Die großen Feldherren von der ältesten bis PIL neuesten Zeit nebst einem Anhänge. Von A. Paiv, k. u.k.Wberst i.N. Ak- Laibach 1902. Buchdruckerei Jg. v. Kleimnayr L Fed. Bamberg in Laibach. Die großen Feldherren von der ältesten bis zur neuesten Zeit nebst einem Anhänge. Von A. Paiö, k.u.k. Oberst i.R. Zk> Laibach 1902. Buchdruckerei Jg. v. Kleinmayr L Fed. Bamberg iu Laibach. Dem ruhmreichen Andenken SN Sr.k.u.k. Hoheit den Erzherzog Albrecht, sn Se.Exe.denFeldmsrfchsllGrsfRsdehky, sn Sr. Exr. den Feldzengineifter Baron Kuhn und der Erinnerung an die Waffengenossen Ihrer Epoche in Ehrfurcht gewidmet. Vorwort. Der Feldherr ist das Haupt, die Seele eines Heeres. Seine Gegenwart bei demselben ist unumgänglich noth- wendig. Nicht das macedonische Heer war am Indus, son¬ dern Alexander. Nicht das römische Heer hat Gallien unterworfen, sondern Julius Cäsar. Nicht die karthagische Armee vor den Thoren Roms brachte die Republikaner zum Zittern, sondern Hannibal. Nicht die preußische Armee hat sieben Jahre gegen zwei, oft gegen drei Großmächte Europas gekämpft, sondern Friedrich der Große. Dieser geniale Spruch des großen Meisters der Kriegskunst gab mir die Idee ein, ein Werk heraus¬ zugeben, welches die Großthaten der großen Feldherren und dadurch auch die Kriegsgeschichte der Staaten von der ältesten bis zur neuesten Zeit in aller Kürze enthält. Inwiefern das Unternehmen der Anerkennung der militärischen Zeitgenossen wert sei, mag eine billige Kritik untersuchen und entscheiden. Laibach im November 1901. Der Verfasser. Inhalt. Die großen Seite Alexander der Große. . 1 Hannibal.4 Die beiden Scipionen . 4 Gajus Marius .... 7 Pompejus.9 Julius Cäsar .... 10 Gustav Adolf .... 13 Marschall Turenne... 14 Herzog Karl von Lothringen 15 Prinz Eugen .... 17 Peter I. der Große . . 20 Friedrich II. der Große . 23 Feldmarschall Graf Daun 25 » Baron Laudon 25 » Fürst Suivarosf 28 Feldherren. Seite Napoleon 1.31 Feldmarschall Erzherzog Karl.39 Feldmarschall Fürst Kutu- soff.41 Feldmarschall Fürst Schwarzenberg ... 44 FeldmarschallFürstBlücher 44 » Herzog Wellington 44 » Graf Radetzky . 48 -> Erzherzog Albrecht 52 Wilhelm I. der Große . 55 Feldmarschall Großfürst Nikolaus.59 Selbstverständlich gibt es außer diesen noch mehrere große Feldherren. — Falls es zur zweiten Ausgabe dieses Werkes kommt, werden sie darin erscheinen. Hervorragende, jedoch vom höheren Commando abhängige Heerführer, wie z. B. Feldzengmeister Kuhn re., erscheinen als Unterfeldherren. Inhalt Mn Anhänge. Seite Der kühne, methodische Krieg.63 Lehrreiche Beispiele, seine Basis und Operationslinie sicherzustellen.66 Über das Preisgeben der Operationslinie in wichtigen Fällen.67 L. Der Feldzug 1866 in Italien. Strategischer Aufmarsch.72 Marschmanöver (Operationen).73 Taktisches Gebiet.74 Der Feldzug 1866 in Südtirol. Aufstellung der Truppen.77 Marschmanöver.78 Strategisch-taktische Würdigung verschiedener Opera¬ tionen, Schlachten nnd Rückzüge re., welche hauptsächlich in die Epoche großer Feldherren des vergangenen Jahr¬ hunderts fallen.81 1. ) Operationen.82 2. ) Schlachten und Gefechtsverhältnisse überhaupt . 85 Über See- und Landkrieg oder der Admiral und der Feldherr.89 Der Feldherr, sein Wissen, seine Eigenschaften . 93 Alexander der Grosze, König von Marodvilion und von Asivn. «Suche dir ein größeres Reich, Macedvnien ist für dich zu klein», sprach König Philipp zu seinem Sohne Alexander. Alexander der Große (336 bis 323 v. Chr.). Früh¬ zeitig erfüllte ihn das Streben, gleich Achill durch gewaltige Kämpfe sich unsterblich zu machen. Aristoteles, der größte aller griechischen Gelehrten, war sein Lehrer. Durch ihn wurde der außerordentlich begabte Prinz mit Bewunderung für die Dichter der Griechen erfüllt. Alexander der Große hat acht Feldzüge gemacht, in denen er einen großen Theil Asiens eroberte. Mit einem 40.000 Mann starken, vortrefflich aus¬ gerüsteten Heere überschritt er 334 v. Chr. den Hellespont; am Granicus erfocht er den ersten Sieg, nicht zum wenigsten durch persönliche Tapferkeit, über ein persisches Heer. Bei Jssns siegte er abermals über Darius, der 600.000 Manu stark war, wobei er die Mutter, die Gemahlin und die Kinder des Königs gefangen nahm, die er mit großer Rücksicht behandelte, — während der Paio, Die großen Feldherren rc. 1 2 König selbst durch die Flucht sich rettete. In weniger als zwei Jahren unterwarf er nach zwei Schlachten und fünf Belagerungen die Küstenländer des schwarzen Meeres, darunter Byzanz, dann die Küste des mittelländi¬ schen Meeres bis Alexandria, ganz Kleinasien, Syrien und Ägypten. Im Jahre 331 v. Chr. kam es zur Schlacht bei Arbela und Gangamela, wo die Perser heldenmüthig kämpften, dennoch siegte Alexander, während Darius auf dem Rückzüge von einem Satrapen ermordet wurde. Hierauf wendete sich Alexander nach Indien, wo er im Pand sch ab (Fünfstromland) den König Pvrus besiegte. Als er dann den Marsch noch weiter nach Osten fort- setzeu wollte, weigerten sich die Soldaten weiter zu ziehen, da sie von tiefer Sehnsucht nach der Heimat erfüllt waren. Alexander gab nach. Im Jahre 326 v. Chr. schiffte er sein Heer auf 800 Schiffen auf dem Indus ein; nach seiner Ankunft ans dem Ocean schickte er den Nearch mit einer Flotte entlang des indischen Meeres bis zum Euphrat. Dann durchzog er die Wüste von Gedrosien in 60 Tagen und kehrte nach Pasa Gardi, Persepolis nnd Susa; hier heiratete er Statira, des Darius Tochter. 324 wendete er sich abermals gegen Norden nnd endete seine Lauf¬ bahn zu Babylon, wo er infolge der Kriegsanstrengnngen einem heftigen Fieber erlag (323). Seine letzten Worte waren: «Dem Würdigsten hinterlasse er das Reich, und zum Zeichen, 3 dass er sich nichts angeeignet, svilen seine Hände bei in offenen Sarge fr ei herab Hängen.- Alexander des Großen Krieg war methodisch und kühn, und verdient das höchste Lob. Keine seiner Zufuhren wurde aufgehoben. Seine Heere vermehrten sich nach Maßgabe des Vordringens; am schwächsten waren sie am Granicus, wo sie zuerst ins Treffen kamen; am Indus waren sie dreimal stärker, theils aus Verstärkungstruppen, theils ans Fremden bestehend, die man unter den Eingeborenen ausgehoben hatte. Wie aber, wenn er bei Jssns geschlagen worden wäre, wo das Heer des Darius auf seiner Rückzngs- linie stand, den rechten Flügel ans Meer, den linken ans Gebirge gelehnt, während die Macedonier ihren rechten Flügel ans Gebirge, den linken ans Meer und den Rücken an Cilieiens Engpässe lehnten; wenn er bei Arbela geschlagen worden wäre, wo er den Tigris, den Euphrat und die Wüste im Rücken hatte und ohne feste Plätze 900 Stunden von Maeedonien entfernt stand; wenn er von Porus geschlagen worden wäre, als er von diesem an den Indus gedrängt wurde? Alexander hatte weltumfassende Pläne, die griechische Cultur nach Asien zu tragen und mittelst dieser die Weltherrschaft zu begründen, deswegen heiratete er die 4 Tochter des Darius und verlangte, dass auch seine Soldaten mit Perserinnen sich verheiraten sollten. Er gründete in allen Theilen Vorderasiens Städte, in denen griechische Sprache nnd Bildung heimisch wurden, ebenso zur Förderung des Handels die Stadt Alexandria. Alexander dem Großen waren in kurzer Zeit Erfolge zutheil geworden, wie nie einem Eroberer vor ihm. Da vergaß er manchmal, dass er doch nur ein Mensch sei. Er verlangte dieselbe Verehrung wie die persischen Könige, dass man vor ihm niederfalle und den Boden küsse. Dies erbitterte die Macedouier, die bisher wie freie Männer mit ihrem Könige verkehrten. Hannibal, Karthagischer Hrersührer, und die beide» Seipwnen, römische Heerführer. Schon als Knabe war Hannibal von Hass gegen die Römer erfüllt worden und hatte an heiliger Stätte ihnen ewige Feindschaft geschworen. Hannibal (218 bis 202 v. Ehr.) übernahm mit 25 Jahren den Oberbefehl über die karthagische Armee in Spanien. Von griechischen Lehrern hatte er eine ausgezeichnete Erziehung genossen und sich eine hohe 5 Bildung erworben. Mit der größten Ruhe verband er die größte Besonnenheit. Er zog 218 v. Chr. mit seinem Heere über den Ebro und die Pyrenäen nach der Rhone, sodann, der Jser folgend, an den Fuß der Alpen, erreichte den Pass des St. Bernhard und kam in die Poebene. Hannibal siegte zuerst am Ticinus, daun an der Trebbia und, nachdem er die Apenninen übersetzt, am Tra sime nischen See, wo das römische Heer, zwischen Gebirge und See eingekeilt, vernichtet wurde. Bei Cannä in der Ebene erlitt ein neues römisches Heer eine furchtbare Niederlage — die Thore Roms standen offen. Von da verließ Hannibal sein Glück. Bei Nolli erlitt er durch Marcellus eine nicht unbedeutende Niederlage, worauf seine Verbündeten abfielen. Nun giengen die Römer in die Offensive; nachdem sie Spanien erobert und nach Afrika übersetzten, riefen die Karthager Hannibal zurück. Bei Zama, 20 Meilen von Karthago, kam es zur Schlacht, wobei das weit stärkere römische Heer unter Cornelius Scipio Africanus major siegte (202 v. Ehr.). Die Römer verlangten nun die Aus¬ lieferung Hannibals, welcher sich zuerst nach Autiochus, sodann nach Bithynien geflüchtet hatte. Um nicht feinen Todfeinden in die Hände zn fallen, nahm er Gift mit den Worten: «So will ich denn die Römer von ihrer Furcht befreien» (183 v. Ehr.). Zur selben Zeit starb auch sein großer Gegner Scipio. Er hatte den Undank der Römer erfahren müssen, die ihn der Bestechlichkeit anklagten, worauf er freiwillig in die Verbannung gieng. Vor seinem Tode befahl er, 6 auf seinen Grabstein zu schreiben: -Undankbares Vater¬ land ! Nicht einmal meine Gebeine sollst du haben, sie sollen in fremder Erde ruhen.» 56 Jahre später kam es zum dritten punischen Kriege, der drei Jahre dauerte. Erst im dritten Jahre, als der junge und hochbegabte, kriegstiichtige Scipio Africanus miuvr den Oberbefehl erhielt, trat eine günstige Wen¬ dung für die Romer ein (l46 v. Ehr.). Auf den Trümmern Karthagos weinte Scipio, das Schicksal Roms voraussehend. Dem Scipio war es beschieden, auch den Krieg in Spanien gegen Nnmantia glücklich zu Ende zu führen. Hannibal hat 17 Feldzüge gemacht, und zwar 1 in Spanien, 15 in Italien und 1 in Afrika. Er hatte den Grundsatz, seine Truppen beisammen zu halten und nur in einem festen Platze Besatzung zu lassen, die er sich zur Aufbewahrung seiner Geiseln, ausgezeich¬ neten Gefangenen, Kranken und feines Kriegs¬ materials vorbehielt. Was feine Verbindungen anbelangt, so verließ er sich auf seine Verbün¬ deten, namentlich die Gallier. Auf solche Art behauptete er sich 16 Jahre in Italien, ohne eine Unterstützung von Karthago zu er¬ halten, und räumte es nur auf Befehl seiner Regierung, um zur Vertheidigung seines Vaterlandes zu eilen. 7 Hannibals Feldzüge übertrafen an Großartigkeit, Schwierigkeit und Kühnheit noch jene Alexanders des Großen; dennoch waren sie methodisch. Wäre er nach der Schlacht von Cannä'gegen Rom marschiert, so wäre Karthago aller Voraussicht nach die Weltbeherrscherin geworden! Scipio Africanus major, der Besieger Hannibals, berühmt als ausgezeichneter Redner, hatte bereits vor der Schlacht bei Zama glänzende Erfolge in Spanien erfochten; er besiegte Hannibals Bruder, Hasdrubal, am Metaurus, wobei letzterer in der Schlacht fiel. Gajns Marius, erster Cvnful und römischer Heerführer. l O7 bis 86 v. Ehr. Als die Siegesknnde von Aqua Sextia und Vercella nach Rom kam, wurden dem Marins wie einem Gotte Dankopfer dargebracht. Gajus Marius* war Bauernsohn, diente als ge¬ meiner Soldat, wurde General, erster Consnl und Feld¬ herr. Er führte den Krieg glücklich gegen Numidien und nahm den König gefangen. Weit größeren Ruhm erwarb er sich gegen die Cimbern und Teutonen, welche * Marius war von großer militärischer Begabung und un¬ beugsamer Willenskraft, von brennendem Ehrgeiz getrieben, die höchsten Stellen zu erlangen. 8 bereits sechs römische Heere aufgerieben hatten. Ihr letzter Sieg bei Aransio war so entscheidend, dass 80.000 römische Soldaten das Schlachtfeld bedeckten und man in Rom eine Wiederkehr der Zeiten Hannibals fürchtete. In dieser höchsten Bedrängnis wurde Marins zum Feldherrn ernannt. Ihm gebürt der Ruhm, das römische Heer neu organisiert, diseipliniert und ihm den Geist des Sieges eingehaucht zu haben, und zwar in dem Maße, dass er die Cimbern und Teutonen in zwei großen Schlachten, bei Aqua Sextia 102 v. Chr. und bei Vercella 101 v.Chr., vernichtete.* Da er der Volkspartei angehörte, war ihm Sulla, sein Unter¬ feldherr und der Adelspartei angehörig, neidig. Um sich der Herrschaft zu bemächtigen, nahm Sulla Rom mit Sturm, während Marius sich flüchten musste. Als dieser von einem Sclaven getödtet werden sollte, rief ihm Marius donnernd und durchbohrenden Blickes zu: -Wie, du willst den Marius tvdten?», worauf der Sclave das Schwert fallen ließ und entfloh. Als Marius, unter den Ruinen von Karthago als Flüchtling ruhend, von den Boten aufgefordert wurde, das Land zu verlassen, sprach er: «Sagen Sie ihrem Herrn, dass sie Marins auf den Trümmern Karthagos, dem Schauplatz seiner Siege, gesehen haben«, worauf sie ihn ungestört verließen. * Aus Dank für diese Siege nannte ihn das Bolk den dritten Gründer Roms und übertrug ihm zum sechstemnalc das Cvnsnlnt. 9 Nun kehrte Marius auf den Ruf feiner Anhänger nach Italien zurück und führte gleich Sulla das Heer gegen Rom, das er eroberte und die Zierde der Aristokratie züchtigte. Marius erlangte hierauf das siebente Konsulat, starb aber wenige Tage darauf au Erschöpfung. Pmnpejns, Trilnnvir und rvniisüier Hrers'nhrcr. 