Katholische Missionezeitschrift öer Missionäre Söhne Oes hist. Herzene Jesu ätern Nummer 6 - Oktober 1943 46. Jahrgang Spedizione in abbonamento poslale. Edizioni per l’Esterc. 3tim Titelbild: Ein prächtiger Wasserbock zur Strecke gebracht. Inhalt: Dem König der Könige, 6. 41. — Gebetsmeinung, 6. 42. — Ans afrikanischen Missionen! 6. 42. — Der Missionsgedanke, 6. 44. — Jubiläum eines Schweizer Missionsbischofs, 6. 44. — Sitten und Gebräuche bei den Vapedi, 6. 45. — Einheimische Schwestern in Missionsländern, S. 47. — Abbildungen: Eine, die sich.sehen lassen will (Braut), 6. 43. — Ein „Rikscha boi)" in Fahrgäste werbendem Schmuck, S. 46. — Afrika ist auf dem Plan, 6. 48. — Preis: ganzjährig Italien 8 Lire, Ungarn 2.50 Pengö, Schweiz 2.50 Franken. Versand durch Missionshaus Millan b. Bresfanone, Italia. Berufe! Studenten mit Matura, die Ordenspriester und Missionäre werden wollen, brave Burschen von 15—30 Jahren, die Missionsbriider werden möchten, finden Aufnahme in unser Noviziat in Millan. Um nähere Bedingungen und Aufklärungen wende man sich an Hochw. P. Rektor! Gedets-Erhörungen und -Empfehlungen. Dem guten Bruder Meinrad Dank für Erhörnng in einem Anliegen. Spende für die Missionen. K. M., Millan. Ich schicke Missionsunterstützung als Dank für tzilfe durch Bruder Meinrad und Almosen für eine hl. Messe zur Verherrlichung des Bruder Meinrad. Veröffentlichung und Spende waren versprochen. A. A., Campo Tures. Dank für auffallende tzilfe durch die Fürbitte des Dieners Gottes P. Freinademetz! M. K., Montana. Durch Gebet zu den Heiligen Fünf Wunden und zu Bruder Meinrad glaube ich die Genesung eines Freundes von schwerer Krankheit erlangt zu haben. Veröffentlichung war versprochen. R. 91., Millan. In einem schweren Anliegen bittet ums Gebet A. tz., Millan, ebenso E. M., Brunico. Bitte im (Scbet nicht nachzulassen für einen bei der Deutschen Wehrmacht stehenden Soldaten, daß er s. 3. heil und gesund in die Arme seiner besorgten Eltern zurückkehren möge. Arme Seele, Brunico. Zur Beachtung! Gebetserhörungen werden nur dänn veröffentlicht, wenn in der Mitteilung an uns der volle Name unterzeichnet ist. Kürzungen erfolgen durch die Schrift-leitung. Wir bitten um das Gebet für die in den letzten Monaten verstorbenen Abonnenten, unter ihnen Robert Romai, Pdcs, Ungarn; Anna Meßner, Gores; Pfr. Ang. Zorzi, Magrtz; Adele Peer, Millan-Bressanone; Maria Oberhammer, Dobbiaco; Baronin Maria v Buol, Caldaro; Kunigunde Thaler, Lana di mezzo; Kochw. Matih. Valentini, Colle in.Gastes; S. Schätzer, Bolzano. Briefkasten. Auf den Postanweisungen bitte die Adresse angeben, unter der man den „Stern" erhält. Die neuen Abonnenten bitten wir um Nachsicht, daß wir die ersten drei Hefte dieses Jahrganges nicht mehr nachliefern können, da der Vorrat erschöpft ist. Unsere Förderer haben nämlich fleißig und mit sehr erfreulichem Erfolg gearbeitet. Allen werten Lesern, die bei Einzahlung des Abonnements auch Almosen übersandten, und das waren glücklicherweise die meisten, ein herzliches Bergelt's Gott! Ster Neaer Katholische Missions-Zeitschrift Kerausgegeben von der Kongregation: Missionäre Sohne des heiligsten Kerzens Jesu Mit Empfehlung des Kochwürdigsien Fürstbischoses von Bressanone Nummer 6 Oktober 1943 46. Jahrgang Dem König der Könige. «•_ Der größte der Männer in unserem Ort «k, War St. Christophorus; Mi!#. Kein Zeitiger war in der Kirche dort Wie St. Christophorus. %Kr Er patzte auf keinen der hohen Altäre, Er konnte beim Kirchentor gar nicht hinein; Als ob er kein richtiger Christenmensch wäre, Blieb drautzen er — trotz seinem Heiligenschein - , Kielt stets an der Kirchenwand drautzen die Wache. Ich fragte den Vater. „55a, datz ich nicht lache! Ganz einfach ist diese bedenkliche Sache — Der trägt ja das Christkind schon immer mit sich". Erklärte er mir und beruhigte mich.