Beytrage zur ältern » Geschichte und Topographie des Herzogthums Kärnten. .,,,,.., Vom ""^Ambros Eichhorn, don St. Blasien im Schwarzwalde, Mitglied des Bene- diktinerstiftes St. Paul, und Präfekt des k. k. Gymnasiums zu Klagenfurt. I. Sammlung. Klagenfurt, gedruckt mit Leon'schen Schriften, 1817. Difficills inyestigatu res est histo* via vcra* FLVTABCII. V o r b e r i ch t. Unter den innerösterreichischen Provinzen hat Karntcn bieUeicht die meisten Denkmäler des Alterthums, vorzüglich römische Stein- Schnfttn- In dem langen Zeiträume von 17 bis 2puli kom'äm nomine ausdrücklich zeichnen ließ. Hingegen herschwindet alle Schwierigkeit , wenn man die Inschrift in die Zeit setzt, in welche sie gehört, sie wird merkwürdig, und dient als Beweis der Finanz - Verfassung imNordreich, als sclbsiständigem Staate. Nach der Eroberung desselben haben die Römer nicht nur ihre Legionen dahin geschickt, sondern auch mehrere Cohorten der IngcdorlM! unter dieselben versetzt- Zudem sind mchrcre Colonisten dahin gezogen, und haben da ihre Villen oder Landgüter angelegt; nicht wenige mögen daselbst ihr Exil gchabt haben; hieraus folgt aber noch nicht, daß alle Denksteine, die wir noch haben, von wirklichen Römern herkommen, viele sind celtisch, welches man aus den eigenen Namen sowohl, als aus der geringern Calligraphic abmhmcu kann. Xll Was ich bey ^o xv und xvl von der Mia 8adina und Von liercule^ sage, ist nur Muthmassung. Die Familien der Freygelassenen haben insgemein die Namen ihrer ehemaligen Herrn und Patronen geführt, aber doch das I.I3. I.idertu3 nicht ausgelassen , da nun bey der «sulia 5adma weder ^ vn. HußuNa, noch I.M. vorkommt; so läßt sich da nichts bestimmtes behaupten. Ich wollte nur anzeigen, daß Flavier im Virunum gewohnt, und wahrscheinlich dem klavimn 5oi. V6N8L den Namen gegeben haben. Ich liefere auch Inschriften vom geringern Gehalt, über die ich nicht viel, oder gar nichts zu sagen weiß, deßwegen sind sie doch nicht überftüßig, vielleicht weiß ein anderer, oder die Zukunft etwas darüber zu sagen. Das zweyte Stück meiner Beytrage enthält das christliche, wie das erste das heid- Nische, Nordreich. Dasselbe ist sowohl durch die Aufsätze meines Mitbruders des Herrn Professor Leopold Scheichenbcrger, als auch durch meine Zusätze vermehrt, und im Zusammenhang dargestellt worden, wie es vorhin in Zeitblättern nur zerstückelt erschien. Auch einige Urkunden, die ich ebcn bey Handen hatte, werden mitgetheilt, ich hoffe künftig, wenn anders meine Arbeit nicht ungünstig aufgenommen wird, mehrere nachschicken zu können. Was ich übrigens in der Folge liefere, besteht in kleinen Sammlungen und Noti-tzen, die mir getreue Freunde in die Hände lieferten, oder die ich theils in Büchern fand, theils aufkurzen Exkursionen entdeckte. Ungern und selten lasse ich mich in das i6te Jahrhundert herab, und schranke mich gerne aufdas ältere und mittlere Zeitalter ein. XIV Endlich bitte ich den Leser, meine Bruchstücke als Bruchstücke, nicht als ein Gmncs zu betrachten; um so mehr, als mir meine Benlfsgeschafte zu dieser Arbeit oft auch nur sehr kleine Zeitbruchstückc gönnen. Geschrieben am Gymnasium zu Klagen-fun im Iäner 1817. Inhalt der I. Sammlung. Erstes Stück. «^age des alten Virumim im heutigen Glandistrikt. Ve/fassung der Viruner. Ibr Alter. Ihre Religion der Mytbrasdienst. Dessen Ursprung. Verkehr mit den Römern. Vinmum unter den Römern. Zweytes Stück. Einführung des Christenthums von Aquileia hcr. Viscbosiicke Stadt Tiburn auf dem heutigen Lurnfeld in Oberfärnten. Einwanderung dcr Slaven. Ihre Herzoge Samo, Voruth, Carast, Chctu-»nar, Walchun, INgo. Wicderhcrstelluuq des Christenthums a»s Salzburg. Die Laudbischöfe der heil. Modest, Theodor» ch , Otto, Oswald. Die Carantaner Kirche und Stadt, am Fusse des Ul-richsberges. Marieusaal. Carlmann. K. Arnulf. Drittes Stück. Ursprung einiger Kirchen aus Original-Urkunden. Ossiach, Ueding, St. Georgen, Vnck als Kloster. Herwnft der sel. Hemma. Gurk Biothum. Die ersten Gränzen und Einkünften desselben. Eberndorf. Griffen. Bisthmn Lavant. E r st e s Stück. Dai entdeckte Virunum vor, und unter den R ö m e r n aus Denksteinen. i»2X2 lo^nuutur. l. Vorzug der Denksteine. Sinter allen Denkmälern dcs Alterthums sind zur Ve-stimmung der Lage eines Orts keine so zuverlässig und so weit von allem Verdacht entfernt, ass die Sttine mit Inschriften. Ausgegrabene Münzen, und alle andere leicht bewegliche Stucke sind darum keine so sichern Zeugen der Oertlichkeit, weil sie auf verschiedene zufällige Weise von einem Ort zum andern haben können gebracht werden; aber Denksteine zeiget» sowohl ihrer Beschaffenheit als ihrer Bestimmung nach die Ocrter an. Ofr ist der Stein mehrere Zentner schwer, man laßr ihn stehen oder liegen, wo ihn sein Urheber hinsetzte, A 2 4 und absichtlich dahin sehte, dadurch diesen, lind feinen andern Ort anzuzeigen. Ist er mit der Zeit verruckt und übersät worden, so ward cr doch kein Auswanderer; gewöhnlich blicb er in der Gegend nicht weit von feiner ursprünglichen Stelle; man hätte ihn dann in ein Kabinet sen^s wichtigen Inhalts wegen verfuhrt, wobey man cben nicht unterlaßt, den Fundort anzumerken- Sieht man, daß der vor 2000 Jahren gebrochene Stein von der nämlichen Galtung, Farbe, Mischung ist, wie jene , welche man heute noch in seiner Lage-Gegend bricht; so ist cr gewiß kein Fremdling, sondern der einheimische Zeuge der Gegend und des Ortes, lvo man ihn findet- Nach dieser Vorbemerkung, welche Niemand mit Grunde wird bezweifeln wollen, glaube ich, die bisher unbekannte odcr doch zweifelhaste, Lage des alten Virunum aus vorhandenen genau untersuchten Denksteinen , dem gelehrten Publikum mit biclcr Zuverlässigkeit vorlegen zu können. Die Vergleichung der anzuführenden Denkmaler mit der Geschichte gewahrt, wo nicht das Licht des Tages , doch das Licht der Dämmerung. Genug, der verhallten Vergangenheit den Schleyer zu heben, dem Liebhaber des Alterthums einen Blick in das Unbekannte oder Nichterkannte zu öffnen, und dem Leser zu zeigen, »vie es in der Gegend, in der wir athmen, und wandeln, vor etwa 20 Jahrhunderten ausgesehen habe- 6 II. Wo lag Virunum? Wer Viruniim, auch Viruniurn und Varnniini in dkM Itll>era,ium ^ntnnini und der ^klli'ta?eulinß«pi»n» sucht, der wird in das alte Norikum (Nordreich) und zwar in das heutige Karnten, geführt; darum fetzte es 6 eliünIeden in seiner Lgrniuii» nach Volkenmarkt, und li»n»l/. in seinen ^nHiecti» nach Friesach; jener scheint neben, dieser über den Zweck getroffen zu haben. Entziffern wir die DenPeme- Ich setze die Inschriften von Linie zu Linie, von Vuchstabe zu Buchstaben, wie ich sie fand Hieher, und fülle hernach die Abkürzungen mit kleineren Buchstaben aus. ?lm Schlosse Tanzenberg eine Meile nordlich von Klagenfurt besindet sich folgender Grabbeln: Nro. I. C. PVBLICIVS VTRVNIENSIVM LIB. ASUTICVS FEC, 8IBI, ET LVPVLB CONIYGI IURISSIMAE. <5 Cajus Publicius Vimnicnsiuin Libprius (q^CI* flUCft Librarius) fecit sibi, ct Lupulc (r fyj; ac) Con-iugi Harissimac (H sot C, ) Deutsch: ,,<^a,'n!< ?,li)llcirl« ein Freygelassener (wen» man i.ijiei-tu!» licst, oder Schreiber, Sekretär (wenn man lilirarll!» liest) der Viruner afts Asien hat (diesen Grabstein) für sich und seine liebste Gemahlt« I.i>i,uw machen lasscn." 'Ein andcrrr Stein zn Viktring am Brunnen eine Stunde südlich von Klagenfurt, von dunkrlgrauer Farbe, wie die übrigen Steine dcr dortigen Gegend sind, der lmgefahr 3/, Kubikschuhe Inhalt, und /.6 Zentner Schwere vor seiner Aushülung zu einem Fischbehaltcr enthielt, wciset folgende Inschrift: Kro. II. I,. T V C C I V S L. F. P O L. C A M P A N V S, H A R V S P E X i: I1 SO LL.ON I A, P. F I U S A B T N A OB, MERIT V M J\ E 1 PVBLIC, VIRVNENS. DEDEHVNT, T Lucius Tucclus Lucu filius Pol Ha tribu, Campn-Jiui Ilaruspex, et Sollonia Publii (ilia Sabina ob meri-turn rcipublicac Viruncnsi dederunt. Deutsch? „I.'lci'l'i "luccluz Sohn des I'Uciu, aus der Zunft rlt, nicht lleäei-unt gelesen werden. Nebrigens ist, die Inschriften leichter zu verstehen , die Bemerkung zu machen, daß die Romer mehrere Namcu zu führen pfiegteu, nämlich i''^»<>,nl)l hon ura 1^,'» Ultd '^'«i«,. z Bisweilen fetzen sie die Zunft, in welche s,e gehorten , hinzu. ( Man sebe M^nln-l Un. ..p. i^om»«. ?. 5?ä lc. und ^nt, Nlisii Uoma illuttruia ^,. /,27) Auf unserm vorliegenden Stein ist I "rill» dec Vornamen , 'lucrill,-« der Name, t'M.il!, die Zunft, (!l»m panu« der Zuname, und wenn mgn will l^ru«^«» der Beyname, oder der Name seines Amtes. Das sind die einzigen bisher bekannten Denkmäler, welche von dem Vil-unum eine ausdrückliche Meldung machen, und zwar in einer geringen Entfernung von etwa 3 Stunden; vielleicht wird die Zeit , noch einige entdecken. Indessen reichen die angezeigten hin, uns nach dem angeführten Grundsatze zu überzeugen, daß die Gegend um und zwischen Viktring und Tanzen-berg, wo die heutige Hauptstadt Klagenfurt beynahe in der Mitte steht, zum Virnnum gehört habe. Wahrlich der Asiat rubliciu» ein Freygelassener oder Beamter der Viruner, und der Haruspex 'rucl-in,, der die Viruner eines ihm geleisteten Dienstes wegen beschenkte, müssen bey und unter Virunern gelebt, haben; nun war der eine zu Tanzenberg, der andere zu Viktring; folglich ist es wohl mehr als wa)r-schciulich, daß wir die wahre Lage, wenigstens eines Tlmlcs, von Virunum gefunden haben. 9 III. WaswarVirunum? Man muß sich aber nicht nnr einen ans vielen Wohnungen bestehenden, und mit Mauern umgebene« Ort, den wir eigentlich Stadt nennen, vorstellen; tinen so eingeschränkten Begriff legten die Alten dem Hauptwort l^v.tu!« und lic>^>nl,lll)^ nicht bey. Wir müssen mit ihnen einen aus mehreren Oertern bestehenden Distrikt, cin Gebiet, den Verein aller Bewohner eines Landstriches, den man spater sonst auch ^g^ hieß, darunter verstehen, welcher freylich insgemein den Namen des Hauptortes trug, beyläufig wie heut die Ge-spaimschaften in Ungern, und die Kantonen der Cchweiz. So schreibt z. B rnnluz (nitt. n.-u. I., ill. 6»?. Korici. Hi» «oriterinini Nliu^ti et Viniloliei, u,n n <: 3 in ,n uI ^ « » Civilnte » «1 ivi « i. Er Will sagen, dl'ö aneinander gränzenden Völker, die Carner, Nördlicher, Nhäticr und Vind^lieier seyen in viele Vilrgervcreme, Gespanuschaften, lu,d Gaue abgetheilt. Noch deutlicher <^i,«':»r (!! l i li u t > in c i v i t 2 t « ^, omnla va^i et »ultu«. «btlurdani. Ueberhaupt nach ibrcil Gau? II cin- »0 getheilt besetzten sic alle Uebergänge, (Passe) und Gehölze. Er spricht von der Stellung des celtischen oder gallischen Heeres, wobey eine jede <^vi^s ihre eigene Truppe oder Schaar bildete , nach welcher das Heer eingetheilt worden. So eine civile war auch Virunum. Das Wort v>, union«:^l'« im ersten, und noch mehr das Noipukiir. VllllNLn». im zweyten Denkstein bestät-tlgen diese angeführte Idee; indem jenes den Begriff Von einem Volke, dieses den Vcgriff von einer Staatseinrichtung darstellt. N3o war aber der Hauptort dieses Gebiethes? offenbar dort, wo man noch die richtigsten Beweise, die Trümmer einer ehedem ziemlich großen Stadt antrift; wo nachher nicht nur die Römer, sondern späterhin auch die Christen und Slaven ihren Hauptsitz wählten, nämlich um-und auf dem heutigen Solfcl d unter Tanzend erg. ' Zwischen Maria Saal und St. Michael don Süden nach Norden, dann zwischen dem Ulrichsberg und Magdalene nberg von Westen nach Oste», findet man überall die sprechendesten Denkmäler und Ueberbleibscl einer Stadt, sowohl auf den Hügeln, als auf der Ebene, besonders aber bey und unrcr Töltschach; da sind unterirdische Gänge, Gewölbe, Maucrn, Zimmer in großer Menge: da ist noch der Tempelacker, wo ein MythrasteMpel stand, wie wir nachher sehen werden; da zeigt uns die Vegetation, vorzüglich im Frühling, gleichsam den Niß, Plan, die Gassen nnd Quadrate der Gebäude, indem die auf diescn Ruinen wachsenden Psianzcn aus Mangel des tiefen Grundes, mager, und lürzcr als die ilbrigcn, erscheinen. Wir werden in der Folge finden, daß da nicht nur Reichs-und Staatsbeamten, sondern auch Vorsteher des Götzendienstes dor und unter den Nömcrn gewohnt haben; wir können also für wahr annehmen, daß die Hauptstadt der Viruner auf dem Solfeld gestanden seye. IV. Verfassung der Viruuer. Die Viruner waren Celten, und hatten eine celtische Verfnssm,g. Alle Völker der westlichen Europäer hießen bey den Griechen NcXrsl Kelten, bey den Römern 6»i.uiw, O-un. Beyde Völker, Griechen nnd Römer sahen gegen Norden eine ununterbrochene Reihe beschneyter Gebirge, und stelten sich über denselben nur kalte Gegenden dor; daher der Name Kelten, Celten, von Kalt, Kälte, und zwar, wie 6n«^>' bezeugt, (i.ib. i. ill-ii. Oull.) nach ihrer 12 eigenen Sprache! ün- Zu diesen Celten also gehörten die Tauris-ker,^) nachher Noriker, Nordreicher, und Earner ^»rni und ein Gebieth von diesen war Vi-runum. Jedes Gebieth der Celten, c^iviiu«, hatte einen eigenen Magistrat, welcher über Gesetze wachte, und bey bevorstehenden Kriegen, bey Auszügen der jungen Mannschaft, über eiaene Truppen Anführer bestellte. Sie hielten öftere Versammlungen, bcy denen sie nicht anders, als bewaffnet zu erscheinen pflegten. Diese Versammlungen waren theils besondere Gebieths-oder Bezirks - Versammlungen, wo die Vor-stch.r jeder einzelner Clvlta« Rath hielten, theils allgemeine Versammlungen, da die Abgesandten aller Bezirke eines Reiches zusammen traten. Man bliebe hierüber nachzulesen Notitla H^ül-iu? »mi<^u« '1'. i. c!Hp. xiv. Wenn sich die Zahl dcr Einwohner so vermehrte, daß der Bodcn sie nicht mehr nähren konnte, so zog die junge Mannschaft, wie junge Bienenschwärme aus *) Taurisker ist mehr ein nomen »z>p«Nal>vum «ss p»»-pliunl. Die Romer nannten sie ,'n ihrer Sprache auch äi,l»ü<.^iic»!> Verger, Alpenbc wohner. 13 ihn'» Stock, aus dem Vaterland, erregte Krieg, eroberte eine Nachbarschaft, oder schloß sich an cinen kriegführenden Nachbar an. Krieg und Raub war ihr Hauptgeschäft, und Gewalt galt für Recht; so sagen sie beym I>lviu» (inü. üb. V. <ü»p. 3).) .in« «UUIN «I«lluinen, welcher durch Vorbedeutung (Wahrsagung ) des ^ll-oinn«, Schatzmeister des Königreichs Viorisu,^ geworden ist (dlcses Denkmal) gewidmet." So gerne man den einsichtsvollern Lcscrn überlaßt, den Siglen dieser Inschrift, besonders den: vi«,.. ^,o^,-. l-pgn. ^ o l ! <,'. eine andere, vielleicht bessere Deutung zu geben, so zeigen sie doch m ' Hcdem Falle an, i'i»äu»l K. 23. V. emen Erast als ^l- Der ^i«i'l:n«»tal' lvvc.-xriuz ro^n» verwaltete hiemit im Nordrcich den Rcichsschatz, war Finanzmim'ster, 15 vdcr wenigstens ein dornebmer Kafsenbeamter. Die Reichsfasse, der gemei'.e Neichsschatz mußte dort, wo der Verwalter war, folglich im Virunum seyn. Ware es grundlos, wenn man daraus schließen wollte, der König des Nordreichs selbst habe seine Residenz bey den Virunern gehabt? — Wenn man einst nach dem Zeugniß des 6>rsk« silk. 4.) bey den Tauris-kern und Norikem ev T'o/c ^H^^^V/c, ?v,c N^lx^c aus den eigenen Gebirgen sehr viel Gold mit so leichter Mühe gewinnen konnte, daß man nnr 2 Schuhe tief graben mußte, um auf die ergiebigsten Goldadern zu kommen; so mußten fürwahr die Finanzen im besten Zustande seyn. llebrigens s!nd Diaännienu» und Ulcui»«» griechische Namen: die schone Bildsäule, welche der berühmte Bildhauer r<,^c^t verfertigte, durch die er einen siegenden Kampfer vorstellte, hieß M.''!iciu8 aus ?lsien, .x>,lali<-u5, bekommen haben? Auf welche Art, bcy welcher Veranlassung kam wohl dieser Asiat cittwcdcr in die Gefangenschaft, oder zu einer AlMs-Vcrwaltung dcr Viruner? Oder, wenn er ein gebor-lier Virl.ncr gewesen^ wäre, wie erhielt er den Zunamen ä»iü!.icu»? Die Beantwortung dieser Frage führt uns wenigstens dritthalbhundert Jahre vor die christliche Zeitrechnung hinauf. Alls dcMl^lvIul. (lütt. III). 3ß. (!»p. ,6. UNd '?>) ^) luüin ^ lil). !»^j. Cni,. 4. und lii»c» 25. <^az». 2. ) und andern Schriftstellern ist bekannt, daß die Celten, be- *) Vorzüglich ist die Stclle in der Rcde des Consul »lnniil!.. zu merklN, wo er von den Galaten sagt: Exlorres irmpia agrorum protccti do mo pup asp err in» am Illyrici oram Paconiam in'lc ft Tliraciam , pugnando cum tWocissimis ficnlihus, omt-nsi has terras coperant, ^slltlt bis &ttiti b($ Justinus lib. XXIV. Cap, /+. Portio gjillorum I I 1 y -ricos sin us ducibus avibus (nam auguranili studio Galli practer cactcros callpnl ) pin- stragos bar» barorum pcnetravit, et in Pannonia consrilit: gens aspura , audax, bHHcosa — Alpiutn invicta juga , et f'rigurc intractabilia loca transccndil ?c» »7 sonders welche zunächst an Illyrn'N Wohnten, um das Jahr 27? vor Christus Geburt ill Kleinasien das Reich der Galater gegründet haben- Ihre Armee bestand ans 17 Abtheilungen unter eben fo vielen Heersfllhrcm, und aus 3 Volkerschaften den Tectosagen, Tolistoboien, und Troc-Mos, Tauriskeru, zu diesen gehörten auch dje V i« runer, welche als Nordreicher Illynens nächste Nachbarn waren- Dürstend nach bessern Landern eröffnete diese eroberungssüchtige Nation ihren Feldzug gegen die angranzenden IMrier; per a^eiiimaln Iii^. ricl UI-2IN, dann überschwemmte sie Macedonien, und Griechenland, wo sie dett Tempel des Apollo zu Dcl-phos, gereizt dom Reichthum des Schatzes, plündern wollte. Oft Sieger, oft besiegt zogen diese Söhne des Mars weiter nach Thrazien, wo sich cin Theil derselben festsetzten, und einen Staat bildeten, dessen Hauptort, nach dem Zeugniß des rol^bius (»id. iv.) T^Xic, Tyl, war- Einige glauben, nicht ohne Grund, daß die noch jctzt blühende Vorstadt Konstantinopels Galata ihnen ihren Ursprung zu verdanken habe. ( Werilsäull' lie Uo^udl. kalalar. p. 26.) Lüstern u.ich dem schonen nahe gelegenen Asicn, fanden die übrigen Gelegenheit über den Hellespont zu setzen , wobey sie vom bythinischen König Aicumeäc»") ^) 5'l-uvNcil Uotit. Element, uumilimzt. »u^icluur, z». B 18 der eben mit feinem Bruder ^xpo^ta ,„i Krieg lag, kräftig unterstutzt worden. Mit diesem machten sie ein Schutz-und Trotzbündniß, und eroberten die Ge» genden, welche nach ihrem Namen Gasatien, auch Gallogräzien genannt worden. Der eben angeführte ^Vernzciol-s, «nd ^ßnn« Ii)ein in Rotltl» ^uü,ll,e ^nti^iiilc haben diesen Ge- genstand sehr ausführlich und grundlich abgehandelt. Letzterer war ein zu Wasserhosen im Iaunthal geborner Kärntner, und berühmt gelehrter Abt des Venediktilierstiftes Gott we ich, im verflossenen i3ten Jahrhundert. Hier ist indessen genug, gezeigt zu haben, bey welcher Gelegenheit Viruner nach Asien kamen, und als Sieger und Eroberer gefangene Sklaven, wie es in Kriegen gebräuchlich ist, in ihr voriges Vaterland verschicken konnten; folglich wie der I'^ülin, Hüecio Maitcllo Falrono Die VIII, Kaluadas J«. lias, o. Deutsch: „iliini- ein Freygelassener des Kaisers, im Namen des ramschen Volkes ein Schreiber, m,d fielet kaiserlicher Kassier, haben für. das Wohl des »I Kaisers, zur Chre der Götter dem unüberwindlichen Sonnengott N>tkr»5 diesen neuen Tempel, welcher durch Alter zerfallen war, auf ihre Kosten nebst dem Gemälde wieder hergestellt, als unser Herr Kaiser Qurüian und ^vioia Burgermeister waren. — — — Unter dem Schutz des m^e«u. am 24. Iunii." Das angezeigte Eonsulat siel auf das 239. Jahr unserer Zeitrechnung. d) Am Schloß Tanzenberg: Nro. V. D. I. M. TEMPLVM. VETVSTA. CONLABSVM. QVOT ¥\'1\ PEK AMNOS. AMPLIVS L. DESERTVM. AVR. HEIIUODORVS, V. P. P. P. N. M. T# j A NOVO 11ESTITVI FECIT v QVOT EDIFICATVM KST DIVO MAXIMIANO VIII. T MAXIMINO. IXR, AGG. CON. QVAR. VRS1NIANO. CVR# Unverkennbar sind da dle Zeichen verfallener La-tinität: «tuot für stellten. Die Inschrift wird so gelesen? Deo Invicto Mithrae Templura Vctustate collap» sum, quod suit per Annas amplius quinquaginta deser. tum, Aurelius Hcrmodorua Volens Propria l'ecunia Po-. nendo, Numine MoniMis Tutclari ä novo restitui fecit, , quod aedificatum est diro Maximiano octavüm , et Ma-^.imino iterum Augustis, Gonscntiente Quarto Ursiniano Curionc. Deutsch? „Dem unüberwindlichen N)'ti,rÄ5 hat ^nroi Ilermocil.l- den durch Alter zerfallenen Tempel, welcher über 50 Jahre verlassen gewesen,, don der SchutzgoNheit ermahnt, freywillig aus eigenem Geld aufs Neue wieder herstellen lassen, welcher erbaut worden ist, als N»ximi»n im 8ten Jahre, und Nilximin abermal Kaiser waren, ^»»-t ^l-siniH» gab als ^urlo seine Einwilligung." Diese Wiederherstellung des Mytl,^ - Tempels fa'llt auf das Jahr 3ii nach Christus Gcburt, als Gal, Valei\ Maximianus Aug., VI». Ultb Maximinus Daja obCV t)aca, AUg„ lüOVCit* (L'art tie verifies lea Dates dc's faits historiques T. lt p. 'A'SG.) Die Sigle» N'KN. ^^^. lassen sich also sehr gut mch 23 wahr mit 'terum ^«gulnz erflären, da Naxnnian, der ehevor zur Abdankung gezwungen war, sich um das Jahr 3io der Regierung abermal bemächtigte. Ein 5uril> ist der Vorsteher der Götzenopfer gewesen , welcher den öffentlichen Götzendienst in seiner ^urio zu besorgen hatte; m.iü dürfte bey diesem Geschäft sein Gutachten nicht übergehen. Drey Jahre zuvor, nämlich 3utt gab N»ximinn» 1).^ in allen Provinzen feines Neichsantheils Befehle, die verfallenen Tempel der Götzen wieder aufzubauen, und alle Menschen Männer, Weiber, Kinder, Freye und Unfreye zum Götzendienste anzuhalten, und selbst die Säuglinge zu nöthigen, vom Opfer etwas zu kosten. Das mag wohl die Wiedererbauung des verfallenen Götzenhauses auf dem Tanzenberg veranlasset haben. Da haben wir also lange vor der Rö'merhcrrschaft rechts und links am heutigen Solfelde zween Sonnen-tempel, dem Myth ras gewidmet so lange, bis daS von Aquileja her aufgehende Licht des Christenthums das ganze Nordreich bis nach Lorch beleuchtete, lmd die Finsternisse des Götzendienstes nach uud nach verdrang: die Tempel siengen an verlasse», und öde zu stehen, und in Verfall zu gerathen, bis der grausame Aberglaube der römischen Viruner sie wieder aufrichtete; und es ist merkwürdig, daß dieses beynahe nm die nämliche Zeit geschahe, als der Heil. Maximilian zu Cilley gemartert worden. Auch in der dortigen Gegend zwi- 24 schen Cilley und Petta^u ist ein zerfallener Mythras-Tempel von ^,<»s«i ^!l8tini»n Heersführer beyder Pa-nonicn wieder erbauet worden; den Denkstein liefern hiß ^nnale« Ouc»tu« 8t^ri»o 1. I, p. ^6. Nro. VI. TEMPLV>1. DEI. SOU INV. MIT. AVnEL, 1VST1NIÄNVS V. P. DVX, LABEFACTATVJtf. RESTITVIT. Vorausgesetzt, baß diese Inschrift richtig abge--' zeichnet worden, wird sie gelesen: 'rempi«,» ve» 8nii» (oder auch »uUu«,) Invicti IVIitlii-ÄL H.ureNll» ^U8tinl»uu» Deutsch: „Diesen Tempel des Sonnengottes (oder des einzigen Gottes ) des unüberwindlichen Miikr^» hat ^u,-eliuz ^U8tln,anu8, Heersführer beyder Pano? ^ien, nachdem derselbe zerfallen war, wieder hergestellt- « Es ist wohl zu erachten, das ^">-el n«rmnüor zu Tanzcnberg mit dem ^urei lu^inian bey Pettau zur nämlichen Familie ( der >uroii» ) gehört habe, und wahrscheinlich ein Heersführer der Nordreicher, wie dieser der Panonier, geweseu seye. 25 So bcml'chete man sich durch Wiedereinführung des abscheulichsten und grausamsten Götzendienstes das emporblühendc Christenthum, weil es Stolz und Sinnlichkeit bekämpft, zu vertilgen- Wer weiß, wie die römischen Beamten Ml:", ^»lc-tet und iiermoäo»- die Christen zu Virunum behandelt haben? Wenn man bedenkt, daß Jahrhunderte erfordert werden, damit eiu Steingcbäude durch Alter, Ve^s^te, baufällig werde und einstürze; so wird man gar leicht auf das hohe Alterthum Virunums schließen. Rechnen wir von der Wiedererbammg dieser Tempel, vom Jahr 239 und 3ii nach Christus Geburt rückwärts bis zur Gründung Gal aliens, bis auf den Zeitpunkt, da die Viruner mit dem Mythrasdie^st bekannt werden , und ihn nach dem Nordreich verpflanzen konnten, nehmen wir zugleich die geringe Nuuozahl 25o vor Christus Geburt an; so sinden wir den Tempel zu Toltc schach 489, den Tanzenberger aber 56i Jahre alt, und mithin Zeit genug, sie baufällig werden zn lassen, um so mehr, da man in der Zwischenzeit ihren Unterhalt nicht nur des eingeführten Christenthums wegen, sondern auch darum mag vernachlässiget haben, weil der Mythrasdienst wegen feiner Abscheu erregenden Grausamkeit von der Regierung bisweilen untersagt worden ist. 2s VIl. Woher entstand, und worinn bestand der Mythras - Dienst. Die Religion der Perser war in zwey Sekten die Sabische und Magische getheilt: dieselletztere verehrte den Mythras, sie soll die Einheit der Gottheit anerkannt, nnd geglaubt haben, daß es, wie nur eine Sonne, auch nur einen Gott gebe. Hiemit könnte man die Siglen 80I.I im ^ten und 501" im 6telt Denkstein nicht von 8«i. der Sonne, sondern von «0. in», n, u,n, allein herleiten, und ihnen den Sinn geben: dem allein unüberwindlichen Gott. Gewiß ist es, daß die Perser die Vielgötterey der Aegyptier verabscheuten, und ihren Apis, Stier, verachteten; sie nahmen nichts desioweniger zwey höchste Principien an, ein Princip des Guten, und ein anderes des Bösen, Licht und Finsterniß, sahen nicht ein, daß das Böse und die Finsterniß keine positive Wesen, sondern nur Mangel des Guten und des Lichtes sind. Der Mythras entstand aus der Sterndeutnng-Vurch Stolz lind Sinnlichkeit verdorbene Menschen sahen die prächtigen, und durch ihren Einfluß wohl- 2? thätigen Gestlrne, diese großen Werke des Schöpfers, und vorzüglich die Sonne, als Gottheiten selbst an. Weil sie aber zu weit von ihnen entfernt waren, zogen sie die Sinnbilder derselben zu sich auf die Erde hcrmttcr, und gestalteten so Götter nach Belieben; darum kommt der Sonnengott unter so verschiedenen Namcn und Gestalten vor, unter Symbolen die, so plump und gröblich sie manchmal seyn mochten, doch nicht ohne Bedeutung waren. Immer erscheint die Sonne in Verbindung mit den übrigen Planeten, und den zwölf Zeichen, oder dem Thierkreise, mit Hindeutung auf ihre Wirkungen. Wer weiß, daß die Alten ihre Mythen und Meinungen in Bildern bcrlMten, und mit Gestirnen gll ichsam an das Firmament schrieben, der wird ihre Symbolik nicht ganz uncrklarbar sinden. So stellten d>e Asiaten den Myth ras unter dem Bilde eines Jünglings vor, der einen Stier, auf dessen Rücken sitzend, bey den Hörnern ergreift, ihn bändiget und erlegt, anzudeuten, daß die Sonne durch ihren Eintritt in das südliche Gcstirnbilde Stier, den Sommer anfängt, und alles bemeistcrt. Das nördliche Gestirnbild Drach, dem die nahende Sommersonne gleichsam alle seine Kaltungskraft benimmt, hatte für Völker im Norden mehr Bedeutung, als der Stier; daher der Myth ras unter tzem Symbol eines gebändigten Drachen. So sieht man noch jetzt den nördlichen Myth ras ob der Kirchthür zu Lieding im Gurkthal in'Stein gf-hauen: eine menschliche Figur auf dem Rücken eines ungeheuren Drachen zwischen zweyen anfallenden Löwen: Sinnbild der alles bezwingenden Stärke, und der Kraft des unüberwindlich?