Katholische Mtsfionszeitfchrift der Missionäre Söhne des hist. Herzene Jesu Stern Heft 1 / Januar 1939 42. Jahrgang derueger Inhalt: Der vierte Heilige Drei König (Legende von Jörgensen) S. 1. — P. Isidor Stang f. <5, 3. Südafrikanische Städtebilder: Kimberley, S. 5. — Umschau., S. 11. — Auserwählt. Religiöser Bauernroman von H. Withalm, S. 13. — Abbildungen: 1. P. Isidor Stang. — 2. Auf der Jagd. — 3. Ein furchtbarer Feind unschädlich gemacht. — 4. In der Koranschule. — 5. Die Heiligen Drei Könige in chinesischer Darstellung. — 6. „Der Gott der Kinder". — 7. Aus dem Reich des Weißen Elefanten. — 8. Eine Messe in der „Grünen Hölle". — Das Umschlagbild zeigt einen Missionär in Belgisch-Kongo, der mit seinen eingeborenen Trägern durch den afrikanischen Busch zieht. Preis: ganzjährlich Deutsches Reich 2 Mark, Stalten s Lire, Ungarn 2.50 Peugö, Tschechoslowakei 12 cK, Sugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2.50 Franken, übriges Ausland 2 Goldmark. — Versand durch Mijsionshaus Sofefstal bei Ellwangen (Sagst) Wiirttbg. Achtund I *e^en allen Lesern unserer Missionszeitschrift mit, daß die Verwaltung und ’ ^ * der Versand unserer Zeitschrift von Unterpremstätten nach Iosefstal bei Ellwangen (Jagst), Württemberg verlegt wurde. Die Zahlkarten (Erlagscheine), die auf Unterpremstätten lauten, können vorderhand noch benützt werden. Daher bitten wir unsere Leser, jene Zahlkarte (Erlagschein) zu benützen, die jedem Heft beigelegt ist. Gebetsmeinung für den Monat Januar: »Daß alle Irrenden zur Einheit der Kirche zurückkehren.« Die erste Gebetsmeinung im neuen Jahr legt uns jene Bitte aus der Allerheiligenlitanei vor, mit der wir in den Bittagen flehen: „Daß Du alle Irrenden zur Einheit der Kirche zurückrufen und alle Ungläubigen zum Licht des Evangeliums führen wollest: wir bitten Dich, erhöre uns!" Diese Bitte soll den Monat Januar beherrschen und soll einen gewaltigen Ausdruck finden in der Teilnahme an der Weltgebetsoktav, die alljährlich in der Feit vom 18. bis 25. Januar gehalten wird. Sie hat hauptsächlich die Wiedervereinigung der getrennten Christen zum Ziel. Den Anstoß zu diesem „Weltgebet" gab der anglikanische Geistliche I. Paul Francis, Stifter der „Gesellschaft der Sühne", einer anglikanischen Ordensgescllschaft für Missionen. Er warb seit 1907 für die Wcltgebetsoktav in seiner Zeitschrift, weil er fest davon überzeugt war, daß alle Christen dem römischen Papst Gehorsam schulden, und weil er das Gebet für das beste Mittel zu dieser Einigung hielt. Sein Ruf verhallte nicht ungehört. Schon im nächsten Jahr hielten einige katholische und anglikanische Kirchen Amerikas die Oktav. Im Jahre 1909 trat Francis mit seiner Gesellschaft zur katholischen Kirche über, und im gleichen Jahr billigte Papst Pius X. diesen friedlichen „Kreuzzug". Die Weltgebetsoktav wurde in der Folgezeit in der anglikanischen Kirche allgemein eingeführt. Papst Bened.kt XV. hieß sie 1916 gut und gewährte für die Teilnahme Ablässe. 1920 übernahm sie der Weltkongreß der protestantischen und östlichen Kirchen. Alle Menschen, die an Jesus Christus glauben und in ihm ihren Erlöser lieben und verehren, sind aufgerufen, durch Gebet und Opfer mitzuhelfen, daß die traurige Spaltung in der Christenheit aufhöre und alle irrenden Brüder und Schwestern in die Mutterkirche heimfinden. I TRiffionefeminar i j eilroangm (Jagst) wurttbg. | Aufnahme finden finaben, die in der I Kongregation der fierj=3efu=Söhnc = Priester werden wollen, fiöchftalter | für die erste Klasse der Oberschule 12 | lahre. frühzeitige Anmeldung er= i wünscht. Herausgeber und Verleger: Kongregation der Missionäre Sodne des deiligsten Herzens Jesu, Iosesstal bei Ellwangen (3fig|t) Württemberg. Schrislivalinna: P. Siephnn Lintermann F. S. C., Missionsseminar St. Joses, Ellwangen (Jagst). — Postscheckkonto München 262 66, Missionsseminar St. Joses. Ellwangen (Jagst) Württemberg. - Druck der Schwabenverlag A.-G.. Zweigniederlassung Ellwangen (Jagst). — Mit kirchlicher Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobern. Stern der Neger Katholische Missions ^Zeitschrift Herausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu Heft 1 Januar 1939 4L. Jahrgang Der vierte Heilige Drei König. Der erste ist Kaspar, er bringt sein Geschenk aus Gold: einen Altarkelch, eine geweihte Schüssel, vielleicht wird ein Engel sie brauchen, um auf Golgatha das Blut aufzufangen, das von des Gekreuzigten Händen heruntertropft? Hinter ihm kniet Melchior; fein Name erinnert an Melchisedek, den Priester aus den Tagen des Alten Testaments, den Priesterkönig zu Salem, zu dem Abraham kam aus dem Hain Mamre, und Melchisedek trat vor den Altar in seiner priesterlichen Tracht und brachte das heilige Opfer an Brot und Wein dar, und der Patriarch ging zur Kommunion bei ihm am frühen taufrischen Morgen, unter den brausenden Palmen zu Salem. Melchior kniet im Priesterornat und schwingt das Rauchfaß gegen das Jesuskind — wie der Priester gegen die Monstranz. Aber zuhinterst steht der Mohr, der schwarze Balthasar. Welche Sonne hat dich so braun gebrannt, du kraushaariger, dicklippiger Balthasar? Kommst du von Indienland, aus des Priesters Johann Reich, von dort, wo der Vogel Rok jeden Morgen fein flammenrotes Sonnenei an der Küste des Stillen Ozeans legt? Oder gingst du von Saba aus, wie einst deines Landes Königin, um den zu finden, der größer als Salomo war? Kamst du durch Arabiens Wüsten — sammeltest du die Myrrhen, die du bringst, unter dem Berge Sinai — und gedachtest du dabei des Tags vor manchen Jahrhunderten, da der ganze Berg rauchte und bebte, weil Jahve auf seinem Gipfel sich niederließ und von Angesicht zu Angesicht mit Moses redete? Sammeltest du da deine Myrrhen, die Maria aufbewahren soll, bis der Tag kommen wird, da ihr Sohn dürstend an seinem Kreuz hängen wird und sie ihm Wasser mit Myrrhen gemischt reichen ...? Kaspar, Melchior, Balthasar — alle Bilder zeigen euch — von der ärmsten Dorfkirche bis zu Gentile da Fabrianos strahlender Malerei zu Florenz. Und euer Heiligengebein ruht im edelsteingeschmückten Schrein im Kölner Dom und jeden Tag nach dem Hochamte schreiten die Domherren des Kölner Metropolitankapitels zu euren Reliquien und ehren sie! Aber eine alte Legende erzählt, daß, als ihr noch auf Erden lebtet und eure Wallfahrt nach Bethlehem unternahmt und in den Stall kamt und das Kind und seine Mutter fandet und eure Geschenke darbrachtet — da wollte das Kind euch nicht zulächeln. Der heilige Joseph freute sich über den Goldkelch, Maria fühlte sich geehrt ob dem Räucherwerk, das hier geopfert wurde wie auf dem Räucheraltar zu Jerusalem, wo sie in ihrer Jugend gelebt hatte — und mit Augen voll Tränen barg sie die Myrrhen an ihrer Brust. Aber das Jesuskind streckte nicht seine kleinen Händchen nach dem blanken Golde, und das scharfe Räucherwerk machte seine Lungen husten, und es wandte sich weg von den Myrrhen und küßte die Tränen von seiner Mutter Auge weg. And die Heiligen Drei Könige erhoben sich und nahmen Abschied wie jemand, der nicht nach Verdienst gewürdigt worden. Als aber