Katholische Miffionezeitschrift öer Missionäre Söhne des hist. Herzens Jesu Heft 10 / Oktober 1939 4L. Jahrgang Inhalt: 3m Banne der Zauberin (Schleifest 6. 129. — ©rufe an meine Landsleute, 6. 134.— Fronleichnam in Glen-Cowie, 6. 135. — Auserwählt. Religiöser Bauernroman von Withalm, S. 136. — Abbildungen: 1. Der neue Apost. Präfekt von Senegal. — 2. Negerprimiziant segnet seine Eltern. — 3. Totenkult in Belgisch-Kongo. — 4. Zwei Passionisten auf dem Ma-ranon. — 5. tzeilsbegierige Indianer in Columbien. — Um schlagbild Exzellenz Zanin bei der Taufe chinesischer Katcchrnnenen in der Kapelle der Universität Peking. (Fides-Foto.) — Prei s: ganzjährlich Deutsches Reich 2 Mark, Italiens Lire, Ungarn 2.50 Pengö, Tschechoslowakei 12 cK, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2.50 Franken, übriges Ausland 2 Goldmark. — Versand durch Missionshaus Äofesstal bei Ellwangen (Sagst) Württbg. Gebetsempfehlungen und =erhörungen. ©. ©.: Als treue Abonnentin vom „Stern" übersende ich ein kleines Opfer mit der Bitte um inniges Gebet zum göttl. Herzen Jesu und zu Ehren des hl. Joseph, um Gnade und Barmherzigkeit _in meinen Leiden und um eine glückliche Sterbestunde zu erlangen. M. O.: Verzweifelte Mutter bittet ums Gebet in schweren Anliegen zur Gottesmutter und zum hl. Antonius. Bei Erhörung des Gebetes werden zwei Heidenkinder losgekauft und eine jährl. Spende für „Stern der Neger" geleistet. -O.M.: Uebersenüe Ihnen den Bezugspreis für die Zeitschrift und eine kleine Spende mit der Bitte um dringende Gebetseinschließung zur Gnadenmutter für eine überaus unglückliche Familie. I. B.: Bitte inständig um eine Novene zu Ehren des hlgst. Herzens Jesu, der schmerzhaften Muttergottes, des hl. Judas Thaddäus, der kleinen hl. Theresia und des hl. Antonius von Padua, um Sinnesänderung des Mannes und um den so ersehnten Ehefrieden. Bei baldiger Erhörung öffentliche Danksagung, Loskauf eines Heidenkindes auf den Namen Judas Thaddäus und Spende zum Antoniusbrot. I. K. aus D.: Sende den Bezugspreis für den „Stern" mit der Bitte ums Gebet. Eine langjährige Leserin des „Stern" sagt tausendfachen Dank dem hl. Joseph für wunderbare Hilfe und sendet 5 Mark für die Mission und 5 Mark für hl. Messen zu Ehren des hl. Joseph und bittet neuerlich um Einschluß ins Gebet und hl. Meßopfer und um Hilfe in schwerer Krankheit. Bei Erhörung Spende für die Mission. G. A., Ober-Donau: Innigsten Dank dem hl. Joseph und der schmerzhaften Muttergottes für so schnelle Hilfe. N. N., Vorarlberg: Anbei sende ich ein Missionsalmofen mit der Bitte, im „Stern" zu veröffentlichen: Der hl. Anna und hl. Barbara vielen Dank für erhaltene Gesundheit. + TOTENTAFEL + Es starben von unseren Förderern und Abonnenten: Alois Kolb, Unterbalbach (Württbg.), langjähriger, treuer Förderer des „Stern"; Karl Moser, Mesner, Steyr (Oberdonau), eifriger Förderer des „Stern"; Gustav Schöff-mann in Boitsberg (Steiermark); Franziska Thalhammer, Hallwang (Salzburg); Maria Fetz, Großdorf-Egg (Vorarlberg); Serafine Kletty, Dludenz (Vorarlberg); Maria Kern in Leibnitz (Steiermark); Frau Maria Reiterer in Pöllau (Steiermark); Kreszenz Kuhn, Günz-burg (Bayern); Herr Dr. Pfister, Merchingen (Baden); Luise Semlitsch, Gränz (Steiermark); Elise Brunner, Fürstenfeld (Steiermark); Karl Fuchs, Frauenberg-Leibnitz (Steiermark); Mathilde Sageber, St. Aegidi b. Engelhz. (Oberdonau); Joh. Hiegelsperger, Leonding (Oberdonau); H.H. (Seist!. Rat Karl Raus, Wolfsberg (Kärnten). R I. P. Gebetsmeinung für Öen Monat Oktober: Für Die Verbreitung von Mission enachrichten Durch Die Presse. NEUE BÜCHER Verlag HerDer & Cov Freiburg i. Br. I. Ein Bilderbuch vom Lieben Gott. Erdacht und bearbeitet von Franz Weigl und J o h. Z i n k l. Mit Bildern von Ernst K o z i c s, Schrift von Alfred Riedel. Lex. 8°. 16 Seiten, 8 farbige Text-bilder. In Halbleinwand RM. 1.10; ab 25 Stück je RM. 1.—; ab 50 Stück je 90 Pfennig. Freiburg i. Br. 1939. II. Religionsbüchlein für Mutter und Kind. Von Marie S ch l u in p f. Mit Bildern von Berta Schneider. 3. verbesserte und vermehrte Auflage. 8°. 126 Seiten. In Halbleinen RM. 1.20. Freiburg i. Br. 1939. III. Katholisches Gottlehrbüchlein. Von Dr. K. Raab. Mit Bildern von Phil. Schumacher. 