Stern Öer Neger Katholische Missione-Zeitschrift Herausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu Heft 8/9 Äuguft=September 1938 41. Jahrgang Zur Erholung — ein Ritt durch die Mission. Von P. Karl Fischer, Centocow-Mission in Natal. (Schluß.) Ein luftiges treiben. Freitag abend kamen unerwartet die Studenten des Priesterseminars mit ihrem Rektor anmarschiert. Sie waren eben auch auf der Ferienreise. Unter ihnen waren drei von Cento-cow her mit mir bekannt. Wie freuten sie sich über das unerwartete Wiedersehen! Der schwarze Priester wurde abends zu einem sterbenden Mann gerufen. Derselbe wurde getauft und starb noch während der Nacht. Am Samstagmorgen kamen mehrere Männer und baten um einen Sarg. Wer sollte ihn machen? Die Brüder waren draußen bei der Arbeit und der einzige Bruder, der zu Hause geblieben war, hatte mit den Kranken zu tun. Da kam mir der Gedanke: Wozu sind denn die Studenten da! Warum lernen sie in der Schule die Anfertigung kleiner Tischlerarbeiten? So werden in Cento-cow die Särge meistens von den Schulbuben gemacht. Also: „Heda, Taverius, Rafael, Alois, geschwind, wir brauchen einen Sarg. Ihr könnt ihn -machen!" Jetzt kam Leben in die Beine. Bretter wurden zusammengesucht, Säge, Hammer und Nägel aus der Werkstatt geholt und eiNsig ging es an die Arbeit. Einige sägten die Bretter nach Maß, andere nagelten sie zusammen, wieder andere zimmerten ein M-euz. Es ging zu wie in einem Ameisenhaufen und man mußte mit der Jugend wieder jung werden. Am Samstagnachmittag wurde in feierlicher Versammlung folgendes Programm für den Sonntag aufgestellt: P. Malachias wird das Hochamt halten, die Studenten werden die Choralmesse singen unter der Stabführung des Herrn Rektors; nach dem Amt wird P. Malachias zu unserem Nutz und Frommen eine schneidige Predigt hal- ten und den Segen mit dem Allerheiligsten erteilen. Der P. Gast — das ging mich an — wird für morgen von der Predigt dispensiert und wird einfach den Zuschauer machen. Punktum! Der Sonntagsgottesdienst war wirklich sehr schön und alle Besucher waren sehr erbaut und erfreut. Am Nachmittag machte id) noch einen Spaziergang mit den Studenten zum Mhlabatshane-Flüßchen hinab, an dem auch der gute Studentenvater teilnehmen mußte. Da wurde gesungen und versucht zu jodeln, wie wir es einst als junge Theologen in den Südtiroler Bergen getan hatten. Am Montag, den 19. Juli, schnürten wir morgens wieder unser Ränzchen. Die Studenten zogen alls Schusters Rappen das Mhlabatshane-Tal entlang nach Kwa Sankt Josef und ich mit meinem vierbeinigen Rappen nach der sechzehn Meilen entlegenen Station Maria-Trost. Maria-Trost in Natal wurde 1896 gegründet. Trotz der Schwierigkeiten von seiten der protestantischen Sekten erfaßten die ersten Missionäre langsam, aber sicher das Volk, so daß heute das Taufregister die schöne Zahl von 7600 Taufen aufweisen kann. Sieben gut besuchte Außenschulen bilden einen geschlossenen Ring um die Hauptstation. Vor Jahren war es meine Freude, hier wirken zu dürfen. Der Eifer der Christen ist groß und auch echt. Die schöne Kirche aus Bruchsteinen, von einem Franziskaner-bruder im Jahre 1936 erbaut, ist der Gottesmutter geweiht. Die Mittel zum Bau sammelte der im Jahre 1935 verstorbene P. Rubenzer mit Hilfe -eines eifrigen Freundes in seiner österreichischen Hei- mat. Sieben farbige Glasfenster verschönern das einfache Innere der Kirche. In Maria-Trost ist die erste geschlossene schwarze Schwesterngemeinde. Die Schwestern arbeiten als Lehrerinnen in der Schule und führen die Hauswirtschaft der Station. Eine besondere Bedeutung erlangte Maria-Trost vor ungefähr zwei Jahren. Die Landbank der Schwarzen von Mariannhill kaufte hier eine sehr große Farm. Diese wurde in kleine Parzellen ausgeteilt, welche dann unter den günstigsten Bedingungen an Schwarze weitervetkauft wurden. Der Plan war, den fortschrittlichen Eingeborenen Gelegenheit zu bieten, eigenen Grund und Boden zu erwerben und zu bewirtschaften. Ich hatte die Sache damals mit großem Interesse verfolgt und wollte nun ntit meinen eigenen Augen sehen, wie weit das Unternehmen gediehen ist. Das Land ist bereits aufgeteilt und die vielen neuen Siedler beginnen ihre Wirtschaft. Ein Endurteil kann man noch nicht fällen, die Zeit ist noch zu kurz. Ich muß aber gestehen, daß ich in der Unterhaltung mit den neuen Siedlern eiüen peinlichen Zweifel nicht los wurde. Ich zweifle gewiß nicht an dem guten Willen dieser Leute. Sie haben ihren Führern Gehör geschenkt, sie wagten sich vor und kauften ein Stück Land. Einige konnten mit ihrem ersparten Geld den Kaufpreis in bar erlegen; ich denke dB er, daß die meisten bei der Bank eine Anleihe machten und damit bezahlten. Diese scheinen nun sich damit zufrieden zu geben, Landeigentümer zu sein, denken aber gar nicht weiter daran, aus ihrem Land das Bestmögliche herauszuschlagen und die Schuld abzuzahlen. Sie tun wie Kinder, die heftig schreiend nach einem Spielzeug verlangen. Haben sie es erhalten, dann sind sie zufrieden, legen ihre Hand darauf und fahren mit der früheren Beschäftigung weiter. Statt daß die neuen Siedler jetzt zu Hause bleiben und aus den Feldern das erarbeiten, was sie brauchen, arbeiten sie wie früher in der Stadt und überlassen das Land ihren Frauen zur Bestellung. So werden viele von ihnen der Laüdbank zinspflichtig bleiben, ohne das Ziel tatkräftig anzustreben. Eines Tages werden sie wieder arm abziehen, wie sie gekommen sind, sie haben ja nur für die Bank gearbeitet. Doch genug damit. Die Hauptsache ist, daß man einen Anfang gemacht hat, man wird aus den Fehlern lernen, vielleicht auch andere Wege einschlagen und so wird Hoffentlich die Zeit kommen, die auch den Zweifler eines Besseren belehrt. Der Missionär hier muß mit dem Zuzug der neuen Siedler rechnen. Auf der Station selbst war ein neues großes Schulhaus im Bau, und auf einer Außenschule brachte er gerade einen Neubau unter Dach. Ich mußte ihm da helfen und zusammen mit einem Bruder machten wir das Blechdach in drei Tagen daraus. Am Sonntag hielt ich dann die Predigt. Leider mußte ich aber jetzt meinen weiteren Ferienplan ausgeben, da ich am nächsten Sonntag schon wieder in Mayehle amtieren mußte. Ich konnte nur noch in Begleitung des Krankenbruders von Mhlabatshane einen kleinen Mstecher nach Kwa St. Josef machen. Kwa St. Josef. Hier war ursprünglich eine Außenschule der Station Hlokozi, die auch Otting-Mission heißt nach dem berühmten bayrischen Wallfahrtsort. Als der hochwürdigste Bischof A. Fleischer, C. M. M., eine Franziskus-Bruderschaft für Schwarze ins Leben rief, schenkte der irische Katholik, dem die Farm gehörte, auf der sich die Schule befand, dem Bischof einen Teil seiner Farm für diese schwarze Bruderschaft. Bei der Schule wurden ein Kirchlein und mehrere Blechhäuser errichtet, die für den Anfang notwendig waren. So entstand Kwa St. Joses, die Wiege der Franziskaner-Bruderschäft für die Schwarzen. Vom Versuch wurde bald zur endgültigen Gründung eines regelrechten Klosters geschritten. Auf einer Anhöhe, etwa eine Viertelstunde entfernt, wurde aus Ziegelsteinen der Klosterbau errichtet. Dieses Kloster heißt jetzt Kwa St. Josef, während der erste Platz in St. Patrick umgetauft wurde und als Seelsorgsstation weitergeführt wird. Das Kloster von Kwa St. Josef ist einfach, aber praktisch und schön. Schon seine Lage ist reizend. Man schaut auf der einen Seite hinab und hinaus auf den Jüdischen Ozean, auf der anderen Seite hinein in das zerklüftete Bergland. Die Quadratform erinnert an ein Kapüzinerkloster. Nach innen liegen die Räume für die Klosterinsassen, auf einer Seite nach außen, gegen das Meer zu, sind Räume für Fremde und für den Seel- Heft 8/9 Stern der Neger 115 P.fNaphael Böhmer, C. M. M„ Rektor des einheimischen Priesterseminars, kommt mit einem Teil seiner Studenten nach Mhlabatshane. (Photo P. Fischer.) for geriefter, der später einmal da wohnen wird. Darum ist auch auf einer andern Seite für den Weiterbau einer Kirche vorgesehen. Die Bruderschaft zählt gegenwärtig 12 Profeßbrüder, 3 Novizen, 4 Postulanten und 15 Aspiranten. Einer der Profeßbrüder wurde am 28. November 1937 zum Priester geweiht. Gebe Gott, daß dieser Anfang gut gedeihe, kräftige Wurzeln schlage und ein reicher >Segen für die Schwarzen Südafrikas werde! Auf dem Heimweg hatte ich mit dem Kraükenbruder Br. Agritius von Mhlabatshane viel zu sprechen über die guten Eindrücke, die ich von Kwa St. Josef mitnahm. Als aber der Brudor in einer Hütte die vielen Kranken, die da auf ihn warteten, behandelte und mit Arzneien versah, da war ich wieder im Tal der Tränen. Der weitere Weg führte mich dann über Mhlabatslfane, St. John und das Sanatorium zurück nach Mayehle, wo ich pünktlich am Samstagnachmittag eintraf und meine gewohnte Arbeit mit neuer Kraft begann. Mein Ritt durch die Mission erreichte seinen Zweck. Ich erholte mich körperlich und frischte meinen Geist wieder auf. Ich lernte in der Ferne wieder meine Heimat lieben und will ihr unverdrossen meine Arbeit widmen. Gebetsmeinung lm Monat August: ,Dast ln Sen Missionslänöern öle Verehrung Ser allerfellgsten Jungfrau Marla unö Sie frommen Wallfahrten zu ihren Heiligtümern eifrig gepflegt weröen/ Wie in Europa, >o hat auch in den übrigen Jesu hat sich immer auch als die Mutter der Erdteilen die Marienverehrung in den Hän- Braut ihres Sohnes, als die Mutter der Heiden der göttlichen Vorsehung zu allen Zeiten ligen Kirche erwiesen. — In Japan waren die viel beigetragen zur Ausbreitung wie zur Er- Christen zwei Jahrhunderte lang schweren Haltung des christlichen Glaubens. Die Mutter Verfolgungen ausgesetzt und waren dabei ohne Priester, trotzdem blieben sie, vor allem durch die Verehrung der Gottesmutter, ihrem heiligen Glauben treu und ergeben. — Das Volk, besonders im Orient, liebt und schätzt von Natur aus die religiösen Wallfahrten. So gibt es bereits in vielen Gegenden Heiligtümer, welche die Grotte von Lourdes darstellen und die von den Christen der Umgebung häufig besucht werden. Ja es bestehen bereits einige Nationalheiligtümer, wenn man so sagen darf, wie Zass bei Shanghai, Tongiu bei Peking, Madon auf der Insel Ceylon, zu denen alljährlich viele Tausende von Christen pilgern. Wir sollen nun beten, daß durch die Hilfe der Mutter Gottes noch mehr solcher Heiligtümer entstehen und eifrig besucht werden zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen. . Geöetsmeinung lm Monat September: in öen MMonsgebieten mehr Waisenhäuser errichtet werben^. Unter den Werken der christlichen Missionstätigkeit nimmt eine hervorragende Stelle die Sorge für die Waisenkinder ein. AIs Waisen gelten nicht nur jene Kinder, denen die Eltern weggestorben sind, sondern auch jene, die von ihren eigenen Eltern verlassen und ausgesetzt wurden. Durch die Fürsorge für diese unglücklichen Kleinen macht sich die katholische Karitas und damit die katholische Religron auch in den Augen der Heiden liebenswert. Oft, besonders unter mohammedanischer Bevölkerung, ist die Waisenfürsorge eigentlich das einzige Apostolat, das ausgeübt werden darf. In den Missionsgebieten gibt'es zur Zeit ungefähr 2000 Waisenhäuser, in denen über 100.000 Kinder betreut werden. Davon sind in China 389 Häuser mit 25.000 Kindern; in Indien 407 mit 24.000 Kindern; in Afrika 617 Heime mit 30.000 Pfleglingen. Die vorhandenen Anstalten reichen indessen bei weitem nicht aus, aber die Armut macht es den Missionären unmöglich, auf diesem Gebiet mehr zu unternehmen. Da obendrein viele Mohammedaner, Hindus und Buddhisten ebenfalls Waisenhäuser errichten, um durch solche Gründungen ihrer Religion Einfluß zu verschaffen, obliegt uns die ernste Pflicht, wenigstens durch unser Gebet mitzuhelfen, daß noch mehr katholische Waisenhäuser errichtet werden und die schon bestehenden noch besser ausgebaut werden können. Bruder Georg Lechner f ♦ Am 17. Mai starb im Krankenhaus zu Ellwangen Bruder Georg Lechner. Er war erst 19 Jahre alt und war noch im ersten Noviziatsjahc. Seine Heimat war Opfingen bei Ehingen in Württemberg. Zwischen seinem Heimatsort und dem Missionshaus Iosesstal bestanden seit langem schon gute Beziehungen, und eine überraschend große Zahl jugendlicher Brüderkandidaten hat ihre Schritte von Opfingen nach Iosefstal gelenkt, um sich bei uns auf den Ordensund Missionsberuf vorzubereiten. Einer von diesen war auch der Verstorbene, dessen wir hier in schmerzlicher Trauer ge- Bruder Georg Lechner, gestorben am 17. Mai 1938 in Ellwangen. (Kongreg.