Ortes war die der Brigade laut Disposition zugefallene Aufgabe erfiillt, allein die VVichtigkeit der nordlich gelegenen Hohen sowohl fiir die Behauptung von Ober-Selk als auch fur den Fort- gang der weiteren Operationen gegen das Dannewerk erkennend, zog Generalmajor Gondrecourt sein zweites ©> 26 *> Treffen vor und ordnete den Sturm auf den die ganze Urngebuna dominierenden Konigsberg an. Die am Konigsberg postierte feindliche Artillerie iiberschiittete die Osterreicher mit einem Hagel von o Sturm auf den Konigsberg, von Georg Bleibtreu. Geschossen. Durch seine Anwesenheit fachte Konig Chri- stian IX. den Widerstand seiner Soldaten aufs aufierste an. Verheerend wirkte das Feuer der Verteidiger. Major Stampfer, Major Stransky, Leutnant Battlogg fallen, todlich getroffen. Die achte Kontpagnie des Regiments Nr. 30 hat samtliche Otfiziere verloren. Um 4 Uhr nachmittags ■® 27 ® stellte sich Generalmajor Gondrecourt personlich an die Spitze des 18. Jagerbataillons. Sein weithin scballender Zuruf: «Vorwarts, meine BravenU feuerte die Schar zum Siege an, indem er hoch zu Rol3 vor den Sturmenden den Sabel schwang. Brausend ertonte, von der Regiments- musik intoniert, der Radetzkymarsch, und unter tosendem Hurra wurde der Angriff auf die Hohe ausgefuhrt. Zugs- fiihrer Wirth des 18. Jagerbataillons, Kadettfeldvvebel Friedl, Korporal Gordon, Feldwebel Wollen des 30. Infanterie- regiments stiirmten von der Flanke gegen die feindliche Batterie und eroberten ein Geschiitz. Unter brausendem Hurra war der Konigsberg ge- nommen. Fluchtartig 1 wichen die Danen mit einem Verluste von 9 Offizieren und 411 Mann zurlick. Mit staunenswerter Bravour hatte die Brigade den ruhmvollen Sieg errungen, doch mit šchweren Opfern bezahlt. 30 Offiziere und 519 Mann bedeckten tot oder verwundet den Boden. Graf Gondrecourt, der Mann von Eisen, erwarb sich hier mit Recht den Stolz seiner Krieger und den wohl- verdienten Namen fur seine Brigade: «Die eiserne!» Von den folgmnden anderen BrRaden war Oberst Wilhelm Herzog von Wiirttemberg mit seinen « Belgiern» in spater Stunde herangekommen, um noch ein Lorbeer- blattchen mitzupflucken. Mit einer Ansprache, welche jedes Soldatenherz machtig ergriff, hatte der Herzog unter dem Geschiitz- © 28 ® feuer der Brigade Gondrecourt seinem kampfbegierigen Regimente den Vormarsch angekiindigt. Ein allgemeines donnerndes Hoch aus Hunderten von Kehlen erbrauste und gar mancher schlichte Mann schwur laut: «Gut und Blut fiir unsern Kaiser!» Nur dem Tatendrange des Herzogs dankte es das Regiment, da(3 es in der Dammerung noch mit dem 1. Bataillon ins Gefecht eingreifen konnte. Im Vereine mit den Neunerjagern warf es sich noch auf den von den Danen besetzten Bahnhof von Klosterkrug, erstiirmte ihn und machte — ohne eigene Verluste — 50 Gefangene. Eintoniges nordisches Weifi mit todlich erstarrendem Winterhauch. Eine Kalte, wie sie kaum in diesen Gegenden erlebt, machte das Mark in den Knochen erstarren. Die erobertenPositionen wurden von den k. k.Truppen besetzt. Es war eine schaurige VVinternacht. Infolge der @ 29 ® Nahe des Feindes durfte kein Lagerfeuer angezundet werden, vereinzelte Scharmiitzel der Vorposten und Pa- trouillen storten fortwahrend die Nachtruhe. Unmittelbar nach dem Gefechte von Ober-Selk hatte Feldmarschall von VVrangel Kriegsrat gehalten und auf die begriindeten Einwendungen des Feldmarschalleutnants Freiherrn von Gablenz und seines Stabes den Gedanken aufgegeben, vom k. k. VI. Armeekorps den Frontalangriff auf die Dannewerke ausfiihren zu lassen. Es hatte der Erstlirmung eine lebhafte BeschieCung durch Positions- geschiitze vorausgehen mussen, solche aber waren nicht in entsprechender Anzahl zur Stelle, sondern hatten erst von Magdeburg herbeigeschafft werden mussen. Es wurde daher die Umgehung der Position beschlossen und das konigl. preuCische Armeekorps beauftragt, daC es diese Umgehung durch einen Schlei-Ubergang «ausfiihren miisse, es koste, was es wolle». Das k. k. VI. Armeekorps und die preuCische Gardedivision hatten den Gegner durch lebhafte BeschieDung der Schanzen in der Front fest- zuhalten und denselben, sobald er die Position raumen solite, lebhaft zu verfolgen. Die nachher von den Osterreichern und Garden vor- genommenen Spezial-Rekognoszierungen sowie die spatere Einsicht in die vom Feinde creraumten und mit Hunderten o der schvversten Geschiitze armierten Schanzen bestatigten durchaus die Ansicht, daC nur die schwierigste Belagerung diese Schanzen bei einem Frontalangriff hatte bezwingen konnen. ® 30 ® Am 4. Februar befand sich die Brigade Nostitz auf den Hohen vor Ober-Selk, nur das zweite Bataillon Konig der Belgier verblieb mit zwei Geschiitzen am Konigsberg. Die Brigade Gondrecourt ging nach Lottorf und Gelttorf zur Erholung zuriick und trat in das Reserve- verhaltnis. Das Hauptquartier war in Lottorf. Seit 6 Uhr abends herrschte ununterbrochen Schnee- fall und Stumrvvind, die Truppe litt unsaglich, abermals durften Lagerfeuer nicht angezlindet werden, der Sicher- heitsdienst war schwierig und aufreibend. Es bedurfte des ganzen moralischen Einflusses der Offiziere, um dieTruppen dienstfahig und pflichteifrig zu erhalten. Noch am 4. Februar hatte Feldmarschall von Wrangel dem Prinzen Friedrich Karl befohlen, in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar die Schlei bei Arnis und Cappeln zu forcieren, und da sich das konigl. preuCische Armee- korps zu diesem Zwecke auf seinen rechten Flugel kon- zentrierte, waren auch anderweitige Krafteverschiebungen notwendig geworden, und zwar nahm die Brigade Dormus Missunde gegeniiber Aufstellungr von der Brigade Gondre- court besetzten drei Bataillone Jagel und von der Brigade Tomas ruckten zwei Bataillone nach Ober-Selk; die Brigade Nostitz, die den ganzen 5. Februar auf und um den Konigsberg gefechtsbereit