m itwtiefiE kathollscheW§wMMlschrist äerSöhne öes heiltzstmherLMS 3esu,6 (Organ des Marien-Verems für Afrika) Dient vornehmlich der Unterstützung und Ausbreitung der ITlissionsfätigkeit der Söhne des heiligsten Berzens Jesu und sucht Verständnis und werktätige triebe des ITlissionswerkes in Wort und Schritt zu fördern. Das Arbeitsfeld dieser Missionäre ist der Sudan (ZenfraUAfrika). Der „Stern der Neger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus Milland bei Brixen (Südtirol) herausgegeben. Hbonnemenfspreis ganzjährig mit Posfversendung L X — 2 mii. — 3 Frc. Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den apostolischen Segen erteilt. Kür die Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Hiessen gelesen, mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, [leifmerifj, tiinz, Olmüts, (Harburg, Crient, Triest und Wien. Heft 4. April 1914, XVII. Jalirg. Gründung der Million in Diding bei den Duha. Von ntonfgr. Franz Xav. Setjer. Am 26. November verließ ich mit dem Hvchw. P. Mohn und Bruder Pauschek Khartouni. Die Eisenbahn zieht den Blauen Nil entlang nach Süden durch flaches Land, das nur der künstlichen Bewässerung harrt, um ein Eden für den Baumwollbau zu werden. Bet Sennar wendet sich die Bahn nach Westen, durchzieht in ihrer ganzen Breite die von den beiden Nilen gebildete Halbinsel ©estra, setzt auf der eisernen iBrücke bei Kosti über den Nil und betritt dann die Steppen Kordofans. Stundenlang bietet sich dem Auge immer dieselbe sandige Ebene, welche von Buschwerk bestanden und stellenweise für den Anbau von Negerhirse hergerichtet ist. Den Reichtum dieser ungeheuren Steppen bildet der Gummistrauch, dessen Erträgnisse einen der hauptsächlichsten Ausfuhrartikel des Sudans bilden. Die Eingeborenen sind dunkelbraune Araber, die von Ackerbau und Kamelzucht leben. Nicht ferne von der Station Rahad ragt die finstere Gruppe dräuender Bergfelsen von Daier auf. Von da an wird der Affenbrotbaum oder Baobab (Aclansonia digita.ta), von den Eingeborenen Tabaldia genannt, sichtbar. Diese merkwürdigen Bäume von 70 bis 80 Fuß Höhe und von 30 bis 40 Fuß Stammesumfang, mit ihren bizarren Ästebildungen, die wie verschlungene Riesenfragezeicheu in die Luft starren, gehören zu den merkwürdigsten Erscheinungen Afrikas. Nach 36stündiger Fahrt erreichen wir El Obeid, das von Khartoum 680 Kilometer entfernt ist. Unter den etwa 20.000 Bewohnern, Angehörige der.zahlreichen Araberstämme der Umgebung, sowie der fernsten moham- 74 Stern der Neger. Heft 4. medcmischeu Völker vom afrikanischen Westen, welche auf ihrer Wallfahrt nach oder von Mekka hier oft jahrelangen Aufent-halt nehmen, befinden sich 140 Katholiken, meist orientalische Kaufleute, die ich schon einige Monate vorher mit dein hochw. Pater Huber besucht hatte; sie wohnten anbeut folgenden Tag der heiligen Messe bei und empfingen die heiligen Sakramente. Am 1. Dezember waren wir reisefertig. Unsere Karawane bestand aus 15 Last-und Reitkamelen und 2 Eseln. Um 2 Uhr nachmittags zogen wir aus der Stadt nach Süden über bebuschte Sandsteppen und schlugen bei Sonnenuntergang unser Lager bei Pein Weiler Merakeb auf. Am Mor-gen ging es auf der breiten Karawanenstraße nach Süden weiter durch das Gebiet der Araber vom Stamme Bederia. Leider ist die Gegend sehr arm an Wasser, das nur in den von der Straße abgelegenen Ortschaften um Geld und in ungenügender Menge zu haben ist. Auch die Brunnenlöcher von Fertangul, die wir um 11 Uhr erreichten, waren fast ganz ausgetrocknet. In der Hoffnung, Wasser zu finden, zogen wir weiter, aber schier endlos erstreckte sich der dürre Busch. Erst nach einem Daigesritte von zwölf Stunden erreichten wir den Halteort Hamadi, dessen Erdlöcher spärliches Wasser von der Farbe des Milchkaffees enthielten. Menschen und Tiere waren vom langen Marsche unter der brennenden Sonne höchst ermüdet. Die Kamele fraßen gierig die Dornen des toten Zaunes, welcher den Lagerplatz einfriedete. In finsterer Nacht erschien nach der Häuptling der Hauazma-Araber und gab uns Aufschlüsse über die Umgegend. Am folgenden Morgen, 3. Dezember, las ich um 3 Uhr die heilige Messe in einer Stroh-hütte, meine Mitbrüder empfingen die heilige Kommunion, und dann ging es weiter, bis wir um 10 Uhr die Buschniederung von Nabak erreichten. Das war eine wasserreiche, von üppiger Mjachstumsfülle duftende und von munterem Vogelfang widerhallende Waldoase, und die 'Brunnenlöcher im Schatten blätterreicher Hoch-bäume waren von Herden von Pferden und Rindvieh der umwohnenden Araber-stämme umlagert. Je weiter wir nach Süden zogen, desto ansteigender wurde der Boden und desto frischer und entwickelter der Wuchs von Busch und Baum. Hunderte von Kamelen, Ochsen und Eseln, mit Negerkorn beladen, kamen uns entgegen. Da die letztjährigen Regen im ganzen Sudan sehr spärlich fielen und bie Ernte eine karge war, wurde der Bedarf an Getreide aus den Nuba-Bergen bezogen, wo ergiebigerer Regen und rege Tätigkeit der Eingeborenen bessere Ernten zustande gebracht hatten. Bei der Ortschaft Sindschokai, wo unter die Araber sich bereits Nuba mischen, wird die Wellung des Bodens aus-! geprägter, und von einer Anhöhe aus traten zum erstenmal die Berge von Nuba in den Gesichtskreis. Aber sie lagen noch in weiter Entfernung. Erst am Morgen des 5. Dezember gelangten wir in ihre Nähe. Wir begegneten den ersten Nuba-Negern, die ihre Viehherden von den Bergen in die Ebene zur Weide trieben. Gegen Mittag stiegen wir beim Regierungsposten am Fuße der Felshügel von Silling ab. Der Regierungsvertreter, ein englischer Offizier, empfing uns freundlich und wies uns zuvorkommend zwei gute Strohhütten zur vorübergehenden Wohnung an. Sogleich begab ich mich zum etwa zehn Minuten entfernten Platze, an dem bis zum Jahre 1882 die alte Missionsstation gestanden hatte. An einem mäßig hohen Felshügel gelehnt, ist derselbe noch ganz gut erkenntlich und mit grünen Bosketts von Sesaba»dornen umgrenzt. Noch stehen Reste der Lehmmauern der alten Kirche in Kreuzes form. Hier waren unsere Missionäre gleich zu -Beginn -des Aufstandes des Mahdi (1882) von dessen Horden gefangengenommen.*) . Gleich am 8. Dezember, Fest der Unbefleckten Empfängnis, trafen wir Veranstaltungen, um am folgenden Morgen den Bau der ersten Hütten zu beginnen. Die guten Leute waren erfreut, einen Verdienst zu finden. Dreißig Männer uird Jünglinge teilten sich in die Erdarbeiten, und zwanzig Frauen trugen in großen Tonkrügen das Wasser aus dem Brunnen des Regierungspostens zum Bauplatze. Die einen gruben die Erde aus, andere kneteten sie mit Wasser, andere formten Sk lumpen und trugen sie zum Bauplatze, und die Maurer fügten sie aneinander, indem sie nur nach Gesicht und Augenmaß die Wände aufführten. Hochwürden Pater Mohn leitete und beaufsichtigte alle Arbeiten. In ein paar Tagen standen die 2hb Meter hohen Mauern der drei kreisrunden Hütten von drei bis fünf Metern Durchmesser fertig da und harrten der Bedachung aus Stroh. Die Herstellung derselben bot Schwierigkeiten, da in dieser Jahreszeit entsprechend lange Strohhalme nur weit entfernt aufzutreiben waren. Um indessen inmitten der Eingeborenen zu sein, deren Dörfer ganz am Wauplatze liegen, und mit ihnen frei verkehren zu können, verließ ich am 11. Dezember den Regierungsposten mit seinen mohammedanischen Bewohnern und schlug mein kleines Zelt am Bauplatze auf. Da war ich nun den ganzen Tag über von Einge-borenen umgeben, und ich konnte niete Aufschlüsse über ihre religiösen Anschauungen, ihre Sitten und ihre Sprache er- *) Bergt. „Ausstand und Reich des Mahdi im Sudan und meine zehnjährige Gefangenschaft dart-selbst" von P. Ohrwalder, zu haben in unserem Missioushause. langen. Hier einen kleinen Umriß über Land und Leute. Der Name Nuba deutet auf Nubien hin. Daß dieses Volk der Nuba-Neger vom nubischen Niltale von Dongola in seine jetzigen Wohnsitze gekommen ist, dafür sprechen seine Überlieferungen und seine Sprache. Das Wölk erzählt sich, daß ihre Vorfahren Heiden waren, Bei Dongola wohnten und von den vordringenden Mo-hammedanern von dort verjagt und zuerst nach Kordofan und dann in ihre jetzigen Berge zurückgedrängt wurden. Es heißt sogar, daß ihre Werfolgung und Vertreibung ihrer Abneigung gegen den Islam zuzuschreiben sei. Die Sprache der Bergbewohner von Sitting enthält eine Anzahl von Wörtern der heutigen Barabra von Dongola. Die Zeit und der Hergang dieser Wanderung müssen erst durch genauere Forschungen festgestellt werden. