^l0. XXII. ^!^v l 8 o 5. Laibacher Zum Nutzen und Vergnügen. . ^ ^ Als Zugabe zurEdelvon Kl ei nmayerschen Laibach et Zeitung. Beyträge zur Landeskunde und Geschichte von Kram. Wenn auch die unter dieser übcrschrift er- scheinenden Aussahe, welche künftig nicht so spar- fcit kein höheres In- teresse zu er^'gen geeignet sind, so werden sie doch vaterländische'Gegenstände berühren, und vielen der dcgnm'sancrn Leser, denen die Erin- nerung an das Bekannte oft nicht minder an- genehm, als die erzählende Mittheilung des Un- bckannlen ist, ein so befriedigendes Vergnügen gewahren, alS man cs von einer flüchtigen Zci- tungslektüre, und also auch von einer flüchti- gern Beardeitn^g ephemerer Aussatze zu envar- len berechtigt ist. Die Hauptquctte dieser Frag- mente wird freylich größtentheils Valoaiors Chronik bleiben, denn da dieses bey allen seinen Mangeln so vortreffliche Werk, dcßgleichcn sich wenige Provinzen rühmen können, zum Theil nicht in vieler Handc isi, anderntyeils durch lei- nen Umfang, und manche für unsere Zeiten nicht mchr passende Details die Besitzer selbst von der vollständigen Kenntniß desselben zurück halt, so wird die Bearbeitung einzelner Gegenstande aus demsclbetl nie übe; flüssig oder unzweckmassig seyn. Jedoch'wird man auch mit Vergnügen Bc< richtungen, Zusätze, oder auch neue Beytrage zu denselben aufnehmen, V3ir wollen zuerst einen zwar minder wichti- scn, aber von Valvaftr^anz in dem.eigenen Tone und Geiste weitlausig behandelten Gegen- stand voranschicken, und beginnen also mit eini- gen Nachrichten ^ von dem Billich fange. Die Billiche sind zwar auch in andern Lan- dern bekannt, aber nirgends findet man sie in solcher Menge, als in einigen Gegenden Krains, lind s:c gehören also auch gewisiermassen unter die Ralurntcrklvl-rdigkcitcn dieseü Landes. Die BiMchratzc (^!?n8 jüculu8) in der krainerischen Sprache ?oüli oder richtiger?c>In, ist ein we- lüg größer als die Hausratze, und ihr an Farbe beynahe gleich. Sic frißt wie das Eichhorn al° lcrley Obst, und Buchbaumfrüchte', und unter- scheidet sich von dieser Gattung der Thiere nur dadurch, daß sie die ganze Winterszeit unaus- gesetzt unter der Erde wohnet, zur Sommerszeit aber schaarenweisc aus ihrem unterirrdischen Ge baue hervorkömmt, worauf sie dann wie jene sich in den Höhlen und Vertiefungen der Baume aufhält. ' Die Billichc wurden vor Zeiten, wo die In- dustrie dem Landmanne noch wenig Ersatz für die kargeren Gaben der Natur darboth nicht nur in Unterkrain. sondern auch in Innerkrain viel häufiger gegessen, als heute zu Tage, doch ma- chen sic in «nigen Gegenden, wo man sie be- sonders häufig findet, auch jetzt noch zurHerbst- zeit einen großen Theil der Nahrung aus', werden nicht nur zur Noth von armem und Landleutcn, sondern auch als eine lokale und be« liebte Speise verzehrt. Sie sind sehr fett, ihr Fleisch ist weich und zart, und außer eim-mAn- fangs etwas unangenehmen Fettgeruche sollen sie sehr wohlschmeckend seyn, so daß man sie im Ge- müse oder Reise gekocht, oder gebraten für jun- ges Lamfleisch halten könnte, wenn man nicht durch die Gestalt, und die an der Decke der Bauernstube in großer Menge aufgehangen«! Felle eines andern belehrt würde. Die gebratene Leber soll vorzüglich ein lekercr Bissen seyn. Al- lein wegen dem Umstände, daß die Billiche den Ratzen ahnlich sehen, noch mchr aber aus ter allgemein in unserer Natur liegenden Ursache, daß wir uns das Ungewohnt zu gewöhnen so schwer entschließen können, fühlen viele, beson- ders Frauenzimmer einen unüberwindlichen Ekel vor diesen Thieren. Es giebt verschiedene Arten sie zu fangen, und keine davon ist sehr beschwerlich. Halten sie sich in hohlen Bäumen aus, so steckt man eme