Kopf und Hals des letzten ihrer Dromedare hinter den Anhöhen verschwunden waren — als der letzte Laut ihres klingelnden Zaumzeuges auf der Straße nach Jerusalem zu verklungen war — da kam der vierte der Heiligen Drei Könige. Seine Heimat war das Land am Persischen Golf, von dort hatte er drei große köstliche Perlen mitgebracht, die sollten seine Gaben sein an den König, der geboren ward im Westen und dessen Stern auch er erblickt hatte — eines Abends in den Rosengärten zu Shiraš. Und er war aufgestanden und hatte alles verlassen. Vergebens schenkte der schlanke Mundschenk ihm den feurigen Wein, vergebens schluchzte Bülbül im Rosendunkel der Gärten, vergebens weinte der Springbrunnen sein weiches Klaglied, vergebens hielt die schwarzäugige Suleika ihn fest auf den Polstern des Diwans. Der König des Perserlandes nahm seinen teuersten Schah, seine drei großen weißen Perlen, jede so groß wie ein Taubenei, barg sie in seinem Gürtel und zog aus, um den Ort zu finden, über dem der Stern stand ... Und nun war er angekommen — und war zu spät gekommen. Die anderen Drei Heiligen Könige waren schon da gewesen und wieder weggezogen. Er kam zu spät —■ und er kam mit leeren Händen. Er hatte nicht mehr seine Perlen. Langsam öffnete er die Tür zum heiligen Stall, in dem Gottes Sohn, Gottes Mutter und Gottes Pflegevater sich befanden. Es dämmerte, der Stall war halbdunkel, noch hing ein schwacher Duft von Räucherwerk in der Luft — wie in einer Kirche nach dem Abendgottesdienst. Der heilige Joseph war im Begriffe, das Strohlager für die Nacht zu richten, das Jesuskind saß auf seiner Mutter Schoß, sie wiegte es leise und sang mit ihrer milden Stimme ein Lied dazu — dasselbe, das man noch hören kann, wenn man durch Bethlehems Gassen wandelt. Langsam, zögernd trat der König vom Perserland näher und warf sich vor dem Kind und seiner Mutter nieder. Langsam, zögernd begann er zu sprechen. „Herr", sagte er, „ich verlor mich unterwegs von den anderen Heiligen Drei Königen, deren Huldigung du schon empfangen und deren Gaben du schon entgegengenommen hast. Auch ich hatte eine Gabe für dich — drei köstliche Per- len, jede so groß wie ein Taubenei, drei echte Perlen aus Persiens grünem Meere. Ich habe sie nicht mehr. Ich geriet weg von den anderen Heiligen Drei Königen. Sie ritten vor mir auf ihren Dromedaren —- ich blieb alleine zurück in einer Herberge am Wege. Es war unrecht von mir — der Wein lockte mich, eine Nachtigall sang und erinnerte mich an Shiraš... Ich beschloß zu übernachten, und als ich in die Gaststube trat, sah ich auf der Ofenbank einen alten Mann im Fieber liegen. Keiner wußte, wer er war — er war gesund dort eingekehrt, aber im Hause krank geworden; sein Beutel war leer, er hatte nichts, um Arzt und Pflege zu bezahlen, am nächsten Morgen sollte er aus der Herberge geworfen werden, falls er nicht vorher starb, der arme Teufel. Herr, es war ein sehr alter Mann, braun und trocken und mit weißem, verwilderten Bart — er erinnerte mich an meinen Vater. Herr, vergib mir — ich nahm die eine Perle aus meinem Gürtel und gab sie dem Herbergswirt, daß er dem Kranken Arzt und Pflege schaffe und, falls er starb, ein Grab in geweihter Erde! Am nächsten Morgen zog ich weiter. Ich ließ mein Tier traben, was es konnte, um die anderen drei einzuholen. Ihre Dromedare schritten nur langsam, und darum glaubte ich sie bald zu erreichen. Der Weg führte hinab durch ein ödes Tal, wo große Felsblöcke verstreut lagen zwischen Gestrüpp von Terebinthen und goldblühendem Ginster. Plötzlich hörte ich Geschrei aus dem Gestrüpp dringen — ich sprang vom Reittier und fand eine Schar Soldaten, die hatten ein junges Weib ergriffen und wollten sie schänden. Sie waren in der Ueberzahl, ich konnte nicht gegen sie kämpfen. Da — o Herr, vergib mir noch einmal! — da griff ich in den Gürtel und kaufte sie frei aus der Gewalt der Soldaten. Sie küßte meine Hände und lief davon über die Höhen wie ein Reh. Nun war mir nur eine Perle übrig, die wenigstens wollte ich dir bringen, o Herr! Es war schon Mittag vorüber, vor Abend konnte ich noch in Bethlehem sein. Da sah ich vor mir eine Stadt, die brannte. Eine kleine Stadt, die von He- robes’ Soldaten in Brand gesteckt worden war. Man konnte die Flammen in dem starken Sonnenlicht fast nicht sehen, aber die Luft zitterte wie über der Wüste. Ich ritt hinzu und fand die Soldaten im Begriffe, den Befehl des Herodes auszuführen, alle Knaben unter zwei Jahren zu töten. Vor einem brennenden Haufe stand ein großer Soldat und schwang ein kleines nacktes Kind an einem Beine. Im Staube vor ihm lag die Mutter und umklammerte heulend die Knie des Soldaten. Der nackte Knabe schrie und strampelte, der Soldat lachte. ,Jetzt lasse ich los, und dann saust er mitten ins Feuer', sprach er zur Mutter hinab, ,das gibt einen leckeren kleinen Schweinebraten!' Die Mutter stöhnte vor Grauen und Ohnmacht. Herr, vergib mir! Da nahm ich meine letzte Perle und gab sie dem Soldaten, daß er der Mutter ihr Kind lasse. Und sie bekam ihr Kind — sie griff es und preßte es an sich und lief davon, ohne Dank zu sagen, wie ein Hund mit einem Schinkenbein. Herr, darum komme ich nun zu dir mit leeren Händen! Vergib mir, vergib!" Es wurde still im Stalle, da der König vom Perserland sein Bekenntnis geendet hatte. Eine Weile lag er hingeworfen auf dem Boden, endlich wagte er aufzublicken. Der heilige Joseph hatte aufgehört mit dem Zurichten der Krippe und war näher getreten. Maria betrachtete ihren Sohn, der an ihrer Brust ruhte. Schlief er? Nein, das Jesuskind schlief nicht. Es hatte alles gehört. Langsam wandte es sich dem König vom Perserland zu — sein Angesicht leuchtete auf ihn nieder, seine beiden Händchen streckte es den leeren Händen des Königs entgegen. Und das Jesuskind lächelte. Mit gütiger -Erlaubnis des Verlags 6h,ria entnommen dem Buch des bekannten dänischen Dichters Johannes Jörgensen: „Wie geschrieben steht". Das Buch ist 1938 im Verlag Styria, Graz, erschienen, hat 205 s. und kostet gebunden RM. 4.50. (Es enthält 18 Kurzgeschichten und Schilderungen. Wir empfehlen es unseren Lesern. k. JsiÖor Stang +♦ In unserem Missionshaus in Brixen starb am 15. November des abgelaufenen Jahres der vielen Lesern des „Stern der Neger" in guter Erinnerung stehende ehemalige Schillukmissionär P. Isidor Stang. Seine Heimat war Klepsau im unteren Iagsttal (Baden), wo er am 2. April 1881 als Sohn eines Landwirts das Licht der Welt erblickte. Bei der Geburt verlor er feine Mutter, weshalb seine Erziehung fast gänzlich in den Händen der Großeltern lag. Von ihnen sprach er stets mit großer Hochachtung und Dankbarkeit. Während der Schulzeit bekundete er lebhaftes Interesse für Landwirtschaft und Viehzucht, so daß man nicht vermuten konnte, daß er einmal im fernen Afrika als Priester und Missionär eine gesegnete Wirksamkeit entfalten werde. Nach Entlassung aus der Volksschule führte ihn indessen ein gütiges Geschick nach Sasbach in die wenige Jahre vorher von H.H. Prälat Lender gegründete «Rongreg.