Varja Cvetko-Orešnik Ljubljana UDK 808-54:809.14/.15-54 ZU NEUEREN IRANISCH-BALTOSLAWISCHEN ISOGLOSSEN-VORSCHLXGEN* V. I. ABAEV geht in seiner umfangreichen Abhandlung "Ski- fo-evropejskie izoglossy. Na styke vostoka i zapada", Moskva 1965, von einer Hypothese aus, .die fur das Ossetische spezielle Verbindungen mit einzelnen Sprachen des europaischen Areals po- stuliert. Im Rahmen seiner theoretischen Bestimmung der sky- tisch-europaischen Isoglossen1 vergleicht er bestimmte Phanome- ne im Skytischen auf der einen und im Slawischen, Germanischen, • Italischen und Keltischen auf der anderen Seite. Weil uns in diesem Rahmen besonders die ossetisch-baltoslawischen Zusammen- stellungen interessieren, werden wir uns auf diejenigen Ab- . schnitte seiner Ausflihrungen beschranken, die sich in erster Linie mit diesen Fragen auseinandersetzen. In diesem Zusammen- hang werden mehrere lexikalische, eine phonetische und einige sog. grammatische Isoglossen behandelt. Den historischen Hin- tergrund der behandelten sprachlichen Beziehungen bestimmt Abaev (S. 4) folgendermassen: "Skifskaja gruppa iranskix jazy- kov, k kotoroj prinadležit osetinskij, byla ot glubokoj drev- nosti daleko prodvinuta v Evropu i mnogo vekov sosedila s evro- pejskimi jazykami, v to vremja kak ostalnye indoiranskie jazy- * Der Aufsatz ist ein Teil meiner in 1979 beendeter Disserta- tion "Baltoslovansko-indoiranski jezikovni odnosi v lu6i raziskav indoevropske arealne lingvistike" ("Baltoslawisch- -indoiranische Sprachbeziehungen im Licht der Untersuchungen der indogermanischen Areallinguistik") (Mentor und Referent Univ.-Prof. Dr. Bojan Čop). Die Dissertation wurde am 16. Oktober 1979 verteidigt. Das Text ist in einigen Zugen abge- rundet worden, stellt aber im allgemeinen den Stand der Li- teratur bis 1979 dar. Die zahlreichen Zitate sollen der Ubersichtlichkeit und leichterer Vergleichsmoglichkeit die- nen. Herren universitatsprofessoren Dr. Bojan Čop, Dr. France Bezlaj, Dr. Tine Logar und Priv.-Doz. Dr. Heiner Eichner verdanke ich wichtige Ratschlage, Herrn Eichner auch die sprachliche Korrektur des deutschen Textes. 175 ki uze davno peremestiliso na vostok i na jug i utratili vsjakij kontakt s Evropoj. Kaki sledovalo ozidato, osobenno mnogočis­ lenny i značitelony izoglossy, svjazyvajuščie osetinskij so slavjanskimi jazykami. Zdeso my imeem ne tolbko leksičeskie, no i nekotorye vaznye grammatičeskie svjazy, čto ukazyvaet na osoboju dlitelonosto i intimnosto kontaktov." Zu den theoreti- schen Moglichkeiten der Beurteilung des Isoglossenmaterials ver- gleiche man noch die Stellungnahme M. Mayrhofers, die von Abaev, ibid. s. 6, angefiihrt wird: "Wenn ein Wort westlichen idg. Spra- chen und auch dem Baltischen und Slawischen angehort, und dann im Ossetischen gefunden wird - kann man dann gleich sicher sa- gen, es sei 'auch indoiranisch'? Ist es nicht moglich, dass das Ossetische mit den westlichen Sprachen Ubereinstimmungen hat, an denen - im Sinne moderner sprachgeographischer Erkennt- nisse - das iibrige Iranische, und gar das Indische, nicht teil- hat? •• Sollte es nicht 'Isoglossen' zwischen Germanisch - Ita- lisch - Baltisch - Slavisch - Nordiranisch (Ossetisch) geben, an denen das iibrige Iranisch und das Indische nicht teilhat?" Aus dem Zitat ist aber nicht ersichtlich, wie man derartige Isoglossen historisch interpretieren muss bzw. kann. In den Fallen, in welchen wir nicht mit Entlehnungen, d. h. mit einem direkten Einfluss einer Sprache auf die andere rechnen konnen, scheint ein solcher theoretischer Ausgangspunkt, ohne konkrete Vorschlage beziiglich des Ursprungs bzw. der Entstehungsweise der behandelten Wortbeispiele problematisch. Abaev stimmt (S. 7) der Mayrhoferschen Stellungnahme zu. 2 Man kann ihr theore- tisch zwar kaum widersprechen, doch bringen Abaevs eigene Ana- lysen einzelner Isoglossen keine konkreten historischen Rekon- struktionen, die imstande waren, dieses theoretisches Postulat praktisch zu rechtfertigen. Die von Abaev angefiihrten skytisch- (balto) slawischen bzw. skytisch-balto(slawischen) Isoglossen sind folgende: Auf S. 8 vergleicht er osset. xsyrf /CExsirf "Sichel" mit dem aksl. *s6rp't (bezeugt im apoln. sirp, russ. serp,. skr. srp, slowen. srp, tschech. srp usw.) und lett. sirpis, sirps. Abaev zitiert auch andere etymologische Deutungsversuche (Miller, OE 176 III 143; Čop, KZ, 1956, 3-4, 23lff.), die er aber als unbefrie- digend bezeichnet. Bei der von Abaev vorgelegten Deutung muss man eine phonetische Regel, nach welcher osset. anlautendes xs- idg. *s- entspricht, annehmen. Er fuhrt noch zwei weitere Bei- spiele an, bemerkt aber (S. 8, Anm. 14), dass dieses Verhaltnis nicht genug untersucht worden ist. Es wird zwar in der Litera- tur eine Regel angefuhrt, nach welcher uriran. *s+Kons. zu xs+ +Kons. wird (Bartholomae, GIPh. I/l, 36) und dem entsprechen auch die beiden von Abaev angeflihrten Beispiele (osset. xsyn/ aixsnun "waschen" < *sna- und xsaiz "sechs" < *swek' s). Bei osset. xsyrf dagegen haben wir mit einer ursprunglichen Gruppe *s+V zu tun und das erlautert Abaev (S. 8, Anm. 14) folgender- massen: "Os. xsirf govorit o tom, čto xs- iz s- moglo vozniknutb i pered glasnym. Perehod s v xs kak by 'spasal' načalnyj so- glasnyj, kotoromu grozilo polnoe isčeznovenie (čerez perehod v h). Innymi slavami, x- voznikal v načale slava pered s kak 'Schutzkonsonant'." Da er keine Beispiele mit der entsprechen- den Lautentwicklung anfuhrt, musste man das Material auf die zitierte Hypothese hin erst uberprlifen. Wenn das Material eine solche Lautentwicklung nicht fordert, ist die Regel nur ad hoc angesetzt. Vgl. vielleicht in diesem zusammenhang aw. ha(y) "binden, fesseln" (Pras. hayeiti, Ptz. hita-) < *se(i) "binden" (Pokorny 891}; aw. haek-, hineaiti (hieaiti} < *seikw- "ausgies- sen usw." (Pokorny 893); osset. xurx "Molken, Kasewasser" (< ar. *sukra-} zu *seu- "biegen, drehen" (Pokorny 914); osset. xui "Eber, Schwein" ist eine k- Erweiterung von *sif- "Haus- schwein, Sau" (Pokorny 1038). Vgl. auch Miller, GIPh. I Anh. §24.4. mit den Beispielen, wo er z.B. w.osset. xed, o.osset. x'id "Brucke", aw. haetuš, ai. s~tu- usw. anflihrt, jedoch wei- ter (§44.k.) folgendes bemerkt (S. 38): " ••. ir. h (aw. h, ai. s) istim Oss. stets geschwunden: w.oss. istun "stehen", aw. hištaiti ( ••• }".Čop, KZ 74, 3-4, s. 232, flihrt das oss. Wort auf ein idg. *qsiph-ro- zurlick und stellt gr. ks{phos "Schwert, Dolch" dazu. filmlich geht auch Benvenist~, Etudes sur la l. ossete, s. 39f., von einer ir. Urform *xšifra- aus. Die Rekon- struktion einer solchen Anlautsgruppe scheint jedenfalls besser 177 begrilndet und wahrscheinlicher als der oben erwahnte Erklarungs- versuch xs- < *s-. Pokorny 9llf. filhrt ksl. sP~p~, lett. siPpis usw. auf idg. *sePp "Sichel, krununer Haken" zurilck. Vgl. noch Vasmer II 616. Bei der Behandlung des sak. pa'sa "Sau" bemerkt Abaev, dass das Sakische einige sehr archaische Sprachzilge aufweist 4 und folgert daraus {S. 13): "Možno predpolagatb, čto i v tex sovre- mennyx vostočnoiranskix jazykax, kotorye preemstvenno svjazany s sakskimi narečijami - v afganskom {puštu) i pripamirskix, - takže soxranilisb sledy specifičeskix svjazej s evropejskimi jazykami." In diesem Zusammenhang filhrt er {S. 13f.) 19 derar- tige Isoglossen an, unter welchen sich auch einige befinden, die neben den iranischen nur noch baltische bzw. slawische Pa- rallelen aufweisen. Eine solche Zusammenstellung ware (S. 13) afgh. WP~Ža (< bPula-) "Floh" ~ aksl. bZixa, bZ~liea, russ. bZoxa, lit. bZusa, bei der sich aber dennoch, wie teilweise zwar wahrscheinlich aus tabuistischen Grilnden veranderte Parallelen aus anderen Sprachen zeigen, um keine isolierte baltoslawisch-iranische Sonderilbereinstimmung handelt. Vgl. Pokorny 102, Vasmer I 94, Fraenkel Slf. und Frisk II 140f. Abaev verbindet weiter {S. 13) afgh. punda {< *panta) "Fer- se" und aksl. p~ta < *penta, russ. pjata. Vasmer II 477 stellt jedenfalls noch lit.pentis "Ferse; dickes Ende, Rilcken der Axt oder Sense" und apreuss. pentis "Ferse" dazu. So auch Pokorny 988. Abaev nimmt wahrscheinlich eine semantische Isoglosse im Sinne einer Bedeutungsinnovation an. Man kann aber auch an eine unabhangige, parallele Entwicklung denken. Es ist nicht ganz klar, welche Bedeutung in diesem Kontext der Ubereinstimmung des Vokalismus der baltoslawischen und iranischen Form zuzu- schreiben ist. Ibid. vergleicht Abaev afgh. rumba "Geschwulst" mit lit. gumbas in der gleichen Bedeutung. Fraenkel 176 stellt lit. gum- bas "Erhabenheit, Konvexitat, Auswuchs am Korper, Beule, Ge- schwulst, Knorren, Knoten, Blahung, Kolik", lett. gumba "Ge- schwulst, Erhohung, Haufe" entweder zu aisl. kumpP "Klumpen", 178 norw. dial. kump "Klumpen, Kloss, halbkugelformige Erhohung am Erdboden", kamp "(rundlicher) Stein, Bergknollen, Stumpf von Stčcken" oder zu aisl. kumbr "Holzklotz". Diese Zusammenstellung ist, wie es scheint, nicht eindeutig, da die germanischen Formen auch andere etymologische Deutungen zulassen. Vgl. dazu z.B. J6- hanesson, Isl. etym. Wb., S. 329 und Pokorny 378. Pokorny (S. 396) ftihrt unter der Wurzel *geu-, *g3u-, *gu- "biegen, krilm- men, wolben" vorsichtig auch npers. gumbed "Wčlbung, Kuppel, Becher", die zitierten baltischen Formen, sowie einige slawi- sche und germanische Worter an, die aber bedeutungsmassig etwas abweichen. Die Annahme einer iranisch-baltoslawischen Isoglosse scheint demnach nicht berechtigt zu sein. Selbst wenn die ent- sprechenden Belege aus anderen Sprachen nich vorhanden waren, schiene die Annahme von Exklusivisoglossen - und ihre Interpre- tation zugunsten der Bestatigung von speziellen Sprachbeziehun- gen - in den Fallen unnotig, in welchen normale, produktive Wortbildungsprozesse und einfache Bedeutungsentwicklungen vor- liegen. Es folgt (ibid.) die Zusammenstellung von afgh. mešta "Wohnort" und aksl. mesto, russ. mesto. Pokorny 709 behandelt die Rtickfilhrung von aksl. mesto, sbk. mj~sto usw. auf das ur- sprtingliche *m;itsto- bzw. *mi(i)tsto- (Wz. *mei- "befestigen") als "wahrscheinlich". Vasmer II 124 vergleicht mit der slawi- schen Sippe u.a. lit. ma1:stas "Nahrung", aw. mae.J-ana- "Aufent- haltsort, Wohnung, Haus", das Pokorny 715 (ohne slaw. mesto) gesondert unter *meit(h)- "Aufenthaltsort, woraus balt. auch Lebensunterhalt, Nahrung" behandelt. In diesem Falle konnte es sich um eine iranisch-baltische Isoglosse handeln. Wie aber aus Bedeutungsverhaltnissen ersichtlich, dilrfte es sich wohl um unabhangig entwickelte Bildungen handeln, die nur zufalliger- weise auf dem beschrankten Territorium belegt sind. Slaw. mesto wird von Pokorny - wahrscheinlich wegen der Intonation, die auf einen ursprilnglichen Langdiphthong hinweist - anders verknilpft. Eventuell kčnnte man von einer Vrddhi-Bildung zu *meit(h)- aus- gehen, was die etymologische Zusammenstellung von Vasmer l.c., Trautmann 185 u.a. rechtfertigen wtirde. Es besteht aber, wie 179 es scheint, noch eine andere Moglichkeit. Fraenkel 460 lehnt die Zusammenstellung von aw. mae-Jl-ana- n. "Aufenthaltsort, Haus" I mi-J.naiti "wohnt" und lit. m{tu, mitau, m?.sti "sich nahren", mi- tas "Lebensunterhalt", lett. m{tu, mitu, mist "wohnen", aksl. mJsto "Ort" wegen Intonations- und Bedeutungsdifferenzen ab. 5 Fraenkel l.c. geht flir das Baltische von.einer ursprlinglichen Bedeutung "Nahrung, Flitterung, Mastung" aus und es ware dann die Moglichkeit gegeben, die zit. aw. Formen unter der Wz. *mei-, bzw. *me(i)t-, *m~(i)t-, *mit- "befestigen, Pfahl, Holzbau" (Pokorny 709) mit slaw. mesto zu verbinden. In dem Falle konnte es sich um eine unabhangig erfolgte Bedeutungsent- wicklung handeln, es konnte aber auch eine archaische Bildung vorliegen. Gemeinsame Innovation ware schwer zu beweisen. (Es bleibt endlich noch problematisch, ob afgh. mešta aus derselben iran. Vorstufe als aw. maeJana- zu erklaren ist.) Weiter vergleicht Abaev (ibid.) afgh. ka~ai (< *karna-ka-) "Stein" und lit. kalnas "Berg". Das lit. Wort wird von Fraenkel 209f. zu gr. kolon6s, koZ§ne "Hligel", lat. aollis "Hligel, An- hohe" usw. gestellt. Ebenso Pokorny 544 (*kel,{g)- "ragen, hoch (heben)", *kin-is "Hligel"). Abgesehen daven, ob die Deutung bzw. Rekonstruktion der afgh. Form zutrifft, kann es sich un- moglich um eine iranisch-baltische Isoglosse handeln, da die Etymologie des lit. Wortes offensichtlich nicht umstritten ist. Bei der afgh. Form mlisste man ausserdem noch die verhaltnismas- sig stark abweichende Bedeutung berlicksichtigen. Weiter vergleicht Abaev in seiner Abhandlung (ibid.) afgh. ptnal "aus der Hand essen" und lit. pen~, pen6ti "flittern". Fraenkel 569 stellt lit. penas "Nahrung, Futter, Kost", peniti "masten, flittern, nahren", lett. pen~t "verwohnen" usw. zu ai. panasa- "Brotfruchtbaum". Diese Verbindung ist aber fragwurdig - vgl. z.B. Mayrhofer II 209. Pokorny 807 flihrt unter der Wz. *pen- "fiittern, Nahrung, Aufbewahrungsort der Nahrung" neben den zitierten baltischen Formen auch mehrere lateinische Bil- dungen, wie z.B. penus, -oris/-us "Mundvorrat; das Innere des Hauses", und (mit Vorbehalt) got. fenea (*finja) "Gerstenspei- se". Es ist mir nicht klar, welche Erklarungsmoglichkeiten die 180 afgh. Form zulasst. Konnte man sie vielleicht (!) zu idg. *pei('d)-, *pf- "fett sein, strotzen" ("' aw. fra-pinaoiti "bringt zum Gedeihen" usw., vgl. Pokorny 793f.) stel len? Die Annahme einer afgh.-litauischen Isoglosse scheint - zumindest ohne genau angefilhrte Deutung - nicht begrundet zu sein. Es folgt (S. 13) die Gleichung zwischen afgh. UJuža "Ader", munjI UJurž (UJurr> "seidener Faden" und lit. viržis "Strick". Zur Deutung des lit. Wortes vgl. Fraenkel 1264. Pokorny 1154 geht von *UJer-g'h- "drehen, einengen, wilrgen, pressen", einer weit verbreiteten Erweiterung zu *UJer- "drehen, biegen", aus. Auch wenn die afgh. Bildung auf dieselbe Form zurilckzufuhren ist, kann es sich nicht um eine afgh.-lit. Isoglosse handeln (vgl. z.B. aisl. virgill "Strick", as. UJurgil "Strick", poln. poUJr6z "Strick" usw.). Weiter vergleicht Abaev (S. 14) waxI skan, sangl. sk-anok "junger Hund" mit slaw. ščen- (< *sken-) in russ. ščenok usw. Ausfuhrlicher behandelt Abaev diese Gleichung auf S. 21f. Hier geht er von osset. stcen "mannl. Hund" aus, das er aus *sccen herleitet und mit weiteren slawischen Bildungen, wie aksl. šten6C6, ukr. ščenja, poln. szczenie, tschech. štene, serb. štene, bulg. ščenec, vergleicht. Dabei nimmt er an, dass "gruppa -st- v ossetinskom možet voznikatb iz -se- (c posle s perexo- di tv t)" (S. 21). Auf s. 22 fuhrt er Entsprechungen in den Pa- mir-Sprachen (waxI skan, sk~n, munjI s~ken, sangl. skanok, usw.) an. Abaev zitiert ausserdem noch arm. skund, wo er aber offen- sichtlich nicht an ein iranisches Lehnwort im Armenischen denkt, was schon an sich die Annahme einer iranisch-slawischen Isoglos- se bedenklich macht. Vgl. dazu Vasmer III 448. Pokorny 563 geht von einer Wz. *(s)ken- "frisch hervorkommen (vielleicht eigent- lich: spriessen), entspringen, anfangen; auch von Tierjungen und Kindern" aus, unter der er neben den zitierten slawischen Formen noch mir. cano, cana "Wolfsjunges", cymr. cenau "junger Hund oder Wolf" anfuhrt. 6 Es scheint nicht glaubwurdig, dass z.B. die Verwendung des s- mobile in den iranischen und slawi- schen Belegen eine plausible Voraussetzung fur die Annahme ei- ner slawisch-iranischen Isoglosse bilden konnte, noch dazu bei 181 einer auch in anderen Sprachen verhaltnismassig gut bezeugten Wurzel mit ahnlichen Bedeutungen. Auf s. 14 wird als letzte ostiranisch-slawische Verbindung die Gleichung zwischen šughni tap- : tapt "trampeln, stampfen" und slaw. t"6p-, tt.pt.t, russ. topot, topat6, toptat6 "stampfen" behandelt. Da es sich, wie auch Abaev selbst bemerkt, um eine Onomatopoie handelt, entfallt die Zusammenstellung im Sinne einer gilltigen Exclusiv-Isoglosse. Zu russ. t6pat6 vgl. auch Vasmer III 120, wo auch baltische Formen, wie lett. tapa, tapu Interj. "Bez. von Schritten", tapat "schreiten", lit. tapuoti "treten" angefilhrt werden. Vgl. jedoch Fraenkel 1057. 7 Es ist zu den angefilhrten ostiranisch-baltoslawischen Gleichungen zusammenfassend festzustellen, dass in den meisten Fallen keine Exclusiv-Isoglossen vorliegen und sie demnach nicht als Beweismaterial filr besondere iranisch-baltoslawische Be- ziehungen verwendet werden dilrfen. Bei einigen der oben behan- delten Gleichungen bekommt man wegen der ausserst lilckenhaften Materialanfilhrung fast den Eindruck, dass der Verfasser in erster Linie eine schematische Darstellung der vermutlichen ostiranisch-baltoslawischen Isoglossen, nicht aber eine de- taillierte, historisch berechtigte, einleuchtende Analyse der- selben vorlegen wollte. In der Weiterfilhrung seiner Abhandlung vergleicht Abaev (S. 15) osset. kajyn, a-gajyn "berilhren" (< *kah-) mit balto- slaw. *kas-, *kos-, das in aksl. kasati Sil "berilhren, angehen", kosneti "anrilhren", russ. kasat6sja, kosnut6sja und lit. kasy- ti, kasti "kratzen" belegt ist. Dabei scheint ihm "polnaja iden- tičnost značenija v skifskom i slavjanskom" von grosster Be- deutung. Ebenso Apaev, IES I 567f. Zu den slaw. Formen vgl. Vasmer I 640. Pokorny 585 filhrt unter *kes- die zitierten sla- wischen und baltischen Bildungen, aber keine iranische an. Vgl. noch Fraenkel 226f. Die Zusammenstellung mit dem Ossetischen scheint moglich, es ist jedoch nicht klar, ob Abaev von einer unabhangigen Entwicklung aus einer gemeinsamen idg. Wurzel in den beiden Sprachgruppen ausgeht, oder ob die ossetische Bedeu- tung unter dem Einfluss des Slawischen zustande gekommen sei, 182 was weniger wahrscheinlich erschiene. Auf S. 16 filhrt Abaev zwei Isoglossen an. In der ersten verbindet er osset. m08ayn "sich in etwas Flilssigem walzen" und slaw. moaiti, russ. moait6 usw. In IES II 80 geht er von iran. *maxš- oder *maa- aus, wobei er - nach Gershevitch, BSOAS XVII, 1955, 479f. - eine Entwicklung iran. xš > osset. a voraussetzt. v Wenn man von einer idg. Wurzel *mak- "nass, feuchten" (Pokorny 698) ausgeht, erscheint seine Rekonstruktion der iranischen Ur- form *maxš- zweideutig. Es ist nischt klar, ob er von einer s- -Erweiterung, also *-ks-, ausgeht. Man konnte auch eine Palata- lisation des ursprilnglichen -k- wie sie auch im Slawischen vor- liegt, erwarten. Vgl. dazu Miller, GIPh. I Anh., § 28.2. Anm.). Erweiterungen von derselben Wurzel kennt auch das Armenische und Albanische. Vgl. noch Vasmer II 166. Die zweite vorgeschlagene Isoglosse verbindet osset. s08lyn "gefrieren" und lit. šalti "(ge)frieren, abkilhlen, kalt werden", lett. šalt (< *k' el- "frieren, kalt usw." Pokorny 55lf.). In diesem Zusammenhang weist Abaev ausdrilcklich auf das Verhaltnis osset. -z-: -r- in anderen iranischen Sprachen hin. 8 Die Frage, ob Abaev dabei mit einem direktem Einfluss des Litauischen oder aber mit einem ererbten Z-Reflex im Ossetischen rechnet, bleibt offen. Bei der ev. zweiten Deutungsmoglichkeit konnte man die Verhaltnisse bei der Realisierung des idg. *r - Z im Altindi- schen vergleichen. Vgl. Bartholomae, GIPh. I/l, S. 23f. § 56 und Miller, GIPh. I. Anh. s. 35f. § 4lf. 9 Vgl. ausfilhrlicher weiter s. 211. Auf s. 17 vergleicht Abaev unmittelbar osset. b08lon und lit. balandis "Taube" 10 , lasst aber auch die Moglichkeit weite- rer Anknilpfungen aus anderen Sprachen zu. 11 Die Bildungen wer- den auf ein idg. *bhel(-a)- "glanzend, weiss; auch von weissli- chen Tieren, Pflanzen und Dingen" (Pokorny 118f.) zurilckgefilhrt. Es liegt, wie es scheint, sowohl im Litauischen als auch im Os- setischen ein al ter n-Stamm vor, was filr die Annahme, dass es sich um eine archaische Bildung handelt, spricht. Diese Starnme wur- den namlich oft filr Tierbezeichnungen verwendet. 12 Weiterver- breitete Wurzel, filr das Indogermanische normale, produktive 183 Wortbildungsweise und regular entwickelte Bedeutung - das alles spricht filr die Annahme archaischer, ererbter Bildungen in bei- den Fallen. Methodisch interessant ist die Bemerkung Abaevs, IES I 249: "Forma b, čto v os. qcer/gcer 'krik', no po forme {soglasnyj Z, formant -s-) qcelces/gcelces primykaet k slavjanskomu. 11 Er lasst sogar die Mog- lichkeit, dass die ossetische Bildung aus der slawischen ent- lehnt ware, zu. In seinem IES II 288 lehnt er wegen des osset. -z- und des zweiten -CE- die Moglichkeit einer iranischen Ur- form ab: 11 Pravilnee dumat:E>, čto pered nami specifičeskoe slavja- no-skifskoe sxoždenie, vozmožno zaimstvovanie v skifskij iz sta- roslavjanskogo s zakonomernym v etom slučae polnoglasiem v ose- tinskom. 