_ Marburg und Nuigrbung (Steiermark). Von Leopold von Veckh-Widmanstettkr. Graz 1900. Druck und Verlag „Leykam", Graz. 4MW- 494L4 Sonderabdruck aus der Grazer „Tagespost" vom September 1900. Nicht im Fluge erwirbt die Stadt ihre Freunde und nicht beim ersten Erblicken schafft sie Entzücken. Das Stadtbild ist nach nicht abgeschlossen. Nähere Umschau vermittelt hingegen die Wahrnehmung, daß cs sich da je nach Stimmung frisch, fröhlich und frei, aber auch frvmm und bürgerlich behaglich gut leben lasse. Wer Marburg und die Vorthcile, welche die Ansässig¬ keit dort bietet, kennen lernte, wird sich nach jeder Abwesenheit immer sreuen, wieder dahin zu kommen nnd beim Kommen etwa so freudig aufjauchzeu, wie ein echter Sohn unserer Alpcnländcr, wenn er nach längerem Verweilen im Thale wieder die Höhe einer Alpe erreicht, lieber das Werden und die gegenwärtige Verfassung dieser Stadt nähere Auskunft zu geben, ist das Folgende geschrieben: Marburg, seit 1703 Hauptort im Viertel zwischen Mur und Drau, also gleichbedeutend mit dem, was seit Maria Theresia Kreisstadt hieß, nun aber die zweite Stadt in der Steiermark unter der selbstständigen Verwaltung eines gewählten Bürger¬ meisters (seit circa 15 Jahren Herr Ingenieur Alexander Nagy) ist keine historische Stätte im welt¬ historischen Begriffe. Kein altrömischer Kaiser lallte da seine ersten Laute, Pet tau, Cilli gehen ihm von diesem Gesichtskreise weit vor, sogar die rührige t* 4 Sommerfrische Leibnitz (flnvig. solvn), zugleich Cvn- current rücksichtlich des Bahnflügels nach Wies, widmet deni jüngeren Emporkömmling nur einen kaum Wohl¬ wollen ansdrückenden Seitenblick. Als Kaiser Karl der Große das tausendjährige deutsche Reich schuf, da standen schon eine Stunde süd¬ lich des heutigen Marburg die uralte Pfarre Kölsch, etwas naher Brunndorf (Brunne), dann der Ort Gams (Gamnitz), - der Bestand der Burg Marchpurch wird erst später zum erstemnale urkundlich sichergestellt im Jahre 1164. Beiläufig aus derselben Zeit, haben wir aus der Umgebung Gewähr vom Bestände der Orte St. Peter am linken, Lembach, Rothwcin, Roßwein, Schleinitz, Lcndorf am rechten Drauuser. Den Vorrang unter allen diesen Orten erreichte schließlich die Marchburg, vermittelt durch ihre von ver¬ schiedenen Gesichtspunkten unvergleichlich günstige Lage. Geschützt vor den Nordwinden, ist sie ain Abhange des rcbenbcsetzten Posruck* an der mächtigen Wasser¬ straße des Draustromes gebettet, und zwar wo die Drau aus engen Bcrgschluchtcn in das offene ebene Land tritt, von stärkerem Gefälle sich zu sachterem Laus bequemt und zugleich genau dort, wo die allerdings weit später, etwa erst im 15. Jahrhundert, als Hauptstraße aber erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts (zur Zeit als der Rath des großen Eugen von Savoyen in Wien den Ausschlag gab) augelegte Chaussee, vom Mittelpunkte der Monarchie Wien, nach dem größten Hasenplatze der¬ selben Triest, den hier 123 Meter breiten, fast 2 Meter tiefen, dem Schwarzen Meer zueilenden Strom schneidet. * Der Name dieses östlich beim Leitersberger Defilv ab- schließenden Gebirges soll eine vcrböscrte Umbildung aus dem deutlich bezeichnenden deutschen Worte V o ek ö r n ck e n sein. Für die Beständigkeit dessen spricht der Umstand, daß die Slovenen das Gebirge von Lors. — Ziege, kosgalc — Ziegenrncken heißen. Wo sich Ziegen tummeln, sind die Böcke nicht ferne. 5 Vermöge dieser hervorragend günstigen topographi¬ schen Verhältnisse wurde Marburg in neuester Zeit Knotenpunkt von Eisenbahnen nach allen vier Haupt- richtungcn der Windrose; nordwärts nach Wien mit seinen Hinterländern, südwärts nach Triest mit den: Meere dahinter, ostwärts nach Ungarn und Croatien, westwärts nach Kärnten und Tirol, wobei noch zu be¬ merken ist, daß Marburg fast zirkelgenau an der Hälfte der Wegstrecke zwischen Wien und Triest in der Rich¬ tung von Nord nach Süd, in jener von Ost nach West aber in der Mitte der Strecke zwischen Budapest und Franzensfeste gelegen, außerdem in den eben gekenn¬ zeichneten Richtungen je 65 Kilometer von Graz, Cilli und von der kärntischen Grenze bei Unter-Drauburg entfernt ist. Diese Umstände vermitteln, daß die Stadt die Umwandlung von einem maucrumgürteten mittelalter¬ lichen Schutzorte in einen modernen Handels- und Ver¬ kehrstrutzplatz in lebhaftem Tempo, und wie es Empor¬ kömmlinge mit Vorliebe pflegen - dreist vollzog, wie wenige Städte in der Monarchie. Zum Meisten gab hiezu die Anregung die Erbauung der Kärntnerbahn und die damit in Verbindung gestandene Errichtung der Ccntral-Werkstätte im Eentralpunkte der Südbahn. Im Jahre 1840 zählte die Stadt 4500 Bewohner, heute zählt sie nahe 24.000. In dieser Zeit des Emporklimmens ist Marburg aus einem Städtchen mit drei katholischen Pfarreien für sich und die Umgebung: Residenz eines römisch- katholischen Fürstbischofs, Sitz eines evangelischen Pfarrers, eines selbstständigen Gerichtshofes, einer Be¬ zirkshauptmannschaft mit 165, das ist der größten Anzahl von Gemeinden im ganzen Lande, einer Finanz- Bezirks-Direction für das ganze Unterland, eines 6 Haupt-Post- und Telegraphen-, auch eines Haupt¬ steueramtes, aus der Station eines Jnfanterie- Ergänzungsbataillons der Tummelplatz einer Garnison von Infanterie-, Reiterei- und Landwchrtruppcn mit einem General an der Spitze, der Sitz aller Kategorien von Mittelschulen, einer Lehrer- und Lehrerinnen- Bildungsanstalt, wie der Landes-Obst- und Weinbau¬ schule, mehrerer Industrien (Brauereien: Götz und Tscheligi; Mühlen: Franz und Scherbaum; Ledcreien: Badl, Gruber, Nasko, Stark) und der Mittelpunkt des steirischen Wein-, Obst- und Geflügclhandels geworden. Der Weinhandel ist vornehmlich rcpräsentirt durch die Firmen Pugl L Roßmann, Hausmanninger, Kočevar, Küster, Mayer, Peßl, Tschcligi. Grund genug, daß zu den bereits bestehenden Geldinstituten (Gcmcindespar- easse, Escomptebank, Aushilfscassen der Deutschen und der Slvvencn, einer Pfänderleihanstalt) auch die öster¬ reichisch-ungarische Nationalbank dort eine Filiale er¬ richtete. In Marburg waltet eine genügende Anzahl von Doctoren der Heilkunst und fast eine Ucberzahl (zehn!) von Künstlern, welche Leidenden im Kautschukgebietc des Rechtes, beziehungsweise Unrechtes, in Aussicht stellen, durch sie zum Siege ins Recht oder auch ins Unrecht zu gelangen. Ebenso leidet Marburg im Augenblicke an einer Ucberzahl von Baukünstlern: acht Bau-, zwei Maurermeister in einer Stadt von 24.000 Einwohnern! Sie schufen in der jüngsten Zeit eine für die meisten Hausbesitzer fühlbar gewordene Calamitüt durch Ueberproducrion an neuen Bauten, so daß ein vielfach recht unschönes Wcttjagen nach Micthern ent¬ stand, in dessen Verlaufe sich die Besitzer älterer Ge¬ bäude in theilweise sehr fühlbare Minderungen im Miethzinfe fügen mußten, standen ja zu Beginn des Jahres nahezu dreihundert! Wohnungen leer. 7 In dem Tempo, in welchem die zehn Herren Bau- künftler in Marburg gebaut haben, wachsen die Menschen nicht in die ncuerstandencn Räume und insbesondere nicht in solche anspruchsvolle Raume, wie deren die moderne Baukunst schafft. Eben in diesem Jahre, knapp nach Durchführung der Gehaltsregulirungen, suchte eine größere Anzahl von Officieren und Beamten den langst ersehnten Ruhestand. Dieser Umstand brachte dießmal rasche Erleichterung, auf welche die Baumeister in ihrem Unternehmungseifer wohl kaum mit Sicherheit rechnen konnten und für die Zukunft auch nicht rechnen dürfen. Kaum wird jedoch die Erleichterung aus schwerer Noth und auch nur theilweise empfunden, hegen die zehn Herren neue gewaltig kühne Pläne. Nächst der Weinbauschule und dem bereits bestehenden Badl'schen Villenviertel ist ein noch jungfräulicher größerer Platz zu schauen. Dort wollen sic nur - 24 neue Billen bauen. Wir glauben gerne, daß die Herren Baumeister geschäftslustig sind, allein die Besitzer der bereits be¬ stehenden Micthhäuser hoffen, daß in Hinkunft Neu¬ bauten nur nach Maßgabe des wirklichen Bedarfes, des naturgemäßen allmählichen Anwachsens der Stadt ent¬ stehen, sie in diesem berechtigten Wunsche bei der als maßvoll und tüchtig bewährten Leitung der Stadt Unter¬ stützung finden, daniit durch die Ncberspeculativn Ein¬ zelner nicht eine Mehrzahl alter Besitzer leide, welche ihr Eigenthum ja doch auch redlich erworben haben und an den vvrgekommenen Ausschreitungen nicht bethciligt ivaren. Die Adaptirungen aus Anlaß der Einführung der neuen Wasserleitung, ein Werk, welches der Stadt voraussichtlich zum Segen gereichen wird, werden den Baumeistern auf längere Zeit reichlich Arbeit schaffen, au solcher mögen sie sich's jetzt wenigstens eine kurze Zeit begnügen lassen. Bei dem allgemeinen Zuge nach der Moderne, 8 gelte» für ungestüme Streber heute in Marburg 30 bis 40' Frühlinge junge Häuser bereits als alt. Für solches Frühalter gibt cs gottlob