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß manche heutige Nuba-Neger Nachkommen von alten Christen des nubischen Niltales seien. Die Tatsache, daß ihre Hautfarbe bedeutend dunkler als /diejenige der Ber-beriner ist, läßt sich aus der Vermischung mit schwarzen Völkern des Adoptivlandes und der Umgebung erklären. Weitere Aufklärungen über diese Ereignisse sind von Wichtigkeit für die Geschichte des Christentums im Sudan, das allerdings längst der Vergangenheit angehört. Das Land der Nuba bildet eine Berg-insel in der Buschsteppe. Die Berge timt Tolling sind die ersten, die mau von Norden kommend antrifft. In einer Reihe ziehen sich fünf einzeln stehende Felseu-kegel von Norden nach Süden hin, die aus durch- und übereinander-geworfenen Steinblöcken bestehen und mit vereinzeltem Buschwerk leicht besetzt sind. Von der Höhe der Steinberge aus übersieht man in einer Entfernung von zwei und mehr 76 eitern der Neger. Heft 4. Stunden zahlreiche andere, welche oft zu-lammenhängende Gruppen bilden. Das Ganze ist ein heiteres Landschaftsbild, in das Berg und Ebene, Busch und Bach ihre Reize weben. Der schönste Fleck darin ist Billing, weltentrückt und doch ein Luginsland, der lichteste, den bisher eine Mission im weiten Sudan erkoren. 'Wie das Bergland eine auffallende Erscheinung in der weiten und ebenen Steppe bildet, so auch das Volk, welches dasselbe bewohnt, in der Mitte der umwohnenden Araberstämme. Es sind keine Araber, aber auch nicht die kohlschwarzen Neger wie die Dinka, Nuer und Schilluk der Sumpfgegenden am Nil. Ihr Äußeres ist eher ein Gemisch von beiden. Von dunkelbrauner oder auch schwarzer Hautfarbe, mittlerer Statur, knochigem Bau, gewöhnlichen Zügen, ist das Gesicht der Erwachsenen von einem mäßigen Barte umrahmt. Sie sind geweckt, gesprächig und zugänglich. Die Erwachsenen tragen je.be Art von Kleidung, die Frauen dunkle Stoffe oder Hüftentücher, während biie Knaben vielfach nackt gehen. Man sieht sie wenig und selten rauchen, schnapsartige Getränke sind ihnen unbekannt; dagegen ist ihnen das Kornbier ihr Nationalgetränk, das sie auch in großer Menge zu sich nehmen. Ihre Wohnungen, nach außen unscheinbare Strohhütten, enthalten im Innern vielfach Lehmstuben von ganz solider Bauart. Freilich, ein Großteil des Volkes haust in ganz elenden Hütten von Stroh, Gras und Reisig. Dies ist vornehmlich der Fall bei denen, welche die Bergfelsen bewohnen. Von den Arabern der Ebene seit Jahrhunderten gejagt und gebrandschatzt. hat sich nämlich dieses Heidenvolk auf die Berge geflüchtet und dort eingerichtet. Zur Zeit der Herrschaft der Mahdisten war das Volk von Dilling in die etwa zwei Stunden entfernten Berge von Nyuma ge- flüchtet, welche besseren Schutz gewährten als die heimatlichen; erst seit Ankunft der neuen anglo-ägyptischen Regierung sind sie wieder in ihre Berge zurückgekehrt. Die Regierung von heute schützt sie gegen die Araber, aber die Mehrzahl bleibt bisher ihren Felsenwohnungen treu; erst ein Teil hat es gewagt, sich ganz nahe am Fuße der Berge anzusiedeln. Es ist zum Erbarmen, zu fehlen, wie sie zu ihren .armseligen Strohhütten an den Felsblöcken auf- und nieder kleitern und Ziegen und Kinder wie Affen dort oben Hausen. Das Volk erkennt dankbar die Verdienste der Regierung um sie tm, und es ist zu erwarten, diaß sie unter ben neuen Verhältnissen, langsam in bet Ebene sich ansiedeln werden. Zu bedauern ist die Tatsache, daß sie im Lause der Zeit mit manchen äußeren Gebräuchen auch religiöse Sitten von ihren mohammeidsischen Feinden angenommen haben. Alle Männer verstehen die arabische Sprache und Frauen und Kinder zum Teile. Ein Großteil hält den Fastenmonat Rhamadan und einzelne beten auch nach mohammedanischer Art, allerdings in ganz willkürlicher Weise. Man kann nicht sagen, daß sie Nloham-mebaner seien. Wie stark der Islam sie beeinflusse, muß erst die nächste Zukunft zeigen. Weitaus die Mehrzahl bekennt sich ausschließlich zu ihren überlieferten religiösen Gebräuchen, und auch diejenigen, welche Äußerlichkeiten des Islam nachahmen, üben zu gleicher Zeit ihre heidnischen Gepflogenheiten. Sie nennen Gott Bil, wissen aber von ihm nur, daß Leben und Tod von ihm kommt. Sonst soll er sich nicht um fie kümmern und sie den Geistern überlassen, die sie Arro nennen. Diese Geister, deren es für das Volk von Dilling 24, darunter auch einige weibliche, alle einem Obergeiste Heft 4. 77 Stern der Neger. untergeordnet, gibt, nehmen. gewisse Personen in Besitz, und zwar die männlichen Geister Männer, die weiblichen Frauen, und sprechen durch sie zum Volke. Solche von Geistern besessene Männer heißen Kodschnr und die Frauen Kodschuria. Sie sind eine Art Priester und Priesterin-nen, welche den Verkehr der Geister mit den Menschen, und umgekehrt, vermitteln. Der Glaube des Volkes an die Kodschnr ist ties eingewurzelt und deren Einfluß daher übermächtig. Als Vermittler der Geister können sie den Guten Glück, gute Ernte, Fruchtbarkeit, Erfolg in Kriegen und langes Leben sichern, den Bösen hingegen Unglück, schlechte Ernte, Unfruchtbarkeit, Seuchen, Mißerfolge im Kriege und Tod zufügen. Um sich vor diesen zu schützen und jene zu sichern, erkauft man sich die Gunst des Kodschnr durch Gaben, welche in Vieh, Korn und sonstigen Erträgnissen des Landes bestehen. Der größte und mächtigste aller Kod-schure ist -Fandama. in Dilling. Er kam öfters zu mir in mein Zelt, und ich besuchte ihn in feiner Hütte auf dem Berge. Ein Silber- und ein Messingring am linken Pulse, Ringe an Fingern und Zehen kennzeichnen ihn wie alle Kodschnr. Er ißt nie vor oder mit anderen, sondern stets allein. Der Schwur bei seinem Pulsring gilt als der heiligste. Bei seinem Erscheinen ziehen alle die Sandalen von den Füßen, legen das grifseste Messer, das sie am Ellbogen tragen, auf den Boden und halten ihm den entblößten rechten Arm hin, den er mit der Hand berührt, während er ihnen aus die Brust spuckt. Dies gilt als der Segen des Kodschnr und des Obergeistes. Diese -ehrfürchtige Behandlung des Kodschnr und die Opfer, welche sie ihm und den Ahnen bringen, sind ihr Gottesdienst. Ganz merkwürdig ist die Art und Weise, wie der Geist vom Kod- schur Besitz nimmt urid durch ihn zum Volke spricht. Es würde zu weit führen, ihren ganzen Glauben darüber hier dar-zulegen^tzJch bemerke nur, daß der Geist dem Kodschnr im Nacken sitzt und ihn nie verläßt. Spricht der Geist durch ihn, so geschieht es im Zustande einer wilden Ekstase. Der Kodschur wird seiner unbewußt, zittert am ganzen Leibe und stößt unter wilden Gebärden grollende, grunzende ltitb stöhnende Laute aus, die teils unverständlich sind, teils seine Offenbarungen, Drohungen und Versprechungen verlautbaren. Dreimal im Jahre, bei der Aussaat, bei der Ernte und bei der Segnung des Viehes geschieht dies unter An-teilnähme des ganzen Volkes mtb unter großen Festlichkeiten, bei denen das Maisbier in Strömen fließt. Wie der Kodschur die geistliche, so übt der Mak (vom arabischen