11 Vgl. Vasmer I 287 und Pokorny 350. Es ist ohne wei te- re Beispiele dieser Art schwer zu sagen, ob schon die Vertretung von -z- und -ce- im Ossetischen ein ausreichende Argument filr die Annahme einer slawischen Entlehnung vorstellen kann. Weiter {S. 20) verbindet Abaev osset. kur, kul in kur-cef- aceg 11 kurzen Hals habend 11 , aCEn(g)-k yZ 11 ohne eine Hand 11 mit o dem Element kur in russ. kur-nosy, kur-zubyj und weiter mit kornat6 11 beschneiden, kilrzen", kornouxij, kornoxvostyj usw. Vgl. Vasmer I 628f., Abaev, IES I 608 und 301 und oben S. 184. {Abaev erwahnt die Moglichkeit einer Zusammenstellung beider osset. Bildungen nicht.) Es folgt {ibid.) die Gleichung osset. x~rx/xorx 11 Kehle, Rachen 11 und aksl. *kr.rk7> 11 Kehle, Hals" {...... tschech. krk, poln. 185 kark). Sie ist wegen des Vokalismus der osset. Bildung unklar. Wosset. o = oosset. u wird normalerweise auf iran. *au zuriickge- fiihrt (vgl. Miller, GIPh. I Anh. S. 20, § 11), wahrend Pokorny 935 fiir tschech. krk usw. von einer Stufe *(s)krek- zu *(s)ker- "drehen, biegen" ausgeht. 15 Als eine slawische Entlehnung betrachtet Abaev (S. 21) osset. xumcetceg, xumcetcegi "einfach, auf einen Menschen bezogen: unbedeutend, unscheinbar", das er aus slaw. *kumet(i)- mit einem osset. Formans -ceg erklart. Von slawischen Bildungen fiihrt er an aruss. klmet6 "Bauer, Krieger, Soldat", serb. kmlt "Bauer", tschech. kmet, slk. kmet 3 , poln. kmiecJ "dass. II r wahrend baltische Formen Entlehnung aus dem Slawischen voraussetzen. 16 Bei der Annahme einer Entlehnung aus dem Slawischen ins Ossetische soll- ten Zeit und Weg der Entlehnung festgelegt werden. In Zusammen- hang damit stellen sich mehrere Fragen: Ist die ossetische Be- deutung erst im Ossetischen endgiiltig festgesetzt worden oder sei sie schon in der angeblichen slawischen Ausgangsform vor- handen gewesen? Ev. konnte eine Antwort auf diese Frage einer genaueren Bestimmung des chronologischen Verhaltnisses hilfreich sein. Eine partielle Antwort auf solche Fragen gibt Abaev, OJF 333f., wo er bemerkt: "My dolžny predpoložit:c, čto slovo kmet bylo usvoeno iz drevnerusskogo v alanskih (osetinskij) jazyk v značenii 'poseljanin', 'prostoj (ne znatnyj) voin' i polučilo zdes:c formu xumcetceg. Roditel:cnyj padež ot nego xumCEt!X3gi "xuma- togovskij", t.e. 'krest:cjanskij' stal označat:c voobšče 'prostoj' v primenen11 uže ne tol:cko k ljudjam, no i k životnym, veščam i pr." Beziiglich der Zeit, in welcher die Entlehnung zustande ge- kommen sei, meint er folgendes: "Zaklučitel:cnaja faza epoxi vo- ennoj demokratii i načalo feodalizma - vot period, kogda eto mo- glo proizojti. K etomu imenno periodu my otnosim usvoenie iz drevnerusskogo v alanskij (jasskij) termina kmet ~ xumCEt!X3g." Die ideale Ausgangsform fiir die ossetische Bildung laute *kumet (S. 333). Als eine Parallele fiihrt Abaev russ. xmel6 osset. xum!X3Zceg "Hopfen" an. Es ist nicht klar, ob - laut der vorge- schlagenen Interpretation - die aruss. Form in der Zeit der ver- muteten Entlehnung einen noch wahrnehmbaren u-Vokalismus der 186 Wurzel enthalten habe oder ob man besser mit einem Reflex filr *-w- (bzw. mit einem sekundar entstandenen -a-} rechnen konnte, da im Ossetischen wegen des angefilgten Suffixes die Silbengran- ze verschoben wurde und eine solche Moglichkeit wahrscheinlich bestilnde. 17 Weiter vergleicht Abaev (S. 22) osset. ulCEn "Welle, Woge", das - nach einigen anderen Beispielen dieser Art zu schliessen - auch ein paralleles *ulnCE haben konnte, mit aksl. v~lna, vl~na, russ. volna und lit. vilnia, lett. vilna in derselben Bedeutung. Filr die ossetische und slawische Bildung rekonstruiert er ge- meinsame Urform *wI-na ("' *wel(a)- "drehen, winden, walzen" Pokorny 1140f.}. Vgl. noch Vasmer I 218 und Fraenkel 1254. Ob- wohl die Bildung *w~na, wie es scheint, wirklich auf das Balto- slawische und Ossetische beschrankt ist (vgl. Pokorny 1143), handelt es sich um eine normale wortbildungsweise, was auch das parallel gebildete *wlna "Wolle" ,.._, *wel(1J)- "Haar, Wolle" (Po- o korny 1139) beweist. Man konnte demnach mit ererbten Bildungen in beiden Fallen rechnen. Aus den Ausfilhrungen Abaevs ist nicht ersichtlich, wie er die Gleichung deutet, und so bleiben manche Fragen offen. Ist man schon wegen des Fehlens der Vertretung in anderen iranischen Sprachen berechtigt, auf eine sekundare Ent- stehung im Ossetischen zu schliessen? Wie milsste in einem sol- chen Falle die konkrete Entwicklung des Wortes aussehen, wenn es keine Indizien flir die Annahme einer Entlehnung gibt. Soll man sich einen derartigen Prozess so vorstellen, dass eine ur- sprilnglich vielleicht anders gebildete protoiranische Form un- ter dem slawischen Einfluss umgebildet ware? Es bleiben im Grun- de eigentlich nur var zwei realistische Moglichkeiten: Entweder liegt die Entlehnung var (was womoglich zu beweisen ware} oder aber handelt es sich um ererbte Bildungen, die nur zufalliger- weise auf das genannte Territorium beschrankt blieben bzw. de- ren Beibehaltung in den beiden Sprachgruppen durch die ursprung- liche Nachbarschaft gefordert wurde. Es ist unbefriedigend, dass man keine von den erwahnten Moglichkeiten begrilndet ablehnen oder bestatigen kann. Abaev geht, wie in den meisten anderen Fallen, auf solche Einzelheiten nicht ein und es bleibt infol- 187 gedessen oft unklar, mit welcher Art sprachlicher Vorgange er tatsachlich rechnet. Weiter (S. 23) vergleicht Abaev osset. fcext/fcestce "Mor- ser" und russ. pest, lit. piestO., piestas "dass.". Beachtung verdient seine Analyse dieser Beziehung: "čeredovanie s/x (fces- tce/fcext) xarakterno dlja slavjanskogo. Sr. rjadom s pest dia- lektnye pextaZ~ pextilo s tem že značeniem. Poetomu estestvenno dumath o starem zaimsvovanii iz slavjanskogo v skifskij. Odnako po značeniju osetinskij primykaet ne k russkomu, a litovskemu" (sic!). Auch in seinem IES I 466 kommt er zu demselben Schluss, dass namlich die genannte Doppelheit im Ossetischen als "staroe (ešče v skifskuju epoxu) zaimstvovanie iz slavjanskogo" zu er- klaren sei. 18 Bezliglich des Verhaltnisses osset. ce : slaw. e verweist Abaev auf osset. x 0 ymce ta3g, x 0 ymce ZG3g. Die Bedeutungs- sei te der vorgeschlagenen Entlehnung begrlindet Abaev folgender- massen: "S točki zrenija istoričeskix realij predložennoe raz'b- jasnenie takže ne vyzyvaet vozraženij: vpolne ponjatno čto na- zvanie stupki skotovody - Skifi mogli usvoith u zemledelbcev - Slavjan." Vgl. Vasmer II 348 und Fraenkel 586f. und zur Varian- te pext{z,, pexti Z6 "Stampfer, Morserkeule" noch Vasmer II 351: "Wird gewohnlich zu pixat6 "stossen" gestellt ( ••. ), doch be- fremdet die Bildung." Vasmer zitiert die .Etymologie von Kalimov, der an eine Entlehnung aus dem Mordwinischen denkt. Das Verhalt- nis -s- : -x- ist jedenfalls nicht so einfach erklarbar, wie es Abaev darzulegen versucht. Vor dem Verschlusslaut bleibt namlich -s- sogar hinter i, u, r, k, wo Wechsel -s- > -š-/-x- sonst re- gelmassig auftritt, erhalten (vgl. z. B. pr~st6< *p6rst6: prax~ usw. Vaillant, Gramm. comp. I 29f.). Weil somit keine regulare, erwartete Doppelheit vorliegt, mlisste das Ossetische sowohl russ. pest als auch anders gebildetes pextil6 in der Opposition fcesta3/fa3xt wiedergegeben haben, wenn das Verheltnis s : x mit einem slawischen Ausgangspunkt zu erklaren ware. Das wlirde aller- dings eine gleichzeitige Verwendung der beiden Varianten auf diesem Teil des russischen Gebiets, in welchem die Entlehnung zustande gekommen sei, voraussetzen. 19 Es folgt (S. 23) die Verbindung osset. cced/coodce "Paar 188 (Stiere) ", Erweit. cu::edis/a~des "Gespann, Teilnahme im Gespann" (*čata) und slaw. četa "Herde", russ. četa "Paar", russ. dial. četa bykov "Gespann". In IES I 293 reiht Abaev diese Gleichung "v plane staryx slavjano-skifskix snošenij" ein. Fur diese Ein- ordnung spreche das Verhaltnis russ. e : osset. ~ und russ. t : osset. d. Er rechnet offensichtlich auch hier mit der Moglich- keit einer slawischen Entlehnung ins Ossetische. 20 Obwohl klare vergleichbare Bildungen aus anderen Sprachen fehlen, ist die Moglichkeit der Urverwandtschaft wohl nicht ganz auszuschlies- sen. Vgl. Pokorny 534. Ibid. verbindet Abaev osset. k yrd/kurd "Schmied" und aruss. o k'braii "dass.", wobei er die ossetische Form aus *kurto- und die russische aus *kurtyo- (< *kur- "Feuer entfachen") herleitet (idg. *ker(?J)- "brennen, gluhen, heizen" Pokorny 57lf.). Als weitere Anknupfungen fuhrt er aksl. kuriti, russ. kurit6 1 lit. kurti "heizen, Feuer entfachen", pers. kura "Schmiedeherd", arm. krak "Feuer" an. Obwohl die Wurzel, wie schon aus dem Zitierten ersichtlich, breiter belegt .ist, folgert Abaev, dass "Toždestvo značenija i blizosto slovoobrazovanija pozvoljajut videto zdeso skifo-vostočnoslavjanskuju izoglossu". Vgl. noch Abaev, VJa 8, N° 1, 1959, S. 96-99. Seiner Interpretation nach wurde es sich entweder um eine gemeinsame Bedeutungsinnovation oder um eine Entlehnung handeln. In seinem IES I 610 korrigiert Abaev den Ansatz der idg. Urform: "Vosstanavlivatb sleduet i.e. *keur-, *kur-, a ne *ker-, vopreki Pokorny (57lf.)." Zum baltoslawi- schen Vokalismus der Wurzel vgl. die Bemerkung Pokornys auf S. 572, wo er von der Schwundstufe der Wurzel ausgeht, und weiter Vasmer I 636, 700 und Fraenkel 319. Es scheint, dass man sowohl die baltoslawischen als auch die ossetischen Bildungen aus einer gemeinsamen, ererbten Form herleiten kann. Die Bedeutung konnte in beiden Fallen auch unabhangig zustande gekommen sein. Ob man mit russischem Einfluss auf die ossetische Form (wenigstens was die Bedeutung betrifft) rechnen kann bzw. muss, ist schwer zu entscheiden. Wie ist in diesem Zusammenhang das persiche kura "Schmiedeherd" zu verstehen? Kann man wirklich von einer nur skythisch-slawischen Isoglosse sprechen? 189 Weiter (S. 24) vergleicht Abaev osset. aur/aor "neben, bei" (< *"Ende"), aojrag "das letzte Tier beim Dreschen" und russ. čur "Ende, Grenze". In IES I 316 deutet er das Verhaltnis fol- genderweise: "Možno dumato o staryx skifo-slavjanskix ili alano- -russkih svjazax." Vgl. zum russischen Wort Vasmer III 358 (čur in: čur menja, čur, čur čura "halt, nicht weiter, htite dich" usw.) mit den angeftihrten Etymologie-Vorschlagen, die aber alle mehr oder weniger unzuverlassig sind. Wegen der unterschiedli- chen Bedeutung im Ossetischen und Russischen nimmt Abaev, IES l. c., ftir die ossetische Bildung eine ambivalente Bedeutung an, einerseits "Nahe", andererseits aber "Entfernung, Ende, Grenze". Das russische Wort ist, wie die Belege zeigen, wahrscheinlich eine Onomatopoie und in diesem Falle ware der Vergleich mit der ossetischen Bildung hinfallig, es sei denn, es lage eine Ent- lehnung var. Auch die phonetische Seite der Gleichung, die Aba- ev vorschlagt, ist nicht einwandfrei. Osset. u/o entspricht nor- malerweise iran. au (vgl. Miller, GIPh. I Anh., S. 20), oder auch iran. va. Es ware wahrscheinlich besser, die ossetischen und russischen Belege gesondert zu behandeln. Es folgt (S. 29f.) das osset. Verbum maryn "toten". Das Ossetische kennt sowohl das Grundverbum (mcel- < *marya- "sterben, im Sterben liegen") als auch das Kausativum (mar- < *maraya-) und eben dieses verbinde - nach Abaev - das Ossetische mit dem Slawischen. Er ftihrt in diesem Zusammenhang von der baltosla- wischen Seite aksl. umoriti, aruss. moriti, russ. morito, serb. mariti, tschech. mo~iti, poln. morzid, lit. marlnti an. Da aber auch das Altindische das Kausativum marayati aufweist und die gleiche Bildungsweise im Iranischen bekannt war (vgl. z. B. Bar- tholomae, GIPh. I/l S. 84), konnte man sich vorstellen, dass die entsprechende Bildung von *mer- in den iranischen Sprachen - mit Ausnahme des Ossetischen - nur zufallig nicht vertreten ist. Es scheint keinen zwingenden Grund ftir die Annahme einer ossetisch-baltoslawischen Exclusiv-Isoglosse zu geben. Man ware eher geneigt einen erhaltenen Archaismus anzunehmen. Vgl. Po- korny s. 735. Osset. wceldce "Luft" (< wcel "Gipfel" und tcef "Geist, 190 Hauch, Atem") deutetAbaev (S. 31) als Lehni.ibersetzung nach dem Muster des aksl. vizduxi "Luft" (< v~z "hinauf" und dux~ "Geist, Atem, Hauch"}. Vgl. Vasmer I 214. Die Annahme einer Lehnliberse- tzung scheint moglich, es bleibt aber die Frage, wie alt der Vorgang sei. Handele es sich urn den Einfluss der schon aksl. oder erst der russischen Form, die aber selbst eine ksl. Ent- 21 lehnung vorstellt? Weiter (ibid.) vergleicht Abaev osset. m"tt/met "Schnee" mit dem slaw. met-, das in Wortern flir "Schnee, Gestober" vorkomrnt (so z. B. russ. met-el' "Schneegestorber", dial. o-met "Haufen, Scholle", za-met6 "Gestober", ukr. peremet "Gestober", poln. zamiecf "Schneegestober" usw.). Wie aus dem osset. Lemrna in IES II 124 ersichtlich, rechnet Abaev mit einem slawischen Lehn- wort im Ossetischen und verweist dabei auf ruman. omat, omete "Schnee, Gestober": "Predstavljaetsja estestvennym, čto predki osetin, kak i predki runyn, živja v bolee južnyx širotax, zaim- stvovali u svoix severnyx sosedej slavjan slovo 'sugrob, sneg'." Zu der semantischen Wandlung "Aufgeworfenes" -+ "Schnee" weist er auf die altindische Parallele vapati -+ vapra- hin. 22 Weil osset. "t/e normalerweise iran. ai entspricht, mlisste man wahr- scheinlich ein sekundares *-ai- in der Wurzel annehmen, das ev. mit Epenthese aus einer entsprechenden Vorform (? Suff. *-(iJyo-} zu erklaren ware. 23 Weiter bleibt die Frage, ob nicht ein auslautendes -d, wie z. B. im osset. vad "Sturm", zu erwarten ware. Es ist auch nicht geklart, aus welcher slawischen Bil- dung das ossetische Wort entlehnt sei. Es scheint deshalb ange- bracht, auch die Moglichkeit einer Urverwandtschaft der Bildun- gen im Auge zu behalten (Pokorny 703f. *me-, *me-t-), wobei ev. (!) nur die Bedeutung unter slawischem (konkret: russischem?) Einfluss stilnde. Es ware wichtig festzustellen, ob idg. *sneigwh-, das auf der iranischen Seite z. B. im aw. snaeža- "scheien" und pamir. šughni ž'Jnij "Schnee" vorliegt, in irgendeiner Form noch 24 im Ossetischen bezeugt ist. Vgl. Pokorny 974. Auf S. 31 nimrnt Abaev eine Sonderlibereinstimrnung zwischen dem Ossetischen und Slawischen bei einer Wurzel an, die auch sonst auf der iranischen Seite gut bezeugt ist. Es handelt sich 191 und das osset. Wort cyt/citce "Ehre, Achtung" < *či-#a- (idg. * k 1'' ey- (t}- "worauf achten, ehrerbietig beobachten, scheuen, ehren usw." (Pokorny 636ff.). Nach Meinung des Autors bestehe eine spezielle bedeutungsmassige und formale Ubereinstimmung zwischen der osset. Bildung und aksl. č6t- in č6tQ "ehre, achte", russ. po-čit-at6, po-čet, čest6 (< *čit-ti-), tschech. u-cta, po-cta "Ehre, Achtung" (also čit-, čita-). Vgl. Abaev, IES I 327. Das ossetische Wort ist formal mit den sehr ahnlich gebil- deten iranischen Wortern vergleichbar, vgl. z. B. aw. či~a- f. "Busse, Siihne einer Ubeltat, usw. durch Geld-, Vermogensstrafe", čiJ>i- f. "Siihne" (Bartholomae 585). Das Bedeutungsverhaltnis zwischen den osset. und aw. Bil !' in einem Teil der slawischen Sprachen bzw. deren Dialekte lasst Abaev eine verhaltnismassig breite Zeitspanne zu (S. 48). Aufschluss- reich ist seine Deutung der ersten Erscheinungsformen desr auf slawischem Territorium (S. 48): "V načalbnyj period skifo-slav- janskix kontaktov estestvennym kanalom, po kotoromu fonema r popadala v slavjanskij, byli, nado dumatb, zaimstvovannye iran- skie slava, soderžavšie etat zvuk. Odnim iz takix slov bylo sla. bogt. iz sev.-iran. ba0a-." Abaev stimmt also ausdriicklich den- jenigen Forschern zu, die slaw. bogi als eine nordiranische Ent- lehnung auffassen. 28 Als Argumente fiir diese Interpretation nennt er folgendes: l. Die Abwesenheit des Wortes im Baltischen und anderen europaischen Sprachen; 2. die angebliche Isolierung des Wortes auf dem slawischen Gebiet ohne internslawische ety- mologische Verbindungen; 3. Bedeutungs-Beschrankung auf dem ira- nischen und slawischen Sprachgebiet. Diese Argumentationsweise ist nicht neu. 29 Als zusatzlichen Beweis wertet er noch die Tatsache, dass beim Wort bog~ die Variante/' nicht nur im Siid- russischen und Ukrainischen, sondern auch allgemein im Russi- schen vorkommt. Als die Ursache dafiir, dass bei diesem Wort die erwartete Substi tution /( > g nicht eingetreten ist, fiihrt er (S. 49) ein Argument an, das zwar moglich, nicht aber zwingend er- scheint und dem man, schon wegen der verhaltnismassig seltenen potentiellen Beispiele dieser Art kaum die Dimensionen, welche 194 die zit. Erscheinung in der weiteren Entwicklung erreichen milss- te, zuschreiben konnte. Als den eigentlichen Grund filr die Ubernahme des Lautes t' sieht er: "Stremlenie proiznositb reli- gioznyj termin 'pravilno' t. e. vozmožno bliže k pervoistočniku, moglo rasprostranitb proiznošenie bog~ i v takuju sredu, kotoroj fonPJlla r voobšče ne svoj stvenna 11 an. Das wilrde allerdings auf einen verhaltnismassig alten Prozess hindeuten, was Abaev {im Zusammenhang mit einigen archaologischen Daten) folgendermassen formuliert: "Stalo byth, jugo-vostočnye Slavjane, dlja togo čto­ by usvoitb iz skifo-sarmatskogo fonemu y-, imeli bolbše čem dos- tatočno vremeni: ot načala I tysjačeletija do n. e." Auf S. 50 versucht Abaev das Vorkommen des Phonems h im Tschechischen und Slowakischen dem Einfluss der ukrainischen Dialekte zuzuschrei- ben. Nach der zweiten Variante, die er als moglich aufstellt, "nelbzja isključatb i vozmožnostb togo, čto češskij i slovackij byli oxvačeny dannoj izoglossoj ešče togda, kogda predki čexov i slovakov byli rasseleny vostočnee nynešnej territorii i žili v neposredstvennom sosedstve s predkami ukraincev." Angesichts der Tatsache, dass der Wechsel g > tf1 wie gesagt, auch in anderen Sprachen vorkommt, wo man mit einem derartigen Einfluss kaum rechnen konnte {z. B. in einem Teil der slowenischen Dialekte), scheint es jedoch angebracht, die Erklarung mittels Annahme eines verhaltnismassig einfachen phonetischen Wechsels, wie ihn z. B. Bernštejn, Očerk sravnitelhnoj gramm. slavj. jaz., S. 293, vorschlagt, beizubehalten. Vgl. dazu noch Vaillant, Gramm. comp. I 33. V. Kiparsky behandelt in seiner Russ. hist. Gramm. I 126ff. die Frage des Vorkommens des spirantischen ( auf einem Tei! des slawischen Territoriums ausfilhrlich, mit Angabe der Literatur und der altesten Belegstellen. Dabei sol! seine Deu- tung des spirantischen f' in einigen Wortern auch allgemein im Russischen erwahnt werden, einer Erscheinung also, der Abaev eine grosse Bedeutung zuschreibt. So stellt Kiparsky {S. 128) folgendes fest: "Unter dem Einfluss der ukrainisch beeinfluss- ten Gelehrten- und Kirchensprache setzte sich spater die Aus- sprache mit /f'/ in einigen Wortern fest. Bis 1917 wurde in russischen Mittelschulen diese Aussprache in Bog "Gott", gos- 195 pod "Herr", bogatyj "reich" und in Zusarnmensetzungen mit bZago- (griech."' eu-) vorgeschrieben." Diese Erklarung ist jedenfalls ilberzeugender und wegen des historisch dokumentierten Materials glaubwilrdiger als die Interpretation Abaevs. Man kann sich schwer vorstellen, dass sich aus einzelnen Beispielen (Abaev filhrt sogar nur ein einziges an) eine verhaltnismassig starke Tendenz entwickeln konnte. Es bleibt auch fraglich, wie wahr- scheinlich die zitierte Erklarung des Phanomens im Tschechi- schen und Slowakischen ist. Andererseits bleibt aber Tatsache, dass keine entsprechende Deutung, die das behandelte Phanomen zuverlassig erlautern konnte, zu Verfilgung steht. Dementspre- chend gibt es, wie es scheint, auch keine Argumente, die die von Abaev vorgeschlagene Deutung eindeutig widerlegen konnten. In der Fortfilhrung geht Abaev zu den sog. grarnmatikalischen Isoglossen ilber (S. 53ff.). In diesem Zusarnmenhang versucht er die slawisch-skythischen Beziehungen auch zeitlich naher zu bestirnmen. 30 Seinen Ausfilhrungen nach handele es sich um zwei ossetisch-slawische grarnmatikalische Isoglossen: (1) Die Ver- wendung der Praverbia zur Bildung der Perfektiva und (2) der Gebrauch des Genetiv-Akkusativs. Der erste Teil dieses Kapitels befasst sich somit mit dem Gebrauch der Praverbia zur Perfekti- vierung der verbalen Handlung im Slawischen und Ossetischen. Abaev geht dabei von der Tatsache aus, dass im Ossetischen "vse preverby narjadu s lokativnym značeniem imejut četkuju vidoob- razujuščuju funkciju: v infinitive, v prošedšem i buduščem vre- meni, v pričastijax oni obraščajut nesoveršennyj vid v soveršen- nyj". Dieser Zustand kame sekundar, als Resultat einer langen Entwicklung im Kontakt mit den slawischen Sprachen, zustande (S. 58). Im Weiteren versucht Abaev am Beispiel ossetischer Verba seine Stellungnahme zu prazisieren. 31 Eine besondere slawisch-ossetische Ubereinstirnmung sieht Abaev in der Verwen- dung des Praverbs slaw. po- und osset. fce, das die ursprilng- liche Bedeutung einbilsste und ilberwiegend die Funktion eines Wortbildungselementes annahm. Als Beweis dafilr, dass die ge- nannte Funktion der Praverbia nicht aus dem Altiranischen er- erbt sein konnte, verweist er auf die Tatsache (S. 63f.), dass 196 in den Fallen, in welchen das Praverb mit dem Verbum verschmol- zen worden ist, die perfektive Bedeutung nicht auftritt. 