nicht allzuviele Gläu¬ bige. Allerdings mangeln den etwas älteren Wohnungen die neuesten Einrichtungen, allein sie sind trotzdem keineswegs unwohnlich, dem praktischen Bedarfe häufig bequemer, als die Schöpfungen der neuesten Zeit. Die Neuzimmcr haben häufig geringere Länge und Breite, viele Thiircn und Fenster, sohin ungenügende Räume zum Stellen der großen Möbelstücke. Zum Unterbringen eines Inventars aus drei altgebautcn Wohnzimmern braucht man in Räumen moderner Eintheilung fünf Piecen. Dieser durch die Mode künstlich geschaffene Mehrbedarf hat seit einer Reihe von Jahren die Aus¬ lagen auf die Wohnungen, für die Familien der svge- nannt besseren Gesellschaft, manchmal sogar ins Unge¬ heuerliche erhöht. Es ist noch nicht lange her, das; eine ganze Familie von dem Gelbe anständig leben konnte, was jetzt vom Mieth,zins für eine moderne Wohnung allein consumirt wird. Von Seite der Ver- miether wie der Micthcr ist da Einsicht nöthig, die Uebcrgänge von der altbürgerlichen Wohnung aus der Thercsianischen Zeit (solche und noch ältere bestehen in Marburg), zu jenen nach Oefsnung der Stadtthore in den Fünfziger-Jahren und dann bis zur fesfellvsen Ausgestaltung der modernen Zeit zu finden. Der Miether mit bescheidenen Mitteln erkenne gerne, daß man „bei den Alten gut gehalten" ist, dem Ver¬ mietbar und - Vergebung! ich bitte zu hören! - auch dem löblichsten k. k. Steuerinspectvrate, genüge ein mäßigerer Preis und die Besitzer der alten gemäch¬ lichen Häuser werden neben den Neubauten ganz gut bestehen können. Die nun durch einen für Marburg günstigen Umstand unverhofft rasch überstandene Vcrmiethercala- 9 mität hat den Marburger Verein der Hausbesitzer ins Leben gerufen und zu lebhafter Thntigkeit angeregt. Er empfiehlt Marburg nicht als Sommerfrische für flüchtige Gaste, welche in den in jüngster Zeit meist modernisirten Gasthöfen: „Erzherzog Johann", „Mohr", „Meran", „Stadt Wien", „Traube"' (Oehm), „Ver- honik" (bisher Pnrkcrt, „Adler", anständige Unterkunft finden, aber als An fi ed l nngs ort und Ruhesitz. Solche Anempfehlung ist in der That gerechtfertigt und wir gewahren bereits die Früchte. In Marburg sind alle Bedingungen vorhanden, einen ununterbrochenen Zuzug neuer Ansiedler anzu¬ regen, insbesondere seitens solcher Familien, welche bei bescheidenen Mitteln einen ruhigen, dabei alle berech¬ tigten modernen Bedürfnisse befriedigenden Lebensgenuß suchen. Denn Marburg vereinigt alle Vorzüge der Stadt mit den Annehmlichkeiten des Landes bei noch immer mäßigen Preisen. Dies; gilt zumal für jene Familien, wo die Hausfrauen an bürgerliche Ansprüche gewöhnt sind, den Bedarf an Speise für sich und die Ihren am Markt selbst einkaufcn und dann selbst zn- bereiten. Das ist in Marburg nichts Seltenes, dafür entspricht aber nach uraltem Marburger Gewohnheits¬ recht den Anforderungen der bürgerlichen Küche, für gewöhnliche Sonntage mindestens ein in Netz bereitetes zartes „Jungfernbratel", oder Back- wie Brathühner, häufig eigener Zucht: an größeren Festtagen der Kirche und der Familie wohlgemästetc Kapaunen und Trut¬ hühner (Windischbüchler Puransi sammt dem cm- pfehlenswcrthen, auf den Rebcnhügeln ringsum die Stadt gedeihendem Beguß. Die ältesten Gewährsleute erinnern sich nicht, gehört zu haben, daß in Marburg je Irgendeiner oder Irgendeine crdurstet wäre. Dem Klima gemäß ist Marburg günstiger als das die Schöckellüjtchcn aus erster Hand empfangende Graz 10 daran, durch seine Lage knapp an der südlichen Ab¬ dachung des Posruck, liber welchen die Nordwinde streichen, also, daß die höher gelegene Magdalena- Vorstadt am rechten Drau-Ufer von ihnen fühlbar mehr empfangt, als die Stadt am linken Ufer. Die Alters¬ grenze ist hier das 99. Lebensjahr. In diesem stand der am 11. Seotember 1898 verstorbene Herr Kreis- secretär Jakob Bancalari. Jetzt hegen die Marburger eine Frau, welche jener Grenze zuschrcitct. Vor kurzem wurde in diesem Blatte als ein wohl nur zufälliger Vorzug gepriesen, daß innerhalb zehn Tagen in der Stadt nicht ein Todesfall eintrat. Wegen dieser günstigen klimatischen und Gesundheits-Verhältnisse, sowie seiner vorzüglichen, zur Traubencur besonders geeigneten Wein¬ trauben und Pfirsiche wird Marburg vielfach das steirische Meran genannt. Außerdem bieten im Sommer die in wenigen Minuten Gehweite erreichbaren, aus beiden Uferseiten in reichlicher Zahl vertheiltcn und zu ungemein billigem Preise erhältlichen, höchst erfrischenden Drau-Strombäder eine nicht zu unterschätzende Erquickung. In Marburg wird vom Juni bis September gebadet. Aus allen diesen Umständen wird erklärlich, daß Militärs, welche einst in Marburg in Garnison waren, nach Abschluß ihrer Laufbahn die Stadt häufig zum Wohnorte wählen. Die Zahl der hier domicilirenden Generale, Oberste und Officicrc aller Grade, ebenso der Beamten aller Branchen ist im Wachsen. Bewunderer von Bau- und anderen Denkmalen finden hier wenig Befriedigung. Die dreischiffige Dom- kirche, ein ehrwürdiges Werk der Spätgothik, ist gut gegliedert, geräumig, bietet aber nichts Hervorragendes. Gleichwohl dürfen die von dem Marburger Bürger Josef Holzinger zu Mitte des 18. Jahrhunderts ge¬ schnitzten Rclicfdarstellungen aus dem Leben des heil. II Johann des Täufers im Priesterchore nicht ungenannt bleiben. Fiir den Ausbau des zweiten Thurmes und der Fayadc werden seit mehreren Jahren Gelder ge¬ sammelt. In der Grazer Vorstadt an Stelle der ganz unzureichend gewordenen Franziskanerpfarrkirche ist jetzt eine der heil. Maria geweihte imposante neue Kirche im Rundbogcnstil erstanden, welche am II. August 1900 eingewciht wurde, vermöge äußerer Gestalt wie innerer Ausstattung der Stadt zur Zierde gereicht. Als eine Eigenthnmlichkeit aus der Zeit, wo die Stadtanlagen auch für den Zweck einer Vertheidigung vorbereitet sein mußten, hebt der verdiente städtische Historiograph Gymnasial-Prosessvr Dr. Rudolf Puff in seinem ge¬ suchten Werke über Marburg (zwei Bände, 1847, und zwar im I. Bande S. 50) hervor, daß über schmälere Gassen viele Bogengänge bestanden, welche ermöglichten, beinahe durch die ganze Stadt auf bedecktem Wege von einem Hause in das andere zu kommen. Er verzeichnet zugleich die bestehenden vorspringenden Mittelbauten und erwähnt, daß fast jedes Haus ein Durchgehaus ist, das heißt zu seiner Zeit war. Diese Bcsonderkeiten und die noch nbriggebliebencn Eckthürme sind Reste aus der alten Stadtbefcstigung, wie solche im 16. Jahrhunderte entstand. Nach Professor " Wastler waren an diesen Bauten im Jahre 1550 auch der bekannte Baumeister Domenico de Laliv neben dem Steinmetz Jacopo Paracca und dem einheimischen Maurermeister Pernhart betheiligt.* Den Abschluß dieser Bauten dürften wohl die an den zwei correct stilisirten Wappen des Reiches und der Stadt beim alten Kärntnerthor noch ersicht¬ lichen Jahreszahlen 1552 bezeugen. Der das Gepräge der ebengenannten Zeit tragende südwestliche runde, drei * lieber die Bauten an der Domkirche berichtet Doniberr Dr. Josef Pajek in seiner 1899 erschienenen Schrift: „Ans dem Karten oer Lavanter Diöcete" Seiten 33—34 und 37—39. 12 Stock hohe Reckthurm mit dem einer weit früheren Epoche angehörenden Löwenmonumcnt war einst durch einen Thvrbogen in Verbindung mit einem höchst be- merkenswcrrhen, auf Quadern ziemlich weit in den Drau- strvm vorgeschobenen, in der Stadtansicht des Jahres l710 bereits ersichtlichen Hause, seit langer Zeit der Familie Straschil gehörig, welches dem gegen Osten liegenden - „Hafen" der Dranstadt zum Schuhe gereicht. Das Haus Straschil soll schon im 16. Jahrhunderte gebaut worden sein. Im Herbst legt da die Obstversandt- Flotille an. Diese Beförderung des bis nach Rußland verfrachteten Obstes hat durch die sanftere Bewegung der Schiffe viel voraus vor dein Versandt mittelst Eisen¬ bahn. - Bemerkenswerth ist noch die alte Burg, sie weisel in ihren ältesten Thcilen vierschrötiges 16. Jahr¬ hundert, dann gcschnvrkeltes Barock des 17. und im Stiegenhause überschnörkcltes Rococv des 18. Jahr¬ hunderts. Im 19. Jahrhundert kann sie nicht mehr standesgemäß leben, darf aber auch nicht sterben: die Marburger wollen, wenn sie von der hochmodernen Eisenbahn in die Stadt kommen, den in besseren Tagen (1733) entstandenen offenen bedeckten Gang sehen und dazu die frisch-jugendlichen Stimmen eines dort eiugenesteteu Kindergartens hören; sie wurdcn's gewohnt, aus dieser Gewohnheit erblühte ein Recht und der Besitzer kam übel an, als er da eine Umgestaltung vornehmen wollte. Die im Jahre 1655 gebaute Loretto-Kapellc in der Burg ist eine getreue Nachbildung der sunku eusu in Lorcttv. Mit einem in der Ecke der Frauen- und Pfarrgasse fast freistehenden altcrthümlichen, nun der Familie Pfeiffer gehörigen alterthüinlichen Gebäude, welches einst den, deutschen Ritterorden gehört haben soll, dem schlichten Rathhause am Marktplatze, dem