gestanden war, muCte in ihrer Aufstellung verbleiben. Von den Vorposten wurde beim Gegner eine aufier- gewohnliche Ruhrigkeit wahrgenommen; Wagengerassel und andere scheinbar untrugliche Vorzeichen einer be- O ® 31 ® absichtigten Aktion machten sich bemerkbar; infolge- dessen wurde der Sicherheitsdienst verscharft. Der Batteriebau fur die zu erfolgende Beschiefiung der gegnerischen Position wurde in Angriff genommen. Die Nacht auf den 6. P'ebruar war ebenso kalt und stiirmisch wie die vorhergegangene, der Boden hart und daher schwer zu bearbeiten, und iiberdies traf das in Rendsburg requirierte Schanzzeug erst um 10 Uhr abends ein, dennoch standen alle Batterien am Mor gen des 6. Februar vollkommen schuGfertig da. Nach Mitternacht erschien bei einer FekUvache des Regiments Coronini ein danischer Parlamentar, der eine vierundzwanzigstundige Waffenruhe zum Begraben der Toten verlangte. Ein Stabsoffizier iiberbrachte die Meldung nach Lottorf ins Hauptquartier; aber seitens des osterreichischen Korps- kommandanten erfolgte die Erwiderung, von 24 Stunden konne keine Rede sein. Die Toten seien diesseits bereits in der Nacht vom 3. zum 4. Februar begraben worden und konne das gestellte Verlangen doch nur die etwa zwischen den Vorposten liegenden betreffen. Von dieser Seite seien keine sichtbar, doch solite zu dem bestimmt ausgesprochenen Zwecke des Begrabens die Zeit von 6 bis 8 Uhr morgens gewahrt sein. Der mit dieser Erklarung zuruckgehende Offizier fand indes den Parlamentar an der Stelle, wo er ihn verlassen hatte, nicht auf; er glaubte ihn verfehlt zu haben und liefi blasen, doch ohne eine Erwiderung zu J O © 32 ® erhalten. Er ging weiter vor, aber auch jetzt blieb trotz wiederholtem Blasen alles stili. Da kamen ihm Burger Schleswigs entgegen und brachten die Kunde: «Die Danen haben Schleswig und die Dannewerke geraumt; seit gestern Nachmittag hat der Riickzug begonnen.* Der Parlamentar war verschwunden und die Nachricht der Burger bestatigte sich. Der danische Oberkommandant, Generalleutnant de Mezza, wurde um 5 Uhr nachmittags durch Spione vom Vormarsch des preufiischen Korps auf Arnis unter- richtet. Er sah sich auCerstande, den Ubergang desselben iiber die Schlei zu verhindern. In einem sogleich ein- berufenen Kriegsrate wurde mit neun gegen eine Stimme (General Llittichau) die sofortige Raumung der Danne- werksstellung und der Riickzug auf Flensburg be- schlossen. Abends 7 Uhr marschierte der Artilleriepark und die Reserve-Artillerie ab, um 8 Uhr folgte die Infanterie- reserve, alle auf der Flensburger Chaussee. Dann setzte sich die zweite Division in Marsch, welcher nach einem Vorsprunge clie dritte folgte; das Hauptquartier verlieC Schleswig um 11 Uhr nachts. Die Nacht war finster, dabei ein heftiges Schneetreiben, so dafi dieVorposten der Osterreicher und Garden den Abmarsch nicht bemerken konnten ; um so mehr ; als ihnen die feindlichen Vorposten, ein Bataillon des 1. und ein Bataillon des 7. Regiments, gedeckt hinter den Schanzen gegeniiberstanden. Um 12 Uhr nachts raumten auch diese die Schanzen. ® 33 ® Mit aller Vorsicht ging, nachdem die Boten Schleswigs zurlick ins Hauptquartier nach Lottorf geschickt waren, der Oberst Fellner von Feldegg mit dem Regiment Coro- nini den Haddebyer-Damm entlang gegen Schleswig vor und zog dortselbst ungehindert ein. Am 6. FVbruar um 7 Uhr frlih brachte das Regiment Coronini vor Gottorp dem geliebten Kaiser und Aller- hochsten Kriegsherrn ein dreimaliges donnerndes Hoch, begleitet von den Klangen der Volkshymne, — den ersten FreiheitsgruB fiir Schleswig. Die Meldung von der erfolgten Raumung Schleswigs war um 4 Uhr frlih im Hauptquartier eingetroffen. Feldmarschalleutnant Gablenz stieg sofort zu Pferde, ordnete miindlich das allgemeine Vorriicken des Armee- korps an und ritt mit dem Generalstabshauptmann Grlin- dorf von Zebegdny gegen Schleswig. Die Brigade Nostitz setzte sich nach 5 Uhr vom Konigsberg in Bewegung, hinter ihr folgte die Ftalb- brigade Tomas, die Brigade Gondrecourt und die Geschiitz- reserve. Das Vorgehen geschah trotz der dabei beob- achteten Vorsicht so rasch, daC um 7 Uhr frlih bereits die Tete der Brigade" Nostitz den Siideingang von Schleswig erreichte. Die Stadt war beflaggt, der Empfang ein enthusiastischer. Alles war auf den Beinen, alt und jung, Manner und Frauen. Feldmarschalleutnant Gablenz, der vorausgeeilt war und im koniglichen Schlosse, wo Herrmann, Čversee. 3 @ 34 @ kurz vorher der danische Oberkommandant sein Haupt- quartier hatte, eine Depesche an Seine Majestat iiber den erfolgten Einmarsch in Schleswig durch General- stabshauptmann Griindorf schreiben und dem Feldtele- graphen zur Weiterbeforderung iibergeben liefi, ordnete eine Rast der Truppen und den Verfolgungsmarsch an. Reiches, aber fast durchaus unbrauchbar gemachtes Artilleriematerial und viel Munition, 144 Geschiitze, 1000 Geschosse, 115 Zentner Pulver usw. fielen den ein- ziehenden Osterreichern in die Hande. Trotz der bei weiterem Vorgehen eintretenden Verpflegsschwierigkeiten und ungeachtet dessen, dafi am Tage des Einzuges in Schleswig das Armeekorps nur aus drei Brigaden, wovon eine mit nur drei Bataillonen, bestand, wurde sofort nach dem Einmarsch eine rasche und unablassige Verfolgung des Gegners eingeleitet. Und zwar wurden zuerst die bei den Brigaden eingeteilten und sukzessive in Schleswig anlangenden Abteilungen des Regiments Lichtenstein-Husaren, ferner die noch beim Regimentsstabe befindlichen Eskadronen dieses Regiments im Trab auf der Cbaussee gegen Flensburg vorgesendet. Darauf wurde die Brigade Nostitz in Marsch gesetzt, das 9. Jagerbataillon an der Tete, das Infanterieregiment Konig der Belgier Nr. 27 diesem folgend, dann das Infan¬ terieregiment Hessen Nr. 14. Nach langerer Rast setzte sich die Brigade Gondrecourt in Bewegung. Die