«E /M» , Die Unsterblichkeit der Seele. 'Urreöigt zu All'erch'eeLen, 1. Wovembev 1906. Vvn Dr. Ottmar Hcgemann, Pfarrer in Laibach. -Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.» Psalm 126, 1. Es ist der ergreifende Schluß eines wohl auch euch bekannten Gedichtes: -Und es kam die Nacht und wir ritten hindann, Der Regen rann — Und wir dachten der Toten, der Toten.- Auch heute ist der Abend hereingebrochen und draußen rinnt der Regen und auch wir gedenken der Toten, der Toten. Und kein besserer Tag zum Gedächtnis der Toten als der erste Tag des November! Das letzte Leuchten des Oktoberglanzes, da Baum und Strauch sich färben, will verglimmen, mählich sinkt Blatt um Blatt von den Ästen, es ist eine Predigt davon, daß wir alle nur Blätter sind am großen Lebensbaume, die bald, ach wie bald niedergleiten werden zu der Erde, davon wir genommen sind. Gar bald wird der Schnee ein weißes Leichentuch über die stille Flur breiten, wo alles Leben dann in Haft liegt. In diesen Tagen durch¬ zieht wohl jedes Gemüt etwas wie wehmütige Todeserinnernng. In das dunkle Land des Todes führen uns so viele Fäden. Wir denken der eigenen Sterblichkeit, wir gedenken vor allem der Toten, die uns voran¬ gegangen sind -ans dem Eiteln, aus dem Nichts in das Land des ew'ge» Lichts». Wie viel Gute, Treue, Edle sind unter ihnen, ein Stück unseres eigenen Lebens liegt mit ihnen schon unter kühlem Rasen, in deren Gestalt das Beste ans unserem Leben verkörpert war. Aber die eigentlich entscheidende Frage ist doch die, ob sie alle, die in immer wachsender Schar uns verließen, ob sie alle versunken sind im Nichts oder ob sie in irgend einer Gestalt noch lebendig sind. 2 Sein oder Nichtsein?, das ist die Frage von Allerseelen. Aller Seelen tiefste Frage, des Allerseelentages tiefstes Rätsel. Sagen wir es offen: Wie unendlich wenig Licht über dies Rätsel findet sich unter uns! Auf den Särgen stehen »och immer geschrieben die Worte: «Wiedersehen unsere Hoffnung-, auf den Grabsteinen ist zu lesen von Unsterblichkeit, aber in den Herzen wie wenig lebendiger Zukunftsglaube! Wenn heute der Apostel an uns schriebe, müßte er nicht auch von uns, wie einst von den Heiden, sagen: «Ihr habt keine Hoffnung und seid ohne Gott in der Welt.» (Eph. 2, l2.) Und doch können wir das Rätsel von Allerseelen nicht loswerden! Versuchen wir miteinander das Rätsel zu lösen, in voller Erkenntnis der eigenen Nichtigkeit und Einfalt, aber auch in rückhaltloser Aufrichtigkeit und Treue gegen uns selbst. Ob jener lange Schlaf, der uns allen bevorsteht, Träume habe, be¬ lebt sei von lebendigen Gestalten, das, so hat jener Große im Reiche der Geister gemeint, sei die Frage. Die Antwort des Psalmisten aber lautet: «Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Tränmenden.- Wir können und müssen träumen über das, was wir als Zukunft erwarten. Solche Träume haben die Israeliten in der babylonischen Bann¬ zeit gehabt. In jenen Tagen, da sie «an den Wassern zu Babel saßen und weinten, wenn sie an Zion gedachten» (Psalm l37, 1), da träumten sie von einer Zeit, in der «ihr Mund voll Lachens und ihre Zunge voll Rühmens- sein werde. Sie träumten von der glänzenden Wieder¬ herstellung des Davidsthrones, von Macht und Größe ihres Volkes. Je trauriger ihre gegenwärtige Lage, desto goldener wurde ihnen die Zukunft. Gewiß, diese Träume sind dann nicht voll in Erfüllung gegangen. Wie arm und dürftig war das, was das Volk Israel erlebte. Wird doch erzählt, daß die, welche noch den alten Tempel gesehen hatten, «laut weinten, als der