Geschichte Renins ein Handbuch. a Das Recht der Uebersetzuug ins Slovenische behält sich der Verfasser vor. ein Handbuch. Bo n P. v. Kadirs. Mit einer archäologischen Karte sammt Erläuterung im Laibach, 1862. Verlag von Johann Giontini sh- 6^5 ' Seinem Freunde Zustau Freiherr» u. Zois der Verfaffrr. sivL .» imHisü' «Wust Vorwoet wird ohne weitwendiger Erinnerung sohin Jedermann bekannt sein, daß, ob zwar wir von unserem Vaterlande Krain viele voluminöse Annalen, und Chroniken haben, doch eine vollkommene vaterländische Ge¬ schichte bisher noch immer ein unbekanntes Werk, und blosser Wunsch geblieben ist" — so beginnt ein interessantes Schriftstück aus dem Jähre 1785.*) Wir schreiben 1862 und der Standpunkt ist um gar weniges verändert. Unser mit Recht gefeierte Dichter Valentin Vod¬ nik ist der Einzige, der uns seither auf dem Gebiete vater- ') Ich setze hier den vollen Inhalt an, um zu zeigen, wie eine gelehrte Gesellschaft des vorigen Jahrhundertes um das Justandebringen einer vaterländischen Geschichte bekümmert gewesen, und wie sie den Verfasser, der ihr Mitglied war, hiebei unterstützt hat. „Es wird ohne weitwendiger Erinnerung sohin Jedermann bekannt fein, daß, ob zwar wir von unserem Vaterlande Krain viele v-sluminose Annalen, und Chroniken haben, doch eine vollkommene vaterländische Geschichte bisher noch immerein unbekanntes Werk, und blosser Wunsch geblieben ist. Nun hat sich ein Patriot hervorgethan, der diese Geschichte von Krain, und den benachbarten Ländereien wirklich bearbeitet, und den ersten Lheil nächstens in die Presse zu geben vor¬ habens ist. vm ländischer Geschichte um einen Schritt weiter geführt hat, nämlich durch seine 1809 in erster Auflage (und ohne seinen Namen) erschienene „Geschichte des Herzogthums Kram, des Gebietes von Triest und der Grafschaft Görz." Obschon nur die Zwecke eines Schulbuches verfol¬ gend, Vodnik war ja in Abfaßung derselben einer Auf- Weilen es aber so viele Umstande giebt, die auf eine derlei allgemeine Geschichte den Bezug haben, daß solche ein Mensch allein unmöglich übersehen kann; So werden die gelammten Herren Mitglieder, und jeder wohl¬ denkende Patriot um so nachdrücklicher ersucht, durch Ertheilung der allfälligen Auskünfte diesem gemeinnützlichen Borhaben mitzuwirken, als das Werk von Sr. Exzellenz dem Herrn Gouverneur bei dem am 20sten Aug. letzthin abgehaltenen Landtage diese Gesellschaft zur werkthätigsten Unterstützung anempfohlen worden ist. Die Gegenstände aber, worüber der Verfasser ein allfällige Anhandlassung wünscht, und die zur Aufklärung der Geschichte etwas beitragen können, sind folgende. Istens: Jnnschriften aus dem römischen Heidenthum, auch christliche Denkmäler, Leichenstein, und dergleichen, welche auf eine besondere Begebenheit, auf eine edle That, auf eine vornehme Familie, oder sonsten etwas, so in der Geschichte merkwürdig ist, deuten. Stens: Alte römische Münzen aus Gold, Silber, Kupfer, oder Erz, auch Münzen aus dem Mittlern Alter, von was immer für einem Fürsten. 3tens : Die ältesten Sigille der Herzoge von Kärnten, der Mark¬ grafen von Istrien, Patriarchen von Aquileja, Grafen von Görz, Grafen von Cilley, und der vornehmsten krainerischen Familien, dann der Städte in Kram. 4tens: Statuen, oder deren Fragmente aus Stein, Bronz rc. die sichtbar älter sind, als die Einführung des Ehristenthums, dann andere ausgegrabene Bruchstücke und Geräthschaften der Alten, Instru¬ mente des Krieges, der Haushaltung, des Akerbaues, und dergleichen. 5tens: Spuren der alten Gebäude, und Straßen. 6tens: Manuskripte aus den ältesten Archiven, wenn sie Ur¬ kunden sind, die etwas erweisen. 7tens: Traditionen, die sich auf einen, oder andern dieser Gegenstände beziehen. t-tens: Revolutionen der Natur, die sich aus dem gegenwär¬ tigen Zustande der Oberfläche Müssen lassen, z. B. ausgetroknete IX forderrmg der damaligen k. k. Hofkaiizlei nachgekommen — wirkte es doch lange Zeit weit darüber hinaus, denn man findet da im engsten Rahmen die wichtigsten und schönsten Momente unserer heimatlichen Geschichte mit gleicher Sach¬ kenntnis und Wärme ausgezeichnet. Es wurde dies Büchlein eine angenehme Lectüre sür den Vaterlandsfreund und diente, Seen, entstandene Moraste, eingestürzte Gebirge, Verheerungen der Flüsse, Veränderungen, oder Erriefungen ihrer Rinnsale, und dergleichen. Diese sind also nebst vielen andern, die alle herzunenncn nicht möglich ist, jene Gegenstände, welche die Hrn. Mitglieder, und Pa¬ trioten in ihrem Gesichtskreise gelegenheitlich beobachten können, und um deren Mittheilung man dieselben in jenem Falle ersucht, wenn sie etwo ihr Beobachtungen unter ihrem eigenen Namen der Presse zu übergeben nicht gcsinnet sind. Wobei man versichert, daß in Ansehung jener Sachen, welche einen innerlichen, oder äußerlichen Werth haben, keineswegen das Eigen- thum, sondern nur die Einsicht verlangt wird. Sind es Innschriflen, oder nicht leicht bewegliche Werke der Kunst, so ersucht man, diese abzeichnen zu lassen, jene Gegenstände aber, die zu keiner Zeichnung geeignet sind, möglichst genau zu beschreiben, und endlich diejenigen, wovon man ohne Einsicht des Originals keinen Gebrauch machen kann, auf eine selbst gefällige Art an diese Gesellschaft gegen Vergütung der Postlieferungs- und aller wie immer Namen haben Unkosten, sobald sie solche anzuzeigen belieben werden, einzuschikcn. Und gleichwie endlich der Verfasser verspricht, die Namen aller derjenigen, die ihn mit ihren Beiträgen beehren werden, mit öffent¬ lichen Danke zu nennen. Also verspricht man sich, daß alle diejenigen, welche in Sachen eine Kenntniß, oder Wissenschaft haben, die gedachten Auskünfte dar¬ über zu sammeln, anher mitzutheilen, und zur Bearbeitung eines so gcmeinnützlichen Werkes ihre thätige Unterstützung nach Thunlichkeit beizutragen geneigt sein werden." Laibach den Lösten März 1785. N. die kiiiZeri. künigl. MrrtumeZ- und der nützliche!! Nnste LrLeliSchlit't in Krilin. Georg Jakolr Gras v. Hohenwart, Direktor. Paul Joseph Jemen, Acluarius. X was die Hauptsache war, der Jugend zur Aufmunterung und Anleitung beim Forschen in heimatlicher Geschichte. Wir greisen nicht fehl, wenn wir sagen, daß vieles, das meiste, was nach Erscheinen dieses Leitfadens auf dem Ge¬ biete unserer Landesgeschichte geleistet wurde durch densel¬ ben angeregt, gefördert worden war. Jetzt ist das Büchlein ganz selten geworden, man findet es nur mehr bei dem oder jenem Fachmanne, der das „Namenlose" bei irgend einer Auction gerettet, oder bei einem Schüler Vodnik's, deren auch nicht gar zu viele mehr sind; aus dem Unterrichte ist es lange verschwunden und unsere Studenten verlaßen das Gymnasium ohne Kenntniß der Geschichte ihres Vaterlandes. Diesen letzteren Uebelstand zu heben, brachte der eifrige k. k. Oberamtsdirector Dr. H. Costa in den Ver¬ sammlungen des historischen Vereines*) wiederholt den Antrag: aus Wiederbelebung des Studiums dre¬ he im nützlichen Geschichte an unserem Gymna¬ sium. Bei der Diskussion dieser Frage mußte aber noth- wendig der Ruf nach einer, den neueren Forschun- genunddeingegenwärtigenStandehistorischer Wissenschaft überhaupt entsprechenden Dar¬ stellung unserer Landesgeschichte laut werden, — man wollte ihm nachkommen, und verhieß alsbald eine solche, bis nun aber kam sie nicht zum Vorschein. Und doch hat die neuere und neueste Zeit so vieles an Materialien dazu geliefert und wie im ganzen Oester¬ reich, so öffneten sich auch bei uns die Thore der Archive und Bibliotheken, dem Forscher den Eintritt frei gewährend. Dieser letztgenannte Umstand, der es dem Einge¬ borenen vom Fache der Zeit gegenüber als Ehrensache er- ') Wergl. Mittheilungen d. hist. B. f. Kr. 1856. 27. XI scheinen läßt, dem Volke seine Geschichte zu erzählen, und vor allem der Hinblick auf die vaterländische Jugend, die daraus Liebe zur Heimath, Vertrauen und Anhänglichkeit an die Dynastie, unter welcher Land und Volk der Cultur- entwickelung theilhaftig geworden, und die Anregung zu ferneren Forschungen schöpfen wird, sind die beiden Gründe, die mich zu meiner „Geschichte Krain's" geführt haben. Ein durch fünf Jahre fortgesetztes Forschen in dieser Richtung setzt mich jetzt schon in die Lage ein Handbuch für Studierende und für Geschichtssreunde überhaupt zusammen¬ zustellen, es soll dieß Handbuch jedoch nur als Vorläufer eines umfaßenden geographisch-historischen Werkes über Krain angesehen werden, zu deßen Ausführung wol eine geraume Zeit und die (durch ein doch vielleicht zu Stande kommendes Landesarchiv ermöglichte) Benützung aller Quellen des Landes erforderlich sind. Was die von mir bereits durchforschten und hier be¬ nützten Quellen betrifft, so will ich dieselben gleich näher besprechen; vorher aber noch einige Worte über das System, das ich in diesem aus der N o thw e n d i g k eit hervor¬ gegangenen Büchlein angenommen habe und insbesonders über die Behandlung der Urgeschichte unseres Vaterlandes anfügen. Von dem Grundsätze geleitet, daß in einer Landes-, Staaten- oder Weltgeschichte bereits vorliegende gründ¬ liche Einzeldarstellungen ganzer Perioden, besonderer Ver- hältniße, einzelner hervorragender Persönlichkeiten u. s. s. nicht verschmäht sondern vielmehr nach vorgenommener Prüfung als maßgebende Quellen benützt werden sollen, habe ich die vielen tüchtigen bald näher zu erwähnenden Arbeiten krain. Historiker mit Freuden meiner Zusammen¬ stellung zu Grunde gelegt; ja bin sogar in Parthien, wo XU mir bisher die Quellenstudien mangelten, Leo's Vorgänge vollständiger Adoptirung gefolgt und rechtfertige dieses Thun damit, daß ich des großen Historikers eigene Worte über ein derartiges Verhältniß zu „Monographien" hieher- setze. Leo sagt nämlich: „Verlangt man von einer Uni¬ versalhistorie, daß sie sede Einzelheit selbst herbeisühren soll, so ist das, als wenn man von dem Baumeister eines Domes verlangt, er solle nicht bloß seden Stein und Balken daran legen, sondern auch die Erde zu sedem Steine selbst graben, schlämmen, streichen und brennen und das Holz zu jedem Stamme selbst säen, pflanzen, großziehen, umschlagen und zersägen. Unsinn nun freilich kann man verlangen; ob man sich unsinnigem Verlangen fügen oder lieber darüber sich amüsiren will, steht aber Gottlob bei uns noch in jedes Menschen eigenem freien Willen." *) Damit ich aber nicht bloß „mit Worten" zu recht¬ fertigen suche, sondern auch die Erfahrung für mich spre¬ chen laße, so weise ich auf die benachbarte Steiermark, wo der gründliche und emsige Much ar, eine Geschichte des Landes, ausschließlich auf eigene Quellenstudien basirt, schassen wollte und wol ein für den Geschichtsfor¬ scher unschätzbares Werk, aber trotzdem keine Geschichte, für das Volk und für die Jugend hervorbrachte, in Folge deßen das an geschichtlichen Erin¬ nerungen so reiche Land in dieser Richtung bisher so arm wie das unsere dastand. Was an diesem Handbuche das Ergebniß meiner eigenen Forschungen ist, beschränkt sich mehr minder auf die so hochwichtige Periode der „Reformation" im XVI. Jahrh. und im Anschlüße daran auf die ihr vorangehenden und nachfolgenden Ereigniße des XV. und XVII. Jahrhundertes ; Borrede z, 4. Bd. d. Universal-Gesch. 3. Aufl. x. IV. f. Xlll ferner das ganze Buch hindurch auf die Kapitel über die Cultur-Epochen unseres Volkes, welchen Thcilm, als dein eigentlichen Kerne jeder Menschengeschichte, ich auch einen weitaus größeren Raum gönte, denn dem rein pragmatischen. Die Behandlung der Urgeschichte möchte vielleicht auf Widerstand stoßen, weil ich in der Frage über die ersten Bewohner Krain's den Forschungen und Darstellungen Davorin Terste njak's gefolgt bin, doch wie konnte ich anders, er brachte so wissenschaftlich behandelte, unter sich so vielfach übereinstimmende und deshalb so überzeugende Daten, daß ich bis zur Stunde mit ihm die Slaven als die ersten Ein¬ wohner unseres Landes erkenne. Das Weitere hierüber folgt in der Darstellung selbst — nun zu den Quellen und zwar vorerst zu den ungedruckten. Außerhalb des Landes benützte ich die Hand¬ schriften der k. k. Hofbibliothek in Wien, die Akten der k. k. steiermärkischen Statthalterei, die Archive des Joanneums, des Grafen von Herberstein mrd des historischen Vereins zu Graz, die Handschriften der k. k. Universitätsbibliothek zu Graz, das Archiv des Cisterzienserstiftes Rein in Obersteier und das der bisthümlich-laibacherischen Herrschaft Oberburg in der untern Steiermark. Diese alle sind zumeist wol geordnet, ganz besonders dasjenige der Abtei Rein, wo auch Bibliothek und Münzsamm¬ lung eine reiche Ausbeute für landesgeschichtliche Zwecke Steiermarks, Kärntens und Krams darbieten. Im Lande und zwar in der Hauptstadt: 1. das bischöfliche, 2. das Domkapitel- und 3. das landschaftliche Archiv als Privatsammlungen größeren Unifangs, dann 4. das Archiv unseres Nationalmuseums und 5. des historischen Vereins als öffentliche wenigstens für Mitglieder zum unbedingten Gebrauche gestellte Sammlungen. XIV Von geringerer Ausdehnung doch voll des interessantesten Materials sind: das fürstlich Auerspergische Archiv, die Handschristensammlungen des sürstbischöflichen Seminars und der k. k. Studienbibliothek, sowie auch die bei den ver¬ schiedenen k. k. Aemtern: Landesregierung, Landesgericht, Buchhaltung, Baudirection u. s. w. liegenden Akten viel Ausbeute gewähren. Diese alle eben angeführten Archive und Sammlungen laßen leider in Anordnung und Bewährung der Archi¬ valien nicht das gleiche von sich sagen, während die einen musterhaft geordnet und bewahrt sind, geben andere traurige Beispiele von Verwahrlosung. Da es mir nicht zustehen kann, Privatarchive in dieser Richtung zu besprechen, (deren jedoch, nebenan gesagt, die meisten in bester Ordnung sind), so will ich um den früheren Ausspruch zu rechtfertigen, die beiden öffentlichen Archive des Nationalmuseums und des historischen Vereins heraus heben und an ihnen demonstnren. Im Museum wird der Forscher durch die ganz fach¬ gemäße Anordnung der Urkunden, den regestenartig gearbei¬ teten Zettelkatalog und die archivalische Bewahrung der einzelnen Stücke in Umschlägen und Cartons wahrhaft erfreut — wofür dem Custos dieser trefflichen Anstalt Herrn Carl De sch mann der Dank aller Vaterlandsfreunde zukömmt. Nicht so können wir vom historischen Vereine reden — wir geben zu, daß ein gewaltiger Unterschied in den dem Museum und dem historischen Vereine eingeräum¬ ten Localitäten herrsche (was auf die Bewahrung viel Ein¬ fluß hat), daß nämlich dem Museum zumeist Helle trockene Räume zu Gebote stehen, während der historische Verein in dumpfe kellerartige Mauern eingepfercht erscheint, wir geben zu, daß während die erstere Anstalt über bedeutende Geldmittel XV verfügen kann, die andere auf das größte Sparsystem ange¬ wiesen ist, wir wollen noch obendrein zugeben, daß es für den fetzigen Sekräter des historischen Vereins Herrn A. Dimitz trotz seinem so regen Fleiße keine kleine Aufgabe sein mag, alles früher im Vereine mit Hast begonnene aber nicht weiter geführte zu Ende zu bringen, — alles dieß soll Geltung haben. Doch, was in allen Verhältnißen zuerst der Obsorge bedarf, ist dasjenige, deßen Zustand als ein gefährdeter erscheint, so in historischen Sammlungen vor allem die Urkunden. Wie leicht geht eine Urkunde, die Jahrhunderten getrotzt, in wenig Jahren zu Grunde, wenn sie am feuchten Orte liegt, wie leicht verliert sich ihr interressantes Siegel, wenn sie nicht wol bewahrt wird u. s. w. Für das Gesagte haben wir ein Erempel im historischen Vereine, daß es nicht treffender sein könnte. Die älteste Urkunde des Vereins¬ archivs ist der Stiftbrief vom Kloster Landstraß 6äo. 7. Mai 1249, dieser Stiftbrief wurde zuerst in den Mittheilungen des historischen Vereins für Kram vom Jahre 1847 (p. 87 f. und 111 f.) abgedruckt, doch war er zu jener Zeit noch ganz lesbar und befand sich an demselben das Siegel des Herzogs Bernhard von Kärnten vollkommen erhalten, gegenwärtig, also nach dem kurzen Zwischenräume von 14 Jahren sind meh¬ rere Stellen, die in den Falten der Ur¬ kunde gestanden hatten, durch Fäulnis ausge¬ fallen und das Siegel ist verschwunden. Wir wollen durch Anführung dieser gewiß traurigen Thatsache nur ein Beispiel geliefert haben, welches genügen möge, die Nothwendigkeit einer beßern Bewahrung, sowie einer fachgemäßen Anordnung und Beschreibung der Archivalien, die wol einmal begonnen, aber nicht fortgesetzt wurde, recht eindringlich zu machen! XVl Außer dm Archiven in der Hauptstadt benützte ich wol auch mehrere Sammlungen auf dem Lande, so zu Adelsberg, Auersperg, Lack, Lustthal u. a. O., doch muß ich bedauern, daß ich bis nun solche For¬ schungen nicht systematisch vornehmen konnte, um so mehr, da Kram in jedem seiner Theile noch viel Neues bieten kann; daß ich nur auf eines Hinweise, so wäre das Herzogthnm Gottschee, die deutsche Sprachinsel inmitten slavischen Landes, ein äußer st dankbarer Stoff zu topographisch- historiscker wie sprachlich-kulturhistorischer Behandln n g. An gedrucktem Materiale waren es in erster Reihe die Schriften der „fleißigen Sammler" und Bearbeiter von früher, die ich durchnähm: der vielgenannte und viel benützte Freiherr von Valvasor, der uns die „Ehre Krain's" schrieb und mit Recht selbst die Ehre Krain's geheißen wird, dann Linhart, der mit seinem trefflich angelegten Versuche einer Geschichte von Kram (für die jener Aufruf der Ge¬ sellschaft des Ackerbaues und der Künste, den ich zu Anfang mitgetheilt habe, erlaßen worden war) leider nicht über den Zeitraum bis aus Karl M. hinausgekommen ist (— der Tod unterbrach das schöne Werk); Vodnik, der in wenig Zeilen viel Materiale niedergelegt hat, dann außer diesen noch die Werke von Schönleben, Georg Thallnitscher . v. Thalberg u. a., die alle an den betreffenden Stellen werden gewürdigt werden. Von neueren Arbeiten nenne ich diejenigen, welche hauptsächlich Einfluß auf meine Dar¬ stellung übten, so die schon angedeuteten Aufsätze des gelehr¬ ten Slovenen Davorin Terst en jak (in der slovenischen Zeitschrift Xovicm und in den Mittheilungen des histo¬ rischen Vereins), der emsigen und gründlichen Forscher XVII Jellouschek, Hicinger und Gymnasialdirector Ne- 6äsek (in eben genannten Mitteilungen) des sel. F. X. Richter, Professors an dem früher hier bestandenen k. k. Lyceum, deßen tüchtige Arbeiten über unser Land zumeist im Hormayr's Archive erschienen sind, und endlich die in den Zeitschriften Jllyrisches Blatt, Carniolia, Blätter aus Kram u. s. f. zerstreuten landesgeschichtlichen Abhandlungen von Fachmännern. Ferner lieferten reichliche Ausbeute: die Publicationen der kais. Akademie der Wissenschaften zu Wien, der Central¬ commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, ja selbst die Schriften der geologischen Reichsanstalt (in einem Aufsatze des gelehrten M o rlot über die Reste eines befestigten römischen Hammerwerks in der Wochein) die iVlonumentn boien, die Bibliothek des stuttgarter literari¬ schen Vereins, die Mittheilungen der historischen Vereine von Steiermark, Kärnten und Kram (und die damit ver¬ bundenen Diplomatarien, Archive u. s. w.) Was den beigegebenen archäologischen Anhang betrifft, so sind demselben einige Worte der Erläuterung vorgesetzt, worauf ich hiemit verweise. Ich habe nun noch der angenehmen Pflicht nachzukom¬ men, allen Jenen, die mich in meinen Vorarbeiten unter¬ stützt und gefördert haben, meinen Dank auszusprechen; so gebührt derselbe Sr. Gnaden unserm sel. Fürstbischöfe A. A. Wolf, Ercellenz, deßen Andenken durch Seine echt nationalen Bestrebungen im Volke auf immer erhalten ist, und Sr. Gnaden dem gegenwärtigen Fürstbischöfe vr. B. Widm ar, Sr. Ercellenz dem Herrn k. k. Statthalter von Steiermark Grasen Straßoldo, und Sr. Ercellenz unserm bisherigen Herrn Statthalter Gustav Grafen Chorinsky, der hochgebornen Frau Gräfin A. Attems, geb. Freiin r, XVIII von Erb er g, Sr. Gnaden dem seligen Abte des Cisterzienftrftiftes Rein Ludwig Crophius Edlen von K a i se r si e g, dem Herrn Landeshauptmanns A n t o n Freiherrn von C o d elli (zugleich als Director des National¬ museums) dem Herrn Grafen von Herberstein in Graz und allen ?. 1. geistlichen und weltlichen Herrn Vor¬ stehern und Beamten der von mir benützten Archive und Bibliotheken. So möge denn dieß Buch hinauswandern und Grüße bringen nach dem schönen Graz, dem lieblichen Kloster Rein, der alten Reichshauptstadt, und zu den ehemaligen „Commi- litonen" —; im Vaterlande aber seinen Zweck erfüllend, die Jugend aufmuntern zur Crkenntniß unserer schönen be¬ rühmten Heimath! Schloß Nshr in der Steiermark, im August 1861. As Widmung: Siegmund Freiherr «o« Zois Illld Valenti« Vodnik in ihrem gegenseitigen Verhältniße (1793—1819). (Eine kulturhistorische Studie). Quellen: Das Vodnik Album von vi-. E. H. Costa. Laibach 1859, herausgegeben zur Säkularfeier von Vcdnik's Ecburt (3- Februar 1758). In den Driesen von Siegmund Freiherrn von Avis an Valentin Vodnik (abgedruckt nach den Originalicn im Museal-Archive), Peter Petruzzis Aufsatze: „Vodnik und seine Zeit" und in andern Stellen. Driese von Primiz und Kopitar an Vodnik (im Museal-Archive). Licgmund Zois, Freiherr von Edelstein, vom Professor Richter Laibach 1820. Kopitar'j kleinere Schriften, herausgegeben von Fr. Miklosich I. Theil. Wien 1857. (Kopitar's Biografie, p. 1—14). Uaoyuet's Oriktaxi-apkia llarnioliao 1. x. 26. Ueberschanen wir die bisherige Literaturgeschichte des slvvcni- schen Volkes, so erkennen wir drei selbstständige Stufen; die eine iin XVI. Jahrhundert, die zweite im ausgehenden XVIll. beginnend und in das unsere sowohl mit ihrer Ausbildung als mit den Consequenzen hereinragcnd, an die sodann als dritte die in dem Zeiträume von 1830 bis heute begriffene und sich noch immer fort entwickelnde an¬ gereiht erscheint. Zwischen liegen die künstlichen Schöpfungen des XVII. Jahrhunderts, die eine von dem katholischen Clerus als Gegen- XX gewicht und gleichsam als Ersatz für die aus der reformatorischen Bewegung des XVI. Jahrhunderts hervorgewachsene Literaturepoche hingestellt — wobei des Bischofs Thomas Ehrön Ucbersetzung der Evangelien und Episteln ins Slovenische, so wie der Jesuiten, wenn auch nur relative Bemühungen für die nationale Sprache") immerhin von tiefem Erfolgen begleitet waren —; die andere auf den italie¬ nischen Geschmack der Zeit, sich in Academien zu vereinigen, gegründet, im letzten Deceninm jenes Jahrhunderts begonnen, aber weil nicht aus dein nationalen Elemente entsproßen auch sehr bald zu Grabe getragen, bietet nurmehr ein kulturhistorisches Interesse. Die in der Akademie der Thätigen (vperosoram) vereint gewesenen und durch ihren Sammeleifer ausgezeichneten Männer haben nns manche Reste des Altcrthnms gerettet und einige in diesem Sinne verfaßte nicht unwichtige Bücher hinterlaßen, so Schönlcben, Thalberg u. a."') Wie im XVI. Jahrhundert durch die drei Väter der sloveui- schen Literatur und Sprachforschung durch die Reformatoren und Bibelübersetzer Trnber und Dalmatin und den Grammatiker Bocho- rizh die slovenische Sprache als solche in Wort und Schrift zur Geltung gekommen war und im Auslände Anerkennung und Unter¬ stützung gefunden hatte, wie gleichzeitig heimische Kräfte, Khisel, Sa¬ muel Budina, Vraineiz u. a. sich der vaterländischen Zeitgeschichte angenommen und Monographien geschaffen, die wir jetzt als er¬ wünschte Bausteine für unsere Landcsgcschichtc begrüßen, wieder andere in den Disciplinen der Juristik (M. Pegius) Medizin (vr. Verbcz, der der Religion wegen sein Vaterland hat verlaßen müßen) und Philosophie (Qualle) Krain's Ruf weit über dcßen Grenzen hinausgetragen hatten, in eben solcher Weise war cs die von uns als zweite bezeichnete Entwicklungsstufe unseres Volkes, die Zeit des Frei¬ herrn von Zois und Vodnik's die getragen vom uenerwachten Selbst- bewußtsein der Nation wahrhaft gediegenes und daher allgemein an¬ erkanntes hcrvorbringen ließ. Xnno 1598 pueri kliristum inkantulum latinis, sluvoniois et xer- munieis Oantibus et Versidus oelebiunte«, in kesti» nutslitii« eristi- mationem nastris eotiolis lonxe muforem eoaoiliurunt et in sie« Nu¬ merus oresoeknt.