f ti r Vo n Ir. (Ernst Iplaritts JFriilidj. Si quid novisti rectius istis, Candidus imperti, si mm, his utere m&ctfm., , floraftik. ' J ' '■ J -Ji - ; —n V'A ■.v '■ r >, Dcr Erfrag dieser ScbrUNst tiir dic Erhalfting der Donalibcig-Anlage- dcs Verfasscrs bestiinmt. r V/ WIEN, im Mai 1861. D r u c k v o n A. P i c h 1 e r ’s W i t w e & S o h n. \}1p».CrI .S f- „Hinc namque plures defluunt. respublicao, „Dum strenuuin qui praebet ac fortem virum „Non plus honoris , quam ignavus capit.“ w Dardurch verderben Statt und Land, „Wann ein Mann, der mit seiner handt „Vil nutzt, und doch fiir seine tli at „Niclit mehrere vergeltung bat, „Als der daheim ligt fauler stili, „Von seiin Faulentzen haben will. u Evripid. in Tragoed. Hecubae. Auf Teutsch: Stegrisches Wappenbuch 1567. Jv UlfSZs I. Im Archive eines liohen Dikasterialgebaudes der inneren Stadt Wien sehlummerte dnrch fiinf Jahre die n ScJiild'ening der st. st. Kur- anstalt Sauerbmim bei Rohitseh und Vorselilage zur Abstellung der dort herrschenden tlbelst;inde.“ Der Verfasser jener Eingabe mid dieser Reformen stellte zngleich die Bitte, man mbge von Amtswegen ermitteln lassen, ob seine An- gaben wahr, seine Vorselilage zeitgemSss und ansfiihrbar seien, und endlich das Zweckdienliclie verordnen, die geriigten tlbelstaSde abzu- schaffen. Das Resultat -war, dass ein Tlieil jener Vcrbessernngsvor- schlage nach Steiermark emanirte, mid dass man in aller Eile das Badhaus in der besprochenen Anstalt neu einriehtete und hie und da Einiges von jenen Propositionen, jedoch nicht in der erwtmsckten Art, ins Leben treten liess. Der Urheber dieser Reformbewegung wurde jedoch vollkommen desavouirt, in den massgebenden Kreisen der stei- rischen Hauptstadt missliebig gemacht und bei den dortigen Behorden als „unruhiger Kopf“ charakterisirt., Der Verfasser unterlasst es, die weiteren imangenehmen Folgen fllr seine Person liier des Weitern auszumalen und versichert, dass ihn nur die eingeborne Liebe zu den Quellen seiner Ileimat zur mutlivollcn und jahrelangen Ausdauer ermunterte! — Als nun im Frtihling und Somrner des Jahres 1860 ein Kreis erleuciiteter Manner, auf Allerhoclisten Anlass, das freie Wort ertbnen liess liber ali die verrotteten Zustande unseres grossen, bsterreichischen Vaterlandes — als aucli der Presse freier aufzuathmen vergonnt ward, entschloss sicli der Verfasser jener, im Dickicht des bureaukratischen Waldes verkommenen Sehrift, die Hauptpunkte derselben 4n seinen acht „Rohitsclierbriefen“ in der Osterreichischen Zeitung (August und September 1860) der strenge ricktenden Offentlichkeit zu Ubergeben. 1 * 4 Der Verfasser hoffte auf diesem vielbetretenen Wege seine Reform- jdeen schneller zum Durchbrucb zu bringen, sein geistiges Eigenthum zn retten mid seine Gegner v or aller Welt liber die Ursache seiner „Un- rnhe“ aufzuldaren, die in der Uberzeugung wurzelt, dass Bad Rohitsch nocli Jange niclit auf jener Holie der Entivicklung angelangt ist, auf der dieser hoffnungsreiche Kurort durch seine vortrefflichen Quellcn, durch seine gltickliebe Lage und den reichen, flir seiben verwcndbaren Fond stehen konnte und solite! Und wirklicli erftillte sieh die freudige Holfnung des Verfehm- ten — die Maeht der Offentlichkeit siegte, denn noch im Spatsommer und Herbste 1860 zeigten sicli in der Kuranstalt Symptome, die auf ein Hinneigen zu jcnen offentlicb ausgesprochenen Vorsclilagen und Wiin- scben zu schliessen erlaubten. Der Verfasser der Rohitscherbriefe in der osterreichischen Zeitung war auf eine heftige Polemik gegeniiber seiner alle Tlieile der Anstalt umfassenden Kritik vorbereite.t, welche auch die spater in der Allge- meinen Wiener medizinischen Zeitung von Dr. liraus liber unsern Kurort verbffcntlieliten , viel scliarfer gelialtenen A rt ikel widerlegen ivtirde. Docli man sclnvieg von betroflener Seite; nur ein „alter Kurgast von Sauerbrunn" beelirte den bedauernsivertlien Verfasser der Ro- liitscherbriefe in der Grazer-Tagespost (l 5. September 1860) mit einigen Witzen — und Groblieiten und freute sich, dass die „gute alte Zeit“ in seinem lieben Sauerbrunn durch die Neuerer nocli nicht verdriingt ist. Wir bedauern unseren altcn Kurgast, denn seit er jene Zeilen sehrieb, liaben wir mit der alten Zeit, insoferne sie starre Indolenz und ein Vcrholmcn wissenschaftlichen Aufschwunges zu Tage fordert, griindlich und so Gott wili fllr immerdar gebroclien! Frei waltet bei uns Rede und Sehrift — freithatig wird das Riclitscheit der Kritik an alle offentliclien Anstalten gelegt — freie Bahn muss aucli der Wissenschaft iverden, auf dass sie ilire Segnungen ins Leben einfiihre! ■— Da jedocli unser alter Kurgast, \vie er erzahlt, alle nur vorfind- licli en Rohitscherbriefe als Siilmopfer flir die von uns gekrankte Nymphe des Quells verbrannte, so beeilen wir uns hiemit, die dort veroffent- lichten Ideen, mit Bentitzung der neuesten, bis zuEnde derSaison 1860 gemachten Erfahrungen, durch abermalige Publication der Vergessenheit zu entreissen und laden jenen Lobredncr der guten, alten Zeit ein, uns in unserer Darstellung zu folgen und vorerst mit uns auch liber die letzten zwei Dezenuien in der Geschielite des Bades Rohitsch zuriick- zublattern. 5 II. Bald nach der Entdeckung des Rohitscher - Sauerbrunncns durch den Grafen Niklas Z r i n y i II., um das Jalir (640, brachte die Protection des gelehrten Dr. Paul de Sorbait, des Leibarztes der Kaiserin El e on o ra, unserem Brunnen den glanzendsten Ruf als Heihvasser und bald wurde dasselbe aucb als diStetisches Erfrischungs- getrank bei Hof und in den hbchsten Kreisen der Residenz eingefiihrt. Sorbait erzithlt uns in seinen Werken die gliickiiclisten Resultate, die er damit bei seinen Kranken crzielte und Dr Gr lin d el be- richtet in seiner Roitschocrene (Graz 1687) dass dieser Gesundbrun- nen niclit mir in die kaiserliclien Erblander, sondern aucli nacli Walsch- land, Polen und ins heilige romisclie Reich verfilhrt wurde. Docli wurde die humane Freude Sorbaifs bald durcli die merkantilische Speculation getriibt, denn ivahrend des Prozesses, den friihere Privilo- giumsbesitzer mit dem Inhaber der Grundherrschaft Stermol, dem Freiherrn von Courty wegen der Ausbeutung der Rohitscherquellc fiihrten, bemachtigte sich letzterer ganz derselben und steigerte den Preis einer Flasche so veit, dass eine solclie in Wien auf 1 fl. 15 kr. zu stehen kam; dartiber drtickte Sorbait seinen Unmuth mit den Worten: „maledicta Toparchae avaritia“ aus und bedauerte, dass da- durch dem Publikum dieser Genuss hochst ungerechter Weise geraubt wiirde. Die Versendung geschah damals in 11 Fuss hohen, engen, kurzhalsigen und eckigen Flaschen, von boiiteillenbraimer Farbe, die mit Zinnschrauben verschlossen rvurden, und velcher Verschluss noch dartiber „mit Pergament und Pech“ verfestigt ward. Obigem Prozesse wurde durch das von Kaiser Leopold I. dem „wienerischen Gastgeb in der neuen Welt*), Ambrosius Franck, welcher in der jlingsten Belagerung eine Frei - Compagnie ganz loblich commandirte 11 , verliehene Privilegium ein Ende gemaeht. Franck liatte demnach das ausschliessliche Redit, diesen Sauerbrunnen durch alle kaiserliclien Erblander zu ftihren und zu verkaufen, auch wurde ihm „darbei scharpff befdlilen, allen Fleisz anzmvenden, damit ein jeder dises IIeylsambe Wasser gerecht und unverfalsclit, auch in einem billichen Wertli bekommen kann.“ Durch diese allerhochste Verfilgung wurde zwar der Preis des Rohitschenvassers in Wien nicht sehr gemil- dert, doch wurde durch die Beaufsiehtigung der Fiillung und den oben ) Kumpfgassc Nr 827. 6 beschriebenen VerscMuss der Flasclien miter Bitumen in bester QnalitSt in die Welt gesendet. Durch 61 Jahre des vorigen Jahrliundertes erfreute sich das Gremium der „aylf bnrgerlichen Apothecker" zu Wien des ausschlies- senden Privilegirana, diesen Sauerbrnnn zu fiillen und zu verkaufen; sie umfingen die Sauerquelle mit einer neuen Fassung und trafen viele Ein- riebtungen, die auf die angstliche Sorgfalt liinweisen, mit der man damals bei der Fiiilmig dieses Mineralwassers zu Werke ging; interes- sant sind die im Diplome der grossen Kaiserin Maria Tiieresia im Jahre 1772 den Apothekernvon Wien gegebenen Auftriige, wo es unter andern heisst, „dass die neuankommenden Sauerbrunnflaschenmit cinem gewissen , jahrlicli abzuandern kommenden Zeiehen , anbey nebcns mit einem gedruekten Zettul und darauf anmerkenden Jahrzahl zu signiren und jede Flasche Sauerwasser, so von dem vorliergegangenen Jahre obhanden, um die Halbscheide des sonsten gesetzten Preises zn iiber- kommen sei.