67 bis 48 v. Ehr. Pompcjus hatte als Sieger in 18 Feldzügen über drei Welttheile triumphiert Pvmpejus hatte im Kriege gegen die Seeräuber, namentlich in Cilicien und Kreta, den unbeschränkten Oberbefehl über die Flotte und die Küstenländer auf drei Jahre erhalten; in drei Monaten hatte er seine Aufgabe glücklich gelöst. Auch die Fortsetzung des Krieges gegen Mithridates gelang ihm, indem er letzteren bis in die Nähe des Kaukasus verfolgte und nicht eher ruhte, als bis Mithridates und seine Ver¬ bündeten gedemüthigt wurden. Hierauf bereitete er noch der Seleuciden-Herrschaft in Syrien ein Ende. Pvmpejus letzte Feldzüge im Bürgerkriege waren gegen die Alleinherrschaft Julius Cäsars gerichtet. Nach¬ dem letzterer den Rubicon überschritten, Italien und theil- weise auch Spanien und Rom erobert hatte, zog er im Verein mit Antonius nach Griechenland. 10 Bei Dyrrochachium in Griechenland eingeschlossen, griff Pompejus den Julius Cäsar an und schlug ihn, wobei letzterer 30 Fahnen und tausende von Soldaten, den Kern seiner Veteranen, verlor. Es war Pompejus letzter Sieg. Mittelst eines Marsches von 50 Stunden trug I. Cäsar den Krieg nach Thessalien und schlug das Heer des Pompejus in den Feldern von Pharsalus. Pompejus, obgleich Herr zur See, floh nach Ägypten. Pompejus, den die Römer so sehr liebten, dem sie den Beinamen «derGroße» gaben und der den römischen Namen zu hohem Ruhme brachte, endigte, bei Pharsalus durch Julius Cäsar geschlagen, seine Laufbahn und wurde durch einen vom König von Ägypten gedungenen Mörder 48 v. Chr. ermordet. Auch Pompejus' großer Gegner, Julius Cäsar, sollte sich seiner Siege nicht lange freuen. Julius Cäsar, Imperator und römischer Heerführer. 60 bis 44 v. Chr. Der größte unter den Römern, besonders berühmt durch die schnelle Besiegung Pharnaces' in der Provinz Asia, so dass er seinem Freunde schreiben konnte: «Veni, viäi, vier» (ich kam, sah und siegte). Julius Cäsar hat 13 Feldzüge mitgemacht, und zwar 8 gegeu die Gallier und Germanen und 5 gegen die Legionen des Pompejus. Er siegte bei Mülhausen im II Elsass gegen die Gemianen unter Ariovist (58v. Chr.), unterwarf sodann fast das ganze gallische Land, gieng zweimal über den Rhein und landete zweimal an der Südküste Britanniens. Er siegte sodann über die Gallier, die sich neuerdings erhoben, schuf sich ein kriegstüchtiges Heer, in dem er die meisten Soldaten beim Namen kannte. Sein Kriegsruhm überstrahlte den des Pompejus. Vom Senate, der vor Furcht um seine Herrschaft zitterte, aufgefordert, die Legionen zu entlassen, überschritt er den Rnbieon, nahm ganz Italien und bemächtigte sich Roms, wo er sich mild und versöhnlich zeigte. Hierauf brach er nach Griechenland gegen Pompejus auf, wo dieser ein großes Heer gesammelt hatte, und errang bei Pharsalus einen glänzenden Sieg. Pompejus floh nach Ägypten, wo er vom König beseitigt und ermordet wurde. Julius Cäsar beweinte das Schicksal seines Gegners. Er besiegte sodann den Sohn des Mithritades, Pharnaces, in Asia, dann gieng er nach Afrika, wo er die Söhne des Pompejus und Cato bei Thapsus schlug, wendete sich hierauf nach Spanien und besiegte schließlich nach heldenmüthigem Widerstande die Pompejauer in der Schlacht bei Munda. Die Grundsätze Julins Casars waren gleich jenen Alexanders und Hannibals: seine Macht vereint zu halten, sich mit Blitzesschnelle auf wichtige Punkte zu werfen und durch geistige Mittel seinen Waffenruhm zu erhalten, um sich die Treue seiner Verbündeten zu sichern. 12 Nachdem Julius Cäsar alle seiue Feiude besiegt hatte, wurde er zum Diktator auf Lebenszeit mit dem Titel Imperator gewählt. Bei festlichen Gelegenheiten trug er ein Purpurkleid und einen Lorbeerkranz; im Senate saß er auf goldenem Stuhle. Auch ließ er Münzen mit seinem Bildnisse prägen. Der Monat, in dem er geboren, wurde ihm zu Ehren Julius genannt. Er suchte den Wohlstand zu heben und wohlthätige Anordnungen zu treffen. So führte er den Julianischen Kalender, nach dem noch heute in der griechischen Kirche gerechnet wird, und im ganzen Reiche gleiche Maße und Gewichte ein. Die Provinzbewohner schützte er vor drückender Besteuerung und aus Rom sandte er 80.000 Arme fort, indem er Colonien gründete, wie Korinth, Karthago rc. Er wollte ferner die pomptinischen Sümpfe aus¬ trocknen, den Hafen von Astija vertiefen und Rom mit schonen Bauten schmücken lassen. Diese Pläne, wie der eines Zuges gegen die Parther, konnte er nicht mehr ausführen, denn seine Tage waren gezählt. Die Republikaner, eifersüchtig auf die Allein¬ herrschaft Julius Cäsars, bildeten eine Verschwörung, an deren Spitze Cassius und Brutus, Adoptivsohn Julius Cäsars, standen. Sie ermordeten ihn im Senate am 15. März 44 v. Chr. Mit den Worten: «Auch du, Brutus, mein Sohn!» sank er, von 23 Dolchstichen durchbohrt, an der Bildsäule des Pompejus todt nieder. 13 Gustav Adolf, König von Schweden. 1611 bis 1632. Tiefe Religiosität und große Humanität zeichneten den König vor allem aus. Gustav Adolf hat drei Feldzüge gemacht. Im Jahre 1631 setzte er über das baltische Meer, be¬ mächtigte sich der Insel Rügen, Pommerns, und trug seine Waffen an die Weichsel, den Rhein nnd die Donau. Er lieferte zwei Schlachten. Siegreich auf dem Schlachtfelde von Leipzig, war er es nicht minder auf den Feldern von Lützen; hier fiel er in dem Augen¬ blicke, als er mit frischen Truppen die Entscheidung in der Schlacht herbeiführen wollte. Als die Schweden, welche die Schlacht für verloren hielten, den Tod ihres Königs erfuhren, drangen sie voll Schmerz über den großen Verlust erneut und mit Ungestüm vorwärts und gewannen die Schlacht. Gustav Adolfs kurze militärische Laufbahn hat durch die Kühnheit und Schnelligkeit der Bewegungen und durch die Organisation seiner Truppen große Erinnerungen hinterlassen. Gustav Adolf war von den Grundsätzen eines Alexander, Hannibal und Julius Cäsar beseelt. Nach dem Tode des Königs übernahm der Herzog Bernhard von Weimar, der ruhmbedeckte Unter¬ feldherr, den Oberbefehl über das schwedische Heer- 14 Gleich Gustav Adolf ereilte auch seinen kühnen, umsichtigen Gegner, den General Pappenheini, in dem Augenblicke der Tod, als er sich den stürmenden Schweden entgegenwarf. Marschall Turenne, franxvfifcher Heerführer. Turenne war einer der genialsten Vertreter und Hauptbegründer der Positionskriege. Turenne hat 18 Feldzüge gemacht, und zwar 9 in Frankreich und 9 in Deutschland. 1646. Gleich kühn wie Cäsar und Haunibal, legte er 200 Stunden weite Räume durch ein feindliches Land zurück, um sich mit seinem Alliierten (Schweden) zu ver¬ binden, die Sorge für seine Communicationen den Ver¬ bündeten überlassend. Dieser Feldzug Turennes sowie jener am Mittelrhein (1674*) gelten als das Meister¬ werk dieses Heerführers. Turenne war Sieger in den Schlachten bei Zus¬ marshausen, bei Sinsheim und bei Enzheim. Während einer Recognoscierung bei Sasbach traf ihn eine feindliche Kugel, und der große Heerführer blieb todt. * Im Feldzuge 1674 gab Moutccuculi die Initiative und setzte auf das linke Rheinnfer über, nm den Krieg dorthin zu verlegen. Turenne legte keinen Wert darauf, ergriff die Initiative selbst, überschritt den Rhein und zwang Moutecnculi, auf das rechte Rheinufer zurückznkehren. IS «In ihm starb ein Mensch, der dem Menschen Ehre macht,- sprach sein großer Gegner Montecuculi bei der Nachricht vom Tode Turennes. Turennes lange und kühne Märsche, die oft von großen Erfolgen begleitet waren, sowie seine Überlegenheit gegenüber Monte¬ cuculi, den er zwang, seiner Initiative zu folgen nnd die ergriffene aufzugeben, kenn¬ zeichnen den großen Feldherrn. Herzog Barl von Lothringen, Herrsnlzrer -es vereinten österreirlrisch-vairisch- sächsitchen Entlaß Heeres. Bei Nacht verkündeten Raketen vom Kahlenberg?, bei Tag eine große rothe Fahne niit weißem Kreuz den Belagerten, dass die Hilfe nahe. Herzog Karl von Lothringen war im Jahre 1643 zu Wien geboren. Er hatte unter Montecuculi bei St. Gotthard und auch am Rhein und in den Nieder¬ landen mit Auszeichnung gedient. Am 13. Jnli 1683 erschien unter Großvezier Kara Mustapha das türkische Heer, 200.000 Mann stark, vor Wien und lagerte sich in einem Halbkreise von Nussdorf bis Schwechat um die Stadt. Der Haupt¬ kampf wüthete um die Lvbelbastei und um das Burg- 16 ravelin. Die Vertheidiger zeigten den größten Helden¬ muts namentlich der Commandant Artilleriegeneral Graf Rüdiger von Starhemberg. Selbst eine schwere Verwundung konnte seine Thatkraft nicht lähmen. An 20 Stürme wurden glücklich abgeschlagen. Schon war die Lvbelbastei nur mehr ein Trümmerhaufen, als end¬ lich am 1l. September die so lang ersehnte Hilfe kam. Karl von Lothringen hatte sich bei Krems mit den vorbesagten Truppen und mit dem polnischen Heere vereinigt, bei Tulln gieng er über die Donau und be¬ setzte den Kahlen- und den Leopoldsberg. Karl entwarf den Plan zur Schlacht, an dem auch der ruhmbedeckte Polenkönig Johann Sobieski wesent¬ lichen Antheil hatte. Am 12. September lieferte das Entsatzheer den Türken eine Schlacht. Die Polen waren trotz des glänzenden Muthes bei Dornbach zurückgeworfen, als Herzog Karl vorrückte, die feindlichen Batterien bei Döbling nahm, so dass sich die Türken fluchtartig zurückzogen. Am Abende war der Sieg des Christenthums ent¬ schieden. Das ganze Lager der Türken mit unermesslichen Vorräthen au Gold, Silber, Juwelen und Waffen fiel in die Hände des Siegers. Nach der Befreiung Wiens wurde der Krieg gegen die Türken fortgesetzt; Gran wurde erobert, worauf der König von Polen mit seinem Heere die Rückkehr antrat. 17 Im Jahre 1686 erstürmte Herzog Karl von Lothringen Ofen, das 145 Jahre im Besitze der Türken gewesen war. An merkung. Obgleich der König Sobieski beim Entsätze von Wien gleichen Ruhmesantheil mit dem Herzog Karl hatte, so gebürt doch dem letzteren, mit Rücksicht auf die schwierigere Waffenthat, die Erstürmung von Ofen, der Vorrang als großer Feldherr. Prinz Eugen von Savoyen, K. k. österreichischer Fel-marschall. Prinz Eugen hatte drei Kaisern nacheinander nicht bloß als Feld¬ herr, sondern auch durch klugen staats¬ männischen Rath die größten Dienste geleistet. In seinen Worten: «Leopold war mein Vater, Josef mein Bruder, Karl mein Herr», hatte er sein Ver¬ hältnis zu den drei Regenten treff¬ lich zusammengefasst. Schon in früher Jugend las Prinz Eugen mit Vor¬ liebe die Lebensbeschreibung Alexanders des Großen, Casars und anderer Helden. Von Ludwig XIV., den er um Aufnahme in den Heeresdienst bat, als schwach und unansehnlich abgewiesen, verließ er Frankreich, wo er gelebt und wandte sich nach Österreich, wo er in die kaiserliche Armee aufgenommen wurde. Paio, Die großen Feldherren rc. 2 18 Prinz Eugen hat 13 Feldzüge gemacht, und zwar 2 gegen die Türken, 5 in Italien gegen die Franzosen und 6 am Rhein und in Flandern. 1697 holte Prinz Eugen die Türken auf dem Marsche nach Siebenbürgen bei Zenta ein, wo sie die Theiß überschreiten wollten und trieb sie trotz tapferer Gegen¬ wehr in den Fluss. Erst beim Einbrüche der Nacht endete die Schlacht. «Die Sonne hat,» wie Eugen in seinem Berichte meldete, «nicht eher weichen wollen, bis sie mit ihren glänzenden Augen den völligen Triumph Eurer Majestät glvr- würdigsten Waffen vollkommen hat erschauen können.» — Prinz Eugen an S. M. den Kaiser Leopold I. nach der Schlacht von Zenta. 1701 drang Prinz Eugen über Trient in Italien ein. Er überstieg auf unwegsamen Pfaden die Alpen, warf den Marschall Catinal hinter den Oglio und schlug den Vitteroi bei Ciavi. 1702 überfiel er Cremona und verlor die Schlacht bei Luzara. 1704 gewann er die Schlacht bei Hochstädt im Vereine mit den Britten unter Marlborough. 1706 brach Prinz Eugen von Trient znm Entsatz von Turin ans, überschritt die Etsch im Angesichte des feindlichen Heeres, zog am linken Ufer des Po hinauf, seine Flanke preisgebend, übersetzte den Tanaro und vereinigte sich unterhalb Turins mit dem Herzog von Savoyen. Er nmgieng alle französischen Linien und hatte den rechten Flügel derselben zwischen der Sesia 19 und Doria angegriffen. Dieser Marsch ist ein Meisterstück von Kühnheit und wurde ge¬ krönt durch die siegreiche Schlacht bei Turin, das entsetzt wurde. 1708 gewinnt Prinz Eugen das Treffen bei Onde- naarde und belagert Lille. 1709 siegt Prinz Eugen in der Schlacht bei Mal- plaquet, 1712 nahm er Quesney ein und belagerte Lnndercy. 1716 entsetzt Prinz Eugen Peterwardein durch einen unwiderstehlichen Angriff seiner eisernen, gepanzerten Reiter. 1717 belagerte er Belgrad, griff das befestigte Lager des türkischen Entsatzheeres an und erfocht einen glänzenden Sieg, worauf auch Belgrad sich ergab. Prinz Eugen war von den Grundsätzen des Alexander, Hannibal und Julius Cäsar be¬ seelt und war der größte Heerführer Öster¬ reichs. Sein Wahlspruch war: «Österreich über- alles!' Den Soldaten war er ein Abgott, wie das schöne Volkslied: «Prinz Engen, der edle Ritter-, beweist. Er war klein und mager, gebräunten Gesichts. Sein kapuzinerfarbener Über-rock mit messingenen Knöpfen ist seit der Schlacht bei Zenta welthistorisch. Seine Rede war abgemessen, sein Stil präcise und klar; im ge¬ selligen Verkehr war er aufgeweckt und geistreich. Sein Vermögen verwendete er zur Unterstützung der Wissen¬ schaft und Kunst. Von seinem Kunstsinn geben zwei «° 2* 20 Gebäude Zeugnis, die noch heute Wien zieren: Sein Palast in der Himmelpfortgasse und das Belvedere. Prinz Eugen stand auch mit französischen und deutschen Gelehrten und Dichtern im regen Verkehr. Prinz Eugen starb 1736. 