UMMsche MiffmifcZtitfchrift der Söhne deK heiligsten HerzenK Jesu. - Grxan deß aNarien-VrrrinS für Sdfrißa. ■=== Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten lmb Wohltäter,, den apostolischen Segen erteilt. Mit Empfehlung vieler hochwllrdigster Bischöfe. Erscheint monatlich einmal und kostet jährlich mit Post 2 K — 2 Mk. — 3 Franken. Redaktion und Administration: Missionshaus Miiland bet Driren, Mro!. ==-■■■..— ......—.....InHatt: — ...............-... — (Sri'mbmtg einer neuen Zweigstation für Katechismnsnnterricht 73. — Landschafts- und Stimmungsbilder auf dem Weißen Nil 80. — Ans dem Missionsleben: Der oberste Gerichtshof bei den Dsch'nr 84. — Unterhaltendes: Schwarzes Elfenbein 89. — Verschiedenes: Gebetskrenzzng für die Bekehrung Afrikas 95. — Wie chinesische Boxer sich unverwundbar machen 95. — Der Affe des Savohardenknaben 96. — Der Sodasee im innersten Afrika 96. Abbildungen: Fröhliche Ostern. — Kornspeicher bei den Dschnr. — Hüttenban bei den Denka. — Ein Zauberer bei den Dschnr. — Landung eines Nildampfers. — Beduinen. Dem Memento der hochw. Missionäre und dem Gebeie aller Leser werden die folgenden Verstorbenen Linpfohlen: Fran Anna Schwertmann (Riesdorf) — Fran Katharina Gumpinger (Altschwendt) — Ehrw. Schwester Theobaldia Elisabeth Wolfs-gruber (Innsbruck) — Hochw. Herr Sebastian Lachmeier, Pfarrer (Klagenfnrt) — Hochw. Herr Ferdinand Walch (Ganenstein) — Frau Maria Mandl (Maria-Zell) — Herr Vitus Reinhart (Weilheim) — Exzellenz Dr. Kot! Lueger, Bürgermeister (Wien). „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen!" W^iefkcrsten der Medcrktion. An p. D. in T. Abonnement in Briefmarken ganz erwünscht. Besten Dank für Ueberschnß. Rach w. in K. Laienbrüder werden jederzeit aufgenommen, für Studenten ist es am besten gegen Ende August. An F. R. in Fr. Sag' nur dem Studenten, er möge mir vertrauensvoll schreiben und den Schritt wagen, wenn er schon so lange den ernsten Wunsch und Willen hat, Missionär zu werden. Das Arbeitsfeld im Sudan ist groß genug, seinen Eifer zn entfalten. Rach ti), in 8. Vor kurzem erst die Nachricht erhalten, daß unser hochwst. Bischof südlich von Gon-dokoro eine reife Ernte gefunden; er hat dort gesinnt, getauft .... Hoffentlich kann der „Stern" bald vieles Tröstliche von dort berichten. An A. 5. in 5. Ein herzliches „Bergelt's Gott!" für die 50 Mark. Uns ist unbekannt, unter welcher Adresse der „Stern" an Sie gelangt. An mehrere. Meßstipendien zn Kr. !.— sind sehr knapp bemessen. Damit ist den armen Missionären nicht geholfen. Wenn jemand alte Jahrgänge der Zeitschrift „Stimmen ans Maria - Laach" entbehren kann, so bitten wir, diese Hefte an unser Missionshaus zn senden. Redaktionsschluß: 14. März. ^ßonnemmts=@rne«erurto;en. Vom 1. Februar bis 1. März 1910 haben folgende Nummern ihr Abonnement erneuert: 146 273 283 296 338 343 355 386 439 480 486 496 503 508 582 625 630 665 700 767 778 792 858 898 922 930 963 1040 1121 1131 1183 1189 1210 1286 1484 1512 1595 1624 1735 1750 1773 1816 1817 2005 2036 2:60 2257 2314 2386 2411 2585 2620 2632 2655 2689 2788 2804 2871 2988 3034 3054 3070 3108 3149 3217 3228 3346 3396 3398 3554 3614 3679 3683 3726 3764 3781 3782 3783 3805 3810 3821 3828 3830 3^36 3819 3812 3844 3846 3852 3853 3861 3868 3871 3884 3889 3891 3893 3898 3899 3904 3909 3911 3913 3915 3916 3922 3929 3930 3932 3936 3941 3914 3945 3950 4022 4101 4165 4180 4213 4215 5016 5030 5031 5041 5019 5055 5123 5162 5176 5199 5219 5260 5262 5271 5319 5341 5367 5400 5419 5420 5422 5448 5457 5486 5496 5549 5724 5736 5738 5809 6247 6385 6403 6459 6469 6502 6588 6625 6623 6637 6680 6733 6749 6957 6993 6996 7008 7016 7019 7027 7033 7086 7100 7143 7160 7199 8015 — 2689. ffiebetserfjörungen und Empfehlungen liefen ein aus: Bozen — Brixen — Bruneck — Ebensee — Ettal — Friedeck — Gmnnden — Kühringsdorf — Lana — Mittelberg — München — Münster — Niedernsill — Niederndorf — Nenmarkt — St. Pölten — St. Valentin — Schwaz — Stern — Tegernsee — Wien. Dem heiligsten herzen Jesu, der unbefleckten Gottesmutter Maria, dem heiligen Zosef und dem heiligen Antonius fei einiger Dank gesagt für teilweise Heilung von einem langen Leiden — für Erhörung in einem SMiegen — für Erhörung einer Bitte. Man bittet ums Gebet: in wichtigen Familienangelegenheiten — um Gesundheit für einen Mann — mn Frieden in einigen Familien — für einen kranken Sohn — in Berufsanliegen — um guten Ansgang einer Verhandlung — in zeitlichen Geschäften — in vielen anderen wichtigen Anliegen. - Veröffentlichung haben mehrere versprochen. Dient vornehmlich der Mnterstützung und Ausbreitung Oer flhissionstätigfteit der Söhne des heiligsten Derzens Aesu und sucht Verständnis und werfttätige Liehe des Missionswerftes in Mort und Schritt zu fördern. Das Bvbettsfelö dieser /Ivissionare 1st der Sudan (Lentral-Atrika). Der „Stern der Neger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus Milland bei Vrixen (Südtirol) herausgegeben. Bboimementsprtis ganzjährig mit ipoftverfentmng TRv. 2.—, Ndk. 2.—, zfr. 3.—. Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für die Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Leitmeritz, Linz, Olinütz, Marburg, Trient, Triest und Wien. Ibeft 4. April 1910. XIII. Zadrg. Gründung einer neuen Zweig station für Ikateekismusunterriekt. Bericht des ebrw. Br. Kayango, 8. Dezember 1909. Seit dem letzten Besuche unseres hochwürdigsten Herrn Bischofs Fr. X. Geyer in der Station Wan im August 1909 hat sich daselbst manches verbessert. Unser Großhänpt-lingSultanKayango wurde vom hochwürdigsten Herrn Bischof lote vom Vize-Mudir beredet, unserem Ziele mehr behilflich zu sein. Er solle seinen Untertanen auftragen, zur Kirche und zum Katechismusunterrichte zu kommen, und selbst mit dem guten Beispiele vorangehen. Er nahm diese Mahnungen gut auf und versprach, es zu tun. Er gab alsbald seine mächtigen Befehle, daß alle, nicht einmal ein Kind ausgenommen, jeden Sonntag zur Kirche und zum Katechismusunterrichte kommen müssen. Er sagte: „Auch mein kleinstes Kind" (welches damals kaum zwei Monate alt war) „muß zur Aoset Daher F. S. C. Kirche kommen und ich lasse es taufen und so müßt ihr es alle machen. Unsere Lehre in Ndoggo (das ist ihr heidnischer Aberglaube) ist jetzt veraltet und gilt nicht mehr, jetzt müssen alle die Lehre der Christen annehmen, welche nur die eine wahre Lehre ist." Er kam wirklich selbst mit seinem Hofstaat und vielen seiner Untertanen Sonntags zur heiligen Messe und hörte die Predigt oder den Katechismusnnterricht an. Er sah bald ein, daß solche von weiterer Entfernung nicht leicht kommen konnten, und dachte deshalb daran, an verschiedenen Orten seines Bezirkes eine Kapelle für Katechismusunterricht bauen zu lassen. Er kam öfters zum Obern der Station und besprach sich mit ihm über diese Angelegenheit, was auch bald zur Ausführung kam. Eines Tages ließ er einen seiner Unter- sultane namens Se-1 kommen und verständigte ihn von dem Bane einer neuen Kapelle (Strohhütte). Es gingen daher der Obere der Station und Sultan Kayango nach @e=i1), um den Bauplatz zu bestimmen. Manchen neuen Leser dieses Heftes wird es interessieren, wie so ein Hüttenbau aufgeführt wird. Ich gebe deshalb in kurzen Umrissen einen solchen Ban in Rechteckform an. Die Baustelle wird gereinigt, dann wird der Grundriß mittelst eines Fadens herum bezeichnet, wo sie dann ringsherum einen halben Meter tiefe Löcher im Abstande von 1 bis 3 Spannbreiten machen. Dann gehen sie in den Wald und richten sich ebensoviele Pfähle zu, als sie Löcher gemacht hatten; diese Pfähle haben eine Länge von zirka 2—2’5 Meter; am oberen Ende muß jeder Pfahl die Form einer Gabel haben. Diese Pfähle werden hernach in die genannten Löcher festgesetzt. Die Gabeln dieser Pfühle müssen alle in gleicher Höhe stehen, in welche dann die sogenannten Mauerbankbalken eingelegt werden; hernach wird alles mit einer Art Weide verbunden und mit Lehm ausgefüllt. Als Instrument, um den Lehm anzukleben, bedienen sie sich ihrer Hände, da Maurerkelle und Reibbrettl bis heute noch wenig oder-gar nicht bekannt sind. Auch das Senkblei ist ein unbekanntes Ding. Nach meiner Erfahrung hat der Neger für senkrecht, wagrecht oder rechten Winkel n. dgl. ein sehr schlechtes Auge und fehlt darin in der Praxis sehr weit. Eine solche Lehmmauer von zirka 1’7 Meter Höhe hängt oft mehr oder weniger als 10 bis 20 Zentimeter hier hinein und dort hinaus und sie glauben zuletzt auch noch, daß sie gerade sei. Im allgemeinen werden keine Fenster oder besser Löcher angebracht, wenn sie aber solche machen, so wird zwischen zwei obengenannten eingemauerten Balken ein vier- 1) Auch das Dörfchen tragt den Namen Se-i. Es ist hier bei den Negern gewöhnlich so Sitte, daß auch das Dorf den Namen des Häuptlings trägt. eckiges Loch von 15 bis 20 Zentimeter gelassen, das dann aussieht wie ein unregelmäßig verschobenes Quadrat oder Rechteck. Mit der Türe ist es nicht besser, sie wird mehr oval gemacht und meistens so klein, daß man auf allen Vieren ein- und auskriechen muß. Wenn diese vier Umgrenzungsmauern fertig sind, wird mit dem Dachstuhl begonnen. Sie setzen zuerst in der Mitte der Breite innerhalb des rechtwinkeligen Gebäudes zwei hohe Tragpfeiler, am oberen Ende ebenfalls in Gabelform, in die Erde. Je nachdem die Hütte lang ist, werden auch 3 bis 4 solche Tragpfeiler gesetzt. In die Gabeln dieser Pfeiler werden dann die Firstbalken eingelegt. Nachher werden in Abständen von einer Spanne ringsherum von den Firstbalken auf die Maner-bälken ungefähr armdicke Bäumchen oder Aeste gelegt, welche wiederum an einem, Ende die Form einer Gabel haben; diesmal kommen diese Gabeln umgekehrt nach unten in die Mauerbankbalken und mit den dickeren Enden an den Firstbalken zu liegen, welche sie dann oben wie unten festbinden. Sodann werden in wagrechter Richtung 3 bis 4 etwas mehr als fingerstarke Stäbchen in fortgesetzter Verlängerung ringsherum an die vielen schiefliegenden Balken festgebunden. Wenn der Dachstuhl soweit fertig ist, wird er dann noch mit trockenem, langem Grasstroh bedeckt. Eine solche Hütte wurde auch für die Kirche (hier sagt man Kanisa, was eigentlich Kirche heißt, wenngleich nur eine Kapelle oder Hütte für Katechismusunterricht) anfgeführl, welche eine Länge von nur 6 Meter und eine Breite von nur 4 Meter hat. An dem Bail beteiligten sich alle Dorfbewohner, Männer, größere Knaben und Frauen; letztere trugen hauptsächlich nur Wasser, um das Lehni-material zu bereiten. Sie hatten dabei die besten Absichten und wollten diese Hütte etwas besser (moderner) herstellen und fügten deshalb 3 Fensterchen ein. Auch die Türe machten sie größer: 1-60:0-60 Meter. Im Vergleich zu ihren Hütten wurde diese fest und reinlich hergestellt, worin ich ihren Eifer nur loben kann. Als diese Kapelle fertig war, bestimmten die Oberen und Sultan Kayango den 25. November (Fest der hl. Katharina) als Eröffnungstag. Tagszuvor sandte Kayango sein Mongo*) (Kriegstrompete) nach Se-i, um am nächsten Morgen die Gemeinde zusammen-zürnfen. * * * Es war der Morgen des 25. November. P. Bertola und P. Silvestri lasen die heilige Messe. Nach der Danksagung derselben