-Archiv.) denken. Nun hat uns Bruder Georg wieder verlassen, ist heimgekehrt in seine Heimat, stumm und tot. Aus Wunsch seiner Angehörigen wurde seine Leiche nach Opfingen übergeführt. Wir sind tief erschüttert, weil der Tod so rasch kam. über eine Woche schon war im Hause die Grippe, bei der man an kein Sterben denkt. Bruder Georg hielt sich tapfer. Letzten Sonntag diente er noch bei Tisch im Speisesaal. In der Nacht von Montag auf Dienstag stellte sich hohes Fieber ein; er phantasierte zeitweise. Als P. Rektor ihm meldete, daß der Arzt kommen werde, meinte er, das sei doch unnötig, übermorgen stehe er wieder auf. Als der Arzt aber kam, stellte er zu unserer schmerzlichen Überraschung fest, daß die Grippe ins Blut übergegangen sei, daß sich das Blut zersetze und daß die Krankheit bereits im letzten Stadium sei; zugleich ordnete er die Überführung ins Krankenhaus an. Zuvor spendete ich ihm Heft 8/9 Stern der Neger 117 ®ven. Der Sicherheit halber und weil das Marktschiff nicht regelmäßig, sondern nur je nach Bedarf verkehrte, hatte er, sobald für ihn die Reise feststand, sich einen Platz belegen lassen und denselben auch be- zahlt. Ein Matrose sollte ihm Bescheid nach seinem Gasthof überbringen, sobald die Abfahrt bevorstand. Der Matrose kam, aber der Kaufmann — lehnte ab. Denn zugleich mit dem Eintritt des Seemanns in sein Zimmer kam eine ebenso unevklärliche wie gebieterische Angst über ihn. Er wußte nicht, vor was, aber er vermochte auch nicht, sich ihr zu entziehen! Alle Gegenvorstellungen des Matrosen und alle Berühigungsversuche halfen nichts, der Kaufmann verzichtete auf die Reise, zwar schweren Herzens, doch standhaft, und obwohl die Geschäfte ihn riefen und er nicht wissen konnte, wann die nächste Verbindung sein würde. Das bereits entrichtete Fahrgeld gab er preis. Seinen Mißmut über den ihm auf so geheimnisvolle Art aufgezwungenen Reiseverzicht versuchte der Kaufmann abends in der Gesellschaft von einigen Bekannten bei einem Glas Wein zu beheben. Mitten in das Gelage drang plötzlich aufgeregtes Schreien und Lärmen, wilde Schreckensrufe, von der Straße in das Lokal hinein, wie man es selbst in bei lärmerfüllten Hafenstadt nicht gewohnt war. Was war geschehen? Es war die Kunde eingelaufen, daß das Middelburger Marktschifs während der Fährt nach Walcheren vom Blitz getroffen in Brand geraten und mit Mann und Maus elend untergegangen war! * Ein Geistlicher, der (längst verstorbene) Pfarrer Weber aus dem bayerischen Allgäu, saß einst an einem unwirschen Wintertag in der behaglichen Stube beim Mahle, als es an seiner Tür pochte. Ein armer, hungriger und in Lumpen gehüllter Junge bat um Einlaß, um ein Almosen. Der Pfarrer ließ ihn an seinem Tisch Platz nehmen und teilte sein Mahl mit ihm. Er behielt ihn auch bei sich im Hause. Schwach und elend, wie der Junge war, wollte und konnte er ihn Nicht bei Wind und Wetter ins Ungewisse ziehen lassen. Ein sauberes Bett war vorhanden, für eine gediegene Kleidung bald gesorgt, es fehlte nicht an Nahrung und Zuspruch, und auch für die nötige ärztliche Betreuung sorgte der hilfsbereite Priester. Er behielt den Buben während des ganzen Winters über int Hause und hatte die Freude, daß mit dem Einzug des Fvühlings jede 'Gefahr gebannt schien. Ja, als es Sommer wurde, zeigte sich der kleine Schützling soweit hergestellt, daß daran gedacht werden konnte, ihm einen geregelten Unterricht zu erteilen. Es war ausgemacht, daß er, der Eltern-und Heimatlose, in Webers Hause bleiben sollte. Er hätte wahrlich kein besseres und kein liebevolleres Heim finden können! Im Herbst jedoch, als die rauhe Witterung einsetzte und Stürme übers Land hinwegbrachten, da erwachte erneut die tückische Krankheit, bemächtigte sich nun mit unerbittlicher Heftigkeit und Hartnäckigkeit des schwächlichen Körpers, imb so währte es nicht lange, bis ein junges Menschenleben unter verzehrendem Fieber einging in die ewige Heimat. Wenige Monate nach dem Ableben des Jungen — wieder herrschten Eis und Schnee — kehrte Pfarrer Weber bei hereinfallender Dunkelheit von einem Krankenbesuche heim. Sein Weg war weit, und frischer Schnee lag Wer ihm — was Wunder, daß er die Richtung verlor. Umherirrend aus endloser, weißer Decke, die noch keines Menschen Fuß betreten hatte, krachte es plötzlich unter des Pfarrers Füßen. Er vernahm das Bersten von Eis und fühlte, wie er sank. Bis Wer die Hüften im eisigen Wasser, die Füße vergebens nach Grund tastend, wehrte sich der Einsame verzweifelt gegen ein gänzliches Versinken, gegen den Tod. Er schrie um Hilfe. Niemand hörte ihn, niemand kam, um ihm beizustehen. Gewiß, daß sein Ende nahe sei, wandte der Pfarrer ein letztes Mal den Blick nach oben. Und siehe da: in hellem Glanze, verklärt und weithin sichtbar, schwebte vor ihm, nahte sich ihm — der Knabe, den er vor Jahresfrist gelabt, gepflegt und in sein Haus aufgenommen hatte! Wortlos streckte er dem Ertrinkenden die Hand entgegen, hals ihm heraus aus dem gierigen Element, geleitete ihn auf festen Boden und wies ihm mit ausgestrecktem Arm die Richtung an, die er einschlagen mußte, um ungefährdet nach Hause zu kommen. Sodann verschwand er, lautlos, wie er gekommen war. Pfarrer Weber erreichte wohlbehalten sein Haus. Tags darauf trieb es ihn nochmals hinaus an die Stätte seines nächtlichen Abenteuers. An den noch unversehrten Fußstapsen, die er hinterlassen hatte, konnte er sie mühelos wiedererkennen. Von Ortskundigen aber erfuhr er, daß gerade da, wo er eingebrochen war, sich die tiefste und gefährlichste Stelle des Teiches befand! * Josef Haydn, der gottbegnadete Tonsetzer, veranstaltete im Jahre 1792 zu London einen Konzertabend. Um sein herrliches Spiel aus nächster Nähe genießen und sich ganz dessen Bann hingeben zu können, verließen die meisten Parterrebesucher ihre Plätze und drängten sich um das Podium. Kaum, daß die ersten Takte durch den Saal rauschten, wurde des Meisters Spiel von einem ohrenbetäubenden Getöse überdonnert: der mächtige Kronleuchter hatte sich von der Decke gelöst und sachte hinab — auf die verlassenen Stühle! Mehr als dreißig Menschen standen sprachlos Im Gebiet von Kwa St. Josef, Natal. Br. Agri-tius trifft ein paar Kinder beim Viehhüten. lPhoto: P. Fischer.) vor Schreck. Bis einer plötzlich in freudigem Erwachen ausrief: ,Mirakel! Mirakel!" Haydn selbst dankte Gott, daß er ihn durch sein Spiel zum Werkzeug der Errettung so vieler Menschien vor dem sicheren Zerschmettertwerden auserkoren hatte. Die Sinfonie aber, Pie er begonnen hatte zu spielen, erhielt den Namen: „Mirakelsinsonie". * Von diesen vier Fällen ist keiner erfunden öder erdichtet. Sie alle beruhen aus tatsächlichem Geschehen, das überliefert ist. Jenes Walten aber, das so wunderbar rettend in entscheidender Minute Eingriff, mit menschlichem Verstand ergründen zu wollen, wäre ein müßiges Beginnen. Man kann nicht umhin, in ihm ein allmächtiges Walten zu etirltden. „Stilles Wirken in -er Pfarrei." So war es von den Eltern schon lange bestimmt: Mein Bruder und ich sollten einander einmal eine Heimat schaffen. So harrte und sorgte ich mit den Eltern, bis der Herr dem heimgekehrten Krieger nach einigen Jahren die Priesterwürde schenkte. And noch wenige Iährlein, und er durfte in einem Reichsstädt-lein eine Pfarrei übernehmen. Ich freute mich riesig, als ich ihm nun den Laushalt einrichten und führen durfte. Wie nett und ideal sollte es bei uns werden. Behaglich und geschmackvoll sollte unser Leim in dem geräumigen, luftigen alten Laus aussehen. Es konnte eine Vorhalle des Limmels werden, wenn nicht alle Zeichen trogen. Mein Bruder mußte sich nach den bitteren Kriegsjahren, nach dem Studium und nach seiner unständigen Verwendung vorkommen wie ein kleiner König in seinem Reich. And wenn dann unsere lieben Eltern einmal zu Besuch kämen, mußten sie restlos glücklich sein, ihre Kinder in dieser Geborgenheit und Larmonie zu finden. Aber bald schon sah ich ein, daß das Pfarrhaus nicht so ganz neben der Limmels-tür lag, ja, daß sogar ein sehr großer Weg dazwischen war. Mein Bruder in seinem jugendlichen Eifer fing tüchtig an zu arbeiten und neu zu gestalten. Von einem gemütlichen Zusammensein merkte ich nicht viel, denn außer den Mahlzeiten oder wenn Gäste kamen, waren wir eigentlich nie beisammen. Mein Bruder hatte keine Zeit, sich im Stübchen seiner Schwester behaglich zu fühlen, über Bücher zu reden oder sich über die geistigen Strömungen der Zeit zu unterhalten. Ich hatte in die geistige Welt des Pfarrherrn keinen Zutritt. Leute habe ich mich längst damit abgefunden. Aber im Anfang war mir diese Einsamkeit eine bittere Enttäuschung. Aus dem gemütlichen, sauberen Leim wurde fast ein Bienenhaus. Die Pfarr-bücherei kam ins Laus, eine Reihe Kinder Ein romantisches Plätzchen in der Nähe des Umzumbi-Flusses. Hier führt der Weg nach Kwa 6t. Josef vorbei. Br. Agritius hat wieder eine Gruppe schwarzer Hüterbuben getroffen. sPhoto: P. Fischer.) holten wöchentlich die Sonntagsblätter und Kirchenanzeiger ab. Ministranten kamen zum Unterricht, einmal hatte ich sogar vierzig dieser Männlein zur Kaffeevisite von unseren beiden Pfarren da. Als wir noch kein Gemeindehaus hatten, waren auch ab und zu Gemeinschaftsabende im Laus, oder es wurden Musikproben abgehalten. So sehr früher das Pfarrhaus mit geziemendem Respekt umgangen wurde, so weit sind heute seine Tore geöffnet. And bei der bekannten Gastfreundschaft des Pfarrherrn war es auch selbstverständlich, daß viele Besuche kamen. Anser Gästebuch zeigte ein buntes Durcheinander von Künstlern, Freunden, Rednern, Schriftstellern und Geistlichen. And wenn unsere Mutter anläßlich eines ihrer Besuche hineinschrieb: „Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir", so hat sie damit unbewußt zum Ausdruck gebracht, daß wir alle unsere Leimat nicht in diesem Laus haben. Wenn ich auch manchmal nicht mehr wußte, wie meine Wirtschaft weiterzuführen war vor Arbeit und — ehrlich gesagt — auch vor finanziellen Sorgen, sehr viel Freude erlebte ich doch an den Menschen, die sich bei uns heimisch fühlten. Wie ein stiller Segen lag es oft über uns, wenn ein edler Mensch unser Laus durch seine Gegenwart weihte oder wenn ich in seiner feingestimmten Seele neuen Mut zum Weiterschreiten schöpfte. Aber einmal war ich so mutlos und verzagt, als ich zu einem neuen Tag erwachte, daß ich mir nicht mehr zu helfen wußte. Da, in die Stille der Morgendämmerung hinein, schlug ernst und tief die Aveglocke an, erst zag und schwach, dann immer sieghafter und wuchtiger und eindringlicher. And es war, als rufe sie unaufhörlich: „Der Lerr hat unter uns gewohnt, wohnt noch unter uns — unter uns — unter uns!" And mit einem Male jagten alle Sorgen wie böse Rachtgespenster davon, und ich wurde froh über Gottes Wohnen unter uns. And ich wußte, daß ich meinen Weg mutig weitergehen mußte, wie er auch ausfallen würde. Es war mir klar, daß man nicht ins Pfarrhaus darf> um ein ruhiges, wohlgeordnetes Leben zu führen — ich wenigstens darf es nicht ■—, sondern daß ich im Pfarrhaus bin, um zu „entwerden", wie Keinrich Suso so fein sagt. Wie der Priester auf Familie und Leimglück verzichtet, um für Gottes Reich sich zu verzehren, so muß auch ich auf die wohlgepflegte Behaglichkeit verzichten, um „allen alles zu werden". Ich strenge mich an, über den Dingen zu stehen, wenn ich auch ab und zu wieder in sie hineinfalle. Aber dies gehört unter Rubrik „Versager". Ich habe gelernt, mir meine eigene Welt zu schaffen, in der ich nicht mehr einsam bin. Die früher so bitteren, einsamen Abendstunden sind mir nun lieb und unentbehrlich geworden. Sie führen mich in eine Welt, die keine Disharmonie mehr kennt, wo die Leiligen im Lichtglanz Gottes wohnen. Auf den Spuren heiliger Frauen fand ich sehr viel Köstliches, daß ich damit meinen Alltag ausfüllen kann. And in ihrer Gemeinschaft finde ich auch das rechte Verhältnis zu meinem Bruder und zu den Menschen. Das Bild meiner Tätigkeit wäre nicht zu Ende gemalt, würde ich die gedämpften Farben im Lintergrunde weglassen, die dem Bild erst die rechte Kraft geben. Wenn der Priester am Altar sein „Gehet, es ist Sendung" spricht, so füllt sich meine Seele noch in einer andern Art angesprochen. Nicht nur im Pfarrhaus habe ich meine Sendung, sondern in der ganzen Gemeinde, wo ein Mensch meiner materiellen und mehr noch meiner geistigen Lilfe harrt. Wir alle, die die Liebe Christi drängt, haben unsichtbare Gaben, die wir austeilen müssen. Ob ich nun eine kranke Frau besuche, eines alten Mannes Kummer geduldig anhöre, einer werdenden Mutter die Angst wegnehme, indem ich ihr von dem kleinen Seelchen erzähle und der Güte Gottes, oder ob ich sonst jemand ein gutes Wort sage: immer habe ich den Wunsch, daß die Menschen dadurch näher zu Gott kommen mögen. Wir alle sind füreinander verantwortlich, verantwortlich in Liebe. Ich las einmal irgendwo, daß man an einem einsamen, trostlosen Menschen nie vorübergehen dürfe, ohne seinen verdüsterten Augen etwas zuliebe zu tun. In eben diesem Zuliebetun habe ich jene Freude geholt, die mich über das Schwere meines Berufes hinwegträgt. And in der Gemeinschaft mit den hilfsbedürftigen Menschen hoffe ich, jene Frische zu bewahren, die nicht hart und bitter werden läßt. (Aus betn Herder-Buch ,/Leben spricht zu Leben." Herausgegeben von Dr. Gertrud Ehrle.) Plauderer aus Südafrika. Br. A. Cagol. Jeder nach seiner Art. Wenn ein Weißer und ein Schwarzer aus dem Marsche vom Regen überrascht /werben, so wird der Weiße wahrscheinlich einen Mantel anziehen, um sich gegen den Regen zu schützen. Der Schwarze hingegen wird seinen Körper möglichst entblößen und dem himmlischen Naß unbedenklich aussehen, dafür aber seine Kleidung säuberlich zusammenfalten, um sie nach Möglichkeit trocken zu halten. Ist der Guß sehr stark, so wird der Weiße durch und durch naß, der Schwarze wird zwar bis auf die Laut naß, aber nicht darüber oder darunter, sondern alles übrige Wasier läuft schadlos an ihm ab. Lört der Regen endlich auf, so mag der Weiße noch stundenlang in nassen, schweren Kleidern zu gehen haben, während des Schwarzen Laut schnell abtrocknet und er sogar leidlich trockene Kleider anlegen kann, falls es nach dem Regen sehr kalt wird. Vorsicht i st besser als „M edi-z i n." Ein Schwarzer erzählte einem weißen Lerrn, der ihn gut kannte, er sei in den Besitz einer „Medizin" gelangt, die ihm völlige Sicherheit verleihe, falls er nachts im Buschfeld schlafe. Der Weiße fragte ihn dann: „Würdest du heute nacht zu N. schlafen?" (Am betreffenden Orte hausen Löwen.) Der Schwarze kraute sich bedenklich den Kopf und meinte: „Ich bin ja sicher, daß es gut ginge; aber, siehst du, ich habe die Medizin erst ganz kurze Zeit, und alle Löwen mögen noch nicht davon ge- hört haben, und so ein dummer Löwe könnte daher kommen und mich in seiner Unwissenheit töten und auffressen." Er ließ sich nichts weismachen. Einem Schwarzen, der eines schweren Vergehens angeklagt war, wurde geraten, sich