“ *) Man sieht daraus, welche Aufmerksamkeit dem Rohitschersauer- brunnen allerhochsten Ortes gespendet mirde; doeli mirde diese Ver- ordnung durch die sich bei der Flillung und dem Verschleisse einschlei- chende Fahrlassigkeit hervorgerufen, liber die sich gleichzeitige Aerzte beklagten. Als nun im Jahre 1782 von Kaiser Joseph II. das Apotheker- gremium aufgehoben wurde und zugleieh ihr Sauerbrunn - Privilegium erlosch, wurde unsere Quelle zu Ende des vorigen und bis zn Anfang dieses Jahrliundertes von den 5 Bauern ausgeheutet, deren Grundbe- sitzungen im Brunnenthale zusammengrenzten; einer machte dem ande- ren den Besitz der Quelle streitig und man einigte sich znletzt d ah in, dass jeder der 5 Usurpatoren abwechselnd durch 14 Tage den Brunnen beniitzen durfte; die Fiillung scheint nicht sehr skrupulos gehandhabt worden zu sem, deim die Klagen tiber die schlechte Qualitat des „alt- berilmbten Rohitscher-Sauerbrunnens" wurden allgemein und wir finden unseren Brunnen durch das Selterswasser bei Hof und in der Residenz ganzlich verdrangt. So kam’s und musste so kommen, weil der bauer- liche Unverstand sich am Brunnen breit machte! Durch dio vielen Klagen iiber diesen Vorfall aufmerksam ge- macht, erkauften die Herrn Stande Steiermarks im Jahre 1803, mit Be- willignng Sr. Maj. Franz I., aus dem Landesfonde, die den Brunnen *) Die Sauerbrunnen bei Rohitsch von Dr. E. H. Fr 611 oh, Wien 1857. 4, Auflage. 7 zunaclist umgebenden Bauerngriinde und so wiirde die steirische Land- scliaft Herrin dieses vortrefflichen Sauerquells. Die Herren Stan d e be- griindeten auf Anregung ihres (lamaligen Landeshauptmannes, des Gra- fen Ferdinand Attems, neben der Fiill- aucb eine Heilanstalt, stell- ten in der Person des Dr. Job. F r o 1 i c h einen Brunnenarzt anf, der aucb als stand. Distriktsphysikus fungirte und dem man spater aucb die Inspection des Kurortes anvertraute. Ein Badhans wurde sofort erbaut, das sicli babi durch die dort eingefiihrten Sauerbrunn - StahlbSder einen erfreulichen, mediziniscben Ruf erwarb ; die alten unpraktikablen. Flascben wurden abgeschafft und die jetzige wohlfeile Flasclienform eingefulirt'^ wodurch es ermoglicht ward, den Absatz seiir bocb zu steigern und diesen Sauerbrunn als Lieb- Iings-Erfriscbungsgetrfink allgemein zu verbreiten. Man bebielt von der „guten alten Zeit“ die lobenswerthe Vorsicht bei, die Fiillung dieses fiir Witterungsverb;iltnisse so ausser.st empfindliclien Siiuerlings aucb fort- an sehr behutsam zu vollziehen. Uberhaupt durcbzog die ganze Anstalt der Geist der Humanitat und aus jeder Einrichtung leucbtete das von den menscbenfreundlicben Grtindern aufgestellte, v or \va It en d medizinische Programm bervor. Und wirklieb fiel es damals Nicmandcn ein, an der ausnebmenden Heilkraft dieses Sauerbrunnens und der damit bereiteten Bader zu zwei- feln; im Gegentbeil fliicbteten sicli die Kranken mit jener Pietat, mit jenem unbegrenzten Vertrauen naeli Bad Robitsch, mit dem man nocb jetzt nach Carlsbad oder Gastein pilgert. Mit dem Jabre 1S36 trat Dr. Frblich, nach 32jahriger Dienstlei- stung, in Pension. Andore Ideen macbten sicli geltend; man fing olfen- bar an, das urspriingliche Programm zu vcrnacbliissigen und substi- tuirte einneues, nSmlicb : Sauerbrunn ist ein Erbolungsort fiir lebens- miide Stadter, bbcbstens fiir Halbkranke — eine Art llamorrhoidahva- sche — ein Belustigungsort u. dgl., der Brunnen selbst ist von sehr un- tergeordneter mediziniscber Wirksamkeit, denn er schadet ja den Bauernmagen nicbt im taglicbcn Gebrauche*) u. s. f. *) In der „AUgem. Wiei)M- med. Ztg.“ 1860 Nr. 39, erzahlt una Dr. Kr aus Folgendes: „Der kaiserliche Kath Herr Dr. Sock, glaubt in einem, im J. 1855 an die steirischen Stande abgegebenen Berichte, naeh seiner viel- jahrigen Erfahrung, fiir die Unschadlichkeit des Wassers durch folgende Griinde plaidiren zu konnen : „1. Viele Bewohner der Umgebung von Sauerljrunn trinken das Wasser Jahr aus Jahr ein statt Siisswasser, bleiben dabei gesund und werden alt. 2. Viele Gaste trinken wahrend der Saison das Wasser oline arztliehe An- 8 Diesem leichtfertigen Programme folgend baute man viole, fur eigentlich Kranke unzweckm£ssig eingerichtete Wohngebaude und trieb die Fiillung ohne Riicksicht auf Jahreszeit und Witterung -— sogar durcli den Winter ununterbrochen fort. Die Folgen dieses Gebarens sind inhaltsscliwer und liegen vor aller Welt Augen. Bad Rohitsch , obwohl vielbeliebt und vielbesucht, hat als Heilanstalt, streng als solelie genommen, im letzten Vierteljalir- hundert Vieles an Ruf verloren und die Klagen der Rohitschertrinker und Kaufleute in allen Landen Osterreichs liber die verminderte QuaU- tat des Rohitscherwassej's sind weltkundig! Wir werden in d^rr folgenden Absatzen die Miingel der st. st. Kur- und Fiillanstalt naher beleuchten und durch Veroffentlicliung unserer Reformideen, so\vie der vielfaeli ausgesprochenen Wiinsche verschiede- ner Arzte und Kurgfiste den Weg vorzuzeichnen suclien, auf dem un- sere Anstalt und der versendete Rohitseher-Sauerbrunnen ilirc altange- stammte Bertthmthcit wieder erlangen konnten. III. Das der Rohitscher-Heilanstalt in neuerer Zeit aufgezwungene Pro- gramm machte si eh vor Allem bei der Tr in k anstalt bemerklich. Durcli den Mangel an medizinischer Ordnung am Brunnen verbreitete sicli das nun leider allgemein gewordene Vorurtheil: Bad Rohitsch sei ja nur ein Belustigungsort — eine Art Sommcrfrische u. dgl. Man eman- cipirte sich daher grossentheils von der beengenden, arztlichen Con- trole und trinkt meist nach den Angaben irgend eines Stammgastes, wohl auch nach eigener Eingebung, wie man eben an einem Kurtage gestimmt ist, mehr weniger Gliiser meist unbekannten Massinhaltes — mischt kalt und warm in beliebigem Verhaltnisse zusammen — pausirt dann wieder einen Tag — oder trinkt erst Abends, wie’s eben beliebt — giesst auch mitunter unerhorte Mengen Mineralwasser in den ntich- ternen Magen und riihmt sich noch seiner unverstandigen Tapferkeit! Kurz — man wird im civilisirten Europa wohl kaum einen Mineralbrun- nen finden, mit dem soleh ungeheuerlicher Missbrauch getrieben wird. leitung und bleiben dabei gesund. 3. Zn den Osterfeicrtagen, wo der Brun¬ nen der ganzen Umgebung ganz frei gegeben ist, trinken die Bewohner grossentheils nur Sauerbrunnen mit Wein und essen dazu geweihtes Schvvei- nefleisch und geraucherte Wiirste, bleiben dabei gesund und wiederholeu diese ihnen zusagende Sitte alle Jahre. a 9 Mit leider geringem Erfolge bemiihte sicli der Verf. dieser Bro- schtire der besseren Einsicht Geltmig zu verschaffen ; es gelang ilim nur nach jahrelanger Muhe, die mensurirten Glaser zum Theile wieder ein- zufiiliren, und er masste seine Thatigkeit auf die seiner Obhut empfoh- lenen Patienten beschranken, da ihm von massgcbender Seite jede Ein- flussnabme auf die Anstalt wiederliolt verweigert wurde. Dies anarchische Treiben am Rohitscher Trinkbrunnen muss um so melir befremden, da es mit den Ansichten der intelligentesten Arzte Wien’s und aller Stiidte Osterreieh’s im Widerspruch stelit, die ihre bobe Meinung von der medicinischen Wichtigkeit dieser Trinkbur dadurcb bethiitigen, dass sie uns vviclitigc und interessante Krankheitsfalle zur kurmassigen Beliandlung anvertrauen und dass dieselben Arzte mit den Erfolgen sebr zufrieden sind. Es bat sicli wirklich in der arztlichen Welt die Ansicbt festgestellt, dass sicli unser erdiger Glaubersalz-Saucr- brunnen als cine kraftige und vielseitige Arznei be\valire, der in man- chen Fžillen von Unterleibsbrankheiten glticklich mit Karlsbad konkurrirt und wegen der Seltenheit seiner chemischen Mischung die besuchtesten Siiuerlinge an Heilkraft iibertrifft. Docli aussern sich die ivohltbatigen Folgen unserer Trinkkur nur selten bei dem so haufig beliebten, unregelmassigen — sondern bei methodischem Gebrau- clie derselben, d. i. bei gewissenbafter Ausfilbrung der von intelligenten und erfabrnen Kurarzten jedem einzelnen Falle angepassten Gebrauchs- vorscbriften. Wenn man beim Rohitscherbrunnen verstandig trinken wird, dann wird auch diese Anstalt bald wieder medizinisch floriren und von Tau- senden Heilbedtirftigen dankbar gesegnet werden. Man stelle das ur- spiningliehe Programm , nach ivelchcm unser uuvergesslicher Landes- hauptmann, Graf Ferdinand Attems, die Heilanstalt begriindete, wie- der an die Spitze derselben, man untersttitze nach MSglichheit die Be- strebungen derjenigen Arzte, \velche durcb Wort und Scbrift das Kur- publikum zur Ordnung im Trinkgebrauche zu bekehren sich bemiihen — kurz! man lasse den Geist der Wissenschaft und Humanitat die Anstalt durchziehen! Gegen derlei Tendenzen ivurde z\var eingewendet, dass liiedurch der heitere Charakter dieses lieblichen Kurortes leiden wiirde. Dies ist nicht zu befiirchten, da die Krankheitsfalle, welche flir un- sere Brunnenkur passen, mit wenigen Ausnalimen, Promenirfabigkeit voraussetzen, \vas dem gauzen Badeleben eine gewisse Beweglicbkeit und angenebmen Weclisel in der Scenerie sicbert. 