14 Generale trugen die Enden des Bahrtuches an seinem Sarge. Pekrr I. der Grvfze, Kaiser von Russland. Am glänzendsten bewährte sich das Genie Peter I. im nordischen Kriege und bei der Gründung von St. Petersburg, die er mit den Worten anknndigte: «Dort, wo sich die Newa ins Meer ergießt, lasse ich die neue Haupt- und Residenzstadt bauen, um der westlichen Cnltnr näher zu sein.» Peter der Große* ist berühmt durch die Schlacht von Pultawa (1709) gegen Karl XII., wo er das schwedische Heer vernichtete. «Wo ist mein Bruder Karl? Wie gerne hätte ich ihm gedankt für die Lehren, die er als Meister der Kriegs¬ kunst mir und meinem Heere gegeben!» sprach Peter der Große nach der Schlacht von Pultawa zu den gefangenen schwedischen Generalen. «O, Majestät haben den Meister * Peter der Große war von außerordentlicher Begabung, Thatkraft und Energie. LI übertroffen. Sie haben den König, sein Heer und sein Reich zugrunde gerichtet,» antwortete der Feldmarschall Rhenskjöld. König Karl XII. hatte sich nach der Schlacht von Pultawa mit seinem Gefolge in die Türkei geflüchtet. Nachdem Peter I. vorher nach zwei siegreichen Schlachten Azow erobert, sodann Livland, Esthland und Ingermanland als Preis des Sieges von Pnltawa erhielt, stieg Russland zur Großmacht, während Schweden zur Macht zweiten Ranges sank. Von dieser Zeit an datiert Russlands Macht und Einfluss in Europa. Das Genie Peter des Großen hatte Dauerndes geschaffen und hinterlassen. Die Größe und Wohlfahrt seines Reiches war sein höchstes Ziel. Als Peter I. ein dem Untersinken nahes Boot retten wollte, zog er sich durch einen Sprung ins Wasser eine heftige Erkältung zu, infolge deren er 1725 im Alter von 53 Jahren starb. Peter I. kann man den Ruhm eines großen Feld¬ herrn nicht streitig machen. Er hatte ein asiatisches Heer nach europäischem Muster mit Ausdauer und oft mit barbarischer Energie organisiert, discipli- niert und geschult, und trotz wiederholter Nieder¬ lagen schließlich seinen Gegner Karl XII., den größten Feldherrn seiner Zeit, bis zur Vernichtung geschlagen. Seine Siege bei Azow sowie seine 22 lehrreichen, überraschend schnellen und geheimen Märsche und Manöver in den Jahren 1705 und 1706 aus dem verschanzten Lager bei Grodno, im Angesichte Karl XII. ausgeführt, zeigen Geist und Muth. Die Schlacht von Pultawa bietet ein abschreckendes Beispiel, seine Basis aufzngeben. Während die großen Feldherren auf ihren Operationslinien alle 10 bis 20 Meilen iin Rücken befestigte Depotplätze als Stütz¬ punkte errichteten und hiedurch die Verbindung mit der Basis hielten, wo sie im Falle des Rückzuges einen sicheren Halt und die nothwendigsten Vorräthe fanden, bewegte sich Karl XII. gleich einem Schiffe anf hoher See, ohne jede sichere Verbindung mit dem Hinterlande. So war es auch bei Pultawa, wo er statt auf Schweden, ganz verkehrt auf die Ukraine sich basierte, in der Hoffnung, dort (auf die Vorspiegelung des Kosakenhetmannes Mazeppa) Unterstützung zu er¬ halten, die jedoch ausblieb. Das Aufgeben der eigenen Basis hatte zur Folge, dass das ganze Heer theils vernichtet, theils gefangen wurde und der König selbst statt nach Schweden in die Türkei sich flüchten musste. Das für einen Feldherrn so nothwendige Gleichgewicht zwischen Geist und Muth war bei Karl XII. nicht vorhanden, er hatte zu viel Muth! 23 Friedrich II. der Graste, König von Preußen. -Ich habe den Rubicou mit wehenden Fahnen und klingenden! Spiele überschritten und gehe den Truppen entgegen, die einst unter dem Prinzen Eugen sich den größten Ruhm erworben haben-, sagte Friedrich II. vor dem ersten Kriege Friedrich der Große hat elf Feldzüge gemacht, und zwar in Böhmen, Schlesien und an der Elbe. Im ersten schlesischen Kriege 1741 drang Friedrich in Schlesien ein und gewann die Schlachten bei Mollwitz und Czaslau. Im zweiten schlesischen Kriege 1 744 bis 17 45 kapitulierte Prag, die Preußen gewannen die Schlachten bei Hohenfriedberg, Soor und Kesselsdorf. Im siebenjährigen Kriege 1756 siegte Friedrich bei Lvbositz. 1757 siegte er bei Prag, wurde aber bei Kolin von Daun überfallen und geschlagen. Hierauf besiegte Friedrich die Franzosen und die Reichsarmee bei Rossbach und die Österreicher bei Lenthen, wurde aber bei Grvßjägerndorf von den Russen besiegt, die Friedrich später bei Zorndorf schlug. 1758. Friedrich wurde bei Hochkirch aber¬ mals von Daun überfallen und geschlagen und erlitt bei Kunersdorf von den vereinten Österreichern und Russen eine schwere Nieder¬ lage. 21 Die Österreicher und Russen erschienen zweimal vorübergehend in Berlin. Weiter siegte Friedrich 1760 bei Liegnitz und Torgau, endlich 1762 bei Burkersdorf, wo die Russen als seine Alliierten ihm halfen, obwohl sie vom Felde drei Tage vorher abberufen wurden. Friedrich II. hat bei seinen Einfällen in Böhmen und Schlesien, bei seinen Märschen an der Oder, der Elbe nnd der Saale häufig die Grundsätze der großen Feldherren ansgeübt. Er setzte sein Vertrauenhauptsächlich in die Manneszucht, Tapferkeit und Taktik seines Heeres. Als Unterfeldherren haben sich berühmt gemacht: Prinz Leopold von Dessau, Prinz Heinrich, dann die Reitergenerale Ziethen und Seidlitz. Von seinen Gegnern sind berühmt die österreichischen Generale Daun und Laudon, dann die russischen Generale Soltikoff und Tschernitscheff. Die Kriegsepvche Friedrichs des Großen zeichnete sich durch Flankenmärsche und Überfälle aus. Die Form der Schlachten Friedrichs II. war die schiefe Ordnung, derAngriff auf eine Flanke des Feindes; erwählte in der Regel zum Angriffspunkte diejenige Flanke des Feindes, welche der Rückzugslinie desselben zunächst lag. Siegte er, so wurde hiedurch der Feind von seinen Hilfsquellen abgedräugt, seine Niederlage war eine möglichst vollständige; siegte aber der Feind, so kam Friedrich in dieselbe üble Lage. Seine Schlachten waren daher immer Wagnisse. 25 Flankenmärsche mache man nie vor einem Feinde, der in Schlachtordnung steht. Friedrich der Große ist auch als geistreicher Ver¬ fasserzahlreicher Schriften unter dem Namen der «Philo¬ soph von 85M8-8ONM» rühmlichst bekannt. Er starb 1786. Graf Daun, lr. k. österreichischer Feldmarschall. Baron Laudon, st. Ir. österreichischer Feldmarschall. Kaiserin Maria Theresia bezeich- neie in ihrem Handschreiben an Feld¬ marschall Graf Daun den 18. Juni 1757 (an dem die Schlacht von Kolin geschlagen wurde) als den Geburts¬ tag der Monarchie und feierte diesen Tag durch die Gründung des Maria- Theresien-Ordens, dessen erstes Gro߬ kreuz der siegreiche Feldherr erhielt. Die beiden größten Feldherren, welche Maria Theresia im s i e b e n jä h ri g e n Kri e g e zur Verfügung hatte, waren Graf Leopold Josef Daun und Freiherr Ernst Gideon von Landon. Leopold Graf Dann war im Jahre 1705 zu Wieu geboren. Er widmete sich seit seinem 14. Lebensjahre dem Soldatenstande und kämpfte noch unter Prinz Eugen. Daun war ein wissenschaft¬ lich gebildeter, kriegserfahrener Mann, voll Unerschrocken¬ heit und Kaltblütigkeit im hitzigsten Gefecht. Als Feld- 26 Herr war er bedächtig, zäh und ausdauernd, ein Meister in Märschen und Lagerstellungen. Man hat ihn daher oft mit Fabius Cunctator, dem Gegner Hannibals, verglichen und gleich diesem «den Zauderer- genannt. Den Gegensatz zu ihm bildete der Manu der kühn entschlossenen That, Laudon. Ernst Gideon von Laudon stammte aus einer schottischen, nach Livland ausgewan¬ derten Adelsfamilie. Mit 16 Jahren trat er als Cadet in die russische Armee. Von der Sehnsucht nach kriege¬ rischer Thütigkeit getrieben, begab er sich 1743 nach Berlin, wo er Friedrich II. seine Dienste anbot. Dieser wies ihn jedoch zurück. «Die Physiognomie dieses Menschen behagt mir nicht», soll der König damals gesagt haben. In der That war das Äußere Laudons nicht sehr einnehmend. Er war sehr mager, hatte einen finstern Blick, war sehr wortkarg und fast menschenscheu. Trotzdem fand er in Österreich, wohin er sich nun wandte, freundliche Aufnahme, kämpfte als Hauptmann im österreichischen Erbfolgekriege und kam nach dem Frieden als Major in die Militärgrenze, wo er in stiller Abgeschiedenheit die Kriegswisseuschaften studierte. Als der siebenjährige Krieg ausbrach und Friedrich der Große Prag belagerte, rückte ihm Dann entgegen, schlug ihn bei Kolin und zwang ihn, Böhmen zu ver¬ lassen. Demnach gebürt Daun der Ruhm, deu bis dahin für unbesiegbar geltenden Preußen- kvnig zum erstenmale besiegt zu haben. Als später der Prinz Karl von Lothringen den Oberbefehl niederlegte, gieng derselbe an Feldmarschall 27 Daun über. Als solcher befestigte er durch ueue Siege (bei Hochkirch, Maxen) seinen Ruhm. Bei Torgau von Friedrich nach drei blutig abgewiesenen Angriffen geschlagen und schwer verwundet, gieng Feld¬ marschall Daun nach Wien, wo er später zum Hof¬ kriegsraths-Präsidenten ernannt wurde. Erstarb 1766. Als der siebenjährige Krieg ausbrach, gieug Laudon nach Wien und erlangte seine Einreihung in die active Armee. Bald zeichnete er sich als unübertroffener Führer im kleinen Kriege aus. Bei Domstadl in Mähren fieng er einen ansehnlichen preußischen Pro¬ viantzug auf, so dass Friedrich II. das Land verlassen musste. Feldmarschall Daun schrieb ihm den Haupt- antheil am Siege bei Hochkirch zu. Die Augen der ganzen Welt aber lenkte Laudon auf sich, als er durch sein rechtzeitiges und ent¬ schlossenes Eingreifen die Schlacht bei Kuners¬ dorf (1759) entschied. Im Jahre 1759 befehligte er nämlich ein selbständiges Corps und bewerkstelligte dessen Vereinigung mit den Verbündeten Maria Theresias, den Russen. Friedrich II. griff die vereinigte Armee bei Kunersdorf an nnd hatte die Russen fast geschlagen, als Laudon in später Nachmittagsstuude, aus dem seither nach ihm benannten Laudonsgrunde hervorbrechend und durch Staubgewühl und Pulverdampf begünstigt, mit seiner Kavallerie dem preußischen Fußvolk in die Flanke fiel nnd einen glänzenden Sieg errang. Laudon er¬ oberte im Laufe des siebenjährigen Krieges auch Glatz und Schweidnitz. Seine glänzendsten Thaten 28 fallen aber in die Zeit Kaiser Josefs II. In dem unter diesem ausgebrochenen Türkenkriege siegte er wiederholt. Mit der Einnahme von Belgrad schloss er glorreich seine Laufbahn ab. Laudon starb 1790. Landon war nicht nur ein großer Held, sondern auch ein edler Mensch, gerade, uneigennützig, im übrigen ein streng soldatischer, ernsthafter, schweigsamer Charakter, dabei von rührender Bescheidenheit. Aber in der Schlacht schien er ein anderer Mann; alles lebte und brannte in ihm; sein Auge glühte, und sein Machtwort wieder¬ hallte mit unwiderstehlicher Gewalt in den Tausenden, die sich unter seiner Führung unüberwindlich glaubten. Fürst Suwarvst', ltail'. rnslischer Fellnnarschall. «Das stolze Ismail liegt zu Eurer Majestät Füßen.» Bericht Suwaroffs an Katharina II. die Große. Suwaroff hat mehrere Feldzüge gemacht, und zwar in der Türkei, in Polen, Italien und in der Schweiz. 1790. Nachdem Ismail bereits sieben Monate vergebens belagert wurde, übernahm Suwaroff statt Potemkin das Commando und am dritten Tage nahm er Ismail mit Sturm. 1794. Treffen bei Macyovice, wo der polnische Held und Heerführer Kosciusko besiegt, verwundet und gefangen wurde. 29 Schlacht und Sieg bei Praga, Vorstadt Warschaus. Suwaroff hält seinen Einzug in die polnische Haupt¬ stadt; hierauf folgte die letzte Theilung Polens. 1799. Der russische Heerführer übernimmt als Verbündeter Österreichs das Obercommando in Italien und schlägt im Vereine mit österreichischen Truppen die Franzosen in den Schlachten bei Magnano, Cassano und bei Novi. Fast ganz Italien gerieth in die Hände der Verbündeten. Hierauf wurde Suwaroff einem neuen Kriegsplan zufolge in die Schweiz dirigiert, wo die Österreicher und Russen von den Franzosen hart be¬ drängt wurden. Der Feldmarschall überschritt zwar unter unsäglichen Mühen den St. Gotthard und drang bis zum Vierwaldstädter See, kam aber zu spät, denn Massen« hatte bereits bei Zürich die Österreicher und Russen besiegt. Suwaroff blieb nichts übrig, als einen ebenso beschwerlichen Rückmarsch durch Graubündten nach dem Bodensee anzutreten. Hierauf wurde Suwa- rvsfs Heer abberufen. Der große und kühne Feldherr starb einige Monate nachher aus Gram über die unverdiente Ungnade seines Herrn. - Die Kriegsführung Suwaroffs ist gekennzeichnet durch seine geistreichen Worte: -Feig ist die Kugel, tapfer das Bajonnett. Hurrah!> Die Entbehrungen und Strapazen be¬ anspruchen den ersten Ruhmestitel. 30 Die ungeheure Entfernung (über 500 Meilen), die Suwaroff mit seinem Heere von Russland durch Öster¬ reich, Italien, die Schweiz und retour nach Russland znrückgelegt, die Riesenstrapazen: im Hochsommer in dem sonnendurchglühten Italien, im größten Winter in den wilden Eis- und ewigen Schneeregionen der Schweizer Alpen, dann die Entbehrungen aller Art, endlich die Kühnheit des Entschlusses und die Energie und Ausdauer in der Durchführung erinnern an Alexander den Großen, an Hannibal und Julius Cäsar und reihen ihn würdig diesen an. Suwaroff war der größte Heerführer Russlands. Charakteristisch für das Verhältnis zwischen Suwaroff und seinen Soldaten, die ihm blindlings folgten, war folgender Fall: Als diese durch ungeheuere Anstrengungen und Kümpfe in der Schweiz bis zum Tode erschöpft waren, versagten sie ihm den Gehorsam, wie einst das Heer Alexander des Großen es auch that. Suwaroff ließ vor den Augen der Soldaten ein Grab für sich graben, nm, wie er sagte, die Schmach eines zuchtlosen Heeres nicht zu überleben. So führte er die Truppen zum alten Vertrauen zurück. Uni Snwaroffs Andenken zu ehren, wurden im Jahre 1900, als dem 100jährigen Todestage Snwaroffs, in Russland Gottesdienste ab¬ gehalten und den Truppen aller Grade seine gemachten Feldzüge und Schlachten vorgelesen und erläutert. Fürst Suwaroff war ein 70jähriger Veteran, jedoch vom Feuer und der Kraft eines Jünglings, in den 31 Formen geschmeidig, aber in seinem Wesen zäh, schroff und eigensinnig, ein geschulter Feldherr und doch wieder wilder, genialer Naturalist; in seinen Entwürfen kühn bis zur Verwegenheit, aber von beispielloser Ausdauer und Kaltblütigkeit in ihrer Durchführung, besaß Suwa- roff eine Macht über die Soldaten, wie sie wenigen Feldherren gegeben war. Er verstand es meisterhaft, den religiösen und nationalen Fanatismus der Massen anfzuregen und nach seinen militärischen Zielen hin¬ zulenken. Er konnte den Soldaten das Ungeheuerste zumuthen, denn der gemeine Mann war von dem Aberglauben beherrscht, dass der Sieg an seine Fahne gekettet sei. Napoleon I., Kaiser der Franzosen. «Soldaten! Eure Geduld, der Muth, den ihr mitten in diesen Felsen zeigt, sind bewundernswert; aber sie bringen euch keinen Ruhm uud kein Glanz fällt aus euch. Ich will euch in die fruchtbarsten Ebenen der Welt führen. Reiche Provinzen, große Städte werden in eurer Gewalt sein. Ihr werdet dort Ehre, Ruhm uud Reichthum finden. Soldaten von Italien, wird es euch an Muth und Ausdauer fehlen?» Napoleons erste Proclamat. 