8°. 194 Seiten. In Halbleinwand RM. 1.60, Freiburg i. Br. 1939. 1. Nicht von ungefähr sind die angeführten Werke zusammengestellt, sie gehören vielmehr innerlich zusammen und eines baut auf den, andern auf. Das erste stellt sich dar als eine Art Religionsfibel für die Kleinen. Seine Aufgabe ist im Sinne der Herausgeber folgende: Das vorliegende Bilderbuch erzählt dem Kind voni lieben Gott, der ihm so nah und zugleich so ferne ist... Es soll dem St'inb sein ein Wegbereiter und Wegbegleiter zum lieben Gott. Ein erster Katechismus, ein Bilder-katechismus unserer Religion ... Eltern und (Fortsetzung stehe letzte Umschlagseite.) Stern der Neger Katholische Miffione^Zeitfchrift Herausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu Heft 10 Oktober 1939 4L. Jahrgang Im Banne Oer Zauberin* Von P. Pius Zeifang, White River (Transvaal). tew) Eine Frau ist rote so oft im Leben auch hier „tonangebend" im wahrsten Sinne des Wortes. Sie singt voraus mit ihrer hohen Stimme. Meist beginnt sie ganz hoch und stürzt dann die Tonleiter herab. Die andern wiederholen und so geht es auf und ab in unermüdlicher Weife. Den Trommelschlägerinnen rinnt der Schweiß in feinen Strichen über das Gesicht. Man sieht es ganz deutlich, wenn das Licht unnatürlich hell aufflammt. Und die kleinen, ziemlich fest geflochtenen Zäpfchen starren spitz rings unter dem Kopftuch hervor gleich gierigen Nimmersatten Schlänglein. Die Frauen hämmern nun mit beiden Händen aus die fellüberspannten „Holztrichter", wiegen sich stetig im Rhythmus mit, und auch ihre kleinen Kinder auf dem Rücken machen im Schlaf jede Bewegung mit und mehr als einmal schlug sich so ein kleiner Knirps fein Rüschen an der Mutter an. Kein Wunder, daß sie so zierliche Stumpfnäschen bekommen. ■— Schon war mehr denn eine halbe Stunde vergangen und noch immer tanzte die Frau. Unbarmherzig klangen die Trommeln, unbarmherzig fangen die Frauen und Männer. Keine Rast, keine Ruhe, kein Stillstehen und kein Verschnaufen. Wie schwer mußte es der Frau fallen, das auszuhalten. Keuchend und fliegend ging ihr Atem, der Schweiß perlte ihr in schweren Tropfen von der Stirne. Immer häufiger mußte sie die rinnenden Bächlein mit dem einen Ende einer Schleife abtrocknen. Und immer häufiger mußte sie sich auch auf den Stock stützen. Wir sahen, sie war der Erschöpfung nahe. Da fingen ein paar alte Weiber an zu kirren, wie man zu sagen pflegt. Es war ein langgezogenes hi, hi, hi, hi... oder chi, chi, chi, chi, in einer für das Ohr schmerzhaften hohen Stimmlage, aber doch wieder nicht in gleicher Stimmlage, sondern mehr tremulierend und fibrie-rend. Daraufhin verstärkten die Trommeln noch einmal ihr Tempo und ihren Klang. Es spitzte sich einer Entscheidung zu. Mit letzter Willensanstrengung tanzte die Frau, die Schellenbündel klirrten und raffelten, die Schleifen flatterten und schlugen hin und her. Stock und Roßschweif hoch emporhaltend, gebärdete sich die Frau wie eine von Sinnen Gekommene. Dann brach sie plötzlich zusammen. Ganz in sich zusammengesunken und -gekauert saß sie da, die Hände an die Brust gepreßt, die sich in wilden, unregelmäßigen Stößen hob und senkte. Sogleich bei ihrem Zusammenbrechen hatte auch der Gesang und der Trommel-schlag aufgehört. Eine beinahe beängstigende Ruhe war für einige Augenblicke eingetreten, in denen nichts zu hören war als das schnelle, heisere Atmen der Frau. Die Zauberin war zu ihr herangetreten und gab ihr einen Schluck Wasser. Langsam fingen die Leute wieder zu reden an. Sie unterhielten sich jetzt über den Gang der Krankheit und über ihre Art von Geister. Einer meinte: „Ja, was sind denn das für amadhlozi (Geister), wann gehen sie denn eigentlich?" Eine Alte im hintersten Winkel gab schlagfertig zur Antwort: „O,. die amadhlozi können sich noch nicht entscheiden, ob sie zuerst in die kleine Zehe fahren sollen oder in den kleinen Finger und von dort aus dem Körper." Lautes Gelächter folgte. So schwirrten Rede und Gegenrede hin und her tfnb wir wunderten uns, daß die Zauberin auf all das nicht reagierte, sondern ganz ruhig sich wieder auf ihrem Platz niedergelassen hatte. Mußte das so sein, wollten sie die amadh-lozi dadurch nur reizen und ärgern oder...? Wir