32 Wei- ter (S. 64) macht er auf den parallelen Gebrauch der Praverbia slaw. vlz-, vls- rv osset. yz-, ys- aufmerksam. Abaev stellt fest, dass es moglich ist, einige Beispiele, wo die gleiche Verwendung des Praverbs bei derselben verbalen Basis vorliegt, anzufiihren. Etymologisch fiihrt er osset. yz-, ys- auf iran. *uz-, *us- (< *ud-) zuriick. Er bezieht auch slaw. v~z- auf die- selbe Urform und bemerkt (S. 65): "Neskolbko smučajuščee vetom slučae z v viz- polučaet obbjasnenie kak arealbnaja izoglossa, vključajuščaja skifskij, slavjanskij i baltijskij (lit. už-, latyš. uz-)." Vgl. Vasmer I 214, der als. etymologisch zusammen- hangend die zit. slawischen und baltischen Belege und noch arm. z- angibt. Spricht die armenische Vertretung in diesem Falle filr eine auf breiterem Gebiet als von Abaev angenommen ererbte Form, oder konnte sie Wahrscheinlich miisste tung genauer bestimmt v *ud- "empor, hinauf" rallele in lat. ab eventuell iranischen Ursprungs sein? sowohl die Funktion als auch die Bedeu- 33 werden. Pokorny 1103f. rekonstruiert und *i'.ld-s (mit der Verweisung auf die Pa- abs). Dabei nimmt er als eine mogliche Vorform *uds- auch fiir das air. uss-, oss- an. Zu germ. Varian- ten schreibt er (S. 1104) folgendes: "wesentlich auf *uds vor tonenden Verschlusslauten beruht germ. us- (uz-; vor r: ur-) Praf. und Prap. 'von, aus'." Es besteht kein Grund, dass man die oben genante Verbindung als eine skythisch-baltoslawische Sonderilbereinstimmung ansehen sollte. 34 Im Weiteren (S. 65) kommt Abaev auf die schon genannte Verbindung slaw. po-, bal t. pa- und os set. f ce- zuriick. Er vergleicht noch sak. pa-, das normalerweise auf iran. apa- oder pati- zurilckgefiihrt wird, und das toch. Ipv.-Prafix p~- (S. 66). Unklar. Auch wenn das toch. Prafix wirklich auf diese Weise zu verknilpfen ist, spricht das wohl eher fiir eine urspriinglich breitere Vertretung des Prafixes in der genannten Bedeutung und Form auf dem idg. Territorium als fiir eine Sonderilberein- stimmung zwischen den genannten Sprachen. Auf S. 66 filhrt Abaev eine Liste der Verba, die offensicht- 197 lich in der Opposition nicht-perfektiv : perfektiv sowohl im Slawischen als auch im Ossetischen verwendet werden konnen. Dieses Verzeichnis scheint eindrucksvoll genug, um die Annahme einer abhangigen Verwendung der Praverbia zur Bildung der Per- fekti va im Ossetischen und Slawischen bis zu einem gewissen Grade rechtfertigen zu konnen. Dennoch bleibt - trotz der zu- 35 sammenfassenden Feststellung auf s. 68 - der Verlauf der an- genommenen Ubernahme der zit. Wortbildungs-Moglichkeit, diesmal in der Richtung Slawisch ~ Ossetisch, unerklart. Im Weiteren (S. 68-79) behandelt Abaev das Phanomen der Verwendung des Genetiv-Akkusativs im Slawischen und Osseti- schen. 36 Beim Versuch der Deutung dieses Phanomens geht Abaev (S. 71) von der Frage aus "počemu i tam i tut v kačestve mar- kirovannogo akkuzativa vystupaet imenno genitiv, a ne drugoj padež? Javljaetsja li eto sovpadenie slučajnym, kak rezulbtat nezavisimogo razvitija v skifskom i slavjanskom? Ili, bytb mo- žet, imelo mesto arealbnoe vlijanie skifskogo na slavjanskij ili - obratno - slavjanskogo na skifskij?". Diese, seiner Mei- nung nach Schlilsselfrage, versucht er zuerst von der slawischen Seite her zu erlautern. Er filhrt dabei mehrere Deutungsversuche an. 37 Hinsichtlich der Ausbreitung des Phanomens kommen ihm die Interpretationen, die nur vom slawischen Material ausgingen und demnach eine internslawische Entwicklung voraussetzen wilrden, unglaubwilrdig vor. 38 Infolgedessen schliesst er "čto genitiv- -akkuzativ otnositsja k specifičeskim arealbnym skifo-slavjan- skim izoglossam i stoit v rjadu drugix leksičeskix i grammati- českix skifo-slavjanskix izogloss" (S. 73). Forderung der Areal- linguistik folgend versucht Abaev den Mittel- bzw. Ausgangs- punkt der genannten Erscheinung zu finden. Er geht dabei von der Tatsache aus, dass die Erklarung des Genitiv-Akkusativ-Ge- brauchs im Slawischen mit betrachtlichen Schwierigkeiten ver- bunden ist, wohingegen die Erklarung derselben Erscheinung filr das nordiranische Gebiet verhaltnismassig einfach ware. Im Ira- nischen ist namlich die Anzahl der Kasus auf casus rectus und casus obliquus reduziert worden. In der Funktion des letzteren kommt sehr haufig gerade der Genitiv vor. Abaev stellt hinsicht- 198 lich der Chronologie der Erscheinung (S. 75) folgendes fest: "Tendencija k prevraščeniju genitiva v universalonyj obbektivnyj padež namestilasb ešče v drevneiranskom. 1139 Filr das Verstandnis seines Standpunkts ist die zusammenfassende Feststellung von Bedeutung (S. 78): "Ne otricaem, čto pojavleniju i zakrepleniju genitiva-akkuzativa v slavjanskom mogli sposobstvovatb i te mo- menty, na kotorye ukazyvali prežnie issledovateli: suščestvova­ nie staryx priglagolonyx genitivov vrode Gen. partitivus, vlija- nie mestoimennogo sklonenija i pr. No nam preqstaljaetsja, čto opredelennuju rolo sygrali zdeso i arealonye skifo-slavjanskie kontakty." Offensichtlich hat Abaev in den Schlussbemerkungen seine These, nach welcher der Ausgangspunkt der Erscheinung auf der iranischen Seite lage und sie eigentlich einen der Entleh- nung in der Lexik vergleichbaren Prozess wiederspiegele, gemil- dert. Diese modifizierte Deutung scheint im Rahmen der beiden Moglichkeiten die wahrscheilichere. Strittig aber bleibt die von Abaev vorgeschlagene Lokalisierung der Genitiv-Akkusativ- -Anwendung oder besser - die Begrilndung derselben auf dem sla- wischen Gebiet. In diesem Zusammenhang schreibt er (S. 78f.): "V svete etix kontaktov stanovitsja ponjatnym i to, počemu iz vsex slavjanskix jazykov najbološee rasprostranenie polučil ge- ni tiv-akkuzativ v russkom. Zdeso· toloko v edinstvennom čisle ženskogo roda uderžalsja staryj akkuzativ. Vo vsex drugix kate- gorijax imen 'oduševlennyx' v edinstvennom i množestvennom čis­ le gospodstvuet genitiv-akkuzativ. Dialektnoe členenie slavjan- skogo nametiloso, nesomnenno, ešče v obščeslavjanskij period, i uže togda predki russkix dolžny byli byto bližajšimi sosedami skifo-sarmatskix plemen, a ix narečie najbolee podverženo vli- janij am so storony severnoiranskoj." Vgl. zur Situation im Rus- sischen z. B. V. Kiparsky, Russ. hist. Gr. II 3lf. 40 Hinsicht- lich der Tatsache, dass die behandelte·Erscheinung in einem gewissen Umfang schon im Altkirchenslawischen vorkornmt und die weitere Ausbreitung wenigstens teilweise das Ergebnis interner Entwicklung sein muss, ist es unwahrscheinlich, dass der genann- te Gebrauch in den iranischen Sprachen seinen Ausgang genornmen hatte und von dort in das Slawische gelangt ware. Ob man anneh- 199 men darf, dass das Russische die ursprilngliche Anwendung der Genitiv-Akkusativ-Konstruktion unter dem Einfluss des Osseti- schen erweitert hat, ist schwer zu entscheiden. Jedenfalls muss man die Prage berilcksichtigen, ob die zeitlichen Gegebenheiten die Wahrscheinlichkeit der russisch-osstetischen Beziehungen in der angegebenen Richtung zulassen (dabei muss man, trotz aller Bedenken, von den historischen Belegen im Slawischen, insbeson- dere im Russischen, ausgehen). Vgl. zu der Ausbreitung der Ge- netiv-Akkusativ-Verwendung auf dem slawischen Gebiet und zu moglichen Grilnden z. B. Vaillant, Gramm. comp. II/l S. 17f. 41 Die von Abaev vorgeschlagene Hypothese des iranischen Ursprungs der slawischen Genitiv-Akkusativ-Anwendung bei Bezeichnungen von Lebewesen scheint zu wenig fundiert zu sein. Eine typologi- sche Gleichung ist einer genetischen vorzuziehen. 42 Eine solche Hypothese setzt jedenfalls sehr nahe slawisch-iranische Beziehun- gen, eigentlich Bilinguismus voraus. Vgl. noch Abaev, OJF I 129ff. Ein umfangreiches Kapitel widmet Abaev (S. 82-117) dem mythologischen Parallelen, in deren Rahmen auch einige slawisch- -ossetische Sonderilbereinstimmungen behandelt werden. Vom rnetho- dologischen Gesichtspunkt aus ist seine Stellungnahme bei der Deutung einer italisch-ossetischen Parallele von Bedeutung. Er lasst dabei (S. 92) drei Moglichkeiten zu: (1) Dass es sich um eine typologische Parallele handele; (2) dass die Parallele als Resultat einer genetischen Verbindung bzw. (3) der Areal- und Substrat-Beziehungen anzusehen sei. Bei seinem konkreten Bei- spiel lehnt er die beiden ersten Moglichkeiten ah und zieht die dritte vor. Die Ablehnung der zweiten Moglichkeiten scheint methodologisch kaum berechtigt. 43 Slawisch-ossetische mythologische Gleichungen behandelt der Abschnitt mit der Uberschrift "Vostočnoslavjanskie božestva Rod.,,, Xo:r>s'r-, Sema:r>gZr," (S. 109-117). Auf S. llOf. leitet Abaev slaw. Rod11 etymologisch von dem Appelativum :r>od'"h "gens" her und vergleicht damit die ossetische Gottesbezeichnung Naf, die aus dem os set. Appelativum nafah- "gens" (iran. *nabh- "Nabel") hergeleitet wird. Er bemerkt dazu (S. 111): "Polnoe semantičes- 200 koe toždestvo slavjanskogo Rod~ i osetinskogo Naf pozvoljaet otnesti etu paru k čislu skifo-slavjanskix religiozno-tipologi- českix izogloss." Einer derartigen typologischen Parallele kann man nicht einmal im Rahmen der sprachlichen Fakten eine beweis- kraftige Geltung zugunsten der Annahme naherer sprachlicher Be- rilhrungen zuschreiben , destoweniger ist ein solches Verfahren bei dem mythologischen Material, das, wie es scheint, weniger 44 eindeutig ist als das sprachliche, zu empfehlen. Es folgt (S. lllf.) der Vergleich zwischen osset. WCEjyg/ WCEjug "Pfčrtner der Unterwelt" und apreuss. Wejopatis "der Herscher Vej" auf der einen und mit dem ukr. myth. Wesen Vij auf der anderen Seite. Ukr. Vij leitet Abaev (S. 113) von einem ursprilnglichen *vej her, das er weiter mit iran. Vayu- verbin- det. Er bemerkt dabei, dass keine iranische Entlehnung vorlie- gen kann, sondern ein gemeinindogermanisches ererbtes Wort an- zunehmen ist. Die vermutete engere Verbindung zwischen dem Slawischen und Iranischen begrilndet er folgendermassen (ibid.): "I esli my možem govoriti> zdes1> ob irano-slavjanskoj izoglosse, to eto potomu, čto funkcija boga smerti, kotoraja prisušča uk- rainskomu Viju, xarakterna dlja Vaya imenno na iranskoj počve, v avestijskom i osetinskom." Aus dem- Awesta filhrt er (S. 113f.) Aogamadaeča 77-81 an und folgert (S. 115) daraus: "V etom tekste 'Avesty' i povesti Gogolja vystupaet odin i tot že mifologičes­ kij obraz, zloveščij i strašnyj obraz neum.olimogo boga smerti. I eto sbližaet ukrainskogo Vija imenno s iranskim Vayu." Es. stellt sich aber die Frage, ob man bei der ererbten Basis, die auch Abaev anerkennt, eine solche Bedeutungsilbereinstimmung als eine gemeinsame Innovation deuten kann. Wenn man das nicht (wenigstens mit einer grčsseren Wahrscheinlichkeit) zeigen kann, darf die angefilhrte Gleichung nicht als gilltiger Beweis filr die Annahme iranisch-slawischer Sonderilbereinstimmungen angesehen werden. 46 Die slaw. Gottesbezeichnung Xor>s (Vasmer III 265 "Sonnen- gott", aruss. X'lr>s-;), die sonst auf aw. hvaPašaet-a.m, mpers. :x:var>š~t, npers. :x:'l:l.x>š?:d, :x:č5r>š~d "Sonne" hergelei tet wird, filhrt Abaev aus phonetischen Grilnden lieber auf osset. :x:ox>z/:x:war>z 201 "gut" (iran. *hvarzu-) zuriick. Er weist daraufhin, dass in der osset. Mythologie und Religion dieses Epitheton oft im Zusammen- hang mit einigen Gottesbezeichnungen gebraucht wird. Als Bei- spiel nennt er digor. xwarz Nikkola bzw. Nikkola xwarz. Aus die- sem Gebrauch schliesst er (S. 116): "Možno byt uverennym, čto do 'Dobrogo Nikoly' u osetin suščestvoval tože 'dobry' jazyčes­ kij bog. I vot etot-to stary alanskij bog, kotorogo zvali xorz "dobryj" i byl zaimstvovan v drevnerusskij, pričem epitet xorz byl vosprinjat kak sobstvennoe ime božestva." Vgl. auch Abaev, OJF I 597. Diese Etymologie scheint im Vergleich mit der vorigen besser begri.indet, besonders hinsichtlich der Phonetik, aber .auch hinsichtlich der Semantik. Von den bisher vorgeschlagenen ist sie vielleicht am ehesten annehmbar. 47 Anschliessend (S. 116f.) behandelt Abaev die russ. Gottes- bezeichnung Semargl~1 die schon Trever48 mit dem Iranischen, und zwar pers. Sinmur,r, aw. m-araro saeno *"Vogel Saina" zusammen- brachte. 49 Wegen des Vokalismus der russischen Bildung verbin- det sie Abaev lieber mit einer allerdings unbelegten skythischen Bildung *Senmar,r. Das auslautende -z~ im Russischen fasst er als sekundaren Zusatz auf, der ev. auf Kontamination mit dem bibli- schen Sim und Nergel beruhen konnte. Die vorgeschlagene Etymo- logie scheint zwar - ahnlich wie bei dem vorigen Beispiel - mog- lich, sie bleibt aber hypothetisch. Im letzten Kapitel seiner Abhandlung versucht Abaev die vorgelegten skythisch (bzw. ossetisch)-europaischen Isoglossen auch zeitlich zu bestimmen. 50 Dabei beri.ihrt er auch die Frage der sog. alteuropaischen Sprachgemeinschaft, die durch seine Annahme skythisch-europaischer Sonderi.ibereinstimmungen voraus- gesetzt wird (S. 127f.). 51 Es folgen ki.irzere Zusammenfassungen seiner Schli.isse i.iber die Verbindungen der Skythen mit einzelnen europaischen Sprachen. Die Beziehung der Skythen und Balten be- handelt er auf S. 133f. Da das Material, wie aus den Anfangska- piteln der Abhandlung ersichtlich, sehr beschrankt ist und des- wegen nicht besonders iiberzeugend wirkt, beugt Abaev moglichen diesbezi.iglichen Vorwi.irfen folgendermassen vor (S. 134): "Koli- čestvennye (statističeskie) pokazateli imejut značenie dlja 202 suždenija o dlitelbnosti i intensivnosti kontaktov. Dlja usta- novlenija že principialbnogo fakta sosedstva i vzaimodejstvija daže odin ediničny fakt imeet vpolne dostatočnuju silu, esli nikakie drugie predpoloženija, krome prjamogo kontakta, ne mo- gut bytb privedeny dlja ego obbjasnenija. I mne takže kažetsja, čto my imeem delo imenno s takim slučaem." Eine solche Stellung- nahme scheint nur in dem Falle berechtigt, dass die Isoglosse keine andere Erklarung zulasst (z. B. Entlehnung, die durch phonetische Charakteristika der behandelten Worter bestatigt wird, unter der Bedingung allerdings, dass kein Kulturwort vor- liegt) oder aber zugunsten deren auch noch nachweisbare ausser- sprachliche Fakten anzufilhren sind. 52 Es folgen (S. 134ff.) die zusarnrnenfassenden Feststellungen liber die skythisch-slawischen Beziehungen. Diesen Exclusiv-Iso- glossen schreibt Abaev grosse Bedeutung zu. Er beruft sich da- bei in erster Linie auf die schon genannten phonetischen und grammatischen Isoglossen, die aber offensichtlich nicht so klar und eindeutig sind, dass sie weitreichende Schlilsse in dem zit. Sinne zulassen wilrden. Eben sie deuten aber nach Abaev auf be- sonders nahe Beziehungen zwischen den beiden Sprachgruppen hin. Wegen der mčglichen, sogar wahrscheinlicheren Alternativerkla- rungen dieser "Isoglossen" scheinen jedoch die von Abaev vorge- brachten Schlilsse schwerlich berechtigt. Die slawisch-skythi- schen Beziehungen bestimmt Abaev (S. 135) mit der Zeitspanne von dem 4. Jh. n. Chr. (anscheinend: vor Chr.!) bis zu 11./12. Jh. n. Chr. Auf s. 136 datiert er den Anfang der iranisch-sla- wischen Beziehungen schon in die vorskythische Epoche, in die Zeit der indogermanischen Dialekte. Besonders diese frilhen Be- ziehungen sind aber von Standpunkt des Indogermanischen her schwer bestimmbar, weil sei eine Abgrenzung der einzelnen Stu- fen der indogermanischen Ursprache, wie sie aus den histori- schen Sprachen rekonstruierbar ist, fordern. In der Auffassung dieser Fragen gehen die Indogermanisten weit auseinander, inso- fern sie solche theoretischen Ausgangspunkte ilberhaupt explizit berilhren. Wenn aber die theoretischen Grundlagen (wenigstens im Sinne einer Arbeitshypothese) nicht moglichst prazis bestimmt 203 sind, hangen auch die Schlusse solcher Abhandlungen in der Luft. 53 In dem Kapitel "O xronologii palatalizacii" {S. 140) versucht Abaev etwas konkreter die Entstehung der sog. sky- thisch-europaischen Isoglossen zu bestimmen. Er setzt sie in die Mitte des 2. Jh. v. Chr., als die alte europaische Gemein- schaft noch als eine Einheit, obwohl in sich selbst schon stark differenziert, bestanden habe. In dieser Zeit sei noch der Fall, dass "vsja drevneevropejskaja jazykovaja obščnosto, vključaja baltijskie i slavjanskie jazyki, byla ešče 'kentumnoj'" {S. 141). Spater, als die Balten und die Slawen in naheren Kontakt mit den Skythen gekommen seien, hatten sich "v baltijskom i slavjanskom v porjadke novoj fonetičeskoj izoglossy; svjazyva- juščej k', g' v sootvetstvujuščie sibiljanty, balto-slavjanskie jazyki 'satemizirovaliso'" {ibid.). Im bezug darauf, dass die sog. Satemisierung - selbst nach der Meinung Abaevs 54 - in den einzelnen Sprachen unabhangig zustande gekommen sei, ist es schwer zu behaupten und noch schwieriger zu beweisen, dass der genannte Prozess im Baltischen und Slawischen bei der Beruhrung mit den Skythen bzw. unter dem Einfluss dieser entstanden sei. Eine solche Interpretation ist zwar nich ganz auszuschliessen, sie bleibt aber hypothetisch. Auf s. 142f. folgt eine kurze historische Information, nach welcher die Skythen den Ackerbau von den europaischen Volkern ubernommen hatten, und die Abaev mit einigen schon behandelten Isoglossen {z. B. aus dem Slawischen osset. xsyr-f "Sichel") er- lautert. Er verweist weiter {S. 143f.) auf einige archaologi- sche Daten, die die Feststellung der skythisch-westeuropaischen Verbindungen ermoglichten {S. 144, Anm. 45). Es folgen zuletzt {S. 144-147) noch einige theoretische Bemerkungen zur Areallinguistik. So stellt Abaev {S. 145) hin- sichtlich des Ossetischen fest, dass man neben den ererbten und entlehnten wortern noch zwei Kategorien berucksichtigen muss: die Substrat- und die Areal-Lexik. Den Begriff "Areal- -Isoglosse" definiert er {S. 145f.) folgendermassem: "Pod are- albnymi ponimajutsja obyčno takie izoglossy, kotorye ne vozvo- dimy k edinemu prajazyku i voznikali v posleprajazyčnyj period 204 na počve istoričeski skladyvavšixsja territorialhnyx obščnos­ tej .1155 Die Kategorie der "Areal-Lexik" bleibt semit noch immer unerklart, wenigstens hinsichtlich der Herkunft bzw. der Ent- stehung solcher Wčrter und deren weiterer morphologischer Ana- lyse, wie sie in der historischen Sprachwissenschaft gefordert wird. Eine solche Wortkategorie setzt eine besonders nahe Be- ziehung zwischen den miteinander in Kontakt stehenden Sprachen voraus. In diesem Rahmen waren einige Beispiele in der Tat nur dann verstandlich, wenn man mit Bilinguismus rechnen kčnnte. Einen solchen Status flir die baltoslawisch-iranischen Sprachbe- ziehungen anzunehmen scheint mir gewagt und unbeweisbar. In seiner Studie "Iz slavjano-iranskix leksičeskix otnoše- nij", Etimologija (1965), Moskva 1967, S. 3-81, stellt o. N. TRUBAČEV einflihrend den heutigen Stand der Literatur zum Prob- lem dar und versucht zu einigen grundlegenden Fragen kritisch Stellung zu nehmen. In diesem Rahmen fallt besonders die Prob- lematik des sag. monolitischen Slawischen auf. 56 Im Gegensatz zu dieser liblichen Auffassung steht Trubačev auf dem Standpunkt, dass man vam dialektisch gegliederten Urslawischen ausgehen muss und dass man den lokalen Charakter vieler slawisch-irani- scher Wortgleichungen beweisen kann (S. 4). Diese These, die den roten Faden der ganzen Abhandlung vorstellt, wird explizite 57 .. an mehreren Stellen formuliert. Ahnliche Forderungen stellt er auch flir das iranische Material, wo man, seiner Meinung nach, das Awestische liberprlifen mlisste, besonders bezliglich der Daten, die in den ostiranischen Sprachen zur Verfligung stehen (S. 9). Hinsichtlich der chronologischen Bestimmung der sla- wisch-iranischen lexikalischen Beziehungen nimmt Trubačev an (S. 10), dass sie zwar verhaltnismassig alt seien, jedoch jlin- ger als z. B. die iranisch-ugrofinischen, iranisch-germanischen und iranisch-baltischen, begrlindet aber seine These nicht wei- ter. Anschliessend befasst sich Trubačev in seiner Abhandlung eingehender mit den baltisch-iranischen Sprachbeziehungen (S. 12ff.). Er widersetzt sich entschieden der Meinung Porzgis, dass wir in diesem Rahmen nur von erhaltenen Archaismen in den Rand- 205 gebieten sprechen kčnnen. Er filhrt zur Bestatigung seiner The- se: " .