---------- Ich hatte den Heiligen immer schon gern In schweigendem Staunen, so gleichsam von fern. In reiferen Jahren erst hab ich's gewagt Und gleich St. Christophorus selber gefragt, Mir über sein Leben doch eins zu erzählen. Ich mutzte gar lange ihn drängen und quälen; Wahrhaftig, vom Schwätzen schien der nichts zu wissen, Er hat sich wohl stets mehr der Taten beflissen. Ich konnte ein einziges Wort ihm entlocken, Dann kam das Gespräch ganz endgültig zum Stocken: „Ich diene nur einem, dem mächtigsten Herrn!"... Das war seines Lebenslaufs Inhalt und Kern.------------ Das Wort ging mir freilich nie mehr aus dem Kopfe, Verlangte sehr viel von mir schwächlichem Tropfe, Doch lietz St. Christophorus niemals mich ruhn, Er gab mir zu denken, er gab mir zu tun. Ich suchte den einen und hab ihn gefunden In kampfheitzen Tagen, in schlaflosen Stunden. Als endlich die Bande und Binden sich lösten, Da fand ich von allen den Großen den Größten, Den Christoph auf kräftigen Schultern getragen, Uni) kann nun auch stolz seinen Namen euch sagen. Er heißt Jesus Christus. Wieviel ihr studiert, Er ist — ihr bezeugt es mir, wenn ihr probiert, — Der Mächtigste, weil Er — den Zufall regiert. n Gebetsmeinung, vom Heiligen Vater genehmigt und gesegnet: Daß die christlichen Familien in den Missionen es zu schätzen wissen, wenn ihre Kinder zum Priester- oder Ordensstand berufen werden. Seltsamer Wunsch des Papstes und der Kirche, daß überall möglichst bald die Missionäre überflüssig werden! Wir Missionäre sind aber deshalb nicht gekränkt; im Gegenteil, wir arbeiten selbst nach Kräften mit, daß die Missionsvölker religiös selbständig so zu sagen großjährig werden, daß bei ihnen das christliche Leben sich in all seiner Schönheit, Kraft und Gnadensülle entfalte. Der dringenden Einladung der letzten Missionspäpste entsprechend, läßt es der Missionär eine seiner Hauptsorgen sein, unter den Eingeborenen Priester- und Ordensberufe zu wecken, die dann die ausländischen Missions-: priester, -brüder und -fchwestern ersetzen können. So ein religiöser Beruf hängt ab unmittelbar 1) vom berufenden Gott, 2) von den Fähigkeiten und vom guten Willen des Berufenen, dann aber auch 3) mittelbar von Eltern und Erziehern, von Menschen, die andern die Gnade des Berufes verdienen, erbeten, durch Belehrung und gutes Beispiel in jemand Lust und Freude zum Berufe wecken, sodas- er die Einladung, die erwählende Gnade leichter und bereitwilliger annimmt. Christliche Eltern müßten sich eigentlich glücklich schätzen, wenn eines ihrer Kinder von Gott zum Priestertum oder zum Ordensleben erwählt wird. Sie werden das aber nur dann für ein Glück erachten, wenn sie selbst den Priesterstand und den Klosterberuf für etwas Hohes und Erhabenes halten, ihn als Auszeichnung und große Gnade ansehen. Eine solche Beurteilung finden wir in der Regel freilich bloß bei wirklich frommen Familien, denen christliches Leben, wie man sagt, in Fleisch und Blut übergegangen ist,, wenn sie darüber hinaus auch noch einige Kenntnis haben von diesem zweiten von Christus vorgezeichneten Lebenswege, der außerhalb der Familie verläuft, ob sie diese Kenntnis nun durch Lesen oder durch Bekanntschaft mit vorbildlichen, mustergültigen Priestern und Ordensleuten erworben haben. Bon Wundern der Erwählung abgesehen, denen man bei Heiligen manchmal begegnet, von Ausnahmen abgesehen setzt so ein Beruf in der christlichen Eingeborenensamilie