10 Wir konnten liier aus člen letzten neun Saisonen so manchen, nns willkommenen Patienten schildern , der mit tief eingewurzelten , mate- riellen Leiden, mit einer Unzahl von nervosen Symptomen mid der fin- stersten, liypochondrischen Umdammerung seines Gemiithes an unserem Heilqueli Genesung fand und der sicherlich den frohlichen Anstricli un- seres Knrortes durcbaus nicht verdiisferte. Zudem ist Bad Rohitscb ein -svahres Eldorado ftir das Heer jener Halbpatienten, die aus der dicken Stadt - und Tintenatmosphare die Keime und UranfSnge so vieler chronischer Leiden , besonders des Un- terleibs schopfen und die sich, von unserem Brunnen schlilrfend und in unserer prachtvollen Waldnatur herumpilgernd, bestens restauriren. Wir wili'den also das jetzt befolgte Programm der Kuranstalt gerade umkehren, wiirden in erster Linie die Einrichtungen dem Wohle der Patienten anpassen und in zweiter Linie die Wtinsehe der Halbpatien¬ ten , Sommerfrischler und Touristen nach Thunlichkeit erfiillen. IV. Den zweiten Haupttheil der Rohitscherkur bilden unsere mit Recht selu- hochgeschatzten Sauerbrunn-Stahlbader, deren Einftihrung die Kuranstalt dem friiheren Inspector, Dr. Joh. Fr olich, verdankt. Wenn unsere Trinkkur bei vielen chronischen Leiden glticklich mit den beriihmtesten Sauerbrunnen konkurrirt, so geben ibr diese Mineralbader, mit origineller Erbitzung durcli gliihende Stahlkolben, einen Vorzug vor vielen Heilorten. Diese tonisirenden und beiebenden Bader sind es, welclie den Kreis der Krankbeiten, die durch unsere Kur gebeilt wer- den, selir bedeutend enveitern; diese Biider bringen uns alljabrlich Kranke mit Bleicbsucht, mit sonstigen aniimiseben und mit Scbwa- chezustanden, wie selbe im Gefolge von erschbpfenden Blutflilssen, nacli profusen Eiterungen und Typben auftreten. Diese Biider beilen durch ehronisebe' Darmkatarrbe bebetirte Kranke und den Darmkatarrh selbst, \velche Heilerfolge denjenigen allerdings unglaublicb erscheinen wer- den, die von dem Vorurtbeil, der Rohitscker sei niehts als ein Purgir- brunnen, beherrsebt vrerden. Wir konnten zum Belege des Gesagten s.o manche gelungene Badekur aus dem abgelaufenen balben Jahrbunderte erziihlen und bedauern selir, dass Dr. Kr aus in seinen oben envahnten Artikeln sicb gegen die alterprobte, ausnebmende Heilkraft dieser Ba¬ der ausspricbt. Wir versichern, dass die Mehrzabl der Arzte, welche sicb iiber die Erfolge derselben genauer informirten, mit uns diesen Sauerbrunn-Badern hoben tberapeutisoben Werth beilegen. 11 Die Einrichtung imseres Badehauses lasst jedocli so Manches zu wiinsclien iibrig. Wir machten bereits im J. 1855 den Vorschlag, dass die liocligeivblbten, selir geraumigen Badezimmer durcli Sclieidevvande in zwei vollkommen abgeschlossene Riiume getrennt werden mochten. Man reformirte allerdings die Badezimmer, machte jedoeh dic projectirte Ab- theilung nur nnvollkommen durcli eine bis iiber die lialbe Hbhe dersel- ben reiehende Bretterwand, so dass dic auf eincr Seite Badenden alle Vorgange in der Nachbarzelle vemelimen ; dics gab zu maneken Unzu- kommliclikeiten und Klagen der Kurgaste Veranlassung; man ist ge- wohnt, in einem Einzeln-Wannenbade audi \virklich allein zu sein, wShrend man in ein gemeinsames Gehbad auf Gesellschaft rechnend eintritt. Wir wiederholen liier den oft und laut aiisgesprockcnen Wunsch der Kurgiiste, diese Scheidewande bis an den Pia fond fortzusetzen und versichern, dass die Direction dadureh auchdenAnforderungen derArzte gerecht werden wird; denn die allzu geraumigen Badezimmer zeigeninun- serem variablen Waldklima oft eine so niedrige Temperatur, dass ein gewissenkafter Arzt seinem Patienten das Bad widerrathen nmss. Da nocli tiberdies in keinem der Badezimmer ein Ofen angebraelit ist, so kommen bei empfindlickeren Patienten nicht selten Verktllilungs-Krankheiten vor und es resultirt daraus eine unliebsame Unterbreckung der Bade- und selbst der Trinkkur. Man wird sich endlich docli entscliliessen miis- sen, die vollstiindig abzutheilenden Badezimmer mit Ofen aus Thon zu verselicn, da die eisernen wegen unangenehmer, den Kopf einnelimen- der prazipitirter Warmestrahlung mit Reelit seiir geftirclitet sind. Nur mit Hindernissen und durcli die Mitivirkung mehrerer einfluss- reicher Patienten gelang es dem Verf. in den letzten Jahren einige Sitz- badgefasse einzuftihren, die von einem wendischen Bottclier schnell- moglichst improvisirt, durcli ilirc sclnverfallige und unzweckmassige Form und abstossendes Aussehen unser Badehaus verunzieren. Wie leicht konnte eine Badevorstehung, die iiber so viole Mittel disponirt, eine Reilio von eleganten Sitzbadwannen aufstellen. Die EinfUhrung dieser Sitzbader ist eine wesentliclie, dem prak- tischen Arzte liochst ivillkommene Bereicherung der Kohitscher-Kuran- stalt, denn es kamen unš' haufig Unterleibskranke zur Bekandlung, de- nen wegen Neigung zu Hirncongestionen und wegen anderer Krankheits- zustiinde der Gebrauch des Sauerbrunn-Stahlbades in Wannen durchaus zu verbieten war und welclie Patienten von diesen Mineral-Sitzbadern die erfreulicksten Heilwirkungen erlebten. Einen vielfach besproclienen tjbelstaiid mochten wir hier noch rilgen. Der entlang den Badestuben ftihrende, marmorgepflasterte Oor- 12 ridor wird trotz der Glasthflren sclrsverlich zugfrei herzustellen sein, und so sind die auf B&der vartenden Gaste den durcliziehenden Liiften ausgesetzt. Man wird trotz der geringen Zalil von Badezimmern docli wenigstens ein solclies zur Etablirung eines Wartsaales opfern miissen. Ein wesentlicher und selir bedauernswertlier Ubelstand ist liier der Mangel von entspreehenden Minerahvasser - Mengen zur Speisung der BSder, welcher besonders im Hochsommer bei Andrang der Badenden filhlbar wird. Es ftihrt dies zu Unzukommlichkeiten, die oft die Kur- zwecke vereiteln und die nur dem Eingeweihten bekannt sind. Wir unterlassen es, dies naher zu beleuchten und erzahlen liier nur, dass das Rohitscher Quellengebiet mehrere selir gebaltvolle und wasserreiche KolilensSuerlinge aufzuweisen bat, dcren Uberfluss selir leicht zur Speisung der Biider an der standischen Anstalt verwendet wer- den komite. Der Verfasser offerirte selbst auf die uneigenntltzigste Weise am entspreehenden Orte von z\vei sciner benaclibarten Sauerbrunnen Badeivasser ftir die Anstalt, aber sein Olfert blieb, so wieallo seine Vor- schlSge unberticksiclitiget. Wir spreclien liier . die Hoffnung aus, dass die Zeit nicht melir ferne ist, wo aucli in Steiermark eine liohere, vor- urtlieilsfreie Auffassung der Verlialtnisse Platz greifen wird — wir hof- fen zuversichtlich, dass die neue Landesvertretung iliren segensvollen Einfluss nicht nur auf die Brunnen der landschaftlichen Anstalt — die- sen mit Recht vielgepriesenen Landesjmvel — leiten, sondern, dass dieselbe alle ahnlichen Nachbarbrunnen und iiberhaupt alle Sauerbrun¬ nen der Steiermark freimiithig in Schutz nelimen wird und dies um so melir, da alle steirischen Sauerbrunnen zusammen genommen , eine der wichtigsten Industrieen des Landes reprasentiren. Den Einfluss der dortigen Badearzte auf dieses Badehaus wtinsch- ten wir vermehrt zu sehen. So ist z.B. von Vorweisung einer arztlichen Erlaubniss zum Gebrauche der Mineralbader bei uns noch kaum die Rede, ob\vohl wir es oft erlebten, dass sich Kurgaste, die der Trinkge- brauch sehr gut ansprach, dureli den eigenmachtigen Gebrauch dieses kriiftigen Mineralbades so bedeutend aufregten, dass dadurch selbst die Trinkkur unterbrochen werden musste. Da es nicht gut moglich ist, dass der einzig dort angestellte, standisclie Brunnenarzt, der noch dazu mit der Last der Direction und anderer ausserSrztlicher Officien iiber- laden ist, allein alle Patienten in BetrefF des Kurgebrauches iiberwachen kann, so wird man sicli friiher oder spater zur Wahrung der medizini- schen Ordnung auch an dieser Anstalt entschliessen miissen, alle Doc- toren der Medizin, die mit den dort gebotenen Kurmitteln Sommer fflr Sommer Kranke behandeln , als gleichberechtigte Brunnenarzte anzuer- 13 kennen. Man wird endlicli auch d i e s e n BrunnenSrzten Einfluss auf den specifisch - medizinischen Theil der Anstalt, wozu die Mineralbader sicherlich geliorcn, gestatten, und denselben Gelegenheit verscliaffen mlissen, zur Vervollkommnung der Kuranstalt ihr mdglichstes beizutra- gen, sowie die 'VPfinsche der ilmen anvertrauten Patienten zur Geltung zu bringen. Dioss liesse sicli gauz leicht und zweckmassig durch Ein- fUhrung eines Kur -Komi tes einleiten, \voriiber wir unsere Wiinsche im nachsten Absatze aussprechen wollen. V. Wir wundern uns, dass man in Bad. Rohitsch niclit lange sclion ein entsprechesd zusammengesetztes Kur-Komite in’s Leben rief. So ein Komite konnte die von uns projeetirte Reform des Kurortes, d. i. die Wiedereinftihrung des urspriioglichen, medizinisclien Programms vom J. 1804 bewerkstelligen; allen Hass von Seiten der gegen die medizi- nische Ordnung Ankampfenden tragt dies Komite und viirde nebstdem nocli die Verantwortung filr die neuen Einfiihrungen tibernehmen, wel- cbe bei dem jetzigen Absolut-Regime nur von Einzelnen getragen wird. Was die Zusammensetzung eines deriei Ivomite’s botrifEt, so wtirden wir vorsclilagen, dass der k. k. politische Vorstand des Bezirkes den Vor- sitz ftihre, woraus demselben der Vortheil envaclist, dass es die Executivgewalt zur unvenveilten Ausftihrung seiner Beschliisse in sich begreift. Weiters ližitten in diesem Komite sammtliche Brunnen- iirzte Gelegenheit ilire mehrseitigen , mitunter mit den Ansiehten der Badeinhabung niclit liarmonirenden Verbesserungsvorschlage vorzutra- gen und der freien Discussion und Abstimmung zu untenverfen. Unser projeetirtes Kur-Komite miisste nacli unserer Ansicht nebst derRegelung des Trink- und Badegebrauebes vor AUem die Uberwachung der Klichen in die lland nehmen, mit der abwechselnd die Brunnenarzte betraut werden konnten. Es gibt namlich kaum einen Kurort in der eivilisirten Welt, an