Grund zum neuen Tempel gelegt wurde, so daß man nicht das Tönen mit Freude vor dem Geschrei des Weinens im Volk unterscheiden konnte». (Esra 3.) War es doch nur eine bescheidene Verwirklichung der Träume, die man in Babel gehegt hatte. Und doch dürfen wir urteilen: das Volk Israel wäre untergegangen, wenn es diese Träume nicht gehabt hätte. Hunderte von Völkern des Altertums sind längst versunken und vergessen, dies eine Volk hat sich erhalten durch die starke Kraft einer Zukunftshoffnung. Gewiß, anders, als jene Gefangenen im babylonischen Lande es gehofft, haben sich ihre Zukunftserwartungen erfüllt! Aber wir dürfen doch auch sagen, besser haben sie sich erfüllt. Welcher Gewinn wäre 3 es denn gewesen, wenn wirklich ein mächtiges Davidsreich am Jordan aufs neue erstanden wäre? Viel mächtigere Reiche sind erstanden und längst spurlos verschwunden. Die Znkunftshoffnung Israels aber ist noch heute ein Segen für die ganze Menschenwelt. Die religiösen Vorstellungen im ganzen abendländischen Kulturkreise bauen sich auf den Grundlagen auf, die vor Jahrtausenden das Prophetentum Israels gelegt hat. Jene gefangenen Juden in Babylon, die in Bann nnd Spott ihren Glauben festhielten, haben damit das heiligste Erbe der Menschheit gehütet. Millionen¬ fache Frucht, unendlich viel reicher, als jenes Häuflein von Juden ahnen konnte, hat diese Treue getragen. Wir können und müssen träumen über die Zukunft! Das lehrt uns die allergrößte Gestalt Israels, Jesus Christus. Auch er hat geträumt. Hinter Tod und Grab sah er glorreiche Auferstehung, ein Kommen in den Wolken des Himmels in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, um zu sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit. (Matth. 25, 31.) Da er des Schicksals furchtbare Gewalt, das sich über ihm entlud, mit Seheraugen erkannte, bedurfte er ein Gegengewicht, nm nicht erdrückt zu werden von dieser Last. Ein solches Gegengewicht vermochte, ihm nur sein Zu knnfts glaube zu bieten. Dieser Zukunftsglaube hat ihn in Kreuzesschmach und Todesgrauen erhalten. Gewiß, anders, als Jesus gehofft, war die Erfüllung. Er ist nicht wiedergekommen in den Wolken des Himmels, die Welt ist ihren Gang nach denselben Gesetzen wie einst gegangen, nun schon neunzehn Jahrhunderte! Sünde und Tod regieren noch immer wie einst. Und doch! Anders, aber besser hat sich Jesu Hoffnung dennoch erfüllt! Er ist nicht sichtbar wiedergekommen, aber geistig herrscht er mitten unter den Feinden. Von Jahrhundert zu Jahrhundert hat sein Geist Einzug gehalten in allen Völkern und Zeiten. Und diese schrittweise, aber unaufhörliche und unaufhaltsame Eroberung ist im Grunde viel herrlicher als eine ein¬ malige äußere Machtoffenbarnng. Wir können nnd müssen träumen über die Zukunft! Das lehrt uns auch der Mann, der am Tage vor Allerheiligen den Kampf begann wider aller Heiligen Dienst, um aller Seelen vom Dienst der Heiligen zum Dienst des wahrhaft Heiligen zu führen. Martin Luther war beseelt von einem ungemein starken Zukunftsglanben. Er lebte in Träumen des baldigen Weltuntergangs, der unmittelbar bevorstehenden Katastrophe des Antichrists. Hätte er solchen Zukunftsglauben nicht gehabt, hätte er dann zu stehen vermocht wider Papst und Kaiser? Auch er bedurfte ein Gegen¬ gewicht gegen den furchtbaren Druck der Gegenwart. Nichts Irdisches 4 und Gegenwärtiges, allein sein trotziger Zukunftsglaube vermochte ihm dies Gegengewicht zu bietcm Auch hier müssen wir sagen: anders wie sie erhofft wurde, war die Erfüllung. Des päpstlichen Antichrists Reich blieb