Malek, König) die weltliche Gewalt aus. Er ist auch der Vermittler, dessen sich die Regierung be-di-ent, um das Volk nach ihren Sitten und Gebräuchen zu regieren. Die Heirat geschieht durch Kauf. Der Mann kauft sich die Frau, indem er deren Vater oder Verwandten 10 bis 12 Kühe gibt, und zwar in Laufe der Zeit. Viele haben wegen Armut nur eine Frau, andere besitzen deren bis drei. Ehescheidung ist möglich und findet nach landesüblichem Herkommen statt. Blutrache, Raub und Stammesfehde find wahre soziale 'Übel; da ist die Regierung als Friedenstisterin eine wahre Retterin im gegenseitigen Vernichtungskampfe. Möge ihm der Friede werden, diesem armen Volke. Am 13. Dezember kamen Pater Kauczor und Br. Huber mit 15 an. Am Sonntag, 14. Dezember, feierte ich in meinem kleinen Zelte die hl. Messe für die Bekehrung der Nuba und versammelte 78 Heft 4. Stern der Neger. dann das ganze Volk der Umgebung um mich. Der Groß kod schür, Greise, Männer, Jünglinge, Frauen, Knaben und Mädchen waren da. Ich öffnete einen großen Sack, den ich von Khartoum mitgebracht hatte, und verteilte daraus Negerkleider, welche mir von Wohltäterin geschickt worden waren. Für alle, es waren an 200 Personen, reichten sie nicht, und es wurden Ich stellte die neue Mission unter den besonderen Schutz der heiligen drei Könige; wie diese als Erstlinge des Heidentums den Erlöser anbeteten, so sollen die Nnba von Dilling die Ersten des großen Stammes in der Erkenntnis des Heilands sein. Die Erfahrung der nächsten Zeit muß lehren, ob nnd wie weit dies zn hoffen ist. hauptsächlich die nackten Verwandten der alten Freunde der Mission bedacht. Mit welcher Freude diese Geschenke von den nackten Leuten entgegengenommen wurden! Es war rührend. Sodann erklärte ich den Zweck unserer Niederlassung. In tiefstem Stillschweigen und Aufmerksam-keit lauschten sie den Darlegungen, worauf die Häupter und die Alten ihrer großen Befriedigung über die Rückkehr der Mission Ausdruck gaben und sagten, daß wir und die Nnba zusammengehörten. Am folgenden Tage begab ich mich mit Pater Mohn zu den etlua zwei Stunden entfernten Nyuma-Bergen zum Besuche jenes Volkes. Es sind Nuba, reden aber eine ganz andere Sprache, wie es denn in diesem Berglande zehn Sprachen geben soll, die ganz voneinander verschieden sind. Die Berge sind viel höher und steiniger, das Volk ist dunkler gefärbt und wilder, so daß beide Geschlechter, soweit sie nicht verheiratet sind, ganz nackt gehen. Am 16. Dezember verabschiedete ich Heft 4. totem der Neger. 79 in id) von meinen Mitbrüdern und den Alten der Nuba und trat die Rückreise an. Das war jedenfalls eine der seltsam-sten Karawanen. Da der Rücken meines Khartoumer Esels wund zu werden drohte, benützte ich einen Ochsen als Reittier. Von drei Soldaten zu Pferde war der eine vom Regierungsvertreter mir als Ehrenbegleitung zugeteilt worden, wäh- 1‘cnib zwei andere einen arabischen Händler oder Dschellab als Sträfling transportieren sollten. Dieser war in Ketten und mußte Tag und Nacht beaufsichtigt werden. Das war besonders beschwerlich bei Nacht. In kameradschaftlicher Weise gab sich mein Begleitsoldat her, mit den anderen sich in der Beaufsichtigung des schlafenden Gefangenen zu teilen. So konnten zwei ruhen, während der dritte Wache hielt. Aber auch bei Tage setzten sie ihre Kameradschaftsdienste fort, so daß ach in Gesellschaft bald der Ehren- und bald der Gefangenenbegleitung war. In der kleinen Karawane waren alle Gattungen Reittiere der Gegend vertreten, Esel, Pferd, Kamel und Ochs. Der Ochs ist zwar bequemer als das Kamel, geht aber viel zu langsam. Diesem Umstande und seiner Starrköpfigkeit ist wohl auch das geringe Ansehen zuzuschreiben, in betn er steht und das sich seinem Begleiter mitteilt. Solange ich meinen weißen Esel ritt, stiegen alle die Hunderte von Eingeborenen, die uns begegneten, von ihren Tieren und salutierten in Paradestellung. Jetzt, da ich auf dem Ochsen saß, rührte sich niemand mehr. Das siel auch den Soldaten, aus und sie empfanden es als eine Demütigung, daß ihr Schutzbefohlener nicht mehr geachtet sei. Ich tröstete sie und sagte, daß die Schuld nicht bei uns, sondern beim Ochsen liege „Warum reitest bn ihn denn?" ga- Die Schilluk lernen allmählich arbeiten, tragen gckneftete Erde zum Büitenbaue. (Phot. P. Zorn.) so Stern der Neger. Heft 4. ben sie keck zurück. Am 19. Dezember kam ich nach El Obeid. Tie Katholiken kamen wieder recht eifrig zur hl. Messe und zu den hl. Sakramenten. Am '20. Dezember abends war ich in Khartoum. Die Freude über diese neue Gründung im Heidenlande und die Hoffnung auf Be- kehrung sind gemischt mit den Sorgen um die nötigen Mittel. Meine Ausgaben waren bisher rund 8000 K (aus den Sammelgeldern meiner letzten Reife in Europa) und die Entwicklung der Neugründung wird weitere Opfer fordern. Wir vertrauen auf Gott und unsere Wohltäter. Plagen des Sudans» Mit gruseligem Vergnügen habe ich in meiner Jugend den Erzählungen der Alten gelauscht, wenn sie in den langen Winterabenden, gemütlich im bequemen Lehnsessel hinter beim warmen Ofen sitzend, von den Gefahren des kalten Nordens erzählten. Ungezählte Rudel hungriger Wölfe machen die Gegend unsicher; nichts bleibt verschont timt ihnen, von Schafen und sonstigem Kleinvieh gar nicht zu roden, greifen sie auch große Rinder und Pferde an, selbst wenn diese an Schlitten oder Wagen gespannt im stärksten Galopp daherrasen. Wie vielen Menschen stub sic gleichfalls schon zum lebendigen Grabe geworden! Heute fährt sich gerade zum zehntenmal der Tag, daß ich zum erstenmal den mir nun bereits liebgewordenen Boden Afrikas betrat. Wölfe habe ich bis dato noch keine angetroffen, bei 40 Grad Celsius würde ihnen ihr Pelz wohl auch zu warm sein, aber Plagen gibt es trotzdem auch hier genug. Im folgenden will ich einige der drückendsten aufzählen und kurz beschreiben. 1. AIs Pharao sich standhaft weigerte, die Kinder Israels ziehen zu lassen, beschwor Moses auf Geheiß Gottes sieben Plagen über ihn und sein Volk herauf, eine von diesen waren die Heuschrecken, die in großen Scharen über das Land herein- brachen und alles Grün auf den Feldern auffraßen. Moses ist nun schon längst im Himmel, und Pharao im Roten Meere ertrunken und auch von jenen lustigen Springern werden wenig mehr übrig geblieben sein, und doch glaube ich nicht fehlzuschießen, wenn ich annehme, daß heute nach einigen tausend Jahren noch ebensoviel, wenn nicht noch mehr Heuschrecken im Lande sind. Wenn Ende November das Gras auf den unabsehbaren Ebenen und den schier unbegrenzten Wäldern reif und dürr geworden ist, muß es nach altem Brauch aus der Welt geschafft werden. Wer könnte diese Arbeit schneller, besser und billiger besorgen als das Feuer? Eine einzige Fackel genügt, um das furchtbare Element zu entfesseln; mit rasender Schnelligkeit greift es um sich und bald gleicht die ganze Ebene einem unermeßlichen Fleuermeere. Sieht man dieses Feuermeer zum erstenmal bei Nacht, so gruselt es einem förmlich davor; wäre Kaiser Nero hier gewesen und hätte er sich einmal an so etwas gewöhnt, ich glaube, er hätte Rom vor jener schrecklichen Feuersbrunst verschonen können, da sie gegen diese Steppenbrände ein Kinderspiel gewesen wäre. Auf die Eingeborenen macht sie nicht den geringsten Eindruck, wie der Neger überhaupt gänzlich kalt und gleichgültig Heft 4; Stern der Neger. 