also voraus: Ernstes Glaubensleben, einiges Wissen über das Leben nach den evangelischen Räten, Zusammentreffen mit guten Missionären und Ordensleuten. Können wir da den Hebel des Gebetes irgendwo ansetzen, um an der Erreichung dieses Zieles mitzuwirken? Die Gebetsapostel, Freunde des Heilandes und willige Mitarbeiter im Weinberge des Herrn werden das leicht herausfinden. P. H. 3., F. 6i C. Aus afrikanischen Missionen. Rom. — Es ist anzunehmen, daß jetzt, nachdem die Schrecken des Krieges an den nordafrikanifchen Missionen vorbeigezogen sind, die Ruhe und Sicherheit Platz greift, die für die Missionen Vorbedingung guten Wirkens ist. - Zunächst drückt sich in den Nachrichten noch das Grauen des Krieges und seiner indirekten Begleiterscheinnngen aus. Zum Teil aber ist bereits klar ersichtlich-, daß Afrika z. 3. das einzige große Missionsland ist, das nahezu ungehindert seiner Aufgabe sich widmen kann. Daß die Ausstrahlungen des Weltbrandes Personalmangel, Verkehrshemmungen und die dadurch bedingte Knappheit an materiellen Mitteln sich immer noch geltend machen, ist selbstverständlich. 1. Algier und Tunis. — Noch am 17. April haben dis Franziskaner-missionärinnen Mariens bei einem Bombardement der Stadt 15 Mitschwestern verloren, die getötet wurden, zwei weitere wurden verwundet. Die Opfer rekrutieren sich aus Französinnen, Kanadierinnen und Italienerinnen. Neun Schwestern und die Waisenkinder blieben unverletzt. Günstiger lauten die Nachrichten, die von den Schwestern II. £. Fr. von den Aposteln einlaufen. „Allen geht es gut, die Institute gehen ihren Gang. Die von Frankreich eintreffenden und für Ostafrika bestimmten Schwestern konnten am 5. April mit der Transsaharabahn abreisen. 2. Von der E l f e n be i n k üst e schreiben dieselben Schwestern: Hier ist jedes an feinem Platze; wir haben gar keine Zeit, uns mit Außendingen zu besassen, denn die Arbeit häuft sich. Auch von Dahomey und Togo kommen häufig gute Nachrichten..." 3. Von Dahomey (sehr verspätete Nachricht!) berichtet ein Mitglied der Afrikanischen Missionen von Lyon, das am Seminar von Uidah als Professor wirkt: Wir sind hier nicht auf dem Laufenden über das, was sonstwo vorgeht. Unsere Lebensmittelversorgung ist zufriedenstellend, weniger gut geht es mit Kleidung und Textilien, Benzin, Petrol und anderen Brennstoffen. Da die Motoranlage nicht funktioniert, müssen wir uns im Seminar mit Palmöl) bisweilen mit Kokosöl, Erdnußöl behelfen. Das bleiche ungenügende Licht tut natürlich den Augen nicht gut. Weißen Reis haben wir nicht, aber wir sind froh um den landesüblichen roten Reis, wenn er auch weniger gut schmeckt. 4. Aus Senegal. — Ein Professor der Apost. Präfektur Ziguinchor meldet aus dem Seminar, daß die Arbeit weitergeht und die 17 einheimischen Studenten von gutem Geist beseelt sind. 5. Aus Madagaskar wird der vorzeitige Tod eines einheimischen Geistlichen gemeldet, der 1925 in Tananarive geweiht worden war. Als Sprößling einer adeligen Familie wurde er 1896 in Tamatave (Apost. Vikariat Tananarive) geboren. 5). 5). Hubert Nicol war seit Fahren Professor am Großen Seminar von Ambatoroka. Eine, die sich sehen lassen will (Braut). 