-Archiv) Privatlehr- und Erziehungsanstalt. Von dort trat er 1898 in die Kongregation der „Söhne vom Herzen Jesu" ein und setzte im oben genannten Missionshaus seine Studien fort. Die philosophisch--theologische Ausbildung erhielt er am Priesterseminar in Brixen. Nach deren Vollendung empfing er am 29. Juni 1905 im Dom zu Brixen die Priesterweihe und wurde noch im gleichen Jahr in die Nilmission entsandt. Er wurde dort der Missionsstation Lul zugeteilt, die P. Wilhelm Banholzer aus Rottweil leitete. Nachdem in der Schlacht bei Kereri, September 1898, das große und gefürchtete Mahdistenreich zusammengebrochen war und der siegreiche Feldherr Lord Kitchener die Nilländer von Aegypten bis Uganda und vom Roten Meer bis zum Tschadsee der englischen Herrschaft wieder unterworfen hatte, begannen alsbald auch die Missionäre, von Aegypten aus, in den Sudan vorzudringen, wo sie sich zunächst in Khartum, dem Mittelpunkt der alten Mission, wieder niederließen, und alsbald auch den Entschluß faßten, die Missionsarbeiten unter den Negervölkern am Weißen Nil zu beginnen. Zu diesem Zweck erwarben sie in London einen kleinen Flußdampfer, den sie „Redemptor" (Erlöser) tauften. Auf ihm wurde im Dezember 1900 die erste Erkundigungsfahrt auf dem Weißen Nil angetreten, die bis zur Südgrenze des Sudan führte. Auf der Rückfahrt legte der „Redemptor" in Fachoda an, von wo aus die Missionäre sich am 28. Dezember zur Residenz des Schillukkönigs begaben, um mit ihm wegen der Errichtung einer Missionsstation in seinem Land Verhandlungen anzuknüpfen. Bei einer zweiten Begegnung mit König Kur, so war sein Name, einigte man sich aus Errichtung der geplanten Missionsstation in Lul, das ungefähr zwei Stunden vom Königsdorf entfernt liegt. Man begann sogleich mit dem Bau von Hütten nach Art der Eingeborenen. Es war dies im Februar 1901. Gegen Ende des gleichen Jahres brachte der „Redemptor" Verstärkung des Missionspersonals, darunter den schon genannten P. Wilhelm Banbolzer, der bis zu seinem 1914 erfolgten Tode der Station Lul vorstand und der eigent-licheBegriinder der Schillukmission wurde. Naturgemäß verstrichen die ersten Jahre mit dem materiellen Aufbau der Station, der Erlernung der Sprache und der Erforschung des Landes und seiner Bewohner. An eine eigentliche Bekehrungsarbeit war vorerst nicht zu denken, vor allem deswegen nicht, weil die Schwarzen allen Fremden und auch den Missionären äußerst mißtrauisch, um nicht zu sagen feindselig gegenüber-traten. So weist denn auch das Taufbuch bis zum Jahre 1905 nur eine einzige Nummer auf. Das war ungefähr die Lage der Schillukmission, als P. Stanz nach Lul kam. Er und sein Oberer verstanden sich bald ausgezeichnet. P. Stanz fand an P. Banholzer einen vortrefflichen Lehrer bei Aneignung der Sprache, dieser aber erhielt in dem kräftigen und begeisterten Neupriester die beste Stütze in der Missionsarbeit. Es zeigte sich bald, daß P. Stang eine besondere Gabe besaß, das Vertrauen der jungen Schilluk, deren Beschäftigung vorzüglich die Wartung und Pflege der Viehherden ist, zu gewinnen, so daß sie sich häufig in der Missionsstation einfanden, um den interessanten Erzählungen des Paters zu lauschen. Allmählich gelang es auch, etwa ein Dutzend von ihnen mit den Lehren des Glaubens bekannt zu machen. Diese jungen Taufbewerber hatten aber viele Verfolgungen von seiten ihrer heidnischen Verwandten auszustehen. Die ersten Taufen mußten ganz im geheimen gespendet werden. Aber die Neubekehrten hielten fest zusammen und machten auch den einen und andern ihrer Freunde mit dem Missionär bekannt, und es entstand so der Kern einer Christengemeinde, die sich von Jahr zu Jahr vergrößerte und den Heiden zum Bewußtsein brachte, daß eine neue Zeit für das Schillukland angebrochen war. Das bezeugte auch die gute Aufführung der bekehrten Iung-männer, die sich wohltuend von dem wilden Treiben der Schillukjugend abhob. Die neue Christengemeinde trat immer offener und unerschrockener auf und bald entfaltete sich auf der Station an den Sonn- und Festtagen ein sehr erbauliches religiöses Leben, zumal die Christenzahl schon nach wenigen Jahren das erste Hundert überschritten hatte. Diese ersten Missionserfolge unter den Schilluk sind wesentlich das Werk des Verewigten. Heute bildet die Schilluk- mission bereits einen eigenen kirchlichen Sprengel. Neben der eigentlichen missionarischen Arbeit widmete sich P. Slang mit großem Eifer auch den kulturellen Missionsaufgaben. Er unterwies die Schilluk im Gartenbau, der bis dahin vollständig unbekannt war, und in der besseren Betreuung des Viehes, das den einzigen Reichtum der Schilluk darstellt. Soweit angängig übte er auch seine medizinischen Kenntnisse aus und er galt bei den Schilluk als ein großer Heilkünstler. Immer mehr wuchs P. Stang in sein missionarisches Amt hinein und fein Ansehen stieg zusehends. Deshalb wurde ihm auch nach dem unerwartet rasch erfolgten Tod des P. Banholzer die Leitung des Missionsbezirkes Lul übertragen. Einer Mahnung des sterbenden Obern folgend suchte P. Stang nun vor allem den Schillukkönig der Mission günstig zu stimmen, was ihm auch gelang. Unsere Leser werden sich vielleicht noch an die Artikelreihe im „Stern" erinnern: „Meine Erlebnisse am Hofe des Schilluk-königs Fadiet". Wiederholt besuchte der König die Mission und verlieh P. Stang zum Zeichen seines Wohlwollens die Häuptlingswürde. Aus diesem Anlaß fand auf der Station ein großes Fest statt, bei dem der König mit den althergebrachten feierlichen Zeremonien und einer schwungvollen Rede den Stationsleiter in fein Amt einsetzte und ihm die Häuptlingslanze überreichte.Hiebei wurde P. Stang als Nachfolger des Abundit, das war der Schillukname des P. Banholzer, in Liedern gefeiert und zu seiner Ehre fanden mimische Kriegs- und Fest-tänze auf dem Hof der Station statt. Unter dem Klang der Trommeln stieg immer wieder aus tausend Kehlen der Gesang empor: Čaka congere, rudo cot; Pa Tong, aronyi en, Jago nya Abundit, nyimek aryo. Wotegen de pide mal ke wat Jwok; Pa Tong ba janguan. Bül agoce, Anywal pa nenun; Lele kal Abuna deng, Alene nayo; Bul Tong nygong twic ke kalegen; Abun Tong arony en. In freier Uebertragung besagt dieser Text folgendes: Der Nordwind weht, er bringt eine festliche Gelegenheit zum Tanzen; / Denn P. Stang ist erwählt als Häuptling wie Abundit; / Zwei Brüder, auferzogen beide im Hause Gottes; / So ist P. Stang unser Häuptling. Die Trommel wird geschlagen, die Mädchen sind alle erschienen; / Die Burschen des Abuna sind geschmückt, es sind schlanke, flinke Jungens; / Die Tänzer sind reich geziert mit allem erdenklichen Schmuck; / Denn P. Stang ist erwählt als unser Häuptling. (Schluß folgt.) SüÖafrUxanifche Stäötcbilöer* 3. Kimberley. Von Br. August C a g o I. (Schluß.) Diamanten sind bekanntlich ihrer inneren Zusammensetzung nach reiner Kohlenstoff in kristallisierter Form. Die Kristalle gehören dem Wllrfelsystem an; ihre gewöhnliche Form ist die des Achtflachs, wahrscheinlich eine Zusammensetzung zweier Vierflächner. Die Kristalle treten meist gepaart auf und haben häufig gewölbte Seitenflächen. In ihrer Durchsichtigkeit brechen sie die einfallenden