81 bleibt für jede Naturschönheit. Will der Missionär darauf Hinweisen, um ihnen die Strafen der Hölle verständlicher zu machen, so meint mancher höhnisch: „Aber so ein Strohfeuer geht bald wieder aus." Wie viele Millionen von Heuschrecken haben sich während der Regenzeit in dem meterhohen Grase entwickelt; wird es nun angezündet, so kommen natürlich viele in den Flammen um und werden dann von den zahlreichen Vögeln, Schlangen und Eidechsen, welche hinter dem Brande herziehen, als willkommener Braten verzehrt. Doch die meisten flüchten immer weiter zurück, sammeln sich zu Scharen und bilden schließlich ganze Wolken, welche die Sonne förmlich verdunkeln. Wo ziehen sie hin? Aufs Geratewohl geht es weiter, nur weg vom Feuer lind hiil, wo noch etwas Grünes zu finden ist. Wehe, wenn ihre Bahn sie über eine Pflanzung oder einen Garten führt. Einmal sah ich sie kommen, als ich mit einem Schisse von Khartoum nilaufwärts fuhr. Wie ein Wirbelwind kamen sie daher, ließen sich am rechten Nilnfer, wo alles schön grün war, bmt Zeit zu Zeit nieder, um sich im nächsten Augenblicke wieder zu erheben, so rasch ging das Zerstörungswerk, daß man kaum merkte, wie sie etwas anrührten, unaufhaltsam rauschte und huschte imb wälzte sich die Wolke mit den: Schiffe vorwärts gegen Süden, aber hinter nils war kein grüner Grashalm mehr gu sehen, das Land glich einer Wüste. , Jahrelang hatte unser guter Br. Alexander sich inr Garten von Llil geplagt; schon gab es verschiedene Arten Gemüse, auch Limonen und verschiedene afrikanische Früchte. Da hörten wir eines Tages ein unheimliches, ungewöhnliches Ran-schen. Immer näher und näher kam cs und wurde mit jedem Augenblick stärker, jetzt ging es über unser Haus dahin. Die Wolke, welche ganz tief daherzog, ließ sich zu unserem Schrecken im Garten nieder. Erst jetzt erkannten wir den Feind und die Gefahr. „Schnell mit alten Kesseln und Eimern herbei und mit Stöcken daraus getrommelt, was es Platz hält." So wird geklopft, getrommelt und geschrien, kurz eilt Höllenlärm aufgeführt, die Neger sind ja Meister im Lärmmachen; die gefrässigen Heuschrecken machen sich jedoch aus dem Lärme nichts, werden auch tausende zertreten und zerquetscht, dafür sind andere tausende da, welche das Zerstörungswerk ungestört fortsetzen; dazu kommen dann noch immer neue Scharen, die sich mit wahrem Heißhunger auf das stürzen, was die Vernichtetei: öder vertriebenen nicht zu zerstören vermochten. Da kommt sogar ein Neger mit dem Jagdgewehre dahergelaufen, er will sie niederschießen oder wenigstens durch den starken Knall erschrecken, damit sie wenigstens früher weiterziehen und uns auch noch etwas übrig lassen; doch vergebens. Bald waren wir alle so heiser, wie Rekruten, die von der Ziehung zurückkehren und sich ausgesungen haben. „Lassen wir's, wir richten mit unserem Lärm doch nichts aus. Gehen wir heim, da alle Mühe verloren ist." Und wirklich, als die letzteir Heuschrecken sich verzogen hatten, glich unser Garten einer Winterlandschaft, wo die kahlen Bäume ihre blattlosen Äste in die Luft reden. Lange dauerte es, bis sich besonders die jungen Bäume wieder erholt hatten, die kleinen Pflanzen waren überhaupt alle hin, bis auf die Wurzel waren sie abge-lragt; alles muff wieder neu gesäht und gepflanzt werden, dabei vergeht aber die schöne Jahreszeit, und der darunter leiden muß, ist der Missionär. In Tonga hatten wir noch in diesem 82 Stern der Neger. Heft 4. Jahre eine Heuschreckenplage; sie war zwar nicht so - stark wie damals in Lul, doch hatten wir fast das ganze Jahr hindurch kein Gemüse. 2. Unter den Tieren, welche bei den alten Ägyptern als heilig und unantastbar galten, war auch das Krokodil. Diese scheußlichen Reptilien fütterte man sorgfältig und erwies ihnen sogar göttliche Ehre. „Kein Wunder," meinte neulich noch mein Junge, „daß fL sich so vermehrt haben und so frech geworden sind." Wenn auch in Ägypten dank dem star-fen Verkehre, welcher sich mtf dem heiligen Flusse abspielt, dieses Ungeziefer nicht mehr oder doch wenigstens nur mehr höchst selten vorkommt, so ist es hier und am oberen Fluße, wo der Verkehr noch nicht so stark entwickelt ist, geradezu zu einer Plage geworden. Zu Hunderten und Tau-seirden lauern sie an den Ufern und auf ben Sandbänken Tieren und Menschen auf. Und wer einem solchen Ungetüm zwischen die Zähne kommt, ist für gewöhnlich verloren. Denyabong, der Vater eines unserer Ehristen, von dessen erbaulichem Tode ich früher einmal berichtete, war fischen gegangen. Langsam schritt er am seichten Ufer durch das lange Gras und stach hie und da, wo er Fische bemerkte, mit seinem Speere nach denselben, plötzlich fühlte er sich an einem Beine gefaßt. Laut schrie er vor Schrecken auf und stieß mit seiner Waffe gegen den Feind. Das Krokodil, denn ein solches war es, ließ ab von ihm und mit Hilfe eines anderen Schil-luk, der auf den Ruf hin herbeigeeilt war, konnte er sich noch nach Hause begeben. Die Wunde heilte zwar, doch bald nachher starb er. Die Schilluk meinen vielfach, daß der Biß des Krokodils giftig sei. In Lul wurden zwei Araber zu gleicher Zeit von Krokodilen angefallen und in den Fluß gezogen. Während der eine Araber spurlos verschwand, schwamm ein anderes Krokodil mit seiner Beute davon; Kopf und Rumpf des Unglücklichen waren bereits verschlungen, nur die Beine schauten noch aus dem Rachen hervor zum Entsetzen und Staunen der inzwischen herbeigeeilten und das Krokodil verfolgenden Schilluk. Udscho, der ältere Bruder eines unserer Christen, wollte sich eines Tages auf das rechte Ufer des Nils begeben. Schon war er glücklich angekommen, unlb richtete sich in seinem schmalen Fahrzeuge auf, um ans Sani) zu steigen, als er timt einem riesigen Krokodil angefallen und .wieder zurück in den Fluß gelagert wurde. Drei Tage lang suchte man vergebens nach Bochw. P. Zorn mit einigen Schillukmiidchen. Heft 4. Stern der Neger. 87 Der Neuangekommene machte sich rasch an die Arbeit und der Tee war bald hergerichtet. Die braven Leutchen schlürften ihn mit sichtlichem Wohlbehagen und verlangten von neuem davon. Der Ankömmling bedeutete ihnen, daß er keinen mehr habe. „Aber er war doch gut," bemerkte sie ihm, „wo kann man sich denselben verschaffen?" „Zu Kassala," lautete die Antwort. Bald erschienen verschiedene Beduinen dortselbst auf öem Marktplatze. „Wo ist Tee und Zucker zu haben?" frugen sie herum. Man verabreichte ihnen die verlangten Waren und sie begaben sich zufrieden in ihre Felsenfeste zurück. Nun kaufen sie 40 Zuckerhüte, und mitunter noch mehr auf einmal, und das Teetrinken will fast kein Ende mehr nehmen. Zur Zeit der alten türkisch-ägyptischeu Regierung bestand hier sozusagen eine Räuberrepublik; damals waren die Beamten käuflich und das Trinkgeld spielte die Hauptrolle. Einmal im Jahre kam der große Scheik der Hodendoa-Nomaden hie-her, um Steuern zu erheben. Aber das Wort „Steuern" durfte er nicht ausspre-chen, sonst hätte man ihn ohne weiteres davongejagt; er erfand einen artigeren Ausdruck und sagte: „Die Regierung verlangt von euch ein Almosen"; damit fühlten sich die wilden Gesellen geschmeichelt. Jedweder! ging zu seiner Herde und suchte für den artigen Bettler ein Stück Vieh heraus. Das Beste gab man ihn: im allgemeinen nicht. Der eine brachte eine kranke Eselin herbei, der andere ein mageres Schaf oder einen alten Geißbock und dergleichen. Der Scheik nahm die wenig löblichen Vierfüßler in Empfang, um sich erst im nächsten Jahre wieder blicken zu lassen. Die fanatischen Derwischhorden, welche östlich bis nach Abessinien vordrangen und Gon-dar plünderten; westlich bis nach Wadai ihre Eroberungen ausdehnten, haben sich an diesem Berge ohnmächtig die Köpfe angerannt; ihr Sturm wurde durch herabrollende Steinmassen gebrochen. Teils lagen sie zerquetscht, eine unkenntliche blutige Masse, unter den Felsentrümmern, teils lösten sie sich in eiliger Flucht auf und hatten keine Lust mehr, einen neuen Scfiillukmädchen, Angriff zu wagen. Nun dachte ihr Befehlshaber Osman Signa, den Berg zu belagern mrd die Insassen aushungern zu lassen. Aber auch dies blieb erfolglos, denn drinnen waren die nötigen Lebensmittel und Wasser vorhanden. Als er später aus der Schlacht von Omm Debrige, wo sein Herr, der Kalif sAbdullahi Ettaischi das Leben ließ, glücklich entronnen war, suchte er hier als Flüchtling seine Rettung. Die 88 Stern der Neger. Heft 4. Nomaden wiesen ihn zwar nicht ab, aber sie trauten ihm auch nicht, ließen ihn deshalb auch nicht in den Bergkessel hinein und boten ihm eine nahe Bergkuppe zum Aufenthalte an. Eine allgemeine Ratsversammlung wurde dann abgehal.