« Mythras, der am Sommerwendekreise die dickesten Eismassen auf den Gebirgen der Taurisker schmelzen macht. Auch zn St. Donat nördlich vom Solfeld liegt außer den Ringmauern der Kirche ein großer keulenförmiger Stein mit einem neunfach gekrümten Drachen, dessen Kopf aber theils abgeschlagen, theils verwittert ist. Wäre dieser Stein noch unverletzt, so würde man das ganze Sinnbild der Stärke noch sehen; personisizirt war sie Herkules, unter dem die Indianer, wie die Perser unter Mythras, die Kraft der Sonne vorstellten. Weil doch jedes Ding, so gering es auch seyn mag, seine Ursache und seinen Ursprung hat; so kann man, ohne ungereimt zu scheinen, das Kärntner Wappen , und das Symbol der Hauptstadt dieser Mythe zuschreiben. Die aus Stein gehauene Löwen bey den Stadtthoren sind vermuthlich das Aelteste, was Klagenfurt besitzt, sie zeugen von einem alten Meißel; und der große Drach, oder Lindwurm mit dem Herkules auf dem schonen Hauptplatze ist sicher nicht der erste, er muß Vorgänger gehabt haben. Wer wollte sich einbilden, daß die Viru-ner die angenehme Ebene vom Werthersee an bis zur »9 Mündung derGurk, und darin den heutigen Burgfried von Klagenfurt, nicht benützt und bewohnt hatten? war ja ihr u»ru!,i>ex in der Gegend zu Viktring. Der Mythras hatte seine Mysterien, welche sehr grausam waren; Funke hat davon in seinem Real-Schullexikon einen Auszug geliefert; noch grausamer aber waren die Opfer, welche man öfters in unterirdischen Hohlen, Mythrashöhlen, vornahm» ( Apollo erlegte den Drachen Python auch in der berühmten Höhle am Fusse des Parnaß) man hat dabey das Feuer, weil es leuchtend und erwärmend der Sonne nachzuahmen, oder von derselben herzukommen geglaubt worden, als Haupt - Element gebraucht. Viele Tausende de« Kinder beyderley Geschlechts wurden diesem M y t h r a s, wie zu Babylon und Chanaan dem Vel, Baal, Moloch zu ehren, auf die grausamste Art lebendig verbrennt, oder doch, wo noch einiges Mitleiden siegte, durch das Feuer gezogen- Selbst die Juden ließen sich, angesteckt von der Nachbarschaft, oft zu dieser Abscheulich-feit verleiten, ihre Sohne und Töchter im Feuer den Teufeln zu opfern. (Psalm w5.) Der fromme Kö< mg Iosias mußte sich daber viele Mühe geben, die Haine und Opfer und Opferbeschauer iiuiu^ioe» des Baals zu vertilgen, welche der Sonne, dem Monde, den 12 Zeichen, und dem ganzen Sternenheere opferten. (4. Kö'iize 23.) so Oft sind auch erwachsene Menschen, wenn grobe Lust, und Blut dürstende Nachsucht es forderten, des Mythras unglückliche Cchlachtopfcr geworden, aus dcrcn Eingeweiden die Haruspicen das Zukünftige deuten mußten. Daher der liül-u^oi,'lucciu, auf dem Viktrillger Stein. So wüthete man auch in unserm Virunum m den zweyen Tempeln, und in der noch jetzt bekannte« Drachen höhle, Drachenloch, östlich an der Land-strasse am nördlichen Theile des Solfeldes, bis die wahxe Sonne der Gerechtigkeit die schrecklichen Finsternisse , welche die Menschheit so grausam entehrten, vertrieb, und die christliche Religion auch da diese Werke des Teufels zerstörte. VIII. Verkehr der Viruncr mit den Römern. Man möchte vielleicht einwenden, wenck dle an-geführten Beweise für das Alter von Virunum überzeugend seyn sollen, so müssen die Denksteine des l'ub- 3! Ue!u5 und des vl»äumenn8, und jener zwar wenigstens lim 2on Jahre älter seyn, als die römische Oberherr« schaft kbcr das Nordreich; da sie aber in der Römer-spräche dcrfaßt sind , so scheinen sie dem angegebenen Alter zu widersprechen. Diese scheinbare Schwierigkeit wird sogleich gehoben, wenn man bedenkt, daß die Celten, besonders die an Illyrien und Italien gränzten, auch da sie noch eigene Staaten bildcten, nicht anders als römisch geschrieben haben. Die Nömersprache war das unentbehrliche Vehikel des lebhaftesten Handelsverkehrs, den die Nordreicher mit den Römern unterhielten, das Mittel der Gesandt« schaftcn, der Unterhandlungen, der Verträge, die sie untereinander schlössen, eiMch ein Bedürfniß der Nachbarschaft, und der geleisteten Kriegsdienste. Hatten sie ihre eigene celtische Sprache, so sindet man doch nicht, daß sie in dnser etwas geschrieben, oder in Steine gegraben hatten; die lateinische Sprache war auch damals, wie jetzt unter fast allen europäischen Völkern, die Sprache öffentlicher Denkmäler. Daß die Vmmer schon zu jener Zeit dcr Nömer-fpache kundig ftyn mußten, will ich als Beweise aus dcm l^vlu« unter andern nur zwey Begebenheiten an« fuhren, bey denen die Viruner, als die nächsten Nachbarn, handelnde Personen im zweyten Jahrhunderte vor Christus Geburt gewesen sind. 3» Dieser Geschichtschreiber also erzählt, *) die Transalpiner Gallen, welche keine andern als Taurisker, und *) GalJi transalpin» transgress! in Venetians sine population«} aut hello, baud procul inde, ubi nunc Aqui-leia eft , locum oppido condendo ccperunt. Legatis romanis de ea re trans alpes missis responsutn eft, Deque profectos ex aurtorii.atc gfintis cos * nee quid in Italia faccrent, sc scire Hist, Lib, XXXIX, c. »a. Marcellus nuncium praotniftt L. Porcium , ut ad novum gallorum oppidum legiones admoveret« Adve-» menti consuli (Marcello) Galli sese dediderunt i duodceim inillia. annatorum erant, plerique arnia ex agvis rapta habebant — aut secum attulcraitt. De his rebus, qui quercrentur, legatos Homatn mise-runt. Introducti in aenatum a C. Valerio practore exposucrunt: se superante in Gallia multitudine, inopia coactos agri et egcltalc , att quaerendam sedem Alpes transgressus , quac inculta per solitudines vi-< dcrent, ibi sine alicujus injuria conseditse, oppidum ljuoque acditicare cepisse ; fjuod indicium essct, ncc agro nee urbi ulli vim ullatui-os venilso, Nuper Mt Claudium ad sc nunciitm imisil'asi^ liellum se cum iis, ni dederentur , gefturum. Se certam, etsi non spe-ciosain paccm , quam incorla belli praeoptantes , dc-didisse se prius in (idem , quam in poteftatem populi Roman!« Pott paucos dies , jussos et agro et urbc decedere , «ese tacitos abii-e quo terrarum possent , in animo liabuisse, Ariiia deindc si hi ot postremo omnia alia , quae ferrent, agerentque ademptaj ora-re se senatum populumquc llom«num , ne In se in-noxio* deditos acerbius, quam in holies saevirenl^ Huio oration! t»enatus itaresponderi jtilsit: Kequc il-los recte gesslsse, quum in Italiam vttiissent, oppi-dunique in ftlieno «{jro nullias Homani mogistratus, 33 nach der kage der Gegend, unter andern Bewohner des heutigen Kärntens, seyn konnten, haben, nachdem sie die Gebirge auf bisher unbekannten Wegen überstiegen, sich in der Gegend 12 römische Meilen H0N Aqujleja fesigtsGt »d ^llilola »ci äuuc!«n, nach I'lil^ll» I.,I». III. Cil^. , y^ ^,,^ ghtt^ etwas Feindseliges zn unternehmen, eine neue Stadt zu bauen angefangen. Der gelehrte Abt M^nu» nioin ßermuthet nicht ohne Grund, diese Stadt seye das alte ^Hurizium, qui ei provinciae praeessel:, permffsu aedlficare cona-ti »int; ncque scnatui placerc, dedilos spoliari. Ita-quc se cum iis lcgalos ad consult;» inilsuros : qui, si redcant, unde vencrint, omnia iis sna reddi jubeant: qiii<]iie pro I; i mis eant trans* Alpes et dcnunciunt gal-licis populis , multitudincm suarn doini conlineant. Alpcs prope incxsuperabilem smem in medio csse, no« utiquc iis meliiis fore, qtiam qui eas primi pcr- vias tecifsei-it. ^atürlirf), weil sic bnburcf) benŠtSz mcrti bte ^öälic^feit jftflten, mit bev £cit bie 2Upett JU i;ber|leiCjfU. I.cgali milsi I,. Furiusl'iirpureo, (^. MijiLlc'lls , 1*. Manlius Accidinus, Legalis Homa-nis Transalpiui populi Lenigne rcspontlerunt, Sc-niorcs corum nimiam Jenitatem populi Romani ca-ftjfiarunty quod eos homines, qUi gentis injuseu prufecli occupare agnnn Imperil Huinani ct in alie-iio solo nediiicare oppiduin conali suiit, impunito* flimisorinl -—' e': excepcrunt et proscculi cum donis lo»atos suiit. M. Claudius consul , gallis ci pro-viticia evactis lftricmn lifllum moliri caepit. Lib 24 heute I'reviso, gewesen. (Uotil. ä.ust. Xnlisl. ^. 262.) Die Römer aufgebracht, dap cin fremdes Volk ohne Erlaubniß sich an ihren Gränzen ansiedle, be-drohttn die Ankömmlinge mit Krieg, und beraubten sie, obgleich sie sich frcywillig dem Consul ci^äiuz Narct'lw» ergaben, aller ihrer Waffen, und mitgebrachten Habschaften. — Diese hiedurch ebenfalls beleidiget, schickten Gesandten nach Nom, dcm Senat vorzutragen: „ Sie wären wegen Unfruchtbarkeit und „zu starker Bevölkerung ihres Vaterlandes über die „Alpen gezogen, sich, ohne jemand zu beleidigen, eine „neue Hcimath zu suchen: sie hatten niemand bertrie-„bcn, sondern sich in einer unbewohnten Gegend nieder-,'gslnsscn, aus der sie wieder abzuziehen bereit gewesen; „dcr Consul habe sie nichts dcstoweniger wie Feinde, „entwaffnen und ausplündern lassen: sie bäthen also, „das römische Volk möchte ihre Klage hierüber beherzigen, und sie als Unschuldige, nicht wie Feinde, be-„ handeln." Der Senat, welcher mit den benachbarten mächtigen Tauribkcrn im guten Vernehmen zu stehen wünschte, gab zur Antwort: „Ihre vom Consul veranstaltete „Beraubung mißfalle ihm eben so sehr, wie ihre Niederlassung in emer fremden Provinz; sie möchten nur '»ungestört nach Hause ziehen, man werde ihnen ihre „Waffen und Gcrä'the aUe zurückgeben." 3g Zu gleicher Zeit kamen drey römische Gesandte ?ur. ^ut^N!i<.>o, s». Uinucinz, und Nanlin» ^cciäinil, zu der keltischen Regierung, von der sie mit vielen Ehrenbezeugungen aufgenommen wurden, und die Erklärung erhielten: "Ihre junge Mannschaft ware ohne „Bewilligung ausgezogen, sich anderswo anzusiedeln; „sie seye von der Gropmnth der Nömcr viel zu gelinde „behandelt worden; man hatte ein so freches Unter-„nehmen strenger bestrafen sollen." Hinauf wurde« die Abgesandten reichlich beschenkt, und im Frieden entlassen» Schade! daß ^ivw» den Ort dieser Zusammenkunft nicht anzeigte: wie vieles Licht wurde ein einziges Wort in die vaterländische (^schichte verbreiten! Vielleicht lag er nicht weit von den Gränzen; konnte nicht Virunum diese Ehre gehabt habcn? Noch ist zu bemerken, daß die in das Gebirg zunickkehrende Mannschaft zum Theil sich im Kanalthale niedergelassen, und zum heutigen Tarvis daselbst den Ursprung gegeben haben mag. Die andere Begebenheit ereignete sich zwar einige Jahre später; aber doch immer noch im zweyten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Als der König Eincibil und sein Bruder Balan*) das Nord- *) Von diesem Balan führt rrnßUc», :» wotie. «i«. meot, uuV»i«m»t. »ntilz. p. ^7 eine Kupfermünje 36 reich beherrschten, führte Consul <^>«',u8 einen Krieg wider den Macedonifchen König r<"-^«u«, wobey er Gallische Hilfstruppen als Wegweiser verlangte und erhielt. Mitten auf dcm Marsche ließ er meuchelmm-de-risch die Gallier überfallen, verheerte eine große Strecke der Gebirgsgegenden, und schleppte viele Gefangene in die Knechtschaft. Eine Gesandtschaft, wovon Balan das Oberhaupt war, führte Klage beym Senat zu Rom- Die Sache ist abermal durch gütige Ueberein-kunft und gegenseitige Geschenke beygelegt worden- Äie Geschmke der Römer waren goldene Halsbänder von 2 bis 5 Pfunden, goldene Schüsseln von 4, ünd silberne Gefässe von 25 Pfunde, geschmückte Psrrde und Waffen. — Dc C. Cafsio, qui Consul priore anno fue-rat , — qucrülae ad senalum dclata« sunt , et legati regis galloruin CinciJbili vycnerunt : srater ejus vcrba in senatu fecit questus , Alpinorum populorurn a"ros so-ciorum suorum dupopuiatum C. Cassium esse , et imle mtilta mi Ilia hominum in scrvitutcin abripuifse , suli idem tcmpiiR Carnorum, Istrorumque ct Jannlu'n ln-gati venerunt: Duces sibi ab consuie Cnssio primum imperatos, qui in Macedonian! ditccnti evcrcitunri iler uionsu'arent — inde ex medio regrcssum itincre hostiti- mit der griechischen Inschrift Lk5iXk2c öaXslvou mit eincr lausenden <.'«^« an. 37 tftr peragrasse fines suos , pafslmquc rapinas ct incendia faeta j »cc so ad id locorum scire , propter quam cau-sarn consul! pr» hostilms fucrint. Et regvilo gallorum absenli, cs his populis responsum est : senatum ea , quae fact a qußivmtur, ncquc seisse futura , neque si fact a sint, probare,* — Nee responded tantum its gen-libus , sctl legatos mittt , duos ad rcgulum trans Alpes trt-s circa cos populus placuit, qui Jiulicarent , rruae patrum sententia esset. Muncra mitti lcgat'is ex biais inilliljus aerJs consnerunt t liuobus fratribus rcgulis (Cincibil unb Ralan), haec praccipua, torques duo ex quinquc pondo auri lacti, efc vasa argentea quinqiiß ex viginti pondo, et duo cqui phalerati cum agasoni-bus , et equeflria arma , ac sagula , et comitibus co» vum vestinienta liberis servisque. — Lcgati cum Gallis mifsi trans Alpes C» Luelius , M. Acmilius Lepidus etc» Lib. XLIII. Cap, 5. Dum bclluiri in Macedonia geritur , legati Tran-salpini ab regulo gallorum ^Italanos ipslus traditur nomen , gontia es qua fuerit, non tratlitur) Romain ve« ni-runt , pollicentes ad Maccdonicum bellum auxilia» Grates ab scnatu actae , muneraque missa , torquis au-reus duo pondo , ct paterae aurcae quatuor pondo , equus phalcratus, armaquccquostria. Lib. XLIV. Cap4i4- Wer kölmte wohl glauben, daß die Römersprache den Nordreicherü, folglich den Virunem, im Heere der Römer, dor dem Senat der Nömer, ul,d bey Gesandt- 35 schiften der Römer, fremd und unverständlich gewesen? ist sie ihnen aber verständlich gewesen, woran gar nicht mehr zu zweifeln ist, so haben sie, wenigstens die Vornehmen unter ihnen, solche auch zu ihren Denkmälern gebraucht; folglich bleibt den beyden Viruner Denkstei? nen dvr ihnen angewiesene Gehalt- Als Bekräftigung diene die schöne Abhandlung des Easimir Häffelin (^«t» ^^oml.-lo I'lieaaoio I'aliltiü.^l: 'In^iiuz V. liilwi'icus Seite lg) im I.ihre 1?83, worin der Irthum, als kämen alle alten Monumente in Deutschland in romischer Sprache wirklich yon den Römern, und nicht von den alten Deutschen her, sihr gründlich widerlegt wird. Dieser gelehrte Forscher zeigt, wie die Deutschen am Nhein sick römische, Namen beylegten — die Künste Roms sich eigen machten — ihre Götzen nach den römischen gestalteten-^-ihre Grabsteine und andere Monumente, in der Sprache der Römer verfertigten-- unter ihren Legionen dienten — ley ihren Künstlern arbeiteten ?c.:c-, lmd zieht daraus den sehr richtigen Schluß, daß diele in römischer Sprache verfaßte Denkmäler nicht von den Römern, sondern von den eingebornen Deutschen errichtet worden. Mas in dieser Hinsicht von de,ti Nhemgegendw-mit Grund behauptet wird, das gilt ja noch weit mehr von dcm unmittelbar an den Nömerstaat angranzenden Nordreich. Ich bin der Meinung, daß zwar nicht alle, aber doch sehr Viele Denksteine in Kärnten bey weitem 39 nicht von Mmern, sondern bon den elngebornen Nord-reichern errichtet worden, vorzüglich jene, welche celtische Namen, oder solche Siglen haben, die auf ein höheres Alter deuten. Wahrlich man urtheilet von den ursprünglichen Bewohnern unserer Lander sehr ungerecht , wenn man ihnen, bis sie unter römische Bothmassigkeit kamen, alle Cultur, und die jeder politischen Verfassung nöthige Kenntnisse abspricht, und den Gebrauch der innern und äußern Sinne erst durch die Waffen der Eroberer zukommen laßt. Die Römersprache erhielten sie freylich von den Römern; aber mußten sie denn zuerst von den Römern erobert werden, um römisch sprechen zu lernen? -- So wenig wir Franzosen oder Italiener sind, wenn wir französisch oder italienisch sprechen, eben so wenig liegen überall Römer, begraben, wo man römische Grabschriften findet. Wer behaupten wollte, daß viaäumonu» arearinz roßni Nol-ici auf dem oben mitgetheilten Denkstein Nro. Ni., ein Römer, und nicht ein Nordreicher gewesen sey, der vergieng sich meines Erachtens offenbar wider die Geschichte. Sobald die Römer das Nordreich eroberten, hörte es sogleich auf ein Königreich, r«ßnu,n, zu seyn, und ward eine römische Provinz. Weder der Senat noch ein Cäsar würde dem !):».) wo er acht Städte des Nordreichs nennt, Vlrunum vom k'laviuin »olvo!v,^« unterschieden, da er jene zuerst, diese zuletzt seAte ? O^zii^Ia e«,^>m ^IVo! leuruin) V i r u n u ,n , lüe- I' I!»V; >ln, «oIVen «c>. Ich diene zur Antwort: er-stcus, d.'r 3?ame i^l»vnl,n «uivon^o ,'>l später, unter der Negierung des Ve«pn5i»n und liw.^ entstanden, wie Hansiz in seinen ^naieetls s^hz.» wohl angemerkt. Zwey-tens war es bisher eine angenommene, aber nicht durch ortliche Denkmäler bewiesene, Meinung, daß ^invi.nn 5t»ivon«« auf dem heutigen Solfelde gestanden habe; Nian hat aus der Aehnlichkeit des l?«iv. 5s»ivn mit dem jetzigen Sol - Zoll - Feld sogleich geglaubt, das I'!av!um 8oiven«o entdeckt zu haben; man schnitzelte sogar 6«in daraus, weil die Benennung von Marien Saal dahin leitete, und ließe ohne alle überzeugende Beweise in Stein graben: li><- ioou» ui» 8»1.l ketil, ha doch, wie ick schon anderswo anmerkte, das Sol - oder Zoll - Feld erst später feinen Namen vom Sitz oder Thron, äciüum, der Inaugura-tions-Feycr erhalten hat, und man 'eigentlich ganz deutsch nicht Saalfeld, und Mariensaal, son- 4! dm: Thronfeld, und Mariensthron hätte schreiben und spreche»! sollen- Bloße Vermuthuna/n und Meinungen, wenn sie auch Jahrhunderte verjählt siud, m selbst Wahrschein-lichktitcn müssen den ganz verdachtlosen und zwcifel-freyen Denkmälern, wenn sie an das Licht gestellt wtrden , weichen. Das i'l»vw,n »«^v^n««:, welches gegeliwa'rtig nicht untersucht wird, mag wo immer gestanden seyn; wir haben cms den erklärten Denksteinen die t^ge und das Alter von Virunum gefunden. Sollten nntcr so dielen alten Denkmalern, auf die Karnten stolz seyn kann, einige das tluvium »«ivun««, so klar, wie die Z. 2. angeführten das vi,-unum, aus-sprcchkn; so wurden wir an der Hand der Geschichte geleitet, darüber die nämliche Aufklärnng erhalten. Man vergleiche hierüber den unten bey Nro. xv. vorkommenden Denkstein. IX. Virunum unter den Römern. Nun müssen wir noch andere Denksteine im Vinmer-gcbicth.' sprechen lassen, welche uns, weil sie Virunersteine s,nd, einige Nachrichten geben, in welchem Zustande Virunum unter der Herrschaft der Nomer gewesen seye. 42 Als das Nordreich um das Jahr 17 vor Christus Geburt von den Römern erobert wurde; kam es im Virun.lin, ,vo man sich, wie leicht zu erachttn, vertheidigte, wohl auch zum Blut vergießen. Ein zwar schon beschädigter Stein zu Tanzenberg liefert uns don den Barbaren (so nennte man alle noch unbesiegten Völker) umgebrachte Römer, deren Namen aber in der ersten Linie verwittert sind: Nro. VII. IN CANAPALEO TNTERFECTO A BA. , . BARIS. WK. SALBIA. V, F. CON. KAR. T, SIBI. X. AVR. TRSA, E. LEONAT1 CON, KAR. o-' A. L 2K. INTERFECTO A. BARBxVRTS. V4 F, X. SIBI, Diese Grabschrift, welche die Frauen 8»il,ia und ^ui-ella Ur8» ihren von den Barbaren umgebrachten Römern machen ließen, ist theils unvollkommen, theils dunkel. Die Slegl ^ ^.. N 'l IV. wollte ich ^"ter lesen; allein es wäre widersprechend, die »»ibla als Mutter und Gemahlinn des Getödteten zugleich anzunehmen; ich ziehe demnach diese Buchstaben zum, in der ersten Linie verblichenen nom«?n proprium, und lese MUtuln tllduno. In c»nl»i>l»!oo scheint ein celtifch griechisches Wort zu seyn, und den Ort wie die Ver- 43 anlasfung des Todes anzuzeigen, nämlich den Kampfplatz von ?r^X^ , lucta. Ich wünschte so zu lesen: In Cannpaleo intersccto a barbaris militum trt-buno Salbia vivens focit conjugi Karissimo et sibi. 2)amt fofgt bie Onbere : Es Aurelia Ursa Flavio Leo-n.iti Conjugi Karissimo obeunti anno septuagesimo in-tersocto ä barbaris vivens fecit et sibi„ Ein Beweis, dap die Virnner sich wider die Feinde zu vertheidigen wußten, und ihnen die Eroberung mögen erschwert haben. Die siegenden No'mer stellten sogleich ihrer Gewohnheit gemäß, um den Verlust ihA Truppen zu ersetzen, aus den eroberten Tauriskern, mehrere Cohor-ten auf, die sie nach ihrer Sprache Mont^no^ Gebirgsbewohner, Verger, hießen. Die erste Cohort lag zu vii-.inum, wie folgende Inschrift zu Tanzen-berg weiset: Nro. viir. M A R I V S. R V CTICNI. F. MILE S. C O H O R T I S- MONTANORV M, 1' U M A E, S T I P E N D I O R V M. XXV, H, S, E S T# M 0 N T A N V S. IL D. SDflÖ (jeißt? Mari us Tlucticni silius Miles eolior-tis MonUnorum priinae , StipenJiorum yigesimae quist-tac hie situs est+ Monlanus heres dcdit. Deutsch: „^I'-ll-iuz, Sohn des Nucticn'l«, G^ dat di'r srstsn Gl'birgs - Cohort ill der 25lcn Legiott der Beloldtten, licgt hier, ^ionwnu» hat es als Erb veranstaltet." Eine Cohort zählte wenigstens /,20 Mann, eine Legion 10 Eohorten. Wahrscheinlich bestand die ^aiize 25te Legion aus Nordreichern, und die erste Cohort aus Virunern. Schon der Name des Vaters Nnet'«-,«^, Nuktik, Dickruck, dem dicNomer eine lateinische Endunggaben, zeigt M andere ähnliche, einen Celten an. Daß hier immer eine starke Besatzung gewe'Vn, beweisen die verschiedenen Spuren der dahin gesetzten Legionen; nebst der schon angezeigten 25ten finden wir auch die 2te, /,te, 2ite uud 22te nebst esner Reite-rey 3- B' zu St. Donat eine Strecke nördlich von St- Michael rechts an der Strasse sieht man tinrer andern an der Mittagsejtc der Kirche einen Denkstein mit zweyen Nö'mcrköpfen, unter welchen folgende Anschrift zu lesen ist: Nro. IX. I). M. VALER1VS TRISCIANVS. MIL. LEG. 1I# 1TA. P. F. VL FEC. S{B# T. VAIiE^. SvklJAE. CON. PIN. 4* Diis Manibns Valerius Prisciamis Miles legionis secundac Italicae piae fidelis , vivus fecit sibi cl Va-leriae Suriüac Cunjugi picntissimae. „Drn Verstorbenen hat Vai^in« rri^innu«, cm Soldat der zweyten I tali e nisten Legion, der frommen und getreuen, bey Lebenszeit flir sich, und seine beste Gt'Mcchlin v»w,i^ 8lnilia errichten lassen." Es waren zwey Valerische Geschlechter, eines der Patrizier, nnd ein Plebeisches- Der Valerius ki-i««». n,^ mag von Vnil!li«8 r>i»eu,, welcher ^. U. y/,9 Consul war, vermöge seines nnmen ^Äti-on^micuin, abstammen. Siehe Funke Neal-Schullcxikon. Im Stalle zn Töltschach trägt ein starker Stein das Gewolb mit dieser Inschrift? Nro. X, SECVNDINVS MIL. LEG, III!. L. S, T I\. COS. V. F. S. E T, A R R I A E# V A LENT INA E. CN I V G I. K A IV I S S# ET VALE1\1AE TYTAE C O N# LIB, C V R A V. «6 Entspricht die Entzifferung dieser Steinschrift nicht ganz dem Sinne des Urhebers; so ist es genug, wenn sie demselben nicht widerspricht. So viel ist gewiß , daß die darin enthaltenen Siglen die ihrem Standpunkte angemessene Bedeutung, wie folgt, haben können. Secundinus miles legionis quartae locum Sep'il-turae tribus consulcndo vivus faciendum sibi, et Arriae Valentinae Conjugi Karissimac , et. Valeriae Tutae con-jugis Libertae curavit» * Ein Grabstein für I Personen, für den Secunäl. nu8, Soldaten der /iten Legion, für seine Gemahlinn H>ria Valentine, und ihre Freygelassene Valeria 1'utg. Nach Funke Real-Schullexikon war Hust«^» «in alter unbekannter Ort im Nordreich, von dem mail bisher keine Spuren entdeckt hat. Ein Sttin zu Moderndorf westlich am Solfeld, zu Virunuw gehörig , macht davon Meldung: Nro, XL I V L I O A P R I L I. T B. COHORT. I^ ASTVRX S T I P. XXII, C A V R V B h E N D O N I S, F. C O N. T. Ft E T. S i I. 47 Julio April! Tribuno Cohort» primae Asturum t Stipendiorum XXII. Cauru Blendonis fiHa Conjugi vl-vens fecit et sibi. Deutsch: ,,Dem Inilu« ^priliz, Tribun der er-sien Cohorte der Astut'en, und der 22ten der im Solde stehenden, hat O", u, Tochter des Liendo , als ihrem Gemahl und für sich (diese Grabstätte) machen lassen.- Diesem lzach bildeten die Asturer die Cohortcn dcr 22tcn Legion. Der römische Hauptmann, eigentlich Oberster, ?"Nv-, ^prili«, heyrathete eine Celtin aus dem Nordreich; denn die Kauru, und ihr Vater Blend lvaren den Namen nach keine Römer. Uebrigens war das Tribunal bey einer Legion eine große Stelle, von der man zur Ritter-oder gar Senatorwurde erhoben wurde. Die i>iliun> Hn^ulU ei^vii konnten Ritter, die WU clnvü aber Senatoren werden, suet««««» i.oniz des Geschichtschreibers ^uetonin» ^,'il,n. yuilw« Vater, war einer der ersten Art' ( suotou Zn o«lc>ne c^. IV.) Ueber die Cohorten der ^«u»-«» wird erlaubt seyn, zu fragen, ob vielleicht die 22te Legion aus Asturien in Spanien, oder aus Astura im Nordreich, errichte worden scye? Ob die Wurzel von ^«tu,-«», 8tur> ^l>l- nicht einen Wink gebe, die ^Nlren wirklich in der Heimath zu suchen? Zeichen einer hier gestandenen römischen Reiterey ist die Inschrift auf dem Solfelde: fr Nro, XFIl. D. II, A V K. P O T I T V S V E T. A L. A V G. VEX I. ET, S Y I\ I L L A. T 1\ I T I. F 1 L, CON. KAU. i: S I li I V. F. DÜs Manibus Aureliua Fotitus Vcteranu» Alae, Augufli Vexillarius , et Surilla Triti filia Conjux Ka-risäima et sibi viventes sccerunl. „D?n Göttern dcrUnterwelt hat ^u,eiil>'! ?«!:,««, em bkfnytcr Veteran der Reiterey, des August, und seine licbste Gcmahlin 8urMil, Tochter des ^rilu^ für sich macheu lasscn." Eine H.!2. die wir auch jetzt noch Flügel nennen, bestand aus Neiterey rechts und links an einer Legion. Ein Volei-ünu» VexMili'iu5 war unter Kaiser 4ug"k ein vom Kriegsdienste Vefreyttr, der in der Nuhe die Vortheile eines im Dienste stehenden genoß. (Nieupoorl Uit. Uom. I». 523.) So einer war I'"litu5 Hier dient zur Erläuterung und Vestattigung ein merkwürdiger CiUcyer Dcnkstein beym I. Karl Äin-dermann Beyträge zur Vaterlandskunde 1-Band Seite 28 und 27c» ein Sieges - Denkmal 49 der unüberwindlichen Tapferkeit der Nordrcichischell Neiterey in der ersten Hälfte des 3ten Jahrhunderts im Persischen Kriege dcs K. Alexander Sederus. Nro. XIIT. MARCO. VLP. IIVTIL1ANO. OPT. PRAEFTO. SVO. AVSPI CHS. D1VT ALEXANDRI. IN. PER SIA. FELIC1TER. PVGNANTI. TICTORI. MAXIMO. INVICTA, COHORS» TAVRISCOR. EQV IT. HOC. POSVIT. Diese aus Kindermanns Beyträgen entlehnte Steine schrift ist eine der vollständigsten, und bewahrt den im I. 236 über den Perserkönig erfochtenen Sieg? ^iarc«» ^le^anürl in ke^ia leNeite,' pußnanti, viclori H!»^i> Deutsch: „Dem größten Sieger M^eu, nipiu» NnMiann«, ihrem besten Vorsteher, welcher unter der Obergewalt Kaisers ^il^n.io,- s6cv^«) in Persien glllälich kämpfte, hat die unüberwindliche Cohort der Tam'isker Neitcrey dieses Monument gesetzt." Ohne diesem merkwürdigen Denkstein würde man schwerlich wissen, daß eine Nitterschaar aus den Ge- D So genden der Dran, sich in dem weit entlegenen Persicn berühmt gemacht habe. Wer wird so ungerecht seyn, dieses Denkmal den Nordreichern abzusprechen, und den Römern zuzuschreiben. Nein die. Invicta roliur» I'aui >«cc»!'ni!i ^^uituni bestand nicht aus .Römern, sondern m,ö Eingebornen des Nord reiches unter Anführung des ilutilian. Noch im 3ten Jahrhundert hiepm die Nordrel-cher Taurisker. Ich sage? Nordreicher, nicht Nordgauer, denn aus Aorlcuni einen Gauen machen ist wahrlich zu gering; Gau ist nur eine kleine Provinz: 5.m-icum war ein Nei ch, cin Königreich im Norden ehe es römisch ward, immer tapfer im Krieg , und furchtbar selbst dem mächtigen Rom. Soviel obenhin von der militärischen Verfassung. Die Römer hatten aber zu v>s«n«,n auch Staatsund Civil-Beamten , z- B- das Oberbaumnt, und die Polizei)-Aufsicht: ^«li^t»», laut eines Steines zil Tanzcnbcrg: Nro. XIV. C. TERTINIO, STA T V T O. A E D I h I. C. C A T R O N A. SEVE1U MAR1T. OPTIMO. VIVA. F E C. '£. SUI, Cajo Tortinio Sututo Acdili, Caja Catrona Sc-Y«ra, marito optimo viva fecit et sibi. St Deutsch: „Dem besten Gemahl c»juz ^ertinw» ^t.'.inn.i' Bauherrn, und sich hat cuj^ ciulrunL 8ever» diese Ruhestätte inachen lassen." Dieser kkichenstein, den <.;n 8<>!vc!n«e aus dem Solfelde gestanden, seye, und führte mich auf den Gedanken, daß unter dem Kaiser v«»i>.-,«il.nu» und ^ln« der Hauptort des Viruncr-Bezirkes den Namen i^vium erhalten, und folglich im V'"l»,l,n geglänzet habe. Fla vier, Sprossen der kaiserlichen Dynastie des V«»z,n»lllNll5, wohnten auf dem Solfelde, und wählten sich da ihre Grabstätte, wie folgender von D 2 32 dorther i>t dem Garten des Herrn Holcmschnigg bey Klagenfurt übersetzter Denkstein beweifet. Der Anfang der ersten, und das Ende der dritten Linie sind schon etwas verwittert, doch aber noch so zu ü'sen: Nro. XV, T. FLA VIVS PRISCVS E T SPV1UA FLAvInä Vly[ FECER. SIBI ET VlIaE S A B [N A E — MATfll PIENTISSIMAE, Der Namen vi^n fann nicht anders als ivi.iäi5 heißen. In Steinschriften ist es ja nichts ungewöhnliches, aus zwey Buchstaben einen, aus l,v einen V zu machen. Man lcsc also: Titus Flavins Priscits et Spuria Flavina vivi fe-•erupt si hi ct Juliae Sabinac Matri pientissimae. „Für sich und die beste Mutter ^"Nn 8»bina habcn i'. i'll»via8 I'!,««!!» und spvria i'l»viilH (^dieses (örab^ mahl) machen lassen." ?ul,a 8:>^'^ll war die Tochter des Kaisers ^itn«, aus seiner zweyten, nachher von ihm verstossenen, Gemahlinn Nili'ti» b'l.l-vNla. Ncr weiß ob si? nicht mit der Mutter in das EM hiehrr geschickt? vielleicht mir 53 einem Landpficger odl'r, Anführer der Legionen verehelichet worden ist? Neue Entdeckungen werden mehr Licht ertheilen. Erst später bin ich in die Kenntniß noch anderer virunischer Denkmäler gekommen, welche die bereits gegebenen Ansichten theils beleuchten, theils bestattigen; sie werden also hier um so mehr auf ihrem rechten Platze stehen, da sie nicht nnr an und für sich selbst der Vergessenheit entrissen zu werden verdienen, sondern einsichtsvollern Altertumsforschern zu bestimmteren Entwicklungen Anlaß geben können. Es seyc also Nro. XV l. » Dis ehedem gewiß prächtige Symbol der Starke, eine uralte steinerne Statue vielleicht des Herkules, oder eines andern seiner Zeit berühmten Helden, in dem Ebnerschen Garten zwischen der St. Veiter und Völkenmarktcr-Vorstadt zu Klagenfurt. Viele Jahrhunderte lag dieses Monument unter der Erde bcym Einfiusse des Glan - Canals in die Stadt; seit etwa 3o Jahren wanderte es an den Platz, wo es jctzt steht allen Anfallen der Witterung ausgesetzt, weßwegenauch der rechte Arm und der Vordertheil der Nase mangelt. Der linke Arm stützt sich auf einen Schild, und scheint nicht im gehörigen Verhältniß mit der Große des Körpers zu stehen; er ist zu mager, Obschon ich kein Kunstkenner bin, schien mir doch die Figur beym ersten An- 64 blick zu klagen: „Warum läßt man mich so lange unbemerkt dasteben? kann ich nicht d«is N5.'rk alter Künst-lerhande seyn? Giebts ia doch im benachbarten Italien schon längst berühmte Statuen der Helden, konnte nicht auch im Virunum einst mich ein gelehrter Meißel formen, der die Achtung dcr Künstler - Nachwelt verdiente ? " Die Statue ans weißem Marmor ruht in Niesen» große, aber nur der Oberleib bis an die Schenkel, auf einer massiven Unterlage; die Hohe dieses Korpertheiles beträgt etwa 5 Schuhe, woraus man die Länge dieses Bildes, als es noch Fusse hatte, abnehmen kann; noch bemerkt man an dcn Lenden, daß es mit dem linken Fuß vorwärts stand. Auf der Vrust trägt es den Kopf der Medusa, um die Schultern den Saum dcs Panzers, dcr den Leib bis an die Lenden so fein zu decken scheint, daß die Muskeln des Nückgrades, ferner die Brustwarzen und der Nabel gesehen werden. Die vier Seiten dcs Gcstcllcs stellen eim'ge Thaten des Herkules vor, z. B. die Vcsi.'gung dcs Li)wen, die Bekämpfung des Alcyoneus , die Bezwingung eines Ungeheuers,, das mit einem Mcnschenkopfe, und Pferde füssen vcrscben ist, Bogen und Pftile neben sich liege» hat; daun wie er eine Gäule gleich dem Gmnson mit dem rechten Arm umfaßt, sie zu stürzen- Auf der Leu-dendecke, mit welcher die Statue umschürzt ist, sieht man,3 kleinere theils männliche theils weibliche Helme vder Schilde haltende Figuren,, welche alle Symbolen 55 der Stcirle sind, und zur Mythe dieses Gazen gehören durften. Unter dem breiten stark muskulösen Rucken ist eine große Oessnm»g mit einem tiefen Loch, zum Beweises daß die Statue an der Mauer befestiget, vielleicht einst der Göz eines Tempels in der Klagenfurter Gegend war. Etwa auch eines Mythras-Tempels? wie man witt; Herkules und Mythras sind beyde die perso-nifizirte Stärke. Es giebt sehr viele Herkules, Varro soll deren ^3 gezahlt haben. Wer es begreift, daß die Mythen schrecklich mit Dichtungen verhunzte Geschichten sind, der wird leicht einsehen, dap Herkules wahrscheinlich der wunderbar starke Samson seye. An dem fabelhaften Helden wird, wie am Samson, die außerordentliche Starke gerühmt, beyde hatten unordentlichen Hang zur Weibcrliebe, beyde fielen durch Weiber. Noch muß ich anmerken, daß die Gesichtsbildung dcr vier kleinern Herkules am Fußgestelle mit jener der größern Figur vollkommen übereinstimme; woraus es mir wahrscheinlich Wird, daß die Statue einen virunischen Herkules vorgestellt habe, um so mehr, weil er bekleidet erscheint; denn eben dadurch unterschieden sich die Gözen der Celten und Deutschen von jenen der Griechen und Römer; weil diese sich nicht scheueten, die Ehrbarkeit da zu verletzen, wo jene sie genau beobachteten und ehrten. (Man sehe Kasimir Häfelin 56 Abhandlung in den ^ctlg ^«»äyinlao ^lieo6n>'. ?i»1ilt. 1°. V. p. 82.) So gäbe diese Statue noch jetzt einen treffenden Wink den — Modesüchtigcn. Nia. XVII. Auf der Zigullen eine kleine Viertelstunde wesl-nordlich von Klagenfurt, wo man das schöne Panorama über diese Stadt und ihre Umgebungen genießt, steht vor dem östlichen Eingang des Schlosses ganz frey in der Erde ein massiver weipgrauer Stein mit dieser Inschrift: B E L I. NO A V G. SAC. C M A I\ I V S S E V E R V S D. D. Neli navlim Hl^ilstuin sacrum Lajuz Narlug 8evo- ^N8 äoäieavit. ?