dem man eine so totale Vernachlassigung aUer entsprechenden Diat findet; denn Gurkensalat und andere sauere Salatsorten, Schinken, gerauelierte und vcrpfefFerte Wilrste mit Sauerkraut, Kohl, dickhautige Erbsen, Pa¬ prika- und sonstige pikante Saucen, der national-steirische Sterz, Blat- terteig und Schwamme sin d bei diesem Glaubersalzbrunnen, der wie bekannt, bei langerem Fortgebrauehe die Ver- dauungsorgane sclir empfindlich stimmt, an der Tagesord- nung und zwar auf den Speisekarten, wie auch bei der noch leichter 14 zu 1iberwachenden Table d’ hote. Stlirmische Diarrhoeen, bei denen Arzte (die es nicht unter ihrer Wtirde lialten, sich um dio Stuhlgange ihrer Pa- tienten zu bekiimmern) viele dieser Speisen unverdaut wieder sehen kbn- nen — weiters Brechdurchfalle und sonstige imliebsame Symptome — dadurcb Misslingen der beabsichteten Brunnenkur — friibere Abreise dis- gustirter Kurpatienten — endlich Discreditirung unserer vortreffliehen Heilquelle — dies sind dieFolgen, welche wir von dieser sauberen Brun- nendiat schon so oft bei unseren Gasten erlebten. Mancher neuange- kommene Kurgast wird durch diese, denZwecken der Heilanstalt schnur- stracks zuwider laufende Gepflogenheit zu dem Wahne verftihrt, es ver- triigen sich derlei Speisen mit unserer Kur und kommt bei langerem Trinkgebrauche sicherlich zu Schaden — ein anderer unterliegt dem verftihrenden Beispiele der Tisch-Nachbarn und gleichzeitig dem zu An- fang der Kur meistens gescharften , ausserordentlichen , sogenannten „Ro]iitsclier-Appetite“. So weit kann ein. verkehrtes Programm filhren! Uberhaupt betrachtet, war bei dem bisherigen Stand der Kuranstalt und in Beriicksichtigung des Umstandes, dass die Viktualien flir eine feinereKost oft aus den benachbartenStadten lierbeigescliatft werden, der monopolistischeDruck derTraiteur-Wirtlischaft fllr die Anstalt allerdings selu- niitzlicli — doch mrd man bei der Weiterentwicklung derselben dar- auf bedaclit sein miissen, Einrichtungen zu treflfen, dass die Kurgaste ihre eigene Ktiche ftlhren kiinnen ; hiezu ist vor AUem eine Fleischaus- sclirottung in einem der benachbarten Dorfer unerltisslich. Wir vviirden dem ktlnftigen Kur-Komite vorschlagen, vor derHand, bis sich im Publikum eine bessere Meinung liber die medizinische Wirk- samkeit uuseres Brunnens \vieder festgesetzt haben wird ; einckurmas- sige und davon getrennt eine Table d’hote in der bisherigen Verfassung ftlr Sommerfrischler und Passanten zu etabliren und in allen Kttchen un- seres Baderayons die mbglichste Fernhaltung kunvidriger Speisen anzu- balmen. Dem ktinftigen Kur - Komite ivird es leiclit sein, den Verkauf aller Obstsorten, insbesondere von schlecht qualiflcirten Birnen, Apfeln, gelben Pflaumen u. s. f, am Trinkbrunnen und auf den Promenaden ab- zustellen. Mochte unserem Heilort redit bald ein solches Kur-Komite werden, und mbge selbes mit der entsprechenden Energie unser liebliches und hoffnungsreiches Sauerbrunn - Rohitsch auf jene Hohe der Entivicklung bringen, die dem Gehalte seiner vortreffliehen Quellen entspricht! 15 YI. Neben der Vermiethung der Gastewolmungen ist die Ausbeutnng des landschafflichen Tempelbrunnens zum Behufe der Fiillung und Versendung der Flasehen der goldene Faden, an dem diese Unter- nehmung vorzugsweise hSngt. Dic Zalil der jahrlich abgesetzten Sauer- brunnflaschen war seit mehreren Dezennien, mit vrenigen Ausnahmen, in fortwiihrendcr Progression begrifFen imd betrug im Jabre 1859, trotz der Eisenbahnsperre, 861,000 Stiicke, das Hochste was man bislier er- reichte. Diesen Bedarf wahrend des Friihjahrs und Sommers zu decken, vermochte unsere bertthmte Sauerquelle schon lange nicht mehr; man musste daher bereits vor 30 Jahren den gcsteigerten Begebr nacli diesem allgemein beliebten Getranke durcli FlasclienfUllungen an schonen Herbst- tagen, durch die sogenannte Yorftill ung, befriedigen, wobei auf die Witterung der skrupuloseste Bedacht genommen wurde. Um die alljahrlich steigenden Bestellnngen zu effectuiren, ging man in neue- ster Zeit von jener lobenswerthen Vorsicht ab und ftillt sogar seit eini- gen Jahren durch den Herbst, Winter und Frtihjahr, olme irgend eine Rttcksicht auf die atmospharischen Verhaltnisse, fabriksmiissig fort; diese vorgeftillten Flasehen werden mit der antizipirten Jahreszahl auf der Kapsel eingekellert und damit nahezu alle grosseren Flasclien- und Ki- stenbestellungen in die Ferne gedeekt, wahrend das im Sommer gefiillte, treffliche Sauerwasser zumeist an grossere und kleinere Fuhrleute ab- gegeben wird, die es in den benachbarten Landschaften verliausiren *)• Mit Bedauern miissen wir bericliten, dass durch dieses Gebaren der Ruf des altberiihmten Rohitscherwassers sehr gelitten hat, obwohl da- durch filr den Moment fur den Landesfond eine bedeutende Ertrags- erholmng erzielt \vurde. Ilaufig wurde der Verfasser von Wiener Kaufleuten gefragt, worin denn die Ursache der Abnalime der Qualitat des Roliitscherwassers zu suchen sei. Naeh unserer Uberzeugung ist der Ilauptgrund der Unzufrie- denheit jener Herren mit unserem Brunnen in der neuerliclist be- liebt gewordenen Rtlcksichtslosigkeit zu suchen, mit der man sich beim^Betriebe des Fullgeschiiftes liber Witterun'g und Jahreszeit hinivegsetzte. Und doch ist die grbsste Vorsicht bei der Fiillung aus diesem Brunnen unerlasslich, da der landschaftliclie Rohitseherbrunnen ein ftir Rcgenniederschlage sehr *) Wir schildern hier den Geschaftsbetrieb der letzten Jabre und bemerken, dass uus wohl bekannt ist, dass im letzten Winter nicht mehr vorgefiillt wurde. 16 empfanglicher Sauerquell ist, dessen Wassermenge bei anhaltenden Re- gengtissen um ein Drfttheil und melir gesteigert \vird ; dieser tibelstand ist bei unserem Sauerbrunnen leicht erklarlich, denn die Temperatur desselben iibertrifft die mittlere Jahres- und Bodentemperatur nur wenig, woraus man mit Recht auf einen selil- oberflžichlichen Verlauf der Quellen, wenigstens im nachsten Umkreise des Brunnens, schliesst, und so kommt es, dass die Tagviisser bei Regenzeit und Sclmeesclimelze ihren Wcg durch die obersten, lockeren Erdsehicliten zu den Sauerlingsadern finden und das Minerahvasser verdiinnen. Sind dagegcn die obersten Erdschich- ten bei grosser Sommerdiirre trockener geworden oder sind die Tagwas- ser durcli anhaltende Winterkalte in den obersten Erdsehicliten gebunden, so liefert d.er Brunnen vortreffliches Mineralwasser. — Ftillt man nun einen durcli Tagwasser zu selir verdtinnten Eohitschersauerling in Fla- schen zur Weiter versen d un g, so resultirt daraus eine geringere Haltbar- keit desselben, deren Folge das Entstehen eines grauflockigen Boden- satzes ist, der beim Aufrtitteln das Wasser triibt und demselben ein schmutziges Ansehen gibt. In dem mangelhaften Betriebe des Fiillge- schitftes also ist die Ursache der vielen Klagen der Rohitsehertrinker und Kaufleute liber die Abnahme der Qualitat unseres an sich vorziiglichen Sauorlings zu suclien. Was man durcli die neuerliche Aufstellung der Tober’sclien Hebemaschine zum Behufe der Flillung in der Qualitat die- ses Mineralwassers, besonders in Betreff des Kolilensauregelialtes, ge- wann, das hat man wieder durcli das Bestreben verloren, die Zalil der abgesetzten Flaschen, oline Riicksiclit auf den inneren Gehalt, so weit nur moglich zu steigern. Welclien Variationen in Betreff der Summe der festen Bestandtheile dieser Sauerling unterliegt, beweist Folgendes: Der st. st. Tempelbrunnen bei Roliitscli ergab nacli der Analyse des Prof. Schrbtter im J. 1837 auf l Civilpfund 44,165 Grane fest. Best. Zufolge der von dem Chemiker der geolog. Reichsanstalt Hrn. Karl Ritter von Bauer vollflihrten Un- tersuchung ergab eine Flasche desselben Minerahvassers vom Herb- ste 1860, die ich unlangst in einer bekannten hiesigen Mineralwasser- handlung kaufte, per Civ.