5. Zentralafrika. Möns. Biechy, der Apost. Vikar von Brazzaville, berichtet über das verflossene Jahr 1942: Wir verfolgen mit einer gewissen Angst die Ereignisse: wir beten mehr als gewöhnlich, halten auch unsere armen Kongolesen dazu an, die sich in ihrem Busch nicht besonders Rechenschaft über die Lage geben. So über die Fragen: Warum kommen keine Missionäre mehr, warum kehrt der und der überarbeitete Pater nicht nach Frankreich zurück?... Es ist wirklich so: es fehlt uns an Missionären und, die an Ort und Stelle bleiben, .reiben sich auf. Wir ziehen uns aus der Schlinge mit örtlichem Beistand, sowohl was das Personal als was die Schulen angeht. Gerade auf schulischem Gebiet hat man große Anstrengungen gemacht und wir suchen nach Kräften beizutragen. Diese Arbeit lohnt sich im Grunde immer. Als Generaldelegierter des Roten Kreuzes von Französ. Aequatorialafrika und Kamerun gibt es für mich hübsche Mehrarbeit zu leisten. Doch man klagt nicht: sind wir ja doch deshalb nach Afrika gekommen. Unseren Missionären geht es allen gut, ebenso den St. Zoseph-Schwestern. Ein Kloster mit Noviziat wurde für einheimische Schwestern in Linzolo gebaut, ebenso ein Mütterheim in Alima als Ergänzung zur Armenapotheke. Augenblicklich haben wir 5 Theologiestudenten, zwei wollen die Philosophie beginnen. Das Kleine Seminar hat 20 Schüler. (Fides, August 1943). Der Misstonsgedanke. Seinen beiden Naturen nach nimmt Jesus Christus einerseits als Logos (das ew'ge Wort) von Ewigkeit her eine Wellstellimg ein, deren Anerkennung und Bekehrung Hauptaufgabe der christlichen Mission ist: andererseits steht Er als Menschensohn da, d. h. als Repräsentant der ganzen Menschheit, als „Fdeal-, Zentral- und Universalpersönlichkeit", als „der Mensch für alle Menschen", für Japaner und Neger ebenso gut wie für. die Europäer, was-wiederum zur Auspflanzung Seiner Herrschaft auf dem ganzen bewohnten Erdenrund vermittelst der Mission antreiben muß. Dr. 3. Schmidlin. Jubiläum eines Schweizer Mistionsbischofs. Rom. — 6. Exz. Mons. Burkhard Huwiler, Apostolischer Vikar von Bukowa (Tanganyika-Gebiet Ostafrika), konnte am 2. Juli a. c. mit der Zurückhaltung, die in den Zeitumständen begründet ist, sein 50jähriges Priesterjubiläum begehen. Aus mehr als einem Grunde ist die Priesterweihe des damals (i. 3. 1893) 25jährigen Missionärs bemerkenswert. Sie fand statt in Karthago, der alten, heute wieder viel genannten Bischofstadt Nordafrikas, wo die Söhne Lavigeries eine blühende Niederlassung errichtet hatten. 3n der Tat war der junge Aargauer erfaßt von dem immer mehr erstarkenden Missionsgedanken, wie er vor 50 und mehr Zähren mit andern Ländern über die Schweiz hinwehte, als erster Schweizer Mitglied der Gesellschaft ■ der Missionäre Afrikas (Weiße Väter) geworden. Den vorläufigen Abschluß seiner Studien bildete die Weihe in dem Land, das von 1897 ab sein Arbeitsfeld bilden sollte. Es folgen 3ahre der Arbeit und Mitarbeit an jenem großen Evangelisationswerk im Gebiet der Großen Seen, zuerst in Mwanza, dann nach einer durch schwere Arbeit hervorgerufenen Unterbrechung in Ruanda und schließlich in Bukoba. 1929, als das Apost. Vikariat Nyanza aufgeteilt wurde, und aus ihm und Teilen von Tabora und ilrimbi das Apost. Vikariat von Bukoba gebildet wurde, fiel die Wahl auf P. Humiler als ersten Apost. Vikar von Bukoba./ Heute steht Erz. Huwiler vor uns als einer der verehrungswürdigsten Miffionsbifchöse Afrikas, der auf eine Fülle von Arbeiten, aber auch Erfolgen, zurückblicken kann. Sein Sprengel, der sich langgestreckt zwischen dem Viktoria- und Tanganyikasee — ungefähr in der Größe der Schweiz ohne Graubünden hinzieht — zählt gut 75.000 Christen außer den Taufbewerbern. Im Jahre 1939 hatte er zu Mitarbeitern 54 Weiße Väter, in der Hauptsache Holländer und Franzosen, 12 Brüder, 22 auswärtige und 27 einheimische Schwestern. Möge der 75jährige Jubilar am Abend seines Lebens noch die Freiheit finden, die nicht nur ein Charakteristikum seiner heimatlichen Berge, sondern auch die tzauptvorbedingung für eine gedeihliche Missionsarbeit ist. (Fides.) Sitten und Gebräuche bei den Bapedi. (P. M. R. F. S. C ) VI. Gerichtswesen. 