-ten. „Was fangen wir mit Osman Digna an?" sagte der eine zum andern; „er hat uns. lange Zeit belagert und vielfach belästigt, wer weiß, was für Absichten er jetzt im Herzen birgt." Es wurde beschlossen, ihn der Regierung auszuliefern. Das geschah auch urtlb die Regierung gab den Bewohnern von Muruba eine schöne Summe als Belohnung. Heutzutage, unter der englischen Regierung, geht es daselbst etwas verschieden her. Zwar sind noch dieselben Strolche vorhanden, aber sie können sich nicht mehr so unbeschränkte Freiheit nehmen, wie einst, und im Lause der Zeit werden sich die Zustände noch geregelter gestalten. Die Regierung könnte mit dem Kriegsapparate, der ihr jetzt zur Verfügung steht, wohl den Berg einnehmen, wenn sie wollte. Indessen hüten sich die Berginsassen ihr llrsache dazu zu geben. In ihrem praktischen Sinne zieht es die Regierung vor, die Leute durch wohlwollende, aber doch gerechte Behandlung zu gewinnen; sie will keine Verheerung des Landes und Ausrottung der Bevölkerung, sondern gegenseitige Annäherung, wodurch Handel und Wandel gefördert werden. S Ein Tiroler Millionär in Äquatorial = Afrika. JB Dem Leben nacherzählt von Robert Conolli. a SS (14. Fortsetzung.! cz3. Kapitel. Um uns von der neuen Heimat unseres Friedrich einen Begriff machen zu können, müssen wir uns einen jener finsteren Urwälder vorstellen, in dessen wohltätigen Schatten sich gleich mächtigen Bienenkörben einige Hütten erheben. Fürs erste ließ Friedrich vier einfache Hütten aufführen, jede ungefähr dreißig Schritte von der andern entfernt; die schönste und größte sollte als Kapelle dienen. Zur Vervollstän-digung der Station fehlte jetzt niemand mehr als ein Priester, doch auch dieser wurde jeden Tag erwartet. „Endlich habe ich unter der Sonne auch ein Plätzchen für mich gefunden," schrieb Friedrich ungefähr zwei Monate später. Trotz der Einsamkeit, in welcher er sich befand, verstrichen ihm die Tage schnell, da er vollauf in seinem Berufe beschäftigt war. In bezug auf seine jetzige Lage ist in einem seiner Briese zu lesen: „... Du würdest gewiß erschrecken, wenn du den Men-schenschlag, mit dem ich Dag für Tag als einziger Europäer zusammenleben muß, sehen würdest. Sie sind nicht nur nicht schön, sondern manchmal auch geradezu häßlich, besonders jene, die, der Land.es-sitte gemäß, ihr Gesicht mit allerhand Farben, die sie nur au streiften können, entstellen; auch mein Gabriel macht hierin keine Ausnahme. Ich kann Dir aber versichern, daß die Seele, welche zuweilen in einem solchen Leibe wohnt, in den Augen Gottes viel schöner ist, als diejenige so-vieler Christen in Europa". Heft 4. Stern der Neger. 89 „Es gibt keine treuere Seele als die eines wahrhaft guten Negers," schrieb einmal ein alter Missionär. Sieht er sich von seinem Herrn 'geli-e-Bt, so verehrt er ihn und würde sich für ihn ohne Bedenken ins Feuer stürzen. Eine solche Seele war Friedrichs Katechnmene Gabriel. Um immer bei seinem Wohltäter bleiben zu können und mit ihm zu arbeiten, verzichtete er ganz auf die Heirat, die er schon einmal verschoben hatte. Sein einziges Verlangen war jetzt die heilige Taufe. Obwohl Friedrich sah, daß der Katechumene vollkommen unterrichtet war nnd betreffs seiner guten Absicht und Standhaftigkeit nicht der geringste Zweifel aufkommen konnte, so schob er die Taufe doch immer wieder hinaus, um den glücklichen Augenblick abzuwarten, wo ein Priester von Porto-Novo ankommen und von der Mission Besitz ergreifen sollte; dieser Augenblick sollte nach Friedrichs Absicht durch die Taufe des ersten Heiden verherrlicht und ewig denkbar gemacht werden. In Erwartung dieses schönen Zeitabschnittes in seinem Leben war unser Katechist immer guter Dinge und freute sich im Herrn. „Mein Palast steht inmitten eines dichten Waldes, am Fuße eines kleinen Hügels, der sich noch ungefähr 200 Meter höher erhebt und weithin die ganze Gegend beherrscht. Würde er sich in dieser Lage in unserem geliebten Vaterlande Tirol befinden, so hätten unsere Vorfahren auf seiner Kuppel jedenfalls eine feste Burg gebaut oder auch ein Heiligtum der seligsten Jungfrau; hier hingegen befindet sich oben auch ein Heiligtum, das aber nicht der seligsten Jungfrau oder einem Heili-gen, sondern dem Regengotte geweiht ist. Auch ich dachte schon einmal daran, auf jener Höhe ein Schloß oder etwas derartiges zu errichten; die dem Gotte Jfa geweihten Bäume habe ich gleich in den er- sten Tagen meiner Besitzergreifung fällen lassen und auf dem hieidurch entftonbenen freien Platze erhebt sich jetzt das Zeichen der Erlösung, weithin sichtbar in der ganzen Umgebung; von dieser Höhe aus überblickt das Auge die ganze Gegend. Zu Füßen liegt die Stadt mit ihren tausenden Hütten und die zahlreichen Seen; an besonders hellen Dangen ist auch der von weitem herüberblinkende blaue Ozean zu erblicken, der sich gegen Mittag hin ausdehnt. Dem Berge habe ich den Namen Kalvarienberg gegeben, und um den Namen in etwas zu rechtfertigen, habe ich auf dem steilen Wege, der hinaufführt, die Kreuzwegstationen angebracht. Sooft ich mich nun hinaufbegebe, werde ich an die Wallfahrt erinnert, die wir einstens gemeinsam nach Weißenstein gemacht haben ... Zuweilen will auch eine gewisse Traurigkeit und ein starkes Verlangen nach berließen Heimat mich in meiner Einsamkeit und Abgeschlossenheit befallen; in diesen trüben Augenblicken befolge ich dann den Rat des Apostels Jakobus: Ich bete und finde im Gebete Trost und den Frieden der Seele. Gott ist überall zugegen, aber mehr als sonstwo verspürt man seine Gegenwart, wenn man sich hier in diesen weit-entlegenen Einöden im Gebete an ihn wendet. Und so muß es sein; denn was würde sonst aus mir Armseligen werden, der ich in beständiger '©cfatir lebe und der Willkür wilder Völker überliefert bin? ... Wegen der dichten Wälder, die sich in der nächsten Umgebung breitmachen, ist es fast nicht möglich, das ganze Eigentum der Mission zn messen; soviel ich von der Höhe des Hügels aus beurteilen kann, ist es jedoch reichlich groß genug, um darauf mit der Zeit verschiedene christliche Dörfer anlegen zu können, die dann unter der Leitung eines Missionärs stehen werden. Seit einiger Zeit habe ich auch eine kleine Glocke hier, die morgens, mittags und abends ihre djerne Stimme zum Lobe Gottes und der gebenedeiten Jungfrau weithin Vernehmen läßt. Hier noch einen kleinen Vorfall, der sich in den ersten Tagen nach Ankunft der Glocke ereignete. In einer sternenklaren Nacht gegen 1 Uhr fing es auf einmal an zu läuten; da gerade Vorabend von Allerheiligen war, dachte ich mir, Gabriel wolle jetzt zu dieser ungewöhnlichen Stunde den Festtag einläuten; ich drehte mich daher um und versuchte, Widder einzuschlafen, doch das Läuten wollte kein Ende nehmen, als sich auf einmal auch Gabriel meldete mit der Frage: ,Wer läutet denn jetzt zu dieser ungewöhnlichen Stunde?' ,Jch weiß es nicht, ich dachte, du seiest der Übeltäter.' Wir erheben uns, zünden eine Sturmfackel an und begeben uns hinaus ins Freie, um uns zur Kapelle zu schleichen. Bei unserer Annäherung vernehmen wir ein Geräusch und ein starkes Gelächter, hierauf ein eiliges Flüchten. ,Wer war es?' frug ich erstaunt. ..Ein Mesner, der uns seine Dienste unentgeltlich anbietet,' entgegnetc