-Pfd. nur 33,339 Grane — eine zweite in einer anderen Handlung gekaufte Flasche, auf dasselbe Wasserquantum, 82,709 Gr. und eine Flasche von Anfang Februar 1861 ergab gar nur 81,580 Grane feste Bestandtheile. Da man keinen Anlass hat, die Ana- lyse des beriihmten Prof. Schrotter zu bezweifeln und eine constante Abnahme eines halbvvegs ertraglich gefassten Sauerlings um 12,585 Gr. per Pfund nirgends in der Welt nachgewiesen wurde, da ferner unsere Versuche mit der grossten Genauigkeit gemacht wurden, so kann man 17 obige Analysendifferenz nur auf Reclinung der Dilution des Sauerlings durch Tagwasser schieben und zur Walirung des Rufe s unserer treffliclien Mineralquelle sicherlich keinen besseren Ratli geben, als den, d ie angst- lichste Genauigkeit und die gewissenhafteste Riicksicht auf die meteorologis ch en Verhaltnisse bei der Filllung wieder einzuftihren. Die Reform des Fiillbetriebes miisste nach meiner Ansiclit in Fol- gendem bestehen. Nach jedem iSnger dauernden Regenniederschlage und sobald man bemerkt, dass sicli dieses Minerahvasser von matterem Ge- schmacke und etwas triibe, ins Blaulicbe spielend zeigt, solite dieFlillung so lange eingestellt und das Wasser entw'eder weggegossen oder zum Bade verwendet werden, bis Geschmaek und Ausseben beweisen, dass der Zu- fluss unliebsamer Tagwasser aufgehort bat. In solclien Momenten ist es Zeit die Wissenschaft zu fragen, die uns die Bestimmung der Wasser- harte i. e. des spezifischen Gewiclites durch die Wage, durch die Titrir- methode oder durch ein Araometer bietet. Ich bin gegenwartig mit Kon- struction eines solclien Quellengelialt-Messers (P egom e ter) und mit Messungen von Mineralwassern unter Kontrole chemischer Gehaltsbestim- mungen bescbaftigt und lioffe mit Ausgang der kommenden Saison den Verdttniiungsgrad unserer Sauerquelle bestimmen zu konnen, liber den hinaus die Filllung unterbrochen werden miisste, indem ich liier erklare, dieses Pegometer zur Verfiigung des Brunnens stellen zu wollen. Die be- sprochene Vorsiclit sclieint uns auf so lange unerlasslicli, bis der grosse Wurf gelungen sein wird, dem bedauerlicben Zufluss der Tagrvasser bei Regenwetter zu unserer treflliclien „Roitschocrene“ durch eine, erneuerte Fassung zu steuern. Durch Beobachtung obiger Vorsichten wird zwar die Production von Versendflasclien etwas verringert und die Rentabili- tat dieses Brunnengeschaftes um etwas verkiirzt werden; doch sprechen wir liier die Meinung aus, dass die Soliditat und Dauerbar- keit eines jeden industriellen Unternehmens niclit in der massenliaften Erzeugung eines zum Tlieile mittel- mšssigen, sondern in der Lieferung eines gleichmassig qualifizirten, musterhaften Artikels bestelie.—In Betreff der Verkorkung mdchten wir vorschlagen, dass man von der Manipula- tion mit Sclilagkolben, wobci Tausende von Flaschen zerschlagen wcr- den, ab- und zu passendcn Verkorkungsmaschinen iibergehe: ferner wiinschen wir die Anwendung der allerbesten Korke, auf deren Wasser- seite unser Landeswappen dcutlicher erscheinen moge. Die Verpichung ge- schieht hier haufig mit halbverbrannter Verpiclimasse, so dass die Kapseln nur wenig haften und daher leicht unversekrt abgelbst werden konnen. 2 18 Der so Mufige Flaschenbruch bei der Verkorkung und bei der Ein- kellerung der vorgeftillten Flaschen, sowie im Magazine, bei der Packung und dem Transporte ist ein grosser Schaden, welcher an dieser Anstalt zumeist die Abnehmer im Grossen und Kleinen trifft. Die vorgeschlagenen Verkorkungsmaschinen und die strengste Aufsicht bei der Manipulation werden jedoch den Flasclienbruch nur in etwas mindern, wenn die Brun- nenverwaltung gegeniiber den Glasfabrikanten nicht darauf dringt, bes- ser qualifizirte Flasclien zu liefern. Audi lialten wir zur Ordnung dieses Geschaftes die Vermehrung des Aufsichtspersonals und die Besserbezah- lung der Arbeiter ftir unerlasslicli. Was die Vorsiclit bei der Versendung betrifft, so mbchten wirzwi- schen den zum Arzneigebrauche und den zum diiitetischen Erfrischungs- getriinke verscliickten Flasclien strenge untersclieiden und erstere durch eine eigene Flaschenform und einer Vignette mit entsprecbender Auf- schrift und Jahreszalil auszeichnen und mochten diese ftir die Apotlieken und Kranken bestimmten Flaschen mit aller mogliclien Riicksiclit auf die Witterungsverlialtnisse (incl. Barometerstand) fiillen und mit der grossten Genauigkeit verscliliessen. Es sckeint uns fiir die steirische Landschaft von hochstem Tnteresse zu seiii, die baldmbglichste Reacti- virung des alten, mcdizinisclien Rufes ilires Sauerbrunnens durch die eben angedeuteten Mittel energiscli anzustreben, da die als Ileilvvasser abgesetzten Flaschen ohne oder mit sehr geringer Konkurrenz in die Welt gehen , walirend die zum diiitetischen Gebrauche versendeten Fla¬ schen eine massenhafte Konkurrenz durch andere Sauerlinge zu beste- hen haben. Nennt man docli z. B. im Wirthshausgebrauclie zu Wien jedes Sauemvasser „Rohitscher“, welches in den gewolinlichen, griinen und kurzhalsigen Flaschen vorkommt und mit Wein moussirt, ohne sicli um die Analyse und darum zu ktimmern, ob der Sauerling aus Steier- mark, Ungarn oder Mahren stammt. — Um die Wiederbelebung des frtlheren mcdizinisclien Rufes unseres Sauerbruiinens in der Residenz an- zubahnen und um diesen Vorschlagen eine praktische Folie zu unterlegen, bat es der Verfasser dieser Broschiire eingeleitet, dass bis zur Einfiihrung der neuen Flaschenform vor der Hand gewohnliche Rohitsclier-IIalbfla- schen, die mit obiger Vorsiclit, grossentlieils unter seiner personlichen ln- tervention iverden gefiillt werden, in Wien zur Abnahme ftir Kurbediirf- tige und Apotheker in grosseren Partien oder flascliemveise zu haben sein werden. Wie oft kam es z. B. vor, dass Aerzte, auf deren Verord- nung ein bis zur Undurchsichtigkeit getrilbtes Rohitschenvasser anlangte, nothwendig' mit ihren Patienten das Vertrauen in die Heilkraft desselben verlieren und dalier ein anderes, meist bohmisches, wohl aucli ausliin- 19 disclies Mineralwasser zu ihren Kurzwecken wahlen mussten! Um jedoch Miesverstandnissen zu begeguen, erklaren wir liier, dass wir uns dureli- aus nicht gegen die Fiillung in irgend einer Jahreszeit bestimmt aus- sprechen konnen. Das verdtinnteste ist in gewoknlichen Jahren das Fe¬ bruar- und MSrzwasser; docli kann man in jedem Monate des Jabres vortreffliches Mineralwasser gewinnen, denn massgebend sind liier nur die meteorologischen Verhaltnisse, deren gewissenhafteBeriicksiclitigung wir noclunals eindrjmglichst empfehlen! — Bei der Fiillung der zum diatetischen Getranke mit Wein bestimm- ten Flaschen konnte man allerdings mit minderer Genauigkeit verfaliren und selbst von der zufolge Ministerial -Verordnung auf die Kapsel zu pressenden Jahreszahl abgehen, da diese Verfiigung ohnedies durch die tolerirte Vorftillung illusoriscli geworden ist. Docli wird es zum Rufe der Rohitscherquelle \vesentlich beitragen, wenn man in die Hauptstadte der Monarchie und iiber unsere Grenze nur ausgezeichnetes Wasser von friscliester Fiillung senden und lieber die Kleinhandler aus obskuren Orten abspeisen wollte mit minder qualifizirtem Magazinwasser. In Riick- sicht des diatetischen Verbrauches der Robitscher und anderer Siiuer- linge sei es uns liier erlaubt, eines allgemein verbreiteten Vorurtheiles zu erwalinen, dass man namlich kein derlei Wasser mit Wein trinken dlirfe, wenn sich die Witterung kiihl und regnerisch gestaltet. Sonder- barer Weise nahrcn dieses Voriirtheil die.selbeu Lente, die keincn An- stand nehmen bei jeder Witterung und jeder Jahreszeit Sodavatcr, Li¬ monade gazeuse, Brausepulver, aus - und inlandisehe Schaumweine u. dgl. zur Erfrischung' zu nehmen. Und doeh konnen wir kein so erquicli- lic.hes Restaurirungsgetrank, als ein Gemisch eines Sauerbrunnens mit echtem , jtingeren und sauerlichen Wein, und so mancher schwerblutige Biertrinker wtirde, besonders bei den jetzigen Preisen des Gerstcnsaftes mit grosstem Vortlieil flir seiu Befinden, seineu Humor, seino Arbeits- kraft und seme Borse, dem von uns bevorvvorteten Getranke den Vor- zug geben. Vielfache Erfahrung bei Vorurtheilsfreien hat bewiesen, dass Rohit- scher-Sauerwasser mit entsprechenden Weissweinen (fiir Damen mit Zu- eker versiisst), ferner mit Fruchtsaften, mit Citronsaft und Zucker u. dgl. zu jeder Jahreszeit trefflich mundet und eine wohlthuende, erliei- ternde Champagnerwirkung hervorruft. Solite irgend einem delikateren Magen, der medizinisch-kraftige st. st. Tempelbrunnen zu salzreich sein, so stelien den Trinkern eine ganze Reihe von trefflichen Sodasiiuerlin- gen aus der Rohitscher- und Gleichenberger Gegend zn Gebote, deren 2 * 20 Hauptbestandtheil nebst der freien Kohlensaure das kohlensaure"' Na- tron ist und welche daher die Verdauungsorgane nur sehr -vvenig tumul- tuiren. *) Doch steht der Popularisirung der Sauerlinge, insbesondere fiir den Wienerplatz, nebst obigem Vorurtheile, vor Allem die Vertheuernng des „Rohitschers“ entgegen, den unser vom Brunnen ab sehr billig ge- lieferter Artikel von denjenigen erleidet, die das Sauerwasser zunachst an das Publiknm abgeben. Weinwirthe und Kaufleute werden sicli ent- schliessen miissen, mit geringerem Profite bei unserem Artikel vorlieb zu nehmen, und erstere fanden besonders darin einen Grund zur Herab- setzung des Preises, weil wie bekannt jeder Weingast mehr Wein trinkt, wenn er Sauerling zugiesst , und \veil dem Gaste ein minder qualificirter Wein mit Sauerling besser mundet und anscldagt als ohne diese er- quiekliche Beimischung. Was schltisslich die Verbreitung der Rohitscherwasser in die Perne betrifft, so vermissen wir die entsprechende, merkantilische Umsieht und Thatigkeit. Der Hauptzug uuserer Wasser gelit nacli Ungarn und dessenNebenlandernmittelstFlusstransportauf der Drau; man findct dort das Roliitsclierwasser bis in die BergstSdte und obersten Tlicissgegen- den, vorziiglich aber in den wasserarmen und wechselfieberreichen Nie- derungen verbreitet und zugleicli kornmt es vor, dass niclit einmal Wien mit diesem Artikel in bester Qualitat versorgt ist. Der Export iiber unsere Grenzeh ist hoehst unbedeutend und konnte liber Triest naeli England und Belgien und von da nacli allen Welttliei- len massenhaft gesteigert werden. Die alljahrlich aus den Hiifen jener Lander exportirten Millionen von Krligen natiirlichen und ldinstlichen, in Deutschland fabricirten Selterwassers geben Zeugniss, welehen Werth die in heissen Klimaten lebenden EuropSer auf den erquicklichen und prophylaktischen Verbrauch von Kohlensauerlingen legen. Docli mtissten ftir den iiberseeischen Transport die sclion oben von bester Qualitat em- pfohlenen kleineren Plaschen verwendet werden, wenn man sich niclit gar zur Versendung in Kriigen und zur Errichtung einer Kriigelei wird entschliessen miissen, wozu die thonreiehe Roliitschergegend das treff- licliste Materiale liefern konnte. Welcbe Summen von Kriigen konnte *) So z. B, cntliak nach der in der k. k. geologischen Reicksanstalt im Mai 1860 vollfiihrten Analyse der Ivosalienbrunnen bei Rohitsch auf 1 Civ. Pfd. 31,930 Gran fixe Bestandtheile, darunter 29 Gran kohlensauern Natrons ; dabei etwas Kieselsaure, Kalk und Magnesia und keine Špur von Schwe- felsaure. 