nahmen sie das einfache Frühstück ein und begaben sich mit zweien unserer Knaben namens Alexander Morgian und Franz Ghida, welche als Katechisten bestimmt wurden, auf den Weg dahin; letztere trugen einige kirchliche Gewänder, ein Kreuz und ein Muttergottesbild. Als sie im Hofe Kayangos ankamen, schloß sich auch dieser an, was ganz natürlich war, da die Errichtung der neuen Station auf seine Anordnung hin zustande kam und ihm dafür auch alle Ehre und Achtung gebührt. Er erschien in seiner besten Uniform (Miralai) auf seinem Esel in Begleitung von acht Männern; er sandte schon vorher einige Männer ab, um die Ankunft anzukündigen. *) Dieses Mongd ist ein ausgehöhlter und etwas zugeschnitzter Elefautenzahn; etwa eine Spannlänge vor dem dünneren Ende des Zahnes ist derselbe voll gelassen, wo seitwärts und in der Rundung des Zahnes nach innen ein Mundstück ist, welches die Form einer Trompete hat und im Zahn selbst geformt wurde; vom Mundstück aus führt ein schiefes Loch in der Größe eines Federhalters in die Höhlung. Wenn dieses Instrument geblasen wird, gibt es einen brüllenden Ton und es tönt genau wie das Brüllen der Ochsen oder Kühe. Natürlich lacht ein Europäer darüber und denkt sich seinen Teil; die hiesigen ßchwarzen hingegen sind stolz darauf, eine so schön klingende Trompete zu haben. Dieses Mongo wurde vor Zeiten bei Aufständen oder Kriegen geblasen. Dies kommt nicht mehr vor; das Mongo wird nur für profane Sachen verwendet und dient gegenwärtig als Katechismustrompete. (2t. d. SS.) Als dieser Zug in Se-i ankam, wurden sie mit heiteren und lächelnden Gesichtern empfangen. Die Harrenden waren stolz, in ihrer Mitte eine Kirche zu haben, weil sie dann vom Missionär auch materielle Sachen zu erlangen hoffen, z. B. Kleider, Perlen, Zucker, Salz usw., was man ihnen auch als Belohnung manchmal geben muß. Nach einer Weile begaben sich alle in die neue Kapelle. Der Obere hielt zuerst eine Ansprache über den Zweck des Ganzen und munterte sie zuletzt auf, fleißig zweimal wöchentlich beim Katechismosunterrichte zu erscheinen. Nach derselben war die Einweihung der Kapelle, die Aufrichtung des heiligen Kreuzes und eines Muttergottesbildes, welches die Unbefleckte Empfängnis darstellt. Nach diesen Zeremonien wurden die Namen der Kinder wie der älteren Personen, die in diesem Umkreis sich befinden, eingeschrieben und es ergab eine Zahl von 51 Namen. Es ist nicht zu verwundern, daß die Zahl so klein ist, da die Bevölkerung hier sehr schwach ist. Nach der Einschreibung gab auch Kayango seine Anordnungen, dessen Rede die beiden obengenannten Katechisten in der Ndoggo-sprache notiert hatten. Es wird vielleicht manchen interessieren, eine solche Rede eines heidnischen Häuptlings zu hören, welche ich soviel als möglich sinn- und wortgetreu ins Deutsche übersetzt habe, und zwar wie folgt: „Diese Missionäre sind schon 6 Jahre hier. Sie sind keine gewöhnlichen Männer. Sie wurden vom Sirdar und vom Mudran (Bischof) hieher geschickt. Diese sind nicht gekommen wie einstens die Baggüra (Muselmänner), welche uns auch ihre Lehre verkündeten, aber sie waren .hrami' (das bedeutet Diebe, was aber auch hier soviel als „sehr schlecht" heißt); sie raubten unsere Weiber und Kinder und schleppten sie in Gefangenschaft, verkauften sie und töteten sie und so ist unser Reich (an Leuten) klein geworden. Diese (Missionäre) sind andere Leute, sie sagen die Wahrheit, die wirkliche Wahrheit. Wann haben sie nns einmal Frauen gestohlen, Kinder fortgetragen oder getötet? Niemals! Ihr hattet anfangs Furcht, daß sie unsere Kinder forttragen*), aber ihr habt gesehen, daß es nicht wahr ist. Sie haben es dort besser als bei uns zu Hanse und lernen das Papier lesen und haben Kleider usw. Sie (die Missionäre) sind gekommen, das Evangelium an alle zu lehren. Sie machen es gut, haben keine Weiber, tun nichts Schlechtes und treiben keinen Handel-, das haben wir bis heute beobachtet. Nur das Evangelium wollen sie uns lehren, was nur volle Wahrheit ist, Lüge und Falschheit ist keine darin. Dieses ist die erste Kirche, welche ich habe bauen lassen, und wenn ihr fleißig kommt, dann lasse ich noch eine Kirche in Bringst eine in Konogd, eine in Ngoba, eine in Sabnn, eine in Lanzi und eine in Dumbe bauen für den Katechismus-unterricht. Diese Kirche hier ist nicht so ein gewöhnliches Hans wie das eitrige, hier muß man alle Ehrfurcht haben; sehet hier oben dieses Bild (er zeigte mit dem Finger hinauf, hielt im Gespräch iitne und schaute seine Untertanen scharf an, die alle wie Soldaten „Habt acht!" standen). Das ist die Mutter Gottes und Mutter von uns allen. Wenn ihr hier hereinkommt, so nehmet den Tarbusch (Art Mütze) ab; sehet mich an! Trage ich (als Sultan nämlich) den Tarbnsch hier? Nein! Auch ich nehme ihn ab. Dann macht auch immer eine Verbeugung. Tragt hier immer die Kleidung, redet nicht, scherzt und lacht hier niemals und wenn der Pater kommt, auch dann redet und lacht nicht (während des Unterrichtes). Pater Silvestri bringt Medizin mit sich und gibt sie denen, die krank sind, und den Gesunden erklärt er den Katechismus. Der Pater hat alle eure Namen aufgeschrieben. Ihr müßt alle jedesmal zum Katechismus kommen; er schaut jedesmal *) Die Kinder, die sie zur Erziehung in unsere Station geben mußten. ins Papier, ob ihr alle hier seid oder nicht, und ich selbst werde kommen und sehen, ob ihr immer kömmt. Auch ich gehe immer mit allen meinen Frauen, mit allen meinen Kindern, mit allen meinen Untertanen zur Kirche und niemand darf fehlen. Wenn eine Person nicht kommt, dann lacht sie ans und verspottet sie, damit sie sich schämt und ein anderes Mal zum Katechismusunterricht kommt. Die Patres werden heute noch dem Bischof schreiben und ihm alles erzählen und auch eure Namen mitschreiben. Und wenn ihr fleißig seid, wird der Bischof selbst kommen und euch im Katechismus selbst fragen, und wenn ihr dann gut antwortet, so erhaltet ihr viele herrliche und schöne Sachen und werdet daran große Freude haben. Es wird zweimal in der Woche Katechis-musunterricht gegeben, und zwar gleich am Morgen, und ich lasse euch deshalb das Mongö hier, sehet es! (er zeigte mit dem Finger in die Ecke der Kapelle, wo es hingelehnt war) und wenn ihr es hört, dann schnell hinaus aus dem Hans und zur Kirche. — Damit ihr wisset, wann der Pater immer kommt (da der Neger nicht weiß, wann Donnerstag oder Sonntag ist), so macht es so: Wenn ihr heute nach Hanse gegangen seid, so schlaft drei Nächte, dann kommt hieher, wenn ihr dann wieder nach Hanse gegangen seid, dann schlaft vier Nächte, dann wieder drei, dann vier, dann drei, dann vier usw. Wenn ihr es vergesset, dann fragt meinen Unterscheid) namens Se-i. Hört das Wort Gottes! Es ist nur Wahrheit und keine Falschheit befindet sich darin und nichts Schlechtes ist darin; nur dieses ist das Richtige. Diejenigen, die Gutes tun, gehen in das Haus Gottes (Himmel), jene aber, die Böses tun, gehen in das Hans des Feuers (Hölle). Zo me a go eno du.“ Heißt soviel als: Das ist mein Erlaß (Dekret). — Eine Weile nach der Ansprache Kayangos kehrten alle zu- lammen wieder in die Station zurück, wo der Obere Kayango zu einem kleinen Imbiß einlud. * * * Die Katechese wurde P. Silvestri übertragen. Nach drei Nächten war Sonntag, 28. November, an dem das erste Mal Katechismusunterricht erteilt werden sollte: da ging auch ich mit, um dem Pater, wenn nötig, etwas behilflich zu sein. Nach der heiligen Messe, der auch ich wie die Katechisten beiwohnten und wobei wir dieheiligeKommunion empfingen, gingen wir von hier fort. Es war ziemlich kühl. Ein Stück Weges geht man an der Hauptstraße nach Wau in der Richtung nach Süden, wo dann der Weg rechts abzweigt und in der Richtung nach Südwest weiter führt. Wir hörten schon von weiter Ferne das Mongo blasen, welches sich von ferne ganz eigentümlich anhört, und schon das zweite Zeichen zum Katechismus gab. Der Weg führt mitten durch den hübschen Urwald. Die aufgehende Sonne warf ihre goldenen Strahlen durch die lispelnden Laubbaume auf unsere Häupter hernieder und bot einen höchst anmutigen Anblick. Ungefähr zehn Minuten vor der Ankunft lichtet sich der Wald etwas mehr und bald waren wir auch schon zwischen Durrafeldern, wo die von der Sonne beleuchteten Tautropfen wie Gold- und Silber-perlen von den Durrablättern herabrieselten. Man kann die Ebene nicht überschauen, noch auch das Dorf früher sehen, bis man nicht fast mit dem Fuße daranstoßt. Die Durrapflanze hat nämlich eine Länge von ungefähr drei Meter und die Anpflanzung derselben beginnt schon fünf Schritte oder noch weniger vorder Hütte. Nur noch einige Schritte und wir waren im Hofe Se-is, wo mein Blick zuerst auf die neue Kapelle siel. Die Gemeinde war schon in Gruppen versammelt, die Männer und die Frauen für sich. Die Männer kamen auf uns zu, um uns zu grüßen, und reichten uns die Hände. Wir umreit nach 55 Minuten dort angekommen. Es befinden sich hier in Se-i nur einige arme Hütten, in denen Familien wohnen, die andern sind alle einzeln zerstreut im Umkreis von einer halben Stunde. Einige Männer fingen gleich mit uns zu plaudern an, die anderen hingegen waren das erste Mal etwas schüchtern und sprachen nur mit leiser Stimme. Wir zwei machten unter uns aus, wie wir diese Leute ordnen wollten; wir mußten sie in mehrere Gruppen einteilen, da man den Kindern und Alten nicht das gleiche sagen kann. Unter den Kindern waren auch solche, die nur ihre notdürftigste Kleidung hatten; da sie eben andere nicht hatten, gaben wir ihnen einige Tücher, damit sie sich bedecken konnten: alle anderen waren ziemlich gut bekleidet. Die Kapelle war zu klein, daß alle auf den niederen Bänkchen, die unsere Burschen der Tischlerei gemacht hatten, Platz finden konnten. Uebrigens wäre es auch eine zu große Störung, wenn mehrere zu gleicher Zeit sprechen würden. Der Pater nahm die älteren in die Kapelle, die Männer ans eine Seite und die Frauen auf die andere. Ich nahm die Kinder und wies ihnen außerhalb ber Kapelle einen Platz an, die Knaben wie die Mädchen für sich, und bestimmte für jede Gruppe je einen Katechisten. Zu Hause in der Station betet man vor und nach dem Unterricht das Ave Maria und macht das heilige Kreuzzeichen mit den Katechumenen, hier aber war es zum ersten Mal unmöglich und so betete ich allein int stillen für diese armen Schwarzen. Ich fragte vorher den Pater, was ich ihnen zuerst zeigen sollte, und er gab mir zur Antwort: „Lernen Sie ihnen zuerst das heilige Kreuzzeichen machen, hierauf das Ave Maria; für die Kinder ist es das Schönste und Beste, wenn sie zuerst beten lernen." Also machte ich es auch und fing an, das heilige Kreuzzeichen erst selbst zu machen, indem ich sagte: „Ta re mi Bu mi Voi mi Bauouo Sanctus, ja go eno“; sie schauten mich alle wie stumm an. Ich tern der Neger. Heft 4. * m* .!