mein Ka-techumene. ,Bist du imstande zu erraten, wer es sein könnte?' ,Es war niemand anders als ein großer Affe, deren es in diesen Wäldern eine Unzahl gibt."' Wie schon erwähnt, schrieb Friedrich sehr häufig, wenn auch unregelmäßig. Diese Briefe waren, für mich gleichsam ein Barometer, der mir unfehlbar anzeigte, in welcher Seelenstimmung sich der Schreiber befand. Da sich die Ankunft des schon lange versprochenen Priesters immer wieder in die Länge zog, schickte Friedrich Gabriels Bruder, den er Pius benannt hatte, mit Briefen nach Porto-Novo. Er bat hierin seinen Obern, ihm doch nmg= lichst bald einen Priester zu senden, falls er nicht selbst einmal kommen wollte, um die Mission definitiv in Besitz zu nehmen. Tag für Tag, Woche für Woche verstrich, ohne daß Pius zurückgekehrt wäre; endlich, gegen Ende November, erschien er, jedoch allein; überdies brachte er noch äußerst betrübende Nachrichten von Porto-Novo. 24. Kapitel. In der Zwischenzeit tear in Porto-Novo die Cholera ausgebrochen. Von den sechs Missionären, die sich dort befanden, waren bereits zwei der Seuche zum Opfer gefallen, einer lag im Sterben und die übrigen drei lebten in beständiger Furcht, hatten aber keineswegs den Mut verloren. Diese traurige Kunde schien mit einem Schlage all die kühnen Hoffnungen, denen sich Friedrich hingegeben hatte, vernichten zu wollen. Der Obere von Porto-Novo schrieb ihm, sich nicht von ©Barne zu entfernen, um sich nicht unnützerweise der Ansteckung auszusetzen; er solle auf Gott vertrauen, der schon zur rechten Zeit mit seiner mächtigen Hand eingreifen werde, um seine Diener zu schützen; endlich versprach er ihm noch, sein möglichstes tun zu wollen, um, sobald die Seuche nachlasse, jemanden schicken zu können, auf jeden Fall aber gegen Weihnachten. Der Gedanke, seine Vorgesetzten inmitten der ansteckenden Seuche zu wissen, war für Friedrich ein harter Schlag, und jetzt erst wurde er sich so recht bewußt, daß er sich eigentlich in einer, wenn auch freiwilligen Verbannung befinde; doch auch in dieser traurigen Lage verlor er die Seelenruhe nicht und Gott schickte ihm zur rechten Zeit auch irdischen Trost, indem er seine Bemühungen mit Erfolg krönte. Stern der Neger, 91 Heft 4. Ein Angestellter des Königs, dessen Kind schwer krank darniederlag, ließ ihn eines Tages rufen, damit er sehe, ob er das Kind vom sicheren Tode retten könne. Friedrich begab sich alsogleich dorthin und fand das Kind wirklich dem Tod>e nahe. „Ich habe nur ein Mittel, ihm zu helfen," wandte sich^Friedrich an den Vater. „Und das ist?" „Ihm das Wasser des Heiles über die Stirne zu gießen; wenn es ihm die Ge- sundheit des Leibes vielleicht nicht zurückgibt, so geht seine Seele wenigstens zu Gott in den Himmel. Bist du damit einverstanden?" Nach einiger Überlegung entgegnete der Vater: „Tue, was dir beliebt, das Kind ist in deinen Händen." Kaum hatte der Missionär das Wasser der Wiedergeburt über die Stirne des Kindes gegossen, als dieses die Augen öffnete und sich besser zu befinden schien; es erholte sich in der Tat und in zwei Tagen war es wieder vollkommen -gesund. Die Kunde von diesem Ereignisse verbreitete sich rasch in der ganzen Stadt und darüber hinaus; von allen Seiten wurden jetzt die Kranken zu Friedrich gebracht. Soweit er helfen konnte, half er, indem er die Wunden reinigte und dann verband; den vielen Fieberkranken ' aber reichte er Chinin, zugleich versäumte er auch nicht, hie und da ein gutes Wort hinzuzufügen, j Wurden Kinder gebracht, an deren Anf-I kommen, menschlich gesprochen, nicht mehr zu denken war, so spendete er ihnen ohne weiteres die heilige Taufe, und es verging fast kein Tag, an dem er nicht den einen oder anderen Engel in den Himmel sandte. Eines Tages erfuhr Friedrich, daß in dem nahen Kanna in nächster Zeit ein Markt stattfinden werde; er beschloß alsogleich, sich dorthin zu begeben, um jene Wilden gründlicher kennen zu lernen und zu sehen, ob Aussicht sei, daß die Heilswahrheiten auch in der weiteren Umgebung geneigtes Gehör fänden. Auf dem Marktplatze angekommen, begab er sich mit Gabriel gleich zu einem Fetischverkäufer, denn hier erhoffte er am ehesten Gelegen- - Die Stromichnellen von Rafili (Bahr-el=6hazal). heit zu finden, die Ansichten der Käufer kennen zu lernen. Friedrich redete den Verkäufer an, indem er fragte, was er verkaufe. „Fetische," war die kurze Antwort. „Wie, du schämst dich nicht, das Knie vor einem Stücke gebrannter Erde zu beugen? Was können dtese unansehnlichen Figuren, die du mit deinen Händen geformt hast, für eine Macht haben?" Der Fetischverkäufer wußte nicht, was er dem Fremden antworten sollte. Dafür ergriff aber an seiner Statt einer der zahlreich anwesenden Neger das Wort: „Wen sollen wir denn anbeten, wenn wir die Fetische nicht verehren?" „Ist nicht eine Blume, ein Tier oder der Mensch selbst viel schöner und erhabener als diese unförmigen Gebilde?" „Siehst du denn nicht, daß sie Menschen und Tiere darstellen?" wurde er von dem ersten Sprecher unterbrochen, der sich daraufhin entfernte. „Ich will nicht sagen, daß die Menschen oder die Tiere anzubeten seien; weder die Fetische noch Tiere und Menschen darf man anbeten, da sie nichts als einfache Geschöpfe sind. Es gibt einen guten Gott, der heilig und mächtig ist, der Himmel und Erde, die Menschen, die Tiere und alle Pflanzen erschaffen hat; ein Gott, der uns Beständig sieht und hört, der uns unendlich liebt und uns nach dem Tode, wenn wir ihn hier angebetet und geliebt haben, dort hinauf, noch weiter als die Sonne, führen wird, um uns für alle Zeiten glücklich zu machen." So fuhr Friüwich weiter und erklärte der immer mehr wachsenden Menge die Erschaffung und Erlösung, den Tod ■ eines Gottes, die Hölle, welche für jene da sei, die diesen Gott nicht anbeten wollen, und endlich den Himmel, welcher jenen zu-eigeu wird, die den wahren Gott anbeten und lieben. Als Friedrich geendet hatte, machten einige die Bemerkung: „Wir sehen, daß deine Worte gut sind, aber wie können wir dem ewigen Feuer entgehen und deinen Gott lieben, wenn uns niemand auf den Weg der Wahrheit führt? Komme du mit uns, und es soll dir nichts fehlen, wir werden dich als unseren Vater verehren." „Mit Freuden werde ich später zu euch kommen, um euch zu besuchen; ist das doch der einzige Zweck, warum ich in euer Land gekommen bin." „Wenn du aber zu uns kommst," unterbrach ihn jetzt ein alter Mann, „bin ich vielleicht schon lange tot... Und dann? Was wird dann mit dem Feuer sein?" Friedrich gab dem Greise ein kleines Kreuzchen und belehrte ihn, wie er denjenigen, welchen das Kreuz darstelle, täglich bitten solle, ihn nicht ohne das heilige Wasser sterben zu lassen. In der Nacht blieb Friedrich bei einem Freunde seines Katechumenen, um sich erst am folgenden Tage nach seiner Station zurückzubegeben, die ihn bereits in der nächsten Zeit viel Schweiß und noch mehr kosten sollte. (Fortsetzung folgt.) Verschiedenes, Wie ein Schillnkchrist Weihnachten feierte. 