Ein Erinnerungsblatt, gewidmet der „Societa Sismologica Italiana“ zu ihrem lOjahrigen Grundungsfeste. Von A. Belar. Sonderabdruck aus der Monatsschrift «Die Erdbebenwarte* 1904/5, Nr. 10 12, IV. Jahrgang. Laibach 1905. Buchdruckerei Ig. v. Kleinmayr & Fed. Bamberg. Sonderabdruck aus der Monatsschrift «Die Erdbebenwarte», Nr. 10 bis 12, IV. Jahrg., 1904/5. Ein Erinnerungsblatt, gevvidmet der „Societa Sismologica Italiana“ zu ihrem iojahrigen Grlindungsfeste. Von A. Belar. Mit Stolz kann die Vereinigung der italienischen Erdbebenforscher bereits auf eine an wissenschaftlichen Forschungsergebnissen reiche zehn- jabrige Arbeitszeit zuriickblicken, zu der wir sie heute zur Jahrzehntwende aufrichtig begliickwunschen. Nicht gerne wurden wir die Gelegenheit vortibergehen lassen, ohne unseren Leserkreis mit der Entwickelung und der Tatigkeit dieser vornehmen fachwissenschaftlichen Gesellschaft naher bekanntzumachen. Die iSocieta. Sismologica Italiana » wurde im April des Jahres 1895 gegrundet. Vom 5. April desselben Jahres sind namlich die Statuten datiert, so dafi also der Verein einige Tage vor der bekannten, filr die Entwicke- lung der Erdbebenforschung im iibrigen Europa bedeutungsvollen Laibacher Erdbebenkatastrophe bereits bestanden hat. Die Zentrale der Erdbebenforschung ist in Italien bekanntlich mit der Zentralanstalt ftir Meteorologie mit dem Sitze in Rom verbunden und mit dieser in enger Beziehung steht nun die Vereinigung der Erdbebenforscher Italiens. Wir mussen daher auf den Werdegang der Zentralanstalt 1 zuriick- greifen, um der Entwickelung der «Societa Sismologica Italiana* folgen zu konnen. Die Zentralanstalt fiir Meteorologie wurde endgtiltig im Jahre 1879 von den Ministerien fiir Ackerbau, Marine, der offentlichen Arbeiten und Unterricht gegrundet, jedoch hangt sie in administrativer Beziehung nur vom Ackerbauministerium ab. Der erste offizielle Titel der Zentralanstalt war «Ufficio Centrale di Meteorologia » und untergebracht war sie von der Grundung an bis heute im Collegio Romano, einem ehemaligen Jesuiten- kloster, welches sich nun im Besitze der Regierung befindet. Die Direktion der Zentralanstalt wurde im Jahre 1879 an den Kommen- dator Prof. Pietro Tacchini iibertragen, welcher die ganze Organisation des 1 tiber die Grundung der Zentralanstalt handelte Dr. G. Agamennone im Jahrgang II der «Erdbebenwarte», S. 1. Unsere Darstellung bezieht sich auf ein Manuskript des Direk- tors Tacchini, welcher uns dasselbe im Jahre 1897 zur Verfiigung gestellt hatte. 2 Wetterbeobachtungsdienstes in einer musterhaften Weise durchgeftihrt hat. An den Direktor Tacchini wurde vom Unterrichtsministerium auch die Obsorge der Sternvvarte im Collegio Romano tibertragen, so daG Direktor Tacchini gleichzeitig ein vviirdiger Nachfolger des riihmlichst bekannten Astronomen P. Secchi wurde. Auf dem Gebiete der Erdbebenforschung betatigte sich mit einer seltenen Ausdauer Prof. M. S. de Rossi, welcher seit dem Jahre 1874 das Bollettino del Vulcanismo Italiano herausgegeben hatte, ein Werk, welches als eine Fundgrube geophysikalischer Arbeiten und Forschungen aus friiherer Zeit genannt zu werden verdient und als Vorlaufer der Veroffentlichungen der Societa sismologica Italiana angesehen werden kann. Schlummerte doch schon damals im SchoGe des Bollettino del Vulcanismo Italiano ein italienischer Erdbebenforscherverein, wie der Schopfer und Herausgeber des Bollettino, Herr de Rossi, gelegentlich eines Vortrages im Jahre 1884 bei der Ausstellung in Turin scherzhaft mit den Worten etwa bemerkte: «In Italien hat der klassische Erdbebenboden die heimischen