konnten uns das nicht erklären, hatten auch gar keine Zeit dazu, denn schon war die kranke Frau wieder auf den Füßen und der Tanz begann von neuem. Nochmals das gleiche Bild wie vorher. Welche Energie und welche Willenskraft brachte doch dieses kranke Weib auf, welchen Glauben mußte sie an das befehlende Wort der Zauberin haben! Man sah ganz deutlich, wie unendlich schwer es ihr fiel, aber sie hütete sich ängstlich, langsamer zu werden. Die kleinen Schellen drohten zu zerspringen, die Ohren gellten und waren überreizt, die Der neuernannte Apost. Präfekt von Ziguinchor, Monsignore Faye. Wie Uganda hat nunmehr auch Senegal seinen einheimischen Missionsobern. Weiße Väter und Väter vom Heiligen Geist sehen ihre langjährigen Mühen gekrönt, die Kirche ist um einen bedeutenden Schritt vorangekommen. Monsignore Faye, erst 34 Jahre alt, stammt aus Södhiu (Senegal) und war bisher Professor am Seminar von Dhiös. o> Weiber schrien und sangen, und „Hi, hi, hi" schrillte es aus dem Winkel, die Trommeln dröhnten dumpf, dann wieder heller, je nachdem die Frauen draufschlugen. Schon längst hatten andere den Platz der ersten Trommlerinnen eingenommen, die sich müde geschafft hatten. Es war ein Lärm in dem kleinen Raum, der kaum zu beschreiben ist. Aber immer noch schauten wir aufmerksam zu. Nichts sollte uns entgehen. Siehe, nun greift die Zauberin nach ihrer Schüssel, wählt in dem Vielerlei und zieht dann ein kleines Pfeiflein an einer Schnur heraus. Langsam setzt sie es an den Mund und langsam und mit einer Andacht, die jedem Kirchenbesucher Ehre gemacht hätte, pfeift sie dreimal feierlich hinein. Drei langgezogene schwingende Töne dringen durch den Raum. Dann legt sie das Pfeiflein wieder zurück und sitzt ruhig da wie zuvor, die Hände im Schoß gefaltet. Wir schauen einander an und nur mit Mühe können wir ein Lachen verbeißen. So etwas hatten wir am allerwenigsten erwartet. Jeder hat da im stillen wohl das Gleiche gedacht. Doch noch einmal und dann ein drittesmal schweben die Töne durch den Raum. Sollten sie die dienenden Geister der Zauberin rufen oder sollten sie die Geister aus der kranken Frau verjagen? — Jetzt aber geht der Tanz dem Ende zu. Noch während des Tanzes löst die Frau von den Schleifen einen Knoten nach dem andern auf und läßt die Schleifen dann auf den Boden fallen. Sie tanzt so lange fort, bis alle Schleifen gelöst sind. Dann steht sie für einige Augenblicke still, stützt sich schwer auf den Stock und wartet, bis der Atem etwas ruhiger geworden ist. Dann kniet sie nieder und sammelt die Schleifen, nimmt sie mitsamt dem Stock und dem Roßschweif auf beide Arme, tritt vor die Zauberin, kniet nieder und gibt der ebenfalls Knienden alles zurück. Hierauf fetzt sie sich nieder. Ihr kleines Kind wird ihr gebracht, das nach der Mutter verlangte und nicht schlafen wollte. Es krabbelt an der Mutter herum, zieht sie bald da und dort. Müde und abgemattet sucht diese mit dem Kind zu spielen, bis es wieder schläft und fortgeschafft wird. Die Zauberin erhebt sich und geht zur Hütte hinaus. Bald kommt sie mit einem offenen Gefäß voll Wasser herein, in dem etwas Schwarzes schwimmt. Wir schauten und schauten, konnten aber nicht herausfinden, was es sein sollte. Und es hätte uns doch so interessiert. Das Gefäß wird in die Mitte gestellt. Die Zauberin kniete sich nieder, kreuzte die Hände über der Brust, beugte sich, nahm einen Schluck Wasser und spuckte es nach rechts aus. Sie erhob sich wieder, trat zur kranken Frau und sagte ihr etwas. Diese stand auf, trat zu dem Gefäß, kniete sich ebenfalls nieder, kreuzte die Hände über der Brust, nahm einen Schluck Wasser, spuckte ihn nach rechts, nahm wieder einen Schluck, spuckte ihn nach links und den dritten nach vorne. Dann ging sie zu ihrem Platz zurück. Was das alles zu bedeuten habe, erfuhren wir natürlich nicht. Inzwischen war es Mitternacht geworden. Nochmals erhob sich die Zauberin, winkte dem Mann der kranken Frau und verließ mit ihm den Raum. Lange blieben sie aus. In der Zwischenzeit hatte sich eine andere Frau die Schleifen angelegt, wobei sie aber nicht stille stand, sondern beständig etwas hin-und hertanzte. Auch sie glaubte, Geister in sich zu haben. (Das werden wohl die