der Dienste eines rechtskundigen Verteidigers zu bedienen. Der Rechtsanwalt brachte seinen Kunden straffrei durch und verlangte dafür von ihm die Summe von 5 Pfund Sterling. Nach Lause zurückgekehrt, behauptete der Schwarze, er sei nicht freigesprochen worden; hatte er doch 5 Pfund bezahlen müssen. Einleuchtend. Der schwarze Diener kam eines Abends mit einer großen Taschenuhr zurück, die er gekauft hatte. Leider wollte sie nicht gehen, weshalb er seinen Lerrn bat, sie zu öffnen und nachzusehen, was etwa darin fehle. Der Weiße erfüllte den Wunsch des Burschen und fand eine tote Fliege im Gehwerk der Ahr. „Oh", rief der Schwarze aus, „sie kann freilich nicht gehen, wenn der Treiber tot ist." Weitherzig. Das eingeborene Dienstmädchen erhielt Besuch in der Küche; es war ein anderes schwarzes Mädchen. „Dies ist meine Schwester", sagte -es zur Lerrin. „Aber, Liese", entgegnete diese, „jedes Mädchen, das hieher kommt, ist deine SchwesterI" — „Aber, Missis", beharrte Liese in allem Ernste, „dies ist wirklich meine Schwester; sie ist meiner Tante Kind." Br. Agritius im Gespräch mit einem alten Krieger, der den Burenkrieg auf feiten der Engländer mitgemacht hat. Der Schwarze bekommt von der Regierung eine Pension. (Photo: P. Mischer, Een-tocow.) Auch eine Erklärung. Ein Schwarzer lauschte den Tönen des Grammophons im Lause seines Lernn Gefragt, wie nach seiner Ansicht die Stimme in dem Geräte zustande komme, erwiderte er nach einigem Zögern: „Ich habe erzählen hören, daß, wenn man die Luftröhre eines Tieres nimmt und durch sie bläst, so wird sie das gleiche Geräusch hervorbringen, als wenn ihr Besitzer am Leben wäre. So denke ich, hat der Weiße Lerr die Luftröhre eines Menschen in die Maschine gesteckt, und wenn du sie aufziehst, so bläst der Wind durch die Luftröhre und sie fängt an zu sprechen und zu fingen." Nicht sein Platz. Ein protestantischer Mugandaneger war mit seinem weißen Lerrn nach Khartoum gekommen. Dort besuchte er einen auf der katholischen Mission bediensteten Landsmann. Sonntag wohnte er auch frei-, willig dem Gottesdienst in der katholischen Kirche bei, obschon die Anglikaner dort eine prächtige Kathedrale besitzen, i® es ragt, warum er nicht seine eigene Kirche besuche, bekannte er: „Die große Kirche ist doch für die Engländer; ich bin kein Engländer, sondern ein armer Muganda." N e g e r w e i sh e i t. „Wenn du jemandem Bier zu trinken gibst, so lenke deine Blicke abseits, damit du ihn nicht trinken stehst." Der Grund ist, daß dein Freund nicht denke, du beobachtest ihn, wieviel er trinke, wie gierig er trinke, und er sich deinetwegen scheue, weniger zu trinken, als ihn gelüstet, und daß er schließlich, wenn du ihn besuchst, dich auch freigebig bewirte. „Wenn du von jemand etwas erhältst, so empfange es mit beiden zusammengehaltenen Länden, nicht etwa mit einer Land allein, wodurch du den Geber beleidigest." Durch Ausstrecken einer Land allein würdest du gleichsam sagen: Deine Gabe ist klein; eine Land ist hinreichend, sie zu empfangen. ,>Ein Weißer hat keine Verwandten, er hat nur Geld." Bei den Bantu bedeutet Verwandtschaft Ulfe, Teilnahme am Besitz, ge-wiffermaßen Besitz. „Der Vielbeweibte pflügt e i n Feld." Es will besagen, daß ein Mann nur eine seiner Frauen wirklich liebt. L e w a n i k a, der Großhäuptling der Ba-rotse (in Nord-Nhodesten) besuchte mit heimischem Gefolge England. König Eduard VII. empfing ihn in Audienz. Nachher drängten sich die Barotse-Begleiter um ihr Oberhaupt und wollten wissen, was der großmächtige König von England zu ihm gesagt habe. Voller Verachtung glitt Lewanikas Blick über seine Leute hin und er sagte: „Wir Könige wissen, was wir einander zu sagen haben." Ende Jänner 1938 füllte sich zum ersten Male das große Loskop-Staubecken, die größte künstliche Wasserfläche im Transvaal. Seit 1906 dachte man daran, diese sehr günstige Lage am Großen Olifant (Elefantenfluß) für Bewässerungszwecke auszunutzen. Etwa 50 Kilometer nördlich von unserem Nachbarstädtchen Middelburg, wo der nordwärts fließende Olifant sich am „losen Kopf", dem Granithügel Loskop, stößt und im Bogen um ihn herumzieht, ist ein Betondamm von 427 Meter Länge und 32 Meter Löhe erstanden, der das Flußbett abriegelt und einen Stausee von 24 Kilometer Länge und 20 Millionen Lektoliter Fassungsvermögen geschaffen hat. Wegen der steilen Flußufer wäre die Anlage eines seitlichen Abflußkanals zu kostspielig geworden, weshalb die Einrichtung getroffen wurde, daß alles Oberwasser über den oberen Rand des Steindammes laufen wird. Unterhalb des Lauptdammes sind zwei weitere Wehre errichtet worden, das erste 25 Kilometer flußabwärts, das zweite weitere 65 Kilometer entfernt. Diese beiden Dämme werden das Wasser zur Berieselung von zusammen 15.000 Lektar sehr fruchtbaren Bodens aufstauen. Der große Wasservorrat im Lauptsee, der sich zweimal im Jahre füllen kann, sichert eine stetige Wasserzufuhr für die Pflanzungen. Das Unternehmen, an dem etwa zwei Jahre gearbeitet wurde, hat über eine Million Pfund Sterling gekostet. Im wasserarmen Transvaal üben Stauseen eine große Anziehungskraft aus, und so bildet das Loskop-Becken bereits einen beliebten Ausflugspunkt für Kraftwagenbesitzer in den beiden Städtchen Middelburg und Witbank. Nach der letzten Volkszählung (im Mai 1936) gibt es im Gebiete unserer Mission, der Apostolischen Präfektur Lydenburg, 95.000 weiße und 590.000 farbige Bewohner, d. i. SVs Bewohner auf den Quadratkilometer (gegen 141 Bewohner auf den Quadratkilometer in Deutschland). Infolge der Teilung des Distrikts Wakkerstroom zählt unser Gebiet nunmehr 14 politische Distrikte mit einem Magistrat an der Spitze. Die Distrikte heißen: Barberton, Belfast, Bethal, Carolina, Er-melo, Lydenburg, Middelburg, Nelspruit, Piet Retief, Pilgrim's Rest, Standerton, Volksrust, Wakkerstroom, Witbank. Der ausgedehnteste Distrikt ist der von Pilgrim's Rest mit 14.586 Quadratkilometer (etwa so groß wie das frühere Königreich Sachsen). Der kleinste Distrikt ist der jüngst errichtete von Volksrust mit 1861 Quadratkilometer Flächeninhalt. Der nächstkleinste Distrikt ist der von Witbank mit 2993 Quadratkilometer Fläche, der aber die dichteste Bevölkerung von 41.909 Menschen zählt, d. i. 14 Bewohner auf den Quadratkilometer. In ihm ist auch das meiste Kapital in gewerblichen Betrieben angelegt. Dann kommt der Distrikt von Bethal mit 11% Bewohnern auf den Quadratkilometer. Ihm folgen die beiden Distrikte Lydenburg und Volksrust mit 10 Bewohnern auf den Quadratkilometer, Barberton und Middelburg mit 9%, Piet Retief und Standerton mit 9, Ermelo mit 8, Wakkerstroom und Belfast mit 7, Carolina und Pilgrim's Rest mit 6, Nelspruit mit 5% Bewohnern auf den Quadratkilometer. Zn den beiden letztgenannten Distrikten befindet sich der Krüger-Park, die ausgedehnte Wildschonung. Die neun größten Orte unseres Missionssprengels sind: Witbank mit 8263, Middelburg mit 5778, Standerton mit 5596, Ermelo mit 4836, Volksrust mit 4792, Lydenburg mit 3845, Barberton mit 3844, Piet Retief mit 3069, Bethal mit 2841 Einwohnern. Unter der weißen Bevölkerung der Anion von Südafrika gibt es 54% Anhänger Kal-vins, 18% Anglikaner, 5%% Methodisten, 1%% Lutheraner, 10% andere Protestanten, 5 '%% Juden, A14% Katholiken. Unter der farbigen Bevölkerung der südafrikanischen Union Maria, Himmelskönigin von Java. Ein javanischer Künstler, Professor Abdullah, hat das grandiose Gemälde geschaffen, über allem thront die Himmelskönigin, duftig fein, fast körperlos. Zu ihr strömt die hilfebedürftige Menschheit, die Pforte der Kirche steht allen offen und sie müssen alle durchschreiten, um zur Mutter Gottes zu gelangen. Ohnmächtig krümmt sich der Höllendrache zu Füßen der Unbefleckten, und über Maria noch erhebt sich segnend -die göttliche Dreifaltigkeit. (Fides-Photo.) gibt es noch 58%% Leiden, 38%% Anhänger protestantischer Sekten und 3% Katholiken. Umschau. Ordcnsfrauen als Ärztinnen in den Missionen. Rom. Die von Fräulein Dr. Anna Senget gegründete religiöse Gesellschaft katholischer Missionsärztinnen mit dem Mutterhaus in Brooklyn ist mit Aussendung von Schwester Dr. Helene Lalinsky nach der indischen Mission Rawal-pindi-Punjab in eine neue Phase eingetreten. Die genannte Missionsärztin ist die erste 65)106= ster der Gesellschaft, die als solche ihre medizinischen Studien betrieb und erfolgreich abschloß. Weitergehend dürfte sie überhaupt die erste Schwester in der Geschichte der Kirche sein, die nach dem Eintritt in einen Orden diesen Studiengang durchgemacht hat. Bekanntlich kam erst 1935 die Instruktion der Propaganda heraus, die eine Gründung von Frauenorden empfahl, die als Arzte, Hebammen und Chirurgen auf dem Miffionsfcld wirken sollten. Zuvor mußten die Mitglieder weiblicher Orden für ähnliche Arbeit besondere Erlaubnis haben. Am 1. Mäch fand im Mutterhaus zu Brooklyn die Abschieds- und Aussendungsfeier für Schwester Dr. Helene Lalinsky statt. (Fides.) Die Katholischen Missionen aus dem 34. Internationalen Eucharistischen Kongreß zu Budapest, Mai 1938. Der Gedanke -des engen Zusammenhanges zwischen der wirklichen Gegenwart Dhristi im fyev ■ ligften Sakrament und der Weltmission der Kirche kam auch auf dem -letzten großen Eucha-ristischen Kongreß zum Ausdruck. Hat auf der einen Seite die Verehrung des eucharistischen Heilands seit den Dekreten Pius' X. über die häufige und die Frühkommu-nion unleugbar zugenommen, so ist auf der anderen Seite die große Ausbreitung der katholischen Missionen seit dem Regierungsantritt Pius' XI. eine Tatsache. So lag es nahe, die beiden Erscheinungen miteinander in Verbindung zu bringen. Hatte darum der Budapester Kongreß nicht das ausgeprägte Missionskolorit wie fein Vorgänger'zu Manila, so mußte trotzdem auch hier die Doppelfrage „«Eucharistie und Mission" eine Beleuchtung finden. Das geschah .vor allem auf der großen Sonderversammlung für die auswärtigen Missionen, die Freitag, den 27. Mai, in der Kongreßhalle zu Budapest veranstaltet wurde. Kein Geringerer als Se. Eminenz Kardinalerzbischof Hinsley «on Westminster führte den Vorsitz. Noch ist seine verdienstvolle Tätigkeit für die katholischen Missionen als Apostolischer Delegat in Afrika in aller Erinnerung. In seiner schönen Eröffnungsansprache zeigte der Kardinal, wie die heilige Eucharistie das Band der Liebe, die große Kraft darstelle, die die Kirche befähige, sich überall auf der Welt auszubreiten und alle Nationen in Liebe zu umfassen und zusammenzuschließen. «So wie der Leib durch Speise und Trank genährt wird, so wird ' die Ehristenseele durch -Fleisch und Blut Dhristi geistig genährt -und die Kirche in den Stand gesetzt, ihre göttliche Missionsaufgabe zu erfüllen. Im Gespräch mit einem alterfahrenen Missionär habe er einmal die Frage angeschnitten, woher es komme, daß die protestantischen Missionen trotz ihrem unleugbaren Eifer, ihrer großen Arbeit und ihren großen «Mitteln dennoch bis zu einem gewissen Grade unfruchtbar bleiben, während die katholischen Missionen bei all ihrer Armut so aufblühen. !D«a habe der alte Missionär die kurze Antwort -gegeben: „Weil ihnen die wirkliche «Gegenwart Dhr-isti im heiligsten Sakrament fehlt." «Andere Redner behandelten in Französisch, Italienisch und -Deutsch in verschiedener «Form das heilige Opfer als die fruchtbringende Quelle aller missionarischen Erfolge. Professor -Lars Eskel-and von der Universität Oslo «sprach im Anschluß an das Wort des Malachias „Vom Anfang -der Sonne bis zu ihrem Niedergang..." von der buchstäblichen Erfüllung, die das Pro-phetenwort heute gefunden habe. Tatsächlich wird heute die heilige Messe bei allen' Völkern und Nationen der Erde als reines «Speiseopfer dargebracht. H. P. Ricaldone, der Salesianergeneral, sprach von der heiligen Eucharistie als der Quelle des Missionseifers, die allein den Missionär befähige, allen Gefahren und Schwierigkeiten sei- nes Amtes zun: Trotz das Wort der Schrift von der Bekehrung der Menschheit in die Tat umzusetzen. Exzellenz Meysing, O. M. I., Apostolischer Vikar von Kimberley-Südafrika, zeigte in kurzer deutscher Ansprache, wie der Missronär zum kostbaren Blut Ghristi aufschauen muß, um seine Seele für die große Mission der Kirche zu stärken uNd zu nähren, das Evangelium allen Geschöpfen zu «künden. Das «Bedürfnis der Kirche, ihr geistiges Leben durch das heilige Meßopfer und die heilige Kommunion zu erhalten, -kam auch am folgenden Morgen zum greifbaren Ausdruck, als die Kongreß-messen -für die Bedürfnisse der Katholischen Missionen aufgeopfert wurden. (Fides.) Katechistinnen unter den Indianern Chiles. «San Jose de la Mariquina (Araucania, Chile). -Eine Art Katechi-stinnen-Kongregation, aus deutschen und indianischen Schwestern zusammengesetzt, hat sich hier in der «Mission der bayrischen Kapuziner aufs beste bewährt. «Ihre Hauptaufgabe besteht darin, dem «Missionär den Weg zu ebnen dort, wo er selbst -wenig oder kaum seinen Fuß hingesetzt hat. Dem Bericht einer Schwester an den Bischof entnehmen wir interessante -Einzelheiten. Die Schwestern reiten bei Wind itttlb Wetter nach dem Ort, wo der Missionär später erwartet wird. Die Vorbereitung besteht zunächst in dem Aufbau eines Altares, zu dem sie -einen Teil der Ausstattung mitbringen. Die Indianer -helfen mit, Beichtstuhl -u^> Bänke aufzustellen. Rach der Messe des Missionärs beginnt der Unterricht an Knaben und Mädchen. Danach folgt ein RuUdgang durch die „Rukas", die Indianerhütten, um die Leutchen zum Gottesdienst und Sakramentenempfang einzuladen, was zuvor schon die «Kinder zum Teil besorgt haben. Die meisten zeigen sich willig, andere verstecken sich in der dem Indianer -angeborenen Scheu uNd lassen durch Kinder nach dem Begehren der Schwestern fragen. Wieder -andere, die noch nie Ordensschwestern gesehen haben, fragen bestürzt: „Was sind das für Frauen?" Rur wenige Hütten bleiben ganz verschlossen. «Dort, wo eine Unterhaltung zustande kommt, ist das Eis bald gebrochen. Die Einladung wird gern angenommen und tatsächlich erscheinen die'Indianer in großer Zahl -am Samstag und Sonntag, wie sie auch abends -zum Rosenkranz sich bereitwillig «einfinden. Die religiöse Unterweisung lassen «sich auch die Männer von seiten der Schwestern sehr gern gefallen.. Sie hören mit Interesse und Aufmerksamkeit zu. Schwierig ist die -Vorbereitung zur Beichte. Denn der Indianer hält, wie eine Schwester erzählt, nur -einen achttägigen Rausch, einen Totschlag, den OMenraub im großen und Notzucht für -Sünde. In allen anderen Fällen meint er beschönigend: „Ich habe nichts Böses begangen." Doch -gelingt es schließlich, die Notwendigkeit -von Beicht und Reue klar zu machen. Mit Hilfe eines Katechismus beten alle gemeinsam das Reusgebet, um dann beim Missionär ihre Beichte abzulegen. Die Sonntagsmesse ist sehr gut besucht. Und diese Naturkinder freuen sich mit am meisten -auf die anschließende Ausbildung von Kinder-pflegerinnen. Der Einladung der PropaganLakongregatton vom letzten Jahr entsprechend, schenken jetzt manche Schwesternkongre-gationen der Mütter-und Säuglingsfürsorge in Missionsländern größere Aufmerksamkeit. Die Kindersterblichkeit ist ja dort vielfach erschreckend hoch, nachdem die einfache sten hygienischen Maßregeln fehlen. So werden jetzt Schulen für Kinderpflegerinnen und Hebammen eingerichtet. Unser Bild zeigt eine Gruppe von Pflegerinnen, die von Consolataschivestern (Turin) in der Kenya-Kolonie ausgebildet werden. (Fides-Photo.) Prozession durch die Felder, die der Missionsbischof Exz. Beck angeraten hatte. Mit Kreuz und Fahnen ziehen ,jte hinaus; die selbstverfertigten Kreuze -werden vom Missionär gesegnet und dann auf den Fluren, die ebenfalls den Segen erhalten, aufgestellt. Dazu kommen Krankenbesuche, auch Pflege von Kranken, Vorbereitung Sterbender durch Taufe und vollkommene Reue auf den Tod. (Fides.) Etwas von katholischer Sievestiitigkeit in China. Kaiseng (Honan, China.) Bevor Kaifeng von den Japanern belagert wurde, war es eine Zufluchtsstätte für chinesische Verwundete. Die Tätigkeit der Missionäre um die Mitte des April 1938 beschreibt anschaulich ein von dort einlaufender Bericht. Neben einigen vierzig katholischen Priestern und Schwestern arbeiten die Missionäre von fünf verschiedenen protestantischen Sekten in der Stadt. Die Krise hat alle Religionsgemeinschaften auf den Plan gerufen zu gemeinsamer Arbeit für Verwundete und Flüchtlinge. Ein internationales Fürsorgekomitee wurde zum gleichen Zweck ins Leben gerufen. Spät in der Nacht des 2. April kommt der erste Verwundetenzug mit 1600 Mann nach dem Bahnhof. Eine chinesische medizinische Abteilung, die sofort ans Werk ging, war offenbar ungenügend, und ungenügend waren auch die Mittel. Mittlerweile war das Internationale Hilfskomitee verständigt worden, das in knapp einer Stunde eine große Schar Freiwilliger, bestehend aus den Venediktinermissionären, den Schwestern von der Vorsehung (U. L. F. von den Wälüern-Minnesota) und aus Mitgliedern der protestantischen Chinesischen Fnlandsmission und den Kanadischen „Church Workers" an Ort und Stelle schickte. Man stellte rohgezimmerte Tische auf dem sandbedeckten Bahnsteig neben dem Zug auf; Kaifeng hatte gerade wieder einen seiner bekannten Sandstüvme. Flaschenlichter und Kerzen leuchteten durch die dunkle Nacht, während die in der Wundpflege Erfahrenen an das Anlegen der Verbände gingen. In den Viehwagen des Zuges war jeder Fußbreit Boden von Soldaten bedeckt. Die im Verlauf des Tages gestorben waren, wurden aus dem Zug geholt und auf Kosten des Hilfskomitees beerdigt, nachdem von Regierungsseite keine Vorkehrungen dazu getroffen waren. Die weniger schwer Verwundeten baten nach Anlegung ihres Notverbandes und antiseptischer Wundbehandlung ihre Pflegerinnen, sich nach ihren Kameraden umsehen zu wollen, die sich nicht bewegen konnten. Da war ein blutjunger, höchstens achtzehnjähriger Krieger, der eine ärztliche VerLandabteilung in den Zug geführt hatte und nun abwartete, bis alle behandelt waren. Jetzt kam er an die Reihe und da stellte sich heraus, daß seine eine Hand abgeschossen war. während die andere von Kugeln durchbohrt und sein Bein von einer Maschinengewehrkugel getroffen war. Tatsächlich war er viel schlimmer daran als verschiedene andere, für die er gebeten hatte. Das ist eines von vielen Beispielen, und wirklich mußte man die Selbstbeherrschung bewundern, die die chinesi-schen Soldaten auch bei den größten Schmerzen zeigten. Ergreifend war es zu sehen, wie ein verwundeter Soldat seinen verwundeten Kameraden aus dem Wagen heraustrug und dabei in ein Trichterloch fiel, das eine japanische Bombe wenige Tage zuvor gegraben hatte. Spat nach Mitternacht rollte der Zug davon. Die Armen hatten keine andere Möglichkeit, ihre Dankbarkeit zu zeigen, so gäben sie eines ihrer Lieder zum besten, das auf den Refrain gestimmt war: „Ihr seid wie Vater, Mutter, Bruder, Schwester zu uns". So wurden bald Wer zehntausend Verwundete von den Missionsfreiwilligen behandelt. Die Züge kamen aus naheliegenden Gründen gewöhnlich zur Nachtzeit. Waren doch die Stationen an der Lunghai-Linie wiederholt bombardiert worden, und es waren weitere Bombenabwürfe zu fürchten, wenn Züge gesichtet würden. Kamen hie und da Anrufe während der Tageshitze, so war der Geruch von den Verwundeten, die stundenlang in den Güterwagen ohne Pflege lagen, besonders unausstehlich. In Anbetracht der schmerzhaften Lage der Verwundeten, die vielfach mit gebrochenen Armen und Beinen zusammengepfercht auf dem Stahlboden der Wagen lagen, bestellte das Hilfskomitee Hunderte von Hängebetten. um den Verwundeten die Reife in das Innere des Landes zu erleichtern. Im Militärspital zu Kaifeng betreuten die Schwestern in mühevoller Arbeit die Verwundeten. Sie schleppten Bett und VerbaWzeug herbei, ohne Zigaretten und andere Erfrischungsmittel zu vergessen. Doch mit der Sorge für den Leib ging die Sorge für die Seele Hand in Hand. Wohl alle Soldaten, die im Hospital starben, konnten vorher getauft werden. Die Verwundeten fanden hier mehr Zeit zum Nachdenken und die Schwestern mehr Gelegenheit, mit ihnen religiöse Fragen zu besprechen, als an der Bahnstation. Aber auch dort schlug für manchen die Stunde der Gnade. Die Missionäre verteilten Flugblätter, die auf die Hauptwahrheiten des Christentums aufmerksam machten. Eine der Hauptwirkungen der Arbeit des Hilfskomitees zu Kaifeng war die Weckung des Pflichtgefühls bei den apathischen, stoischen Chinesen, die anfangs ihre eigenen Leute geradezu vernachlässigten. Angesichts der selbstlosen Arbeit der Missionäre raffte man sich auf: auch die Regierung richtete ein Hilfskomitee ein, zu dessen zweitem Vorstand P. Franz Clougherty, 0. 8. B., zugleich Präsident des Internationalen Komitees, ernannt wurde. Er hat seitdem von öffentlichen Körperschaften wie auch von Einzelpersonen große Geschenke füt Hilfszwecke erhalten. Und noch einen Erfolg brachte diese Arbeit im Dienst der Nächstenliebe. Ein Mitglied der Kanadischen Kirchenmission drückte das mit den Worten aus: Dieser Dienst hat die Glieder aller Kirchen einander näher gebracht. Die zwei Eruo-pen katholischer Schwestern, die sich mit Wundbehandlung beschäftigen, arbeiten unter der Leitung eines protestantischen Arztes und alle wetteifern, einander zu helfen ... Ich sah, wie eine gute Baptistenmissionärin einer Gruppe katholischer Schwestern beim Verbinden einer schweren Wunde half. Mitleid mit den Leidenden bringt die Menschen einander näher . . . Der Krieg ist grausam und schrecklich, aber das so entstehende Leid hat die Leute zur Hilfe angeregt, hat aber auch das chinesische Volk zusammengeführt wie kaum etwas in der Geschichte. Damit sich nicht die Tragödie von Nanking nach seinem Fall in die Hände der Japaner wiederhole, haben fünf auswärtige Missionen zwölf Flüchtlingslager für 30.000 chinesische Frauen und Kinder geschaffen, die aus der Zone der Linghai-Linie vor den anrückenden japanischen Truppen evakuiert worden waren. Man hat in den Lagern Mr bombensichere Unterstände, artesische Brunnen und sogar Mr Kühe und Ziegen gesorgt, die die Kinder mit Milch versorgen müssen; es gibt eine allgemeine Lagerfürsorge und eine medizinische Abteilung. Auch in anderen Städten längs der Linghai-Bahu hat man solche Komitees geschaffen. Dom Clougherty, das Haupt des iKaifenger Komitees, hat feit 17 Jahren in China gewirkt. Er war früher Kanzler der katholischen Universität Peking und seit seinem Eintreffen in Kaifeng ist er Vorstand der englischen Abteilung der Provinzialuniversität von Honan. (Fides.) Vogel- und Tierwelt am Okawango in Südwest-afrika. Andara (Windhoek, Südwestafrikaj. Dem Brief eines Oblatenmissionärs, der im wildreichen Norden des Apostolischen Vikariates Windhoek tätig ist, entnehmen wir einige Stellen, die vom Interesse der Missionäre auch Mr den großen Tiergarten der Natur zeugen. . . . „Von Zugvögeln wählen gern die Störche den Okawango mit seinen Niederungen zum Aufenthalt. Die Schwalben fliegen weiter, wählen aber den Okawango als Stelldichein, wenn sie aus allen Himmelsrichtungen sich sammeln, um gemeinsam die Reise in die alte Heimat anzutreten. Man hat festgestellt, daß sie also ungefähr dieselbe Schnelligkeit entwickeln wie die schnellsten Afrikaoampser. Die Zahl der einheimischen Vögel ist Legion. Tausende!Gattungen hat man im südlichen Afrika festgestellt . . . Der größte und majestätischste aller Vögel ist der Meister Strauß, der im Wuschmannsfelde wohnt und auch am Okawango eine große Rolle spielt, weil die Eingebornen aus seinen Eierschalen Perlenketten machen und sich damit schmücken, wie die weißen Damen gern feine Federn tragen. Verhältnismäßig klein sind zwar die Flügel dieses hohen Herrn der Steppe, aber um so länger sind die Stelzen. Auf ihnen entwickelt er eine solche Geschwindigkeit, daß er auf weite Strecken mit dem Auto um die Wette rennt. Wiele der afrikanischen Vögel machen sich nützlich durch Vertilgung von Schlangen, Insekten und faulendem Aas. Kranichgeier oder Sekretär könnte man den Schlangentöter nennen, den Aasgeier die Gefundheitspölizei des afrikanischen Waldes und der Steppe. Der Abdimstorch oder „Unterbaiki", so genannt wegen seiner vornehmen weißen Weste, zieht hinter den Heuschreckenschwärmen her wie der Schäfer hinter seiner Herde und freut sich Wer das viele Fleisch, während die Menschen sich darüber grämen. Der Liebling aller ist der Honigvogel, der mit seinem Rufen den vorübergehenden Menschen lockt und nicht ruht und rastet, bis er ihm folgt p den in hohlen Bäumen im Wald verborgenen Honiglöchern. In honigreichen Jahren hat das Böglern Hochbetrieb, wenn es all die vielen Honigverstecke zeigen muß. Vor drei Jahren konnten die Missionäre von den Eingebornen au 100 Liter Honig kaufen. Noch heute streichen wir ihn auf unser Brot und braut die Küchenschwester einen prächtigen Honigmet. ... Es gibt in Südafrika allein 70 Arten Hornhufer, darunter mehr als 30 Arten Antilopen, vom winzigen, nur 95 Zentimeter hohen Steinbock bis pm 20 Zentner schweren Elen. Jäger und Siedler und die Rinderpest vor drei Jahrzehnten haben unter ihren Beständen aufgeräumt und viele in einsamere Gegenden zurückgedrängt. Hier lebt noch der Elefant, der alte Dickhäuter, mit feinen hundert Zentnern. Im dichten Dovnwwld hält er sich auf und kommt fast nur des Nachts hervor — zur Äsung. Alle acht bis zehn Tage zieht er einmal an den Fluß zur Tränke, ein Bulle voraus, die Herde hinterher. Geknickte Zweige und Bäume und Losung bezeichnen seinen Weg. Wo Schlamm und Wasserpfützen sind, fühlt" er sich wohl, da wird gesuhlt. Metertiefe Löcher Waden von der Freude, die er dabei empfindet. Wenn man auf Missionsreise ist und draußen schläft, kann man bisweilen seine herrlichen Trompetentöne durch die stille Nacht vernehmen. Wehe, wenn er durch die Felder streift oder es ihm gar einfällt, sich auf dem schönen Boden dort zu wälzen! Der Greuel der Verwüstung herrscht an jenem Ort. Hier hat auch das so seltene Nashorn noch Heimatrecht. Auf der portugiesischen Okawango-seite steht das schwarze und tief im Eaprivi-zipfel das schon ausgestorben geglaubte weiße Nashorn, allerdings nur in einigen wenigen Exemplaren. Oft habe ich seine Spur gekreuzt, aber niemals es zu Gesicht bekommen. Wehe jedem, der ihm zu nahe kommt und nicht sicher ist im Zielen oder nicht flink genug, um seinem Ansturm auszuweichen. Das starke Horn auf seiner Nase würde ihn alsbald zu Boden werfen und die gewaltigen Fähe würden ihn zertrampeln und zugleich im Sand verscharren. Die Giraffe lebt hier, das Wundertier von seltener Art. Man kann sie kaum im Busche unterscheiden, wenn sie von oben herunter im Baum weidet. Ihre Schutzfarbe macht sie schwer bemerkbar. Ihr Fleisch ist sehr geschätzt, doch gehört sie zum „königlichen Wild", das nur mit allerhöchster Erlaubnis geschossen werden darf: ähnlich wie Elefant und Büffel. Aber die Portugiesen find der Mission gegenüber großzügiger als die Buren. Der Gouverneur von Angola gab uns Erlaubnis, auf Angolaseite alles frei zu schießen, was wir brauchen, nur Elefanten sollen geschont werden. So konnten wir von der andern Seite schon manchen Büffel und einige Giraffen nach Haus tragen, oder vielmehr fahren. An der letzten Giraffe zu Weihnachten konnten sich 300 Negermägen gütlich tun. ... Wer vom Okawango spricht, darf das Raubwild nicht vergesien. König in dieser Steppe ist der Löwe. Leider vermehren sich die Bestien immer mehr. Mchr als dreißig haben