Lichtstrahlen in hohem Grade, eine Eigenschaft, die das Funkeln dieser Edelsteine bedingt. Die Diamanten sind farblos oder weiß, auch gelb, rot, rosa, bräunlich, selten blau oder schwarz, letztere sind sehr wertvoll; am wertvollsten sind die farblosen. Das spezifische Gewicht des Diamanten ist 3,52. Er ist der härteste bekannte Stoff. Außer seiner Schönheit als Edelstein findet er seiner Härte wegen tausendfache Anwendung im Gewerbe, beim Gravieren, Glätten, Schleifen, Schneiden, Sägen und Bohren harter Stoffe. Jluf der Jagd. Die Schüler der technischen Schule von Kiiubi in Uganda sind auf die Sciub gegangen. Einem besonders tüchtigen Jungen ist es gelungen, ein Flußpferd zur Strecke zu bringen. Jetzt steht er vollWaidmannsstolz neben seiner Beute. e bereits seit Jahrzehnten dem Einfluß protestantischer Sendlinge ausgesetzt gewesen, nahmen die katholischen Glaubensboten durchaus nicht mit offenen Armen auf. Verschiedene von ihnen sagten zu dem bei ihnen Eingang suchenden Oblatenpater Porte, er möge erst hingehen und die Königin von England bekehren, die ihnen ihr Land geraubt. Doch konnte der Missionär endlich zu Taungs beim 6tamme der verachteten Batlapin Fuß fassen. Bischof Anton Gaughran starb 1901 und erhielt in seinem Bruder Matthäus Gaughran seinen Nachfolger. Nach dessen Tode (1915) übernahm der Apostolische Vikar von Transvaal, Bischof Karl Cox, O. M. L, auf zehn Jahre die Verwaltung des Nachbarsprengcls Kimberley. Im Jahre 1923 übernahmen die Oblaten der deutschen Ordensprovinz (Missionshaus Hünfeid) das Apostolische Vikariat Kimberley. 6either wurden die Cchulorden der Maristenbrüder, der Dominikanerinnen, der 6chwestern vom Heiligen Kreuz und Franziskanerinnen von Gießen in diese Mission eingeführt. Heute sind in dem ausgedehnten Vikariat, das Gebietsteile der Kapprovinz, des Oranjefreistaates, des Transvaal unb des Britischen Protektorates von Betschuanaland umfaßt und ungefähr 300 000 Quadratkilometer (etwa von der Ausdehnung Rumäniens) groß ist, ein Bischof (Hermann Meysing, O. M. I.), 25 Priester und 28 Brüder tätig. Ihnen stehen 26 lehrende Brüder und 148 Lehrschwestern zur ©eite, die 5000 6chul-kinder in 40 (Schulen betreuen, während vier Missionsärzte und 17 Pflegerinnen sich der leidenden Menschheit annehmen und jährlich 27 000 Kranke behandeln. Die Zahl der Katholiken im Apostolischen Vikariat Kimberley beträgt 15 000. Innerhalb dieses Missionssprengels, in der 6tadt Bloemfontein, hat der Apostolische Delegat für (Südafrika, Erzbischof Bernard Jordan Gijlswijk, O.P., seinen Wohnsitz. ....»I,,...................1.........""Ml <8roß>Deu1schIand eine Hilfsgemeinschaft im lvHW. Umschau. S. Exz. Erzbischof Costantini, der Sekretär der Propaganda-Kongregation, verbrachte seine Ferien in Senegal und Französisch-Sudan — von den Missionaren herzlichst begrüßt, von den Kolonialbehörden mit großer Zuvorkommenheit aufgenommen. Die Reise trug einen streng privaten Charakter. Sie sollte Studienzwecken, vor allem dem Studium der Frage, wie sich dieser Teil Afrikas an der kommenden Missions-Kunstausstellung beteiligen kann, und schließlich auch dem Studium der mohammedanischen Frage dienen. Wir sind in der glücklichen Lage, einzelne Eindrücke von dieser Reise in erzählender Form unsern Lesern bieten zu können. Zwei weitere Art.kel erscheinen in der Folge. I. Am 4. August machte ich den Christengemeinden von Ziguinchor an den Ufern des großen Casamancefluffes einen Besuch. Ich war Gast der guten Väter vom Heiligen Geist, die unter der weisen Führung 6. Exz. Monsignore ©rinmutt freudig „die Last des Tages und seine Hitze" tragen in dem großen Vikariate Dakar. Auf dem großen Platz vor der Kirche gab sich eine Gruppe junger Leute mit viel Geschick dem Fußballspiel hin. Der eifrige Obere P. Doutemspiuch lud mich ein, in der Kirche an einer Versammlung der Marienkinder teilzunehmen. Ich richtete einige Worte an sie. Merkwürdig berührte die würdige aufmerksame Haltung dieser Mädchen, die viel sittsamer gekleidet waren als viele europäische Damen der Kolonie. Das Weiß der aufmerksamen Augen verlieh den schwarzen Gesichtern etwas ungemein Lebendiges. Mit einem Muttergotteslied ward die Versammlung geschlossen. Die schönen Stimmen, die langsam die alten marianischen Weisen sangen, drangen tief zu Herzen besonders beim Gedanken, daß um die Kirche herum ja noch Heiden und Mohammedaner leben, und daß vor einem Jahrhundert und mehr dort noch Kannibalen hausten. Mir kam vor, als ob die Gesänge der Marienkinder die Muttergottes auf der Flucht unter den Heiden Aegyptens begleiteten: immer noch dauert diese Reise fort. Die Heiden wissen nicht, daß der Erlöser nahe an ihnen vorbeigeht, aber eines Tages werden sie es erfahren. Am Abend wohnte ich einer Theaterauffüh-rung dex Mission bei; die jungen Katholiken spielten glänzend irgend ein kleines Luststück. Sie hatten das Gesicht mit Tiermasken bedeckt, die große Heiterkeit auslösten und das Publikum in vergnügte Laune versetzten. »Der Gott der Kinder". Jizo Jizo ist die Schutzgottheit der Kinder in Japan. Cr überwacht ihre ganze Entwicklung einschließlich des „Zahnens" und schläfert die Weinenden ein. In Miyazaki und anderswo wird am Festtage das Bild des Gottes von den Kindern auf eine Barke geladen, in die Mitte des Flusses gefahren und dort einer Reinigung unterzogen. (Fides-Foto.) Mis öem Reick 6cs Weißen Elefanten. Zn Siam wenden die Elefanten zu allen Staatsaktionen benutzt, etwa wie in westlichen Ländern die Pferde. Unser Elefant ist für eine offizielle Parade aufgeschirrt. (Fides-Foto.) In den Missionen gehört wie bei uns die Betreuung der Jugend und die Katholische Aktion zu den wichtigsten Zweigen der Seelsorge. Mir gefiel die Wahrnehmung, daß man sich bemüht, alles christlich zu gestalten, was unter den primitiven Völkern einer Reinigung und Uebernahme fähig ist. Tatsächlich lautet ein Fnndamentalsatz der angewandten Missionswissenschaft: man rotte niemals einen Brauch aus, außer er läßt sich durch einen andern Brauch ersetzen. Der Gebrauch der Masken ist weithin in Afrika verbreitet. Um diesen Brauch von gewissen abergläubischen Vorstellungen zu reinigen, gibt es kein besseres Mittel als sich der Masken zu bedienen. Am folgenden Morgen, einem Herz-Iesn-Freitag, ging buchstäblich die ganze Pfarrei zum Tisch des Herrn. Ich wurde am Altar von kleinen schwarzen Chorknaben bedient, die barfuß in roten Chorröcken gingen. Man mußte denken, sie hätten einen ausgeprägten Sinn für die liturgische Handlung, so würdig war ihre Haltung, so abgemessen und rhythmisch bewegt ihre Gesten. Unsere heimischen Seminaristen können es nicht anders und besser machen. In der Kirche befanden sich die Männer auf der einen, die Frauen auf der andern Seite. Zur Kommunionbank ging man in vollkommener Ordnung: erst kamen die Kleinen, dann die Großen, zuerst Männer, dann Frauen. Die rosige Zunge auf diesen Ebenholzgesich-tern nahm sich wirksam genug aus. Viele Mütter gingen zur Kominunion und trugen dabei die Kinder in einer Art Sack auf dem Rücken. Die ließen in glücklichem «chlaf das Köpfchen