Bezugspreis ganzjährig mit Poffzuiendung 50 K — 5 Ulk. — 3 hire. Kaffioiiicfie iniftionszeifichriif. Erscheint monatlich und wird vom IMiionshaus Hleliendorf bei Graz, Steiermark, herausgegeben. Redigiert von P. ßeinridi Wohnhaus F. 8. C. Der Heilige Vater Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Hpoftoliichen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Meilen geleien. MI! Empfehlung der hodiwürdigiten Oberhirten von ßrixen, Brünn, Sraz, heiimerih, hinz, vlrnütz, Marburg, Crient, Crieff und Wien. Best 9 und 10. September - Oktober 1922. XXV. Jahrgang. fe7 Gräfin marin Theresia tedochowska f. V- Gründerin und Generalleiterin der Sf.-Pefrus-Glaver-Sodalitäf. Am 6. Juli starb in Rom Gräfin Sebö= chowska, die Gründerin und Generaloberin der Petrus-Claver-Sodalität. Während nahezu dreißig Jahren hat sich diese Hilfsmissionsgenossenschaft die größten Verdienste um das afrikanische Missionswerk und den Dank der im schwarzen Erdteil missionierenden Ordensgesellschaften erworben. Wiederholt schon wurde int „Stern der Neger" über die vorbildlichrührige und erfolgreiche Werbetätigkeit der Petrus-Claver-Sodalität berichtet. Gerne veröffentlichen wir deshalb in unserer Zeitschrift nachstehenden, von der Claver-Sodalität uns übermittelten Lebensabriß ihrer allverehrten Stifterin, der großen „Mutter der Neger". Erziehung und erste Tätigkeit. Gräfin Maria Theresia Ledochowska entstammte väterlicherseits einem alten polnischen Adelsgeschlechte, mütterlicherseits dem ebenso alten schweizerischen Aöelsgeschlechte der Salis-Zizers. Sie wurde am 29. April 1863 zu Loosdorf in Niederösterreich als älteste Tochter des Grafen Anton Ledöchowski und seiner zweiten Gemahlin Josefa geboren. Im Elternhause erhielt das Kind von den frommen, echt katholischen Eltern eine tiefreligiöse Erziehung und verlebte im Kreise froher Geschwister glück- liche Jugendjahre. Ihre besonders treuen Gefährten waren der um einige Jahre jüngere Vladimir, der nunmehrige General der Gesellschaft Jesu, und Julie, die in den nordeuropäischen Ländern als tatkräftige Ursuline bekannt ist und dortselbst verschiedene Zweigniederlassungen ihres Ordens schuf. In der Familie nannte man dieses Geschwistertrio nur „die drei Großen" (eine Vorbedeutung ihrer späteren hervorragenden Stellung in der Kirche). Außerordentlichen Eindruck machte auf Maria Theresias kindliches Gemüt ein Zusammentreffen mit ihrem Onkel, dem Erzbischof von Gnesen-Posen, diesem edlen Opfer des deutschen Kulturkampfes, als er, aus seiner zweijährigen politischen Gefangenschaft entlassen, nach Rom reiste und dort zum Kardinal kreiert wurde. Im Alter von zehn Jahren kam die junge Gräfin in das Institut der Englischen Fräulein nach St. Pölten und erhielt dort eine gründliche Ausbildung in den Wissenschaften und schönen Künsten, nachdem im Elternhause schon durch den Unterricht des Vaters und des Hofmeisters ihrer älteren Brüder ein trefflicher Grund gelegt worden war. 1883 übersiedelte die gräfliche Familie nach Polen, in die Nähe von Krakau, allwo die neunzehnjährige Tochter an Stelle des erkrankten Vaters sich mit der Bewirtschaftung eines großen Landgutes (Lipnica murowana) befaßte, nebenbei den jüngeren Schwestern Unterricht erteilte und mit ernstem Eifer Schriftstellerei betrieb. Der Tod des innigstgeliebten Vaters riß eine schmerzliche Lücke in das junge Leben. Von 1885 bis 1891 bekleidete Gräfin Ledöchowska die Stelle einer Hofdame bei der Großherzogin von Toskana in Salzburg. In diese Zeit greifen die ersten Keime des großen Lebenswerkes der Dahingeschiedenen zurück. 