•• eto celyj rjad razroznennyx balto-iranskix etimologi- českix sbliženij, kotorye sami po sebe nedvusmyslenno ukazyva- jut na naličie specifičeskoj balto-iranskoj svjazi v slovoobra- zovanii, leksike, terminologii, na suščestvovanie neosporimyx odnostoronnix zaimstvovanij narjadu s etim (kak pravilo - iz iranskogo v baltskij)" (S. 12) Beispiele an, die aber nicht analysiert werden und demnach neu zu ilberprilfen waren. Auf s. 12 zahlt er die vermuteten baltisch-iranischen Iso- glossen auf: iran. maiz- "saen" : lit. mielfs, lett. m~ezis "Gerste"; iran. dana "Korn" (auch ai. dhana) : lit. duona "Brot"; aw. ai. yava- "Korn" : lit. java1: "Getreide'' (Trubačev verweist darauf, dass bei dieser Gleichung auch Belege aus an- deren Sprachen, z. B. aus Griechischem, dazukommen); aw. xšvid- "Milch" : lit. sv-Cestas "Butter"; osset. bcelon "Taube" : lit. balandis, lett. balu8dis "Taube"; npers. kabutar "Taube" (auch in den ostiranischen Sprachen gut bezeugt) : apreuss. ketauris "Taube"; sogd. čakt, pahl. čakat "Stirn" : lit. kakta "Stirn". Die Forscher, die diese Gleichungen vorlegten, haben, der Mei- nung Trubačevs nach, daraus nicht die adaquaten Kosequenzen ge- zogen. Er verweist darauf, dass im Bereich des Flusses Sejm so- wohl iranische (Osmon6, Kamennaja Osmon6ka usw.) als auch bal- tische Flussnamen (Obesta, Kleven6 usw.) vorkommen. Gegen Nor- den, im Tal des Flusses Desna kommt der Flussname Lopanka vor, dass als eine Lehnilbersetzung zum iranischen Ropša und slawi- schen Lisička zu stellen sei. 58 Anhand dieser Beispiele schliesst Trubačev (S. 13) auf unmittelbare baltisch-iranische Kontakte, die, wenn die genannte Flussnamen-Bezeichnung rich- tig gedeutet ist, auch sehr genau lokalisierbar waren. Bevor wir zu den weiteren baltisch-iranischen Gleichungen, die Truba- čev vorlegt, ilbergehen, sollen die bereits angefilhrten Wort- gleichungen kritisch besprochen werden. Dazu gehoren: l. Iran. maiz- "saen" : lit. mielps, lett. m~ezis "Gerste". Die Gleichung ist problematisch, weil die beiden Seiten nicht genug klar sind. Filr die iranische Seite filhrt Bartholomae S. 1108f. gaw. maez- "hegen", Pras. 3 m'iza- "sorglich pflegen (das 206 Rind)" an (< indoir. *smair-> und vergleicht mhd. smeiehen "schon tun". Anscheinend ist wenigstens fiir das Altiranische die Bedeutung "saen" nicht zuverlassig zu bestiromen. Fraenkel, LEW 451, zitiert zahlreiche Nominalerweiterungen auf der bal- tischen Seite, so z. B. neben den schon Erwahnten lett. maize "Brat", apreuss. moasis "Gerste", eine etymologische Deutung ist jedoch nicht gegeben. Angesichts der problematischen Bedeu- tungsbestiromung des iranischen Wortes und der etymologischen Undurchsichtigkeit der Belege scheint derzeit nicht angemessen, weitreichende Schliisse zu ziehen. Pokorny fiihrt die genannten Bildungen nicht an und hat offenbar.auch keine entsprechende Wurzel, ven der sie befriedigend herzuleiten waren. 59 2. Iran. dana "Kern", aind. dhana "dass." : lit. duona "Brat". Bartholomae 734 zitiert das jav. Kompositum dano.karš- " (Getreide)korner (ver)schleppend, Bezeichnung einer Ameisen- art". Mayrhofer II 98 fiihrt neben den schon genannten noch mit- tel- und neuiranische Bildungen (so z. B. khotansak. dana f. "Getreide, Kern", sogd. S„n "Getreidekorn", mpers. dčinak, npers. dana "Kern") und toch. tano "Kern, Samenkorn, Getreide" an und bemerkt, dass das Etymon in der Bedeutung "Getreide(korn)" un- verlasslich bleibt. Das toch. Wort konnte zwar aus dem Indi- schen oder Iranischen entlehnt worden sein, notwendig ist das aber nicht. Ven Windekens, Le Tokharien I 497, fiihrt als ver- haltnismassig wahrscheinlich toch. B tano unmittelbar auf idg. *dhona zuriick, wofiir auch B -tane im ynaiketane spreche. In dem Falle wi.irde es sich nicht um eine iranisch-baltische Parallele (das ist schon wegen altindischen Beleges unmčglich) handeln, vielmehr hatten wir es mit einem Kulturwort, das auf einem breiteren Gebiet vertreten ist, zu tun. Fraenkel 111 fiihrt auf der baltischen Seite lit. duona "Brat" und lett. duona "Schnitt- brot, bes. Brotende" an. Vgl. noch Duchesne-Guillemin, BSL 41, S. 180 und Fraenkel, Balt. Sprachen 36. 3. Aind. yava- "Kern" : lit. java?: Pl. "Getreide". Fiir die Annahme, dass es sich in diesem Falle um eine altindisch-balti- sche Isoglosse (Trubačev fiihrt nicht einmal die iranischen Bil- dungen an) handele, scheint es keinen zwingenden Grund zu geben. 207 Pokorny 512 rekonstruiert idg. *yezvo- "Getreide, vor allem Gerste" mit den folgenden Vertretungen in den einzelnen Spra- chen: aind. yava- m. "Getreide, Gerste", aw. yava- m. "Getrei- de", npers. Jav, Jo "Gerste", lit. javas m. "Getreideart", hom. att. zeiat f. Pl. "Spelt". Mayrhofer III 3f. fiigt als eine wahrscheinlich urverwandte Parallele noch heth. eua- "eine Feldfrucht und das daraus bereitete Gericht" hinzu. Vgl. noch Frisk, GEW I 608. Es handelt sich offensichtlich um ein sog. Kulturwort mit einer weiteren Vertretung. Vgl.- noch Porzig, Gliederung 169. 4. Aw. :x:švid- "Milch" : lit. sv{estas "Butter". Bartholo- mae 562 filhrt keine etymologische Deutung an. Fraenkel 953 ver- bindet lit. svfestas "Butter", lett. svi@sts, svlests "dass." mit lit. sv{esti "werfen usw.". Vgl. Fraenkel, Balt. Spr. 36f. Pokorny (S~ 1043) rekonstruiert eine Wurzel *sweid- "Milch", wo er (mit Fragezeichen) die aw. und balt. Formen anfiihrt, wenn sie nicht eher, wie er selbst vorsichtig vorschlagt, zu *sw~(i)-, *sweid- "biegen, drehen, schwingen" (S. 104lf.) zu stellen sind. 60 Wenn die beiden Bildungen zusammengehoren, konnte es sich wohl um ererbte Worter handeln. Eine gemeinsame Bedeutungs- innovation bzw. Bedeutungsbeschrankung ware zwar moglich, ist aber nicht beweisbar. 5. Osset. bceZon "Taube" : lit. baZandis, lett. baZu8dis "dass.". Nach Abaev, IES I 249, handele es sich um ein idg. Wort, das auf einem beschrankten Gebiet belegt ist. Osset. bce- Zon ware sekundar anstatt bceron. Seiner Interpretation nach wa- re die ursprilngliche Bedeutung wahrscheinlich "Voglein" und demnach vergleicht er die Sippe vom aind. baZa- "Kind", baZaka- "Kind, Tier-junge" usw. Im Zusammenhang mit dem Bedeutungswech- sel "Kind" -+ "Taube" verweist er auf aind. baZagra- "Tauben- fleisch" : baZa- "Kind". Wenn wirklich ein solcher Bedeutungs- wandel vorlage und die Verbindung mit aind. baZa- einleuchtend ware, wilrde es sich um die Wurzel *beZ- "stark" (Pokorny 96) handeln. 61 Lit. baZandis und lett. baZu8dis werden allerdings von der Wurzel *bheZ(-aJ- "glanzend, weiss" hergeleitet und hin- sichtlich des Suffixes mit slaw. *oZbgd "Schwan" vergleichen 208 (vgl. z. B. Skok II 256). In dem Falle aber, dass sowohl die esset. als auch die balt. Bildung auf *bhel(a)- zurlickzuflihren waren, wlirde sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ererbte Bil- dungen handeln, obwohl der verhaltnismassig einfache Bedeutungs- libergang auch unabhangig auf beiden Seiten zustandegekemmen sein konnte. 6. Npers. kabutar "Taube" {auch in den estiranischen Spra- chen vertreten) : apreuss. ketauris "Taube". Nicht klar. 62 7. Segd. čakt, pahl. čak~t "Stirn" : lit. kakta "dass.". Etymelegisch unklar. Fraenkel 206 flihrt bei lit. kakta die bisherigen Deutungsversuche ("" lat. conquiniscere "sich nie- derblicken"). Man kčnnte vielleicht ven der Wurzel *keg, *keng- bzw. *kek-, *kenk- "Pfleck z.um Aufhangen, Haken, Henkel" und auch "spitz sein" (Pekerny 537f.) ausgehen und die letztgenann- te Bedeutung als die ursprlingliche annehmen. Die Bedeutungsver- bindung "Spitze" - "Stirn" zeigt z. B. auch die Wurzel *kel( "Tag", sogd. my-J., yidgha-m. m~x, yaghn. met, meif., šughn. m~J, sangl. mei "Tag", osset. met, m'it "Schnee", 63 alle aus iran. *mai?ya- (< idg. *me-t-y-o-), Wci'rrend er die balt. Bildungen von idg. *me-t-o- (sic!) "s blizkimi for- mantami ot edinogo i.-e. *m~- 'merith'" herleitet. Was die for- male Seite der zit. Gleichung anbetrifft, muss man zweierlei betonen: l. Die beiden Urformen sind nicht identisch, sind aber mit verwandten Wortbildungsverfaren gebildet (Thematisierung); 2. Idg. *me-ti- und *me-to- bzw. *m-e-t-o- (vgl. gr. metron usw. Pokorny 703) stellen produktive Wortbildungen dar und setzen keine spezifischen Entwicklungsstufen im Baltischen bzw. Iranischen voraus. Die Bedeutungsseite ist, wie es scheint, eher gunstig, obwohl man auch hier mit einer unabhangigen, pa- rallelen Entwickl~ng und einem verhaltnismassig einfachen Be- deutungswandel rechnen kann; vg l. z. B. alb. mo t "Jahr, Wet- ter", got. me Z n. "Zeit", ags. mcel "Mass, Zeitpunkt, Mahlzeit", ahd. mal "Zeitpunkt, Mahlzeit" usw. Allerdings muss man auch bei der formalen Seite der Gleichung die Existenz der albani- schen Bildung berucksichtigen. Es scheint besser, bei der ge- nannten Gleichung das Vorhandsein eines sog. "passiven Sprach- bundes" (was in der Tat vielleicht eine bedingte Beibehaltung eines Archaismus bedeutet) anzunehmen als mit einer gemeinsa- men baltisch-iranischen Neuerung zu rechnen. Wegen der albani- 210 schen Bildung ist vielleicht nicht einmal eine solche Deutung berechtigt. Vgl. Fraenkel, LEW 445 und Pokorny 703. 2. Lit. pietus "Mahlzeit, Mittag" ~ aw. pi.J'wa- "Nahrung, Speise", sangl. p11Jf "Fleisch", osset. fyd "Fleisch" < iran. *pitu-, wozu auch aind. pitu- "Nahrung, Speise" zu stellen ist. Trubačev vergleicht weiter auch aksl. pitati, .piteti, pišta. Baltisches *peitu- und indoiranisches *pitu- seien als u-Bil- dungen enger verbunden. Man muss aber bemerken, dass die u-Ba- sis nicht auf das Baltische und Indoiranische beschrankt ist, sondern z. B. auch im Keltischen vorkommt. Pokorny 794 filhrt in diesem Zusammenhang folgendes an: air. ith "(*Nahrung), Korn, Getreide", acymr. it, ncymr. yd (< mir. i-th "Talg" (< *pitu-) und aus mir. i-ath n. "(fette) Wiese, Land". *pitu-) "dass."; weiter der Vollstufe *pei-tu- noch Vgl. noch Mayrhofer II 278. 3. Lit. pZ6nas ""dilnn", und noch besonders lett. pZ8.ns "eben, flach", pZans "von Lehm festgeschlagene oder steinerne Diele", apreuss. pZonis "Tenne" sollten, der Meinung Trubačevs nach, eng mit den folgenden ostiranischen (pamir.) Wortern zu- sammengehoren: sangl.-iškaš. f:r>un "Diele, Brett", wahI :r>iJ..n usw., das er auf iran. f:r>ana- (< *pZano-) zurilckfilhrt. Es liegt of- fensichtlich eine idg. Bildung *pZa-no- vor, die aber nicht auf das Baltische und Iranische beschrankt ist, sondern auch z. B. in lat. pZanus "platt, eben, flach" usw. vorkommt. Vgl. Pokorny 806 und Fraenkel 628f. Es ist nicht ersichtlich, in welchem Punkt Trubačev engere Zusammengehorigkeit der baltischen und ostiranischen Bildungen findet. " 4. Lit. i6Zti "frieren, gefrieren", lett. saZt "dass." ver- bindet Trubačev als eng verwandt mit osset. sc.eZyn "gefrieren, frieren", saZd "Kalte, Frost" und mit aw. sa:r>ata-, npers. sa:r>d "kalt, kilhl". Fraenkel 960f. filhrt als verwandte Formen auch aruss. sZota "Schlack-, Unwetter" und versehentlich noch aisl. keZda (:kaZd:r> "kalt") "Quelle, Brunnen, Sumpf" an, wo aber of- fenbar ein *g- vorliegt. Die iranischen und baltischen Formen stellen keine gemeinsame Neuerung, sondern bestenfalls einen isolierten Archaismus dar, was aber ebenfalls bedenklich ist, da die Wurzel auch im Germanischen vorkommt (vgl. Pokorny 55lf.: 211 z. B. ndl. haZ n. "gefrorener Boden"). 64 Dazu sind neue Anga- ben, die Benveniste, Etudes sur la langue ossete, s. 71, bringt, von grosser Bedeutung. Er schreibt: "L'adjectif iranien sarta- 'froid, gele' {aw. sar'ilta-, sogd. srt, pers. sard, pš. sor etc.) a toute l'apparence d'un adjectif verbal en -ta; mais la racine, qui serait *sar-, n'a pas encore ete reconnue en iranien. Or le lituanien a non seulement l'adjectif šaZtas 'froid, gele' qui recouvre exactement ir. sarta-, mais aussi le verbe šaZti 'ge- ler' dont šaZtas est le participe. Il est done usuel, en etymo- logie indo-europeenne, de poser une racine *keZ-, garantie par lit. šaZ-ti, et un adjectif verbal *keZ-to-, d'apres lit. šaZtas, av. sar-ata-, etc. Mais personne {meme parmi le iranistes) ne semble avoir remarque que l'ossete possede a la fois le verbe et l'adjectif: S$Z-ln 'geler': saZd 'gele', c'est-a-dire ir. *saZ-: saZ-ta-. Le fait est meme deux fois interessant: nous avans ici un Z ossete qui continue un Z indoeuropeen; et un ra- dical oss. swZ- qui represente i.e. *keZ- au meme titre que lit. ša z-. On voi t done que le couple os s. sw Z: sa Zd et aussi pro- bant et doit etre mis au meme plan que lit. šaZ-: šaZtas pour la restitution de i.e. *keZ-: *keZto-. Au point de vue iranien le verbe ossete swZ- nous donne directement le radical verbal sar- dont dependent av. sar~ta- et les formes apparentees, et que jusqu'ici il fallait deduire de composes ou derives tels que av. sar'ilifoa- 'qui g~le', sarasti- 'frigidite, fievre froide', m.parthe. vi-sar-, wakhi waser 'refroidir', pers. asfurde 'refroidi'." Das Fakturo, das Benveniste hier darstellt, die Abwesenheit einer ar- chaischen Bildung in den alten iranischen Sprachen und deren Vorkommen in einer modernen - konkret der ossetischen - Sprache, erhellt seinerseits die Situation, die fiir viele idg. Rekonstruk- tionen kennzeichend ist: wie schwierig und oft problematisch das Auseinanderhalten der Archaismen und Innovationen ist, da die Vertretung bzw. Nicht-Vertretung einer bestimmten Bildung in einer Sprache von verschiedenen, meistens unvorhersagbaren Fak- toren, die ilblicherweise als "Zufall" bezeichnet werden, ab- hangt. Hinsichtlich der Rekonstruktionen stellen sich zwei Fra- gen: l. Wie kann man die Vollstufe des Wurzelvokalismus erkla- 212 ren, wenn ein urspriingliches Partizip vorliegt, und 2. ob man dieselbe Ablautstufe filr die awestische und litauische Bildung annehmen kann. Weist die litauische Intonation im Infinitiv und dem entsprechend (wenn ein altes Partizip vorliegt) šaltas auf eine alte langvokalische Basis hin? Wie ist dann das aw. -a- .im diesem Konte.xt zu deuten? Beziig.lich der ersten Frage wird norma- lerweise fur das Partizip Schwundstuf e der Wurzel und akzentu- iertes Suffix -t6- angenornmen. Diejenigen Bildungen aber, die nicht in das Verbalsystern eingegliedert sind, konnen verschie- dene Anwendungsmoglichkeiten der Ablautsstufe des Wurzelvokals 65 gehabt haben. Was aber die ev. Annahrn~ einer langvokalischen Basis anbelangt, soll auf die bekannte Tatsache, dass die aw. Form sarata- ein anaptyktisches -a- enthalt, 66 und ein Laryngal in dieser Stellung schwinden wurde, hingewiesen werden. 67 Zu lit. Akut in der zit. Stellung vgl. Stang, Vergl. Grarnm. der balt. Sprachen auf mehreren Stellen. 68 Fraenkel 961 geht von einer leichten Basis aus. 69 5. Lit. aliotis "Rasereien, Unsinn machen", lett. al"$ti"$s "sich unruhig gebarden, larrnen, toben", a~a "Kapriolenrnacher, unsinniger Mensch, Durnrnkopf" sei nach Trubačev arn nachsten mit aw. ara-, sogd. r' k (< *araka- "wild, verruckt, dumrn"), osset. mrra "verruckt, wahnsinnig" zusarnmenzubringen. Pokorny 29 fuhrt die balt. Bildungen auf eine lautnachahrnende Wurzel *ala- usw. "hallo!", die auch im_Griechischen und Slawischen vorkornmt, zu- ruck. Er verzeichnet abe_r keine entsprechenden iranischen Bil- dungen. Auch Bartholomae 185 deutet keine Etymologie-Moglich- kei t an. Vgl. auch Fraenkel 7. Unklar. 6. Weiter (S. 14f.) verbindet Trubačev lit. š~das "Dreck, Mist, excrementum", lett. suds "Mist, Diinger, Exkremente, Dreck, Unflat, Eiter" (neben den gr. gloss. hyskytha" hyos aph6deurna, kythn6n" sperma Hes.) mit aw. :x:šudra- "semen" und leitet beides aus idg. *k'sud(hJ-/*k'sud(h)- her. Fraenkel 1030 bezeichnet die Etymologie als unklar, die wahrscheilichste scheint ihrn die AnknUpfung an die zit. gr. Bildungen zu sein. Pokorny 627 ver- v zeichnet eine Wurzel *k'udh- "Mist, Kott"?? mit den zit. gr. und balt. Belegen. Es ist nicht ganz klar, welche Bedeutung bei 213 jaw. xšudra-, xšudra- als die ursprUngliche anzusetzen ist. Bartholomae 555 fUhrt folgende Bedeutungen an: l. "flUssig"; 2. n. "FlUssigkeit" usw.; a) alkoholische, 'Wein\', b) "Samen- flussigkeit, semen virile"~ Als offenbar aus derselben Wurzel erweiterte Bildung fUhrt er ibid. noch g. und jaw. xšusta- "fliissig, spez. breifliissig"; a) vom Lehm, sva. "aufgeweicht11 ; b) vom Metall (Eisen), sva. "geschmolzen" an. Schwer deutbar. 70 Wenn auch die zit. Hes. Glosse dazugehort, kann es sich aller- dings nicht um eine baltisch-iranische Sonderilbereinstimmung handeln. 7. Auf s. 15 vergleicht Trubačev lil:. kušys, lett. kuse, kusis "Schamhaar, weibliche Scham" mit npers. kus "·weibliche Scham" _, aind. kuk<](- "Darm". Mayrhofer I 21·9 filhrt die aind. Bildung auf *quk'-si- zuriick und vergleicht sie vorsichtig mit lit. kušys (quk'si-?). Pokorny 953 verzeichnet unter den k'-Er- weiterungen der Wurzel *(s)keu-, *(s)keu~-, *(s)ku- "bedecken, umhiillen" aind. kuk<]i- m. "Bauch, Mutterleib, Hohlung", npers. kus urid die angefilhrten baltischen Bildungen, die er auf. *kuki- bzw. *kuksi- zurUckfUhrt. Mit einem anderen.Formans ist, seiner Meinung nach, gr. kysthos "weibliche Scham" gebildet. In diesem Falle liegt, wie es scheint, eine gewisse baltisch-iranische Parallele vor, der aber keine zu grosse Bedeutung zuzuschreiben ist. Vgl. zur baltischen Vertretung noch Fraenkel 321. 8. Auf S. 15ff. behandelt Trubačev eine westbaltisch-ost- iranische Isoglosse fUr den Begriff "Abend". Das Altpreussische bezeugt namlich eine Bildung bi.ta-i "abends" (im Gegensatz zu anderen baltischen Sprachen: lit. vakaras, lett. vakars), die eine erstarrte Dativform von apreuss. *b'itan n. "Abend" vor- stellt. Die etymologische Deutung ist alt: *ab-i.-ta- mit lat. ob-i-tus (sollis) "Sonnenuntergang" usw. zu vergleichen (S. 16). 71 Trubačev (ibid.) verweist in diesem Zusammenhang beson- ders auf die Verbindung mit ostiran. *abi-ayara- (in: man. sogd. Ay'ryy, ./Jy'r'k "Abend", choresm. biyari "dass.", yagh. vty6ra "dass.", šugh. biyor "gestern", parači wyar "Nacht"). Im Irani- schen sei die Bezeichnung fiir "Abend" in erster Linie zu der Bezeichnung fiir "Tag" (vgl. z. B. aw. ayar, osset. izalr), 214 die ebenfalls aus der Wurzel *ei- herzuleiten ist, zu stellen. Von derselben Wurzel mit demselben Suffix ist z. B. auch d. Jahr gebildet (S. 16f.). Als Argument filr die Annahme einer apreuss.- -ostiran. Sonderubereinstimmung fuhrt Trubačev (S. 17) folgendes an: "obščee dlja drevneprusskogo i iranskega nazvanija večera oformlenie etogo kornja *~-/*ei- v dannom terminologičeskom upo- treblenii pristavkoj *ab(iJ-, a takže ne menee krasnorečivaja obščnostb upominjavšegosja vyše otsutstvija i.-e. *wesper-/*we- ker- "Abend" kak raz v časti baltijskix (drevneprusskij) i iran- skix (kuda primykaet v etom poslednom otnošenii takže germanskij s ego opjath-taki otličnymi nazvanijami večera *abanda-/*abana-) sostavljajut svoeobrazynj, xotja i neskolbko problematičnyj, bal- to-iranskij leksiko-slovoobrazovatelbnyj parallelizm. Opisannaja parallelb baltijskogo i iranskega otnositsja k leksiko-semanti- českoj gruppe oboznačenij vremeni, kak i nazvannaja nami neskolb- ko vyše para lit. metas (ltš. mets) : ir. *ma:.J.ya-. II Anhand (ver- mutlicher) Ubereinstimmungen und gemeinsamer Neubildungen auf dem Gebiet der Lexik (bzw. teilweise spezialer Terminologie) und Wortbildung nimmt Trubačev (S. 17) Kontakte der altbaltischen Dialekte (bzw. ven Teilen derselben) mit den altiranischen Dia- lekten (bzw. den ostlichen Teil derselben) an. Diese Annahme sollen auch die Entlehnungen, die er im Weiteren behandelt, be- statigen. Seine Behauptungen werden jedoch weder historisch noch chronologisch genauer bestimmt. Das ware jedenfalls aus mehreren Grilnden erforderlich. Denn, insofern es sich nicht um Erschei- nungen handelt, die schon auf die Ursprache (ev. aus der Zeit der schon dialektisch differenzierten Ursprache) zurilckzufilhren sind, mfissen die angenommenen Kontakte zwischen den einzelnen Sprachen sowohl geographisch als auch zeitlich definiert, die damals erreichte Entwicklungsstufe der verglichenen Sprachen (wenigstens hypothetisch) bestimmt werden. Wenn das nicht der Fall ist, bleibt auch die formale Rekonstruktion der angenomme- nen gemeinsamen Innovationen usw. in der Luft hangen. Die Zuver- lassigkeit der getroffenen Feststellungen ist semit ohne histo- risch ilberprilfbaren Hintergrund sehr fraglich. Bei der Erforschung der iranischen Entlehnungen ins Balti- 215 sche betont Trubačev, dass die Arbeit auf diesem Gebiet noch in den Anfangen steht. In der Fortsetzung (S. 17ff.) angefuhrte zu- sammenstellungen stammen ven Trubačev, alt ist die Deutung des lit. vanagas, lett. vanags "Habicht11 • l. Als die erste iranische Entlehnung ins Baltische behan- delt Trubačev (S. 17f.) lit. namas, Pl. nama1: "Haus, Wohnung", lett. nams "aus geraden Stangen zusammengestellte kegelformige Sommerkuche, rnittlerer Teil des Wohnhauses, der Kuche, Vorbau in der Badestube, Hutte, Haus" (Bedeutungen nach Fraenkel 482), das er zu iran. *nam- ("-' aw. nmana- neben d'i!m?J.na- "Wohnung, Heim") stellt. Trubačev verweist weiter auf žern. numa?: "Haus", das die Stufe *n'i!m-, die gleichzeitig auch die Vorstufe des aw. nmana- ware, wiedergebe. Wegen der besonderen aw. Orthographie und der Variante a > 'i! ver Nasal schlagt er (S. 18) als mogliche iranische Urform *nam-, eine dialektische Variante des zu er- wartenden *dam-, ver. Der litauische Vokalisrnus konnte, seiner Meinung nach, lokalen, sekundaren Ursprungs sein. Da aber die zitierten baltischen Bildungen aus der gut bezeugten Basis *do- mo- bzw. *damo- (einer Thematisierung zum *d~m-, *dm-, *dm-) mit o dem Wechsel d-> -n in bestimmten Stellungen (vgl. Fraenkel 483 und Pokorny 198f.) unmittelbar erklarbar sind, scheint die An- nalli~e einer iranischen Entlehnung und damit verbundenem sekun- darern Vokalismus irn Litauischen, uberflussig. Die iranische Ur- form ist aller Wahrscheinlichkeit nach *dmana-, was die Glaub- wurdigkeit der ven Trubačev vorgeschlagenen Deutung zusatzlich rnindert. 