Halb- brigade Tomas wurde nach Wedelspang beordert, welcher die Brigade Dormus nach bevvirktem Schlei-Ubergang zu @ 35 ® folgen hatte. Das Infanterieregiment Graf Coronini Nr. 6 verblieb als Besatzung in Schlesvvig. In flotter Gangart sturmten trotz Glatteis und Schnee- Sturm die Husaren unter Oberstleutnant Smagalski, in Begleitung des unermudlichen Generalstabshauptmannes Griindorf, auf der Chaussee v or. Bei Hesse-Moor stiefien sie auf eine Kolonne schwerer Zwolfpfiinder. Mit jubeln- dem Hurra fegten die Husaren iiber die Kolonne her, im Nu war die Bedeckung zersprengt, drei Geschutze, eine Menge Proviantwagen erbeutet sowie fiinfzig Gefangene O o o o gemacht. Ohne sich lange aufzuhalten, sturmten die wackeren Reiter weiter und erreichten bei Helligbek die grofie Trainkolonne. Als der Ort nicht zu umgehen war, gingen die Husaren direkt zum Angriff vor und waren trotz des heftigen feindlichen Feuers schon ziemlich weit in die Kolonne, deren Bedeckung zusammengehauen wurde, hineingedrungen, als mehrere in der Gasse verfahrene Wagen das weitere Vordringen verhinderten. Rittmeister Graf Attems versuchte mit einer Eskadron auszubiegen. Gleichzeitig debouchierten starke Infanterie-Abteilungen seitwarts des Ortes und eroffneten ein lebhaftes Feuer auf die Kavallerie, die nacli einigen Verlusten genotigt war, sich auf ein paar hundert Schritte zuriickzuziehen. Der Feind benutzte die Frist, um seinen Ruckzug fortzusetzen. Sofort jagten die Husaren hinterher und folgten unter wiederholten ungestiimen Attacken den 3 * @ 36 ® Danen bis nordlich von Oversee. Erst hier brachte der Gegner ganze Bataillone mit Geschiitzen ins Feuer. Todesmutig attackierten die Husaren den Feind. Bis in die feindliche Batterie drangen sie ein, einige Ge- schutze wurden genommen, doch an den hinter Knicks aufgestellten, Salve auf Salve in die anreitenden Husaren hineinschleudernden danischen Bataillonen scheiterten alle weiteren Attackeversuche. Dem Rittmeister Prinzen Aren- berg wurde das Pferd unter dem Leibe erschossen; rasch sa(3 der Husar Emmerich Lippert ab, iiberlieC seinem Rittmeister sein Pferd und rettete sich selbst zu FuC aus dem Kugelregen. Spater machte er freivvillig mit einem aufg-elesenen Gewehre den Ansturm der Neuner- jager mit. Unter betrachtlichen Verlusten bogen die Husaren ab und sammelten sich nordvvestlich von Oversee. Die Danen waren erreicht. Voli Tatendurst war Feldmarschalleutnant Gablenz vorausgeeilt, um personlich die Verfolgung zu leiten, mit Spannung sah er den ankommenden Bataillonen ent- gegen. Er wu(3te, was diese Belgier geleistet hatten. Seit fiinf Tagen in erster Linie gestanden, in Schnee liatten sie drei eisisf kalte Nachte mehr wachend als schlafencl zugebracht, seit mehr als 24 Stunden nicht abgekocht, — konnte eine Truppe nach soviel Strapazen noch zu einem schneidigen Verfolgungsmarsche zu haben sein? Nun mel- dete der Regimentskommandant Oberst Wilhelm Herzog von Wtirttemberg dem Korpskommandanten das Heran- riicken seines Regiments. « Ist Ihr Regiment nach dem, ® 37 @ s o > J3 £ 3 bo ca 'aJ X CQ :rt C £ 44 @ Reserve, die 6. Kompagnie, zum Sturme gegen den iiber- machtigen Feind. Die weiBe Leibfahne des Regiments flatterte der kleinen Schar voran und begeisterte sie zu todesmutigem Angriff Ungestlim warfen sich die Belgier in die dichten Massen der Danen, es entstand ein wiitendes Hand- gemenge. Ein aus nachster Nahe abgegebener Schu(3 streckte den Hauptmann Castella nieder. Mit seinem eigenen Leibe deckte Gemeiner Huber seinen crefallenen Kommandanten. Oberleutnant Graf St. Julien schlug den danischen Kommandanten nieder und im blutigen Ringen erreichten die Belgier die Hohe. Stolz flatterte nun das Siegeszeichen, die Leibfahne des 27. Regiments, auf der erstlirmten Hohe. Bald sah man das Muttergottesbild, bald den Kaiseradler. Auf der Hohe beginnend, dann starker anschwellend, brauste ein donnerndes Hurra liber die ganze Schlacht- linie. Ungestlim, unter gro(3en Verlusten, drangte das 1. Bataillon Belgier im Vereine mit den Neunerjagern den Gegner aus dem Sankelmarker Wald, die 6. Kompagnie drang von der Hohe aus gegen Billschau vor. Hier fielen die Hauptleute Hofmann, Entner, Ober¬ leutnant Baron Prokesch-Osten und Leutnant Barmann. Die Gemeinen Banofsky und Lammer, beide schwer ver- wundet, schleppten sich noch eine Strecke fort und als es nicht mehr ging, animierten sie die nachriickenden Kameraden durch Geberden und Zuruf; Gemeiner Lakner, dreifach verwundet — StreifschuC am Kopf, Schufi in den @ 45 ® Unterleib und SchuD in den Arm — widerstand der wieder- holten Aufforderung seines Zugskommandanten, sich auf den Verbandplatz zu begeben, und harrte bis zum Schlusse des Gefechtes aus. Auch die Unterleutnants Haydegg, Schwarz und Rehn fielen in dem morderischen Kampfe. Die 1. Kompagnie war ohne Offiziere. Bataillonsadjutant Unterleutnant Hoppler fiihrte, nachdem ihm sein Pferd erschossen worden war, diese Abteilung weiter. Trotz eines Kolbenschlages auf den Kopf und eines Stiches in den Unterleib schleppte er sich miihsam vorwarts. Der Feind, auf den schmalen Hohenraum bei Billschau zu- sammengedrangt, erkannte die Gefahr. Der danische Brigadier, Oberst Miiller, erachtete den Moment fiir ge- kommen, die Reserven einzusetzen und einen GegenstoB auszuftihren. Er fiihrte die zwei Bataillone des 1. Regi- ments in der Richtung auf die von der 6. Kompagnie eingenommene Hohenposition, wahrend das bei Billschauer Krug versammelte 11. Infanterieregiment den Versuch machte, den Sankelmarker Wald zurtickzuerobern. Bald vvar die 6. Kompagnie in weitem Bogen umfaCt. In diesem kritischen Moment erschien Major Haug- witz mit dem zvveiten Bataillon Belgier und warf, ohne Zeit zu verlieren, mit seinen kampfesfrohen Soldaten die in den Wald eingedrungenen Danen wieder hinaus. Das Bataillon formierte