1786. Napoleon I., l769 zu Ajaccio auf Corsica geboreu, war Advocatenssohn und wurde in der Pariser Militär¬ schule erzogen, wo er eine glänzende Prüfung ablcgte. 32 Er zeichnete sich zuerst bei Toulon als Artilleriechef, noch mehr aber durch die schnelle Unterdrückung des Aufstandes in Paris aus.* Hierauf wurde er 1796 zum Obercommandanten der französischen Armee in Italien ernannt. Die größte Bewunderung erregte sein erster Feldzug 1796. Ganz natürlich. Nachdem Napoleon vier Jahre Lieutenant gewesen, war er schon mit 26 Jahren Oberfeldherr. Die Generale Augeraux, Massena rc., als seine künftigen Unterfeld¬ herren, waren über seine Ernennung empört. Nachdem sie ihm die erste dienstliche Aufwartung gemacht und seine Rede gehört hatten, sahen sie sich verblüfft an und sagten zueinander: «Entweder ist er ein Narr oder ein Genie,** denn ein gewöhnlicher Mensch spricht so nie.» Dass Napoleon letzteres gewesen, sollte die Welt bald erfahren. Er hatte nicht umsonst die Feldzüge der größten Feldherren bereits studiert. Alexander der Große, Prinz Eugen, Friedrich der Große rc. waren seine Vorbilder. Napoleons Feldzüge: 1796 bis 1797. Nachdem Bonaparte das über¬ nommene Heer, welches, entmuthigt und entblößt, der * Napoleon, befragt von Barras, wie lange er brauchen würde, nm den Aufstand zu unterdrücken, antwortete, tm Gegensätze zu den Generalen, «48 Stunden», worauf ihm Barras den Oberbefehl von Paris übertrug. Nach 36 Stunden hatte Paris capituliert. ** Napoleon war ein geborenes Feldherrngeuie, von außer¬ ordentlicher Thatkraft und glänzender Beredsamkeit, wodurch er seine Soldaten zu begeistern wusste. Er war der eigene General¬ slabschef, Kriegsminister, Minister des Äußern rc., insoweit es sich um die großen Ideen und Pläne handelte. 33 Auflösung nahe war, mit neuem Geiste und neuer Siegeszuversicht erfüllt und ihm gleich Haunibal die blühenden Gefilde Italiens als Preis seiner Anstrengung zeigte, durcheilte er im Siegesschritte von Savona (bei Nizza) aus Italien, Kärnten und Steiermark bis zum Semmering. Napoleon siegte zuerst bei Montenotte und Milesino über Beaulieu, treunte ihn von den Sardiniern und zwang diese durch den Sieg bei Mondovi zum Frieden.* In raschem Siegesläufe erstürmte er die Brücke bei Lodi und zog dann in Mailand ein. An Stelle Beaulieus trat nun Wurmser, auch dieser wurde ge¬ schlagen, in Mantua eingeschlossen und musste, nach¬ dem zwei Entsatzheere unter Alvinzy bei Arcole und Rivoli sich verblutet hatten, auf freien Abzug kapitu¬ lieren. Erzherzog Karl, welcher nunmehr die Führung übernahm, stellte sich ihm am Tagliamento entgegen. Bei seinen unzureichenden Kräften war er aber gezwungen, sich hinter den Jsonzo znrückzuziehen. Von hier gieng er über Präwald, Laibach, Klagenfurt, Judenburg nach Leoben und von da nach Steyr zurück. Napoleon gieng mit seiner Hauptmacht über die Piave und den Tagliamcnto** über Tarvis, Klagenfurt gegen Leoben; sein rechter Flügel unter Bernadotte * Napoleon bemächtigte sich des festen Platzes Cherasco, wo er seine Magazine anlegte, sodann Tortona, Piacenza, Peschiera nnd der Forts von Verona rc. und hatte alle sechs bis acht Märsche einen Depotplatz. ** Napoleon befestigte Palmanuova und Osoppo, überstieg die jütischen Alpen und stellte die lpsten Werke von Klagenfurt her. Paill, Die grvßen Feldherren rc. 3 84 folgte dem Erzherzog Karl nach, sein linker Flügel unter Jourdan gieng über Tirol. In Leoben wurde der Waffen¬ stillstand abgeschlossen, dem anch baldiger Friede folgte. 1798 bis 1799. Napoleons Zug nach Ägypten. Seine Waffenthaten: l 798 Erstürmung von Alexandrien; siegreiche Schlacht bei den Pyramiden.* Eroberung von Jaffa, Schlacht und Sieg bei Abukir über das dreifache ägyptische Heer. 1799 durchzog Napoleon die Wüste 80 Stunden weit. Von seinem Hauptquartier zu St. Jean d'Acre bis zu Desaix Hauptquartier in Oberägypten betrug die Entfernung 300 Stunden. 1799 erster Konsul. 1800 übersetzte Napoleon den St. Bernhard, kam seinem Gegner in den Rücken und siegte in der Schlacht bei Marengo. Diese kühne That erinnert an Hannibals und Suwaroffs Alpenübergang. 1804 zum Kaiser proclamiert. 1805 eröffnete er von Boulogne aus, wo er behufs Landung in England eine große Armee eoncentriert hatte, Plötzlich den Feldzug gegen Österreich, nahm Ulm, Wien und erfocht bei Austerlitz einen glänzenden Sieg über das vereinte österreichisch-russische Heer. 1806** dringt er über Bamberg in Deutschland ein; in der Schlacht bei Jena und Auerstädt wird das * «Franzosen! Vergesset nicht, dass von der Höhe dieser Pyramiden vier Jahrtausende ans euch herabblicken!>- rief Napoleon vor der Schlacht. ** Dieser Feldzug wird im Anhang unter dem Titel: «Über das Preisgeben der Operationsliuie» näher beleuchtet. 35 Preußische Heer (welches von seiner Rückzugslinic ab¬ geschnitten wurde) theils vernichtet, theils gefangen, ähnlich, wie cs 64 Jahre später der französischen Armee widerfuhr. 1807 eilte er nach Polen und erkämpfte bei Fried¬ land den Sieg über die Russen. 1809 in Spanien. Napoleon hatte in drei Monaten vier spanische Heere (160.000 Mann stark) geschlagen und versprengt, Madrid und Saragossa eingenommen; Spanien war erobert. Als der Krieg mit Österreich Napoleon zur Rückkehr von Spanien nach dem neuen Kriegsschauplätze nöthigte, änderte sich die Lage vollends zu Ungunsten Frankreichs. 1809 drang Napoleon über Regensburg, Linz in Österreich ein; bei Aspern kam es zur Schlacht, wo der berühmte österreichische Feldherr Erzherzog Karl siegte. Napoleons Stern erblich zum erstenmale. Hierauf ge¬ wann er die Schlacht bei Wagram. 1812 verlor er in Russland durch Kälte, Hunger, Kämpfe und den Brand von Moskau, welcher ihn der Winterquartiere beraubte, fast das ganze Heer. Sein Ende war leicht zu berechnen. Die Schlachten von 1813 und 1814 bei Leipzig, La Rochiere re. mit wechselndem Erfolge führten schlie߬ lich zur Einnahme von Paris, zur Thronentsagung und Verbannung Napoleons nach der Insel Elba. Nach einem Jahre zog Napoleon unter dem Jubel der Armee und des Volkes nochmals in Paris ein; seine Herrschaft dauerte aber nur hundert Tage, denn in der Schlacht s* 36 bei Waterloo sank und verschwand sein Stern für immer. Hierauf wurde er nach der in schauervoller Ab¬ geschiedenheit im Weltmeere liegenden Insel St. Helena verbannt, wo er 1821 ans Schmerz über sein Schicksal starb. Im Jahre 1840 wurde seine Leiche nach Paris überführt und im Jnvalidendome feierlichst beigesetzt. Napoleon hat 14 Feldzüge gemacht: 2 in Italien, 5 in Deutschland, 2 in Afrika und Asien, 2 in Polen und Russland, 1 in Spanien und 2 in Frankreich. Alle Pläne der 14 Feldzüge Napoleons sind den wahren Grundsätzen des Krieges gemäß. Seine Kriege waren kühn, aber methodisch. Dies wird am klarsten erwiesen durch die Vertheidigung der Etsch 1796 und durch die Ver- theidigung der Passarge 1807. Die durch Napoleon hochcultivierte Taktik: -Tirail- leurs und leicht bewegliche Colonnen» in Verbindung mit raschen und durch die bewunderungswürdige Marsch¬ tüchtigkeit seiner Truppen möglich gewordenen Opera¬ tionen sicherten dem Genie und der Kunst des Feld¬ herrn ein weites Feld. Sie waren das Mittel für den genialen Schöpfer des Bewegungskrieges: auch dann zu siegen, wenn der Gegner an Zahl weit überlegen war. Napoleons Feldzüge erinnern in ihrer Großartigkeit und Kühnheit an jene Alexander des Großen, Hannibals und Julius Cäsars 37 und stehen bis jetzt unübertroffen da. Ohne den Brand von Moskau — der den Franzosen die Winter¬ quartiere entzog und dadurch das stolze, kriegsgeübte Heer Napoleons vernichtete — wäre aller Voraussicht nach Napoleon Weltbeherrscher geworden. Napoleons letzte Rede an seine Garde: «Ich hätte a la Hannibal sterben können, nichts wäre mir leichter gewesen; allein ich werde stets dem ,Wege der Ehre folgen". Ich habe noch unsere Thaten zu be¬ schreiben», zeigt vom Selbstgefühl der eigenen, bis jetzt noch nicht erreichten Feldherrngröße. Napoleons «Memoiren über Kriegskunst und Kriegs¬ geschichte-, die er auf St. Helena dictierte, bilden in der That eine Leuchte über die Vergangenheit, eine Lehre für die Gegenwart und eine Berechnungsformel für die Zukunft; sie sichern dem größten Meister der Kriegskunst für jetzt und für kommende Jahrhunderte ein unvergängliches Andenken. Napoleons berühmte Marschälle und Generale, die theils Heerführer, theils Unterfeldherren waren: König Murat, berühmter Reiterführer. Marschall Ney, der Tapferste der Tapferen. - Berthier, Generalstabschef. - Soult, Kriegsminister. - Bessieres, Kommandant der kaiserlichen Garde. 38 Marschall Massena, berühmt als Heerführer, be¬ sonders im Gebirgskriege. - Augereau, guter Taktiker. » Lannes, auf dem Schlachtfelde der Ge¬ schickteste im Manövrieren. Unter allen Generalen Napoleons besaßen diese zwei die größten Talente, besonders der erstere, General Desaix. der noch um einen Zoll kleiner » Kleber. war als Napoleon und der nur für den Krieg und den Ruhm lebte. Die Araber nannten ihn den «gerechten Sultan». » Hoche, berühmt als Obergeneral derSambre- und Maas-Armee im Jahre 1794. » Drouot, ausgezeichneter Artilleriechef. Vicekönig Beauharnais. Marschall Macdonald. » Marmont. » Bernadotte. » Bertrand. » Davonst. General Cambrona, Kommandant der Kaisergarde («Die Garde stirbt — aber ergibt sich nicht!») und andere. - 39 Erzherzog Karl, lr. l!. österreichischer Feldmarschall. Unter dem Rufe: «Hoch Österreich!» setzten sich in der Schlacht bei Aspern (1809) dieHeeressäulen inBewegung. Im gefährlichsten Momente ergreift der Erzherzog Karl die Fahne eines Regiments n n d dringt im dichten Kugel- regen vor. Die kühne Ent¬ schlossenheit des Feldherrn theilte sich dem Heere mit, zwang Napoleon zum Rück¬ züge und erkämpfte den Sieg. Im Jahre 1796 errang Österreich auf dem Kriegs¬ schauplätze in Süddcutschland glänzende Erfolge. Das Verdienst dieser gebürt dem Bruder des Kaisers Franz II., dem Erzherzog Karl, einem der größten Feldherren, die Österreich besessen hat. Im Feldzüge 1796 drangen die Franzosen unter Jourdan und Moreau über den Rhein. Jourdan wurde vom Erzherzog Karl in den Schlachten von Amberg und Würzburg geschlagen und gezwungen, über den Rhein zurückzugehen, wohin auch Moreau folgen musste. 1797 übernahm Erzherzog Karl das Commando am Tagliamento und wurde gezwungen, sich zurück¬ zuziehen. 1799 drang Erzherzog Karl in die Schweiz und vertrieb den General Massena aus der festen Stellung bei Zürich. 40 1799 siegte Erzherzog Karl bei Ostrach und Stockach über die Franzosen und nöthigte sie zum Rückzüge über den Rhein. 1805 erfocht Erzherzog Karl bei Caldiero in Italien über Massena einen glänzenden Sieg. 1809 kam es nach mehreren unglücklichen Treffen bei Regensburg und Ebelsberg und nach der Kapitulation von Wien zur Schlacht bei Aspern. Erzherzog Karl, der sich aus Baiern über Böhmen zurückgezogen hatte stand am linken Donauufer am Bisamberge mit 80.000 Mann, während Napoleon längs des linken Donau¬ ufers in und um die Dörfer Aspern und Essling, die Insel Lobau im Rücken, Stellung nahm. Erzherzog Karl ergriff die Offensive; nach wiederholten Angriffen und nachdem die feindlichen Reiterangriffe abgewiesen worden waren und Erzherzog Karl im kritischen Momente selbst mit der Fahne in der Hand im dichtesten Kugel¬ regen vorgedrungen war, zogen sich die Franzosen am Abend des zweiten Schlachttages zurück. Napoleon verfiel in einen 36stündigen ununter¬ brochenen Schlaf; zum erstenmale war der Nimbus seiner Unüberwindlichkeit zerstört. Von den k. k. österreichischen Unterfeldherren ragten in der Schlacht bei Aspern besonders hervor die Generale: Hiller, Bellegarde, Hohenzollcrn, der Commaudant der ganzen Reiter-Reserve Fürst Liechtenstein, Rosenberg und der Commaudant der Grenadier-Reserve d'Asper. Dem Erzherzog Karl gebürt der Ruhm, den größten Feldherrn in offener Schlacht besiegt zu 41 haben, wozu das persönliche Eingreifen des österreichischen Heerführers im gefährlichsten Momente wesentlich beigetragen hat. Hierauf folgte die Schlacht bei Wagram, wo Napoleon Sieger blieb, endlich die infolge des eingetretenen Waffen¬ stillstandes unentschiedene Schlacht bei Znaim. Erzherzog Karl ist auch in der Militär-Literatur rühm¬ lich bekannt. In seinem Werke untersucht er wesentlich die Kriegsoperationen in ihrer Beziehung zum örtlichen Elemente, welche bei allen strategischen Berech¬ nungen einen permanenten Factor bild en,während alle anderen Elemente Veränderungen unterworfen sind. Erzherzog Karl starb 1847, vom Kaiser und der Armee tief betrauert. Der Feldzug 1812* in Russland. Fürst Kntusost', Kaiser!, russischer Feldmarschall. Als Napoleon vor den Thoren Moskaus stand, übernahm Fürst Kutusoff, der Nationalrusse und Kampfgenosse Suwaroffs, den Ober¬ befehl über die russische Armee. Fast ganz Europa leistete Napoleon, der im Sommer 1812 in der Stärke von einer halben Million gegen Russland zog, Heeresfolge. Der linke Flügel * Der Feldzug 1812 erscheint im Anhänge unter dem Titel: «Beispiele, feine Basis und Operationslinie sicherzustellen.