1886 kamen zwei Franzis-kanerinnen, Missionärinnen Mariens, an den Hof der Großherzogin von Toskana. Gräfin Ledöchowska kam mit ihnen näher in Berührung und nahm ein so warmes Interesse an ihrem Wirken, daß sie fortan selbst den Wunsch nährte, sich den Missionen widmen zu dürfen. Dieser Wunsch wurde noch gesteigert, als im Jahre darauf abermals zwei.Missionärinnen, eine aus ihnen eine Ex-Hofdame vom großherzoglich toskanischen Hofe, nach Salzburg kamen. Die Stunde der Gnade hatte aber noch nicht geschlagen. Erst als Kardinal Lavigeries Kreuzzug zugunsten der Negersklaven Europa aufrüttelte, da war es eine Stelle aus des Kardinals Londoner Konferenz, die Gräfin Ledöchowska las, und die für ihre ganze fernere Lebensrichtung den entscheidenden Ausschlag gab. „Christliche Frauen Europas!" hieß es darin, „euch geziemt es, überall diese Grausamkeiten bekanntzugeben und die Entrüstung der zivilisierten Welt dagegen zu erregen . . . Wenn euch Gott das Talent gegeben hat zum Schreiben, so stellet es in den Dienst einer solchen Sache; ihr findet keine, die heiliger wäre!" Klar stand es jetzt vor der Seele der jungen Gräfin: ihr Talent, ihre Feder wollte sie in den Dienst der Antisklavereibewegung, beziehungsweise der afrikanischen Missionen stellen. Ehe sie an die Ausführung ihres Planes schritt, bat sie ihren Onkel, Kardinal Ledöchowski, den damaligen Präsekten der Propaganda Fide, um Rat, der alsbald ihre letzten Bedenken zerstreute und sie zu dem schwierigen Vorhaben ermutigte. Mit dem Theaterstück „Zaida, das Negermädchen", und bald darauf mit der Herausgabe der Monatsschrift „Echo aus Afrika" begann die Gräfin ihre Missionstätigkeit. Bei Tag kam sie ihren Obliegenheiten als Hofdame nach, des Nachts arbeitete sie mit unermüdlichem Fleiße an ihren schriftstellerischen Arbeiten. Nach zwei Jahren bat sie bei Hof um den Abschied. Zurückgezogen, in einem Asyl Barmherziger Schwestern in Riedenburg (Salzburg) lebte sie drei Jahre lang allein für die Missionen. Da ward es ihr allmählich klar, daß Gott noch ein anderes Opfer von ihr wollte: sie sollte ihre liebgewonnene Einsamkeit verlassen, sich um Mitarbeiterinnen umsehen, die gleich ihr aus Liebe zu Gott ihr Leben ganz in den Dienst der Missionen stellen würden. Gründung und Entwicklung der St»-Petrus--Claver-Sodalität» Im Winter 1894 entwarf Gräfin Ledöchowska mit Hilfe eines hocherfahrenen Priesters aus der Gesellschaft Jesu den Plan zu einer frommen Vereinigung, die sich nach dem großen Negerapostel „St.