/ V - J +* f Ä0r* mmx life* UM zeigte es noch einige Male, dann fragte ich sie: „Habt ihr mich verstanden?" Keiner gab Antwort, sondern sie schnalzten mit der Zunge. Sodann ließ ich ihnen das Kreuzzeichen durch den Katechisten zeigen, da ich sah, daß sie sich vor mir etwas fürchteten. Nach einer Weile konnten es schon einige selbst machen. Wer waren sie denn? Ich kannte sie nicht. Nach einer Weile sagten mir die Katechisten, da ich sie fragte, daß diese die Geschwister der zwei Christenknaben naniens Pius und Matthias erlernt hatten? Ich weiß es nicht und habe auch gar nicht darnach gefragt. Aber wahr bleibt es, daß einem braven christlichen Sohne auch häufig die ganze Familie, besonders aber die Geschwister nachfolgen. Während des Unterrichtes kam ganz unverhofft Sultan Kayango, um nachzuschauen, wie er es versprochen. Er begab sich in die Kapelle, wo ihm ein Stuhl zum Sitzen bereitet wurde. Auch er hörte zu, dann erklärte er das Papier. Der Pater hatte nämlich nur einige Bilder IRomspeicber bei öen Dscbur. Durch Pfähle wird der Boden erhöht. Darauf werden die hauptsächlich mit Durra gefüllten Körbe gestellt. Ein stämmiger Dschurneger ist an der Arbeit. sind, bereit Eltern sich in Se-i befinden. Sie zeigten Freude, daß ich sie kannte, und mit dem Zutrauen wuchs auch ihr Eifer. Ein paar andere hingegen waren nicht dazu zu bringen, die Hand zum Kreuzzeichen zu erheben, noch weniger, die Worte nachzusagen. Ich nahm dann die Besseren zusammen und ließ vom Katechisten das „Ta baa Maria“ (Ave Maria) hersagen, welches sie bald nachsagten, und siehe da, auch diesmal wußten es jene Kinder zuerst, was mich ganz überraschte. Ob sie es nicht vielleicht von ihren Brüdern schon vorher aus der biblischen Geschichte und zeigte und erklärte ihnen die Erschaffung der Welt, wobei alle staunten, daß die Welt rund ist und Gott sie erschaffen hat.*) Der Unterricht dauerte eine Stunde. Nach demselben sprangen alle lustig herum in der Hoffnung, etwas zu erhalten, was auch zutraf. Der Pater teilte Zucker unter sie aus: *) Vielleicht findet sich ein guter Freund, der uns die ganze biblische Geschichte, illustriert, auf Leinwand aufgezogen, zuschicken könnte, und zwar in der größtmöglichen Ausgabe. (Anm. d. Verfassers.) dann streute er eine Hand voll Perlen auf den sauber gekehrten Boden im Hofe: alle stürzten darauf los, so daß es mir schien, als wenn man unter einen Haufen Hühner Weizenkörner gestreut hätte. Nach einiger Zeit gingen wir von da fort nach Konogö, um uns über Land und Leute in jener Gegend zu erkundigen. Wir kehrten dann zurück: die sengenden Sonnenstrahlen fielen jetzt senkrecht auf uns hernieder und wir waren im Schweiße gebadet^ als wir zu Hause ankamen. Es war gerade die Mittagsstunde. Das Samenkorn wird gesät, aber Gott gibt das Gedeihen. Es wird noch viel Mühe und Sorge und auch Schweißtropfen kosten,, aber das wird uns nicht abhalten, eifrig im Weinberge des Herrn zu arbeiten, wenn auch-nicht wir, sondern erst unsere Nachkommen, ernten werden. Xanb[cbafts= und Stünmumjsbüber auf dem Meißen Nil. yon Ibocbw. P. Mildelm Dotma^r F. S. C. Puff, puff, puff — stoßt fortwährend die Maschine ihren gleichmäßigen Atem ans, immer gleich und eintönig plätschern die Räder, Wellen bildend, zerteilen sich die Wasser, kräuseln sich dem Schiffe entlang und verlieren sich als weißer Schaum am Gestade. Es ist Donnerstag, den 29. Dezember, abends 8 Uhr: soeben haben wir das User-gelände der Mission in Khartum verlassen, ein letzter Gruß und Wink schied uns von unseren Brüdern und froh und fröhlich, nun dem Ziele zuzusteuern, vertrauen wir uns dem unsicheren Element an. — Ein herrlicher Abend! Eine kühle WüstenbrK entfaltet unsere drei Banner, der Mond, der fahl und in seinem milden Schein dem blutroten Horizont entsteigt, eilt mit Riesenschritten in den tiefblauen Himmel hinein. Die Sterne erbleichen und an ihrer Stelle zeichnet uns die flimmernde Straße des Mondes den Weg und schaukelt und spielt mit den Wellen um die Wette. Vorüber schwimmen die beleuchteten Straßen und Paläste der Hauptstadt des Sudan und senden ihren Widerschein noch weit in den Fluß hinein. — Ein Zauberbild! — Einst im unvergleichlichen Venedig, im Canale grande, war es, wo wir vor drei Jahren im Lichtmeer schwammen, doch das ist hier nur ein Vergleich und was uns damals getragen, unser Hoffen, ist nun wieder um eine Welt dem Ziele näher. Vorüber geht es nun auch an den schönen Gartenanlagen und die letzten Palmenbuketts wedeln noch dem sternenbesäten Norden zu. Da — ein Klingeln, die Räder schlagen, langsamer und bleiben zuletzt ganz stehen.. Einige Schritte treibt uns eigene Kraft — a6erbaun sind wir ein Spiel der Strömung. Einige Sekunden und es ertönt wieder ein Klingeln, die Räder gehen in die Tiefe — zuerst langsam — dann immer fester und vorwärts geht es, den Kiel gegen die Strömung, in den Weißen Nil hineingerichtet. Wieder dieselbe Kraft treibt uns wie zuvor, nur stärkerund höher wirft uns die Strömung die Wogen entgegen, wieder gleichmäßig hämmert die Maschine und drehend singen die Räder ihren plätschernden Sang. Nacht ist es vor uns, Nacht hinter uns. Zur Linken liegt eine Stadt int Schlummer, zur Rechten ein Bild bewegter Vergangenheit in Ruhe. Hinter uns mehr als einer Welt Geschichte: vor uns eine verschleierte Gegenwart und Zukunft. Hinter uns die Geschichte von Jahrtausenden — des Nils, der Lebens-- oder einer großen vergangenen Nation: eine Geschichte von Schönheit und Schauder, von Grenel »nd Anmut, von Gottesfurcht und Gottlosigkeit. Dazwischen das stumme Meer der Wüste und Steppe; auch dieses weiß beredt so manches Geschichtlern zu erzählen über Sie Katarakte hin, herauf bis zum Zentrum jüngster Vergangenheit. Omdurman, elf Jahre sind es nun, seitdem ein wohltätiger Windstoß Szepter und Greuel hinweggefegt, und noch immer tragen die armen Opfer jede Stunde die schweren Zeiten auf der Zunge. Alles schwindet an uns vorüber, es schwinden im Mondlicht die Schatten der Häuser und werden immer kleiner; weiter »nd immer weiter zurück bleibt auch Vaterland mit Freund und Freuden und wenn auch nicht mehr das Auge, die Mutterliebe folgt ihren Söhnen auf Schritt und Tritt und betet für ihr Wohlergehen. Immer gleichmäßig strebt der Kiel voran und kümmert sich nicht darum, was herum vorgeht: für das hat die Maschine kein Herz. Hoffnung ist es, was den „Redemptor" trägt, und Liebe, was ihn treibt. Immer tiefer senkt sich die Nacht und drängt Körper und Geist zur Ruhe. 31. Dezember. Es ist noch früh. Der Himmel hat sein nettes, azurnes Kleid mit einem helleren vertauscht: nur da und dort flimmern noch verspätete Sterne. — Vor uns sieht der Kamm eines Hügels und hinter ihm hebt sich das helle Rot — die Lichtpfeile der bereits aufgehenden Sonne. Welche Veränderung gewahrt der Blick in der uns umgebenden Natur! Die schönen Gürten imb Palmen haben wir mit der Wüste, das Land des Segens mit dem des Fluches vertauscht. Zur Linken eine ungeordnete Masse von Gestein, belebt mir dann und wann von vereinzelten Zwergakazien, die wie schillernde Forellen im Meere sich verloren fühlen. Braunes Sandgeröll ist des Stromes einzige Einfassung. Zur Rechten nur ein Versuch einer Labung fürs Auge und schon beschämt senkt sich der Blick. Endlos und verlassen dehnt die Wüste sich aus:, gar so ähnlich dem Herzen derer,, zu denen wir gehen. Kein Haus, kein Schiff, noch sonst eine Spur zeigt von menschlichem Dasein. Doch es soll ja wieder anders werden. Immer neue Wogen peitschen die Räder auf, doch immer ist es dasselbe Wogenspiel. Eintönig summt immer gleich die Maschine ihre Melodie und erkauft sich Schritt für Schritt im nassen Element. Einen Tag lang erspäht das Auge nichts als Wüste. Ein Rätsel ist diese Wüste. Gottes Odem hat sie geschaffen-, sie ist gemieden und doch auch gesucht. Groß und gewaltig an Ausdehnung wie Gottes unendliche Größe und unbegreiflich wie Gottes Unfaßbarkeit. Durch ihre reine Luft ist sie Heil itnb auch Verderben für manchen und endloses Schweigen und Ruhe liegen auf der ganzen Weite — so recht ein Bild Gottes unendlicher Majestät und Macht. Ein herrlicher Abend ans dem Nil. Eine erfrischende Bora weht und treibt und schiebt das Schiff schneller gegen Wellen und Strömung. Im Westen geht die Sonne unter und rötet die Nebelgrenze der Wüste klarer und deutlicher. Der Himmel tauscht wieder sein Lichtkleid in tiefes Dunkelblau um. Die Sterne erscheinen nach und nach und ordnen sich zum harmonischen Ganzen. Allen voraus die blitzende Venus und der rote Mars eröffnen die Reihe. Immer unklarer werden die Ufer, bis sic zuletzt nur noch als dunkle Linien sichtbar sind. Unermüdlich arbeitet sich der .„Redemptor" — unser Missionsdampfer — voran, immer weiter hinein in die dunkle Nacht und in das die Herzen umgebende Dunkel des Landes. Schwarze Rauchwolken kennzeichnen unsere Straße und werden ein Spiel des Windes. Mutwillig speit der rußige Schlot seine Funken in die Luft hinein — bald wie Feuerschlangen nach allen Seiten hin — bald wie eine Raketengarbe, in willkürlichem Spiel der Phantasie sich erhebend, um im Augenblick wieder in nichts sich aitf- zulösen. Schön in der Tat ist so eine Nacht. Ruhig sitzt der Steuermann am Bug und halt seinen Blick unverwandt nach vorn gerichtet, wohl bewußt der Verantwortung, die ihn trifft. Klar schaut am Süd oft das Stemm» kreuz auf uns herab und gibt uns Mut lind Trost. Nur da und dort ein vereinzelter Lichtstrahl ist sichtbar ain Ufer, während sich unsere Seele Gott befiehlt und betet — herzlicher denn je, unter einem solchen Himmelsdome, für den wir werben und wirken. Es ist Neujahrsmorgen 1910. Neu ist die Zeit, in die wir getreten, neu das, was uns umgibt. Fort ist die Wüste, Dem der der Araber sagt, „daß man in ihr alles vergißt", und die Steppe ist an ihre Stelle getreten. Flora und Fauna schicken bereits ans einer reicheren Landschaft ihre Vorboten voraus. Zuerst nur vereinzelt zeigen sich Mimosen, niedriges Dorn-gestrüpp und Euphorbien, das bleibende Merkmal der sudanesischen Landschaft und Fruchtbarkeit: bald find sie breitblättrig, mit großen, apfelähnlichen Früchten, bald Kaktus, wie Kronleuchter aussehend. Häufiger zeigen sich Akazienbäume und erfreuen Auge und Geist nach einem verlassenen Wüstenbilde. Immer höher steigt die Sonne und spiegelt sich im nimmer» rastenden Wogenspiel, wo Taufende von brennenden Kerzen am Gruitde zu leuchten scheinen. Schwärme von Wasserschnepfen kreisen flußauf und -ab. Für einen Augenblick scheint noch einmal die Wüste zurückzukehren. Sanddünen bilden sich zur Linken in wellenförmigen Zügen — dazwischen erratische Blöcke, wie gewaltige Wegzeiger hingeworfen und versperrend den Blick ins Inland: zur Rechten alles nochmal Ebene und Wüste, ans der die Fata Morgana neckisch ihr Spiel treibt und ins Verlassene einen Strom von Leben und Frische zaubert. Aber es ist nur das Spiel einer Stunde und wieder kehrt die belebtere Natur zurück. Gegen Mittag öffnet der Nil seinen Busen in seiner ganzen Breite und Größe. Immer weiter und entfernter schwinden die User und immer enger wird es dem Herzen und Gemüt. Zaudernd sieht sich selbst die leblose Maschine vor diesem Golf klein und schwach wie eine Nußschale aus hoher See, die doch sonst mit Wohlgefallen den breiten Strom durchfährt. Vor uns zur Rechten liegt Dnem, der Ausgangspunkt für den Kordosan. Eine Nord- Ibüttcnbau bei be» Den km Die Hütten werden aus Lehm geformt, und zwar rund, um Winden besser widerstehen zn können. Das kegelförmige Dach wird mit langem Durrastroh oder trockenem (Bras. bedeckt. So bauen auch die Nner und Dschur. (Text S. 74.) L tern d er Neger. 