3. Strafen in schweren Berbrechen. (Fortsetzung.) Blutschande, d. h. der geschlechtliche Verkehr mit einer Verwandten, mit der er keine Heirat eingehen datf, gilt bei unserm und wohl bei den meisten Nemrstämmen als das abscheulichste Verbrechen, das nur durch den Tod gesühnt werden kann. Uebrigens hat mich der Häuptling Mapote versichert, daß sich auch die ältesten Leute nicht erinnern können, daß im Stamme jemals diese Schandtat begangen worden wäre. Darum gehen wir über zum Frauenraub. Dabei sind zwei Fälle zu unterscheiden: a) Handelt es sich um eine Frau des Häuptlings, insbesondere um dessen Hauptfrau, die Leuchte des Stammes, so wird der Täter, der Räuber, mit dem Tode bestraft; natürlich unter der Voraussetzung, .daß er erwischt wird. Ein Entkommen ist allerdings sehr schwer, da die Negerjustiz sehr lange Finger hat und des Häuptlings Geheimpolizei eine ungemein feine Spürnase hat. b) Dem Raub einer gewöhnlichen Frau hingegen stehen unsere Neger merkwürdigerweise mit einer großen Dosis Skeptizismus gegenüber. Er gehört eigentlich nicht zu den todeswürdigen Verbrechen. Diese Eingeborenen setzen nämlich voraus, und sie dürften auch nicht ganz Unrecht haben, daß der Schuldige von der betreffenden Frau selbst dazu ermun-tert worden sei, also mit ihrem Einverständnis gehandelt habe. Dieser Grund nun dürfte int ersten Solle wohl auch zutreffen. Warum trotzdem in der Strafe der große Unterschied gemacht wird, habe ich nicht herausfinden kömmt. Das Strafurteil des Häuptlings in solchen Fällen lautet auf die Bezahlung mehr oder weniger Rinder, je nach dem Viehstand des Delinguenten. Von diesen wandert der bessere Teil in den Kraal des Häuptlings selber, der Rest fällt dem Manne oder den Verwandten der geraubten Frau zu. Die Entführung eines Mädels zum Unterschied vom Raub einer Fratl gilt bei den Bapedi eigentlich nicht als ein Verbrechen. Immerhin hat das Stammesgesetz derartigem Treiben einen starken Riegel vorgeschoben, indem es den eigentlichen Zweck der Entführtutg vereitelt. Dem Entführer ist es nämlich unter gar keinen Umständen erlaubt, das geraubte Mädchen zu heiraten. Die Entführtmg ist ein Ehehindernis. Verführung von Mädchen kommt leider auch bei deit Negern vor, wie Ein „Rikscha boy" in I-ahrgüste Werbendem Schmuck. das Verbrechen mit dem Tode bestraft. Und zwar kommt der Fall für gewöhnlich nicht einmal vor das Hohe Gericht! sondern der Vater der Verführten handelt aus eigener Machtvollkommenheit mit Hilfe einer starken Dosis Gift. Kannte selbst so einen Mann, der seine verführte Tochter und ,ihren Verführer gelegentlich eines Biergelages vergiftete, so daß beide nach drei Tagen zur-selben Stunde sterben mußten. Der Manu mußte allerdings vor der Staatspolizei in die Berge flüchten. bei allen Sterblichen, die von ungezügelten Leidenschaften beherrscht werden. Das Strafverfahren ist grundverschieden je nach dem Verhältnis des Verführers und des Opfers zum Stamme. a) Haben die betreffenden noch nicht die Stammesschule durchgemacht, d. h. sind sie noch nicht Mitglieder des Stammes, noch nicht heiratsfähig, so wird Habe einen .Häuptling, und zwar den Großhäuptling Seguati i» Madishaue gefragt, warum für dies Vergehen eine so schwere Strafe vorgesehen sei. Er gab mir die weisheitsvolle Antwort: Wer diesen Trieb nicht beherrschen Kanu bis er heiratsfähig ist, ist nicht würdig Stammesmitglied zu werden. Das ist die Ansicht eines Wilden. b) Hat der Verführer hingegen die Stammesschule hinter sich, dann geht es milder ab. Das Urteil lautet gewöhnlich auf eine Entschädigung gegenüber