Ru- the in den Baum, und sie kommen hervor. Wili man sich ihrer in größerer Anzahl habhaft ma- chen, so setzt man ganz einfache Bögen, worin sie sich fangen. Hat jemand hundert solcher Bö- gen, so haben drey Personen zur Nachtzeit genug Beschäftigung, von einem Bogen zum andern zu gehen, und die gefangenen Billichc heraus- zunehmen, denn es werden leicht in hundert Bö- gen 4 auch wohl Zoo Villiche gefangen. In der größten Menge fangt man sie zur Herbstzeit wo sic bereits ihre Winterquartiere in der Erde suchen. Man grabt ncmllch eine Tonne in die Erde, aus welcher nur eine mit eisernen Nageln beschlagene Röhre hervorgeht, deren Spitzen abwärts laufen, so daß der Villlch zwar hinein, aber wegen den zusammen laufenden Spitzen nicht wieder zurück kann. Ist diese Ton- ne an einem guten Orte angebracht, so schlüpfen ihrer so viele hinein, als Namn haben, »vorauf man sie dann in Empfang nimmt. Diese leylcrc Art, B'llichc zu fangen, ist aber nicht überall frey gestattet. Die Unterthanen, die sich in den Bolninikalwaldungcn damit abgeben, zahlten ehedem von einem Loche 5 fi. oder auch noch mehr, je nachdem die Gegend reicher an diefti: Thieren war. *) In dem Anschlage der Herr- *) Diese Löcher sollen sehr tief seyn, Val- vasor erzählt einige Falle, wo Menschen in die ausgehöhlte Erde hinabgestürzt, sich in Le. schaft Ruvertt'hof ist das Billichrecht mii<) 5- rubrizirt. Valvasor d r von vielen Dingen eben s) ab- lehrt und amgrklart, als von andern albern, und abngiaudisH urtheilt, zeigt vorzüglich, als er von diesen Thieren spricht, die ihm so eigen- thüinlichc Schwäche, die Märchen der einfältig- sten Menschenklasse als ganz unzweifelhaft nach« zuerzahlcit, und überall mit seiner sonst so vor- trefflichen Beschreibung zu vermengen. Er be- hauptet ncmlich nichts geringeres, als daß der Teufel die Billiche auf die Weide führe, und daß man zum untrüglichen Beweise dessen att Sonnabenden, und heiligen Tagen, ein starkes Schnalzen, Klatschen, imd Pfciffen höre, **) wor- auf man am besten t!)ue, sich zeitig genug aus dem Staube zumachen, widriges manoondein gehörnten Billichhirtcn der niemand ausweiche, sehr unsanft niedergeworfen werde. Dieß Pcit- schengeklanche hat der gute Valoasor selbst ge- hört, allein die eigene Person des Teufels zu sehen, war ihm nickt b?schieden. Doch daß für bessere Augen der döst Gest wirklich sicktbarsey, dafür ist thm dasZeugmß cincs Bau.'rn Bürge. Nur blieb sich dieser in der Aussage nicht gleich, in welcher Gestalt sich ihm der höllische Bittich- hirt prasentirt habc, denn als Valvasor ih.'t frag- te, wie sah der Teufel aus? antwortete dec Bauer: ganz abscheulich, wie ein balbcr Bock, und als er ihn darauf durch einen andern befra- gen licß, versicherte er: gar grausam, wie ein halber Mensch. Nun gerath Valvasor selbst auf bensgcfahr befunden haben. Die Angabe, d.'.ß sich die beyLoitsch, und auf dem Karst hinab- gefallenen Männer mehrere Wochen lang da- durch er.iährten, daß sie nach dem Beyspiele der Billichc einen salpeteryaltigcn Stein be- lekten, daß der letztere sich rettete, wellerdli' BillichmStücke von scitiemNocke anhangte,unv dadurch die Landleute aufsein Schicksal auf- n.erksam machte, mögen wohl unter die Mär- chen gehörcn, mit denen Valvasor seine Chro- nik so reichlich ausgestattet hat. ") Das Schnalzen kömmt von der großen Obren Eule her, die diese Thicrchen verfolgt, ,md n:it ihrcm Schnabel ein solches Gc- rausche «nackt, das durch das Ecko und noch mehr durch die Phantasie der abergläubischen Horcher verstärkt wird. öen Gedanken, ob es etwa nicht dem Bauern ge- traillnt haben möchte, allein scin hochdeutscher ^mmenlator der Hohcnlohesche Rath Erasmus «ranzisci, der meistens