- 42 unter Macdonald berührte die Gestade der Ostsee, der rechte Flügel unter Fürst Schwarzenberg stand am unteren Bug, der russischen Südarmee gegenüber. Das Hauptheer, das Napoleon selbst befehligte, und unter ihm die geübtesten Feldherren seiner Schule, setzte im Juni über den Riemen und rückte über Wilna-Smolensk vor. Diesen konnte Russland nur 300.000 Mann ent¬ gegenstellen, sie wagten daher keine offene Schlacht; erst bei Smolensk setzten sie sich zur Wehr, wurden aber besiegt nnd zogen sich gegen Moskau zurück. Als Kutusoff nun an Stelle Baroley d'Tollys über ein¬ stimmigen Vorschlag des obersten Kriegsrathes zum Oberbefehlshaber ernannt wurde, hielt er als solcher im Anzuge eines einfachen Kriegers die Heerschau bei Moskau ab, begab sich sodann sammt der Suite auf einen Hügel, wo das Christusbild aufgestellt war, und kniete daselbst nieder. Das ganze Heer nahm auch die Stellung: «Kniet nieder zum Gebet!» In einigen Tagen darauf fand die Schlacht bei Borodino statt, in der Napoleon siegte, aber die Russen in Ordnung abziehen lassen musste. Über 70.000 Todte und Verwundete, darunter 30 Generale, blieben auf dem Schlachtfelde; unter diesen der russische Kriegsheld Fürst Bagration. Kutusoff spielte nun die Rolle des Fabius Cunctator und wartete die Einwirkungen der Kälte, des Hungers und des Brandes von Moskau, wodurch der Mangel an Quartieren bei den Franzosen eintreten musste, ab. Diese Elemente vernichteten in der That das kriegs- 43 geübte und sieggewohnte, stolze Heer, worüber Napoleons letztes Bulletin aus Russland berichtet: «Der Kaiser ist gesund, die Armee fast ganz vernichtet.» Kutusoffs Heer verfolgte die Trümmer des französischen Heeres bis an die Grenze und vernichtete sie vollends an der Beresina. Nur 8000 Kampffähige blieben noch. Kutusoff gebürt der Ruhm, dass er trotz Kälte, Hunger und Mangel au Unterkunft, welche das feindliche Heer vernichteten, ihm aber auch fast 100.000 Mann zugrunde richteten, sein Heer schlagfertig erhalten hat, so dass es nach der Katastrophe den Krieg auch über die Grenze fvrtsetzen nnd die Coalation von 1813 herbeiführen konnte, welche schließlich zum Einzuge in Paris und zum Sturze Napoleons führte. Der Held des Rückzuges war Marschall Ney, der Führer der Nachhut, der Tapferste der Tapferen. Sein Übergang über den gefrorenen, aber an beiden Ufern aufgethauten und von den Russen bewachten Dujeper zur Nachtzeit war eine der kühnsten Waffenthaten, deren die Weltgeschichte kennt. Von Kalisch aus erließ Kutusoff einen Aufruf an die Mächte: «Napoleons Protectorat abzuschütteln und sich dem großen Kampfe anzuschließen.» Er starb bald darauf infolge der Riesenanstrengungen, im April 1813. 44 M. Fürst Kutusoff war auch im Jahre 1805 Ober- commandant der österreichisch-russischen Truppen und hatte die Schlacht von Austerlitz gegen Napoleon ver¬ loren. Fürst Schwarzenberg, kr. k. österreichischer Feldmarschull. Fürst Blücher, lrvnigl. preustischer Feld inurschall. Herzog Wellington, lrönigl. englischer Feldnmrschall. In den Feldzügen* von 1813, 1814 und 1815 stehen die Namen der obigen berühmten Heerführer obenan. Sie waren die Seele dec verbündeten Heere. Im Jahre l813 stellten die Verbündeten gegen Napoleon drei Armeen (470.000 Manu) auf, und zwar die Hauptmacht in Böhmen unter Schwarzenberg, eine Armee in Schlesien unter Blücher und eine Nord¬ armee unter Bernadotte. Napoleon hatte an der Elbe gegen 400.000 Mann, meistens junge, kriegsunerfahrene Soldaten, aufgestellt. Napoleon siegte zwar bei Dresden über die Hauptarmee, seine Unterfeldherren wurden aber von Blücher in Schlesien an der Katzbach (Wahl- * Der Feldzug von 1813 bis 1814 erscheint im Anhänge unter dem Titel: «Beispiele, seine Basis und Opcralionslinien sicherzustellen.» 45 statt) — seitdem vom Volke «Marschall Vorwärts» genannt und vom Könige mit dem Titel «Fürst von der Wahlstatt, ausgezeichnet — und bei Großbeeren durch die Nordarmee geschlagen. Nun kam es zur drei¬ tägigen Schlacht bei Leipzig, wo 300.000 Verbündete gegen 200.000 Franzosen kämpften, und die schließlich mit dem Siege der Verbündeten endete. Die'deutschen Truppen, die mit Napoleon ver¬ bündet waren, Baiern, Sachsen und Württemberger, traten zu den Verbündeten über. Eine Reihe blutiger Schlachten folgte noch, so bei Hanau, wo der sterbende Löwe noch einmal sein kriegerisches Talent zeigte und über Wrede siegte; im Feldzuge 1814 bei Brienne und La Rothiere, wo die Verbündeten siegten. Als aber die Alliierten, in zwei Armeen getheilt, Fürst Schwarzenberg an der Seine, Blücher längs der Marne, auf Paris losgiengen, gelang es Napoleon, dessen Feldherrntalent jetzt wieder in vollem Glanze strahlte, durch Kriegsthaten im alten, großen Geiste den gebeugten Muth der Franzosen wieder aufzurichten. Er ließ mit unerhörter Kühnheit nur eine kleine Truppenzahl zur Beschäftigung des Fürst Schwarzen- berg'schen Heeres zurück und warf sich mit ganzer Macht rasch auf Fürst Blüchers sieggewohnte schlesische Armee, schlug sie, getrennt und überrascht, innerhalb fünf Tagen in fünf glücklichen Treffen (bei Cham- panbert, Montmirall, Chateau Thierry und Vauchamps) und zwang sie zum Rückzüge. - 46 — Dann wandte sich Napoleon blitzschnell gegen die Hauptarmee und nöthigte auch diese durch die Siege von Nangis und Monterau znr Rückkehr nach Troyes. Durch Herbeiziehung der Nordarmee unter Bülow und Winzingerode gelang es Fürst Blücher, über das geschwächte französische Heer bei Craone und Laon neue Vortheile zu erringen. Bei Rheims war der letzte siegreiche Kampf, den Napoleon erfochten hatte. Das Treffen bei Arris an der Aube fiel zu Gunsten der Alliierten aus. Nun rückten die Verbündeten auf Paris los. Nach blutigen Kämpfen wurde Montmartre erstürmt und Paris, wo die Marschälle Mortier und Marmont befehligten, eingenommen. Napoleon musste abdanken und erhielt die Insel Elba zum Eigenthume und zum dauernden Aufenthalte nebst zwei Millionen Francs jährlich. Auch konnte er 4000 Mann Garde um sich haben. Im Jahre 18l5 eilte Napoleon, von der Insel Elba kommend und mit Jubel in Frankreich einziehend, mit seiner schnell concentrierten Armee nach den Nieder¬ landen, um den Heeren des Fürsten Blücher und Herzogs Wellington die Spitze zu bieten. Nachdem er zuerst den Fürst Blücher bei Ligny geschlagen und durch Marschall Gronchy verfolgen ließ, der sich aber abseits des Kampfplatzes hielt, wendete er sich gegen Herzog Wellington, der, hart bedrängt, durch Blüchers Hilfe degagiert"wurde. Dieses vereinte Heer erfocht sodann, trotz helden- müthiger Tapferkeit der Franzosen, in der Schlacht 47 von Belle Alliance oder Waterloo einen glänzenden Sieg. Napoleon, das kommende Schicksal ahnend, tief ergriffen, bleich und verwirrt, ließ sich vom Marschall Soult ans der Schlacht fuhren und eilte, ohne Hut und Degen sich auf ein Pferd werfend, nach Paris. Die Worte Cambronnes: «Die Garde stirbt — aber ergibt sich nicht!» bli'eben bei der Nation in ehrendem Andenken, als der Nachhall eines größeren Geschlechtes. Die Schlacht von Waterloo erinnert an jene von Zama und Pharsalus, wo die beiden großen Feld¬ herren Hannibal und Pompejus besiegt ihre Laufbahn beendeten und baldigen Tod fanden. Auch Napoleon beendete nach der Schlacht von Waterloo seine Laufbahn, indem er durch seine lebens¬ längliche Verbannung nach St. Helena für die Welt todt gemacht wurde. Den Fürsten Schwarzenberg und Blücher sowie dem Herzog Wellington, der schon in Spanien in den Schlachten bei Talavera, Salamanca und Vittora Proben seines Feldherrntalentes gegeben, gebürt der Ruhm, den größten Feldherrn besiegt zu haben. Als Unterfeldherren haben sich hervorgethan: der Generalstabschef General Graf Radetzky, die Generale Fürst Calloredo, Barclay d'Tolly, Prinz Württemberg, Ostermanu, Bülow, Kleist rc. 48 Graf Radrhky, K. k. österreichischer Feldni-rrichall. Seine Majestät Kaiser Franz Josef I. an Feldmarschall Radetzky nach der Schlacht von Novara: « Sagen Sie Meiner tapferen Armee, dass sie sich in Meinem Herzen ein un¬ vergängliches Denkmal der Liebe und Dankbarkeit errichtet hat.» Geboren 1766, machte Graf Radetzky den Feldzug gegen die Türken unter Laudon, dann von 1800 an alle Kämpfe gegen die napoleonische Herrschaft mit. Er war Zeuge von Napoleons Unglück 1812 und 1813 Generalstabschef beim Fürsten Schwarzenberg. Nach der Schlacht bei Leipzig erhielt er vom Kaiser Franz das Commaudeurkreuz des Maria-Theresien- Ordens mit den Worten: «Dieses Kreuz hat der große Landon getragen, ich kann es keinem Würdigeren geben.» Erst am Abende seines Lebens stieg er auf znm Rnhmestempel wahrer Feldherrngröße. Von da an reiht sich der Name Radetzkys jenen der großen Feldherren aller Zeiten würdig an. Im Feldzuge 1848 gegen den König Karl Albert, welcher im Bunde mit der Revolution in Oberitalien 49 den Krieg an Österreich erklärte, zog sich Feldmarschall Radetzky von Mailand nach Verona znrück. In Verona sammelte der bei seinen Soldaten so beliebte Feldherr seine zerstreuten Streitkräfte. Von hier zog er aus zur Besiegung Karl Alberts, der vor den Thoren stand. Von hier ans eroberte er Italien wieder. Wie einst die Legionen aus Roms Thoren zogen, so zogen Österreichs Regimenter aus den Thoren Veronas zur Unterwerfung Italiens. In Verona lag der Schwer¬ punkt der Monarchie. Am 6. Mai erfocht der Feldmarschall einen glänzenden Sieg bei St. Lucia. Diese Schlacht ist auch dadurch geschichtlich denkwürdig, dass dort Seine Majestät Kaiser Franz Josef I. als Erzherzog die Feuertaufe empfieng. Hierauf durchbrach der Feldmarschall die tapfer vertheidigte Linie von Curtatone und öffnete sich den Weg nach Mantua. Er bemächtigte sich sodann nach einem blutigen Gefechte der Stadt Vicenza, während Karl Albert Rivoli besetzte. Am 25. Juli erfocht der Feldherr in der Schlacht von Custozza und Sommacampagna einen entscheidenden Sieg. In raschem Siegesläufe rückte sodann der greise Feldmarschall, den bei Gorto und Volta nochmals geschlagenen Feind vor sich drängend, in die Lom¬ bardei und hielt seinen Einzug in dem eroberten Mailand, wo es zum siebenmonatlichen Waffenstill¬ stände mit König Karl Albert kam. Paie, Die großen Feldherren rc. 4 so Nach Ablauf des Waffenstillstandes versuchte der König von Piemont abermals sein Kriegsglück, worauf es zum Feldzuge 1849 kam. Der Feldzug 1849. «Auf, Soldaten! Noch einmal folgt eurem greisen Führer zum Kampf und Sieg Nach Turin! lautet die Losung, dort finden wir den Frieden!» Armeebefehl Radetzky's. Im Feldzuge 1849 trat Feldmarschall Radetzky zuerst einen Scheinrückzug von Mailand gegen Lodi an, wandte sich dann plötzlich rechts, übersetzte bei Pavia den Ticino* und kam dem Gegner, der auf der Linie Mortara-Novara im Vorrücken gegen Mai¬ land war, durch eine Fro ntv eränd erung rechts in Flanke und Rücken. Durch den unerwarteten Übergang über den Ticino bei Pavia wurden 20.000 Piemontesen von ihrer Hauptarmee abgeschnitten. Die siegreichen Schlachten bei Mortara und Novara waren das Endresultat dieser kühnen strategischen Operation. Als Unterfeldherren zeichneten sich besonders ans: Erzherzog Albrecht, Generalstabschef Hess, die Generale d'Aspre, Thurn, Graf Schaffgotsche und Culoz rc. * In Pavia, von einem Balkon aus znsehend, ließ der PZjährige Feldherr das ganze Heer au sich vorbeidefilieren. Auch dem Verfasser, als Lieutenant im 17. Jnfauterie-Regimente, wurde diese Ehre zutheil. - 51 - Nach der Schlacht erließ der Feldmarschall nach¬ stehenden Armeebefehl: Soldaten! Ihr habt euer Wort rühmlichst gelöst. Ihr habt einen Feldzug gegen einen überlegenen Feind unternommen und in fünf Tagen sieg¬ reich beendet. Die Geschichte wird euch den Rnhm nicht streitig machen, dass es keine tapferere, keine treuere Armee gibt als diejenige, die mir mein Herr und Kaiser auvertraute. Soldaten! Im Namen des Kaisers und Vaterlandes danke ich euch für eure Hingebung, für eure Treue» rc. Gleich Julius Cäsar konnte Vater Radetzky nach dem fünftägigen Feldznge melden: «Ich kam, sah und siegte!» Dieser Feldzug, ein Meisterstück der Kriegs¬ kunst, erinnert an jenen von 1800, wo Napo¬ leon auf demselben Boden seinen Gegner im Rücken angriff und die Schlacht bei Marengo herbeiführte. Hochgeachtet, gefürchtet, aber nie gehasst endete der Heros seinen Lauf an der Stätte, die ihm so viel des Ruhmes bereitete (1858 in Mailand). An seiner Bahre trauerten sein erhabener Herr, die Armee und die Völker der Monarchie. Seine Leiche ruht im Parke zu Wetzdorf in Nieder¬ österreich, wohin sie von Mailand aus mit großen militärischen Ehren überführt wurde. 4* - 52 - Erzherzog Albrecht, Ir. Ir. österreichischer Felönmrschall. Seine Majestät Kaiser Franz Josef I. an Erzherzog Albrecht: »Dankerfüllt gedenke ich Ihrer glänzenden Thaten, Ihrer edlen und selbstlosen Hingabe für Meine Person und Meine Armee. Ihr gefeierter Name wird bis in die fernsten Zeiten die Ruhmesblätter der vaterländischen Zeitgeschichte zieren.» Auszug aus dem Allerh. Hand¬ schreiben 1877. Erzherzog Albrecht, des großen Heerführers und Siegers von Aspern, Erzherzog Karl, würdiger Sohn, hatte bereits unter Radetzky in den Schlachten bei Mortara und Novara glänzende Beweise seines Feld- herrntalentes gegeben. Der Feldzug 1866* in Italien, wo Erzherzog Albrecht an der Spitze der k. k. österreichischen Armee stand, reiht sich würdig an die Musterfeldzüge der großen Heerführer. Mit Blitzesschnelle führt er mit ganzer Macht einen Angriff aus der Central¬ stellung bei St. Bonifacio, Legnago, Mon- * Der Feldzug l866 in Italien und Südtirol wird im An¬ hänge ausführlicher beschrieben. 