^lf einer Eeite des Steines scheinen einige Baumfrlichten, auf der andern aber ein Krug mit einer Handhebe gestaltet zn seyn. Man hat zwar bisher Noch nicht gefunden, zu welcher Zeit 6. ^ini-iu» 5«>vorll5 gelebt habe, daß er aber mtter die nämlichen Männer gehöre, aus denen der berühmte römische Miiri,^ entsprossen, zeigt sein Familien - Name. 6? Und dieser bauete auf der Stelle der heutigen Zi-gullen dem Abgott »elu« einen neuen Tempel, der von den Auguren eingeweihet, und darum ^guttum «ar,'n,ll gencnnt worden; wie Ovid lib. ^H^ul'. I. bezeugt: — — — — — — — — Augustu vocantur Templa sacerdotum rite dicata manu. Nach der Mythenlehre war n«!"» ein Nachkömmling der I o und der neunte Vorfahrcr des Herkules, kein anderer als der babylonische Bel und der Eha-naancr Baal. Wollte man auf der ersten Linie anstatt i'i^l Nttvnm mit einem Wort ^.l^I.l^c) lesen, so behielte die Inschrift, mit Ausnahme des Beywortes neuen, doch immer den nämlichen Sinn, und NeNnu», sonst auch I!eIl!ilU5, wäre als ein NOINON patron^nilcllZn ebenfalls der Herkules als Abkommlung des ««'Wz. Die erste Art zu lcfen: Uc?>> novilm ist darum natürlicher, weil unter den 6 Herkules, welche l^-er« «Io A»,, oeoi-. III. n. ,egiuii!, »ominclae Italicae kiae I'eliol» ^ odtr 1^-I'ontii'no l^on«!uIN,ll,', VIIII. lili^encl»» lllllii»«. Ich glaube ein i<«ß»ru5 lünn8uin»-i« der zweyten, Italienischen Legion habe einen neuen Gözentempel, 59 oder doch eine ^rn errichtet. Die ^eZarl l^o»««^«, waren die Adjutanten oder Stellvertreter des Imperators , worüber man ^>o,l^ort lilt. »puä. Noman. zi. 4?" nachlesen fann; man findet ein Beyspiel an soipio ^silcan,l5 h^in I^iviuz I^id. XXXVII. (!»i». I. und so hatte die Sigl 605 noch seine Bedeutung. Der da ganz vorkommende roniia»«, führte unter dem Zunamen I'l-nrillu» mit seinem College» ^NU5 riu» das Cy^ sulat im Jahr der christlichen Zeitrechnung 2I8. Gerade um diese Zeit bemühten sich die Heiden, das schon blühende Christenthum durch Wiedereinführung des Gö-zendicnsies zu unterdrücken. vllo XIX. Cben daselbst am erslen Vauernhaus links am Wcg ist dicses Denkmal eingemauert: Q V I N i I, A E T M A G V R 1 A i a N v a R i o. E ;; P E C V L I V IV 1. E T. S E ;; ClUSPINA, D. F. SI ;; ;; ^«3 fytifefti QuiiUila cl Mnguri.i Jaiuinnii er Pe-euliari et Scvcra Orispiuu U. Jilia siguum posuerunt. Ist von geringen Inhalt. so Nro. XX. Zlt Arnsdorf oder Arndorf nördlich von Ma-riensaal wird am Nudnigerhaus diese Grabschrift gelesen: D. M. SESTIA R E D I T A, YXOR V I V A F E C. S I B I. E T I A DIO VICTOR I. VET ER LEG. ILII. AIM ARO FIL MOTADIAE VICTOR FILI AE AN. X. Sestia Redita uxor viva fecit sibi et Jarlio Victori Veterano Legionis quartae , Aimaro filio , Motadiae Vic-toris flliae Anno X, Die Namen 3"-o. IX der Nllez 8ecl»nHinu5 beweisen, daß die /,te Legion hier sich länger aufhielt- Nro. XXI. Eben daselbst am Vauernhanse beym Krem ist eine weibliche geflügelte, mithin griechische Sphinx eingemauert. Der Stein scheint das Stuck eines obern Thorgesimscs gcwcsen zu scyn. Der Bauer sagte, mat« 6l habe drey dergleichen beysammen gefunden, die zweyen übrigen seyen anderswo vermauert worden. x Sphinxe waren Symbolen der Grausamkeit und Schlauheit, die man nicht in Templen der Gözen, sondern außer denselben, als Zeichen, Furcht zu erregen, anzubringen pflegte- Wer weiß, wie alt dieser Stein schon ist? ich halte ihn, so ungeachtet er da in der Mauer steckt, fur eine wahre Seltenheit; man kann ihn sogar als Kennzeichen der Verhältnisse, in welchen die Vinmer. einst mit den Griechen standen, ansehen. Nro. XXII. S E X S T V S. A. C. S E V E R T. L. E T SECVNDAE. CON. T. F. SIB. E T. Q V A R T O F R A T R T. E T. CRINVOSI SERVO. A N. X X. Scitus Auli Calilii Scvori libtuius et Secundinae conjugis vivus ^0^1^ s'1^'1 etc, ^jjj Cutilius Severus lebte unter der Regierung des K. Hadrian, ob aber der frcygclassene 8elM» ebrn diesen als seinen r»tronu» gehabt habe, ist ungewiß. 62 Dieser Grabstein ist vom Solfeld in den Garten des Herrn Holemschnigg übersetzt worden; wie folgende drey. Nro. XXIII. M. C O C C E I O S V T V E D I. F. (JVI N C T O. E T. U A C A YCVNL T O G 1 O N 1 S. F. V. F. Marco Cocceio Sutuedi silio Quinto et Bacaucuni, Togioni» iilius vivus fecit. ,, Der Sohn des ^io ließ bey Lebzeiten dieses machen dem ^- c!o^«e)u«, Sohn des 8ulveä, dem ^ulncd und Laeaueli»." Ist ein ccltisches Monument; Sutwed Bakaukun, und Togio waren sicher cm, geborne Viruner. Die Zeit ist nicht zu bestimmen. Nro. XXIV. G A I A SERVANDA V. F. S. E T. V A L. SECVNDIÄO C O N I V G I 63 Caia Servanda viva fecit sibi etValerio Secundino «onjugi Carissimo» Da weder im patriotischen noch im plebejischen Geschlecht der Valerier bey Funke Neal - Schullerikon Valeria ßl?n8 , ein 8ecunü!nil8 vorkömmt; so kann über diese Inschrift nichts weiter gesagt werden. Nro. XXV. COSvi S1LU N O. II. si„h^ man auch zu Hütenberg. Begeben wir uns nach dem südlichen Theil des Virunum, so sinden wir auch dort im Schlosse zu Hole nburg zwey Denksteine. Die Abzeichnung davon gab >er Herr Stadt-und Landrechten Rath Je null. 64 \ Nro. XXVI. T. TAPPON.IVS T. F. SECVN'DVS II. V 1 11. I. D. V. F. SI 1*. I. E T. Titus Tapponius Titi Filius Secundus diuim vir Juri dicundo vivus fecit sihi et etc. etc* Dicscs Fragmeltt zeigt uns einen Rechtsgclehrtcn, Gerichtsbeamten oder öffentlichen Richer, vuuin virl waren zwey obrigkeitliche Personen don gleicher Gewalt: ^uri äicuuüo , welche das Nichtermrt gemeinschaftlich zu verwalten hatten. Das n i' am Ende zeigt, daß die Inschrift nicht ganz ist; vielleicht wäre die Fortsetzung auf der andern Seite des eingemauerten Steines zu lesen» P^ro. XXYII-C. P R I S C I V S C. LIB. ♦ S V II I O V. F. SIBI, E T SEPTIMAE C O N I V G I. Cajus Priscms Caji Liberlus Surio vlvu» secit «ibi et Sepripiae Conjugi, 65 Surin scheint der Vcyname des krizclu« zu seyn, oder dessen Geburtsort anzuzeigen- Nra. XXVIll. Wcr don der merkwürdigen Statue aus Erz, welche ein Bauer im Jahr i5«2 im Solfelde entdeckte, etwas gclcftn oder gehört hat, wurde diese Abhandlung mangelhaft sinden, wenn von diesem vorzüglichen und sonderbaren Monumente hier keine Meldung gemacht würde. Wie Hansiz in seinen ^«»lect!«, meldet, stellt die Statue einen Mann in der Höhe don 9 Schuhen vor, der auf einer Scheibe steht- Neben dem rechten Schenkel befindet sich die Figur eines Hutes, vielleicht besser eines Schildes, mit einer Inschrift; die linke Hand halt eine auf dem Boden stehende Streitart. Der berühmte Erzlnschof zu Salzburg Matthalls Lang ließ diese Statue nicht lange nach ih-rer Entdeckung in seine Residenz führen; von da aus ,'st sie in das k. f. AutiPutäten-Kabinet nach Wien übersetzt worden, wo ich sie neulich selbst zu sehen das Glück hatte, sie ist das gegossene Bild eines ganz unbekleideten Jünglings, nicht gar 0 Schuh lwch. Ich hatte da Gelegenheit, sie mit den Figuren im M"^<» I'io «üiomcntinl, zu vergleichen, und fand sie mit dem Hlßicur 1'om. l. I'üd. VII. mit dem Hüiinii! ^um. V. E I'ak. XXXI. und mit dem ^tiiieta Victor ^ani. V. lab. XXXV. sehr ähnlich und übereinstimmend. Peter Apialt lieferte davon im Jahr i53/. in seinen In«eripti«nibu8 Vetnstalis pug. (^LLXIIII. ^jn^ schlechte Zeichnung; eilie bessere erhielt ich dom Herrn Vicrthaler, Direktor des Waisenhauses in Wien. Der Schild und die Streitaxt siud verloren gegangen. Auf dem rechten Schenkel ist in 2 Linien folgende Inschrift: A. POPLICIVS. D L.. ANTIOC Tl. 1URBIVS, Q. P. L. TIBER — Auf dem Hute oder Schilde: M. GALLIC1NVS. VINDILLE. L. BARB. LL. PH1LOTERVS. P. R. CRAXSANTIVS. BARBs. P. S. (5ic fbcrben eBcu baselbfl «Ifo entjiffrrt: A. Poij- licius Drusi Libcrtus , J\ntioc]ius Titus Barbius Quae-«loi-cs posuBre Lutio Tiberio. Marcus Gailiclnus Vindille Llbertus Rarbius L. Jjbcrtus Pliilotcrus populi llomani Craxsantus Barbius posučrc suis. Diese Leseart ist sehr wMührlich und uilbefriedi-gend. Allem Ansehen nach enthalten die Inschriften 6) die Namen der Personen, welche dse Errichtung dieser Statue veranlaßten und besorgten; welche auch unerklärt schon darum, weil sie im Virunum gestanden 5 hier sehr wichtig ist, besonders wenn sie vor des Kenners Auge als ein Kunststück des Alterthums erscheint. Indessen sind die Namen ^iboi-w» 8^nviv8, i<. «^NLiu«, c:nHX8H«?lV8 U^NLIu« darum merkwürdig, weil die Familie der Barbier im Nordreich oh« ' nehin oft vorkommt. So findet man zu Enseck auf einem Denkstei« hen ^nins Nnri'iu», den 1°ini» LlU-biu», den üardin» Lardia I'o^li», Üardia Ilospita, Vardia 8atul» , ÜHidiu l.ucla. (Man sehe Fr. Kurz Beyträge III. Theil ?- XVI.) Ich möchte, einen Versuch zu wagen, rinsweilen so lesen: Aulus Poblicius D. Liberttis AntJochenus» Tiberius Barblua Ouartus obff Quinlus 2*ublii Libcrtus Tibcrinus* Marcus Gallicinus Vindiiiae Libertus, Barbiiu lucii Libertus, Phiiotorus Procurator, Craxsantius Barbius Posteris suis ; sämmtliche sechs Manner, welche diese Statue zum 'Andenken ihren Nachkömmlingen setzen ließen. Wenigstens hat diese Erklärung doch einen Sinn ohne Widerspruch; robins kann ja wohl E 2 68 HU ^ntioeiiiil, UNd der ^idc!i'!„5 Nnrliiu« zu 'liberiaz gebürtig gewesen seyn. Die Figur selbst mag einen Athleten oder Kämpfer vorstellen. X. Beschluß. Dnrch die knrze Darstellung der angeführten Denksteine wollte ich nicht die Geschichte des alten v>, »nunl schreiben, sondern mir dessen bisher unbestimmte Lage und Alter anzeigen. Ich glaube es seye nun ausgemacht, dap es in Mittelkarnten gelegen, vielleicht das ganze Glangebieth ") in sich begriffen, und seine Hauptstadt in der ganzen Gegend zwischen dem Nlrichsberg und Magdale nenberg gehabt habe. Wir fanden dort deutliche Spuren einer militärischen politischen und götzendienstlichen Neichsverfassung, bevor das Nordreich der Nomer-Gewalt unterlag Vil'nl,»», ein Theil dieses Reiches ward nur durch eine Gcbirgsreihe vom römischen Staate getrennr, und, *) Der Namen Glan selbst ist ccltischen, norisch^, Idioms, hcistt glat, sanft, weich, liu vi^ ,nl,!li«, wie dieser Fluß wirtM) die Gegrnd durch-sircichelt, gswiß älter als der Eilttrilt,dcr Römer. Aucl) im Salzburgischen ist ein Glan - Bach in dcr nämlichen norischen Bedelttung. ( Man sehe I. E. Koch - Seefeld Salzburg unter den Romern im Archiv für Geographie ?c. Februar ilii6. Seite 5^. ) 63 obschon so nahe, gehörte es doch unter die später« und letztern Eroberungen dieser alles besiegenden Macht. Am Ende möchte ich jeden geneigten Leser, und jeden Liebhaber der vaterländischen Geschichte bitten, dafür zu sorgen, daß alte Denksteine nicht verwittert, zerschlagen, und zn Mauersteinen nicht mißbraucht werden , ohne die Inschriften an das Licht zu stellen, daß sie von Kennern gelesen und bemcht werden können. Ein einziges Wort, einige kurze aus wenigen Buchstaben bestehende Siglen geben oft in der dunkelsten' Ungewißheit der Geschichte einen hellen Aufschluß. Geschrieben am Gymnasium zn Klagenfurt im Sommer i8i5. Zweytes Stück. Das Christenthum i m mittlern Norikum, nachmals Carantanien. Dieser Aufsatz ist zwar schon dreymal stückweise in Zeitschriften erschienen, unb mit Beyfall aufgenvmmeu worden. Hier «rscheint er vermehrt und verbessert im Zusammenhang, ^/lach dem unendlich weisen und 'gütigen Plalie der ewigen Vorsehung mußten die romischen Eroberungen der wohlthätigen Verbreitnng des Christenthums den Weg bahnen- Wohin die Adler der Cäsaren sich schwangen, dahin ergoß in wenigen Decennien sich auch das Licht dcs Evangeliums. Das heutige Kamten, ein Theil des mittleren Noriklim, ward von den Römern, welche ihre Herrschaft bis an die Donau erstreckten, frühzeitig besetzt; die romischen Monumente, welche man westlich im Gail - Dräu - und Lisarthal, im ehemaligen Virunum in der Mitte, und östlich im Lavantthal, in großer Anzahl findet, sind davon Beweise. Nicht minder besitzt das Gurkthal wie das benachbarte Murthal Nö-Nierdenksteine; die mehresien aber werden im alten M-ruuum, vorzüglich auf dcm heutigen Solfeld gefunden, welche nicht nur auf militärische, sondern auch auf politische und religiöse Verfassung hinweisen. Auch hierher ist das Christenthum den Nomen, nachgefolgt. 74 ^qliNoja, damals öie größte Handelsstadt am adria-tischen Meere, stand vorzüglich den Volker» offen, welche die Lander zwischen ihr und der Donau bewohnten n) tvegen ihrer bequemen Lage sehr volkreich, zog sie eine große Anzahl von Fremden und Kaufleuten an sich. d) In diesem Mittelpunkt des nordischen und illyrischen Handels gründete der heil. Evangelist Markus eine christliche Gemeinde, die er seinem Gefährten, dem heil- Hermagoras anvertraute, welches der gelehrte Geschichtforscher 5 Oerm. 6.1'. '.p. i5, ,6, 66. alie^äcn, »paZtO' ?6 Jahre »3l5 zu besehen Gelegenheit fand, traf ich da-linn fthr alte Denkmäler, die in kirchlich historischer Hinsiäit sehr merkwürdig sind- Alle zielen auf den apostolischen Ursprung dieser von Venedikt xiv aufgelösten Patriarchenkivche. Ich dachte da: verhält sich die Sache wirklich so, wie die Geschichte derKtrche von ^uiieja versichert, daß Barons, ein Schäler des Apostels i^tru», die erste christliche Gemeinde zu ^^lü^'a gegründet habe , so dürfte leicht das Christenthum von dorr aus in das wuricmn und dessen benachbarte Provinzen gekommen seyn. — Ich entschloß mich, diesen Gegenstand geschichtlich zu prüfen. So entstand dieser Aufsatz. — In zwey Fragen ließe er sich theilen, deren eine so lautet: Ist es wohl historisch wahrscheinlich, daß m-n-cu, der Evangelist, ein Apostel - Schuler, diese Kirche gegründet habe? Die albere heißt aber: Läßt es sich mit Grund annehmen, daß hon ^u:. lej» aus das Christenthum und die kirchliche Orgam-sirung desselben in das ^onicnm gekommen seye? Ich beschränke mich auf die historisch-kritische <^".j<^nlr bey diesem Gegenstande, und bescheide mich gerne, manchesmal den Knoten der Combination nicht enge genug geschlungen zu haben. Die Art und Weise, wie »5<-n-c,l« nach ^«i'lliejH gekommen seyn soll, ist in derBiographie seines Schü- 7? l^rs, des christlichen heil- Bischofes tlerm^ora« angegeben. Ich liefere etnen Auszug aus derselben, wie sie bey den Fortsetzungen des VuU»u6u« auf den i2tenTag des Julius zu lesen ist. — Apud urbem Roniam proscctus est B, Petrus Apo. siolus .. . tin a cum T>, Paulo Apostolo, adduccntes se-cum B. Marcum . , , . et morabatur cum eis in Urbe Roma. Tune dicit ad cum B. Petrus, qu^id hie mora-ris ? Ecce tu plenissimc eruditus es de omnibus , quae fecit Dominus noster Jesus Nazarenus. Surge et perge j>d Ürbem, quae dicitur Aquileja , Austriae provinciue^ ad pvaedicandum verbum Domini. Tune accipiens B^ Marcus primam sortein , et baculum ponlificatus , arri-puit Jler, et venieus pcrvenit ad urbem diclam, quae dicitur Aquileja» Cunique B, Marcus pracdiearct ibidem per aliquot annos, emicuit in cor' ejus desiderium» vultum S, Petri videre; clectumque llcrrnagorai« KoT inam perduxil , manuum iinpositionc primum Aquileja pastoi'cm initianduia. Dicse Erzählung gelte nur als Sage. Allein, könnte nicht auch einige Wahrscheinlichkeit in ihr liegen? Eine strenge Prüfung derselben, mag die Frage auflösen- — Was einmal das Alter obiger Erzählung betrift, so läßt sich dasselbe negativ dahin bestimmen, daß sie ihre gegenwartige historische Form, »der wenigstens 75 das Einschiebsel? ^czuilej» , ^uztiia« z,, nv> nc !.-»<» ^ nicht vor dem 6ten Jahrhunderte erhalten habe, indem daH ganze Friaul und Venetianische Gebieth, nachdem -es unter die Herrschaft der erobernden Longobardcn gekommen war, erst im 6ten Jahrhunderte den Namen: ^««tl-iu, als östlicher Theil des longobardischen Reiches erhielt, so wie der westliche Theil die Venennnnz Weu«t,-I» bekam. Diese Bezeichnungen kommen hausig bor in I^litp,-nn(i8 Gesetzen, die im I. ?i3 öffentlich bekannt wurden, und Paul der Diarkon, bezeugt in seiner Geschichte der Longobarden dieses Prädikat des Gebiethes von Friaul, worinn ^^, und mit ihm zum zweytenmale rauw» zu Rom sich aufgehalten haben. ' Hier möchte also die oben angeführte Behauptung scheitern, wenn nicht eine gründliche Bescheidenheit bey Abwägung der geschichtlichen Zeugen es versuchte, sie folgendermassen zu retten. Wohin sich rmliu« nach seiner Entlassung aus dem römischen Verhafte gewendet habe, weiß man nicht bestimmt anzugeben- In seinem Briefe an die Römer, welchen er vor feiner, Gefangenschaft don Kormtl) aus in dem 5ten Jahre des Nero geschrieben hatte, äusserte der Apostel den Wunsch: wenn er die Christen zu Rom gesehen hätte, nach Spanien zu gehen. Klcmens der im itcn Jahrhunderte der römischen Kirche vorstand, versicherte in seinem ersten Briefe an die Korinther im 5ten Abschnitte, daß das letzte geschehen seye- — Er gieng an die westliche Gränze des Erdbodens, cm 7-c^cc 3^55^5, und starb nach seiner Rückkunft. 8, üiizekinz bon (!»c!8nro3, her Vater der Kirchenge-schichte, berichtet im zweyten Buche, 25ten Absclmitte seiner kirchlichen Geschichte das Zeugniß des Bischofes Dinn?» hon Korinth. l'l'lrus und r»uUl3, sagt dieser, beyde kamen in nnser Korintb, und giengrn mit einander nach Italien, wo sie fur das Christenthum starben- Nach diesem letztern Berichte machte also?au!u, auch den Versuch, in den Orient zu gehen, wenigstens kam er noch bis nach Korinth, schloß sich daselbst an ?«tru8, den er allda traf, mi, lind gieng mit nach Nom. Dieses konnte ja leicht nach der Rückkehr des Apostels r»ulll» von seiner Neise nach Westen geschehen seyn, und kein Widerspruch verwundet die Glaubwürdigkeit dieser Berichte zweyer Manner, deren ersterer, nämlich Klemens, mit dem Apostel vertraut war, und der andere, Dionys von Korinth, Vorsteher einer kirchlichen Gemeine, die gewiß von den Schicksalen ihres Stifters, des ihr theuern Mannes, rauw», Auskunft wußte, und in seinem Schreiben an seine christlichen Glaubensgenossen zu Nomsich, als wie über eine notorische Sache, ansdnictt. Will man diese geschichtlichen Denkmäler nicht schlechtweg verwerfen, so haben wir dann hier die beyden Apostel, auf dem Wege nach Nom, wo sie auch, wie einst alle katholischen, alten Christen annahmen, ihren Tod fanden.»— ' ' 3 82 War aber a l, ch na, « "' b cy ihnen? Unser ^ili^s,!!' ,rar ein Verwandter dcs Apostels v^n^.!.:>8. 5) Die Altcn gaben ihn für einen Schäler und Gefährten peivi aus, allein wir sinden den nämlichen niÄi-c,,» aucb in dcr Begleitung des Apostels l'^l, !"5, und zwar zu Ron:; denn in dem Briefe, welchen der Apostel an die Ehrisien zu cowl'^x!, rjner Stadt in Phrygien am i^u» Strohm von Nom aus als Gefangener schrieb, kömmt im Gruß vor, welchen ^>»r. en», der Vetter des NÄ»-nnba5 sin die Kolofser anfgab. S. d. Brief, am 4. Kap. V. in. Hier hatten wir also linserc angeblichen Gründer der Kirche von ^«ilnil>)Ä ,n Nom. Allein er erscheinet hier doch nur in Gesellschaft des Apostels I'suiu»! Gut; indessen läßt er sich doch vielleicht später dm'ch eine (>'i"i)inl»!!<,-,>»», alllin die (^chiclsale die-ses >l">''"l>i<>^ klären es unwidersprecklich auf, daß dieser und H!l,,'<-u», hl)n drin hier gehandelt wird, ,,ur Eine Person si,,d. Man sehe hieriiber Hug's Einltil in die Schriften des N- Test. Zw. Thell. S. /,3, /,^i und ^5. 83 Dm er>1en datirte der hl Verfasser aus N^W... Ob das chaldaische Ilndvlo» am Enphrat, oder das ägyptische bey ^«»»i'l»!» S- i,l^^,u Geogr. L. 17. hierunter müsse verstanden werden, wird sich wohl schwer« lich entscheiden lassen. Wahrscheinlich war's Nom selbst, Mehr liegt an einem andern Umstände. In dem 5tcn Hauptstncke kömmt am i3- Verse die zäitliche Benennung dor: Hiln-cl", mcin Sohn läßt euch grüßen. Wann ist nun dieser Brief verfaßt worden? Der gelehrte, kritische Bibelforscher zu Freiburg im Vreisgau, Herr Prof. Hug, behauptet, daß der erste Brief des Apostels i'ctr^ nicht vor dem I2ten Jahre des ^««« konnte verfaßt worden seyn. Da der zweyte Petrimsche Brief dem ersten in einer Zeit nachfolgte, wo der Apostel den Tod schon im Angesicht hatte (l. K. 14. V.) so können wir ihn nicht nach dem Jahre 06. n. Ch. setzen. Wäre es nun etwas so ganz Unwahrscheinliches, daß A>^l'c'li5 seinen alten Lehrer i^-ll,^ „ach Korinth ^ begleittt, daselbst mit i'«»i»8 zusammengetroffen, und alsdann bcyde Apostel nach Nom begleitet habe? Könnte er von da aus denn nicht einer apostolischen Mission nach ^lii«-;.-, sich unterzogen haben? — Gesetzt aber auch, daß diese 6on)eotu»- zn grundlos wäre, so möchte ich fragen, ob es dann so unumc 22 84 gänglich nothwendig seye, in die Geschichte der Gründung der Kirche don ^ciui^M den Apostel i'etlu« mir zu verflechten? Konnte denn N^en,'«, während der erstcn historischen Gefangenschaft des Apostel raulu«, zu welcher Zeit er in Italien anwesend war, nicht von diesem Lehrer der Heyden den Auftrag erhalten haben, eine Mission nach ^l^l'l^l zu versuchen? — Darum handelt es sich ja vorzüglich, darzuthun, daß ^n'cu5 zu .V«ill'.l^» gewesen seye. n. Daselbst sollte ferners m.v.cn.', sei» apostolisches Amt begonnen haben, was durch oas „ ? r '>," » «or»" ausgedrückt wird- Hicr mögen tmr jene einen?lnstoß finden, welche den heiligen Schüler dcs Apostels r«wu« srüher scine Sendung zu Alexandria in Egyptcn möchten eröffnen lassen. Daß ^>-c^ nach Alexandrien gekommen, daselbst die christliche Lehre gepredigt, und auch seinen Tod in jener Stadt gefunden habe, wird durch meine Ansicht, der amtlichen Wanderungen des heil. A^cns »licht abgestritten. Daß Hi»"-us sich auf ^lliieja nicht so beschränken konnte, wie in unsern Tagen ein Bischof auf den Bezirk seiner Diözese, dieß liegt schon in der Beschaffenheit der damaligen Zeit, dem ganz natürlichen Lcbcnsraum dcr Apostel im Verhältnisse betrachtet zu der Ausdehnung ihres Berufes in örtlicher und na- ' - «3 tioneller Hinsicht- Wo zeigt uns die Beschicht? nicht überall den unermüdeten Apostel I'"«!"» ? Was ist wahr-scheinlicher, als daß sich m»^n>,, gemäß der allgemeinen Eage der alten Kirche ans It.ilien nach Alexandria begeben, nnd in Egypten, wie das Ehronicon der alexandrinischen Patriarchen angiebt, durch 7 Jahre daselbst amtlich verweilt habe? — Neber das Jahr seines Todes ist ohnehin keine historisch zuverlässige Nachricht vorhanden- Aber wie kam Hs^"» denn gerade, nach ^nli«)»? Hier bernfe ich mich auf die Berichte von strabo, Isoroä!,-»«, I^»»!ll« dem Diakon, und ^'lton!»» dem Dichter über den ehemaligen mcrkantilifchen Flor von Es ist min leicht trklärbar, wie ^.^cu^nach Aqnileja dürfte gekommen seyn; ja es wird umso einleuchtender, wcnn wir die Art und Weise berücksichtigen, — auf welche die christliche Lehre ausgebreitet zu werben pfteg-te. — Ich will eine merkwilrdige Grelle aus des gelehrten Drs. Hug zu Freyburg, tresslicher Einleitung in das N. T., zum Belege ausHeden. In den Hauptstädten der römischen Welt hielte« sich handeltreibende Juden auf; in Rom selbst befand sich eine zahlreiche Iudenschaft, welche jenseits der Tiber eine große Abtheilung der Stadt inne hatte. — 36 Diese, von ihrem Vaterlande fernen, und unter einer abgöttischen Nation lebenden Glieder, der damals noch so blühenden jüdischen Nation, bauten sich Sale für ihre religiösen Zusammenkünfte, und blieben, obgleich fcrnc, noch so sehr ihrem Tempel und ihrem Vaterlande zugethan, daß sie jährlich betrachtliche Geschenke und Opfer dahin schickten. Neugierde und an-dcrc Ursachen führten das romische Frauenzimmer öfter zur Sabbathfeyer und in die Synagoge- Ooid verwies sogar die jungen Herrn seiuer Zeit dahin, zu den >'iitns^ltt ,7,uiÄeo 8l!i)lnn» 5.'^,'» 8)'!'<,, nm da die Schönheiten der Stadt versammelt zu sehen. Viole lerntcit damit die religiösen Vorstellungen der Juden kennen mid schätzen, und wurden 55^9^5" und in^umno«, wie uns Joseph der Jude das Beyspiel einer gewissen Fuloia anfühtt. Nach und nach theilte sich diese Neigung zum Iudenthume auch den Mannern mit, deren unrömische Denkart, der Dichter 3llv«nai 8at. >/,. mit Vielem Wi^e zeichnet: Quidnm sortili metuentem sabbata patrcm, Nil praeter nubcs, et eocli numen adorant; j\ec distare putant hurnana carno suillain, Qua paler abstinuit , mox ct praeputia ponunt, Homanas aulem contcmncre leges , JudaScum cdiscunt, et servant, ac metuiuit jus, Tradldit arcano quodcunquc volumine Moses. Diese Sabbathshäuscr betraten die Bothen der Lehre ^«nü zuerst; denn sonst war wohl lein Platz, «7 wo sie als Lehrer hintreten konnten. In den Tempeln waren nur Opfer, am Forum Gesetze und Nechtshän-del; denn daß der beredte Apostel i'ilul.^ zu Athen öffentlich sprach und lehrte, ist den eigenthümlichen Einrichtungen dieser Stadt zuzuschrieben- Aber es mochte nun die Unzufriedenheit mit den hergebrachten Neli-gionsvorstellungen die Ursache gewesen seyn, ober der Hang zur Superstition; genug, es war cine Anzahl Heiden, welche aufrichtig dem Indentbume ergeben war. Als nun auch das Christenthum in den Sabbaths-Versammlungen geprediget wurde, kam es unter oie Heiden, und viele derselben traten dem neueu Lehrde-grisse bey, der als Weltreligion jene beschwerlichen Sonderbarkeiten des 3ltä»,«mn5 verwarf, und des Beyfalls edler und aufgeklarter Mrnschm nicht verfehlen konnte. — Bey dem Glänze, welcher ^illi!<>j^ umgab, bey dem Zufammenstrohmen der Menschen am beriihm-ten großen Handelsorte, — und l^y dem Merkantilischen Verkehre dieser Stadt mit andern, z. B. mit Nom — was ist wahrscheinlicher, als daß auch Hieher das Christenthum durch einige Anhänger desselben gebracht worden, durch diese dann wieder neue Glieder erworben, und dann des Besuches des heil. ^»»cu» vollkommen werth geworden war, damit er die neue Pflanze daselbst pfiege, und die Gemeinde organisire? — Wir finden ja in den heil. Urkunden des Christenthums Beyspiele, daß, sobald an eiuem Orte der Saamen des Evangeliums zu keimen begonnen hatte, — alsogleich die Apo^ 38 / stel aus ihrer Mitte Gesandte zur neuen christlichen Kolonie schickten, und auf den gelegten Grund weiter das christliche Gebäude aufführten. Für ein gleiches Benehmen im Occidcnte, bürgen die Paralette im Oriente. Es widerspricht also nichts der historischen Wahrscheinlichkeit der obenangeführten Gründungsweise der Kirche von H,siuil«j«. — Der heil- Markus befand sich wirklich in Italien, und ^^" auf das Bitten der Gläubigen öffentlich kund gemacht habe. — Fänden wir nun fü'r unsern historischen Satz, zu dessen innern Wahrscheinlichkeitögründen noch äußere Zeugnisse, — so würde dessen geschichtliche Wahrheit erwiesen dastehen. Wohlan! — ich will es versuchen, solche darzustellen. Ich finde deren zwey. Erstens: die Verzeichnisse dcr Patriarchen, und zwey tens das älteste ^iir«,. nic.on des Patriarchates von ^l'on>c>on ^s Patriarchates von ^uü«)» nberein. Das Alter jenes ^iironieyn» geht in das 9te Jahrhundert zurück, indem es sich bey dem Patriarchen m.