seinen Senf dazu giebt, t^enns am unnützesten ist, vermuthet in einer "vte wohlweislich, der Baner habe beydcsmal bie Wahrheit gesprochen, indem der teuflische Hirt ohne Zweifel einem Bockmenschen werde gleichgesehen haben. Man sieht daraus wie die besten Köpfe je- ner Zcit sich nicht über die von Kindheit einge- sogenen, und in die allgemeine Volksmeinung eingewllrzclten Vorurtheile hinaus ;u schwingen vcrnwchtcn, und wie sehr solch ein abergläubi- scher Wahn mit den sonstigen gründlichen, und vielftitigen Kenntnissen dieses Mannes kontta- trastne. Er scheint selbst die lUnstatthattigkett der einfältigen Aussage des Bauern einzusehen, und dennoch ^la-lbt er, daß Gott eine Gattung von ihm erschaffener und dem Menschengcnuß- barer Geschöpft der Obhut des Teufels anver- traue, und laßt zur V^rsinnlichui?g dicscs saube- ren Begriffes den Teufel i„ optiina ?oim:,, nie er die Billiche weidet, w Kupfcr stehen. Übrigens seht er stlbst am Ende kinzu, mögcn die Billicke nun von dem Teufel geweidet wer- den, oder dcn Raycn gleich sehen, st hat der Bauersmann doch so wenig Grauen darüber, daß er sie zu Tausenden in Fassern und Tonnen einsalzt, und den ganzen Winter durch nnt dem größten Appetit verzehrt. Auszug e aus Herrn von Kotzebues Tagebu- chc scincr Reise aus Lief land nach Italien. Fortsetzung. Die Brieflisten vor dem PostHause in Neapel. AVer nicht bloß um Briefe zu expcdiren, ha- ben diese spckulatlveu Köpfe hier auf der Sttaße eine Kanzlcy errichtet, sondern auch um dle an- kommenden Briefe denjenigen zu enträtseln, die nicht gern Geschriebenes lesen. Am Tage als» wo die Post nicht abgeht, sondern emtrlfft, verändert sich die Scene; die Federn ruhen, die Lippen sind in Bewegung, und wie man leicht denken kann, gibt es da noch öfter inte- ressante Dinge zu beobachten. Die starre Auf- merksamkeit , mit welcher die Briescmpfänger an den Lippen der Vorleser hangen, die wechseln- den Leidenschaften, die erfüllte oder getauschte Hoffnung, und auf der andern Seite die voll- kommene Gleichgültigkeit des Vorlesers, die unveränderte Stimme, mit der erSchrcckens- posten wie fröhliche Bothschaften ableiert. —' es sind die mannichfaltigsten Scenen, wie ste sonst nirgend aus offener Strasse gespielt wer- den. Eine lustige Anekdote hat mir ein Freund, der Augen-und Ohrcnzeugc war, mitgctheit. Cin Matrose empficng einen Brief, den er mit Sehnsucht erwarte: zu haben schien, und tr^s ihn hastig zu einem Vorleser. Dieser entfaltete das Blatt und hub mit der Igrößten Gleichgül- tigkeit fo'gendcrgestalt an, wahrend der Matto- st ihm mit freundlicher Ungeduld jedes Wort aus dem Munde zu nehmen bereit war: „Lie- ber Freund, kein ärgerer Spitzbube als du bist, ist mir in meinem Leben vorgekommen —"Man kann sich vorstellen, wie die Züge des Harren- den sich stracks veränderten. Natürlichz ver- gieng hm die Lust, des Briefes Fortgang und Ende in Gegenwart des lachenden Volkshau- fens zu vernehmen, er riß dem Vorleser das Blatt aus der Hand und verkroch sich, Flüche murmelnd , unter die wiehernde Menge. — Tag- lich trifft man diese Straßenkanzley bald m größerer, bald in minderer Thätigkeit, und es ist ein Charakterzug der Italiener, durch wel- chen sie sich von den Franzosen mächtig unter- scheiden, daß sie ihre Unwissenheit ohne Beden- ken zur Schau tragen. Die a/mcincn Franzo- sen können eben so wenig lesen und schreiben, als die gemeinen Italiener, aber nie werde r sie siä> dazu vcrstehn, diese Unwissenheit vor al- lem Volke laut auf der Strasse zu bekennen. Der Franzose ist unwisseud und eitel, derIca- liener nur das erstere. Über Gall. Berlin den y. May. Doktor Gall hat in Potsdam ein Auditori- um von 250 «Personen. — Die kürzlich m den