2. Lit. spindeti "glanzen, strahlen, glitzern, funkeln, leuchten", spinda "Glanz, heller Schein", spind~s "strahlend, glanzerid", lett. sptdat "glanzen, scheinen, leuchten", sptda "Lichtschein"; weiter lit. spinta "Glanz, Schein", spitras "schwachsichtig, mit schwachen Augen, blind, dial. kurzsichtig", spi treti "muhsam sehen kčnnen", spytreti "schwache Augen bekom- rnen, dial. kurzsichtig werden; mit Anstrengung beobachten, an- sehen" (Bedeutungsangaben nach Fraenkel 870, 875) weise nach Trubačev (S. 18) eine Basis *spit-/*spid-/*spitr- auf, die un- mittelbar aus einer iranischen Grundlage mit der Bedeutung 216 "leuchten, Licht, Helle" ("" jaw. spita- "weiss", apers. spiifra- "hell") entlehnt ware. Somit ware, nach Trubačev, balt. *spit-, *spitr- eindeutig aus dem Iranischen erklarbar, wahrend die re- gularen baltischen Bildungen von derselben Wurzel švisti, švin- tu "dammern, hell werden", šviesti, švieaiu "leuchten, beleuch- ten", švaityti; švitrus, švytrus "flimmernd, glanzend" (Fraen- kel 1046: "blinkend, blitzend, glanzend; schnell, flink, leb- haft") lauteten. Beziiglich der phonetischen Seite scheint die Annahme einer iranischen Entlehnung im ersten Falle moglich, wenn allerdings nicht zwei unabhangige, d. h. von zwei verschie- denen Wurzeln gebildete Formen vorliegen. Der Meinung Trubačevs nach sind *spit-, *spitr- die archaischeren Basen, wahrend die Basis *spid- jiinger ware und die schon mitteliranische Vertre- tung -d- < -t- zwischen Vokalen aufweise. Zu den Bedeutungsver- haltnissen bemerkt Trubačev, dass auch die Bedeutung "kurzsich- tig, schwachsichtig" mit "leuchten, glanzen, flimmern" verein- bar ist und sekundaren Ursprungs sein kann. Er weist auf das Paar švitrus/švytrus "flimmernd, glanzend": sp1::tras "schwach- sichtig, kurzsichtig" hin, wo die beiden Bildungen von dersel- ben Basis und nach demselben Wortbildungsverfahren vorgenommen sind und sich (diachron gesehen) in der Bedeutung nahe stehen. Dennoch sei die erste (švitrus) urspriinglich baltisch, die zwei- te (spitras) aber aus dem Iranischen entlehnt. 72 Bezllglich des Ursprungs zahlreicher von spind- gebildeter balt. Ableitungen meint Trubačev (S. 19), dass sie oft sekundaren Ursprungs mit infigiertem -n- sind, teilweise aber auch andere Entstehungsmog- lichkei ten (z. B. spingiti, spingti) haben. Falls die behandel- ten baltischen und iranischen Formen wirklich zusammengehoren, dann ware es angebracht, wegen des baltischen sp- mit einer Ent- lehnung zu rechnen. Es bleibt aber fraglich, ob man einem Lehn- wort eine verhaltnismassig grosse Bedeutungsentwicklung zu- schreiben kann. Vielleicht konnten sich die sekundaren Bedeu- tungsnuancen erst in Opposition zu dem schon genannten Adj. švitrus/švytrus entwickelt haben. Oder konnte man nur mit einer phonetischen Anlehnung rechnen? (Vgl. noch Pokorny 984, Fraen- kel 870f. und 875.) Trubačev gibt nich genauer an, auf welchem 217 Wege die altiranische Bildung ins Baltische entlehnt worden . 73 sei. 3. Bei der Behandlung lit. manta "Vermogen, Gut" (S. 19f.) verweist Trubačev auf die - seiner Meinung nach - unzweifelhaf- te Verbindung mit zahlreichen lit. Personennamen wie Nor-mantas, Dau(g)-mantas, Vil-mantas, Algi-mantas. Er lasst die Moglich- keit zu, dass ein Teil derartiger Bildungen spat, schon aufgrunc des Appelativums manta zustande gekommen sei. Nach Trubačev wa- re das Appelativum als Sublimation des ursprilnglichen zweiten Teils des Komposita auf -manta- mit der Bedeutung "etwas habend, Macht liber etwas habend" zu erklaren. Als Beispiel filhrt er das Verhaltnis Algi-mantas : alga "Lohn, Sold" an. Er stellt eine These auf von der Isofunktionalitat der Komponente -manta- in alten litauischen Namen einerseits und des Suffixes bzw. Formans -manta- in iranischen Adjektivbildungen, wie z. B. jaw. gaomant- "mit Rindern versehen" (rv aind. gomant-), fšumant- "Vieh be- sitzend" andererseits. Er erwahnt auch die Variante -vant- (z. B. jaw. haoma-vant- = aind. s6ma-vant- "Soma enthaltend, mit Soma gemischt" (Mayrhofer III 505: "von Soma begleitet") und rekon- struiert ein Sekundarsuffix -mant-/-vant- "damit versehen, was die Grundform ausdrilckt". Das Suffix und Wortbildunsmuster sei demnach ins Baltische aus dem Iranischen entlehnt worden. Fraen- kel 408 zitiert neben lit. manta "Habe, Besitz, Schatz, Eigentum, Vermogen, Kram, Plunder, Gebrauch, Nutzen" auch lett. manta "Hab und Gut, Schatz, Erbe" mit der Bemerkung "aus dem das lit., hauptsachlich im žem. belegte Wort wohl ilbernommen ist". Wie aus der bei Fraenkel zitierten Literatur ersichtlich ist, sind die bisherigen etymologischen Deutungversuche unbefriedigend. Trotz allem scheint die von Trubačev vorgeschlagene These wenig wahrscheinlich. Das Suffix *-ment- ist offensichtlich zwar nur im Indoiranischen produktiv (vgl. Brugmann II/l, S. 465), was aber noch nicht bedeutet, das es niemals auch in anderen Spra- chen bekannt gewesen ware. Wenn es sich um eine Entlehnung aus dem Iranischen in der angefilhrten Weise handeln wilrde, milssten die zitierten Namen im Litauischen bzw. Lettischen synchron noch so durchsichtig gewesen sein, dass sich (der Deutung Trubačevs 218 folgend) das Appelativum manta daraus verselbstandigen haben konnte. Und das scheint kaum glaublich. Den Abschnitt liber die baltisch-iranischen Beziehungen schliesst Trubačev (S. 20) mit der Bemerkung, dass seiner Unter- suchung zwar noch weitere folgen werden, jedoch "my uže sejčas predstavljaem sebe balto-iranskie leksičeskie otnošenija kak dovolbno značitelbnyj i plodotvornyj epizod v istorii obeix ja- zykovyx grupp". In dem zweiten Kapitel seiner Abhandlung behandelt Truba- čev die slawisch-iranischen lexikalischen Beziehungen, die er in zwei Gruppen teilt: a) Entlehnungen aus dem Iranischen ins Slawische; b) gemeinsame slawisch-iranische Neuerungen und Pa- rallelen. Flir das Verstandnis seiner Argumentation bei den neu aufgestellten Gleichungen scheint es notwendig, die Ausgangs- punkte, die er bei der Analyse der bisherigen Untersuchungen zu der behandelten Problematik vertritt, naher kennenzulernen. Trubačev macht an dieser stelle wiederholt auf die umstrittene Aufstellung der sog. "gemeinslawisch"-iranischen Isoglossen aufmerksam. Seinem Urteil liber die Auswahl der vorgelegten Iso- glossen kann man durchaus beistimmen. 74 Seiner Meinung nach kann der grossere Teil der bisher in der Literatur vorgeschlagenen slawisch-iranischen Isoglossen scharferen Kriterien nicht stand- hal ten. Er zahlt dazu (S. 21): l. die lautnachahmenden Worter (z. B. slaw. *vipiti ~ aw. ufyemi "invoco1175 ; 2. die Pronominal- bildungen (z. B. slaw. ov• apers. ava-; slaw. mene ~ aw. mana usw.); 76 3. die Gleichungen, welche auch in anderen Sprachen Anknilpfungen haben. Er flihrt (S. 22) slaw. tajati osset. ta- . 77 1 . . 1 -78 d JUn, s aw. gora aw. ga-iri-, s aw. sv~t-g~ aw. sp-"Jnto un zahlreiche andere an; 4. einen Teil in diesem Zusammenhang an- gefilhrten Worter deutet er als Resultat interslawischer Ent- wicklung. Er verzeichnet z. B.: aw. (pairi)haraite "sich behil- ten, retten" ,,, slaw. *xorniti. 79 Nach Trubačev sei das slawi- sche Verbun sekundaren, denominalen Ursprungs. Weiter zitiert Trubačev mpers. jumb'in'itar> "Verderber" ,...., slaw. gybnQti "zugnmde- gehen" mit der Bemerkung, dass das slawische Verbum eine mor- phologisch-semantische Neuerung aufgrund slaw. g~bnQti/gubiti 219 "biegen" vorstelle, und noch osset. tag "Faden, Faser, Gewebe" slaw. tikati "weben", 80 wo der sekundare Charakter des sla- wischen Wortes im wortbildungsmassigen und semantischen Sinne klar sei; 5. weiter (S. 22f.) streicht Trubačev drei in der Li- teratur standig zitierte Isoglossen, die schon Meillet, RESl. VI, 1926, s. 166f., augestellt hat. Dazu gehoren: a) die Verbin- dung aksl. radi ,,., apers. -radiy, npers. ray "wegen". 81 Filr slaw. radi schlagt Trubačev (S. 23) eine internslawische Etymologie vor, und zwar handele es sich um einen erstarrten Gen.-Dat.-Lok. des i-Stammes *rad6 "Arbeit". Er verweist auf ein ahnliches Verhaltnis bei aksl. delja ~ delo, delati und lat. causa ~ frz. a cause de "wegen", cause "Arbeit"; 82 b) aksl. -j~~aw. -yi; 83 c) die Gleichung slaw. sam•~ aw. hamo 84 lehnt Trubačev (S. 23) mit folgenden Argumenten ab: "No nezavisimosti. i isoolbzovanija mestoimennogo elementa v slavjanskom i iranskem ( ••• ) sliškom očevidna, a avest. h~mo s nejasnym količestvom kornevogo glas- nogo ne imeet dostatočnogo vesa dlja obosnovanija mysli ob ob- ščnosti innovacionnogo udlinenija v iranskem slove i slav.samo"; 6. auf s. 24 streicht er weiter aus dem Verzeichnis der slawisch- -iranischen Isoglossen solche Verbindungen, bei denen die ira- nische Anknilpfung etymologisch unklar oder problematisch ist. S f ""h B l ~ . 85 t 86 "' v 87 v o u rt z. • an s aw. Sv6za, V7,,na, va ra, c::asa, xomes- 88 yd 89 . .90 d b k 91 . tori, m~ ~. russ. 1,reJ un so a a • Iranischer Ursprung scheint Trubačev bei einer verhaltnismassiq beschrankten Gruppe der sog. Kulturworter annehmbar. So filhrt er (S. 24) slaw. kot'6 92 v 93 94 95 . 96 (ksl. "Bude, Stall"), c6r>tog•, gun'a, kordi, *kor>guJ6 1 97 98 topor'b, und bog• an. Weiterbetont Trubačev (ibid.), dass un- ter die Bezeichnung "gemeinslawisch" nur drei Beispiele gehoren (koto, gun'a, topor>o), wahrend die anderen lokalen Charakter aufweisen (č6r>tog'b - sildslawisch, *korgujG - westsildslawisch; bezilglich des kordi bemerkt er, dass es zwar im Sild-, West- und Ostslawischen bezeugt ist, jedoch "svoej formoj vydaet pozdnij xarakter svoego 'obščeslavjanskogo' rasprostranenija"). Ibid. macht er zu Recht darauf aufmerksam, dass besonders die Kultur- worter verhaltnismassig leicht von einer in die andere Sprache ilbergehen und deshalb nicht massgeblich filr spezielle Beziehun- 220 gen der betreffenden Sprachen sein konnen. Filr slaw. *korguj,, e6rtogt, kord~ lasst er die Moglichkeit mitteliranischen Ur- sprungs (vielleicht mit tilrkischer Vermittlung) zu (S. 24). So- mit bleibt als anerkannte "gemeinslawisch-iranische" Isoglosse nur die Gleichung slaw. bogb ~ iran. bara-, die ausfilhrlich in der Fortfilhrung der Abhandlung behandelt wird. Van Bedeutung filr das Verstandnis seiner Auf f assung des gemeinslawischen Cha- rakters der Worter ist die Voraussetzung, welche er auf S. 25 formuliert und nach welcher existierte "vozmožnostb vtoričnogo pojavlenija 'obščeslavjanskogo' xaraktera v rezulbtate samosto- jatelbnogo rasprostranenija slov, zaimstvovannyx pervonačalbno east6ju (pra)slavjanskix dialektov". Bezilglich dieser These muss man zu Vorsicht raten. Eine derartige Deutung sollte nur in den Fallen, in welchen die sprachlichen Fakten (z. B. Abweichungen von den filr eine bestimmte Epoche strikt geltenden phonologi- schen Regeln; Einfilhrung eines phonetischen odere anderen zu- ges, der ursprilnglich nur filr ein bestimmtes Territorium mog- lich bzw. charakteristisch war, auf das ganze Gebiet usw.) aus- drilcklich eine solche Losung fordern, anzuwenden sein. Solche sprachlichen Fakten milssen jedenfalls klar und prazis angebbar sein. In anderen Fallen scheint die Anwendung eines solchen Prinzips bedenklich. In der Folge seiner Abhandlung geht Trubačev zu der Analy- se des Termins bogr,, der, seiner Meinung nach, "neosporimo cen- tralbnoe mesto sredi vsej slavjano-iranskoj leksiki" (S. 25ff.) einnimmt, liber. Das Verhaltnis slaw. bog~ : iran. bara- lasst, wie bekannt, mehrere Deutungen zu, ohne dass man entscheiden kann, welche von denen gilltig, ja nicht einmal, welc.he mehr oder am meisten glaubwilrdig ist. Trubačev (S. 26) macht auf die Tatsache, dass es sich bei iran. bara- um eine typisch iranische semantische Neuerung handelt, die nicht einmal alle altirani- schen Dialekte umfasste, aufmerksam und bemerkt dazu: "Takim obrazom, obščee terminologičeskoe značenie 'bog' vo vsej pol- note javljaetsja udelom tolbko iranskogo i slavjanskogo" (ibid.). Vgl. Bartholomae 921 und zum Stand im Altindischen Mayrhofer III 457f., wo auch die Literatur zu der slaw.-iran. etymologi- 221 schen Zusammenstellung angefuhrt wird. Trubačev (S. 26f.) weist im Zusammenhang mit der Analyse der morphologisch-semantischen Bildungen innerhalb des Slawischen auf die zweite Moglichkeit, namlich "vlijanie iranskogo religioznogo termina v opredelennyj period na iskonno slavjanskoe obrazovanie" (S. 27), hin. Wie Trubačev (S. 28) richtig feststellt, bestehen keine Beweise fur die Annahme, dass das slawische Wort aus dem Iranischen entlehnt ware, da es sich um eine verhaltnismassig leichte Bedeutungs- wandlung, die auch in beiden Sprachgruppen unabhangig entstan- den sein konnte, handelt. Er nimmt somit fur die betreffende Wortsippe auf der einen Seite eine slawisch-iranische Neuerung (slaw. bog"6 "Gott" ~ apers. baga- "Gott") und auf der anderen gemeinsame Beibehaltung eines Archaismus (slaw. *bogatstvo "Reichtum, Vermogen", u-bogi, ne-bog"6, bog-at"6 ~ aw. bara- "An- teil, Schicksal") an. Weiter behandelt er noch slaw. Personen- namen mit Bogo-/Bogu- (z. B. poln. Bogdar1 Boguchwai) und ver- gleicht sie mit den iranischen, wie *Baga-xvarna- (z. B. med.- -pers. Baga-farna-). Ausser in den westiranischen (Apers., Med.) kommt baga- "Gott" auch in den ostiranischen Sprachen, so auch im Skythischen, vor. Trubačev fuhrt (S. 30) folgende Belege an: sogd. J3r-, *Aa1-; sak. vaga-, vag'a-, vaka- "Gott" usw. Ange- sichts der angefuhrten Tatsachen kommt er (S. 31) zum folgenden Schluss: "V vidu naličija v. rjade jazykov skifskoj (vostočnoi­ ranskoj) gruppy slava baga- "bog" i ličnyx imen s etoj osnovoj možno sčitatb verojatnym vlijanie na slav. bog"6 so storony čas­ ti etix jazykov. My dopuskaem naličie v slavjanskom slovare sledov opredelennogo religiozno-kulbturnogo vlijania Irancev na Slavjan, odnako usmatrivaem eti sledy ne tam, gde ix videli predšestvujuščie issledovateli ( ••. ),krame togo, v našem pred- stavlenii front slavjano-iranskix obščenij drevnej pory byl inym, menee protjažennym. Dlja togo čtoby statb dejstvitelbnym dostojaniem bolbšogo čisla praslavjanskix dialektov, iranizm dolžen byl samostojatelbno prodvigat sja, peresekaja vnutrislav- janskie dialektnye granicy, čto zaviselo ot mnogix faktorov, i v nemaloj stepeni - ot sobstvennogo udelbnogo vesa slava. Sle- dovatelbno, nekotorye drevnie i osobenno rasprostranennie ira- 222 nizmy v principe dolžny bili 'putešestvovatb' po slavjanskoj jazykovoj oblasti." Tatsachlich stehen aber keine zuverlassigen Argumente zur Verfilgung, anhand welcher man die Gultigkeit der bisherigen Deu- tungen slaw. bogi bestatigen oder ablehnen kčnnte. Iranischer Ein- fluss ware mčglich, jedoch bleibt auch diese Interpretation hypo- thetisch. Ahnlicher Meinung ist auch Mayrhofer III 458: "Aksl. bog7. "Gott" ( ••• ) ist in seiner Sonderbedeutung nicht ohne zu- sammenhang mit dem Iranischen verstandlich: dass vollig unabhan- gig von diesem in einer anderen idg. Sprache, die noch dazu das Verbum *bhag- "austeilen" in geschichtlicher Zeit nicht mehr auf- weist, liber 'Verteiler' ein Wort filr 'Gott' entstanden sei, lasst sich kaum vorstellen. Aber auch filr die Annahme einer blossen Entlehnung aus dem Iranischen ( ••• ) fehlen durchschlagende Argu- mente.1199 Er rechnet mit der Mčglichkeit, dass eine gemeinsame slawisch-iranische Neuerung im Rahmen der religičsen Terminolo- gie vorliegt, eine Erscheinung, die auch sonst angenommen wird. Es handele sich um eine Entlehnung bzw. Adaption des altirani- schen Terminus. 100 Eine genauere chronologische Prazisierung auf beiden Seiten sowie eine Auseinandersetzung mit ev. weiteren E tl h d . A - - h 101 n e nungen 1eser rt ware erwunsc t. Als ein Iranismus, das erst sekundar ein breiteres Gebiet umfasse, betrachtet Trubačev (S. 3lf.) die alte Stamm-Benennung *xorvati, xorvaty. Diesen Namen trug ein alter Staram in der Nahe von Peremyšlb, er kommt aber auch in Alt-Polen und -Bohmen sowie bei den Sorben vor. Besonders ausgepragt ist er als Bezeichnung des sildslawischen Volkes der Kroaten. Trubačev nimmt an, dass das Ethnikon *xorvati sein Zentrum ursprilnglich in der Nahe von Pere- myšlb in Alt-Russland hatte, und von dort habe es sich zuerst ge- gen den Westen und dann gegen den Silden des slawischen Gebiets ausgebreitet. Er schliesst daraus (S. 32): "Dlja nas zdesb važen nesomnennyj fakt vtoričnogo rasprostranenija po slavjanskoj jazy- kovoj territorii slova, iranskoe proisxoždenie kotorogo ne vyzy- vaet sporov. Slav. *xorvati, udačno identificirovanoe s iranskim ličnim imenom Chr6athos v nadpisi iz Tanaisa ešče Pogodnym, a za- tem Sobolevskim, otražaet ir. *harvata- ili (s epentezoj) *ha:urvata-, 223 po-vidimomu, etnonim s xarakternym skifsko-sarmatskim pljuralb- nym suffiksom -ta-, oset. -tce." Vasmer III 261 fiihrt den behan- delten Namen von airan. (fšu-Jhaurvata "Viehhiiter", aw. pasu- -haurva- usw. aus. Vgl. noch Skok, Etim. rječnik I 690ff. Im Weiteren behandelt Trubačev noch einige neue slawisch- -iranische Gleichungen. So verbindet er (S. 32f.) urslaw. *sv6rkz (belegt in poln. 8wierk, 8wirk "Fichte", slowak. svrčina) mit der Variante *sm6rkl/*sm6rČ6/*smer~ (in: aruss. sm6rč6"Zeder", russ.-ksl. smr6Č6 "Wacholder", smreč6 "Zeder", bulg. smirč "Wach- older", serbk. smreka "Wacholder", slowen. smreka, tschech. smrk "Fichte, Tanne" usw.) mit iran. Bildungen *srva-, *srma- bzw. in der spateren Form *sarva-/*sarma-, das in mpers., npers. sarv "Zypresse", sarv, siy~h "juniperus, Wacholder" belegt ist. Diese iranischen Worter knilpft er weiter an einige andere iranische Baurn-Bezeichnungen, wie z. B. mpers. Jarmi- und osset. talm "Ulme", das, nach Abaev, OJF I 140, aus dem Persischen entlehnt sei. Auf s. 33 erklart Trubačev die urslawischen Varianten *sv6rko/*sm6rko/*smerk~ mit der Entlehnung aus den iranischen dialektischen Bildungen *srvaka-/*sarvaka- bzw. *srmaka-/*sar- maka-, wobei das Element -aka- ein produktives iranisches Suf- fix vorstelle. Dabei deutet sogar der Verfasser selbst die Schwierigkeit der Etyrnologie in Einzelpunkten an. Die Konsonan- tenfolge im Slawischen erklart er mit einer Methathese: -rv-> -vr-, -rm- > -mr-. Zu der weiteren etyrnologischen Ankniipfung beruft er sich auf Bailey, RO XXI, 1957, S. 68f., wo der Autor von einem anlautenden *k- ausgeht. Vgl. noch Vasmer, REW II 672. Die vorgeschlagene Etymologie Trubačevs ist keinesfalls evident. Sehr problernatisch scheint die Annahme der zit. Meta- these, die bei einer solchen Deutung vorausgesetzt wird. 102 Die angenornrnene Entlehnung wird von Trubačev weder zeitlich noch raumlich genauer bestirnrnt. Deswegen bleibt auch unklar, ob er mit gemeinslawischer Entlehnung oder mit sekundarer Ausbrei- tung im Sinne seiner oben besprochenen Hypothese rechnet. Wahr- scheinlich denkt er an die zweite Moglichkeit, obwohl er anders als beim Ethnikon *xirvati nicht versucht, einen relativ plau- siblen dialektalen Ausgangspunkt zu bestirnmen. 224 In der Fortfilhrung (S. 33f.) geht Trubačev zur Behandlung des slawischen Wortes filr "Blei" ilber: russ. svinec, russ.-ksl. svin6a6 "plumbum", 'aruss. svinea6, slowen. sv{nea, alles aus urslaw. *svin6a6, *svinb. Er filhrt die bisherigen Etymologien an und bemerkt (S. 33): "S drugoj storony, nelbzja ne otmetit;, verojatnoj blizosti kak formy, tak i značenija praslav. dial. *svin'b ( ••• ) i vost.-ir. *spana- "železo": oset. (ce)fscen "soš- nik, lemex", voobšče - "železo", xorezm. ispani, sogd. 