sich in Divisionsmassen, die 4. Division links, die 5. rechts, die 6. als Reserve hinter der Mitte. Gleich bei Beginn des Vorriickens fallt der Kommandant der 4. Division, Hauptmann Hochhauser; © 46 @ Hauptmann Sammer ubernimmt das Kommando der Division. Die 5. Division nahm die Direktion auf die kahlen Hohen rechts von der Strafie. Der Regimentsadjutant Oberleutnant Guggenberger, der unerschrocken im starksten feindlichen Feuer von Abteilung zu Abteilung ritt, dadurch die Verbindung erhielt und das einheitliche Zusammenwirken im Sinne der Befehle des Regimentskommandanten moglich machte, uberbrachte dem Kommandanten der 5. Division Haupt¬ mann Eder den Befehl zum Angriff auf die Hohe. Der Ansturm geschah so vehement und iiberraschend, daB der OffensivstoB der feindlichen Reserve sofort ins Schwanken geriet. Ein zweitesmal geworfen, gab der Gegner die Offensive auf und beschrankte sich auf die Besetzung einer giinstig gelegenen Position, aus der er ein lebhaftes Feuer unterhielt. Infolge des vollig deckungslosen Terrains groBen Verlusten ausgesetzt, ent- schloB sich Hauptmann Eder zum drittenmale zu sturmen. Unter schlagenden Tambours geht der Ansturm vor- warts. Oberleutnant Guggenberger machte den Sturm freiwillig mit. Todesmutig fiihrten Leutnant Allesch und Withalm, Kadettfelchvebel Schaffer, obwohl zweimal ver- wundet, Kadettfeldwebel Pilz und Schlifiler ihre Mann- schaften vor. Fiihrer Ertl, auch schon vervvundet, fiihrte seine Abteilung weiter, bis eine zweite schwere Verwun- dung ihn kampfunfahig machte. Feldwebel Franz Ktigerl wurde schwer verwundet, Gefreiter Josef Ktigerl sah den geliebten Bruder fallen, machte aber, ohne einen Moment @ 47 ® zu zogern, den Sturm mit, obschon Tranen liber seine Wangen rannen. Die 6. Division riickte in die Lučke zwischen der 4. und 5. Division unter Fiihrung ihres tapferen Komman- danten Hauptmann Sabatowicz, der schwer verwundet zusammenbrach. Audi Hauptmann von Froschauer und Unterleutnant Freiherr von Wimpffen wurden schwer verwundet. Der Gegner weicht zuriick, doch jetzt galt es den letzten entscheidenden Angriff, die Einnahme von Bill- schau selbst. Der Feind eroffnete aus den Hausern von Billschau ein heftiges Feuer, die Geschosse schlugen an die Aste der Baume des Waldes und gellerten auf der festgefrorenen Strafie, dafi es aufspritzte. Oberst Herzog Wilhelm von Wiirttemberg disponierte: «Der linke Flligel greift Billschau an, der rechte hat die genommene Hohenposition zu halten.» Das Sturmsignal ertonte, und zu Fufi — das Pferd wurde dem Herzog schon frliher unter dem Leibe erschossen, — mit gezogenem Sabel an der Spitze der Sturmkolonne, drang der Herzog vor. Nadi einigen Schritten blieb er plotzlich stehen, erblaOte und stiitzte sich auf seinen Sabel. Rasch sprang Ober- leutnant Guggenberger vom Pferde, umfafite mit seinem rechten Ar m den Herzog und schleppte ih n etwa 30 Schritte aus dem dichtesten feindlichen Feuer zuriick, liinter eine Deckung, wo der schwerverwundete Held ohnmachtie an die Grabenboschung hinsank. Eine sicli @ 48 @ zuriickziehende daniscbe Patrouille war es, welcher der Herzog, nachdein friiher im Kugelhagel Leutnant Hozl und ein Hornist neben ihm gefallen waren, die schwere Wunde zu danken hatte, und beinahe ware er das Opfer einer zweiten Kueel gevrorden. Ein schwer verwundeter danischer Soldat brachte sich muhsam in eine sitzende Stellung, hob langsam das Gewehr, feuerte es auf kaum drei Schritte Distanz ab und sank sodann bewu(3tlos zurlick, Die Kugel sauste knapp an dem Obersten und dem Regimentsadjutanten voriiber. Ftihrer Valenzi der ersten Kompagnie leistete dem Herzoge die erste Pflege und besorgte den Transport auf den Verbandplatz. Der letzte Ausspruch an den Regimentsadjutanten lautete: «Die Hauser dort unten (Billschauer Krug) zu nehmen und sich dann ralliieren.» Dieser Auftrag wurde piinktlich vollfiihrt. Guggen- berger war uberall, er iiberbrachte Befehle, fiihrte selbst diese oder jene Truppe — stets im Geiste seines teuren Obersten. Mit der Eroberung von Billschau war die Arriere- garde der danischen Armee von der Chaussee und somit von der direkten Verbindung mit Flensburg abgedrangt. Einzelnen feindlichen Abteilungen gelang es, auf Neben- kommunikationen zu entkommen und die Kiiste zu er- reichen, wo sie sich durch Einschiffung der Katastrophe entzogen, andere wurden noch im Gefechte zur VVaffen- streckung gezwungen, viele Versprengte am Tage darauf als Gefangene eingebracht. @ 49 ® Noch in der Abenddammerung versuchten feindliche Abteilungen, Billschau zuriickzuerobern, auch auf dem isolierten linken danischen Flligel begann sich’s zu riihren. Doch der Gegenstofi auf Billschau wurde nach kurzem Feuergefechte abgewehrt, und es stellten die Daneu die Vorriickung ihres linken Fliigels ein, als das «schwarze» Regiment der «schwarz-gelben» Brigade, das Infanterie- regiment GroCherzog von Hessen Nr. 14, sich entwickelte und die ermiideten Abteilungen der Belgier und Neuner- jager abloste. An eine Verfolgung war nicht zu denken, denn alles war bis zum aufiersten erschopft; audi trat vollige Dunkelheit ein. Auf dem Gefechtsfelde war es stili ge- vvorden; nur das Stohnen und Achzen der Verwundeten und Sterbenden drang herzerschiittemd durch die Luft. Die Sanitatsabteilungen vvaren infolge des ungestiimen Vorgehens nicht zur Stelle; aber aufopferungsvoll be- miihten sich Regimentsarzt Dr. Kostler, Oberarzt Schalek, Oberwundarzt Fuchs und der nie ermiidende Unterarzt Schmidt um die Verwundeten. Der Regimentskaplan Ban- calari spendete den Sterbenden seelischen Trost. Der Tag von Oversee fiigte ein neues Blatt in die Ruhmeskranze des Regiments Konig der Belgier und des 9. Jagerbataillons, welche sich ihrer glorreichen Ver- gangenheit wurdig erwiesen. Die danische 3. Division hatte 18 Offiziere, mehrere Danebrogs und 954 Mann verloren, ihr Fiihrer, General- leutnant Steinmann, war verwundet, 4 Offiziere und Herrmann, Čversee. 