Gelehrten herausgefordert, die Mittel der modernen Zivilisation anzuwenden, um den Geheimnissen der Erdphysik nachzuspiiren. In der Tat ist diese Aufgabe auch von etlichen Fachmannern der Physik und Geologie aufgegriffen vvorden; ich war auch darunter, aber ich beanspruche nichts weiter, als das Verdienst, es verstanden zu liaben, die Mitarbeiter zu einer gelehrten Gesellschaft zu vereinigen, ich sage es offen, zu einer bewunderungswurdigen Gesellschaft; sie fuhrt keinen Namen, hat keinen Sitz, keine Statuten, keinen Prasidenten, keinen Sekretar und endlich auch keine Mittel*. So hat Meister de Rossi sein Bollettino und seine braven Mitarbeiter gekennzeichnet und nicht mit Unrecht. De Rossi hat es verstanden, die weitesten Kreise in Italien fur die Erdbebenforschung zu erwarmen, er hat nichts unversucht gelassen, um neue Mitarbeiter auf diesem VVissensgebiete heranzulocken, von dem Grund- satze ausgehend, daG jeder einzelne berufen ist, da mitzuwirken. Die Stimme des Vaters de Rossi ist auch glucklicherweise bis zu den berufenen Be- horden vorgedrungen. Das Ackerbauministerium war es, welches eine Zentralisation des Erdbebenbeobachtungsdienstes ins Auge faGte und in erster Linie am konigl. geologischen Komitee (Comitato geologico) ein Obser- vatorium und ein Archiv eingerichtet hat, allwo alle Erdbebenereignisse ge- sammelt wurden. Oberdies vvurde eine Erdbebenkommission unter dem Vorsitze des bekannten Physikers Blaserna eingesetzt, welche bei der Re- gierung den Vorschlag eingebracht hat, ein besonderes Amt als Zentral- stelle einzurichten. Aus Grunden rein okonomischer Natur ist der ausge- dehnte Erdbebenbeobachtungsdienst am 9. Juni 1887 1 an Direktor Tacchini tibertragen vvorden und somit der meteorologische mit dem Erdbeben- 1 Nach gleichem Vorbilde und gleichen Beweggriinden vvurde bekanntlich auch in Osterreich im Vorjahre der Erdbebenbeobachtungsdienst zentralisiert. 3 — beobachtungsdienst vereinigt worden. Das Zentralamt hatte eine neue Abteilung hinzubekommen und dafiir auch den erweiterten Titel: Ufficio Centrale di Meteorologia e Geodinamica, ohne aber dem Direktor, wie das allgemein iiblich ist, den Gehalt entsprechend der Arbeitsvermehrung zu erhohen. Am 19. August 1891 wurde die Sternwarte und das astro- nomische Museum dem Unterrichtsministerium unterstellt, die Direktion verblieb nach wie vor in der Hand des Tacchini, ebenso wie die Zentral- anstalt, welche mit den Mitteln des Ackerbauministeriums erhalten wurde. Mittlerweile traten grobe Unterbrechungen in der Herausgabe des Bolletino del Vulcanismo Italiano ein, es war daher notwendig, daran zu denken, ein Organ zu griinden, in welchem alle Erdbebenbeobachtungen zu ver- offentlichen gewesen waren. Da kommt wieder das organisatorische Talent eines Tacchini, welcher vorerst den meteorologischen, dann den Erdbeben- beobachtungsdienst in einer geradezu glanzenden Art in Italien eingerichtet hat, zur Geltung. Kein anderer als Tacchini war es, der den Augenblick als gekommen erachtete, alle Erdbebenforscher Italiens in einer Korper- schaft zu vereinigen und ein Organ zu schaffen, welches alles auf Erdbeben bezug habende veroffentlichen soli. Die Organisation der Societa Sismolo- gica ist nun folgende: Nach den Statuten ist der Sitz der Gesellschaft in Rom bei dem Ufficio Centrale. Hauptzweck der Gesellschaft ist, moglichst rasch Nachricht zu bringen uber alle Erdbeben und vulkanische Ereignisse in Italien, Schilderungen solcher Ereignisse, Beschreibung neuer ErdbebenmeC- apparate und dadurch beizutragen, dafi die Erdbebenforschung sich in allen Schichten moglichst rasch