mit dem Haas'schcn Wappen bezeichneten Hause Nr. 6 sic der Domgasse, dein durch schöne Sculpturcn ausgezeich- 13 netcn nun Schmidcrer'schen Hause in den Kürntnerstraßc Nr. 15 und der van hochmodernen Fabriksneubautcn umgebenen Wohnkeuschc Nr. 42 in der Kärntnerstraße als einer drastischen Gegenüberstellung van Vergangen¬ heit und Gegenwart, sind Vie alten Bauwahrzeichcn der Stadt erschöpft. Der neuen Zeit gehört an der Palast der Spar- easse. Nicht weit davon jener des Freiherrn von Gvdl- Lannay mit schönen Fresken im Prunksaale, ausgestattet mit vielen Kunstschatzen, gesammelt vom verstorbenen Hofrath Hermann Baron Gödl, einem geborenen Mar¬ burger. Der neuesten Zeit gehört auch an Vas viel- bespottelte „Röth sei der Baukunst", durch seine jetzige Bestimmung einer schärferen Kritik entrückt. Zu den Rüthseln kann nicht minder der jetzo prunkvoll „Goethcgasse" genannte Ort zählen, der voraussichtlich noch etliche Jahre dieselbe Rolle spielen wird, wie durch lange Jahre die Hnmboldtstraße in Graz. Dann wird, sowie die Letztere, auch die Goethcgasse der Marburger den Spott, wir hoffen gründlich, heimgcben. Zu be¬ merken ist noch, daß die Marburger Baukünstler wie Baubesteller dem Ausbauen der Straßenecken gar so häufig aus dem Wege gehen. Dadurch entsteht die Ueberzahl der häßlichen Ecklücken. Erklärt sind dieselben durch den Umstand, daß Eckhäuser selten eine Garten¬ anlage gestatten, solche aber den meisten Besitzern Be¬ dürfnis? ist. Neben Nachbildungen der bekannten Standbilder des Kaisers Josef II. und Erzherzog Johann, welch Letzterer hier oftmals weilte, hat Marburg in den neuen Kaiser Franz Josefs-Anlagen eine der Erinnerung an das fünfzigjährige Rcgierungsjubiläum unseres Monar¬ chen gewidmete Marmorsäule, gekrönt vom Doppeladler und an der Basis geschmückt mit dem belorbeerten Haupte des Kaisers im Relief. Dann das Original- 14 denkinal Wilhelm v. Tegetthoff's, denn hier wurde am 28. December 1827 der große Seehcld geboren. In der Domkirche ist das dem ersten Fürstbischöfe zu Marburg, Anton Martin Slomšek, gestorben am 24. September 1862, gewidmete, vom Bildhauer Jo¬ hann Zajce ausgearbeilete Marmvrstandbild sehenswerth. An der Außenseite des Domes sind aus alter Zeit, im Friedhöfe bei den Grüften aus neuer Zeit einige gute Arbeiten. Anläufe zu einer elektrischen Straßenbahn ver¬ sagten bisher, dazu dürfte noch auf längere Zeit hinaus ein wirkliches Bedürfnis; nicht bestehen. Ge¬ langt man ja aus allen Theilen Marburgs nach wenigen Schritten ins Freie und zum Genüsse einer die verschiedensten Ansprüche befriedigenden Umgebung. Wahrlich genug haben wir von der Stavt gehört und ich lade die Leser zu einem Spaziergange auf den Pyramidenberg ein, mit der Bemerkung, das; schwächere Fußgänger bei einem Ausflug auf den deutschen Kal¬ varienberg im Stadtwald an der Stelle der „Sieben Eichen", woselbst Oberst Baron Cirheimb 1895 den gefallenen Kriegern des steirischen Infanterieregiments Nr. 47 ein Gedenken widmete, in der Ausschau uicht viel verkürzt werden. Der Weg führt durch den von Villenanlagcn flankirten ansehnlichen Stadtpark, dessen Ausgestaltung und treue Hut großentheils der Thatkraft des Herrn Josef Kokofchinegg zu danken ist. Er umfaßt einen großen Thcil jener Gründe, welche bis vor vierzig Jahren den zur Herrschaft Burg Ober-Marburg gehörigen Mcierhos am Fuße des Pyramidenberges, von der nach dem Eingehen des Hochschlosses im 16. Jahrhunderte an der nordöstlichen Ecke innerhalb der Stadt entstandenen jüngeren Burg trennten. Eine noch bestehende, etwa zu Ende des 18. Jahrhunderts 15 angelegte Allee gab den für die Wanderung vom herr¬ schaftlichen Wohngebäude zum Meierhofe erwünschten Schatten. An der Statte der alten Burg oben aus dem Berge geben die topographischen Verhältnisse, wie die Kenntnis; der großenteils aus diesen natürlichen Be¬ ziehungen geschöpften allmählichen Entwicklung dieses Üandestheiles, von der Zeit an, als die Franken und die Baiern vom Westen gegen Osten vordrangen, um die Keime ihrer eigenen höheren Cultur hieher zu ver¬ pflanzen, gar bald die Erklärung, wieso gerade an dieser Stelle ein festes Haus entstand, ja entstehen mußte. Die heutige Eiscnbahnstrecke von Graz nach Süden bis hinunter zur Gabelstativn Pragcrhof belehrt uns, daß dieser fast linicngerade Theil der Bahnstrecke die an der Westseite mäßigen Gebirgshöhen scheidet, von den auf der Ostseite sich ausbreitcnden gelinden Hügclreihcn oder gar ebenen Partien. Boni Wildoner Berg herab über die Sausaler Gebirgsgruppe, dem Platschberg und dem durch das Leitersbcrger Defilg von den wendischen Büheln getrennten Pvsruck (Bocksrücken), endlich jenseits der Drau vom jäh abfallenden mächtigen Bachern- Gebirge, als der natürlichen Scheidewand der mittleren von der unteren Steiermark - liegt dies; eelatant vor Augen. Zugleich vollzieht aber auch die bisher stramm östlich fließende Drau knapp unter unserem Punkte eine auffällige südöstliche Wendung, behält diese Wendung über Pettau hinaus bis zum Einflüsse der Drann bei und gestattet in dem dadurch geschaffenen Raume den wendischen Büheln zwischen Mur und Drau eine behagliche Ausbreitung bis in die ungarische Ebene hinab. In der hicmit gekennzeichneten Linie und den vor- gclegenen hügeligen Partien schwankte schon zur Römer- 16 zeit dix Grenze zwischen Noricum und Pannonien. Zur Zeit als die Franken und Baiern hier ihre Grenzpfähle einrammten, war's dasselbe, Herr Moriz Felicetti v. Liebenfels in seiner aus¬ gezeichneten Arbeit zur Bestimmung der topographischen Verhältnisse unserer Heimat vom 8, bis 12. Jahr¬ hundert (Beiträge zur Kunde stcierm. Geschichtsquellen, ö, und 10. Jahrgang 1.872 bis 1873) zieht fast in derselben Linie die Grenze Karanta niens gegen Pannonien. In dem kurzen Stücke zwischen , Drau und Mur jedoch ist solche gezogen, genau von dein Punkte der alten Marchburg an der 'Dra necke bis zur wenig Stunden Weges nordöstlichen Gckc an der Mur, wo heute Mureck steht und wo die Römer ihr Murevla hatten. Daraus wird mit einiger Sicherheit glaubwürdig, düs; schon sehr früh auf dem heutigen Pyramidcnberg ob Marburg ein Wchrbau zu Schutz und Trutz ent¬ stand, genau an der östlichen Grenzmarch Karanta niens gegen Pannonien. Daraus würde zugleich der ursprüngliche deutsche Name March bürg beglaubigt, gegenüber den aller¬ dings nur andeutungsweise zutage getretenen Versuchen j der Slovencu, aus dem altflavischen Hain der Göttin / Mara ein „Mara-bvr" zu coustruiren. Vergleiche Dr. R. Puff Marburger Taschenbuch für Geschichte, Landes- und Sagcnkunde der Steiermark, 1853, I., Seiten 14 und 60. In ganz anderem Sinne wird eine Sage liber die Gründung von „Maraburg" auf die edle Aufopferung einer slavischen Fürstentochter Mara zurückgeführt, welche nicht dulden wollte, daß der deutsche Heerführer meuchlings getödtet werde, darüber selbst den Tod erlitt, worauf der deutsche Führer an der Stelle, wo Mara begraben worden war, 17 die Maraburg erbauen ließ. („Marburger Zeitung", 12. März 1891, „Die Gründung von Marburg".) l Während der Bewegungen jener Zeiten gestaltete >' sich die Marchburg allmählich zum Hauptvrte einer " selbstständigen, verschieden benannten Grafschaft, deren ' im Umfange wechselndes Gebiet zu Ende des 10. Jahr¬ hunderts beiläufig das Radl- und Bocksruckgebirge, die wendischen Büheln bis an die ungarische Grenze um¬ faßte, südlich vom Donatibergc und dem Bacherngebirgc begrenzt war. Dieser Zeit wird Graf R achwin als Graf dieses Sprengels bezeichnet. Etwa 150 Jahre spater, nach Enenckl im Jahre 11-18, übergab Graf Pern hart von Al a rch p urg aus dem S p a n h e i m c r Dynastcn- geschlechte, welcher mit den Traun gauern in naher Versippung stand Und auch eine Traungaucrin zur Ehe hatte, als er kinderlos geblieben war, „NnreliArnukn Otuellörn von Lkoir clu2 26 älur clr p uro I> vnä Ü6ii murttlrke vnst än2 änr 2U Ablrörk" - damit schloß die kurze Rolle Marchburgs als Hauptort eines im Rahmen der Reichsverfassung selbstständigen Gebietes - seither gehört Burg und Markt (seit circa 1257 Stadt) zur Steiermark. Unter diesem neuen Bande wurden beide sohin steirische Grenzmarch gegen Süden, wo sich im Land¬ striche zwischen Drau und Save mehrere, zum Theilc geistliche Hohcitsgruppcn gebildet hatten. Diesem jetzt gemeinsamen steirischen Landestheile entstammte auch die in Steiermark, noch mehr aber in Kärnten vielverehrte heilige Hemma, geboren uni 983 als eine geborene Gräfin von Peilenstcin, später als Witwe nach dem Grafen Wilhelm von Friesach und Zelt schach die Stifterin von Gurk, wo sie nach ihrem Tode (29. Juni 1045) begraben wurde. Infolge der. Vermächtnisse Hemmas kam das Gurker Bisthum zu reichen Gütern in Untcrstcier. 