83 Heft 4 Westbrise bringt das nasse Element in Bewegung. Auf und ab schaukelt nun unser verhältnismäßig kleines Bvvt, ein Spiel derWogen: halb ohnmächtig schielt sich der Kiel durch die hoch aufschäumenden Wellen und scheinbar ängstlich greifen die Räder in die Tiefe. Mit Lin Lnuberer bei de» Dieb ur. Der Zauberer genießt im Dorf bei den Heiden das meiste Ansehe», da er nach ihrer Meinung mit der Gottheit ober mit den Verstorbenen in Verbindung steht. Seinen Kopf zieren gewöhnlich Vogelsedern, oft auch deren Köpfe. entern „Gott befohlen!" auf dem unsicheren Element spähen wir nach der Richtung des Ausgangspunktes. Nach einer Viertelstunde ist alles glücklich vorüber und ruhig werden die Wasser, der Nil schließt sich und zeigt uns wieder sein Gestade. Sicherer suhlt sich auch wieder der Mensch, dessen Inneres so sehr ver-wandt ist mit dem erwähnten Element, denn: „Seele des Menschen, rote gleichst du dein Wasser, Schicksal des Menschen, wie gleichst bit dein Wind?" Langsam zieht vor unserem Auge -das Bild der Stadt D u em vorüber. Eine Reihe geordneter Häuser aus Schlamm — ähnlich jenen in Omdurman — zeigt von arabischer Ansiedelung.. Weit herum um die Stadt ist ein Kranz von Durrafeldern. Gartenanlagen und eitiige ausländische Bauten zeigen von europäischem Einflüsse. Am Ufer steht ein Dampfer, umgeben von einer Menge ein- oder zweimastiger sudanesischer Barken, die den Verkehr lit it dem Inlands rege halten. Am anderen Ufer gewinnt Schritt um Schritt die Vegetation die Oberhand. Eine Insel nach der anderen voll buschigem Grün schwindet im züngelnden Laufe des Nils nun an uns vorüber. Fast zur Berührung treten die Ufer, voll von Akazien- und Ebenholzsträuchern, an uns heran — so enge wird die Straße: Vögel von allen Arten und Farben, von den herrlichen Kolibris angefangen bis zu schweren WiKgünsen, erfreuen sich an den Ufern. Herden von Ziegen und Rindern liegen links, unter Shkomorenbäumen ruhend, und künden uns die Nähe einer Station an, an der wir nach einer Biegung sogleich Anker werfen können. Die Front bilden einige Regierungsge-bäude mit der sudanesischen Doppelflagge, wie gewöhnlich ans Ziegelsteinen gebaut und mit Wellenblech bedeckt, ohne besonderen Geschmack zu verraten. Die Hauptsache ist eben Schutz vor der Hitze in diesen Ländern. Hinter diesen steht eine Reihe Häuser arabischer Insassen — mit flachen Dächern und im Hintergründe vermischt mit Hütten der später anzutreffenden Eingeborenen. Kaum hat man im Dorfe unser Nahen erkannt, so stürmt schon eine Menge Neugieriger herbei und sucht ihren Vorteil. Einige rennen oder schicken nochmals zurück und im Nu ist das Ufer voll von Menschen und Tieren. Kaum ist das Schiff angekettet, so eilen Knaben halbnackt im Wasser aus uns zu, um uns Eier, Hühner, Tauben, Schafe, Früchte, Geräte und Felle anzubieten. „Was willst du für das?" fragte ich einen vom Verdeck herunter, der ein schönes Leopardenfell anbot. — „Sprich du!" gab er zur Antwort; „du bist ja großmütig" und nun ging's aus Handeln. Unterdessen vermehrte sich die Menge immer mehr. Ein wahres Durcheinander von Farben, Rassen, Alter und Stand. Soldaten und Polizisten mit weißen Pumphosen, rotem Gürtel, Bajonett und Fez — das Haupt des Dorfes in langem, weißem Kaftan und Tarbusch — schwarze Araber, deren Züge schon allzudeutliche Spuren vom Schillukblute zurückgelassen: rotbraune, deren Farbe und Tracht schon allein ihnen eine gewisse Autorität unter den anderen zu verleihen schien, Greise, schmutzig verhüllte Weiber und halbnackte Burschen — alles war bunt durcheinander gemengt — jeder mit seiner eigenen Aufgabe beschäftigt. Furcht kennt dieses Volk nicht. Scherzend werfen sich die Knirpse ins Wasser, um näher zu kommen, gravitätisch stehen die Alten am Ufer und machen da ihre Geschäfte, teils allein, teils durch Vermittlung von Buben ab. Keine besondere Abneigung ist wahrzunehmen, nur etwas verschmitzte Neugierde und Mustern der Ankömmlinge bemerkt man da und dort aus den Gesichtern. Ein Disputieren und Schreien bei jeder Kleinigkeit fehlt natürlich in dieser Zone nie. Nun sind die Geschäfte abgemacht, der Dampfer gibt sein Zeichen — die Ketten rasseln und bald geht es wieder weiter, den Inseln entlang, immer mehr vorwärts im gleichen Räderspiel zu dem ersehnten Ziele. (Schluß folgt.) ' mr ff? — m Bus dem slIMsstonsleben. Der oberste Gerichtshof bei den D schür. Die Dschur sind von Natur aus ein friedliebender Volksstamm, doch gibt es auch unter ihnen wie bei andern Völkern auf dieser Welt Streitigkeiten und Krieg, welche von Zeit zu Zeit den Frieden und die Ruhe in den einzelnen Dörfern stören. Und da auch unter ihnen der Sinn von Gerechtigkeit, welcher jedem Menschen innewohnt, nicht ausgelöscht werden kann, so wird auch bei den Dschur, obgleich es Wilde sind, Recht gesprochen. Es gibt eine Art Gerichtshof, bei dem die streitenden Parteien sich Recht verschaffen können, wo Händel geschlichtet, Streitfragen gelöst, Urteile gefällt und Verbrechen bestraft werden. Es ist richtig, daß die englische Regierung jetzt bn ist: wenn es sich aber um Streitfragen unter den Eingebornen handelt, so überläßt sie es der Jurisdiktion ihrer Häuptlinge und nur im Falle, daß diese ihre Auktorität nicht zur Geltung bringen und die Parteien nicht beruhigen können, schreitet sie ein und beruft diese zu sich. Im allgemeinen werden also die einzelnen Fälle vor den Häuptlingen verhandelt, welche wegen ihres Alters und der vollkommenen Kenntnis der Gebräuche, Gesetze und Überlieferungen ihrer Ahnen befähigt sind, Recht zu sprechen. Die meisten Streitfragen sind unbedeutender Natur, so daß sie leicht bei vielem Geschwätze und noch mehr m er iss a (Bier) be- hoben werden. Manchmal hingegen sind sie nicht so einfach und erfordern eine wahre Prozeßverhandlung: dann wird die Sache vor eine Art Gericht gebracht, das man mit vollem Recht mit unserm obersten Gerichtshof vergleichen kann. * * -r- Nach mehr als l1/» Jahren, da ich mich hier befinde, wickelte sich ein solcher Prozeß ab. Er wurde von Dud, dem Häuptling unseres Dorfes, geleitet und so konnte ich mich über die ganze Streitfrage und den ganzen Vorgang gut informieren und mir das auch ansehen, was mich besonders interessierte. Die Streitfrage war eigentlich eine heikle Sache. Ein Mädchen eines Nachbardorfes klagte einen Jüngling eines andern Dorfes an, ihre Ehre schwer verletzt zu haben. Der Bursche leugnete natürlich die Sache. Infolgedessen gerieten die Eltern der einen und die des andern oder vielmehr die beiden ganzen Dörfer gegen einander in Streit. Die beiden Dorfhäuptlinge berieten sich mit den Ersten der Dörfer und um den Frieden aufrecht zu erhalten, übergaben sie den Prozeß einem Dritten, dessen Entscheidung anzunehmen sie sich verpflichteten. Als Schiedsrichter wurde unser Dorfhäuptling gewählt, der infolge unseres Hierseins bereits den Ruf eines mächtigen Häuptlings genießt. Kaum war die Kenntnis davon zu ihm gedrungen, als er auch schon freudestrahlend zu uns kam, um mich von der großen und wichtigen Angelegenheit, die ihm anvertraut worden war, in Kenntnis zu setzen. Mitten in der Freude störte ihn jedoch eine kleine Besorgnis. „Wie werde ich es denn anfangen," sagte er, „so viele Leute in diesen Tagen zu erhalten, da ich für mich selbst kaum zu essen habe?" (Es herrscht nämlich der Brauch, daß der Häuptling allen, die in sein Haus kommen, zu essen geben mich.) Er versuchte so, mich indirekt um etwas zu bitten, doch.... das fehlte noch! Wenn wir uns bei jeder Kleinigkeit herbeiließen, wären unsere Vorräte, die ohnehin knapp bemessen sind, bald verschwunden. Ich tat also, als ob ich es nicht verstanden hätte, und fing an, ihm zu gratulieren und Beifall zu zollen zur großen Ehre, welche er in den andern Dörfern genießt usw. Das schmeichelte ihn selbstredend nicht wenig und er ging ganz befriedigt fort, hatte er doch darob seine andere Angelegenheit vergessen. * * Am nächsten Morgen in aller Frühe schon kamen die Bewohner der beiden anderen Dörfer angerückt. Die Neger sind auf die verschiedenste Weiie gekleidet. Die Dschur lieben nämlich eine Bekleidung, und da es sich um eine so wichtige Angelegenheit handelt, müssen sie auch all ihre Pracht entfalten. Jin Dorfe ist alles in Bewegung, es herrscht äußerst reges, ungewöhnliches Leben. Gleich nach der Ankunft machen sie, wie es ortsüblich ist, ihre Besuche bei den Familien der Bekannten und es beginnen die Plaudereien: der größte Teil, besonders die Vornehmen, macht einen Besuch bei der Mission, natürlich in der Hoffnung, ein Geschenk zu erhalten. Das wäre denn doch zu viel! Gäbe man dem einen, weil er Häuptling ist, so müßte man dem anderen etwas schenken, weil er bolis (Polizist) ist usw.: unserer Armut wegen müssen wir uns daher begnügen, allen ohne Unterschied das Wohlfeilste zu geben, nämlich gute Worte, so daß alle zufrieden, aber mit leeren Händen fortgehen. Auf diese Weise wird es natürlich, bevor sie sich in den Gerichtssaal begeben, Mittag. Sind endlich alle versammelt, so bemerkt erst der Richter, daß noch nicht alle Interessenten zugegen sind. Er ruft deshalb alle auf und nachdern er gefunden, wer fehlt, schickt er seine „Gerichtsvollzieher" in die Dörfer, die Leute zu holen. Die Abwesenden haben keine große Eile: einige kommen, andere sagen, es sei schon spät und bald Abend, sie werden morgen kommen. Die Anwesenden warten indessen und um sich die Zeit zu vertreiben, erzählen sie einander ihre gewöhnlichen Geschichten und so vergeht der erste Gerichtstag. * * Bäume. Auf der Erde sind einige große Felle ausgebreitet und daraus sitzen oder liegen ausgestreckt der Richter und sein Sekretär, der zugleich Zauberer im Dorfe ist: ' ferner die Häuptlinge und Unterhäuptlinge der Nachbardörfer, welche gleichsam als Geschworene gelten, und die nächsten Verwandten OLanöung eines IRüöampt'eis. Araber und Neger fördern die Waren vom Dampfer an das Ufer. 3m Hintergrund sieht man einen Schandal (Sd)Iepper), der gewöhnlich Holz für die Heizung und das Dienstpersonal mitführt. Am nächsten Tag, bei Sonnenaufgang, sind die Anwesenden auf ihrem Platze, doch fehlt noch der eine oder andere, die aber alle im Laufe des Vormittags ankommen, so daß endlich gegen Mittag der Richter die Verhandlung als eröffnet erklärt. Treten wir in den Gerichtssaal ein; er steht allen, mit Ausnahme der Kinder, offen. Wir befinden uns im Schatten zweier großer I beider Parteien, welche das Amt der Advokaten vertreten. Der Gerichtshof ist demnach vollständig. Neben dem Felle liegen Holzklötze auf dem Boden-, diese dienen als Sitze für die Neugierigen. Die Verhandlung ist im allgemeinen von kurzer Dauer, aber manchmal kann sie auch gewisser Umstände halber mehrere Tage währen. Solange der ganze Prozeß geführt wird, dürfen der Zau- Stern der Neger. 