bestehen die Welt ging wieder ihren Gang weiter, ärmlich und dürftig blieb äußerlich der Sieg des Evangeliums. Und dennoch auch hier: anders die Erfüllung, aber besser! Auch hier war der Sieg ein vollständigerer, gewaltigerer, wenn er von innen heraus allmählich kam, als äußerlich und plötzlich. Alles das, was wahr und lebenswert war an Luthers Gedanken, hat sich ja doch durchgesetzt und wird sich noch durchsetzen, wenn auch auf Umwegen. Und selbst eines Luthers kühner Hoffnungsmut hätte nicht von ferne ahnen können, wie unendlich reich und mannigfaltig im Laufe der Jahrhunderte die Früchte seines Werkes sein würden. Können wir nicht aus dem allen auch für uns selbst eine Lehre ziehen? Die Lehre, daß auch wir träumen sollen und müssen! Wir be¬ dürfen eines Zukunftsglaubens, wenn wir nicht der Last der Gegenwart erliegen sollen! Über unfern innersten Lebenswert entscheidet zuletzt die Frage, wieviel an solchem Zukunftsglauben wir haben. Mit den Ma߬ stäben der Gegenwart läßt sich unser seelisches Leben nicht abschätzen, erst im Spiegelbild unseres Zukunftsglaubens schauen wir unser wahres Angesicht. Gehen wir ans in Selbstsucht und Genußsucht, so wird dieses Zukunftsbild dunkel uud verschwommen sein. Je mehr wir große, allgemeine, ewig gültige Ziele aufnehmen in unfern Lebensinhalt, nm so kraftvoller, deutlicher wird sich jenes Zukunftsbild gestalten. Wir sollen und müssen träumen! Aber nicht vergessen wollen wir, daß wir träumen, daß wir, wie der Apostel sagt, sehen »durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort». (1. Kor. 13, 12.) -Als wir Kinder waren, da redeten wir wie Kinder und waren klug wie Kinder und hatten kindische Anschläge.» Wir träumten vom kommenden Leben und in diesen Träumen zeigte sich, daß unser geistiges Leben erwacht war. Wie so ganz anders ist dann das wirkliche Leben! Wie so viel rauher und wüster als der Kindheitstraum. Und doch, wir sagen es frei, wieviel besser, würdiger, wertvoller ist das wirkliche Leben als ein müßiger Kindertranm. So träumen wir jetzt von einem Leben nach dem Tode. Wir wissen, daß wir träumen. Träume sind nichts anderes — soviel wenigstens mir scheint - als bunte Mosaikbilder, die wir mit den Anschauungen des vergangenen Lebens hervorbringen. Es ist immer nur ein Bild der Vergangenheit, daß wir in die Zukunft übertragen. So ist's auch 5 mit allen Träumen über das Jenseits. Alle die Bilder, die ans der Bibel wie van den Frvmmen aller Zeiten stammen, sind gemalt mit Farben des Diesseits. Daraus geht hervor, daß alle diese Bilder nur Ahnungen, Hoffnungen, keine wirklichen Anschauungen bieten. Der Apostel des neuen Testaments sagt: «Es ist noch nicht er¬ schienen, was wir sein werden.» sl.Joh. 3, 2.) Es ist uns verborgen. Das einzige, was wir wissen können, ist dies: «Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden.» Wir wissen also nur, daß wir geistig sein werden, wie Gott geistig ist. Wie wir beschaffen sein werden, das wissen wir nicht; alle Vorstellungen darüber sind nnr bnnte Träume. Was der Apostel aber festhält und was auch wir unbedingt fest¬ halten müssen, ist die unbedingte Gewißheit des geistigen Fort¬ lebens. Wie wir fortleben, wissen wir nicht, daß wir fortleben, das muß uns gewiß werden, wenn anders unser Leben im Unendlichen Wurzel gefaßt hat. Daß wir sortleben, das lehrt uns die Natur um uns, unser geistiges Menschenwesen in uns, die Gottheit über uns. l. Die Natur um uns! Was lehrt denn die ganze moderne Natur¬ wissenschaft am nachdrücklichsten? Die Unzerstörbarkeit der Kraft. Die