hängen; aber manchmal war das Kleine wach und sperrte weit die Augen nach mir auf; um mich besser sehen zu können, drehte es das Köpfchen von der rechten Schulter der Mutter auf die linke, oder streckte wohl auch die schwarzen Händchen nach mir aus. Liebe kleine Unschuld, die noch nicht das heiligste Sakrament empfangen kann, aber doch einen herrlichen Kranz um den Heiland formt! Ja, diele Kinder stellen den lebendigsten und eindrucksvollsten Ältarschmuck dar. Während der Kommunionausteilung sang das Volk das Magnificat in vollkommen gregorianischem Choral. Der Abend brachte mich in Begleitung der Missionare nach einer kleinen Christengemeinde. Die Kapelle unterschied sich in ihrer Dürftigkeit kaum von einer Eingeborenenhütte. Sie war in ihrer Armut wenig von der Hütte zu Bethlehem entfernt, wo der Erlöser geboren wurde. In. den Missionen wiederholt sich immer von neuem die Geschichte der Kirche von ihren Anfängen an. Ein Katechist, der sich an der Spitze einer Anzahl Christen befand, brachte mir eine Ente und ein Huhn und strahlte vor Freude bei der Ueberreichung der hochherzigen Spende — ich sage hochherzig im Hinblick auf die Armut der braven Leute. Die Missionare der Umgegend fanden sich zur Begrüßung ein. Es war eine Freude, mit ihnen das Missionsproblem zu besprechen. Aus ihren Reden klang Begeisterung und Freude über das Erreichte, zugleich aber die Besorgnis ob der mohammedanischen Sperrmauer, die sich ihnen in den Weg stellt. Am folgenden Tage besuchte ich die 30 Kilometer von Ziguinchor entfernte Gemeinde Bignona. Auf der Fahrt dahin mußte ich einen Urwald durchqueren mit riesigen, von Schlinggewächsen umklammerten Bäumen, mit farbenprächtigen Blumen, die aus dem Unterholz hervorleuchteten. Adler und buntfarbige Vögel zeichneten sich am Himmel ab. Am Rand der Wassertümpel waren Störche und riesenhafte Pelikane zu schauen. Die Missionare berichteten mir, daß der Wald von Schlangen, Panthern und Hyänen bevölkert sei. Von Zeit zu Zci stießen wir auf rötliche Hügel, die pyramidenähnlich zuliefen. Es sind die Nester der Termiten, jener berüchtigten afrikanischen Ameisen, die sogar das Bauholz der Häuser verzehren. Man erzählte mir, daß die Termiten selbst große Schlangen anfallen und töten, das winzig Kleine, zahlenmäßig verstärkt, bringt es fertig, über das tausendfach Größere Herr zu werden. Außerhalb des Waldes dehnen sich Reisfelder aus und schließlich erscheint Bignona. Bignona hat eine bescheidene, aber schöne Kirche; sie ist das Werk des P. Iaquin, der von Natur einen feinen künstlerischen Geschmack besitzt. Die dreischisfige Kirche ist in einem Stil gedacht, der an sudanesische Architektur erinnert. Aber er ist christlich empfunden und frei schöpferisch gehandhabt. So kommt etwas Charakteristisches znstande. Es ist eine Blüte, die von selbst mitten in der Herrlichkeit afrikanischer Landschaft aufging. Ich machte dem ersten Christen des Ortes, jetzt ein braver Katechist, in seiner bescheidenen Behausung einen Besuch. Die Christen, die von meinem Kommen erfuhren, eilten zur Begrüßung herbei und baten mich, dem Papst die Versicherung treuer Ergebenheit zu überbringen. In der Kirche betet man tagtäglich für den obersten Hirten, Papst Pius XL Herrliche Früchte schickten die Christen als Geschenk nach dem Missionssitz. In andern Gemeinden übersandte man sogar die Speisen, die schon für den Tisch hergerichtet waren. Alles, was im ersten Morgensträhl des Lebens steht, hat einen besonderen Reiz. Weder. Armut noch Unglück vermögen den strahlenden Glanz der Iugendfrische zu verdunkeln. Bei der werdenden Kirche —• dem Reich Gottes — die unter den Heiden aufgerichtet wird, gibt die Uebernatur ein göttliches Merkmal hinzu, drückt das Siegel der Schönheit und Größe auf, das dem Herzen des Missionars Trost bietet und ihn entschädigt für seine täglichen, oft ins Heldenhafte wachsenden Opfer. (Fortsetzung folgt.) 2luserraät)lt. Ein religiöser 29auernroman von Bertholt» If). Mithalm. I. Das Verlöbnis. Die Maria Eifenbichler, Bäuerin vom Kohler am Bärnmooserberg, ging Schritt um Schritt auf dem schmalen Saumweg, der durch die Schlucht der Schwarzen Ache zum Staubfall führt, dem breiten Weideland des Heutales entgegen. Sie ging mit gesenktem Haupte einher und sah nichts von der Wald- und Berg-schönheit ihrer Heimat; sie fühlte nicht die stille, heimliche Gewalt, die in dieser weltentlegenen Schlucht atmet, sie hörte nicht das Uber Felsen hinwegdröhnende Brausen des Staubfalles. Die Kohlerin hatte nur einen Gedanken und ein Tun: Beten. Denn sie mar auf der Wallfahrt nach Kirchental, das noch sechs Stunden weit in den Loferer Steinbergen liegt. Eine alte, gute Wallfahrt, die schon immer die Berg-bauern aus dem Salzburgischen und dem Chiemgau in ihre Gewalt zog. Die Kohlerin hatte einen besonderen Grund für ihren Gang. Ihr Bauer, der Kohler, war ein guter Mann. Aber Bier und Schnaps konnte er nicht lassen. Alle Sonntage kam er betrunken heim und schlug in seinem trunkenen Jähzorn beim nichtigsten Anlaß auf alles ein, was ihm gerade im Wege stand: auf sein Weib, auf seine Kinder, auf den Hofhund schlug er zu, bis er selbst ermattet in eine Ecke fiel. In die nächstbeste. Von dort zerrte ihn dann seine jammernde Bäuerin in sein Bett, wo er seinen Rausch ausschnarchte, bis am Montag die Sonne längst vom Himmel schien. Dann stand er auf, wusch sich und arbeitete die ganze Woche; war von Reue und Selbstanklage geplagt bis nach dem nächsten sonntäglichen Kirchgang. Da konnte er — wie ein jedesmal — beim Postwirt von Bärnmoos nicht vorbeigehen, und ehe er stch's versah, saß er Wieder hinter Krug urtb Schnapsglas. So ging das fort feit vielen Jahren. Die Kohlerin brachte in den ersten Jahren dieser Iammerehe pünktlich alle zwölf bis vierzehn Monate ihr Kind. Rach dem sechsten aber schien sie sich erschöpft zu haben. Sie konnte die alte Wiege wegräumen. Da, im einundzwanzigsten Jahre ihrer Ehe, begann es sich in ihrem Schoße wieder zu rühren. Ihr war es recht und sie nahm diese verspätete Schwangerschaft gottes-fürchtig hin. Der Bauer murrte erst: „Hätt ausbleiben können m." Aber mehr sagte er nicht dazu und blieb seinem sonntäglichen Brauche treu. Die Kohlerin, so geduldig sie in ihrem Sinnen war, litt unter den schweren Räuschen ihres Mannes immer mehr. Sie betete stundenlang zu ihrem Schutzpatron, dem heiligen Valentin; sie flehte die Mutter Gottes an, den Bauern von dem Uebel zu befreien, und die Zeile im Vaterunser, die davon spricht, rief sie immer inniger. Als dies Beten nichts half, ihre gute Zusprache grobe Antworten fand, auch die Kräuterpulver, die sie von der Wurzel-Ranni bekam, ohne Wirkung blieben, verzagte die Arme vollends und begann das Haupt unter ihrem Schicksal zu beugen. So weit war fie, als sie das zarte, wohlbekannte Pochen in ihrem Leibe fühlte. Da traf sie ein Lichtstrahl. Ganz plötzlich war der rettende Gedanke da. Wie aus unendlicher Tiefe tauchte er in ihr auf. Die Kohlerin nickte mit dem Kopf und lächelte dazu. Am nächsten Sonntag zog sie noch vor Sonnenaufgang den Bärnmooferberg hinab. Das Gebetbuch