-ixe.uin» schließt, welcher damals auf dem Stuhle von ^l^iil-i» saß. In dem Archive der Kanoniker von Nv"^'' »st dieses historische Denkmal vorsindig. Von Wichtigkeit für das Thema des gegenwärtigen Aufsatzes, ist allerdings auch jenes Verzeichmß der christlichen Märtyrer, welches ^ä<> im 9tcn Jahrhunderte, Bischof zu Vlos,no in Frankreich jenen ausführlicheren als schr alt (iiornm^u^.,) voransctzte, das er ftlbst 92 herausgegeben hat. — Einem heiligen Bischöfe von ä^lilci» (erzählt ^<1« in der Vorrede zu seinem ausfuhrlicheren Märtyrer-Verzeichnisse) wurde von einem römischen Oberhirten jenes ehrwürdige und sehr alte Märtyrer-Verzeichnip zugesandt, und durch die Güte eines geistlichen Bruders Mir daselbst auf einige Tage zur Einsicht geliehen, In diesem sehr alten Denkmale der Kirchengeschichte fand der schon im gten Jahrhundert? lebende, also auch alte ^l8 ÄNN« <ükrl»t« propill« XVIl. Domini Imj>«, iU»ri« Niuäovici Koronilüimi , et III«tl,»!>ii H.ugu«ti VIIII. I^iu« inagll 1'ii1i>,t!(> llc^I« d. i. im I. ss3o an Naxontias, den Patriarchen von ^linNoja ausstellten. — Sollte dieser in der römischen Kirche so allgemeine, und von den Höchsten der Sterblichen im gten Jahrhunderte bekannte Glaube an die apostolische Grmidung der Kirche von ^uiiej» bloser täuschender Wahn seyn ? - Ich dächte es liege mehr zum Grunde, nämlich eine solche Wahrscheinlichkeit, wclche bey e>-nem Gegenstände aus einer so entfernte!, Zeit, und 95 bey solchem Mangel on »7nci,i-nnl!,tl8e die Muttcrkirche von Vl«riou,n, KKue-tien und Vinäoticien gewksm seye» Bey Erörterung dieser Behauptung fragt es sich nicht: durch wen kam die Predigt des Evangeliums in diese Gegenden? sondern ob das Christenthum einen nähern Weg als von ^ulieju aus in diese Provinzen hätte finden können? Diese Gegenden wurden^ sehr frühe dem römischen Staate einverleibt. Mitcr August drangen die Römer, wie bekannt, bis an die Donau dor, und pficmztcn ihre Adlcr in Noric,ln», likncucn und Vln. i o<, (!»p. 5. ^oc> tantiu? <1o inoi-to i)or3ecutoruln (^. ^ü) DuldlMgsbncf tckanut machte, da gicng auf dem Christeuthume die hsUe Sonne dcs Tages auf. Wir sindcn daher im koi-isuin uud dchcn benachbarten Provinzen mehrere ansehnliche Kirchen, als i'oui-nia, i^mun», c!Ne)Ä, Lau. l'^llüii, ^uzuliz» u. s. m. Wvher konnte leichter an 96 diesen Oertern das Christenthum in Kirchen organisirt worden seyn, als dom benachbarten Aquileja aus? Wcr wollte behaupten, daß überall unmittelbar die Apostel müßten gepredigt haben? Zu ^uinsljao in I'i,rv5;l,?n blühte im Zeitalter der Apostel eine ansehnliche Gemeinde, und kein Apostel hatte dicselbige gestiftet. Ja selbst zu Nom faßte das Christenthum Wurzel, ehe noch ein Apostel dahin gekommen war. Drr Wege gab es Hunderte, auf welchen das Christcnthum in unsere fegenden konnte gekommen seyn, und ich will hier nur die einzige Stelle aus Iieroäiün 1. övo. zum Fingerzeige anführen: 8u«il!l' civiuln lngvntem numol'llln, «tiain magn» VI, bo»p!tum, »« morciUoiuin earn urdoni ( .V^uiloiam ) IN^r»2e. — 8trado naNNte ja ^^l>>1«ji»: «!nz,"i.»ln, III^. rici» ßontibu,». 1. 5l.c>. aber die Organisll'ung der Kirchen gieng sicher von einem hierarchischen Mittelpunkte aus. Was ich hier in Hinsicht der Kirche hon Aquileja erschließe, sinde ich durch ein Denfmal von dem Jahr 591 geschichtlich bestärkt. Als der Streit nbcr die berüchtigten drey Kapitel eine theologische Fehde unter dem Pabste v;^ii^ eröffnet hatte, trennten sich die Bischöfe von ^iuUeja, I3ll-,a, Venetil, und Nl'aelia «ocunäa von dem römischen Stuhle. — Nach I'ei36'"' II. Tode, im 2' 53a bestieg 6r<-5<>r mit dem Veyna- 9? mcn des Groplll, den römische»: Stuhl, und suchte die fortwährende kirchliche Trennung zu hcben. 11m seinen Mapregeln Nachdruck zu verleihen, hat» te sich O^or an den Kaiser niauriüuä gewendet. Die schismatischen Bischöfe, welche es für räthlich hielten, des Kaisers Gnade sich zu versichern, überreichten demselben eitte miterthänige Vorstellung. In dieser Schrift, welche uns Ngrouiu» in seinen Jahrbüchern der Kirchen? gcschichte aufbehielt^), kömmt folgende, für de« hier behandelten Gegenstand merkwürdige Stelle vor: Si conturbatio ista remota non fuerit, si qucm de nobis, qui nunc esse vidcmur, dc fungi contigerit, nullus pie-Limn noflrartim ad ordinationem Aquilcjensia ecclesiae post liacc p.itietur acccdcre. Sed quia Calliarum Ar-cht«piscopi vicini sunt , ad ipsorum sine dublo oitt-nationein occurrent, et difsolvchir Metropolitan» Aqui-lejcnsis Ecclosia sub vestro Iinpcrio constituta. Ouod ante Annos jam fieri cocperat, et in tribus Eccle-siis nostri concilli, id cstBeconicnsI, (Urco-nensi^ Ti burn i en si , et Augustana, Gailiaruni XipisCOpi constituerant saccrdote-s. Et nisi cjusdem tune divae memoriae Justinian» Principis jussion« com-tnotio partiuni nostraruin rcinota fuiscet, pro uostris inj;|uitatibus penc omncs ecclesias ad Aquilejen-sem Synodum pertincntes, Galliarum Sacerdotes pervaserunt. ♦) D« Hubeis pag. a?3. 93 Aus dieses Stelle erhellet folgendes? , I. Die ^oclesla I?8 , 2. die Kirche hott ^ril,u,nli,, l,„d I. diejenige von ^Ugu8ta gehörten zur Metropole von ^«i»»!«)». Die eceie^ia« Üernn!on8!», oder wie der gelehrte Du linkeis alaubt , richtiger Nreononsis , Ilrounlin»»» » oder I!rennon5>5 muß höchst wahrscheinlich im heutigen Tyrol gesucht werden, denn an dcm beyderseitigen Ufer des Inn wohnten die ilrooncn, oder ^l^nni. Siehe Z 0 llers Geschichte der Stadt Innsbruck pnF. 3, cr 8e<^. Die Kirche von ^idurn!» lag im heutigen Kärn-ten, und ^u8"5>», ist nach dcm llrtheile des gelehrten M'li-cu» Il»nz>i1.- vo,l ä^'U^ gebort, mit welchem Rechte wurden die schismatischen Bischöfe darüber eine Klage erhoben haben, daß Gallische Bischöfe in ihre Rechte eingegriffen hätten? — Allerdings mußten sie die Verhältnisse kennen, worinn diese twrischen, rhätischen und vindclicischen Kirchen zü ^czuiioja standen. Ist cs mm hier zn viel geschlossen, wenn ich' da-sur halte, dap es das schon alte Verhältniß von Filial-Zvirchen zur Mutlerkirche in ^nilejH war? — 93 Nur dieses vorausgesetzt, läßt es sich erklären, warum später im I. 8li mit so ernstem Nachdruck em Zwist Zwischen ^>«"^ dem Patriarchen von Hyuileja, und ^rnu, dem Metropoliten von ^lvavium uber die Gränzen der Diözesen von ^'n!.>ju und Salzburg durch Kaiser Karl den Großen mußte geschlichtet werden. Wie aus dem Verlaufe der geschichtlichen Darstellung der Fortpflanzung des Christenthums in Caren-tanien erhellt, so hatte die Kirche von Salzburg sich große Verdienste um das Christenthum erworben, als dessen Leuchte in den norischen Provinzen in dem Völ-kersturme ans Norden nach Silben, gänzlich zu erlöschen Gefahr lief. — Salzburg war daher die zweyte Mutter, aus deren Schoose dcr Cbristianismus fur diese Gegenden hervorgieng. Die Vorsteher der katholischen Kirche auf dem römischen Stuhle erkannten dieses , uno dehnten die Diözcsan - Gränze der verdienstvollen Metropoliten von Salzburg gerne sehr weit aus. Darüber aufgebracht, erhoben die Patriarchen bon Aquileja ihre Klage, und beschuldigten die Metropoliten des Eingriffes in frmioe Gerichtsbarkeit. Die Sache wurde erlisthast, der Streit nachdrücklich. Karl als Schiedsrichter, schlug die Mittelstrasse ein. Merkwürdig sind die Grunde, womit beyde Kämpfer ihre Sache unterstützten. Wir sinden dieselben in dem Briefe Karls, welchen er zu Achen dar- G 2 i'lber auöfcrtlgse, UNd Nanzit«: 1'. 2. Oermuniao sHcr»» z»i,ß. > 20 und 2l anfuhrt. Da hemt es dann: Ursus Patriarcha aniiquam «c auihoritaiem habere asserebat, et quod tcmpore, arttequam Italia a Longobardis fuisset invasa , per Sy-uodalia gesta , quac tune ab anteccssoribus suis Aqui-Ir^lcnsis crclesiao Becloribus agebantur, ostendi posset praedictac Carentanae Provinciae Civitates ad Asjuilc-giam ctse Subjectas. A rno vero Episcopus assei*ebatt se babcrc aulhoritatem PontUicum santjtac Romanae Ecclesiac, Zacliariae, Stephani, atquc Pauli , quorum praeccptis et oonfirinationibus praedicta Provincia tern-pore anteccssorum Suorum ad Juvaviccasis ecclcsiae Dioccesin fuisset adjuncta. ?luf welcher Seite waren nun die gewichtigeren Gründe? Mir scheint, auf der Scite der Patriarchen, illdem die Geschichte ihr Ntchtszcuge war, da auf dcr Seite dcs Metropoliten lnir dns ?lnsel>en päpstli-clirr BlPinnmmg sich befand. Wic abrr die romischm japste dahin gcbracht werden könnten, einen Theil der Diözese bon ?kpl,leia dem Visthume Salzburg einzuverleiben , ist leicht, nach meinem Dafürhalten ans dem damaligen kirchlichen An''ehen des Papstes, lind aus den Fehden zn erklären, welche die, wie oben erwähnt Mlirde, schismatischcn Patriarchen don Aquileja mit dem Stuhle von Nom durch längere Zeit führten. Wenn man nun diele spatere Rechtssache mit der früherm Vmvendung der schismatischen Bischöse a« den Kaiser Ml,miüll5 vergleicht, so ergiebt sich als geschichtliche Grundlage der Forderungen von Seite der Knchcuvorsteher zu Aquileia, daß sie gleichsam ein Fa-milieuevbrecht, al^ Stamm, an die einzelnen kirchlichen Zweige zu besitzen, sich bewußt waren. War aber dieses Bewußtsein auf den großen geschichtlichen Zeugen, die Zeit, gegründet, so finde ich weiters nichts, was sich der Anncch.ne des aufgestellten Thema entgegenstellte, nämlich: daß das Christenthum, und die kirchliche Orginisirung desselben von Aquileja aus iu das Noricum gekommen sey.'. Ns dahin Herr Professor Schcichenbcrger. Im dritten Jahrhundert finden wir Christen zu Cklly; sie war die Geburts-und Erziebungsstadt des heil. Maximilian, der um das Jahr 268 auf die bi-schö'fiiche Leuchte zu Lorch erhoben wurde, und ungefähr »6 Jahre spater unter dem Landpfieger oder Pra-felt Lvlii»5lll» cben zu Cilly den Martyrertod litt. 0) Man darf nicht zweifeln, daß bey der Wiedereinführung des Götzendienstes sowohl im V,runu,n M in Ilbul-nia, vorzüglich unter dem Kaiser Maximian Utd Nlaxi'nin Oa).'l, um Jesus willen viele Christen geblutet haben werden. Wir wissen freylich nichtö von o) Hansitz Germ, S. T. i. p. 3#. 5ti2 ihnen, weil sie Niemand aufzeichnete, oder weil ihre Nachrichten zn Grunde giengen. Gcnug, sie sind dem Herrn bekannt, und werden am Vergeltungstag auch uns bcü'.nnt werden. Nach geendigten Verfolgungen liefert die Mutterkirche Aqmli'ia eine nie unterbrochene Neihe von Oberhirttn, inid unser Noricum kann von Zeit zu Zeit eigene Bischöfe ausweisen. i'i"n h^s^ mit dem heil. Ambros von Mayland im Jahre ZA» in seiner eigenen Stadt eine Archenverslnmnlung wider die Arianer 5 wo wir den Bischof ^xlnn.5 von ^l.mo,n^ sinden. s) Daß I^mou«, ^,nc»n!i oder ^omon^n das heutige Laibach gewesen, wie, ^i.lvoi- und andere glauben, hat Schönlc-ben in seiner <:2,-nloUa sehr weitläufig bewiesen. Es ist bekannt, wie sehr das Noricum im 5ten Jahrhunderte durch Attilas und Ottolars Züge gelitten. Die Hauptliixhc Aquilcja ward im Jahre /,52 von Grund aus zerstört; wahrscheinlich erfuhr das I'lavium »c,iv(>n«e das nämliche Schicksal. Zwischen den Jahren ^63 und /,?3 ward alles zu Grunde gerichtet, und die Einwohner führte man iu die Gefangenschaft mit fort. s) s) I>e luibcis Antiif. Ar^uil. Go. 81. g) Jornnmles J« reb. get. Öa. 103 In dieser schrecklichen Periode blnhete bey ^-vi«nllin (Wien) der heil. Severn,, ein sehr eifriger Gottesderehrer und ungemein wohlthätiger Menschenfreund : überall Mundvorrath nnd Kleidungsstücke sammelnd, die Nothleidenden zn unterstützen; auch in das heutige Karntcn schickte er solche Sammlungsbothen. Ein frommer Priester Paulin, der zu 'lid«,nlli lebte, Vernahm vom heil. Sevcrin, als er ihn besuchte, daß er Bischof werden sollte, Paulin reiste zurück, und ward Bischof. Er bewegte sein Volk zur Buße, Gebeth und Fastet,; 'I'll»", n!» blieb verschont, nnd konnte Unterstützung für Dürftige an Sederin absenden. l>) Tibui'NlÄ, welche Nl,ß!ppiii5 im 5ten Jahrhundert die Hauptstadt des Noricum nennt, muß ja mit I.ibul'nl« ln'cht verwechselt werden. 1>>dlnn>^ war ein beträchtlicher Theil Illyriens am adriatischen Meere, wo Erich oder Heinrich Herzog in Friaul gegen das Ende des 8ten Jahrhunderts bey der Seestadt i'arnat ums Leben kam. ^) Auch Geograph ^iuv^ setzt I^idurni» zwischen Istrien und Dalmaticn, und zahlt unter die Städte dieser Provinz ebenfalls 'i'ar«». tic», Tersatz. Hingegen war 'lNi'll-liia oder 'I'iburnia, auch ^'clli'lia cine Stadt an der Dran, mit einem unter Aquilcja stehenden Bischof, welche, wenigstens bis h) Harisitic Germ. S. T. i. C. XIV. i) Euricus e Rubeis Antiq. Aquil. p. 188. Hausitz Germ. S- T. J. P- 94-mVDc BubeJs Cap. 27. Ufl^ 28. ") Ebend. I»« »')"' ^'' io6 Der Einfluß der fr<'n»kischen Bischöfe bahnte indessen für das folgende Jahrhundert dem heil. Rmand und Nupert den Weg nach Osten ; jener durchreiste die höchsten Gebirge, das beynahe schon ausgelöschte Licht des Christenthums wieder anzuzünden, mit welchem Erfolg im Noricum? weiß man nicht zuverlaßig. Der heil. Nupert bereiste die Donauufer bis nach Panonien, kam bey seiner Rückkehr nach Cilly, nnd nabm die Gebeine des heil. Märtyrers Marimilian mit sich nach Bayern; «) vermuthlich weil in Cilly das Christenthum wegen den heidnischen Slaven nicht mehr sicher war. Dieß ist das Einzige, was uns die Geschichte des 7ten Jahrhunderts von der Religion des mittleren No-ricum aufbewahrte, man findet nichts mehr von Bischöfen oder bischöflichen Sitzen. Die Ursache davon war, nebst den fast immer anhaltenden Kriegen und Verheerungen, die plötzliche Einwanderung der Sla-ven oder Winiden, welche schon in der 2ten Hälfte des 6ten Jahrhunderts die östlichen Gegenden des Dran-lmd Saustroms in Besitz nahmen; ein mächtiges Volk, wie die Avarcn und Hunnen, vorzüglich gegen das Christenthum feindselig; es breitete sich schnell gegen Westen aus, und lieferte im Jahre 61« bey ^«..t, dem heutigen Inmchen, dem bajoarifchen Heere ei« o) llansit/. T. n. p. 41, Novissima Chron» S. Tctri Sulisb. p. 3ö. to? Tressen, in welchem Qe,:d»i ein trotziger Mann, erlaubte sich bey der Audienz Beschimpfungen und Drohungen, als mußteil sich die Slaven als Unterthanen der Franken betrachten. Nicht nur die Länder, versetzte Samo bescheiden, die wir besitzen, fondern wir selbst sollen dem Dagobert angehören, unter dem Bedingniß, daß er Freundschaft und Bündniß mit uns schließe. Das ist wohl nicht möglich / sagte der Gesandte, daß Christen und Got- ?) Ilanliit« ?. »> '«I« »03 tesdiencr wit Hrnden Frcundsckaft eingehen. Sehr gut, erwiederte Eamo, trenn ihr Gottes Diener, und wir Gottes Hunde s'l,d? so ist es uns gestattet, euch als ungehorsame Dicncr anzupacken, und zu zerreißen. Mit diesen Worten ließ er den stolzen Sicharms fortiagetl.») Nun war dcr Krieg unvermeidlich, worin zwischen den Jahren 63c> und 6^0 vorzüglich die Bafoarcn hart mit-genotnmen worden. ») Eamo herrschte bis aufs Jahr «M, einer der mächtigsten Fürsten seiner Zeit, erfocht diele Siege, und wußte, so lang er lebte, Hunnen, Franken und Longobarden in Furcht zu erhalten. Obgleich er 22 Eöhne hinterließ, ") weiß man doch bis . 2V«. izc» Zweyter Zeitraum. Das achte Jahrhundert- I. So feindselig sich die Nation der Slaven gegelt die alten christlichen Bewohner des Norikum zeigte, kann man doch nicht glauben, daß alle ohne Unterschied vertrieben, oder unterdrückt worden seyen; ohne Zweifel blieben Christen zurück, welche mit den eingc-«vanderten Fremdlingen, deren Oberhand sie nachgeben nnipten, in Eintracht zu lebcn sich bestrebn n, mit ihnen sich verbanden, und sie zur künftigen Annahme des khrlstcnthllms nach und nach vorbereiteten. Freylich so lange die Slaven wider ihre Nachbarn theils das Gleichgewicht, theils das Uebergcwicht behaupteten, konnte der Zweck nicht erreicht werden» Erst da sie östlich von den Hunnen gedrückt, ihre Zu-siucht westlich bey den Bajoarcn zu suchen genöthigt waren, konnte man das Werk ihrer Bekehrung ernstlich beginnen. Ein ungenannter Schriftsteller verfaßte ill der Mitte des ytcn Jahrhunderts hierüber eine umständliche Relation, welche von Hansitz, Wallncr, und andern treulich benu^t worden: o^llxc-lliilin «I« o>nvcü^nn«, il». ioaorioru,» ed i^ul üu>,»nui u»», ein glaubwürdiger Zeuge, Ill und bereits der einzige, der über das achte, und einen Theil des neunten Jahrhunderts karantanische Nachrichten giebt. 2. Nicht lange nach dem Tode des Samo bekriegten die Elaven und Hunnen einander durch mehrere Jahre mit abwechselndem Glucke. Boruth, der Carantaner Herzog, rief die Vajoaren um Hülfe. Diese kamen, besiegten die Hunnen; aberwie es zu gestehen pflegt, daß Helfer Eroberer werden, so behaupteten auch sie ihre Macht über Carantamen, und um slch in ihrer Besitznahme zu versichern, führten sie zwey Prinzen (Carast, Sohn des Voruth, und Che-tumar dessen Nepot) als Geißeln mit sich. Der heil. Virgil saß damahls auf dem bischöfi. Stuhle zu Salzburg, wo beyde slavische Prinzen im Christenthum sorgfältig unterrichtet und erzogen worden sind. Voruth starb, die Slaven forderten ihren Prinzen Carast als Herzog zurück, welchem die Bajoaren auf Befehl der frankischen Regierung wirklich das Her-zogthum übergaben. Carast war alfo der erste christliche Fürst der Ca-rantam'rslaven, der dem Evangelium bey dieser Nation nach und nach den Eingang verschaffte. Aber sein Leben war zu kurz, er starb in 3 Jahren. Chetmnar, vom Priester N,po zn einem eifrigen Christen gebildet, ward auf Pipins Befehl sein Nachfolger. Chetumar hatte den Lupo, dcr auch sein Taufpathe war, so lieb, daß er ihn durchaus bey sich in Camilla mm haben wollte. Wcil aber dieser z,i gleicher Zeit die Kirche i» Ehicmsee zu besorgen hatte, gab er ihm von»«? und viiunu'n, konnten dazu dienen. Die etwas später vorkommende ^vita« car»«!»»«, c^»-rantanum, N«N5 ^arnntanu« zeigen um so mehr das heutige Karanburg, Karandtburg, da die außerordentliche Inaugurationsfeyer der Herzoge auch eben da vor sich ging. i>) a) Qiu vcnicntes Carantanis cledicaverunt ibi ecclcsiam S. Matiac, et aliam in Liburnia civitate, scu ad Undrimas, ct m nliis , quam plurimis, ibique iicr-mansit ad fincm vitae suae. H>) Man sehe Taschenbuch für Vaterland- Gesch, 2ter Iahsgang l8l2. H "4 5. Die zweyte vom heil. Modest eingeweihte Kirche lvar die alte liklli-nin im Lurnfeld, welche Cnrast und Ehetumar zuverlässig wieder herstellten. In der wichtigen Vestättigungsurkunde dcs Königs Wlipp fiir den Erzbischof Adalbert !I. zu Salzburg bom Jahr 1199 l) hcißt sie i'^dinu heute Tressen oder Tr^vlt, nicht weit bou Villach, ehedem das Stammhaus der Herren von Grotta, nachher Grafen von Groteneck. Ein lluchtcndcr Funke sür die Gegend von 'lidllt-«;». Aus Urkunde der alten Topographie kann die Lage der U d r i m a nicht wohl bestimmt werden; ihr Name kommt sxäter noch zwcymal dor: einmal im Jahre 89s 'n eiuem Diplom des K. Arnulpbs erscheint sie als cm Beuesieium, welches einige Güter im östlichen Caran-tanien btsaß. ä) Hernach licst man sie noch im Jahre 1199 ii, dem ebcn gemeldeten Diplom des K. Philipp unter den zum Erzstifre Salzburg gehörigen Gütern, wo theils bllanüte theils unbekannte Ocrtcr vorkommen, die Sttlle hcipt so ^ c) Nnnti!/. Cl'im. 8. ll. pllg. 3o8. «lc. 6) Archiv fur Geographie 1812 (/,4 u. ^5) r- 176. Item Trebenain, (Xl'ffffll) Oster-^ilz, ifl Mslimtf Giabenliuel ( @)l\ipfc(b) Vitringa » Iricsacli, Gurca , finb krfctlUlt f Cral/.lu^a, Lun»au f ill! (Brtfibnv^ifdjelli Sublicli, Tcuscnbacli, liatschc, Pc-liza , Gumbunza', Undriina , Luita , Liotinga , Brugga > !15 Da alle diese Ocrter theils ill das westliche Kärn-ten, theils zu Obersteycrmark gehören; so muß auch Dluliiiüi» lititev dicsen irgelldwo gestanden seyn. Einem Fremdling steht es wohl an, die Erklärung unbekannter Namen einheimischen Topographen zu überlassen. Unter so vielen Kirchen, die der heil. Modest in »lii» liuinn pwrim!» loüiz einweihte, mögen zuverlässig . die Kirchen älterer Städte nnd Hauptpfarrcn, vorzüglich MiUstadt nebst andern in Westen gewesen seyn. 6. Indessen fand das Christenthum, das wider Sinnlichkeit, und Stolz immer im Kampfe steht, auch großen Widerstand. Die vornehmeren Slaven, einer fremden Herrschaft ungewohnt, noch stolz'anf ihren ehemahls mächtigen Samo und die vorigen Siege, wähnten, die von Salzburg aus ihnen angekündete neue Religion hätte sie zum Nachtheil ihres Ruhmes und der Selbsistandigfcit den Franken unterworfen. Das Evangelium stand nach ihrem Wahn mit dem Frcyhcitssmil im Widerspruch. Schott glimmte ein Aufstand unter der Asche, der sich nach dem Tode des heil. Modest öffentlich zu zeigm begann. Herzog Chetnmar bath den heil. Virgil, selbst nach Earantam'en zu kommen, weil er durch dessen An- H 2 116 sehen die Mißvergnügten tilgen zu können glaubte. Aber der heil. Prälat konnte nicht erscheinen; er machte einen Versuch durch Absendung dcs Priesters I^nin, der aber wegen der Unruhe bald wilder zur Rückkehr genöthigt war. Auf diesen folgten nacheinander die Priester Madclhoh und Warmann. Der Bajoarer Herzog Thassilo gab sich alle Muhe, zu der Bekehrung der Slaven mitzuwirken. Um das Jahr 769 schenkte er dem Bischof von Freysingen Ari-bo den Ort Imnchen, um durch einzusendende Priester die ungläubige Generation der Slaven, wie er sich ill der Urkunde ausdruckt, auf den Weg der Wahrheit zu führen. 0) Ncligionslehrer mangelten, daher suchte man woher immer einige zu erhalten. 7. Ungefähr um eben diese Zeit starb der Caran-taner Herzog Chetumar. Nun brach der Aufruhr gewaltig aus; im ganzen Lande war einige Jahre lang ksin Priester Mehr sicher, lccr standen die Kirchen, ohne Hirten das Äolk: M^i-tuo »utoin <ül,otu,n.»ro, schreibt Anonymus, et «rtll »miltione »lissnnt »Nil!» nnNll» pro«- K>'t«r ,di e,'in. Christen und Heiden, der Adel und das Volk kämpften wider einander um Chetumars Nachfolger; bis Tassilo im Jahre 772 ein Heer aus Bayern sandte, Earantanim sich abermal unterwarf, und Wal- e) Iianu« l. II. !>' c,3. I!7 chun 'als Chetumars Nachfolger die herzogliche Macht behauptete. Am allerwahrscheinlichsten' fällt der Ursprung der außerordentlichen Huldigungsfeyer in Kärnten, und die Erscheinung des heil. Domitiau in diese Epoche. Die Huldigungsfeyer, welche allgemein bekannt, und vom Herrn Baron v. Honnanr genau und schon beschrieben worden istl), war, wie die Natur der Sache spricht, die Folge eines Kampfes zwischen Adel und Volk. Das Volk siegte; das Andenken dieses Sieges, uno der feste Entschluß, künftig keinem andern, als nur christlichen Fzirsten zu huldigen, sollte verewigt werden; darum ward diese sonderbare Ceremonie eingeführt, die das Gepräge eines ländlich rauhen, einfältig erhabenen, gutmüthig stolzen, und für die Religion eifernden Volkscharaktcrs an sich hat. Die Bauernkleidung d?s neuen Herzogs, die Rautaschc, das Jagdhorn, die nachherige Wurde eines Neichsoberjä'germeisters, das lvilde Necht dcr Gradnecker, während der Lehnverleihung Heu nach Belieben zu mähen, der Edlen von Räuber, nach Lust zu plündern, der Portcndorfer und der Mor-daxen, im Lande zu sengen und zu brennen, wofern man sich vorher mit ihnen nicht abfände — alle diese theils ursprüngliche , theils späterhin dazu gekommene Umstände deuten auf einen gewaltigen Earantaner Nimrod, der Y Taschenbuch fur Vaters. Geschichte- 2ter Jahrgang. Wien i8l2. »3 so glucklich war, dem wüthenden Aufruhr cm Ende^ zu machen. Nicht wider den Adel, als solchen, waren die Carcmtcmer aufgebracht, nilr wider dic Feinde des Christenthums; sie verlangten selbst einen Herrn von freyer Geburt: Ist cr von freyer Geburt? ist er ein Anhänger, Vertheidiger und Verbreiter des christlichen Glaubens? psiegte dor auf detn Herzogsluhl fixende Edlinger von Plasendorf zu fragen. Die noch vorhandenen Stuhle von Stein zuKarnth-bürg lmd anf dem Zoll - ( Sol - ) Felde zeigen sowohl die Residenz der alten Herzoge, als auch den Huldi-gungsplatz. Die ganze Begebenheit stimmt mit der Zeit des spateren Herzogs Ingo nicht überein; ganz Caran-tanien ward da ruhig, uud mit Ausnahme einiger von Adel dem Christenthum geneigt; die Franken trugen die Waffen wider die Hunnen, nicht wider die schon besiegten Slaven; die Zahl der Nichtchristen war gering und unmächtig; wie hatten sie sich sonst durch eine Erniedrigung beym Gastmahle überwinden lassen? -— In Herzog Walchuns Epoche erscheint die ganze Sache diel natürlicher, und den Umstanden angcine^ «er; selbst der Name Walchung, (Walokömg) harmo-m'rt mit dem Ornat des neuen Herzogs bcy der Huldigung. 8. Auch die Geschichte des heil. Domitian gchorl; am spätesten in die Epoche W ilchun; cs kommt schr 119 glaubwürdig dor, daß der heil. Domitian nie regierender Herzog der Carantaner, Mdern einer der Vornehmsten des ?lbcls an den Gränzen Bayerns, ein Anführer der Truppen Thassilos gewesen, der um ^das Jahr 772 die Gegend bey Millstadt von den Götzenbildern reinigte, und den Christen die Freyheit verschaffte. Ein anderer Anonymus des i2ten Jahrhunderts behauptet: seine Grabschrift zu Millstadt als eilt schon beschädigtes Alterthum gesehen zn haben: uio tatom ad insllleNtillo. ,, Hier ruhet der ftl. Doinitian, „ein Heeresführer, der Stifter dies.-r Kirche, welcber „dieses Volkdom Unglauben zum Chri^nthlim bekehrt-„ hat.8)" In dieser Kirche zu Millstadt waren an den Mauern zwey alte Gemählde, eines stellte v^r, wie, der heil. Virgil den Domitian taufte; das andere, wie dieser die Götzen zerbrach, und in den See werfen ließ; mit der Inschrift: Diese Figur und Antiquität ist reno-Virt worden Anno i58o. Diese Bekehrung mup früher, und wenigstens unter dem heil. Modest, folglich nicht erst znr Zeit des Ingo geschehen seyn, theils wcil Millstadt naber gegen Salzburg liegt, wo die Missionärs ihre Arbeit zuerst werden vorgenommen haben, theils weil unter dem Herzog I„go das Volk schon christlich war, und nur mit Priestern hersehen werden s) UoUknH r. I. e>dr. äic. 3. l»c» mußte, um im Glauben gestärkt zu werden. Sa fällt Hcmfiz Muthmassung, daß Ingo und Domitiau eine Person gewesen, von selbst weg. Die Inschrift, wclche I^iu, am HerzogsstuUc gesehen haben will: nvx. no^il'i'. hat kein Gewicht; er sah vielmehr das Fragment bon einem römischen Monumente, wie man jetzt noch sehr viele in der Gegend des Solfeldes in Gebäuden eingemauert siuden kann. Bauleute siud eben keine Archäologen, sie heben Steine, wclche taugen, stehe darauf was will; zudem muß man römische Buchstaben und Epigraphen nicht fär Ea-> roliugische halten. i>) > b) I'ch sab auf der südlichen Seite der St. Jakobs Kapelle zu Emersdurf, eine Stunde nordlich von Klagenfurt, eine» schönen unversehrten und umgekehrt eingemauerten, über drey Echuh hohen, lmd fast zwey Schuh brciteu Stem Mit dieser Inschrift: AELIO, MATTONI. AELIA. SECVNDINA, 5IBI. ET. CON. PIENTISSIMO. V. l\ H. M. H. N. S. Der Stein ist aus dem Bruche bey Tentschach, wle der Anbruch zeigte. So wenig man aus diesem Stein den Ursprung besagter Kapelle dem >liNl«» oder seiner ti^un.iini, zuschreiben kanu, ebenso wenig läßt sich behaupten, daß der beil. Domitian der Urheber des herzogt. Stuhles gewesen? l^?.iu5 hätte cbeu so gut VXor, DUHIII. oder so etwas lesen könne». 12t 9. Als Herzog Walchun sich tn seiner Herrschaft befestigt sah, war seine erste Sorge, den heil. Virgil um Priester zu bitten; sie kamen, der Anonymus zeichnete ihre Namen anf, würdig des Andenkens sollen sie auch hier stehen: Heimo, Reginbald, Majoran, ein anderer, als der Begleiter Chetu-mars; hernach Dupliter, Gotzar, Erchenbert, Reginhard und Augustin; endlich Neginbald, ein anderer, und Günther durchreiseten wechselweise Carantanien, predigten und spendeten die Geheimnisse der Religion. Christen und Heiden lebten noch unter einander vermischt, doch hatten erstere die Oberhand, bey dem Schloß Nothenthurn unter Spital wird nach dem Zeugniß des ständischen Herrn Verordneten von Milesi, ehemalige» Inhabers dieses Schlosses noch der Platz gezeigt, wo die heidnischen BegräKußstatten durch Mauern vom christlichen Gottesacker abgesondert zu sehen waren. Vielleicht ließ sich diese Bemerkung an mehreren Oerttrn machen. Der heil. Virgil, dessen Eifer und Obsorge Ca-mntam'cn vieles zu verdanken hat, starb im Jahre' 78,4. i) Arno, der erste Erzbischof ward ftin Nach? folger, ein in jeder Hinsicht großer Mann, der das Wcck der Slavcnbekehmng rastlos fortsetzte. in.Indessen gieng Thassilo, vermuthlich aufgeblasen dom Siege über die Slaven, damit um, ge- 5) Il2N5i2 II. p. y5. 122. trennt vom fränkischen Staat, ein eigenes selbststä'ndi-ges Reich zu bilden, und schloß deswegen mit den Hunnen und Avaren einen heimlichen Bnnd. Allein Kaiser Karl der Große setzte im I.lhre ?88 den Treulosen ab, und veränderte Bajoarien und Carantanien in frankische Provinzen. Diescr große Monarch, ein gimsti-ges Werkzeug in Handen der Alles leitenden Vorsehung, das Christenthum zu verbreiten, beschloß jetzt die Hunnen und die Avaren, vor welchen die östlichen Gränzen seines Reiches nie sicher waren, in Ordnung zu bringen. Da entstand zwischen Osten und Westen ein hartnäckiger Streit vom Jahre 791 bis 799. Nach dem Zeugniß des Anonymus ward im Fahre 796 zuerst der Graf Aerich, hernach Pipin, Karls Sohn nut einem zahlreichen Heere nach Pannonien abgeschickt. Letzterer, drang siegend l!tlinilsl>tl? sx.