-Pelrus-Claver-Sodalität für die afrikanischen Missionen" nennen sollte. Mit diesem Plane auf dem Papier reiste die unternehmungsmutige Frau voll Gottvertrauen nach Nom und erhielt in einer Privataudienz von Papst Leo XIII. die Erlaubnis zur Gründung der Sodalität. Vier Tage später gewann sie auf der Rückreise aus Rom in Trient ihre erste Gefährtin, die sich bald darauf für immer ihr zugesellte. Die kleine Ordensgemeinde — ein Bauernmädchen mit Missionsberuf hatte sich angeschlossen '— bezog eine bescheidene Wohnung in der Pagerie des sürsterzbischöslichen Priesterhauses in Salzburg. Mit tatkräftiger Hand leitete die Gründerin ihr begonnenes Werk. Sie unternahm Reisen in verschiedene Länder und Großstädte Europas, um überall die Not der Missionen bekanntzugeben. Ihre Zeitschrift „Echo aus Afrika" ließ sie in verschiedenen Sprachen erscheinen und veröffentlichte eine Menge Druckerzeugnisse, um das Missionsinteresse in die weitesten Kreise zu tragen. Nach drei Jahren machte sich das Bedürfnis nach einer eigenen Niederlassung für die junge Sodalität geltend. In der Nähe von Salzburg war in einem idyllischen Tale, von Wiesen und Feldern umgeben, ein geeigneter Besitz zu verkaufen, den Gräfin Ledöchowska erwarb und ihm den bedeutungsvollen Namen „Maria Sorg" beilegte. Hier wurde nach vielen Schwierigkeiten und heißen Kämpfen eine mehrsprachige Druckerei errichtet. Im Jahre 1902 begab sich die Rastlose wieder nach Rom, um dort eine Niederlassung zu gründen, die zugleich das Generalathaus werden sollte. Von dieser Zeit an war ihr dauernder Wohnsitz in der Ewigen Stadt, von wo aus sie jährlich Propagandareisen unternahm und ihre Niederlassungen besuchte. Die Jahre des Weltkrieges brachte sie ganz in Österreich zu, größtenteils in Salzburg. Ende 1918 erwarb sie trotz vieler , Widersprüche das „alteBorromäum" dortselbst und machtedaraus das „Claverianum", die Missionszentrale für Österreich. Ihre angelegentlichste Sorge war die Restanra-tion der ehemaligen Karlskirche und deren Rückgabe für die Zwecke des Gottesdienstes, nachdem die Not der Kriegsjahre eilten Lagerraum und dann eine Verkaufsstelle darausgemacht hatte. In ihr wurde dem hl. Petrus Cla-ver das erste öffentliche Heiligtum in Österreich gewidmet. — Im Juni 1919 verließ Gräfin Ledöchowska Österreich . . . leider für immer. Sie begab sich in die Schweiz und kehrte von dort Ende Oktober nach Rom zurück. Von beständigen Leiden erschöpft, machte sich die selbstlose Frau doch voll Energie zunächst an den Abbau der schweren Schäden, die der Krieg den Missionen verursacht hatte. Letzte Freuden und Leiden. Eine besondere Freude brachte der Nimmermüden der 5. Mai dieses Jahres, an dem sie während einer vollen Stunde vom Heiligen Vater Pins XI. in Privataudienz empfangen wurde und von ihm Beweise väterlichen Wohlwollens und besonderer Huld empfing. Dieser Freudenstunde folgten noch andere Freudentage gegen Ende desselben Monats: die Tage des Eucharistischen Kongresses, die so reichliche und gut ausgenützte Gelegenheit zu vielseitiger internationaler Missionspropaganda boten. Viele hohe Kirchenfürsten und Sodalitäts-freunde sprachen damals im Generalatshause „Maria Rat" vor und verlangten, die große Frau zu sehen und zu sprecheu. Das Herz der Gottbegeisterten hatte gejubelt, in diesen Festtagen ein schönes Scherflein zur Verehrung des Eucharistischen Heilandes Beitragen zu können. Für den schwachen, seit langem sieberkranken Körper bedeuteten sie aber eine vollständige Erschöpfung. Gräfin Ledöchowska, die stets so schwach und leidend gewesen und seit Jahren zum Gerippe abgemagert war, blieb auch jetzt noch ihrem Arbeitsprogramm treu, und