wir im Lauf der Jähre umgelegt. Im vorigen Jahre ließ ich eine schwere Falle aus Deutschland kommen, auch da haben schon sechs tapfer hineingetreten. Und doch werden wir ihrer nicht mchr Herr. Gott sei Dank, trotzdem wir so oft auf Missionsreisen gehen und bisweilen unter freiem Himmel zu Mernachten gezwungen sind, ist noch keinem von uns ein Leid geschehen. Zur Vorsicht steht aber das geladene Gewehr immer neben dem nächtlichen Lager. Vor vier Wochen erst wurde in der Nähe einer unserer Außenschulen ein Mann mit Haut und Haar aufgefressen. Er hatte mit seinem Speer Weib und Kind zu ver- Laienhilfe in der Mission. Fräulein Dr. Maria Kunz, aus dem Missionsärztlichen Institut Würzburg hervorgegangen, arbeitet seit zwei Jahren in der Pallottinermission Queenstown in Südafrika. Sie ist die erste Schweizer Misstonsärztin. (Fides-Photo.) tetbigen gesucht, der Löwe ließ das Kind fallen und schnappte sich dafür den Mann. Auch das Kind staub an den erhaltenen Verletzungen. Auf meiner letzten Missivnsreise fand ich eine junge Frau mit schrecklichen Wunden an Arm und Bein, die vom Überfall eines Löwen herrührten. Ich pflegte sie vier Tage lang und schickte sie dann mit meinem Boot zur Mission, wo sie trotz der sorgsamen Pflege der Schwestern noch arge Schmerzen leidet. Auch unser Vieh-kraal wurde in letzter Zeit öfters von Bestien heimgesucht. Doch mußten sie jedesmal unverrichteter Dinge abziehen, da wir, durch Erfahrung belehrt, den Kraal mit zweieinhalb Meter hohen Pfählen eingezäunt hatten. Doch den Leoparden vermag auch der höchste Pfahlzaun nicht abzuhalten. Wir haben daher über den Pfählen noch drei Reihen Stacheldraht gespannt. -Schakale und Katzen liefern schöne Pelze, die, zu Decken genäht, gern begehrte Ar- tikel besserer Leute sind. Für eine Graukatzendecke bekam ich in Windhoek 100 Schilling. lSüdwöstafrika hat 80 Sorten Schlangen. Die grüßte ist die am Okwwango häufige Riesenschlange, die eine Länge von 5 bis 6 Metern erreicht. Am gefährlichsten sind aber die Mamba und Puffotter, deren Biß genügt, um in zehn Minuten schon den Tod herbeizuführen. Wenn wir auf Reisen gehen, haben wir stets übermangansaures Kali bei uns für eventuellen Schlangenbiß. Doch hat uns auch da unser Herrgott bis jetzt bewahrt. „Seinen Engeln hat er deinetwegen geboten. -Schreiten kannst du auf Löwen und Ottern." Ja, hier kann man den Psalm 103 verstehen: „Wieviel sind Deiner Wecke, o Herr; Du hast alles in Weisheit geschaffen, die Erde ist Deines Reichtums voll." Wie klein kommt sich der Mensch vor inmitten solcher Fülle, selbst nur ein winziges Teilchen der Schöpfung..." (Fides.) Mota Saheb.* Von Erlebnis zu Erlebnis im Wunderland Indien. Von Johann Baptist Müller, 8. J. (Fortsetzung.) Da nun die Moskitos mit Vorliebe frisches Blut zur Nahrung und eine weiche Haut zum Stechen suchen, so stellen sie ganz besonders dem Menschen nach, der daher auch fast stets -von ihnen umgeben ist, besonders wenn er ruhig sitzt oder liegt. Bevor eine blutdürstige Moskito sich auf ihrem Opfer niederläßt, umschwirrt sie ihn 'erst mit aufreizendem Gesumme, wählt sich ein weiches Plätzchen, Nase, Ohr oder Stirne, kommt näher, versichert sich, daß keine Gefahr in der Nähe ist, setzt sich dann leise und unbemerkt aus die Haut und senkt und bohrt ihren Säugrüssel wie eine Schusterahle in dieselbe hinein. Sobald man den -Stich fühlt, ist der richtige Moment, sie totzuschlagen. Leider gelingt das in den meisten Fällen nicht, weil man nicht schnell genug war. Sitzt man ruhig am Tisch, -so machen sie sich besonders gerne über die Fußbeugen unter dem Tische her, wo es dunkel ist, und -stechen durch die Socken, so daß man dort ständig ein prik-kelndes Jucken hat. Da kann man sich rein gar nicht helfen und erwehren. In einer ganz besonders verzweifelten Lage ist man am Altare beim heiligen Meßopfer, wo man sich am wenigsten wehren kann. Ungestört stechen die Plagegeister drauflos, und man muß all das lästige Brennen und Jucken an -den gestochenen Stellen verbeißen. Wie schwer fällt es daher oft, sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen! Nicht zufrieden mit der Verfolgung am Tage, rauben einem die Moskitos auch noch * Der Abdruck erfolgt mit Zustimmung des Verlages Herder & Eo. in Freiburg (Breisgau), Baden. die notwendige Nachtruhe. Im -Schlafzimmer haben sie ja viele gute Plätzchen, sich ungestört aufzuhalten und zu verstecken, wie im Innern der Schuhe, in den -Falten der aufgehängten Kleidungsstücke, unter dem Bette und dem Waschtische usw. Will man -sich zu Bett begeben, so kommen sie aus ihren -Schlupfwinkeln hervor und -warten auf ihre Gelegenheit. Wohl hat man ja vielfach zum -Schutze gegen die Moskitoplage feine Netze um das Bett herumaespannt, aber -viel nützen diese auch nicht. Beim Zurechtmachen des Bettes nämlich gelingt es doch noch manch einer Moskito, hineinzuschlüpsen, und dann hat man trotz -allem die Musik -da drinnen -wer weiß wie lang. Kaum hat man -sich unter den Schutz des Netzes hingelegt, so hört man auch schon bald -wie aus der Ferne den feinen, langgezogenen, summenden Sirenengesang einer nichtsnutzigen Moskito. Das dünne, durchdringende Gesumme kommt näher und näher. „Ha!" denkt man mit -Genugtuung, „komm nur her, du Vermaledeite, du bist auf dem rechten Weg, komm nur her, ich will dir zeigen, was du verdienst!" Wirklich, ihr schriller Pfiff ist jetzt am Ohr. Dort will sie sich niederlassen. Ha, jetzt kein Entrinnen mehr! Jetzt will ich dir dein Handwerk legen! Mach deine Rechnung mit dem Himmel, alte Hexe! Und, paff, saust mit schnellem -Schlag die rechte Hand aufs Ohr. Ist sie getroffen? Eine Leiche? — Nein, noch lange nicht. Es war Täuschung. Denn gleich hört man wieder munteres Gesumme, als ob die Perfide einen noch hämisch auslachen wollte. Und wie oft hat man sich so -selber nutzlos eine derbe Ohrfeige gegeben! Nicht genug damit, daß diese äußere Stö- rung den Schlaf fernhält, jetzt wird sie auch Ursache, daß der Geist zu grübeln und rumoren anfängt und so den Sch'Iaf noch länger hinhält. Man beginnt nämlich darüber nachzudenken, wozu denn eigentlich diese und ähnliche lästige Geschöpfe da sind? Eine alte Erklärung meint, sie seien da, um uns in der Demut zu üben. — Gut, aber die bolle Überzeugung von meiner Armseligkeit und Ohnmacht gegenüber diesen winzigen Kreaturen, und erst recht vor dem unendlichen Gott, habe ich schon nach einem einzigen Tage, einer einzigen Nacht solch'er Quälereien. Warum denn fortwährend, Tag für Tag, Nacht für Nacht? Schweres Problem! Aber La fällt mir ein, welche Gründe der hl. Augustinus dafür angibt. Der große Kirchenlehrer sagt, diese lästigen und schädlichen Kreaturen hätten einen vierfachen Zweck: sie sollten nämlich entweder zur Strafe schmerzen, oder zum Heile belästigen, oder zum Nutzen prüfen, oder unbewußt belehren. Das ist allerdings Stoff genug zum Nachdenken, aber auch genug, um lange zu liegen, bis endlich der Schlaf dem Grübeln ein Ende macht. Aber selbst wenn keine Moskitos drinnen im Netze sind, gewährt dieses einem doch- nicht vollen Schutz. Fallen einem namili} im Schlafe die Hände zur Seite, so zerstechen einen die Moskitos von außen durch das Netz. Ich habe mir auch schon vor dem Schlafengehen Hände, Gesicht und Kopf mit Petroleum eingerieben, aber da war der Geruch zu lästig. Toilettenessig oder Kölnisch-Wasser wären ebenfalls gut gewesen, aber wie kaun ein armer Missionär sich solchen Luxus leisten? — Auf diese Erfahrungen hin gebrauchte ich bald das Netz gar nicht mehr und verzichtete schließlich aufs Bett überhaupt. So habe ich denn fortan viele Jahre nachts im Rohr-Liege-stuhl geschlafen, so gut es ging, und ließ die Moskitos stechen, soviel sie wollten. Öbschon ich nun jeden Morgen sehen konnte, baß ich an den Armen und Händen und im Gesichte gehörig zerstochen war, so habe ich doch niemals fühlbare Folgen verspürt und auch niemals den leisesten Anflug von Malaria gehabt. Wahrscheinlich war ich durch die anhaltenden Injektionen der Moskitos bis zu einem gewissen Grade immunisiert, während gar manche meiner Mitbrüder von der Malaria heimgesucht wurden. Es gibt indes verschiedene Arten von Moskitos, von denen die einen bösartiger sind als die andern. Jedenfalls solange man in der Nähe von Brutstätten der Moskitos, wie tiefliegende Flußgelände unfo stillstehende, faulige Tümpel und Wasserbehälter, wohnen muß, kann man sich ihrem lästigen und gefährlichen Treiben nicht entziehen. In ihrem wenig ehrenvollen Berufe, die armen Menschen zu quälen und zu belästigen, Die erste Ordensfrau als Ärztin ausgebildet. Schwester Alma (Fräulein Dr. Helene La-linfkyj hat als erste Ordensfrau alle theoretischen und praktischen medizinischen Studien durchgemacht und sich den Doktortitel in diesem Fach erworben. Sie gehört der „Gesellschaft Kathol. Misstonsärztinnen" non Brookland bei Washington an, die non Fräulein Dr. Anna Dengel gegründet wurde. Schwester Dr. La-linsky ist für indische Missionen bestimmt. (Fides-Photo.) werden die Moskitos eifrigst unterstützt von den massenhaft vertretenen Stubenfliegen. Sind diese schon in unserem gemäßigten Klima zur 'Sommerzeit eine wahre Hausplage, so kann man sich hier kaum vorstellen, in welchem Ausmaße sie in der heißen Zone den Hausbewohnern durch ihre Menge und Zudringlichkeit das Dasein verleiden. Zwar stechen sie nicht wie die Moskitos, aber wenn sie einem, solange man sich int Hause aufhält, fast fortwährend um die Äugen herumfliegen und im Gesicht und auf der ehrwürdigen Glatze herumspazieren und sich durch keine 'Abwehr einschüchtern lassen, so ist das nichts weniger als angenehm. Und weil sie auch in der Küche in alles ihre lüsternen Naschen hineinstecken, so braucht man sich nicht zu wundern, wenn sie vielfach als Zugabe in der Suppe aufgetischt werden und als kleine Rosinchen im Reis erscheinen. Und geht man im Basar die offenen Läden entlang, so sieht man ganze schwarze Schwärme von ihnen auf dem Backwerk, den Leckereien und Früchten herumhocken, wahrscheinlich, um sie dadurch appetitlicher zu machen. Wie begrüßt man da die dunkle Nacht, wo man wenigstens von diesem Geschmeiß in Ruhe gelassen wird. Wenn es nun im „B’enedicite" (Dan. 3, 81) heißt: „Preiset, alles Wild und Rieh, den Herrn", so mögen diese Menschenquäler, Moskitos und Fliegen — von Wanzen und Flöhen gar nicht zu reden —, selber sehen, wie sie mit ihren Missetaten den Herrn loben! 20. Bekanntschaft mit Schlangen. Bevor man in die Tropen, zum Beispiel nach Indien, zieht, macht man sich vielfach Sorgen und hat so seine beklemmenden Gedanken wegen der ibielen Schlangen, die es dort gibt. Ist man aber einmal drüben angekommen, so erkennt man bald zu seiner großen Beruhigung, daß all diese bangen Sorgen unbegründet oder wenigstens sehr übertrieben waren. In den volkreichen, geräuschvollen Städten wird man keine Schlange zu Gesicht bekommen. Da wagt sich eben keine Schlange hinein. Das Revier der Schlangen ist nur draußen in der freien Natur, in der Wildnis, in den Dschungeln, in den Feldern und Plantagen, überhaupt an Orten mit viel Vegetation, weil sie dort an dem zahlreichen kleinen Getier reichliche Nahrung finden. Man wird also nur dann Gelegenheit haben, hie und da mit Schlangen in Berührung zu kommen, wenn man draußen einsam auf dem Lande oder mitten in Wald und Busch oder nahe bei Plantagen wohnt. Aber auch da kommt es verhältnismäßig selten vor, daß eine Schlange den Menschen in ihrer Wohnung einen Besuch abstattet. Sobald man einer -Schlange ansichtig wird, so reize man sie nicht durch Bewegungen, sondern bleibe ruhig und bewegungslos stehen und gebe ihr Zeit zum Entkommen. Nach vielen Versuchen mit Schlangen bin ich zur Überzeugung gelangt, daß es kaum ein furchtsameres Tier gibt als die Schlange. Jede Bewegung in ihrer Nähe macht sie nervös und reizt sie, und das einzige, -was sie sucht, ist, mit heiler Haut zu entkommen. Gelingt ihr das nicht, so setzt -sie sich zur Gegenwehr. Es gibt in Indien zweifelsohne sehr viele Schlangen, -aber die meisten Arten sind harmlos. Von den giftigen und daher gefährlichen Arten kommen hauptsächlich nur zwei in Betracht, die in ganz Indien reichlich vertreten sind, nämlich die Brillenschlange oder Kobra (Nasa tripudians) und die P h u r s a (Echis carinata). Die Kobra wird VA bis 2 Meter lang und unterscheidet sich in zwei Arten: die braune und die schwarze Kobra. Letztere, von den Eingeborenen „Kala Nag" (schwarze Kobra) .genannt, ist wegen ihrer Giftigkeit ganz besonders gefürchtet. Die Phursa hingegen ist eine kleine, etwa zwei Fuß lange Viper. Diesen beiden Arten sind fast alle Todesfälle durch Schlangenbiß zuzuschreiben. Ihnen fallen jedes Jahr 21.000 bis 25.000 Menschen zum Opfer. Das macht aber kaum einen Mann auf 10.000 der Gesamt-be-völkerung aus. Man kann auch ruhig sagen, daß die allermeisten der Gebissenen durch ihre eigene Unvorsichtigkeit zu Schaden gekommen find. Gingen die Hindus darauf aus, diese giftigen -Schlangen, wo immer sie dieselben treffen, zu töten, so würden sie b-ald aufhören, eine Plage des ganzen Landes zu sein. Da ihre Religion es rhnen aber verbietet, irgendein Tier zu töten, und da in ihren Augen die Kobra ein besonders heiliges Tier ist, so vertilgen sie dieses furchtbare Reptil nicht nur nicht, sondern erweisen ihm sogar göttliche Verehrung. Gefällt es einer Kobra, sich einmal in eine Hinduhütte zu begeben, so bleiben die Bewohner derselben so lange draußen, bis es ihr beliebt, wieder herauszukommen. Dann fallen sie vor ihr nieder, danken ihr für die Hohe Ehre dieses Besuches und bitten sie, von einem ferneren Besuche absehen zu wollen, weil sie sich vor ihr fürchteten. So können sich die «schlangen schrankenlos vermehren und bleiben eine