2 18 Das letzte ncnnenswcrthe selbstständige Gebiet zwischen Drau und Save unter der Oberhoheit des alten Deutschen Reiches, war die Grafschaft Cilli. Nach dein tragischen Ende des letzten Grafen Ulrich 1456 und der Einverleibung seiner weitläufigen Güter in Steiermark, Kärnten, Krain und Zagorien (Croatien) in den Habsburgischen Ländcrcomplex, hörte die March¬ burg auf, eine Burg an der March in der Bedeutung von Grenze zu sein und verlor jede politische Wichtig¬ keit. Und als im 16. Jahrhundert (1528?) ein Blitz¬ strahl die alternde Veste traf und zerstörte, wurde sie nicht mehr aufgebaut. Aus den letzten Trümmerresten wurde weit später 1784 au der Stelle, welche früher die Burg cinnahiu, eine Kapelle errichtet, deren an Stiftungstagcn zu Thal leuchtendes Licht den geschicht¬ lich rückschauenden Wanderer eigcnthümlich berührt als ein Memento. Bald nach der Zeit des Uebergangcs der March¬ burg an die Traungauer wird 1185, 1189 und 1190 ein Pfarrer Cvnradus von Marchpurg genannt. Kurz bevor und wahrscheinlich noch vom Spanhcimcr Pern¬ hart berufen, wofür die Benennung bei Janus Ennenkcl spricht, kam aus Kärnten ein hochfrcies Geschlecht nach Marchpurg, welches die Burg von dem Grafen und später von den Markgrafen und Herzogen in Steicr zu Lehen trug, sich nach ihr benannte. Diese Herren von Marchburg gelangten bald zu Macht und Ansehen, er¬ loschen stark ermattet Mitte des vierzehnten Jahrhunderts. Von ihnen haben sich nur mehr einige prunkvolle Siegel erhalten. Das dort sichtbare Löwenbild legitimirt sie als eines Stammes mit den es scheint etwas älteren Herren von Wildhaus, dann den mächtigen Karlsbergcru und Sclüerbcrgcrn in ihrem Stammlandc Kärnten. Nach dem Erlöschen der Herren v. Marchburg beziehungsweise später abgekürzt Marburg waren um 19 1380 kurz? Zeit mit Ober-Marburg die uralten und vornehmen Herren von Schärffenberg belehnt, welche fast fünfhundert Jahre später eben in dieser Stadt mit dem Grafen Johann Nepomuk am 14. Sep¬ tember 1847 im Mannsstamme erloschen sind. Nach den Schärffenberg, welche in die obere Steiermark zogen, bestellten die Landcsftirsten die Verwaltung durch Hauptleute, unter welchen 1480-95 Ulrich v. Graben hervorragte. Ulrichs Sohn Wilhelm und Enkel Audra standen im gleichen Amte, Andrä starb am 14. April 1556 als der letzte des Grabner Geschlechtes, liegt Zeuge seines Grabsteines in der Domkirche begraben. Bald danach zogen neue Herren im Doppelsinne des Wortes in die Burg Marburg ein. Veit Khisl, in den Jahren 1530-1546 wiederholt Stadk- richter zu Laibach in Krain, wurde 1554 geadelt, 1561 erhielt er für deu von ihm erbauten Edelsitz Kalten¬ brunn bei Laibach einen Burgfried. Als Erzherzog Karl 1564 die Regierung der innervsterrcichischcn Länder übernahm, kam an dem neuen Hoflager zu Graz, Veits geschäftstüchtiger Sohu Hanns Khisl von Kaltenbrunn rasch zu Einfluß und Würden, wurde zuerst den uni Willen des Luthcrthums scharf oppouirendcn Grazern 1582 als Stadtrichter vorgesetzt, später Hofkammerrath, endlich innerösterr. Hofkammer- Präsideut, heute würde man sagen Finanzminister. Dieser erwarb die Herrschaft Ober-Marburg 1575 zuerst pfandschaftsweise, später als Eigcnthum. Auch Gvnobitz jenseits des Bachern erwarb Khisl. Er war nicht minder thätig, reichliche Blüthcnansätze für spätere Belastungen am Stammbaume zu besorgen, allein diese Blüthen brach thcilwcise der Krieg, thcilweise fielen sie sonst ab. Hannsen's 1565 geborener Sohn Hanns Jakob erwarb 1618 die große Herrschaft Gottschee in Krain, wurde hierauf 19. December 1622 mit dem 20 Titel cincs Grafe» »an und zu Gottschee in den Grafen¬ stand erhoben. Im Staatsdienste wurde er Präsident des innerösterr. Hofkriegsrathcs, allein aus seiner Ehe mit Maria Freiin von Thannhausen verwitweten Freiin Zwickt von Hainfeld (bei Fcldbach) erblühten ihm keine Sprossen. Also adoptirtc er den Sohn erster Ehe seiner Frau: Georg Bartlmä Freih. Zwickl, der nach dem Tode seines Stief- und Wahlvatcrs 1638, mit kaiscrl. Genehmigung vom 11. Februar 1640 den Namen Graf v. K h i s l u n d G o tt s ch e e annahm. Tic Grafschaft Gotischer verkaufte er bereits 9. Juli 1641 an das noch heute im Besitze stehende Haus Auersperg. Zwar hatte er bei seinem Tode 1656 aus der Ehe mit Anna Maria Gräfin Berka neben drei Töchtern einen Sohn Johann Jakob Bartlmä als Erben, allein dieser letztere hinterließ bei seinem Sterben 1691 nur eine Tochter, vermählte Gräfin Rosenberg. Die Stämme Khisl und Zwickl waren erloschen. Gemäß der Erbsvereinbarungcn der Familie kam in den Besitz von Ober-Marburg die jüngste Schwester des letzten Grafen Khisl-Zwickl, Anna Maria, vermählt dem Grasen Adam Wilhelm v. Bran dis aus Tirol. Hiugebcnde Frömmig¬ keit bildete den Charakterzug beider Familien Khisl und Brandis. Letztere blieben 190 Jahre in Marburg ansässig und erwarben in der Umgebung viele und an¬ sehnliche Guter, auch gutes Gedenken an humane Füh¬ rung. Im Jahre 1882 schlug auch für sie die Stunde des Scheidens. Seither gehört die Burg und der Mayrhof den in Norddeutschland einheimischen Frei¬ herren von Twickel. An der Stätte der alten Burg vollzog sich manche nennenswertste Handlung. Die älteste erhalten gebliebene aus Marburg am 20. October 1164 datirte Urkunde besagt, daß damals Markgraf Otaker V. von Steier¬ mark, umgeben von den Edlen des Landes, auf dem 21 Schlosse weilte und einige Gütertäusche zu Gunsten des Klosters St. Paul vollzog. Am 9. September 1209 stellte Herzog Leopold (VI.) von Oesterreich und (III.) von Steiermark in Marburg die in Verfall gekommene Karthause Geirach wieder her; auch 1224 und 1227 war der Herzog am Schlosse. Im Jahre 1235 bcrieth hier Friedrich der Streitbare mit den Landesedlen den vorgehabten Krieg wider die Magyaren, in welchem der Herzog dann umkam. Von den folgenden Ereignissen sei nur der am Sonntag nach Ostern 1475 in Marburg gehaltene Landtag; die Bedrängnisse Marburgs durch König Mathias Corvinus von Ungarn 1480-1481; der im Septeniber 1516 am Draufeldc von Sigmund von Dietrichstein und Jörg von Herberstein wider die auf¬ ständischen Bauern erfochtene Sieg, endlich die wackere Verthcidigung Marburgs unter den, damaligen Stadt- richter Christof Willcnrainer, welcher den Osmancn im September 1532 mit Erfolg die Benützung der Draubrücke wehrte, berührt. Beschauen wir uns nun von der historischen Stätte der alten March bürg das Gebiet ringsum und wir gewahren, daß der Gras" auf der Marchburg das zu Ende des 10. Jahrhunderts als zur Grafschaft ge¬ hörig bezeichnete Gebiet von den Zinnen seiner Burg großcnthcils überblicken konnte. Unter ehrfurchtsvollem Schauer vor dem Einst halten wir in flüchtiger Umschau das Bild von heute in einigen Strichen fest, um damit uns den ungeheuren Weg zu bezeichnen, welchen die Cultur seit fast tausend Jahren zurückgelcgt hat. So weit das Auge reicht, fruchtbare Gelände mit wechselnden Kulturen, nach der Lage an der Südseite die Rebe, nördlich Wald und Wiese, auf den Gipfeln zahllose zerstreute weiszblinkende Häuser und an hervor- 22 ragenden Punkten auch Kirchen und Kapellen, um dem Höchsten über uns zu huldigen. So liebt cs das Bolk der Slovenen oder Wenden und die Deutschen corrigireu diese Uebung nur dann, wenn die Lüftchen auf den Bergkämmen nicht allzu hestig sich äußern. Der Blick von oben zeigt, daß beide Neigungen Befriedigung finden. Zur Zeit des Grubens, der Haue, wie der Lese, hört man von den Lehnen allenthalben Sang, denn „wo die Wendin ist, ist auch das Lied." Knapp unter uns die nicht so sehr im Liede, als im gemeinen Drängen des Tages lärmende Stadt mit ihren nicht vereinzelten Fabriksschloten, im Gegen¬ sätze zu den brechenden Burgen auf den Höhen, und die Kreuz und Quer die moderneu Eisenstraßen mit ihren dampfsprühenden Eisenrossen, während auch die alten Landstraßen in unseren Tagen von Fahrzeugen durcheilt werden, welche aus Stahl gebaut wurden. Ueberall auf der Erde ist es schön, je nach der Eigenart der Gegend. Eingeschränkt wird diese bewun- derungswerthe Schönheit nur durch die Leidenschaften, durch welche die - Menschen den Genuß der herrlichen Natur beeinträchtigen. Von dieser allüberall bezauberndem Schönheit sei aber insbesondere auf dieß paradiesische Stück heimat¬ licher Erde gewiesen und frohsinnige Menschen einge¬ laden, diese Gebiete im Detail zu besuchen - cs wird sie nicht reuen, und Mancher mag sich auch, wie so Biele vor ihm, entschließen, hier dauernd das Lager aufzuschlagen. Um dazu einen Führer zu geben, will ich die besuchtesten und solcher Aufmerksamkeit würdigsten Orte aus der Umgebung Marburgs fächerartig verzeichnen unter Beigabe von Notizen in Schlagworten, denn aus¬ führliche Beschreibungen würden einen stattlichen Buch¬ band füllen. 23 Linkes Dranufer. 