21 die steirische Landschaft von ihrem im der arztlichen Welt altbekannten Heilbrunnen ins Ausland absetzen, welch’ frendigen Aufschwung konnte im Allgemeinen diese wiclitige Landesindustrie nehmen, wemn man den bestgemeinten VorschlSgen eines in Brunnensachen vielerfahreneii Pa- trioten geneigtes Gehor schenken wollte! — VIL Dio Wohnungen inBad Rohitsch sind zwar sehr sauber gehalten, doch jedenfalls von dem, was man comfortabel nennt, nocli selu- weit entfernt; so finden z. B. krinolinreiche Damen, dass liier nocli manche, fiir sie unentbehrliche Einrichtungsstiicke felilen; es mangelt an Vorzim- mern, und fiir die Dienerschaft muss ontvveder ein anstossendes Zimmer gcmietliet oder es muss selbe in cin zwei oder drei Stockvverke hoher ge- legenes Dachzimmer untergebracht verden. Ein llausgerathe, das bei einem Glaubersalzbrunncn niclit selten in Anspruch genommen wird , ist tlieils in ungenUgender Zalil, tlieils in selir abschrcckender Gestalt vor- handen. Es klagen weiters die Kurgaste selir haufig iiber nachtlichen Liirm auf den Treppen und Gangen, der sie um so empfindliclier beriihrt, da viole Zimmerthiiren sclilecht sehliessen, cine DoppelthUr oder ein Laufteppich nirgends vorlianden ist*). Da ali e Wolmgebaude in Bad Rohitsch hotelartig gebaut sind, so wird man sicli endlich doch ent- schliessen miissen, in ihnen alle jene kleinen Verbesserungen in’s Leben zu rufen, die den Aufenthalt in einem lldtel fiir feinere und krankeLeute auf die Lange ertraglich machen. Leider gibt es in unserem reizenden Brunnenorte nicht ein einziges, cntsprechend eingerichtetes Appartement oder Hans, \vo man den Anfor- derungen hoherer oder hochstgestcllter Kurgaste Geniige lcisten konnte. Es wird im Interesse der steirischen Landschaft liegen, in der Zukunft nacli einem ganz anderen Systeme, als bislier, den Kurort weiter aus- zubauen. Das eigentliche Brunnenthal ist jedoch mit unseren gasthof- massigen Hausern nah'ezu ganz iiberfiillt und in der N a h e der Sauerqtiellen zu bauen verbietet eine sehr lobenswer- tlie Vorsicht; man konnte.daher mit ahnlichen, massivenBauten nur in den zwei Seitenthalern gegen II. Kreuz und auf der Wienerstrasse fortsetzen, ivodurch man jedoch den Wtinschen heiklicher Patienten und uberhaupt ruhebedlirftiger, abgehetzter Giiste aus grossen Stadten nicht nachkommen wird. *) Wir schildern liier die Roliitscher-Kuranstalt, wie wir sie mit Ende der Saison 1860 verliessen. 22 Man gelit „auf’s Land“, mit der Erwartung, dass man am Orte seiner melirwochentl iclien Niederlassung sicli von dem betSubenden Stadtelarm erholen werde; \vie oft sicli die Roliitschergaste darili ge- tauscht finden, konnte z. B. manclier epliemere Bevrohner von Haus Nr. VHI, IX oder XV erzalilen. Nebstdem spricht gegen die weiteren Bauten im Thalgrunde die atmospharische und Bodenfeuditigkeit unse- res Waldklima’s. Man wird daher, um den Anforderungen der neuen Zeit und den Sanitatsrticksichten mogliclist zu entsprechen, Bad Rohitsch nur durch Erbauung von Landliausern auf den nachstgele- genen Hiigeln zweckmassig ervreitern konnen. Die den Bruimenort umgebenden, der steirischen Landschaft eigen- thiimlichen Grundstticke bieten hinlSnglichen Raum zur Erbauung von einem halben Dutzend und melir solcher Villen, die jede ftir sich auf sanften Hiigeln, inmitten theihveise abgeschlossener Gartenpartien gele- gen, durch ikre Einrichtungen dem feineren Gesclimacke und durch ihre hohere Lage den sanitaren Riicksichten entspreclien wiirden. Durch den projectirten Villenbau konnte unserem Kurorte auch dor Vortheil er- waclisen, dass Kurgaste iiber die vollendeteKurliinaus gerne bei uns ver- weilen w tir d en, wie es in entsprechend eingerichteten Badeorten so liau- fig geschielit und wozu Naturfreunde durch dieVorztige unseres Klimas und unserer liebliclien Umgebung so leicht veranlasst werden kijnnten. Um auf diesem AVege die Verlangerung der bei uns so auffallend kurzen Saison zu erreichen, miissten jedoch verschiedene, dorthin ab- zielende Einriclitungen getroffen \verden, in welcher Hinsicht die Er- mogliehung, eine eigene Kiiclie zu ftthren, obenan steht. Durch den projectirten Villenbau wiirde iiberdies ein dem Auge vrohlthuender tlbergang von der stiidtischen Ilauserreihe im Thale zu der umgebenden AValdnatur vermittelt und so auch die Hauptansicht unseres Kurortes als landschaftliches Bild viel gevvinnen. Gegen wartig macht der erste Anblick des Kurortes auf die aus Wien Ahkommenden keineswegs einen angenehmen Eindruck, denn es zeigt sicli zuerst ein gemeiner Pferdestall, der sich besonders ivahrend der Bauernsaison in Bad Krapina einer grossen Frequenz erfreut. Die Hinwegrfiumung dieses Stalles und Verlegung desselbeu weiter liinaus in’s Thal, wenn auch in eine, bis jetzt nicht landschaftliche Lokalitat wird allgemein und insbesondere von den Gasten des Triestinerhauses lebliaft gewtinscht. Die Preise der Wohnungen, besonders seit der 50 8 Steigerung derselben auf der Hčihe der Saison, finden die meisten Gfiste sehr bedeu- 23 temi, besonders wenn sie in Bad Rohitsch langer venveilen. Man lebt in vielen Kurorten des In- und Anslandes wohlfeiler nnd vielgereiste Bad- besucher erzdhlen, dass sie in Recoaro z. B. um 2 fl. Silber per Tag mit AUem vortrcfflich verpflegt waren, dass sie in dem 5600' lioch gelege- nen San Morizzo in einer Sehweizerpension filr allen Comfort nnd die feinste Kiiclie im Tage aucli nicht viel mehr ausgegeben liaben n. s. f. Dass tinser Kurort in Betreff der Kiiche allerdings mit vielen Nachtheilen zu kSmpfen iiat, ist bekannt; es ist hier der niedere Kul- turzustand der umgebenden Landscbaft entschuldigcnd zu cnvahnen, da z. B. im \veitesten Umkreise, bis gegen die benachbarten Stadte hin, nicht ein etwas bedeutendercr Ktichengarten existirt, vrelcher die Kur- anstalt mit feinen Gemiisen entsprechend versorgen konnte. — Die stei- risclie Landschaft konnte die Wohnungspreise doch etivas mildern, wofiir sie die allgemeine, dankbare Anerkennung ernten \vtirde und cs konnte durch die mit zvreckmiissigcn Mitteln zu verlangernde Saison dieser Ausfall in der Landeskasse reichlich ersetzt werden. •— Ilaufig wnrdc geriigt, dass die Zimmenvarterslcute nur slovenisch spreclicn, dagegen erwahnen wir , dass die meisten wenigstens deutsch verstehen und die liie und da schvvierige Verstandigung wird den Kurgasten durch die Treue, gemtitliliche Aufmerksamkeit und Dienstwilligkeit ersetzt; wol- len die Rohitschergiisto gerecht sein, so wcrden sie einsehen, dass man in einem, im Wendenlande gelegenen Badeorte dem dortigen armen Landvolke dieson Erwerb doch unmoglich entziehen kann. Obrigens gibt sich der praktische Sinn des Volkes in dem Bestreben kund , sich die deutsche Spraclie anzueiguen und bei der Gelehrigkeit der Wenden diirf- ten unsere Kurgiisto diesbczUglich nicht lange mehr zn klagen liaben, ■vvenn anders diesem berechtigten Volkswunsche in den Schulen aufrich- tig Reclmung getragen wird. Vili. Allgemein anerkannt ist, dass das R o h i t s c h e r - K u r 1 e b e n ein heiteres und bewegtes ist; die Anstalt darf nur geschehen Iassen oder hie und da etwas durch die reiclien, ihr zu Gebote stehenden Mittel veranstal- ten oder anregen, um die allgemeine Heiterkeit zu unterhalten und zu steigern. Unter den von der Anstalt gebotenen Vergniigungen stehen; die Kaffeehausgeniisse oben an. Doch so musterliaft das Gebiiude mit dem grossen Kursalon und den bciden Seitenflugeln von demBauinspektor II a s - linger projektirt und von den Herren Standen Steiermarks prachtvoll ausgestattet wurde, so sind die Kaffeehauslokalitiiten durchaus zu be- 24 schrankt ausgefallen, welcher Umstand die Kurgaste besonders bei Re- genzeit sebi- empfindlich trifft; man wird vielleicht doch das erste Stock- werk des Kaffeehausfltigels dem Vergniigen des Kurpublikums opfern mtissen. Wir sind zu wenig bauverstandig, um entseheiden zu konnen, ob jenes erste Stockwerk zur Etablirung eines Lesesalons mit Billards und Fortepiano — zu einer Art Casino umstaltet werden konnte. Die einfachstc Erweiterung des Kaffeehauses fiir Regentage scheint uns jedocli durch Absperrung des entspreclienden Terrassenflttgels mit Glas- wanden erreiclit werden zu konnen. Das Hauptvergntlgen der RohitschergSste besteht jedocli in den die Kur wesentlich fordernden SpaziergSngcn und Excursionen in das den Brunnenort umgebende, liebliche und wechselreiche Htigelland, das sie mit allen Reizen idvllischer