4 ® 50 © 125 Mann wurden unverwundet gefangen genommen. Mit den Versprengten, die am 7. Februar in Gefangenschaft gerieten, betrug der Totalverlust rund 1000 Mann. Die Osterreicher bezahlten den herrlichen Sieg ebenfalls mit groflen Verlusten, die sich folo-enderma(3en verteilten: Danisches Denkmal am Sankelmarker See. 9. Feldjagerbataillon: 3 Offiziere und 38 Mann tot, 6 Offiziere und 122 Mann verwundet; 27. Infanterieregiment Konig der Belgier: 7 Offiziere und 49 Mann tot, 13 Offiziere und 182 Mann verwundet; 14. Infanterieregiment Groffi herzog Ludwig von Hessen: 34 Tote und Verwundete; 9. Husaren-Regiment (Lichtenstein-Husaren): 32 Tote und Verwundete. Das Regiment Konig der Belgier und das 9. Jager- bataillon bezogen Notkantonierungen in Frorup und das @ 51 ® 14. Regiment GroOherzog von Hessen in Oversee; das letztere hatte Vorposten a cheval der Strahe bis Billschau vorzuschieben. Die Nacht vom 6. zum 7. Februar war eine der kaltesten und schaurigsten des ganzen Feldzuges; Schnee- gestober hatte sich eingestellt, und der ununterbrochen wehende rauhe Nordwind drang durch Mark und Bein. Unter Kommando des Oberleutnants Herzog 1 suchte eine Halbkompagnie, die in Kette aufgelost war, das Schlachtfeld ab, so gut es eben bei den unglinstigen Ver- haltnissen in der stockfinsteren Nacht geschehen konnte. Viele Vervvundete-vvurden dadurch gerettet, aber mancher mag in der tritgerischen Schneehiille einen sanften Tod gefunden haben. Am 6. Februar, dem Gefechtstage von Oversee, hatte das konigl. preuhische I. Korps den Schlei-Ubergang bei Arnis betverkstelligt und mit der Avantgarde Sterup bei Cappeln erreicht. Die konigl. preufiische Garde beriihrte mit ihren Spitzen Wanderup und Taufi westlich von Oversee; vom k. k. osterreichischen Armeekorps stand das Gros in Frorup-Oversee und die Brigade Dormus in Scholderup bei Missunde. Auf die Meldung des Feldmarschalleutnants Gablenz, dafi seinen erschopften Truppen unter allen Umstanden am 7. Februar eine Rast gegeben werden musse, wurde vom Armeekommando die Verfolgung des Feindes der Gardedivision iibertragen, welche aber am 7. Februar 4 * @ 52 ® erst gegen 11 Uhr vormittags Flensburg erreichte und demnach die Fiihlung mit den Danen nicht mehr gewann. An demselben Tage erreichte das Gros des I. preuOischen Armeekorps die Gegend von Gliicksburg am Siidufer des Flensburger Fjords; die Avantgarde-Kavallerie, zwei Eskadronen Zieten-Husaren unter Rittmeister von Weise, war die Nacht hindurch geritten und traf somit in Flensburg noch vor der Gardedivision ein. Man hatte sich der festen Position von Diippel, wo- hin die Flauptmacht des Feindes zuriickgegangen war, genahert. Jeder weitere Vormarsch in dieser Richtung muCte neuen, ernsten und bei den giinstigen Stellungen des Feindes auch sehr schwierigen Kampfen entgegen- fuhren. Ein Vormarsch nach Norclen, wohin sich Teile der danischen Armee zurlickgezogen hatten, bedingte zu- nachst eine Einschlie(3ung der Diippeler Schanzen und konnte auch selbst dann keine anderen Resultate als nur die Okkupation des Landes liefern. In Anbetracht dieses Verhaltnisses, sowie der unbeschreiblich grofien An- strengungen, die samtliche Truppen in den letzten Tagen sowohl durch die Grofie der Marsche als auch noch mehr durch die glatten oder tief mit Schnee bedeckten StraBen und die andauernde ungiinstige Witterung gehabt hatten, erschien es geboten, der Armee hier eine mehrtagige Ruhe zu lassen, damit sie die zur weiteren Fortsetzung des Krieges notwendigen Krafte wieder gewinne. Fiir den 11. und 12. Februar wurde vom Armee- kommando die Einschliefiung der Position von Diippel ® 53 ® durch das konigl. preuCische I. Korps, die Besetzung von Apenrade durch die Gardedivision angeordnet. Das k. k. VI. Armeekorps solite bei und in Flensburg im Reserve- verhaltnisse bleiben und durch Detachements die wichtig- sten Punkte der Westkiiste: Hussum, Tonningen, sichern. Am 13. Februar hatte die Gardedivision den Vormarsch gegen die Grenze von Jiitland fortzusetzen und das k. k. VI. Armeekorps in der Entfernung eines Tagmarsches dieser Division zu folgen. In Durchfiihrung dieser Dispositionen kam es vor der Diippeler Position vom 12. Februar an fast taglich zu Rekognoszierungsgefechten; die bedeutendsten waren am 21. und 22. Februar. Das Regiment Konig der Belgier Nr. 27 hatte sich am 13. Februar nach dem Abessen zum Abmarsche nach Flensburg iiber Siider-Smedeby ralliiert und rlickte um 11 Uhr vormittags iiber Frorup nach Oversee. Auf dem Schlachtfelde wurde Front gemacht. Mehrere frische Grab- hilgel waren dortselbst aufgeworfen, der grofite ostlich des Sankelmarker Sees, nachst der Strahe, woselbst das Denkmal errichtet werden solite. Major Baron Haugwitz hielt eine kurze Ansprache, der kraftige Ausdruck seines kernigen Wesens und seines warinen Soldatenherzens: «Soldaten! Wir stehen hier auf dem Platze, wo sich vor siebenTagen das Regiment unvergleichliche Lorbeeren um seine alte wie um seine neue Fahne geschlungen hat. Noch seht ihr den Schnee gerotet von dem Blute unserer tapferen Briider! Senden wir ihnen den letzten Grufi und -© 54 @ gedenken wir ihrer im Gebete, dafi ihre Geister uns im ferneren Schlachtgettimmel umschweben und uns zu neuem Siege fuhren mogen * Es wurde «zum Gebet» gestellt, die Regimentsmusik O J o liefi die machtig ergreifenden Tone des Kornerschen Liedes: «Vater, ich rufe dich» iiber das feierlich stille Schlacht- und Totenfeld dahinschvvellen; es war ein Augenblick un- vergeClich fiir jedermann, der dabei gewesen. Tranen rollten liber manche Wange, mancher schluchzende Laut konnte nur schwer in der gepreCten Brust zurlickgehalten werden; die Helden, die da seit einer Woche schliefen, hatten ja zu