alle flehentlichen Bitten ihrer Töchter, sich zu schonen, prallten ab an der Glut des Eifers und der eisernen Energie, die alle Körpcrschwäche und Krankheit zum Schweigen brachte. Endlich mußte die Natur unterliegen, und die reichgeschmückte Seele verließ die zarte, irdische Hülle am 6. Juli, dem Oktavtag des Festes der Äpostel-fürsten Petrus und Paulus. Fünf Tage blieb die teure Leiche in einem an die Hauskapelle anstoßenden Saale aufgebahrt. Zahlreich waren die Besucher, die sich einfanden, die Allverehrte ein letztes Mal zu sehen. Viele Prälaten und Priester lasen in der Hauskapelle von frühester Morgenstunde an bis tief in den Vormittag hinein die hl. Messe, darunter auch der Bruder der selig Entschlafenen, der General der Jesuiten, P. Ledöchowski. Unerwartet und allzufrüh nach menschlichem Ermessen hat der Tod diesem opfervollen und arbeitsreichen Leben ein Ziel gesetzt. Unsterb- Gräfin Ledöchowska mit Negerkindern. liehe Seelen retten, das war Ledöchowskas große Leidenschaft, die Erfüllung des göttlichen Willens das Leitmotiv ihres- ganzen Wirkens und Strebens. Hatte sie einmal diesen göttlichen Willen erkannt, so war auch, ihre ganze Seele bereit, ihn zu erfüllen, mochten die Schwierigkeiten und Hindernisse auch riesengroß sich auftürmen^ Sich selbst war sie gänzlich abgestorben, so daß sie in Wahrheit mit dem Apostel von sich sagen konnte: „Mit Christus bin ich gekreuzigt; ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir!" Seit den ersten Jahren der Sodaliläts-gründung machte sich bas Leiden bemerkbar, das in der Folge stetig zunahm. Doch mitten in Leiden und Sorgen bewahrte sie stets eine heitere Ruhe. Trauernd stehen ihre geistlichen Tochter, die Es war am 17. Juni. Stechend heiß ging die Mittagssonne über Lul. Um 3 Uhr nachmittags zogen im Norden schwarze Wolkenballen auf, die ein schwacher Wind uns näher wälzte. „Das kommt wieder einmal aus unserm Wetterloch." Aber es schien ausweichen zu wollen. Der Wind wurde stärker, drängte die Wolkenmassen ostwärts und spannte die unheilvolle Decke bis an den südlichen Horizont. In zehn Minuten war dieses Manöver ausgeführt. Blitze zuckten und unter rollenden Donnern schoben sich die düstern Gewitterwolken am andern Niluser um unsere Station herum wie ein Ungeheuer, das seine Beute umkreist. Während die schwärzesten Schwaden diese Drehung ausführten, hatte es sich auch senkrecht über uns drohend zusammengezogen. Es beginnt zu regnen. Aber was soll das? Wir hatten doch soeben noch Nordwind, und nun bläst der Wind von Süden. Seltsam! Doch nein, er bläst nicht mehr, er braust, er pfeift, er heult, ein richtiger Sturm, und schon rauscht auch der Regen in Strömen auf das Wellblech unserer Dächer. Rasch füllen sich die Fässer unter den Traufen. „Nur vorwärts! Türen und Fenster ordentlich schließen! Der Sturm tobt und tost ja fürchterlich; der läßt nicht mit sich spaßen; er kann uns das Dach über dem Kopf wegtragen . . ." Und wie es schüttet! Jetzt fegen die Wassergüsse wagrecht daher. Wie ein elektrischer Sodalinnen des hl. Petrus Claver, an ihrem Grabe. Mit ihnen trauern zahllose Missionsfreunde und das ganze große Afrika, für dessen Rettung sie sich geopfert. Ihr Andenken, ihr herrliches Tugendbeispiel wird in den Herzen der