-llülie.iu^o cc»nsoi>ta^o—Die Seelsorge, das Hirtenamt in den Gegenden der Slaven auszuixen , und die Völker im Glauben und dem Christen-tblimc zu be st ä r k e n. Also nicht erst vom HcidenthüM zu bekehren, welches schon unter seinem Vorfahrer dem heil. Virgil durch den heil. Modest u„d andere Missionarien geschah, sondern die Neubckchrten zu st"3. l25 „und den ganzen Kirchendl'ensl nach canoliischer Ord-„nung vollziehen soll; doch soll er der Obergewalt der „Salzburger Oberhirten untergeordnet seyn;" welches er auch alles that, so lange erlebte. Eine schwere Arbeit fur Theodorich, die Länder Mit Kirchen, die Kirchen mit Priester zu versehen. Aber wo Gott segnet, werden Unmöglichkeiten leicht: ganz Carantanien mit Ausnahme einiger Vornehmen, von denen bald die Rede seyn wird, ward christlich besorgt. 12. Allein woher mag der Bischof Theodorich so diele Priester erhalten haben? — Erstens konnte man gute und taugliche Iungltnge aus Carantanicn, nach dem Beyspiele der Prinzen *), zu St. Peter in Salzburg erziehen, unterrichten, und zum Priestcrthum Vorbereiten lassen; vielleicht geschah dieses auch mit den oben genannten Mifsionarien unter dem heil. Virgil; hernach mochte ihre Anzahl eben nicht so groß gewesen seyn; jeder Anfang ist gering, lmd wsrd nur mit der Zeit vermehrt; es war schon vicl, wcnn die Hauptkjr? chen in Städten und Flecken ihre Hirten hatten. Endlich unterliegt es keinem Widersprüche, daß um diese Zeit das Stift Ossi ach in Oberkarantanien *) Karast und Ehctumar. »26 schon blühet,/ wo die Caranraner - Jugend gebildet werden konnte; immer mag Ozzius, der Graf von Tiffen, selbes frühzeitig gestiftet haben, obschondas, was Walln er im ^nnn» mlii^nnus von Osfiachs Gründung im Jahre 689 sagt, die historische Kritik schwerlich aushält. Setzt man sie aber um ein Jahr-Hundert später, 789, so ist aller Widerspruch und jedö Unwahrscheinlichkl'it gehoben. «>) Um Slaven z>i unterrichten , mußte man slavische Neligionslehrer haben, und diese mußten gebildet werden, um unterrichten zu können; es . 35«. 127 den, der glücklich machen zu können scheint -- sondern aus Ueberzeugung m.d Pfiichtanerkennuug des Gewissens. Diese schöne Frucht gedeiht nicht dort, woman die Politik ausser dcr Religion setzt, oder diese jener nur als Magd aus Gnaden zugestehen will. Nur Gewissenhaftigkeit aus Religion erzeugt, liefert getreue Unterthanen und Vasalleu, auf die sich der Fürst sicher verlasse,» kann. In diesem glücklichen Falle war Herzog Iugo; die Begebenheiten unter seinen Vorfahren, besonders dem Wcilchun, unterwarfen das ganze Her-zogthum dem sanften Gesetze des Evangeliums, einige Machtige des Landes ausgenommen, und seine Regierung war ruhig. Die geringe Anzahl Herren, welche Stolz und Sinnlichkeit noch fesselten , konnten eine Religion, welche den Edlen und den Sklaven zu Brüdern macht, nicht als für sie tauglich und passend betrachten; vielleicht wähnten sie, was eben nichts Ungewöhnliches ist, das Christenthum tauge nur für den Pöbcl, und sie würden sich zu tief erniedrigen, wenu sie ebeu so dächten und handelten, wie ihre christlichen Knechte. Der kluge In go wupte diese Schwachheit zu benützcn. Eines Tages lud er sehr freundlich Herren un> Baucru zum Gastmahl; diese licp er als Christen an feiner Tafel mit prächtigem Geräthe, jene aber draußen vor der Burg mir schwarzen irdenen Geschirren bedienen. »23 Ueber eine so unerwartete Erniedrigung vor ihren eigenen Knechten beschämt und niedergeschlagen, fragten sie; Warum, o Fürst! behandelst du uns so? Es schickt sich nicht, antwortete der Herzog, daß ihr als unreine Heiden mit eueren durch die Taufe gereinigten und geheiligten Bauern an gemeinschaftlicher Tafel sitzet, draußen vor dem Thore ist der Platz, der euch geziemt. Diese plötzliche Herabsetzung benahm ihnen das Vorurtheil, uud heilte ihren Stolz so, daß sie einstimmig erklärten, sich im Christenthume unterrichten und taufen zu lassen. Eine angenehme Arbeit für den Bischof Theodorich, der nun in dem großen Umfange der seiner Pfiege anvertrauten Gegenden lauter Christen zählte. 123 Dritter Zeitraum. Das neunte und zeh Ute Jahrhundert. 1. 3?achdcm die Hunnen ,m vorigen Kriege Nlcht nur überwunden, sondern theils vertrieben, theils niedergemetzelt worden, glich das eroberte Land beynahe einer Wüste. Trauriger Gewinn der stärkeren Macht! Nun bezogen Colonisten aus Bayern und Caran-tanien nach und nach die öden Gegenden zwischen der Raab und der Gave, und villleicht alle Lander des heutigen Ungern und Slavonien, wo clttwedtr die deutsche, oder windische Sprache noch herrscht. >) Wenigstens entstand daraus die Windische Mark. Nack der Bestättigung vom Kaiser Carl dem Großen im Jahre 8u3 gehörte der ganze Distrikt zur o) Opcrunt populi vcl Slav! sive "Bajoarii inliaLitavo terrain , untie »Hi expulsi sinil llunru , el laultipli- «ari. Anonymus, fcetf otcn ^af;vfjmi&crt. i3o Diöces Salzburg, und der Laubbischof Theodo-r i 61 hatte n cbst Carautanieu rechts und links an dcr Dräu, auch das eroberte Land, welches theils zu Ober-theils zu Unter-Pannonien gerechnet war, in geistlichen Sachen zu besorgen. Eine so große Ausdehnung der kirchlichen Gewalt des Erzbischofs zn Salzburg, mißfiel dem Patriarchen zu Aquileja Ursus um so mebr, da das mittlere Noricum ursprünglich von den Zeiten der Apostel her seiluM Stuhle untergeordnet und anvertraut war. Wir Nissen, daß Carantanien das erste Licht des Christenthums der Leuchte Aquileja, den Wiederaufgang desselben aber jener zu Salzburg verdankte. Ein löblicher Wetteifer, zwey Mütter streiten um den Bcsih ihrer Kinder , und keine hat Unrecht. In der Mitte des May-mondes 811 entschied der Kaiser zu Aachen den Streit? Die Carantanien durchströmende Dräu sey künftig die Gränze beyder Kirchensprengel, die südlichen Lan-d U,il>c>l» p. ^00. iian»!?!. Ociin. 8. I'. II. »20, der die ganze Urkunde liefert. »ZI Fürst in Carantanien gewesen. Die politische Verfassung änderte sich, da die Herzoge don Friaul als Markgrafen über alle südöstlichen Länder, welche die Slavische Mark ausmachten, die Oberaufsicht erhieltet,, unter welcher die Herzoge oder Grafen der Provinzen standen. Die Avarische Mark, cons.nium llvlll-irum, war an der Donau, die dort bestellten Glänzgrafen, 6u»>ite« conlinli, lvaren Gottcram, Vernhar, Alberich, Gottfried, und Gerold, »velche Carantanien nichts angingen, so wenig als die pannonischen Herrn Pri witzlaug, Ke Mikas, Zhtoymar und Etgar, die laut des Contcxtcs des Anonymus, jrne Gegenden, woraus die Hunnen vertrieben wurden, beherrschten, und den Gränzgrafen des l:oi,e>» 3y<). UNd die ^nnal. 8t>ri»ll 3^6. ü) lie vubei« P»L' L?«. 3y9, I" 132 . gen, und zum Gehorsam genöthigt wurde, o) Mackgraf Valderich, stolz über diesen kleinen Cieg, ergab sich dcr Ruhe und dem Vergnügen, achtete nicht das Nngcwittcr, welches sich östlich über die ihm anvertraute Ml',rk zusammenzog. In zahlreichen Haufen schifften im Jahre 827 die Bulgaren den Drausirom hinanf/ und bemächtigten sich ohne Widerstand d?r östlichen Gränzen. Kaiser Ludwig der Fromme, zürnend über Valderichs Trägheit, entsetzte ihn seiner Würde, und theilte die ganze Mark der Slave« jn 4 Grafschaften; eine davon, Carantanien, katte leinen Herzog mehr aus slavischem Gedlüte (welches vermuthen laßt, daß Ingo bis zu des Mackgraf Balderichs Zeiten der le^te gewesen) und erhielt jeyt, statt der Herzoge, fränkische Grafen: den Hebinvin, räch diesem Albiger, und endlich Pab 0. So staud die politische Verfassung ill dcr ersten Hälfte des 9ten Iahrhuudcrts. 3. Erzbischof Ar no, der für Religion und Staat sehr vieles gethan, einer der größten Männer seiner Zeit, Alkuins innigster Freund, der Vertrauteste des Kaisers, und gleichsam sein Auge, beschloß fcin verdienstvolles Leben im Jahre 821. Der Carantancr Bischof The odor ich überlebte ihn nicht lange, indem scm Nachfolger Ott^ ungefähr 3 Jahre nachher von Erzbischof Adelram «u den Slaven abgesendet 0) ^nnftie» Lllllln, auch üo üuliei» S. 3»>I. 133 worden. Diesem gestattete Kaiser Ludwig icden nicht freyen Mcnsäien, 'nnnc'^:^.«, den cr zmu geistlichen Berufe tauglich finden wurde, in den Stand der Freyet» zu fetzen. Ein Mittel, dem Mangel der Neligionsleh-rer abzuhelfen; die Diözes war weitschichtig, groß die Anzahl der Kirchen, gering aber jene der Nittcr und Edlen, die sich dem Dienste der Religion widmen konnten. Im Jahre 83i, 19. Im,y schenkre dieser Monarch der Kirche zu Salzburg ein Gut (l'ulon"»,») in der Carantaner Provinz au» Orte, wo III»-"?^ m die G u rk füient , >" !al« lll>i Illli'^i/.a in Il»i in» Nuit. Vermuthlich Gurk selbst, wo die Grafen nach einem andern Diplom vom Jahre 8l^ des nämlichen Ludwigs ehedem ihren Sitz hatten (^ioni^ ln i«cc> till!'«», udi came» oNlil curium Iludui« ) In diese Epoche fällt die Bekehrung des Priwi-na, eines Fürsten im westsudlichen P^>nnonien, wo Erzbischof Lu ipram, Adelrams Nachfolger, mehrere Kirchen durch eigene ans Bayern gesandte Bauleute errichten ließ, sie einweihte, und mit Priestern besetzte. Unter diesen sind Pet tau und Fü nfki rch et» bekannt, auch jene, in der vom Prnvina erbauten Mosburg in der Gegend bey Cilley. Dcn rastlosen Eifer der Salzburgcr Oüerhittei,, dic Volker durch das Christenthum zu beglücken, konnten die Gränzen des ohnehin erweiterten Kirchensprengels nicht einschränken , er drang nördlich und südlich vorwärts, m Ober und Unterpannonicn, wohin auch die Geschichte !Z4 des Priwtna gehört, den.nan eben so wenig, als es-nen Priwitzlaug lmd Kemikas, unter die Fürsten des eigentlichen Carantanien zählen kann. <) Noch unter Luipram starb der Carantaner Bischof Otto; ihm folgte Oswald. Außerachtlassung der Subordination verursachte zwischen ihm und dem Erzbi'schofe Luipram und dessen Nachfolger Adcl-win eine bedeutende Disharmonie. Wer durch Ei-gend'mkel und Selbstachtung aufgeblasen, die Schrans len dcs angewiesenen Wirkungskreises überschreitet, verrückt die Ordnung, und stört die Ruhe. Oswald, nur ein Oliol-cpiz^m^, ohne eigentlichm Stuhl, ohne Diöces, scheint sich des Ordinariats über Carantanien angemaßt zu haben, das doch nur dem Erzbischof z«l Salzburg angehörte; er pfiegte in zweifelhaften Fallen, Mit Ucbergchung seines ordinären Oberhirtens, sich an den päbstlichcn Stuhl unmittelbar zu wenden; noch jetzt sindct man in dem sogenannten curpns j^i» ^21,0-»i^i zwey Neftripte Pabst Nicolaus I. an ihn: Ogwuiäo <>l>«rl'iN5coj,<, ^«aälanlinn, (man lese ^arantiino.) Das erste im Dekret. riN't. I, Uilit. ^. cap. 6. befiehlt, der Geistliche, der einen Heiden ermordet hätte, soll in den liayenstaud zurückgesetzt werden. Das andere erscheint eben da, cap. 39 dcs Inhaltes, man soll das Verbrechen eines Priesters, der seinen Diacon aus Zorn 135 so dcrb schlug, daß er vom Pferde siel und siavb, ill einer Synode untersuchen; wäre der Tod, obgleich un-absichtlich, anf die Streiche unmittelbar erfolgt, w sollen dem Morder lebenslänglich alle priesterlichcn Funktionen untersagt werden; hätte aber der Diacon durck) den Sturz vom Pferde etwa den Hals gebrochen, so sollte man den Priester, der sich hon einer so der-dammlichen Zornhi^e bemcistern licp, dennoch auf einige Zeit suspcndiren. Dieser Rekurs nach Rom mußte de»l Erzbisck)of Adelwin um so mehr beleidigen, je scan-dalöfer der Gegenstand desselben gewesen, und je leichter er, auch ohne Recurs, hätte können beygelegt werden. Pabst Nicolaus selbst wies Oswalden, den er sclbst nur ^!ic>l't?ii>^«i»u» nennt, an seinen rcchtmassi-^ gen Bischof, die Sache synodalisch untersuchen zu lassen. Die Folge dieses Vorfalles war, daß das Chore-piscopat mit Oswald fur je und allezeit aufkörte. Adelwin bereisete nun die weiteren Gegenden selbst, mid Vollzog die bischäfiichen Obliegenheiten in Caranta-»ne« in eigener Person : den entferntesten Distrikt, nämlich jenen des Priwina in Pannonien versah er mn das Jahr 860 mit Erzpriestern, welche Alfried und Richp 0 ld hießen. So viele Länder unter einem einzigen Bischof mußten gleichwohl die obcrhirtliche Seelsorge nicht nur sehr erschweren, sondern ihre Erfüllung und hollständige Ausübung beynahe unmöglich machen. Die Einwohner scheinen darüber nicht wohl zufrieden, sondern mit der gewöhnlichen Unterstützung zurückhat- ,36 tend gewesen zu seyn; indem Kaiser Ludwig den 6. Iäner 86/, eine Erklärung herausgab, was der Graf und das Vo k dem Erzbifchof, wie seinem Vorfahrer, thun und leisten sollen, so oft er nach Carantanien der Seelsorge wegen kommen würde. Gras G und acker besorgte damals diese Gegend (Archiv sür Geographie 2c. vom April 1812 Seite i/5. Auch nack wo5l überdachten Berechnungen über Kräfte und Wichten findct man oft bey der Ausübung, daß man sich iiberrcchncr, von jenmi zu viel/ don die-scm zu wcnig in ?lnsal) genommen habe. Salzburg sah allmahlig wohl cm, daß es ohne Bey Hilfe einen so großen, meistens aus hohen Gebirgen bestehenden Sprengel zu bargen außer Stande sey, welches mit der Zeit zur Gründung neuer Visthümer Anlaß gab. 5. Um das Jahr 8l>5 erschienen in Mahren zwey griechische Missionäre, Eonstan tin, nachher Cyrill genannt, und Methodius; dies? apostol. Männer brachten nicht nur die heiligen Schriften in slavischer Sprache mit sich, sondern sie führten auch anstatt der lateinischen die slavische Liturgie ein. Die ganze Nation hatte daran das größte Wohlgefallen, nur der Erzbischof Adelwin und scin Erzpriester Richbold nicht; dieser verließ Panuonien, jenrr klagte zu Rom, »velches aber wider die Absicht des Klägers die gute Folge hatte, daß Methodius die erMschö'siiche Gewalt über alle Slaven bis an Bulgariens Gränzen 13? erhielt, und die Liturgie in slavischer Sprache bestät-tiget wurde. 3) Das Wesen der Religion bleibt unveränderlich, die Sprache verschieden; sie ist 5 wenn sie ist, was sie s^yn soll, dis Vehikel der Wahrheit zu Verstand und Herz; was verstanden wcrden, und rühren soll, muß in der Sprache des Hörers mitgetheilt werden. Die Liturgie des Methodius war gewiß durch nachbarlichen Verkehr für Carantamen, wo so viele Slaven Wanten, zur Wecknng und Haltung des Ncligionsge-fühlcs sehr wohlthätig. 6. Unterdessen übergab Kaiser Ludwig der deutsche das Hcrzogthum Carantanien feinem Sohn Karl-mann, welcher im Jahre 861 ungefähr im 5ten seiner Regierung die bisherigen Herzoge oder Grafen aus 1. l ulcl. ^) ^ b 0 , der Carantancr, fioh nach Salzbnrg. Karlnmnn hatte seine Residenz wahrscheinlich in der Mosbnrg , ca»truin g) Hnnsiz T. II. p. 134. 135. Annal. Slyriae T. I, r. 336. li) Annal. Mcteiis. ?O?ait (elje felC Anna], Styriae, I, »33 Es gab zwey Burgen dieses Namens, eine im Cilleyer Distrikt, erbaut vom Priwina und Hetzilo, weßwegen sie auch «H^l-nm iio^iwni» hs^ß, wo Erzbi-schof Adelwin 865 das Weihnachtsfest hielt, und bald darauf die St. Paulskirche zu Werde nebst einigen andern einweihte; sie hießen: St. Margarets) bey 8p!?.!Uln, (Zt. 8orenz bey ^remborcll, ?i8l♦ i4« 37- i3g Herzog Karlmann in der oberen Mosburg selne Residenz gekabt habe, wird schon dadurch zuverlässig, weil die Nachfolger des Priwina, der Sohn Hetzilo, und der Enkel VraMav, die untere bey Cilley bewohnten. Y 7. Karlmann ließ sich von der Herrschsucht einnehmen, einer wüthenden Leidenschaft, welche die heiligsten Vande zerreißt, und keine Pflichten kennt; auch fesselte ihn di? schone Liswindeodcr Litowinde, eine edle Carantanerin, die er zu sich nahm. Strebend nach der Krön reihte er übermüthig den Zorn seines königl. Vaters Kaisers Ludwigs. Dieser kam mit einem Heere im Jahre 863 nach Carantanien, dem Graf Gun da char die Truppen des Herzogs durch eine List zuführte; Karlmann wurde gefangen, und Gundachar erhiclt das Herzogthmn, der aber das zweytemahl Verräther, zu den Maraven überging, wo er zum Lohn seiner Treulosigkeit bald umkam. Sein Nachfolger war Graf Noudbert, in dessen Bezirk am Gllrkfiufse späterhin Kaiser Arnulph 887 dem salzburgischen Vasallen Neginhard 2 Huben schenlte! i"xl» I'lumen Qluc» in loco 8elc2n», Zelt^ schach? nordlich don Friesach, ^arlmann, begnadigt vom V^'ter, erhielt seine vorige Würde, und nach dessen Tode die Krone von Bayern, und später auch von Italien, m) Da nun fein Wunsch erfüllt war, stellte 1) Annalcs Slyriae I. p. 343 — 347. hi) Annal. Fultl. imfc> BeLtiu. Styriae. I. p- 33a. etc. I/O er das zerrüttete Kloster Ossiach wieder her, und beschenkte es mit dk Herrschaft Tresen (i>o!)!nl,) ob Villach. Das kö'nigl. Diplom n) vom Jahre ,^78 bestimmt die Gränzen derselben, gegen Abend den Dvau-fiuß hinauf bis zum Ort iluuci.on (Buch) gegen Norden den Distrikt zwischen den 2 Seen; gegen O?en den (Ossiacher) See selbst, bis zum Rothenstem (Nlldea pell'll); alls der Südseite endlich die Strecke bis zum Dürrenbach: dann weiters bis zur Villacher Briicke, nebst dem Berge Namens knncow.-». Malt sehe weiter unten im dritten Stück: Ossiachs Ursprung, das Diplom selbst. 8. Beyläufig nm die nämliche Zeit, nicht lange bor seinem Tode, der im Jahre 83c> erfolgte, übergab Karlmann das Herzogthum Carantamen feinem Sohne Arnulph, den ihm die edle Carantancrin Luis-wind, vermuthlich vor seinem Aufruhr wider den Vater gebar. Man hatte also einen Fürsten ans eigenem Geblüte, der kühn und tapfer, und thätig zur Unterstützung der Religion in der Mosbnrg herrschte, bis ihn die Vorsehung auf den deutschen Kaiserthron erhob. Es lag ihm sehr am Herzen, daß sein liebes Geburtsland Carantanien mit hinlänglicher Anzahl Priester, und diese mit nothigen Unterhalt versehen würden. So verlieh cr 638 den 18. Februar zu Oettingen dem Prie.< to) Walner Annal, Millcs Ö4, sierAdalold 2 Kapelle» mit den Zehcnben und Giie tern im Ladanrthal; und sogleich den 19. des folgenden Manmvnats zu Mosburg dem Cleriker Sigibold cin^ Hübe im nämlichen Thal, in v»U« I.;»vont2 » rlumin« «il.' noi»i,!»l^. Es darf nicht unbemerkt gelassen werden, daß in den Diplomen Kaiser Arnulphs öfters Källiten cin Nei6) genannt »vird; »n reZno darünlano, ^n ^linriinniiclx,. Der Monarch schätzte und ehrte sein Geburtsland. Auf seiner Reise nach Friaul hielt er im nämlichen Jahre das Weihnachtsfest in der Kare ntburg (^urle Okli-anlilna) wo er am 26. Dez. der Miltrud, Gattin seines Mundschenken Heimo, mehrere Leibeigene zu Feldkirchen, Karenta, <2 chnalach , Fischa, Rint übergab, die zu AIb -nianns Grafschaft gehörten, welcher Roudberts Nachfolger möchte gewesen seyn. Arnulph vergabte vieles Eigenthum theils an das Erzsiift zu Salzburg, theils an das weiter entlegene Hochstift zn Frey singen zum Unterhalte der Neligionslchrer; jenes erhielt die kaiscrl. Güter im Jahre 89« den 2a. Nov. zn Marie»nsaal, zu Tresen, zu Osterwitz, zn Viktring, zu Friesach, Gurk und Gur-nitz. «) Merkwürdig ist die in der Urkunde vorkommende Ornn«n,>H civile: KarNdtstadt; »ä c:Zli>nl9Nl>«l 0) Taschenbuch für die vatcrl. Gesch, II. Jahrg. G. 23. »4» « nicht Luitbald, der eine Grafschaft in Kärnten hatte, aus der Familie der Litowinde, Kaiser Ar-nulphs Mutter, entsprossen? ob nicht Zwetboch nachher der Stammvater eines hochadclichen Geschlechtes an der Gurk geworden? Sein königlicher Vater beschenkte ihn unter dem Namen eines Hochcdlen (6u>. re 898 zuerst den 31. Aug. mit Giltern zu Gurk und im Gurkthal und zu Zeltschach; hernach den 4. Sept. mit einer Herrschaft zwischen der Mur und der Gl.rk, 2b aii'ilil.u <^l.6„;xe (Groß-uud Kleinglädniz) p) Man sehe ^«n. 5l)riue I. ^.. 3^7. 144 tia Mils« in Mot in Ik (3Jt0tlii$) usque Esttrtchestane ex una parte niuntis ad Muram fluvium , et ex alia parte-------usque ad Curcam (luviura , 9. Nun begann die schrecklichste Epoche nicht nur für Carcmtauien, sondern für ganz Deutschland und Italien; alle Fortschritte, welche bisher das Christenthum und die Cultur gemacht hatten, waren nicht nur gänzlich gehemmt, sondern zum Theil auch vernichtet. Die Ungar n (ungern schreibt man Ungern) eine noch heidnische, rohe und wilde Nation, bekriegte dnrch die erste Hälfte des loten Jahrhunderts dcn Occident mit solcher Wuth, Mord, Naubsucht, dap manche Gegenden zur Einode wurden. Geschlagen und zurückgeworfen kamen sie jcdcomal wieder zahlreicher. Mehr als einmal war, nach dem Zeugniß der Annalisten, Ca-rcmtanicn d^r Schauplatz mörderischer Schlachten; mehr als einmal verließen die Einwohner ihre Wohnungen, und verkrochen sich in Gebirgen, indessen Etaote und Kirchen ausgeplündert Ulld zerstört wurden. ner H.NNU» Ml!«!', p. 38. etc.) das heißt, beynahe um ein ganzes Jahrhundert zu frühe. 0/.«l, cin Dynast aus Tiburn oder Treffen Wird insgemein als Stifter dieser uralten Benediktiner Abtey gehalten. Er mag gar wohl der Sprößling ei- ,52 ner alten Viruner - oder einer eingcwanderten Nöm^r-Familie gewesen seyn, welche auf eiilem römischen Denkstein im Solfelde vorkommt: TEHTIO CAESAUIS L. CAVSIÄ. OCCI. F. VXOR. V. F. vivcnz socit. Onuzia die Todter des Occuz setztk ihretl Gemahl 'llülin-,, der l'illos Cäsars Freygelassener war, diesen Grabstciil. Jeder Kenner des Alterthums weiß daß On, , O«»:, c>55> gleiche Namen sind; es ist demnach nicht unglaublich; daß die 0'< l oder o?./.i schon zu Rümer-zcircn die Gegend des von ihnen wenigstens nachher genannten Ossiacher-Gecs besessen haben. Ein 0?.5i als noch Heid, vermahlt mit lrnl,ui'z; hatte einen Sohn l'o^po zu Nom , dcr dort Christ ward. Man wollte noch zween Briefe haben, worin dcr Vater dem Sohne seine Religionsvcrandcrnng verwies ihn darüber zur Recheüschaft zog, und nach Hause zu kommen befahl; dieser soll r^n^ne ^ll'.>ü<, in-i^i^ , unter der Regierung des Fürsten Carast geschrieben worden seyn. Der anoere Brief enthielt die Antwort des roppu*), welcher gehorchte, und bey seiner Heim? *) Die Briefe lauten im ^«n. Wl!ozlmu5 p. 45 wie folgt: Ozzius filio Popponi salutem. Diis palriis to rcsluntiassc, majorumtjue nostrorum Maaiinu «l eo- 183 fllnft so glücklich war, den Vater zum Christenthum zu bekehrm, welcher dann in feinen Besitzungen am See ein Kloster stiftete, das von ihm den Namen o«5'» das Christenthum annehmen, und dnnn unter Herzog C he tu mar,'und Landbischof Modest das Kloster gründen. Nach Herzog Ehetumars Hinscheiden zerfiel durch gewaltigen Aufruhr der Karantaner, die keinen christlichen Priester mehr duldeten, auch dieses neue Stift; erst Carlmann als Herzog oder als König, ließ unter dem ersten bekannten Abt Werinolf eine ganz neue Kirche daselbst bauen, welche er in dem unten gefetzten Diplom als sein eigenes Werk angiebt: 138 Jahre seiner Negierung als König 878 vergabte er an dieselbe einen ganzen Bezirk um das Stift herum, den er gegen Morgen und Abend, Mittag und Mitternacht genau bestimmte; vielleicht enthielt dieser Distrikt die ehemaligen Güter des ersten Stifters O^i. Das Diplom vom 9. September 878, welches ich durch Herrn Stadt-und Landrechten-Nath Doktor Johann Ienull zu Klagenfurt, aus dcm Original erhielt, lautet buchstablich also: In nomine stao et indlviduae Trinitatis. Karlomannus divina favente gratia rex. Si pro amore Dei et reverentia sctorum illius locis Deo dicatis nrisque laboribus a fundamentis Xpo xniscrantc constructis , sublevamina terrenarum piebere satagemus rerum , liquido nobis inde eterna crcdimus provenire premia. Quapropter noverit industria omnium sidelium nostrorum pre-sentium scilicet et suturorum, quoniodo pvo re-demtione animae nostrac ac conjugis parentumque nostrorum quasdam res nostrae proprietatis in par-tibus Carentaniac Sclavinieque a) rcgionis sita» ») Schon oben Seite 109 ist bemerkt worden, daß das mittlere Norikum mit dem sten Jahrhundert diese 156' ad scm IMaximilianum conf Xpi nee non et ad scam feücitatem septem siliorum martyrem et ma-trem Iradidimus quorum corpora in novara nräe edificationis faasilicam ad Otigaa b) collocare in timore et aniore di oconimodis curayimus cui abbas venerab Werinolfus preesse dinoscitur quatinus in luminaribus ejusdem ecclac et in ali-moniis pauperum servorumque Dei ibidem degen-tium perpetualiter profteiant in augmentutn. de-diraus namque ad prefatas serm Dei reliquias locumqtie nonnuatum curtem illam ad trebi-n a m c) cum domibus et universis ,edisiciis cum mancipiis infra curtem inorantibus vtriusque se- Namen erhielt. Carantaniell scheint den nordwestlichen, Slavimen aber den südöstlichen Theil begriffen zu haben. Ii) Der Konig muß sogleich beym Antritt seiner Regierung, oder vielmehr noch als Herzog in der obern Mosburg wohneild, diesen Kirchenbau veranstaltet haben. — Der Besitz nicht nur des Onginaldi-ploms, sondern auch des darin enthaltenen Güter-Bezirks, in welchen, das ehemalige Stift Ossiach immerhin gewesen, beweiset genug, daß man unter Otigäs nicht Oettingen in Bayern, fon-Ossiach in Kärnten verstehen müsse. c) Treffen, heute dem Edeln Herrn von Pobe-heim gehörig; anderthalb Stunden von Ossiach gelegen. 157 Xus decem et novem cum mansis LXX cum agris cullis et incultis pratis pasculs, süuis, aquis aquarumque decursibus mobiübus et imobilibus et cum omnibus pertinentiis et adjacentiis suis. Termini vero ejusdem nostrae donationis ita Se concludunt, tendunt igitur in partes oeciden-tales sursum per iluvium traam d) usque in cum locum qui vulgo dicitur ad buochun e) in aquilonem inter duos lacus qui ibi aunt se continent s) et in orientem juxta illum larum si-mulque cum eo laco usque in cum locum ubi rubra petra e regione ejustlcm laci prorainet g) et in meridiem usque in ilvulum qui durrin-Lach h) dicitur et sic usque ad pontem v ill ah. Insupcr et raontem qui vocal ur Sicouua ad eundem locum prescriptum dedimus quatinus ü) Der Draustrom. «) Buch , dcr hier begrä'nzte westliche Theil der Dräu nach hinauf war die BcMshcrrschaft Wernbera/ die sich bis nach Buch erstreckte. t) Wahrscheinlich die Gegend zwischen dem Ossia-cher - See u»d dem kleinern See ob Treffen. 8) Ocstlich vom See muß ein Nothenstcin oder Nothenfcls gestanden seyn. '>) Der Dürrnbach. 15S haec oma cum omnibus integritatibus suis ad prefatos sanctos di per hoc prcscns prcceplum nrae musicentiae perpetualiter sine ulla dimino* raticne seu molcftatione pettineant, liceatque prenominato abbati fuisque successoribus easdem res ordinäre däsponere per oma juxta id (j[uod ipsis fribusque sub eis degentibus conplaceat. Et ut baew auctoritas i^oflrae donationis per futura tem-poi'a firmior habeatur et verius credatur manu propria noa subtus eaxxi sirraaviraus et anulo no-slro sigillari jussimus. Signum Karlomanni invictisaimi rcgis. Madaluinnus notaiius ad vicem Theotniari recognovi. Data v iduum Septembris, anno Xpo propi-cio lH i) domni Karlniannl piissimi rcgis ia bauuaria el I in ilalia indictione XI, Actuni ad rantcstiotf curie regia in Dei nomine felici-ter amen. Im ,gten Jahrhundert ward das Stift durch die lMgcrischen Kriege abcrmal zerstört; von wcm und i) Muß das 55te Negierungsiahr, 678 heißen, auf welches die xi ^nhjnjyn fiel. l5Z wie und wann es zum zweytcnmal hergestellt worden, bleibt unbekannt: Wr so viel ist gewiß, daß es nach der Mitte des uten Jahrhunderts wieder in dcr Blüthe stand. Wolfram war Abt. Gcbhard Erz-bischof zu Salzburg bercisete Karantanien, dasZchend-recht, welches bisher vernachlässiget wurde, oder vielmehr wegen den Unruhen nicht vollständig ausgeübt werden konnte, in bessere Ordnung zu bringen. Nach Mariensaal beschied er den hohen und niedern Adel, und alle Güterbcsitzer, sich die Zehendbefreyung durch Geld zu erkaufen, oder sich zu gewissenhafter Leistung dieser Schuldigkeit zu verpflichten. Marquard, Herzog Adalberos Sohn, gieng mit seiner Gemahlin cllen Karantanern mit seinem Beyspiele vor, und übergab den Zehcnd in die Hände des Erzbischofs ( r^e-liok ^«Iiontol. Carintk. p. 27 ) Abt Wolfram fand sich mit seinem Advokaten Otto auch ein, und lüsete das Zehcndrecht in allen Besitzungen seincs Stiftes voit den Ansprüchen des Erzbischofcs um 10 Bauernhöfe, die er ihm abtrat. Venicns quoqno ad ArcLiepiscopum Wol f ram us Abbas tic Oseewach cum Advocato suo Ottone , consilio monacliorum et laicorum inona- lierii fidelium petilione-----------Quicquid tune tempo- ris in omnibus locis slbi pertincntibus habcre videba-tur, decimatn ad usum fralrum , X Mafsariciis juri Episcopi traditis , redemit.