87 Heft 4. Bern- und die beiden Parteien, nämlich der Kläger und der Angeklagte, die der Richter nie aus den Augen lasten darf, in keiner Hütte, sondern hier die Leute gebrauchen. Die Angehörigen der beiden wohnen den Sitzungen nicht Bei,-sie müssen in ihren Hütten verbleiben und- müssen im Freien schlafen: sie dürfen sich werden in die Versammlung nur gerufen, auch nicht auf Felle legen, sondern nur auf : wenn ihre Gegenwart notwendig ist. Der Blätter: sie dürfen nur gewisse Speisen ! Angeklagte geht jedoch öfters ans seiner Hütte essen und auch diese ohne jenes Salz, das 1 und pfeift mit seinem ogono (einer Art Pfeifchen, aus dem Ende eines Harnes gebildet), um damit seinen Vater, seine Mutter, feine Großeltern und Urgroßeltern zu Zeugen feiner Unschuld anzurufen. Doch nun beginnt die Prozeßverhandlung, der wir aufmerksam beiwohnen wollen. Der Richter, der bereits allgemein Erkundigungen eingezogen hat, ruft die Klägerin unb läßt sie die Anklage samt allen ihren Umständen vorbringen und darnach wird der Fall besprochen. Sodann ruft man den -Angeklagten und diesem bringt man die Beschuldigung, deren man ihn zeiht, vor. Der Angeklagte beginnt sofort zu leugnen und erklärt, nichts zu wissen. Er beteuert seine Unschuld und seine Aussagen mit Schwüren. Nach Entfernung der Parteien beginnt die Debatte. Einer nach dem andern, aber alle ohne Ausnahme, müssen ihr Urteil, ihre Meinung äußern, welche vom Richter entweder angenommen oder verworfen wird, je nachdem diese seiner Ansicht nach einen Wert hat. Die Eltern des Mädchens bestehen auf der Schnldbarkeit des Angeklagten und bringen alle ihre Beweisgründe vor. Die Eltern des Jünglings verteidigen auf gleiche Weise ihren Teil und behaupten, daß das Mädchen lüge. Es werden nun die Gesetzbücher befragt, d. h. man beruft sich auf die Gesetze und die Überlieferungen der Alten usw., kurz, die Sache wird ernst. Man sollte Zeugen befragen, aber Zeugen sind keine vorhanden: es sind nur die beiden da, von denen der eine den andern als schuldig bezeichnet, dieser aber sich unschuldig erklärt. Was nun tun? Wenn auf unsern Gerichtshöfen ein solcher Fall eintritt, so erklärt der Richter gewöhnlich, daß die Verhandlungen wegen Mangels an Beweisen abgebrochen werden müssen: doch bei den Dschur ist es anders. Sie wollen die Sache gut aufklären und ihr bis auf den Grund kommen: wenn einem ein Verbrechen angerechnet wird, so muß es absolut bewiesen werden, ob er es begangen hat oder nicht. Bei uns muß der Kläger die Gründe für seine Sache anführen, denn was einer ohne Gründe behauptet, kann auch ohne solche geleugnet werden, hier hingegen muß der, welcher angeklagt ist, seine Unschuld beweisen. Wenn es ihm nicht gelingt, seine klnschuld zu beweisen, so wird er ohne weiteres verurteilt. In unserm Falle wurde die Sache genügend untersucht und mit all den Plaudereien, Beweisführungen und Zitaten ist man zu keinem Resultat gelangt: man schreitet also zum letzten Mittel. Der Sekretär oder der Mann, den wir oben Zauberer genannt, der den Richter in solcher Verlegenheit sieht, naht sich diesem und sagt ihm, daß es kein anderes Mittel gibt, die Wahrheit zu erfahren, als die Feuerprobe seitens des Angeklagten. Was ist nun diese Feuerprobe? — Eine ganz einfache Sache: wer seine Unschuld mit diesem Mittel beweisen will, hat nichts anderes zu tun, als seine Hände in kochendes Wasser zu stecken: zieht er sie unverletzt heraus, wird er unschuldig gehalten, verbrennt er aber seine Hände darin, so wird er schuldig erklärt. Der Richter ruft indessen die beiden und macht dem Angeklagten den Vorschlag. Da dieser kein anderes Mittel mehr hat, das ihm die Möglichkeit bietet, unschuldig erklärt zu werden, so nimmt er denselben an. Hierauf ermahnt ihn der Richter eindringlich, er solle doch zusehen, was er zu tun vor hat, denn die Sache ist wichtig: wenn er schuldig ist, soll er vorher sein Verbrechen eingestehen, sonst trägt er verbrannte Hände davon. Sodann richtet er Worte der Ermahnung an die Klägerin und sagt ihr, sie soll doch die Wahrheit eingestehen, denn wenn die Beschuldigung fälsch ist, wird er als unschuldig ans der Feuerprobe hervorgehen und sie werde einer tüchtigen Strafe verfallen. Beide Teile beharren in ihren Aussagen, die Sitzung wird geschlossen und die Probe auf den nächsten Tag verschoben. (Fortsetzung folgt.) rr- n V-—— — 1 TUnterbaltenbes. Scbwarges Elfenbein. (5ov,)« TReifen und Abenteuer im Itnnem Afrikas. — von Dr. Ibiigo ckkioni. 5. ffaDitel. Bitte Tauke im Mrwaid. Mein Rcifeplan war festgelegt; ich wollte den Lualabafluß aufwärts gehen und die Dörfer Cassongo und Mpungo passieren. Von letzterem Dorf aus wollte ich mich nach Osten wenden und den Weg einschlagen, der nach Cabanibare führt. Bis Cassongo war der Weg nicht schwierig. Das Tal war bewohnt, ziemlich eben und etwas bewaldet. Feinde hatte ich hier keine zu fürchten; die Schwierigkeiten begannen erst in Cassongo. Wir folgten dem Lauf des Flusses über ein sumpfiges Gebiet. Wir durchquerten zwei oder drei Dörfer, deren Häuser die Form eines Rechtecks hatten. In jedem Dorf war ein großes Haus, in dem man öffetttliche Versammlungen abhielt und Angelegenheiten besprach, welche die öffentliche Ordnung betrafen. Um die Häuser herum staub eit herrliche Palmen und diese Dörfer wären nicht unschön gewesen, wenn nicht an jedes Hans wenigstens ein Schwein angebunden gewesen wäre, welches sicher nicht zur Verschönerung der Wege und Gesundheit des Ortes beitrug. Die Einwohner dieses Dorfes beschäftigen sich mit Fischfang; der Fisch des Lualaba ist das Hanptuahrnngsmittel der Eingeborenen. Als wir so dahingingen, sagte ich zu den beiden Negern: „Wir gehen nach Cabanibare." Joses brach in einen Freudenschrei aus und machte einen solchen Sprung, daß er beinahe das Paket von den Schultern geworfen hätte. Er teilte meine Bemerkung seinem Kameraden Heinrich mit, der ebenfalls vor Freude hüpfte. „O Herr, wie bist du gut! Wir sehen also unser Vaterland wieder, unser heimatliches Dorf, unsere Freunde und den guten Missionär! Herr, jetzt fühlen wir keinen Hunger mehr, ivir sind tticht mehr müde, wir wünschen nichts mehr! Welche Freude! O Cabanibare, meine Heimat!" Nach einer kuvzen Pause verdunkelte plötzliche ein trauriger Gedanke das Antlitz Josefs. „Warum freue ich mich?" fragte er sich selbst. „O ich Armer! Frei verließ ich Cabanibare und als Sklave kehre ich zurück; ich gehöre nicht mehr-mir, sondern meinem Herrn. Ich werde also nicht beim Minisse bleiben, nicht meine Teuren umarmen dürfen! O Schmerz, o Unglück!" „Möchtest du frei sein?" fragte ich ihn. Er schaute mich zweifelnd an, neigte ba§-Haupt und sagte kein Wort. „Antwortest du nicht?" fragte ich nachdrücklicher. „Herr, schlage meinen Leib. Josef ist Christ, und Josef wird kein Wort sagen, nur quäle meine Seele nicht mit Spott." „Ich verhöhne dich keineswegs." „Sagtest du also die Wahrheit?" fragte er zweifelhaft. „Ja. In Cabanibare schenke ich dir die Freiheit; diene mir bis dorthin und ich iverde deine Leistungen bezahlen." Meine Worte machten den guten Burschen, einen Augenblick sprachlos. Dann sagte er einige Worte feinem Kameraden, warf sich hierauf auf die Erde, faltete die Hände und fing an zu beten. Er war also Christ nicht mir dem Namen nach,, sondern auch in der Tat. Dieses Gebet rührte-mich. Der Neger betete in seiner Landessprache,, deshalb verstand ich den Sinn seiner Worte nicht. Endlich machte er das Kreuzzeichen, stand auf, nahm meine Hand, küßte sie und sprach: „Herr, nach Gott danke ich dir; luie gut bist du mit uns!" „Hast du gebetet?" fragte ich ihn. »Ja." „Was hast du gebetet?" „Das .Vater unser'. Du kennst dieses Gebet nicht, denn bit bist kein Christ. Am Turban, dem du am Kopf hast, erkenne ich, daß du ein Mohammedaner bist. Umsomehr überrascht mich daher deine Liebe zu uns, die wir Christen sind. Herr, der Christus, den wir anbeten, segne dich und werleihe dir seine Gnade." „Hältst du mich für einen Anhänger Mohammeds?" fragte ich. „Ja." „Wenn ich das wäre, hätte ich dir die Freiheit nicht versprochen." „Bist du also kein Muselmann?" „Nein." „Bist du gar .. .?" „Josef, kannst du ein Geheimnis bewahren?" „Die Steine sprechen nicht. Ich werde ein Stein sein." „Nun gut, ich bin ein Christ." „Ein Christ!" rief der arme Sklave mit jubelnder Stimme aus. „Ein Christ?" wiederholte er in zweifelndem Tone. „Ich bin ein Christ." „Herr, du bist mein Gebieter, erlaubst du, daß ich dich prüfe?" „Gern", erwiderte ich, begierig zu wissen, was das für eine Prüfung wäre, der mich der Neger unterziehen wollte. „Glaubst du, daß Jesus der Sohn Gottes ist?" fragte er mich. Der Neger zweifelte also und wollte mich über die wichtigsten Wahrheiten der katholischen Religion ausfragen. „Ich glaube es", antivortete ich. „Wer ist die Mutter Jesu?" „Die seligste Jungfrau Maria." „Und wer ist der Stellvertreter Christi?" „Der Papst, der Bischof von Rom." Nach diesen Worten rief Josef voll Freude aus: „Gott sei gepriesen! Du bist ein Christ und zwar ein guter. Darob freue ich mich. Gott sei Dank, daß er mir einen so guten Herrn gegeben hat." Ich sagte ihm auch, daß ich ein Freund des Pater Damian bin und hieher kam, um ihn zu suchen, und mich freue, eine Spur vom Freunde gefunden zu haben. Am ersten Tage marschierten wir bis zum Abend; die Nacht brachten wir in einer großen Hütte eines Dorfes zu, welche uns der Dorf- häuptling gegen ein gutes Trinkgeld, bestehend aus Nadeln und Nägeln, für diese Nacht überließ. Als Abendessen hatten wir Fisch und Käse, welches ich sehr billig kaufte. Am nächsten Morgen wurde ich sehr zeitlich durch Geschrei aufgeweckt. Ich sprang auf und ging aus der Hütte. „Der Mganga! Der Mgaugai" schrien die Neger und alle, Männer, Weiber und Kinder, liefen zu einer Gruppe von Bäumen, welche wenige Schritte vom Ufer standen. Mganga bedeutet Zauberer; also ein Schwarzkünstler produzierte sich im Dorf. Diese Nachricht erregte meine Neugierde und ich schloß mich daher den Schwarzen au. Bei den Bäumen standen bereits zahlreiche Neger, welche mir ehrfurchtsvoll Platz machten. So kam ich in die erste Reihe und konnte den Zauberer gut beobachten. Derselbe saß auf einer großen Matte; er war ein sehr dicker Neger und trug ein weites Kleid, ans Pflauzeustoff verfertigt. Am Hals hing eine sehr lange Kette, welche aus Stückchen von Kürbis-schalen, von Bogelköpfen und von Nachahmungen solcher aus Bronze gebildet war. Eine breite Binde, geformt von roten und blauen Perlen und überragt von einem Federbusch, zierte sein Haupt. Ein ganzer Bund eiserner Glöckchen, welche bei jeder seiner Bewegungen läuteten, hing wie eine Quaste vom Gürtel. Gesicht, .Arme und Beine hatte er mit Lehm beschmiert. Auf den Knien hielt er einen grob geschnitzten und bemalten Götzen. Zn seiner Rechten und Linken saßen zwei Weiber. Das auf der Linken hielt eine leere Kürbisschale in der Hand, worin der Götze sonst aufbewahrt wurde. Bei meiner Ankunft befragte das Weib eines Häuptlings den Zauberer. Sie opferte ihm vier Paar Hühner und eine Schale Milch, dann sprach sie lange mit ihm und er hörte sie aufmerksam au. Hieraus neigte er sein Ohr zum Munde des Götzen und stellte sich so eine Zeit lang, als ob der Götze zu ihm spreche und er ihn höre, sodann erhob er sich, sprach lange mit dem Weib, zum Schluß spuckte er ihr dreimal ins Gesicht