verbreite. Die Zahl der Mitglieder ist unbeschrankt und zerfallt in nationale und korrespondierende oder auslandische Mitglieder. Die Gesellschaft wird von Prof. P. Tacchini geleitet. Nur wenn es notwendig wird, die Mitglieder zu versammeln, dann wahlen bei jeder solchen Vereinigung die erschienenen Mitglieder fiir die Dauer der Tagung einen eigenen Prasi- denten. In der Versammlung konnen Vorschlage von den Mitgliedern ge- macht werden, auch solche, die eine Satzungsanderung bezwecken. Neue Mitglieder, sowohl nationale als korrespondierende, miissen iiber Vorschlag von drei nationalen Mitgliedern von der Majoritat aller Mitglieder erwahlt werden. An der Wahl konnen sich nur die nationalen Mitglieder beteiligen. Die Gesellschaft veroffentlicht eine Fachzeitschrift unter dem Titel: «Bollettino della Societk Sismologica Italiana», herausgegeben von Prof. P. Tacchini, im Verein mit den Ministerien fiir Ackerbau, Industrie und Handel. Alle Mitglieder erhalten das Bollettino zugestellt; iiber die Aufnahme der Ab- handlungen in das Bollettino entscheidet der Direktor, die Autoren sind selbstverstiindlich fiir den Inhalt der Abhandlungen verantwortlich. Jedes Mitglied entrichtet einen Jahresbeitrag in der Plohe von 15 Lire. Jeder Mitarbeiter erhalt 50 Sonderabztige seiner Abhandlung kostenfrei. Wid- mungen von Werken und Abhandlungen, die der Gesellschaft zugewendet werden, empfangt der Direktor, der gleichzeitig dieselben venvahrt. 4 Bald hatte der Prasident, Direktor Tacchini, einen Štab von 34 Mit- arbeitern um sich vereinigt. Wir lesen unter denselben die bekannten Namen M. Baratta, A. Cancani, L. Palazzo, A. Ricco, T. Taramelli etc., welche am 24. Mai 1895 Vorschlage zur Wahl von neun nationalen und folgenden aus- landischen korrespondierenden Mitgliedern erstatten, die auch gewahlt erscheinen. 1. ) Prof. C. Davison, Sekretar der Erdbebenkommission in Birmingham (England). 2. ) Prof. S. Hepites, Direktor des meteorologischen Institutes in Bukarest (Rumanien). 3. ) Prof. F. A. Forel (Schweiz). 4. ) Prof. F. Omori, Universitatsprofessor (Tokio, Japan). Am 15. Juli 1895: 5. ) Prof. A. Andre, Direktor der Sternwarte in Lyon. 6. ) Prof. E. Rebeur-Paschwitz f in Merseburg. Weitere Wahlen erfolgten in nachfolgenden Zeitpunkten: Am 29. Februar 1896: 7. ) Prof. G. Lewitzky, Direktor des Observatoriums in Dorpat. Am 25.Janner 1897: 8. ) F. de Montessus de Ballore in Nantes. 9. ) Prof. A. Belar in Laibach. Am 15. Februar 1897: 10. ) Dr. S. A. Papavasiliou, Direktor des Erdbebendienstes am Obser- vatorium in Athen. Am 7. Mai 1899: 11. ) Prof. E. Lagrange an der Militarakademie in Brussel. Am 19. Dezember 1899: 12. ) Dr. R. Schtitt, Direktor der Erdbebenwarte in Hamburg. Am 26. Februar 1900: 13. ) Prof. P. H. Jung, Smyrna. Am 9. Mai 1900: 14. ) Prof. M. P. Rudzki, Universitat, Krakau. Am 7. August 1900: 15. ) Dr. R. Oldham, Direktor der Surwey Geological in Kalkutta, Indien. Am 2. Marž 1901: 16. ) Prof. Hlasko-Hlasek Stephan, Direktor des met. und magn. Obser¬ vatoriums in Tiflis (Kaukasus). Am 23. April 1901: 17. ) Prof. A. V. Voznessensky, Direktor des Observatoriums in Irkutsk. Am 18. Juli 1903: 18. ) Prof. Spas Watzof, Direktor der meteorologischen Zentralanstalt in Sofia. 5 Am 12. August 1903: 19. ) Kommandant F. A. Chaves, Direktor des meteorologischen Dienstes auf den Azoren, Ponta Delgada. Am 14. Janner 1904: 20. ) Azeredo Capitano Francisco de Paula in Oporto, Portugal. 21. ) Don Santos Viegas Antonio in Coimbra, Portugal. Am 30. Marž 1904: 22. ) Hofrat J. M. Perntner, Direktor der Zentralanstalt, Wien. Am 12. Dezember 1904: 23. ) Prof. Dr. E. Mazelle, Triest. 