trug sie in der Hand und den Rosenkranz drehte sie unablässig. Schritt um Schritt trugen sie ihre Füße vorwärts. Unentwegt strömten die Garben ihrer Bitten der zu, die die Mutter des Höchsten werden durfte. Eine inwendige Kraft trieb die Kohlerin vorwärts. Sie eilte durch wildfchäumende Schluchten, über schwindelnde Steige, über grüne Matten hinweg, wo das braunscheckige Vieh auf den Weiden stand, an Bergriesen vorbei, deren Spitzen in -den Wolken verschwanden, an Menschen und Berghäusern vorbei, durch Ortschaften, die wie trauliche Lebewesen in der stillen Landschaft lagen. Ihre gefalteten Hände öffneten sich nur, um vor dem Bilde des Gekreuzigten, das in vielerlei holzgeschnitzter Gestalt an Wegkreuzungen und in -den Wäldern errichtet war, das große, geheime Zeichen in kindlich-starker Ehrfurcht auf Stirne, Mund und Herzen zu machen. Aber sie verharrte nicht bei den heiligen Symbolen, sondern eilte weiter, dem großen Ziele zu, wo sie die einzige Gnade für ihr kümmerliches Leben erbitten wollte. Auf der -großen Poststraße nach Loser fuhr ihr manches Fuhrwerk vor, und die Bauern, die darauf faßen, luden die Müde ein. Aber die Kohlerin schüttelte langsam den Kopf und sprach: „Dank schön, Bauer, i muß gehn." „Jaso", verstand der auf dem Wagen. „Nacha freist für mi aa a Vaterunser." So wanderte sie einsam -dahin. Stunde um Stunde, bis sie endlich hinter Loser vor dem Gnadenberge stand. Da sank die Kohlerin in die Knie und kniend arbeitete sie sich Stufe um Stufe -die Bergstiege empor, dem Gnadenbilde zu. Dumpf drang ihr der Schmerz dieser mühsamen Erklimmung in die Glieder, aber je näher sie an -das Heiligtum herankam, um -so lauter flehte ihre Seele, um so lauter entrang sich ihr das Wort: „Heilige Mutter Gottes! Bitt für mi! Bitt für mi!" mm$wm W-KlMÄ Eine Messe in der „(Brünen Hölle". Der Apostolische Präfekt non Ober-Solimoes, P. Evangelista von Česaloma aus der Umbrüchen Kapuzinerprovinz, der dieser Tage nach 27jährigem Wirken am mittleren Amazonas an Herzschlag starb, feiert hier, 35 OOO Kilometer vom Atlantischen Ozean entfernt, eine heilige Messe mit den Kronen des Urwalds als Baldachin. (Fides-Foto.) Und als fie vor dem Gnadenbilde lag, hob sie den Kopf,, sah auf zu der großen Mutter und gelobte: „Mutter Gottes! Siahgft mi? Hörst mi? Woaßt ja, mci Bauer! 3 brauch dir nix z'fagen. Du woaßt ja fchoo lang, zwegn was i Herkimm zu dir. Mutter Gottes, wenn du eoljm’s abgwöhnst, woaßt fchoo, bös Saufen, aft, Mutter Gottes, ghört dös füll, was du mir wieder gfchickt hast, dös soll ghört nacha bei. 3s’s a Bua, aft muaß er Geifchtli werdn. Ss’s a Madl, aft nimm's in dein Schutz in an Heilingen Kloster. So wahr i vor deiner knie, dös Verlöbnis mach i dir. Wannst ma hilfst. In aller Ewigkeit, amen!" Ihr Auge weitete sich, ihre Arme hob sie zum Gnadenbilde auf, ein wehes Beben überkam ihren Leib, und das ganze Leid der einundzwanzig Jahre löste sich in dem gequälten Aufschrei: „Mutter Gottes, hilf!" Dann brach sie in sich zusammen. Vor den Augen der Schwangeren begann es zu flimmern und eine sanfte Ohnmacht umfing die Uebermüdete. Aber als sie aus ihr in dem nahen Wirtshaus, wohin man sie trug, erwachte, lächelte sie. Die Kohlerin war aus einem wundervollen Traum erwacht: Da standen viele taufende Menschen auf dem Dorfplatz von Bärnmoos, fielen in die Knie und beugten die Häupter. Und in weiter Ferne stand ihr Sohn auf einem Altar, Bauern und Bäuerinnen unter sich. „Mutter Gottes, du hast mi erhört", flüsterte die Kohlerin leise. * Ein Sondebbares geschah: Als sie am nächsten Tage von Kirchental heimkam, empfing sie der Bauer in der großen Stube: „Js's recht mühsam gwen, Mutter?" Sie sah auf die Seite. Ähre Hände wurden unruhig und um ihren Mund spielte ein verschämtes Lachen. „Naa, Bauer, 's war net mühsam." Der aber spürte ihre Beklommenheit. Er sah feinem Weib die Gewalt an, die ihm die Wallfahrt angetan hatte. Er wurde verlegen und indem er sich von ihr abwandte, murmelte er: „Mutter, i woaß fchoo, zwegn was du auf Kirchental gangen bist. I woaß gnat." Sie senkte die Augen. Es war ihr nicht recht, daß ihre Heimlichkeit aufkam. „Nacha is's so recht, Bauer", zwang sie sich M einem gepreßten Flüstern. „Moan fchoo, Mutter, daß's recht is. Moan fchoo", brummte der Bauer. Dann sah er feine Frau groß an. Eine lange Welle. Aber plötzlich, als dränge ihn selbst eine Gewalt, nahm er sie bei der Hand und sprach: „Kimm her, Mutter! I muaß dir eppas sagen. Ganz stand, woaßt?! 's is was Sonderbares." Der Bäuerin ging es kalt übern Rücken und sie suchte ängstlich in den flackernden Augen ihres Mannes nach einer Erklärung. Der frug: „Mutter, wann bist du auf Kirchental kommen?" „I woaß net, Bauer." „Soviel werft doo wissen, ob's vor oder nachn Mittagläuten war." „War fchoo darnach." „Bald drauf?" „Moan fchoo, Bauer." Ihre Lippen zitterten. So unheimlich wurde ihr. Der Kohler nahm fein Weib noch näher an sich. Er suchte einen Schutz an ihm. Sein Blick war starr in eine Ecke gerichtet, seine Stimme wurde heiser: „Mutter, i hau eppas gfehgn, gestern nachn Gebetläuten." „Vater, werft doo net...!" schrie die Kohlerin auf. Eine Ahnung dämmerte in ihr. „I woaß nimmer, roie’s kommen is, Mutter", keuchte der Bauer. „I geh aus d' Woad naus, beim Vieh Nachschau halten. Von Bärnmoos hör i 's Mittagläuten, i bet mei Vaterunser und mei Gegrüßt seist d', Maria, da, auf amoi gibt's mir an Stich. I verhoff. Mir is, als wann Nebel aufsteigen und da drin siehg i mi, wie i bfoffen bin und find nimmer hoam, fall abi über d' Grindlwand, flack unten und bin net tot und net lebend." _ Er mußte abfetzen, so sehr packte ihn 'bas Grauen. Sein Atem ging schwer und fein Blick irrte scheu und ängstlich an feiner Bäuerin vorbei. Der schnürte es die Kehle zusammen. „Zu der Stund war i bei der heiligen Frau, Vater. Du hast dös gfehgn?!" „Mutter", heulte der Kohler auf, „greuli war's. I Han gfchworn: Koan Tropfen mehr!" Die Bäuerin seufzte tief auf. Es war ihr, als würde sie damit die Sorgen und den Kummer zweier Jahrzehnte aushauchen. Langsam hob sie den Kopf, verschlang die Hände ineinander und dankte still der Mutter Gottes, die neben dem Gekreuzigten in der geweihten Ecke stand: „Guate Frau, guate, liebe Frau, i dank dir für bei Hilf!" Zum Bauern aber sprach sie einfach: „Nacha is recht, Vater." * Urib von der Stunde an hatte das Gewissen Gewalt über den Kohler: er trank nicht mehr. ^ Monate verstrichen. Der spätgeborene Franzl lachte mit dunklen Augen in die Welt. Jahre eilten dahin. Der Franzl Eisenbichler lief jeden Tag in die Schule nach Bärnmoos, bekam feine wohlgezählten Tatzen, mußte auf Holz-fcheiteln knien und spürte oft die Haselrute des gestrengen Herrn Lehrers. Denn der Franzl war ein Wildfang, ein Raufbold, einer, den alle Buben im Dorfe fürchteten. Er war ein Hitzkopf, und in feinem Zorn schlugen seine Fäuste grad-wegs dort hin, wo sie eben hintrafen. Aber der Franzl hatte-auch einen Hellen Kopf. Er lernte, spielend und während die anderen Buben über eine Frage nachdachten, hatte er deren zehn beantwortet. Noch ein Gutes zeichnete den