(eoäem unno).OntUeoliiswu» üiebus üominiois linxu» 8iitvonivL k»5eri solitus et inäiminsus eet. Auszug aus einer llistoi-i» NNUL sooietutie ^een lubueensis in Baron Erberg's Entwurf einer LiterargeschichtcÄrain's »18. <1. Bibl. in Lustthal. Vrgl. Culturgeschichte des XV». Jahrh. ausführlich. XXI Von dieser Epoche ein kleines Bild zu zeichnen, hat mir lange schon im Sinn gelegen. Da ergicbt sich nun die schöne Gelegenheit, es an dieser Stelle zu thnn — stammt ja der Freund, dem ich in angenehmer Erinnerung an die schöne Studienzeit das vorliegende Werk weihe, ans dem Geschlechte des hochgesinnten Freiherr» und anderseits hat mir des unsterblichen Sängers, der auch ein tüchtiger Historiker gewesen, trefflich angelegte Geschichte unseres Vaterlandes zur besten Grundlage meines Buches gedient. Die letzten Jahrzehnde des XVIII. und die ersten des XIX. Jahrhundets sahen in nnserm schönen Kram einen gewaltigen Auf¬ schwung der Geister, denn auch bei uns war das ernste Streben nach Bildung erwacht, durch Josess zum Schulbesuche aufmnnternde Erläße, sowie durch verschiedene Beispiele, daß dem Talente alle Wege offen seien, um nur eines zu nennen, die Erhebung des Kramers Vega in den Freiherrustaud. Wie mit einem Male regt sichs in allen Gebieten des Fühlens und Denkens, Poesie und Naturkunde, Geschichte und Philologie werden eifrigst gepflegt, und die Männer, die sich diese Discipline» als Lebensaufgabe gesetzt haben, sie forschen und schaffen froh und rüstig neben und miteinander, theilen sich ihre Errungenschaften mit und fördern so sich selbst und ihre Arbeiten. Spreche ich nun die Namen: Vodnik, Linhart, Kopitar und Zois ans, so finden sic im Bewußtsein jedes Slovencu de: freudig¬ sten Wicderklaug; denn ich nenne den ersten Dichter, den gründlichsten Historiker, den tüchtigsten Philologen und den eifrigsten Natur- und Batcrlandssrcnnd, der zugleich der Mann des uinsaßcndsten Wißend genannt werden muß. Dieser Freiherr Siegmund Zois war es, der allen geistig thätigen Männern seiner Heimat als Mittelpunkt galt, von welchem den Bestrebungen der Einen Anregung und Unterstützung ward, während die Andern mit ihren werdenden oder fertigen- Schöpfungen zn ihm hindrangtcn, Rath nnd Anerkennung da zu finden wo sic beides am höchsten schätzten. Seine nnifaßcndcn Kcnntniße in humanistischen nnd realistischen Fächern, die er theils ans den Reisen durch die Schweiz, Deutschland, Holland, Frankreich nnd Italien, er¬ weitert oder erworben hatte, theils seinen trefflichen Lehrern Gruber und Maffei dankte, seine große Beredsamkeit, sein treffliches Gedächt- uiß, die Geläufigkeit, die er in den meisten europäischen Sprachen xxn besaß und sein klarer geschärfter Blick in: nrtheilen, wie ihn nur die Betrachtung der Natur so bilden kann, seine materiellen Mittel, die er selbst in den Tagen, wo sic durch Verluste so ziemlich geschmälert waren, in Sachen des Vaterlandes stets opferwillig anfwandte, all dies mußte ihm den Platz als „erster der Nation" in seiner Zeit und bis heute sichern. Zois umfaßte mit vollem Herzen und mit all seinem Thun das schone Vaterland, deßen reiche und mannigfaltige Naturschätze steigerten seine angeborne Liebe zum Studium der Natur, lockten den wißbegierigen in die höchsten Alpenregionen, ließen ihn da einen ewigen Bund mit der erhabenen Mutter eingehen und belohnten den unermüdlich forschenden reichlich, indem sie ihm der Wißcnschaft manch wichtigen Beitrag liefern halfen, so z. B. nennt uns der Mi- neralog auch einen Zoisit! Doch nicht die Natur des Landes zog ihn ausschließlich an, auch des Volkes Sprache liebte und pflegte er, wie er auch deßen Geschichte zum Gegenstände seiner eifrigsten Arbeiten machte, er war uns Alles in Allem und der Dichter nahm es nur ans dem Herzen des Volkes, wenn er von ihm sang: „lVIat? krasna imela sinu IsubseKU ni!" Ich werde in der Cnltnrgeschichte an entsprechender Stelle zei¬ gen, wie Zois ans Hebung der Landeswohlfahrt nach allen Richtun¬ gen thätig gewesen, wie die Volksbildung, das Gedeihen der Huma- nitätsanstalten, die Verschönerung der Hauptstadt, das Anfnehmen der Feldwirthschaft, der Industrie und der Gewerbe, die Verbcßernng des Klimas durch Lösung des Problems der Snmpfaustrocknnng und so manches andere ihn im gleichen Maße beschäftigt hat. Hier gilt es sein Vcrhältniß zu denjenigen Männern des ihn umgebcndenden Kreises näher ins Ange zu faßen, mit denen er im innigsten unausgesetzten Verkehre gestanden hat, so zu Linhart, welcher für die Wißeuschast zu früh starb, zn Kopitar, vor allen aber zu uuserm ersten slovenischen Dichter zu — Valentin Vodnik. Der Kreis der Intelligenz, der sich außerdem noch nm ihn gebildet hatte, war ein so großer gewesen, daß wir, wollten wir bei den einzelnen Gliedern verweilen, eine geraume Zeit aufweuden müßten. Doch es mögen hier wenigstens diejenigen genannt sein, deren bc- xxm stimmte Beziehungen zu Zois notorisch sind. Es waren: Der berühmte und gelehrte Naturforscher Hacqnet, dem der Freiherr bei seinen geologischen Excnrsen immer mit Rath nnd Thal nnd der reichsten Erfahrung beistand, wofür ihn jener hiewiedernm „den einzigen Na¬ turforscher nennt, der, da er mit Einsicht nachgcforscht, der einzige seinen Forschungen das Siegel der Bekräftigung beidrucken könne bis andere Natnrkenner kämen, die sich eben die Mühe im Nachforschen geben würden, wie er cs zu thnn pflege"; der als Schulmann durch feine an die Kaiserin Maria Theresia gemachten Vorschläge wegen Aufbeßernng der Schulen und als Sprachbeflicßener gleich bekannte und ncnnenswerthe Knmmerdai, der Deßaner Penzel, der ge¬ lehrte Uebersetzer des Dio Cassius nnd welcher lange als Lehrer der Poetik, wie überhaupt durch die Fülle seiner Gelehrsamkeit bildend ans unsere Jugend wirkte; der slovenische Philologe Jappel, der nebendem, daß er an der neuen (katholischen) twu ihm selbst hcrvor- gerufencn Bibelübersetzung, unkrmüdet mitschuf, auch die schöne Lite¬ ratur Deutschlands unserem Volke zugänglich machen wollte, indem er ansgewählte Stücke von Gellert, Hagedorn, Moses Mendelsohn nnd Zachariä in unser Idiom übertrug; die Naturfreunde uud Kenner Graf Hohenwart nnd Presch ern, dann der äußerst scharfsinnige Hladnik, Scopolis und Wnlfens Schüler in der Botanik, der Begründer des hiesigen botanischen Gartens nnd glückliche Bereicheren der krainischen Flora, der mit den berühmtesten Naturforschern seiner Zeit unausgesetzte Correspondcnzen unterhielt, die ihm fast durchgängig von Zois sprachen oder ihm dies oder das an den Freiherrn anfga- ben, in deßen Hause er „als Sohn armer Eltern" (wie er sich selbst ausdrückt) stets die Ferienzeit seiner Studienjahre zngcbracht nnd daraus reichlichen geistigen Gewinn gezogen hatte; der Professor der Weltgeschichte am Laibacher Lyceum F. L Richter des Freiherrn Biograph, ein ebenso gründlicher Qnellcnforscher als trefflicher Dar¬ steller des Erforschten, der unsere Landcsgeschichte nach allen Seiten hin bearbeitete nnd selbst Dichter das Verstündniß des gefeierten Schiller bei unserer Jngend durch Vortrag nnd Declamationsübungen aus der Trilogie Wallenstein, vermittelte nnd dadurch einen förmlichen Schillercnltns hervorrief, welchem Entnsiasmns bald als reife Frucht die Nachbildung in seines Schülers Jovan Koseski (Johann Bcßel ans Koses) herrlichen Uebertragungen Schiller'schcc Binse folgen konnte'); Vergl.'Culturgeschichtc des XIX. Jahrhunderts: Uebersetzungsliteratur. XXIV Metelko, der eben verstorbene gründliche Kenner unserer Sprache, wie aller slavischen Dialekte, der sich nun in später Lebenszeit mit hoher Freude an die bei Zois zngcbrachten Stnndcn erinnerte. — All diese Männer kamen ungehindert und zu jeder Stunde des Tages in des Freiherr« Haus, das wir nach dem Grade als dariu Kunst und Wißenschaft unabläßig Pflege fanden, Krains Mnsenhof taufen wollen. Daß außer den Genannten auch die anderen damals in Kram lhätig gewesenen Capacitäten, Priester, die sich durch Kanzelbercdsam- keit anszeichneten (Pinhak, Dagarin) oder Slavistik trieben (Damaszen, Den, Salochar n. a.) Professoren, die durch Bil¬ dung glänzten und Linguistik trieben (Peßcnegger, Gunz) Schrift¬ steller minder Zunge, so Charles Nodier, ein Mann von euro¬ päischem Rufe, der während der französischen Occupatio» ins Land gekommen war und dieses so wie die Sprache des Volkes alsbald liebgewonnen hatte, und Agapitto', der sich zur selben Zeit hier befand, welche beide italienische Romane schrieben — daß auch diese dem schönen Gcistesbunde mögen angchört haben, darf man kaum eine zu kühne Hypothese nennen. Daß alle zu jener Zeit in Laibach bleibend oder momentan anwesenden Fremden, die sich nach geistiger Unterhaltung sehnten, stets unser» Mnsenhof anfsnchtcn, bezeugt »ns ausdrücklich Kopitar in seiner Selbstbiografic, der den Gouverneur, den Militärkomman¬ danten (Graf Bellegardc) dann Lord Dnkworth, den Für¬ sten Metternich und Erzherzog Johann (dem Zois in der Wohein am Ursprünge der Savica ein Denkmal errichtet hat) nam¬ haft macht und wo wir auch die Anmerkung lesen: „wenn Reisende zufällig in Laibach verweilten, und besonders Engländer fragten, ivas es da merkwürdiges gebe, so wurden sic immer zu Baron Zois ge¬ wiesen, der Alles wißen werde." Der lcßte Beisaß zeigt, wie populär der Freiherr gewesen; wir werden an anderer Stelle sehen, daß er sich in dem gleichen Maße wie für Geistesschöpfungen nm ein neu zu pflügendes Feld, um ein verbeßertes Ackcrgeräthc oder nm Entdeckungen im Gewerbs- und Jndnstriclebeu bekümmert, darauf bezügliche Versuche ermöglicht und an denselben mit regem Interesse theil- genommen hat. Wir kennen aber noch ein Moment durch das er der Mann des Volkes geworden, sein Streben nämlich, das National- gesühl zu erwecken und wach zu erhalten. Hiemit sind wir XXV bei seiner Beziehung zu dein öfters genannten Linhart angelangt. Der Einfluß den Zvis ans Linhart übte, äußerte sich hauptsächlich darin, daß er ihm in der Bearbeitung der beiden Theaterstücke: ,,2upsnav» miolca" und „mrUiöole so /mul" mit Rath und That zur Seite Ivar und deren Aufführung ans der hiesigen Bühne durch Dillctanten der vornehmer» Stünde (so unter andern Franz Graf Hohenwart) möglich machte.') Nebenbei mag hier bemerkt sein, daß Zois in der späteren Zeit, wo er ob seines Leidens das Hans nicht mehr verlaßen und nur in dem von ihm selbst erfundenen Fahrscßel seine siebenzehn Zimmer durchfahren konnte, fortwährend für die italienischen Operisten krainische (flovenische) Couplets dichtete, so daß Sänger und Sänge¬ rinnen mitten in den Sporn heimatliche Weisen anstimmten, deren überraschendes Ertönnen, wie Kopitar schreibt, Parterre und Logen vor vaterländischer Freude außer sich brachte. So sehen wir, sagt »e. Bleiweiß in seiner kurzen aber gediegenen Biografie des Freiherr»,") daß der heimatliche Gesang schon von früher her im Laibacher Thea¬ ter vor Allem nm besten ausgenommen war. Außer der Thcilnahme an Linhart's dramatischer Thätigkeit batte Zvis auch an deßen llebertragnng des Di. Wollstein'schen Bu¬ ches: „Bon Seuchen und Krankheiten" s,,bulevo ost k»x in Valoron") mitgeholfen. Ans die gemeinschaftlichen Arbeiten beider in Sachen der Knmmerdai'schcn Grammatik, dann deßen Wörterbuches und in der Benrtheilnng der Produkte Bodniks werde ich später znrückkommen. Hier erübrigt noch das Verhältnis; Kvpitars zn Zois. Kopitar kam 1800 als Lehrer eines Neffen in das Haus des Baron Zvis, welcher sofort den größten, entscheidenden Einfluß auf das weitere Schicksal des talentvollen Jünglings nahm, und ihn auch nach dem Abgänge des Zöglings nach Wien als seinen Sekretär, Bibliothekar und Mincraliencabincts-Anfsehcr behielt. Die Jahre dieser Muße (1800—1808), wo er seine eigentlichen Studien unterbrach, wandte Kopitar ans die Naturkunde und Naturgeschichte, welche Dis¬ cipline» er schon seines Prinzipals wegen (wie er sich in der Selbst¬ biografie ansdrückt) pflegte, dann auf die Ausbildung fremder Spra¬ chen, wo wieder der Umgang mit Zois das Meiste that, hauptsächlich aber ans die gründliche Beschäftigung mit der Muttersprache, deni Slowenischen. Z» letzterem hatte ihn nicht sein Ich, sondern die Lage, ') Auch 1848 fand eine selche statt. ") IkoIeaIIa8 Alinorva ist fir und fertig mit Schild, Lanze nud Schwert ans Jupiters Gehirn herfürgesprnngcu und eine vollendete Göttin geblieben. —Unsere Musen-Gebnrteu mögen sie auch die schönsten Mäd¬ chen sein, so sind sie noch voll Makeln bei strengerer Uebersicht." So tadelt er anch in dem angeführten Rechnnugsnntcrrichte das von der Null Gesagte. Von ihr, die denn doch etwas negatives an zeigt, will er, da der „krainischeu" Sprache „dermalen" Worte für abstracte Gegenstände fehlen, folgendes gesagt wißen: „Das Nnlla zeigt, wo cs zu stehen kommt den Mangel jenes Gliedes im Zählen, welches au derselben Stelle nach der gegebenen Vorschrift zu stehen hätte, wenn es vorhanden wäre." Vodnik benützte diesen Wink in der vratika vom 1796. Wie Zvis fehlerhaftes tadelte, so sand andererseits dasjenige was lobenswert war sicherlich bei ihm ein geneigtes Lob. So z. B. der Gedanke Vodniks das Volk in den Kalendern durch passende Sprüche aus Reinlichkeit in den Stuben, Kleid und Geräthe, öfteres Waschen, Anslüften ota. aufmerksam zu machen. „Ich glaube" schreibt der Freiherr über diesen Punkt, „man dürfte den Kramern bald die ganze-Theorie der lnftförmigen Stoffe, des Gemenges der Atmosphäre aus mehreren theils schädlichen theils nützlichen Luftarten, die Eigen¬ schaften der reinen Lebenslust und die Gefahr bei Cinathmung der Most fetten, et«, vortragen." Zois ricth dem Freunde nicht blos mit Worten, er versah ihn auch mit Sendungen vou Büchern, Karten, Kalendern u. s. w. wie es Vodnik eben wünschte oder aus freien Stücken, um den vou der Hauptstadt entfernten auf neue literarische Erscheinungen oder auf Raritäten aufmerksam zu machen; letztere verschrieb er ihm ost aus weiter Ferne nur um den für alles Gute und Schöne empfänglichen auf alle Weise zu fördern. Wir haben bereits aus des Freiherrn Correspondenz mit Vodnik genug Stellen angeführt, nm beurtheilen zn können, wie eindringlich Zois die Arbeiten aller seiner Freunde verfolgte nnd vou den momentanen Fortschritten derselben stets volle Keuntuiß hatte, wie er rächend und helfend immer zur Seite war. Die Briefe zeigen uns aber auch wie er ganz der Mann dazu war eine solch vermit¬ telnde und fördernde Stellung unter den ihn umgebenden cinznnehmeu XXXI — UN! kurz zu sein — wie er ganz ans der geistigen Höhe seines Jahrhunderts stand- Doch nicht allein als Verstandesmenschen zeigen ihn diese seine Briefe, sie offenbaren, und dies in nicht wenig Fällen, ein edles sel¬ tenes Gemnth. So schreibt er dem Dichter: „Mit welchen Worten soll ich Ihnen die betrübte Nachricht verkündigen? Linhart ist nicht mehr. Die Anatomie — fährt er fort — tröstet uns wenigstens mit dem Beweise, das; kein Fehler noch Mangel menschlicher Hilfe unter¬ laufen sei. Ich bin seit Linhart's Tode zu nichts aufgelegt, krank, miß- mnthig, melancholisch, unruhig," n. s. Iv. In einen! andern Schreiben, ans das ich gleich ausführlich zu sprechen komme sagt er: „Das Ein- fahren (in die Gruben) verbiete ich ihm (dem Grafen Hohenwart) und Ihnen (Vodnik) absolntissime, weil ich das Leben meiner Freunde nicht in Gefahr scheu laßen will." Zugleich als er den Dichter vom Tode Linhart's bcnachrichtete, forderte er ihn auf, zu dcßcn Andenken mitthätig zu sein: „Unsere besten Köpfe bemühen sich Epitaphien auf Linhart's Verdienste zu fertigen, der Er-Sitkichcr Wilhelm und von Prcckerfeld haben es in deutscher Sprache versucht, Professor Penzel arbeitet im Lateinischen, der Dichter am Triglav mnß cs im Krainischen, ich werde dem nnver- geßlichcn Freunde Thränen opfern — und ihn bald im Grabe besuchen." Später einmal kommt er wieder auf die Epitaphien zu sprechen, und zwar mit den Worten: „Ueber Linhart's Tod wird noch immer gedichtet und — nichts entschieden. Man spricht, es sei von der Obrig¬ keit verboten worden auf Tranerbeweisc weder Grabsteine noch Elegien öffentlich Hand zu legen. Das schicksamste wäre nun eine kurze Bio¬ graphie aufznschen, nnd sie in den bekannten Nekrolog in Deutschland, der die Todesfälle aller Gelehrten sammelt nnd berichtet, cinrücken zu laßen." Er führt dann das vom Professor Penzel verfaßte lateinische an nnd spendet demselben sein volles Lob, wegen der darin vorkommenden Anspielung auf die Miviam-Doam (vianain) nnd deren Anwendung auf die 3 Gelehrten (Herberstein, Schönleben, Valvasor) mit denen der dahin Geschiedene darin verglichen wurde. Für dks „Kra i n crisch e" räth Zois gereimte Verse, damit man sie desto beßer gang und gebe machen könnte, hält jedoch die Vcrsart für gleichgiltig. „Aber" fährt er fort, „alles was ans ihrer Feder kommt mnß im Volks¬ tone nnd für das Volk geschrieben sein. Hicmit dürsten Sie ans keine Weise sich in das Gebiet der tragischen Muse einlaßen. Sie könnten XXXII z. B. die „öupanovs mleka" und dm ,Mstiesk" (Hauptpersonen ans Linhart's Drameu-Uebersetznngeu) einführen, und die Geschichte die ihren Liebling beweint, durch sie trösten laßen," u. s. w. Daß Vodnik seinerseits geneigt war das Andenken des nni das Vaterland hochverdienten Linhart iin Volke dauernd zn erhalten, zeigt seine Idee, deßen kraiuische Geschichte auszugsweise in slovenische Verse zu bringen, nnd den Kalendern beizngcben, worüber sich Zois billigend äußert. Jetzt war auch die Zeit gekommen und durch den eben eilige- trctenc» Verlust im Laibacher gelehrten Kreise, schien cs um so gcbo- wuer, daß sich die Freunde nach Kräften bemühetcu, den Dichter in ihre Nähe zn bringen. Zois schreibt untrem 4. August 1795: „Ich muß Ihnen berichten, daß die Psarre zu Zauchen erledigt ist. Knmmerdai brachte mir gestern die Nachricht mit der Aneifernng, daß Sie sich in die Eompetenz setzen sollten. Die Pfarre ist kaiserlich, die Einkünfte, wenn nicht anders beträchtlich, wenigstens bester als eine Cougrna; die Entfernung von Laibach höchstens 4 Stund, die Lage sehr an¬ genehm, nnd der Umstand günstig, daß der verstorbene Pfarrer der Gemeinde verhaßt war, weil er ein strenger Jansenist gewesen ist. Ich schmeichle mir, die Freundschaft des Referenten bei der Landesstelle so sehr zu besitzen, als es nöthig ist, damit er von mir einen Bor- bericht von ihren Verdiensten um die kraiuische Literatur, Volksnnter- richt nnd Arbeitseifer, mit Bedacht anhören möge. Ich rnthe Ihnen hiemit ohne Zeitverlust, zur Sache zu thunz nnd sich deswegen auch mit dem Direktor Pinhack ins Einverständnis; zn setzen." Diesem gegenüber äußert Vodnik in Betreff eines Aufenthalt- Wechsels sofort nntcrm 10. September desselben Jahres: „Für meine Arbeiten brauche ich ruhigen Geist; der Gedanke irgendwo übersetzt zn werden, füllt mich jederzeit mit, mich sehr zerstreuenden Sorgen, die doch im Grunde nichts helfen, als daß sie die Einbildung stark rege machen. Daher stell ich folgendes als meine Richtschnur sest. In dem Bezirke von 4 Stunden nm Laibach bekommen Sie für mich was selbe schon immer eintragcn mag, nnd wann ich sic immer erlange, indeßcn bleibe ich hier, ohne allem Gedanken, anders wohin zn kommen, ruhig, und arbeite. — Jetzt überlaste ich Ihnen nnd meinen übrigen Freunden die Sorge für alles weitere, nnd wünsche nichts anderes eher zn wissen, als das ausgcfertigte Decret unerwartet zu lesen, sei es: Localcaplan, Enrat, Benisiciat oder Pfarrer, wann ich nur dabei xxxm meine Menage führe nm eigener Herr für meine Arbeitsstunden zn sein. In jedem Falle, bitte ich Sie lediglich mit Herrn Baron Sieginnnd Zois sich vorlänfig zn berathschlagen, und nach deßen Gut¬ befinden fürzngchen." Erst im Hochsommer des folgenden Jahres 1796 kam Vodnik als Caplan nnd Beneficat an die Hanpt-Stadtpfarrkirche St. Jakob in Laibach. Die zwischenliegende Zeit wandte er noch bestens an, forschte nnd sammelte rüstig im Naturfache nnd bestieg die oberkrai- nischcn Gebirge „um deu alten ehrwürdigen Triglav ans den Bart zn küßen." Die Route zu dieser Alpenreise, die auch Graf Hohen¬ wart nnd der genannte Pater Pinhak mitmachten, hatte ihnen Zois vorgezeichnet; wo die Tonristen an Besitzungen des Freiherrn vorüberkamcn, wurden Sie auf deßeu Veranlassung trefflich bewirthet nnd ans die Weiterfahrt mit Führern, Pferden nnd Proviant ver¬ sehen. Am 5. September 1795 sendet Zois an Vodnik seinen herz¬ lichen Dank für die so freundschaftlich besorgte Alpenreise und für die genane Beschreibung derselben. Er schildert ihm zugleich die Freude Hohcnwart's nnd Pinhak's „die sich nicht ausrcden können" und schließt diese Apostrophe mit dem ewig gütigen Sähe: „Gebirge, Natur und Freundschaft sind allmächtig große Dinge." Von dieser Reise hatte Vodnik unstreitig den größten Erfolg, denn eines seiner schönsten Gedichte das trefflich gelungene Versao war ans der begeisterten Stimmung am Gipfel des Vergriffen hervor- gegangen nnd dieser selbst blieb fortan seine Parnaß. Auch den Ursprung der Savica hatte er jetzt geschaut und so wurde ihm die Save: „IVIsti pevsko umnosti, sola rärave trd¬ nosti"; nnc sich denn überhaupt die Spuren der triglavischen Musen in Vodnik's künftigen Dichtungen fort erhielten! Vodnik nach Laibach verseht, erhielt 1797 die Professur der Poesie am hiesigen Gymnasium. Nach Abtretung Krain's an Frank¬ reich (1809) wurde er von der neuen Regierung beibehaltcn und zum Direktor der lateinischen Industrie- nnd Kunstschulen, wie auch der Normalschule ernannt. In diese Zeit fallen seine zwar schon 1808 begonnenen, mm aber in Gemeinschaft mit dem französischen Kricgs- commissär Sianvc, Mitgliede der keltischen Gesellschaft in Paris und gewandten Entzifferer alter Jnschriftsteine, häufiger unternom¬ menen archäologischen Cxcurse in verschiedene Gegenden von Krain. Ein von seiner Hand darüber ausgezeichnetes Jtiuerarium findet sich ä XXXlV abgedrnckt in den Mittheilnngen des historischen Vereines für Krain 1848, psx. 87 nnd ff. Es läßt dasselbe Vodnik's Vielseitigkeit im schönsten Lichte erkennen, denn wir finden darin Alles, was er deiner- kenswerthcs am Wege gefunden, getreulich verzeichnet nnd besprochen. Ans dem Felde archäologischer Forschung stand ihm gleichfalls Zois zur Seite, wir lesen nämlich im Jtinerarinm die Worte: Sar» promisit knäi in ^traute et in Vir. Auch an der 1809 bei St. Anna in Wien erschienenen Ge¬ schichte des Herzogthnms Krain eto., die bekanntlich von Vodnik auf Ansuchen der k. k. Hofkanzlei bearbeitet, jedoch als Schulbuch nach Art jener Zeit ohne dessen Namen ausgcgebcn worden, hatte Zois, wie es sein Biograph Richter erzählt, eifrigst mitgcarbeitet. So ist es erklärlich, daß wir in dem Buche unter den Männern der letzten Cul- turepoche den um das Vaterland so hochverdienten Freiherr» Siegmund vermißen, während sein Bruder, der als Botaniker durch die Cam- panula und Viola Zoisii bekannte Earl Freiherr von Zvis den ihm gebührenden Platz einnimmt. Durch den Verkehr mit dem genannten Bruder seines Mäcens war Vodnik in die günstige Lage versetzt die Namen von mehr als 550 Pflanzen, vieler Fische und Mineralien und aller im Lande erscheinenden sowol heimischen als vorbciziehenden Vögel, deren er über 210 nach den angenommenen Systemen der Naturgeschichte geordnet hatte, für das von ihm projectirte slov. Wör¬ terbuch zu sammeln. Dieses Werk (welches nebenbei bemerkt, wohl im Plane man¬ nigfach verändert, dem durch die Mnnisicenz des seligen Fürstbischofs Anton Alois Wolf in Druck gelegten nnd bisher in der ersten Abtheilung (deutsch slov.s abgeschloßencn Wörterbuche zu Grunde liegt), zu vollenden, war dem Dichter ebenso wenig gegönnt, als eine voll¬ ständige Ausgabe seiner Gedichte zn veranstalten. Vodnik starb am 8. Jänner 1819. Sein Freund Zois folgte ihm am 10. November desselben Jahres; die zwischenlicgenden Monate hatte der edle Freund noch mit der Durchsicht nnd Ordnung der Gedichte des vorangegangencn Sängers hingebracht. Mit dem Tode dieser beiden Geistesherocn unseres Volkes nahm aber auch eine bedeutende Culturepoche ihr Ende und auch unser Krain verfiel in die allgemeine Lethargie des Polizeistaates. , XXXV In den 30gcr Jahren vernahm man dann nnd wann die Stimme einer Nachtigall, die man schön fand, aber bei weiten nicht würdigen konnte, wenn sie gleich von dem „Seher unseres Volkes" vom Preschern kam und erst das neu erwachte Selbstgefühl der 40gcr Jahre ließ die herrlichen Gesänge dieses Dichters zum vollen Bewußtsein des slovcnischen Volkes kommen. Möge die neubegonnene Epoche nationaler Ent¬ wicklung auch einen freien Aufschwung der Poesie im Gefolge haben! 7 7/7/7; ////.z Z. - -- ^'.'7 " ./- 7.777/-- /47. 7 .-/7-- . 7^ '-' -7! - 7 - ' - 7- . . , ,, 7 .. / :.! 7 o h 'j.I 7 !. 7-, ;j 7 -,; / /. 7 It.!7 ;/!s«rk !!"!,7s N?II - Urgeschichte. Das heutige Land Krain war in den ältesten Zeiten von Slaven bewohnt; Beweis dafür sind Stellen bei alten Schriftstellern und, was mehr gilt, geographische Namen von Bergen, Flüßen und Orten, sowie Völker- nnd Personen-Namen nnd bildliche Darstellungen ans Denkmalen- Das Verdienst ans diese leßteren wichtigen Argumente zuerst hingcwicsen zu haben, erwarb sich der tüchtige Forscher ans dem Ge¬ biete slovenischcn Alterthnms und vergleichender Sprachforschung, der gelehrte Slovenc Davorin Tcrstenjak! Die alten Schriftsteller, die ans ein frühes Vorhandensein von Slaven in den Gegenden der Donau nnd im Süden dieses Stromes schließen laßen sind Herodot, Polybius, Strabo, Plinius, Tacitns, Procvp n. n-, ans späterer Zeit Nestor (1056—1116). Ehe wir ans die nähere Würdigung dieser Classiker gleichwie der archäologischen nnd Sprach-Reste näher cingchcn, machen wir vorerst noch einen Ercnrs nnd sehen nach, wann die große Völkerfamilie der Slaven in Europa eingcwandert ist, nnd wann sich Theile derselben in den Gegenden der heutigen Slovencu angcsiedelt haben- Wollte man von dem allerersten Vorkommen des Namens der Slaven ans die Zeit ihrer Ankunft schließen, so giengc man sehr irre. Ausdrücklich benannt werden sic erst nm die Mitte des 6. Jahrh. (n- Eh.), so bei Agathias um 536 n. CH., bei Jornandes nnd Procopius nm 550 '); aber ihre Anwesenheit in Europa lange vor diesen Jahren steht außer Zweifel. h Jcrnand. äe red. Abt, 11.22. I. 4 kroeox. äe dello xotdle. III. 14. 1 2 Belege für diese letztere Annahme bei Jornandcs ') selbst: Veneti ^nte« et 8vlavi, bas Keutes etinmsi nune, peeosti8 nostris merentibus, uüiijue suvisnt, omnes tsmen tune Lrmsnsriei su88i8 psrebant, und bei Ptoloinäus ^), wo die Schreibart (8Iavuni) in (Slavini) zn ändern wäre. Doch wir brauchen dies nicht, wenn wir die Wen eden oder Wen¬ den, welch' letzterer RaürUe sich noch bis zum heutigen Tage für die Slaven Norddeutschlands und für uns Slovenen(Wiuden) erhalten hat, alsUrväter derSlave n anerkennen. Diese Weueden (Wenden) werden schon im ersten und zweiten Jahrhunderte nach Christo von griech. und röm. Schriftstellern ge¬ nannt und ihre Wohnsitze im Osten der Weichsel, in den Gegenden der Ostsee (des vcnedischen Meerbusens) angegeben. ^) Später im sechsten Jahrhunderte werden sie ^) als Bewohner der Länderstrecken von der Ostsee ^) bis zum schwarzen Meere und zur Donau (wol aber in dec letzteren Ausdehnung unter dem Namen Anten) ansgeführt. Auch die peutingerische Tafel verzeichnet sie als Venedi und Venadi zwischen den Lygiern, Sarmaten und Geten. Unter diesen Namen trafen sie schon in früher Zeit mit den Römern im Kampfe zusammen, so um die Mitte des 3. Jahrhundcrtes mit dein Kaiser Volusianus, wie dies eine auf diesen Kampf geprägte Münze dieses Kaisers darthut. Sie hat doppelte (lat. und griech.) Umschrift: Imp. 6. Va. V. Ost. Venä. Voluslano ^ux. und /v , I V-. IV-/. 0 r r r. ^) In den meisten der angezogenen Stellen ist dies Volk der Wen¬ den als ein zahlreiches mächtiges geschildert, so heißt es bei Ptolomäus kSr-i? bei Jornandes nutio populo8u und die Anten für sich bei demselben Author „eorum t'orti88imi". Safarik, der der erste in den Aufzeichnungen der Classiker den Richtweg für die slavische Geschichte gefunden hat, stellt diesem Na- ') Jornand. I. v. n. 22. Geogr. I. 5. 3) Plinius nLt. Kist. VI. 13. U -Ikck. V4^inick», »Zs. Veonockss. Ptol. I. e. Jornand I. 0. I. 4. °) Safarik slav. Alterkh. I. 70. 3 inen der Winden, als an Alter ebenbürtig den der Serben an die Seite, der schon bei Plinins (unter den inävtischcn Völkern) und bei Ptolomäns vorkonnnt und gleich dem der Winden auch heutzutage noch erhalten ist bei den Sorben in Obersachsen und den Serben im österreichischen und türkischen Serbien. Er vergleicht diesen Rainen ferner mit dem bei Procop ') als Gesammtname der Slaven aufgeführten der Sporen (itroaoc) «) Ich gehe hier nicht weiter darauf ein, wie Sa fari k in dieser Vergleichung von einer Versetzung des p spricht, noch wie er für die Silbe 8rl> die sansk. Wurzel 8U (xensrars) herholt und sodann die Identität der Serben und Sarmaten leugnet; denn es gehört dies nicht in das Gebiet meines hauptsächlich für die Schule berech¬ nete» Handbuches, doch möchte ich in beiden Richtungen lieber Jac. Grimm Z) beistimmen, der für das erste eine Erwägung des ronel. 