'spn-, *aspan- "železo"." Dazu gehort (in Verbindung mit *hu-/*hau- "gut") auch aw. haosafnaena- "stahlern" usw. Abaev, IES I 481, rekonstruiert zwei altiranische Urformen: *spana- und durch Me- tathese entstandenes *safna-, die in den oben genannten irani- schen Bildungen vertreten seien. Mit einer iranischen Entleh- nung im slawischen *svin~, *svin6a6 ist jedoch kaum zu rechnen, wie schon die Folge slaw. sv- : iran. sp- und die Unterschiede im Vokalismus zeigen. Auch eine andersartige Sonderilbereinstim- mung zwischen den iranischen und slawischen Formen scheint in diesem Falle fraglich; es konnte sich ev. um urverwandte Bil- dungen handeln, was aber nichts ilber spezielle slawisch-irani- sche Verhaltnisse aussagt. Die slawischen Bildungen sind wahr- scheinlich trotz allem mit lit. švtnas "Blei, Zink", lett. svins urverwandt. In diesem Falle ware mit einem idg. *k'wei- zu rech- nen, was auch dem slawischen Vokalismus entsprechen wilrde. Vgl. Vasmer II 592, Pokorny 594 und Fraenkel 1045. In drittem Teil seiner Abhandlung versucht Trubačev spezi- elle Beziehungen der iranischen Sprachen zu den einzelnen ur- slawischen Dialekten auf zustellen, was als eine natilrliche Fol- ge seiner Auffassung des nicht-monolithischen Urslawischen anzu- sehen ist. An erster Stelle behandelt er die slawisch-iranischen lexikalischen Beziehungen vam Standpunkt des Sildslawischen aus. Dabei stellt er schon einleitend fest, dass es sich um "peri- ferijnostb južnoslavjanskogo ili predšestvujuščix emu praslav- janskix dialektov po otnošeniju k rajonu intensivnyx slavjano- iranskix jazykovyx obščenij" handele (S. 35). Er beruft sich auf die Unselbstandigkeit der genannten Verbindungen (es handelt sich namlich um exclusive sildslawisch-iranische Gleichungen) und 225 auf die wahrscheinliche zeitliche Differenzierung derselben. Angesichts dessen betont er (S. 35), "čto lišI> nekotorye južno- slavjansko-iranskie sootvetstvija predstavljajut soboj proble- matičnye otraženija slavjano-iranskix kontaktov do slavjanskoj migracii na Balkany, togda kak drugie južnoslavjansko-iranskie svjazy objazany bolee pozdnemu obščeniju uže na territorii no- voj rodiny". Als erstes Beispiel, das diese Thesen bzw. Schlusse veranschauliche, flihrt er das schon behandelte Ethnikon *xorva- ti/*xorvaty an. Weiter verweist er auf die Verbindung urslaw. *xorna mit aw. xvara na- "Essen, Trinken". Slaw. *xorna kommt in bulg. xrana, serbk. hrana, slowen. hrana, kaschub. aharna usw. vor. Flir die iranische Seite flihrt Trubačev ausser der aw. Form noch'osset. xwar "Getreide, Gerste" sowie die iranischen Personennamen Khoargaros, Khuarsazos aus dem nčrdlichen Schwarz- meergebiet an. Vgl. auch Abaev, OJF I 190. Trubačev stellt da- bei als ein Kuriosllin fest, dass urslaw. *xorna ausser in den sudlichen auch in einigen westslawischen Dialekten vertreten sei, in den čstlichen dagegen nicht vorkomme. In Zusammenhang damit stellt sich aber die Frage, nach welchen Kriterien ein Wort mit einer derartigen Distribution uberhaupt zu den sog. slidslawisch-iranischen Isoglossen (trotz den einleitenden Be- merkungen uber den Charakter dieser Beziehungen) gerechnet wer- den kann. Wenn slidslawisch-iranische Exclusiv-Isoglossen nicht nachzuweisen sind und wenn man ev. sekundaren Charakter des Auftretens ausserhalb des Slidslawischen nicht beweisen bzw. mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen kann, scheint die Annahme solcher Beziehungen (auch mit den auf. s. 35 von Trubačev ange- fuhrten Beschrankungen) unbegrundet und widerspricht (in dieser Form) den sprachlichen Fakten. Als Iranismus aus spateren Zeit behandelt Trubačev (S. 36) bulg. Asparux,.den Namen einer Flihrers der Turk-Bulgaren aus dem 6. Jh. n. Chr., den er auf iran. Asparuk "helles Pferd" bzw. "helle Pferde besitzend", das als iran. Name Asph&rugos in gr. Inschriften in Olbia vorkommt, zuruckfuhrt. Trubačev rechnet mit der Mčglichkeit, dass ein turkischer Khan einen iranischen - konkret skytho-sarmatischen - Namen hatte, oder es 226 habe sich bei den Turk-Bulgaren eine dunne iranische Schicht bis zum Einzug auf die Balkanhalbinsel erhalten. Auf der Annahme langer Erhaltung der iranischen Schicht bei den Turk-Bulgaren beruht auch die etymologische Deutung einer sonst isolierten bulg. Wortes stopan(in) "Hausherr" (S. 37). Er erklart es als entlehnt aus iran. *asta-pan- "Beschlitzer, Behli- ter des Hauses" (aw. asta- "Heim, Heimstatte", sogd. 'st-, *ast- "Vermogen" + iran. Nominalstamm -pana- "Schutz, Obhut, Beschli- tzer") .103 Die zitierte iranische Deutung scheint wegen der be- grenzten Vertretung des bulg. (und serb. dial. stopanin) Wortes und wegen der regularen phonetischen und Bedeutungs-Verhaltnisse zwischen der iran. und slaw. Bildung verhaltnismassig wahrschein- lich. In dem vierten Kapitel seiner Abhandlung (S. 37ff.) be- spricht Trubačev die iranisch-ostslawischen Beziehungen. Er stimmt der Meinung s. B. Bernštejns (Očerk s. 68-70), dass die Ost-Slawen zu Beginn der nachchristlichen Zeit den ostlichen Teil des urslawischen Territoriums einnahmen, zu. Demzufolge stellt Trubačev ein theoretisches Postulat auf, das flir das Ver- standnis seiner Auffassung bzw. Lokalisierung der slawisch-ira- nischen Beziehungen von Bedeutung ist. So schreibt er (S. 38): " ••• čto drevnie svjazi s neslavjanskimi jazykami, primykavšimi k slavjanskoj territorii s vostoka i jugovostoka okolo rubeža našej ery, dolžny byli kasat~sja prežde vsego vostočno-slavjan­ skogo.11104 Wie Trubačev bemerkt, ist das Material, das nur in den iranischen und ostslawischen Sprachen vertreten ist, sehr beschrankt und ausserdem sowohl in aer semantischen Richtung als auch chronologisch heterogen. Die angenommenen iranischen Lehn- worter in Ostslawischem teilt er (S. 39) in: l. alte russisahe Iranismen, 2. alte ukrainische Iranismen und 3. spate russische Iranismen. Als Beispiel flir eine moglicherweise auf Urverwandt- schaft beruhende Gleichung stellt er (S. 39) - Bailey, BSOAS XXVI, 1963, S. 83f., 87f. - russ. step6, ukr. step dar. Das Wort ist verhaltnismassig spat belegt (ab XVII. Jh.), es durfte aber, seiner Interpretationen nach, schon viel fruher in der Sprache existiert haben (er verweist auf die Verwendung. in 227 Shakespeares Midsurnmernight Dream von ca. 1600). Trubačev stellt - im Einklang mit der zit. Literatur - russ. step6 zu osset. digor t'cepam "flach, eben" < iran. *tap- "dass." < idg. *(sJtep- "flach, eben sein". Problematisch. Pokorny verzeichnet keine sol- che Wurzel in der angefi.ihrten Bedeutung. Vielleicht denkt Truba- čev auf eine Verbindung mit slaw. teptati usw., was aber onomato- poischen Charakters sein kann. Vgl. noch Vasmer III S. 11 und Pohl, Kratylos XXII s. 9. Im Weiteren geht Trubačev zur Behandlung der Lehnworter nach der erwahnten Verteilung liber. So erklart er (S. 39f.) russ. sap6g, aruss. sapogr,, aksl. sapog• "hypodema" aus iran. *sapa- ga-, einer miran. Variante zu urspri.inglichem *sap-aka- (Morgen- stierne folgend; vgl. dazu Trubačev S. 40, Anm. 68: wahi *sap(akJ, burušaski sap, aw. safa-, sak. saha- "Huf" < airan. *sapa- "Huf") • Zur Zeit der Entlehnung bemerkt Trubačev (S. 40) folgendes: "S točki zrenija russkogo slovarja slovo sapog - staryj element, no v masštabah rassmatrivaemyx nami zdesb v celem slavjano-iranskix leksičeskix otnošenij ono ne možet sčitatbsja očenb drevnim iran- skim vključeniem, o čem svidetelbstvuet naličie v nem uže ozvoče­ nnogo, srednjeiranskogo -g- <-k-." Vgl. Vasmer II 578 und Pohl, Kratylos XXII S. 9. Die zit. Deutung scheint verhaltnismassig wahrscheinlich und begri.indet, besonders, weil das Wort sonst keine Etymologie hat. Ebenso erklart Trubačev als Iranismus auch das innerhalb des Slawischen isolierte russ. Wort štany, das i.iblicherweise als ti.irkisches Lehnwort angesehen wurde. Nach Trubačev (S. 4o) "eto plurale tantum s iznačalbnym -a- (ne iz -o-) možet prodolžatb ir. *štana- "noga, štanina, nogavica", sr. avest. paiti-štana- "noga" i rjad blizkix form v pamirskix jazykax." Diese Deutung scheint jedenfalls nicht weniger plausibel als die aus Turkota- tarischem (~ ati.irk. išton "Unterhose" usw.). Vgl. Vasmer, REW 105 III 429 und Pohl, Kratylos XXII S. 9. Als wahrscheinlichen Iranismus deutet Trubačev (S. 41) russ. dial. baz "Hi.irde, Stal!", das er von iran. *baza < *upa-baza- "Hurde, Pferch; russ. za-gon" herleitet. Ein entsprechendes osset. Wort ist nicht belegt, er zitiert aber khotansak. baysa- 228 · "Garten". Auch Vasmer I 39 (baz, bazo k "1. Htirde, Viehhof; 2. Ort zum Bereiten von Heizziegeln aus getrocknetem DUnger") denkt wegen der geographisch beschrankten Vertretung an eine Entleh- nung aus dem Osten. Vasmer lehnt aber die bis zu einem gewissen Grade der obigen ahnliche Erklarung Iljinskis (Prace fil. 11, 186f.) ab, "der von einem durch Dekomposition .veranderten *oba- zati ausgeht und an lat. ago, griech. ago, avest. azaiti an- knilpft. Ein entsprechendes Verbum lasst sich im Slaw. nicht be- legen, skr. bazati 'nichtstun, mUssig umhergehen' weicht in der Bedeutung zu sehr ab." Die Interpretation Trubačevs ist, wie es scheint, mčglich, sie bleibt jedoch hypothetisch, da das ent- sprechende iranische Wort, aus dem das russische entlehnt sei, fehlt. Trubačev denkt offensichtlich an eine mitteliranische Quelle. Als letztes iranisches Lehnwort im Russischen behandelt Tru- bačev russ. m6:r>da "Schnauze, Maul", das schon langst aus iran. *mrda-/*ma:r>da (belegt z. B. in aw. ka.,..m'il:r>ada- "Kopf", eigentlich "was filr ein Kopf, scheusslicher Kopf") erklart wurde. Vgl. Vasmer II 156. Es ist nicht ersichtlich, in welcher Zeit und aus welcher Sprache das Wort entlehnt sei. 106 Es folgen die sUdostslawisch~, besonders ukrainisch-irani- schen Isoglossen, die aber, nach dem von Abaev vorgelegten Mate- rial zu urteilen, noch sparlicher vertreten sind als die rus- sisch-iranischen. Als die erste derartige Isoglosse behandelt Trubačev (S. 4lf.) ukr. xata "Bauernhaus, Hiitte aus Lehm" (in anderen Teilen des Ost-Slawischen und im Polnischen handele es sich um ein Lehnwort aus dem Ukrainischen), die er als ein Lehnwort aus spatskyth.-sarmat. *xata- < iran. *kata-, aw. kata- "Kammer, Vorratskanuner, Keller" erklart, wobei es sich um einen Ubergang k-> x- im Ossetischen handele. Nach Trubačev (S. 42) sei ukr. xata erst in der Zeit, als das fremdsprachige a durch a im Sla- wischen substituiert sein konnte, entlehnt worden. Er verweist darauf, dass in der alteren Zeit aus iran. kata- slaw. kotti "Kel- ler" entlehnt wurde. 107 Es ware wiinschenswert, durch ev. andere Lehnwčrter mit gleichartiger Substitution die Zeit der Entleh- 229 nung naher zu bestinunen. Vasmer, REW III 233, geht zwar von aw. kata- "Haus, Grube" aus, nimmt aber eine altung. Zwischenstufe von ung. haz "Haus" an. Eine ungarische Vermittlung ware ilber- flilssig, wenn tatsachlich ein Lehnwort aus einer spateren iran. Quelle mit dem charakteristischen Ubergang k- > x-, wie es Tru- bačev annimmt, vorliegen wilrde. Die Hypothese ist aber bei dem vorliegenden Material nicht beweisbar. 108 Das zweite ukr. Beispiel ist schon der Meinung des Verfas- sers nach problematisch. Es handelt sich um den ukr. ethnologi- schen Terminus v{j (S. 42). Trubačev beruft sich auf Abaev (vgl. oben s. 201), geht aber von einer anderen Vorstellung aus. Da es sich bei ukr. v{j angeblich um ein Wesen mit Wimpern, die bis zur Erde reichen, handele, verbindet er den Namen mit dem ukr. Wort v{ja "Wimper". Deswegen - seiner Meinung nach - (S. 43) "semantičeskaja xarakteristika ukr. v{j "imejuščij veki/ resnicy" - ne pozvoljaet naščupatb ničego specifičeski obščego s ir. Vayu-". Da es sich, wie es schon der Vergleich mit der Interpretation Abaevs zeigt, um verhaltnismassig unverbindliche mythologische Zusammenstellungen handelt, die schon grundsatz- lich - mit einigen gut begrilndeten Ausnahmen - schwer deutbar und von umstrittenem Wert sind, scheint die Skepsis Trubačevs berechtigt. In der abschlissenden Ubersicht liber die ostslawisch-irani- schen Isoglossen stellt Trubačev (S. 43) fest, "čto vostočnosla­ vjansko-iranskie kontakty ni v koej mere ne sleduet otoždest- vljatb s drevnejšimi slavjano-iranskimi otnošenijami". In dem filnften Kapitel (S. 44ff.) geht Trubačev zur Behand- lung der westslawisch-iranischen Beziehungen liber. Seiner Mei- nung nach spielen gerade diese Verhaltnisse eine spezielle Rolle innerhalb der slawisch-iranischen lexikalischen Beziehungen. Wie er schon in den einflihrenden Bemerkungen feststellt, handele es sich um ein verhaltnismassig homogenes Material, das sich am besten in den polnisch-iranischen lexikalischen Gleichungen wiederspiegele. Und gerade diesen wendet der Verfasser im wei- teren seine besondere Aufmerksamkeit zu. Als erstes Beispiel erscheint poln. Verbum baczyd "schauen, 230 sehen, betrachten 11 , alter 11 nachdenken, liberlegen, durchsehen, merken, kennen 11 • Das Wort ist seit dem XV. Jh. belegt. Es kornmt noch in denjenigen slawischen Sprachen, die an das Polnische grenzen, var und dlirfte dort, nach Trubačev (S. 44), aus dem Polnischen entlehnt worden sein. Dazu gehčren: ukr. bačiti 11 sehen11 (XVI. Jh.), wruss. bačya' 11dass. 11 , wahrscheinlich auch slk. dial. bačiti se. 109 Dabei verweist Trubačev auf eine in der Literatur unbeachtete Deutung E. Fraenkels (AfslPh XXXIX, 1925, S. 73), der poln. ob- -aazyd 11 sehen, bemerken, erblicken, sich besinnen" mit aw. aiwyaxšaya-, Inf. aiwyaxštrai 11 die Aufsicht zu flihren liber - zu beaufsichtigen11 (vgl. Bartholomae 97) und miran. choresm. (' )/3yxy- 11 lernen, im Herz aufbewahren 11 (< *abi-axšaya-) und vielleicht yaghn. yaxš- "sichtbar sein, gesehen werden" ver- gliech. Auf S. 45 macht Trubačev auf den semantischen und for- malen Parallelismus der slawischen und iranischen Bildungen aufmerksam. Er beurteilt ihn folgendermassen (S. 46): "I.-e. *okw- bylo izvestno različnym dialektam praindoevropejskogo, i' ego otraženie v slavjanskom i iranskem dolžno rascenivatbsja kak soxranenie arxaizma. No upotreblenie etogo nezavisimogo arxaizma v odnotipnom glagolbnom složenii s etimologičeski tož- destvennoj pristavkoj i toždestvennym semantičeskim razvitiem ( ••• ) javljaetsja uže sovmestnoj innovaciej polbskogo i iransko- go." Wie er weiter feststellt, handele es sich um eine Neuerung in einer fruhen Zeitperiode, die nur einen Teil der iranischen Dialekte erreichte. Er lasst die Mčglichkeit iranischen Ein- flusses auf die slawische Bildung zu, jedoch nicht im Sinne einer Entlehnung. 110 Nach demselben Prinzip behandelt Trubačev auch poln. Verbum patrzyd, patrzed "schauen, sehen" (S. 47ff.), das auch in tschech. patf.iti "schauen, sehen, betreffen, angehen, gehčren", slk. patrit' "sich auf etw. beziehen 11 und kroat. dial. patriti "gehčren, pertinere 11 vorkommt. Als mčgliche Parallelbildungen flihrt er noch ukr. pantriti, pantryvati "schauen, untersuchen" mit infigiertem -n- an, wo man aber, seiner Meinung nach, mit einer Assimilierung des ursprlinglichen poln. patrzyd, (wy)patry- wad rechnen kann. Bezliglich des Bedeutungsunterschieds stellt er fest, dass teilweise sekundarentwickelte Bedeutungen, in 231 einigen Fallen sogar interslawische Entlehnungen, vorliegen. Nach einem solchen Reduktionsverfahren folgert Trubačev, dass man als Ausgangspunkt der Bildung die westslawischen Sprachen, die an das Polnische grenzen, ansehen muss. Nach Erwahnung der bisherigen etymologischen Deutungen legt Trubačev seine Deutung vor: Verbindung des westslaw. bzw. urpoln. Verbums *patriti 11 schauen11 mit j aw. Inf. pa-ifrai 11 zu hiiten, schiitzen, schirmen 11 (Bartholomae 888). Im Verhaltnis zum slawischen Material sei urslaw. dial. *patriti - nach der Interpretation des Verfassers - isoliert, die aw. Form jedoch vom Iranischen her leicht er- klarbar: es liegt ein Dativ-Infinitiv eines Nom. agentis auf -tar- (aw. patar- 11 Hiiter, Schiitzer, Schirmer 11 ) bzw. eines Nom. actionis auf -tra- (aw. pa?Jra- 11 Schutz, Schirm11 ) vor. Die ent- sprechenden Nominalbildungen sind in den alt-ostiranischen Dia- lekten gut belegt. Im Zusammenhang mit der Analyse der slawi- schen Bildung macht Trubačev (S. 49) darauf aufmerksam, dass im Slawischen Nomina agentis auf *-ter-/-tr- schon innerhalb der erhaltenen Archaismen selten sin?, im produktiven Wortbildungs- prozess jedoch iiberhaupt nicht vorkommen. Weiter verweist er darauf, dass im Slawischen in der Bedeutung 11 hiiten, weiden" nur der Stamm *pas-, nicht aber *pa(i)-, von welchem iran. *patar- gebildet wird, erscheint. Zeit und Art der angenommenen Entleh- nung bestimmt Trubačev verhaltnismassig genau auf s. 51: "Kak sleduet iz predyduščix svedenij po iranskoj istoričeskoj fone- tike, slavjanskaja forma otražaet arxaičeskuju drevneiranskuju formu *patr- do metatezi. Esli učesto, čto kolebaniem -tr-/-rt- byli uže oxvačeny skifo-sarmatskie imena, otražennye v nadpis- jax grečeskix pontijskix gorodov zadolgo do načala našej ery ( ••. ), to stanet jasnym, čto praslav. dial. *patriti proniklo iz skifo-sarmatskogo v slavjanskij, bessporno, ešče v I tysjače­ letii do n. e. 11 Die zitierte etyrnologische Deutung scheint ver- haltnismassig gut begriindet, obwohl sich dennoch die Frage er- hebt, inwieweit man mit einer internslawischen Entwicklung oder . t . d t 1 . h A k .. f h k' 0 l l l ev. mi einer an eren e ymo ogisc en n nup ung rec nen onnte. (Musste man ev. die Forrnalstruktur einiger anderer Verben, z. B. russ. usw. smotret6 beriicksichtigen?) Fiir das Verstandnis der 232 Ausfuhrungen Trubačevs muss man unbedingt seine Deutung zweier weiterer polnischer Verben, die derselben Bedeutungsgruppe an- gehoren, hinzuziehen. Es handelt sich um poln. dial. szatrzyd (S. 5lff.) "wissen, kennen, verstehen, begreifen", apoln. sza- trzyd si~ "schauen, rucksichtvoll sein, aufmerksam sein"; poln. dial. szatrad "sehen, gedenken", tschech. iet~iti "beschutzen, sparen, aufpassen, bewahren"; slk. ietrit' "sparen, bedauern/be- mitleiden" sei aus dem Tschechischen entlehnt worden. Es werden auch einige Bildungen aus der westlichen Gruppe der sudslawi- schen Sprachen dazugestellt, so: slowen. oiatrati "verzaubern". šatrija "Zauberei" und serbk. iatriti "fascinere", oiatriti "infascinere", iatrija "incantamentum" (vgl. die Quellenangabe l. c.). In den anderen sudslawischen und westslawischen Sprachen kommen keine entsprechenden Bildungen vor. Nach Trubačev (S. 51) ist der Status des slowen. und kroat. Verbums und der dazu- gehorigen Worter unklar. Er behandelt folglich nur die tsche- chischen und besonders noch die polnischen Belege. Er fuhrt zu- erst (S. 52) die bisherigen etymologischen Deutungsversuche an und rekonstruiert dann die urslaw. dial. *iatriti "schauen (viell. auf eine besondere Art schauen) ", das in den urpolnischen und ur- tschechischen Dialekten vertreten sei. Dieses Verbum verbindet Tru- bačev mit einem zwar unbelegten iran. denominalen Verbum *xia- traya-, das von einem gut bezeugten Noro. actionis auf -tra- ge- bildet sei ("' aw. xia-h>a- "imperium, regnum, Herrschaft, Reich; ) Herrschgebiet" - vgl. Bartholomae 542f.; apers. xiartam "regnum", osset. aaxsar, xsart "nazvanie vysšej doblesti vo vremja vojny" usw.; vgl. noch Brandenstein-Mayrhoffer, Hdbch. des Altpersi- schen S. 126). Er macht ausdrucklich darauf aufmerksam, dass das Wort auch in iranischen Namen des Schwarzmeergebiets vor- kommt (z. B. Ksarthanos, Ksatrakes, Aleksarthos usw.). Hinsicht- lich .der vermuteten Isolation des slaw. *iatriti innerhalb des slawischen Wortschatzes und auch ven der formalen Seite her stellt Trubačev (S. 53) folgendes fest: "sbližaja praslav. dial. *šatriti i ir. *xiatraya-/*xiatra-, my konstatiruem i na etot raz s iranskoj storony polnuju vyjasnennost slovoobrazovatelbno- 233 -etimologičeskix svjazej i iskonno mestnyj, unikalbnyj xarakter obrazovanij (xšatra-), ase slavjanskoj storony - lišb udivitelb- nuju vnešnjuju blizostb s iranskim, kotoroju nelbzja ~bbjasnitb ni slavjanskimi sredstvami, ni sredstvami kakogo-libo drugogo ja- zyka, krome iranskogo. Itak, my sčitaem, čto i praslav. *šatrit'i zaimstvovano iz iranskogo, pričem ono soxrar.jaet otraženie drev- nej iranskoj formy xšatr-, ešče ne oxvačennoj metatezoj -tr- > -rt-." Zur Analyse des semantischen Hintergrundes der poln. Ver- ben patrzye und szatr•zye bemerkt er, dass "dva slavjanskix slava s blizkimi značenijami "smotretb, bytb osmotritelbnym, bljusti" vosxodjat k dvum različnym iranskim "terrninam vlasti" - iz reli- giozno-etičeskoj i iz polit1českoj sfery" {S. 54). Auf S. 55 ver- weist der Verfasser auf ahnliche Bedeutungsubergange, wie sie bei *patriti und *šatriti auftreten, in einigen modernen Spra- chen. Bei šatriti liege - nach Trubačev (S. 55) - folgender Bedeutungsilbergang vor: "ir. xšatra- 'vlastb, sila' ---->- praslav. dial. *šatriti 'dominer du regard' ____.. smotretb opredelennym ob- razom'." Obwohl eine solche Bedeutungsentwicklung naturlich mog- lich und, wie es scheint, auch verhaltnismassig haufig und leicht durchflihrbar ist, bleibt .sie bei *šatriti jedoch bis zu einem gewissen Grade problematisch, da es sich ja um ein Lehnwort han- delt. Ein entsprechendes iran. Verbum, das eine direkte Quelle der Entlehnung - sowohl von der formalen als auch von der seman- tischen Seite her - vorstellen wlirde, ist nicht bekannt. Wie die oben angefilhrten Ausflihrungen Trubačevs zeigen, scheint es, dass er einen Bedeutungswandel, der bei der Entlehnung aus dem Ira- nischen ins Slawische erfolgt sei, annimmt. Denn auch ein slawi- sches Wort, aus welchem das poln. Verbum szatrzyd in der zitier- ten Bedeutung ev. entwickelt worden ware, ist nicht bekannt. Es erhebt sich die Frage, ob man derartige Prozesse bei Lehnwortern zu Recht erwarten kann. Sie waren jedenfalls verstandlich, wenn es sich um urverwandte Bildungen handeln wurde. Wegen des gemein- samen Bedeutungskreises, welchem die beiden behandelten Verben angehoren, konnte man vielleicht (!) an ev. analogische Ein- flilsse oder Umbildungen, ev. auch nach einem dritten Verbum, denken. Sehr schwierig. 