Buben aus: Er kannte keine Lüge, selbst vor der drohend schwingenden Haselrute nicht. Seine Kindesliebe gehörte den Tieren: den großen, breitkruppigen Pferden, dem Hofhund Lux, mit dem er sich abbalgte, und dem freien Getier draußen im Walde: den Hirschen, Rehen, Eichhörnchen und Hasen. Der Vater brachte einmal ein Rehkitz heim, das er mit gebrochenem Lauf auf seiner Jagd halb verhungert fand. Der Viehdokter mußte das wunde Bein kurieren und der Franzl durfte das junge Tier gesund füttern. Und als das Böckchen wieder fpringfrisch war, da wurde der Bub nicht müde, mit ihm um die Wette zu rennen und zu tollen, bis freilich ihm zuerst der Atem wegblieb. So wuchs er auf, selbst wie ein junger Hirsch: wild und frei. Alle freuten sich an diesem ungebundenen, jungen Leben. Nur die Mutter beschlich ein Bangen und Aengsten. * Die Gnade hielt an. Der Bauer betrank sich feit jenem Tag der Erhörung nicht mehr und auf dem Kohlerhof herrschte nun jeden Sonntag Friede. Alles lobte die Selbstbeherrschung des Bauern und Kinder und Ehhalten freuten sich des Lebens und der Arbeit. Nur die Kohlerin hatte ihre stille Sorge mit ihrem jungen Wildfang. Wie vielmal ermahnte sie ihn: „Franzl, sei staub! Franzl, tua net so wild!" Und fügte hinzu, indem sie ihm übern Kopf strich und ihn mit ernsten Augen ansah: „Franzl, du muaßt amoi was Bsonders wendn!" „Was'n, Mutter?" lachte ihr der Bub hell entgegen. „A Saga, gel, a Saga?" Die Kohlerin seufzte auf: „Noa, Franzl, was Höheres." „Ah, leicht a Hauptmann mit an Gwehr?" „Na, Franzl, a...", aber sie wagte noch nicht, ihm ihr Geheimnis zu verraten. Auch ihrem Bauern, der sich nicht genug über seinen jungen Wildling freuen konnte, verschwieg sie ihr Verlöbnis. Und weil solche Heimlichkeiten auf die Seele drücken, erlitt die Kohlerin viele schwere Stunden der Sorge und Kümmernis für die Zukunft. Nur ihr Beten half ihr darüber hinweg. Aber so oft sie auch ihre große Fürbitterin anrief, der Franzl blieb der wildfrohe Bub. Dreimal war sie, seit Franzl in die Welt lachte, in Kirchental, einmal gar in dem weiten Maria-Plain: Jedesmal, wenn sie heimkam, sprang ihr ihr Bub mit Freudeng eheul und tollen Sprüngen entgegen und sie mußte erkennen, daß all ihr Bitten und Flehen umsonst gewesen war. * Als aber der Franzl zwölf Jahre alt wurde, mußte die Kohlerin bekennen. In ihrer Sorge und Angst flüchtete sie zum Pfarrherrn von Bärnmoos. Sie traf ihn, den Herrn Matthias Dirn-bacher, in seinem Garten an, -wo er in den Blumenbeeten stocherte und den jungen Rosenknospen zulachte. Denn Herr Birn-bacher liebte alles Schöne, das der Herrgott in diese Welt eingepflanzt hat. Als er -die Bäuerin mit verlegenem Mick die Gartentür öffnen sah, rief er ihr lachend zu: „Ah, da schau her. Die Kohlerin? Was treibt denn dich zu mir runter?" „Wann's verlaubt is, Hochwüvden, a Frag hätt i", antwortete sie mit banger Stimme. „Muß schon was Wichtigs sein, wenn du am Werktag kommst." „Da triff i Enk am besten alloans an." Sie trat behutsam näher, mit ängstlichem Schritt, weil sie diese Aussprache fürchtete. Der Pfarrer reichte ihr herzhaft die Hand: „So, allein brauchst mich, Wohl eine heimliche Sach? Gehn ma in die Stubn nei, Kohlerin." (Fortsetzung folgt.) NEUE BUCHER Verlag Laumann, Dülmen (Wests.). Ernte 1938. Der Verlag Laumann bemüht sich angestrengt um gediegenes, religiöses Schrifttum im weitesten Sinn des Wortes, das dem gläubigen Menschen, wie auch dem um den Glauben ringenden unserer Zeit Freund und Begleiter sein kann; das hier herausgegebene Buch will sich durch se.nen wertvollen Inhalt, nicht vermöge äußerer Aufmachung, seinen Weg bahnen. — Wenn wir nun im Folgernden das eine oder andere Verlagswerk besonders herausgreifen und uns darüber unterhalten, so wollen diese Bemerkungen keinesfalls die übrigen oder nur erwähnten Werke in ihrem inneren Werte herabwürdigen. — Vorweg sei gesagt, daß sich der Verlag niemals mit gelehrten, wissenschaftlichen, dem einfachen Mann unzugänglichen oder unverständlichen Ausführungen an seine Leser wendet, sondern ganz einfach und schlicht, aber immer wissenschaftlich unterbaut, den gehetzten und gejagten Aienschen von heute an die Wurzeln und die ewig strömenden Quellen christlicher Lebensgestaltung hinführen möchte. Als katholischer Verlag wird sein kulturelles Ziel und sein verlegerisches Schaffen vom Religiöse» entscheidend geformt und getragen. Diese religiöse Bindung mag den Verlag zur Herausgabe religiöser Kleinschrif-t e n in erster Linie mitbestimmt haben. An Christus scheiden sich heute die Geister. Darum soll eine markante Veröffentlichung aus der Reihe der Kleinschriften zuerst erwähnt werden^ „Wer ist 3e,us Christus?" (geh. 47 weiten). Ludwig Kösters S. J. ist die Antwort auf diese Frage meisterhaft gelungen. Sie vermag im gläubigen Menschen Glaubensfreude und Glaubensstolz zu wecken, den Ungläubigen aber wird sie zu ernstlichem Nachdenken anspornen. Die sprachliche Gestaltung der streng wiffenschaftlich unterbauten Darlegungen ist klar und schlicht, so daß das Heftchen jedem Christusgläubigen in die Hand gegeben werden kann. Dieser vortrefflichen Arbeit reiht sich eine andere Kleinschrist würdig an: „Die Muttersegnung nach der Taufe" (geh. 15 Seiten). Knapp, doch eindeutig und klar wird die noch immer falsch verstandene Muttersegnung nach der Geburt eines Kindes ausgelegt. Die kirchlichen Gebete der Segnung sind auch darin enthalten. Run ein kurzes Wort von den Erzie-h u n g s s ch r i f t e n des Verlags. Als Hilfe zur Vorbereitung auf die Erstbeichte eignet sich vor allem: „Ich helfe meinem Beichtkind" von G. Gerbert (geh. 95 Seiten). In sehr ansprechender Form wird den Eltern gezeigt, wie sie ihrem Kinde helfen können, seine erste Beichte zu einem beglückenden und nachhaltigen Ereignis zu gestalten. Begrüßenswert zur Vorbereitung auf die Erstkommunion ist das Bändchen: „Ich schreite zum heiligen Opfermahl" (109 S. Seinen), das Dina Schaefer geschrieben hat. Das Buch ist deswegen schätzenswert, weil es das Kind bewußt in den Gedanken des Opfers und des damit verbundenen Opfermahls einführt. Mancher Mutter wird auf diese Weise vielleicht erst selbst der tiefste Sinn des heiligen Opfers erschlossen. Außerdem sei an dieser Stelle noch auf zwei geheftete Bändchen hingewiesen: „Der Heiland kommt" (geh. 46 S.) von H. Steffens, ein Lern- und Betbüchlein für kleine Kommunionkinder. Die Gebete schließen sich enge an die liturgischen Gebete des Priesters an und sind als Gemeinschaftsgebete angeordnet. Der erste Teil enthält jene • Grundwahrheiten, die das Kind wissen muß vor Empfang des Heilandes. Das zweite Heftchen: „Aller Augen warten auf Dich" (48 S.) von W o r t m a n n ist ein ausgesprochenes Gebetbüchlein für die feierliche Erstkommunion der Kleinen. Dazu erschien noch eine Einführung für den Katecheten. Man möchte das Büchlein fast als liturgischen Katechismus ansprechen. In die Reihe der Erziehungsschriften gehört dann auch das Büchlein: „Das Mädchen in Kindheit und Reifezeit" von Dr. Elisabeth Kötter (geh. 62 £.). Es ist ein schlichter, aber starker Helfer christlicher