8p für 8v empfiehlt und für das zweite auf den so vielfach vor- kommenden Uebergang des b in m und für den gegenwärtigen Fall spcciell ans das heutige Sirmien (Srijem, Srem) in Serbien (lat. Kirmium) als Beispiel hinwcist. Sei dem wie ihm wolle — ausgemacht ist es, daß die Slaven in sehr früher (in vorhistorischer Zeit in Europa eingczogen sind; ob mit den Deutschen zugleich, wie Grimm (t. o. pax. 119 s.) an¬ nimmt, ob nach ihnen, bleibt noch immer unentschieden. Was den Weg betrifft, den sie nahmen, so war er höchstwahr¬ scheinlich ein von den Germanen verschiedener, während diese nämlich nach dem Norden zogen, wandten sich die Wenden mehr nach dem Süden und zwar allem Anscheine nach über den Hcllespont nach dem Donanthate, von wo ans dann später erst eine Wanderung nach dem Norden erfolgte, da der Süden nnd Westen bereits von andern Völkerstämme» besetzt war. ^) Hiemit sind wir nnserm eigentlichen Thema, der Urgeschichte Jnnerösterrcichs (der Länder Krain, Kärnten und Steiermark) nahe gerückt nnd könne» sagen: bei der ersten Einwanderung der Slaven in die Gegenden des Donauthales, zog auch eine slavische Völkerschaft nach unser» Gegenden st e. III. 14. st Lrfarik i. «. p. 152. st Gesch. d. deutschen Sprache I. Bd. 2. Aufl. 1853 x. 120 f. st Safarik 1 0. —^Terstenjak Novice 1853 I>. 230 ff. 1854 x. 42 ff. 4 und nahm das Land zwischen der Donau und dem adria tisch en Meere in Besitz, und erwidert man uns, daß dieses Alpenland bereits von Kelten und Germanen eingenommen gewesen, so bringen wir als Gegenbehauptung, daß neben und vor den Kelten nichtkcltlsche Völker hier wohnten, wie die Veneter, Jstrer und die Sigynnen, ans denen, besonders ihres Namens wegen, die Veneter sicher als Slaven zn betrachten sind. Nun können wir an die Beweise für die Ureinwohnerschaft der Slaven in unserin Lande nach den zwei bereits angegebenen Rich¬ tungen der schriftlichen Aufzeichnungen, sowie der archäo¬ logischen und Sprach-Reste schreiten. Die Angaben der alten Schriftsteller. Tacitns, der ob der Veneti im Zweifel ist, ob er sie nicht Germanen oder Slaven halten soll, schreibt von den Ösen, einer Völkerschaft im Süden der Markomannen und Qnadcn, daß bei ihnen die panuonische Sprache im Gebrauche sei, weßhalb sie nicht für Germanen anznsehcu seien. Ans der als hinter den Markomannen und Quaden angegebenen Lage dieses Volksstammes zu schließen, waren seine Wohnsitze an der Grenze Germaniens, nahe an der Weichsel und es mag sein Name sich im heutigen Auschwiz (Oswiecim) erhalten haben. Herodot erzählt von den S i g h n neu, daß sie a n s M e d i e n (darunter ist nicht das bekannte Land am kaspischen Meere, sondern überhaupt eine entfernte Laudschaft Asiens zu verstehen) gekommen seien und dann an den Ufern der Donau wohnten; auch be¬ richtet er, daß sie sich medisch trugen, also weit und fliegend, im Gegensatz zu dem engen und knapp anschließenden Gewände der Kelten und Germanen, was ganz vorzüglich für die slavische Ab¬ stammung dieses Volkes spricht, da ja auch die Tracht der alten h keti-o Alrn'kiZni, 6otinh Osi, !!ui-i tei-xrr Rsroomanoi-um tzuLöo- rumque daullunt. P (juibn8 Nal'si^ni et Luii sei'mone eultuyue 8aevo8 refenunt. 6otino8 xaHeL. Osos Pannonien, liiiLLua ooai'xuit non 6886 6kei'lnnno8 et hnoä tl-ibllta patiuntui'. — kei'manl» o, 43 eä Pink. 5 Slaven so beschaffen war nnd bei einigen slavischen Stämmen (Polen, Slov en en, Croaten) znm Theile noch hentzntage ist. ch Dnrch solche historische Argumente bewogen hat auch der ge¬ lehrte Männert ") dieselben als Slaven erkannt. Plinins 3) schildert uns die berühmte Sage von den Ar¬ gonauten nnd von den ihnen gefolgten Co Ich ern; worüber auch Sozomenns nnd Zosimns ch berichten- Diese Sage ist in nenercr Zeit vielfach angefochten worden, aber allen reelen Boden möchten wir ihr denn doch nicht entziehen. Es stimmen nämlich die Angaben von dem Zuge der ans Colchis nach den Ufern der Donau und Save zurnckkehrenden Argonauten zu dem möglichen Wege, den slavische Völkerschaften bei ihrer Auswan¬ derung ans dem tiefem Asien dnrch Medien zunächst hatten nehme» können, nämlich über Eolchis, dann zur See oder zu Lande längs des schw a r z e n M e e r e s und d e s Ister, dann theils gegen die Alpen, theils gegen das adriatische Meer; wie denn auch die damit zusammenhängenden Erzählnngen von der Erbannng Emoua's durch die Argonauten nnd der Niederlafinng der Colchcr in Istrien ans die Ankunft einer neuen Bevölkerung an den Ufern der Save und des adriatische» Meeres schließen laßen, nnd mit Recht hält unser gelehrte Landsmann vr. Zhischmann °) die Argonanten-Sagc für einen Beweis frühzeitiger Handelsverbindung zwischen den Bewohnern des schwarzen Meeres und denen der Donau, Save und adriatische» Seeküstc. Gestützt ans die Nachrichte» bei Herodot, Polhbins nnd Strabo nehmen wir die Veneter am adriatische» Meere als die Nachfolger der Enganeer an, welch' letztere das Land zwischen denn Meere nnd den Alpen vom Padns znm Timavns bis zur An¬ kunft jenes Volkes innegehabt. Der Veneter Herknnst wird von einer Seite ans einer Ver¬ schmelzung von Trojanern mit paphlagonischen Henetern erklärt, ch Vergl. die Abbildungen auf den im ehemaligen Noricum und Panno¬ nien gefundenen Steinen bei Muchar Geschichte der Steiermark. ch Germanien S. 499—50l. ch Kat. bist. III. 25. ch Kist. cml. I. g. ch Nist. V. ch Im Triester Gymnasialprogramme vom I. 1854. 6 Während sie von andern als mit den Galliern identisch angesehen '), und von noch andern den illyrischcn Völkern beigezählt werden- Die erste Annahme von der Verwandtschaft mit den Henetern in Paphlagonien hat die größte Wahrscheinlichkeit für sich, da ja in Paphlagonien an der Südküste des schwarzen Meeres beim Dnrchzuge der Slaven leicht eine kleine Völkerschaft zurückgeblieben sein konnte, die dann später ebenfalls weg¬ zog; zudem ist der Name der am adriatischen Meere seßhafte» Veneter ganz übereinstimmend mit dem der später im Norden auf- tauchendeu Vencden oder Veneter, von denen wir bereits gesprochen haben. Die zweite Annahme, die Strabo anführt, indem er die Veneter an der Adria von den Venetern an der Westküste Galliens ableitet, ist selbst bei ihm nur als Vermnthnug hingestellt nnd räumt einer Gegenannahme, daß diese Veneter Galliens von den Venetern der Ostsee, (allenfalls durch Vermittlung phöuicischer Kanffahrer) als Colouie ausgegaugeu, leicht das Feld- Herodot's Einreihung unter die Illyrier läßt noch immer neben¬ bei die slavische Abstammung dieses Volkes annehmen. Soviel von den ältesten slavischen Ansiedlungen in unserem Lande. Von dem Einrücken neuer Slaven nach Illyrien und Panno¬ nien und zwar schon in der ersten Hälfte des VI. Jahrhundertes (548) berichtet Procopius mit den Worten: 8 via vini vero, o)sne von dar, ter, tur — Stier. ^) Lmena (Laibach) ssnsk. kam — lieben, daher Lamana, Lmona ----- slov. l.fublfaim --- I>)ubljena ----- die Geliebte; und außer allem Zweifel war, »ach Tersteujak, Xomsua, Lamana, Lmona ein Beiname der Moudgöttiu, denn auch die alten Slaven haben den Mond verehrt. §) 6. Geographische Namen von Ländern und Völkern, sowie Personennamen in alten Steinschriften. Zn den schon angeführten geographischen Namen nennen wir hier noch die Eigennamen der Länder nnd Völker des heutigen In- nerösterreich alter Zeit. Die Erklärung erfolgt auch bei diesen mit geringer Mühe ans dem Slavischen und mit Hinznnahme des Indischen. Wie hergeholt und erkünstelt die bisherige Ableitung der Namen Noricum und Noriker aus dcm Griechischen or Ä (die auf den Bergen wohnenden) war, ist klar; dafür dürfte die Erklärung ') Tcrstenjak I. o. p. 10. -) Tcrstenjak Vodnik-Album p. 266 f. ") Tcrstenjak Novice >854, l4. ') Novice 1857. 22, 26, 30. 2 10 aus dem slav, nor ---- ind. var (Manu) viel annehm¬ barer sein. Cs kann diese Benennung des Volkes der Noriker nun entwe¬ der aus deßen Mannhaftigkeit überhaupt oder aber, was wahrschein¬ licher ist, aus dein Cultus der Göttin Lbanam mit dem Beinamen tVsra-Isbvvari der Herrscherin oder des Inbegriffes aller hervor¬ bringenden Natnrkrüste, als welche dieselbe von den Norikern unter dem Namen Noreja verehrt wurde, abgezogen sein. ') Ein mit dem Namen Noriker verwandter Volksname ist der schon bei Herodot °) und bei Plinius ^) vorkommende der „tVeai-i" ( >kS(,n) oder Nuren. Sie saßen nach Herodot neben den Bndinen und ihre Sitze sind noch heute in der am tVar und Naesw, an der Grenze von Polen und Litthanen liegenden Land¬ schaft, die auch gegenwärtig barska -csmlsa heißt, nachweisbar. Safarik bewies ihre Slavicität aus der den Slaven gemein¬ schaftlichen Sage von einer Verwandlung der Menschen in Wehrwölfe, die auch bei ihnen vorfindig, und weiters ans dem Umstande, daß in jener Landschaft, so lange sie bekannt ist, immer Slaven gewohnt und Wanderungen sich dort nicht ereignet haben. ^) Terstenjak hat den Norikern überdieß eine Völkerschaft in Indien, die Nairos an die Seite gestellt, da die Form nair im Indischen dem nar (— Mann) gleichbedeutend ist. ^) Der Name der zweiten Hanptvölkerschaft an der Donau, der Pannonier läßt ebenfalls eine slavische Auslegung zu, und zwar eine doppelte. Entweder liegt dem Worte psnnonia die sarmk. und slav. Wurzel p-m«) zu Grunde, was so viel Heißtals bewegen, fließen mid bezeichnet dasselbe eine sumpfige Gegend, wie es in der That der Fall war, und „P a n n o n ie r" die Bewohner solcher Gegend. Die zweite Version ist die, man vergleicht nämlich das Wort Parmoma mit dem Namen der (bei Plinius ?) genannten) Insel vaimoma, welche vor der scythischen oder venedischen Ostseeküste lag. ') Terstenjak Novice 1853, 58; 1854, 115 ff. u Melp. 51, WO. U wst. Kist. IV. IS. i) Slav. Llkerthüm. I. 194—99. °) Novice 1853, S30. °) Terstenjak Novice 1855, 218. ') IV. S7. 11 Dieses Lannvma erinnert gewaltig au die in den normanni¬ schen Sagen vorkommenden Namen: VVsna und IVaimboim, Be¬ zeichnungen für die Heimath der Veneden (Wenden) der Ostsee '). Nach diesem ist Uavnonia als eine „andere" W e n d enh eimath zu faßen. Neben den Namen der Noriker und Pannonier sind für unfern Zweck auch die der kleineren Völkerschaften zwischen der Drau und dem adriatischen Meere von Wichtigkeit. Wir erkennen da die l'aurwm und 8oorüi8oi ans tur — Stier und «kareci — Abscheu erregend; die 8evav68 im nördlichen Noriknm aus «evati scheinen (vergl. den heutigen Ortsnamen Sevnica Lichtenwald in Steiermark); die ^rali aus ral prächtig die ^ravisoi ans -^rrabo (Flußname); die ^8krist68 (Seeanwoh¬ ner) ans orero für feiere — See; die 8errot68 und Sorrapiili an der Dran ans seva Schwefel (unterstützt durch die schon den Römern bekannten Schwefelbäder bei Warasdin); die Urouoi aus dem Namen der noch heute an der Save und Knlpa wohnhaften Lrafoi; die Imtovioi ans lato — blato stehendes Waßer, Suinpf (sie wohnten am rechten Ufer der Save im heutigen Unter- krain auf naßem Boden) aber auch aus dem Zusammenhänge mit der indisch-slavischen Gottheit Uatovus, worüber in der nächsten Ab¬ teilung ausführlich. In gleicher Weise erklärt Terstenjak auch die Namen Osrni ans Kar, kor, Koro» — Felsenspihe, BcrgspPe; ülapoüss oder ^a- p^clo« von sapa -- Stier; ja selbst Ul^rii aus ilur von der Wurzel il, ui — vol Ochs. °) Von den Personnennamen, die wir hier anführen, finden sich die einen in den Classikern, die andern auf Grab- und Votivsteinen der Römerzeit. Von den ersteren kommen in Betracht Vooolo (Name eines Königs in Noricum zu Cäsars Zeit) ^) aus volk Wolf und v»Iö)i was vom Wolfe ist; Oritasirus, Bojerfürst in Pannonien (vor Cäsar) ^) ----Lritazar der im Verborgenen Sehende ans kriti ----verborgen und ') Safarik slav. Alterth. I. 70. ^) I. o. 0 IVoriku in diurop (Novice 1851, p. 10) und 0 imsnib rek vrsve. 8nve, Mure sNovice 1854, x. 370). 3) 6aesnr äe deNo oivili I. 1 4. U Hoji sud 6rit»sii853, x. 267. *) In St. Johann bei Hohenburg und Mooskirchen in Steiermark. Terst. I. o. x. 266 ff. 16 deßcn Schwan und dem eigenen Adler auf de« Schultern abgebildet ist, wie er mit der Peitsche in der Hand einen Bären bezwingt. ') Wisch nu erscheint ans den Denksteinen des alten Noriknm nnd Pannonien in Darstellungen, die sich ans seine einzelnen Ver¬ wandlungen (^vvatarn's) beziehen. Der in Laibach gefundene Stein mit der Inschrift LX VO1O otv. weist den Namen I.aburns, gleichbedeutend mit Lavuru«, (Verwechslung des v mit b), welches letztere die sla- vischc Form Irrvur non lav, lev — Löwe enthält, woraus man auf die Vorstellung des inerten ^rvatai-a des Wischnn, der Verkörpe¬ rung in den Mannlöwen schließen kann, was nbcrdieß durch das häufige Vorkommen oon Löwen oder von Menschen mit Löwenköpsen ans Denksteinen in Jnncrösterreich unterstützt wird. Doch noch eine Deutung gestattet dieses Labarus, die gleichfalls dem Wischnn entspricht. Sie liegt in der slao. Wurzel lab «ansk. ladk xerin. slb, elb, bewegen, fließen (woher z. B- der Name Laba, Elbe. °) So ist Laburus ein Waßcrgott, wie denn Wischnn das vergötterte Waßerelement vorstellt nnd in seiner ersten ^vvatai-a in einen Fisch verwandelt wird. Ein weiterer Beweis für das Andenken des Wischnn sind die Denksteine zu Pettan („der Pranger") und zu St. Martin am Bacher mit der Darstellung: im größeren Mittelbilde ein Mann mit einer Laute, um denselben wilde Thiere und tanzende Hirten und Mädchen (nnd ans den Nebenbildcrn kleinere ans die Hauptperson bezügliche Stellen). Much ar, der diese Steine zuerst besprach, hielt die Bilder für Verherrlichungen des Orpheus. Terstenjak weist auf die hier befindlichen Hirten nnd Mäd¬ chen, welches Moment sonst nie als Attribut des Orpheus erscheint nnd ferner darauf hin, daß sowol Figuren als Verzierungen keinen römischen Stil zeigen. Dagegen meint er aber, daß man es hier mit einer Vorstellung des Krischna, der achten Verkörperung des Wischnn, zn thnn habe, als welcher er in seiner Jugend unter Hirten und Hirtenmädchen weilte und ihre Tänze mit der Laute begleitete. Und in dcr That war Wischnn den Slaven als Krischna unter dem Namen ') Terstenjak Ostanki Lramatovexa öastj» na riiusko-slorenskib spo¬ menici« I. o. 1853, x. 275. Lerst. Novice 1855, p. 318. 17 Volos (Veles) als Hirten- oder Rindergott, von vol Rind, bekannt wie anch wir die Erzählungen von einem Heldenmanne Kersnik kennen, welchem Verfolgung durch einen mächtigen König, Verwand¬ lungen in einen Fisch, Eber und Zwerg, Besiegung einer großen Schlange n. a. m. zugeschrieben wird, gleich dem indischen Krischna. Dazu vergleicht Terstenjak anch die Bennennng Lee« für das von de» Hirten zur Zeit der Sommersonnenwende »»gezündete Berg- feuer '), worauf ich hieuiit verweise. Ein zweiter Denkstein in Pettau läßt durch seine Inschrift eben¬ falls auf Wischnn schließen, sie lautet: V08L60 8^0ttlI!Vl. Es stimmt nun aber Vosexu« zu dem Namen IVasuxsii, der Schlange, auf welcher Wischnn über dem Milchmeere ruht; auch hat sich V086KU8 im slove», vori — Schlange (besonders «topi vor Blindschlange) bis heute erhalten und bekanntlich spielt die weiße oder Königsschlange mit der Diamantenkrone auf dem Haupte eine große Rolle in der slavischcu Volkssage. Der dritte Hauptgott der Inder, Schiwa, den Nordslaven nur in männlicher Bedeutung als 8iedoK, HiboZ- oder auch 2ira bekannt, erscheint bei uns als 8iva im Ausrufe I-eti 8iva, Isti! (fliege Schiwa, fliege) während des Johannisfeuers erhalten. ^) Obschon diese Gottheit bei den Slaven nicht so selbstständig hervortritt, da ihre zweifache Eigenschaft im indischen Mythus als guter und böser Gott hier vertheilt erscheint au velit-ox und vornibox, so ist sie doch in einzelnen ihrer Beinamen auch da geltend geblieben. Anch mir Slovenen haben ein Beispiel für diese letzte Be¬ hauptung; Schiwa Parwat der Felscnbcherrschcr war nämlich den Südslaven und namentlich unser» Vorfahren unter der Bezeichnung kurant, Korant, Korant oder Kurant der Fclscngott (Von Kar, kor, Kur — Felsen) bekannt. Den Beweis für dieses Bckanntscin liefern in Kärnten gefundene Denksteine. Der eine derselben hat die Inschrift: ^V6; Karant oder Korant ist aber noch heute die Bezeichnung für die Personifikation des Faschings, unter deßeu Obhut man sich die ') Terstenjak Novice 1853 p. 158 ff., und Mitth. d. hist. Wer. f. Kram 1858 p. 2. 2) Bergt. Anastasius Grün Volkslieder aus Krain. Leipzig, 1850. -) Terstenjak Novice 1854 i>. 127. 3 18 Orgien denkt, welche noch einen Rest des Schiwa-Dienstes (der aus Indien stammenden Bacchanalien) bilden. Ans eine mit dem indischen Schiwa verwandte slavische Gott¬ heit im alten Norikum deutet wahrscheinlich auch die zu Görz befind¬ liche Inschrift: Viranti VA. 8so. u. s. w.; es liegt nämlich dem Namen ^tran« die slav- Wurzel tar, tue Stier hiudeutend auf den Stier Schiwa's (aus äliaema) zu Grunde, somit wäre ^«esu» die Bezeichunng für den stierhänptigeu Schiwa, gleichkommend dem ägyptischen Osiris. st Von den indischen Untergöttern ist der Indra als Oberherr derselben nnd als Gott des ganzen Firmaments der wichtigste; er mar auch der besondere Sonnengott der Inder und ist die Vorstellung von ihm in den verschiedenen Eigenschaften des Blitzträgers, Donnerers, des Mächtigen, des Herrn der Männer, des Beschützers und Helfers u- s. f. auf den römischen Denkmalen Jnuerösterreichs erhalten. Die in Pettan befindliche Inschrift 2): I^IU>I06IO ^Vk. 8^.6. n. s. w. hat nnS das Dasein des mächtigen Helfers bewahrt. ^annoAi ist gebildet aus den Wnrzcln far und mox. ist --- kräftig, gewaltig, sanKk. saiti (—Kraft). Klox ist der Wurzel muk — maKü, 8uri8li. oessoei-o, atnl mitKiln entsproßen. Diese letztere Wurzel liegt mehreren Bezeichnungen zu Grnnde, so 1) für groß 8AN8K. malmt — lat. muxnus — griech. 2) für Größe, Berehrnng, Huldigung saimk. Milk, „vonarari" Miiüita „oultus" lat. mssae^tas sansk. msKtiavsn ----- Opferet', mslntvan — Größe; 3) für Erde nnd Weib als die zeugenden Potenzen srnmk. msüi, mutiili, Erdboden, Weib goth. maxattis, gälisch nnd irisch max „oampus"; 4) für Berg als das emporstrebende, wachsende slov, moxils; 5) für erzeugte Wesen goth. M8KU8 ---- Knabe, msKitä — vii'Ko, gälisch mäKÜK, mae ---- siueipultus, moKÜ — üomo n. s. W. Mit dem Begriffe der Kraft ist auch der der Hilfe verbunden, deßhalb aus m-ak, max auch moKo, pomoto, lithauisch mao/.iu — ich helfe; .IsrmoKius ist daher die latiuisirte Form des slavischen ^armoKl --- der mächtige Helfer. Daß dieser Gott zu den höchsten Göttern zählte, beweist der Zusatz ^uKustus in der Inschrift, welcher nur den obersten Göttern gegeben wurde, nm ihre Erhabenheit und Verehrungswürdigkeit auszudrücken. st Mitth. d. h. Ber. s. K. 1848 l>. 89. st Muchar Gesch. d. Steierm. I. 408. 19 Außerdem bezieht Terstenjak ') auf dm Gott Indra ein in Kärnten gefundenes Denkmal, das in seinen Darstellungen auf ihn schließen läßt. Es erscheint daselbst nämlich ans einem Felde der Son¬ nengott mit dem Strahlenhanpte, fliegendem Oberkleide und einer Peitsche in der rechten Hand, den mit vier Roßen bespannten Son¬ nenwagen lenkend. Ans einem andern Felde gewahrt man den Son¬ nengott in gleichem Anzüge, stehend, mit der Peitsche in der linken Hand, zu seiner Rechten steht ein Manu in nicht knapp anschließen¬ der Kleidung die Hand gegen den Sonnengott ausgestreckt. Auf einem dritten Felde ist der Sonnengott mit zurückgeschlagenem Oberkleide, kniend und ohne Peitsche dargestellt, ein neben ihm stehender Mann hält seine Linke über deßcn Haupte und in der ansgestrecktcn Rechten einen rund¬ lichen Gegenstand. Ans Mithras, ans welchen mau diese Darstellung zu beziehen beliebte, könne sie — meint Terstenjak — wegen Mangels des Stieres und ferner auch aus dem Grunde nicht bezogen werden, da von die¬ sem Gotte eine der dargestellten ähnliche Demnthignng nicht bekannt sei. Wol aber paße das Bild vollkommen auf Indra, da derselbe einst den dargebrachten Kranz des Brahminenbettlers nicht achtend, denselben von seinen Elcphanteu zerreißen ließ und dafür zur Strafe sein Reich verlor, welches er nur nach wiederholter Demüthigung vor dem Bettler wieder gewann. Die über dem Sonnengotte schwebende für den Gott Mercur angesehene Figur kann als Wischnn, der Beschützer Jndra's, angesehen werden, da demselben die Flügel und das Schlangenpaar ebenfalls als Attribut gehörten. Wir hätten noch manche männliche Gottheiten niederen Ranges, die auf Denkmalen Vorkommen, in ihrem Bezüge zu den Gestalten der indischen Mythologie hier anznsnhren, doch der anberanmte Umfang dieses Buches gestattet es nicht. — Gehen wir zu den weiblichen Gottheiten der alten Slovenen, deren Namen uns noch erhalten sind, und zu ihren Beziehungen zu den indischen Göttinnen über. Wir haben da die Kuba, Maresa, ^äsaltnta, Ocllcha nnd Lmona. Baba ist gleich der indischen weiblichen Hnnptgottheit Sbawani (von sulisk. bba, griech. ipvw werden hervorbringen) ihr Name ist er¬ halten in den Orts- und Bergnamen Sabina polh's, Sabini vart, Sabina Kara, Sab)i «ob, velika Saba. ' Starorxockovinski pomenki (Novice 1853 p. 307). 20 Der Name der Göttin Noreja, der sich ans altnorisch en Denksteinen vielfach vorfindet, erhält seine Erklärung ans dem indi¬ schen oara und slavischcn i>or, welches zunächst den Mann, die Man¬ neskraft, dann aber auch die zeugenden Naturkräftc und Grundstoffe, als Feuer, Waßer und Erde bedeutet. Man kann sic mit Isis ver¬ gleichen und sie zeigt sich eben als die Mannskrnftige als die Herr¬ scherin, die slav. I.uds von laästi (vladati herrschen), gleich der ind. Skavvani mit dem Prädicate lVara-Iscüani (vom sansk. woü ----- herrschen); auch als Viktoria, als Siegesgöttin, gefaßt entspricht sie der indischen vkawani mit dem Beinamen vur^a, welchen diese von der Besiegung des Feuergottes varxa erhielt, sowie sie desgleichen in der Zusammenstellung mit Hanoi-, als die Ehrwürdige, wieder auf Mavani Isokani, die Herrscherin oder auf küavuäni Isedwari, die Leuchtende bezogen werden kann. 'st Was die Gleichstellung der Noreja mit der ägyptischen Isis anlaugt, so ist dieselbe ganz gerechtfertiget. Was Mouc über die keltischen Gottheiten sagt, das gilt auch von den slavischeu; er sagt nämlich: „Die keltischen Gottheiten wurden nur in die Hausreligion der Römer ausgenommen, nicht in die des Staates und die hauptsächlichen kommen fast niemals auf den Steinen mit ihren eigenthümlichen, sondern immer mit den römischen Namen vor. Jene Wesen, für die es im römischen Glauben wahrscheinlich keine Gegenstücke gab, behielten auf den Inschriften ihre keltischen Namen, die aber Parallelen hatten, kamen mit beiderlei Benennungen zugleich auf die Steine. ?) Die Isis war, wie schon Herodot berichtet, mit der Erdgöttin Demeter identisch; als solche ward sie auch von Plntarch ^), Apulle- jus 5) und Macrobins °), sowie von den neuern Mythologen ?) erkannt. Für diese Anfsaßnng spricht auch ihr Symbol, die Knh, das Bild derErde, des Ackerbaues und der Ernährung bei den Aegyptern st Terst. Novice 1854 p. 115 ff. st Mone: das Heidenthum im nördl. Europa. II. 340. st II. 59. st de I-däe o. 53. st Iw. XI. st Satur. I. 19. st Zoega, Creuzer, Gerhard u. a. st Clemens Alex. Strom. V. S. 567 Sylb. 21 Wie die Erdgöttin bei den Griechen, Indern und Slaven die Herrschaft über die Unterwelt ansübte, so war auch Isis die Beherr¬ scherin der Todten st und an den Wänden des Tempels zu Theben ist sie als Todtenrichterin dargestellt. st Da der Römer keine heimische, der slavischen nnd griechischen gleichartige Erdgöttin hatte, denn weder die Tellns noch die Ceres und Ops sind das, was die griechische Demeter, die slav. Labs Leme msti, so war er genöthigt mit der slavischen Erdgöttin die ägyptische Isis, die er als solche bereits in seine Staatsreligion auf¬ genommenhatte, nnd die dem Wesen der slavischen Noreja am meisten entsprach, zu identifiziren. Die Stadt Noreja und die Norici (die slovenischc Form für letzteres lautet: iVorvi, Nor«ksncü, iVorssnei, Ntirojsuei) haben nach der Göttin Noreja ihre Namen erhalten. st Desgleichen das Dorf Norsauoi; da dieser Name ein patronym ist, so kann er nur ans lVorsko oder lVorks entstanden sein. Also wäre der Name der Erdgöttin als Unterweltsgöttin noch in einer lebenden Bezeichnung erhalten. Wie diese schon dem Namen nach auf Noreja znrückzvführeu sind, so haben wir anderseits Orte im slovenischen Gebiete, die durch Combination auf den Cultus der Erdgöttin Hinweisen. So sind in der Umgebung von Luttenberg die nahe anein¬ ander befindlichen Dörfer: Oiransovoi (— 6irs die kunstreiche Erd¬ göttin) und Oxricovei ( — Oxra — Uxrs die fürchterliche, ein Bei¬ name der winterlichen Erdgöttin Lbsevsol — Labs). st Wie die Noreja die finstere, unterirdische Erde darstellt, so lernen wir in der ^ässlluts die bergige und felsige kennen, und wir sehen darin wieder, wie die indogermanischen Völker die Erde nach st Herodot II. 42, IS3. st Loscrixt. nicht so ganz verloren gegangen sein konnte. Aus ^clrib bekämen wir — sagt Terstcnjak im Slavi- schen ^clix; da aber slov. Bergnamen -4 «Iran, Metren lauten, so scheint mir die Wurzel str, ckru laufen (currare) die richtigere zu sein, und aclri wäre nach der Analogie von naxa aöala n. s. w. ge- Sv gibt es in Krain 22 diesem (und meist zugleich dem hl. Felician) geweihte fast durchgehends auf Bergen gelegene Kirchlein. Vergl. Aus- weis über alle in der Laib. Diöcese bestehende Curatkirchen, Filialkirchen und Kapellen u. s. w. Als Gratisbeigabe zu Freyer's Karte von Krain. 2) eap. ISS. I'risous eck lionn. p. 185. ') Griech. Wuczetlex. I. 80. 24 bildet, welche Bezeichnungen für Berg wörtlich auch den Begriff nicht gehend (non ieim) nicht kaufend (non cnrrens) ansdrückcn. Eine andere Bezeichnung für die felsige Erde ist: soavs, sents, soevstrr von so ---- Bergspitze. Die Wurzel dieser Wortformen ist so, sk ---- 8»n8kr. so das Benfey mit schärfen, zuspitzen übersetzt. Die urverwandten Wörter in andern indogermanischen Sprachen ans der Wurzel so — so — sk sind das lat. sen8 Nadel, svumeu Bergspitze, griech. «x«,os Spitze, Dorn, Distel; 8sii8k. so,nsns Stein; lith. S8smn Stein; slov- ksmen versetzt für skmen, wie rsbota und Arbeit, slks für Isks n. s. s- Ferner sind aus der Wurzel so die slov. Bezeichnungen für Bergspitzen, Bergspitzcnbewohner so, ok, ule: ^.