24. ) Prof. S. Giinther, Munchen. Schon im ersten Jahre des Bestandes der Societh beklagt dieselbe den Verlust eines bedeutenden Mannes, des korrespondierenden Mitgliedes Dr. E. Rebeur-Paschwitz, der am 1. Oktober 1895 starb. Ein Jahr darauf wurde ihr unser Vorkampfer, das ordentliche Mitglied Prof. Luigi Palmieri, durch den Tod entrissen. Im Jahre 1897 verstarb das Mitglied Don Giuseppe Quandel, ferner Altmeister di Michele Stefano de Rossi und Pietro Landi, Dr. G. Pacher, Contarini, Cancani. Heute ziihlt die Erdbebenforschervereinigung 45 nationale und 24 auswartige Mitglieder. Im September 1902 fand der erste Kongrefi der italienischen Erdbebenforscher (verbunden mit einer Ausstellung von Erd- bebenmefiinstrumenten) in Brescia statt, woriiber in unserer Monatsschrift ausfuhrlich berichtet wurde. Die Haupttatigkeit des Vereines bestand in der Herausgabe des bereits angefiihrten Bollettino, welcher ein getreues Bild der wissenschaftlichen Tatigkeit der Erdbebenforscher in Italien und auch zum Teil des Auslandes im abgelaufenen Jahrzehnte gibt; mit diesen wurden gleichzeitig die Frtichte der mustergultigen Organisation des Erdbeben- nachrichtendienstes, dieErdbebenbeobachtungen in Italien, veroffentlicht unter der Uberschrift: »Notizie sui terremoti osservati in Italia durante l’anno» usw. Der zehnte im Erscheinen begriffene Band beginnt mit den Be- obachtungen des Jahres 1903, die librigen Jahrgange behandeln die Erd- bebenereignisse vom Jahre 1895 bis 1903. Die Bearbeitung der Beben liegt eigentlich in der Hand eines Beamten des Zentralinstitutes, an welches auch die Erdbebennachrichten einlaufen. Das erste Jahr (1895) bearbeitete dieselben M. Baratta, das Jahr 1896 L. Palazzo, das Jahr 1897 und 1898 Prof. G. Agamennone und im Jahre 1899 ubernahm A. Cancani die Bear¬ beitung der Nachrichten, die er bis zu seinem Tode fortfuhrte; nach diesem wurde wieder G. Agamennone mit der Bearbeitung und Zusammenstellung der Erdbeben Italiens betraut. Auf den ersten Blick wurde man glauben, da die Bande der Erdbeben¬ nachrichten seit 1898 an Umfang immer mehr zunehmen, dafi zugleich die Seismizitat im Lande sich steigere, was jedoch nicht der Fali ist. Im Gegenteil, die Bebenhaufigkeit hat in der abgelaufenen Zeit auch in Italien 6 abgenommen, aber es werden immer mehr Warten und Beobachterstellen eingerichtet, die einzelnen Berichte werden ausfuhrlicher behandelt und endlich werden auch Beobachtungen auslandischer Warten in grofierem Umfange mit einbezogen, so dafi auch alle bedeutenden Bebenereignisse der ganzenWelt in denNachrichten mit berlicksichtigt erscheinen, wenigstens so weit, als dieselben von der einen oder der anderen Warte registriert wurden. Das Material, welches in den Erdbebennachrichten niedergelegt ist, wird flir die seismische Forschung gewifi von groftem Wert sein; es ist nur zu beklagen, daB die Beobachtungen in Italien nicht mit vollkommen gleichartigen Instrumenten durchgefuhrt vrarden, was zweifelsohne ein besser vergleichbares Beobachtungsmaterial ergeben wlirde. Ein Ubelstand, der auch anderwarts besteht und hoffentlich bald behoben sein wird. Und nun wenden wir uns der Stofflille, den verschiedenen Ab- handlungen, die in jedem Bande enthalten sind, zu. Es wlirde zu weit fiihren, alle Abhandlungen einzeln anzuflihren, die ja zum Teile schon in unserer Monatsschrift besprochen worden sind, wir werden uns daher darauf beschranken, dieselben, nach Materien geordnet, unseren Lesern bekanntzumachen, um in grofien Ziigen die Leistungen der Mitarbeiter auf dem Gebiete der mikro- und makroseismischen