'Wenige Tage vor dem Weihimchtsfeste besuchte Josef Tschau, ein braver Neuchrist, in Begleitung heidnischer Kameraden seine erkrankte, noch heidnische Braut. Diese wollte dem Bräutigam einen Beweis ihrer Zuneigung geben und bat ihren Bruder, die Besucher einige Tage im Dorfe zurück- Heft 4. Stern der Nege r. 93 zuhalten, bis sie genesen sei und ihnen ein gutes Kornbier brauen könne. Josef mußte sich diesem Wunsche, wie es die Laudessitte den Heiratskandidaten vorschreibt, wohl oder übel fügen. Trotzdem die fleißige Braut schon am nächsten Tage das Krankenlager verließ und mit einigen Freundinnen das 'SBiet zu brauen begann, dauerte es doch noch zwei Tage, bis es genießbar wurde. Indessen war der heilige Abend angebrochen und Josef wollte am Weihnachtsfeste um jeden Preis dem Gottesdienste beiwohnen und die heilige Kommu-nion empfangen. Die Mission lag eine Tagereise entfernt, es war Nacht und Nebel, die Kameraden waren nach dem Bier-genuß schläfrig. Keiner wollte ihn begleiten und alle nannten ihn einen Toren, der die heitere Gesellschaft der Landsleute verlasse, um in das Gotteshaus der Fremden zu laufen; und wenn er schon seine Abkunft von königlichem Geschlechte nicht bedenke, so sollte ihn doch die Furcht vor Löwen imb Leoparden abhalten, welche seinen Weg in der Nacht unsicher machten. Dies uii) ähnliches hielten sie ihm vor. Er selbst zweifelte, ob er bis zum Morgen sein Ziel noch rechtzeitig erreichen könne. Da betete er ein Vaterunser uni Erlench- | tuug von oben. Während des Gebetes flogen seine Blicke zum Sternenhimmel empor, und sein Anblick erinnerte ihn an di>e heilige Nacht und an das arme Jesuskind-lein im kalten Stalle, das vom Volke Bethlehems so verkannt war, wie er von seinen heidnischen Kameraden. „Zeige wenigstens du ihni deine Liebe, wie einst die Hirten, und tritt den Heimweg an, um ihn morgen in der heiligen Kommunion in dein Herz aufzunehmen." So flüsterte es in seinem Innern. Und unter dem Gelächter und Staunen der Anwesenden trat er den Nachtmarfch an. Kalt blies der Nordwind, als er allein über die Steppe wanderte. Er fröstelte am ganzen Körper und die Beine zitterten. Nach Mitternacht gelangte er zu einem Dorfe, wo ein Viehstall ihn einlud, sich zu erwärmen. In der behäbigen Wärme drohte der Schlaf ihn zu übermannen. Doch der Gedanke an die bevorstehende heilige Kommunion gab ihm neue Kraft, und hastig erhob er sich und eilte betend weiter. Das Brüllen eines nahen Löwen erschreckte ihn nicht, mutig zog er vorwärts, erforschte das Gewissen und bereitete sich auf die heilige Beichte vor. Der Obere der Mission war nicht wenig erstaunt, als er um 3 Uhr früh geweckt wurde und Tschau, vor Kälte zitternd, vor ihm stand und ihn bat, seine Beichte zu hören. Dann erst begab er sich zur Ruhe, bis am Morgen die Glocke ihn in die Kirche rief, wo er bei der ersten Messe die heilige Kommunion empfing. Wie reich wird das Christkind diesen opfermutigen schwarzen Neuchristen beschenkt haben! P. Isidor Stanz. * _ Für diesen großen Stamm der Schillnk mit rund 200.000 Heidenseelen bestehen erst die zwei Missionsstationen Lul und Attigo oder Tonga, beide südlich von Ko-! dok gelegen. 'Im Norden dieses Ortes erstrecken sich die Dörfer dieses Stammes in dichter Reihenfolge bis nach Kaka, wo das Gebiet der Araber beginnt. Eine neue Mission für' diesen ausgedehnten heidnischen Strich am Weißen Nil ist in Auesicht genommen und wivd sogleich eröffnet werden, wenn wir die hiezu erforderlichen Mittel besitzen. Möge es noch heuer, und zwar recht bald, geschehen! Die schwarze Maria. Sie war selber nicht schwarz ' im Gesicht, aber ihr Haar war tiefschwarz und man sah sie nur in schwarzen Kleidern, deshalb hieß sie nur die „schwarze Maria". 94 Stern der Neger. Heft 4. Sie war fromm und fleißig und zu allen lieb imb freundlich. Als sie aus der Schule kam, lernte sie das Nähen. Da war sie so arbeitsam, daß sie sich kaum Zeit zun: Essen gönnte. Aber dennoch fand sie manche Gelegenheit, andern zu helfen, und zwar den Ärmsten der Armen: iben Heidenkindern im fernen Afrika. Hört ein anmutiges Geschichtchen. Eines Sonntags kam sie zu einem Missionär, überreichte ihm 21 Mark und sprach: „Dieses Geld, Hochwürden, haben wir Nähmädchen unter uns gesammelt, um ein Heidenkind dafür loszukaufen". „Brav, mein Kind," sagte der Pater, „Gott lohne euren Eifer und eure Mildtätigkeit; aber wie soll denn das Kind heißen?" Maria lächelte bescheiden. „Die Freundinnen haben ausgemacht, weil das Neger-kindlein ja schwarz ist, so soll es auf den Namen Maria getauft werden, weil auch ich die ,schwarze Maria' heiße. Ich bin mit diesem Entschluß gern zufrieden." Der Pater verstand den Zusammenhang. Maria aber erzählte weiter: „Weil nun die Wahl auf meinen Namen gefallen war, so mußte ich auch dafür sorgen, daß das kleine Negermädchen ein nettes Kleidchen bekommt. Ich habe nun einige Tage lang nach Feierabend gearbeitet und dem kleinen Negerleiu ein weißes Taufkleidchen gemacht". Das waren gewiß brave Mädchen, die ihre Zeit besser gebrauchen als die meisten andern, die in der Nähstube über allerlei Sachen, auch über Personen, Tag für Tag plauschen. Wer macht's der guten „schwarzen Maria" nach? Die Missionsvereinigung katholischer Frauen und Jungfrauen. Seit 1902 besteht in Deutschland ein Fräuen-Mifsions-Werein, die Missionsver-eiuigung katholischer Frauen und Jungfrauen, der es sich zur Aufgabe stellt, die Missionen in ber ganzen Welt, unter besonderer Berücksichtigung derjenigen des eigenen Landes, zu unterstützen. Der Verein fördert eBenfallS die Zwecke der inneren Mission, indem er für dieselbe den hochwürdigsten Herren Bischöfen ein Fünftel bis ein Drittel der Einnahmen aus ihrer Diözese zuwendet. Seit seinem Bestände hat der Fvauen-Missions-Verein über eine Million Mark den Missionen zugewendet. Sein Wachstum steigt von Jahr zu Jahr. Der Heilige Vater Pius X. schützt das Werk in besonderer Weise und wünscht seine Verbreitung. Ein Kardinal-Protektor, zurzeit Kardinal Dominikus Ferrata in Rom, steht an der Spitze desselben. Der hochwürdigste Episkopat von Deutschland und zum Teil auch von Österreich widmet dem Verein sein Interesse und seine Empfehlung. In allen deutschen Diözesen und in verschiedenen Österreichs ist die Missionsvereinigung statutengemäß organisiert. Sie zählt bereits in Deutschland 224.138 Mitglieder, in Österreich über 8300, in Rumänien, Bulgarien, der Schweiz usw. an 400, so daß die Gesamtzahl sich über 233.000 beziffert. In Deutschland wies sie im Jahre 1913 eine Einnahme von 166.786 Mark in barem auf, während die abgelieferten Paramente und das Kirchengerät mit 63.813 Mark bewertet wurden, was eine Gesamtsumme von 230.599 Mark ergibt, wozu noch die Einnahmen der österreichischen Missions-Vereinigung mit 13.729 Kronen (11.650 Mark) kommen. Die Missionsvereinigung hat also im verflossenen Bereiusjahre den Missionen über 242.000 Mark zugeführt, Heft 4. Stern der Neger. wovon 48.400 der inneren Mission, dem großen Diaspora-Gebiete Deutschlands und Österreichs zufielen. 193.600 Mark gingen in die iWeltniission in alle Erdteile. 88 Missionsgebiete wurden unterstützt, 676 Heidenkinder durch den Verein losgekauft; 11 Negerpriester-Kandidaten hat er adoptiert, dazu für Missionskirchen und -kapellen, für Waisenhäuser -und Schulen, für Hospitäler und K-atechnmenenanstal-ten bedeutende Summen gegeben. Um dies zu erreichen, entwickelte er eine rege Propaganda. Nicht weniger als 131 Missionsvorträge, Lichtbilderabende, Missionsfeste, Missions-Andachten und -Ausstellungen ließ er im Laufe des vergangenen Jahves in verschiedenen Städten und Flecken Deutschlands und Österreichs veranstalten. So wird der Missionsgeist durch die Ver-einigung rege und werktätig gemacht. Die Missionsvereinigung ist zunächst ein Pro-paganvaverein, sie soll den Missionsgedanken in die Familien hineintragen, damit er dort immer tiefere Wurzeln schlage. Daneben ist sie auch wiederum ein Sammel- 95 verein. Ist auch der Jahresbeitrag nur sehr bescheiden, 40 Zents, so werden doch meistens durch die Mitglieder größere Summen geboten, so z. B. 10 Mark zur Übernahme einer Patenstelle, 21 Mark zum Loskaufen -eines Heidenkindes, 80 Mark zur Ausbildung eines Katecheten, 100 Mark zum Studium eines Ne-gerprie-ster-K-andi baten, 400 Mark für den jährlichen Unterhalt einer Missionsschwester, 600 Mark für den jährlichen Unterhalt eines Missionärs, 1000 Mark zur Gründung eines Hospitals, 3000 Mark zur Errichtung