četnik, Vuestnik, Nuostnik, ttueul u. s. w. entstanden. Ans dem Begriffe des Spitzigen bildete sich der Begriff des Scharfen; hicher gehört das slov, oool für okt — seklo, Stahl eigentlich Schneide; ans dem Begriffe des Scharfen entwickelte sich weiters der des Bittern und Scharfen zugleich, so slov, oeet — Essig. Dadurch wäre nun der Beweis hergestellt, daß die slovenischc Sprache die Bezeichnungen sosvs, sosts, soevsts u. s. f. kenne und wir leiten aus dieser Wurzel den Namen der Göttin ^ä8slluls ab. Für die richtige Lescart ,,^Ü8sIIuta" haben die gelehrten Kandier und Knabl die Beweise beigebracht *); gehen wir mit Tcrstcnjak zur etymologischen Erklärung dieses Namens. ^eealuta würde im 8sn8krit sysvsnts im Griech- «xlk-ro (oon- ter Derock. 4. lO3) verglichen sie aber mit der taurischen Artemis, die Preller (Mythol. 194 f ) für eine Mcndgöttin hält. U Zeitsch. d. deutsch-morgenl. Gesellsch. X. 377. ^) 8tral>o XIV. p. 1066. I'sod. u 6eox. kiaera. p. S77. ^) Novice 1857 I>. 26. f. 28 Aber auch in der heutigen Ifiublsana finden wir Andeutungen für den Cultus des Sonnengottes und der Erdgöttin. Die in der Richtung des Moorgrundes liegende Vorstadt von Lgublfana (Laibach) heißt bekanntlich Krakova (Krakau). Der Name erinnert an den slavischen Sonnengott krak. krak ist soviel als ein Beiname des griechischen und ermltus ein Beiname des latem. Sonnengottes Apollo In der slavischen Sage ist Lenk Erleger des Drachen. Dieser Drache ist kein anderer als der Python des Apollo, die Putana des Krisch na, die Hydra des Heracles — das Symbol der Ueberfluthung und pestilentialischer Ausdünstung, des feuchten Nieder¬ schlages und der feuchten Dünste aus der Luft — das Sinnbild der giftaushauchendeu und ringsum Krankheit und Tod verbreitenden Sümpfe, welche die Sonne anstrockuet. Das neuere Wappen der Stadt Laibach — der Drache erinnert an den Cnltus des slovenischen Drachentödters krak. An den Cnltns der Erdgöttin und zwar der winterlichen, mit struppigen Haaren, an die kiki-IV!ora mahnt der Name der Vorstadt Siska. Dieser Name ist nach Terstensak mit dem der nordslavischen kikuska identisch. — Daneben zeugen die fünf Lilien — Laibach's ältestes Stadt¬ wappen — für die einstige Verehrung der Erd- und Mondgöttin als Liebes- und Schönheitsgöttin. Die Waßerlilie ist nun ein Symbol der feuchten Erdnatur, weßhalb die indische Erd- und Schönheitsgöttin kaksmi mit dem Beinamen kamsla (-^ Liebliche) die Lotos trägt, welch' herrliche Blume dem Indier auch das Bild der Wiedergeburt darstellt, und von ihm neben dem Sonncngotte auch dem Mond- und Fencrgotte beigelegt wird, da zur Erzeugung nicht bloß Licht und Wärme, son¬ dern auch Feuchte gehört. Da aber in Europa die Lotos nicht vor¬ kömmt, so setzten die Slaven dafür die lVvmpliea alba und die Waßerlilie. Durch diese Deduction wird klar, was die symbolische Darstel' lung: ein gekrönter Sperber ober einer Erdkugel, aus der einige i) Auch der indische kriZna heißt keyin — der Gelockte. Bei den Rußen hieß der Sonnengott auch kok)-r (kirchenslav. kokorav, orisxas vo- lustus) deshalb bei den Lithauern und Rußen das Sonnenwonnefest «okoriš genannt wurde. 29 » Lilien hervorsproßen und zwei Blätter der Kons relixioss inclioa >) — auf einem zu Adriah unweit Frohnleiten in der Steiermark '^) aufbewahrten röm.-slav. Denksteine zu bedeuten habe. Durch solche Symbolik ist die innige Vermählung der Erdgöttin mit dem Sonuengotte ansgedrückt, und wir haben in dem vereinten Vorkommen des Cnltus der Lmona und des Lrsk zugleich deu Be¬ weis dafür, daß die Gründung unserer Hauptstadt — der alten Lawuit — durch Slaven (Slovencu) erfolgte. b) Namen und Bilder ans dem perslsch-slamschen Mythus. In der Mythologie der alten Slaven zeigen sich außer der Ver¬ wandtschaft mit der indischen, auch stark hervortretende Züge aus der persischen Götterlehre. Man kann sich dicß nur erklären durch die Annahme, daß sich der slavische Stamm später, als andere europäische vom indisch-persi- schen Völkerstamme getrennt habe, und zwar nachdem sich die in der gemeinschaftlichen Götterlehre enthaltenen Gegensätze bereits schärfer entwickelt und früher als sich die eigentlichen ,Arier in das Zcnd- und Sanskrit-Volk geschieden haben. Das Charakteristische der persischen Mythologie ist dieß, daß wol die Einheit eines höchsten Wesens anerkannt wird unter dem Namen Teruane ^.kkerena die aufangslose Zeit, das nnbegräuzte All, daneben aber die scharfe Scheidung der beiden Principe des Guten und Bösen, des Lichtes und der Finsterniß besteht. Das Licht (das Gute) ^kura Glasila oder Oimud« (m der große Herr) genannt, ist eine Verkörperung des Urgottes, in welche dieser bei der Schöpfung cingegaugcn ist; die Finsterniß (das Böse) ^xromaz-liius oder ^.kriman --- der böse Geist ist bei der Scheidung ') Diese 8anane, ^yvatka genannt, ist dem Sonnengotte Lrisna heilig und wurde als Sinnbild männlicher Kraftäußerung und stäter Befruch¬ tung betrachtet, weil sie aus ihren Aesten wieder Wurzeln in die Erde senkt. Wir finden häufig ihre Zweige und Blätter, auch einmal ihre Frucht auf römisch-slav. Denksteinen meist mit den Symbolen des Sonnengottes in Verbindung. Abbildung. Novice 1855. p. 270. Muchar Gesch. der Steiermark I. Abb. Tafel I. Nr. I. Terstensak: Ueber die Bedeutung des Namens rimana. Aus dem slov. A8. — Mitth. d. hist. Wer. für Krain 1857 x. 150 ff. 30 von Licht und Finsterniß hervorgetreten und ist im beständigen Wi¬ derstreite mit dem Lichte. Außer diesen beiden Hauptgötteru zählten die Perser in ihrem Mythus noch eine Menge Götter zweiten Ranges, die sie aber eben¬ falls in Licht und Nachtweseu gctheilt und im gegenseitigen stätcn Kampfe dachten. Unter diesen war nun der vorzüglichste Mithras, der belebende Souucugeist, der oft mit Oimm-M für eins gehalten wurde. Er ist wol dem indischen Sonnengotte Suifa verwandt, welcher auch den Beinamen Mitra führt, vom 8-m8k. mitrs Stier, Freund oder zusammengczogen aus lVkilntur --- der große Stier, (Bild der Son- ucnkraft). Bei den alten Slaven ist der Unterschied zwischen einem guten und bösen Grundwesen, einem Lichtgeist und einem Nachtgeist deutlich ausgeprägt, ersterem wurden die Namen: Selibox, vabrepan anch Svatovit, letzterem die Benennungen Oeraibox, LUbax, Vrax bei¬ gelegt; bei den Südslaven galten allein Ansehen nach die kürzeren Namen Solln für die gute nnd Oert oder vsrt für die böse Gott¬ heit Ans den Votivsteineu, welche sich im heutigen Jnnerösterreich ans der Römerzeit erhalten haben, kommen neben den vielen Anklän¬ gen an di^indische Mythologie anch Namen von Gottheiten vor, bei denen schon lange die Vermnthnng ausgesprochen wurde, daß sie der slavischcn Mythologie mit Bezug auf ein gutes nnd böses Grund- wesen angehören könnten. Wieder ist es Terstcnjak, dem das Ver¬ dienst znkommt die Slavicität dieser Namen nachgcwicsen zn haben, obschon sich der in Epigraphik ausgezeichnete Pfarrer Richard K n abl (in Graz) heftig gegen eine solche Annahme erklärte- ^) Der Kampf ob „des angeblichen Götterdnalismns" wie Knabl es nannte, ward geradezu leidenschaftlich geführt und that dieß der wißenschaftlichen Untersuchung gewaltigen Abbruch. Knabl und „der Schwarm von nrtheilslosen Nachsprechern der sich seiner, als einer neuen Meinung anschloß", leiten die Unmög- ') Nanus Wißenfchaft des slavischen Mythus x. 145 ff. ?) Der angebliche Leus vliartus (Mitth. d. hist. Ver. s. Steiermark 1854 4 Hft.) — Der angebliche Götterdualismus auf den Votivsteinen zu Videm nnd ^gnilega (selbstständige Schrift). 31 lichkcit einer solchen Annahme theils ans der mehr jungen Entwicklung des Götterdnalisnms bei den Slaven, theils ans der späten: Einwan¬ derung des slavischen Volksstammes ins heutige Junerösterreich her, und erklären die Götternamen der Inschriften sodann entweder sin- keltisch oder für andcrwärtig. Diesen Anwürfen liest man die Entgegnung' am besten von den Steinen selbst; doch sie mögen im Allgemeinen gleich hier beant¬ wortet werden. Wir sagen, der Einwurf von einer späten Entwicklung des Dualismus bei den Slaven kann kann: seine Geltung behaupten, wenn man erwägt, daß einerseits: die persische Götterlehre mit ihrem zweifachen Grnudwescn durch 2oi-ou8tei- nach der allgemeinen Annahme der Geschichtsforscher wenigstens zur Zeit des Königs vu- rius HMU8P68 wo nicht früher ihre Vollendung erhalten, und daß anderseits: die slavische Mythologie bei all^: Aehnlichkeit mit der persischen, doch auch eine Verwandtschaft, mit der indischen Götterlchre zeigt, deshalb ihr Dualismus nicht als'streng durchgedru^geu anzu- erkeuneu ist, so daß mau ihn noch immer nur als die zweifache Seite einer und derselben Gottheit ansehcn kann. Es^ist daher gar nicht uothwendig, die Entwicklung des slavischen Mythus als eine späte an¬ zunehmen, da sich dieselbe leicht ans jener Zeit herleiteu läßt, wo das Zendvolk mit dem Surmki-it-Volke noch einen gemeinsamen Stamm darstelltc. Der andere Einwurf, daß in der Vorzeit slavische Völkerschaften in Junerösterreich gar nicht vorhanden gewesen, sondern nur Kelten, ist durch unsere bisherigen Nachweise genugsam widerlegt. Es mögen nun die Botivsteine selbst für sich sprechen. Votivsteine, welche auf den indisch-persischen Sonnengott Mi- thras lauten, werden in Jnncröstcrrcich so häufig gefunden, daß man sich diese Menge kann: anders erklären kann, als durch die Annahme daß diese Gottheit selbst eine einheimische oder doch einer solchen gleiche gewesen sei, wie dieß eine den: In- vietu8 Pgt,-Ki8 gewidmete Inschrift zu bezeichnen scheint; eine solche Verbreitung des Mithrasdienstcs in diesem Lande kann nämlich kaum dem Einflüße der Römer zngeschricbcn werden, welche die Kenntniß deßelben erst durch Pompcjus ums Jahr 60 v. CH. erhalten und seit HolioKsvrrlus denselben zu üben begonnen hatten. 1) Man fand ') INuüiüm i„ pomp^o Oxev. t»m. III p. 454. Terstenjak Novice 1853 p. ic>3. 32 deren in ^uilcha, Laibach, bei Tscheruembl, Treffen und am Tro- sanaberge, dann in Kärnten: zu Karnbnrg, Tanzenbcrg, St. Veit, Pöltschach, Glanegg und Klagenfurt, und auch in der Steiermark bei Rohitsch. Wir wollen hier das zu ko/.sno bei Tscheruembl iu Kram in einer Felsengrotte befindliche Denkmal dieses Gottes näher betrachten. Dieses Denkmal des Gottes befindet sich in einer Grotte, in der Richtung nordwestlich von Tscheruembl in der Nähe der von dort nach Gotschce führenden neuen Bezirksstrafie bei der Ortschaft koLano, ungefähr eine Stunde vor der Stadt (Tscheruembl). Die Grotte selbst liegt in der Vertiefung eines Hügels wenige Schritte unterhalb des alten Kirchleins St. Georgii mitten zwischen dichten Kastanienbünmen; der Ort führt unter dem Volke den Namen 3aäovso (vielleicht aus — Heidenstätte entstanden). Die Grotte hat die Richtung von Süden nach Norden, ist 18° lang nnd in der Mitte,6'/2" breit; der bei 5° breite Eingang führt von der Südseite in iHv Inneres; nach oben zu ist dieselbe nicht geschloßen, sondern nur 2—4" hohe Felsen schließen die Vertie¬ fung ringsum ciu. Än der Westseite der Grotte, wo die Felsenwaud am höchsten ist, befindet sich, ungefähr 5' vom Boden erhöhet eine alterthümliche Abbildung sammt lateinischer Inschrift in dem natür¬ lichen Felsen künstlich' eingehanen. Das ganze Denkmal mißt in der Höhe 5' in der Breite 4^ nnd ist nach oben etwas schmäler, übrigens iu die Felsenwand durch Kunst etwas vertieft. Der obere Theil ent¬ hält die Inschrift: v. .1. As. 1'. I'. I>. tVKI-OS LI' I'KO6VI.V8 L1' 1II1iVIIXV8 I'IIO 8V.V SVOKViVIgVK Die obersten Buchstaben v. -ik. KI-, etwas größer als die Schrift der untern drei Zeilen, sind die gewöhnliche Abkürzung auf den dem persisch-indischen Gotte Mithras, der Personification der Sonne, gewidmeten Denkmalen nnd werden bekanntlich: voo invioto Mitlirss, gelesen. In der gleich nnter den drei Buchstaben stehenden ersten Zeile sind die drei I» nach Momscn's Ansspruche zn lesen: „Itres kubtii", was die drei ganz gleichen Vornamen 1- des prelil lVexos., 2. des krooulus und 3. des Firminus bezeichnet. ) Mitth. d. hist. Ver. f. Krain 1857 x. 114. 33 Den hier vorkommcnden Eigennamen vkarto hat zuerst La- tane/llos^ von vlisrtiis, als der latinisirten Form des slavischen Namens für das böse Princip Oart, 6crt hergeleitct; ihm folgte Much ar ^) anfangs nach, las aber später lUiarito von Okaritas Liebesgott nach dem griech. — Liebe, Huld. Prof. Terstcnjak hält sich an die erste Leseart vlmrto und erklärt sich dahin, daß der erwähnte Votivstein eben ans den slavischen Gott öert oder LWrniboK als Herrn der Unterwelt laute. Die Motive, die ihn zn diesem Schlüße führten, sind: Der Name (Rarta» findet in keiner andern Sprache seine Dentnng als in der slavischen nnd es hat seine Erklärung durch Oe> t nls dem verkörperten Principe des Bösen nnd der Finsterniß um so mehr hier ihre Berechtigung, als mau im Gotte Bclinus bereits das verkörperte Princip des Guten nnd des Lichtes erkannt hat. Der Vorsatz Invicta veo, dem unbe¬ siegten Gotte, ist dem unbeschränkten Herrn der Unterwelt wol angemcßen; der Nachsatz lVevioeluiicnsium Kummanus, der von den Bewohnern von lVovioelamim verehrte Beherrscher der Unterwelt, (wenn man die abgekürzten Worte so ließt) dient ganz gnt zur Erklärung des Eigennamens der Gottheit. Diese Dentnng wurde nnn, wie schon bemerkt, vom Herrn Pfarrer Rich. Knabl heftig bestritten. Zuerst damit, daß das Siegel Ik mit seiner Verlängerung nach oben, ein mit I verbun¬ denes R, bedeute, daher mau de» betreffenden Namen als 6Kariti> lesen niüße, welches Wort einen Personennamen (Nominativ) dar¬ stelle; sodann das Siegel 8umm. als Kummus Magister, das ist, für den Oberpricster des Gottes, da der Beiname 8ummanus ver¬ altet sei nnd auch sonst hier nicht paße; endlich daß der Invictas Deus überhaupt der Gott st-litkras sei, da dieser Name nicht immer ausdrücklich stehe, jener Beisatz aber seinen gewöhnlichen Beinamen bilde. Darauf crwiederte Tersteujak: Das Siegel Ik sei nicht streng zu nehmen, da mau sonst auch das nach oben verlängerte üt und das nach nntcn verzogene v für ligirt ansehen müßte; und soll das ') Orbis sntil>iiW. Ivom. I. 770. 2) Röm. Noricum II. p. SS. ch Gesch. d. Sleierm. I. 440. ") Terstcnjak Novice 1853, x. 130. 5) Mitth. d. hist. Ler. f. Steierm. 4. Heft. 5 34 Ik auch wirklich ligirt sein, so hat man nach manchen Beispielen hier Obarita zn lesen, welches nach immer dem finnischen l^ort gleichkommt. Die Lesnng 8ummu8 ItlsKistar für das Siegel 8umm. ist nicht begründet, da ein Wort znr näheren Erklärung des Cha¬ rakters desselben fehlt. Uebrigens ist der Beiname 8ummamm für den Gott der Unterwelt kein veralteter Name, da ihn noch spätere römische Schriftsteller wie Plinins nnd andere im Gebrauche haben und der Beiname Invicta Seo fordert auch den eigenen Namen der Gottheit neben sich, da er nicht bloß dem lVlitbra« eigeuthüm- lich ist. ') Es läßt sich hiezu —sagt unser tüchtige Forscher Hitzinger °) — noch beisetzen, daß auf alten Grab- nnd Botivsteinen der vom Pfarrer Knabl angenommene Personenname nirgends in der Form Oba¬ rita, om8 norkomme, wol aber Obarita«, i; so ans zwei zn Rom befindlichen Inschriften ^). Ferner — meint derselbe — ist über den Beinamen 8ammami8 bemerken, daß ihn manche, denen die Ableitung non 8ummu« lVIaniam, Oberster der abgeschiedenen See¬ len, nicht genügt, als die latinifirte Form Nom indischen Mamanas, dem Beinamen des ^ama, Bruders des 8okiva nnd Richters der Unter¬ welt, ansehen wollen. In diesem Falle ist ein Vergleich des slavischen Obartu« mit dem römischen 8ummanu8 eine nicht mehr so weit hergcholte Sache; denn die Gottheit, welche ans Indien bis an die Tiber kam, konnte wol auch den kürzer» Weg bis an die Save gebracht werden, zumal sich der persische nnd so auch der finnische Dualismus von einer guten nnd bösen Gottheit allem Anscheine nach auf den indischen Schiwaismns gründet. Wollte man übrigens aus der vorstehenden Inschrift auch den slavischen Gott Okartu« oder öert nicht anerkennen und selbst den Selina« als slavischen Gott lüngnen, so hätte man noch genug andere Belege auf Botiv¬ steinen Jnneröstcrreichs für den Götterdnalismns, z. B. den Sra- tons — der gute Gott, und den k'onio — der böse Gott (— dem finnisch - illyr. Höllengotte kllwna) ans Steinen zn ^quileja, die Inschriften vüs trati« (zu Cilli) nnd 8oclata auf die erzürn¬ ten Götter einerseits nnd auf die besänftigte Gottheit anderseits, ') Mitth. d. hist. Ver. f. Kr. 1854, p. 4S ff. 2) Mitt. d. hist. Wer. s. Kr. 1855, p. 64. 3) Rurstori tb«s. inso. II. SS2, 1150. ch Wellheim Mythol. p. 140. 35 welche Benennungen nicht gewöhnlicher Art sind, daher jedenfalls ein tiefer liegendes Prinzip annehnicn laßen. Außer den Göttcrnamcn fand Terstenjak auch Personennamen, welche auf den Dualismus der persisch-slavischen Mythologie Hin¬ weisen. So deuten auf Lolious s—, pcrs. Ormuulls die vom slav, bet abgeleitete» Name» öolieiu«, voliua, Roleou«, Lolis, Lolecina, latinisirt /VIbsnu«, Osnäiclu«, Albinu«; auf OomiboK, Oort s---- pers. ^krimsn) weißt die hin und wieder z. B. zu Rohitsch auf Deuksteiueu vorkommcude Figur des Drachen, als Symbol des^krimsn so auch das so oft vorkommeude Bild des Huudes. Ferner deuten ans denselben die Personennamen Oonllolu« nnd Oonivertu« von den slav. Wurzeln Komtol, kovin und kort ---- Windspiel; ferner die Namen Kassius, Kasan« vrseonis vom slav. Kan, lat. Ursoo ---- vraoke '). Soviel über die Urzeit. — Mögen auch manche der hier beigcbrachteu Erklärungen einzeln nicht geglückt sein, was bei einem derarligen Gegenstände kaum an¬ ders geschehen kann, so leuchtet aus dem Ganzen doch dieses deutlich hervor, daß man vom betretenen Wege nicht gerade abzngcheu, sondern ihn nur mit Eifer und Umsicht zu verfolgen habe, uni zu einem noch festeren Resultat zn gelangen! Und dieß war auch der Hauptgrund, warum ich gerade diese Zeitperivdc unserer Geschichte weitaus am eingehendsten behandelte, nm zu genauem Studium der diesbezüglichen Vorarbeiten anznleiten nnd neue Arbeiten auf diesem für slovenische Sprachforschung so überaus dankbaren Felde hervorznrufeu. Schilderung der autachtancn Slaven, Kampf derselben mit den Römern, Unterwerfung der ersteren. Das heutige Hcrzogthum Krain stellte in den ältesten Zeiten kein für sich abgeschloßenes Land dar, sondern war von mehreren Völkern bewohnt, deren Wohnsiße sich aus den benachbarten Ländern tief herein erstreckten. °) ') Terstenj. Novice 1853, p. 103, 130, 210. Vodnik Geschichte von Krain, p. 1. 36 Neben den schon erwähnten Venetern, Istri ern nnd Syginnen, waren es auch die Japoden (oder Japuden, wie sie auf Jnschriftsteinen Vorkommen) st, welche sich vom mono albin« 2) (dem Schneebcrge) bis znm Fluße l'eäsnu« (der Cer- manja) erstreckten und dem illyrischen Volksstamme angehörten. st Es wohnten da noch Karnier, Noriker, Pannonier nnd andere kleinere Völkerschaften, deren Namen (sanrnit Ableitung) oben (p. 11) angegeben wurden. Schon vor den Römern waren die Namen der Fluße Ison- tius, l'imnvus, 8avus und Lalapis, solvie die der Städte rerxesto nnd Lmona, (Istubstana) bekannt, was p. 8 nnd 9 seine Erklärung fand. In diesen Zeiten standen auch die Städte der Japoden lVletuIIum, Ala neti um und 1'orpo st; der Karnier, Ksxoste und Oera st, der Istri er, iVesaotium, k ro¬ mana und kota st. Che die Römer diese Gegenden unterjochten, lebten daselbst die obengenannten nnd wie Plinius?) sagt, berühm¬ ten Völker, von der Viehzucht, Jagd nnd Fischerei. Wir wollen es versuchen, bevor wir das Aneiuauderprallen der Römer mit den diese Städte bewohnenden slavischen Volks¬ stämmen schildern, nach dem Vorgänge des für Kraiu's Geschichte unsterblichen Linhart st ein Bild van dem Zustande unserer Vor¬ fahren vor jenem hartnäckigen Kampfe, in dem sie endlich erlagen, zu zeichnen, wobei wir jedoch — wie natürlich — nicht anstehen werden auch spätere Züge zu benützen. 's Mitth. 1855, p. 14. 2) Dieser schließt sich an den Ocra des Strabo (den Birnbaumerwald) in südöstl. Richtung an. Männert Geog. d. Griechen und Römer VII. 290. -h Mitth. l. o. idiü. — über die Südgrcnze Japydiens. Plin. III. 21 — - Neber die Ausdehnung nach Osten. Appian, 764, 765. st Vodnik I. v. p. 5. st Plinius III. 19. — Aus Strabo IV. 143 entnehmen wir: Vera est pars Hpium bumiUima, aü Oarnos. Auch bis an den Süden von Norikum reichten ihre Sitze, dort, wo die Save entspringt, tragen die Alpen den Namen der kornischen. Muchar altcelt. Norikum I, p. 41. st Vodnik I. o. ibiä. st Plinius. III. 20. st I. o. p. 210—367, wo auch die bezüglichen Quellen citate zu finden sind. 37 Nehmen denn auch wir — wie Linhart es that — Stein für Stein znr Betrachtung vor, und am Schlüße wird man staunen müßen über den Totalcffcct des Mosaiks, das jener unermüdliche Forscher auf solchem Wege zu Stande gebracht! Körperliche Bildung: Procopins *), der die Slaven im gothischen Kriege unter Kaiser Justinian kennen gelernt, sagt von ihnen, daß sie durchgängig lang und stark an Gliedmaßen (prooori ao roburstiKsimi), daß ihre Haut nicht weiß, ihr Haar nicht blond, nicht,schwarz, sondern röthlich gewesen (eolorsm nev summe ean- üiäum bubet eutis, ue klsviim eomu, negae is plane in nixrum cleüeit, so subrukus est) — und noch heute unterscheidet sich der krainische Landmann durch einen oft riesig langen, schlanken Leib und starken Knochenbau. Seine Gesichtsfarbe ist brnnn, braun oder schwarz sind Angen und Haare. In gebirgigen Gegenden — und in solchen ist überall in Natur und Sitte das konservative Element vorherrschend — sticht das röthliche hervor, wie bei den Altvordern; auf dem flachen Lande ist es seltener, und gegen Italien zu verliert es sich gänzlich. Charakter der Nation: Unsere Nation fühlte immer ihren Werth und handelte nach diesem Gefühle. Sie liebte ihre Freiheit und verthcidigte sie gegen ihre Unterdrücker mit einer Ver¬ zweiflung, die ohne Beispiel war. Gebändigt wurden sie und ge- demüthigt; aber das Gefühl ihres Werthes, die Liebe znr Freiheit wacht noch in ihnen. Es hält äußerst schwer einen Slaven von seiner Nation zu trennen; in Krain — schreibt Linhart — ist jede Aushebung der jungen Mannschaft zum Kriege, ein Krieg im Kleinen. Daß sie tapfer waren und noch sind, braucht man wol nicht erst zu beweisen, — von den ersten Kämpfen mit den Römern, die Zeiten der Völkerwanderung und des Ringens nm den Besitz der Macht mit den Franken hindurch und dann, von den Deutschen unterjocht, als deren Kricgsknechte und Söldlinge in allen Kriegen des Mittelalters, der Türkcneinfälle und Venetiancrneckereien, iin 30jährigen und 7jährigcn Kriege, in den französischen Campagnen und bis in die neueste Zeit auf den Schlachtfeldern Italiens, haben Krams Söhne ihren Heldenmuth und ihre Ausdauer ans der blutigen Wahlstatt oft und oft ans das glänzendste bewährt und Oester¬ fl ve bello xotbioo. III. «, SI. 38 reichs Fürsten waren es, wie ich im Verlaufe werde zeigen können, die von dem Beginne ihrer Herrschaft in unserer Hcimath solche Leistungen der LaudcSkinder immer im vollsten Maße würdigten nud belohnten! Kehren wir zu den alten Zeiten zurück — wie andere Völker niederer Cnltnrstuse, wußten auch sie zwischen Tapferkeit und Grausamkeit keine Grenzen, unversöhnliche Rachsucht zeichnet ihre Art Kriege zu führen ans. Spießen, die Eingeweide ans dem Leibe reißen, die Hirnschallc ablösen, nm daraus bei festlichen Gastmalen zu trinken, alle Arten des langsamen Mordes, mit bittcrm Hohne begleitet, waren ihre gewöhnliche Behandlung überwundener Feinde. Dadurch riefen sie nun aber in ihrem Gegner Haß, Verach¬ tung nnd den Trieb der Bedrückung hervor, unter welcher sie, wie die Geschichte lehrt, so unendlich zu leiden hatten. Die von den Ueberwindcrn geübten Mißhandlungen erzeugten nun aber hinwieder ein gewaltiges Mißtrauen bei der Nation, so zwar, daß dieselbe sich selbst gegen Wolthaten sträubte, wenn sie vom Fremden kommen sollten; wir führen ans früher Zeit nur das Widerstreben gegen die Lehre Jesu an. Ja selbst zwischen den einzelnen Slavenstämmen äußerte sich die Zeiten her ein solches Mißtrauen, deßcn Grund Linhart in der Verschiedenheit ihrer Verfnßnng erblickt, und wozu er als Beispiel den Haß des nngarisirten kroatischen Slaven gegen seinen krainischeu Bruder auführt, da letzterer ersterem durch die Einwirkungen des deutschen Feudalsystems beinahe unkennbar geworden. Falschheit, List nnd Zanksucht sind Gebrechen ihrer Schicksale, nicht der Nation — wie dieß auch der geniale Franzose Hacqnct, der unser Land nnd Volk genau kennen und daher lieben gelernt, vorzüglich betont. Wie Procop sie kannte, waren sic weder tückisch noch boshaft fi» KLNIUM IP8I8 noo maliKNUin, liso trsuclulontllmst 2). Recht- schaffenheit zeichnete ihren Charakter ans. Oft begiengen sie niedrige Handlungen ans edlen Beweggründen, weil sie kein geschriebenes System der Moral hatten. Sic stahlen Eßwaarcn, mn ihre Gäste zu bewirthen. st Einleitung zur Geschichte der westöstl. Slaven, st I. o. e. 1t. 39 Gegen eiiiciiider waren sie liebreich, küßten und nmarmten sich, wenn sie zusammen kamen. Der Krainer grüßt seinen Nachbar, indem er ihm die Hand reicht und die seine empfängt, mit den Worten: „vo^ te «primi". — Dieser Gebrauch muß sehr alt sein, da davon die drei, im socialen Leben hochwichtigen Dinge: die Bürgschaft (slov, porok), die Training (slov, poroka) und die Freundschaft (prisatotstvo, Fcennd i'lov — prisatel von priseti ----- angreifen) ihren Namen herleitcn nnd mittelst Handschlag eingegangcn werden. Bei jenen Slaven, — sagt Linhart — welche der griechischen Kirche zngethan sind, z. B. den Rußen nnd den Bewohnern Dalma¬ tiens, sind Küße nnd Umarmungen die gewöhnlichen Ausbrüche der Freundschaft. Wenn sie bei andern nicht mehr in gleichem Maße sind, so waren es argwöhnische, milzsüchtige Priester, die das Volk um diese unschuldige Gewohnheit brachten. Die eheliche Liebe trieben sie bis zum Enthusiasmus, und es folgten nicht selten die Witwen den abgeschiedenen Männern in den Tod. Die Gastfreundschaft liebten sie in einem hohen Grade (nulla xens Iionestior 8Iavis in kospitalitatm Kralia) '). Fast alle gottesdienstlichen Gebräuche begiengeu sie unter Gastmäleu. Jeder Fremdling war Gast, jeden nahmen sie mit Verehrung ans, die sie ihren Herrn zu bezeugen gewohnt waren. Wir werden später scheu, daß sic die Namen eines Fremdlings, eines Herrn nnd eines Gastes von dem nämlichen Begriffe ableiteten. War Jemand, der einen Fremdling nngespeist fortgehen ließ, so wurde ihm sein Haus und alles, was er hatte, verbrannt. Regiernngsform, Gesetze: Die ersten Slaven in Krain gehörten den Römern, nachher wurden sie von den Hunnen, Gothen, Franken nnd Longobarden nicht so sehr beherrscht, als gedrückt. Deshalb meint Linhart mögen sich die Spuren ihrer ursprüng¬ lichen Verfaßnng noch von jener Zeit erhalten haben. Die königliche Regierung war bei ihnen nicht einheimisch. Denn Einem Manne gehorchten sic nicht, noch zu Procopius Zeiten (non nni pnront viro, «eck si, »ntigno in populsni tz iilelmoiäus l,. I. o. 82. 