Formen, in denen die Kraft sich äußert, wechseln ewig, die Kraft bleibt. Gar oft vermögen wir mit unseren Sinnen die gänzlich veränderte Kraft nicht mehr zu erkennen, das ausgebrannte Feuer erscheint uns spurlos erloschen. Darum ist die Kraft, die das Feuer hervorbrachte, dennoch in anderer Form tätig- Jnmitten dieser unzerstörbaren Kräfte soll nun grade die Krast des Menschengeistes, diese größte aller Kräfte, jedem Spiel des Zufalls zu völliger Vernichtung preisgegeben sein? -Vieles Gewaltige lebt, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch,» hat der große Grieche gesagt. Und da soll der Stich einer Mücke genügen, um diese Kraft des Geistes aus- zulvschen, welche doch die wunderbarsten Offenbarungen wahrhaft gött¬ licher Schöpferweisheit in Kunst und Wissenschaft erzeugt? Sollte es nicht auch hier wahr sein: die Formen der Erscheinung wechseln, die Kraft bleibt? So gut die sinnlich wahrnehmbare Kraft bleibt in allem Wechsel der Erscheinungen, so gut bleibt auch die Kraft des Geistes ewig, so oft auch die äußere Verkörperung wechselt. Die Natur in ihrem ewigen Wechselspiel von «Samen und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht», in dem sie selbst doch ewig bleibt, lehrt es uns: Zu was besserem sind wir geboren, als nur um zu verwesen. 6 2. Und zum andern, wie jener große Prophet unseres Volkes es meinte: «im Herzen kündet es laut sich an». Die Beschaffenheit des Menschenwesens zwingt uns immer wieder zu der Annahme, daß der mensch¬ lichen Persönlichkeit ein unzerstörbarer und darum unvergleichlich wertvoller Kern innewohnt. Darauf beruht die Annahme, daß die schuldvolle Ver¬ nichtung eines Menschenlebens durch gar nichts sonst ausgewogen werden kann. Wenn wir es recht erwägen und erfassen, so beruhen alle unsere Ordnungen und Anschauungen in Recht und Sitte, in Staatsleben und sozialer Fürsorge im Grunde auf dieser Annahme. Mögen noch so viele einzelne diese Annahme verwerfen, die Gesamtheit aller unserer staatlichen und sittlichen Ordnungen beruht dennoch auf der Vorstellung, daß jede Menschenseele ein unvergleichlich wichtiges Gut ist. Denken wir uns diese Voraussetzung hinweg und es wird — wie ich wenigstens überzeugt bin — ein Chaos hereinbrechen, in dem die Menschen wie entfesselte Bestien sich gegenseitig anfallen, wenn sie einmal ernst machen mit jenem «Fluch sei der Hoffnung, Fluch dem Glauben und dreimal Fluch auch der Geduld!» Gewiß, der Spötter, der höhnisch alle jene Vernunftgründe gegen ein Fortleben nach dem Tode aufzählt, wie sie ein Schiller seinem Franz Moor, ein Shakespeare so manchen seiner Gestalten in den Mund legt, mag übergenug Beweise für seine Ansicht haben. Aber das wenigstens sollte er nicht leugnen, daß Unzählige in einem freudelosen, ärmlichen Dasein mit ihrer Arbeit ihm sein Dasein erhalten, ohne dieses zeitliche Leben je angenehm und schön gestalten zu können. Das aber, was allen jenen Enterbten zuletzt die Kraft und Freudigkeit zu ihrer Arbeit verleiht, ist die in unserem Volke noch immer lebendige Überzeugung, daß nicht die äußeren Lebensumstände über den Wert des Menschen entscheiden, daß es eine innere Vergeltung gibt, die unabhängig ist von den Glücks¬ zufällen dieser Zeitlichkeit. Laßt jene Vernunftgründe zur allgemeinen Überzeugung aller werden, wäre da wirklichHwch ein geduldiges Ertragen von Leid und Niedrigkeit möglich, wie es doch den allermeisten auf¬ erlegt ist? Unzählige mag es in unseren Tagen geben, denen jeder Gedanke an ein Fortleben nach dem Tode wie der größte Widersinn erscheint. Sonnenklar