53 ta g naua gegen die italienische Min cio - Arin e e unter König Victor Emanuel aus. «Heute im Vorrücken ge¬ gen den Mincio vom Könige Victor Emanuel mit einem Theile seines Heeres an¬ gegriffen, beendete die Armee während des Kampfes dis be¬ gonnene Frontveränderung nach Süden, stürmte den Monte Bento und schließlich Custozza. Die Armee focht außerordent¬ lich tapfer und andauernd, trotz drückender Hitze.» So lautete das Siegesbulletin des Feldherrn über die Schlacht bei Custozza. Der glänzende Sieg wurde auf demselben Boden erfochten, worauf 18 Jahre vorher der Feldmarschall Graf Radetzky gesiegt hatte. Inzwischen wurde die Armee Cialdinis am Po durch eine Brigade beobachtet. Offenbar war es ein Fehler von Seite der Italiener, dass auf ein und demselben Kriegsschauplätze statt einer Hauptarmee zwei getrennte Armeen aufgestellt waren, wodurch sie ein¬ zeln geschlagen werden konnten, was auch geschah.* In der grundlegenden Idee, den Feind anzu greifen und über den Fluss zurück- * Nachdem aber zwei Armeen waren, so hätte die schwächere die Offensive zuerst ergreifen sollen, um der stärkeren den Weg zum Siege zu bahnen. 54 zuwerfen, bevor er sich diesseits vollends entwickelt hatte, erinnert die Schlacht von Custozza an jene von Aspern, wo Erzherzog Karl Napoleon über die Donau zurück¬ war s. Als Unterfeldherreu sind rühmlichst bekannt: General- stabschcf John, die Generale Maroieic, Rodic und Hartung und namentlich der geniale Vertheidiger Süd¬ tirols, General Kuhn. Von einem Centralpunkte (Trient) beherrschte er alle Thäler und warf sich nach Umständen bald da, bald dorthin, strategisch stets offensiv oder defensiv-offen¬ siv, niemals aber absolut defensiv. Nach der Schlacht bei Königgrätz übernahm Erz¬ herzog Albrecht den Oberbefehl über die gesummte Kriegsmacht, nachdem er zwei Corps der Südarmee nach Wien geführt und sie mit der Nordarmee vereinigt hatte. Er ertheilte dem Feldzeugmeister Benedek den Befehl, alle sechs Corps mittelst Eisenbahn nach Wien zu befördern. Inzwischen rückten die Preußen nach bis in die Nähe Wiens und Pressburgs. Die Übernahme des Oberbefehles durch Erzherzog Albrecht brachte dem Heere neues Vertrauen, als der Waffenstillstand und der folgende Friede dem Kriege ein Ende machten. Erzherzog Albrecht wirkte im Frieden unermüdet als General-Juspector des Heeres. Die von ihm gelei¬ teten Manöver großen Stiles sind wie zu Feldmarschalls Radetzkys Zeiten eine hohe Schule des Krieges ge¬ wesen. 55 Die Armee verehrte in ihm den großen Feldherrn, das erhabene Beispiel hingebender Pflichterfüllung und den hochherzigen Wohlthäter. Erzherzog Albrecht starb 1895, vom Kaiser und der Armee tief betrauert. Feldzeugmeister Baron Kuhn wirkte im Frieden als Kriegsminifter und Organisator der Armee. Seine Per¬ sönlichkeit war imponierend. Man fühlte gleich, dass man einem General gegenüberstand, der das für einen Feldherrn so nothwendige Gleichgewicht zwischen Geist, Muth und Charakter besaß. Feldzeugmeister Kuhns Rede war kurz, treffend, oft etwas derb, immer aber sprühte der Geist aus derselben hervor. Er besaß das Vertrauen der Armee sowie er stets gerecht und wohl¬ wollend war. Feldzeugmeister Baron Kuhn starb 1896. Seine Thaten als Vertheidiger Südtirols, als Kriegsminister und Armeeorganisator sowie sein Werk: «Der Gebirgs¬ krieg- haben ihm ein ruhmvolles Andenken hinter¬ lassen. Wilhelm I., der Grvhe, Kaiser des Deutschen Meiches. Erst im Alter stieg Wilhelm I. zur Feldherr»- und Kaisergröße empor. Im Jahre 1866 zog Wilhelm I., König von Preußen, mit 260.000 Mann, in drei Armeen getheilt, über das Grenzgebirge nach Böhmen. Nach mehreren für die preußischen Waffen glücklichen Gefechten bei Podol, 56 Hühnerwasser, Münchengrätz, Gitschin, Nachod, Skalitzrc. (in Trautenau siegte Feldmarschallieutenant Gablenz) kam es zur Schlacht von Königgrätz, die trotz der Tapferkeit der österreichischen Truppen mit dem Siege der Preußen endete und sie bis in die Nähe Wiens führte. Auch die mit Österreich im Bunde gestandenen Staaten Hannover, Sachsen, Kurhessen und Süddeutschland unterlagen den preußischen Waffen. Der Preis dieser Siege war die Hegemonie Preußens in Deutschland. Von wesentlichem Vortheil für die Preu¬ ßen war es, dass sie beim Debouchieren aus den Gebirgsdefiles und in der Schlacht von Königgrätz, solange ihre Armeen ge¬ trennt waren, nicht einzeln und mit ganzer Macht angegriffen worden sind. Ein rühm¬ liches Beispiel, getrennte Armeen einzeln zu schlagen, lieferte die Schlacht von Cnstozza 1866. 1870 bis 1871. «Da ich nicht in der Mitte meiner Truppen habe sterben können, so bleibt mir nichts übrig, als meinen Degen in die Hände Eurer Majestät zu übergeben.- Napoleon III. an Wilhelm I. nach der Schlacht von Sedan. Im Feldzuge 1870 bis 1871 zogen unter Wilhelms I. Führung die deutschen Heere, 450.000 Mann stark, nach Frankreich und erfochten eine Reihe glänzender 57 Siege, so bei Weißenburg, Wörth und vor Metz, bei Mars la Tour und Gravelotte, und nahmen Napoleon bei Sedan mit 100.000 Mann gefangen. Paris wurde eingeschlossen und nach viermonat¬ licher Belagerung zur Übergabe gezwungen. Unterdessen hatten auch Straßburg und Metz, letzteres mit 150.000 Mann, eapitnliert. Die harten Kämpfe bei Orleans endeten schließlich mit dem Siege der Deutschen und ver¬ hinderten den beabsichtigten Entsatz von Paris. Auch die Bedrohung der deutschen Rückzugslinie durch Bourbaki endete nach der Schlacht an der Lisaine bei Belfort mit der Abdrängung Bourbakis Heer auf schweizerisches Gebiet. Die großen Erfolge der deutschen Waffen unter Wilhelm I. führten zur Errichtung eines neuen deutschen Kaiserreiches. Wilhelm I. wurde in Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen und erhielt später den Beinamen der «Große-, Bei allen diesen großen Thaten standen dem Feld¬ herrn in politischer Beziehung der kluge Reichskanzler Fürst Bismarck, in militärischer der geniale General¬ stabschef Moltke, der Kriegsminister Noon, dann die Armee¬ chefs Kronprinz Friedrich Wilhelm, Prinz Friedrich Karl und die Feldmarschälle Steinmetz und Manteuffel würdig zur Seite. Der Spruch des großen Kriegsmeisters: «Armeen, die geschlagen waren, waren bereits vor der Schlacht geschlagen-, d.h. sie führten den Tvdes- keim mit sich, hatte sich in diesem Feldzuge an der französischen Armee bewahrheitet. 58 Am 30. Juli, an dem Tage, wo die deutschen Truppen ihren strategischen Aufmarsch auf der circa zehn Meilen langen Linie Koblenz-Mainz-Mannheim mit 450.000 Mann beendet hatten und die Offensive ergriffen, stand die französische Operationsarmee in der Stärke von 250.000 Mann in einer Ausdehnung von 40 Meilen an der Ostgrenze Frankreichs zerstreut. Der strategische Angriff (Durchbruch?) musste große Erfolge bringen. Die Hanptmittel zu den glänzenden Resultaten auf deutscher Seite lagen im wesentlichen: 1. ) in dem schnellen strategischen Aufmarsch; 2. ) in der kühnen st r a t e g i s ch e n Offensive, denn nur diese führt zu großen Enderfolgen; 3. ) in der neuen Taktik, basiert auf die schnell- und weittragenden Waffen; in der Feuer¬ taktik und den Umfassnngssch lachten, statt der Stoßtaktik und den Durchbruchs¬ schlachten; 4. ) in der Übermacht, basiert auf der all¬ gemeinen Wehrpflicht. Von besonderem Nachtheile für die Franzosen war es, dass an ihrer Spitze der kranke Cäsar stand, der zwar den Namen, aber nicht das Feldherrngenie seines großen Oheims hatte. Wilhelm der Große starb 1888 im hohen Alter von 92 Jahrein 59 Der Feldzug 1877 Ins 1878 in der Türkei. Großfürst Nikolaus, kai>. rnlftscher Feldmarschall. -Sie haben den ottomanischen Waffen Ehre gemacht und sind ein Held. Während Ihres Aufenthaltes unter uns werden Sie das Recht haben, Ihre Uniform, Ihren Säbel und Ihre Decorationen zu tragen.» Alexander II. an Osman Pascha nach der Kapitulation von Plevna. Nachdem die Russen im Feldzuge 1877 den strate¬ gischen Aufmarsch in Rumänien mit einem 260.000 Mann starken Heere beendet hatten, übersetzten sie Ende Juni bei Galatz und Žimnica- Sistowo im Angesichte des Feindes die Donau. Das Avantgarde-Corps unter General Gurko rückte mit Blitzesschnelle bis zum Balkan vor. Die linke Flanke gegen Schumla wurde durch eine Armee, ebenso die rechte gegen Plevna gedeckt, während die Haupt¬ macht nachrückte. Mittlerweile hatte sich bei Plevna Osman Pascha, von Widdin kommend, mit 60.000 Mann festgesetzt und verschanzt und hielt trotz mehrfacher Angriffe und Stürme seine Stellung fest, fo dass Großfürst Nikolaus zur regelmäßigen Belagerung schreiten musste. Im Laufe des Feldzuges fanden als Ergebnis der strategischen Operationen folgende größere Affairen mit wechselndem Erfolge statt: drei Schlachten bei Plevna; 60 die Schlacht bei Karahassankiö; die Schlachten von Kaceljevo und Lowtscha; die Schlacht von Cairköi und Verbotza; die Schlacht von Elena. Erst am lOten December, nach misslungenem Durchbruchsversuche Osman Paschas, kapitulierte Plevna. Nun ruckten die Russen, bei 20 bis 22 ° U. Kälte, über das 5000 bis 6000 Fuß hohe schneebedeckte Balkangebirge, nahmen die feindliche Sipka -Armee gefangen, zersprengten vollends die dritte feindliche Armee südlich des Balkans und erschienen in Sicgesschritten vor Adrianopel und schließlich vor Constantinopel, worauf es zum Waffen¬ stillstände und Frieden kam. Der Feldzug, der durch die Schuld des Beobachtungs- Corps vor Widdin, welches den Osman Pascha bei seinem Abzüge von Widdin nach Plevna ungestört ziehen ließ, um mehrere Monate verzögert wurde, nahm durch den Balkanübergang ein ruhmvolles Ende. Diese That erinnert an die Alpenübergänge Hanni- bals, Suwaroffs und Napoleons I. und bekräftigt den Spruch des letzteren, «dass die wahre Weis¬ heit des Feldherrn in einem kräftigen Ent¬ schlüsse bestehe-. Als Unterfeldherrn haben sich ausgezeichnet: Fürst Karl von Rumänien, die Generale Gnrko, Skobeleff, Totlebeu, Radecky. Von Seite der Gegner verdient Osman Pascha durch die heldenmüthige Vertheidigung Plevuas rühmliche Erwähnung. Bezeichnend für den Balkauübergang ist folgende Notiz, die in einer militärischen Zeitschrift zu lesen war. 61 «Petersburg, 16. Jänner 1877. Gestern hatten wir bei 16° Kälte ein großes militärisches Schauspiel. Um 8 Uhr morgens ritten gegen 200 Generale, Stabs- officiere und Adjutanten, an der Spitze Großfürst Nikolaus, bei den Thoren Petersburgs hinaus. Als sie ins Freie kamen, marschierten sie in mehrere Glieder auf. Boran die Generale, zuletzt die Adjutanten; dann giengs in Trab und Galopp und abwechselnd in ver¬ schiedenen Gangarten bis 4 Uhr nachmittags, wornach sie wieder einrückten. Dies war die Probeübung für den bevorstehenden Krieg und mag den Großfürsten in dem kühnen Entschlüsse, den Balkan im Winter zu überschreiten, bestärkt Haben.- Großfürst Nikolaus starb im Alter von 62 Jahren. S ch l n s s b e m e r k un g. Nach dieser kurzen Darstellung der großen Feld¬ herren und ihrer Thaten erklärt sich der Verfasser ent¬ schieden gegen die inhumane Kriegführung, wie sie in älteren Epochen vorgekonnnen ist, und gegen die aus Erobernngs-, Herrsch- oder Ruhmsucht geführten Kriege. Kriege dürfen nur dann geführt werden, wenn es sich um die höchsten Güter: die Existenz der Staaten und der Nationen handelt, und wenn alle friedlichen Mittel erschöpft sind. 1. Der kühne, methodische Krieg? (Beispiele und 6.) 2. Strategisch-taktische Würdigung verschie¬ dener Operationen, Schlachten etr. 3. Uber See- und Landkrieg. 4. Der Feldherr. * Jeder nach den Regeln der Kriegskunst gesührte Krieg ist ein methodischer. Beispiele, seine Basis und Operationslinie sicherznsiellen und über das Preisgeben der Operakionslinie in wichtigen Fällen. Paie, Die großen Feldherren re. S 66 Lehrreiche Beispiele, seine Basis und Opcrationslinic sichcrzustcllen. Im Feldzuge 1812 waren Danzig, Thorn, Modlinund Praga Napoleons Festungen an der Weichsel; Weilau, Kowno, Grodno, Wilna und Minsk seine Magazine am Riemen; Smolensk sein erster Depotplatz bei der Be¬ wegung auf Moskau. Bei dieser Operation hatte er alle acht Märsche einen befestigten Anlehnungspunkt. Alle Posthäuser waren mit Schießscharten versehen, verschanzt und mit einer Compagnie und einem Geschütze besetzt. Dadurch wurde der Dienst dergestalt gesichert, dass während des ganzen Feldzugs auch nicht eine Stafette, nicht eine Zufuhr aufgefangen wurde. Selbst auf dem Rückzüge waren, mit Ausnahme der vier Tage, während welcher der Admiral Tschitschakof über die Beresina zurückgeworfen wurde, die Communieationen des Heeres mit seinen Depotplätzen unausgesetzt offen. Im Jahre 1813 waren Königstein, Dresden, Torgau, Wittenberg, Magdeburg und Hamburg Napoleons Festungen an der Elbe; Merseburg, Erfurt und Würz¬ burg seine Zwischenplätze nächst dem Rhein. Im Jahre 1814 hatte Napoleon überall Festungen, und die ganze Wichtigkeit der flandrischen festen Plätze würde sich erst dann gezeigt haben, wenn Paris nicht durch Verrath gefallen wäre; selbst wenn nach dem Falle dieser Hauptstadt der Übergang des 6. Armee- Corps zum Feinde Napoleon nicht verhindert hätte, auf Paris zu marschieren, so würden die Verbündeten 67 genöthigt worden sein, die Hauptstadt zu räumen. Denn sicher würden ihre Generale auf dem linken Seineufer nie eine Schlacht gewagt haben, diese große Stadt im Rücken, die sie erst seit drei Tagen besetzt hatten. Über das Prcisgcben der Operationslinic in wichtigen Fällen. Allerdings darf man seine Operationslinie nicht leichtsinnig preisgeben. Wo aber große Interessen zur Entscheidung kommen, gibt es Augenblicke, wo man dem Siege ein Opfer bringen und sich nicht fürchten muss, seine Schisse zu verbrennen. Wenn die Kriegs¬ kunst bloß darin bestände, nichts bloßzugeben, so würde der Ruhm die Beute mittelmäßiger Geister werden. War Napoleon nicht auf den Schlachtfeldern von Marengo, Austerlitz und Wagram in einer gewagten Stellung? Von Arcole an waren alle seine Schritte auf dieser Laufbahn Kühnheiten solcher Art, und er hat in dieser Beziehung die ausgezeichnetsten Muster befolgt. Beschäftigten sich Wohl Alexander, Hannibal und Cäsar mit ihren Rückzugslinien in dem Augenblicke, wo sie um die Weltherrschaft kämpften? Wenn nun aber Alexander am Indus geschlagen worden wäre? Wenn Hannibal zu Cannä nicht gesiegt hätte? Wenn Cäsar in den gallischen Wäldern oder in den Eng¬ pässen von Pharsalus geschlagen worden wäre? Im Feldzüge von 1805 war ganz Preußen im Begriff, über .