Geister der Dummheit gewesen sein!) Sie sah viel robuster und kräftiger aus, aber Einbildung erfindet bald etwas. Ihr Tanz war viel rascher und wilder von Anfang an. Manchmal drehte sie sich schnell im Kreis herum, peitschte mit dem Roßschweif die Luft, schloß die Augen, öffnete sie und streckte den Kopf nach vorne, als sähe sie etwas Geheimnisvolles. Es ist schwer, einen Tanz der Schwarzen zu beschreiben, all die Bewegungen, die trotz ihrer Raschheit noch rhythmisch vor sich gehen und doch ganz anders sind als beim europäischen Tanz. Was dort angelernt ist in vielen Stunden, ist hier sozusagen angeboren. Von der Fingerspitze an ist eigentlich alles in Bewegung und doch wieder beherrscht. Jede Schwarze ist eine geborene Schauspielerin, man sieht das schon an den kleinen Schulkindern. Doch nun zurück! Wie in einem Traumzustand tanzte dieses Weib, angefeuert durch den Gesang und Trommelschlag ... immer rascher Ei» Neupriester »ns Uganda erteilt seinen Eltern den Primizsegen. (Sibes=5ofo) und rascher, bis sie plötzlich mit einem kurzen Schrei zu Boden stürzt. Zuerst kümmert sich kein Mensch um sie, bewegungslos liegt sie da. Die Leute reden miteinander, ein Kind patscht mit den Händchen an der Frau herum. Nach einer Weile fängt sie an zu wimmern und zu stöhnen. Nun gehen einige zu ihr hin. Sie wollen sie ausrichten, es gelingt nicht. Schlaff hängen die Arme herab, der Kopf sinkt zurück. Es sieht aus, als habe sie einen Krampf bekommen von dem unsinnigen Tanzen. Nun kommen noch mehr Frauen. Einige ziehen an den Füßen, andere an den Armen, sie reiben und massieren und es dauert lange, bis die Frau ohne fremde Unterstützung wenigstens wieder sitzen kann. Dann stellen sie die Frau auf die Füße, sie sackt in die Knie. Wird wieder emporgerissen, denn die Schwarzen sind nicht so empfindsam und zärtlich. Ein Mann ist fort, zur Hütte hinaus. Bald kommt er mit einer Schaufel glühender Kohlen zurück, die auf den Boden gelegt werden. Nun bemühten sich die Frauen oder vielmehr nur eine, die Tänzerin auf die glühenden Kohlen zu stellen, um die Lebensgeister wieder zu wecken. Es gelingt ihr nicht recht, denn das Weib ist zu schwer für sie und beginnt, sich gegen die Tortur zu sträuben. Es stößt die Kohlen etwas auseinander, die wieder zusammengehäuft werden. In diesem Augenblick kommt die Zauberin zurück. Kurzer Hand umfaßt sie die Frau mit einem scharfen Ruck, hebt sie hoch und stellt sie mit voller Wucht in die glühenden Kohlen — mit ihren bloßen Füßen. Einmal, zweimal, dreimal wird sie auf- und niedergestoßen, die Kohlen verstreuen sich, werden aber sofort wieder gesammelt. Nun wird die Frau allmählich lebendig. Die Sache ist doch ein wenig zu kitzelig, denn es mag kein angenehmes Gefühl für die Fußsohlen sein, auch wenn sie viel gewohnt sind wie die der Schwarzen. Die ganze Prozedur war wohl nur deswegen erfolgt, um die Frau schneller wieder auf den Damm, d. h. diesmal auf die Füße zu bringen. Spielend, als spürte sie überhaupt keine Last, hatte die Zauberin dieses Weib, das eine ziemliche Größe und Dicke hatte, aufgehoben und ich glaube, ich hätte mich ihr ohne Zögern anvertrauen können, als ich ihr später einmal unverhofft im Busch an einem Bach begegnete, über den keine Brücke führte. Sie stand drüben und ich herüben. Sie machte mir verständlich, daß sie mich herübertragen werde. Ich aber zog es vor, weiter oben über einen Baumstamm zu klettern, der halb über dem Bach lag. — Nach kurzer Zeit war die Frau wieder soweit beisammen, daß sie nochmals zu tanzen anfing. Ob nun dieser Zwischenfall wirklich ganz ernst war oder ob sie übertrieben und sich verstellt hatte, sei dahingestellt. Jedenfalls hätte sie dann ihre Rolle sehr gut gespielt. Trotzdem war das mit den Kohlen kein Spaß. Andere Länder, andere Sitten. — Ganz verstohlen hatten wir inzwischen den Mann der kranken Frau hergewinkt und ihn gefragt, was noch alles - getan werde. Er erklärte uns, die Zauberin habe ihn mithinausgenommen und ihm des langen und breiten deutlich gemacht, daß sie der Kranken jetzt eigentlich noch eine Medizin geben müsse. Aber sie traue sich nicht, weil die Missionäre da seien. Es könne nämlich sein, daß die Frau infolge der Medizin für eine Zeit in