den Besten, Frohesten, Gllicklichsten gezahlt, waren unvergeCliche gute Kameraden, durch die Bande treuer Freundschaft, ja einzelne selbst der Blutsvervvandtschaft mit den Uberlebenden verbunden gewesen. Alle die herr- lichen Ziige von Tapferkeit, Kiihnheit und Todesverachtung, von Willenskraft, Selbstverleugnung, Aufopferung und Treue, welche das Bild des Treffens von Oversee zusammen- setzten, sie lebten neu auf; und warum dies alles so trefflich gelungen ? Die Antwort darauf gaben die hier an dieser Stelle und bei dieser Gelegenheit um so maje- statischeren Klange der «Volkshymne >. Wie befreiend \virkten sie auf die gedrlickten Gemliter. Die gesenkten Kopfe erhoben sich rasch und stolz, aus den Augen aller leuchtete kriegerisches Feuer. Das Regiment «prasentierte das Gewehr». Nach den patriotischen Gefuhlen der er- erbten Treue fand auch die Fiebe zur teuren Heimat sinnigen Ausdruck. Dem Alpenlande, das soeben berech- ® 55 ® tigten Stolzes an seine Sohne dachte, galt als Grufi der Marsch «Hoch vom Dachstein», womit abgeriickt wurde. Am 18. Februar wurde Kolding von den Vortruppen der preufiischen Gardedivision besetzt, am 19. die Tete des k. k. VI. Armeekorps (Brigade Dorrnus) bis auf eine Meile von der Grenze nach Frorup versetzt und iiber- haupt das Korps in dieser Richtung, zwischen Haders- leben und der Grenze, vorgeschoben. Die weitere Vor- rilckung wurde jedoch aus politischen Riicksichten vor- laufig sistiert, am 3. Marž teilwei.se, entschieden aber erst am 6. Marž wieder aufgenommen. Die Stellung von Diippel, die schon im Kriege des Jahres 1848 und 1849* eine bedeutende Rolle gespielt hatte, war seitdem wesentlich verstarkt und erweitert worden. Dieselbe war deshalb nicht nur in sich selbst, sondern auch in der Verbindung mit der Insel Alsen, durch die uberhohenden Ufer der Insel, sowie in der © 56 © Mbglichkeit, den Angreifer von Schiffen und Kanonen- booten aus zu beschiefien, sehr stark, und zwar so, da(3 eine schnelle Bewaltigung derselben bei einigermaflen guter Verteidigung hochst schwierig und fraglich erschien. Nur ein systematisch vorriickender Geschiitzkampf uberlegener Artillerie konnte ein gtinstiges Resultat erhoffen. Am Abend des 6. Marž wurden bei einer Besprechung im Armee-Hauptquartiere die Operationen fiir den nachsten Tag festgesetzt, und zwar solite am 8. Marž der Einmarsch in Jiitland erfolgen, die konigl. preufiische Gardedivision hatte von Kolding ostwarts auf Fridericia zu rucken und die dortige Garnison in Schach zu halten, das k. k. Armee- korps gleichzeitig nordwarts vorzugehen und die im Felde stehenden danischen Truppen (man vermutete 4000 Mann Infanterie und 26 Eskadronen) anzugreifen. Am 7. Marž abends konzentrierte sich die konigl. preu!3ische Gardedivi¬ sion unter dem Schutze ihrer Vorposten in Kolding, das k. k. VI. Armeekorps in zwei Gruppen, und zwar rechter Fliigel: die Brigaden Nostitz, Gondrecourt und Dobrzenski sowie die Korpsreserve unter Kommando des Feldmarschall- Leutnants Freiherrn von Gablenz siidlich von Kolding, die Brigade Nostitz und eine halbe Briicken-Equipage an der Tete; linker Fliigel: die konigl. preuCische Kavallerie- brigade Oberst Fliel3, die Brigaden Dormus und Tomas unter Kommando des Feldmarschalleutnants Graf Neipperg auf jtitischem Boden, aber noch diesseits der Kolding-Aa, liber welchen Flufi nur Reiterdetachements vorgeschoben wurden. ® 57 ® Der rechte Flligel solite am 8. Marž den GrenzfluB bei Kolding ubersetzen und auf der Chaussee direkt auf Veile riicken, der linke Flligel hatte die Brucke von Eistrup zu beniitzen und liber Aasgrad den Ubergangspunkt des Veile-Flusses bei Niibelkrug zu gevvinnen. Solite sich der Gegner, was im osterreichischen Hauptquartiere voraus- gesetzt wurde, bei Veile zum Kampfe stellen, so hatte der rechte Flligel ihn in der Front festzuhalten, der linke mit Entschiedenheit auf dessen Flanke und Riicken zu wirken. Die Marsche waren ungemein ermiidend, die Wege grundlos, man watete auf den Nebenkommunikationen in O 7 knietiefem Schnee. Am 8. Marž wurde schon um 3 Uhr frlih wieder auf- gebrochen. Flihrer gingen mit Laternen voran, um 6 Uhr frlih stand die Brigade Nostitz konzentriert bei Bellevue bei Kolding und bewerkstelligte den Fluliiibergang, das 9. Jagerbataillon an der Tete, darauf die Regimenter Hessen und Konig der Belgier. Die Kavalleriebrigade Dobrzenski bildete die Avantgarde der Kolonne, die Brigade Gondre- court, die Korpsgeschiitzreserve folgten der Brigade Nostitz. Schon eine halbe Meile nordlich von Kolding, bei Brandrup, liefi Feldmarschalleutnant Gablenz halten, um das Heran- kommen des linken Fliigels auf gleicher Hohe abzuwarten. Die Nachrichten, welche von dort einliefen — verzogerter Ubergang iiber die Kolding-Aa und verlangsamter Vor- marsch auf grundlosen Wegen, — liefien die Mitwirkung der Kolonne des Feldmarschalleutnants Neipperg bei einem am selben Tage etwa stattfindenden Kampfe mehr als © 58 @ fraglich erscheinen. Feldmarschalleutnant Gablenz lieC sich aber dadurch nicht abhalten, mit der Hauptkolonne allein den Feind aufzusuchen. Schon im Laufe des Vormittags kam es zum Kampfe zwischen den vorausgeeilten Vhndischpratz-Dragonern mit danischen Dracronern. o Generalstabshauptmann Graf Uxkull, welcher mit einer Bedeckung von 15 Windischgratz-Dragonern unter Oberleutnant Graf Czernin vorausgeritten war, wurde auf einer Hohe bei Viuf von einer 30 Mann starken danischen Dramonerabteiluna- uberraschend attackiert. Da brauchte O o es fiir die Bedeckungsmannschaft kein Bedenken. Unge- sttim stiirzte sich Oberleutnant Czernin auf den Gegner. Von einer weiteren feindlichen Dragonerabteilung von 30 Mann in beiden Flanken angegriffen, entstand ein furchtbares Gemetzel. Graf Czernin kampfte als ritterlicher Held, mulite aber der Ubermacht unterliegen. Er war als tapferer Fiihrer