ständige Gefahr für die Einwohner. Da meine Station rings von Baumwolle-, Zuckerrohr-, Bananen- und Maisplantagen umgeben war und um mein Haus herum ein großer Garten mit Bäumen und Sträuchern aller Art sich ausdehnte, so hatte ich Gelegenheit genug, mit Kobras und andern Schlangen Bekanntschaft zu machen. Darüber will ich einiges berichten. Neben meinem Blumen- und Gemüsegarten im Hof stand ein Aborthäuschen für die unteren Schulklassen. Als mir die Schüler berichteten, sie hätten -schon -öfters eine Kobra herauskommen sehen, schaute ich einmal selber nach. Gegen Me hintere Seitenwand des Häuschens standen einige Wellblechstücke. Da gewahrte ich tatsächlich unter denselben das gefährliche Tier. Sie hatte gerade eine Taube umringelt und zerdrückt und war daran, ihr Opfer zu begeifern und zu verschlingen. Ich entfernte mich leise, holte meine kleine Win-chesterflinte und machte der Kobra den Garaus. Am Rande meiner Zisterne war ein Keiner, in den Boden gemauerter Wasserbehälter, aus dem der Mali das Wasser zum Begießen der Blumen und Zierpflanzen zu schöpfen hatte. Nun kam er einmal voll Auf-regurm gelaufen und sagte: ,,-Saheb, ich kann kein Wasser schöpfen." „-So? Das ist doch merkwürdig. Warum denn nicht?" „Ach, 'Saheb, da ist ja eine Nag (Kobra) im Behälter und badet." „Na, das soll ihr teuer zu stehen kommen. Bleibe nur to eg. Ich komme." Schnell ging ich mit der kleinen Flinte in den Hof und näherte mich borsichtig dem Behälter. Wirklich, La wand und rollte sich mit sichtlichem Wohlbehagen eine hellbraune Kobra im Wasser herum. Sobald sie ihren Kopf über Wasser zeigte, sandte ich ihr eine Ladung Schrot hinein, und sofort streckte sie sich. Sie war tot. Ich zog sie heraus und hatte eine ausgewachsene, fast zwei Meter lange Kobra bor mir. Hinter dem Chor der Kirche und meinem Hause lagen unter den schattigen Bäumen noch drei Haufen Von Steinabfällen von der Zeit des Neubaues der Kirche her. Sie waren von wildem Unkraut überwuchert. In einem dieser Haufen, so tagten mir die Leute der Nachbarschaft, müsse sich eine größere Schlange aufhalten, die sie schon öfters wahrgenommen hätten. Das war sehr interessant, und ich war gespannt, zu sehen, was das wohl für eine Schlange sein sollte. Ich ließ deshalb an einem schulfreien Tage einen Schlangen-beschwörer, der im Basar wohnte, herüberkommen. Dieser erschien sofort mit seiner Zauberflöte. Wir begaben uns gleich zu dem Steinhaufen, welcher zunächst an der Straße lag. „Hier, in diesem Haufen", sagte ich dem Beschwörer, „soll sich, wie man behauptet, eine größere Schlange befinden. Wenn dem so ist, kannst du dann mit deiner Zaubermusik die Schlange Herborlocken?" „Ganz geiviß, Saheb! Sofern eine Schlange in diesem Haufen ist, werde ich sie bald heraus haben, denn dem Ton dieser Flöte kann keine Schlange widerstehen, selbst wenn sie Tagereise tief in der Erde wohnte." „Das ist ja wunderbar", entgegnete ich, „so was habe ich noch nie erlebt. Fange also gleich mit deiner Musik an. Gelingt es dir, die Schlange herauszulocken, sollst du einen guten Backschisch haben; kommt sie afer nicht heraus, so erhältst du auch- nichts." „Einverstanden, Saheb!" sagte der Zauberer mit sieghafter Miene, und hockte sich bor den Haufen auf den Boden. Er sehte seine hölzerne Flöte an und blies mit vollen Backen hinein, während seine Finger auf den zwei, drei Jlötenlöchern emsig auf und nieder gingen. Es war ein eintöniger, näselnder Klari-nettenton, um den zwei andere Töne einen halben Ton höher und tiefer zitterten. Meine Diener, Sakristan, Koch und Mali, kamen auch voll Neugierde herbei, und auf der Straße blieben die Leute am Drahtzaun stehen, um den Ausgang der Zauberei abzuwarten. Unermüdlich blies der Zauberer seine Flöte und bewegte sie flötend über dem Haufen hin und her. Schon hatte er eine Viertelstunde mit Macht und Kunst geblasen, daß ihm die Augen beinahe vor dem Kopf standen, aber keine Schlange ließ fidj sehen. „Schon gut", sagte ich dem Zauberer, „setze dich einmal auf die andere Seite des Haufens, dort hört die Schlange es vielleicht besser!" Der Zauberer kam kopfschüttelnd dieser Weisung nach. Aber auch hier hatte seine Zauberkunst keinen besseren Erfolg. Nach einer Viertelstunde vergeblicher Bemühung tagte ich ihm, er könne gehen, denn es habe keinen Sinn, noch länger unnütz die Zeit zu verlieren. Da reckte sich der Zauberer auf, warf sich in die Brust und beteuerte mit prophetischer Sicherheit: „Saheb, so wahr als Schaitan (Satan) ein Bösewicht ist, befindet sich in diesem Haufen -keine Schlange, sonst hätte sie sich schon längst gezeigt. Da nützt selbst die stärkste Zauberei nichts!" Dann machte er einen tiefen Salaam und zog unter dem Hohngelächter der Zuschauer von dannen. Als alle fort waren, sagte ich meinem Mali: „Jetzt wollen wir einmal den Haufen gründ- Sie ist stolz auf ihren Mann! Ein Eingeborener des Apostol. Vikariates Buta (Belgisch-Kongo) hat auf der Jagd ein wertvolles Tier erlegt. Seine Frau ist gerade damit beschäftigt, ihn für die Heldentat zu entlohnen. Sie bringt auf dem Gesicht, der Brust und den Armen des kühnen Jägers eigens hiefür bestimmte Malereien an. (Fides-Photo.) lief) untersuchen. Hole den langen Karst und bringe die Greifzange und die breite Flasche voll Spiritus, die ich bereitgestellt habe." Als Liese Sachen zur Stelle waren, ließ id) den Mali mit dem Karst die Steinschalen auseinanderziehen. Kaum hatte er damit begonnen, so sah ich auch schon Len Leib einer daumendicken, dunkelgrünen «Schlange, die sich tiefer in den Haufen hinein verbergen wollte. Schnell Packte ich sie mit der Greifzange und zog sie heraus. Es war eine -ganz harmlose, etwa einen Meter lange Tropidonotus (eine Art Ringelnatter), ein sck)önes, unverletztes Exemplar. Wie ich sie in den Spiritus hinein versenken wollte, ging das nicht so ganz ohne Mühe, denn sie sträubte sich gewaltig dagegen. Schließlid) hatte ich sie doch sicher unter dem breiten Korke, aber ich fühlte, wie mächtig sie mit dem Kopse dagegen drückte. Nach einigen Minuten jedoch regte sie sich nicht mehr. Weil ich gehört hatte, daß Schlangen immer in Pärchen zusammen leben, ließ ich vom Mali noch mehr Steinschalen wegräumen. Wirklich zeigte sich auch bald etwas seitwärts von der ersten Fundstelle der andere Teil des Schlangenpaares. Diese «Schlange barg ich in einer andern Flasche mit 'Spiritus. So war das schöne Pärchen gut versorgt und aufgehoben. I Es, sollte aber nicht lange dauern, da bekam ich die von den Leuten gesehene größere Schlange zu Gesicht. Nach dem ermüdenden Hochamt am Palmsonntag ging ich in der Veranda hinter meinem Hause auf und ab, um mich etwas von der ausgestandenen Hitze in der Kirche zu erholen. Als ich gerade einmal in den Garten hinunterschaute, sah ich, wie aus dem Steinhaufen dicht hinter dem Kirchenchor eine dunkle Schlange emporschoß und ebenso blitzschnell wieder im Haufen verschwand. „Hallo", dachte ich, „das ist ja sicher eine Kala Nag, d. h. eine schwarze Brillenschlange! Die muß erlegt werden!" Sofort nahm ich meine kleine Flinte und rannte hinunter. Dem Mali rief ich zu: „Bringe schnell den Karst mit dem langen Stiel und komme hinter das Haus!" Wie er zur Stelle war, sagte ich ihm: „Stell dich dahin, vier Schritt vor diesen Steinhaufen, und ziehe langsam die Steinschalen auseinander. Hier in diesem Haufen ist eine Kala Nag, — ich habe sie gesehen, — die will ich jetzt totschießen!" — Der arme Mali fiel beinahe in Ohnmacht, als er das Wort Kala Nag hörte. Er zitterte wie Espenlaub. ,Saheb", rief er aus, „das ist ja ein furchtbar böses Tier. Diese Samp (Schlange) kann man nicht töten, sie lebt immer, wieder auf!" „So? Meinst du? Warte nur, du wirst gleich sehen, wie bald die tot, mausetot ist!" — Ich postierte mich drei Schritte vor die andere Seite des Haufens, hielt meine Flinte bereit und sagte dem Mali: „So, jetzt fange beherzt an!" Schon nach ein paar Zügen mit dem Karst schoß die Kobra hoch mit aufgeblähtem Halse, schaute wütend um sich und fauchte wie besessen. Der Mali ließ vor Schrecken den Karst fallen mit: wollte davonlaufen. Ich zielte auf ihren Kopf, traf sie aber in den Hals. Sofort duckte sie sich nieder und verschwand unter den Schalen. Dem Mali aber rief ich zu: „Hier bleiben! Hebe den Karst auf und ziehe die Steine wieder auseinander!" „Aber, 'Saheb, habe Erbarmen und laß mich gehen. Die wütende Schlange wird auf mich losschießen und mich beißen. Ich kenne sie. Ich bin ein Mann des Todes. O, Saheb, laß mich gehen!" Ich lachte ihn aus und sagte beschwichtigend: „Sei doch kein Kind ! Die Kobra wird dir gar nichts zuleid tun. Du bist ja zu weit von ihr weg. Wenn sie noch einmal Zeit zum Beißen hat, dann wird sie höchstens nach dem Karst schnappen. Ich werde ihr aber jetzt das Beißen für immer austreiben. So, nun zieh doch endlich!" Zögernd setzte der Mali den Karst wieder in Tätigkeit. Schneller, als ich dachte, fuhr die Kobra wieder fauchend empor, -aber nicht mehr so hoch wie das erste Mal. Schärfer als zuvor zielend, traf ich sie diesmal mit der vollen Ladung in den Kopf, und sofort sank sie tot zusammen und rührte sich nicht mehr. Der Mali atmete erleichtert aus und war froh, daß er noch am Leben war. „Siehst du wohl", sagte ich ihm, „kann die noch mehr tot sein, als sie ist? — Jetzt wollen wir auch dafür sorgen, daß sie nicht mehr aufersteht. — Bringe aus dem Schuppen etwas Reisig und Kleinholz her und zünde es an!" Sobald alles Brennmaterial da war, packte ich die schwarze Kobra hinter dem Kopfe und zog sie aus dem Steinschutt heraus und war beinahe selbst erschrocken, als ich ihre volle Körperlänge sah. Sie maß gut zwei Meter, war also ausgewachsen und wirklich sehr gefährlich. Dann öffnete ich ihr mit einem Hölzchen das Maul und besah mir die Giftzähne. Die waren schauerlich genug, und ich hätte sie wahrhaftig nicht gerne irgendwo im Fleische sitzen haben mögen! Ms ich sie dem Mali zeigte, sagte dieser: „Welch ein Glück, Saheb, daß noch keiner von uns und den Leuten, die hier ganz in der Nähe wohnen, von ihr gebissen worden ist!" „Da hast du recht, Mali, wir sind vor großem Unglück bewahrt geblieben. Damit sie auch in Zukunft keinen beißt, wollen wir sie jetzt verbrennen!" — Und damit warf ich sie auf das Brennholz. Bald züngelte das Feuer hoch empor und verwandelte das giftige Ungeheuer in Asche. „So, Mali, glaubst du auch jetzt noch daß die Kala Nag zum Leben kommen wird?" „Nein, Saheb, die ist zu tot!" Nun hätte ich eigentlich auch nach dem andern Teil des Kobrapaares im Steinhaufen Eine Schlangenkolonie. Fm Schlangenpark des Pasteurinstitutes in Bangkok (Siam) sind solche Schlangenhäuser häufig zu sehen. Man studiert dort die Gegenmittel, am der Vergiftung durch Schlangenbiß entgegenzutreten. Immer noch hofft «man, das Gift der Kobra zur Heilung verschiedener Krankheiten, besonders des Krebses, verwenden zu können. In Indien werden täglich im Durchschnitt hundert Personen von Giftschlangen gebissen. (Fides-Photo.) stöbern sollen. Wer es war mir zu heiß, und nachher fiel es mir gar nicht mehr ein. Daß dieser andere Teil wirklich noch da war, sollte sich bald zeigen. Nach ungefähr drei Wochen rief jemand eines Abends spät — es war schon nach zehn Uhr — von unten herauf: „Saheb, Saheb, komm schnell!" „Nun, was ist denn los?" „Hier ist soeben ein Nachbarsdiener von einer Schlange in den Fuß gebissen worden. Komm schnell, er stirbt." „Wo ist er denn der Schlange begegnet?" „Hier neben deinem Zaun." „Was war es denn für eine Schlange? Wie sah sie aus?" „Es war eine große schwarze Schlange, Saheb." „Ja, ich komme sofort." Nun wußte ich Bescheid. Es handelte sich um den überlebenden Teil des Kobrapaares, der auf der Suche nach dem verschwundenen Teil war, den ich kürzlich getötet hatte. Ich nahm also ein Fläschchen mit homöopathischem Kobragift mit mir und eilte schleunigst hinunter. Vor der Dienerhütte im Hofe meines Nachbarn war eine große Menge Volkes versammelt. Sie umstanden ein niedriges Bettgestell, auf dem der Gebissene ausgestreckt lag. Man machte mir Platz, und ich trat zürn Unglücklichen heran. Er war schon ganz bewußtlos. Ich kniff ihn fest in Arme und Beine, aber er fühlte es nicht. Seine Augen waren geschlossen. Hände und Füße waren kalt. Ich untersuchte den gebissenen Fuß und sah, daß die beiden Bißpunkte dem Abstand der Kobrafänge entsprachen. Dann ließ ich ein Waschbecken mit Wasser bringen, löste hhper-mangansaures Kali darin auf und stellte den Fuß hinein. Dann verlangte ich ein Glas reinen Wassers und einen Eßlöffel, tropfte fünf Tropfen Kobragift in einen Eßlöffel Wasser und gab ihn dem Patienten ein, der glücklicherweise noch schlucken konnte. Dies tat ich eine Stunde lang alle fünf Minuten. Um ein Viertel nach elf fing der gebissene Mann an, sich die Beine entlang zu kratzen, ein Zeichen, daß das Blut wieder zirkulierte. Dazir schnitt er allerlei Gesichter, und Ströme von Tränen flössen über seine Wangen. Bald öffnete er die Augen, schaute verstört umher, wie aus einem tiefen Traum erwacht, und fragte verwundert: „Wo bin ich?" Wir beruhigten ihn und sagten ihm, er sei daheim, und zeigten ihm auch seine Frau, die er sogleich erkannte. Dieser trug ich auf, ihrem Manne jede Stunde bis zum Morgen eine Tasse heißer Milch zu verabreichen und hie und da dazwischen einen Eßlöffel voll von der Medizin, die ich bereitmachte und zurückließ. Am folgenden Morgen kam der mit knapper Not dem Tode entrissene Mann in mein Arbeitszimmer hineingestürmt, warf sich der Länge rtstdj vor mir auf den Boden und- sagte: „Saheb, du bist mein '@ott! Du haft mich vom Tode errettet, ohne dich wäre ich gestorben und jetzt eine Leiche!" „Ja, ja", erwiderte ich, „rede jetzt keinen Unsinn, sondern danke dem einen großen, guten Gott im Himmel, der die Medizin geschaffen und dich geheilt hat. Dem allein danke, und werde zum Danke ein Christ!" „Ja, Saheb", sagte er, „das will ich mir auch überlegen!" Und dabei ist es geblieben. über Tag wird man kaum jemals draußen einer Giftschlange begegnen und so in Gefahr kornmen, denn alle Landgiftschlangen find Nachttiere, die nachts auf Raub ausgehen. Deshalb soll man nachts niemals ohne Laterne ausgehen und dabei gut zusehen, too man hintritt. Harmlosen, also nicht-giftigen Schlangen bin ich bei Tag oft draußen begegnet. Diese sind meist bedeutend größer utt'b' von schönerer Farbenzeichnung als die giftigen. — AIs ich einmal eines Morgens zwischen acht und neun Uhr aus einem Busche heimkehrte und am Ende eines Gehölzes einer niedrigen Böschung entlang ging, sah ich etwa zwei Schritt über der Böschung eine schöne D-imamSchlange durch das dürre Gras aus den Sträuchern herauskommen. Sie war ungefähr vier Meter lang. 