und gab ihr ein stinkendes Kügelchen in die Hand. Sie zeigte sich anscheinend zufrieden mit der Antwort, mit dem Anspucken und dem Geschenk. Eine andere Frau ivollte sich auch dem Zauberer nahen, doch diese hatte mich gesehen. Sie sagte einige Worte dem Weib, das zu ihrer Rechten stand, und diese kam dann zu mir und sagte mir etwas im Dialekt, den ich aber nicht verstand. Ich schüttelte den Kops und zeigte mit Gestmi, daß ich nichts verstanden hatte. Der Zauberer, der mich genau beobachtete, gab mir ein Zeichen, mich ihm zu nahen. Ich folgte seiner Einladung. Vielleicht tvollte er ein Trinkgeld von mir. Welches war jedoch meine Überraschung, als er mir in schlechtem Arabisch sagte: „Sprichst du arabisch?" Ich antwortete: „Ja." „Bist du ein Kaufmann?" „Ja." „Haben die arabischen Kaufleute mit dem ganzen Land Beziehungen?" „Sie haben zahlreiche Verbindungen." „Hast du irgendwelche Beziehung mit Uschi-rombo?" Diese Frage steigerte meine Überraschung. Uschirombo ist eine blühende katholische Mission in Uniamwesi, nahe beim Biktoria-Nyanza. „Ich habe Verbindungen mit dieser Stadt", sagte ich wahrheitsgetreu. Die Missionäre jenes Ortes, wo ich mich vor zwei Monaten aufgehalten, kannte ich sehr gut. „Möchtest du viel Geld verdienen?" „Biel?" fragte ich mit Staunen. „Sehr viel. So viel, daß du dir zehn Sklaven oder hundert Hühner oder zwanzig Schwcinx dafür kaufen könntest." „Was muß ich tun, um diesen Gewinn zu machen?" „Verstehst du, was das Papier sagt?" „Ja." „Du bist also schlauer als ich, obgleich ich ciit Zauberer bin; aber alle Weißen, die Minisse und die arabischen Kaufleute sind pfiffiger als wir. Wenn ich mein Amt als Zauberer verlieren würde, möchte ich ein Schüler der Minisse werden. Halte also dieses Papier ans Ohr und höre, was es dir sagt." So sprach er zu mir und zog aus einem Korb -ein schmutziges Blatt Papier, auf dem einige Zeilen geschrieben standen. Dieses Papier war ein Brief und verstehen, ivas das Papier sagt, heißt soviel als ihn lesen. Neugierig las ich diese Zeilen, die mich sehr überraschten. Sie lauteten: „Emir, wer immer du bist, in dessen Hände dies Schreiben gelangt, wenn du das Papier, welches spricht und sich noch in den Händen des Mganga befindet, dem Minisse nach Uschirombo bringst, erhältst du von ihm Sachen im Werte von hundert Piastern in Silber oder zehn Schweine oder hundert Hühner. Wenn du diesen Brief zustellen willst, sprich mit dem Mganga." Dieses Schreiben sprach von einem Brief, der den Missionären von Uschirombo zuzustellen war. Von wem war der Brief? Welches sein Inhalt? Meine Reise ging ja auch nach Uschirombo und ich hoffte, in ein paar Monaten dorthin zu gelangen; ich konnte also das Schreiben leicht dem Adressaten übermitteln. Ich sagte daher zum Zauberer: „Gib mir das andere Papier, welches spricht." „Wirst du cs dem überbringen, dem es gehört?" fragte er mich. „Zweifle nicht; hundert Hühner oder zehn Schweine sind nicht zu verachten." Der Zauberer langte nun wieder in den Korb und zog einen Brief heraus. Das Kuvert war aus festem Papier und gut versiegelt, aber überaus schmutzig. Die Adresse war arabisch, französisch und deutsch geschrieben und lautete: I. M. I. Dem hochw. Pater Superior der katholischen Mission zu Uschirombo oder dessen Stellvertreter. „Wann hast du diesen Brief, der spricht, erhalten?" fragte ich den Mganga. „Vor vielen Tagen." „Wie viele?" „Ich zähle die Tage nicht, ich zähle nur meine Sklaven, um zu wissen, ob nicht der eine oder andere entflohen ist." „Wer hat dir den Brief gegeben?" „Ein Minisse." „Wo?" „In Cabambare." Mit Mühe hielt ich einen Freudenruf zurück; ich hielt in meiner Hand einen Brief von Damian Santelmo, dem Missionär, meinem Freund. Ich verriet meine Freude nicht, stellte mich vielmehr erzürnt und fragte den Mganga: „Wie kommt es, daß du, ein Zauberer, nicht nur Beziehungen mit einem Minisse hast, sondern ihm sogar dienst?" „Herr, das scheint dir sonderbar und doch ist nichts natürlicher; ich verdanke dem guten Minisse das Leben, wäre er nicht gewesen, ich wäre heute tot." „Wie kam denn das?" „Ich will es dir kurz erzählen. Ich bin ein berühmter Zauberer und reise von Dorf zu Dorf, von Stadl zu Stadt, bis zum Tanganika. Eines Tages traf ich mit einer Sklavenkarawane zusammen. Ich schloß mich ihr an; die Führer-waren von meinem Stamm. Unterwegs brachen die Blattern aus. Diese Krankheit raffte viele hinweg." „Was geschah mit den Kranken?" „Die kräftigsten erschlug man, damit sie nicht, wenn sie gesund würden, die Freiheit wiedererlangten, die schwachen, die sicher sterben mußten, überließ man zum Fraß den Schakalen und Hyänen, welche dem Zuge zahlreich folgten." „Entsetzlich!" ries ich unwillkürlich ans. Der Zauberer lachte spöttisch. „Fahre nur fort." „Ich wurde ebenfalls von der Krankheit befallen und man ließ mich auf der Straße liegen. Ich kann dir gar nicht beschreiben, was ich dort gelitten. Meine Landsleute ließen mich im Stich; ein christlicher Minisse nahm sich meiner an und pflegte mich. Soll ich ihm nicht deshalb dankbar sein? Ihm verdanke ich das Leben und die Gesundheit und sollte ich nicht ein Papier, welches spricht, denen überbringen, an die er es richtet?" Ich redete noch kurze Zeit mit dem Zauberer, gab ihm ein Trinkgeld und entfernte mich. Staunende Blicke der Sieger folgten mir, da sie gesehen, daß ich ein großer Freund des SJiganga war. Hieraus zog ich den Brief ans der Tasche. Er kam von Cabambare. Dieses Schreiben konnte kein Geheimnis enthalten. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte es der Missionär von Cabambare nicht dem Zauberer anvertraut. Sicher standen im Brief Nachrichten über die Mission, tvelchc mir sehr nützlich sein konnten; ich wollte ihn öffnen und lesen. Ich glaubte nicht, dadurch eine für einen charaktervollen Menschen unwürdige Handlung zu begehen; außerdem mußte ich gefährliche Orte passieren, konnte in Feindeshaud geraten und bann wäre der Inhalt für immer verloren gewesen. Ich öffnete das Kuvert, in dem ein Päckchen nüf Wachstuch war; darauf stand ebenfalls die Adresse. Ich öffnete die Leinwand; darin lag ein zweites Kuvert mit einem vier Seiten laugen Brief. Ich erkannte sofort die Schriftzüge meines Freundes Damian. Ich hatte ein Schreiben von ihm in der Hand. Endlich! Ich las es unterwegs. Pater Damian berichtete seinem Obern von der Gründung der Mission in Cabambare, von den Mühen und Sorgen und von den Erfolgen. Zehn Monate waren die Missionäre herumgeirrt, bis sie sich in der Nähe eines großen Dorfes niederließen. Dort befanden sie sich seit einem Jahre; der Brief war vor zwei SJionaten geschrieben. Die Missionäre hatten dort ein Waisenhaus gegründet, in dem sich ungefähr 20 losgekaufte Siegersinber befanden, ferner eine Schule mit 50 Kindern und ein Kirchlein. 110 waren die Getauften und noch mehr Katechumenen. Ein Priester war gestorben und Damian mit zwei Laienbrüdern allein geblieben. Mein Freund sagte ferner im Brief, daß alle seine Mittel ausgegangen seien. Medizinen, Nahrungsmittel und selbst der Meßwein gingen zur Steige; bald werde er des einzigen Trostes eines Missionärs in diesen Ländern, der heiligen Messe, beraubt sein. Er bat inständig um Hilfe: um einen Priester, Wein, Arzneien und Tausch-gegenstände. Er bat auch um Waffen. Weil die Mission an der Hauptstraße lag und Sklavenjägcr häufig vorüberzogen, hätten diese leicht dieselbe überfallen und alle zu Sklaven machen können. Er fügte auch hinzu, wenn er in kurzer Zeit keine Hilfe bekäme, er baun unmöglich sein Werk fortsetzen und sich auf das SNartyrium vorbereiten könne. Auch sagte er, daß er zehn Abschriften dieses Briefes Personen mitgegeben, welche nach Uschi-rombo kommen sollten. Damian verlangte Hilfe. Ich hätte sie ihm gebracht und ich hoffte nach 20 Tagen bei ihm zu sein; ich wollte daher die Reise möglichst beschleunigen. Gegen Mittag wurde das Flußufer sumpfig; hier mußte das Sumpffieber herrschen. Ich entschloß mich daher, auch um festeren Weg zu bekommen, mich vom Fluß zu entfernen. Ich bog im rechten Winkel ab. Ich kam so in einen Jungwald. Wie war das hier möglich? Bald erhielt ich hierüber Aufklärung. Mein Fuß stieß int Gehen aus einen runden Gegenstand, der vor mir hiurollte: es war ein Totenschädel; bald sah ich noch andere und viele Gebeine.... War das ein Friedhof? Dann sah ich verkohltes Holz, Scherben, Mauerwerk, mit Efeu und wildem Wein bewachsen. Josef bemerkte, daß ich diese Ruinen betrachtete, und sagte: „Das ist das Werk der Sklavenjäger." Hier stand also ehemals ein Negerdorf. Die Einwohner tvaren von den Händlern mit Menschenfleisch fortgeführt und das Dorf ein Raub der Flammen geworden. Der junge Wald, der darüber gewachsen, sagte mir, daß sich das Trauerspiel vor wenigen Jahren abgespielt hatte. Traurig setzte ich den Weg fort. Nachdem ich zirka sechs Kilometer vom Fluß abgebogen, setzte ich den Weg parallel mit dem Lauf desselben fort. Rechts hatte ich den Fluß, links in ziemlicher Entfernung eine Bergkette, welche das Tal des Lnalaba abschloß. Der Wald wurde dichter, dann hörte er plötzlich auf. Ich wollte eben eine lueite Grasfläche betreten, als ich am weiten Horizont etwas bemerkte, was meine Aufmerksamkeit fesselte und mich im Wald zurückhielt. Ich sah eine lange, schwarze Linie, welche sich mir zu bewegte. Ich nahm mein Fernrohr und sah bald, um was es sich handelte. Es Ivar eine lange Reihe von Sklaven, die von Arabern geführt wurden. Ich mußte mich klngheitshalber verbergen. Wenn die Sklavenjäger meine beiden schwarzen Diener gesehen hätten, wäre ihnen ohne Zweifel der Wunsch gekommen, sie gefangen zu nehmen; mit dies zu erreichen, hätten sie mich töten müssen. Ich bin zwar kein Feigling, doch würde ich cs nicht gern mit einer überlegenen Zahl roher Menschen aufgenommen haben. „Berstecken wir uns", sagte ich zu Josef. „Warum, Herr?" fragte er mich. „Es nähert sich uns eine Karawane mit Sklaven." „Mit Sklaven? Heiligste Jungfrau! Dann verstecke dich, Herr, aber gut; Josef will seinen guten Herrn nicht verlieren, noch hat er Lust, nochmals in die Hände der Feinde zu fallen. Erlaubst du mir, daß ich mich so verstecke, wie es in unserem Land üblich ist?" „Tue es nur", sagte ich ihm. In der Nähe stand ein mächtiger, dichtbelaubter Tamarindenbäum. Josef sagte einige Worte seinem Kameraden und kletterte gleich einem Affen auf den Baum; samt seinem Bündel war er bald im dichten Laubwerk hoch oben verschwunden. Heinrich ahmte seinen Gefährten nach; bald war auch er gut verborgen. Was sollte ich tun? Der Zug kam immer näher. Auch ich mußte ein Versteck suchen, aber wo? Auf den Baum wollte ich nicht. Einige Schritte vor mir war dichtes Gestrüpp; ich verbarg mich darin. Dadurch setzte ich mich großer Lebensgefahr aus. Die afrikanischen Wälder sind voll giftiger Schlangen und Skorpionen, deren Biß tödlich ist. Doch einer, der auf Abenteuer ausgeht, hat beständig den Tod vor Augen und muß damit rechnen. Eine meterlange, armdicke Schlange verjagte ich, tötete zwei große Skorpione und eine große, giftige Spinne, dann legte ich mich ruhig auf den Boden und erwartete das Kommende. Das Laubwerk bedeckte mich vollständig; unmöglich