Zurückgebliebenen fortleben. Nicht gestorben i|t sie, nur heimgegangen, heim zu jenem, dem ihr treues Lieben galt, dem sie ihr Leben, ihr alles geopfert. Nun ruht sie aus am Goltes-herzen, dessen Ruf sie vernommen: „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu senčen, das Feuer der göttlichen Liebe, und was will ich anders, als daß es brenne?". Möge ihr verklärter Geist den kalten, liebearmen Menschenherzen dieses Feuer erflehen, daß sie erglühen für die Interessen Gottes und der Heiden-mijsion. Schlag zuckt es durch die ganze Natur. Dort bricht ein mächtiger Baum nieder; die Äste der Akazienumzäunung schleifen int Schlamme und — unerhört! — da trommelt der Hagel aufs Wellblechdach. In der Größe von Taubeneiern springen die Eisstücke über den Hof. Ich stehe am Fenster und sehe dem grausen Treiben zu. Hagel im Schillukland, wo wir eine Hitze von 30 bis 40 Grad Celsius gewohnt sind! Ein neuer Stoß des Orkans! Drüben fliegt das Wellblechdach unseres Taubenhauses in die Lust. Kaum eine Minute darauf ein Krach, da hebt sich das ganze Dach, das den Kornraum und das Magazin eindeckt. Ein gewaltiger Ruck. Die eine Hälfte des Daches bis zum Giebel saust hinters Gebäude, die zweite folgt eine Sekunde später samt den in die Mauer eingelassenen Balken. Der Jahresvorrat an Korn für unsere schwarzen Jungens, Zement, Salz, bei 20 Sack S.hilluktabak, für den wir Korn eintauschen, die letzte Sendung Zündhölzchen usw. liegeu frei im Wolkenbruch . . . Etwa zehn Mi Uten tobt der Orkan, stürmt eine wahre Sintflut über Lnl nieder. Das Dach des W o h n h a n i e s wird der ganzen Länge nach gehoben . . . hoffentlich halten die starken Drähte, mit denen es an den Säulen der zu beiden Seiten sich hinziehenden Veranda befestigt ist. Mehrere Säulen bersten, so zerrt der Unhold. Noch so ein Stoß wie der vorige, 185 Gin Bcigelweffer in kul. Von P. Bugo 3IIe. 1 5 und wir stehen — im Freien. Doch, Gott sei Dank, er blieb aus. 'Der Sturm läßt nach. Noch regnet es stark, aber wir eilen, die Schäden zu besichtigen. Kirche, Schwesternhaus und das kleine Schulgebäude haben glücklicher-, weise nicht besonders gelitten, da sich der Sturm bei uns verfing und die vorstehenden Dumpalmen mit ihren gewaltigen Fächerkronen sie schützten. Die Umzäunungen der Schillukhülten, bestehend aus Strohmatten, die an Pfählen befestigt werden, sind natürlich sämtlich geflogen. Das Wasser ist dort, wo die Türöffnung gegen den Wind lag, in die Hütten hineingepeilscht worden. Das Blechdach des Magazins war auf eine, 20 Schritt vom Haus entfernte Hütte geschleudert worden und hatte Strohdach und Lehmmauer eingedrückt. Draußen haben die stärksten Bäume dem Sturm ihre Kronen geopfert. Einem knorrigen Alten hat er sie nicht vor die Füße, sondern 60 Schritt Nirgends zeigt sich die seelische Beschaffenheit eines Naturvolkes so ausgeprägt wie in seinen Erzählungen und Rätseln. Darum wirken diese auch geradezu seltsam auf den Fernstehenden. Und doch haben sie so viel Anziehendes und traut Anmutendes, weil unter der kindlicheinfachen Form gar oft der männlich-reife Gedanke durchschimmert. Wenn wir einen Schilluk auffordern, ein Märchen zu erzählen, so fängt er ohneweiters an oder leitet höchstens ein: „i yä“. „ež toirb gesagt, es