° 5* 68 Napoleon herzufallen ; er lag tief in Mähren im Kampfe, sein Rückzug durch Deutschland war unmöglich. Aber er siegte bei Austerlitz! Im Jahre 1806, in dem Augenblicke, wo Napoleon in die Schluchten von Thüringen einzog, konnte ihm Österreich in den Rücken fallen und Spanien über die Pyrenäen hereinbrechen. Aber er siegte zu Jena! Dieser lehrreiche Feldzug hatte folgenden Verlauf. Im Jahre 1806 schlug Napoleon zu Bamberg sein Hauptquartier auf und zog sein Heer an der Rednitz zusammen. Der König von Preußen glaubte durch sein Vorrücken an den Main die französische Operations¬ linie auf Mainz abzuschneiden und Napoleon in seinem Marsche aufzuhalten. Er gab zu dem Ende den Corps unter Blücher und dem Herzog von Weimar diese Richtung. Allein die Communicationslinie des französischen Heeres gieng nicht mehr über Mainz, sondern von der Festung Kronach, am Fuße der sächsisch en Gebirge, üb er den festen Platz Forchheim an der Rednitz nach Straßburg. Da Napoleon von dem offensiven Marsch der Preußen nichts zu fürchten hatte, so rückte er in drei Colonnen vor, und zwar mit dem linken Flügel über Coburg; er bestand aus dem 5. und 7. Armee-Corps unter den Herzögen von Moutebello und von Casti- glione. Die Mitte, bei der sich Napoleon selbst befand, marschierte über Kronach und Schleiz; sie bestand aus dem 1. und 8. Armee-Corps unter dem Marschall Bernadotte und dem Fürsten von Eckmnhl, ferner aus 69 dm Garden und der Reserve-Reiterei. Der rechte Flügel durchzog das Baireuthische; er rückte über Hof und bestand aus dem 4. und 6. Armee-Corps unter dem Herzog von Dalmatien und dem Fürsten von der Moskwa. Das zwischen Neustadt und Weimar stehende preußische Heer, das sich bereits zur Unterstützung seiner Vorhut gegen den Main in Bewegung gesetzt hatte, machte Halt. Von der Elbe und von Berlin abgeschnitten, sah es nach dem Verluste seiner Magazine das Gefährliche seiner Lage ein, als diese bereits verzweifelt geworden war. Obschon es so nahe bei Magdeburg im Herzen seines Landes und nur zwei Märsche von der Elbe entfernt stand, wurde es geschlagen und abgeschnitten, ohne einen Rückzug be¬ werkstelligen zu können. Außer dem König und einigen Schwadronen, welche nur mit Mühe das rechte Oderufer erreichten, entkam von diesem alten Heere Friedrichs II. kein Mann. Mehr als 100.000 Mann, Hunderte von Kanonen und Fahnen waren die Siegeszeichen dieses Tages. Im Jahre l849 hatte auch Feldmarschall Radetzky seine Operationslinie gewechselt; statt auf der nördlichen Linie Mailand-Novara, auf der er den scheinbaren Rück¬ zug angetreten hatte, operierte er auf der südlichen Linie über Pavia und erzielte ungeahnte Erfolge. Im Feldzüge von 1866 in Italien hatte der Erzherzog Albrecht durch den unvcrmnthetenFlankenangriff dieSchlacht von Custozza ge¬ wonnen, nachdem er seine Operativnsliuie gewechselt hatte. 8. Der Feldzug 1W6* in Italien und Südtirol. Strategischer Aufmarsch und Marschmanöver in Italien und in Südtirol. * Dieser Feldzug wurde im Jahrs l87l> im militcir-wissen- schaftlichen Vereine in Triest vom Verfasser vorgenage». 72 Der Feldzug 1866 in Italien. Aufstellung der Armee auf dem Kriegsschauplätze. Strategischer Aufmarsch. Sicherung im ausgedehnten Umfange in Fronst Flanken und Rucken. 1. ) Die Hauptarmee in der Centralstellung zwischen St. Bonifacio, Lonigo, Montagnana, in Cantonne- ments. 2. ) Cavallerie-Brigade Pulz, l.Jäger-Bataillon und acht Geschütze am Mincio. Bewachung aller Übergänge. Abbruch jeden Verkehres. Kein ernsthaftes Gefecht gegen Übermacht. 3. ) Am Po. General Tendier mit einer Brigade in Rovigo, mit ähnlichen Instructionen wie Oberst Pulz. Streif-Commando General Zcstavnikovic in Cone- gliano, später in Padua, eine Brigade. Erhaltung der Verbindung mit dem Hinterlande. Erhaltung der Ruhe in den Städten. Beobachtung der Pässe im Norden gegen Friaul, Belluno. Beobachtung der Küste zwischen der Piave und dem Tagliamento, damit keine Landung uuvermuthet stattfiude und zur Verhinderung derselben. In Tirol. General Kuhn mit 13.000 Mann regulärer Truppen und 8000 Mann Landesschützen. Istrien. Küstenbewachung eine Division (zwei Brigaden) bis zum Tagliamento. 73 Gardasee. Acht kleine Kanonenboote. Bei Fasana, zunächst Pola, stand die kaiser¬ liche Flotte. Marschmanövcr (Operationen). Die österreichische Armee führte einen strategischen Flankenangriff aus der Centralstelluug bei St. Boni¬ facio, Lonigo, Montagnana gegen die feindliche Mincio-Arinee aus. 1. ) Marsch Manöver am 22. Juni 1866. Alle drei Corps echelonniert auf der Straße zwischen Verona und St. Bonifacio. Reserve-Division von Verona gegen Pastrengo. 2. ) Marsch Manöver am 23. Juni. 5. Corps Chievo (abends St. Ginstino Sona). 7. Corps St. Massimo. 9. Corps St. Lucia. Reserve-Division Sandra und Castelnuovo. 3. ) Marschmanöver am 24. Juni 3 Uhr früh. Reserve-Division Castelnuovo. 5. Corps St. Giorgi in Salice und Sona. 9. Corps über Mancalaqua nach Sommacampagna. 7. Corps eine Brigade nach Casazze als Verbindung zwischen dem 5. und 9. Corps. Zwei Brigaden Schlachtreserve. Cavallerie, zwei Brigaden, in der Ebene, Front gegen Süden. 74 Die Brigade Scudier ruckte zur Armee ein. Als Beobachtung am Po verblieb das 10. Jäger-Bataillon und das 13. Husarenregiment unter dem Commando des Obersten Graf Szapary. Taktisches Gebiet. Der österreichische Schlachtplan. Basiert auf Tirol und die bei Ponton Pescantina und Pastrengo geschlagenen Kriegsbrücken, welche im Falle des Rückzuges von der Armee zu passieren sind (Kavallerie zieht sich nach Verona), sollte das ganze Hügelland von Custozza, und zwar vom Mincio-Ufer bis zn seinen östlichen und südlichen Abfällen durch¬ zogen, vom Feinde gesäubert, letzterer vom Mineio ab¬ gedrängt und gegen die Valli Grandi Veronesi geworfen werden. Die schließliche Erstürmung von Monte Bento, St. Lucia, Belvedere, Monte della Croce, Monte della Torre und Custozza krönte diesen Schlachtplan mit bestem Erfolge. Die Ausfallstruppen aus Peschiera nahmen daran Theil. Die bei Verona concentrierte Armee konnte den Angriff auf die feindliche Mincio-Armee in drei ver¬ schiedenen Richtungen unternehmen. 1.) Gegen den feindlichen rechten Flügel, um dessen Armee von ihrer Verbindung niit Cialdini abzudrängen. Dies wäre der eigentliche strategische Angriffspunkt ge¬ wesen. Als Beispiel einer derartigen Operation ist der Angriff Radetzkys Ende Mai 1848 von Verona über 7b Mantua auf die Curtatone-Liuie, und der Angriff in Flanke und Rücken, auf den bei Goito mit der Haupt¬ macht gestandenen Gegner. Die Unternehmung misslang trotz der richtig an¬ gelegten Idee wegen der Schwierigkeit des sumpfigen Terrains. 2. ) Richtung. Von Verona on krönt gegen Sona und Sommacampagna, wie Radetzky im Juli 1848. Bei dieser Angriffsrichtuug war ein großer Verlust unausbleiblich, wenn der Gegner das Hügelland bereits besetzt hält, weil er die Ebene weit und breit bestreicht. 1848 dauerte der Kampf um den Besitz des Schlacht¬ feldes drei volle Tage. 3. ) Endlich der Angriff auf den feindlichen linken Flügel, wie er auch wirklich stattfand. Die zwei vorerwähnten kriegsgeschichtlichen Beispiele mögen den österreichischen Feldherrn bestimmt haben, die dritte Angriffsrichtung zu wählen. Diese versprach zwar nicht jene glänzenden Resultate, welche nur dann zu erlangen sind, wenn der Schlachtplan auf der strategisch richtigen Idee — Bedrohung der feindlichen Rnckzugsliuie, Verhinde¬ rung seiner Verbindung mit dem getrennten Theile — basiert; hatte aber sonstige Vortheile von ungeheuerem Belange. Der Hauptvortheil bestand darin, mittelst Wechsels der Operationslinie einen strategisch taktischen Flanken¬ angriff auszuführen und dabei mit der Armee fast senkrecht auf die Etsch basiert zu sein (auf die drei Kriegsbrückeu) und dann eventuell uach Tirol oder 76 auf Umwegen nach Verona. Dieser Wechsel der Opera¬ tionslinie ist großen Feldherren eigen und nur mit gutgeschulten Führern und Truppen durchführbar. Italienischer Schlachtplan. Die italienische Armee war am 24. Juni 1866 früh im Vormarsche, um die zugewiesenen Stellungen zu beziehen; sie wurde von unserer Armee unvermuthet, plötzlich angegriffen. Ohne besonderen Plan setzte sie großen Widerstand entgegen, um sich in den günstigen Stellungen zu behaupten; so namentlich bei Oliosi und den vorher gesagten Höhen, bis sie schließlich, von Abschnitt zu Abschuitt zurückgedrängt, nach Verlust der südöstlichen Terrasse Custozza, Monte della Torre und Monte della Croce den allgemeinen Rückzug antreten musste. Sommacampagna wäre der Punkt gewesen, den die italienische Armee mit aller Macht hätte angreifen sollen, um unsere Armee von den Etsch-Verbindungen ab¬ zuschneiden. Diese Behauptung steht im Einklänge mit den Regeln der Kriegskunst: in erster Linie an den Sieg, in zweiter Linie erst an den Rückzug zu denken. Der österreichische Feldherr erkannte dies, kam zuvor, gieng selbst in die Offensive über, indem er auf der Linie Monzambano, Sommacampagna die Schlacht hin¬ hielt und fünf Brigaden gegen die südöstlichste Terrasse Custozza, Monte della Torre, Monte della Croce in 77 Bewegung setzte, sich dieses Schlüsselpuuktes des Schlachtfeldes bemächtigte und die Schlacht zur Ent¬ scheidung brachte. Cavallerie-Attaquen folgten in der Ebene. Der Feldzug 1866 in Südkirvl. Aufstellung der Truppen in erster Linie. Der Grenze entlang, und zwar von Roveredo über Riva Ponte d'Cattaro, Tonal bis zumStilfscrjoch, standen die Vorposten, bestehend aus Feldwachen und Haupt¬ posten, grvßteutheils Landwehrschützen. Zweite Linie: Taktische Reserven. Diese standen in je einem Vertheidigungs-Abschnitte, und zwar eine in Malo, Male, Tione und Riva, dann Detachements in Cortino d'Ampezzo und Primolano. Strategische Reserve. Diese bestand aus zwei Brigaden; stand anfangs im Etschthale zwischen Trient und Mezzolombardo, von wo aus sie sich in die einmündenden Thäler wenden konnte. Nachdem der Angriff Garibaldis in der Zone Gindicarien Riva ausgesprochen war, bezog dieselbe die Rocade-Linie Bad Comano-trearchi, von wo aus sie sich nach drei verschiedenen Richtungen, nach Norden, Westen und Süden, wenden konnte. 78 Marschmanövcr. Periode. Absolute Offensive in die Lombardei, Anfang Juli, correspondierend mit der Offensive bei der Armee in Italien. Allerdings war die Offensive bei der Südarmee nur eine scheinbare, um den Gegner zu täuschen und um das ungesunde, mit Leichen bedeckte Schlachtfeld von Custozza mit einem gesünderen Boden zu vertauschen. Die Absicht des österreichischen Feldherrn war, wie er sich iin geheimen Wege zu den Corps-Command anten äußerte, abermals bei Custozza die Schlacht zu liefern. Nichtsdestoweniger wäre der Druck von Südtirol aus auf die feindliche linke Flanke stark genug gewesen, um den Gegner in Verlegenheit zu bringen und die eigene Armee actionsfähiger zu machen. 2. Periode war nur ein Übergang in die Rocade- Linie Bad Comano-trearchi, also eine defensive Offen¬ sive. Die strategisch-taktisch günstige Stellung dortselbst sollte nur dazu dienen, um den Gegner daselbst durch eine Zeit mit einer geringeren Macht festzuhalten, während gleichzeitig die Offensive in Flanken und Rücken des Gegners über die Gebirge stattfinde. Das Treffen von Condino, bei welchem unsererseits die Offensive ergriffen, die rechte feindliche Flanke und dessen Rücken über den Monte Giovo angegriffen, während der Gegner sn krönt beschäftigt wurde, ent¬ sprechen dem Vorhergesagten. Noch entscheidender wirkte der Offensivstoß im Treffen von Bececca, weil die Umgehung unerwartet über den 79 6000 Fuß hohen Monte Picca durch die Brigade Baron Montluisant stattfand; während die Brigade Kain das Hauptthal festhielt, ohne Fortschritte machen zu können, da der Gegner dortselbst zu stark gewesen ist. 3. Periode. Val Sugana. Auch diese Bewegung war eine offensiv-defensive. Mit Hilfe der taktischen Stellung von Roncvgnv (welche bis aufs äußerste und bis zum Anlaugen der strategischen Reserven vom eigens hiezu befehligten Feldmarschall Kain festzuhalten war) wurde die Hauptmacht aus dem Sarca- und Ledrothale in die Val Sugana in Marsch gesetzt und traf nach dem Einlangeu bei Roncogno Anstalten, zum Angriff auf den bei Pergine Levico stehenden Gegner. Es sind demnach alle drei Perioden der Operationen ganz im Sinne der Theorie entweder absolut offensiv oder offensiv-defensiv, niemals aber absolut defensiv. Strategisch - takti ftt; e Ward igmr g verschiedener Operationen, Schlachten und Niick- Mge etr., welche hauptsächlich in die Epoche großer Feldherren des vergangenen Jahrhunderts fallen. Paio, Die großen Feldherren rc. 6 82 1. Operationen. g.) Einfache strategische Umgehung. 1796. Bonaparte gegen Beaulieu (Lodi). 1800. Bonaparte gegen Melas (Marengo). 1805. Napoleon gegen Mack (Ulm). 1806. Napoleon gegen Braunschweig (Jena). 1814. Napoleon gegen Blücher (Brienne). 1815. Blücher und Wellington gegen Grouchy an der Aisne. 1848. Radetzky gegen Karl Albert (Curtatone). 