2) x. 221. 40 im p eri o vitam axunt) Daß aber einzelne Männer, welchen sie die Verwendung der Nationalkräfte in dringenden Gefahren aiwertranten, ein bleibendes Vertrauen, nnd eine Macht, die der königlichen ähnlich war, unter dem Volke sich zn erwerben wußten, haben wir Beispiele bei einzelnen Stämmen. Sic haben einen gemeinschaftlichen Namen Krals nm einen König, einen Herrn des Landes oder denjenigen, Melcher richten nnd strafen kann, zu bezeich¬ nen. Durch Kriege bahnten sie sich den Weg zum bürgerlichen Ansehen. Dieß zeigen die Vojvoden der Krainer und Croaten, die Bojladen der Bulgaren, die Bojaren der Walachen und Rußen und die Wojewodcn der Polen. Ihre Macht gründete sich auf den vereinigten Willen des Volkes. ?an, einen Herrn, kennen sie nicht, dafür aber nm desto all¬ gemeiner den Xupan. Diese Würde, schreibt Linhart ?), die sich noch in jedem krai- nischcn Dorfe erhält, ist ein schüßbarer Ueberrest des slavischen Alterthnms. Die Ableitung des Namens wird wol am richtigsten die von Xupa. — Bezirk sein, wie den noch in unseren Tagen in Kroatien dieses Wort einen Pfarrbezirk bezeichnet, und somit waren die Xupsne Vorsteher, Leiter solcher Bezirke (Gemeinden). Linhart ^) versucht sich in andern Ableitungen, die jedoch keine feste Basis haben. Wir können nicht zweifeln, — schreibt er weiters — daß das Anfbiethen des Volkes das Geschäft der Xupano war. Dennoch leisten sie in veränderter Regiernngsform beinahe eben das. Sie überbringen die Befehle der Obrigkeit, sagen Abgaben nnd Frohn- dienste an und sind die Anführer bei Aushebung der jungen Mann¬ schaft zn Kriegsdiensten. Sie hatten ein öffentliches Ansehen nnd waren die Aufbewahrer der Rechte des Volkes. kospoü bezeichnet einen Herrn im Hause, den Herrn im Umgänge schlechthin einen Fürsten im Laude und sogar Gott. Ur¬ sprünglich aber hieß cs soviel als ein Gast, welches, wie mich dünkt, ein Beweis ist, wie heilig diesem Volke die Gastfreiheit war. ') IN. o. 14. '0 p. 227. °) p. 228 f. 41 Sie hatten alte Gesche, welche salron genannt wurden; dieses Wart hat sich bei fast allen Stämmen erhalten und bezeichnet bei uns den Ehestand '). Schaden und Vortheile waren bei den alten Slaven gemeinschaftlich; dieß war eine Folge der demokratischen Verfaßung. Sic'kannten aber das Eigcnthnm. Um dieses zu sichern, brauchten sie keine Strafgesetze wider Betrug, Ungerechtigkeit und Diebstahl. Sie verschlöße» ihre Geräthe vor Niemand, und sie erstaunten über die Christen, daß sie, nm ihr Eigcnthnm zu sichern, Galgen, Rad, Schwert, Feuer und Tortur nöthig hatten. Sogar des Eides bedienten sie sich sehr selten, weil sie die göttliche Rache fürchteten. Wenn sic ihn schworen, so bestand die Ceremouic in der feierlichen Berührung eines Gegenstandes, den sie für heilig hielten. Daher heißt prisega noch immer der Schwur von pri und sexati ----- nach etwas langen, reichen. Krieg: Unsere Slaven ini südlichen Oesterreich führen nicht von einem Angriffe auf Italien den Namen; aber sic folgten dem Schwalle der angreifendcn Nationen. Sie waren kriegerisch, weil ihre Lage gegen andere Völker es forderte,, daher waren sic stets unter den Waffen; Religion und Krieg bothen sich gesellschaftlich die Hände und sogar die Heirath, der Trinmpf der Liebe, sah einer kriegerischen Unternehmung ähnlich. Zur Vcrtheidignng brauchten sic zuerst Waffen, die sie vom Pfluge nahmen, daher die slovcnischen Bezeichnungen brana die Egge und branim — ich verthcidige. Sie hatten ferner kleine Schilde und Spieße von Eisen (slov, ros — Spieß) ein langes Meßcr nos, daher noch heute nosna ----- die Degenscheidc, einen Wurfspieß — meö (meesm — ich werfe), Lanzen f— leopga) und Pfeile (— strela, strelam — ich schieße). Sämmtliche Waffen nannten sic oroHe — das Eisengcschmcid. Das ganze Heer war, wie das Volk, in ^upanion getheilt. Der Führer einer solchen Abtheilnng hieß starasina, wie bei den Kosaken noch heute. Bei uns ist dieser Name für den Hochzcitmeister ^) erhalten. vnsvoäa (vosvolla) hieß der Anführer des ganzen Heeres. ) iNNii. Konoman ---- der Ehemann; im gottschew. Dial. bona — die Ehe, kvnlout ^---- die Eheleute. Die Bewohner der in Untcrkrain gelegenen altdeutschen Colonie Gottschee (— Koö», Blockhaus) haben dieselbe Bezeichnung für den Festmcister bc^ ihren Hochzeiten aus dem Slovenischen herüber¬ genommen. 6 42 Sie hatte» eine Heerfahne, der sie mit religiöser Neigung zngethan waren. Ihre Heere bestanden mehrentheils ans Fußvolk (posestvo), vbschon die Reiterei (knsniki) nicht ganz ausgcschloßen war. Die Schlacht (bos) fingen sie mit Geschrei an (im griech. bezeichnet das Geschrei und die Schlacht); von b»s (Krieg) werden vnMa (Krieg) und vnssak (Krieger) abgeleitet. Sic brauchten keinen Panzer, unbekleidet am Oberleibe, nur die Huste bedeckt, zogen sic gegen den Feind. Sie schlugen ein ordentliches Lager, gewöhnlich ans Anhöhen, weil tabor ') der Name eines Lagers, zugleich ein Bergschloß be¬ deutet. Wenn sie cine» Plat;, in der Absicht sich zu vertheidigeu answählteu, so war cs anfänglich nur ein Gehege oder ein Zaun von Brettern, mit dem sie ihn umgaben. Dieses — sagt Linhart *) — scheinen mir die Worte xra» (— Schloß; oKracla ----- Zaun) und palanka (serb. ----- Festung; slov, planka ----^ Zaun ans Brettern) anzndenten. Daß die Slovencu, dic bis an das adriatische Meer reichten und noch reichen, in alten Zeiten den Seekrieg, mag er auch ganz kunstlos gewescu sein, jedenfalls gekannt haben, steht so ziemlich fest, doch läßt sich in der Sprache keine Spur davon nachweisen, noch sind geschichtliche Belege dafür vorhanden. Religion: Davon haben wir in der ersten Abtheilnng ausführlich gesprochen und gehen daher sogleich zu dein Cultns (den Sitten und Gebräuchen) über. Von der Art, wie die alten Slovencu ihre Gottheiten verehrten, finden wir noch einige Spuren; anfangs bauten sic ihnen keine Tempel; sie verehrten sie im freien Felde, in Hainen oder ans den Anhöhen der Berge. Hier brannten sic unter allerhand Gaukeleien und Gesängen große Scheiterhaufen ab. Diese Handlung, welche bei den Vskoke» noch zu Valvasors ^) Zeit üblich war, hieß kolecla; bei uns heißt »och koleäovat! ----- ein Weinachtlied singen. Gewiße hernmzichende Sänger kokvliniki — sagt Linhart §) — waren in Krain, obschon nicht mehr ganz in ihrer originellen Gestalt, noch vor wenig Jahren bekannt. Sie zogen in Hellen Mondnächten unter anfgestccktcn Heer- Nbä. taeber — Wagenburg, Oberlins Glossar I6ll. P. 244. Cfr. Ehre des Herz. Krain. IV. XII. 58. x. 268. 43 sahnen von Dorf zn Dorf und besangen das Lob ihrer Helden, bis endlich in neueren Zeiten, als die Sitte znr Bettelei herabsank und die Hcerfahne in eine Opferfahnc ansartete, Weihnachtlieder') daraus wurden. Erst später wurde der Platz, welcher zu gottesdienstlichen Hand¬ lungen bestimmt war, in hölzerne oder gemauerte Wände cingeschlo- ßen. Dann aber hieß er bi am, ein Behältniß, ein verwahrter Ort. In Krain — schreibt Linhart ?) — finden wir unter diesem Namen einige alte verlaßene Kirchen von elender Bauart des Mittel¬ alters. Bon dem Tempel des Radegast im Veldeser-See und des Triglav in der Wochein ist nichts, als die Sage übrig. Man könnte mit eben dieser Wahrscheinlichkeit und zwar hauptsächlich ob der Lage inmitten sich kreuzender Thäler annehmen, daß Kostel, der Name einer Herrschaft in Krain an der Knlpa, einstens ein slavi- scher Tempel gewesen. Die Opfer bestanden ans Ochsen und anderen Thicren. Men¬ schenopfer sind nicht bekannt. Das Fleisch des Geopferte» behielt in der Regel der Priester- Dieß zeigen noch die rnßischen Bezeichnungen für Opferpriester, Opfer und Opferaltar, welchen das Wort /-reti — freßen als Stamm dient. Ans den Eingeweide» wurden künftige Dinge geweissagt; auch hievon liegen Spuren in der Sprache, so bezeichnet tröbuk im slovenischen den Bauch, trebiti reinigen, »ud treba die Rothwendig- keit, das Verhängnis?. Der Priester, welchem dieß Geschäft oblag, wurde prerok genannt, was mit dem slovenischen prerokovati ------ Vorhersagen (ans der Hand weissagen) znsammenhängt. Sie ver¬ richteten diese Handlung bei dem Zanberinstrumcnte xo8lo. Sie hatten auch besondere dem Gottesdienste gewidmete Feier¬ tage. Zwei Feste waren cs vorzüglich, das eine im Anfänge, das andere am Schlüße des Jahres, die von größerer Bedeutung waren. °) Im Jahre 1819 wurde für die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, die eine Sammlung aller in Oesterreich erhaltenen Volks- und Kirchenlieder herausgeben wollte, auch in Krain eine Sammlung von solchen veranstaltet, bei welcher Gelegenheit an die philharmonische Gesellschaft, die die Mittlerrolle dabei spielte, aus Krainburg 4, aus St. Marein 1, aus Ratschach 2, aus Jdria 3 und aus Wippach 1 Wcihnachtlied eingeliefert wurden, (vr. Keesbacher in „Blätter aus Krain" 1862, p. 168.) ') P. 270. 44 Das Jahr fieng man mit dem Frühjahre an nnd endigte es mit dem Beginne des Herbstes — den Winter aber hielten sie für ein von einer bösen Gottheit erzeugtes Nebelt Daher war das Fest, welches sie am Ende des Winters feierten, ein Tod essest. Die Ueberreste dieser Todcsfeste, wie sic bei slavischcn nnd deutschen Volksstämmen noch erhalten sind, kommen im wesent¬ lichen darin überein, daß die Fignr des als feindselig wirkend ge¬ dachten Wesens nnter verwünschendem Geschrei hernmgetragen und zuletzt den Flammen übergeben oder entzwei gesägt wird. Letztere Form hat sich bei uns in Kram erhalten — wem ist unbekannt der Ruf: dabo LUKnso, wenn im Frühlinge unter dem Volke die Sage geht, daß ein altes Weib zum Dorfe hinansgeführt nnd in der Mitte entzwei gesägt werde. Diesen Gebrauch findet man übrigens auch in Croaticn. Als Pendant zu diesem Dankfestc. welches der den Winter überwindenden Kraft, dem Frühlinge dargebracht war, ist das Erntefest unserer Vorfahren anzusehen, das sie als ein Freudenfest der guten Gottheit opferten. Cs fiel nnd fällt noch heutzutage eine Woche vor Johannes (24. Juni) nnd besteht in dem sog. Johannesfener, das lustig auf den Höhen lodert und wo die Bursche, die es unter¬ halten, ihre Lieder erschallen laßen. Die Spuren von einem Feste des 8o/nv, das dem häuslichen Frieden, der Gastfreiheit gewidmet war, finden wir noch in den Weihnachtgebräuchen. Dieses Fest wurde durch 8 Tage gefeiert ?). In jeden: Hause war ein Tisch, worüber ein leinenes Tuch ansgebreitet war, mit Speise nnd Trank reichlich beseht. Die krainische potioa (eigentlich povltios von poviti zusammenwinden) ein Brot aus dünn gewalztem nnd in die Form einer Krone gewundenem Teige mit Honig und Nüssen zubcreitet und popörtnik (pärt — leinenes Tuch) ein flaches Brot, welches gemeiniglich mit einem Kranze ans Teig obenauf umwunden, und mit allerlei Verzierungen geschmückt ist, sind wahrscheinlich die Ueber- reste jener alten Gewohnheit, wie denn diese Brotarten noch heute bei uns zu Weihnachten üblich sind nnd den Gästen gereicht werden. °) Bergt. das Todaustragen bei den Siebenbürger Sachsen — das Berbrennen der Frau Holla im Meiningischen u. s. f. ?) Balv. XII. Buch, p. 87 von den Vslroken. °) Ein Brot, das nach dem Tischtuche xo xorti hingebreitet war. 45 Das Andenken eines ähnlichen Festes erhält sich auch in dem Osterbrote kolaö >). Dieses wird fast so, wie die patlou zubereitet, nur daß cs in der Form eines Rades, woher es den Namen hat, ge¬ wunden ist. Gebräuche bei Heirathen und Geburten: Von den Gebräuchen bei Heirathen hat uns Valvasor °) treffliche Züge aufbewahrt, die zum großen Theil verschwunden sind und nur mehr iu kleinen Neberbleibselu an die frühere Bedeutung gemahnen. Wer sich verheiratheu wollte, trug seinen Verwandten oder Freunden auf, für ihn anzuhalteu; die Werber hießen und heißen noch snubaäi (snubiti freiwcrben.) Erfolgte die Zusage, so gieng der Bräutigam renon zu den Brauteltern. In den ältesten Zeiten wurde die Brant von ihren Eltern an den Bräutigam verkauft, wie denn noch Valvasor iu der Gegend von Wippach die Sitte sand, daß der Bräutigam seine Braut von der Dorfjugeud auslösen mußte, und wo er von den Hciraths- bediugnngen, besonders von der Mitgift, vor dem Hochzeitstage nichts erfuhr. Später wurde bei dem angegebenen Besuche des Bräutigams die Ausstattung und Mitgift erforscht und der Tag zur Hochzeit bestimmt. Auch wurden schon jetzt Ringe, Geschenke und die ersten Liebkosungen gewechselt. Wenn der Tag, welcher schnell ans die Verlobung folgte bestimmt war, wurden die Gäste eiugeladen und zwar durch den Bräutigam mit dem Brautführer (llrux) und der Braut mit der Brautführerin (llruLies), jener lud bei seinen, diese bei ihren Freun¬ den. Die eiugeladeueu hießen sv-rtse. Am Hochzeitstage versammelten sich die Gäste in dem Hause des Bräutigams und zogen daun unter Anführung des strn-ss'ma mit Musik und unter Geschrei, bewaffnet, als ob sie gegen den Feind giengen, fahrend oder reitend, bis zur Wohnung der Braut. Durch die neuen Gesetze wurden dem Land- manne die Waffen abgeuommeu. Seitdem hat sich dieser Theil, bis auf die Abfeucruug der Pistolen, ohne die es selten abläuft, verloren. In der älteren Zeit Ivar auch bei uns, wie bei andern slavischcn Stämmen die ganze Hochzeit ein Krieg im Kleinen — es war der ') Non k»Io --- das Rad. O It. VI. Buch, x. 278 ff. Valv. p. 304. vi-n^i, der Ändere, das ist der Freund. 46 Mädchenraub, weil der slawische Freier seine Braut lieber rauben als kaufen wollte. Bei uus iu Krain war noch zu Valvasor'? Zeit ein Gebrauch übrig, der sich ans den Mädchenraub bezog. Wcnu nämlich der Bräutigam mit seiner Begleitung ungezogen kam, wurde der Eingang in die Wohnung der Brant wie vor einer Räuberbande, verschloßen. Der starssiim machte die Aufforderung an die Eltern, die Braut zu übergeben. Diese schoben ein altes lumpiges Weib, das zum Spott und Gelächter diente, bei der Hansthürc hinaus. Der Scherz wurde einigcmalc wiederholt, bis endlich die Brant dem «turasina ansgcliefert ward. Da die Brant von dem Erfolge des Raubes abhieng, so hieß sie nevesta, die Ungewieße, welchen Namen sie noch säst bei allen Stämmen führt. Sie erschien im vollen Kopfpntzc der Mädchen, flimmernd und glänzend, ihre Haare in zwei Zöpfen fliegend, mit Bändern und Blumen behangen, den schwarz- sammctencn^Kranz öapsl nm die Stirne gewunden. Die Gäste der Braut schloßen sich dem Zuge an und cs gieng dieser — nach der Einführung des Christenthnms — zur Kirche und zwar unter Musik und beständigem Gejanchzc, desgleichen ans der Kirche. Nun folgte das Hochzeitsmal, daß noch heute in den dabei üblichen Gebräuchen dasselbe ist; — der «tarasina, der oben an der Tafel sitzt, spielt dabei die vorzüglichste Rolle, und genießt die größten Auszeichnungen von den Gästen. Während des Gastmals wird öfters aufgestanden und getanzt. Einer von den Musikanten spielt dabei den Gaukler zur Aufmun¬ terung der Gesellschaft. Am Ende wird ein großes Brot poxaöa oder knlaö unter viel Lärmen ausgewogen. Der Ueberbriuger hält eine Anrede an die Gäste. Oft werden die Schmausereien durch mehrere Tage fortgesetzt. In einigen Gegenden war cs üblich, daß jeder Gast seine poxuöre mitbrachtc; im wippachischcn legte jeder ein Stück Geldes für die Brant darauf ^). Die Heimführuug der Braut geschah in Begleitung der Gäste nntcr lärmender Mnsik. Einige sprangen voran, machten mit ihren Säbeln verschiedene Krenzhiebe nnd die Gäste arbeiteten °) Stirnband, »Ilck. sobapel, seliapxil, stanz, oliapel. Bei den Gottschewern bringt der starasiner ein ausgehöhltes Brot, steckt einen Strauß hinein und singt ein Lied, während die Gäste die Geldgeschenke für das Brautpaar in die Höhlung des Brotes legen. 47 sich mitten durch in die Wohnung des Bräutigams. Am Karst und au der Poik theilte die Braut etwas Geld und einen Brotkuchen unter die Anwesenden; in Istrien nnd Finme wars sie einen kolsö, das Symbol der Furchtbarkeit nnd des Ueberslußes unter das Volk Die Brant mußte sich sogleich als Mutter und Haushälterin zeigen. Ein kleines Kind, koleneak wurde ihr in den Schooß gelegt; ein Besen, ein Waschhader und dergleichen Zeng in die Hände gereicht. An einigen Orten schnitt ihr der Bräutigam den Kranz mit seinem Säbel am ersten Abende vom Kopfe; an andern durfte sic ihn die ersten Tage nnd Nächte behalten. Sie zogen einander wechselweise die Schuhe und Strümpfe aus nnd gierigen zu Bette, während die übrigen Gäste noch anfbliebeu. Damal war die Jnugferschaft noch ein nothmendiges Bedingniß des ehelichen Vertrags und die Gäste lauerten ans den Erfolg der ersten Umarmungen, um Freude oder Mißvergnügen mit dem Bräutigame zu thcilen. Arn kommenden Morgen wurde die Brant zu einem Fluße oder allgemeinen Brunnen des Dorfes geführt. Man füllte ein Geschirr voll mit Waßer, die Brant trank den Anwesenden zu, welche ein Geld für sie hinein- warfen. Am Karst und an der Poik erhielt sie eine Morgengabe, die in einem Ochsen, einer Kuh oder einem Schafe bestand. Jetzt ist die Morgengabe in Kram nicht gewöhnlich — ! Wenn ein Weib zur Geburt gierig, verrichtete dabei eine alte Fran, gewöhnlich die Großmutter, den Dienst; daher führen ein altes Weib, die Großmutter und die Hebamme noch fetzt den gemein¬ schaftlichen Namen baba. Acht oder vierzehn Tage nach der Geburt gaben die Befreun¬ deten der Wöchnerin ein Kindsmal, — welches einstens vielleicht so wie bei den Morlacken in Dalmatien babina geheißen haben mag. Gebräuche beim Tode nnd Begräbnisse: Wenn Jemand starb wurden Klageweiber ausgenommen, welche den Ver¬ storbenen betrauerten und Loblieder sangen, welche Sitte sich noch bei uns in der Gegend gegen Finme erhalten hat. Die Forschungen der Slavisten darunter Dobrovsky's haben es fast außer Zweifel gestellt, daß die Slaven ihre Todtcn nicht be¬ gruben, sondern verbrannten. y War früher bei den Gottscheewern ebenfalls Sitte, kommt aber „mit den theuern Zeiten" immer mehr ab. 48 Auch daran laßen sich in der Cnlturgcschichte unseres Landes Anklänge finden so war es z. B. noch zu Valoasor's Zeit Sitte in Unterkrain, besonders in der Gegend von Auersperg, daß durch 8 Tage nach der Beerdigung des Todteu au dem Orte, wo der Leichnam lag, zwei quer übereinander liegende Wachskerzen an allen vier Enden brannten'). So hält Linhart den Satz fest: auch die Krainer verbrannten ihre Todten ^). Wie die Slaven überhaupt, so glaubten die alten Slovencu ebenfalls nicht, daß mit dem Tode alle Bedürfniße aufhören und darauf bezieht sich die noch in Valvasors Tagen übliche Gewohnheit Fleisch und Brot auf die Gräber der Verstorbenen zu bringen. Zur Ehre des Verstorbenen wurde endlich schon in alten Zeiten ein Fest gefeiert und mit Schmausen zugebracht; noch findet dieses Trauermal bei uns Slovencu, wie bei den Rußen, Serben, Böhmen, Machen und Dalmatinern statt. Das Betrauern dauert durch 7 Tage und das Mal folgt am 8ten; daher kömmt die Bezeichnung sedmina ^). Häuser, häusliche Einrichtung: Daß ihre Häuser nur schlechte zerstreute Hütten waren, die sie ebenso leicht verließen, als sie sie wieder bauten, bezeugt Procop ^) (m tnxariis imbitant vilidns, rare spsrsis, stguv Iiabitntionis loeum subinde mutant) und bestätigt ihre Sprache. Den Namen Kiss, x,n Haus, haben sie aus der Periode ihrer Kindheit ans dem nomadischen Leben- In einer spätem Periode ward dom der beständige Wohnort einer Familie genannt. Ihre Häuser bestanden ans vier Wänden von Holz gebaut, oder geflochten, oder von zusammeugelegten Steinen aufgeführt- Die KIumseu oder leeren Zwischenräume waren mit Moos oder Koth ansgcfüllt. Um das Hans zu bedecken nahmen sie Stroh, Schilf oder dergleichen Strenwerk, wie dieß der Name streb» für Dach weiset. Die Krainer — sagt Linhart °) — bedecken ihre Häuser noch jetzt durchaus mit Stroh; was gegenwärtig wol nicht si Valv. I. °. II. IV. LSI. si p. 295. °) I. c-. 287. st Desgleichen wurde im Mittelalter bei den Deutschen eine Begrabniß- malzeir in der Octave (die Sibende) gehalten, welcher Brauch noch bei den Gottscheewcrn zu finden ist, die ebenfalls die „Shibente" feiern. ') III. o. 21. p. L99. 49 mehr gilt. Der hohle Raum zwischen den wer Wänden und dem Dache hieß irka, und noch heute nennt mau so die Abtheilnng des Hauses unter dem Dache- Neben der allgemeinen i^ba war eine verschloßene Kammer (eumnatu) welche znr Aufbewahrung der besten Sachen diente. Ringsherum au den Wänden war eine festgemachtc Bank Klop, welche einst lava ") hieß nnd von dem beweglichen Geräthe «tot unterschieden war; der Tisch war weiter nichts als ein stol, neben dem sie ans der Erde saßen. Bezeugte cs die Sprache nicht so unwiderleglich, so würde man cs kaum glauben, daß sie einen Ofen (peä) gehabt hätten. Aber eine Fenermaner hatten sic nicht; die Bezeichnung raukänx — Rauchfang zeugt dafür. Um dnrchzusehcu, wurden in der Wand mehrere Oeffnnngen angebracht, welche okno (von oko, das Auge) hießen. Diese Oeff- unngeu sind bei echten, alten Bauernhütten in Kram von so geringem Umfange, daß ein Mensch kaum den Kopf hindurchstecken kann- Ihr Nachtlager nahmen sie auf der Erde, auf bloßer Streu; davon die jetzige Bezeichnung postla von stlati ----- Streu machen. Lebensart: Milch (mivko) war ihre erste Speise, nicht minder hatten sie später Butter (maslo), Käse Ger) nnd Fleisch (meso). Als Ackerbauer bereiteten sie ihre Kost auf verschiedene Art; aber das eigene originelle der Slaven — klagt schon Linhart ^) — auszuscheiden ist jetzt nicht mehr möglich. Brot (kruli) war ganz sicher ihre vorzügliche Nahrung; cs wurde ans Mehl (moka) zube¬ reitet, gebacken nnd ehe cs genoßen ward gebrochen oder zerrieben. Dieß zeigt der Name Kruli eines Stammes mit dem südslavischen krnLit c--- zerbrechen, zerreiben (kroka ------ Brosame). Znr Erzeugung des Brotes wandten sie den Sauerteig (kvas) an. Kochkunst besaßen sic keine große, entweder thatcn sie die rohe Speise in ein Gefäß mit siedendem Waßer nnd kochten sie so mir halb, oder sie ließen dieselbe im Ofen abdörrcn oder anstrockncn^). Rußisch. kamnat», erinnert an das mlul. Kemenate — gewölbtes Zimmer, Stube. ') Im Wochrinerthale heißt Ieva ein gemauerter Heerd neben dem Ofen, worauf die Spanlichter bewahrt werden. ") p. 303. si peeeoo — Braten. 7 60 Das Gefäß, worin sic ihre Speise kochten, war ein Keßel (kotel); beim Eßen bedienten sie sich ihres Messers (uos), der Gabel (vilioo) und des Löffels (rlioa, von -iliti — ansgicßen). Anfänglich beobachteten sic keine gewiße Zeit, nm zu eßen, sondern richtetest sich nach dem Bedürfnisse. kosilo bedeutet ein Frühmal, welches bei uns am frühesten Morgen den Schnittern gegeben wnrde (kosit Heu mähen). So ist es — sagt Linhart ') - bei dem Landmanne noch; aber dem städtischen Weichlinge, welchem der Morgen nicht so frühe anfgeht, ist jetzt kosilo die Mittagsmalzeit. Das Eßen am Mittage nennt der krainische Bauer gu/.ma (wie der Pollabe souneruia). klalioa (i«) und gefiltert (fgltern ----- falten). 53 Vergnügungen: Gesänge und Musik liebten sic sehr. Sic nah-meu den Thieren ihre Hörner und bildeten sich die Schalmei, roLiiioa non rux (— Horn). Sie zogen ihnen die Bälge aus, schien die Schalmei daran und bildeten sich einen Dudelsack (mek — Balg). Die Erinnerung au die mit Darmsaiten versehene in einen langen Hals auslaufeude (croat. Ku«!o — Gans) ist bei-uns in der Bezeichnung der Geige. Ko«Iv erhalten- Dieses Justrumcut stand beim Balke in großer Achtung, und jene, welche darauf spielten, wurden für sehr künstliche Leute gehalten- Vielleicht glaubte mau gar, meint Linhart '), daß eine innere belebende Kraft, eine Gottheit diese Töne hervorbringe. Bei einer Geige oder einem Dudelsacke verrichteten die Zauberer ihre Gaukeleien und sagten künftige Dinge vorher ^). Eine Pfeife piäala, welche ans Röhren oder abgezogenen Rinden der Zweige geschnitten war, finden wir noch überall bei den slavischen Hirten. Von dem alten Liederschätze unseres Volkes ist wol leider schon ungemein viel vergeßen und verloren, anderseits ist in dieser Richtung noch zn wenig geforscht, nm die erhaltenen Reste im Jntcreße der Wißenschaft nnd des nationalen Lebens ausznbenten. Ans der Zeit der Türkenkämpfe sind bis jetzt die meisten gesammelt und liegen sowol im slovenischen Originale durch Be¬ mühung des in unserin Lande verbannt gewesenen Polen Emil Korytko, als auch in der meisterhaften deutschen Uebertragnng unseres Anastasius Grün (Anton Alexander Grafen von Auersperg) zur Beurtheilung vor nnd werden wir bei Behandlung der betreffenden Zeitperiode daraus znrückkommen. Unsere Altvordern liebten ungemein den Tanz, der zum Er¬ staunen wild war. Sich schwenken, anfstampfcn, ungeheuere Sprünge machen, sich außerordentlich wild geberden, ist das Charakteristika» aller slavischen Tänze und war es auch des slovenischen nun wol ganz verdrängten Nationaltanzcs, wie es schon die Bezeichnung plc^ für Tanz überhaupt ansdrückt, welches Wort stammverwandt ist mit dem poln, pincam — ich gaukle mit den Händen, halte die Füße nicht stille, kurz thnc alles, was einen Wilden, Tollen, charakterisirt. '1 p. 319. Slov, heißt KOnu-?^ (Teufel), der seine Tänzerin (Ursula Schaffer) von da in die Laibach getanzt, ans immer ein Ende gemacht; ja wir finden noch hente, sobald „Prinz Enrneval" seinen Einzug ins Land gehalten, ans allen Tanz¬ böden die gleiche Lust sich im Kreise zu drehen, wobei unseren Schönen die zumeist niedliche Bauart ihrer Füßchen ivol zu Statten kömmt. Wenn die alten Slovencu Neigung zu Spielen hatten, so waren es sicher nur gymnastische Belustigungen. Die Kinder der Slovencu haben noch seht verschiedene Spiele, worunter sich jene anszeichnen, in welchen nach einem Ziele geworfen oder geschoßen wird — wer denkt hiebei nicht au seine Jugendzeit, wo er den Beginn des Frühjahrs kaum erwarten konnte, nm ans dem eben ft p. 3A). ft XI. p. «85. 55 erst vom Schnee befreiten Vorplätze des Hauses die Elfenbein- oder Blcikügelchen (kornikole) nach den nnsgehöhltcn Gräbchen zn schlendern. Jagd, Viehzucht: Wie alle Völker, bevor sie zur Vieh¬ zucht und zum AckcrbaNc übergehen, betrieben mich die alten Slo¬ vencu die Jagd und es haben sich die Bezeichnungen xonja (von Kaniti — verfolgen) und lav (von lovit! — fangen) erhalten. Als sic die Thicre bündigen lernten, gaben sie den zahmen znm Unter¬ schied von den wilden eigene Namen. Nun beschränkt sich Livina (von v.iviti leben) auf zahme Thicre, und nver bedeutet aus¬ schließlich das Gewild. Die Slovencu lernten die nördlichen Thicre zu gleicher Zeit mit den übrigen Slaven kennen. Daher bezeichnen sic den Wols (volle), den Bären (mSclvoä), den Hirschen (Men), das Reh (sorna), den Hasen (saso) n. s. f. mit gleichen Namen. Auch die südasiatischen, z.B. das Eiend (los), das Kamcel (delbluä), den Elefanten (.