1. Westlich an der alten nun verödeten Reichs- straße nach Kärnten längs der Drau, links Fclbcrinsel, so benannt nach einem wohlhabenden Marburger Burger nus der Mitte dieses Jahrhunderts, der da mehrere Häuser baute, auch dasjenige, das nun ich mein Eigen nenne. Auf der Felberinsel wurden vor Zeiten, das letztemal im August 1891, Festlichkeiten abgehalten. Nach einer Gehstunde von Marburg erreicht man Gams mit uralter Pfarre und zahlreichen, häufig mit Muscatrcben besetzten Weingärten. In der Nähe der Gamser Felsenkeller. In Fortsetzung des Weges auf der Hauptstraße am Husarensprung (Reminiscenzen aus dem Jahre 1848) vorbei, der Gschaidter- h o f mit beliebter Gastwirthschaft. In weiterer Fortsetzung bei den Gehöften der Gurker Dom¬ herren und des Fürsten Sulkowski vorbei über Tresternitz (Gasthaus Wiesthaler) zum Schlosse Wild Haus mit der Ruine des alten Schlosses oben aus dem Berge, der erstenMttelalterlichen Signalstation, mittelst der sogenannten Kraidfeucr von Marburg ab in westlicher Richtung. Wildhaus war zuerst Sitz eines gleichnamigen, den Marburgern stammverwandten Ge¬ schlechtes, aus welchem Ulrich 1345-55 Bischof von Gurk war; dann Eigenthum der Auersperg, Zacket von Fricdau, Herberstein, der Grafen Rabatta ein Jahrhundert lang, 1808-57 der Freiherren v. Lannoy, hierauf bis 1883 des Philosophen Bartlmä Ritter von Carneri, Schwagers des letzten Lannoy, seither der Familie Badl aus Marburg. - Nächst Schloß Wild¬ haus das Einkehrgehöfte Feldbacher, bald darnach das stattliche Pfarrdorf Zellnitz. In der Nähe Drau- überfuhren nach Maria-Rast und Faal. 24 Im Verfolge der ölten Poststraße gelangt man zur ersten einstigen Pvststation von Marburg ab, St. Oswald im Drauwalde, von da weiter über Fresen (Gasthof Sonns) nach Ma hren berg zur Einmün¬ dung der Straße aus Mittelsteier über den Radlberg. Von St. Oswald rechts abbiegend über Ober- Kappel (832 Mtr.) und Ncmschnigg (758 Mir.) auf die Höhe des Posruck oder Bocksruck, dann hinab nach Markt Arnfels im Saggauthale, Sitz eines k. k. Bezirksgerichtes. Andere Ausflüge auf den rcichgegliedcrtcn und bewal¬ deten Posruck werden von Zellnitz aus unternommen auf den Jarzkogel (966 Mtr.) und Wallfahrtsort Heiligen Geist (907 Mtr.) mit lohnender Aussicht nördlich auf ganz Mittelsteiermark und den Hintergrund des obcrsteirischen Hochgebirges bis zum Wechsel, östlich auf die wendischen Büheln, die Kollos und die ungarisch- croatische Ebene dahinter; südlich beschränkt durch den Bacher,, westlich durch die kärntischen Berge. Die Kirche wurde 1667-70 unter hervorragender Bethciligung des Seckauer Bischofcs Max Gandolf Grafen von Khucn- burg und der Frau auf Schmicrnbcrg, Anna Crescentia Gräfin von Stubenberg, erbaut. In der Nähe die Ruinen der Veste Schmiernberg, deren Gutskörper (300 Joch) nun mit der gräflich Schonborn'schen Fideicommiß-Herrschaft Arnfels vereinigt ist, nahe dabec drei schön gelegene Teiche, welche vielfach besucht werden, Abstieg von Heil. Geist eventuell nach Arnfels oder Leuts ch a ch. Von letztgenannten, wohlhabenden Marktflecken fuhrt eine gute Straße über Gamlitz nach Ehren¬ hausen an der Südbahn. Fast am Wege zur Linken der vielbesuchte Kreuzberg. In der Nähe Leutschachs das stattliche Schloß T r a u t t e n b u rg, einst Trappen¬ burg geheißen, dann der seil 1837 ein Eigenthum der 25 Familie Josef Ludwig Bayer aus Graz, bildende Amthos. Dieser cst Geburtsort des berühmten Natur¬ forschers, Professors Dr. Franz Unger und seines Bruders, welcher mehr als ein Menschenalter als Arzt in Groß-Florian verdienstlich wirkte. 2. Von Gams ist Gelegenheit geboten zu Aus¬ flügen auf den Schoberberg und Pfarrort Heiligenkreuz (582 Meter). Häufig besucht wird von den Marburgern das Wallfahrtskirchlein Sl. Urbani (595 Meter). Rückweg entweder durch den Gamser Graben, oder über das Pößnitzthal. Ueberall liebliche Weingarten- Hauser, deren Besitzer allen Gegenden der Steiermark angehören. Der vornehmste derlei Besitz in dieser Ge¬ gend dürfte der alte landtäfliche Merl Hof des Herrn Obcrfinanzrathes Weis; von Ostborn in Graz fein. - Gute Tropfen im Keller. 3. An der landschaftlichen Weinbauschule, dann dein Stift Admont'schen uralten Ratzerhos mit schönem Hcrrschaflshause, erbaut in; 18. Jahrhundert, ferner den Weingarten des Fürstbischofs von Lavant vorbei, durch den Wienergrabcn (dort u. a. Gehöfte der Sängerin Bertha Krainz, einer Marburgerin, derzeit in Berlin) auf die Höhe bei Wolfzettel (439 Meter), Gast- - wirlhschaft „Zum Schweizcrhause" seit 1898 des Herrn Krüger, welcher zwecks besserer Genüsse der lohnenden Fernsicht einen Aussichtsthurm erbaut hat. Häufiger wird der Weg dahin gewählt über die sogenannten drei Teiche, dann die Baron Lazzarini'schen Weingärten mit gesichertem Halt im dortigen Weinschänke. Abstieg zur Abwechslung über den Stift Admont'schen Schwaigerhof ins Pösnitzthal oder über Potschgau zu empfehlen. 4. Vom Südbahnhofe in Marburg ausgehend, auf der Reichsstraße nach Ueberwindung mehrerer durch Hobelspanlocken angezeigter Hindernisse, dann Durch¬ schreiten des Lcitersberg-Defiles beim Gehöfte des weit- 26 bekannten Landwirthcs und Abgeordneten Purgay er¬ schließt sich eine Reihe lohnender Ausflüge: Ls Westlich längs der Strecke der geplanten Mar¬ burg-Wieser Bahn nach Schloß Langenthal, einst Wissiak- hof, gegenwärtig Eigenthuiu des Herrn Consuls Oskar Sitzler in Wien, dann beim Schlosse des Grasen D'Orsay vorbei, über die Pfarrvrte Ober-St. Kunigund und Georgenberg (in der Rühe der Anncnhof des Herrn Damian und der Marschallhof) nach Markt Leuts ch a ch und Arn fels. b) Von Ober-St. Kunigund, richtiger vom Mos- hammer-Gehöfte darunter an der Kreuzung der Straße aus, über Frauenhof und durch das Sulzthal nach Witsch ein, Pfarrdvrf mit einem seit 1808 dem Benedictiner-Stifte St. Lambrecht gehörigen Schlosse, dessen Verwalter durch 25 Jahre der frühere, noch unvergessene Abt Alexander Setznagel war. Ter Ort wird bereits im Türkenzuge des Jahres 1532 mit dem Beisatze genannt, daß die dortigen Bauern sich tapfer wehrten, ist außerdem als Geburtsort einer größeren Anzahl von Gelehrten merkenswerth. Aus diesen! weltvergessenen Orte gingen hervor der berühmte Arck Andreas Per lach, 1550 Rector der Wiener Universität, f 1551 und begraben im Wiener Stefans- domc, der slovenische Geschichtsforscher Simon P o- woden, - die gelehrten Brüder Josef und Anton Toßi, geboren in den Zwanziger - Jahren, ersterer war Professor in Graz, letzterer Custos am Ferdinandeum in Innsbruck. In der Nähe von Witschein der 524 Meter hohe Urlkogel. e) Von Ober-St. Kunigund aus auf der alten Grazer Straße über Podigraz (schönes Gehöfte) und den Platschberg (504 Meter) nach Ehrenhausen an der Südbahn. Markt mit merkwürdigem Schlosse darüber, in seiner gegenwärtigen Gestalt im Jahre 1553 27 erbaut von einer interessanten unternehmenden Frau, deren erlesenstes Werk allerdings die Herausgabe eines gar tapferen Sohnes von geschichtlichem Range war. He¬ lena, Tochter des reichen Bcrgwerksbesitzcrs Hanns Fueger von Melans in Tirol, bevorzugte lange Zeit vor Einführung der Officiers - Heiratscautionen die Kriegslcutc. Ihr erster Mann war ein solcher von guter Conduite Erasmus Schrott von Kindberg, starb aber bald. Tapfere Kriegsmänncr waren auch der zweite Freiherr Ruprecht v. Herberstein und der dritte Christof v. Mindors. Kurz vor 1542 ehelichte sie zum vierten Male den Sohn des Bürgers und Stadtrichters zu Radkersburg Andrä Eggenberger, das ist den Christoph Eggcnberger, 1529 bethciligt an der Vertheidi- gung Wiens, dann Einnehmer der steirischen Land¬ schaft. Diese beiden kauften im Frühjahre 1543 die Herrschaft Ehrenhausen und erwarben damit den ersten Adelssitz, der später an solchen so reichen, aber schon im Jahre 1717 erloschenen Fürsten zu Eggcnberg ge¬ fürsteten Grafen zu Gradiška und Herzoge zu Krumau. Der Eggcnberger starb schon am 21. Februar 1551. Ohne Mann, war der betrübten Witwe das Leben wenig wcrth, sie ehelichte "1552 zum fünften Male Herrn Gregor Stadler den - Jüngern und Zeit dieses Ehcbnndes wurden „die Paschtain vnd Ringmauer von Grunt aufgefncrt vnd paut", sie halten seither nahe 350 Jahre. Aus den zahlreichen Kindern der Frau war das Meisterstück der Ruprecht von Eggcnberg, sür- trefslichen Witzes gottbegnadeter Genoß. Er wurde Heerführer und schlug die Türken bei Sissek am 22. Juni 1593 entscheidend. Für sich und alle jene Eggcnberger, welche wie er „als Generale und Oberste dienten", baute er das prachtvolle Mausoleum nächst dem Schlosse, in welches er im Februar 1611 zur Ruhe gebettet wurde, schon vier Jahre danach (1615) 28 in seinem Neffen Wolfgang Freiherrn von Eggenberg General der wendischen und Meergrcnzen einen Gesell¬ schafter erhielt. Der Schreiber dessen besitzt die Truhe, in welcher die Ausstattung einer der Schwestern Ru¬ prechts, Frau Elisabeth, gelegt worden ist, als sie im Jahre 1561 den späteren Feldzeugmeistcr Michael Rinds maul zu Fr au he im, schräge gegenüber jenseits der Mur zum Manne kriegte, mit ihm die Stammutter der vor wenigen Jahren im