-------Acluin eli ad S. Ma- »■iam in loco, qui dicitur Zo!4— ( Ann. Milles, p. 60.) Nallaricia war nach Dusrezny ciu mit Feldbauge- räthschaften versehenes Haus. Maria - Saal ( H«! iSo don koüum) war bisweilen der Aufenthalt der Erzbi-schöfe, als sie nach Kärnten kamen. - -^ Abt Wolfram soll nachher Bischof in der Tre-visermcu'k geworden seyn. L i e d i n g. Noch bluteten die Wunden, welche im lotett Jahrhundert die oft wiederholten Einfälle der Nngcm dem ganzen Deutschlande, besonders in Sudost, geschlagen haben. Die erlittenen Kriegs-Ungmache haben bey allen ihren bösen Folgen doch auch die gute Wirkung, daß sie die Betriebsamkeit, das Verlorne wieder einzubringen, reger und thätiger machen. So sieng auch Karantanien bey der ersten Erholung nach dem ungcrischcn Kriege sogleich an, dcn Schaden, welchen Moralität und Kultur erlitten haben, nach und nach zu ersehen: die Regenten, die Erzbischofe, und der hohe Adel wetteiferten, theils durch neue Begründung , theils durch Wiederherstellung geistlicher Anstalten, die christliche Religion emporzubringen, und dem Mangel an Hirten vorzubeugen. Das in vielfacher Nucksicht interessante Gurkthal hatte hierin den Vorzug. Eine fromme Wittwe, Imma, welche, wie wir sehen werden, unter die Vorältern dlr heil. HlMma zu rechnen lst, erbaute zuerst die Kirche zu Lie ding zur Ehre der Jungfrau und Gottes-Mutter Maria, lind der Heiligen Martin und Gregor. Im Jahre 9?5 erhielt sie vom K. Otto II. die Erlaubniß , ebenda einen Markt nebst dem Münz-und Zollrccht zu errichten. Tn nomine Sancte ct Individue Trinitatis. OltO'JI. tlivina savente clemenlia Imperator Augustus. Noverit industria omnium lid el i um no-strorum tmn praesentium , qurim et futurorum , qualiter nos ol> interventum tlilecte Conjugis No-stre Tlicosanao , ncc non et Vencrabilis Ileronis Archxepiscopi Sanctč Coloniensis Kcclesiae, atque Theodorici Comitis, cuidam Viduae I m m a nun-cupatae in loco^ qui dicilur L u b t e n g a in pago Gurcthal , a) ct in Comitatu Batoldi Comitis» ubi jani pracdicta Vidua monastcriuru b) construe« te incepit, in honorem gloriošissimae Dei Geni- n) Ob dieser iinss'^, G a l,, die ganze Gegend der Gurk bis an die Dräu, oder nur die ersten ursprünglichen Gränzen des nachher entstandenen Vis-tbuMs Gurt, oder gar nur das der Familie der sel. Hemma zugedachte Land in sich begriffen habe? wird nicht entschieden. d) ^lunluUt','!,"", Munster, zeigt nicht allezeit ein Kloster, sondern cjne größere Kirche, li^ilicH, an, L 1Ö2 tricis Mariae , et Sti Martini Confcssoris et Gregory Confessoris Xti, per illorurw mcrita glorio-sa , ac pro stabilitate Eegni nostri potestatem do-navitnus ibidem jam pro dicto loco Mercatum ct Monetam construendi ac Theloneum rle eodem Mercato exigendi. Nos verd per praedictae Vi" dune peticionem praenominate Ecclesie Nostro imperial! Praecepto praescriptum Theloneum et Monclam per succefsura tempora potestative te-nendum tradidimus. Et ut hoc Nostrae Tradi-tionis praeccplum firmum , stabileqs petmaneat per cuncta temporum curricula , manu nostra firmavimus , Ct anuli nostri imprcssione jussimus sigil'ari, Signum Dni Oltonis Imperatoris Au-gusti , Volcmarius Cancellarius vice Willegisi Ar-chicapcllani notavi. Data HI. Id Junii Anno dni-cc Incarnat. tj75, lndiclione III. Anno veio regni Dni Ottonis XI1II , Impcry IIII. Actiun irnelebo. Gründliche Muthmassungen sind jedesmal erlanbt, lvenn für das mangelnde Zuverlässige das Wahrscheinliche gesetzt werden kann. Nach dicfcm Grundsätze haben wir hier dcn Ursprung des nächst bey iiieding gelegenen Städtchens, oder Marktes Strasburg/ welches wahrscheinlich seinen gegenwärtigen Namen vom Schlosse, das ein Bischof dort baucte, späterhin er- 163 hielt; Orait^feg.t* Novei-mt omncs — qua) i tor quaedam domiiia nomine Wich burg fcllcis rccorda-lionis Ottwini quondam corjjux comilis in sui juris fundo basilicam B Georgii M, rca e di si car i t , ibi-quc sponlanea iiionte snis consentionUlms siliis pro-jn-iis facuitatibus sanctimonialium conobium faotninarum iustituit. V. Wallncr Ann. Mille.s. p. ?M. Ich hoffe, künftig die Urkmidc aus dem Original, welches erwartet wird, mittheilen zu können. Zum Fond dcs Stiftes gehörte auch ein von der Stifterin im Iaunthal, Imm, gewuftes Gut. Das ist der Ursprung des ältesten Fraueiülosters in Kärn-ten, welches bis auf K. Joseph II. beynahe 80c, Jahre lang bliihete. Gurt Beyspiele sind selten ohne Nachahmung. Beyden frommen Wittwen Imma und Wich bürg folgte bald die dritte, mit vorzüglicherer Großmuth und Aliszeich-lnmg im Jahre 10/^2 als Stifterin nach, die hochAle und heilige Gräfinn Hemma. Vermahlt mit Wilhelm Grafen von Friesach und Zeltschach ward sie Mutter zweyer jungen Grafen Wilhelm und Hartwich. ,s6 Wessen Stammes sie selbst gewesen, haben bis^ hcr die Geschichtschreiber nicht errathen, weil sie die gleichzeitigen Urkunden entweder nicht bey Handen hatten, oder nicht gegen einander hielten. Einige schreiben sie dem Geschlechte von Peil-siem, andere vonAvelank, Afienz nnd Mnrzthal; wieder andere jenem don Truchsen, Kazcnhofen und Aber^ sperg zu. Aber bey näherer Einsicht zweyer kaiserl. Diplomen wird es offenbar, dap die heil. Hemma von K. Arnulf, dcm Kärntner, Karlmanns Sohn abstamme. Das erste ist vom K. Arnulf selbst, welcher im September 898 seinem natürlichen Sohne Zwen-tibold odcr Zwctbolch nebst andern, nachher der heil. Hrmma gehörigen Gütern, anch das Gurkthal mit Zeltschach übergab, nämlich den Distrikt zwischen der Gl üdnitzer Afpe, Leitersteig, und Eisen- hut («I' ^l^,il,l>ü (.i>n)»ral',lin l'orttoin ) heute Scharbenbrunn anf der Glanaken - Alpe, den Einsillß der M ilfe in die Metniz (»^ conll«?». tia Nils« in Ni^lni/,) heute der I ngol 6 t h alcr -Bach, welcher beym Scharlitzer in die Met-«jtz siießet: von da ans jenseits des Gebirges über den Veinwald nnd durch die Laßnitz, wo der Bach Kärnten von Steycrmark scheidet, und auf der andern Gcbirgsscite bis an die Gmk. ?lus dem Original des Domkapitels zu Gurk, buchstäblich: 167 In nomine scae et individuae Trinitatis. Arnolsus Imperator Augustus. Noueiit igitur, omnium scac
  • i diesetl Gegeilstanb verfertigen ließ, m,^ welches wortlich eben so labtet, ist folgende Stelle, die im ersten nicht vorkommt, besonders zu bemerken: Sub corta determi-natiouc ab alpibus Glodnizze ad desertas alpes, ad confluentia rnilsc in inotniK et cxindc usq: entri-chestanne ci unu parlu rikimlis uscj: al invram (lu-uium et ex. alia partc ciusdeni niontid u»s[: ad ^iir- liam fluuium. (J&fnfslUo biKljftabUd) slutf &em Öris ainas» 168 omi integritate .cmtibus ediiiciis campls, agtis pratis pascuis siluis aquis aquaruniq. decursibus jnolinis piscationlbus terris cultis et incultis ui-neis samiliis mancipiis utriusq scsus uiis et inuiis ecnsibus exitibus et reilitibus qaaesitis et inquire mlis mobilib, et inmobilib. pcrenni jure in pro-prium concedentes donauimus. Jussimus quoq. inde hoc praesens pt'aoccptum conscribi. per quod volumus sirmiterq, jubemus. ut praescriptus Z ve n -tibolch ex cunctis in praesenti pagina nrae jminiliccntiae rebus praciihatis cum omib. acce-dentiis suis flrmissimam habeat potefiatem illas clonandi vendondi commutandi seu quidquid sibi libucrit cxinde faci^ndi. Et ut hacc auctoriias lira firmiorcm in Di nomine olitinial stabilitalein, manu nra subter cam robora\imus. anuloq. nro jussimus insigniii. " Signum Domni Arnolsi serenes&imi Imp-era-toris. Vuichiugus cancellarius ad vicem Ibeot-mari archi capellani recognovi. Et (signatura cum sigillo) Data. II. Kl. Septemb. Anno, In-carn. dni DCCC. X€. VIII. Indict I. Anno dorn» ni regni Arnolli XI. Aclum llanterdors. arn. Das andere Diplom ist die Bestätiglmgsilckunde des Visthums Gurk vom K. Hciilrich N'. vom ^ahve !69 io?2, worinn es heipt: „Wir bestattigm alles, was immer unsere Vorfahre, Könige nnd Kaiser, nämlich Arnulf, Ludwig, Otto, Heinrich, Chunrad der oft genannten edlen Hcmma, und ihren Vorältcm verliehen haben." c) Gehörte nicht Zwentibold, und zwar der erste, Vermöge dieser Stelle, unter die Vorältern der Hem-nm? steht nicht K. Arnolf, Sohn Karlmanns und der Kärntnerin Lnitwinde als der erste Vcrgaber, und Stammvater, oben an? Auch die Stiftcrin von sieving Imma, welche dom hier genannten K. Otto mit dem Marktrecht :c. begabt worden, i^nß ans dem nämlichen Grunde unter die Vormittter der bcil. Hem-ma gezahlt werden. K. Ludwig schclckte dem Zwetboch 5 Huben im Thale NNu^o.^lll-ll jn der Grafschaft des Aribo zutschen den Ortschaften Staicholferdorf, Adal-poldesdorf und Wichattrdorf mit allen Gerechtsamen Uld der Fifcherel) in ^li,l>i»>,^l den 26. Sept. 9n3. Zu dieser Zeit lebte ein Graf Aribo zu Leobcn, Vater des berühmten Aribo Stifters von Gös. K. Heinri ch II. überließ dcn 16. April 10,5 zu Bambrrg dem Grafen Wilhelm 3ci Grundstücke zu Trachcnd 0 rf, seine Bes>l^ungen im Cilleyev Bezirk zwischen dem Saustrom r) Herr v. Wendtenthal ^ul',:^^,^.-» Zter Theil 5. B. Scite ^9^ liefert das ganze Diplom. und der Sana (kleine Sau) ?>«ä« und ^»>'n ^aß«,sovna in comitÄtn »no) welcher vom Sanstrom den Namen hatte. Hier das Diplom nach dem Original des Gurker-Archivs, buchstäblich: In nomine scae et individuae Trinitatis. Heinricus divina favente clemenlia rotnanoru* Imperator Augustus. Sicut multis preessc volu-naws. ita multis prodesse debemus. ut qui ex de-bito fidclium servitutis gaudemus. ex fructu re-munerationis eosdem gaudece nos debitores esse sciamus. Quapropter sciant omnes fideles nri pre-scntes pariter et futuri qualiter nos pro peticione dilectissimac coniugis nre Cunigunde iinpera-tricis ac interventu Heriberti Archiepi colo-iiiensis ac Eberhardi epi babenbergensis. Wi 1-helmo coniiti predlum quodam dedimus. memo-res eliam domne Hemme suae matris. nrae videlicet neptis. quia nobis unacum silio satis devote »epe seruivit. Pro hac quoque remuncratione eidem W. in villa quae dc ( dtcitur ) T r a s k e n -dors. XXX. regales mansos. et insuper quicquid liabemns inter iluenta Souwe et Sounc, Zot. le et Nirinc« in pago Seuna in comitatu suq ia proprium tradidimus , cum omnibus apertinen- »71 tiis. campis. pratls pascuis. siluis. cum montibus et collibus venationibus. aquis aquarumque decurs sibus. piscationib; molendinis. yiis ct inviis, exi-tibus, et reditibns quesilis et inquirendis» the-loneis. cum areis, terris. edisitiis. culti« et in-cultis, vcl cum omi militate que uHo modo in-de provenirc poterit. ea ratione ut liberam inde habeat potestatem faciendi quod velit, dandi. Yen-denili. comulandi vel sibi tenendi. Et ut haec nrue traditionis auctoritas per succcssiones tern-povum stabilis et inconuulsa , omni permaneat cvo, hanc imperialis praecepti paginam inde con-scribi ac manu proprta corroborantes. sigilli nri inpressione iussimus insigniri. Signum domni Heimici Ilomanorum invic-tissimi impcraloiis, Gunlherius canccllarius vice Ercarnpbldi Ar» chicapellani recognovi: Data. XVI. KI. Mai. Indicti. XIII. Anno Dnicae incarnai. MXV. Anno vero domni Hein-rici scdi regnantis XIII. Impcrii autcm II. Ac-tum Babcnberc felicitcr amen. Ferner dcn dritten Theil der Salzgrubcn im Tha-le A'dnwltt, und den Mattt seiner Grafschaft Friesach 172 K. Konrad II. machte oder bestattigte den 11. May 1025 zu Vamberg, und den 3o. Dezember 1028 zu Augsburg die nämliche Schankung , welcher er noch 3c» Höfe zwischen den Bächen <^>,i,lnii<, <'.il„.ii»^i^l! und vß''»nlll« , Oor^« und 8"VN« , die man von Landeskundigen in die heutigen Benennungen übersetzen lassen muß, hinzufügte. Fn diesem Pagus 5ovn» lag die Burg 8u2n<:K l ein Kloster, und flir 20 Chorherrn ein Collegium zn stiften, s) Wir wollen hierüber den Crzbischof Ba l-dliin von Salzbm-g, den sie wie ihren Vater ehrte, und dann s,e sclbst sprechen lassen. Der gelehrte Hansitz liefert zum Theil die erz-bischöfiichc Urkunde vom Jahre 10^2 (s^,». l'. 'i>,n. 11. 1». '7«.) ,'n der Original - Sprache, sie verdient übersetzt für den Landmann, hier einen Platz; s) Abhatiam instituerat cum stptuaginta probcndis Mo-nialium, o.l v'gi»ti Canouicoruin. ^jploiH Ä.JOfill« ri^ IV. 1072» z?5' „Ich Waldwm unwürdiger Oberhirt dcr Kirche zu Salzburg , mache die außerordentliche Freygebigkeit ei» tier gelrissen hochabclichen Frau Hemma bekannt: ehedem die Gemahlin des Grafen Guilielms, lebte sie schon mehrere Jahre im Wittwcnstand. Mit ganzer Secl? auf den Hinimcl gerichtet, hat sie in Kärnten in meinem Visthume zu Ehren der heil. Maria, im Flecken Gurcha genannt, eine große Kirche sLi»8illcl,in) erbaut; wo sie auf meinen Nath eine Klosterfraucn-Versammlung zum beständigen Dienst Christi einsetzte, und mich durch ihr liebevolles Ansuchen zur Einweihung derselben aus Salzburg berief." ,,Da hat sie in Gegenwart der Geistlichen und Weltlichen, der Edeln und Unedel« alles, was sie in Gurkhofen besaß , nebst ihren Unterthanen ( m.incipi!». eigenen Leuten) und der übrigen Habe, durch die Hand ihres Beamten Schwikher als Eigenthum an diese Kirche übergeben, welche sie sogleich mit ihrem ganzen Fond, nebst allem, was noch künftig an dieselbe, vergabt werden würde, dem heil. Peter und Rupert ( der Mutterkirche zu Salzburg) empfohlen hat, Indessen setzte sie die Vedingmp bey, wenn ich, oder meine Nachfolger den Gottesdienst dort aufheben, und die Güter der Kirche entweder den Soldaten überlassen, odcr wie immer uns zueignen wollten; so sollte ihr Vetter Aftuin befugt seyn, besagtes Kloster mit aller Zu-gehör durch i5 Münzstücke von der bischösi. Gewalt loszukaufen, und den Gottesdienst wicdcr herzustellen. 176 Am nämliche» Tag übergab sie nach der Einweihung des Altars alles ihr Eigenthum im ganzen Bezirk Frie-fach, nebst dem Markte selbst. Endlich ließ sie ihre Vergabungen durch dlc Unterschrift der Advokaten und der Zengen bcstättiqen, mit dem Beysatze, daß nach ihrem Hinscheiden ihre ganze noch übrige Verlassenschaft ein Eigenthum dieser Kirche seyn soll- Geschehen den 15. Aug., da wir das Fest der Aufnahme Mariens feyerten, die Kirche eimveiheten, und zugleich eine Äbtissin aus dem Kloster der heil. Ercntrnd unstrcr Stadt (Nonnberg in Salzburg) mit Beystimmung aller Geist-und Wclslichen segneten und einsetzten." — Weil man die Kirchweihen nur an Sonntagen vorzunehmen pfiegte, so mußte das Marienfest damals ans den Sonntag fallen, welches im Jahre ic^2, da der i5 Aug. der eilfte Sonntag nach Pfingsten »rar, wirklich eintraf. Eben als dieser Bogen die Presse verlassen sollte, war ich so gliicllich, die ganze Urkunde Valduins aus einem sehr alten Copienbuch bon Gurk zu erhalten. Sie verdient ihres Inhaltes wegen, besonders in topographischer Hinsicht, dem gelehrten Publikum vorgelegt zu werden. Sie heißt so: Ego Baldwinus iuvauvensis eeclesiae archi-pnslor indignus Christiane revelo univcrsitati egre-"iam libeiaHtatcno cuiustlam nobilissinie domtne 177 Hemme eonviüs Wilhalmi quondam uxorls, sed plures annos iain in viduitate permanent. us et Jiberis suisque benesiciis nee uon €tiain öb hac Uaditione segregavit illud beneücium quod miles eius Engildeo iuxta Vriesach ha-buit. Cetera omnia tradita sunt et adstipulationo predictorum testium consirmata. Adductis insu-per istis Hartwico , Vzuianna , Rapotonc , Adal» perone, Pezilino, Zuitperto. Item eodem die sub tesihnonio eorundem teftium. Ilaistrichesdors, et suburbanara curtem que prima urbi Truchsne c) subiacet. <) Was fiir eine Stadt war wohl i>uc!i3no? wes-t^r untcn liesct man d^i !'>u,«>»!« 'I'luclinon^l« mit Wcinbergcn, lvozu auch Osterwitz gehörte. Wcil das Domsiift ill der Gcgcnd zwischen St. Veit und Völkenmarkt ehemals Wrmberqe besaß, und da die vorkommenden Gitter durch den Schirm- dogt ^'il/<>, pl... MÄINNN .'»llvo^oli 5l»; ^,id«ni» an die Kirche übergeben worden; so wird es wahrscheinlich, dap die besagte Gegend der 5c.mit-.tn, ^,U^nc-N5iz, eines der Trixer - Schlosser aber ein Städtchen gewesen sey?. Bekannt sind ja iht „och Olm - Mitter - und Niedertrixen. i8o cum XL. liubis ad eandern curiasn pertinentibas j>er nianum advocati sui Aribonis predicto fcclesic in proprietatem donayit. Nee non Ge-joltesdors et quicquid in bavvaria habuit cum oinrii lege nicbil excipiens usuum, sui) ;»iTirma-ticne predictorum testium eidom eccU-sie Jegavit. Wee hoc suffecit ei, sed his donorum collationi-bus addidit legando per manum advocati sui I'retzlai svtb prediclis tcstibus omnia que in Sovntal d) proprio habuerat. subtracts 1I1I. TiHis ila nominatis Teramperch, Chotuna, Steindoif, Sirdüscgc et pvedio quod in eodrrn traciu iuxta Sow am sub quadam placi-tationc diniiserat. Posircmo traditioncs suas raanibus predictorum advocatorum ct auribus corundem testium conclusit tradens proprietati eiusdem ecclesie quic-quid non lcgalum nominatim alicui extrenio vite sue reliquei'it tempore. Acta sunt hoc XV1IU. Kl. Sept, edebran-tibus nobis assumptionem sancle Marie quo eliam 6) Eine Gegend m Nnterstcl)er. Tranberg liegt m dcr Smatbherrschlt Turnifcy Mich von Pcttau. i8l die eandem ccctcsiam consecravimus, et sanctisi-csndo ibi abbatissam. N. I t a (legendum puto : nomine Ita) staltiimus dc cenobio sanctc Erin« trudis in nostra ciuitate coramuni omnium clc-ricorum ac laicorum elcctione assumptam. Anni vero circulo transacto sopc dicta <]o-mina H. (Homma) tradidit ad altare. sanctc Dei genitricis Marie ct sancti monialibus altari seruien-tibus in proprietatem cum manu advocati sui Aribonis cleilcis ac laicis collaudanlibus Al-tanhof c) ct curtem sancti Georgii cum edisiciis et mancipiis cum giniceo cum pratis cum. tcrritoriis et siluis cum aditibus et reditibus et cum tali usu fjuali sibi servivit, insuper XL. tri-butarias hovbas ad predictas duas curtos seryicn-tcs, et quicquid. vinearum in truhnensi co-mitatu et in loco Ostcrwiza dicto habuit , duabus tantum vineis e^ecptis in loco qui dicitur Panchfitis. f) ]iuius rei tePles sunt. Perh-tolt, Willialm , llaitnid , Swickcr, Goterich , Aribo , Aaman. «) Althofen mit dem benachbarten St. Georgen im Krapfeld. l) i'«n< l,l'itlz ist unbekannt; vielleicht heißt es im Original 8ancl>ti3. 182 Uno eoflemque die cum devoto clericorurn ac laicorum consensu sub eisdem etiam testibus ChrMowa cum aliis villis quovis iure possesis tradiclit ad altare sancte Dei genitricis Marie et sanctimonialibus ac clericis eidem altari servien-tibus in proprietatem, Ut autem liec et omnia que past mortem Suam iutcsiaLa relic|uerit quorum omnium factam prius delegationem iursus innovando beatam Dei genitriccm Mariam loco filiorum beredem con-slituit nullus umqnam ab oadem ecclcsia alienare vel ditniriuei'e pos&it sed sub tuitiono sancti Petri €t beutt Roudberli secura libertale sruatur, nec non ut eiusdem libertatis lex futuris temporibus non ignoretur rogatu eiusdem memorabilis domine Hemmc atque predictorum advocatorum suorura assensu hanc paginam inde conscribi feci omnium-que clcriorurn ac laicorum collaudationcm ad sig-iiuni consirmationis in capile sigillari precepi ad-hibilis supradictis tcitibus, Die selige Stifterin selbst hinterließ Ml schriftliches Zeugniß, uelchcs die Relation Balduins bestattiget. Ich sah es im Original, und ich ward von einer unwillkuhrlichen Ehrfurcht, voll einem sanften Danfgefuhle ergrissen: es iß vom 2. Febrnar hes Iah- 183 res 10^3, mid enthalt eme Verordnung über ikre nun der neuen Kirche zugehörendet» Beamten und Unterthanen. Sie macht darin kund: „nachdem sie durch den Tod ihres seligen Gemahls in den Wittwenstand versetzt, und durch grausamen Mord ihrer Sohne beraubt worden , so habe sie ihr ganzes Vermögen an die Kirche vergäbet, und zuGurk das Ordenskleid angezogen." In diesem erscheint sie auch auf dem noch ganz unverletzten Wachssiegel demüthig und ehrwürdig mit der Legende: HEMM A FVNDATrilX GVRC. ECCLESIE. 2( u $ b e m .£) r i g t tt a f: In nomine sec (sanctae) et individue Tri-nitatis amen. Ego Hemma divina mia ( miscTicordia ) Gur-censis eccle (ecclesiae) licet indigna fundatrix notutn facio oranihus Xpi (Christi) sidelibus tarn presentibus quamfuturis, cum marito meo beatc inemorie viduata et ftliis meis male pereinptis orbata ornnem possessionem meam tam in hoi-bus a) (hominibus) cjuam et in aliis rebus pro «) Eigene Leute, Grundunterthanen, ^okao »äscrl^tl, von denen in dieser Urkunde die Rede ist. 184 - / remedio anime meo , et mai-iti me! et Filiorum meorura salute ecclcsiis b) crogarc et habitum religionis Gurke induere, omnem samiliam raeam c) cidem ccclesie taliler delegavi ut qiiicunquc pri-mogenitus illius familic a proprictate Iibcrari vcl-let dimitlium talcntum et W. denarios ipsius eccle abbatisse confcrret , d) rcliqui autem puc-ri hanc libertatcm habcre cupientes secundiim placitum tocius conventus se rcdimerent. Mini-sterialcs quoquo quös «idem eccle donavi eisdem liorntnibus ab eccla inbcneüciati hoc jus iufringe-rc non presumnnt si licencia^ eccle illorum primo-genitis supradicla pocunia l'cdcrnptio conccda-tur, ceteri vcro fiiii rcdimi vetentur alioquin «ccla magnum daranuin in samilia conaequerctur. Acta sunt bee apud GurUeboven. Anno in-carnaU Dni M. XL. HI. Indictioae XI. III. Non. Febr, feliciter amen. d) Nebst dcr Gurkerstiftung begabte sie auch „och andere Kirche«. o) lamina sagt eben das, was i^miilO«,. 6) Ein Talent galt m,gcfähr sl) vil'l, allj n ichher ein Mark, oder harter Thaler, anf 2^) Schillmg gerechnet. (5clll.'t^ !^ln»H^l'. ) »8s Um diese neue Wanze wider künftige Uneinigkeiten zu schlitzen, trat dcr eifrige Oberhirt nMn'iil den Zchcud und alle Gerechtsame, die er über die an Gu rk dcrgabte Kirchen hatte, der Stifterin u«mma ab, und erhielt dafür von ikr das Gut Neichenburg an der Save, und Edilach in Friaul; worüber er am li. Iäner io^3 zu Gurk folgende Urkunde ausfertigen ließ: In nomine Sanclc et individue trinitatis antcn. Ouoniam labcnte Temporc mobilis quotjue la-ljitur autus dignum else vidctur ut que pie et con-sulle ieruntur , nc cum iransitoiii» minus erpio pcreant per tcnatiorcs litteras future mcmorie inscrantur. Hinc itaquo inftinctus ego Ralde- y "win us divina dispensante misericordia iuuaven-sis ccclosie arohipaflor indignus omni evo no-turn else cupio qualiler videlicet nobilissima do-lnina II cm ma egregio coniuge cius defuncto coinite scilicet Willhelmo diu Tiduata facta piimitus fundatione gvrcensis ecclesic, ibidem «ue in honorem Xpi genitricis sue virginis perpe-tue , a b b a I i a sanclimonialum una cum reli^iooe canouicorum in&titula, ex cotnmuni consilio suovum et nosire dignitatis 186 ' prelatorum in nostre commoditatis prosectum et sue fundationis honorem et augmentum quoddam nobiscum iniit concambium. Ecclesiarum equi-dem suarum monasterii scilicet sancte Marie gurk, capelle. S. michaleis in glodniz. ecclesiae S. marie et sanctorum confefsoruna Gregorii Martini in lvbedingin. ecclesie S. Radegundis* capelle, S, Lavrentii in raonte. ecclesie quam aput forum suum Friesach iam construere ceperat. ecclesiarum, S. Lumberti. S. Georgii, et Sancte Margarete in truchsen per piediura suuin constructarura siue post hac conftruendarum a) omnia ecclesiasiica iura ad nos portinentia, ordi-nationes scilicet et administr'ationes baptismum et sepulturam et omnes decimationes prediorum suorutn per carinthiam iacentium inodico iuxta motniz ad usus operariorum nostrorum excluso in libertatis sue potestatem aput nos enodavit. quibus Gvrcensem ecclesiara in stipendia dco ini-bi servientium prompto asscnsu et fauore nostro dotavit, Hviu» vero cambiUonis iure preJium quod aput Sowamin richenburch habebat et aliud «) Auch diese Kirchen verdanken ihren Urspnmg der seligen Uemma. 187 quod Ed i lach dicitur aput forum iulii oommuni assensu fidelium suorum quavis contra-dictione remota per raanum adrocati sui Prea-1 a i nobis donavit. Eo tamen pacto et tenore quod si quis ipsum monasterium haius ecclesiastici iuris in ecclesiis sive decimis per instinctum dia-ho\i destitueret anathema esset et inperpetuum particeps cum infidelissimo iuda exiflciet. Ifti autem «unt termini prediorum quorum predicta ccclesiasiica iura redemit sub certa determina-tionc ab alpibus Glodniz usque ad co-niuratum fontem ad cursura milse in motniz et exinde usque entrihistannc ax xi n a parte raontis usque ad muram fluvium. et ex alia parte montium us-queadgurkamb) et prediuoi aput celtiach , et predium quod truhdenthal dicitur et in monte diesb. Tali itaque concainbio bono zelo et con-sultim determipato et utrimque sanccito rei ge-He seriem hac in pagina conseriptam sigilli no-sni impressione communivimus. Huic facto inter- d) Man bemerke hier den nämlichen Bezirk, den K. Arnolf «9^ dem Zwentibold nbcrgab. Oben Seite 16?. Not. ») 183 fuerunt A sch win c) advocatus gvrcensis cccle-sie, Supradictus Prezlaus delcgator ipsius predii.* Swikerus, Arbo advocati ipsius dotn-ne. d) Pcrtholt , Grim, Friderich , Meinhart, Engelbrccht, Anno, Anzo, Wolfolt, Rathot, Engildie, Herman, Sicco, Rvthart , Sigebolt , Alxcr , Ysac , Wolfram, Hartwic, Axeman, 13e-zilin. Swikcr , Ei-nist, Willeham , Meinboto, Vdelant, Hanno , Chaloch , Dietrick , Wolfolt j Reginhatt, Rafolt, Guadacher, Ezman, Pezij , Walfrid, Gero, Dietmar, Sicco, Ovlmvt, Az-man, et aiii quam plures , Acta sunt hec Anno ab incarnatione donüni M. XL. TIT. Jndiciionc XI, VIII. Id Januarii celebrantibus nobi'i cpipha* niam domini aput gurlienhoven feliciter Amen, ?llsi sie im Frühling in/,5 in eme schwere Krankheit fiel, und bald aufgelöset zu werdm wünschte, bath sie, um über ihr Stift alle mögliche Vorsorge, und über ihre noch übrigen Gitter die letzten Veranstaltungen zu'tressen, den Erzbischof Valduin noch einmal zu sich. Sie setzte unter andern fest, 20 Chor- c) Ein Blutsverwandter der seligen Nomma. Siehe vorstehende Urkunde Valduins Not. !,) St. !^conhard iin Bade, Mi,'>n5ä«rl', .^n»»«»«^!!, odcr «ei«n>illi, jetzt Neisnitz, ein Forst eine Stunde vom Schloß Albeck. <3o verließ die heil. Stifterin zur Esire Gottes und zum Nutzen der Kirche alles, was sie hatte, cr-riclitete hierüber am 27. May rmc förmliche, mit ihrem eigcncn, und Valduins Siegeln bekräftigte neue Urkunde; l,) und nach ^ Wochen verschied sie am 29. Iunius in den Himmel. Schon über achthalbhmldert Jahre gem'cpt Kärn-ten die schönen Früchte ihres lvohlthä'tigcn und groß-wüthigen Opfers; imd kein wahrer Patriot wird ohnc die angenehmste Regung des Dankes sich ihrer, als der besten Mutter des Landes, erinnern. Vielleicht entsteht bey einigen der Wunsch, daß wieder eine Hem- !>) Man kann sie in V. ^Venätentlial 4«kriÄ «acl-H .°>. Th. s. V. S. >i85. nachlesen. 190 ma kommen möchte, einen Zufluchtsort für die Reinigkeit der Söhne und Töchter, und ein Haus fur ihre Versorgung zu stiften. Noch itzt, nach etwa 7?5 Jahren seit der Grün,, bung der Kirche zu Gurk, muß der Wanderer, er seye Kunstkenner oder nicht, beym Anblicke der Gruft oder des Chorfundaments in Erstaunen gesetzt werden. Man steigt auf beyden Seiten des in der Mitte sichenden, und in neuern Zeiten mit dem schon aus Bley gegossenen Vesperbilde gezierten, Kreuzaltars über geräumige Sttintreppcn hinab; beym Eintritt wird. man von der Ansicht eines künstlichen Steinwaldes so überrascht, daß man umvillkührlich stehen bleibt, den sonderbaren und unerwarteten Anblick zu gemäßen, dann aber gereizt wird, Schritt für Schritt weiter hineinzugehen, um nähere Einsichten zu erhalten. Das Zurückdenken in die Vergangenheit erhöht den Genuß: wie? eine hochedle Dame ließ in der ersten Hälfte dcs eilften Jahrhunderts dieses Prachtgcbaude aufführen? ihre gesegnete Neberreste ruhen noch da, selig wartend auf küuftige Verklärung! itzt schon, und lange schon, der Gegenstand ocr Verehrung des dankbaren Volkes! — Ein so schönes Monument der Religion in einem von d-r Welt abgesonderten Thale, einst die Pfianzschule eifriger Seclenhirten durch diele Jahrhunderte, die Ruhestätte frommcr Betrachtungen, !9l wo bey Tag und Nacht das Lob des Schöpfers erscholl: itzt nur noch eine Pfarrkirche! Nebst 6 starken Pfeilern unterstützen ino, sage ein hundert, sechs bis sieben Schuhe hohe, einander ganz gleiche Säulen aus hartem Granit das künstliche in schönster Ordnung vervielfältigte Gewölbe, auf dcm der Domchor ruht: dieses prachtvolle Fundament ist ein reguläres Viereck, ungefähr 3o Schritte lang, und eben so breit; wo man immer hinsieht, sieht man auf aUln Seiten und in den Diagonalen erhöhte regelmässige Hallen auf freystehenden Säulengallerien schweben; auch leuchtet überall das nöthige Tageslicht hinein. Rechts vorn ist das ehrwürdige Grab der seligen Stifterin, der Altar stellt ihren Tod, als Sinnbild der christlichen Liebe, im weißen Marmor vor, rechts lmd links ziehen die sehr künstlich gemeißelten Statuen des Glaubens und der Hoffnung aus dem nämlichen Stein die Augen an sich. Die Kirche selbst ist schön und groß, mit kleinett Fellstern, aber doch mit hinlänglicher Helle versehen. Vor dem Eingang ist das Paradies, die Ruhestätte der ehemaligen Negulärdomherrn; ober demselben einst der Chor der Klosterjungfrauen. Das Presbyterium ist geräumig, prachtvoll erhebt sich da der Hochaltar, welcher eine ganze Sy- 192 node der Heiligen von jedem Range ill Bildhauer-Arbeit vorstellt. Gupk B i s t s) u m. Seit der Mitte des 9ten Jahrhunderts, als dcr Bischof des Landes, Oswald, dic schuldige Subordination verletzte, schickten die Salzburger Obcrhirten keine Bischöfe mehr nach Kärnten, ließen den Stuhl zu Mariasaal unbesetzt, und verwalteten das Oberhirtenamt in eigener Person über 200 Jahre. Allein die weite Entfernung ihrer Residenz, der große Umfang der Erzdiözese, die hohen und rauhen zwischcnlicgeu-den Gebirge oder Tancrn, die schlimmen, das Reisen sehr erschwerenden Wege, endlich die von Zcit zu Zeit, besonders beym Schisma, sich ereignenden Unruhen und Feindseligkeiten machten eine vollständige bischöfliche Amtsführung beynahe unmöglich. Der eifrige und gewissenhafte Erzbischof Geb hard, gerührt durch diese Ansichten, fürchtete an seiner eigenen Seele Gefahr zu laufen, daß er Pflichten über sich genommen hatte, die er zu leisten nicht im Stande wäre. Er faßte also den wichtigen für Kärnten so vortheilhaften Entschluß, zu Gurk einen bischöflichen Sitz zu errichten; wozu er sowohl vom Pabst Alexander II. als auch vom K. Heinrich IV. ohne Anstand die Einwilligung erhielt. Die zweyte Äbtissin Himzela war ohnlängsi gestorben. t^3 lim nut, dcr großen Allsführung ftilics Entschlus-fts niebr Nachdruck und Fcyerlichkeit zu gcbcn, versammelte Erzbischof Geb hard, sobald angenehmere Frühlingstage das Reifen gestatteten, zu Gurkhofen, die Bischöfe Otto fton Neqensburg, und Altmann bon Passau, nebst mehreren Prälaten und Hochedeln des Landes, unter denen Markgraf Starchand, dem die Advokan'e der Gurkcr Kirche zngehörte, mit den Chorherrn und Beamten sich cinfand. Es war der l>. März w/1 l) am Fasching-Sonntag. Die ganze Versammlung zog mit angemessener Feyer in die Kirch?, wo Geb hard mit pabstlichcr imd kaiserlicher Bewilligung, auf die Stiftung der he«l. Hemma ein neues Vischof-thum zu errichten, den Vorlrag machte, welchem alle, die zugegen waren, gutwillig und freudig beystimmrcn. Ohne Verzug schritt man zur Wahl; der edle Herr Günther von Krapfeld ward einstimmig zum ersten Bischof enmnnt: Geb hard bcstattigte die Wahl mit Ertheiluug des Ningcs, der Probst von Gurk, Ari-bo aber mit Darreichung des bischöflichen Stabes. Dann ward verordnet, daß künftig die Wahl, wie jtzt, jedesmal in Gegenwart des Erzbischofs vor^cnom- j) Nicht iu?2, theils wcil der 6. März in di^em ^al> re kein Sonntag war; theils wcil K. Heinrich 1V^. schon am 9. Ianer dcs nämlichen Jahres ,«72 die Gründung des Bisthums, und die Wahl Günthers, ersten Bischofs, als cine schon geschehe Sache deMi^te. N '94 men werden — und der Gurkische Bischof in Salzburg, der Salzburgische ill Gurk wahlfähig seyn sollen. Endlich übergab Geb hard dem nenen Bischof, und seinen Nachfolgern die Winde des Generalvikariats über seinen ganzen weitschichtigen Kirchensprengel. So ward für das Christenthum in Km-nren besser gesorgt, und dcm Erzbischofe die Arbeit merklich erleichtert. Hier folgt die Urkunde nach dem Original: In nomine see et individue Trinitatis. Ego Gebehardus a) (sic) opitulante mia ( wise-ricordia) Domini nri Ihesu Chri Juvavensis ec-cle archiepiscopus notiiico universitati ildelium, qualilcr nos assumptis nobiscum veneiabilibus cpiscopi« Ottone videlicet Batisponense , et A 1 tin anno b) Palaviense, et praelatorum no-flrorum ceterisque principibus prudentia sunda-tis, Consilii aucloritate claris, honeslate conspi-cuis , ecclesie nolire in futurum providere cepi-mus, quantenus siqua in ecclesia Dei a nobis aplica Teritatc utiliter laborata fuissenl , rat a ct inconwlsa perpcluo habei'entur, mulanda muta- 9) Geb hard war Erzbischof von 1060 bis 1088. d) Bestieg dm Stuhl zu Passau ,u^5. Sein keben beschreibt ebenfalls u«n-i^ ^oi,», 8. ,i'. ». ^. ^^5. 