--Inn) benennen sie gemeinschaftlich mit den Böhmen nnd Russen. Eine Erscheinung, ans der wir schließen, daß sie einst in einem Lande, wo diese Thicre heimisch sind, mit den genannten Stämmen gemeinschaftlich gewohnt haben- Schon damals, als sic noch mit dcn Gricchen, Römern (Lati¬ nern) nnd Germanen zn einem Stamme gehörten, wußten sie die Ochsen (buk — Stier, vol Ochse) und Kühe (krovu ---- Kuh) zu bezähmen, weil sie den Gebrauch nnd die Bezeichnung der Milch (mivko) ') «ns jener Periode mitnahmen. In dasselbe Zeitalter gehört auch die Bändigung der Ziege (küza), des Schafes (ovoa) nnd des wilden Ebers (svinja); auch der Name des Hirten (pastir, vom lat. pastor) datirt aus jenen Tagen. Nach der Hand hatten sie anch Ställe (blov), welche schlecht nnd so niedrig waren, daß sie sich, nm hinein zn kriechen, tief bengen mußten. Von dem niedrigen Eingänge des Stalles nnd von dem gebeugten Körper benannten sic die Dcmnth poblevnust, da ein gebeugter Körper als äußeres Zeichen derselben gilt. Der blov war nur für das Hornvieh und für die Schafe bestimmt. In einer Krippe jasie streuten sie das Futter vor, welches in Hcn (seno) und Grummet (otäva) bestand. Daß sic sich mit der Bienenzucht abgabcn ist kein Zweifel, da sie ans Honig Meth zn machen wußten, nnd da sie die Biene ') Lat. Ise. 56 (beeis), den Schwarm (ros), das Wachs tosoli) mit den andern Stammen gleich benennen. Noch ist die Bienenzucht in Krain außerordentlich stark '). Ackerbau: Unsere Altvordern waren schon friedliche Acker¬ bauer zur Zeit, als die Römer ius Land kamen und noch heute bewundern wir den eisernen Fleiß und das geduldige Ausharreu des sloveuischeu Bauers in der Bearbeitung seines nicht selten undank¬ baren Bodens. Später, als nach der Völkerwanderung die Frauken ans den Trümmern der gestürzten Reiche eine beständige Macht gründeten, wurden die Slovencu vollkommen unterjocht und schwer lastete aus ihnen die Verachtung des Ackerbaues, wie denn die aus jener Zeit (der Zeit der Christiauisirung) stammende Bezeichnung der Dienstmagd als kersenoa (auch kriittgnua --- Bauerumagd) --- die Getaufte, charakteristisch bleibt. Die Art, wie sie iu altcu Zeiten das Feld bauten, war fol¬ gende: sie machten hohe schmale Betten mit tiefen Furchen, wie wir es in Krain noch überall haben, und wie sie iu einigen Gegenden Deutschlands, wo einst Slaven wohnten, noch üblich sind und wo sie wendische Betten heißen. Dabei bediente man sich des Pfluges, welcher bei allen Slaven glux, bei den Slovcnen schlechthin äerro Balken, Baum genannt wird, und der schon erwähnten hölzernen Egge (bi-ans). Die Früchte, die sie bauten, waren Korn (roü, was früher Getreide überhaupt bezeichnete, wofür sie jetzt -Uto gebrauchen), dann Weizen (püonioa), Gerste (ssemon), Haber (oves) und Hirse (pro««). Um die Früchte abznhanen, gebrauchten sie die Sense (koss) oder Sichel («erp) und banden sic in Garben («nop), die ans freiem Felde getrocknet wurden; später kamen die Harfen auf, hohe hölzerne Geländer, die eine breite durchsichtige Wand gleich einer mit Saiten bespannten Harfe darstelleu und kosolo (xnsli, ba«Ii heißt das musikalische Instrument) genannt werden. Valvasor (1689) bildet sie schon so ab, wie sic gegenwärtig auf unfern Feldern zu sehen sind. Sie hatten keine Scheunen und keine Tenne; das Getreide droschen sie auf freiem Felde mit dem eep (Dreschflegel). ') Bergt, die Cutturgeschichte des XVIII. Iahrh. Anton Jansha, und die des XIX. Pfarrer Jonke. 57 Bergbau: Sie kannten das Eez, weil sie dafür einen ge¬ meinschaftlichen Namen sich bildeten, wir finden nämlich rada bei Kroaten, Böhmen und Russen in Ucbcreinstimmnng mit mW. Der Mann, der in der Erde wühlte nnd nach Erz grnb, hieß rudar, so nennen ihn die Croatcn noch. Sie wußten ans den Erzen Metalle hervorznbringen nnd nannten sie anfänglich >»öd >). Sie kannten das Blei (svinoe), das engl. Zinn (kopitar --- non den kassidischcn Inseln), das Eisen (Leler-.o), das Silber (srebro) nnd das Gold Olato), die drei lctztern mit den übrigen Slaven unter gemeinschaftlichem Namen. In der Kunstsprache des Hüttenwesens ist man aber bei uns sehr arm, weil frühzeitig Deutsche und Italiener¬ in den Besitz der Hüttenwerke in nnserm Lande kamen. Auch die Römer hatten schon ein Eisenwerk in Kram nnd zwar in der Wochein, worauf ich noch ausführlich zu sprechen komme ^). Handwerke nnd Künste: Den rohen Stoss der Natur¬ produkte benutzte jeder zur Verfertigung der geringen Hansbedürs- nißc selbst nnd so gab cs auch bei uns in der Urzeit keine Handwerke nnd Künste. Wie wir bei den Germanen den Schmieden Wieland als den ersten Handwerker finden, so war auch bei den Slovenen als solcher zuerst der Mann, der in den Metallen arbeiiete, angesehen, der Schmicd kovaö. Dieses Wort ist weiter nichts, als eine Nachahmung des Halles, welcher durch das Hämmern auf dem Amboße, nakovalo, hernorgernfeu wird. Der Kovac verfertigte das Ackergcräthe und die Waffen, die Hausgeräthe, und beschlug die Pferde mit den Hufeisen (podkova). Jeder Slave verfertigte seine schlechte Hütte selbst und thut es großentheils noch. Daher haben sie für die Kunst des Zimmermanns (bei uns elmperman nach dem Deutschen genannt) keinen allge¬ meinen Namen. Das Weben (tkaifio) verstanden sie schon, ehe sic noch Slaven waren, da sie die Benennung dieser Kunst, wie es scheint, mit Grie¬ chen, Lateinern und Germanen aus einem Ursprünge schöpften (die Stammsilbe ist k— K, tok). Sic erzeugten Leinwand platno nnd Tuch ") Das gn'ech. das lat. metallum, das deutsche Metall und das slav, mell haben eine Quelle im hebr. metil. 2) Culturgeschichre der Römerzeit. 8 58 (sulcno) '); cine mittlere Gattung hieß psrt — ein leinenes Tuch. Handel: Um ihre Maaren zu verhandeln, bedienten sie sich anfänglich des Tausches, worauf die Bezeichnung stupcisa --- Handel deutet von Kap — Hanfe, kopiti — einen Haufen für den andern hingeben, kaufen. Zum Tausche brauchten sie hauptsächlich die Leinwand (platno), die ihren größten Reichthnm nnsmachtc und sie benannten davon das bezahlen platiti, wie es im Russischen nnd Croatischen lautet; im Slo- venischen heißt es plavali. Später mußteu auch sic zum Mittel des Geldes greisen; dieses waren bei ihnen zuerst ungeprägte (ungeschlagene) metallene Klumpen von verschiedener Grüße und ungleichem Gewichte, die länglich waren und der ovalen Figur einer Rübe glichen "). Davon stammen noch die russischen Rubeln nnd die slovenischen repni-P ^), die vielleicht daßelbc bei uns waren, was die Okclpfennige der Nordslavcn galten. Der Ort, wo sich die Kaufleute versammelten hieß terZ- — ein Markt. Karl M. war es, der dem Eisenhandel dec Karantanec die ersten Hiuderniße in den Weg legte. Er gründete zu Lorch nnd Regensburg nnd in andern Städten Deutschlands die Stappel- gcrechtigkcit, schloß ihre Waffen bron (Kronica»), die in den norischen Fabriken erzeugt wurden, von diesen Handelsstädten aus, bestellte Einnehmer und Zölle, bestimmte die Strafe der Eontrobande, die Belohnung des Angebers und den Gewinn des Fiskus °). Daß die Slovencu auch mit dem benachbarten Italien Verkehr trieben, sagt Linhart °), zeigen verschiedene Münzen, die sie ganz italienisch benennen. Hicher gehören z. B. »ölst (kleine Kupfermünze), vioar (Pfennig von der Familie Venieri, ans welcher Herzoge von Venedig und Patriarchen von Agnileja stammten), ükea (eine Idcal- münze) und umgekehrt bei den Benetianern on karantano, ein Kreuzer. ) Kokam, ich drehe. ) Linhart, p. 343. b) Jetzt, sagt Linhart I. e. Anm. e. nur eine Jdealmünze im Werthe von 6 Sold!. ) Neber die Ableitung von Triest, lat. 'vor§68tum von ten^. Siehe p. 9. *) Linhart, p. 345. °) p. 346. 59 Literatke nntniße: Die Slovencu konnten schon schreiben, ehe sie von ihrem Stanimvolke sich trennten und in unser Land wanderten; sonst könnten sie diese Kunst unmöglich mit ebeu demselben Worte, pisati, wie die jenseits der Donau gebliebenen Slaven be¬ zeichnen. Dieses Wort ist uralt und wahrscheinlich ans jener Periode, als die Ideen gemalt wurden und »och hängt diesem Worte im Slovenischen der Begriff des Malens an (pisano das Gemalte, das Bunte). Die Slaven haben sich in verschiedenen Zeiten und zerstreuter Lage zwei Alphabete gebildet: die bukviea (xlsKoliea) und ciralios. lieber den Ursprung derselben und die Geschichte ihrer Ausbildung werde ich in einer spätem Abtheilung sprechen st. Kenntniße von Naturerscheinungen: Sie betrach¬ teten die Natur in ihren einzelnen Theilen und Veränderungen. Den Inbegriff aller sichtbaren Dinge nannten sie svet (das Licht) die Welt, weil sie Helle waren und in die Augen fielen. Die Sonne (solnoe) und der Mond (Ians) mußten ans ihre Sinne den größten Eindruck machen. Ihrem Einflüße ans die Erde schrieben sie, gleich andern Völkern, dem Wachsthnm zu. Sie beob¬ achteten ihren Lauf, die Verwechslung des Tages und der Nacht, der Wärme und der Külte, und bildeten sich darnach ihre Zeitrechnung. So ost die Natur unter dem erwärmenden Einflüße der Sonne wieder anflebte, fiengcn sie ihr Jahr an. Dieses Jahr war der Som¬ mer Ist», im Gegensahe war der Winter /uma, das Verderben des Jahres, daher jenes obenerwähnte Todesfest. Anfänglich hatten sie nur diese zwei Jahreszeiten, wie alle ungebildeten Völker; später lernten sie den Herbst (sesen) und noch später den Frühling (pomirili) kennen. st Die Monate meseo bestimmten sie »ach dem Lause des Mon¬ des. Die eüizelnen Benennungen sind größtentheils verloren gegan¬ gen; doch sind einige noch erhalte». Gegenwärtig ist die Bezeichnung folgende: proseno — Jänner (Hirsmond oder Bittmond), sveean ---- Februar (der Monat des Lichtes), saseo ---- März (der trockene Monat, mit welchem sie wahrscheinlich ihr Jahr anfiengen), mali traven ---- April (der kleine Grasmonat), veliki traven -- Mai (der große Grasmonat), ro/mi cvet Juni (die Blüthe des Kornes), ) Culturgeschichte des XVl. Jahrh. „windischer" Bibeldruck. 2) Linhart, p. 36Z. 60 mali tterpsn ----- Juli (der kleine Sichclmonat), velilei «erpsn ------ August (der große Sichelmonat), kimovoo —. September (der hin¬ kende Mond), koxa P6I-8K ----- Oktober (der Mmmt, in dem sich die Ziegen begatten), listovxmff — November (der Mond des welkenden Laubes), xrucleii — Dezember (der verzehrende Mond). Daß einige nicht mehr am Platze stehen und die Ordnung verschoben sei — schreibt Linhart *) — will ich gerne zugcbcn. Den abstrakten Begriff von der Zeit konnten sie nicht haben- Nachher entlehnten sic den Begriff eines bestimmten Zeitmaßes ea--, (oder jenen der Witterung vroms) um die Zeit zu bestimmen. Das Wetter, welches bei den Germanen den Zustand des veränderlichen Dunstkreises ansdrückt, ist bei den Slaven der Wind vate,- (verwandt mit dem griechischen Die Benennungen des Regens (lle«), des Blitzes (bli-ck), des Donners (xrom), sind bloße Onomatopöcn des Eindruckes, welchen diese Erscheinungen ans die Sinne machen; also unstreitig sehr alt, ans der ersten Quelle aller Sprache». Der Schnee rmsk bezeichnet das Neue, das Unerwartete bei den: Anblicke des ersten Schnees. Da sie der Wärme die Kraft des Gedeihens, des Wachs- thnms znschrieben, so benannten sic das Feuer (oxn) mit den Latei¬ nern (ixais) gemeinschaftlich, und schon Tercntins Varo leitete ixni« von uasoor ab. Eine dunkle Idee, daß es außer der Körperwelt, in dcr sie jedoch die einzelnen Eigenschaften nicht absteahirten, noch andere Wesen gebe, hatten sie gewiß. Aber sie waren dabei ebenso wenig, als die Griechen, Römer und Germanen im Stande, sich von der Materie losznmachcn und in eine geistige Sphäre cmporznschwingen. Bei ihnen war dcr Geist und die menschliche Seele immer mir ein Hauch «lull, äuso. So waren die alten Slovencu, mit denen unser»: Wißen nach zuerst die Römer im Kampfe um den Boden Krams zusammen- troffen. Da sie aber in durch die Liebe zum Ackerbau an die Scholle geheftetes und dazu ein so ziemlich ungebildetes Volk waren, so erlagen sic den „Eroberern der Welt" die zugleich geistig hoch über ihnen standen — den römischen Feldherr:: und ihren Legionen. ') j>. 36S. 2) Ixnis » ngEnäo (cke ImxiiA latins, I/, IV). 61 Ärain kömmt nach und nach unter die Gothmäßigkert der Römer. Nachdem die Karnicr miter dem Oberbefehle des römischen Consuls A. Manlins Bolsa durch den Fcldherrn Appius Pülcher ani Timavus geschlagen worden (173 v. CH.) nahm im folgenden Jahre Claudius Pülcher nach der völligen Niederlage des istrischen Königs Aepulo von allen umliegenden Völkern Geißel au. So wurde Istrien sammt dem zwischen demselben und dem Fluße Sontius liegenden Lande von den Römern unterjocht, welche schon 7 Jahre früher (189 v. CH.) nach Aquileja eine römische Colonie verseht hatten, nm den unbändigen Nachbarn an der Rordgrenze ein Boll¬ werk cntgegenznsetzen '). Karnicr, Jstrier und Japoden wurden von ihren Siegern bedrängt, daher schickten sie (169 v. CH.) Gesandte nach Rom, um sich über die Bedrückungen des C. Cassius zn beschweren. Die Ab¬ geordneten und ihr Gefolge, das ans Freien und Knechten bestand, wurden vom Senate beschenkt und bald folgten römische Legaten nach, nm dem Unwesen zu steuern ^). So wie die Römer früher Aqnileja zu ihrer Pflanzstadt gemacht, so nun (128 v. CH.) auch Tergeste, und dehnten sodann die Grenzen Italiens über das Gebiet dieser Stadt bis zum Bache Formio aus^). Sie drangen bald weiter gegen Nocdost vor und brachten Japodien und Karmen, soweit diese auf der südlicheu Seite der Alpeu lagen, au sich (117 v CH.); weil deren Bewohner die Pflanz¬ stadt Tergeste oft beunruhigt hatten ^). Der Consnl C. Sempronins focht zwar zuerst unglücklich wider sie, bald aber vcrbeßerte er den Fehler durch die Tapferkeit des D. Junius Brutus welcher früher Lnsitanien unterjocht hatte §). Cs war in diesem Zeitalter, daß Julins Cäsar auftrat. Schon in seinem ersten Consnlate (58 v. CH.) bekam er nebst dem cisalpi- nischen Gallien auch die Gegenden des heutigen Kram in seine Verwaltung §). Man kann die Spuren seines Daseins in Kram ') tUvius Nt>. XI.I. k'Ioi-08 II. <-. 10. 9 INviu8 Xl.HI. 8ti-nbo IN,. V p. 14S, VI p. 217, VII p. 217. Iciem I. o. Xppinnus . Sl6. üe beila xnllieo III. 7. Nello xnll. V. e. 1. y Uietius ckeeeliei, la, geeora, gelles)^). Unter den Thieren gaben die Schweine den ergiebigsten Zweig, sie waren in den Wäldern diesseits Aqnileja (im Birnbanmer-Wald) genährt, fast Roms einzige Nahrnng (ut ex poroorum KroKibus, ssai ibi IM8- ountue, koma kora slatur) ^). Jxgt erfolgte auch der reiche Absatz der Wolle von den heimischen Schafen. Eine Art Nadelholz, die ein festes feines Harz gab, das den Römern als Schmuck diente, wurde zuerst durch den pannonischen Handel an die Grenze Italiens gebracht. Es scheint, daß cs Lärchen waren, die auf den rauhesten Anhöhen fortkamen. Auch Wein bezog das Ausland aus unseren Gegenden, nämlich den Pneiner - Wein, welchem Julia Augusta ihr hohes Alter von 82 Jahren verdankte, nnd den sie allen andern vorzog. Er war, wie Plinius sagt ^), der schwärzeste unter allen Weinen, wurde sehr gelobt nnd von den Griechen Pyktanon ans dem adriatischen Meer¬ busen genannt, jetzt heißt er schwarzer Prosecco nnd wächst auf der Fclscnküste zwischen Triest nnd dein Timavns. Für ihre Maaren tauschten die Slovencu von den Römern Oele, Weine nnd Secwaaren ^); doch kömmt in dieser Zeit schon die römische Münze als Handelsmittcl vor, während auslän¬ dische Münze vor der römischen Kaiserzeit auch in diese Gegenden (gleich den germ. nnd rhät.) nicht vorgedrnngen war °). p. 285. '-°) Strabo I. V. Strabo ibick. O III. 18. XIV. 3. 6. y Strabo I. V. °) Mommsen, Geschichte des röm. Münzwesens, <>. 688. 68 Daß Aquileja die gelegenste, obmol nicht die einzige Lag¬ stätte der Maaren gewesen, erklärt sich ans seiner geographischen Lage. Dort legten die Einwohner ihre einheimischen Prodncte ab, übernahmen die italischen, führten sie ans Wägen in hölzernen Fäßern über den Berg Oers bis an das Mnnicipinm Nanportns da wurden sic ans die Laibach gebracht nnd über Emona nach der Save gen 8moia geführt nnd so fort nach den Ländereien die Donau entlang. Deßgleichen wurden auch die Knlpa nnd die Gurk zum Schiffshaudel benützt, erstere die ans dein Berge Albins entspringt, und die Grenze zwischen dem heutigen Croatien und einem Theilc von Kram bildet, diente besonders zur Fortbringuug der Maaren ans den zahlreichen Häfen Liburniens. Mit dem crhöhcten Verkehre fanden anch leicht die öffentlichen Anstalten Roms, die auf „Milderung der Sitten" abzieltcn, Eingang in unserm Lande. Hiehcr gehören die Schauspiele in Aquileja, das Theater nnd Amphitheater in Emona und Pola; die öffentlichen Bäder nnd zwar Lnst- nnd Gesundbädcr, so zu Pola, zu Tüffcr in der Steiermark, zu Dcrnovo (tVevlo- ällnum)') und gewiß auch zn Emona nnd in andern Städten. Bei all dem trieb der größte Theil der Bewohner den Acker¬ bau mit Vorliebe nnd wohnte in den Höhen der Alpen unbesiegtes Volk genug, das sich auf die Unzulänglichkeit seiner Sitze verließ, denn der praktische Römer hatte nur dort Straßen angelegt, wo es ihm für den Moment nutzbringend erschienen war. So kam es, daß den Römern plötzlich in diesen Gegenden ein gewaltiger Krieg entstand und cs beginnt hiemit eine neue Epoche. Nrain unter -en Nachfolgern -es Cäsar Äugustus. Der Stolz und die Verschwendung der wcltherrschenden Römer lasteten schwer ans den Cingebornen. Sie mußten frohnden bei Herstellung nnd Unterhaltung der prächtigen Straßen, bei Erbauung ') Oberamtsdirector Eosta Mitth. 1846 (p. io) und Leinmüller Mitth. 1862 (?. 36 f ), beide mit Abbildungen. 69 der Tempel und Paläste, von ihrem Schmeiße nährten sich die glück¬ lichen Sieger'). Was Wunder, wenn die Völker die erste Gelegen¬ heit mit Begierde ergriffen, ihre kaum verlorne Unabhängigkeit wieder zn erlangen, und sich von der gar jungen nnd schon so kostspieligen Herrschaft Rom'S frei zn machen? Es war im Jahre 6 n. Eh., Pannonien und Noricum waren noch nicht ganz besiegt, als sich das erstere Land nnd Dalmatien gerade zur Zeit als der gefürch¬ tete Markomannen- und Qnadcnführcr Marbod von Tibcrins bczwnugcn werden sollte, unter der Leitung der zwei Ba tonen und des Pin es gegen die Römer empörten -st. Ein Theil der Empörer zog die Bewohner des heutigen Kram an sich, drang über Nanportns nnd Tergeste nach Italien; Emona zwar erst im Werden begriffen nnd doch fest gegen kunstlose Tapfer¬ keit, zudem ein Lager, konnte nicht in die Unternehmung gezogen werden Durch das Anrückcn der 800.000 Mann starken Illyrier wurde selbst der unerschütterliche August (der nahe am Ende seiner Tage stand) in Furcht gesetzt nnd Rom bot alle seine Kräfte gegen diese Gefahr anf^). Endlich schlug Tiberius die Feinde, der Anfüh¬ rer Bato ergab sich auf Treue nnd Glauben, Pines wurde gefangen. Das Unglück der Führer ward zum Unglücke für die geschlagenen Völker; die Römer eroberten sofort das ganze Land an der Save und Drave nnd dehnten dann nm so leichter ihre Herr¬ schaft bis an die Donan ans. Die kühnen Thaten jener überwun¬ denen Jllyrierhänptlinge — sagt Vodnik — wenn sic auch Beweise der ehemaligen Tapferkeit dieser Völker sind, waren doch nur die letzten Anstrengungen vor einer gänzlichen Erschlaffung ^). Das niedergekämpfte Pannonien wurde unter den Befehl des Innins Bläsns gestellt, unter dem gLegionen, die Vili., IX. und XV. im Sommerlager zn Emona standen. Unter diesen brach nun ein Auf¬ ruhr ans (im 1.15 n. CH.), dcßen Ursache nnd Fortgang Tacitu? °) folgendermaßen schildert: Durch die verheerenden Kriege der letzten ') Richter. Geschichte der Stadt Laibach. — Klun's Archiv 2. 3., p. 155. st VeUeZus Pateroulu8 III. 8uvton in Liberin. st Richter I. o. p. 156. st 8extus Kufa« 8pit. o. 10. st p. 11. st Xnnrel. lid. I. 70 Jahre waren bei der Erbitterung der beiden streitenden Parlhcieu die Mundvorrüthe theils nusgezehrt, theils vernichtet und die Aeckcr verwüstet worden, also daß am Röthigen ein augenblicklicher Mangel eingetretcn war. Die Einwohner durften durch Bedrückung nicht aufs äußerste gereizt werden. Die Soldaten, welche während des Krieges vollauf gehabt hatten, sollten sich nun mit ihrer schmalen Löhnung von 10 Aßes täglich begnügen, dazn mußten sie noch auf dem ungesunden Moraste und an stellen Höhen den Boden urbar machen, so kam cs, daß sic sich empörten, sich in eine Legion vereinigten und den Legaten zwangen, seinen eigenen Sohn nm Abhilfe nach Rom zu senden. Einige Manipcln, die sich gerade in Nanportus befanden, zerrißen, als sic von dein Anfstande der Kameraden horten, ihre Fahnen, plünderten Ranportns und die umliegenden Dörfer und zogen nach Emona. Hier tobte der Aufruhr fort, bis daß eben eiue Mondesfinsterniß cintrat, die den verbrecherischen Soldaten Furcht einjaglc. Wegen dieser Empörung — glaubt Linhart — war cs, daß Vibius, der Proviautmeistcr der XV. Legion, den wir aus einem Denkmale am Laibacherfeldc kennen, der Ceres ein öffentliches Gelübde that, nm die Legionen zu trösten- Auf Kaiser Caligula folgt iu der Reihe der röm. Imperatoren Claudius und auf diesen Nero. Auch ans den Gebrechen in der Regierung dieser beiden zog Illyrien seine Vortheilc- Den Quadeukönig Banins, der jenseits der Donau über einheimische Unruhen klagte und wider die Hermunduren, Sueven und Lygier um Hilfe bat, nahm Claudius mit den Seinigcn in Pannonien auf; Sabaria in den Wüsteneien der Bojer und Sicum in Liburnicn bevölkerte er; Olaudia Lmana, Olsudiu Oelosu und ttowina Olauäla tragen sogar seinen Namen. Selbst die Nichtduldnng der Christen, die schon Claudius aus Rom jagte und Nero in sprichwörtlich gewordener Unmcnschlichkeit verfolgte, zogen die unmittelbare Folge nach sich, daß manche tüchtige Bürger vor den Verfolgungen fliehend, sich an der Grenze Italiens niederließen, wo sie theils unerkannt, theils nur kleinen Tyrannen ausgesetzt leben konnten. So neunen die Jahrbücher der Christen schon iu dieser Zeit Missiouarien in Agnileja. Es scheint, daß damals iu diesen h x. 342. 71 Gegenden, zumal nm Emona, nnangefochtene Ruhe herrschte. Daher zog Nero bei Gelegenheit eines Krieges im Morgenlande die XV. Legion, die nm Emona lag ans Pannonien und schickte sie mit einer auserlesenen illyrischen Mannschaft nach Syrien '). — Nero starb, mit ihm das cäsarischc Hans. Es war nnn das erstemal, das Pannonien blutete, nm zn entscheiden, wer in Rom herrschen soll. Galba wurde in Spanien, Otto in Rom, Vitellins in Deutschland gewählt. Die dalmatinischen, musischen und pannonischen Legionen schwuren anfangs dem Otto; aber Otto stürzte sich -- wie bekannt — in sein Schwert. Inzwischen war im Oriente Flavins Vespasianns von dem Heere, dem er Vorstand, znm Purpur gerufen und von Dalmatiern, Mösiern, Pannonicrn, Norikern, selbst von Jazygcn und Snevcn zu seinem Ziele geführt. In diesem Kriege thaten die Illyrier das meiste. Vitellins hatte sich kaum erst den Freuden des Hoflebcns überlasen, als der Vorsteher des pannonischen Heeres, Antonius, nachdem er die jazy- gische Reiterei in Pannonien und die norische Mannschaft am Enns- fluße zur Vertheidigung der Grenzartc zurückgclasnm, von petavium, dem Winterquartiere der XIII. Legion, mit seinen Pannoniern anfbrach, mit Mösiern und Dalmatinern vereint über die julischen Alpen in Italien cinfiel, Aquileja, Opiterginm, Altinnm, Patavinm Vicenza und Verona, nebst kleinern ital. Orten zur Uebcrgabe theils geneigt fand, theils zwingen mußte und endlich nach einigen blutigen Schlachten — da inzwischen auch die mit Pannvnicru und Dalma¬ tinern bemannte in Ravenna stationirte Flotte von Vitellins abgefallcn war — dem noch im Morgenlande abwesenden Vespasian über die Leichen der Vitellianer und des Vitellins selbst, den Weg znm Kaiserthrone bahnte (69 n. Eh.) ")- Die Illyrier, die ihm znm Purpur verhalfen, berenten es nicht. Er war ein gerechter, einsichtsvoller Fürst. Unter ihm genoß Krain nnangefochtene Ruhe — Vlavm Solvis und k'Iavium Xevioüunum führten sein Andenken in unfern Gegenden fort. y Tacit. Anm. XV. ') Linh. I. e. p. 349 ff. 72 Sein Sohn Titus übertraf ihn an Güte, aber sein zweiter Sohn Domitian verdarb alles wieder. Er unternahm cs, wider die Daten, Sarmaten, Quade» und Markomaucn zu kriegen, Niederlage folgte auf Niederlage. Seinen Heerführer Appins Sabinns schlugen die Dakeu und kaum war sein zweites Heer von den Sarmaten an Mostens Grenzen geschlagen, als schon Cornclins Fnscns, Befehlshaber der prätorischeu Cohorten, von dem Dakenkonige Decebal übermannt wurde, Domitian selbst, von Markomannen und Quade» i» Pannonien geschlagen, die Flucht »ahm, nm Friede» bat uiid ih» schimpflich erkaufte. Culturgcschichtr dieses Zeitraums. Vor allem war es der Eiseuba», der i» diesem Zeitraum in Krain immer mehr betrieben wurde; der Handel mit Eisen, norischen Schwertern und ander» Erzcugnißen ans diese»! Metalle stieg immer mehr und nahm seinen Zug zugleich nach den Seestädten. Wir haben in unserm romantischen Oberlande — i» der Wvchein — die Spuren eines befestigten römischen Eisenwerkes Am Eingänge in die Wochcin, wo die bisher so enge Spalte sich erweitert, steht der Ort Vitugs 1640' über dem Meere. Von hier ans führt ein Weg über den Gebirgsrücken der Rndenca, der das Kesselthal in zwei Verzweigungen theilt, nördlich nach dem Orte Jereka; dieser Uebergang heißt Babnagora?), er wird gleichsam beherrscht von einer etwas höher in den steilen Felsen gelegenen Höhle, zu der mau kletternd gelangt, deren Zugang also ungemein leicht zu verthcidigeu ist. Sie besteht ans einer geränmigern und offener« Vorgrotte, welche allenfalls 50 Menschen faßen könnte, eine Seitenspalte ist wie zum Abziehen des Rauches von angemachtem Fencr von der Natur selbst vorbereitet worden, eine runde Verengung verbindet diese Vorhalle thürähnlich mit einem inncrn kleinern Raume, in welchem kaum ein Dutzend Menschen Platz hätte. Das Ganze sieht wie von selbst znm ') Werg!, den ausführlichen von einer Abbildung begleiteten Aufsatz A. v. Morlot in dem Iahrb. der k. k. geolog. Reichsanstalt 1850, I>. IV9 ff. 2) 8»dlr — altes Weib; Kora — Berg. 73 Wohnen eingerichtet ans, und cs innsi noch bewohnt worden sein, da inan im Grunde der Borgrotte ziemlich viele römische Münzen nebst Fragmenten von Thongefästen nnd auch Knochen gefunden hat. Südlich von vit^'s erhebt sich ein 260' hoher steiler aber abgerundeter Kalkhügel, der