den Eltern der Verführten und zwar nicht über drei Rinder. Für gewöhnlich wird bei der Geburt des Kindes eine Kuh mit Kalb .ausgehändigt. Sollte nach dem ersten Kinde noch weitere Nachkommenschaft sich einstellen, dann haben die Eltern der Mutter keinen Anspruch auf- eine Entschädigung mehr. Die Bapedi sind nämlich der Ansicht, daß durch eine derartige Buße oder Strafe in Form von Rindviehern die Eltern nur veranlaßt werden könnten eine Tochter dem Lasterleben preiszugeben, um sich damit zu bereichern. Man sieht, daß dies Negervölklein sich im menschlichen Instinktsleben gar nicht schlecht auskennt. Mit der G e b u r t s v e r h e i m l i ch u n g befaßt sich der Gerichtshof der Eingeborenen überhaupt nicht. Es ist dies wie so manches andere ein vom Ausland eingeschmuggeltes Vergehen, dessen Bestrafung ausschließlich den Eltern des fraglichen Mädchens anheimgestellt wird, die jenes Maß zumessen, das ihnen zweckmäßig scheint. Vom Häuptling aus haben sie freie Hand. Den Ehebruch haben wir eigentlich schon oben erwähnt unter der Rubrik Mord. Es fei nur noch aus dem Kapitel II. über die Ehe erwähnt, daß nach der Auffassung der Bapedi ein Ehebruch nicht vorhanden ist, infolgedessen auch keine Strafe Anwendung findet, wenn ein unfähiger Mann der Frau einen Ersatzmann oder eine kinderlose Frau dem Manne eine Ersatzfrau unterstellt zur Besorgung von Nachkommenschaft; und wenn der Häuptling einem hohen Gaste, nämlich einem Häuptling, eine seiner Frauen zur Verfügung stellt, wie es eben die Bapedi Unsitte von ihm verlangt. In allen hrei Füllen handelt es sich nach heidnischer Auffassung um die freiwillige Uebertragung eines Rechtes; somit kaun von einer Rechtsverletzung — von einem Verbrechen keine Rede sein. Wir kommen nun zum Verrat. Da ist zunächst zu. bemerken, daß es sich hier nicht um einen Vertrauensbruch, um die Preisgabe eines Geheimnisses, auch nicht um eine Angeberei bei der staatlichen Autorität, d. h. des fremden Eindringlings handelt. Lieber wird sich ein Bapedi totschlagen lassen, als derlei Gemeinheiten zu begehen. Bei den Negern, die als geschlossener Stamm leben, sind das unbekannte Dinge. Bei Eingebornen, die in die Städte abgewandert sind und in die Kohlen-, Gold- oder Diamantengruben, verhält es sich leider Gott nicht mehr so. Von der weißen Bevölkerung, mit der sie dort in Berührung kommen, könnten sie manches Gute lernen; gewöhnlich aber werden sie nur von den Fehlern und Lastern derselben angesteckt. Einheimische Schwestern in Missionsländern. Schon in den apostolischen Zeiten halfen Frauen beim Evangelisativns-werk mit. Kein Geringerer als der große Missionär St. Paulus selbst ist uns Zeuge hiefür. Im Philipperbriefe (4,3) sagt er: „Ich bitte auch dich, du treuer Gefährte, nimm dich ihrer (der Evodia und Spntyche) au. Sie haben ja mit. mir für das Evangelium gearbeitet, auch mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern. 2m Römerbrief schreibt er: „Ich empfehle euch Phöbe unsere Schwester, die im Dienst der Gemeinde zu Keuchreä steht... daß ihr ihr beistehet in jedem Anliegen... denn auch sic ist vielen beigestanden, auch mir selber. Grüßet Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus... denen nicht bloß ich Dank sage, sondern auch alte Gemeinden der Heiden... Grüßet Maria, die sich viel bemüht hat unter euch... Grüßet Trpphäne und Tryphosa, die sich mühen im Herrn________“ Von diesem Zeitabschnitt erklärt Funk, man habe ein Diakonisseninstitut für die Ausübung gewisser Dienste an Frauen eingerichtet — Dienste, die wie die Taufzeremvnien nicht gut von Männern vorgenommen werden konnten. Cr fügt hinzu, daß um