Erdbebenforschung vorzuflihren. Die grofite Anzahl von Arbeiten liber die Konstruktion, sowie Vor- schlage liber Verbesserungen der selbstregistrierenden Erdbebenmefiinstru- mente nebst theoretischen Abhandlungen entstammen der Feder der be- kannten italienischen Experimentalseismologen Agamennone, Cancani, Grablowitz, Oddone und Vicentini. Einzelne Beschreibungen von Erdbeben- messern veroffentlichten Gamba, Costanzo, Contarini, Alfani und Melzi. Der Vollstandigkeit halber fiihren wir hier noch an, dali v. Guzzanti der Konstruktion der Erdbebenankiindiger in einer Reihe von Abhandlungen eine besondere Aufmerksamkeit schenkt, die sie kaum verdienen dlirften Ausflihrliche Monographien liber Erdbebenkatastrophen lieferten Aga¬ mennone, Baratta, Cancani, Oddone, Omori, Mercalli, Tacchini, Papavasiliou, Brucchietti, Ricco, Costanzi, Issel, Davison, Oldham, Montessus de Ballore, Jung und Bettoni. Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Erdwellen behandelt der Japaner Omori, liber die Natur der Erdwellen schreibt M. P. Rudzki. Uber die Abhangigkeit der Erdbeben von den Polschwankungen der Erde berichtet Cancani. Uber die Bestimmung der Gravitation mit Beziehung auf die vul- kanischen und seismischen Ereignisse veroffentlicht A. Ricco eine Studie. Uber eine etwaige Periodizitat der Erdbebenereignisse handelt Oddone. Auch den Bebengerauschen widmet das Bollettino seine Aufmerksamkeit, dariiber berichten Cancani und Alippi. Der bekannte Vulkanforscher G. Mer¬ calli veroffentlicht im Bollettino alle vulkanischen Erscheinungen, die am 7 Vesuv seit dem Jahre 1892 aufgetreten sind, vvahrend tiber den Atna, Strom- boli und die iibrigen vulkanischen Herde in Sizilien der Direktor der Stern- warteinCatania, A. Ricco, undsein Adjunkt S. Arcidiacono seit dem Jahre 1892 Bericht erstatten. Historische Erdbebenereignisse behandelt Luchesi und liber die ErdbebenmeCinstrumente aus den altesten Zeiten stellt sich Tacchini mit einer Abhandlung ein. Schliefilich moge noch angefiihrt werden, dafi auch im Bollettino biblio- graphische Skizzen Aufnahme gefunden haben, welche der Tatigkeit der Seismologen gedenken, die allzufruh durch den Tod unserer Wissenschaft entrissen wurden. So kann man die Vielseitigkeit der italienischen und auch der fremden Erdbebenforscher beurteilen, welche mitgebaut haben an dem vorbildlichen, heute 10 Bande umfassenden Werke, in welchem eine reiche Fiille von grundlegenden seismologischen Arbeiten ihre Aufnahme gefunden haben. Am Bollettino wird die Nachwelt den besten Mafistab haben, zu beurteilen, einen wie schonen Aufschwung unsere junge Wissen- schaft in Italien genommen, welch grofie Opfer an gediegener Arbeit und Geld diesem Wissenszweige die Italiener gebracht haben und welchen hervorragenden und ehrenvollen Platz in Europa auf dem Gebiete der modernen Erdbebenforschung Italien einnimmt. Wir begluckwiinschen heute am Ehrentag der Gesellschaft ihren geistigen Urheber, den Direktor Tacchini 1 , der durch seine umsichtige und gediegene Leitung und sein organisatorisches Talent es verstanden hat, man kann fiiglich sagen, alle Erdbebenforscher der Welt um sich zu vereinigen. 1 Dieser Artikel befand sich bereits unter der Presse, als uns aus Italien die nieder- schmetternde Trauerkunde zugekommen ist, dafi dieser fur uusere Wissenschaft bedeutende Mann nicht mehr unter den Lebenden weilt. Unsere aufrichtigen Gluckwiinsche, die wir ihm zugedacht, wird er nicht entgegennehmen konnen, sie seien daher seinen Manen geweiht. Klelnmayr & Bamberg, Laibach. cobiss y . 04 žy . 0 B narodna in univerzitetna KNJI2NICR lil II im um I 00000439567