seiner braven Dragoner an ihrer Spitze geblieben und so am tiefsten in die Gefahr geraten; neun Hiebe, die ihn getroffen, machten ihn kampfunfahig. Der General¬ stabshauptmann Uxkull blieb mutig unter den vorclersten der Kampfenden. Er war mit zwei feindlichen Dragonern engagiert. Zum UnMiick wurden ihm die Zligel seines Pferdes* durchhauen, so da!3 er vollends die Kraft der Lenkung verlor. Bei dieser Sachlage war es den beiden feindlichen Dragonern gelungen, dem Hauptmann ganz an den Eeib zu kommen und ihm ein paar Kopfhiebe ® 59 ■© beizubringen. Die lichtgriinen, hochwallenden Feclern seines Generalstabshutes wurden aber bald derZielpunkt mehrerer Feinde; zwei derselben drangen noch von der linken Seite auf ihn ein; zum Gliick bemerkten dies zwei osterreichische Dragoner, die mit kraftiger Hand die Fliebe auffingen und den am Kopfe verwundeten Hauptmann glucklich befreiten. Dessen zaumloses Pferd schlofi sich willig jenen der zwei Uragoner an. Mit einem Verluste von 9 Verwundeten schlug sich die tapfere Schar, nachdem sie dem Gegner einen Ver- lust von 13 Mann beigebracht, durch. Um 3 Uhr nachmittags stieC die Avantgarde der Vorhut siidlich Veile auf starke feindliche Infanterie- abteilungen. Es war das Gros der 7. danischen Brigade — 1. und 11. Infanterieregiment, eine Rohr- und eine Raketenbatterie nebst clrei Eskadronen unter Oberst Mliller, — die namlichen Truppen, die bei Oversee gefochten. Die Batterie der Brigade Nostitz und das 1. Bataillon GroCherzog von Hessen eroffneten das Gefecht. Die feindliche Avantgarde wurde geworfen, der verbarrikadierte siidliche Haupteingang von Veile (steinerne Brucke) er- stiirmt, der Feind bis zur nordlichen Umfassung verfolgt und die Stadt besetzt. Auch der Rest des Regiments Hessen Nr. 14 und das Regiment Konig der Belgier Nr. 27 griffen in das Gefecht ein. Auf Befehl des Korpskommandanten wurde bis zum Eintreffen der Brigade Gondrecourt ein lebhaftes Feuer- ® 60 ® gefecht in der eroberten Stellung gefiihrt. Von der Brigadebatterie wurden zwei Geschiitze — in der Folge kamen noch zwei dazu — an der Westseite von Veile in Tatigkeit gesetzt; die tibrigen verblieben auf den siid- lichen Hohen, von wo aus sie, und zwar mit der alsbald in die Feuerlinie einrlickenden Korpsgeschlitzreserve die feindliche Artillerie bald zum Schweigen brachten und die feindliche Infanterie derart erschutterten, dah dem eigenen Infanterieangriff auf das wirksamste vorgearbeitet wurde. Unterdessen kam der umfassende Angriff der Brigade Gondrecourt, 18. Jagerbataillon und 1. Bataillon Martini, in Flufi. Um halb 6 Uhr abends wurde vom Korpskomman- danten der Befehl zum allgemeinen Angriff erteilt. Das 1. Bataillon Grofiherzog von Hessen und die 1. Division vom 9. Jagerbataillon nahmen Klein-Grundet mit Sturm; das 2. Bataillon des Regiments Hessen ging zuerst a cheval der nach Horsens fiihrenden Stra(3e vor, wendete sich dann links, um im Anschlusse mit dem 1. Bataillon zu bleiben; das Regiment Konig der Belgier erstlirmte a cheval der Horsenser Strahe die waldige Anhohe. Der Feind, durch die vorhergegangene BeschieOung erschiittert und um seine rechte Flanke besorgt, leistete keinen groben Widerstand und zog sich unter dem Schutze seiner Artillerie zuriick, doch auch diese konnte sich nicht halten, als vier Geschiitze von der Batterie der Brigade Nostitz bei Klein-Grundet auffuhren und das Feuer eroffneten. @ 61 ® An eine Verfolgung anderer Art war nicht zu denken; es trat alsbald vollige Dunkelheit ein, die Truppen waren seit 3 Uhr frlih, ohne abgekocht zu haben, auf den Beinen, sie waren auf teilweise sehr beschwerlichen Wegen marschiert und von den Anstrengungen des Gefechtes ermiidet. Um 3 /i 7 Uhr fiel der letzte KanonenschuC. Die am Gefechte beteiligten Truppen und das Korpshaupt- quartier nachtigten, erstere der Mehrzahl nach, in Veile. Das Treffen bei Veile hatte den Danen namhafte Verluste gekostet: 170 bis 190 Tote und Verwundete, 200 Gefangene. Der Verlust der osterreichischen Truppen betrug: 1 Offizier, 11 Mann tot, 7 Offiziere und 73 Mann verwundet. Der Armeekommandant, Feldmarschall Freiherr von W ran gel, dankte dem Kommandanten des k. k. VI. Armee- korps auf das warmste fiir den neuen Erfolg der Waffen; «er habe viel verlangt, aber Feldmarschalleutnant Gablenz und seine Truppen wul3ten, bei Gott! auch viel zu leisten». Am 11. Marž wurde die Verfolgung des Gegners wieder aufgenommen. Hiezu rlickte das Gros des k. k. VI. Armeekorps und die konigl. preuhische Kavallerie- brigade Oberst Fliel3 am 11. bis Horsens, am 12. bis Skandersborg, am 13. die Vortrup.pen bis Aarhuus und Sikkeborg. Der Feind war jedem Zusammenstofi ausge- wichen, ein weiteres Ausgreifen gegen Norden daher aus- sichtslos.^So erfolgte denn wahrend eines ununterbrochenen furchtbaren Orkans in der Zeit vom 14. bis 17. Marž sukzessive der Riickmarsch nach Horsens und Veile. ® 62 ® Am 19. Marž fand die Vorriickung der konigl. preuCischen Gardedivision, linker Fliigel und Zentrum, und von zwei Brigaden des k. k. VI. Armeekorps, rechter Fliigel und Reserve, gegen Fridericia statt. Es solite nach den Intentionen des Armeekommandos der Versuch eines gewaltsamen Angriffes auf Fridericia durch BeschieCung gemacht werden. Die Befestigungen von Fridericia bestanden aus der im Osten und Siiden vom Meere umspiilten Festung und dem an den Belt sicli anlehnenden verschanzten Lager. Am 20. Marž um 6 Uhr friih wurde mit dem Bombardement begonnen, welches, bis 7 Uhr abends dauernd, keinen wesentlichen Erfolg hatte. Da der Festungskommandant eine Auf- forderung zur Obergabe abwies, wurde Fridericia vom o o osterreichischen VI. Armeekorps eingeschlossen. Nach der vom 14. Marž bis 18. April vorangangenen Belagerung und BeschieCung der Diippeler Schanzen wurden dieselben am 18. April von dem konigl. preuCischen Armeekorps ersturmt. Um 2 Uhr nachts waren die sechs Sturmkolonnen bereit und um 4 Uhr eroffneten alle preuCischen Batterien mit ihren 118 Geschiitzen ein libenvaltigendes Feuer; der Sturm erfolgte um 10 Uhr vormittags. Auf der Kommunikation zwischen Schanze 2 und 3 wurde die erste preuCische Fahne vom konigl. 