ergibt sich ans ihrem Verstände, daß mit dem leiblichen Tode alles zu Ende ist. Diese alle aber vergessen, daß ihr kleiner Durchschnitts¬ verstand nicht das Maß aller Dinge ist. Sie vergessen, daß es schon in der Welt der Erscheinung Dinge gibt, die über alle menschliche Schul¬ weisheit hinausgehen. Die Unendlichkeit und Ewigkeit der sichtbaren Welt 7 ist uns genau ebenso unbegreiflich, wie uns die räumliche und zeitliche Begrenzung dieser sichtbaren Welt unbegreiflich ist. Wir stehen hier, wie in so vielen anderen Fragen, vor einem auch dem tiefsten Verstände unlösbaren Rätsel. Daß schon die sichtbare Welt unendlich viel reicher und größer ist, als es die kühnste Phantasie sich ausmalen kann, das wenigstens sollten wir nicht leugnen. Und nun erst die Geisteswelt. Platte Alltagsweisheit hat zu allen Zeiten alles Geistige geleugnet. Aber die tiefsten, umfassendsten Geister, um nur einen Goethe, einen Kant, einen Bismarck, einen Richard Wagner zu nennen, haben wahrlich ganz anders gedacht. Goethe faßt Kants Meinung mit den Worten zusammen: «Du hast Unsterblichkeit im Sinn; Kannst du uns deine Gründe nennen? Gar wohl! Der Hauptgrund liegt darin, Daß wir sic nicht entbehren können.» So sehr er mit dein großen Denker wußte, daß der Begriff der Unsterblichkeit nichts anderes ist als ein Gleichnis, so sehr war er doch überzeugt, daß ihm zuletzt vielleicht mehr Wirklichkeit zukommt, als den Begriffen Zeit und Raum. Mußte er doch bekennen: «Lange hab ich mich gesträubt, endlich gab ich-nach, Wenn der alte Leib zerstäubt, wird der neue wach. Und solang du dies nicht hast, dieses Stirb und werde, Bleibst du nur ein trüber Gast auf der schöuen Erde.» 3. Darum sagen wir, unser Menschengeist in uns zengt von einem Fortleben nach dem Tode, am gewaltigsten aber die Gottheit über uns. Allen Zweiflern und Spöttern ruft Jesus zu: «Ihr irret und wisset die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes.» (Matth. 22, 29.) Im Lichte der Ewigkeitsgedanken der Heiligen Schrift erscheint uns vieles gar anders als im trügerischen Lichte menschlicher Meinungen. Diese ewige Weisheit redet zu uns von einem Gott, dessen «Gnade währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über uns» (Psalm 103, 17), der ein Gott ist «nicht der Toten, sondern der Lebendigen». Wer die Führungen dieses Gottes an sich er¬ fahren, wer es erlebt, daß auch die dunkelsten Wege im Lichte endigen, der wird vertrauen lernen, daß «uns weder Tod noch Leben scheiden mag von der Liebe Gottes». (Römer 8, 38 ff.) Der Gott über uns gibt uns Hoffnung auch im finsteren Tal des Todes. Wo lebendiger Glanbe an Gott ist, da wird auch Unsterblichkeits¬ glaube sich finden, wo letzterer gänzlich dahingefallen ist, wird auch der Gottesglaube erblassen. 8 Gewiß, «es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden»! Ob wir uns das Fortleben zu denken haben als Läuterung der in uns waltenden Geisteskraft in anderen Formen bis zu endlicher Vollendung oder als ein sofortiges Eingehen in ewige Ruhe des Geistes, wir wissen es nicht. Genug, daß wir ausharren und kämpfen in der Gegenwart nach unserer besten Kraft. Gott, «der größer ist als unser Herz» (I. Joh. 3, 20), wird mit uns sein, hier und dort, damit sich erfülle das Sehnsuchtslied aus grauester Vorzeit: «daß unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein wird, daß man sagen wird: der Herr hat Großes an uns getan». Amen. NMvona in oniv^nreuna Knoirnim Im Berlage der Evangelischen Kirchengemeinde in Laibach. — Drnck von Kleinmayr L Bamberg in Laibach.