dieselbe Zeit ein anderes Institut, das der Witwen, in Erscheinung trete. Mit der Ausbreitung der Kirche im Lauf der Jahrhunderte wuchs die von den Frauen übernommene Rolle immer mehr an Ausdehnung und innerem Ausbau, bis sie den heutigen imponierenden Grad erreichte. Es war ein Glück, daß der Großteil der auf dem überlasteten Missionär Afrika ist auf dem Plan. ruhenden Aufgaben von weiblichen Helferinnen übernommen wurde, vor allem die Werke geistlicher und leiblicher Barmherzigkeit, für die sie von Natur ans, besonders geeignet find. Auf karitativem Gebiet leiten sie eine beträchtliche Anzahl vvn Instituten und Heimen, so für verlassene Kinder, Waisen, Blinde, Krüppel, alte Leute it. a. die in irgend einer Form dem Elend verfallen sind. Auf dem Geibiet der Erziehung erstreckt sich ihre Tätigkeit auf die religiösen wie weltlichen Fächer. Sie lehren Frauen und Mädchen den Katechismus und die Gebete, bereiten sie aus den Sakramentenempfang vor, besuchen sie, zu Hause, treten als ihre Freunde und Ratgeber auf und überwachen auch nötigenfalls ihre Ausbildung und Vorbereitung in Katechumenaten. Sie fördern und hegen Ordensberufe unter den Mädchen, bereiten so den Weg für einheimische Schwesterngenossenschaften und für ein festes Wurzelfassen der Kirche in ihren Arbeftsländern. Sie leiten Primär- und Sekundärschulen, Lehrerinnenbildungsanstalten für weibliche Katechisten und Lehrer, Haüshaltungs- und Kunstgewerbeschulen, Industrieschulen und Laboratorien, die zugleich auch die Arbeitsgelegenheit und Besserung der wirtschaftlichen Lage bezwecken. In immer steigendem Maße wenden sich diese Hilfskräfte auch dem medizinischen Gebiete zu. Sie pflegen die Kranken zu Hause und in Krankenhäusern, leiten Hospitäler, bilden Pflegerinnen heran und widmen sich der Pflege der Leprosen. Sie tun das ihre, um Epidemien vorzubeugen, indem sie hygienische Kenntnisse vermitteln imt) Impfungen veranlassen. Die Gesundheit von Müttern und Kindern ist besonderer Gegenstand ihrer Fürsorge. Wer sich vergegenwärtigt, was eine einzige Schwester an Opferbereitschaf und Selbstaufopferung zu leisten vermag, wird ermessen können, was es heißt: allein im Bereich der Propaganda arbeiten zur Zeit 53.025 Missionsschwestern. Ihnen stehen 21.737 Schullehrerinnen und 14.115 Katechistinnen zur Seite. Die Zahlen sind aus der statistischen Abteilung der Agentia Fides geschöpft und nehmen als Stichjahr 1939. Der Anteil, den die Schwestern an den • Missionsarbeiten haben, kommt klarer noch zum Ausdruck durch die folgende Gegenüberstellung mit der Anzahl der Missionsbrüder und Priester. Dabei handelt es sich durchwegs um Propagandagebiete. Amerika umfaßt Alaska, Nord-Kanada und Teile von Südamerika mit einer Katholikenzahl von 3 Millionen. Europa umschließt die skandinavischen Länder, Jugoslawen und Albanien. Missionsgebiete der Propaganda. Priester Brüder Schwestern Asien . . . . 10.659 3.118 21.544 Afrika . . . . 5.330 2.698 10.672 Amerika . . . 1.333 579 2.869 Ozeanien . . . 3.652 2.177 15.161 Europa . . . . 941 263 2.779 Insgesamt . . 21.915 8.835 53.025 Demnach machen die Schwestern 63.3% des gesamten der Propaganda unterstellten Personals aus. In Ozeanien beträgt dieser Anteil sogar 75%, in Asien 61% und in Afrika 57%. Mit andern Worten ausgedrückt: Fast zwei Drittel aller Missionskräfte werden von den Schwestern gestellt. Einheimische Schwestern. Was von der Wichtigkeit und Bedeutsamkeit der Frauen ans dem Missionsfeld gesagt wurde, gilt in doppeltem Maße von den einheimischen Schwestern. Im Gegensatz zu ihren auswärtigen Kolleginnen füllt für sie die Mühe der Anpassung fort. Sprache, Sitten