durch einen etwas niedrigeren Sattel mit denn weiter südlich ansteigenden Gebirge in Verbindung steht. Den nördlichen nnd östlichen Absturz des Hügels bilden schroffe mit Gestripp bewachsene Felsen, welche ziemlich nnersteiglich sind, nach Süden nnd Westen ist der Abfall weniger steil, doch noch immer genug, nm eine Vertheidignng ans dieser Seite zn begünstigen. Einen schönem Punkt zur Anlage eines festen Lagers gibt es wol in der ganzen Wochein nicht, zudem beherrscbt er ihren Eingang nnd hat die freie Aussicht thalanfwürts- Der obere Theil ist eingefaßt durch einen ununterbrochenen Wall oder eigentlich eine Maner. Sic ist fast ganz abgetragen und meist mit Rasen überwachsen doch überall deutlich hervortrctend, an manchen Stellen sicht nach Mauerwcrk heraus, ans der iunern Seite bedeckt sie das hier natürlich mehr angchänfte Erdreich, welches etwa 3—4' mächtig liegt; nach oben zn wird der Hügel kahler nnd die Dammcrde liegt nur in den Vertiefungen des Bodens mächtiger. Die Maner ist beiläufig 2'/^' dick nnd besteht ans nur wenig zngchanenen Kalksteinen nebst einigen besonders für ihre Winkel bester bearbeiteten Sandsteinblöckcn, sie ist also im Ganzen etwas roh, obschon fest. Der verwendete Sandstein ist Müllaste, er findet sich (anstehend) eine kleine Viertelstunde weiter gegen Südwesten im Bett des von Ravne hernnterflicstenden Wildbaches, doch wird er noch gegenwärtig (1850) zn Gcstellstcinen für das Eisenwerk Feistriz gebrochen. Die Maner hat zu einem Punkte der Westseite eine Unterbrechung, die vor andern darin befindlichen als Eingang gelten mag. Spuren eines den Hügel hinanfführenden Weges glaubt man an der Westseite nnd auch im südöstlichen Winkel zu bemerken; doch ist diest nicht ganz sicher. Die Anlage der Uinfastnngsmaner ist deutlich viereckig, so sehr, als es der Charakter der Oberfläche znliest. Die größte Länge des durch die Ringmauer eingefaßten Raumes beträgt 74 Klafter, die Breite 44; die Anlage nach den Wcltgegenden oricntirt, beweist wie aufmerksam nnd systematisch das Ganze com- binirt war. An der iunern Seite der Maner sieht man stationen- weisc länglich-viereckige deutlich geebnete Plähe. Die meisten sind 10 74 ziemlich genau gleich groß, nämlich 6 Klafter lang und 2 breit. Am südwestlichen Winkel steht man eine sonderbare Verdopplung der Maner als Vorsprung, der Raum dazwischen ist «' breit, könnte also allenfalls einen verdeckten Eingang bezeichnen. Sonst findet man im Innern des umschloßenen Raumes wenig Spnren von noch stehenden Manertheileu, mau bemerkt nur regelmäßig 4 viereckige, geebnete Plätze, wo offenbar Gebäude gestanden haben- Innerhalb des größeren dieser Vierecke sieht man ein kleineres etwas heranstretend- Außerhalb der Mauer au der SüdoMte ist eine Schlackeuhalde, die zwar au ihrer äußern Form wenig kenntlich ist, die aber beim Ansgraben sich deutlich als eine solche erwies; innerhalb (au der Ostseitc des jetzt angelegten Gartens) befand sich die Schutthalde, denn man grub an dieser Stelle Crzsiücke, Knochen von Hansthiercn, wie Rind, Pferd, Schaf, Schwein, daun Scherben von verschiedenen irdenen Gefäßen — alles dieß vermengt mit Erdreich. Was die auf dem Hügel gefun¬ denen Gegenstände betrifft, so rühren alle bisher eingesammeltcn und untersuchten Hüttenpcoductc von der Schlackenhalde her, die sehr ergiebig war. Nebst eisernen Waffcnresten und Schmuckgegeustäudeu ans Metall und Glas, sand man hier auch zu verschiedenen Zeiten römische Münzen von Augustus au bis Eonstaus (und Gratiau) — Warans sich die äußersten Zeitbestimmungen 27 v. Eh-—14 n. CH. und 333—350 n. Eh. (und vielleicht 375—383 n. CH.) ergeben. Nach dieser Feststellung muß in der Mitte des IV. Jahr¬ hunderts unserer Zeitrechnung, oder wenn cs mit dem Funde des Gratiau seine Richtigkeit hat, allenfalls erst in der 2teu Hälfte des IV. Jahrhunderts diese Eiseuschmelzstätte von den Römern verlaßen worden sein; wann sie angelegt worden und wie lauge sie im Betriebe stand, läßt sich aber daraus nicht bestimmen. Ans dem Vorkommen der Münzen in der vorne erwähnten Höhle, welche gewiß von den Römern nicht bewohnt worden, läßt sich vermnthcu, daß wir cs hier mit einem versteckten Raube zu thun haben, vielleicht wurde zur bezeichneten Zeit das römische Eisenwerk überfallen, ge¬ plündert und zerstört, und daß nachher die Höhle (Vorgrotte) einigen der wilden Räuber zum Aufenthalt diente. Wäre die Schmelz frei¬ willig verlaßen worden, so Hütte man kaum den für die damalige Zeit gar nicht werthlosen Schmuck darin gefunden, und wäre sie 75 nicht mich zugleich gewaltsmn zerstört worden, wahrscheinlich durch Feuer, wobei die Gebäude znsammenstürzten, so wäre weder Schmuck noch brauchbares Eisen lange darin liegen geblieben. Daß der Punkt übrigens nicht ganz unwichtig war, beweist seine treffliche verschanzte Anlage. Den Punkt neunen die Landlente Kraclea — Schloß, Veste auch wol ssüovd'ki xrsüeo, das heißt soviel als Heidenschloß. Wenden wir uns nach diesen historischen Erörterungen zu den hüttenmännischen Betrachtungen, welche sich über den Gegenstand austellen laßen, so finden wir vor allen Dingen die Lage des Werkes recht schön, mitten in dem erzführenden Gebirge, welches bei seiner Steilheit den Transport des Schmelzmaterials mit Mauleseln noch wahrscheinlicher macht, als mit Pferden. Auch die alten Bane auf- znfinden, ans welchen die Römer ihr Erz zogen, ist wenig Aussicht vorhanden, da cs die Natur des Gebirges mit sich bringt, daß man selbst heute noch ohne Stollen und Strecken baut, und nur den Erz¬ klüften im Lehm nachgeht. Was die Schmelzmethodc betrifft, so geht ans den beschriebenen Umständen hervor, daß die Römer in eigentlichen, sorgfältig gebauten Oefen arbeiteten, und zwar wesentlich nach der¬ selben, unter gewißen Verhältnissen gar nicht unvortheilhaften Methode, welche noch jetzt in einem kleinen Theile von Italien, ans Corsika und im südlichen Frankreich gebräuchlich ist, nämlich in Luppenfencrn nach vorläufiger Rednction der Erze in demselben Feuer (merkoNs eatslsno), was Iwthwcndig die Anwendung von Blasbälgen Voraus¬ sicht, welche, wie schon angedentet, durch Menschenhand, vielleicht durch Treten in Bewegung gesetzt wurden- Ein Vergleich der von den Römern erlangten Resultate mit denjenigen der gegenwärtig in der Wochein befolgten Methode läßt sich aus den Schlacken allein nicht ziehen, da die relativen Mengen der letztem nicht bekannt sind. Daß das erzeugte Eisen gut war, geht ans der Untersuchung der gefundenen Stücke hervor. Man kann zwar nicht annehmen daß die Römer gar kein Eisen mitgcbracht hätten und es dürfte also leicht unter dem cmfgcfnndenen solches sein, welches, sowie die Schmuck- fachen z. B- von anderswo hergckommcn wäre, allein bei allen untersuchten Stücken, dieses anznnehmen ist doch zu unwahrscheinlich. Dazu kommt noch, daß die Sorgfalt in der ganzen Anlage zur Bermnthnng führt, die Römer hätten hier nicht nur das bloße Roh- 76 prodnct erzeugt, sondern es auch an Ort nnd Stelle zn verschiedenen Geräthschaften verarbeitet, daß also der Punkt eine Schmelze mit Hammerwerk oder, wenn man will, mit Schmiede gewesen sei, da mit der Hand ohne Beihilfe des Wassers (der hohen Lage wegen) gestreckt wurde. In diesem Falle wird denn wohl die Hauptwerk statte in dem südöstlichen Winkel der Verschanzung gelegen nnd die sonderbare vorspringende Manerverdopplnng, welche als bloßes Ver- theidignngswerk keinen Sinn hätte, damit in Verbindung gestanden sein. Die Lage der beschriebenen Schlackcnhalde bestätigt dieß, da man aber auch nn übrigen verschanzten Raume Schlacken zerstreut findet, so dürfte es mehrere Schmclzheerde an verschiedenen Stellen gegeben haben. Da sich unter den gefundenen Eisenstücken doch mehr Stich- und Schneidewerkzeuge finden, nnd namentlich die Wnrfspießspihen sich ähnlich sehen nnd keine eigentliche Lanzenspihc dabei ist, so gewinnt die Vermuthnng an Wahrscheinlichkeit, daß man es mit an Ort nnd Stelle verfertigten Gegenständen zu thnn habe, sie lagen vielleicht noch nngeschärft in einem Winkel, als das Werk zerstört wurde; manche der übrigen Stücke dürfen leicht zum Beschlag von Blasvorrichtnngen gehört haben. Daß an einem so abgelegenen und einsamen Orte keine feinern Arbeiten angeführt wurden, läßt sich wol erwarten, Waffen und die gewöhnlichen Schneidwerkzeuge werden wol allein ans diesem römischen Werke hervorgegangen sein. Vor den Beginn dieses Werkes seht Herr von Morlot H Eisenwerke in der Gegend von Radmannsdorf; er sagt: In Kram breiteten sich znverläßig die Römer von ihrer Hauptstadt Emona dem schönen Savethale nach aufwärts ans, nnd mochten wol erst am Westabhangc der ,I«I»vea (etwa in der Gegend von Radmannsdorf) Eisenwerke ans die hänfigen nnd ans dem kahlen Kalkboden so leicht kenntlichen Bvhncrze errichtet haben, ehe sie die vorgeschobene Station in der Wachem gründeten, deren Anfang nnd Dauer wir (wie gesagt) nicht kennen, deren Ende aber, wie gezeigt, in die Mitte oder spätestens in die zweite Hälfte des IV. Jahrh. n. CH. fallen muß. Die Zeit der Völkerwanderung brachte dann einen langen todtcnähnlichen Schlummer der Cnltnr herbei, den die Einfälle der Avaren, nnd später der Türken noch verlängerten. ') I. e. p. 21l. 77 In den durch ihre nnzngünglichere Lage geschützteren Gegenden in der nördlicheren Steiermark nnd in Kärnten hob sich der Bergbau unter dem wolthüthigen Einflüße des Rordmestens, von dem ans die Cultnr in der nenern Zeit wieder nach Süden znrückwirkt, schon früh im Mittelalter, während die Eisenindustrie in Kram erst in Eisnern nnd Kropp und dann auch, etwas später ^) in der Wochein und bei Jauerbnrg durch Vermittlung von politisch-flüchtigen Italienern wiedererstanden ist —! So blieben denn auf lange hin Horazens Worte wahr: guss ueguö lVoiiou« veterret ensis, neo msre nsukrsKum. Oti. I. 16. und: Volks moäo sltis äesiliro tnrribu« Xloäo en s o pevtns iXorioo reelurlere. Lpoä. »ä. 13. Dieser Handel mit dem norischen Eisen nnd mit den in einer früheren Abtheilnng erwähnten Landesprodncten hob den Wohlstand in unser» Gegenden nnd es entfaltete sich ein reges Leben in den von den Beherrschern zumeist zur Verteidigung des Eroberten ans- geführten festen Städten nnd Plätzen. Die Verbindung zwischen diesen unterhielten die breiten wol- angelegten Heerstraßen, an denen msnsiones nnd mutsti onos die Stelle heutiger Posten vertraten nnd voluinnse millisriso die Ent¬ fernungen bezeichneten. Ueberbleibsel alter fester Plätze findet man bei uns in Kram folgende: Linons (Laibach), Xsuportus (bei Oberlaibach), 8tstio ln XIpo 3nlis (bei Hensies), Dsstrs oder 8tstio sä t'rixiäuin (bei Heidenschaft), 8tstio in monto Xxlrsnto (bei Trojana), tVevioäunnm (bei Gnrkfeld), Vrsotorium Lstobioorum (bei Treffen), Veipo (bei Laas) u. a. Herr Dechant Hitzinger hat gestützt auf die Forschungen des gelehrten Kandler die Anlage dieser Römerbauten einer genauer» Untersuchung gewürdigt nnd ist zu dem Schlüße gekommen, daß die Römer auch hier — wie überall — die Biereckform cingehaltcn haben. ') Bergt. Culturgeschlchte des XVI. Jahrhunderts. 78 Hihinger legte das Resultat seiner dießfälligeu Arbeiten in den Mittheilungcn des historischen Vereins ') nieder, und wir heben das über Emona (Laibach) gesagte zum Beweise des ausgesprochenen Satzes heraus. „Die wichtigste Stadt, schreibt Hitzingcr, in den Gegenden Krains war zur Römerzeit unstreitig demonu. Diese Stadt schreibt ihren Ursprung aus der grauen Vorzeit her, indem sie die twu Abholung des goldenen Vließes rückkehrenden Argonauten unter Jason's An¬ führung zu Gründern haben will; doch mochte die allerältestc Stadt nicht dort gestanden sein, wo später die Römer ihre Colouie aulegtcu; sondern sic dürfte näher am Flusse, etwa an der Stelle der heutigen Krakau, ihren Plah gehabt haben, wie cs bereits Valvasor ver- umthete, welcher daselbst auch sehr alte Mauerreste gefunden haben wollte, vr. Kandier sucht die ältere pauuouische Stadt am rechten Flußufcr, wo die heutige Stadt steht. Die römische Cvlouialstadt .Lomong, nahm dagegen am linken Ufer des Laibachflußes die Stelle der heutigen Gradische-Vorstadt ein, woselbst die Umsangsmauer der einstigen römischen Niederlassung noch grvßentheils kennbar ist, inner¬ halb welcher auch die meisten Juschriftsteiue gefunden worden sind; ihr Beginn schreibt sich vom Kaiser August her. Die römische Colouialstadt Lomong bildete ein längliches Viereck, iu der Richtung von Südwcst nach Nordost. Die längere Seite maß 320 römische Schritte oder 270 Wr. Klafter; die kürzere Seite enthielt 240 Schritte oder 210 Wr. Klafter. Diese Fläche ist echt römisch geformt und ans 1260 Colonistcn berechnet, wie es der gelehrte Geschichtsforscher ür. Kan dl er darthnt. Derselbe nmthmaßt auch, daß die Anlage von zwei parallel laufenden Straßen, sowohl in der Länge als in der Quere, durchschnitten wurde. Von diesen fällt die eine Hauptlinie in der Richtung nach Norden, der sogenannte Vardo maximu», gerade mit der ober» Gradische-Straßc und der Wiener Linie zusammen; die andere Hauptstraße in der Richtung gegen Qstcn, der sogenannte vecmmainis maximu«, trifft grvßentheils mit der Triester Straße in Eines; mit derselben hat auch der noch vorhandene Canal, welcher von Einigen für eine Wasserleitung, von Anderen — auch von l)r. Kandier — für einen Abzugsgraben angesehen wird, die gleiche Lage. Durch die bezeichneten Haupt- h 1861, x. 46. f. (mit Abbildung in Farbendruck). 79 straßen stellten sich im Innern der Stadt sechs große Häuser-Inseln her, welche wieder durch kleinere Gasse» nntergctheilt waren. Das Fornm oder der Hanptplatz der Stadt befand sich, nach vr. Kand ler's Verlnnthnng, im nördlichen Stadttheile, vielleicht an der Stelle, wo nach Valvasor ein Tempel des Neptun gefunden wurde, d. i. rück¬ wärts des Sennig'schen Hauses- Das Capitolinm dürfte an der äußersten Ecke gegen Nordost gestanden sein; eben daselbst rückwärts vom Bnrggebände fand sich nach Valvasor auch eine größere Baute. Für andere Gebäude, als Theater, Tempel, finden sich keine Anhalts¬ punkte, da die Fundorte von Jnschriftsteinen und Manerresten viel zu wenig im Andenken behalten wurden. Die Umfangsmaner der römischen Colonialstadt war an sich mächtig und fest; dazu war sie durch viele Thürme verstärkt, wie sich solche am deutschen Gründe in den Mauerresten noch ziemlich deutlich erkennen lassen. Den vier Hauptstraßen in der Länge nnd in der Qnerc entsprechen», hatte die Stadt acht Hanptthore; der Stand des einen derselben läßt sich am deutschen Gründe in der Nähe der südöstlichen Manerecke noch erkennen. Das von der Umfangsmaucr bezeichnete Viereck war nicht der einzige Banplah; die Stabt erwei¬ terte sich znm Thcilc in der Breite au der Ostscite gegen nnd über den Flnß, wo die ältere pannvnische Stadt umgcbant wurde; noch mehr, nm das Doppelte in der Länge gegen Norden, was nach vr. Kandler zur Zeit Hadrian's und der Antonine geschehen sein mochte. In diesem neuen Stadttheile fand sich bisher ein Mosaik- bodeu an der südöstlichen Ecke der Sternallee, die broncene und vergoldete Statue eines verdienten Senators oder Stadtrathes an der Stelle des Casino-Gebäudes nnd der Wasserbehälter eines Bad¬ hauses an der Seite des Gasthauses „znm Elefanten". Auf dem gegenwärtigen Schloßbergc muß zur Römerzeit auch ein festes Kastell gestanden sein, welches eine sehr gute Warte zur Beobachtung feindlicher Anzüge und zur Mittheilung an andere Kastelle nnd Warten bildete. Eine gefundene Inschrift nnd viele Münzen bestätigen die angezeigte Vermnthnng des vr. Kandler. Die Grabstätten der Colonie befanden sich außerhalb der Stadt längs der Hauptstraßen; die »leisten Grabreste wurden längs der Wiener Linie entdeckt h Wergl. den archäologischen Anhang: Laibach. 80 I» solch einer Stadt mußte aber auch die Bildung der Ein- geborncn vorwärts schreiten und man findet, daß den Bewohnern unserer Gegenden schon zu dieser Zeit römische Sprache nnd Literatur vor Allem aber die römische Kriegswißenschaft bekannt gewesen *). Den wirksamsten Einfluß in die Bildung nnd Kenntniße der Einwohner hatte aber das Ehristenthnm. Frühzeitig wurde das heutige Gebiet von Triest, Görz nnd Krain mit demselben vertraut nnd die christlichen Gemeinden standen unter mehreren Bischöfen, welche zu Aquileja, Tcrgcste, Celeja, Petovinm, Ti- bnrnia, Siscia u. s. fi ihre Sitze hatten. Bei der vorerwähnten Beschaffenheit der Stadt Emona und bei deren nahen Verbindung mit Aguileja konnte es nicht ansbleiben, daß die Kunde des Ehristenthnms sich frühzeitig dahin verbreitete und Emona konnte wohl auch eine von jenen Städten gewesen sein, wohin der hl. Hermagoras, ein Schüler des hl. Markus nnd erster Bischof von Aquileja nach dem Zeugniße alter Acten, Priester nnd Dincone zur Verbreitung des Evangeliums absendete ^). Von Trojan vis Constantin. Erst dem Kaiser Trajan war die Rache an Dccebal Vorbe¬ halten. Er gicng mit einem Kriegshecre nach Dacien, verfolgte ihn bis in seine Burg nnd schenkte ihm nach einem glänzenden Siege den Frieden. Allein kaum war Trajan wcggezogcn, so machte Decebal wieder Miene zur Empörung. Da bot der Imperator alle Mittel ans; der Feldzug wurde erneuert, Decebal geschlagen, sein Land erobert, in Pflicht genommen, mit neuen Einwohnern bepflanzt und hieß von nun an das trajanische Dacien. Daß Krain die sieghaften Heere Trajans im Durchzüge aus Italien nach Dacien nnd aus Dacien nach Italien sah, erklärt sich durch die Länderlage von selbst. Vielleicht waren diese Reisen des Herrschers die nächsten Anläße zur Verbeßcrnng der pannonischen p Vodnik, I. e. x. 11. Ssnotoi'um e«I. vollkiul. in. ^ulia il. 12. Anhang Nllchm M urchälllllgisihrn Nrte.*) Wieser Anhang, welcher als Erläuterung zur beigegebenen Karte dient, enthält in alphabetischer Folge: 1.) die Fundorte römischer Alterthümer, 2.) die römischen Straßenzügc und 3.) die ältesten Kirchen (und Pfarren) Krain's- Meine Quellen sind fast durchwegs gedruckte und finden sich dieselben im Texte genau citirt; daß nicht auch die Schlößer und Schloßruiuen ausgenommen werden konnten, bedauere ich wohl sehr, doch es lag mir in dieser Richtung so gut wie gar nichts gedrucktes vor — eigene Betrachtung und Unter¬ suchung des noch Vorhandenen aber konnte ans Gründen, die ich nicht erst zn erörtern brauche, nicht Statt finden. Hat unser Land dereinst einen Landesarchüologe», (oder wie sein Name immer sein mag), der non Ort zn Ort wandert und alb das Merkwürdige anfzeichnet, copirt, sammelt n. s- w. thätig ist, wie es in der benachbarten Steiermark bereits durch einige Jahre dec Fall war, dann wird auch diesem und so manchem andern Uebel- staiide abgcholfen sein. Es wird sich daun auch bei uns dieselbe Erscheinung zeigen, die dem Archäologen Steiermark's immer überraschender entgegentrat, daß nämlich das Land nach einen ganz beträchtlichen Hort von altcrthümlichen (besonders mittelalterlichen) Denkmalen, Einige dieser Notizen konnten, weil nach Beginn des Druckes der Karte aufgefunden, nicht in dieselbe bemerkt werden. 1 II Kunstwerken, des gewöhnlichen Lebens, Waffen nsm. nsw. verbargen halte, die nur des entgegenkommenden Forschers bedürfen, nm sofort, wissenschaftlich benrthcilt nnd geordnet, ein vollständiges klares Bild Krain's in jenen Zeiten zu bieten. Abkürzungen: Arch. f. K. ö. G. Q. — Archiv sür Kunde österreichischer Geschichtsqnellcn. Bl- a. Kr- ---- Blätter aus Kram, (Beilage zur Laibacher Zeitung). Oat. d v. 0. — OatotoKU« Oieri ViüvLsi« Oabuoeusi« (1858). I. Kr. Juuerkrain. Jahrb. d. C. C- f. E. n. E- d. B. Jahrbuch der Central- eouunissiou für Erforschung und Erhaltung der Bau¬ denkmale. Jahrb. d. k. k. g. R. A. — Jahrbuch der kaiserl. köuigl- geo¬ logischen Reichsanstalt. K. --- Kirche. Laib. W. Bl. m Laibacher Wochenblatt. Liuh. — Anton Linhart, Versuch einer Geschichte von Krain nnd der übrigen südlichen Slaven Oesterreichs. 2 Bände. Laibach Eger 1788, 1791. Jllyr. Bl. — Jllyrisches Blatt. Mitth. d. C. E. f. E. n. E. d. B. — Btittheilungcn der Cen¬ tralcommission für Erforschung nnd Erhaltung der Bau¬ denkmale. Mitth. d. h. V. f. Kr. — Mitlheilungen des historischen Vereines für Krain. Mitih, d- h. V. f. St. — Mitthciluugcu des historischen Vereines für Steiermark. O. Kr. — Oberkrain. Sihgsb. d. k. A. d. W. z. W. (phl. h. Cl.) -- Sitzungs¬ berichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien (philosophisch-historische Classe). N. Kr. — Unterkrain. Valv. — Valvasor, Ehre des Herzogthmns Krain. v. 7--- vor. m ^strefch, U. Kr. — Römische Säulen und Meilenzeiger. (Mitih, d. h. B. f. Kr. 1851, x. 2.) Adrlssterg, I. Kr. — Römische Münzen. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1854, p. 93.) Aich, O. Kr. - K. v. 1323. (6->t. 61. v. 6.) Befestigte Pfarrkirche. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1847, p. 69.) Ainöd, u. Kr. — K. n. 1400. (Ost 61. v. 6.) Altem» arkt bei Laas, I. Kr. - K. n. 1298. (6-tt. 61. v. 6.) (Bild des hl. Christof.) Das römische Tcrp o. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1846, p.64. Nr. 90. — Jllyr. Bl. 1840 Nr. 7.) Altenmarkt, U. Kr. — K. u. 1221. (6st. 6i. v. 6.) Arch, U. Kr. — Römische Sänleu nudMeilcnzeiger, (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1851, p. 2.) — K. v- 1363. (6st. 61. v. 6.) Asp, U. Kr. — K. U. 1465. (6at. 61. v. 6.) Tastenfeld, I. Kr. — Römisches Mauerwerk, Spuren Non Befesti¬ gung. (Mitth. d. h. V. f- Kr. 1855, p. 13 f.) St. Sarthetlnü, u. Kr., beim Dorfe Grüble, (Vir Stunde non St. Barthclmü). — Ruinen eines römischen Bades. (Seidl, Chronik 1.18. — Caruiolia Jahrgang Ili-, Nr. 57, 58.) — K. V. 1248. (6st. 61. v. 6.) Silltchgrast, O. Kr. — (Röm. Mauerwerk.) Röm. Graben. (Mitth. d- h. B. f. Kr. 1856, p. 77.) Ärinovz, U. Kr. — I» der Gegend gelbliche Mergelfelsmassen, die das Materiale zu antiken Särge», gothischen Thür- und Fensterstöcke», Sculpturcn ete. lieferten. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1851, p. 26.) Ärnnndorf, (sloveuisch 8tucleno), bei Jgg. — Römische Inschriften. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1848, p. 19, und Vo-Inik's Itinorarillin ibill. p. 88.) St. ^anzmn bei Gntenwerth, U. K. — Das römische Crucinm- (tVovleo 1853, p. 414. — Mitth. d. h. V. f. Kr. 1856, p. 19 f.)— Römische Münzen. (Jllyr. Bl. 1843, Nr. 31. Plagiat eines Artikels in derselben Zeitschrift Jahrg. 1819, Nr. 38. — Mitth. d. h. B. f. Kr. 1854, p. 93.) - K. v. 1426. (6rtt. 61. v. 6.) 1 IV St. Canzian bci Auersperg, U. K. — 5t. v. 1150. (Oat. 01. v. 0.) St. Cunlgundis in der Pfarre Jauchen, O. Kr. — Befestigte Kirche, stehcu noch hohe Maucru uud Reste vou Thüriueu. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1847, w 69.) irriism, (iVevioäulium) römisches — Xluiilolplum^ gehörte zur 'I'ribus tilavla, (ein darauf bezüglicher Juschriftstein erhalten). (Liuh. I. p. 312. Amu.) Sein Standort scheint am rechten Saveufer zwischen Tschatesch nnd Mokriz südlich von der Mündung des Gurkflußes gewesen zu sein. (Arch. f. K. ö. G. Q. — „Cnstos Seidl Beiträge zur Chronik archäolog. Funde" IX. p. 138). — Seit Jahrhunderten sand man hier zahlreiche römische Alterthümer vorzüglich Münzen bci Aufackeruug des Bodens oder bci Aus¬ grabung des alten Baumaterials. Die bisherigen Aus¬ grabungen lieferten Münzen. (Mitth. d. h- B. f. Kr. 1856, p. 28. Nr. 35; 1857, p. 73, Nr. I.XXXII.) — Juschriftsteine- (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1857, p. 128. Voünilr - Album p. 16 7 — einer mit den Worten: Inviotn vso Oliarto, vergl. darüber Artikel: Vlclvm). — Qnaderstücke, Wasserleitnngsröhrcn, Ziegel, Dachplatten (gleich der zu Baden bei Wien ge- fundcnens. (Arch. f. K. ö. G. Q. IX. p. 91 ff — 138.) — Fundament eines Gebäudes. (Sitzgsb. d. k. A. d. W. z. W. (pH. h. Cl.s 1851. VI. Hst. 2 u. 3 p. 205.) — Größere Ausgrabungen fanden statt 1846 (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1846,'Nr. 3. — Jllyr. Bl. 1846, Nr. 18) - 1858. (Mitth. d/ h. B. f. Kr. 1858, p. 48 ff.) -— 1859, bei welch letzterer eine große Anzahl Münzen, dann Gebäudercste, Marmorplatteu, S chmnckgeg enständc von Glas und Brouce ». s. w. anfgefuudeu wurden; die erwähnten Marmorplatten scheinen dein Hrn- Berichterstatter (Ing.- Assistenten Leinmüller) ein Beleg dafür zu sein, daß die Ruinen bci Dcrnovo, Reste von Gebäuden einer Sradt oder Ansiedlung sind, die ans den Trümmern einer geschmückteren luxuriöseren Vorgängerin erstand, nnd daß wir es sohin mit der zweiten Epoche dieses Wohn¬ platzes zu thnu haben. (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1860, P- 26. ff.) Dieser Ort wird von denjenigen, welche die Celten als Ureinwohner Krain's ansehen, wegen des Namens tVövioclllnum kalt, nerv — neu lind «tun — Burg, und wegen mancher Broncefunde, die man hier machte, znm Beweise snr ihre Ansicht anfgeführt. (Mitth. d. h. N. f. Kr. 1858, I. e. 1860 I. v. — Berg!, sonst noch Linh. 1. p. 312. — Valv. Buch V p. 259. Deutsch. Ordens-Csmmenda St. Peter bei Stein, O. Kr. — K. v. 1313. (Oat. 6t. v. 6.) Döffernik, U. Kr. — Deutliche Spur einer Römcrstraße. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1851, p. 26.) Dotrrnschka väs, (Dorf.) U. Kr. — Deutliche Spur einer Römerstraße. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1851, p. 26.) Dornegg, I. Kr. — Röm. Mauerreste. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1855. p. 13 f.) — K. v. 1431. (6->t. 61. v. 6.) Draule bei Laibach, O. Kr. — Römische Lampen, Schmuck- und Toilettegegenstände. (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1854, p. 29.) Dvor bei Laibach, O. Kr. — K., gothischer Ban ans dem XVI. Jahrh., romanischer Plafond, romanische Koppelfenster — das Portal mit reicher Verzierung — Symbolik — über dasselbe schrieb Custos A. Jello lisch ek in den Mitth. d. h. B. f. Kr. 1848, p. 73. f. (s. Abbildung). — Ueber den Ban vom archäologischen Standpunkte, Prof. G- Vonbank in Bl. a. Kr. 1859, p. 119. Ehrengruben bei Lack, O. Kr. — Wallfahrtskirche, gothischer Bau, Schiff nud Presbyterium aus verschiedenen Epochen — für das Presbyterium soll das Jahr 1273 festffehen, der Bau spricht nicht dagegen, das Schiff bei weitem alter. An der Außenwand der Kirche — dem von Lack kommenden gerade entgegensetzend — der heil. Christoph, Fresco aus dem Mittelalter mit iucorrecter Zeichnung, dem seclenvollen Ausdrucke, und den mythologischen Fi¬ guren und Szenen (z. B. Neptun). (Bl.a. Kr. 1859, p. 103.) VI Feistritz in dcr Wochein, O. Kr. — Röni. Münzen. (Arch. f. K. ö. G- Q. — Cnstos Seidl Beiträge zu einer Chronik der archäol. Fnnde. VI. p. 222.) St. Georgen bei Krainbnrg, O. Kr. — K- v. 1221. (Ost. Ol. v. I>.) Gsritfchiza, O. Kr. — Filial- und Cnratkirche, ehemals befestigt, steht noch ein leckigcr Thnrm. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1847, p. 69.) Goischre, U- Kr. — K. v. 1247. (Oat. oi. v. o.) Grad«), Schloß in U. Kr. — Röm. Jnschriftstein. (Mitth. d. h. V. f- Kr. 1856, p. 48.) Grotzdorf bei Gnrkfeld, U. Kr. — Römische Sänle. (Linh. l. p. 362 Anm. k.) Grotzpudlog bei Gnrkfeld, U. Kr. — Röm. Jnschriftsteine. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1857, p. 128. — Linh. I. p. 359. Anm. d.) Grüble bei St. Barthelmü, u. Kr. — Broncegcfässe. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1854, p. 93.) Gnrkfeld, u. Kr. — Römersteine. (Laib- W. Bl. 1818, Nr. 23. — Linh. 1.435, Anhang.) — Bruchstück einer röm.Mcilensänle. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1857, p. 128.) — Röm. Kupfer¬ münzen (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1854, p. 93.) Gutenfrld, u. Kr. — K. v. 1421. (Out. 01. v. I,.) Haselbach, ll. Kr. — Relief. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1851, p. 1.) Herr Leinmüller hält cs für eine vorchristliche Shm- bolisirnng des Todes. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1857, p. 128.) Hermagor, O. Kr. — Röm. Mauerreste. (Mitth. d. h. B. s. Kr. 1855, p. 13. f.) Hönigstein, U. Kr. — K. v. 1300. (Ost. Ol. D 0.) Hrastnik bei Trojaua, O. Kr. — Pfarre St. Gotthard. Röm. In- fchriftstcin. sB. Vodnik). (Geschichte des Hcrzogthnms Krain, des Gebietes von Triest und der Grafschaft Görz, Wien k. k. Schnlbücher-Verschleiß 1820, p. 13. Anm.) Hrenovih, I. Kr. — K. v. 1318. (Ost. 01. I). 0.) Hruschha, I- Kr. — Römisch Maner (Bollwerk.) (Mitth. d. h. B- f. Kr. 1854, p. 86.) vil ^gg bei Laibach, u. K.— Vioas maxrm«. (Li nh. 6 309. Amu. X). — Röm.Jnschriftstcine, (darunter mit dem Ramen xäsrrlluta.) (Mitth. d. h. B. s. Kr. 1856, p. 24, p. 70 f. — Lin h. I- p. 428—434.) - Altarstein. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1856, p. 2, 3.) — Grabstein, (ibicl. p. 4. 5.) Jauchen, O. Kr. — K. v. 1435. (vat. 61. v. L.) St. Jodozi (Jobst) ob Billichgratz, O. Kr. — Glocke von 1354. Die Höhe der Glocke betrügt sammt der Krone 3', die Breite oben 1) nuten 2' 3". Umschrift in Uncial: ch ^nno Domini Xk6666I111 lVlaxister Viisonoins me (eoit. (Mitth. d. h. B- f- Kr. 1851, p. 44, eine Copie im Musealarchiv, Fascikel: Vodnik.) Ramo, O. Kr. — K. v. 1323. (6-rt. 61. D. D.) Kaltenbrunn bei Laibach, O. Kr. — Röm. Jnschriftsteine, (darunter urit dem Namen Dsbuio.) (Xovioe 1853, p. 58, 62. — Mitth. d. h. V- f. Kr. 1857, p. 80. — Linh. l. p. 427, Anhang.) Kasche! bei Salog, (bei Laibach), O. Kr. — An der Mündung des D)ubl)aneit Baches in die Save, rvm. Jnschriftstein. (Laib. W- Bl. 1818, Nr. 39.) Kertma, Filialkirche zur Pfarre Aich. O. Kr. — Ehemals befestigte Kirche. (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1847, p. 69.) Koschana, I. Kr. - K. v. 1247. (6at. 61. D. 6.) Kramburg, O. Kr. — Das römische Kanticum (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1856, p- 20.1859, p. 14. — Xovioo 1856, p. 26.) — Röm. Jnschriftsteine. (Linh. I. p. 436, Anhang. — Laib. W. Bl. 1818, Nr. 43. — Jllyr. Blatt 1820, Nr. 51.) — Röm-Mün¬ zen. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1854, p. 93.)—Kirche, gothi- scher Ban nm 1428, im Pfarrhofe 2 Bilder, auf Holz gemalt, Martergeschichtc der heil. Kirchenpatrone Kantins, Kantia- nns, Kantianilla (ans der Zeit der Dioclctianischcn Bcr- folgnng, die Heiligen wollten ans Aqnileja entfliehen.) (Bl. a. Kr. 1859. 152). — Pfarre v. 1226. (Ost. 61. D. 6.) H. Kreuz, U. Kr. - K. v. 1248. (6at. oi. v. 6.) Kronau, O. Kr. — K. v. 1421. (Ost. 61. v. 6.) vm MMs-orf, U-Kr. — Röm. Säulen und Mcileuzeiger. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1851, p. 2.) A.MS, I. Kr. — Auf dem Berge ^taka Silber- Uttd Kupfermünzcu, antikes Pferdegebiß u. s. w. (Mitth. d. h. V. f. Kr- 1854, p. 93.) Mik, O. Kr.—Röui. Jnschriftsteiue. (L i n h. I. p. 436, Anhang.) — Der Baustil an den Kirchen von Altlack und (Bischof-) Lack ist gothisch, in Altlack zeigen das Nheilige Schiff und das Presbyterium die ersten Anfänge der Gothik. (Prof. Von bank in den Bl. a. Kr. 1859, p. 99, ff.) K. der Ursulinerinnen in Bischoflack v. 1381. sOat. 61. D. L.) — K. in Altlack V. 1074. (Oat. 01. v. O.) Miküch, O-Kr. — Slovenisch OjuVIsruia, das römische Emona. (Xovlas 1156, p. 352,) Zusammenstellnng der Namen Lmona und 0)ubffana nnd Ableitung des ersteren ans 8a»sv. Lam lieben (Prof. Terstenjak Xoviva 1857. x. 22, 26, 30.); demnach Märe Lamuna, Lmona — — Osublsona — die Geliebte. (Vergl. Lassen in der Zeitschrift f. morgenl. Gesell¬ schaft X. 377, der anch Lomana in Iffublffana überseht.) Außer allein Zweifel — meint Terstenjak — war aberLomana, Lamana, Lmona ein Beiname der Mond¬ göttin, (Xrtemis, viana, 8el6ni«), denn auch die alte» Slaven haben den Mond verehrt. Die Lilie ist ein Attribut der Mondgöttiu, und so deutet das älteste Wappen Laibnch's, die Lilie ans die Moudgöttiu kmona, Xmina. Der Na nie Lmona ist ausdrücklich erhalten auf römischen Jnschriftsteiuen. (Li uh. I. x. 308. —Mitth. d. h. B. s. Kr. 1856, x. 21 f. 161 f. 1857, p. 150 f.) Römische Funde: Münzen. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1846, p. 11, Nr. 2,' p. 22, Nr. 14, p. 23, Nr. 17. 1847, p. 19, Nr. 30. 1850, p. 10, Nr. 10. 1856, x. 112, Nr.OXXXVIU u. s. w.) - Inschrift- steine (Lin h. I. p. 259 Anm. !>., 260 Aum. o., 261 Anm. x., 261 f. Amu. I»., 263 f. Anm. le., 264 Anin. 1, IX 308 Anin, x, 309 Amn. 311 Amn. s, 341 Amn. 1, 343 Amn. r, 357 Amn. u, 366 Amn. 8. — Im Anhänge p. 421—26. (Mtth. d. h. V. f. Kr. 1846, p. 16, 29, 44. 1841, p. 19. — Laib. W. Bl. 1818, Nr. 11,12,14, 21, 23, 25, 29, 30, 34, 37, 38.—Arch. f. K- ö. G- Q. IX- p- 134) — Mit dem Namen Mithras. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1857, p. 145.) — Mit dem Namen Serapis- (Jllyr. Bl. 1820, Nr. 37.) — Grabsteine mit Inschrift. (Jllyr. BI. 1830, Nr. 28. Mitth. 1856, p. 4.) — Sarkophage (Jllyr. Bl. 1820, Nr. 37.) — Botivaltäre (befinden sich gegenwärtig im hiesigen Mnseum) dem Gotte volickenus. (Neber den Voliolienll8 Oalt. von Custos Seidl Sitzgsb. d. k. A. d. W. z. W. pH. h. Cl. Bd. XII s1854) p. 4-90, Misere beiden Altäre, p. 56.) — Nachträgliches über den voliobauus Oult derselbe ebendaselbst Bd. XIII, p. 233 f. — Säule des Hermes. (Jllyr. Bl. 1820, Nr. 37.) — Fußboden mit Mosaik lblll. Glas und Thon¬ geschirre, (Lampen, Urnen, Aschenkrngc, Schmuck¬ gegenstände II. s. w.) ibicl. (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1854, p. 29.) — Wasserleitung. (Jllyr. Bl. 1820, Nr. 37. Mitth. d. h- V. s. Kr. 1857, p. 144 f. 2. Jahreshcft des Vereins des krain.Landesmnscums x. 125.) — Mauer¬ werk (Befestigung. Lin h. I- p. 309.) — Neptn»stempel mit Mosaikcstrich- (Jllyr. Bl. 1820, Nr. 37. Linh. I. p. 310.) — Mausoleum. (Jllyr. Bl. 1820, Nr. 37.) — Ruinen eines Amphitheaters ibill. Bronce-Statue (Senatoreutoga) vergoldet — ansgegraben nm ehcmal. sog. Capucincrplatze, (jetzt steht an dieser Stelle d. Casiuo- gebäude) 16. April 1836, als Constantin ns und auch als Aurelius Victor (Geschichtsschreiber) erklärt. (Mitth. d. h. B- f- Kr. 1851, p. 27.) Gegenwärtig im hiesigen Museum. — Als ältestes Datum römischer Funde in unserer Hauptstadt ist d. I. 1525 bezeichnet, wo, nachdem das crzherzoglichc Zeughaus in Feuer ans- gegangen, und an jenem Orte der Ban des sog. deutschen Thores (was gegenwärtig auch nicht mehr besteht) in Angriff genommen war, ein Denkstein zu Tage kam. X Fundorte: Der sogenannte deutsche Gründ im W- der Stadt, wo die meisten röm- Denkmale ge¬ graben wurden, und wo der Standort des alten Lmona zu suchen ist — der daselbst fließende Grada sch za buch, die Vorstadt Tirnan, im Grunde des Laibach- slnßcs, dann die Strecke twm deutschen Grunde längs der Gradischa - Vorstadt, der Ursulinerinnen- kirche, Wicnerstraße bis gegen den Bahnhof und die Begräbnisstätte St. Christoph'). Daß nuscrSchloß- berg ebenfalls von den Römern benützt worden war, beweisen die zahlreichen Funde, die man auf demselben im I. 1820 machte, (Jllyr. Bl. 1820, Nr. 37); wie denn auch der Grazer Schloßberg bis in die Zeit Constantin des Großen bewohnt war. (Mitth. d. h. B- f- St. Ill, p. 155.) Zn Ende dieser Notiz mag eine Acnßernng des oft genannten nm Krain's Geschichte hochverdienten Prof. F. F. Richter erwähnt werden, die derselbe in Betreff der zu Laibach ansgegrabeneu Altcrthnmcr ausgesprochen hat. Wenn alles — sagte er — auf einem Haufen beisammen wäre, was seit etwa 200 Jahren in Laibach nur der Zufall an römischen Alterthümern zu Tage gefördert hat, in der That cs ließe sich damit ein ^ntiquilLton-Cabinct ansschmncken, wie nicht leicht eine deutsche Prouinzialstadt (ans Eigenem) aufzuweisen hätte, (doch) nur das Bedeutendste wurde verzeichnet, vieles wurde geheim gehalten, das meiste verkauft, verschenkt, verschleppt, also daß außer den hin nnd wieder an öffentlichen Gebäuden") eingcmanerten Denksteinen, einigen steinernen Sarkophagen, irdenen ') Der letzte Theil dieser Strecke (die gegenwärtige Wienerstraße bis über St. Christoph hinaus), ist offenbar der einstige ,,6sräo mnximus" des Colonialfeldes von Linons,, während ein zwischen der genannten Kirche und dem Bahnhofe quer nach beiden Seiten führender Feldweg den äeoiiinnnus nmximuü vorgestellt zu haben scheint; zur Bestätigung dienen die in dieser Richtung gefundenen Graber. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1856, x. 100.) ") Dom, Priesterhaus, Ursulinerinnen, deutsche Kirche und am Eingänge zum untern Museumslocale. XI Geschirren, Münzen nnd Broncefignren bei Privaten wenig Erhebliches mehr zu sehen ist- (Chronik d. röm. Funde von 1525—1820 nach Prof. Richter's Mitth. Jllyr. Bl. 1820, Nr. 35.) K. St. Peter v. 1241. (Ost. 61. v. 0.) — Kathedrale (Nikolauskirche) 1262. (Ost. 01. 0. 0.) — Dentschorden 1261. (Ost. 01. I). 0.) Keine derselben gewährt ein besonderes kunsthistorisches Interesse, ausgenommen der Dom mit seinen Fresken. Laudslraß, u. Kr. — K- v. 1220. (Ost. 01. v. o.) St. Leonhard, u. Kr. — Rom. Aschentöpfe. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1851, i>. 26.) Lees, O.Kr. — Röm. Jnschriftsteine. (Linh. I- p- 437, Anhang. — Laib. W. Bl. 1818, Nr. 43. — Jllyr. Bl. 1820, Nr. 51). — Münzfnnd. (Jahrb. d. C. C. f. E- n. E. d. B- 1860, p. XIX.) Lordt, Berg. — Grenze zwischen Kram nnd Kärnten, Straße über denselben schon zu Römerzeiten, wird geschlossen aus einem Römerdenkmal (gewidmet der Gottheit Sowstis) zu St. Leonhard in Kärnten. (Jllyr. Bl. 1841, Nr. 14. - Mitth. d. h. B. f. Kr. 1859, p. 14.) Loitsch, I. Kr. — Die römische dlsnsia Oonxstios, slovenisch Ooxstoo, OonKstio von IoK, altslovenisch: noolu«, 8)'lvs, woraus lonKst, wie roKst von rox nnd initdem 8u(üx io Oonxstio, vergleiche den Ortsnamen: IloKstio (Rohitsch) von I-0K, roKst*). Die topische Beschaffenheit der ganzen Umgebung des Ortes, das dichtbcwaldete Gebirge nämlich, das in der Nähe ist, spricht ebenfalls für die Herleitung vom slov. lonx, lüx der Wald. (Terstenjak im Vodnik- Album i>. 226 f.) — Rö¬ mische Maner, (Castell.) (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1854, p. 86.) — Meilensänle des Kaisers Trajan, als Wieder- Herstellers der Straße ibill. E^aieilse, Pfarre Tschatesch, n. Kr. — Römischer Sargdeckel (Xrneib, ^reksoulox. ^nslooten p. 6. tsb. XI. fig. 6. — Mitth- d. h. B. f. Kr. 1851, i>- 1. — Arch. f. K. ö. G. O. IX. ') In einer Urkunde des k. Hausarchiv's vom 1.1475 kolutek — kolu'tsod. 137. — Sihgsb. d. k. A. d. W- z. W. ph. h. Cl. 1851. VI. 2. und 3. Heft, p. 199. - Mitth. d. h. V- f. St. II, p. 60.) Mariathal, U. Kr. — Röm. Ringe, Gefäße, Goldmünzen Nero. (Jllyr. Bl. 1820, Nr. 51.) St. Marei», U. Kc. - K- v. 1323. (Ost. oi. o. o.) St. Martin bei Krainbnrg, O. Kr. — K- v. 1286. (Ost. 01.0.1.) Meinte, (VlstuIIum), I. Kr. — Spuren einer Römerstraßc. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1854, p. 4. — Li uh. I, p. 134.) St. Michael bei Nenstadtl, U. Kr. — K. v. 1323. (Ost. oi. v. I. ) Michel stetten, O. Kr. (ehmals Kloster). — K. v. 1228. (Out. Ol. v. I..) Mo steil!, U. Kc. — Rom. Jnschriftstrine. (Laib. W. Bl. 1818, Nr. 43. — Mitth. d. h- B. f. Kr. 1851, p. 1. — Li uh. I. p. 435, Anhang. Goldmünze, fkratisuu^f (Oarniolis V. p. 243.) Morautsch, O. Kr. — Röm. Silbermünzen, darunter 'I'rufsnus. (Mitth. d. h. B. f- Kr. 1854, p. 93.) — K- v. (Ost. 01. v. 0.) Möschnach, O. Kr. — K- v. 1156. (Ost. 01. o. 0.) Motnik (Ober), an der Grenze von Kram gegen Steiermark. — Röm- Jnschriftstein. (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1854, p. 94.) Münkendorf, U.Kr. — Röm. Jnschriftstein. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1851, p. 1; 1857, p. 128. Rakles, O. Kr. — K v. 1320. (Ost. 01. o. 0.) Nestrlthat, u. Kr. — K. v. 1400. (Ost. 01. v. 0.) NeuLegg, U. Kr. — Bronccfrngment eines Geländers, (röm). (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1854, p. 29.) Neul bei Stein, O. Kr. — K. v. 1232. (Ost. 01. 0. O.) Nemnarktt, O. Kr. — K. v. 1261. (Ost. oi. o. o.) Nenstadtl, (Rndolphswerth.) — Kirchen v. 1472 u. 1494. (Ost. 01. v. 0.) Wberdobrava bei Treffen, ll. Kr. — Bleiröhren des Dianabadcs. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1851, p. 26.) Obergörjach, O. Kr. — K. v. 1323. (Ost. oi. v. o.) Obrrgurk, U. Kr, — K. v. 1274. (Ost. Oi. o. o.) Oberkoren, u. Kr. - Röm. Jnschriftsteine. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1851, x. 1.) xm Oberlnibach, J. Kr. — Das römische Xauportu-!. (Jllyr. Bl. 1840, Nr. 4. lbill. 1849. Nr. 65. - Mitth. d. h. N. f. Kr. 1854. p. 27; 1856. p. 77. — Xovive 1853, p. 75.) — Röm. Jnschriftstein, (Linh. I. p. 405. Anm. t., p. 427, Anhang. — Vaiv. il. p. 25. f.) — Heidenmauer, jröm. Maner. (Xovioe 1853. p. 262.) Oberlog bei Watsch, O. Kr. — Hane nnd Sichel von Bronce. (Mitth. d. h. V. f- Kr. 1854, p. 93.) Obernassenftlß, U. Kr. — Capelle romanisch. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1847, p. 85; 1857, p. 145.) Oblak, J. Kr. — K. v. 1483. (Oat. 01. v. 0.) St. Oswald, O- Kr. — Röm. Jnschriftstein. (Linh. k. p. 255. Anm. u.) Petscharberg, SW. von Untcrnassenfnß. — Römischer Bleibergban. (Unter dem Namen ajllovske )amo, heidnische Gruben.) (Mitth. d. h. B. f- Kr. 1851, p. 27.) Prrndlne bei Weinitz, u. Kr. — Röm. Münzen. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1856, p. 48.) St. Peter bei Weinhof, u. Kr. — K. v. 1452. (Out. 01. n. 0.) Pleterjach im Bezirke Landstraß, U. Kr. — K. gothisch. Die Orna¬ mente, sowie das Maßwerk der durch zwei Pfosten ab¬ geteilten Fenster, (welche noch nicht die abentheuerlichen Durchdringungen späterer Bauperioden ansfüllen), die rein kirchliche Symbolik der Medaillons, der Schmuck der Kapitale mit Wein nnd Eichenlaub, der einfach gothisch verzierte, leider zerrissene Hochaltartisch ans weichem Sand¬ stein, sowie das Portal, lassen ans das 13. Iahrh. als Entstehnngszeit schließen. In der rcchtseitigeu Ehor- mancr befindet sich eine Vertiefung, architektonisch verziert, es ist Basrelief-Arbeit ans Sandstein, die Spalcttirung durch einen Kleeblattbogenfrics verziert, das Ganze diente wahrscheinlich als Reliqnienschrein. Früher Charthänscrordcnskirche, ist sie jetzt ein Holzmagazin! (Bericht des Hrn. Josef Leinmüller, k. k. Ing.-Assistenten, an den Hrn- k- k. Landesbandirektor f. Krain Eduard Gintl.) Psdkrai, I. Kr. — Röm. Münzen. (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1854, p. 93.) XIV Podsemts, U- Kr. — 'kumulu» an der Straße. (Mitih, d. h. V. f. Kr. 1856, p. 41.) — K- V. 1337. (6st. 61. v. 6.) padsid, O. Kr. — Röm. Mauerwerk. (Mitih, d. h. B- f- Kr. 1855, p. 13 f.) Pösendorf bei Sittich, U. Kr. — Röm. Meilenzcigcr. (Freundliche Mit - theilnng des k. k. Herrn Bibliothekars J. K a stel iz.) Praprotsche, (Filialkirche 8t. Imks« bei Pfarre Egg) D-Kr. — Kirche gothisch, (letzte Zeit der Gothik 1524). 3 Schiffe, Mittel¬ schiff über die Seitenschiffe emporragend. (Mitih, d. h. V. f. Kr. 1847, p. 61.) Presser, Dorf beiLaibach.—Röm.Jnschriftstein.(Linh.l,i>. 435, Anhang.) Primskau, O. Kr. — Pfarrvicariat, befestigte Kirche, s'i'sbor.s (6sinolis III. Nr. 1, 2, 3.) St. Primus bei Stein, O. Kr. — Kirche, gothisch, 2 Schiffe, in der Wölbung des Schiffes links die Jahreszahl 1472. Radmannsdorf, O. Kr. — Röm. Jnschriftstein. (Zllyr. Bl. 1840, Nr. 37.) — K. v. 1323. (6st. 61. v. 6.) Nutschah, U. Kr. — K. v. 1429. (6st. 61. v. 6.) — Votinstein /Vtl- salluta. (Seidl Chronik III. 16.) Ning, u. Kr. — K. v. 1407. (6st. 61. v. I..) St. Nochus, röm. Mnnzcu. (Mitth. d. h. B- f. Kr. 1854, p. 95 f.) Noslhaiy, U. Kr. — (Siehe Tschernembl.) St. Nnprccht im Bezirke Nassenfuß, U. Kr. — K. gothisch, Mittelschiff, 2 Seitenschiffe; Entstchnngszeit das 15. Jahrh. dafür sprechen: 1 die Füllungen der Fenster, 2. die ursprüng¬ liche Gestalt der Pfeiler, 3. die der Beschreibung nach in abenteuerlichen Carricatnren gehalten gewesene Malerei, (welche als nnanständig erachtet in neuerer Zeit abgckratzt und übertüncht wurde); dazu kömmt 4. der in einem daselbst befindlichen Sakramentenhünschen häufig an¬ gewendete geschweifte Spitzbogen, die Jahreszahl 1497 in einem Steine der Giebelmauer, und 5. endlich die Jah¬ reszahl 1474 sammt gothischer Nandschrift: „0 rex xlo- riae, veni vum «sneta üllelissims tus psoo. -^men." auf einer ebenfalls dort befindlichen 10 Centner schweren Glocke. (Jos. Leinmüller an den Landesbandirector E- Gintl). — K- n. 1323. (6st. 61. 0. 6.) XV Saborscht bei Klingcufcls, U. Kr. — Röm. Knpferm. und verwitterte Ziegelmauer. (Mitth. d. h. B- s. Kr. 1854, p. 93.) Sava (Saudörfl) aa der Save. — Röm. Juschriftstein mit dem Namen Xclsallata. (Mitth. d. h. B. f. St. II, p. 45, ff.) Schelmisch. U. Kr. - K- v. 1337. (Oat. Ol. o. 0.) Schevnffa, (Scheinitz) N. Kr. — Röm. Ziegel und Marmorplatten. (Mitth. d- h. V. f. Kr. 1851, p. 26.) Schischka (Unter-) bei Laibach, O. Kr. — Röm. Jnschriftsteine. (Laib. W. Bl. 1818, Nr. 39. - Mitth. d. h. B. f. Kr. 1854, p. 86. — Linh. I- p. 427, Anhang.) Sriseickerg, U- Kr. - K. v. 1400. (Om. Oi. v. 0.) Schach. O. Kr. - K- v. 1476. (Ost. oi. v. o.) Senoschetsch. I. Kr. — K. v. 1395. (Oat. (71. v. i,.) Sittich, u. Kr. — Das röm. Xoervo. (Xovioe 1853, p. 414. — Mitth. d. h. B- f- Kr. 1856, p. 19, f.) — Röm. Jnschriftsteine. (Linh. l- p-436, Anhang.) — Heidengräber (gomile) bei Sittich. (Mitth. d. C. C. f. E- n. E. d. B. 1859, p. 250. f.) — lieber hie nnd da in Steiermark und Kram vorkommende kegelförmige Erdhügel. (Jllhr, Bl- 1840, Nr. 11.) Slatna bei Nadmannsdorf, O. Kr. — Röm. Minzen der späteren Zeit, 442 Stück im Herbst 1851 gefunden, (vr. Kenner im Arch. f. K. ö. G. Q. XXIV. p. 294 ff.) Stavina. I. Kr. — K. v. 1406. (OM. oi. v. o.) Sotrratsche bei Primskan, O. Kr. - Röm. Münzen. (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1851, p. 27.) Sonegg bei Laibach, U. Kr. — Lapidardenkmal, röm. (Mitth. d. h. B. f- Kr. 1846, p. 39.) — Münzen (Seidl. Chronik Akad. l. 14.) Stein, (Kleinveste zn) O. Kr. — Kleine Kapelle ans dem XV. Jahrh. eigentlich 3 übereinander gewölbte Kapellen. In einer jeden ist eine Art von Presbyterium mit einem Altar, doch ist durch dicke Kalktüuchung der Wände alle Spur des ursprünglichen Banstils verwischt. (Acten der k. k. Landesbandirection für Kram) — Pfarrkirche v. 1207. (Ost. 01. v. l>.) Stermeh, I. Kr. — Römisches Mauerwerk. (Mitth. d. h- V. f- Kr. 1855, p. 13. f.) XVI Strascha bei Gnrkfeld, U. Kr. — Röm. Jnschriftstein, noch nnentzifsert. (Prof. Momsc» erklärte ihn für den interessantesten in Krain nnd nersprach die Lösung desselben zu senden. — Mitth. d. h. B. f. Kr. 1857, p. 147.) StraßkUsüge, römische, in Krain: 1. Der Hanptstraßenzng über die Jnlischen Alpen in der Richtung von ^guilchs nach Linons, und zwar mit den Stationen: (Sturm) sll Liixillum an der Westgräuze Krain's, (Iliusies) sei I'irum im Birnbanmerwald, (Loitsch) Louxatieum, (Oberlaibach) lXsuportus, (Alt- obcrlaibach) sll lXonum, (Laibach) Linons. Eine andere Verbindung zwischen Linons und ^guilchs bestand über den Karst, n. zwar über die heutigen Orte Prewald, Niederdorf, den alten Gabcrkberg u. s. w. II Straße Nou Lmons nach Lolchs. (Cilli.) Das Itinorsrinm ^ntonini und die LoutinKerisolls Tafel lassen folgenden Zng feststellen, Saveübergang ent¬ weder bei Zwischenwässern nnd dann war die Route: Llriiiö, Sksruens, Maunsbnrg, Egg ob Podpetsch (sci Lubliesnos) ^llisns (Vi-chsns); oder bei Flöd- nig, dann wäre die Strecke non dec Save bis Manns¬ burg kürzer (und durch diese Annahme wäre zugleich die Ucbereiustinnnung mit den angegebenen Mcllenzahlen gefunden.) Einen kürzer» Zng in dieser Richtung gibt das Itinorsiium Lieiosol) mitsrum, es läßt den Saveüber- gang bei St. Martin in der Nähe von Flödnig oder- tiefer bei Tschernntsch sehen, Ivo man dann ans Mauns¬ bnrg (sll (jaatnoi-lloeimum) Name gleich Nsnsio (?) nnd weiter in Steiermark ans Franz oder Komilsko (sll Nellis.-!) trifft. III. Straße von Lmons nach Siseis (Sissek). Itinersr. ^nton. nnd Loutinxorisolio Tafel. Stationen: über den Sitticher Boden, Sittich ()Voonin). Weirelburg (Ns§nsnis) vorüber nach Treffen (Li-svtoi-ium). St. Canzian (Lrueium), wo noch Reste einer Römcrstraße vorhanden sind. (Mitth. d- h- V. f. xvn Kr. 1846, i>. 15 f.) — Vernovo (Xevioäiinum), IVlokric: (komula). 11' s. W. Noch andere Straßenzüge: die Straße von Knilch» nach Kenia (Zengg) berührte auch Krain, als bekannter Punkt Losana (aä Malum). Spuren einer Straße zwischen lVletute (NetnUmn) nud Laas (an der Westseite von l'erpo, Alteninarkt); ebenso von Laibach über den Jggboden, Rakitna, Zirknitz rind Laas. Ein Weg führte dann aus der Wippacher Gegend in den Lackerbodcn, — Spuren davon bei Kodoviö, bei Lack Inschriftensnnde; ein anderer von Laibach nach Krainbnrg und von da nach Villach (Viranum), römische Inschriften bei Krainbnrg und Radniannsdorf gefunden, zeugen dafür; noch ein anderer von Laibach durch das Kankerthal (nach Kärnten zn) — Münzenfnnde- Auch der Loibl diente den Römern zum Ucbcrgange ins Kärntnerland, Münzenfnnde bei dem jenseits des Berges gelegenen Orte St. Leonhard (in Kärnten) beweisen cs. Die Quellen für alle diese Angaben sind die die߬ bezüglichen Arbeiten des Dechanten Peter Hitzing er in den Mitth. d. h. V. f. Kr. 1854. Jaunuar und November. Teint), (Tvince), O. Kr. —Röm. Goldmünzen. (Carniolia IV. Nr. 104.) Trrlrink, Berh bei Neudegg. u. Kr. — Röm. Insel)riftstcin. (Mitth. d. h. B. f. Kr/ 1851, x. 1. — Arch. f. K. ö. G. Q. IX p. 131). Tressen, u. Kr. — Das vraotorlum vatovioorum. (Andere halten vaoak dafür.) (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1854, l>. 7. 1856, p. 19 f. — Xovioo 1855, v- 71) — Röm. Inschrift- steine. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1858, p. 1);— 6 Steine, (jetzt im histor. Verein.) (Arch. f. K. ö. G. Q. IX. p. 135. — Mitth. d. h. V. f. St. II. p. 156.) — Münzen. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1851, p. 26. 1854, p. 93.) St. Trimtas (h. Dreifaltigkeit) bei Moräntsch, O. Kr. — Im Kkokski di-ib, röm. Bleibergwerk, (noch 2 Stollen und am Ende derselben die Blciader noch sichtbar).) (Mitth. d. h. V- f. Kr. 185), p- 27.) 2 xvm Trögern bei Döbernik, U- Kr. — Röm. Silbermünzen. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1854, x. 94.) Trsjana, (rrsfana), nahe an d. Grenze Krains gegen Steiermark, Trojanaberg, Dranberg, das alte Xärsns. — Röm- Jnschrift- stein daselbst. (Linh. l. p. 431, Anhang. — Bald. V, p. 264.) Tschatesch, u. Kr. — K. v. 1323. (Vst. VI. o. I..) Tslsternembl, u. Kr. — Nicht weit davon koLano, wo sich eine Mithrasgrotte befindet. (Mitth. d. h. B- f. Kr. 1857, p. 32 mit Abbildung — Mitth. d. C. L. f. E- u. C. d. B. 1857, p. 301. — Novico 1853, p. 103, 107, 110.) Ueber den Mitrascult nnd die Inschrift v. I. IVl. Leo Invicta Nitkrac — wie es auch Momsen liest, der die darauf folgenden L. L. ?. — l'res kublii erklärt, was die 3 ganz gleichen Vornamen 1. des Xelü Nep»8, 2 des krooalus und 3 des kirmiuuo bezeichnet. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1857, x. 114.) Kirche zu Tschernembl v. 1221. (Oat. Ol. 0. I,.) Tschernutsch bei Laibach. Röm. Münze. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1854, p. 93.) St. Ulrrri bei Nadlischek, I. Kr. — (Pfarrvicariat St. Veit bei Schilzhe). Glocke von 1355. (Mitth. d. h. B- f. Kr. 1851, x. 44.) St. Veit bei Laibach, O. Kr. — K. v. 1085. (Oat. 0l. v. L.) St. Veit bei Sittich, U. Kr. — K. v. 1832. (Ortt. 01. v. 0.) Verh bei Sittich, U- K- — Römische Niederlassung, Hcidemnauer. (Hitzinger). Videm in Untersteier, Gurkfeld gegenüber. — Röm. Jnschriftstein. Invivto Loo Olioilo (Illyr. Bl. 1819, Nr. 1. Prof. Richter unter dem Titel: Höchst merkwürdiges römisch-windisches Denkmal. — Mitth/d. h. V. f. Kr. 1854, x. 49 ff. p. 57 ff. enthalten die Entgegnung Terstenjak's ans Knabl's Leseart: Leo Invivto Odarito.— Mitth. d. h. B> f. St. IV, p. 35. ff. und Seperatabdruck) — Momsen stellte sich auf Knabls Seite. (Mitth. d. h. V- f. Kr. 1857, x. 114.) XIX Vihre im Gurkfelde, u. Kr. — Röm. Säule. cLinh. I. k>. 371. Amu. 6.) Vodij, O. Kr. — K- v. 1256. (Oat. 01. v. L.) UDatitschendsrf bei Sagraz, U. Kr. — Röm. Kupfermünzen. (Mitih, d. h. V. f- Kr. 1854. p. 93.) Watsch, O. Kr. — K- V. 1420. (Oat. 01. v. L.) Weinitz, U. Kr. — Röm. Stein, nischeuförmig ausgehölt, mit einem rohgearbeiteten Kopfe. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1856, p. 41.) — K- V. 1331. (Oat. 01. v. O.) Weißenfels, O. Kr. — K. v. 1439. (Oat. 01. v. 0.) Weißkirchrn, u. Kr. - K. v. 1323. (Oat. 01. v. 0.) Wriretburg, U- Kr. - K- v. 1395. (Oat. oi. v. o.) Werneck, O. Kr. — Silbermünze. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1854, p. 93.) Wippach, I. Kr. — Röm. Maner. (Xovioo 1855, p. 31.) röm. Gold¬ münzen (am Nanosberge) eine vom K. Theodosius. (Mitth. d. h. B. f. Kr. 1854, p. 94.) - K. v. 1275. (Ost. 01. v. O.) U Witnah in der Wochein, O. Kr. — befand sich zu Römerzeiten ein befestigtes Eisenwerk, Spuren davon noch vorhanden. Vergl. den äußerst interessanten Aufsatz Morloks hierüber im Jahrb. d- k. k. g. R. A. I. (1850.) 2. Vierteljahr. 199. ff. Wohein, O- Kr. — In einer Höhle der vabnaxora. Silber und Kupfer¬ münzen. (Mitth. d. h- B- f- Kr. 1854, p. 93.) Ganotje, Bicariat Sostrn bei Laibach. — Röm. Relief-Jnschriftstein. (Mitth. d. h. V. f. Kr. 1851, p. 1.) Zryer, O. Kr. — K. v. 1342. (Ost. 01. o. 0.) Zirktach, U.Kr. - K.v. 1856. (Out. 01. o. o.) Lirknih, I. Kr. - K- v. 1261. (Ost. 01. o. L.) - - "