'Sie erhob ein wenig ihren ovalen Kopf und schaute mich ruhig an. Ich blieb stehen und betrachtete sie genau und konnte mich an den schönen, tiefsatten Farben ihrer Haut nicht satt genug sehen. Nachdem ich ihr eine kleine Weile in die matt gelblich-grünlichen Augen geschaut hatte, merkte ich, wie ich schwindelig wurde. Da trat ich einige Schritte langsam rückwärts und ging meine Wege. — Es muß also eine hypnotische Kraft von den Augen der Schlangen ausgehen. Daher auch die Tatsache, daß kleinere Tiere, die in die Nähe einer 'Schlange kommen und sie anschauen, tote gebannt auf der Stelle bleiben und nicht mehr wegkönnen, so daß sie der Schlange zum Opfer fallen. Daß größere Schlangen auch auf Menschen einen ähnlichen hypnotischen Einfluß haben können, ersah ich einige Wochen nach meiner obigen Erfahrung aus einem Zeitungsbericht von einem Forscher am Amazonenstrom, dessen drei eingeborene Begleiter durch den Blick einer zusammengeringelten, Riesenschlange hypnotisiert wurden und tote gelähmt vor ihr stehen blieben bis der hinzukommende Forscher die Schlange erschoß ttttä' die drei wieder aufweckte. Was aber auch ein ganz dünnes Schlängel-chen zu leisten vermag, hatte ich ein anderes Mal zu beobachten die Gelegenheit. In der brütend-heißen Mittagszeit im Monat Mai, wenn rin!gsum unablässig nur der schrille. Eie* täubende Zirpgesang der Zikaden ertönt, glaubte ich einmal, eine besonders laut singende Zikade in meiner nächsten Nähe zu haben. Der scharfe, durchdringende Ton schien mir von einem dicht bei meiner Hinterveranda stehenden Tamarindenbaume zu kommen. Ich besah mir genau den Stamm und die unteren Aste, von einer Zikade war jedoch nichts zu sehen. Wohl sah ich da etwas anderes, was meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Und das war ein knallrotes Chamäleon, das auf dem untersten Aste nahe beim Stamme saß und am ganzen Leibe zitterte. Es war unge-fähr zwei Fuß, lang. Die Chamäleons haben die Fähigkeit, ihre Farbe zu verändern. Sie werden ganz rot, wenn sie in großer Angst oder Wut sind. Daher fragte ich mich: „Was ist denn mit dem armen Schelm los, daß er sich in den feuerroten Anzug geworfen hat und so zittert? Es ist doch gar nichts, weder Mensch, noch Katze oder Hund hier herum, das ihn so aufregen könnte!" Ich war natürlich auf eine Erklärung gespannt und paßte auf. Ich brauchte nicht lange zu warten, da kam hinter dem Stamme das ganz dünne, spitze Köpfchen eines grasgrünen, dünnen Schlän-gelchens zum Vorschein, das sich ganz langsam dem Chamäleon näherte. Der Blick dieser kleinen Schlange war also die Ursache, daß das Chamäleon rot wurde und zitterte und vom Schrecken so gelähmt wurde, daß es nicht mehr von der Stelle konnte. Armes Tier, nun bist du verloren! Wie das Schlängelchen mit seiner Schnauze dicht vor dem Chamäleon war, blähte es seinen Hals auf, tote man ein dünnes Gummi' bläschen aufbläst, und biß in den Kopf seines Opfers hinein. Aber, um des Himmels willen, dachte ich, tote will das dünne Ding diese schwere Eidechse mit dem besonders dicken und gedrungenen Vorderkörper in sich hineinkriegen? Es schien mir unglaublich. Und doch! Bei der fabelhaften Dehnbarkeit des Mundwerkes und des Halses gelang es dem Schlängelchen das vielmal dickere Chamäleon zu verschlingen. Mit seinen nach innen gekehrten Zähnchen zog es unter vielem Hin-und-her-winden-und-ürehen-und-würgen Linie um Linie den, ganzen schweren Leib des Chamäleons in sich hinein. Der Kopf verschwand, der Rumpf verschwand, und endlich, nach langent Würgen, war auch der laüge Schwanz verschwunden. Dann leckte es sich ein paar Mal in sichtbarer Zufriedenheit mit seinem Züngelchen die spitze Schnauze und ließ sich hinunterfallen. Die Umrisse des verschlungenen Chamäleons waren in dem dünnen Schlängelchen deutlich sichtbar. — Das war wahrhaftig eine volle Mahlzeit! Nun brauchte es keine andere mehr. Ich hob das satte Tierlein auf und ließ ihm in einem Glaskasten einige Wochen lang Zeit zur gesegneten Äerdauung. Dann wurde es in Spiritus getan und unserer Schlangensammlung im Museum des Kollegs in Bombay beigesellt. Nicht weniger interessant als das unglaubliche Sch'lingvermögen der Schlangen ist auch ihr großes Atmungsvermögen. Dies konnte ich früher einmal zu Khandalla im westlichen Hochgebirge feststellen. Es war gerade in den ersten Tagen nach der Regenzeit, anfangs Oktober, wenn die ganze grandiose Gebirgs-welt in frischer. Frühlingsherrlichkett dasteht und ringsum die Wasserfälle von den Felsen rauschen. Wir Professoren von Bombay brachten die erste Oktoberwoche zur Erholung da droben auf unserem Landhause zu. — Als ich , eines Abends beim Schein der Lampe an meinem Tische saß und zufällig zur offenen Türe hinausschaute, sah ich etwas Glänzendes unten an meiner Türe vorbeiziehen. Rasch erfaßte ich meine Lampe und lief hin, um zu sehen, was das war. Es war eine lange 'Schlange, die am Hause entlang lief und am Ende der Vorderwand um die Ecke unter einen Haufen von Dachziegeln, der gegen die Giebelwand aufgebaut war, hineinbog. Ich rief meinen Zimmernachbarn und sagte ihm: „Bringen Sie schnell Ihre Lampe und stellen Sie sich gütigst auf die andere Seite des Ziegelhaufens. Hier ist gerade eine Schlange hineingekrochen. Die möchte ich haben. Passen Sie auf, daß sie drüben nicht herauskommt!" — Ich stellte meine Lampe auf die Veranda-mauer, holte mir eine Kordel und rief dem Koche in der anstoßenden Küche zu, rasch einen Eimer heißen Wassers zu bringen. Dieser kam sogleich herbei..Sowie ich mich an die Kante von Giebel- und Vorderwand postiert hatte, sagte ich dem Koch: „Jetzt gieße das heiße Wasser oben über die Mitte des Haufens an der Wand!" Nun wurde es der Schlange da unten sehr ungemütlich, und gleich erschien auch schon ihr Kopf unten an der Kante. Schnell fuhr ich mit der rechten Hand dieser entlang, packte die Schlange fest hinter dem Kopfe und suchte sie herauszuziehen. Aber es ging nicht. Die Schlange klemmte sich mit ihren Rippen gegen Wand und Ziegel. Da setzte ich meine linke Hand hinter die rechte, stemmte meinen Fuß gegen die Wand und' zv'g aus Leibeskräften. Die Schlange aber hielt stand, so daß ich beinahe fürchtete, ihr den Kopf abzureißen. Endlich gab sie dem überstarken Zug nach, und' bald hatte ich sie ganz draußen. Es war eine gewöhnliche Felsen-schlange von beinahe vier Meter Länge. Während ich die Schlange hielt, band' mein Konfrater die Kordel um ihren Hals dicht hinter dem Kopfe so fest, daß sie das Maul weit aufsperrte und die Zunge herunterhängen ließ. Dann legte ich sie in erne leere blecherne Petroleumkiste und stellte diese in ein leeres Zimmerchen in der Studentenbaracke. Nach zwei Tagen sagte ich meinem Nachbarn: „Mein lieber Schorsch, wir wollen fetzt einmal sehen, ob die Schlange noch lebt." Der aber lachte mich aus und sagte: „Was? Die noch leben? _ Was fällt Ihnen ein? Die hatte ja absolut keine Luft mehr und war am Abend vor zwei Tagen schon tot und gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Wenn unsereinem der Hals auch nur halb so fest zugezogen würde, dann wäre er erledigt. Sie werden sehen, die ist eher schon in Verwesung als lebendig!" Ich nahm also die Kiste heraus und schüttete die Schlange auf die Steinplatte der Veranda. Vollständig regungslos lag sie da und war ganz naß. Die Augen standen wie zwei weiße Körnchen vor den Sockeln. Die Kordel war ganz verschwunden und sog tief im Fleische. Den Kopf der Schlange emporhebend, versuchte ich, mit einem scharfen Federmesser die Kordel aufzuritzen. Endlich konnte ich dieselbe aus ihrer tiefen Lage her- ausziehen, und da absolut keine Spur von Leben an der Schlange sichtbar war, ließ ich sie als tote Masse auf den Boden fallen. „Sie haben recht", gestand ich meinem Mitbruder, „die Schlange ist maustot. Die konnte unmöglich so lange leben. Ihr Hals war viel zu fest eingeschnürt. Da mußte ja alle Atmung aufhören. Aber das eine Gute hat das Experiment doch' 'gehabt: es ist eine Schlange weniger in der Welt!" Noch kaum hatte ich das letzte Wort gesprochen, da sah ich zu meinem allergrößten Staunen, daß die Schlangen„leiche" neben mir auf dem Boden verschwunden war. über die niedrige Mauer der Veranda schauend, sah ich sie draußen davonlaufen. Mein Mitbruder lief ihr mit einer am nächsten Baume stehenden Stange nach, und es gelang ihm noch, sie totzuschlagen. Nun wußte auch er vor Staunen kaum mehr, was er sagen sollte. „Wer hätte das gedacht", bemerkte er, „daß in dieser regungslosen Masse auch nur ein Fünkchen Löben gewesen wäre? Nach zwei Tagen und drei Nächten mit solcher Einschnürung noch zu leben, — wer hätte das für möglich- gehalten? Und- dann, kaum zwei Minuten nach der Lösung unserer Kordel schon davonkriechen, als ob ihr nichts geschehen wäre, — ja, das ist fabelhaft!" „Allerdings", entgegnete ich, „wenn mir das einer erzählt hätte, würde ich ihn für einen Aufschneider gehalten haben. Aber aus dem eben Erlebten geht klar hervor, wie enorm das Atmungsvermögen der Schlangen ist." Schon öfters hatte ich von Eingeborenen gehört, daß es in Indien ein ganz wunderbares Tier gäbe, nämlich eine Schlange mit zwei Köpfen. Auf die Frage, ob sie selbst mit eigenen Augen jemals eine solche gesehen hätten, erhielt ich immer zur Antwort: „Nein, Saheb, das nicht, — aber es gibt eine solche, und sie ist sehr selten." Es gibt eben nichts so Ungereimtes und- Unmögliches, was der Inder nicht glaubt, ja, je ungereimter und unmöglicher etwas ist, desto fester glaubt er daran. Nun war ich doch begierig, einmal eine zweiköpfig scheinende Schlange — denn nur um eine solche konnte es sich handeln — zu sehen zu bekommen. In der Tat tras ich eines Tages eine solche auf freiem Felde. Sie war von erdbrauner Farbe, ungefähr einundein-viertel Meter lang, so dick wie das Ärmchen eines Kindes, und lag zwischen ein paar Erdschollen. Sie sah aus wie ein dicker brauner Stock, der an beiden Enden schräg abgehauen ist, und es war wahrhaftig schwer zu sagen, welches Ende der Kopf itonr. So konnte ein Indier wirklich auf den Gedanken kommen, diese Schlange habe zwei Köpfe. Es sollte sich jedoch bald zeigen, an welchem Ende der Kops der Schlange war, und auch daß sie nur einen Kopf hatte. Sobald ich nämlich mit meinem dicken Spazierstock dem einen Ende der Schlange nahe lern, verbarg sie es blitzschnell unter ihrem Leibe, und so sehr ich mich auch anstrengte, mit meinem Stocke den Kopf aus seiner Lage unter dem Leibe cherauszudrän-geu, gelang es mir doch nicht. So krampfhaft preßte die Schlange ihren Leib auf den Kopf, um ihn zu schützen. Da fiel mir das Wort des Herrn ein: „Seid klug wie die Schlangen" (Matth. 10, 16), denn hier sah ich mit eigenen Augen, wie die Schlange lieber den ganzen Leib als den Hauptteil des Leibes, den Kopf, der Gefahr aussetzt. — Darauf besah ich mir genau das andere Ende der Schlange. Aber da war absolut kein Merkmal eines Kopfes zu sehen, und selbst gegen direkte Berührung war es indifferent. Somit wußte ich Bescheid, was es mit der zweiköpfigen Schlange für eine Bewandtnis habe. Wenn auch die Schlangen, giftige wie harmlose, manch Ungeziefer wegfressen, so scheint doch dieser Nutzen nich!t so bedeutend im Vergleich mit der Gefahr und dem Unbehagen, das sie für den Menschen bedeuten. Es wäre daher eine wahre Wohltat für das .ganze Land, wenn jede Schlange, wo immer sie sich zeigt, mit Schußwaffe oder ©tccE getötet würde. In diesem Punkte sind die Affen viel radikaler als die Menschen. So hilflos sie im ganzen gegen die Schlangen sind, so machen sie ihnen doch den Garaus, wo sie nur können. Und wie raffiniert tun sie das! Da die Schlangen besonders den jungen, zarten Äffchen nachstellen und sie mit Vorliebe verspeisen, so hegen die älteren Affen einen grimmigen, tödlichen Haß gegen die Schlangen und sinnen Tod und Verderben gegen sie. Wenn daher ein Affe, meinetwegen von einem Baume, beobachtet, wie eine Schlange sich im Schatten eines Baumes oder Strau-ches zusammenringelt, um ein Schläfchen zu machen, dann paßt er genau auf. Langsam klettert er vom Baume herunter, läßt die Schlange nicht mehr aus seinen Augen und wartet, bis sie sich nicht mehr regt. Dann macht er einen kühnen Satz, und mit sicherem Griff packt er die Schlange hinter dem Kopf, — und was der Affe einmal gepackt hat, das läßt er nicht mehr los, — hält sie von fies) und trägt sie triumphierend zu einem Stein oder einer Stelle, wo der Boden hart oder steinig ist. Dort fetzt er sich hin, dreht den Kopf der Schlange nach unten und reibt ihn mächtig auf dem Stein oder dem harten Boden, denn er will den ganzen Kopf abreiben. Alles nämlich, was der Affe mit den Zähnen nicht bewältigen kann, zerreibt oder zerkleinert er bekanntermaßen auf hartem Boden. Von Zeit zu Zeit besieht er sich den Kopf der Schlange. Solange noch etwas von ihm da ist, dreht er ihn wieder nach unten und reibt mutig und unverdrossen weiter, bis rein nichts mehr von ihm da ist, und wirft dann den Leib mit einem Blick der Verachtung weit von sich. Jetzt ist er sicher: diese Schlange frißt kein liebes Äffchen mehr! Dem stärkeren Menschen -aber möchte er zurufen: „Siehe, so macht man das! Gehe hin und tue desgleichen!" — Der aber wird das schön bleiben lassen! 