1849. Radetzky gegen Karl Alberts Hauptmacht (Mor¬ tara, Novara). 6) Strategisches Durchbrechen. 1796. Bonaparte gegen Beaulieu und Colli (Vorbrechen aus der Riviera). 1809. Napoleon gegen Erzherzog Karl (in Baiern). 1814. Februar. Napoleon gegen Blücher. 1815. Napoleon gegen Wellington und Blücher (Quatre- bras und Ligny). 1848. Radetzky gegen Karl Albert (Custozza). o) Coneentrischer strategischer Angriff und ähnliche kombinierte Operationen. 1812. Kutusoff, Tschitschagoff, Wittgenstein gegen Napo¬ leon auf dem Rückzüge (Beresina). 1813. Kriegsplan von Drachenberg, schließlich ausgeführt von den Verbündeten im Oktober (Leipzig). 83 1813. Macdonald gegen Blücher (Katzbach). 1814. Allgemeiner Kriegsplan der Verbündeten gegen Napoleon; ebenso 1815. 1849. Allgemeiner Plan Karl Alberts gegen Radetzky. 1866. Die Preußen gegen Benedek. ä) Einfach excentrische Rückzüge und Flanken¬ stellungen. 1812. Kntusosf nach der Schlacht von Borodino nach Tarntina. 1813. Die Verbündeten nach der Schlacht von Bautzen aus Schweidnitz. s) Centrale Rückzüge und Operationen auf der inneren Linie. 1796. Erzherzog Karl gegen Jourdan und Moreau in Deutschland. 1796. Bonaparte am Mincio und der Etsch gegen die Österreicher. 1812. Barclays und Bagrations Rückzug auf Smolensk, nach Beschluss ihrer Vereinigung. 1813. Napoleon an der Elbe, gestützt auf Dresden. 1814. Februar. Napoleon zwischen Blücher und Schwarzenberg. 1848. Radetzky bei Verona. k) Verfolgung mit der Tendenz abzuschneiden und zu umgehen. 1806. Napoleon nach der Schlacht von Jena und Auerstädt. s* 84 1809. Napoleon nach der Schlacht von Wagram. 1812. Kutusoff von Tarntina aus gegen Napoleon. 1813. Schlacht von Hanau. Z) Gebirgsübergänge. 218 v. Chr. Hannibal über die Pyrenäen und Alpen. 1799. Suwaroff über die Alpen. 1800. Bonaparte über den St. Bernhard. 1866. Armee des Kronprinzen von Preußen über das Glatzer Gebirge. 1877. Großfürst Nikolaus über den Balkan. ü) Flnssübergänge. 1796. Bonaparte über den Po und Mincio. 1809. Napoleon über die Donau von der Insel Lobau, im Mai und Juli. 1812. Napoleon über die Beresina. 1813. Blücher bei Wartenburg über die Elbe. 1814. Blücher über den Rhein bei Caub. 1877. Die Russen über die Donau. i) Flankenmärsche. 1796. Bonaparte von Acqui nach Piacenza. 1807. Benningsen vor der Schlacht von Friedland. 1809. April. Davoust von Regensburg nach Neustadt. 1812. Barclay in der Schlacht von Lubino. 1813. Eugenv.WürttembergvonPirnanachPeterswalde. 1813. Blücher von Kamenz nach Elster. 1814. Sackens Rückzug nach derSchlacht von Montmirail. 1848. Radetzky von Verona nach Mantua. 1866. Gablenz von Trautenau über Burgersdvrf. 85 Ic) Überfall von Quartieren. 1812. Kutusoff gegen Baraguay d'Hilliers bei Smolensk. 1815. Napoleon gegen Blücher an der Sambre. 1) Volkskrieg. 1809. Tirol. 2. Schlachten und Gefcchtsvcrhältnisse überhaupt. 7V. Mngriffsschlachten. a) Einfache Flanken- und Flügelangriffe. 1796. Bonaparte bei Arcole. 1796. Erzherzog Karl bei Würzburg. 1805. Kutusoff bei Austerlitz. 1807. Napoleon bei Preußisch-Eylau. 1807. Napoleon bei Friedland. 1809. Napoleon bei Eckmühl. 1812. Wellington bei Salamanca. 1812. Napoleon bei Borodino (beabsichtigt). 1813. Napoleon bei Bautzen. 1813. Napoleon bei Hanau. 1814. Napoleon bei Montereau. 1815. Napoleon bei Ligny. 1815. Blücher bei Belle-Alliance. 1849. Radetzky bei Novara. b) Einfacher Flanken- oder Flügelangriff, kombiniert mit Durchbrechen des Centrums. 1809. Napoleon bei Wagram. 1815. Napoleon bei Ligny. 1866. Erzherzog Albrecht bei Custozza, in Verbindung mit einer Frontveränderung links. 86 o) Concentrischer Angriff. 1813. Napoleon bei Lützen. 1813. Die Verbündeten bei Kulm. 1813. Macdonald an der Katzbach. 1813. Die Verbündeten bei Leipzig. 1814. Die Verbündeten bei La Rochiere. 1814. Schwarzenberg bei Arcis für Aube. 1866. Die Preußen bei Königgrätz. ä) Durchbrechen der Mitte. 1805. Offensivstoß Napoleons bei Austerlitz. 1813. Blücher an der Katzbach. 1813. Bülow bei Großbeeren. 1814. Mortier und Marmont an der Theromanne. 1849. d'Aspre bei Mortara. o) Die Umfassung. 1870. Gravelotte, Sedan. U. Vertheidigungsschlachten. a) Mit großen Offensivstößen vor die Front. 1805. Napoleon bei Austerlitz. 1813. Napoleon bei Dresden. 1813. Bülow bei Dennewitz. 1») Mit partiellen Offensivstößen in der Stellung. 1813. Napoleon bei Leipzig (Wachau). 1815. Wellington bei Belle-Alliance. 1815. Blücher bei Ligny. 1849. Karl Albert bei Novara. 87 6. Keine Desenswschlachten, sehr ungünstig. 1813. Verbündete bei Bautzen. 1814. Woronzosf bei Craonne. 1866. Benedek bei Kvniggrätz. I). Vertheidigungerschlachten mit der Rürkzugslinie hinter einem Hügel (sehr ungünstig). 1807. Benuingsen bei Friedland. 1813. Wrede bei Hanau (erster Act). 1813. Die Verbündeten bei Bautzen. L. Rückzugsgefechte, Rückzugsstellungen, taktische Verhältnisse bei Rückzügen. 1809. Erzherzog Karl vor Znaim. 1809. Erzherzog Johann aus Italien. Blockhäuser von Malborghet und Predil. 1812. Napoleon bei Krasnoi und an der Beresina. 1813. Überfall bei Hanau. 1814. Blücher bei Champeaubert-Etoges. 1849. Radetzky von Mailand auf Verona (Melegnano). V. Verschanzte Vager und Stellungen. 1809. Aspern und Essling. 1812. Drissa. 1813. Bautzen. 1848. Verona. 1848. Sona-Soniinacampagna. 88 O. Wirkung de« Erscheinens frischer Streitkräfte während des Gefechtes oder nach demselben. 1800. Desaix bei Marengo. 1806. Rüche! bei Jena. 1807. L'Estocq bei Preußisch-Eylau. 1815. Blücher bei Belle-Alliance. 1849. Wohlgemuth bei Vigevano. 1866. Gefecht bei Trautenau. 1866. Preußen (Kronprinz) bei Königgrätz. H. Blockaden, Belagerungen, Wirksamkeit fester Plahe. 1796 und 1797. Mantua. 1800. Genua. Bard. 1806. Rascher Fall der Mehrzahl der preußischen Plätze. 1807. Danzig. Kolberg. Graudenz. 1813. Danzig. 1815. Belagerungen und Blockaden der französischen 1849. 1866. 1870. 1870. 1870. 1878. Festungen durch die Verbündeten. Peschiera. Verona. Mantua. Das Festungsviereck an der Etsch. Die öster¬ reichischen Festungen in Böhmen nnd Mähren. Die sächsische Bergfestung Königstein. Straßburg, Metz, Paris, Plevna, belagert und kapitulierte. Nüstow: «Feldherrenkunst». Uber See- und Landkrieg oder der Admiral und der Feldherr. so Über den Seekrieg im Vergleiche mit dem Landkriege. Die Eigenschaften, welche der Obergeneral (Admiral) einer Flotte und der Obergeneral eines Landheeres nöthig haben, sind sehr verschieden. Mit den zur Führung des Oberbefehles über ein Landheer nöthigen Eigenschaften wird man geboren, während sich die Eigen¬ schaften eines Admirals nur durch Erfahrung erwerben lassen. Alexander und Hannibal vermochten beide sehr jung den Oberbefehl zu führen. Die Kunst, den Land¬ krieg zu führen, ist eine Kunst des Genies, der Ein¬ gebung. Allein weder Alexander noch Hannibal würden im Alter von 24 Jahren eine Flotte befehligt haben. Der Seekrieg beruht weder auf dem Genie, noch auf der Eingebung. Alles an demselben ist Erfahrungs¬ sache und positiv. Der Admiral braucht nur eine Wissenschaft, die Schiffahrtstunde. Der Feldherr zu Lande bedarf aller Wissenschaften oder eines Talentes, das dieselben aufwiegt, des Talentes nämlich, alle Er¬ fahrungen und Kenntnisse zu benützen. Ein General zu Lande weiß nichts Gewisses, hat seinen Gegner nie recht im Auge, weiß nie bestimmt, wo er ist. Das ge¬ übteste Ange kann nicht erkennen, ob es das ganze feindliche Heer oder nur Theile desselben gewahr wird. Ein General zu Lande sieht, erkennt und urtheilt nur mit dem geistigen Auge, durch die Gesammtheit aller Schlüsse, durch eine Art Eingebung. Ein Admiral bedarf nur eines geübten Anges, kein Theil der feind¬ lichen Streitkräfte ist ihm verborgen. Was das Amt eines Generals zu Lande außerordentlich schwierig macht, 91 ist die Nothwendigkeit, so viele Menschen und Thiere zu ernähren. Ein Admiral kann ungehindert handeln, er führt alles mit sich; er hat kein Terrain zu recognoscieren, kein Schlachtfeld zu studieren. Indisches oder amerikanisches Meer gilt ihm gleich; immer ist es nur eine flüssige Ebene. Die Kenntnis der Winde, die in diesem oder jenem Seestriche herrschen, die Voraussicht derselben und die Kenntnis der Zeichen der Atmosphäre sind Eigenschaften, welche man nur durch die Erfahrung allein erwirbt. Der General zu Lande kennt das Schlachtfeld nicht, auf dem er operieren muss. Sein richtiger Blick ist eine Art von Eingebung. Mit Leichtigkeit gleich auf den ersten Blick die Be¬ ziehungen ausznfinden, welche das Terrain nach der Be¬ schaffenheit der Gegend zu einander hat, ist eine Gabe, welche man militärischen Blick nennt, den große Feldherren von der Natur erhalten haben. Gleichwohl bieten topographische Karten einige Hilfe. Ein Admiral hängt mehr von seinen Schiffscapitänen als ein Obergeneral von seinen Generalen ab. Dem letzteren ist es möglich, in Person das unmittelbare Commando zu übernehmen, sich auf alle Punkte zu be¬ geben und unrichtige Bewegungen gutzumachen. Ein Admiral hat persönlich nur auf die Mannschaft seines Schiffes Einfluss. Wegen des Rauches können die Signale nicht gesehen werden. Die Winde ändern sich oder sind nicht dieselben auf dem ganzen Raume. Von allen militärischen Ämtern ist daher die Admiralstelle diejenige, wo die Subalternen das Meiste ans sich nehmen müssen. - Mem. Nap. Der Feldherr, sein Wissen, seine Eigenschaften. 94 Der Feldherr, sein Wissen, seine Eigenschaften. I. Der Oberfeldherr wird durch seine eigene Erfahrung oder durch sein Genie geleitet. Die Taktik, die Evolu¬ tionen, die Wissenschaften des Ingenieurs und des Artilleristen lassen sich, ungefähr wie die Geometrie, aus Büchern erlernen. Die Kenntnis der höheren Theile des Krieges dagegen erwirbt man sich nur durch die Erfahrung und durch das Studium der Geschichte der Kriege und Schlachten großer Feldherren. n. Man führe den Offensiv-Krieg* wie Alexander, Hannibal, Cäsar, Gustav Adolf, Turenne, Prinz Eugen, Friedrich II. und die großen Heerführer des vorigen Jahrhunderts. Man lese wiederholt die Geschichte ihrer Feldzüge; man bilde sich nach ihnen; dies ist das einzige Mittel, ein großer Feldherr zu werden und die Geheimnisse der Kunst zu er¬ lernen. Das Genie, auf solche Weise erleuchtet, wird alle Grundsätze verwerfen, die denen der obengenannten großen Männer entgegen sind. m. Das erste was einen General sogleich über das Alltägliche erhebt, i st d a s G l e ich g ewicht zwischen Geist und Charakter oder Muth. Ragt der Muth stärker hervor, so geht der General weiter in der Ausführung als seine Pläne; umgekehrt wagt er nicht, sie auszuführen, wenn sein Muth vom Geiste übertroffen wird. * Gewiss Hütte der österreichische Feldherr 1866 in Italien den Offensivkrieg geführt, wenn er starker gewesen wäre. Seine Operationsarmee war nur 75.000 Mann stark; die feindliche Mineio Armee betrug 120.000, die Po-Armee 80.000 Mann. 95 IV. Es gehört große Geistesstärke dazu, nm mit voller Einsicht der Folgen eine jener großen Schlachten zu liefern, von welcher das Schicksal eines Heeres, eines Landes, der Besitz eines Thrones abhängen. Daher findet man auch nur wenige Generale, die sich beeilen, eine Schlacht zu liefern; sie nehmen ihre Stellungen, lagern sich, machen ihre Pläne, aber dann zeigt sich ihre Unentschlossenheit. Nichts ist schwerer, aber auch nichts wichtiger, als zum Entschluss zu kommen. Die wahre Weisheit eines Generals besteht eben in einem kräftigen Entschluss. Unsicheres, verzagtes Handeln und halbe Maßregeln verderben alles im Kriege. «Benütze die Gunst des Glückes, wenn seine Launen sich dir zuwenden, fürchte seinen Unbestaud! es ist ein Weib.» V Bei Eröffnung eines Feldzuges überlege man wohl, ob man vonücken soll oder nicht. Hat man aber ein¬ mal die Offensive ergriffen, so behaupte man sie aufs äußerste. Denn abgesehen von der Waffen¬ ehre, von dem Einflüsse aus das Moralische der Armee, von dem Muthe, den inan dem Gegner einflößt, sind Rückzüge verhängnisvoller und kosten mehr Menschen und Material als die blutigsten Schlachten, mit dem Unterschiede, dass der Feind in einer Schlacht etwa ebenso großen Verlust erleidet als wir, während bei einem Rückzüge wir allein im Verluste sind. Einheit des Kommandos ist das Wichtigste im Kriege. Nie soll man zwei Heere auf eiu und demselben Kriegsschauplatz stellen. (1866 96 hatten die Italiener gegen diesen Grundsatz gehandelt, indem sie eine Armee am Mincio, die andere am Po aufgestellt hatten.) VH. Wenn zwei Heere in Schlachtordnung stehen, wovon das eine seinen Rückzug über eine Brücke nehmen muss, das andere durch alle Punkte des unbeschriebenen Halb¬ kreises denselben bewerkstelligen kann, so ist's an diesem letzteren, kühn zn sein, große Stöße beizubringen und in den Flanken des Gegners zu manövrieren. VIII. Wenn man eineSchlacht liefern will,ziehe man alle seine Streitkräfte zusammen und vergesse auch nichteine; ein einziges Bataillon entscheidet zuweilen dieSchlacht. n Wenn Napoleon einer stärkeren Armee gegenüberstand und ihn diese umlagerte, fiel er wie ein Blitz auf einen ihrer Flügel und warf ihn. Dann benützte er die Verwirrung, die hierauf jedesmal in der feindlichen Armee entstand, um diese auf anderen Punkten mit ganzer Macht anzugreifen. So schlug Napoleon dieselbe theilweise, und der Sieg, den er davontrug, war der Sieg der Mehrheit über die Minderzahl. X. Das Schicksal einer Schlacht ist oft das Resultat eines Augenblickes, eines Gedankens; man nähert sich einander mit verschiedenen Plänen, man wird hand¬ gemein,man schlägt sich — der entscheidende Moment erscheint, ein Geistesblitz gibt den Ausschlag, die unbedeutendste Reserve fuhrt ans Ziel. In der Regel sind die Schlachten nur ein Theil sehr umfassender Kombinationen re. Mem.Nap. 36440 Näk. IN UNIV. Knurnicä