Ohnmacht falle und da sei es schon vorgekommen, daß Weiße die Zauberin angeklagt hätten. Das wolle sie verhüten. Was konnte der Mann anderes tun als ihr beistimmen und dies auf später verschieben lassen. Der Heilungsprozeß sollte sowieso 14 Tage dauern. Jeden Abend etwas anderes. Heute hatte eben nur das Tanzen und die Medizin getroffen. Den Tanz und das andere hatten wir gesehen, und hatten wir auch noch mehr erhofft, so mußten wir uns doch zufrieden geben, überhaupt zugelassen worden zu sein. Ein Wort der Zauberin und wir hätten umkehren müssen. Vielleicht ist mancher Leser ent- Totenkult der Balubn in Belgisch-Kongo. In der Mission Ober-Katanga in Belgisch-Kongo herrscht der Brauch, die Toten durch Miniatur-häuschen zu ehren, die den wirklichen Hütten nachgebildet sind. Das aus Rinde verfertigte Häuschen gehört dem „Katum-6a", dem Großen Geist, der es verschmäht, in einem gewöhnlichen Haus zu wohnen. (Fides-Foto) ZweiPaffionistenmissionäre befahren den Maranon in Peru. (3ibi'5=Soto) täuscht, daß ich nicht mehr bringen kann. Aber wir hatten uns entschlossen, nicht mehr hinzugehen. Dem Mann fcmi das ganze Heilverfahren auf fünf Pfund Sterling (RM. 60.—) und einen Ochsen zu stehen. Das ist sehr viel für einen Schwarzen. Würden wir nochmals kommen, zöge es sich noch länger hinaus und der Mann hätte noch mehr zu bezahlen. Wäre er zu einem weißen Doktor gegangen, hätte er lange nicht so viel bezahlen müssen. Aber die Furcht vor den Zauberern und Zauberinnen steckt tief in der Seele der schwarzen Menschen. Sie fürchten die Rache und das Gift. Auch verstehen die Zauberer oft wirklich sehr viel, sie kennen die Heilpflanzen wie kein weißer Doktor, kennen oft auch gerade jene Pflanze, die für eine bestimmte Krankheit die einzig richtige ist, wie schon oft festgestellt wurde. Und solche Arzneien hat unsere Kranke sicher bekommen. Sie wurde gesund und ist es jetzt noch. Aber all das andere, das dabei geschieht, ist Hokuspokus, gehört aber zum Wesen der Zauberei, unterhält auch die Leute. Oder was sollten die verschiedenen Schleifen und Knoten für einen Sinn haben? Was für einen Zweck das Zeremoniell beim Wasserspucken nach allen Seiten und mit gekreuzten Armen? Was der Roßschweif und das andächtige Hervorlocken einiger Töne aus einem gewöhnlichen Pfeiflein, das aus europäischen Händen stammt und all das andere, das wir gesehen haben? All das ist natürlich Unsinn und Hokuspokus. Die Zauberin selbst weiß das sehr gut. Aber gerade das verschafft ihr den Glanz und die Bewunderung und —• vor allem Geld. Denn dadurch zieht sie die Heilung hinaus. Ob die Zauberin stets an amadhlozi glaubt? Die Leute selbst glauben wirklich an die Geister, die ihnen Böses zufügen. Oft und oft haben wir Gelegenheit, uns davon zu überzeugen. Das sitzt in ihnen so fest verwurzelt wie in manchen weißen Leuten die Idee, unbedingt krank zu sein, obwohl jedermann weiß, daß es nur Einbildung ist. Doch haben die Schwarzen in diesem Fall wirklich irgend ein Weh, sie sind krank, haben Kopfweh, Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Das ist nicht eingebildet. Einbildung ist nur, daß das nun unbedingt ein böser Geist sein müsse, den nur die Zauberin bannen könne. — Wieder rüsten sie sich zum Kampf. Es ist 1 Uhr vorbei. Um 5 Uhr früh werden sie wohl auch noch die Trommeln schlagen und Staub aufwirbeln und den Roßschweif um den Kopf schwingen. Aber etwas Neues wird nicht mehr kom-men. Oder geschieht das erst, wenn wir gegangen sind? Jedenfalls dachten wir, es sei vernünftiger, den Rest der Nacht besser zu verwenden. Wir erhoben uns, grüßten mit dem üblichen Gruß „Salami kahle“ und verließen den Raum. Draußen atmeten wir erst mal tief auf. Wie tat einem doch die frische, würzige Luft gut nach solchen Stunden. Dann schauten wir nach dem vierten in unserem Bunde, dem Halbweißen. Wir fanden ihn ruhig schlafend in einer Nebenhütte. Ihn störte solch ein Lärm nimmer, er war es gewohnt, war er doch schon öfters bei solchen Heilungen dabeigewesen. Der Himmel hatte sich inzwischen überzogen mit schwarzen finsteren Wolken, als wollte er nichts mehr sehen, was tief unter ihm vorging. Kein Stern leuchtete, kein freundliches Mondlächeln war uns hold. Was Wunder, wenn