21. Im Bann der „heiligen" Affen. Diese Tiere sind zwar nicht gefährlich, aber wegen ihrer Zudringlichkeit und Frechheit Sönnen sie doch sehr lästig werden und sind eine wahre Plage für die Bevölkerung. In den Augen der Hindus find nämlich die Affen die heiligsten Tiere, eine Art Halbgötter. Sie verehren dieselben deshalb auch als solche, füttern sie, stören sie in ihrem tollen Treiben nicht und lassen sie machen, was sie wollen. Diese abgöttische Affenverehrung ist feit undenklichen Zeiten über ganz Indien verbreitet. Besonders bei den Verehrern des Gottes W-ischnu spielt sie eine große Rolle. Dieser Gott ließ sich nach der Sage in der Welt als Sohn des Königs Dascharatha unter dem Namen Rama gebären und wurde ein großer Held und Abenteurer, dessen Heldentaten in dem berühmten Epos Ramäyana gefeiert werden. Nun ließ sich auch die Gemahlin Wischnus, die Göttin L a k s ch m i, in der Welt als Königstochter Sita wiedergebären. Auf 'seinen Heldenzügen trifft Rama in einer Königsstadt diese Prinzessin Sita, gewinnt ihre Liebe und erhält sie zur Gemahlin. Unglücklicherweise wurde Sita von Rawana, dem König der bösen Geister (Rakschäsas), geraubt und nach dessen Reiche Lanka oder Ceylon entführt und .gerangen gehalten. Rama war darob sehr betrübt und in hellster Verlegenheit. Um jeden Preis wollte er seine Sita wieder haben. Aber wie sollte er sie dem gewaltigen Riesen Rawana entreißen? Er wandte sich an alle Götter um Hilfe. Diese aber waren für ein so gefährliches Unternehmen nicht zu haben. Rama durchstreifte die Wälder Indiens, um Hänuman, den König der Affen, für die Befreiung Sitas zu gewinnen. Nachdem er -ihn gefunden, klagt er ihm fein Leid und bittet ihn, mit seinem Affenheere nach Lanka zu ziehen und Sita den Rakschasas zu entreißen. Zum Lohne für diese Rettungstat werde -er dann mit allen Affen unter die Götter erhoben werden. Hanuman ließ sich das nicht zweimal sagen und ent-gegnete entschlossen: „Machen wir!" Sofort trommelte er überall die Affen zusammen und eröffnete ihnen seinen Plan und den herrlichen Lohn. Daroh grenzenlose Begeisterung im Affenheer. Nun zog er mit ihnen nach Süden gegen Lanka. An der Süd-spitze Indiens angekommen, sieht er aber zu seinem Schrecken, daß eine Meeresstraße Lanka von Indien trennt. Was nun machen? -Schwimmen sönnen ja die Affen nicht. Da muß eine Brücke gebaut werden. Schleunigst holen die Affen einige Berge toorn Himalaya herunter und werfen sie bis nach Ceylon hinüber in die Meerenge. Die Felsenbrücke war somit fertig. Nun fling’s los. Das ganze unübersehbare geschwänzte Affenheer, mit seinem Führer Ha-numan und Rama an der ©bifee, stürmte jetzt wie ein entfesselter Orkan nach Lanka hinüber. In siegreicher Schlacht wurden die Rak-schasas aufs Haupt geschlagen. Sita aber, die arme Dulderin, touröe aus ihrer Haft befreit und an der '©eite ihres glücklichen Gemahls Rama im Triumph nach ihrer Heimat Indien zurückgeführt. Mit Tränen tiefster Rührung im Auge trat Rama zum siegreichen Asfen-könig hin, klopfte ihm auf die Schulter und sagte ihm: „Hanuman, Prachtkerl, das hast du fein gemacht! Dafür bist du auch von nun an mit all den Deinen unter die Götter versetzt!" — Und seitdem werden alle Affen in Indien als Götter verehrt. Hanuman aber ist der Lieblingsgott des ganzen Volkes geworden. Zahllose Tempel wurden ihm erbaut. Sein Bildnis prangt in allen Heiligtümern und an vielen öffentlichen Plätzen. Mit hohem Stolze tragen viele Jun-gens seinen Namen. Die Hindubücher sind voll von den wunderbarsten Affengeschichten, und jedes Hindnherz schlägt höher, wenn es von all den Heldentaten der Äffen hört. Daher sind die Affen auch' überall in Indien gern gesehen und werden verehrt, beschützt und reichlich mit Speiseopfern bedacht, so daß Wohl kaum in der ganzen Welt ein Wesen so sorgenlos und glücklich lebt wie der Affe in Indien! Durch diese grenzenlose Duldung und abgöttische Behandlung und Pflege konnten sich die Äffen ungestört vermehren und sind nun wegen ihrer Menge, die sich trotz ihrer unersättlichen Freß- und Raublust und Zerstörungswut ungestraft alles erlauben darf, zu einer wahren Landplage geworden. Dreist kommen die geschwänzten Gäste in die Basare der ©täbte und Dörfer und besuchen dort die Läden mit Früchten und Backwerk. Und da die Läden nach der Straße hin offen und die Waren ganz vorn auf Tischen und Brettern frei ausgestellt sind, so können sie gleich zugreifen, nehmen sich, was ihnen schmeckt, fressen sich satt und stopfen sich dazu noch die Kehltaschen voll und hopsen dann davon. Kein Hinduverkäufer denkt daran, sie in ihrer Nascherei zu stören; und ist der Verkäufer ein Mohammedaner, so wagt dieser es der Hindu wegen nicht, die heiligen Freßsäcke und Räuber wegzutreiben. Geht eine Frau mit einem offenen Korbe voll Früchten oder Backwerk aus dem Kopfe daher, und hat ein Affe Appetit nach ihren Waren, so betrachtet sie es als eine Ehre, wenn dieser Schwanzgott mit einem 'Satze ihr auf den Korb springt und sich nimmt, was ihm beliebt. Ganz gefährlich werden die Affen den Frucht- und Obstgärten. Haben sie herausgefunden, daß ein Baum reifes Obst trägt, so fallen sie gemeinschaftlich drüber her und er-1 baren dem Eigentümer sowohl das Abpflücken als auch das Verzehren. Deshalb sieht man sich genötigt, große Netze über die Bäume und Sträucher zu spannen, um so die Früchte gegen die Affen wie gegen die Fledermäuse zu schützen. Sehen die Affen vom Baume her irgendwo ein offenes Zimmer, in dem sich gerade niemand aufhält, so dauert es nicht lange, so sind sie auch schon drin und mustern alles aus, ob etwas Eßbares da ist. Finden sie solches nicht, dann verderben sie alles, was ihnen in die Hände kommt. Steht da etwa ein loser Handspiegel auf einem Waschtische, so geht es dem besonders schlecht. Da er glänzt, nehmen sie ihn gleich in die Hände. Nun sehen sie ihr eigenes Affenbild in demselben, nnd, in der Meinung, es sei ein anderer Affe, suchen sie ihm beizukommen. Weil ihnen das aber nicht gelingt, werfen sie den Spiegel schließlich auf den Boden, so daß dieser mit Spiegelscherben bedeckt ist, ans denen ihnen ebensoviele Affen entgegengrinsen, als es Scherben sind. Da wird es ihnen zu unheimlich, und sie machen sich schleunigst davon. Als ich einmal im Kolleg zu Bombay eines Sonntagmorgens nach dem Frühstück auf mein Zimmer im obersten Stockwerk ging, hopste gerade ein Affe zum Fenster hinaus, blieb einen Augenblick in der breiten Dachrinne sitzen und sprang, als ich auf ihn zukam, auf den nächsten Baum hinunter. Auf der Suche nach Eßwaren hatte er alles dnrcheinander-geworsen. Ich war nur froh, daß er mit meinem Tintenfaß keinen Unfug getrieben hatte. Um so mehr hatte er sich mit einer alten Brille, die auf dem Tische lag, beschäftigt. Sie hatte in seinen Händen aufgehört, Brille zu sein. Sie war ganz verbogen und zerbrochen, und ein Augenglas fehlte. Das hatte er wahrscheinlich mitgenommen, um auch einmal mit Monokel aufzutreten. Worauf die Affen ganz besonders versessen sind, sind Maiskörner. Wo sie die nur wittern, sind sie gleich bei der Hand. Diese Leidenschaft nützen feindselige Hindus manchmal aus, um ihrem Nachbarn einen Schabernack zu spielen, besonders kurz vor der Regenzeit. Sind zur Mittagszeit, wo alles in der Nähe sich dem Mittagsschlaf hingibt, Affen' auf den benachbarten Ääumsrp herum, dann wirft der Schadenstifter eine Handvoll Maiskörner aus das Ziegeldach seines Nachbars. Sobald die Assen das Prasseln der Körner hören, sind sie im Nu auf dem Ziegeldache und suchen nach den Körnern zwischen den Ziegeln. Dabei reißen sie alle Ziegel auf, bis sie jedes Körnchen gefunden haben. Der betrübte Nachbar muß nun das aufgerissene Dach neu decken lassen. Und weil es zu der Zeit sehr schwer ist, Dachdecker zu bekommen, die gerade jetzt mehr als genug Arbeit haben, so kann es ihm passieren, daß ihm der Regen ins Haus hineinkommt und ihm vieles beschädigt. Dazu muß er auch noch die Unkosten des Dachdeckens tragen. Wegen des vielfachen Schadens, den die Affen verursachen, und auch wegen ihrer Frechheit und Lästigkeit Sonnte man leicht versucht sein, sie unschädlich zu machen und zu töten. Allein das hat seine Schwierigkeiten. Schießt man nämlich ein so heiliges Mer, eine Hindu-Gottheit, über den Haufen, so läßt sich das schwer geheimhalten. Sobald es aber den Hindus zu Ohren kommt, ist der Kuckuck los. Dann ruhen sie nicht, bis das Verbrechen gesühnt ist. Jedenfalls ist ein Verbleiben in ihrer Nähe unmöglich. — Aber auch, wenn ein Bekanntwerden der Tötung ganz ausgeschlossen ist kann man es nicht leicht über sich bringen, einen Affen zu erschießen, weil er sich so menschlich rührend dabei benimmt. Ein alter Engländer sagte mir einmal: „Sie mögen vielleicht einen Assen in Ihrem Leben schießen, aber keinen zweiten!" Dann erzählte er mir, wie er einmal einen Affen angeschossen habe und wie der seine Hand aus die blutende Wunde gelegt und ihm kläglich jam-merni) das mit derselben aufgefangene Blut gezeigt habe. „Dieser Anblick", sagte er, „hat mir das Herz im Leibe herumgedreht, ich konnte es nicht mehr ansehen und habe das arme Tier schnell mit einem Todesschuß von seinen Leiden befreit. Das Bild verfolgt mich noch bis heute." Etwas Ähnliches habe ich selbst erfahren. Mir waren die Affen ja auch manchmal lästig, und ich hegte oft einen Ingrimm gegen sie. Als ich eines Morgens meine Zimmertür öffnete, saß wieder ein schwerer Affe auf dem hölzernen Gitterwerk meiner Terrasse. Er blieb ganz ungeniert sitzen. Da kam mit Gewalt die Versuchung über mich, ihn niederzuknallen. Eiligst ergriff ich meine Flinte und trat wieder zur Türe. Wie ich aber die Flinte anlegen wollte, schaute mich der Affe so unaussprechlich eigentümlich an, daß mir alle Lust verging, ihm ein Leid anzutun. Rasch stellte ich die Flinte wieder weg. Wie ich auf die Terrasse zurückkam, war der Affe fort. Ersaß hoch auf dem Dache der Kirche. Nun war ich froh und dankte Gott, daß es nicht zum Schießen gekommen war, und daß mir so viele Unannehmlichkeiten erspart blieben. Versuche, Affen zu vergiften, mißglücken fast immer, denn der Affe ist ungemein vorsichtig mit allem, was er frißt. Es wurde mir von einem Landwirt in den Nordprovinzen, in dessen Garten und Feldern die Affen großen Schaden angerichtet hatten, erzählt, er sei entschlossen gewesen, diese gefährlichen Räuber ein für allemal aus dem Wege zu räumen, und zwar durch Gift. Erst stellte er darum täglich große flache Schüsseln mit gekochtem Reis in seinem Garten herum. Die Affen ka- men rudelweise herbei und fraßen gierig den Reis auf. Nachdem sich dieselben an diese regelmäßige Speisung gewöhnt hatten und in großer Zahl erschienen, stellte der Landwirt eines Tages vergifteten Reis hin, der mit einem geschmacklosen Pflanzengift durchsetzt war. Er war auf die Wirkung desselben gespannt und paßte auf. Bald hörte er um die verhängnisvollen Schüsseln herum lebhaftes Geplapper und Gewinsel und sah, wie die Affen um den unberührten Reis zu Gericht saßen und mißtrauisch dreinschauten. Auf einmal erhoben sich alle und zogen sich in den Busch zurück. Bald kamen sie aber wieder znm Vorschein und hatten Zweiglein und Blätter einer Pflanze in den Händen, die ihnen ihr Instinkt als ein Gegengift bezeichnete. Mit diesen durchwühlten und vermischten sie den Reis und verzehrten ihn dann mit dem gewohnten Appetit. Am folgenden Morgen kamen die Gauner ganz unbeschädigt und munter wie immer zurück. — Es ist also nicht ganz unbegründet, wenn die Indier und überhaupt die Orientalen fest davon überzeugt sind, daß es absolut unmöglich ist, Affen zu vergiften. In diesem Sinne schrieb ja auch schon im 10. Jahrhundert der arabische Schriftsteller Al Masudi, die meisten chinesischen Könige und indischen Prinzen hielten sich Affen, um ihre Speisen zu prüfen, und verließen sich mit unbedingtem Vertrauen auf deren Befund, welche Speisen gut und welche vergiftet seien. Will man dem Affen mit einem Stocke zu Leibe rücken, so kann das gefährlich werden, denn er hat als Waffe ein scharfes Gebiß, und wenn er wütend ist, beißt er schrecklich. Bißwunden aber von Affen, merkwürdig aber wahr, heilen schwer und äußerst langsam. Selbst Bisse von kleinen Äffchen sind zu sürch-,ten. Ein Engländer, den ich sehr gut kannte, wurde einmal von einem Äffchen in den Arm gebissen und hat sich zehn Jahre lang mit der Wunde herumschlagen müssen. — Es wird mir deshalb jetzt noch gruselig, wenn ich daran denke, wie ich mich einmal zu Khandalla in meiner Unwissenheit und Verlegenheit der Gefahr ausgesetzt habe, von einem großen Affen gebissen zu werden. Es hat jedoch, Gott sei Dank, gut gegangen, und ich bin einem mörderischen Kampfe mit dem Affen, der sicher mit meiner blutigen Niederlage geendet hätte, heil entronnen. Kurz vor dem Mittagessen sah ich dort eines Tages in den Maiferien von der Anhöhe unseres Landhauses aus auf dem spitzwinkeligen Plateau drunten, an dessen beiden Längsseiten es tief in zwei Ravinen hinunterging, ein großes Tier im hohen Grase sitzen. Ich hielt es für einen großen Neufund-iänderhund. „Was will denn der da unten?" dachte ich, nahm eine lange Stange und ging hinunter auf die Grasfläche. Langsam durch das dürre Gras schreitend, näherte ich mich dem Tiere. (Fortsetzung folgt.)