234 Weiter (S. 55ff.) behandelt Trubačev im Rahmen derselben Verbengruppierung ein, seiner Meinung nach, weniger klares und weniger charakteristisches Beispiel, namlich poln. dbad "sorgen, sich bemiihen, sich interessieren, Vertrauen haben, hoffen", wozu auch tschech. dbati "sich bemiihen, sich interessieren" und slk. dbat' "sorgen f_iir etwas, sich interessieren" zu stellen sind. Ukr. dbati "sich bemiihen, sorgen, sich interessieren" deutet er, wie schon in manchen Fallen, als ein Lehnwort aus dem Pol- nischen. Auf s. 56 fiihrt er die bisherigen etymologischen Deu- tungsversuche an. Trubačev selbst vergleicht urslaw. dial. *doba- ti mit aw. d'iJ baeš-, t,baeš-, dvaeš- "hassen, beleidigen" (Bar- tholomae 814: "anfeinden, feind sein, kranken, beleidigen") und mit einem t-Formans aw. dvaeJ.a- "Bedrohung". Iran. kannte dem- nach neben einem *dvaiš-/*dbaiš- auch einen unerweiterten Stamm *dvaya-/*dbaya- (alles zu idg. *dwei- "fiirchten" - vgl. Pokorny 227f.). Auch hier sieht Trubačev, ahnlich wie bei den drei friiher behandelten Verben, ein Verhaltnis zwischen einer unklaren, iso- lierten slawischen Bildung und einer durchsichtigen iranischen und nimmt, nicht zuletzt wegen der Folge *db- im Slawischen, ein slawisches Lehnwort aus dem Iranischen an (S. 57). Fiir die sla- wische Urform schlagt er zwei mogliche Varianten vor: *debati und *d"6bajati. Das Bedeutungsver_haltnis zwischen der angeblich urspriinglichen iranischen und der slawischen Bildung ist nicht so eindeutig, dass es zwingend zugunsten der angeflihrten Etymo- logie sprechen wlirde. Der Verfasser erlautert es (S. 57) folgen- dermassen: "Slavjanskie značenija 'staratb sja, zabotitbsja' ne- kotorym obrazom srodni značenijam 'bojatbsja', kotorye ležat v osnove zasvidetelbstvovannyx iranskix značenij, i proizvodny ot poslednego značenija." Im Vergleich zu den sonst vorgeschla- genen etymologischen Deutungen scheint die zitierte Interpreta- tion mit einem iranischen Lehnwort nicht wesentlich weniger an- nehmbar, es gelten fiir sie aber die gleichen Bedenken wie fiir die anderen drei polnischen Verben in diesem Zusammenhang. Im letzten Falle geht Trubačev anscheinend von einem urspriingli- chen altiranischen Wort aus, wie man aus der dabei zitierten awestischen Bildung wahrscheinlich folgern kann. Das Problem 235 der Deutung aller vier behandelten Verben schliesst er (S. 57} folgenderweise ab: "Etimologii poli,sk. baazywa-, wenn "to be crushed" bedeutend. 11114 Unter iranischem Einfluss sei weiter das poln. Adj. žwawy "lebend, lebendig, flink" zustandegekommen (S. 63). Diese poln. Bildung bzw. deren urslawische Form *ž6vavtj6, sei, nach Truba- čev, nicht mit dem slaw. Verbum *žiti "leben" in Verbindung zu bringen, da die wurzel *gwei(a)- im Slawischen keine Ablautva- riante mit *-t- aufweise. Demnach sei die zitierte slaw. Bil- dung mit ostiran. Juv- "leben", das seinerseits eine Umbildung des altiran. *J~v- (~ aw. Jw-, sak. Ju-, sogd. Jw-, žw-, afgh. žwand) vorstelle, zu verbinden. Vgl. K. Hoffman, Hdbch. der Orient. I/IV/l, S. 8. Als funktionell und formal verwandte Bil- dung fiihrt T.rubačev aw. Jwaya- "lebendig" an. Nach der Deutung Trubačevs handele es sich u..~ ein Lehnwort, obwohl er nur von einem 'iranischen Einfluss auf das Slawische' spricht. 115 Unklar. Im Weiteren (S. 64ff.) behandelt Trubačev ausfiihrlich poln. rarog "ein Vogel aus dem Stamme der Falken, Monstrum", tschech. raroh "Falke, der grausamste unter den Falken", slk. raroh "weisslicher Falke". 116 In anderen slawischen Sprachen kommt das Wort nicht var. Schon Machek stellte eine iranische Etymo- logie auf. 117 Dabei verweist er auf die aw. Benennung der Gott- heit vara~rarna-, die die Form des Vogels Varagan-, varangan- annimmt. Trubačev stimmt der etymologischen Deutung Macheks zu (S. 65): "Vse eto služit Maxeku zakonnym osnovaniem dlja togo, čtoby ob'bjasnitb slav. rarogo "sokol" kak zaimstvovanie iz ir. *varagna- "sokol", točno tak že kaki mifologičeskij kontekst slavjanskogo nazvanija - iz sootvetstvujuščego iranskega reli- giozno-mifologičeskogo istočnika. Assimiljativnye izmenenija pridali slavjanskomu slovu tot vid, kotoryj ono imeet v zapad- noslavjanskix jazykax." Schon Machek zog auch lit. vanagas "Habicht" hinzu, das, der Interpretation Trubačevs nach (S. 66), schon in einer alteren Epoche aus dem Iranischen entlehnt wur- de, und zwar unabhangig von dem soeben behandelten slaw. Lehn- wort. Der slaw. Beleg *rarogo stelle, nach Trubačev, ein wich- 240 tiges Argur.ient bei der Bestimmung der slawisch-iranischen Kontak- te dar. 118 Deshalb widmet ihm der Verfasser eine ausfilhrliche formale und semantische Analyse (S, 66-71). Filr die iranische Benennung der zitierten Gottheit bzw. des Damons rekonstruiert er (S. 67) folgende Urformen: *vrtra-, *vr-h>a-, *var~ra-, *vara-o o bzw. *pati-vara-. Im letzten Fall liege eine Zusammensetzung aus einem Nom. act. bzw. Nom. agent. *vrtra-/*vara- und einer Pra- position *pati- vor. Eine dem iran. *pati-vara- entsprechende baltoslawische Urform rekonstuiert Trubačev (S. 67) anhand zweier baltoslawischer Worter, und zwar poln. poczwara "ein grausames Phantom, Gespenst, Alp" und lit. aitvaras "Alp, Phan- tom, Drache". Das polnische und litauische Wort seien unabhangig aus dem Iranischen entlehnt worden (S. 68). Die polnische Bil- dung leitet Trubačev von einer iranischen Bildung altossetischen Charakters, die schon Assibilation ti> ci aufweise, her und re- kostruiert ein ostiran. dial. (skyth.-sarmat.) *pacvara-/*facva- ra-. Iranisches -cv- sei, seiner Meinung nach, durch -čv- sub- stituiert worden. Filr das lit. Wort filhrt er Varianten aitvaras, aitivaras, aičvaras an. Nach seiner Deutung weise die letzte Va- riante denselben Wechseltyp als die slawische Bildung auf, die phonetisch vollstandigste Variante aitivaras stelle dagegen ein verhaltnismassig altes Lehnwort aus iran. *pati-vara- dar. Hin- sichtlich des fehlenden anlautenden p- lasst er (zwar mit leich- tem Vorbehalt) die Moglichkeit tabuistischer Umwandlung zu. Vgl. Fraenkel, LEW s. 4. Es folgt auf s. 69f. der Versuch einer Rekon- struktion der Semantik von iran. *pati-vara-. Dieser Terrninus stel- le in der Bedeutung "Drache, ein fliegender boser Geist" eine lexika- lische Variante zu iran. *vara-, *vr#ra- vor (S. 70). Die Aus- drilcke *varagna-, *vr~ragna- wiesen noch die alte Bedeutung "Gott, der mit dem Drachen kampft" auf. In der Opposition *vrP1ra- /*(pati)vara- : *vr~ragna-/*varagna sieht Trubačev die alte Dop- pelheit des guten und basen Prinzips in der Mythologie. Das Pol- nische habe die beiden Glieder der Opposition in poczwara "boser 119 Geist, Drache" : rarog "Raubvogel, Falke" erhalten. Der Vorschlag der Deutung der behandelten Beispiele als iranischer Lehnwčrter scheint verhaltnismassig gut begrilndet 241 und man kann ihm (auch wegen der umstrittenen anderen Deutungs- versuche) ein gewisses Mass an Glaubwurdigkeit zuschreiben. Wie bei allen anderen von Trubačev behandelten polnisch-iranischen Isoglossen bleibt aber die Frage nach den konkreten Umstanden des Entlehnungverlaufes unbeantwortet. Kann man in der Zeit, als diese Entlehnungen zustandegekornrnen seien (im letzten Fall offenbar noch in altiranischer Zeit), mit einern so stark bzw. so klar geographisch differenzierten Urslawischen rechnen? oa- ruber hinaus beruhen diese und ahnliche Gleichungen sehr oft auf einer sog. conclusio ex silentio, was der Verfasser in sei- nen Folgerungen nicht berucksichtigt. Im Rahrnen der westslawisch-iranischen Isoglossen behandelt Trubačev weiter (S. 71-76) einen Begriff aus der sozialen bzw. politischen Terminologie: poln. pan "Herr, Hausherr, Herrscher", tschech. pan "dass.", atschech. hpan, slk. pan "Herr, Hausherr". Ukr., wruss. pan "Herr, Gutsherr" und lit. ponas "Herr, Haus- herr" (Fraenkel 637: "(Guts)herr, Regent") sei aus dem Polni- schen (vgl. Fraenkel l. c.), aus dem Tschechischen aber sei osorb. pan entlehnt worden (S. 71). Die ursprungliche Form spiegele - nach Trubačev - am besten die atschech. Vertretung hpan (XIII. Jh.) wieder. Infolgedessen rekonstruiert er (S. 72) eine lokal-urslawische Form *g~pan~. Trubačev zitiert die bis- herigen Etymologie-Vorschlage (Machek 351f., Bruckner 393, vas- mer I 432, II 308) und lehnt die Zusarnmenstellung des westslaw. *g6pani mit dem aksl. župan~ ab. 120 Er selbst erklart urslaw. dial. *gtpan~ als ein Lehnwort aus iran. *gu-pana-, *gau-pana- (-v afgh. (Ob'iJ "Kuhhirt" < "Vieh-Hiitter" (S. 73). Im Iranischen liege eine Zusamrnensetzung mit produktivem zweitem Glied -pana- "Schutz, Beschiitzung; Beschiitzer, Schirmherr" var. Er stellt (S. 74) fest, dass Nomina agentis wie *gau-pana-, *fšu-pana- typisch iranische Bildungen darstellen. Obwohl dem iran. *gau- -pana- entsprechende Bildungen in den bisher bekannten skyth. und sarmat. Sprachresten nicht vorkornrnen, rechnet Trubačev mit einer realen Moglichkeit, dass sie einst auch dort vorhanden 121 F- d' v d . - . d" gewesen waren. ur ie erwen ung von iran. pana- in iesen Sprachen verweist er auf seine schon fruher dargestellte Etyrno- 242 logie des bulg. stopanin, dass er aus spatskyth.-sarmat. *asta- -pana- erklart. Ahnlich wie oben bei poln. patrzy6 operiert er auch hier hinsichtlich des Ursprungs der slawischen Bildung mit dem Argument, dass das Slawische nur die mit dem Formans -s- erweiterte Grundform *pa-s-, nicht aber eine unerweiterte Variante *pa-, die im Iranischen vorkornmt, kannte. Das alles spreche, der Meinung des Verfassers nach, fur die einzig mčgli­ che Erklarung des urslaw. dial. *g~pan~ aus iran. *gupana-/ *gaupi'ina- (S. 75). Hinsichtlich der semantischen Seite des zi- tierten Verhaltnisses ist die Folgerung des Verfassers, wie er sie auf S. 75 formuliert, von Bedeutung: "Zap.-slav. *g~pan~ "gospodin", krame iranskoj formy i struktury, soxranilo takže sled tipično iranskogo vzgljada na vlasth, obespečennuju mate- rialonymi cennostjami. My xotim skazatb, čto značenie 'gospodin' opredelilosb u prototipa slav. *gipani ešče na iranskoj jazy- kovoj počve." Die zitierte Etymologie scheint verhaltnismassig glaubwurdig, sowohl der formalen als auch der semantischen Sei- te nach annehmbar. In dieselbe Bedeutungsgruppe gehčrt auch ein im Weiteren behandeltes (S. 76f.) Substantiv: poln. kat "Henker, Scharf- richter; Unheil, Teufel" (seit dem XV. Jh. belegt), tschech. kat "Henker (seit dem XIV. Jh.) und slk. kat in derselben Be- deutung. Vgl. S!awski II 98f., Machek 195. Trubačev leitet ur- slaw. dial. *kati aus dem Iranischen (rv aw. ka-if.a- "Vergeltung, Busse" - vgl. Bartholomae 463) her. Zur Begrundung der Etymolo- gie greif t Trubačev auf ahnliche Argumente wie schon oben bei patrzy6 und pan zuruck. Das Slawische kennt namlich die Basis *koi-/*kai-, es scheint ihm aber unwahrscheinlich, dass sie auch eine unerweiterte Basis *ka- aufweisen kčnnte. Im Irani- schen jedoch sei das Verhaltnis ka- : kay- gut zu rechtfertigen. Hinsichtlich der Chronologie des Bedeutungsverhaltnisses zwi- schen der slawischen und iranischen Seite kommt er zu anderen Feststellungen wie z. B. bei pan. So schreibt er (S. 77): "Okončatelonaja specializacija značenija ('palač, ekzekutor') nastupila v etom slučae, po-vidimomu, uže v slavjanskom, xotja iranskoe značenie (avest. 'vozmezdie na strašnom sude') soder- 243 žalo dlja etogo dostatočnye predposylki. V itoge zdesh sostojal- sja stolb obyčnyj v jazyke perexod nomen actionis -+ nomen agen- tis." Offensichtlich rechnet Trubačev mit einem verhaltnismassig alten Lehnwort, noch aus der Zeit der altiranischen Dialekte. Der angefuhrten Etymologie kann man eine ahnliche Stuf e der wahrscheinlichkeit wie den anderen polnisch- bzw. westslawisch- -iranischen Gleichungen dieses Kreises zuschreiben. Es konnte wohl moglich sein, dass urverwandte Bildungen vorliegen, beson- ders noch, wenn slaw. kazn6 mit kajat6(sja) zu verbinden ist. Vgl. dazu Vasmer I 504 und Pokorny 636f. ( *kw ei- (t}- "worauf h ( ) t f .. h b"" " ) 122 ac ten, • • • s ra en, rac en, ussen usw •. Es folgt (S. 77-81) eine Zusammenfassung, wo einige Aus- gangspunkte des Verfassers naher bestimmt werden. So prazisiert er (S. 77) den Status der slawisch-iranischen Beziehungen fol- gendermassen: "pod slavjano-iranskim leksičeskim sootvetstviem my ponimaem obščee innovacionnoe razvitie ili blizosth, osnovan- nuju na drevnem zaimstvovanii iz odnogo jazyka v drugoj." Den Mittelpunkt der westslawisch-iranischen lexikalischen Beziehungen sucht er auf dem polnischen Territorium, das Tschechische nehme dagegen in dieser Hinsicht eine periphere Stellung ein (S. 77). Auf S. 78 macht er auf die Bedeutung, die diese Gleichungen fur die Untersuchung der iranischen Sprachen haben, aufmerksam. 123 Den Komplex der behandelten Isoglossen benennt Trubačev "polono- -iranica". Es folgen (S. 81) noch die abschliessenden Feststel- lungen, die aber nichts bringen, das nicht in der vorhergehen- den Abschnitten wenigstens angedeutet ware. Das letzte Kapitel der Abhandlung, das sich auf die west- slawisch- (genauer: polnisch-)iranischen Isoglossen konzentriert, stellt das Hauptinteresse des Verfassers ver. Dadurch sind auch einzelne Etymologien besser bzw. genauer ausgefuhrt als das in den vorhergehenden Kapiteln der Fall war. Dennoch bleiben sie meistens hypothetisch, insof ern sie nicht chronologisch sowohl ven der slawischen als auch ven der iranischen Seite her bestimmt sind und mit historisch uberprufbaren Fakten libereinstimmen. Weiter bleibt, wie schon erwahnt, die Frage nach dem Grad der dialektischen Gliederung des Urslawischen in der Zeit des ange- 244 nommen iranischen Einflusses offen. Ebenso ware jedenfalls auch der Stand der iranischen Sprachen bzw. Dialekte und deren Ent- wicklungsstufe in der betreffenden Zeit naher zu bestimmen. We- nigstens teilweise sollte auch die Frage, was man denjenigen Sprachen, die sehr schlecht oder kaum belegt sind (z. B. nur in einigen Glossen, Namen usw.; Problem der skyth.-sarmat. Sprach- resten usw.), zuschreiben kann, beantwortet werden. In densel- ben Rahmen fugt sich zuletzt noch das Problem, wie eine Entleh- nung zu beurteilen ist, wenn die Ausgang.sform (moglicherweise auch zufallig) nicht (oder noch nicht) bekannt ist. Vgl. S. 3: "Po rjadu priznakov - leksi~eskix, fonetideskix, grammatideskix - osetinskij jazyk, poryvaja s drugimi indo- iranskimi jazykami, smykaetsja s peredislennymi evropejskimi jazykami. Eti derty my nazyvaem skifa-evropejskimi izoglos- sami." 2 "Dopuskaja v principe specifideskie svjazi severnoiranskogo s evropejskimi jazykami, M. Mayrhofer, kak my dumaem, ne ošibaetsja. Naš material rešitel6no eto podtvertdaet." 3 "os. xsirf po oglasovke i po znadeniju primykaet neposred- stvenno k slavo-baltijskomu." 4 (S. 13): "to sakskij mog soxranitb izoglossy drevnejšego perioda skifo-evropejskix kontaktov, v tom disle i takie, kotorye v osetinskom ne zasvidetel6stvovany." 5 Diese Verbindung schlagen schon J. Rozwadowski, RO I, 1914-5, S. 104, und H. Arntz, Sprachliche Beziehungen zwischen Arisch und Balto-Slawisch, Heidelberg 1933, s. 37 vor. 6 Zu arm. Beleg vgl. Pokorny 632 und 564 und jetzt auch Klin- genschmitt, Altarmenisches Verbum, s. 225. 7 Fraenkel verzeichnet kein tapuoti, er bemerkt aber l. c. fol- gendes: "Lett. tapAt "schreiten (mit kleinen Schritten)", Interj. tapa oder tapu wird zu slov. topot "Getrampel, Stampfen" ( •.. ), skr. topot "dass. ", russ. topatb "stampfen" gestellt, die wie lit. tapyti mit bulg. tepam "walken, stamp- fen, schlagen", russ. tepti "schlagen" usw. ( ... ) ablauten." Vgl. ibid. noch tapyti 2. {tapijuJ "tappen, treten". 8 (S. 16): "Povsjudu v etix slovax my naxodim zakonomernyj dlja iranskogo r ili liš6 osetinskij primykaet k baltijsko- mu, davaja prostuju (bespreverbnuju) sprjagaemuju formu s l." 9 Zu balt. Belegen vgl. Fraenkel S. 960f. 10 Diese Verbindung bat schon Vasmer, RSl VI, 1913, S. 173. 245 11 Zur morphologischen Analyse osset. bcelon/bcelcew vgl. Abaev, IES I 249, und zur lit. Vertretung Fraenkel, LEW 31. 12 Vgl. z. B. Brugmann, Grdr. II/1, S. 296. 13 Vgl. ibid. s. 77: "In der Mehrzahl der Falle gehen in alter- erbten wortern ir, il, im, in, ur, ul, um, un auf ieur. r, 1, m, n zurilck." Weiter, s. 78f., filhrt er die bisherigen D~u- 0 tungsversuche an (z. B. Trautmann, Slavia II s. 1ff.; Vail- lant, Gramm. comp. I s. 171; Kury~owicz, Apophonie s. 227f.). Er selbst geht von einer anderen Begrilndung aus. So schreibt er auf s. 79: "Nun ist erstens klar, dass der gewohnliche Reflex von ieur. *f, *!, *W, *~ sowohl im Balt. wie im Slaw. *ir, *il, *im, *in ist. Dieser Reflex ist auch der einzige, der am lebendigen Ablautwechsel teilnimmt. ( ... ) Die Ver- bindung uR bezeichnet also die seltenere Entwicklung. Dies zeigt sich auch darin, dass die u-verbindungen geneigt sind, eine expressive Valeur anzunehmen. Besonders im. Balt. lasst sich dies in einer erstaunlichen Anzahl von Fallen feststel- len. Die Bedeutungen, die durch Worter mit uR usw. zum Aus- druck kommen,· sind vor Allem die folgenden: 1. "schwer, dumm, faul", 2. "klumpig", 3. "krumm", 4. "mit korperlichen Gebrechen, oder anderen herabsetzenden Eigenschaften verseh- enJ elend", 5. "dunkel, schmutzig", 6. dazu kommen lautma- lende Worter." zur moglichen Vereinbarkeit der von Trautmann und Kury~owicz vorgeschlagenen Deutung mit der Stangschen vgl. noch Stang, ibid. s. Blf. 14 Fraenkel 399 verzeichnet lit. makas "(Geld)beutel", lett. maks "Beutel" ( ... ),lit. makštls, Pl. makštys "Scheide, Futteral, Etui", makšna "(Geld}beutel" ( •.. ), lett. maksts "Netzbeutel, Scheide, Futteral" - mit leichten Bedeutungs- abweichungen also, die aber besser zu slawischen Belegen passen. 15 Es bleibt die Frage, ob der osset. Vokalismus ev. aus einer Schwundstufe derselben wurzel erklarbar ware. Oder denkt Abaev vielleicht an Einfluss der slawischen Form auf die ossetische? Problematisch. 16 Vgl. dazu Fraenkel 309: kU:metis, kwnetys "Instmann, Gartner" < aruss. k'bmetb; apreuss. kumetis "Gebuer" (= "Bauer")< apoln. k'bmet' usw. 17 Dieselbe zusammenstellung verzeichnet schon A. A. Zaliznjak, Voprosy slavjan. jazykoznanija 6 (1962), s. 41, wo er einige Umstande, die zugunsten des moglichen Einflusses des Sla- wischen auf die nordiranischen Dialekte sprechen konnten, anfilhrt. Hinsichtlich der Ursache einer solchen Entlehnung schliesst er sich der Deutung Abaevs, OJF I 334 an, der eine soziale Differenzierung der Alanen annimmt. 18 Denn (ibid.): "Esli by reč6 šla o pervonačal6nom rodstve,' to my imeli by v osetinskom ne fcext, a *fist." 19 In diesem Zusammenhang ware vielleicht angebrachtJ die ge- ographische und chronologische Verbreitung des Terminus 246 pextilb zu ilberprilfen. Vasmer II 363 fuhrt noch eine weitere dialektische Variante pixtelb an. 20 Zu dem Verhaltnis iran. a : osset. ce vgl. Miller, GIPh I An- hang I S. 14 und zu iran. t : osset. d Beispiele wie aw. ma- tar : osset. madce "Mutter" oder aw. satam : osset. scedce "hundert". Zu russ. Belegen und Bedeutungen vgl. Vasmer II 330. 21 Zur M6glichkeit eines typologisch verwandten Prozesses vgl. Dressler, Sprache XI, 1965, S. 37: "Im Altkirchenslawischen entspricht (vielleicht als Lehnubersetzung) griech. a~r ein wort Vbzduchb. 11 22 Zu ai. v'pra- "Aufwurf von Erde, Erdwall" (ep., kl.) vgl. Mayrhofer III 145, der zu dem oben genannten ossetischen Beispiel eine wirklich schlagende Parallele aus dem Irani- schen beibringt: "Ein vergleichbares *vap-ra- setzt das Ira- nische in der Bedeutung "Schnee" fort: aw. vafra-, neup. barf usw. • Zum Verbum v'pati "streut, sprengt aus, wirft, sat" vgl. Mayrhofer III 144. Vgl. auch Vasmer II 126. 23 Vgl. Miller, GIPh I Anh. S. 20 § 9 Anm. 24 K6nnte ev. der Vokalismus eines solchen Synonims - falls im Ossetischen ilberhaupt bekannt - die Bildung mit/rnet beein- f lussen? In diesem Fall konnte vielleicht (!) eine ahnliche Doppelheit wie im Awestischen, das sowohl den Ausdruck sna- eža- wie auch vafra- "Schnee", wahrscheinlich mit einem ur- sprungli chen Unterschi ed in der Bedeutung, etwa "Gestober" : "Schnee", kennt, vorliegen. 25 Vgl. schon Rozwadowski, RO I, 1914-15, 104. 26 So schreibt er auf s. 38 folgendes: "Areal6nye slova vxodili v osetinskuju leksiku v raznye periody istorii jazyka. V drevnejšij period jazyk ešče ostavalsja veren unasledovannym iranskim fonetičeskim normam, v tom čisle i iranskomu rota- cizmu. ( ... ) So vremenem jazyk v processe kontaktov s drugi- mi jazykami stal otxodit6 ot drevneiranskix zvukovyx norm i stali vxodit v silu normy areal6noj fonetiki, v tom čisle otkrylis6 dveri dlja fonemy l. " 27 Vgl.' s. 47: "Izoglossa y (h) informiruet nas o bolee glubo- kom i značitel6nom učastii skifo-sarmatskogo elementa v etno- genetičeskom processe na juge Rosii, čem eto mogut sdelat6 toponimika i arxeologija." 