und Gebräuche, Essen und Trinken, Klimabesonderheiten sind ihnen von Kindsbeinen an vertraut. Sie schauen in die Seele ihres Volkes wie in einen Spiegel, sie wissen, wo ihre Landsleute der Schuh drückt. Schon ihr Aeußeres läßt keine Furcht aufkommen und flößt Vertrauen ein. Sie sind in ihrem Land gii Hause, und brauchen darum nicht so sehr auf Speise, Kleidung, Unterkunft Bedacht zu nehmen; die Folge davon ist, daß die Mission'skasse nicht so sehr in Anspruch genommen wird. Wie vom einheimischen Klerus, kann auch von den einheimischen Schwesternschaften gesagt werden: die Kirche hat solange in einem Land nicht festen Fuß gefaßt, bis sie über eine große Zahl eingeborener Schwestern verfügt. Sind die Ordensberufe bis zu dem Punkt gediehen, daß die Frauen eines Landes ihren Platz an der Seite der Männer einnehmen können, um mit ihnen verantwortlich das Ausbreitungswerk der Kirche voranzutragen, dann befindet sich diese auf dem richtigen Weg. Das fremde Missionspersonal wird nicht länger mehr für ihre Entwicklung unbedingt nötig sein und die Härten einer Verfolgung werden bedeutend abgeschwächt. Die Kirche tritt in das Alter der Volljährigkeit und steht auf derselben Stufe wie die in den sog. christlichen Ländern. Es erhebt sich die Frage, wo steht man, wie weit ist man dem Ideal näher gekommen? Wieviele von den 53.000 Missionsschwestern sind dem Land entsprossen, in dem sie arbeiten, und wie groß ist ihreZahl im Verhältnis zu den einheimischen Priestern und Brüdern? Auf diese Fragen wollen mir etwas näher eingehen. 3m Folgenden geben wir durch die Statistik die Zahl der auswärtigen Schwestern, die Zahl der eingeborenen Schwestern und ihren Prozentsatz an der Gesamtzahl der Schwestern, und zwar stir den gei-samten Propagandabereich, für ganz Asien und Afrika und für eine Reihe von Ländern Asiens und Afrikas, die sich durch besondere Entwicklung auszeichnen. Einige tausend Schwestern, die zwar in Missionsgebieten geboren wurden, aber aus europäischen Familien stammen, wurden nicht als einheimische gerechnet. Auswärtige Schw. Eingeborene Schw. Prozentsatz Gesamt-Propaganda . . 35.678 17.347 32,7o/o Asien .... 6.292 15.252 70,8% Afrika .... . . 9.213 1.459 13,7o/o Britisch Indien . 3.128 5.342 63,1 o/o Indochina 351 4.568 92,9o/o Ehina und Mandschurei . . 2.146 4.081 65,5% Kaiserreich Japan '584 1.077 64,9 % Ostafrika 1.010 596 37,lo/o Süd- und Insularafrika 4.174 503 9,6% Wir sehen also, daß die eingeborenen Schwestern ein Drittel der Schwestern überhaupt darstellen; es kommt also durchschnittlich eine einheimische Schwester auf zwei auswärtige. Sn Asien ist das Verhältnis noch günstiger: indem die einheimischen weiblichen Missionskräfte dort doppelt so zahlreich sind als die überseeischen Schwestern. Sn Ehina, Japan und Britisch Indien ist das Verhältnis der einheimischen zu den auswärtigen Schwestern zwei zu eins. Für Indochina ergibt sich die überraschende Tatsache, daß von 100 Schwestern 93 bodenständig sind. Afrika, das sich verhältnismäßig spät der Mission erschlossen hat, zeigt entsprechend niedrigere Ziffern. Doch reiht sich bereits das hochentwickelte Ostafrika (mit Uganda, Kenya, Tanganyika und Nyassa) dem Allgemeindurchschnitt an, indem dort eine eingeborene Schwester auf zwei auswärtige trifft. (Fortsetzung folgt.) Herausgeber: Kongreg. ti. Missionäre Söhne d. hlgst. Herzens Jesu, Millnn-Bressanone. Schriftleitung: Dr.'theol. et phil. P. M.- Rasfciner F. 6. (£., Millan-Bressanone. Druck: A. Wegcr's Buchdruckern, Bressanone. Nulla osta. — R. Prefettura, Bolzano — Gab. No. 5087, 38 dicembre 1939—XVIII. Missions-Haus Millan-Vressanone, Italia.