wir zu früh von betn Pfade abbogen, schon an der ersten Wasserrinne statt an der zweiten. Nichts war zu. sehen, der Schein der Taschenlampen tastet nur ein kleines Stück von dem großen Grasfeld ab, über das mir schreiten. Nur das Rauschen des Baches war zu vernehmen und da hinunter durften wir nicht. Nach langem Hin und Her fanden wir wieder auf den alten Weg zurück. Hatte uns die Zauberin einen ihrer Segenssprüche nach- gesandt, der uns glücklich vom Weg abbrachte? Im Eilschritt ging es dem Auto zu. Schon fing es an zu regnen. Auf dem Heimweg besprachen wir noch einmal all das Gesehene. Alles tauchte im Geiste wieder auf und wir waren froh und stolz auf dieses Erlebnis im afrikanischen Busch, das iticht jedem beschieden ist. Froh und glücklich waren wir aber auch, als wir endlich um ein halb drei Uhr uns zur kurzen Ruhe niederlegen konnten. Doch war sie lang genug, um nochmals alles im Traume zu erleben. Vielleicht träumt mancher der Leser auch davon und vielleicht ist sein Traum noch lebhafter als was ich geschrieben. Aber lebhaft genug ging es zu an jenem Abend in der Hütte! Gebe Gott, daß sie alle einmal herauskommen aus dieser doppelten Nacht und daß sie im andern Leben teilnehmen können an den ewigen Reigen der Seligen! Gruß an meine lanöeleute* Gar lang hab i nachdenkt, was i heut soll sagn als Gruaß für die Herrschaften. Jetzt kann i’s wohl wag'n. Das Schönste find i allwei! n herzlichs „Grüaß Gott". Ja, Grüaß Enk Gott, alle in der deutschen Hoamat! I inuaß mi doch vorstellen, wie sich's ghört, wenn man auf a rveu’n Bildflächen auftaucht. Zwar denk i mir, daß dies nit is noti, denn Ihr kennts alle dem „Zenzvater" sein „Befi". Und -er Zenzvater hat sein Befi beut Herrgott g'schenkt, wie es recht ist. Jetzt bin i schon lang die Schwester Severina. Auf «mal hats mi nimmer glitten dahoam turd i hab müssen übers Wasser. I bin halt a oane von den „Zehn", die Ihr im letzten „Stern" habts g'sehn. Nebenbei bemerkt, das Bild! ist gar so viel schwarz, so schwarz sind wir noch mt. Die Hoffnung, so zu werden, hab i wohl, denn da brennt die Dünn „saggrisch", sagt man in mei Hoam. I tat Euch gern n neu’s schicken, aber mei Photokastl is noch in Graz beim „Schmid" zum erblicken. Aber gut is, daß i jetzt da bin, sonst könnt i Euch nix von den Negerlein erzählen, die Ihr alle habt gern, sonst tats nit bestellen den „Stern". Die Roast daher is nit fein g'wesen. So lang auf dem Wasser, Tag und Nacht. Und d' Seekrankheit hat uns b'sucht, g'freit hats uns nit. Oane hat gar wolln aussteign beizeiten, wie's g'sehn hat a gekentert Schiff bei- Heilsbegierige Indianer. Auf dem zweiten National-kongreß von Colombia kam der Kazite Cnpilele mit seiner Frau 800 km weit aus dem Landesinnern, um in Medellin von den Kar-melitenmiffionaren der Ap. Präfektur Uraba getauft zu werden. (gibes«5oio) feiten. Oft hat man »it können schaun ins Meer, tin is man glei schwindle worden, und ti' Sunn hat brennt und derlei noch mehr. Aber da gfallts mir guat und i denk nimmer an die schön Dinger dahoam. Da will i bleiben in ei ganz — kann ja nit folgn —■ längs oder kurz Leben; so lang halt, daß mi der Herrgott da leiden mag. Und wenn vielleicht gar von Euch jemand wollt kommen, so müßt er sich eilen, denn hoch im Mittag steht die Sunn im Negerland und es ist an der Zeit, alle Hand zu regen, daß nit noch mehr Erlöser-bluat umsonst fließen muaß. Negerlein hat der Herrgott gern, Ihr werdets . gleich hören. Wenn s' a schwarz sind und tragen kane g'wichsten Schuah. Aber hiatzt honßt's fein „listen" und „lullen", daß i alles mag erlern, was so o Missionarin muaß können. So schnell sind die Schwarzen nit zufrieden, wie man oft meint. Lang bin i noch nit da, aber ü' Augen sind offen und hör'n will i guat. I hab schon manches g'sehn und von oan Fest, das mir gar so guat hat g'falln, muaß i Euch heut was erzählen. Sot's mir's nit für übe-l halten, wenn etwa gar a bißl a Lehr ist enthalten. Und wenn i Euch noch was darf fegn, wenn's Euch hat «'fallen und Ihr wieder mal was wollts hör'n, so mußt's mich's halt wissen lnss'n, i werd mich schon melden. Aber hiatzt „Bhüat Euch Gott". Bleibts g'sund und tuts in Gutem Beten a meng denken auf uns. Dem Vater sein Vesi