Wald- und Feldnatur umfiingt. Derlei Aus- fltige werden meist des Morgens am Brunnen oder im Katfeebause bespro- chen, und es ware daber die Aufstellung eines richtigzeigenden Barome- ters und Thermometers am Brunnen selir angezeigt. Ob\volil wir die Neulinge in Bad Roliitscli um die Mdglichkeit, sicli in diesem interessanten IItigellabyrinthe zu verirren, beneiden, so finden wir docli den Wunscli der Giiste, durch mchrero Wegtafeln iibcr das Zicl ihrer AVanderungen belehrt zu werden ; selir begreiflieh. Docli kaum um- fangt den Wanderer der erquickliche Schatten der naclistgelegenen Laub- walder, so fiillt sein Bliok auf gewisse, das itsthetische Geftilil beleidi- gende Bretterverscliliige, die auf cine zu augenfallige Art ihrc Bcstim- mung verrathen und bei denen die dortige Gartenkunst nur selnvaclie, total misslungene Veršuche maclite , diese abschreckenden Objekte tur die Vortibergelienden zu maskiren. Uberhaupt hat die Gartenkunst in Bad Roliitscli die reiclieu Geschenko Flora’s nocli nicht entsprechend ge- wtirdigt und leider soli die systematisclxe Umwandlung der Baum- und Blumenpartien in einen grossartigen englischen Park, die im J. 1855 vom Verfasser zuerst vorgeschlagen wurde, wegen des neuesten Um- schwunges im St;indewesen noch niclit in Angriff genommen sein. Und docli konnte das ausgedelmte Arrondissement der den lieblielien Kurort umgebenden, landscliaftliehen Besitzungen durch eine kunstfertige, von feinem Geschmacke geleitete Hand in \venigen Jahren in den reizendsten englischen Park venvandclt \verden. Das feuchtwarme Waldklima be- gtiustiget insbesondere die Blumenzucht ganz ausgezeichnet; tSglicher Friih- und Abendthau selbst in den heissesten, regenlosen Sommertagen, befruchtende, kurzdauernde RegenniederschlUgo erfrischen den Pllanzen- wuchs und geben der Wald-, AViesen- und Gartenflora eine solche Ftille und tjppigkeit, ein so saftiges Griin und eine Farbenpracht der Bllithen, 25 dass jeder sinnige Naturbeobachter beim ersten Eintritte in unser Brun- nentlial dadurch auf das angenehmste iiberrascht wird. Bis jetzt vermisst man in Bad Rohitsch die Segnungcn der hoheren Gartenkunst, die vor Allem der vom Brunnentempel sanft ansteigende Ferdinandsberg mit seinem prachtvollen Baumsclilage erwartet; ferner ist der vielbesuchte Janinaberg von seinem Fusse bis zum Gipfel mit einem monotonen Hoch- walde von meist unschonem Stangenholze bedeckt, der den Hinaufwan- delnden keinen Ausblick gestattet; so manche vielhundertjahrige Eiclie wtirde, von ihren Baumnachbarn befreit, einen majestatischen Anblick bieten, wenn sie ilire riesigen Arme und reichbelaubten Astgiebel unbc- hindert entwickeln konnte. Der vorzugsvveise Reiz eines englischen Parkes besteht ja doch in der geschmaekvoll arrangirten Abwechslung von Wald und Wiese, auf der einzelne Prachtbaume mitSitzbanken alsRuhepunkte dienen. Wir hoffen, dass solciie Ideen bei der projektirten, gartenktinstle- rischen Umstaltung des Janinaberges und des Triesterkogels die mass- gebenden sein werden, wodurch die allzu dichten Walder der naclisten Umgebung stellemveise gelichtet wiirden. Man wtirde hiedurcli dem asthetisclien Gefiilile, sowie den Anfor- derungen der Sanitšits-Polizei gleicbmassig Reclinung tragen , wclcbe Ietztere trockenere Luft durch vermehrte Ventilatio “ fiir diesen Kurort anstreben muss. Nacli unserer Meinung wird es bei dem besprochenen Projekt weniger auf neue Anpfianzungen, als auf sinnige Bentitzung und Siclitung des von der Natur so reichlich Gebotenen ankommen. Einen Wunsch hatten wir liier nooli auszudriicken, dass bei dieser Gelegen- lieit die dem Ankommendon allerdings imponirende Hauserreihe im Brunnenthale durcli Baumgruppen stellenwcise maskirt und dass so durch die Gartenkunst ein dem Auge wolilthuender Ubergang zwischcn den allzu st&dtischen Prachtgebauden und der umgebenden Waldnatur vermittelt werde. Vielleicht wird man auch die einst bestandene Einsiedelei am Fusse des Janina, wohin man durch die „Seufzcrallee“ gelangt und einige tjber- raschungshiitten fiir Regeniiberfiille entstehen lassen wollen. Allein trotz des niclit selten scimell voriiberzielienden Strichregens und des tiiglichen erquicklichen Thaues leiden unsere Gaste doch ofters durch ein feindliches Element der Grossstiidte, sie werden namlich vom Staube der Landstrassen belastigct. Man wird sich entschliessen mlissen, einen Theil der niclit unbedeutenden Kurtaxe auf die Bespritzung der beiden Strasscn, \venigstens bis zur „Minuettebriicke“ auf der Wiener- strasse und bis H. Kreuz zu verwenden. 26 Fiir vre it ere Ausfliige stehen wohl ztveispfinnige Fahrgelegenheiten bereit, doch fehlen Einspanner fiir minder Bemittelte und nocli empfind- licher ist der Abgang von Reitpferden und sonstigen Tragthieren mit Herren- und DamensStteln. Der einzige gemiithliclie, jetzt in Bad Ro¬ hitsch existirende Langolir wird nur zu Okoncmischen Zwecken verwen- det und sein Erscheinen dient nur dazu , in den Giisten die Erinnerung wach zu rufen , wie viel Vergnligen ihnen in so vielen anderen Bade- orten seine Briider verscliaffen *). Und doch fordert niclits die meisten, von Rohitsch emarteten Kurzwecke wesentlicher, als das gemassigto Reiten ttber Berg und Thal. Die Kurgaste , sowie die Sommerfrischler , die sicli schon bei der morgendlichen Brunnenkur durch ungewo]intes FrUhaufstehen und Pro- meniren abmtiden, kiinnen unsere , aus einem so wechselreicben Hiigel- gewirre bestehende Landschaft eigentlich nur im Reiten geniessen. Die Anstalt konnte vielleicht doch die Anschaftung von verlasslichen ttirki- schen Ponies und von einer entsprechenden Eselzahl einleiten, deren Ertrag durch das vielfach ausgesprochene Bediirfniss gesichert wiire. Am Zielpunkt der ktirzeren, wie auch der langeren Excursionen finden jedoch die Kurgaste ilire Wtinsche nach einem duftenden Kaffee und sonstigen Erfrischungen, in freier Gottesluft genommen 7 meistens unerfttllt. Man kann diescn tast ausnahmslos bestelienden Ubeistand ge- radezu niclit der Bade -Inspection in die Sehuhe schieben, da die In- dolenz der Umgebung und der daraus resultirende niedere Kulturzu- stand des Landes, sowie die Kurze der Rohitschersaison der Errichtung von derlei Anstalten hinderlich im Wege stehen. Die beliebteste aller grosseren Excursionen des Rohitsclier-Kurga- stes ist die nach dem Donatiberge, eine nur 2795 Fuss liber den Mee- resspiegel sich erhebende, hdchst merkwiirdige Bergeskuppe, von wo man eine der umfassendsten Fernsiehten der osterreichischen Monarchie geniesst und die man von Bad Rohitsch in einem starken Nachmittags- Ausflug erreicht. Ich habe in den Sommern von 1853 und 1855 mit einem bedeutenden Aufwande von Zeit , Miilie und Geld und von den Kurgesellschaften nur sparlich unterstiitzt, diesen interessanten Hohen- punkt durch Anlage von 3000 Klaftern parkmassigen Weges liber cin sehr schwieriges Terrain leiclit zuganglich gemacht und dureli sieben Saisonen in gangbarem Stand erhalten; hiedurch wurde der Donatiberg einer der beliebtesten Punkte fiir grossere Ausfliige der Kurgaste. Die st. st. Kurinspection hat weder durch ihren Einfluss unter den Gasten, nocli *) So sollen z, B. in Kecoaro den Kargasten 300 Esel zur Disposition stehen. 27 auf irgend eine andere Weise, diese meine Anlage gefordert, bat die- selbe im J. 1859 (wo ich den Kurort nicbt besnclite) ganzlich vernach- lkssigt; im J. 1 8 GO emllieli bat dieselbe Kur-Inspection, wahrend mei- ner Anwesenlieit im Kurorte und ohne mieh davon in Kenntniss zn setzen, durcb Kriifte, die nicht in ihrem Bereicha gelegen sind, den obe- ren Wegtheil herstellen, zwei Htitten bauen und Alles so einleiten las- sen, dass die Kurgaste nicht auf dem von mir angelegten, etwas weitern, docli scliattigen Wege iiber den Vorberg Siebenseheu, sondern von St. Georg ans auf einer steinigen ujid sonnigen Bauern - Fabrstrasse hin- aufgefillirt wurden. Hiedurcb wurde diese Angelegenheit ver wirrt und icli selbst wurde von verschiedenen Besucliern jenes Berges in der letzten Saison wegen des schlechten Weges von St. Georg aus und der enormen auf derSiidseite des Berges beim Anstiege ausgestandenen Hitze zuRede gestellt, wahrend ich doch in meiner Broschiire von erquicklichem Scbat- ten der BuchenvvSlder erzablte, der sie bald nach dem Verlassen des Wagens umfangen solite. Von den dortigen Bauern wurde mir erzablt, dass diese Arbeiten aus der Bezirkskasse bezablt wiirden und zum Schlusse kam es beraus, dass die dazu erforderlichen Gelder aus der st. st. Rentamtskasse im Kurorte erflossen seien, wahrend dort filr die Restauration des unteren Wegtbeile.s durcb den Begrttnder dieser An- jage kein Geld mebr voi-banden \var! Ich trage die Uberzeugung in mir, dass so ein Verfahren ftirder nicht mebr miiglicb sein wird und sprecbe freudigst das felsenfeste Ver- trauen gegentiber dem neuen steirischen Landtage aus, dass derselbe jede gemeinntitzige Unternelimung kraftigst besebiitzen und insbesondere seine segensvollc Aufmerksamkeit, sowie tiberbaupt dem Bade Rohitsch, so aucli dem vielgepriesenen Donatiberge, als einer der grossten Lan- desmerkwiirdigkeiten zmvenden werde! IX. Wir wolten zum Schlusse noch iiber die Stellung