einer Missionskirche usw. Sollten sich unter den Lesern dieser Zei-tung Frauen und Jungfrauen finden, welche dem Verein in unserem Lande —■ jeder Landesverband bleibt selbständig — Mitglieder zuführen wollen, so werden dieselben gebeten, sich an die Zentrale des Missionsvereines für Frauen und Jungfrauen (Fräulein C. Schynse, Pfaffendorf Bei Koblenz, Deutschland) zu wenden, woselbst alle Aufschlüsse erteilt werden. Empfehlenswerte Bücher und Zeitschriften, Der Lindenmüller. Preisgekrönte Erzählung von Katharina Hofmann. Zweite und dritte Auflage. Oktav (VI und 248 Seiten). Freiburg und Wien 1914, Herdcrsche Verlagshandlung. Geb. in Leinw. K 3,36 (Mk. 2,80). Wenn „Der Lindenmüller" heute zum zweitenmal, und zwar in einer Doppclauflage auf dem Büchermärkte erscheint, so ist dies gewiß der beste Beweis dafür, daß die ansprechende Erzählung, die ein berufener Kritiker (Jahrbuch der Zeit- und Kulturgeschichte 1908) als eine der besten ihres Genres empfiehlt, viel Anklang und Anerkennung gefunden hat. — Ein strebsamer, selbstbewußter Mann, dem daran liegt, in seinem Geschäfte und im Ansehen der Mitbürger hochzukommen, so tritt der Lindenmüller vor uns. Ilm rascher zum Ziele zu gelangen, läßt er sich verleiten, anverträutes Gut anzutasten. Den Weg, den er sich offen gelassen, um in späterer Zeit unvermerkt das für sich Verwendete zurückzuerstatten, verlegt er sich durch eine Lüge; immer tiefer verstrickt er sich in Verstellung und Betrug, bis es keine Lösung, kein Zurück mehr zu geben scheint. Es braucht viel Anklopfens an das harte, stolze Herz, bis es bereut und dann das verlorene innere und äußere Glück wieder in die Mühle einzieht. — Anziehend, mit liebendem Empfinden geschildert, tritt die Szenerie vor uns: das enggewundene Ncckartal inmitten seiner bewaldeten Hügel, das stille Städtchen mit seinen altersgrauen Türmen und seinen biederen Einwohnern vom alten Schlage. Leben und Tatkraft pulsiert in den scharf gezeichneten Gestalten. — Die „Stimmen aus Maria-Laach" (1908, 3. Heft) urteilen über das gediegene Werk-ehen: „Anschauliche, oft vielsagende Sprache, geschickte, spannende Verwicklung, Religiosität und vollkommene Reinheit empfehlen das Volksbuch". Rechnet man hiezu noch die künstlerische Ausstattung des Büchleins, so wird die Hoffnung nicht trügen, daß „Der Lindeumüller" sich in seiner neuen Doppclauflage auch eine doppelte Anzahl neuer Freunde erwerben wird. Dem Andenken des Kardinals Kupp widmet in Nr. 11 der „Allgemeinen Rundschau", Wochen- 96 Stern der Ney err Heft 4. schrift für Politik und Kultur, Begründer Doktor Armin Kausen, München (vierteljährlich Mk. 2,60), Universitätsprof. Dr. Wittig, Breslau, einen ungemein , sympathischen, stilistisch glänzenden Aussatz, der das verdienstvolle Wirken des Heimgegangenen für Kirche und Staat in einer, von höheren Gesichtspunkten ausgehenden Betrachtung vor Augen führt. Auch die an das persönliche Verhältnis zwischen Kardinal Kopp und dem Begründer der „Rundschau", Dr. Kausen, anknüpfende, interessante Schlaglichter aus die Zeit des zu Ende gehenden Kulturkampfes werfende Reminiszenz an Kardinal Kopp wird in der Leserschaft besondere Beachtung finden. Auch der übrige Inhalt des Heftes steht auf dem bekannten hohen Niveau und trägt durchwegs den Stempel der Aktualität. Wir registrieren: Die Nachrufe auf den verewigten Kardinal-Fürstbischof Kopp. Aus den Berliner Parlamenten. Zur auswärtigen Lage. (Weltrundschau.) Von Fritz Nienkemper. — Deutsche Lebensfragen. Von Hofrat Dr. Eugen Jmeger, Mitglied des Reichstages. — Ein Wintertag. Von Hedwig Kiesekamp, L. Rafael. — Die Elektrizitätsversorgung in Bayern. Von K. Wirk!. Rat H. Osel, Mitglied der Kammer der Abgeordneten. II. — Blutopfer und kein Ende. Von Rechtsanwalt Dr. Otto Hipp. — Vaters Grab. Von Wolfgang Kie-ncr. — Ein katholisches Forschungsinstitut des Katholischen Univcrsitätsvereines in Salzburg. Von Chefredakteur Franz Eckardt. — Zweiter katholischer Frauentag in Bayern. Von Ellen Ammann. — „Wächter, wie weit sind wir in der Nacht?" Von Ernst Waldncr. — Nova et vctcra aus der lombardischen Riviera. Von Prof. Josef Weidinger S. J. — Vom Büchertisch. — Das Bild. Von Peter Bauer. — Palast und Basilika von San Marco in Rom. Von Archivrat Dr. Do-marus. — Bühnen- und Musikrundschau. Von L. G. Oberlacnder. — Finanz- und Handcls-rundschau. Von M. Weber. — Die Nummer wird als Werbeheft angesichts des Ouartalswechsels gute Dienste leisten. Tie Lcyre des hl. Franz von Sales von der wahren Frömmigkeit. Von Jak. Brücker S. J., Herausgeber des „Weges zum inneren Frieden". Fünfte Auflage. (Gehört zur Sammlung „Asketische Bibliothek",) 12° (XX u. 470 Seiten). Freiburg und Wien 1914, Herdcrsche Verlagshandlung. K 3,84 (Mk. 3,20); gebunden . in Kunstleder K.4,80 (Mk. 4,—). Die Zahl der christlichen Seelen, welche die wahre Frömmigkeit richtig verstehen und pflegen, ist keine bedeutende. Wieviele setzen dieselbe in gewisse, rein äußerliche, maschinenmäßige Übungen, ohne Leben und ohne Liebe um! Wieviele suchen darin fast nur eine verfeinerte Befriedigung ihrer Einbildung und ihres Gefühls! Manche begnügen sich damit, daß sie Gott ihre Huldigung und ihre guten Meinungen darbringen, aber die Hand nicht ans Werk legen. Andere, die freilich in Tat und Werken echte Frömmigkeit ausüben, fühlen sich oft im Fortschritte gehemmt durch allerlei Hindernisse, Finsternis, Gewissensunruhe, Trostlosigkeit, Versuchungen aller Art und wissen kein rechtes Mittel dagegen. „Die Lehre von der wahren Frömmigkeit" wird sie alle belehren und stärken. Es ist dies das Buch eines tüchtigen Arztes, der sämtliche Gebrechen der menschlichen Seele gekannt, geprüft und behandelt hat; das Buch eines gründlichen Lehrers, der die tiefsten Geheimnisse des geistlichen. Lebens vollkommen besitzt und mit wunderbarer Klarheit auseinandersetzt; das Buch eines eifervollen Apostels, der in seiner übernatürlichen Leidenschaft für das Wohl der Seelen ein so inniges- Zartgefühl und zugleich eine so eindringende Festigkeit schöpft, daß auch die widerspenstigsten Herzen sich von ihm gewinnen und bezähmen lassen müssen; das Buch eines Heiligen, der nichts lehrt, was er nicht selbst in seinem Leben und Wirken vollbrachte. Wir wissen kein Buch, das jeglichen, innerhalb und außerhalb der Welt, für ihr Seelenheil und ihre Vollkommenheit besorgten Christen, Laien und Priester, mehr Nutzen bringen dürfte. — Inhaltsverzeichnis: — Gründung der Mission in Billing bei den Nuba. 73. — Plagen des Sudans. 80. — Die Nomaden des östlichen Sudans. 84. — Ein Tiroler Missionär in Aeqnatorial-Afrika. 88. — Verschiedenes. 92. Empfehlenswerte Bücher und Zeitschriften. 95. Abbildungen: Der neue Mamur von Tonga und Schillukweiber, welche Wasser tragen. 78. — Die Schilluk lernen arbeiten. - Hochw. P. Zorn mit einigen Schillukmädchen. 82. — „Unschädlich gemacht." 83. Fünf Kronenkraniche auf einen Schuß. 86. — Schillukmädchen 87. — Die Stromschnellen von Rafili. 91. @ebef53ifiörimgen und =empfeMungen: Dem heiligsten Herzen Jesu sei inniger Dank für Erhörung in einer wichtigen Berufsangclc-genheit; Veröffentlichung war versprochen. Eine Abonnentin bittet um Einschluß in das Gebet, um Hilfe in einem wichtigen Anliegen zu erlangen. Ein an schwerer Gemütskrankheit Leidender empfiehlt sich innig dem Gebete; desgleichen wird um ein frommes Gedenken in zwei Eheangclc-genheiten gebeten. Dem Meinento der hochw. Missionäre und dem Gebete aller Leser werden folgende Verstorbene empfohlen: Hochw. P. SB. Banholzer F. S. C., Lul; Frl. Maria Pütz, Köln a. Rhein; Herr Jos. Schictzlingstrasser, Ried b. Krcmsm. Verantwortlicher Schriftleiter Rektor P. Dr. M. Raffeiner F. S. C. St. Josef-Vereinsbuchdruckerei, Klagenfurt, Kärnten.