Mannes¬ stamme abgeblühtcn Grafen von Rindsmaul wurde. cl) In nördlicher Richtung auf den Höhenrücken des Weingebirges Dobreng, wo einmal ein festes Haus gestanden haben soll, nach St. Egidy, Eisenbahn- Haltestelle. e) Auf der Reichsstraße längs der Bahn nach Pößnitz (Einkehrhaus Flucher), dann über St. Egydi nach Spielfeld mit schönem großen Schlosse, einst den Katziancrn, jetzt dem Botschafter i. R. Freiherrn v. Bruck gehörig. Hier Abzwcigestativn der Loealbahn nach M ureck, R a d k c r s b u r g und L utt e n berg. In der Nähe Straß mit einer Jnfantcrie-Cadcttcnschulc. Reisende in das weltbekannte Bad Gl eichen berg benützen diese Bahnstrecke bis Purkla, ivv sic die Fahrt zu Wagen über Straden fortsetzen. f) An dem jetzt zum Stifte St. Paul gehörigen Schlosse Pößnitzhofen, einst Sitz des an der Baum- kircher-Empörung beteiligten Ritters Hans Peßmtzcr, vorbei in die parallel laufenden Thäler Iah ring-, Wolfs- und St. Jakobsthal. Im ersten Ver¬ alte Jahringhof der Benedictinerabtei Admont; im zweiten die Heimat eines längst erloschenen steirischen Ellelgefchlechtes, dessen Wappen in jenem der heutigen Fürsten Windischgrätz sich erhalten hat; im dritten Schloß St. Jakob, entstanden um 1630 durch den Grazer Bürgermeister Georg Khlingendraht, nach diesem 29 bis 1 767 über ein Jahrhundert im Besitze der Vor¬ fahren deS Verfassers, ans welchen ein im Staatsdienste nicht unverdienter Mann, der k. k. Hofrath Georg Adalbert von Bcckh, f am 8. October 1801, dort be¬ graben liegt. St. Jakob ist der Geburtsort jenes tapferen Kinskiancr Corporals Franz Gornigg, welcher durch sein mannhaftes Verhalten im Pulvermagazin von San Spirito beim Ausbruche der Revolution in Venedig 1848, weit hoher gestellte Functiouäre be¬ schämte. Vom Jakobsthal U e b er gan g in s Mur- t h al zur Ueberfuhr beim Murhof, oder nach Stadt Mureck mit einem seit sechshundert Jahren im Be¬ sitze der Herren und Grafen von Stubcnberg befind¬ lichen Schlosse. 8) Oestlich im Angesichte des einst den Jesuiten gehörig gewesenen Willkommhofcs am Fuße des Kvschinaberges (soll Geburtsort des Historienmalers Malitsch sein) über St. Margarethen, einem sehr freundlichen Pfarrdorfc, und Markt St. Leonhardt, dann dem Wallfahrtsorte Heil. D rc if alti g k e i t, der bemerkcnswcrthen alten Kirche in Ben edi eten und dem fürstlich Trauttmansdorff'schcn großen Schlosse Negau, nach Stadt Radkewsburg an der Mur, knapp an der ungarischen Grenze, im Mittelalter Haupthandelsplatz in der Steiermark, Stammort der späteren Fürsten Eggenberg. Von Bcnedicten aus über Tribein Ausflug nach dem Pfarrorte St. Anna am K ri c ch enberg e (358 Meter) mit berühmter Rundschau über das ganze Gebiet der wendischen Büheln. Von hier aus übersieht man die herrlichsten Weingebirge von Rädkers bürg und Luttenberg mit den stärksten, darum aber auch bei Uebergcnuß nicht ungefährlichen Weinen der Steier¬ mark. Wer jedoch seine Sinne im Zaume halt, der möge sie genießen, die edelsten Tropfen des Steirer- 30 landes, denn bedauernswerth ist, wer noch nie seinen Gaumen mit Kerschbacher (Abtei Admont), Jeru- s a l e m e r, D e m n er (seit unvordenklichen Zeiten Marke des Deutschen Ritterordens), Pcttauer Stadt¬ berger, Wurmberger Rebcnblut bedächtig netzte. Bevor man den stattlichen Markt St. Leon¬ hardt, Sitz eines k. k. Bezirksgerichtes, erreicht, wird auf einem mäßigen Hügel, dessen Fuß die Pößnitz im Halbbogen umschlingt, eines der größten und inter¬ essantesten Schlösser der Steiermark sichtbar: Guten- haag. Einst Sitz der Haager kam die Herrschaft durch Anna, Tochter Günthers von Haag, des letzten vom Mannsstamm, 1409 an ihren Gemahl Heinrich von Herberstein und Ivar lange der bedeutendste Besitz dieses für unsere steirische Heimat wichtigen historischen Geschlechtes. Im Jahre 1802 verkauften die Grafen Herberstein Gutenhaag sammt Lindenpichl an Johann Paul Pauer, dessen Enkel noch im Besitze steht. 5. Vom Marburger Südbahnhofe ausgehend und von der Lcitcrsberger Straße abbiegend gelangt man nord¬ östlich in das K o s ch a ke r-Weingebirge mit den Gegenden in der Brühl, Zweining und Freidegg. Von der Tegetthoffstraße aus kurz vor dem Bahnhof führt die Landstraße in die verhältnißmäßig jugendliche Vor¬ stadt Mell in g. Einst und durch ein halbes Jahr¬ tausend bildete Melling eine Commende des Maltheser- Ritter-Ordens. 1800 wurde die Herrschaft an Alois v. Kriehuber verkauft, in dessen Familie sie bis 1880 blieb. Währenddem ging's ans Zerstücken. Das einstige Commenden-Schloß sammt der Katharinenkirche wurde Mitte der 1840er Jahre abgetragen. Aus den Ruinen entstand nach wiederholten Unibauten die gegenwärtige Feigenkaffee-Fabrik der Familie Hauser. Und was tummelt' sich alles jetzo auf den einst so stillen Gründen der Eommende! An die Berglehne haben sich die 31 Lagerhäuser der Südbahn geschmiegt, nächst derselben drehen sich die Räder der großen Franz'schen Dampf- mühle, die Marburger Gasanstalt ist dort, ebenso neben zahlreichen Privat-Wohnhäusern die Kaserne der Süd- bahn-Conducteure, der Landwehrtruppen, ein Ziegelei- Ringofen; demnächst soll die Schlachthalle dort erbaut werden. Das Project, von hier aus die Drau durch stolze Dampfer befahren zu lassen, war noch nicht so weit gediehen, um dasselbe mit dem Ende der weiland Murdampfschifffahrt vergleichen zu können, abgesehen davon, daß die Drau bis Marburg der Mur bei Graz jedenfalls ein Tüchtiges über ist. An die Stelle des Hafens, wollten manche den Zukunftsfriedhof von Marburg verlegen. Dieses alles auf den Gründen, auf welchen die Maltheser sich begnügten, Heu mähen zu lassen. In Fortsetzung unseres Weges längs der Drau, welche hier durch eine Uebcrfuhr mit Pobersch ver¬ bunden ist, kommen wir knapp unter dem von der Drau durch Anspülung stark bedrängten Schlapfcnberg in einer Stunde zur uralten Pfarre St. Peter mit der vielbesuchten Maricn-Wallfahrtskirche am Fr au en¬ de rge. Dort ist auch eine Schule sammt Pension für Mädchen, unter der Leitung der Schulschwestern in Marburg. Von St. Peter aus besteht für Ausflüge ins Wcingebirge reiche Auswahl. Einer führt nach dem Pfarrort St. Barbara l390 Meter) mit dem Stamm- Hause der Arztcnsfamilie Ferk. Prachtvoller Aussichts¬ punkt, darum viel besucht. LVeil der Weg dahin am linken Drau-Ufer für Fahrende beschwerlich ist, so wird er gewöhnlich vom rechten Drau-Ufer über Pobersch, Fraustauden, Lendorf zur Drahtseilübcrfuhr bei Täub¬ ling gemacht. Jenseits der Drau führt die Straße über Unter-Täubling und Ziglenzcn zur Höhe von St. Bar- 32 bara. Von da bleibt die Wahl, in nördlicher Richtung das uns schon bekannte Schloß Gutenhaag, zu erreichen, oder südöstlich uns nach Wurmberg (422 Meter) zu tuenden. Dicß versäumt selten ein Wanderer in diese Ge¬ gend, ist ja S ch l o ß Wur m b e rg eine der schönsten, besterhaltcnen Ritterburgen der Steiermark, in impo- nirender Lage, hoch über der Trau den Berg krönend. So beiläufig wie von Wurmberg, beziehungsweise dem nördlich dahinter liegenden Hvhenburger-Kogel (459 M.) muß die Rundschau beschaffen gewesen sein, von deren Mittelpunkt der in der Bibel genannte Versucher un¬ seren Heiland, allerdings vergeblich zur Huldigung zu gewinnen strebte. Wie auf einer Tasse liegt das Unter¬ land vor den Blicken des Beschauers. Wer sich über die wechselvolle Geschichte der Veste unterrichten will, erwerbe sich Gustav Budinsky's Büchlein: „Schloß Wurmberg", 1879. Seit kürzeren Jahren liegt eine gründlichere geschichtliche Arbeit über Wurmberg vor, vom Pfnrrherrn zu Sl. Marxen bei Pcttan, Matthäus Slekovcc; diese ist jedoch im Buchhandel nicht zu haben. Geboten haben hier die Wurmberger, Pettauer, Stubenberger, Herbersteiner, Wechsler, dann wieder Herberstein, endlich von 1707 bis 1884 Attems. Nun gehört das Gut einem wohlhabenden Wiener Bürger, Herrn Ferdinand Troll und seiner Gattin Carola, geb. Lcibcnfrost. Wenige Schritte vom Schlosse entfernt steht die Pfarrkirche St. Maria in Wurmberg mit Grabdenk¬ malen der Stubcnberg, Siegersdorf und Wechsler. In der Nähe des Schlosses das Weingut des Herrn Josef Baumgartner aus Graz mit Musterrcbcn- anlagen, welche viel besucht werden. Von Wurmberg erreicht man durch das anmuthigc Grajenathal zu Wagen in einer Stunde die historische 33 Stadt Pett au, an deren Grenzen unsere Ausgabe schließt. Ein anderer lohnender Weg fuhrt dahin, knapp längs der Drau, bei den Besitzungen des Herrn Martin Kaiser und bei der bekannten Champagnerfabrik des Herrn Hintze vorbei. Als eine Abwechslung beim Rückwege von Wurmberg nach Marburg kann der Ab¬ stieg vom Schlosse nach dem freundlichen Pfarrdorfe St. Martin, dann weiter nach Täubling zur Drau- Ueberfuhr empfohlen werden. Alle bisher genannten Gegenden, gehören sie zum Pvsruck (Bocksrücken) oder zu den wendischen Büheln, wechseln in einein bunten Gewirre von rebcnbepflanzten Hügeln, theils