Schwester Severina. Fronleichnam in 6len=Coroie. „Vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Untergang werden preisen, Herr, die Völker Deinen Namen," So lautet die herrliche Prophetie nach Malachias. Ihre Erfüllung bringt uns Fronleichnam. Meine Gedanken weilten schon Tage zuvor in der deutschen Heimat, wo sich schon tausend und tausend fleißige und liebende Hände regen, um Fronleichnam möglichst schön zu gestalten. Schon meinte ich dieses liebliche Fest hier missen zu müssen und ein leiser Schatten zog über die Seele. Da wurde uns gesagt: Am Sonntag, 11. Juni, feiern wir auf der Mission Fronleichnam. Und ein heimlich Singen geht durch der Seele Räume. Zu Hause zog der sonnige Rosenmonat ins Land. Ein Blühen und Duften, ein Grünen und Wachsen, ein Eifern um die Wette. In den Lüsten ein Singen und Jubilieren. In öen Tannen ein Raunen und Lispeln. Das jungfrische Bächlein trägt die Kunde weiter... „Fronleichnam"...! Dort in der Heimat Gaue sehe ich den Morgen im Osten tagen. Junker Lenz hat seine Tage genützt. Die Natur ist bereit, Fronleichnam zu begehen. Ich sehe die glücklichen Kinderaugen, Öle schon Tage ihres Festes l)arren. Mir ist es, als ginge der Herr auch heute wieder über Flur und Heide, wie einst nach dem ” großen Schöpfnngstage, von dem es heißt: „Und Er sah alles und es war gut". Meine Gedanken kehren heim in das Land, das durch Jahre das Land meiner Träume war, nun aber mir £ei>mat geworden. Hier will es Abend werden. Blüten und Früchte trägt nicht der Winter, geerntet und gesammelt hat der Herbst. Mutter Natur tauschte ihr schillernd und schimmernd Gewand mit den fahlen Farben des Winters. Gleich wird sie zur Ruhe gehen. So der Gang der Natur. Doch heute scheint sie übersehen zu haben, daß sie bereits im Winter steht. Doll kindlicher Erwartung, kann wohl sagen, Freude schau ich in den dämmernden Morgen. Wie feiert Mutter Natur Fronleichnam int Negerland? Sieh! herrlich steigt der Morgen aus. Wolkenlos blaut der Himmel über uns. Fast dünkt es mir, sie hat eilends ihr Blütenkind Frühling geweckt; denn durch Tage schon schlug sie uns mit etwas Kühle und fröstelnd rieben wir uns die Hände. Doch heute nichts von all dem. Golden hebt sich die Sonne. Aus dunklem Glühen gleich dem Abendglühen meiner viel-lieben Bergheimat heben sich die Umrisse des Horizontes in den Himmel. „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat!" Mutter Natur wurde kund: Heute wollen die Kinder der Kirche dem Herrn ihre Huldigung bringen. Sie eint sich mit ihnen. Tiefer horcht die Seele in die Geheimnisse des Herrn. „Vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Untergänge werden preisen, Herr, die Völker Deinen Namen." Wenn auch kein dröhnender Böller mit seinem schaurig-siegesfrohen Widerhall den Tag kündet, unser Auge strahlt doch Glück. Neugierig sehe ich nach der frohen Jugend. Schon kommen sie herangezogen, die Kinder der Kirche, groß und klein. Obwohl sich kein Blütenkränzchen um die dunklen Lockenköpfchen schlingt — die Blüten gingen ja zur Ruhe — und nicht duftig unschuldig Weis; sie kleidet, so gleicht doch die bunte Farbenpracht ihrer Kleider der Frühlingswiese. Immer wieder strömen sie herbei von nah und fern. Ich bin etwas neugierig, wie man es eben ist, wenn in tier neuen Heimat zum erstenmal die Feste vorüberziehen. Und ich bin froh, Stealing zu fein, um alle Eindrücke ungeschmälert auf mich wirken zu lassen. Die Glocke kündet die Feier ties Opfers. Ihr Klingen ist heute so ganz feierlich, oder läßt nur mich die Weihe des Tages ihr Rufen so selig empfinden? Silles strömt in tins Missionskirchlein. Dies gleicht heute einem zarten, lichten Wäldchen. Wer wohl diese Art ties Schmuckes ersonnen hat? ... Von den Wänden neigen sich junge Bäumchen gegen den Altar. Leise lispelt's in ihrem Geäst. Einem Sternen-heer gleicht der Lichteraltar. Liebende Herzeit haben die letzten Reste vergangener Blütenpracht zum Altare gebracht. Die letzten Röslein sollen für den Herrn gebrochen sein... Der Priester tritt an den Altar. Alles ift_Jo geheimnisvoll stille. Und obwohl ich die Sprache nicht verstehe, läßt mich die Andacht und tins lautlose Hinhorchen der Menge ahnen, daß sie int Glauben sieht, was dort