195 rentur, corrigenda corrlgerontur. linier cetera venit nobis ad memoriam obitus dne Himczele venerabilis abballsse de G u r k e n h o v © n. Et (juoniam fretjuentcs et magnas asperitates viarum per durissima montana paciebamur, et pacis tran-quillitas tune teniporis rara vel fere nulla suit , oonsilio et auxilio supra dictorum principum t et praelatovum noslrorum, nee non et consilio canonicoruvn , et miniüerialiuin gurcensis ecclesie et advocati eiusdem ecclesiae, Starcliandi c) inarchionis, episcopum apud Gurkenhoven ordinäre proposuimus turn propter diversa mala «) Stcirkand soi-tl« man», wcir um dicse Z?it der Zuliame dcr Grafen zu Sau neck oder Soaneck in Nnterstcyrr, wo die Kirche zu Gl,rk beträchtliche Güter hatte, über welche die dortigen Grafen a«u leichtesten die Advokatie ausüben konnten. Mciit sindet in dieser Periode drey solche Starkhandc als Markgrafen in Äarnten, Ulrich 1., Welcher ic>?a starb s dmm 2 Brüder i'<»^l>» und Ul- riol,, den IÜNgerN (^nn»I. 8t>riao Q I. „. ,52. 3<)ll. ^yb.) Ob I'op?« oder uir;<>,, II. d^. N^hs ^^ ^ sien Bischofes zu Gnrk beyhqewohnt babe? laftt sich nicht zuverlässig bestimmen. Wahrscheinlich war's i'Qp,,'', weil ^>> i^ii ungefähr 2n Jahre spater, als Erzfeind der zum Pabste haltenden Geistlichkeit, den Erzbischof 'rl>i<',.in, Nachfolger des Ged-harb, auf das grausamste verfolgte.. N 2 196 et negotia que nos in Karinttiia diu tnanerc non sincbant , turn propterca quia episcopatus nofter tante erat anipliludinis quod millo modo ecclesie dei in divinis satis sue ere potuinms periculum anime nostie in hac parie valde pertimescentes. Tale igitur propositum episcopis prenomina- tis , et prelatis et religiosis honestis viris propo- nenlcs , consensum ei bonam voluntatcni tarn ca- nonicorum cj[uara minisierialium Gurccnsia ecclesäe . inrenimus, et supradicti Marchionis. Sed quia ecclcsia Gurcensls timebat se posso in suturum a nobis vcl a successoribus noslris post tale factujn deprimi , et in proprielalcm quasi ex noflra inditutione ab ecclesia noflra redigi, le-gatos nostros potiores ad dominum et patrcin no. strum papam Alexandrum secundum direxi-mus , omne proptfsitum nostrum et ecclesiae Gur-censis ei plenarie insinuantes , Cuius animum per omnia ad nostram voluntatem et gurcensis eccle-sie optatum inyenientes inter cetera mandando iniunxit nobis ut propositum nostrum et ecclesie Gurcensis non ad destructionem sed ad magnam ulilitatcm illäus ecclesie et nöftre et ad honoris Dei non modicam sieret excellentiam. Hanc igi- 197 tur legationeni summJ pontisicis clignc recipienles nobilioribus et prirnis eccl^sie nostre prelatis et canonicis et ministeriulilms assuniplis convocatis etiam episcopis prenominalis , ct prelatis aliarum ecclesiarum, guicensem adivimus ecclesiam bo-num inceptum atl prosuctum Dei et homi.iuiu , et illius ecclcsic peiiicerc desudantcs. ]Sos autem in sancto Collegio tarn canonico» rum quam minifterialium, gurcensis ecclesie sc-dentes: Dominum Guntherum nobilcrn viiuiu oriuntlum de Chraphelt communi et übern elec-tione et pari voto elegerunt : cui nos unulum pontiiicalem imponentes confirinavimus. Pielatus vero illius ccclusie baculmu ci padoralcm repre-ßentayit. (1) Et tjuoniam gurcenscm ecclesiam speciali prerogativa dilectionis ab aliis ecclesii» magis su-mus amplexati statuimus et in perpetuum ratum esse Yolumus ut obeunte supradieto Günther o l5) Daher der noch lange beybehaltene Gebrauch, daß der ncuerwahlte, und bom Erzbischof zu Salzburg bestattigte Bischof zu Gurk vom Domprobst auf den Cathedralsitz gefiikrt ward. Der erste war ^ ^ >!, o, welcher dcm Bischof O un li. ei- den Hirtenstab rcichte. 19» nunc elusJem loci epi«copo : vcl suomm quoli-tet successorum, nullus ibi qualibet snbreptionis astutia seu violentia episcopus cligalur, nisi in pres^ntia uoCtra vel successorum noftrorum qui-cumque episcopatum ivuavensem canonica electio-ne possidet, ita tamen quod nullam inferamu» gurcensi ecclesiae vxolentiam , cum liberum ha-buerint ia prima cleclione arbitrium. SÜ autem quod euenire potest aliqua inter eo» in electione sue fit orta discordia nos eos ad concordiam consilio majorum eiusrJom ecclesie saniorisquo consilii duorum aut triurn secundum quod nobis Duminus inspiraverit rcvocare debe-mus. In hoc ctiam conveninaus cum utriusque ecclesie prelatis ct canonicis et ministerialibus. quod, prefatus episcopus Günther us eiusquo iuccessores oinne ius electionis in perpctuum lia-Leant in iuvavense ecclesia , quale nos et nostii «uccessores in gurcensi tenemus ecclesia. Preterea o m n e m vicariam nofui cpisco-patus tain in spiritualibus quam in tempovalibus supra dicto episcopo et eius $ucccssoiibus ia euum coniDiittiraus agendam. 199 Termines quoque LarocKiarum pvoptcr va-rias tribulationes quas patimur sicut et alii ante-cessores nostri non nullas div persecutiones susti-nuerunt rnandatum domni pape super hoc acci-piontes hoc temporc assignare "n" valemus sed ocio recepto per Dei miscrieordiam statim imple-rc sunaus devoti. Hoc itaque pretereundum non eft quod co-ram episcopis predictis, et prolatis, et reliquis principibus regni fad um est et hoc ipsum ratum esse et stabile in perpetuura yolumus , quod ca-nonici et miniüerialos utriusque ecelesiae , unum et idem sint in omni fidelilaüs et societatis copula, et ministeriaJes liberum arbitrium habeant nubendi ad inuicem ab utraque ccclesia, Addi-mus etiam hanc legern et conditionem ut si nos vel succcssorcs nollri gurcensem ecclesiara in pro-prietaiem quolibet usu velimus redigere vel epis-copatum ad alium qucmquam locum transferre ob hanc causam quod nos possesionem episcopi quam prius abbatia et; canonica integraliter habuerant, in proprietatem iuvauvensis ecclesie ab ecclesia gurcensi velimus abstrahere, supra dicta ecclesia cum advocaio suo predictum locum cum omnibus ad id (sic) pertinentibus ab episcopal* potesinte »00 XV numis sibi redimere ius babeat et pristine U* hertati reftituere sicut in privilegio Baldewitii antecessoris nostri pie recordationis scriptuni in,-* yeni/nus. e) Et ut hec institucio atquc ordinatio pvesata cpiscopo suisque »uccessoribus et gtircensi eccle-sie stabilis et inconvvlsa permaneant presentom pagioam ad ipsius episcopi et gurcensis ecclcsie pcticionem conscriptam sigili noftvi inpressionc roboramus, Acfa suiit l>ec anno ab incarnatione Doming inillcsiino. LXX Tl. Indictionc decima. Sul> domno Papa Alcxandro II, npotiolatui cius ivnno X. I'ontistcatus ycro noftri XHI. t- Datum apud Gurkboven. II. N. Mar. se-liciter amen f) In der Mitte ist das noch unverletzte runde un^ gefähr 3 Zoll breite Wachssigill, welches dell Erzbii schof im Ornate darstellt mit der Umschrift: c^doiin,'. <>) Mail sehe oben Seite I?3. s) Allem Anscheine nach ist die in dieser Nrkmide erzählte lind bestättigte Handlung um ein ^fahr friihee geschehen. Man sehe obeli Seite 19.) 3tot. i.) > ' . 201 K. Heinrich I^. hat im folgenden Jahre 1072 dcn 9. Ianer zu Regensburg das alles gut geheißen und mit kaiserlicher Macht bestättiget; !<) zugleich Verordnete er, wie folgt: Der Erzbischof soll mit Sorgfalt darauf bedacht seyn, daß er zu dem von der heil. Hcmma an die Gurkische, Kirche bergabten ansehnlichen Fond auch noch aus seinen Gütern und Zehendgefallcn ctlvas beytraae. (^t I^ccicuil» 1»,N nokilil«. — l^o8ui8 eti»!<> , ill o->l , ^Irdll),l« : tu,', rt tn,'.) Dicses neue Bisthum soll frey, und vor aller äußerlichen M,:cht gesichert seyn, nur soll der Bischof als Vikar des Erzbischofes zu Salzburg dcmsclbcn Gehorsam »nd Ehrfurcht erweisen. — Alle Fordenmgm, die von Ncichswegen all die Giiter dieser Kirche gemacht werden könnten, seyen auf immer nachgelassen ( "»ivorsuin jus uä »^gnnln .<,i>cc!.-lN5 . in ovom !',?,nwlMll!l5.) ?llle Salz - und Metallgrubcn Don jeocr Gattung, welche in den zur Kirche gehörigen Gründen liegen, sollen auch derselben zugehören. Der Vlschof soll im gangen Gurkrhal jede Gerichtsbarkeit auszuüben haben, mit Ausliahme des Vlutgerichts nnd über Diebstahl; doch sott auch da ein bischöfiicher Beamter beys.tzen,. Was immer Kaiser und Konige dom K. Arnulf an bis auf diese Zeit den Vorfahrern der Hemma und i') Man sehe dcssen Diplom beym V. 'Wenäefuli,»! ^uür. 202 ihr selbst verliehen haben, soll dem neuen Visthmn be-sta'ttiget bleiben, nebst der Villa Gerolosdorf in Bayern, welche K. Heinrich 1^. selbst der Äbtissin Himzola schenkte. Am nämlichen Tage erhielt auch Probst Aribo zur Sicherheit des Eigenthums, und der Gerechtsame seines Cborherrnstiftes, die kaiserliche Bestattigung aller von der seligen Srifterin zugedachten Besitzim^en durch folgendes Diplom: In n«mine aanctae et individue trinitatis Hcinricus divina favente Clementia Rex. Regiam dignitatem decet honorcs ecclesia-rum dei sublimare et ftabilire , ut post cum Xpo in eterna requie liceat feliciter vivere. Vnde cunctis Xpi nostrisque fidelibus tarn futuris quatn presentibus notum esse volunms , qualitcr Aribo nobilis vir primus dilecte nobis Gurcensis eccle-sie prepositus petivit a nobis, quatenus sicut Ka-thedralcm scdem eiusdem ecclosie quam propter nimiam amplitudinem sue parochio dur^squc la-bores uiarum dilectus noster Gebchardus iuva-•vensis archiepiscopns sibi in coadiutorium divi-noruni cum consensu cleri ac populi ipsius Gvr-censis loci a nobia fundari obtinuerat regalibus instrumenlis dotatam ad laudem dei et sauctc ge- ao3 nitricis sue Marie pcrpetue yirginis confirmave-ramus , ita quoque preposituram et iura preben-daria canonicorum ipsius ecclesic omni exempta potestate libera esse decerneremus, et ut nullam in his que vel prcsentia habcrent vel adhuc in poiicruni de presentium augmentatione vel etiara fidclium religiosa donatione conquisituin cssent alicuius yiolentiam sustinerent. Itogavit preterea prefatus ac dilectus nobis prepositus ut ob spe-ciale remedium anirne Jioslre ct amorem dei sanc-teque ecclesie ipsi Gvrccnsi prepositure sodinas et metalla cuiusque generis que in prediis vel jnontibus corundecn canonicorum repperiri pos-sent rel etiain saligincs et siqua alia similia que regii iuiis cssent in eorum polsel'sionibus eis ad subsidium prebende sue donavemus ac donata privilegiaremus, Igitur pclilione predicti pie-posili large anuenles, astipulantilms ei adhoc pre-fato Gebehardo iuvavensc archiepiscopo, nee noti Gun the ro primo ipsius Gvrcensis ecclesie epo, et Starchando eiusdem eccleaie advoca-ta , ac confauentibus Annone coloniense ar-chiepo , et Ottone ralisponensc , et A 1 t. -m a n n o pataviense episcopis, aliisque princi-bibu5 rcgni qui tune prcsentes crant, et per in- 204 torvsntmn cillccnsljlino coniu^i» noltro, at sln^ni»ni »neciglo prel-a^atiua Hileotioni« (Hurcensein eoels« »iam ut^oto »peciale momdrum insmori« nallrn ampleclimur ac äilißimuz , inz» prememorato ^io« ycciozie unlvorzuni !u3 acl regnuin g^eot^n» vi-äolicet in omniku« metailig cuiu» cuinciuo ^onoii» »o 8«^1u^ini1)U8, <^uerum^u6 in ooruin doin» tain vol »ätinc ^»osziäonäi« , in montibu» vei in> oum. r»6llril>u3 inveniri ^»o^unt, »eu l«ra voi sor«nz>2 iura , voi pigcarias , et ea <^uo premilza 8unt iuv-tu nuaä ii»5o ^io^ositus a no!il3 ^»elivit larßli libo« raU^te ei» clonauimu» , ut in Iii» omnibus nicll» nent c^uic^uiä »il^ et ooolezie ^roluturum el8e in-teNoxerint. Insurer otialn »H oiu»6ein ^»ro^o-»in et lratrum »uorum ^i^tltionem et inüanliam prezondo 8upi» memoialo (^untkoro ^»rlmo i^l-5,U5 eol:i68i(? opo , iu» omno ^uoä comili^a IIom-in a loiici» rccor^INonl» olugäom l^vroonzi» elicle-zie suntlalrzx dovola in ^iima lunäationo »ua sci< licet ^u»n et cananicig oiuz traäiäid in ooni-muni. ^l^«l> cum noiuc»ril,u8 , »cilices in Wi«-. ao5 priach, a) in Vlatniz, L) in IWodriuli, v) in Palt, in Z y c h c, d) in Goznrisl. , c) in Timnich, s) que ipsis canonicis adiaceiil , ad quamcumque velint utilitatem €t liominibus ro-rum, sive ad ligna edisiciorum, sive ad nsuni ignis, et queclam predia scilicet Mirinsdorf, Hvrde, P r o li p a t, A z z e n d o r t, Gcnsdorf, Bcmsnich, Salchendorf,g) et curtcra apud Gvrkclioven auctoritate regia in perpctuum illis consirmamus, eosque ab orani iniufla cuius-quam violentia eximentes , et in omnibus pacatos esse Tolentes, in nostram illo» regiam protectio-nem omniaqnc eorum quasi nofira tuenda suscepi-iniis , et ut nullos dux ycl comes in illo loco ii-bere sibi iudiciariam potestalem vendicct, nisi qucm ipsi sibi communi consensu elcgcrini, ex- l>) Ein 2 Sttmden langer Graben im Landgcrlchte Grades, nimmt miter Grades ftincn?luod »iqnis teligiosum factum nostrum temera-rio ausu violaro prcsumpscrit quod ab aliquo fieri non speramus , dco et sancte genitrici sue Marie perpetualiter ulciscendum comittiinus. Signum Domini Ileiarici quarti rcgis Sige* hardus Cancellarius vice Sigefridi Archicancella-rii recognoui, Acta, V, Jd, Januarli. Anno dnice incarnat» M. LXXII. Indict. X. Anno onHn, dni. Hcinrici quarti regis XVIII. llegni XVI. Actv. Ratispone in noie dni feliciter Amen. . I,) Das Donikapitel konnte demnach das Civilgencht dl,rch eigene Beamte ausüben; zum Erimsnalgmch-te aber einen Beysitzer bchellen. 207 Das Fmlicnsiift ward also der Grund des bi-schöstichcn Sitzes; nach der Himzola erscheint keine Äbtissin mehr. Wie lange noch Klosterfrauen in Gur? wohnten, ist unbekannt. So lange das Kirchen und Staat verheerende Schisma wahrte, blicb der Umfang der neuen Gurker-diözes bey 5u Jahre lang unbestimmt. Die Erzbischofe Geb hard, Thiemo und Cunrad, welche standhaft den rechtmässigen Päbstcn anhingen, sind von den Schismatikern so hart verfolgt worden, t/aß es bisweilen zum Blutvergießen kam: selbst ein Theil des Kärntner Adels hielt es nebst dem Markgraf Starch and ') mit dcm cingedrungenenErzbischof Berth hold von Mos-bnrg in Bayern. Erzbischof Thicmo war vorzüglich dic Zielscheibe der Verfolgung; mit Gewalt der Waffen unterwarfen sich die Schismatiker seine Diozes, schlugen seine Verwandten und Veamttn in einem Tressen bey Saldorf, und nahmen ihn selbst, als er eben über den Tauern nach Kärntcn fliehen wollte, gefangcn, zogen mit ihm vor Friesach, welches sie 5 Jahre lang umsonst belagerten, indem die Einwohner in der Treue und Anhänglichkeit an ihren rechtmassigen Oberhirten unbeweglich verharrten. In solchen i) Starkhand hatte einen Bruder Graf Werg ant, Wehrband, dessen Tochter Hemma Graf Wolfrad hemctthete, und im Iabne 1141 zu Friesach das Gut Cest an das Erzstift Sal^ bürg um 100 21»n5s„ vertauschte. 208 Umständen konnte nichts unternommen werden; rrst inl Jahre ii3l nach wieder hergestellter Ruhe hat Erzbi-chof Conrad I. auf Ansuchen des Herzogs Engelbert in kVirnten, und auf Befehl Pabsts Innozenz U. uttter Bischof Hildebald, die Gränzen des Bis-thums bestimmen, und dem Bischöfe mehrere Einknnf-ten an Zehendgefällen anweisen können. In der am 16. July zn Salzburg darüber verfaßten Urkunde wird der Umriß beyläusig so angegeben. Vom Stifte Gurk selbst angefangen dem Wasser nach bis zn den Gränzen der Pfarr Friesach und Lieding; dann beyde Pfarren Feistritz (1 »<«!/,) und M 0 tnitz: von da aus dem Wege nach gegen St. Nadcgnnd (am Hohenfeld) über die Gnrk und den Drasenberg, und »nitten durch den Markt St. Veit bis zum Einftnß des mittlern Feistritz-Vachcs in die Glan: ferner den Feistritzbach aufwärts bis anf die Pfarre Za mm els berg mit ihrem ganzen Bezirk, bis auf dieAlpenhöhe der Syr-nitz und die linke Scite des dort angränzcnden Berges ( der Gegend gegen Steyrbcrg) bis an die Stellö wo das Wasser Alu,-i/.ü iu die Gnrk siießet; sofort aufwärts gegen die Alpe l^U« (Baleralpen ) Das Thal endlich, wodurch das Wasser r^voU^ Balbach, gegen die Mur fließet, schließt die Gränzen. So enge eingeschränkt war damals das neue BiLthum; die weit beträchtlicheren Bezirke Kärntens besorgten dis 209 Bischöfe als Stadthalter oder Vikare des Crzbischofes. Das Zehcndiecht hatten der Herzog Engelbert und andere Edle im Bestände, das sie aber künftig don den Bischöfen zu Gurk als Eussraganen von Salzburg zu empfangen hatten. Indessen hat der Erzbischof Conrad dem Bischof Hildebald und seinen Nachfolgern zum Unterhalte das Zehendrecht m folgenden Kirchen abgetreten: Zu Neichcnburg an der Sau, und zu Ebilach im Friaul: dann in Kamten, zu Gmkhofcn, zu Lieding und St. Nadegund, zu Glöduitz, zu St. Martin in Weitenfeld, auf dem Lorenzenberg , und jenen der Kirche, die er beym Markte Friesach zu errichten unttruom-meu hatte: »vie auch alie Kirchen in Trüchftn, dere« 3, St. Lmnbcrt, St. Georgen und St. Margret ge-liennt werden: nicht minder die Kirchen und Zeheuocn in Molding (Molwie) St. Daniel in Mjselomg (.^j^.ll!je) mit der Filial Trefiing (^lvv^ (vermuthlich Kreig) welche nachher gegen das i5te Jahrhundert zu einer Prodstey erhoben wurde. Dann Glant-schach (oiom.^,.) nut dlu Filialen Sörg(8«rlt) ^nd St^ Maria in Pulst: Friedleich (^e.ieio»«^!.) mit St.' Michael in Tachendorf, St. Urban ober Lümberg (i...' >oil,) endlich St. Georgen auf dem Zammelöbcrg ( !^.. ,nni5) und im ganzen übrigen Äarliten hat er der Mutterkirche Salzburg vorbehalten. Aus dcm Original: la nomine sancte et individue Trinitalis Amen. Notum fit universitati sidelium qualiter ego -t sancte Salzburgensis ecclesie per nmcricordiam Dei Archiepiscopus Chunradus a) sopitis ad-versitatibus ct pacis tranquillitate conoes'sa assutny-tis niecum aliarum ecclesiarum venerabilibus Epi-sopis Chun one videlicet Ealisponense , at<|ue Ekkeberto Monasteriensc, tarn consilio et auc-toritate ijuam et virtutum honoslale clarissimis ect:lesie nostre in futurum provisuri consedimus, ut siqua corrigenda in ecclei'sia nostra correcla suilbcnt, vcl dc novo rationabiJiier facta , velut ») Aus dem Grafen von Ecbyr, woher die Wittlspli-chcn und Ncgcutcn Bciycrns entsprossen, einer der größten Manner seiner Zeit, mit ^-tandhastigkeir aUe Hindernisse zu besiegen verstand, mn seine dxrch die schlimmen Ereignisse des Zeitalters umwölkte suchte wicdcr glänzen zu machen. Sein Veyspiel und Ansehen vermochte auch den Bischof von Gurk Hiltebold, bcy h^r Kathedral einen Regular-Klerus einzuführen. ( Man sehe U»n«il« gol.u, 3. £11 fcOrib fundameiito sufTulta presumptione postero* rum mutari non possent. Porro siqua minus yigilantc sollicitudiiris noftre diligentia neglecta penitus fuerunt ubi oo currere polverint transire nolumus , ut in medium prolata ad normam rectitudinis cum aliis leducercniur. Ubi clero nostro atque ex laico-rum numero Engilberto b) duce Karinthie aliis quo quam pluvimis monentibus yenit ad memo. riam Gurcensem eccleaiam adhuc usque carere peifectione dignitatis sue, que a striz et Motniz d) quas ctiam barrochias cum ^ e) Heute Lie ding. a) St. Martin in drr Fejstritz, und Metnitz. 213 terminis suis ambas pertinere decernimus ad eun-dem 'crminum. Item terminum eundein demon-strat \ia que contra ecclusiana sancte H a d e gu u• dis e) cum vado transit supra dictam atjuam gurcam et montem qui dieilur Dnsenberc, ac per medium fori S, V i L i , indcquc in evm locum ubi aqua quc dicitur Fustriz media jun-gitur aque que Glan vocatur , tenditque idem terminus contra decursum eiusdera fluminis Fu- striü usque ad barrochiam Zvmoltsporc s) que * et ipsa tota ad cuniem terminum pertinebit usque ad sumitatem alpium qnc Syronic inchoantur cum accidentiis suis infra cum terminum qui prediuin patriarchatus g) diyidit in fiinistro latere adiacentis inibi montis , usque ubi \ »qua que dicitur Muriza in gurUam delluit, et ita. sursum versus alpes quo Beliz nuncupantur, et ita eundem terminum elaudit rallis per quam fqua que vocatus Powolla ad fluvium Mu-ram vergit. Verum cum Icrminum darcmus ex consilio ac in presentia predictaruin pcrsouarum decimam- «) Hochenfclo ob Zwiscliemvässer,, f) Zammelsperg i,n Dekanat Gilrkcltthal. 8) Patriarchengut, et»va nach Aglm- gehörig? -214 quo infra eundem terminum cor»slituturn absolute dare non possemus, ideo scilicet quia pre fa hi a dux Engilbertus, et alii mililes qui earn be-neiicii nomine possidcbant amittcre nolebant, ta» men quia indecens atque oranino irralionabile vi-debatur episcopum episcopatus sui decima spoliari, tamquatn si alterius labotis fructum alter collL gat, nos ex consilio predictarum personarum prelate sedis vcnerahili episcopo Hilteboldo eius-que successoribufi preter auliquam decimam quana pic memorie Domiua Hemm a ipsius Gurce'nsi? ccclesie Juudalrix dorota cum predio quod apud S o w a in iluvium in Hichenburc t>) habuerat, et alio quod apud Edilach in l'oio Julti pos-sedcrat, sicut in pvivilcgio pie rccordationis an-cessoris nostri Daldwini invcnimus exemcrat , in Ins scilicet loeis , ipsius monafterii sancte Marie Gurkhovcn, capelle S. Mtcliaelis in Glö-deuiz, ecclesie S. Emiliani Marlins ct S. Ma% lini in Wi tense It, Eccle S. Margarete virg, ct SS. Coniessorum Gregorii Martini in Lub-dingen. Eccle S. Radegundis, Capelle S. Lau-rentii in monte. Eccle quam apud forum suum b) Rcichenburg ein Markt an dcr Save im Cillier Fries ach i) constrnere ceperat. Ecclarum S. LamLerti, S. Georgii , S. Margarete in T r ü h -»en per predium suum conftructarum scu dein-\ ceps construendarum cum capellis ct terniinis suis , que antedatum tcrminum eitlem eccle gur-ccnsi aUtnere vidcbantnr, omnem illi decimara » ^piscopatus sui tradidimus ac perpcUiali Jure con-sirmavimus , in his videlicet loois qui dato ter-mino iticlusi esse videbantur, et sicut hie sub-nectuntur. Eccla S. Stephant protomartiris apn«l gur-cam et Molwic. Ad Miüzclitic cccla S, Danhielis cam eccla Treve lie que sibi liliali iure attinebit. Ad Mulpach k) ecela S. Geoi'^ü M. Ad Chriwic eccla S4 Johannis Bapt. ad IVlulpach barrochiali iure pertinetitis. Ad Glom-sach eccla S. Andree Apli cum eccla S, Martini Soric filiali jure illuc pertinentis. Eccla S. Marie ist Pulst 1) que ad plebem Glomsach barrochiali iure pertiuebiu Ad F ride los e ic h eccla S. Georgii M. cum cccla S.Michaelis Tu- i) ll.'mma griilldete also auch die Kirche don Friesach. k) Mülbach ob Sl. Veit. ') Pulst Malthcser - Ordens - Commenda. »l6 chendorf flliaH iure sibi pertinenüs. Eccla ad S. Urbanum Luvoib. In Zumoldino mon-te eccla S. Georgii M. cum eccla S Petri Apo-Aoli in Douvernic que sibi iure ßliali attinet. Pro quarum ecclarum decimis Gurcensi cede prescripta ratione confirmatis tie cetero omnein decimam seu in Truh sen thai seu in raonte Diehts, iSiue etiam per to tarn Karinthinm extra prefatum termimim constitutam in omnibus locis totius pretlii ad gurcensem ecclam pertinentis, eccle no(he Salzburgensi vendicandam perpetuo Italuimus. Quo negotio a nobis felieiter consumato sepe-dictus dux En gilbert us aliique exemplo illius qui decimam sicut premissum est infra terminum prescriptum possidere videbanlur, intelligentes quod factvm snerat, quia videlicet consensu et fauore apoflolice sedis et imperialis excellentie gurcensis eeciesia ad integrum iam sublimata at-que in omni iure dignitatis sue pleniter perfecta ct coroborata essct , eandem decimam a potesla-tiva manu veneraJ>ilis episcopi Hiltoboldi, aliorum principum et episcoporuin Salüpurgensis eccle suslVagancorum dignitati ct excellentie iam 217 adequati postulatam nomine beneficii ut ante te-ncndam susceperunt. Acta sunt hoc Salzburch sub Domino Tnnocentio Papa m) Apoflolatus eius anno se-Cunrlot Domni Lotharii regis tercii anno VII# Pontisicatus autem nosiri anno XXVI, presentibns et collaudantibus atque confirmantibus religiosis Tiris abbatibus scilicet et Prepositis et omnibus eiusdem ecclo canonicis , et multa tam principum quam nobitium et miniflerioliura turba. Data SflUburc XVU. Kal. Augusti Indic-tione V1IÜ. felicitcr amen. Gcringe, auch oft moralisch böse Begebenheiten werden in der höchst weisen Lcitung der gottlichen Vor-skhlltlg, welche aus dem Kleinen das Große, aus dem Bösen das Gute hervorzubringen weiß, der Grund, ober doch die Veranlassung höchst wichtiger und vor-thcilhafter Folgen. K. Arnulf, Karlmanns natürlicher Sohn, versetzt seinen unehlichm Sproß Zwentbold nach Kärnten, übergiebt ihm nebst andern Herrschaften das an hohen Gebirgen liegende Gurkthal, wo sich diese m) Ward erwählt ii2o nach dem Tode Uonoriu« 11. 218 kaiserliche Nebenlinie anderthalbhundert Jahre fortpflanzt , bis die Grausamkeit roher Bergknappen die letzten Zweige vertilgt. Die ganze Erde verliert nun fur die allein noch übrige Wittwe Hemma allen Neiz: sie stifttt die Kirche und das Kloster zu Gurk. Das berüchtigte Schisma zieht die rechtschaffenen Oberhirten zu Salzburg in den Strudel der hartnäckigsten Verfolgungen, welche ihre gewissenhafte Amtsführung hemmen, aber den eifrigen Erzbischof Geb hard auf den wichtigsten Entschluß bringen, durch einen eigenen Bischof und Suffragan seinen Psiegkindem in Kärnten das leisten zu lassen, was er ihnen selbst nicht wohl mehr leisten konnte. So war der bischöfliche Sitz zn Gurk gegründet. Eberndorf. Ebcrndorf, in den Schriften Dobrendorf, Oberndorf und Oeberndorf (wahrscheinlich, weil die Kirche und das ehemalige Stift ober dem Dorf steht) liegt im schonen Iaunthal südlich über der Dräu eine Stunde von Volkenmarkt. Der Ursprung dieser Kirche wird von den Geschichtschreibern entweder ganz, oder doch zum Theil, irrig angegeben. Um auf die, Wahrheit zu kommen, wird- 219 es nöthig seyn, zuverlässige und authentische Urkunden sprechen zu lassen , und dann Schlüsse daraus zu ziehen. Erstens hält die beständige in einem alten Gemälde ausgedrückte Ueberlieferung einen Grafen A chaz, seine Gemahlin Kunigund, und dann den Grafen Eazelin für Stifter dieser Kirche. Zweytens belehren uns zwey schriftliche Diplomen, eines des Patriarchen Udalrich von Aquileja vom Jahr 110L, das andere von dessen zweyten Nachfolger Patriarchen Peregrin vom I. n5^, wie die Sache her-» gieng. Hier folgen sie: L In nomine Fatris et Filii et Spiritus Sancti, Ego Wodalricus a) tli gta see Aquilcgensi3 eccle patriarch» cunctis iklelibus Xti tarn sutui-is quam presontibus sub chrifliano nomine viventi- ») Dieser Udalrich war der Sohn Marquards Herzogs in Kärnte»,, (der 1^72 dem abgefetzten Bertholt) I. folgte) zuerst ist er Abt zu S. Gatten in der Schweiz gewesen f nachher aber vom K. Heinrich IV,, dem e,- verwandt war, auf den Patriarchenstuhl zu Aqui-leia i<>85 evdobcn worden. (Do Nud^i« H.»ti. ,^,,t ^,lsllill.'ll>„8. ^1. 