an den Gipfeln, theils an den Ab¬ dachungen oder in den Thalgräben besäet mit den mehr minder reichen Villen oder auch nur einfachen Land¬ häusern der Besitzer aus allen Theilen des Landes und auch weiter hinaus. Denn noch nicht ganz Verklungen ist die Zeit, wo es zum guten Tone gehörte, in der Umgebung von Marburg einen Weingarten sein Eigen zu heißen, also daß es nicht ohne Anflug von etwas Bosheit verlautete, in Marburg dürfen nur jene die Bürgersteige benützen, welche sich mit dem Besitze eines Weingartens ausweisen können. Einst waren in den Besitzcrrcihen die Stifte, Prälaten und vornehmsten Geschlechter der zur Zeit ver¬ letzten Thcilung der Habsburger Länder im Jahre 1564 von Graz abhängigen, weil bis zu Maria Theresia von da aus verwalteten innerösterreichischen Ländergruppe Steiermark, Kärnten, Krain, die wendische March (Möttling) und das Küstenland mit Triest, Görz, Gradiška und Istrien. Und alle diese Besitzer waren verpflichtet, von ihren gelesenen guten Tropfen den „Zehnten" dem Kirchenfürsten von Salzburg ab¬ zuführen. Im Wandel der Zeiten haben die kirchlichen Stifte (alle alten steirischen Abteien, aus Kärnten Gurk 34 und St. Paul) ihren Besitz zu conserviren gewußt. Unter den weltlichen Besitzern dominiren aber in unseren Tagen die thalerkräftigcn und bürgschastsfähigen Bürger, rücksichtlich Marburgs die Patrizierfamilien B a d l. Baneal ari, Bindlechner, Ferlinz, Franz', G i rst m a yr, Gödl, Götz, K oko sch i negg, Krie¬ huber, O g ri s e g g , P a ch n c r, P f r i m e r, P u g gl, R eifer, S ch c r b a u m , S ch m i d c r e r, T a p p e i n c r, Tschcligi und Andere mehr. Rechtes Drauufer. 1. Südöstlich Fahrweg über den Wallfahrtsort Fraustaudcu (Filiale der Pfarre Kölsch), Lendvrf zur schon genannten Drahtseilüberfuhr über die Drau bei Täubling, von wo dann die schon gewürdigten Orte St. Barbara, Gutenhaag und Wurmberg erreicht werden können. 2. Die Fahrstraße durch den großen Thesenwald über St. Nikolai mit einem Landtafelgute, dann dem Pfarr- vrtc St. Johann am Draufeld nach Pettau süh,rcnd. Dahinter am Rande der Sauritscher Berge ist das herrlich gelegene nun Gräflich Wurmbrand'sche Schloß An kenstcin zu schauen, die Beherrscherin der Drau-Auen mit ihren fächerartig vor sich ausgebreitcten Perlen Pett-, Dorn-, Rusten-, Fried- und Polst er-au. Nach dem Erlöschen der Ankenstciner 1323 hausten da ein Jahrhundert die Pet tarier, weiter im raschen Wechsel die Schaumburg, Stuben¬ berg, Ebersdorf, Thurn, Tattenbach und fast zwei¬ hundert Jahre bis 1801 die seither erloschenen Grafen Sauer von Kosiak* und Ankenstcin. * Die Sauer sollen aus Kram stammen. Ihr erstes Prädicat K o s i a k oder K o S s a k möchte eine Abstammung auS den Ge¬ genden des PoSrnckgebirges bei Marburg vermnthen lassen. In 35 3. Südlich die Neichsstraße nach Triest, bis nach Pulsgau die neue Schiencnstraße säst begleitend, welche zahlreiche Seilenausflüge in die knapp bis zur Straße reichenden östlichen Abdachungen des mächtigen B ache r cr- Gebirgsstockes gestatten, der auf einer 143'5 Kilometer langen Umsangslinie 117 größtentheils von Slovcnen bevölkerte Gemeinden umfaßt. Sein höchster Punkt ist die 1543 Meter hohe Velka. kupu, seine von Touristen besuchtesten Punkte dürften das Wolf¬ gangs-Kirchlein ob Marburg und der reizende Pfarrort Neifnigg ob Wuchern sein. Die gesuchtesten Marken seiner bouguctrcichen feinen Weine gedeihen am Ost- und Südabhange und genießen als Picker er, N a d i s c ll e r, R i t t c r s b e r g e r, S ch m i t s b e r g cr mit dem Brandner, Vinarier wohlbegrnndcten Nus. Der vaterländische Dichter Ignaz Kollmann sang in seinem Liede auf den Bacher: „Bon des Rittersbergcrs Rebcnhöhcn Blicken neidlos wir zum Rheine hin, Des Bnrgnnders saßen Parpar sehen Wir in deinem Gonowlzer glah'n. Gleich von der Drau aus, beim Anstiege zur St. Magdalens-Vorstadtkirche, wird von Marburger Wcin- licbhabcrn öfter in mäßiger Krümmung abgebogen, um das Mayrseidl-Alpenhaus zu besuchen, wie die groteske Schilderung einer mit allen modernen Hilfsmitteln für Hochgcbirgswandernngen ausgcstaltetenExpedition („Mar¬ burger Zeitung^ 9. J.mi 1889) beglaubigt. Auf der -r h e s c n, wo die Marburger Kriegs¬ völker zu Fuß und zu Roß ihre Hebungen, ebenso die Eavallerie-Garnison wie der blühende Marburger Rcnn- der Thnt kamen sie aas diesen Gebieten Zeit ihrer Blüthe nie hiaaas Die Urheimat des vor Kurzem verstorbenen vielgenannten Grazer RcchtsaawaUcs und VerthcidigcrS Dr. JnliuS Kosjek möchte wohl auch in dielen Gegenden zu suchen lein. 3 36 verein igeleitet vom Gutsherrn auf Rothwein Alfred Ritter v. Roßmanit) ihre ans allen Gegenden des Landes vielbesuchten Schauseste zu Roß und Wagen abhalten, locken die unverfälschten Tropfen des Vater Wretzl'- nun Roth'schen Gehöjtes. Knapp dahinter, in einen Eichenhain gebettet, ist das schöne im florcntinischen Styl im 18. Jahrhunderte erbaute Schloß Win den au, seit 1863 Sommerresidenz des Fürstbischofs von Lavant. Hier soll einst zur Zeit der Römer eine Stad h Medaria bestanden haben, von welcher weiter gesagt wird, sie sei dem großartigen Erdbeben im Jahre 6 vor Christi Geburt zum Opfer gefallen. Als nach den Völkerwanderungen allmählich Beruhigung eingetreten war, entstand hier, in der geschichtlich bereits controlirbaren Zeit, am Berge eine Burg, deren Eigner sich die Herren von Winden nannten, welche dann im Jahre 1491 ausstarben. Hierauf walteten hier die Herberstein aus dem Aste von Gutenhaag; unter ihnen wurde hier zur Zeit der Reformation eine evange¬ lische Seelsorgestation sammt Friedhof für die am Draufelde wohnenden Religionsgenossen errichtet, welche 1600 bei Durchführung der Gegenreformation wieder zerstört worden ist. Die Herberstein gaben um 1629 das Gut auf, ihre Nachfolger wurden die Grasen Khisl von Kaltenbrunn auf Ober-Marburg, und als diese erloschen waren, wie oben bei Ober- Marburg ausführlich nachgcwiesen, die Grasen Brandts. Letztere verkauften Windeuau 1863 dem Bisthumc Lavant, damit bei der Uebcrsicdlung des Bischofsitzes aus St. Andrä im Lavantthal nach Marburg 1859, für dasselbe ein repräjcntationssähiger Edelsitz geschaffen werde. Gleich hinter Windenau kommen wir in die von zahlreichen Wcingarthäusern besetzten Gebiete von Roßwein, Kö tsch und Schleinitz. Zunächst blickt 37 von der Höhe über dein uralten Pfarrdorfc Kötsch das stattliche „Haus am Bacher", einst auch H a u s e n ba ch geheißen, mit seinen Gürten und Anlagen. Einst geboten hier durch lange Zeit die St üben berg aus der Linie, welche 1630 religionshalber nach Deutschland auswanderte, dann wechselten die Besitzer rasch. Jetzt waltet da als Haus¬ frau Gräfin Maria Nugent, geb. Markgräfin von Pallavicini, eine im Wohlthun unermüdete Dame mit ihrem jugendlichen Sohne, dein Coadjntor im Besitze. Der einst zur Herrschaft gehörig gewesene Rogeishof jenseits der Reichsstraße, ein stattlicher Körper von 300 Joch Umfang, wurde an die Mar¬ burger Familie Scherbaum verkauft. Ein beliebter Ausflugsort für die Marburger, namentlich im Winter für Schlittenfahrten, ist das Pfarrdori Schleinitz (Gasthaus Prek) mit dein zur gleichnamigen Herrschaft gehörigen, im modernen eng¬ lischen Style restaurirten Schlosse knapp unter dem Hügel, welchen einst die alte Burg krönte. Auf letzterer hausten weiDstlber zwei Jahrhunderte die vielfach ver¬ dienten Grafen Kollo uitsch, deren letzte Namens¬ trägerin vor wenigen Monaten im April d. I. zu Wien starb. Diesem Stamme gehörte bekanntlich der berühmte Cardinal-Bischof Leopold Gras Kollonitsch, f 20. Jänner, 1707 an, welcher eine der Hauptstützen der glorreichen Berthcidignng Wiens im Jahre 1683 war. Im letzten Jahrhunderte war die Burg von 1802 bis 1847 im Besitze der Fürsten Poniatowsky, von 1847 bis 1882 in jenem der Grafen v. Brandis. Jetzt tummelt da ein Ritter aus Polen, Herr Karl von Rudnitzki, seine feurigen Rosse. Bald hinter Schleinitz erreichen wir eine Straßen¬ kreuzung, an welcher ein stattliches, nach Bauart und eingemeißeltcr Jahrzahl vor hundert Jahren gebautes 38 Gehöfte, genannt Wundsain, steht. Ter Nanic erinnert an eine rasch empvrgekommene, tast noch jäher wieder zur Unbedeutenheit herabgesunkene Marburger Bürgerfamilic. Niemand versäume es, da rechts einzubiegcn, um in einer kleinen Viertelstunde den wie ein Kindlcin in der Wiege reizend zwischen Weinberge eingebetteten Pfarrort Fra uh ei in, den Mittelpunkt des gerühmten Radiseller (deutsch: Lustbüchler) und Rittersberger Weingebirges zu besuchen. Tie leiblichen Bedürfnisse finden in Stampfl's Gasthof solide Befriedigung und zur Eisenbahnstation Kranichsfeld besteht Omnibusverkehr. Im Orte über der vor etwa einem Jahrzehnt ganz neu erbauten Pfarrkirche die Ruinen eines alten Schlosses, welches einst, und zwar bis 1568 dem jeweiligen Erbmarschall der Steier¬ mark nach Lehensrecht zur Nutzung