gefeiert wird. Es ergreift mich zutiefst, kein Laut entflieht der Zunge... Durch die Seele zieht ein leises Beten: „Wie die Kerze am Altar, Laß mich für Dich verglühen." Unwillkürlich halte ich den Atem an. Ein Singen und Beten ans gläubig beglückten Herzen. Die glockenhellen Stimmen künden das Lob des Herrn. „Lobt froh den Herrn, ihr jugendlichen Chöre..." Durch die glänzend schwarzen Finger eines alten Negermütterleins seh' ich Perlen des Avsgrußes gleiten... Opferung — Wandlung — Kommunion... Solch heilige Andacht fand ich kaum in der Heimat. Der Herr verläßt den Himmel, um die Huldigung der Menschenkinder entgegenzunehmen. Er sieht nicht auf das zerknitterte Höschen, vielleicht hat es gar ein Loch, aber es ist ja doch sein Festtagshöschen. Was kann das schwarze Büblein dafür, daß es sein einziges ist und daß die Zeit ihm diese Wunde schlug? Seine Seele aber trägt heute ein Hochzeitskleid. Lieb Negerleins heiße Lieb zieht den Heiland zur Erde. Heiliges Schauern durchzieht die Seele. „Wie lieblich, Herr, sind Deine Wohnungen." Männer, Frauen und Kinder knieen an des Altares Stufen, um den Herrn heimzuholen. Wer weiß, wann sie wiederkommen können? ... Viele von ihnen mögen wohl weit hergekommen sein. Der Staub an ihren nackten Füßen und ein eigen selig Leuchten in den dunklen Augen läßt mich dies meinen. Die heilige Handlung ist vorüber... Der Herr zieht aus. Glockenklänge und Loblieder begleiten ihn. Ein begeistert Bekenntnis der jungen Kirche. Heißer Dank und sehnend Beten. „Herr, gib ihr Wachsen und Gedeihen, laß den Samen, der hier in Schweiß gesät, reifen zur vollen Frucht und schenke den Missionaren nach Deiner Verheißung Kraft und Gnade. So oft sie den Menschen Deinen Segen spenden, so oft erfülle sie selbst mit neuer Gnade und Heiligkeit!" Weiter zieht der Herr, umjubelt von seinen Kindern, die ihm schon Tage zuvor den Weg bereitet. Wie emsig regten sich die Hände der Schwarzen, denn auch ihnen gilt der Tag, den der Herr gemacht hat. Ich sah Büblein wie Eichhörnchen auf die Bär:me klettern, um das lieb- lichste Grün zum Schmucke der Altäre zu finden. Ich sah sie werken in Kirche und an dem Weg, wo der Herr Vorübergang halten soll. Und roenn ich meinte, die Schwarzen hätten nicht Sinn und Geschmack für Schmuck und Zierde, so hatte ich mich getäuscht. Fleißig und geschickt nahmen sie jede Arbeit in die Hand. Weiter zieht der Herr. Und segnet die harte Erde, daß sie Wurzel fasse für sein Reich. Er läßt sich huldigen, läßt sich opfern von seinen eigenen Gaben. Leise streichelt der Wind das Geäst, daß es sich neige, denn der liebe Gott geht durch den Wald. Ueber uns flattern Schmetterlinge und stehe! eine Schar eiliger Vöglein hält in ihrem Fluge inne. Weihrauch-wolken hüllen die goldene Monstranz. In ihrer blinkenden Reine bricht sich die Sonne... Anbetend liegt das Volk des Herrn auf seinen Knien. Wenn auch das Auge Ihn nicht schaut, die Hand nicht den Saum Seines Kleides berühren kann. Er ist doch da. Es jubelt der Mund, was die Seele betet: „Lob erschalle, Lob ertöne... Gott genehm voll hoher Schöne... Sei des Herzens Jubellaut. Denn das Fest ist heut' begangen Von des Tages Glanz umfangen. Der uns dieses Pfand vertraut...!" Der Herr kehrt heim unter dem Jubelhymnus „Te Deum" in sein Haus. Ein Rauschen in den spalierbildenden Kindern des Waldes. Noch einmal segnet uns der Herr von seinem Altare aus, um dann sein göttlich Leben und sein Sorgen um uns vom Tabernakel aus fortzusetzen. Ich muß gestehen, diese Fronleichnamsfeier hat tiefen Eindruck auf mich gemacht. Dies Fest ist die lebendige Bestätigung der Einheit der Kirche Christi... An allen Enden der Erde der gleiche Jubel um den gleichen Herrn. Es betet unsere Seele, daß bald überall die frohe Erlöserbotschaft verkündet werde, nach des Herrn eigen' Wunsch und Geheiß: „Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige, bittet den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in seinen Weinberg sende..." „Laß aufgehen, Herr, die Sonne Deines Lichtes, auch in den noch finstern Tälern Deiner Erde, damit immer herrlicher Dein Name strahle und immer mehr der Glaube an Dich siege!" Auserwählt. Sin religiöser 2Sauernroman von 2Serthold list. Mithalm.