60. Regiment auf- gepflanzt. Unter einem Verlust von 72 Offizieren und ® 63 •© 1130 Mann wurde dieser festeste Stiitzpunkt der Danen vom konigl. preufiischen Armeekorps ersturmt. 40 Danebrogs und 119 Geschlitze fielen den Siegern in die Hande. Die Danen biifiten 110 Offiziere und 4706 Mann ein, davon waren 56 Offiziere und 3549 Mann in Gefangenschaft geraten. Die danische Besatzung zog sich auf die Insel Alsen zuruck. Auch die Festung Fridericia wurde von den Danen freiwillig geraumt und zogen sich dieselben auf die Insel Fiinen zuruck. Durch die ungewohnte Ruhe in der Festung arn 29. April aufmerksam gemacht, konstatierten die Vorposten den Abzug des Feindes. Um 1 Uhr nachmittags des- selben Tages riickte das osterreichische Ivorps mit klingendem Spiel und flatternden Fahnen in Fridericia ein. Ungeheures Geschiitzmaterial, 206 schwere Festungs- geschiitze, 30.000 Geschtitz- und eine Million Gewehr- patronen, Bomben, Granaten, Pulver usw., fielen den ein- ziehenden Osterreichern in die Flande. Das Armeekommando ordnete die Demolierung der •s o Befestigungswerke von Fridericia an. In sieben Tagen, bis zum 9. Mai, wurden die Werke des verschanzten Lagers geschleift und alle Verteidigungsanlagen griindlich zerstort. Auch das Monument: der «tappere Lanclsoldat», fur die Danen sozusagen die Verkorperung glorreicher Erinne- ® 64 ® rungen und ihres militarischen Ideals aus einer gliicklicheren Periode der Kriegsgeschichte (das Monument verherrlichte einen gelungenen Ausfall der Danen vom Jahre 1849), war bestimmt, umgeschmolzen zu vverden. Doch Feld- marschalleutnant Gablenz, von seiner hochherzigen, ritter- lichen Denkungsweise geleitet, trat einer solchen zweck- Einzug der Osterreicher in Fridericia. losen Vervviistung und unverdienten Demiitigung des Gegners entschieden entgegen und ordnete sogar an, dai3 die Anlagen um das Monument vollkommen hergestellt werden sollten. Die auf Drangen Englands am 20. April zusammen- getretene Konferenz fuhrte zu einem Waffenstillstande, der vom 12. Mai bis 26. Juni wahrte. ® 65 ® Noch vor Eintritt der Waffenruhe hatte auch die osterreichische Marine Gelegenheit, ein Lorbeerreis zu pflucken. Linienschiffskapitan Tegetthoff, der mit seiner Schraubenfregatte «Schwarzenberg» in der Levante kreuzte, erhielt den Befehl, in Korfu eine Flottenabteilung zu sammeln und sich mit der Eskadre des Kontre-Admirals Freiherrn von Wullerstorff-Urbair zu vereinigen, welche bestimmt war, sich in der Nordsee der danischen Flotte entgegenzustellen und die Blockade der deutschen Hafen- stadte zu brechen. Ani 4 . Marž — kaum da!3 das Kanonenboot «Seehund» zur . Und nun ging es los: zuerst das Manover, dann der Kampf. Um 3 Uhr nachmittags eroffnete die «Schwarzen- berg* mit den vorderen Pivotgeschlitzen das Feuer, das alsbald von der Batterie der «Radetzky» gleichfalls auf- genommen wurde. Auch «Schwarzenberg» war Batterie- schiff, doch hatte nur «Radetzky» eine solche. Die drei kleinen preufiischen Kanonenboote muBten \vegen ihrer Mindervvertigkeit den Nahkampf meiden und fast aufier 5 * Das Seegefecht bei Helgoland. ® 68 ® Schufhveite bleiben. Der Kampf wurde ernst. Die Danen arbeiteten rastlos mit ihren Geschlitzen, um ein Durch- brechen ihrer Linie zu verhliten, und iiberschutteten die beiden osterreichischen Fresmtten mit einem Hagel von Geschossen. Auf der Fregatte «Schwarzenberg» explodierte eine feindliche Granate in der Bordwand. eine andere schlug im Banjerdeck ein und steckte das vor der Pulverkammer befindliche Segeldepot in Brand. Die Situation war bedenklich. Fafite das Pulver- magazin Feuer, dann flog die «Schwarzenberg» rettungslos in die Luft. Man meldete die Gefahr Tegetthoff, der aber seine Ruhe nicht einen Augenblick verlor. «Also loschenb war seine einzige Antwort. Man kann sich denken, wie diese Kaltblutigkeit auf alle wirkte. Mitten im erbitterten Feuergefecht loschten die braven Matrosen das Feuer. Um 4 Uhr explodierte wieder eine Granate auf der «Schwarzenberg», im Bauche des Vormarssegels. Im Nu stand der Fockmast in Flammen, die machtig zum Himmel emporloderten. Der Wind trieb den Brand aufs Schiff; brennende Segelstlicke, gliihende Masttrummer und Tauteile flogen auf Deck herum, dichter Rauch legte sich liber Bord, so da(3 er den dort Beschaftigten den Ateni benahm. Ein Teil der Matrosen wurde zur Loscharbeit befohlen, die anderen fiihrten, unbekiimmert um die gefahr- liche Lage des Schiffes, den Kampf gegen die danische Eskadre weiter, welche sich hauptsachlich die «Schwarzen- berg> zum Zielpunkt fiir ihr morderisches Geschiitzfeuer ® 69 ® ausgewahlt hatte. In den Donner der Geschlitze mischten sich Trommehvirbel, Hornersignale. Unterdessen verbreitete sich das Feuer mit rasender Schnelligkeit in dem geteerten Tau- und Takelwerk immer weiter. Die Maschinenpumpe wurde in Aktion gesetzt, aber in diesem Augenblicke durchschnitt eine feindliche Kugel den einzigen Schlauch, der das Wasser auf den Mast hatte treiben konnen. Dadurch wurde jede Moglichkeit genommen, in der Fahrt gegen den Wind des Brandes Herr zu werden, welcher das ganze Schiff zu erfassen drohte. Tegetthoff war gezwungen, das Gefecht abzubrechen und sein Schiff vor den Wind zu bringen, damit es nicht der Wut des Elementes zum Opfer falle. Da legte sich die «Radetzky» zwischen die «Schwarzenberg» und die Danen, um ihr Flaggenscliiff gegen die danischen Kugeln zu decken und ihm einige Ruhe zum Loschen des Ver- derben drohenden Brandes zu geben. Aber Tegetthoff verschmahte diese Hilfe und wies die .