überwiesen war. Hierauf hausten da mit rascher Abwechslung zahlreiche Adelsfamilien des Landes, die Gabelkhovcn, Schneeweiß, Wagensbcrg, Herberstein, von 1738 bis 1802 die Grafen Khucnburg. Seither folgte die Herrschaft dem Lose der Burg Schleinitz. Den Ort belebt außerdem eine Scherbaum'sche Mühle, auch wird da reger Holz¬ handel betrieben. Die Straße führt dann weiter über Pfarrdorf und Schloß Ober-Pulsgau (letzteres bis ins 15. Jahr¬ hundert besetzt von den Pulsgaucrn, im 18. Jahrhun¬ dert von den Grafen Dietrichstein und seit 50 Jahren von den Freiherren v. Post) zur schön gelegenen und wohlhabenden Stadt W i n d i s ch - Fe ist ri tz. An den Grenzen derselben schließe ich meinen Bericht, denn da hüten die derzeit die Hauptmannschaft im Lande lobsam innehabcnden Grafen v. Attems als Herren der Burg Feistritz ihre historischen und anderen Interessen selber. Ich beschränke mich nur auf die Bemerkung, daß die nächste Eisenbahnstation Pöltschach nach zwei Seiten zu höchst lohnenden Ausstichen anregt, westlich 39 auf den eine weite Rundschau gewahrenden 883 Meter hohen Do nati berg, dann zur vielbesuchten Landes- curanstalt Saucrbrnnn nächst Rohitsch, westlich mittelst der Landes-Localbahn nach Gono bitz mit dein gerühmten Weingelände Vinaria. Von den östlich der Reichsstraße gelegenen Ort¬ schaften des Pettauer Feldes seien genannt: das große Dorf Kranichs seid, mit dein gleichnamigen weit¬ läufigen Schlosse, unter dessen Besitzern der 1671 zu Graz als Hochvcrrttther Hingerichtete, gemäß seiner Persönlichkeit wahrlich wenig bedeutende Hans Erasmus Graf von Rheinstein und Tattenbach in geschichtlichen Aufsätzen und romantischen Erzählungen weit mehr ge¬ nannt worden ist, als Persönlichkeiten von Verdienst und segensreicher Thatkraft. - An der Straße von Kranicbsfeld nach Pettau liegt in der Ebene Schloß Ebensfeld, seit langem in Trauer und verödet. Erst gelang es nicht, aus dem Schlosse eine Cavallerie- Station zu machen, die Unternehmer haben an diesem Mißlingen hart zu tragen. Dann hat unkluges Ver¬ halten eines späteren Besitzers auch die Artilleristen von da vertrieben, so alljährlich in den Svmmerinonaten hieher kamen, um viel Pulver, aber auch viel Geld zu verschießen und in der an letzterem gar armen Gegend zu lassen. Die Herren Kanonengelehrten aus Juner- östcrreich und Croatien vom 3. und 13. Armeecorps sollen es nun in Gurkseld noch toller und doch stiller (das Pulver hat bekanntlich die Stimme verloren) treiben, unter aller Förderung der Bevölkerung, denn dort versteht man diese alljährlich wiederkehrendcn Be¬ suche zu würdigen. - Bon der vielgenannten und viel- verwünschten Eisenbahnstation P r a g e r h of zweigt die ungarische Linie der Südbahn ab. Malerisch blinkt von den Höhen der niederen, die Wasserscheide zwischen dem Drau- und Drannthale bil- 40 denden Hügelkette am Südrande des großen Pcttaucr Feldes der kleine Markt Maria Neustift herab, mit einer stylgcrcchtcn gothischen Wallfahrtskirche (350 Meter), deren Erbauer, mindestens aber eifrige Gutthäter, nach Zcugniß der wiederholt vorkommcnden Wappenschilder, die einst so mächtigen Grafen von Cilli gewesen sein dürften, 4. Südwestlich, die Colonie der Südbahngesellschaft und das Terrain der stattlichen k. k. Jnfanterie-Cadctten- schule. Letzteres streifend, dann das in den letzten Jahren in Bildung begriffene, von Arbeiterfamilien be¬ lebte „Neudorf" durchziehend, führt eine Straße iiber Roth wein mit gleichnamigem Schlosse und der vielbesuchten Taverne „Zur Linde", dann überPickern- dorf mit der Dr. Othmar Rciser'schen Muster - wirthschaft, zum St. W o l s g a n g-Kirchlein am Bachern (1037 Meter), nächst welchem man eine ungemein lohnende Fernsicht genießt, leicht erreichbar in drei Stunden. Eine weitere Stunde am Höhenrücken fort¬ schreitend kommt man zum Kirchlein St. Heinrich (1249 Bieter), welches dem deutschen Kaiser Heinrich dem Heiligen, st 1024, seine Gründung verdanken soll. Daselbst ein Grabdenkmal, aber nicht die Begräbnißstäite des Kaisers. Die Rundschau von diesen beiden Punkten umfaßt nicht nur die mittlere und untere Steiermark, das trunkene Auge schweift westlich über die Karawanken hinaus bis zur Villacher Alpe, im Osten soll man an reinen Tagen den Stadtpfarrthurm von Warasdin in Croatien sehen. Tief unten im Thalc als disou die Stadt Marburg. Uebcr den alten, vom unermüdet thätigen Herrn Professor Ferk entdeckten Straßenzug der Römer, welcher von der Hauptstraße von Celeja nach Norden bei Windenau (siehe vorne) abzweigte, um da den Bacher anzusteigen, die heutigen Kirchlein St. Wolf¬ gang und St. Heinrich zu berühren und endlich in der 41 Nähe von Windischgraz eine andere von Celeja aus¬ gehende, nach dem heutigen Körnten ziehende Straße zu erreichen, brachte erst vor wenigen Tagen die „Tages¬ post" in Nr. 243 vom 4. September 1900, 5. Bogen, genauere Nachrichten. 5. Von der Magdalena-Vorstadt ausgehend, wird in westlicher Richtung, fast parallel der Kärntner Bahn entweder auf der Straße oder an sonnigen Tagen besser durch den Brunndorfer Wald in einer guten Wegstunde der Pfarrort Lembach mit spärlichen Ruinen eines gleichnamigen, in seinem Neubau zu Thale dem Stifte St. Paul in Kärnten gehörigen Schlosses erreicht; den niit der Eisenbahn Fahrenden kommt eine Haltestelle zugute. Lembach ist für Mar¬ burg das, was Judendorf für Graz und in einer Be¬ ziehung noch etwas mehr. Hier konnten etwa die Präliminarien für eine „Völ k erv er s v h nu ng" wenigstens zwischen Deutschen und Slovcncn festgesetzt werden, denn allsonntäglich versammeln sich die Mannen beider in diesem Gebiete geläufigen Zungen sammt ihren Frauen, Kindern und Kindeskindern ini Gehöfte eines Führers der Slovenen, des Landcsausschusjes Robitsch oder beim Jägerwirsth. Dort genießen sie ein¬ trächtig das edle Picke rer Naß, dessen Kraft schon manches Herz gestärkt, und gewiß auch oft jenes des edlen Ritters Hans Bernhard Herzenkcaft, Herrn auf Lembach, der hier anno 1599 zur Ruhe gebettet wurde; dessen Güte auch der berühmteste Staatsmann der Neuzeit vor wenigen Jahren gelegentlich der be¬ kannten Wallfahrt nach deut Sachsenwalde erprobte. Von Lembach aus Ausflüge ins gesegnete Pickerer Weingebirge mit dem einst weiland dem Erzherzoge Johann, nun seinen Enkeln eigenthümlichen Wein¬ gute am Jo Hannes berge. Hier besuchten den volksthnmlichen Fürsten in, Jahre 1830 Kaiser Franz 42 mit der Kaiserin Karvline und dem Herzoge von Reichstädt (Sohn Napvleon's I.). 6. Mit der Eisenbahn nach Maria-Rast, woselbst von 1645 bis 1758 ein von Jesuiten geleitetes Gym¬ nasium bestand, an welchem eine große Anzahl der wohlhabenderen Söhne des Landes und seines Adels (auch einige Vorfahren des Verfassers dieser Abhand¬ lung waren darunter) erzogen wurde. Staatsmänner, Gelehrte, Bischöfe und Prälaten gingen aus dieser Schule hervor. Als 1758 das Jesuiten-Gymnasium in Marburg eröffnet wurde, ging diese Schule ein. Von Maria-Rast, welches neben der geistlichen auch mehrere gute leibliche Raststätten aufweist, lohnende Ausflüge zu den Glasfabriken im Benedictsthal und in der Löbnitz, dann auf den Bachern. Die nächste Eisenbahnstation ist Faal, richtiger Fall, da der Name von den einst hier bestandenen Drau-Wasserfällen abgeleitet wurde, mit dem Schlosse Faal, unterhalb welchem einst eine Thalsperre der Drau bestand. Nach dem Erlöschen des gleichnamigen Ge¬ schlechtes walteten hier die Mönche der Benedietincrabtei St. Paul in Kärnten durch mehrere Jahrhunderte bis zur Aufhebung im Jahre 1782 des dann später wieder hergestellten Stiftes. 1820 erwarb die Herrschaft vom Religivnsfonds Martin Liebmann, baronisirt mit dem Prädicate von Rast und gegenwärtig steht Graf Zabeo im Besitze. Von Faal führt ein fahrbarer Weg über den Jodlberg zuerst nach St. Maria in der Wüste, woselbst ein kunstliebender Abt von St. Paul im Barockstyl ein nettes Kirchlein erbauen ließ, welches im bekannten Vischer'schcn Schlösscrbuche abgebildet wurde. An dieser zur Andacht stimmenden Stätte erreicht man die längs des wildrauschenden Baches von der Eisen¬ bahnstation kommende Fahrstraße zum Markte St. 43 Lorenzen und schreitet mäßig bergan. Der blühende Markt mit zahlreichen Holzsägen am lebhaft wallenden und gurgelnden Bache ist auf eine malerische, rings von Bergen umschlossene Terrasse des Bachern also reizend gebettet, daß man sich verleitet fühlt auszurufen: Hier lasset uns Hütten bauen. Wie wenige ist dieser Ort geschaffen, Erholungsstätten für den Sommer ein¬ zurichten. Damit schließe ich meine von der Hohe der einstigen Veste ober Marchburg angestellte Betrachtung und danke meinen Zuhörern, daß sie meinem Versuche, im Geiste eine Brücke aus längstvergangenen Zeiten bis zur Gegen¬ wart zu schlagen und also zu Vergleichen des Einst mit dem Jetzt anzuregen, so ausdauernd Stand gehalten haben. SSSSSS14SS3