konnte ich gesehen werden. In der Hand hielt ich den Revolver, bereit, es mit jedem aufzunehmen, der es gewagt hätte, mir ein Übel zuzufügen. Es verging eine gute Viertelstunde. Die Sonne stand bereits am Horizont, da hörte ich das Geklirre der Ketten, welche die Sklaven trugen, und das Seufzen dieser armen Geschöpfe, vermischt mit dem Heulen und den Flüchen der Sklaven» jägcr. Endlich war der Zug da; zwei Schritte vor mir wankten die schwarzen Gestalten vorüber. Das Herz möchte bei ihrem Anblick mir brechen. Sie sind gräßlich zugerichtet: ihre Füße bluten, der ganze nackte Körper ist abgemagert und eine Wunde; nur schwer können sie sich weiterbewegen. Eine lange Kette, welche jedem einzelnen um den Hals geht, vereinigt acht bis zehn miteinander; mancher Ring der Kette ist leer, der eine oder andere ist auf dem Weg erlegen und die Überlebenden müssen die Ketten der Verstorbenen mitschleppen. Andere Männer und besonders viele Weiber trugen eine große Holzgabel, in die der Hals eingezwängt war. Der Sklave muß das Holz beständig mit beiden Händen halten, sonst verursacht es ihm große Schmerzen und hindert ihn am Gehen. Manches Weib trug noch ein Kind am Arm. Die Kinder liefen an der Seite ihrer Eltern. Der Anblick dieser vier- bis fünfjährigen Kleinen, welche ebenfalls sehr verwundet waren, preßte mir das Herz zusammen. Da verstand ich die Erhabenheit des Werkes der heiligen Kindheit Jesu. Die Zahl der Sklaven belief sich ans fast 200; acht Araber, mit langen Gewehren und Peitschen bewaffnet, führten den Zug. „Vorwärts, ihr Verfluchten von Allah!" schrien sie und schlugen auf sie los. Ein Weib mit einem Kind am Arm kann nicht mehr weiter; sie lehnt sich einen Augenblick an einen Baum, um auszuruhen. Ein Araber läuft hin und schreit: „Vorwärts, schwarzer Teufel!" und schlägt ans sie los. „Habe einen Augenblick Geduld, ich bin ganz erschöpft!" „So, kannst du nicht mehr voran? Da lvill ich schon sorgen." Der Araber will ihr das Kind entreißen. Seine Absicht erkennend, verteidigt sie es nach Kräften; doch er ist stärker als sie. Er entreißt ihr das Kind, faßt es bei einem Fuß, schwingt es durch die Luft und zerschellt dann dessen Kopf an einem Baumstamm, so daß das Gehirn herausspritzt. Dieses Ungeheuer von einem Menschen bricht in ein höhnisches Gelächter aus, in das die übrigen Sklavenjäger einstimmen. Die Mutter heult vor Schmerz und rauft sich die Haare ans. Mit Peitschenhieben wird sie weiter getrieben. Mit blutenden: Herzen muß sie folgen. Ich mußte mir Gewalt antun. Wenn ich dem Drange meines Herzens gefolgt hätte, so wäre ich über den grausamen Araber hergefallen und hätte ihn erschlagen. Nicht einmal, sondern hundertmal hat sein unmenschliches Handeln den Tod verdient. Doch hätte ich mich so nur einer großen Gefahr ausgesetzt. Aber wäre das nur die einzige blutige Szene gewesen! Aber nein, eine zweite, schrecklichere, mußte ich noch ansehen. Ein armes vierjähriges Kind, ein lebendiges Skelett, stolperte über einen Stein und fiel nieder. Ein Araber läuft hin und gibt ihm einen Peitschenhieb. Das Küld schreit vor Schmerz, will aufstehen, aber es kann nicht. Ein zweiter Hieb treibt es zu neuem Versuch: es erhebt sich, wankt und fällt. Das Bein ist ausgerenkt. „Was tun wir mit ihm?" fragt der Araber einen seiner Gefährten. „Töte es!" antwortet dieser Henker ganz ruhig. „Es ist keine Kugel wert und ich habe keine Zeit, es mit Stockschlägen umzubringen." „Dann laß es auf dem Weg liege», die Hyänen werden es fressen. Gib ihm jedoch ein paar Peitschenhiebe, daß es nicht mehr aufstehen und fliehen kann." Der Araber befolgte den Rat; er schlug unbarmherzig darauf los und ließ es dann liegen. Der Zug geht voran und die Sklaven treten in den Wald; der letzte Araber verschwindet hinter den Zweigen. Die Karawane ist vorüber und ließ auf dem Schmerzenswcg einen Tote» und einen Sterbenden zurück. Ich verließ mein Versteck und näherte mich dem Kinde, um es zu untersuchen. Für diese Welt war es nicht mehr zu retten. Es war gräßlich zugerichtet, lag in den letzten Zügen und konnte nur mehr einige Minuten leben; so wollte ich das Kind für den Himmel retten. Die beiden Neger waren vom Bann: herabgestiegen und schauten mitleidsvoll das Kind ihrer Heimat an. „Reiche mir Wasser", sagte ich zu Josef. Er gab mir die Reiseflasche. Ich goß Wasser auf den Kopf des Negerkindes, gab ihm den Namen der heiligsten Gottesmutter und sprach die sakramentalen Worte: „Maria, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!" Die Feierlichkeit dieses Augenblickes imponierte mir; es war die schönste Frucht, die ich während meiner vielen Reisen erlangt. Die Vorsehung hatte mich nach Afrika gesendet, eine Seele für den Hinimel zu retten. Während ich dann die Wunden des Kindes heilen wollte, flog seine Seele dem Himmel zu. Ich war überglücklich. Welch eine Überraschung für das Negerkind beim Eintritt in den Himmel! Von diesem Jammertal, in dem seiner nur Leiden warteten und Sklaverei, in den ewigen, schönen Himmel. O teure Maria, bitte für mich! Ich machte eine Grube und legte den Leichnam hinein; daneben legte ich den Leichnam des Kindes, welches ohne Taufe ins Jenseits gegangen war. Ich schloß das Grab, bildete aus zwei Ästen ein Kreuz und pflanzte es auf das Grab auf. Wohl das erstemal, daß das Siegeszeichen unseres heiligen Glaubens an den Ufern des Lualaba aufgerichtet wurde! «Fortsetzung folgt.) IDerfdbiebenee, Gebetskreuzzug kürdieWekebrung Afrikas. Die St. Petrus Claver-Sodalität ladet alle Gläubigen ein, sich an dem Gebetskreuzznge zu beteiligen, den sie jedes Jahr für die Bekehrung der armen Neger Afrikas veranstaltet und toelcher in einer Novene zur Vorbereitung auf das Schutzfest des hl. Josef (3. Sonntag nach Ostern) besteht.. Das Licht des Evangeliums leuchtet noch kaum in jenem dunklen Lande, wo die Ernte so beträchtlich wäre, aber die Arbeiter fehlen, um sie in die Scheunen des himmlischen Vaters einzuheimsen. Die Zahl der katholischen Missionäre, welche von Europa aus dorthin gesandt werden, genügt nicht zu dem großen Unternehmen, dem noch so zahlreiche Hindernisse anderer Art sich entgegenstellen. Daher erläßt die St. Petrus Claver-Sodalität einen löarmen Aufruf an alle, welche die afrikanischen Missionen bisher so großmütig unterstützten, auf daß sie auch das kostbare Liebeswerk des Gebetes für die Retiuug so vieler armer Heiden hinzufügen möchten. Der Gebetskreuzzug findet dieses Jahr vom 8. bis 16. April statt und man kann sich zur Novene des kirchlich approbierten Abbittegebetes zu Ehren des hlst. Herzens Jesu, von dem verstorbenen Zambesi-Missionär P. Menyhardt S. J verfaßt, bedienen. Dasselbe kann in beliebiger Anzahl (Gebetbuch-Format) in deutscher, italienischer, französischer, englischer, portugiesischer, böhmischer, slowenischer, polnischer, kroatischer, ungarischer und slowakischer Sprache gratis und franko von der St. Petrus Claver-Sodalität, Salzburg, Dreifaltigkeitsgasse 12, bezogen werden. Wie chinesische Boiev sich unverwundbar machen. In aller Erinnerung lebt noch das Treiben der Boxer und verwandter chinesischer Geheimsekten, die 1900 die blutige Verfolgung der Christen und die europäische Strafexpeditiou veranlaßten. Auf die „Boxer" oder „Großes Messer" genannte Sekte kommen in ihrer letzten (März-) Nummer „Die katholischen Missionen" (Freiburg, Herder, jährlich 12 Nummern Mk. 5'—) zurück. Wie diese Boxer sich für den bevorstehenden Kampf unverwundbar zu machen suchten, wird nach dem Bericht von Augenzeugen geschildert. Es heißt dort: „Man schreibt gewisse abergläubische Formeln auf kleine Papierstreifen. Der .Schüler' ißt sie herunter oder trinkt sie, zu Asche verbrannt, im Tee. Darauf verbrennt er Weihrauch und murmelt dabei unverständliche Anrufungen. Nun ist er unverwundbar geworden. Er nimmt zur Probe einen großen 5—6 Pfund schweren Ziegel und führt sich damit drei wuchtige Schläge auf den Vorderarm, drei auf die Schultern, drei auf die Beine usw. Darauf ergreift er einen großen Säbel und wiederholt damit dasselbe Manöver. Man sagt, daß sie wirklich in allem Ernste zuschlügen, und zwar mit scharf geschliffener Klinge. Wie erklärt es sich, daß sie trotzdem keine Wunden davon tragen? Die .Ein- geweihten- suchten zunächst die Unverwnndbarkeit gegen Hieb und Stich, dann auch gegen Ge-schosse zu erlangen. Viele Augenzeugen, bereit Zeugnisse man nicht ohne weiteres verwerfen kann, versichern solche tatsächliche Fälle von Unverwundbarkeit. Gewiß ist, daß diese fanatisierten Leute tollkühn wie die Derwische des Sudans in den Kampf gingen, wo sich freilich ihre Unverwundbarkeit recht bald als fadenscheinig erwies." Auch teilt dieselbe Zeitschrift eine der „schützenden Zauberformeln", die die Boxer in ihrem Brustlatz — wovon ein schön gesticktes Exemplar im Bilde vorgeführt wird — trugen, im Original und in der Uebersetzung von P. Konrad von Bodmann mit. Diese lautet ivie folgt: O tin, unser großer und verehrter Meister! Herzog Tschcou, unser Ahnherr! Genius tier Pfirsichbauinblüten, General Bannerträger! General mit der diamantenen Keule, Mach', daß unser Geschütz den Horizont erreicht. Schntzgeister, ihr könnt die Hiebe aufhalten, Ihr könnt sie versetzen. General Schildkröte, General Schlange und ihr 800 Höchste und mächtigste Geister, kommt in Eile, Mein Leben zu schützen, macht, daß die Wirkung dieses Zaubers meinen Leib unversehrt bewahre ! Der Bffc des Savo^avbenhnaben. Eine reiche französische Dame kaufte vor einigen Jahren von einem herumziehenden Sa-voyardenknaben, der allerlei Gesänge aufführte, einen kleinen Affen, der allerlei Kunststücke gelernt hatte und am Schluffe seiner Vorstellungen bei dem schaulustigen Publikum selbst sammeln ging. Das Tier war gut erzogen, betrug sich stets zur Zufriedenheit seiner neuen Herrin und war ihr schließlich ein ganz unentbehrlicher Gesellschafter. Vor mehreren Wochen lvaren die Salons besagter Dame geöffnet, die seine Welt füllte die Räume und die Dame des Hauses gab den Bitten ihrer Bekannten nach, auch den in eine prächtige rote Jacke gekleideten Affen in die feine Welt einzuführen. Er wurde bewundert, besprochen und, als er sich bescheiden in einen Winkel gesetzt hatte, schließlich vergessen. Am Abend sollte auch eine berühmte Sängerin die Gesellschaft entzücken. Die Dame nahm am Piano Platz und sang. Da schlich der Affe leise heran und hörte anfmerksam zu. Kaum aber hatte sie geendet, so entriß er mit kühnem Griffe dem nächststehenden Herrn den Hut und ging sammeln. Alles lachte und selbst die zuerst bestürzte Dame des Hauses mußte in die allgemeine Heiterkeit einstimmen. Blit peinlicher Gewissenhaftigkeit hielt der Affe jedem einzelnen den Hut hin. Jeder warf ein Geldstück hinein und als her Affe mit seinem Rundgaug fertig, war er mit einem Satze auf dem Knie der Sängerin und stülpte ernsthaft den Hnt ans ihrem Schoße um. In drei Jahren hatte das Tier seine alten Verpflichtungen nicht vergessen . . . und einer armen Familie flössen des andern Tages die 430 Franken zu. Der Lodasee im innersten Hfnfca. Von dem geheimnisvollen Sodasee, dessen Spiegel sich nahe der dentschostafrikanischen Grenze im innern Afrika ausdehnt, gibt der bekannte englische Ingenieur Shelford, der mit einer Expedition jene öde, unbevölkerte Gegend besucht hat, eilte fesselnde Schilderung. Der See nimmt die Tiefe eines gewaltigen Tales ein. Auf der einen Seite türmen sich Berge bis zu 2000 Meter-auf, das andere Talufer ist von einer noch höheren Bergkette gebildet, bereit Gipfel fast 3000 Meter erreichen. Still und öde ist weithin das Land, nirgends die Spur von menschlichem Leben. Aber die Ufer des Sees sind bevölkert: ungeheuere Scharen von Flamingos treiben hier ihr Wesen. Von den umgrenzenden Bergen ans unterscheidet sich der See, dessen Wasserfläche eine Länge von zehn englischen Meilen und eine Breite von etwa drei Meilen hat, kaum von einem gewöhnlichen See; nur ein seltsamer rötlicher Schimmer lockt das Auge. Doch sobald nmn hernieder steigt und das Ufer erreicht, klärt sich alles auf: das Wasser ist ungefähr einen Meter tief und der Boden des Sees ist mit einer harten Masse bedeckt, die rosigem Marmor gleicht. Das sind gewaltige Ablagerungen von Soda, welche bei der Bohrung außerordentliche Tiefe zeigten. Eine englische Gesellschaft plant die Ausnützung dieses Sees. Waantwovtlidbet Sdbcltttdtcr r IRtiitov P. Dr. HD, IRaffefnec F. S. C. — 3ßudb6vudievci tlsvolia mixen, Südtirol. Kctßerr-WevZsictznis com 1. gteßruar bis 1, Wävz 1910. ------------In Sirotaen.