28 Zum slaw. bOgb vgl. noch Vasmer, RSl VI, 1913, 173; Meillet, RESl VI, 1926, 168; R. Jakobson, Slavic Mythology, Funk and Wagnalls Standard Dictionary of Folklore, Vol. II, 1950. Vgl. noch weiter s. 221. 29 Vgl. z. B. Porzig, Gliederung s. 168. 30 (S. 53): "Ix kontakty načalis6, verojatno, so vremeni obo- soblenija slavjanskoj gruppy, t. e. so vtorpj poloviny II tysjačeletija, ( ... ) do IV v. n. e., stalo byt6, okolo pjat- nadcati vekov." 247 31 (S. 59f.): "Blizost6 meždu slavjanskim i osetinskim sostoit ne tol6ko v tom, čto preverbov mnoge i vse oni obraščajut nesoveršennyj vid v soveršennyj, no i v tom, čto i v slav- janskom, i v osetinskom preverby ne utračivajut pri etom i svoix slovoobrazovatel6nyx funkcij, utočnjaja značenie dej- stvija v otnošenii ego prostranstvennoj napravlennosti i pr. ( ... ) I v slavjanskom, i v osetinskom perfektiviruju- ščaja rol6 preverbov vystupaet v prošedšem i v buduščem vremeni." 32 (S. 64): "V etot otnositel6no drevnij period, kogda v ose- tinskom proisxodilo sraščenie nekotoryx preverbov s glagol6- nymi osnovami, preverby ešče ne soobščili glagolu perfektiv- nogo značenija, t. e. soxranjalos6 ešče to položenie, koto- roe bylo v drevneiranskom." 33 Vgl. noch z. B. Meillet, MSL 9, S. 55; MSL 20, S. 111; RS 8, s. 297 und Fraenkel s. 1173f. 34 Vgl. auch Arumaa, Ursl. Gramm. II, S. 52: V'bZ- (-z-< -g'h-J. 35 "Eta blizost6 lučše vsego možet byt6 ob~jasnena kak rezul6- tat areal6nyx skifo-slavjanskix jazykovyx kontaktov v Vos- točnoj Evrope, našedšix svoe vyraženie i v rjade d~ugix lek- sičeskix i grammatičeskix izogloss." 36 (S. 70): "Analogija meždu slavjanskim i osetinskim, kak my vidim, daleko iduščaja i pokazatel6naja: v slavjanskom v obširnoj gruppe imen i mestoimenij, v osetinskom v imenax, a takže ličnyx, voprositel6nyx i otnositel6nyx mestoimeni- jax suščestvuet genitiv-akkuzativ, pričem i tam i tut upo- treblenie ego svjazano v konečnom sčete s različeniem klassa ličnostej (persona) i klass ne-ličnostej ili veščej (res)." 37 Delbruck, Vgl. Syntax I 320, 154; Meillet, Recherches sur l'emploi du genitif-accusatif en vieux-slave, Paris 1897; Berneker, KZ 37, 1901, s. 364-386; Meillet, Le slave commun, s. 407. 38 (S. 73): "Počemu že tol6ko v osetinskom, vostočnoarmjanskom i slavjanskom v etoj roli vystupaet forma genitiva?" 39 Vgl. noch S. 78: "V osetinskom že pojavlenie genitiva-akku- zativa risuetsja kak zakonomernyj process, podderživaemyj vsej istoriej iranskix i daže, šire, indoiranskix jazykov." 40 "Die Einfuhrung der Genitivform bei Bezeichnungen fur Lebewesen hangt mit der Ausbildung der Kategorie der Belebt- hei t zusammen, die in verschiedenen slavischen Sprachen ver- schieden weit (im Russischen am weitesten) gegangen ist. In allen Einzelheiten ist dieser Prozess furs Russische zuletzt von Kuznecov 1959, 92-107 dargestellt worden. Es erweist sich, dass der sogenannte Genitiv-Akkuzativ zuerst bei Per- sonennamen auftritt (1229 / ... /), dann bei den gleichen Be- zeichnungen mit Prapositionen (1375 / ... /), und schliesslich bei Bezeichnungen fur mannliche Tiere (1521 / ... /)." 41 "Cette distinction est nouvelle et inconnue du baltique, mais elle est deja fixee en vieux slave ( ... ). Et elle s'elargit 248 ( ... )le genitif-accusatif se developpe au pluriel et au duel, d'abord dans la flexion pronominale avec les pronoms et adjectifs employes absolument,puis, pour une partie des langues, dans la flexion des substantifs. ( ... ) Le russe, avec l'obscurcissement de la notion de genre au pluriel, l'etend au pluriel des feminins et des neutres." 42 Vgl. noch Meillet, Recherches sur l'emploi du genitif-accu- satif en vieux slave, s. 172: "Le nominatif et l'accusatif de tous les th~mes masculins en -o- ont ete identiques pen- dant un temps; l'accusatif des adjectifs detemines, influ- ence par les pronoms et les demonstratifs, a pris la forme du genitif-accusatif que possedaient ces mots; en se trans- mettant aux formes nominales, cet usage a permis d'ecarter la confusion du nominatif et de l'accusatif d'abord dans les noms de personnes, puis dans ceux d'gtres animes." 43 Er schreibt in diesem Zusammenhang (l. c.): "O genetičeskom edinstve, t. e. o vozvedenii obeix legend k obščej indoev- ropejskoj mifologii, takže ne prixoditsja govorit6, tak kak v etom slučae my mogli by prosledit6 elementy etogo mifolo- gičeskogo kompleksa po vsem indoiranskomu i evropejskomu miru, a ne tol6ko v osetinskom i latinskom." 44 Vgl. noch Abaev, IES II 148f. 45 Vgl. weiter S. 230. 46 Vgl. Abaev, Melanges Benveniste, 1975, s. 4f. 47 Vgl. jedoch Gimbutas, To Honor R. Jakobson, Vol. I, s. 747. 48 Abaev, ibid., Anm. 82. 49 Vgl. dazu auch R. Jakobson, Slavic Mythology, F. and w. Stand. Diet., Vol. II, s. 1027, und ausfilhrlicher M. Gimbutas, To Honor R. Jakobson, Vol. I, 1967, s. 745. 50 (S. 120): "čto drevnejšij sloj rassmotrennyx nami izogloss otnositsja ko vremeni, kogda drevneevropejskie jazyki naxo- dilis6 ešče v neposredstvennom obščenii meždu soboj i so skifskim jazykom, a predki italikov ne pereselilis6 ešče iz Srednej Evropy v Italiju ( ... ). A kak eto pereselenije otno- sitsja k koncu II tisjačeletija do n. e., to drevnejšie ski- fo-evropejskie izoglossy prixoditsja datirovat6 vremenem ne pozdnee vtoroj poloviny II tysjačeletija do n. e." 51 (S. 27): "Kogda xettskaja, grečeskaja, praarmjanskaja, indo- iranskaja gruppy uže davno otdelilis6, utratili neposred- stvennye kontakti meždu soboj i vstali na put6 samostojatel6- nogo razvitija, buduščie balto-slavy, toxary, germancy, kel- ty i italiki soxranjali ešče areal6nuju obščnost6 v Srednej i Vostočnoj Evrope, razvivajas6 v uslovijax vzaimyx kontak- tov." 52 Filr die zweite Moglichkeit konnte vielleicht das Material bei Toporov- -Trubačev, Lingv. analiz (1962), z. B. S 231, sprechen; vgl. jedoch die kritische Stellungnahme von P. Arumaa, Baltes et Iranes, Studi 249 linguistici in onore V. Pisani, Vol. I, 1969, s. 73-90, so z. B. s. 87: "De la critique presentee ci-dessus ressort clairement que toutes les etymologies iraniennes proposees jusqu'a present concernant les habitats septentrionaux des Iraniens reposent sur les bases tres fragiles. Quand Toporov et Trubačev nous disent qu ils ont constate un nombre double des hydronimes iraniens sur le cours superieur du Dnieper, en comparaison avec les resultats anterieurs de Vasmer, on pourrait bien expliquer une telle pretention par le fait que les onomatologues russes ont ete dans leur jugement moins circonspects que Vasmer. M~me les etymologies conjecturales de Vasmer, bien que mieux fondees, sont difficiles a defen- dre" und noch besonders ibid. S. 90: "D'autre part aussi, l'appreciation exacte des anciens dialectes de l'iranien du Nord, respectivement des langues iraniennes de la Russie meridionale, se heurte difficultes considerables. La publi- cation la plus recente d'un specialist qualifie dans la do- maine de la langue ossete, V. I. Abaev, Skifo-evropejskie izoglossy (Moscou 1965) n'apporte non plus aucune image de- taillee de la structure de ces dialectes, malgre qu'une me- thode de la linguistique geographique y ait ete largement adaptee. L'une des theses essantielles d'Abaev est, l. c., p. 121sqq., que les tribus nord-iraniennes etaient des habi- tants autochtones de l'Europe orientale et que la Russie meridionale doit etre envisagee comme le berceau des Irani- ens. Il est difficile de faire accorder cette theorie avec les tres pauvres emprunts de l'iranien en langues slaves et avec la question: pourquoi n'y a-t-il dans les langues baltes, que nous connaissons, aucune trace sur de l'influence iranienne? Nous ne croyons pas, en definitive qu'on puisse meme d'un seul fait probant dans l'hydronymie, etayer l'hy- pothese d'une connexion etroite et vive entre les Baltes et les Iranie.ns." 53 Vgl. z. B. ibid. s. 136: "čto slavo-iranskie jazykovye svjazy načalis6, po-vidimomu, ešče v doskifskuju epoxu v ramkax pozdnej indoevropejskoj obščnosti. V bol6šinstve slučaev net takix otličitel6nyx priznakov, kotorye pozvolili by s uverennost6ju otdelit6 ranneskifskoe ot obščeiranskogo." 54 Ibid. s. 141: "Im Baltoslawischen spater als im Indoirani- schen und Armenischen." 55 Vgl. dazu noch die weiteren Ausfuhrungen ibid. s. 146, die aber nichts wesentliches beitragen. Die Kategorie der "Are- al-Lexik" bleibt somit noch immer unerklart, wenigstens hin- sichtlich der Herkunft bzw. Entstehung solcher Worter und deren weiterer morphologischer Analyse, wie sie in der his- torischen Sprachwissenschaft gefordert wird. Eine solche Wortkategorie setzt eine besonders nahe Beziehung zwischen den miteinander in Kontakt stehenden Sprachen voraus. In diesem Rahmen waren einige Beispiele in der Ta.t nur dann verstandlich, wenn man mit Bilinguismus rechnen konnte. Einen solchen Status fur die baltoslawisch-iranischen Sprachbeziehungen anzunehmen scheint mir gewagt und unbeweis- bar. 250 56 Eine solche Auffassung verteidigt z. B. Moszynski, Pierwot- ny zasi~g j~z.· pras~., 1957; Zaliznjak, VSJa 6, 1962, 28ff. und KSIS 38, 1963, 3ff. 57 (S. 9): "rassmotrenie slavjano-iranskix jazykovyx otno•enij dolžno byt6 pereneseno iz tradicionnogo objčeslavjanskogo plana·v plan praslavjanskoj dialektologii i lingvističeskoj geografii" und weiter ibid.: "Aktual6noj zadačej izučenija slavjano-iranskix leksičeskix (i voobjče j.azykovyx) otno•e- nij javljaetsja rasjirenie privlakaemogo materiala - pra- slavjanskoj dialektnoj leksiki, onomastiki (v častnosti, antroponimii)." 58 Vgl. Toporov-Trubačev, Lingvističeskij analiz gidronimov verxnego Podneprov6ja, Moskva 1962, S. 225 und Arumaa, Studi 1. in onore di V. Pisani, Vol. I, s. 84. 59 Lit. miežys usw. wird von Čop, milndlich, zu idg. *meit(h)- (Pokorny 715) gestellt, also *mei-g'h-. 60 Zu einem ahnlichen Bedeutungsverhaltnis bei aind. navan!tam "frische Butter" vgl. Mayrhofer, AIEW II 143. 61 H. Eichner hat mich auf pw IV, 1959 2 , s. 222 *balagra- n. "Taubenschlag" aufmerksam gemacht. Zu bala- vgl. Mayrhofer II 426f. 62 Nach Čop, milndlich, mit aind. kapota- "Taube" zusammenzu- bringen. 63 Vgl. oben S. 191. 64 Dieselbe Zusammenstellung behandelt u. a. schon Arntz, Sprachliche Beziehungen zwischen Arisch und Balto-Slawisch, s. 45, Beispiel 32. 65 Vgl. Brugmann, Grdr. II/1, s. 395: "Als lebendige Glieder eines Verbalsystems scheinen die to-Adjektiva von uridg. Zeit an durchgangig oxyt.oniert gewesen zu sein" und ibid., S. 411: "Bald haben sich, wie das auch in anderen Formklas- sen der Fall war, rein nominale Adjektiva einem Verbum an- gegliedert, bald sind verbale Adjektiva zu rein nominaler Geltung zurilckgefilhrt worden. Hier seien noch Beispiele filr rein nominalen Gebrauch gegeben. Av. sar3ta-, lit. szaltas "kalt", zu ai. di-dira-s "kalt"." 66 Vgl. Bartholomae, GIPh I, s. 175 und Reichelt, Aw. Elemen- tarbuch, S. 76. 67 Vgl. z. B. Lindeman, Einfilhrung in die Laryngaltheorie, S. 104 und Kuiper, Sprache VII, S. 21, 29 u. a. 68 So z. B. s. 128: "Ebenso hat die Verbindung Vokal + Sonant + prakons. ~ (eR~T) akutierten Diphtong ergeben." Part. pret. pass. wird im Baltischen von dem Infinitivstamm ge- bildet. Vgl. ibid. S. 446. 69 . "Vielleicht liegt die Tiefstufe vor in lit. šllti ( ... ), denn auszuge~en ist von der idg. wz. *k'el-, *k'ol-, die "kalt", daneben auch "warm" bedeuten kann." 251 70 6op, milndlich, stellt aind. k!odati "zerstampft" dazu. 71 Anstatt *ab-1-ta- ist eher *abi-ita- anzunehmen (so H. Eich- ner, brieflich). Vgl. z. B. ai. v1ta- (*vi-ita-J, ags. wid usw. Pokorny 294-5 . • 72 Zur Frage des u-Stamms im Baltischen vgl. Arumaa, ~rsbok 1948-49, Lund 1951, S. 70. 73 6op, milndlich, verweist auf die mogliche Verbindung mit lat. paetus "leicht schielend". Vgl. Walde-Hofman, LEW II 23 5. 74 "v ponjatie slavjano-iranskix leksiteskix otnojenij nami vkljutaetsja edinstvenno special6nye slavjano-iranskie in- novacii i besspornye zaimstvovanija, to estestvenno ožidat v rezul6tate sokra•tenie su•testvujujtix slov" (S. 21). 75 So z. B. Rozwadowski, RO I, 1914-15, s. 103 und R. Jakobson, F. and w. Stand. Diet. II, S. 105. 76 So z. B. Meillet, RESl VI, S. 166f. 77 Vgl. z. B. Arntz, o. c., s. 45, Ex. 39. 78 Vgl. z. B. Meillet 1 RESl VI, S. 169; Arntz, S. 44, Ex. 21; Benveniste, To Honor R. Jakobson, 1967, S. 197. 79 B. 6op hat mich milndlich auf das myk. opi-oromai "Herde hil- ten" aufmerksam gemacht. In diesem Fall konnte es sich nicht um eine iranisch-slawische Isoglosse handeln. 80 B. 6op, milndlich, denkt an onomat. Ursprung. Vgl. dazu die Bel~ge bei.Pokorny 1058. 81 so u. a. noch: Arntz, S. 33; Benveniste, To Honor R. Jakob- son, 1967, s. 198. 82 Vgl. dazu noch die Deutung von Szemerenyi, Die Welt der 83 84 85 86 87 88 Slawen XII/3, 1967, S. 272. · Vgl. schon Meillet, RESl VI, s. 166f. Vgl. z. B. Meillet, RESl VI, s. 16 7. Vgl. z. B. R. Jakobson, l. C.' s. 1025. Vgl. z. B. Rozwadowski, RO I, s. 1 08t.; Jakobson, l. C., s. 1025. Vgl. z. B. Vasm.er, RSl VI, s. 173; Jakobson, s. 1025. Vgl. z. B. Vasmer~ RSl VI, s. 17 3f. 89 Vgl. Abaev, Ezyk. izsl. v tast na akad. St. Mladenov, Sofi- ja 1957, s. 321-8. 90 Vgl. Vasmer, RSl VI, s. 176f. und Bezlaj, Etim. sl9var I 212. 91 Vgl. z. B. Vasmer, ibid. 175 und auch Kiparsky, Russ. hist. Gr. III, S. 60. 92 Vgl. z. B. Vasmer, RSl VI, s. 174f. und s. weiter S. 229. 252 93 Vgl. z. B. Rozwadowski, RO I, s. 110 und Vasmer III 328 94 Vgl. Vasmer I 321f. und noch Abaev, Sb. Borkovskogo (1971) s. 13. 95 Vgl. schon Rozwadowski, RO I, s. 107f. und Vasmer I 624. 96 Vgl. z. B. Rozwadowski, RO I, s. 107; Vasmer I 653 und Pohl, Kratylos XXII, s. 8. 97 Vgl. Vasmer, RSl VI, s. 176; Vasmer III 121f.; Rozwadowski, RO I, S. 107 und Meillet, RESl VI, 1926, S. 173f. 98 Vgl. oben s. 194 und 221. 99 Vgl. anders Mladenov, RESl IV, 1924, 190ff. 100 Vgl. noch Palmer, TPS 1950, S. 167 und Hommages Niedermann (1956), s. 259. 101 Vgl. Vasmer, REW I 98; Vaillant, Gramm. comp. I, S. 16; Mo- szynski, Zasi~g s. 82ff.; I. Grafenauer, Slov. etnograf 5, 1952. s. 237f. usw. Sadnik-Aitzetmuller, Vergl. wb., Lief. 5, 1970, s. 361, rechnen - ahnlich wie Mayrhofer l. c. - mit iranischem Einfluss. 102 Zum Reflex der Gruppe *r + m schreibt z. B. Arumaa, Ursl. Gr. II, s. 145, folgendes: "Die Gruppe Liguida + Nasal ist im Slawischen reichlich vertreten, weil m in der Wortbil- dung als primares Formans gilt. Da wo es sich um sonanti- sches r handelt, bleibt rm bis in die Neuzeit erhalten, so z. B. slowen. črm "Fingerwurm", aus *čbrmo, zu lit. kirml.s "Wurm", aind. kfmi- "dass." Zum Reflex der Gruppe *r + u meint er ibid. s. 150: "Diese Gruppe entsteht meistens bei Wurzeln, die auf u auslauten. Das Wort fur 'Eber, Kleinvieh', urslav. *borvb in sloven. brav, poln. browek ist ein ver- bauter u-stamm ( ... ); oder abulg. drevo 'Baum', lit. derva 'Kleinholz' ( •.. ). Daneben hat auch suffixalen Charakter angenommen, z. B. im Wort fur 'Leib, Eingeweide': abulg. črevo neben apreuss. kermens 'Leib'; r.-ksl. mraviji 'Amei- se' aus urslaw. *morvI; ar. ČbrVb 'wurm' neben abulg. Črb­ monb 'rot'." 103 Vgl. Mladenov, ASlPh XXXIII, s. 16-9 und Skok III 339. 104 Vgl. Abaev, OJF I 240: "Skify javljajutsja takže tem edin- stvennym iranskim narodom, kotoryj dolgo i neposredstvenno sosedil so slavjanskim, v osobennosti vostočnoslavjanskim mirom." 105 Vgl. jedoch Kiparsky, Russ. hist. Gr. III, s. 61: "Da das wort erst 1625 belegt ist, dilrfte turkische Vermittlung vorliegen." 106 Vgl. Abaev, Etimologija 1966 (1968), s. 246. Er nimmt an, dass auch das Skythische das entsprechende Wort, das sonst nur im Awestischen belegt ist, enthalten haben milsste. Vgl. auch Kiparsky, Russ. hist. Gr. III, s. 60. 107 Vgl. oben S. 220. 253 108 Vgl. Kiparsky, Russ. hist. Gr. III, S. 60. 109 Vgl. dazu Berneker I, s. 23f.; S~awski I, s. 24; Bruckner, s. 1 o. 110 Vgl. dazu Vaillant, Gr. comp. III, S. 429: "Le slave *ači­ ti, dans pol. ob-aczyc, d'ou baczyc 'regarder, avoir egard', a un corfespondant dans av. aiwy-axšeyeinti 'ils surveil- lent' et il peut gtre le factitif d'un derive verbal du nom de l"oeil', oko, comme l'inchoatif lit. anku, akti 'recevoir des yeux', adj. akylas 'attentif'. Vgl. noch aus- fuhrlich Mathiassen, Studien zum slawischen und indoeuropa- ischen Langvokalismus (1974), S. 160f. Zu den formalen Mog- lichkeiten einer solchen Herleitung vgl. noch Szemerenyi, Die Welt der Slaven XII/3, 1967, wo er auf s. 280 zur Ver- anschaulichung des Begriffs 'depreverbalization' folgendes Beispiel anfuhrt: "with the wellknown process of 'deprever- balization' ( ... )it is also relevant to point to Marty- nov's successful elucidation of Slavic gneati s~ 'to be angry': it is depreverbalized from *ogneati, earlier *ogne- vati, from ogn:o ( ... ). " 111 Vgl. čop, živa antika III, 1-2, 1953, s. 186f. 112 Ibid. 58f. B. Čop, mundlich, rechnet mit einer Moglichkeit *trva- rv *tr~u- "gedeihen" (Pokorny 1095). o 113 Vgl. dazu Bartholomae, GIPh I/1, S. 172, § 297, P. 1: "Nach den gegebenen Beispielen scheint mir die Norm a~ im Anlaut und in offener Silbe, oi in geschlossener ( ... ). Doch ist sie in Inlautsilben haufig verletzt ( ... ). Unregelmassiges oi findet sich haufiger. Das gaw. bevorzugt oi, das jaw. ae." 114 čop, mundlich, nimmt eine Verbindung mit lit. pe~lis, lett. pe'Ilis "Messer", slaw. pila, d. Feile, lat. pilum usw. an. Vgl. Fraenkel 563f.; Walde-Hofmann, LEW II3, 1954, S. 304. 115 Vgl. noch Bartholomae, Altiran. Wb. S. 610. 116 Vgl. R. Jakobson, l. c., s. 1026. 117 Machek, Linguistica Slovaca III, Bratislava 1941, S. 84-8. Vgl. auch sein Etym. Wb. S. 415. 118 Vgl. l. c., s. 66: "Etimologiteskij i mifologiteskij ana- liz slova rarog'b poka.zyvaet intensivnost6 slavjano-iranskix obštenij v oblasti religii (na urovne drevnix primitivnyx verovanij) i mifologii i odnovremenno možet služit6 otve- tom, kotoryj udovletvorit ljubogo skeptika, somnevajušte- gosja voobšte v real6nosti sootvetstvujuštix vlijanij iran- cev na slavjan." 119 Zu den zit. Lehnwortern bzw. deren mythologischen Hinter- grund vgl. noch die Schlussbemerkungen ibid. S. 70f.: "Ir. pativara- - *varagna-polnost6ju otrazilos6 v pol6sk. po- czwara - rarog, pri tem jasnye sledy mifologiteskogo upo- treblenija pol6skix prototipov govorit o tom, tto delo ne ogranitevalos6 odnim zaimstvovaniem slov, no celyj sjužet 254 drevnix mifologičeskix verovanij byl vo vsem suščestvennom pozaimstvovan čast6ju drevnix zapadnyx slavjan v epoxu in- tensi vnyx kontaktov s sosednimi drevneiranskimi plemena- mi." ihnliches stellt er (S. 71) hinsichtlich der Lage im Baltischen fest: "Iz predyduščego izloienija sleduet,. čto baltijskij v rezul6tate samostojatel6nyx obščenij s iran- skim toie usvoil paru terminov ir. *pativara- - *varagna-, otraziv ee v vide lit. aitivaras "letučij dux, zmej" - vanagas "jastreb". Net ničego udivitel6no·go v tom, čto slavjane i balty zaimstvovali u irancev odni i te ie ter- miny." Vgl. noch Fraenkel, s. 1194. 120 Die Gegenargumente, die er auf S. 72f. anfilhrt, sind: ver- schiedene Areale, abweichende Semantik, die Ablautverhalt- nisse der Urform. 121 zu gau- "Kuh, stier, Rindvieh" vgl. die Namen wie Gaos, Agauo! - Abaev, OJF I 166. 122 Uber katb schreibt auch Go~qb, To Honor Roman Jakobson, Vol. I, S. 783, wo er katb "murderer, tormentor" als eine Vrddhi-Bildung darstellt. Wichtig ist die Auseinander- setzung mit dieser Meinung, die T. Mathiassen, Studien zum slavischen und indoeuropaischen Langvokalismus (1974), S. 215, bringt: "G0~4Bs Interpretation von kat ist nun die folgende: Es gehore dies als Vrddhibildung zu dem aus tabuistischer Rucksicht aus tok- umgestellten kot-. Die Entwicklung sei namen actionis *koto- --+ denominatives Adjektiv *koto (katb). Ich finde diese Interpretation wenig uberzeugend: kat ist ja nur im Westslawischen be- legt; m. E. konnte es sich somit sehr wohl um eine spate Ableitung von katati/katiti handeln. Die Annahme tabuis- tischer Umstellung ware filr kat 'Henker' verstandlich, kaum aber fur das hierfur zugrundeliegende kot-." Vgl. noch Darms, Schwaher und Schwager, Hahn und Huhn. Die Vrddhi-Ableitung im Germanischen, Milnchen 1978, s. 349f. und Jakobson, word 8 (1952), s. 388. 123 "Rešajuščee značenie nuino pridavat6 svidetel6stvam pol6- skogo materiala o sostave leksiki v iranskix dialektax- -istočnikax." Strittig ist seine Interpretatiton der Stellung der polnischen Worter im Rahmen der slawischen Lexik insgesamt. Vgl. dazu s. 79: "čto eti pol6skie slava otnosjatsja k čislu drevnix elementov slavjanskoj leksiki nezavisimo ot svoego ograničennogo rasprostranenija (pra- slavjanskie leksičeskie dialektizmy)." 255 Povzetek K NOVEJŠIM PREDLOGOM IRANSKO-BALTOSLOVANSKIH IZOGLOS Pričujoči tekst analizira besedno in slovnično gradivo, ki .ga prinašata v svojih razpravah v. I. Abaev, Skifo-evropej- skie izoglossy, Na styke vostoka i zapada, Moskva 1965, in o. N. Trubačev, Iz slavjano-iranskix leksičeskix otnošenij~ Etimologija (1965}, Moskva 1967, str. 3-81. 256