5^?..) Er vollendete auch die von seinem Vm-fahrer Friedorick auf?lnsuchen des Stifters Cazelin angefangene Gründung der Ve-ncdsttilier Abtey Mosak an den südwestlichen Gränzen Kantteus. 220 bus spem salutis eterne ad Dominum Deu.n Pa-trera habentibus notum facio , quod comes C h a -cejinis b) omne predium suum cum omni fa-milia sua pro suis suorumque parentum delicti» Aquilegcnsi ecclesie in proprietatem Cum omni juftitia sibi pertinenti tradiderit , co videlicet te-Tiore, ut fratribus ubi sepultus jaceret ibidem Deo servientibus et jugiter orationibus pro corum delicti» Deum Patrem exorantibus semper ser-yire deberet. Qui poftguam migravit ex hoc seculo in episcopatu Salzburgensi proprio al-lodio suo Göthelich c) sepultus suit. No» vero habito con^ilio venerabilium fratrum noftro-rura Ebrardi fc'olensis, Hiwini concordtcnsis« Hartwici Tergeflini episcoporura et aliorura confratrum noflrorum in nostrum episcopatum per nostros legatos cum tradaccre et apud S, Marie d) Mlin weiß noch nicht alls welcher Familie Graf Chacelin oder Cazrlm, auch nicht, ob er Pfalzgraf in KärNN'N gewesen. (^i'.-lclic!, ^rcliontnlof;. (^H. rintl,. c»,.. vil. ii. n<).) Erbesaß viele Güter im heutigen Untersteyer, Kärüten, Istriett und Friaul, einen großen Theil davon verwendete er zn fromme« Stiftungen , und starb wahrscheinlich vor dem Ende des Uten Jahrhunderts. c) Gätling, im Bezirke Seckanberg, Marburger Kreises. 221 ecclesiam Jun d) in proprlo allodio suo Dob-rendorf sepelire fccimus, ac deindc rnajorem ecclesiam ibidem edisicare jussimus , atque ad ) Südlich von Eberndorf, der Distrikt bom Iuno-berg bcy Connect über Iaunsten bis Sela ch. i) Windischgraz. plebibus et servitiis earum , qüatumuna eft Has It) due Jan, ad scm Cantianura et scm IVIi-cchalem I) una Gracd in dotem prefate ec-» clesie see Marie ad serviendum Canon icis ljonam vitam ibidem duccntibus tradidimus , qua-tenus quicquid in hujus laborioso certamine secu-li contra omnium bonorum remuncratorem deli-quitnus , his Deo reconciliari possemus. INos ei-go auctoritate Patris et Filii et Spiritus sancti et sei Petri principis apostdlorum et nofira iftam ordinationem confirmamus. Et quicumque lianc or-* dinationem infringere inbenesiciando Tel quolibet alio modo presumpserit dantes et accipientes vin-culo anathematia percutimus , et perpetua niale-dictione Dathan et Abiron eos maledicimus. Anno dominice incarnationis millesimo cen-tesimo sexto indielione quarta decima, AcLum in villa Dobrendorf seliciter* Et ut hoc ra-lum et irrefragabile semper permaneat, impies-sioao nosui sigilll imnari jussiinus. lluju» rei I<) Naswald. l) St. Cantian liegt westlich vol: Eberndorf m,e Stunde ob der Dran; St. Michael ostlich ^ nicht weit von Bleyburg. 223 testes sunt Weriandus, Willclielmus, Walchoun m) filius suus , Budolphus, Gundalirus, Engelbertus, Eppo, Rei-noldus, Gundramus, A d c 1 iv c r d u » , Gumbortus, Ernsl, Cholo, V o d a 1 v i c u s , Hawardus, l'erngcrus, Geroldus, Adelwardus, lUodigcrui ülius suus Pichardus, Pezelinus, Luitoldus ct alii quam plurimi, II. Tn nomine snnctae et individuae Trinitatis« Peregrinus sanctac Aquilcgicnsis ccclesiae D. G, patriarcha. Quisquis supcrni inuneris gra m) Diese drey waren Grafen von Huninbllrch, oder Heunblirg, heute Heimburg. Wilhelm erscheint in I'aelicl, ^,.i>«n,ui. ^,. ,33. sein Sokl, Was-chlln, überdrnßig des damals allgemcm herrschcn-den Zwistes, ward Mönch in St, Blasien auf dem Schwarzwalde, wohin sich mehrcro ?ldcl,'che, auch Bischöfe der Nlihc wcgen begaben. Seill Beter Berthold von Bogen, nachher Abt daselbst, gieng ihm voran. Als ein Muster der Tligend und des Ansckcns berief ihn Bischof Otto von Bamberg als Vorsteher des Klosters Ensdorf. Walchim zog sich bey annähenden, Alter in die Einsamkeit zuriick, und ^arb n36. (ill»«t> i,^. ivin^. ^di». Hi°>ll!n. (^^^ I)V,ti Uist. 8!lv. uigl-ÄV '1'. I. ^,. /.23. 4«4.) £24 uontisicatus regimine sublimatus oportet ut circa loca sancta et maxime religiosis cultibus dedicata se affabilem et miscricordem exhibeat, ac sic Jratrum pciitiones in eisdem Deo famulantibus juste exaudire cum sum ma deligentia fiu'leat. Kapropter notum sit omnibus ecclesie nollrae fide-libus tam praesentibus quam i'uturis , qualiter nos quid cm Peregrinus see Aquilegiensis acclesie pathriarcha ob remedium anime nostre et prede-cessorum noftrorum canon i cam fratrum regularium sub beati Augustini regula tlegentium in Iunensi ecclesia Fieri Statnimus, ac interventu et petitione dilecti fratris nostri Romani eiusdem canonic venerabi-lis prepositi , prout juste el Icgaliter possumus per hanc preceptalem paginam , ea que prete-xate ecclesiae sive Canonicae ad sustentalioneni fratrum inibi Deo servientiam conccssimus , con-firmamus atque corroboratnus, scilicet Iunen-sem plebem in qua habita discretiunc rcgularis yite claustrum const, ruximus, cum omnibus capellis et decimis, nee non cum omni jure quod in eadem plebe ad nos spectare videtur hoc eft capellam S. Lambertia) capellam i») In Gössels dorf, Filial zu Eberndorf. feä5 S. Andreae b) Capellam S. Viti, Capellam fe. II e 1 e n a e c) Capellam S. Joannis d) Capellam S. M'ai\ a e O l> riac h e) lnsuper autem »lebem quae eli in Li w a lie h cum duabus ca* pellis , quarum una sila est Lueuhwich, alia Mis as f) cum decinüs et toto jure. Praeterea nartem decimarum in plebe de Seal ach g) tarn dc vino quam de omnibus aliis que noftii juris sunt. Capellam vero S. Georgii in monte cum suis universis perlincntiis. h) Slatuentcs et modis omnibus precipientes» quatenus nemo successorurn noflrorum , vel aliqua spiritualis secularisvo persona de cetcro prcilictuni sratrem nostrum Homanum venerabilem prepo-situm suamque ecclesiam in honore beatissimc Marie Virginia deüicatam et ipsius pro ttmpore d) In Nickcnsdorf Filial zu St. Vcit. o) Narr Sittcrsdorf. .1) In Jaul,stein Filial zu Globapnitz. «) Pfarr Ebriach. s) Im Mipthal bey Gutcnstcin. 6) Vermuthlich Sellach , welcbcs an Ebriach anstopr. il) St. Jorge«, berg oberhalb Vnchbrllnu, wo man nber den ganzen zwischen verschiedenen Alpen lieqendcn Distrikt Unterfärntcns, von dcr ViUachcr bis on' Choralpe, die schönste Aussicht genießt. P Ä2O* rectores vcl fratres de supra memoratis plobibus capellis , decimis , quemadmodum supcrius legitur, molestare vel inquietare seu hanc nostram inslitu-tionem intuitu pietatis factam infringere presu-mat, Monemus i'aque succcssores nosuos ct hor-tamur in domino, ut quod nos eidem ecclesie charitatis aflectu contulimus , ab ipsis semper iirmum et inyiolatum idem sentientibus penna-neat. Quod ut verius crcdatur et flrmius ob-•ervetur , manu propiüa i oborantes sigilli noflri impressione supter insigniri juasimus. Ac tuna est autein Aquilegie. Anno Dominice incarnationis millesimo centesimo quinquag. Till« indictione III. sub die XIII. Kalendamm Novomb-ris in presentia noAra, qua hoc iievi censuimu»» Wernhardi Tregeslini episconi, Udalrici archidiaconi , Bertholdi majoris ecclesie pre-positi, Leopold! abbatis I\ o s a c , T h o m e Tieedomini , Iringi abbatis Beleniensis , Joan-xiis abbatis Sextensis. Udalrici abbatis Mo-se, Ilenrici S. Stephani prepositi , et alioium muUorum, Videlicet Adac cpiscopi Em one n-iis, Vincentii Parentini cpiscopi, Joan-ni» Petenensis episcopi. 227 Aus diesen Urkunden erkennen wir zuverlässig folgendes ? i. Schon dor dcr Stiftung Cazelins stand zu Cberndorf eine Marienkirche, wohin Patriarch Udal-rich dessen Leichnam von Götling übersetzen, und dann daselbst eine neue größere Kirche erbauen ließ. Bey jciicr alten Kirche müssen auch Chorherrn gewesen seyn; theils »veil Cazelin bey solchen begraben seyn wollte ( li'iUl'ldllli ulii »«.^ultll« j:»c<>i'et, ibiclom Deo »er- vioinll^,, oic. ) theils weil Patriarch ttdalrich als Vollstrecker seines letzten Willens, von Regular-Chorherr« ausdrückliche Meldung macht: «n. n'l0!8 1>u>ii,,n vil-lln il)ln'l,n. ^l>!wj. ^,. 5<>u. 536 vtr.) gerade in einer Zeitperiode, da es eben so nothwendig als gewöhnlich war, Kirchen, welche durch die traurigen Begebenheiten des vorhergehen- P 2 223 den wten Jahrhunderts zerstört worden, nach und nach wieder zu errichten. Wcr die gegenwärtige Kirche zu Eberndorf, und den daneben freistehenden Thnrm in Augenschein nimmt, der wird meines Erachtens sogleich einsehen, daß diese Gebäude nicht zu gleicher Zeit entstanden. 2. Graf Cazelin hat seine Güter im Iaunthal nur zu dem Zweck an die Kirche Aquilcia übergeben, daß sie an ein geistliches Stift, in dem sein Korper begraben läge, vergäbet werden sollten. Der Patriarch Udalrich konnte also keinen tauglichen,, und dcm Willen des Stifters angemesseneren Platz sindcn, als die Kirche zu Eberndorf, welche gleichsam in dcr Mitte der llbergcbenen Gütcr liegt. 3.) Die Chorherr« (oder welch immer geistliche Gesellschaft) von denen die Kirche besorgt wurde, standen noch unter keiner Ordensregel; indcm der Patriarch Peregrin beynahe ein halbes Jahrhundert spater, nämlich ii5/i erst die Negel des heil. Augustin einführte, und für die Ordensbrüder, denen er die Seelsorge über die meisten Kirchen des I'aunthals anvertraute, unter Probst Noman ein Kloster zu Eberndorf erbaute: Canonicain ( ^slHDIUC ) fralruni i'cgulariuin hub beau Augustini rcgula dfgc/Uiuin in Junen si ccclcsia fieri stnluhnus. — Juuenscm plebein, in qua Labita discrctionc rcgularis vilae claustrum constraximus. 229 Zu der Mutterkirche Eberndorf gehörten zu jener Zeit als Filialen die in der Urkunde genannten Ca-pellen St. Lambert, St. Andre, St. Veit, St. Helena, Sr. Johann, und Maria Ebriach, wie auch St. Georgen auf dem Berg. Der sorgfältige Oberhirt Peregrin sahe gar wohl ein, daß die Entfernung don den Wcltreizen, und ein regelmassiges Leben in der Einsamkeit, unter der Leitung eines geistlichen Vorstehers , die tauglichsten Seelsorger bild?. Hier verdient noch angemerkt zu werden, daß die St. Lorenzcn Kirche zu Stein, als Lehen don Aquileia, auch zu Eberndorf gehörte, bis sie im Jahr 1238 mit der Kirche St. Daniel vertauscht worden. I>»e1io1l in ^ickontol. C^intii. p. 12 > etc. fasert hier- über zwey Fragmente, welche anzeigen, daß in der Kirche zu Stein geschehene Wunder biezu Anlaß gaben. Der Patriarch Berthold, der Pfalzgraf Albert, Graf zu Görz und Tyrol, und der Probst Franco zu Eberndorf veranstalteten diesen Tausch. Die verstilmelte Urkund des Patriarchen lautet so: Bertholdus dei gratia sanctac Aquilcjensis ecclesiae Patriarcha universis praesentem pagi-nam inspecturis salutem impertimus. Universi-tatem tarn futurorum quam prasentium scire vo-lunius , quod nos ecclesiam S. Laurentii in Stein vallis June propter miraculorum insig- 23o nia , qmbus cidcm ecclesia noflris mirabiliter refulsit temporibus, a jurisdictione cl poteftate , quam Junense monasterium ex conccssio-ue a) Aquilejensis ecclesiae in praediota obline-Lat , de consensu et voluntatc Franco n is prae ]>ositi et conventus monasterii in Oberdorfs mcmorati, tluximns exünendam (^)ICC ist t\nt ÜÜdfC; t>tc!fCtcT>t pio bonis silis ) apud ccclcsiam S, I) a n i c l i s propo Stain, ita quod ecclcsia juaelibata ad nos et successores nostros tantum jjertineat nee archidiaconus ---------yel arebipres- l)vr<;r \c\ judex saecularis aliquid in ipsam eccle-hiam sibi vomHcel polcflatis. Et praesertim vo-luinus , quod quilibet plebanus ibidem in Staia vallU June plenum potestatem et auctoritatem liabcat in perpetuum praesentare et consirmare il-los duos praebendarios , <|uos Albertus comes de Tyrolis l'undavit , et ordinavit , et --------co- lonorum hujus praedictae ecclesiae destituerc et insiituere vale.it ad honorem Dei et Sancti Lau-rentii et li. llüdegardis, b) ") Im Fragment dcs Graft»^llbert hkiptes: se«<1> ltt,>l«. l,) Die Meldnnq von dcr seligen Hildl'gard, welche i<)2/, qestorbcll, ist l'in Beweis, daß, man nach N/, Jahre» ihre Geschichte für wahr hielt. 231 Adejus rei evMentiam nobills vir Albertus comes de Tyrolts, rjui praesens extitit, cum haec acta su.it apud Vela cum praesentem pa-ginam sigilK sui munimine roboravit in. pracsen-tia Meinhardi comitis goiitiae , et Bertholdi Ar-chidiaconi Velacensis , Magifiri Philippi Cencii Aquilejensis Doctoris Friderici plebani de Stain in Carniola Rupcrti Capcllani in Trovaii et alio« rum. Anno domini i238. 3tia die exeunte Aprili indictione undecima. (S)cn 28. ^(pvil-) Griffen. Die Pramonstratenser Abtey Griffen i» Untcr-kärnten verdankte ihre Stiftung Ekberten Bischof von Bamberg, welcher ein Bruder Heinrichs Markgrafen in Istrien aus der Familie von An-dechs war, von dem er einige Güter in Kärnten erhielt , die er zum Theil nebst der Kirche zn Oberndorf zum Stiftungsfond der neuen Canonie zu Griffen machte im I. 1236. Die Urkunde hierüber liefert mein ehemaliger Mitbruder in St. Blasien P. Aemilian Usserm ann in Ui«t. üz'iße. liamkerT' p. I^o. aus der ^Ulitl'lil 8H0lH «32 ^r. in. r. v. ?. ^^3. Sie scheint mir aber nicht ganz richtig nachdem Original gegeben zu seyn. Die Haupt-stelle wird der Oerter wegen, die namentlich darin vorkommen, hier mitgetheilt: Novei'int ergo tam praesentes quam futuri fideles, quod nos pro remedio anlmae noftrae ec-clesiam in Oberndorff cum omnibus suis at-tincntiis de consensu capituli nostri coramuni , cnjus etiam authenticum eidem loco (rottt) tt>flfjf£ fbetiiltcf) (Püffen t>abci> fhfyen, tt)eld)^ t)a itHift auögfbl'Ufft t(l) su^erdonationo huiusmodi e\l indiilinni, ordini Prdemonstratcnsi, ct fratrl-bus ibidem Deo famulantibus libere contulinus dc propriis, quao a fratre nofti'o Henrico marcliionc de Andecbs pro rcmedio etiam eiusdem nobis vacarunt, alirjuiii adjiciendo , scilicet duos mansos in eadem villa Oberndorff, vnum qui dicitur GozernicU, in Rein duos, in Rod en ununi, in Caviro unum; in Ni-«lcrndorff quinquc, in Ticbnis tres , in Trebenos inferior! tres, in superiors septem: ties v'uieas in Luden el, duos mansos cukurae earundem attinentes : sylvam inlet1 Griffen et ip3am ccclesiam sitam , et sveigam unam sitam in loco, qui dicitur Summeranc apud eccle- *33 % slam S. Oswal di. — Anno Domini »236 no-nisAprilis, indictionelX. pontisicatus nostri anno 33« Testes sunt ITenricus de Ortenburg, Albertus et Willi elm us de Haimburg co-mires D, Ulricus de Beta, Ditmarus et Eberhard us de Griffen, Otto et Con-radus de Post a, Fridericus de Wolfs-berg, Otto dictus dc Ungnade et filins suus Wolfram us pincorna noster, Henricus magi-fter eoqaine , Eberhard us, Ho rt hold us, Conradus, Grismat Capellan», Vo Iradus et Crafto notarii , et alii quam plures.1 Ekberts dritter Nachfolger auf dem Stuhle zu Bambcrg und Anverwandter, Bischof Ber rb o ld hat am i5. May 128« das verarmte und zerrüttete St. Cathariuen Hospital bey Villach, worin 12 Kranke zu verpflegen waren, an das Stift Griffen übergeben. In der darüber ausgefertigten Urkunde bezeugt er, daß die Kirche der heil. Maria in Griffenthal als eine Pflanze der Kirche zu Bamberg von seinem Vorfahrer und Onkcl Ekbert gestiftet worden seye — er habe das beynahe versunkene Hospital bey Villach mit allen Besitzungen auf immer an diese Kirche vergäbet , >im selbes vom ganzlichen Untergänge zu retten. 23^ Vorzüglich lobt dieser Bischof die Mitglieder des Stiftes Griffen, theils wegen ihrer genauen Ne-gulardisziplm „nd erbaulichen Wandel, theils wegen ihren Wissenschaften. Hcrr Doctor Johann Ienull, Stadt-und Land-Nechten-Nath, gab mir hievon eine Abschrift, welche hier folgt: Cum inter alia pietatis opera nil dignius ac melius pro salvandis animabus reperiatur elemo-sina , que hominem colapsum reparat, et redu-cit ad sempiterna gaudia , si crebris ac devotis orationibti3 largiatur , utpote in decessis beatam vitam ducentibus eft compcrtum. Nos igitur Bertholdus Dei gratia Ilam-borgensis ecclcsiae Episcopus ad notitiam tam praesentium quam suturorum cupimus devenire , quod cum ccclosia S. Mariae in Gri fen thai sit plantula nostrac ecclcsiae , Ct ab avunculo nostro Eckcberf. o fulicis recordationis Bamhcrgensi Episcopo sundata , sequentes in prornotionc cjus-dem ecclesiae sua vestigia, ac nostris aliis prae-decessoribus et successoribus, imo eadem nobis in salutis providentes rcrncdio , et in elemosina salutari Hospitali S, Catharinac prope Vi 1 - a35 la cum cum omnibus suis attinentiis, cuitis ct incultis, quaesitis ct inquirendis ipsi ecclcsiae S. Mariae , in Griffental legavimus et dona-vimus perpetuo possidendum , maxime cum dictum Hospitale in tantum sit oppressum , et di-stractutn , si non venissct ad tam discretas et cir-cumspcctas personas , ornatas observantia regula-ris disciplinae , et vita approbabili, ac illustrata scientiis , quod redactura faisset in nihilum et extinctum , quidquid enim in divinis sit per mis-saruin solemnia , ac per receptionem langventium, quorum in nuinero sunt duodccim aeternalitor ad. Oinnipotentls Dei gloriam et honorem, et quia siagilis ell mcmoria hominum ntque debilis, ea quae Hunt ii» lempore , ne cvancscant, consueve-runt ct debcnt annotatione tedium et littorarum remedio perennari , in aulhcnticain siquidetu prae-dictorum et stabilem sirmitatem pracseiis soriptum fieri jussimus , et siyilli noslri rob ore insigniri, IIujus rei testcs sunt Chunricus decanus ec-clesie S. Stcphani in Jlamberg, Otto Arcbi-diaconus Villaccnsis, Cbunradus, Bcrnar-dus , Ditrietis nofirae curiae Capellani , et Fri-dericus et Oito srairos de AVeizenegg, Otto dictus Ungnade, Algot judex Villacensis, 236 Thomas, Henricus, Puznigg, Bernanlus, filius Grimaldi , Henning dictus Peitl , Otto comos , circa ViHacenses T et alii quani plures- Datum et actura apud Villacum anno Domini millesimo, ducentesimo octogesimo Idus Martii, Litterae originales reperiebantur in Archivo Canoniae grissensis. Lit. C. 23? Eberhard, Crzbischof von Salzburg, Stifter des Bis' thumes bvn Lavant- Vom Professor Scheichenberg er. hundert und sieben und fünfzig Jahre blühte schon die Kirche von Gmk, als Eberhard II. auf dem Me-tropolitanstuhle von Salzburg saß. Der Historiograph der Kirche von Salzburg, der gelehrte Marcus Hansiz, nennt diesen Obcrhirtcn einen Mann, welchem das Prädikat des Großen, des Friedliebenden, und eines Vaters der Armen, wäre beygelegt worden. Wenn Friedensliebe, und Vatersorge für die Armen irgend einen Charakter schmücken, so ist es gewiß derjenige micH Oberhirtcn; aber nichts de-stowenigcr kann auch die Todtenrichterin »- die Geschichte — das Prädikat der Größe einem würdigen Bischo- 233 fe eben so wie cincm Regenten, Feldherrn oder Minister zuerkennen. Zu einem großen Mann, sagt ein schätzbarer fran< zosischer Schriftsteller ") werde dreyerley erfordert» i.) ein großes Motiv, d. l. ein strebendes Verlangen nach öffentlichem Wohl. 2.) Ueberwindung großer Schwierigkeiten, mithin Standbaftiqkeit, eine aushaltend muthige Seele. 3.) Große Vortheile, die man der Menschheit im Ganzen, oder Nationen im Besondern verschasst hat. Wenn wir nach diesem Maßstabe Eberharden beurtheilen, so werden wir nach einer gerechten Würdigung seiner Thaten nicht anders, als ihn einen großen Erzbischof nennen müssen. Es wäre die Sache des Biographen, eine Galleric der Thaten Eberhards der urtheilenden Nachwelt darzustellen. Ich betrachte denselben nur von einer Seite, nämlich, als Stifter der bischöflichen Kirche von Lavant; allein auch hierin zeigt sich uns seine sittliche Große. Beförderung und Asthaltung der Ncligion, und dcr reinen Sittlichkeit in seinem überaus w^itschichtigen Hirchsprengel, war das große Handlungs-Motiv, welches durch die heilsame Furcht, er allein mochte der *) Oeuvres de Sf. Pierre Tom, XI. Sur lc grand hom-me et suv 1' illustre. 229 schweren Pflichtleistung eines Obcrhirten für eine so zahlreiche Herde nicht gewachsen seyn, gestärkt wurde. Man versetze sich hernach n, die Umstände, in den Wirwar, in die Verdorbenheit seines Zeitalters, und man wird die großen Schwierigkeiten, die er zn überwinden, und die Aufopferungen, die er zu machen hatte, nicbt mißfennen. Auch in der glücklichsten Zeit mußte man bey der Gründung neuer Bisthümer wohl überlegen, ob theils die Metropolitankirche Salzburg, theils die zu bischöfiichen Sitzen zu erhebenden Kirchen dabey keinen Schaden leiden? ob das Oberhaupt der Kirche, die Regenten, das Kapitel, und alle übrigen, die ein Interesse dabey haben konnten, dazu einwilligten? wober das hinlängliche, der bischöflichen Wurde angemessene Einkommen für die neuzuernennenden Vi-scköfe zu schöpfen wäre? ?c. Pabst llnl>a,'i„>> Hl. sahe das alles gar wohl ein, weßwegen er Eberharden in einem Schreiben seiner Aufopferungen wegen vorzüglich lobt: ^'nn z)1l!8 PNUV55L cupj<.>5,« l>u:l,n p»-s!ll05iil.', «Uülnoni» Incr» to,n^or«l>» proleo!ll>n5 ^Ilimaiuül sll»n-»>« Ao»'M. ^> ^> II» ?' 3?^.) Wer endlich die großen Vortheile, welche Eberhard durch die Ausführung seines Entschlusses der Nation für alle folgende Jahrhunderte verschaffte, berechnen will, der darf sich nur das Gegentheil vorstellen. Schon im Jahr 1212 als er das Stift der Au-gustii'fr Chorherrn zu St. Andre gründete, «nag er den 2^0 wichtige», Vorsatz gefaßt haben, neue bischöfliche Stuhle zu errichten, denn sogleich im I. I2l5 entstand iener zu Chiemsee, dier Iabre hernach der andere zu Seckan, und endlich im I. 122^ der dritte zu St. Andre im Lavantthale. Ich lege hicr eine Abschrift dcr zwey Jahre später verfertigten Stiftungsurkund? bey, welche aus dem bischöflichen Archive zu St. Andre im Ladantthale genommen ist: Fundatio episcopatus S. Andrcae in valle Lavantina Carinthiae a. 1228. d. 10. Moji. Ex apographo tabularii episcopalis Sec. XV\ In nomine Sanctae et individuc Trinitatis Eberhardus Dei gratia S. Salzburg, cccle-sie archiepiscopvis , aposiolice sedis Ijegatus , in pcrpctuum. In vinea Domini Sa!)aolh laborantes» sollieita consideratione perpendimus, nos ad regimen gregis j^obis coinmilsi minus sutKiccre, et ut in alios oneia nolira pai'tiri valeuuius, du li-ccntia et auctoritale Domini Honorii papc 111* ac afsensu capiluli nottvi Salzburg, in L a v e n t in ecdetia S. Andree, in qua vita canon icorura ct ordo regularis de corpore capituii iiosui a no-bis extitit intlitulus , cathediaov couftituimus epi»- 241 feopalem , tali adhibito modcraminc , ut iecundum formam privilegii predicti Domini pape super hoc editi , capitulo Salzburg, in nullo jure iuo , tarn in tlignitatibus quam libcrtatibus vel consuetudi-nibus ncc non et omnibus oliis suis rationibu» ©ccasione jam dicti episcopatu* nullum siat prcju-dicium et gravamen , tie quibus rationibus quas« dam speciatim et uominatim duximus exprimcn-das. Inprimis Tidelicet consliluimus , ut preposi« tu» et capitulum S, Andree Lavantinum nullo un-quam tempore sibi vendicet prefati episcopi elec» tionem, sed ipsius electio simpliciter et pure ad too» et tiostros spectet ex ordine Bucccfsorcs co-tatn. capitulo nostro in Domino celcbranda, pre« positi autern electio in ecclesia prcsata S. Andree ad capitulum Laventinura eine cujuslibet contra« dictione pertineat in perpetuum ; de capitulo ta-men noßro Salzburg tantummodo et non aliunde liCebit eis personam assumere, quam secundum Dei timorem sibi viderint expedire. Predictus etiam episcoi)us ä nobis vel successoribus nostris electu», et pontisicyli' annulo invcstitus et inbe-neficiatus coram capitulo nostro homagium facial orchieplscono et sacrameotum prcstet , so in omnibus fidelitatem debitam 6t (devotam) eccle- Ü 242 siae Salzburg, servaturum. Statnimus etiam ut ii^Iomi»ticu HioinnnnüX? et I5uv» kommt eine ttrknnde von Berthold, dein Abte des Stiftes Engelberg in der Schweitz äcio. i'i. .illüi ». nya vor, wasche den Pfad ebnet, auf welchem das Geschlecht Eberhards anfgefundcn werden kann. Berth olds Worte sind: Scripturae inscij no|)is placuif, quaiitcr Luto}-dus A v* He g L n s per «'li intelligent, iiijusta coiiteulio-we diu no» pro ecclcsiac patronaiti cle Wilare vo-xalse, tandem animum ab hujusrnodi retinuit injuriis x qc cidein contcnlioni lam iniegro ,v lam perfeclc re-tiuntiavit , ut advocatiam 0 suis ]>arünt!l>us coiiunirs(MÜo aibi accidentoirj , totamque praylalac litis integrity torn, cum fratribus et f'illis in nostrain potcstatem re-«i^naret. Wcr war aber dieser Lntoldus? Ein reicher Herr im Znrichgan, Herr dcs alten Schloßes von Re-gensperg, zwcy schweitzerische Meilen von Zürich entfernt, am Katzen see gelben. Es gab anch ein Neu - Negcnsperg, wie Goidast <^i'. 7„!c,l1u <-.»«. nll)n. 3. c>»!li sagt. Diiser P^tronatsstreit wurde wahrscheinlich zu Kulanz iln Z'. 1190 ain i5. Julius gc- 2^5 schlichtet in Gegel,wart des Bischofes Diet Helm bon Konstanz. Zeugen waren: canunici conüantion^e», i>2l!ul> Dcranu«, IlucceNariu», 1^, do , Ii a r ä ll » li o Vor dem 1.1209 fomt nirgends ein dem Vater gleich benannter Sohn Lutoldus vor. Er hatte daher wahrscheinlich im I. 1190 noch nicht das zum Zengen gesetzliche Alter. Eberhard von Regensperg, Kanonikus von Konstanz, dnrfte aber hier, wohl mehr als nur einfacher Zeuge des Vergleiches, und ohne Un-wahrschcinlichfeit als Lntolds Bruder, der die Patro-Natsansprilche aufgab, erscheinen, da sich hier eine ganze Verwandtschaft eines Rechtes entäußerte. Daß unser Eberhard Lutolds wirklicher Bruder ge-ivescn /eye, erhellet aus einer anderen Urkunde, worin Eberhard sich über eine Schenkung erklärt, welche dessen Bruder Lutold, dem von ihm (liutolden ) gestifteten ^'ramonstratenscr - Stifte Neuti oberhalb Zürch ohn-weit von Rapperschwyl gelegen, machte. Die Erklärung ist folgende: , Eberhardiis , divina gratia Salzburg. Arcln-episfopus. aposlo'licac sedis legatus — Notum sit , quod l)us Lu told us iic Reg cusp erg, fr a lor meus coutcrinus lolicilalcin siiaiu et patcntum .snoruni salutcm pi'omuvei'fi cogitans , ccclcsiaiu lioatuc Vir"i-bis in praedio mo lluti construxit. — Eo autcm ia 2/$ transmarinis parlitibus Je medio evocato, Lutoidu» dc ßcgonspcrg filius oju» in hoc sibi , sicut in omnibus alüf , jure haercditaric succedens, prafatam gratiam , i»ae cst, ut omnia ecclesiac ttutti attinun-tia , advocalionis titulo a nullo quopiam lacdi dcbeant eidcm ecclcsiae ad nostrae exhortation i« in-slanliam rrcognovit, Nos quoejue , cum sinius h aurcilcs, sicut et ille, plantationis illius novel-lac , et (lonationis cuitislibct ei factae , rccognitionein nepotis nostri, prasentis script! attestations ct sigilli nosiri robore duximus consirmandam. Hujus ici testes sunt II ade g er us Chiemens. ep. Bcrnliar-dus Fricsac. Praepositus. Acl. («t) daium. Ulma ab incarnatione Domini M. CCXIX. II j\oix. Maji, in. diet. Vi. (Cod. dipl. Alem. N. II.) Hier nennt sich Eberhard einen mit seinem Neffen Llitold. V gleich rechtsgültigen Erben; wie hätte er doch dieses behaupten können, wenn er nicht des jungen Lutolbs Vatcrsbrudcr gewesen wäre? Nannte er doch dexsclbell früher seinen l^li-om couloilnuiu, leiblichen Bruder. Eberhard war also aus dem Hause der Herrn von Alt - Regensberg. Der gelehrte Nathshcrr Fücßlin von Zürich erkannte dieses schon in semcm schweitzerischcn Museum 1787 S. 777^812, und 91c» — 9I7. Äuf diese Art wäre aber weder Kärn-ten, noch Schwaben, sondern die Schweiß Eberhards Vaterland gcwcsm? Die Geschichte antworte hierauf. 2^7 Die Helvetic?, welche dleßseits des Flupes Rüp (Uu«n) wohnten, waren, ehe sie sich vom teutschen Neichskör-per trennten, und einen eigenen Volksbund schloßen, Glieder von Alemanier oder Schwaben, von welchen die spätern Kantone: Uri, Schwitz, Zurich, Glarus, Cchasshansen und der Turgau einen ansehnlichen Theil bildet?«. Eberhard konnte daher Schwaben sein Vaterland nennen. Von väterlicher Seite war Eberhard ein Verwandter der Habsburger, indem sein Bruder Lu-told eine Tochter des Grafcn Ulrich von Kiburg zur Osmahlm hatte, deren Schwester Hcilwigis die Gattin des Grafen Albert von Habsburg, und Mutter Rudolphs des nachherigen Kaifers war. Von mütterlicher Seite stammte höchst wahrscheinlich Eberhard ans dem gräflichen Hause von Ncllcnburg. Ehe Eberhard den erzbischöfiichen Stuhl von Salzburg bestieg, saß er auf dem bischöflichen Stuhle von Brixen, auf welchen er als Kanonikus von Konstanz den 17. Julius 1196 nach dem Tode des Bischofes Heinrich gelangt war. Nach dem Tobe Konrad III. wurde Eberhard auf den Stuhl von Salzburg gerufen. Electus cst communi clectione cleri ac Mlniste-rialiui« *t 'n ccclesia cathedral! inlhronizatus . HClCfe? dem er durch bier Jahre der Kirche von Vrixen bor^ gestanden. (Nl>n-i'?. 1. c. p. 3,3.) > Innoceliz IN. erkannte die Wahl nicht an, weil dieselbe ohne dessen Beystimnumg geschehen war, doch siegte Eberhards gute Sache, und Nom bestättigte den Gewählten. ' So wurde die bischöfliche Kirche von Lavant ge? gründet.