und den W i r - kungskreis der Brunnenarzte, sowie Uber die Pflege der auf den Kurort beztiglicben Wissenscbaften sprechen. An jeder gut eingerichteten Kuranstalt bat die NaUinvissensehaft und Medizin gewisse Fragen zu stellen, deren Beantvvortung die Kur- iirzte nur aus jahrelangen Beobachtungen schopfen konnen. Dem zu- folge sollen umfassende, meteorologische Beobachtungen mit hygro- ozono- und ombrometrisehen Messungen, Bestimmungen der Starke, Haufigkeit und der Ricbtungen der Winde aufgezeicbnet werden, damit 28 der Charakter des Klimas genau bekannt wird; ebenso so soli die Was- ser- und Gasmenge der Brun n en wiederholt gemessen imd allj Ehrlich mehrmals venigstens die quantitative Bestimmung der Quellenbestand- tlieile gemacht werden; es soli die Gegend geognostisch durchforscht und eine genaue geognostische Karte entvorfen, die Merkwtirdigkeiten des Stein- Pflanzen- und Tiiierreiches, mit der geognostischen Suite der nachsten und ferneren Umgebung, in einer allgemein zuganglichen Sammlung aufgestellt werden. Nacb jeder Saison soli ein vissenschaft- licher Bericht liber die Leistungen ^Icr Kuranstalt, unter Mitwirkung sammtlicher Badiirzte vom Kur-Komit6 veroffentlicht werden. Nebst der speciell - arztlichen Tlnitigkeit sind dies die Forderungen, velche die Wissenschaft an den modernen Kurarzt stellt; er kann und darf diese Postulate niclit ignoriral, will er anders seine Mission als Mann der Wissenschaft verstehen und seine Pflieht als Ileilkiinstler erftillen! Dies anf unseren Kuro rt angewendet fiihrt zur Errichtung eines meteoro- logischen Ob servatoriums und cliemischen Laborato- riums; letzteres ware dem wahrend des Sommers bier weilenden Apo- tbeker niclit minder ivillkommen und dieser kbnnte die anf der Ilbhe der Saison zu sehr in Anspruch genommenen Arzte bei Aufzeichnung der Witterungsbeobacbtungen unterstiitzen; in demselben Gebiiude kbnnte Raum gewonnen werden zur Aufstellung der naturbistorischen und geognostischen Sammlung, sowie fur die Apotheke. Wie wenig man in Bad Robitsch bisber fttr die Wissenscbaft ge- than, beweist, dass die letzte Analvse der Trinkquelle — des Tempel- brunnens — im J. 1837 von Professor S c h r btter ausgeftlhrt wordcn ist. Diese, fllr den damaligen Standpunkt der Cbemie verdienstvolle und genaue Arbeit diffcrirte wesentlicb von der friiheren Analyse, stellte diese Quelle in einem ganz anderen Charakter dar und machte den Arzten begreiflich, dass dieser Brunnen kein Stahhvasser, sondern einen erdigen Glaubersalz-Sauerling liefert, was anf die Wabl dieses Mineral- wassers bei einzelnen Kranken entscheidenden Einfluss tlbt. Wir fan- den es selir an der Z cit, eine erneuerte Analyso, sowohl des Tempel- brunnens, als auch aller Badequellen durch vielbewabrte Ohemiker, z. B. durch Prof. Gottlieb, oder Carl Ritter von Hauer einzuleiten, und finden dies um so mebr angezeigt, da dic analytiscbe Chemie seit zwei Dezennien so bedeutende Fortscbritte machte, dass eine neuerliche, exacte Untersucbung ein lialbes Dutzend Bestandtbeile mebr (z.B. Arsen und Kupfer) in diesen Brunnen oder deren Quellabsatzen nacbweisen wtirde. Wollte man sicli endlicb sogar auf den neuesteri Standpunkt der analytischen Chemie stellen, vas man von einer iiber so reiche Mittel 29 disponirenden Anstalt zu fordern berechtiget ist und mittelst Bunsens Spectralanalyse dies Mineralwasser noch genauer untersuehen, so lvurden nacli unserer tiberzeugmig darin Bestandtbeile nachgewiesen werden, von denen sieh die Leugner der Wissenschaft bisher kaum etwas trau- men Hessen. Die Chemie wUrde weiters bis zur Evidenz nachweisen, dass die Beh&uptung mehrerer Stammgaste, die unseren Brunnen seit 30 Jahren und liinger kennen, unbegrlindet sei, als habe der Tempel- brunnen an Gasgehalt und fixen Bestandtlieilen abgenommen. Ebenso wird die Chemie nachwcisen miissen, \vie viel von dem Eisen der Bade- quellen durch die Erbitzung der Biider verloren gelit und ob und wieviel diese durch die Erbitzung mit gluhenden Stablkolben an Eisengelialt gewinnen. Wir tinden es unbegreifiich, dass die Rohitsclier- Badedirec- tion den Weg der Wissenschaft nicht langst schon betreten liat, und erwarten vertrauensvoll die Lbsung allcr dieser Fragen von der Energie und Schvranghaftigkeit der neuen Landesvertretung. Doch stellen wir uns oben gezeiclmeten Pflichtenkreis eines Ro- hitscher - Brunnenarztes lebhaft vor Augen , erwSgen wir ferner , dass derselbe z. B. auf der llbhe der Saison taglich cin- auch zweimal mit 40, 50 und melir, nocli dazu meist nervosen und hypochondriscben Pa- tienten sprechen muss und fragen wir dann, ob so ein Brunnenarzt, wenn esilim anders mit demWohle derKranken und dem Gedeiben der Wissenscliaft Ernst ist — ob so ein Brunnenarzt noch Zeit tinden kiinne, sich mit der okonomischen Inspection des Kurortes abzugeben ?! Die Geschichte der Rohitseher - Kuranstalt seit dem letzten halben Jalirhunderte gibt liier die klare und bestimmte Antwort, dass bei der Vereinigung beider Stellen in einer Person immer entweder der Pflich¬ tenkreis des Inspectors oder der des Arztes gelitten hat. Dic ersten Dezennien nach Begrlindung der stamjischen Kuranstalt war es noch moglich, den Anforderungen dieser Doppelstellung nachzu- kommen, doch zeigte sich bei der raschen Wciterentwicklung derselben bald, dass die beiderseitigen Obliegenheiten, die ebenso das Allgemeine, wie das Detail umfassen sollen, kein Sterblicher erfullen kann. Man wird frtiher oder spater den arztlichen Director der Rohitsclier - Heilanstalt von der Last der unmittelbaren, okonomischen Beaufsichtigung befreien miissen, um ihm so Zeit zu geben, dieselbo auf das urspriingliche me- diziniseke Programm ziiriick zu fiihren und auf dieser Balin ihre Ein- riclitungen mit den Erwartungen der Arzte und Patienten in Einldang zubringen. Dies ftllirt zur Nothivendigkeit, das Personale des Rentam- tes im Kurorte durch tlichtige Beamte zu vermehren. 30 Einem iveiteren humanen und vvissenschaftlichen Bediirfnisse vrti rde die Erriehtung eines Spitales in der N a. h e der Kuranstalt entšprechen; es ist dies ein oft geausserter Wunsch der dort prakti- zirenden Aržte nnd Wundarzte, die sicherlich wetteifern wiirden, den Dienst im Spitale zu besorgen. Wir wiirden dies Gebaude auf einem sonnigen Abliang des Thalcs von H. Ivreuz postiren; dort komite man schwer erkrankte Diener der Kurgaste, auf der Strasse oder sonstwie Verungliickte und ausnahmsweise selbst auf solehe Art erkrankte Kur¬ gaste unterbringen, deren Trennung von der iibrigen Kurgesellschaft aus sanitats-polizeilichen Griinden uuerlasslich ist. Dies Spital ware aucli fiir das arme , scbleehtbewohnte Laudvolk , insbcsondere bei Epidemien, segcnsvoll, denn man komite dort die, meist in Schmufz, Elend und mangelhafter Pflege verschmachtenden Kranken aufnehmen und ordnungsgemass behandeln. Einen Fliigel dieses Spitals kiinnte man separirt zu einem Versorgungshaus einriehten und daselbst altersschivaclie, mit unheilbaren, mitunter ekelerregenden, ausserli- cben Krankheiten behaftete Individuen unterbringen, die sich in jener Gegend fast durchaus von Strassenbettelei ernahren und nicht selten die Kurgaste belastigen. Wir vvundern uns, dass in der reichen \vendischen Mark, bei der bekannten Mildthatigkeit ihrer Bewohner, nicht eine grossere Versor- gungsanstalt existirt und wiirden uns herzlicb freuen, wenn die stei- rischeLaudschaft, als Eignerin der Robitscher Kuranstalt, bei Begriin •dung der projektirten, bdcbst sviebtigen Institute hochlierzig die Ini- tiative ergreifen wollte ! — Hier mdchten wir nocli den Wunsch ein- sclialten, dass die neue Landesvertretung die urspriinglieli aus dem Landesfonde bezahlten, spater vom Staate ubernommenen und in dem letzten Dezennium aufgeliobenen Distrikts-Pliysikate zu Windisch- landsberg und Windischfeistriz retabliren moclite. Man rauss unter dem dortigen Landvolke jalirelang praktizirt haben — man muss z. B. den Jammer der choleraahnlichen Epidemie im Sommer 1855 ge- sehen haben, um diesen letzten Wunsch sehr begreiflicli zu fin den! Solite ich das Gliick haben, durch Veroffentlichung meiner auf die hohere Entvricklung der Rohitscher-Kuranstalt und auf das Wohl meines geliebten Vaterlandes abzielenden Wiinsche und Reformideen die Aufmerksamkeit der hohen Landesvertretung erregt zu haben — und sollten meine Projekte durcbgefiihrt werden, so \verde ich mich durch das erhebende Bevvusstsein, meine Pflicht als Solin der Steier- mark erftillt zu haben, reichlich belohnt fiihlen! Ich bin der Uber- zeugung, dass Bad Rohitsch auf dem von mir vorgezeichneten Wege unter den Arzten sehr viel an Ruf' gewinnen wiirde; dies gesteigerte Vertrauen der Fachmitnner wurde sicli selir bald dem grossen Publi¬ kum mittheilen und es wiirde sich Niemand mehr beikommen lassen 7 an der ausgezciclmeten Heilkraft unserer Quellen zu zweifeln. Der Kurort wttrde sich rasch nach allen Richtungen vergrbssern — der altbertthmte Rohitscher Sauerbrunnen wiirde bald wieder in ungetriib- tem Glanze dastehen und seinen angestammten Ehrenplatz unter den gesundheitsspendenden Najaden des gesegneten Osterreichs wieder einnehmen! UNIUERZITETNA KNJ KNlcn MARIBOR RARITETA