-----------— Gpferstock: Adlwang W. b. ©. 48.70; 97. 97.3; Aichkirchen W. d. E. 13.16; Aistersheim W. d. E. 17; Illtntünfter W. d. E. 46; Altschwendt W d. E. 43; Aschach bei Steyr W. d. E. 40; Seurat 91. Set). 2.35; Bozen I. Sch. 14; 937. 337. 8; Brixen Benef. V. 8; H. v. L. 3; Bruneck H. S. 2; Brunuental SB. d: E. 24; Dietach W. d. E 7; Desselbrnnn W. d. E. 43.44; i Eggendorf W. d. E. 15; Einsiedeln P. 97. Sch. 1.91; Enns W. d.E. 51; Eppan M. M. 5; Flirsch I. E. 8; Frankenmarkt W. d. E. 21; Fürstenfeld 337. K. 2; Gaflenz W. d. E. 56; Girlan T. F. W. 1; Gmnn-den A. 937. 1 ; Grins L. St. 4; Haag Th. 37. 1; I Hörbranz F. 97. 0.50; Kirnstein 'L. K. 2.34; Klausen Kur. A. H. 8; Koein I. V. 47; Kolbermoor 97. 97. 2.34; Köldorf R. S. i; Kührungsdorf I. A. 10; Laakirchen K. G. O. 0.50; Lambach P. B. G. 10 (AntonirMrot); Lechenbach 937. H. 1.17; Leonstein W. d. E. 11; Liege Dir. K. 3.79; Lüsen W. d. E. 10; Marburg K. I. M. 3; Maria-Laach W. d E. 34; Mehrnbach W. d. E. 30.30; München A. I. 1.20; K. F. 7.05; Neuhofen m. d. K. W. d. E. 49.50; Neukirchen W. d. E. 69.50; Oppeln A. W. 5.89; Ort W. d. E. 40; Passau 97. K. 0.65; Pichl b. Wels W. d. E. 54.80; Polling W. d. E. Nachtrag 1.60; Ried b. Kr. W. d. E 53; Rodencck S. F. 140; 37üßtorf W. d. E. 42.40; St. Georgen i. Att. W. d. E. 24; St. Georgeu b. Tol. W. d. E. 33.10; St. Georgen W. d. E. 20.64; St. Aegydi W. d. E. 20; St. Florian W d. E. 84.60; St. Peter b. L. Koop. P. 8; St. Pölten I B. 4; St. Martin SB. b. E. 85; Garns F. P. 8; Schärding W. d. E. 46.50; S im dach Psr. H. 5.97; Sippachzell W. d. E. 71; Ternberg SB. d. E. 46; Thauer d. 97, L. 10; Tirol b. M. F. K. 2; Trier I. K. 4.69; Unterbruck 937. g. 1; Binadcrs Pf. I. A. 1; Weibern SB. d. E. 54; Weilbach SB. d. E. 45.82; Wels von mehreren 100; item 100; Werfen B. E. 1; Wien H. F. G. 1; I. H. SB. d. E. 3.50; Windisch-Landsberg 937. K. 4; Wolfern SB. d. E. 28.80; Zams F. S. 8. Zur persolvierung von heiligen Messen sandten ein: An i. Breg. SB. 8; Doren SB. H. 7; Ebensee 937. S3. 8 60; Eggenberg Ehr. Sch. 16;' Flirsch I. E. 50; Gmunden Ä. 937. 4; Grins L. St. 50; Sicht« grillowitz d. Th. Z. 6; Kufstein 937. K. 50; Kührings-dorf I. A. 10; Losenstein I. SB. 8; Lüsen 97. 97. I. 20; Milland F. Sch 40; Mittelberg J. E. K. 14; München 937.97. 16.46; Münster Bar. 97 23; Odran L. 97. 3; Sachsenkamm A. H. 3.51; Salzburg I. Sp. 5.20; Saffig P. SB. 1.17; St. Lambrecht Dr. B. SB. 300; St. 937artin S3. Schw. 20; Sarnthein 937. G. 4; Schidlberg I. Th. St. 5; Sillian M. F. 6; Wolfern 9)7. 937. 50; A. Sch. 20; Ebensee, Fr. A. 20. pt die Mission: Buchau C. B. 3.31; Dorf l. 97. Pfr. A. 97. 8; Engelswald Pfr. A. L. 6; Furth, i. SB. 937. 97. 1.96; Giesingen Pfr. B. 937.50; Kostelzen Pfr. 937. Sch. 10,80; Lnttach F. H. 10; 97eu-St. Johann Pf. 37. 1.9 j.; St. Ulrich D. H. 8. Zur Wau: 97entte K. Z. 3; Heilbrnnn Benef. K. 0.66. Zur Cause von lseidenkindern: Eggenthal 100 (Josef Blasius, Alois Anton, Slgnes Anna, 937aria Theresia, Barbara Agatha); Gmunden A. 937. 40 (Josef, Peregrin); Heilig-Krcnz a. SB. I. R. 20 (Slntonius); St. Peter b. L. Koop. P. 20 (Johann Franzi. ferner sandten ein: Briefmarken aus: Brixen, Erdberg, Pedraces, Algund, Franzensfeste, Saffig, Unken, Wien, Mehrerau. ,,© Herr, verleihe allen unseren Wohltätern um deiner Hamens willen dar ewige Leben!" Empfehlenswerte Bücher und Zeitschriften. Die beliebte Frauenzeitschrift „Llisabetbblatt" (Verlag Preßverein Linz, jährl. 12 Hefte. Kr. 2.24) trat mit bent Jännerheft in den 5. Jahrgang. Trotz der großen Konkurrenz hat es die überaus reichhaltige, alle praktischen Bedürfnisse der Frau berücksichtigende Zeitschrift schon auf 10.000 Ab-nehmerinnen gebracht. Das Jännerheft zeichnet sich durch eine wirklich glänzende Ausstattung aus. Aus dem Inhalt heben wir hervor das prachtvolle Titelbild in Kunstdruck „Madonna della Sedia", den Artikel „Junger Haushalt" von S. v. H., „Die Unschuld in der deutschen Poesie" von Dr. Gspann, „Ueber die Spiele unserer Kinder" von Maria Merkens, die Biographie der Frau Julie Windt-horst von E. Ducker, die prächtig illustrierte Jeru-salempilgerfahrt, „Hinauf zur Tochter Sions" von Winkler, Häkelmuster und andere schöne Handarbeiten, mehrere elegante Blusen; „Aerztliche Auskunftsstelle", „Mädchenschutz", „Für Küche und Keller", „Frauen-Organisation", „Soziale Rundschau", einige sehr hübsche Erzählungen. 24 Illustrationen. Jede christliche Frau und Mutter soll für die Verbreitung dieser Zeitschrift agitieren, deren Preis äußerst billig ist (mit Postzusendung nur Kr. 2.24). Probehefte sind gratis erhältlich vom Preßverein in Linz. Das Weichtstegel und feine tllnverletzlicbkeit werden nur zu oft von beit Kirchenfeinden in der Presse wie am Biertisch und int Salon zum Ziel der Angriffe und des Spottes gemacht. Darum ist es sehr erfreulich, wenn Ereignisse, die den Beweis liefern, wie ernst es der Kirche und ihren Dienern mit der Unverletzlichkeit des Beichtgeheimnisses ist und wie ein Priester eher Ehre und Leben opfert als das Beichtgeheimnis verletzt, vor der Vergessenheit bewahrt werden. In dieser Beziehung hat sich großes Verdienst erworben die Erzählung von Josef Spillmann 8.3.: „Ein Opfer des Beichtgeheimnisses" (Herder, Freiburg und Wien. Billige Volksausgabe; geb. Mk. 2.— = Kr. 2.40), die sich auf eine wahre Begebenheit aus uuferner Zeit stützt. Ein Raubmörder beichtet einem Priester seine Tat, um diesem den Mund zu schließen. Obwohl nun der Verdacht auf den Priester selbst fällt, schweigt dieser, ja, er sagt nicht einmal aus, daß er den Täter, seinen Küster, an dem betreffenden Tage gesehen, obgleich er sich dadurch sicher gerettet hätte, läßt sich lieber zum Tode verurteilen und nimmt dann die „Begnadigung" zu lebenslänglicher Zwangsarbeit in Neu-Caledonien unter dem Abschaum der Menschheit auf sich, von der er nach einigen Jahren durch die Selbstanzeige des von Gewissensbissen gefolterten Mörders erlöst wird. Von dem Werk ist soeben die 14. Auflage herausgekommen. Es paßt in die Hand der Gebildeten und sollte in keiner Volks-undJugcndbibliothekfehlen. IRongregattonsbücbietn für die Marianischen Männer- und Jünglingskongregationen der Erz-diözeseFreiburg.Mit Approbation des hochwürdigsten Herrn Erzbischofs Uon Freiburg. 16". (Ylujtb ilO.| Freiburg und Wien 1910, Herdersche Verlagshand-lung. Geb. 60 Pf. — 72 Heller. litongregationsbücblein für die MarianischenJung-frauenkongregationen der Erzdiözese Freiburg. SOtit Approbation des hochlöst. Herrn Erzbischofs von Freiburg. 16". (VI und 110.) Freiburg und Wien 1910, Herdersche Vcrlagshandlung. Geb. 60 Pf. = 72 Heller. Das Büchlein enthält die für die Erzdiözese vom Erzbischof genehmigten allgemeinen Statuten, die üblichen Kongregationsgebete, Meß-, Beicht- und Kommuniongebete und endlich eine schöne Zahl von Sieben:, die fast alle mit Erlaubnis der Behörde dem „Magnifikat" entnommen und darum ohne iveiteres in den Versammlungen verwendbar sind. Einzelne sind spezielle Kongregationslieder. Das Büchlein darf innerhalb der Erzdiözese wegen der Rücksicht auf das Magnifikat nur an Kongregatiolren abgegeben werden.' Bus der Sonnenseite. Humoristische Erzählungen von Konrad Kümmel. Erstes Bändchen Vierte und fünfte Auflage. 12". (XII und 316) Freiburg und Wien 1909, Herdersche Verlagshandlung. Gebunden in Leinwand Mk. 2.30 — Kr. 2.76. Der Humor dieser Sammlung kleiner Erzählungen wird dem Volke an seinen Sonn- und Feiertagen, wenn Arme und Hände müde von der Woche saurer Arbeit sind, Herz und Sinn wohlig erwärmen und erheitern. Freude will das Büchlein bringen, echte Freude und Heiterkeit, fern von schwüler Leidenschaft und düsterem Pessimismus der Modeschriftstellerei, zur Stärkung für die kommenden Tage der Arbeit. So sollen sie wirken und so haben sie wohl auch schon bei vielen gewirkt, diese prächtigen Erzählungen voll kernigen Humors, denn sie gehen schon in vierter und fünfter Auflage hinaus. Es versteht sich bei Kümmel von selbst, daß das Büchlein auch der heranwachsenden Jugend unbedenklich in die Hände gegeben werden darf, und so gehört cs in jede Volks- und Familien- sowie in jede Jugendbibliothek. Ein IReisescbrittstetter eigener Art ist Alban Stolz. Die Hauptsache in seinen „Reisewerken" sind nicht die Schilderungen von Land und Seilten der bereisten Gegenden, denn eine solche gibt er oft nur lückenhaft, sondern die an diese oder jene Wahrnehmung geknüpften Erörterungen des Verfassers. Ilm ehesten bietet noch sein soeben in zehnter Auflage erschienener „Besuch beiSem, Cham und JaPhet" (Herder, Freiburg und Wien. Billige Volksausgabe. Mk. 1.80 = Sr. 2.16; geb. Mk. 2.20 = Kr. 2.64, Mk. 2.60 = Kr. 3.12 und Mk. 3.30 -- Kr. 3.96) eine Schilderung des Heiligen Landes. Obwohl das Buch ernst gehalten ist, „zuckt und wetterleuchtet" doch da und dort des Dichters Humor. Ein Werk, das man immer wieder mit hohem Genuß lesen kann. lins Hitts an MnMfMrnds. Daß die Neger sehr die Musik lieben, ist bekannt. Daher ist es Pflicht des Missionärs, sich hierin beizeiten auszubilden. — In unserem Juvenat, int Laveriannm, haben wir für Musik besonders veranlagte Zöglinge; doch womit lernen ? — Wir richten daher an Mnstkfrennde unter unsern Abonnenten die innige Bitte, uns Musikinstrumente, welcher Art sie auch sein mögen (natürlich brauchbar), für unsere Zöglinge nach Milland zusenden zu wollen. Sie üben dadurch ein Liebeswerk an den Negern und das heiligste Herz Jesu wird es sicher lohnen. ebraucbte Briefmarken fern mein wir in alten Rnanlilalen nnij werden solche mit fjer-j# lichern „Vergelts Volk!" non der Verwaltung des Missions» Hanses in füMIlanb bei Buren entgegengenommen. freundliche Aufnahme im Handwerker, wie Schuster, Schneider, Tischler usw., sowie Bauern, finden als Laienbrüder Missionshaus in Milland bei Ariren.