Eltern für die schwersten Jahre der Mädchenerziehung. Drei weitere Heftchen: „Mutter, es geht um Dein Kind" von Heinrich Fritsch wenden sich an die Mutter aus dem Volk und besprechen im Erzählton, an Hand trefflich ausgewählter Beispiele, die grundlegenden Fragen christkatholischer Erziehung. Die Heftchen, jedes 48 Seiten stark, sind anschaulich und leicht faßlich geschrieben. Die heute so weit verbreitete Meinung, als ob die „Kirche" und das reale Leben zwei sich ausschließende Dinge sind, wird grundsätzlich durch einige beachtliche Neuerscheinungen widerlegt und zwar von Dr. P. Schmitz in dem Buch „Katholische Elternschaft" (geh. 46 Seiten), und von I. Gerads in: „Christus-begegnung in junger Familie" (55 6.). Schmitz versucht zum eigentlichen christlichen Wesenskern der Elternschaft und damit zum Wesen der Ehe selbst vorzustoßen, und Gerads zeigt an Hand gut ausgewählter Lebensschicksale, daß auch der moderne Mensch noch eine christliche Ehe gestalten und leben kann. In diesem Zusammenhang sei auf die vom Verlag Laumann veranstaltete Volksausgabe des bereits im Jahre 1936 erschienenen Buches von Josef K u ck h o f f: „Vater" eindringlich hingewiesen. Das Buch erschließt das Geheimnis wahrhaft christlicher Vaterschaft: „Wer ein neues Ebenbild Gottes zeugte und es Du sagen lehrte zum Vater im Himmel, der ist Vater. Vater im christlichen Sinne ist nur jener Mann, der auch der geistige Führer der Seinen, nicht nur ihr leiblicher Ernährer ist." — Erwähnen möchten wir da auch noch das kleine Büchlein: „Der christliche Vater", ein Büchlein der lleberlegung und des Gebetes, das in zwölfter Auflage vöilig neubearbeitet von einem katholischen Vater herausgegeben wurde. Ein passendes Buch für Jungens, die den Menst am Altar versehen, hat H. Steffens geschrieben unter dem Titel: „Jungen am Altare". Alles, was der Meßbub wissen und können muß, ist ansprechend und anschaulich dargestellt. Selbst mancher Erwachsene wird mit großem Interests von der tiefen Symbolik der liturgischen Gebete, Gewandung, Geräte, der Haltung und Handreichungen lesen. „Fromm und Froh", ein Meßbüchlein für Kinder (72 S. mit 25 farbigen Bildern) von Pfarrer M. G r o s s e k. An die belehrenden Texte ist immer ein dem liturgischen Meßformular sich annäherndes Gebet angefügt. „Lobt froh den Herrn" — Kinder beten im Kreise — von B. Bergmann. Das Buch gibt Anregungen und Texte für das Gemein-schaftsgebct in Katechese, Kinderheim und Kinücrseelsorge. Es ist in erster Linie für den Katecheten und den Seelsorger als Hilfsmittel gedacht. Aufmerksamkeit verdient die dem Empfinden unserer, heutigen Jugend angepaßte und von Steffens zusammengestellte „Jugendandacht zur Feier der Aloystanischen Sonntage". In dieser Form wird auch unsere Jugend mit Begeisterung zu ihrem Schutzpatron beten können. (Schluß folgt.) Verlag «Äre sacra», Josef Müller, München 13, Frieörichstraße 9. Das Buch vorn Thristkind. Gr. 8°. 32 Seiten mit 14 ganzseitigen farbigen Bildern von Josef Madlener mit Gedichten von Josef Steck. In Halbleinen gebunden RM. 3.20. München 1938. Kommt auch unsere Anzeige von diesem Madlener-„Buch vom Thristkind" zum Weihnachtsfest etwas zu spät, so „weihnachtet" es doch noch in den dunklen Stuben und in unsern Herzen, und das ist wohl auch das Anliegen dieses Buches, daß das Weihnachtsfest und seine Botschaft recht lange lebendig bleibe in unserm Herzen. In diesem Buch paßt alles wunderbar zusammen: die unvergleichlichen, stimmungsvollen, urdeutschen Bilder von Madlener und die bald zarten und feinen, bald wieder flotten und lebendigen Verse von Josef Steck. Schwere Wolken liegen über der Erde, durch Spalten und Ritze schauen aus dem Himmel Engel hinab und beobachten das Tun der Menschen, besonders der Kinder. Und was sie Gutes oder Böses wahrnehmen, berichten sie dem Jesuskind, das alle Taten in ein gewaltig großes Buch einträgt. — Der Heilige Abend naht, die Englein bitten, daß sie das Christkind begleiten dürfen, auf einer lichten Wolke schwebt ö:e heilige Schar auf die Erde hinab. — In tiefen Schnee gehüllt liegt Dorf und Stadt schweigend da. Da fällt ein heller Schein vom Himmel auf die Erde: das Christkind kommt. — Im heimlichen Grund ist das Wunderland guter Zwerge. Zu ihnen kommt das Christkind zuerst. Die Zwerge huldigen ihm, erbitten den Weihnachtssegcn und versorgen dann ihrerseits das Thristkind mit vielen schönen Sachen, den Gaben für die Menschenkinder. — Auch die unvernünftige Kreatur, die Tiere in Wald und Feld, feiern die heilige Weihnacht. Auf dem Zug durch den Wald zu den Wohnungen der Menschen bereitet ihnen das Christkind eine friedvolle Feierstunde, stillt ihren Hunger und heilt ihre Wunden. — Ein lieblicher Zug eilt dann durch den Winter-wald. Unter einem Baldachin reitet auf einem sanften Reh das Christkind, umgeben von Engelscharen, welche die Weihnachtsgaben bei sich haben. — Der Zug erreicht die Wohnungen der Menschen, die auf das Kommen des Christkindes harren. Im Dorf verteilen sich die Englein auf die einzelnen Häuser und bringen Weihnachtssegen, Frieden und Freude. — Die Tore der Stadt sind nachts geschlossen, der Nachtwächter wundert sich baß, wie sie plötzlich auffliegen und das Christkind mit seinem Gefolge einzieht. Nun feiert auch die stadt heilige Weihnacht. — Selbst das vornehme Schloß öffnet sich der Weihnachtsbotschaft und empfängt Glück und Segen. — Doch damit ist die heilige Nacht noch nicht beendet. Das Christkind kam zu den Menschen, in der Christmette sollen nun die Menschen zum göttlichen Kind in der Krippe kommen. Das ist vielleicht das Schönste und Wertvollste am Buch, daß es echt religiös ausklingt. Nicht der Zauber um Christbaum und Lichterglanz, um Gabentisch und Menschcnfreude darf das letzte Wort des Weihnachtsfestes sein, nein, die größte Gabe ist, daß uns Menschen der Erlöser geboren wurde. Zur Kirche, zur Krippe mästen wir eilen und Gott in dankbarer Freude anbeten und wieder erstarken in der Liebe und im Vertrauen. Neuheiten in Post- und Glückwunschkarten zu Weihnachten, Neujahr und sonstigen Gelegenheiten, ferner farbige Gebetbuch- und Kinderbildchen, Scherzbilder, Künstlerkarten usw. in allen Preislagen, für bescheidene und verwöhnteste Ansprüche. München 1938. Die „Ars sacra" brachte für das Weihnachtsfest und für Neujahr wieder in gewohnter Weise verschiedene Reihen von Festtagskarten heraus, die in ihrer reichen Auswahl aus den Arbeiten bekannter Künstler jedem Geschmack Geeignetes zu bieten vermögen und in ihrer gefälligen Ausstattung einer freudigen Aufnahme gewiß sein dürfen. Es ist fast unmöglich, bei der Fülle des Gebotenen auf Einzelheiten einzugehen, so möchten wir wenigstens hinweisen auf die großen Glückwunschkarten von Weiüinger, Hummel, Fugel und Schönermark, ferner auf die Serie „Christus und der Arbeiter", auf die 18 katechetischen Bilder von Reinthaler, auf die 12 liturgischen Heiligen-üarstellungen, nicht zu vergessen Bohatta-Morpurgo mit der Krankenvisite von „Doktor Allesgut". Es bereitet einem viel Freude, diese Karten und Bilder anzuschauen und zu verstehen. Lintermann.