war" — also wie unser: „Es war einmal". Sag' ich aber zu ihm: „Du, erzähle mir einmal, wie bei euch das Bier gebraut wird" — so fängt er nicht unmittelbar an, sondern gibt der Erzählung gewissermaßen eine Überschrift. Indes gibt er diese Überschrift nicht in Form eines Hauptwortes, wie wir allenfalls sagen würden: „Der Bierbrau bei den Schilluk", sondern er kleidet diesen Gedanken in eine Frage und gibt sofort auch die Antwort dazu. .Dann erst führt er sein Thema näher aus. Das folgende stellt die wörtliche Übersetzung einer solchen Erzählung dar, die jedoch einer kleinen Erklärung bedarf. Die Neger lieben das Bier gar sehr. Nur darf man sich dabei kein „Bayerisches" vorstellen. Eine Menge Mehl wird mit Wasser weit weg in den Schlamm geworfen, die ganze schöne Krone! Viele Vögel, die im Laubdach der Bäume Schutz gesucht, waren vom Wind zu Boden geblasen worden und flatterten kläglich mit nassen Fittichen um die Pfützen. Unsere Tauben lagen tot oder hockten halbtot im abgedeckten Raum. Im Garten fielen dem Orkan Gavafen und Limonibäume zum Opfer. Die schöne Papaienpflanzung, an 20 Bäume, die zum erstenmal Früchte gebracht, ist jämmerlich zugerichtet. . . Schäden allüberall! Das Unwetter war Samstag abends. Morgen ist kein Ruhetag, denn das Magazin muß so rasch als möglich eingedeckt werden. Also Wellblech zusammenschleppen und wegräumen, was geborgen werden kann. Es bleibt Arbeit für Wochen, und dabei stehen wir in der Regenzeit! Doch das heiligste Herz Jesu wird helfen, wie es in so vielen anderen Stürmen geholfen hat, die über unsere liebe Missionsstation hingebraust. zu einem dünnen Teig vermischt und verarbeitet. Im Schillukland ist dieser Teig am dritten Tag säuerlich geworden und wird dann geröstet. In diesem Zustande hält er sich auch längere Zeit, ohne zu verderben. Inzwischen wird das Malz hergestellt. Man weicht 4—5 Liter Durrakörner — denn zum Bier wird die Negerhirse verwendet — zwei Tage laug im Wasser auf, nimmt sie dann heraus und deckt sie mit grünen Blättern zu. Am vierten Tag hat das Korn so weit ausgeschlagen, daß das Malz nun an der Sonne getrocknet werden kann. Hierauf wird es sofort in einem Mörser zerstampft. Dann mischt man den gerösteten Teig und dieses Mehl mit Wasser. Am nächsten Tag gärt diese Masse, und das Bier ist fertig zum Ausschank. Es sieht aus wie dickflüssiger Milchkaffee und hat einen ausgesprochenen Hefegeschmack, aber man gewöhnt sich sehr leicht daran. Aus der ganzen Herstellung geht hervor, wie der Schilluk dazu kommt, für unser „Bier trinken" den Ausdruck „Brot trinken" zu gebrauchen. Ebenso leuchtet ein, daß es im Schilluklande keine Bierbrauer gibt, die anderen Leuten um teures Geld gefärbtes Wasser verkaufen. Ein jeder braut sich sein eigenes Bier und macht es so stark, als es ihm beliebt. Wie die Schilluk ihr Bier brauen. Je besser eine Familie steht, desto feiner wird die Biermasse in engmaschigen Körbchen oder Säckchen durchgeseiht. Wenn das Korn im Mörser zerstampft ist, so scheiden die Schillukfrauen durch Sieben drei verschiedene Sorten aus: 1. mogo ngaki, ein rötliches, die Kleie enthaltendes Mehl; 2. mogo utit, ein rötlich-weißes, noch Kleie enthaltendes Mehl; 3. mogo kwen, weißes Mehl.. Das mogo ngaki dient znm Bierbrauen; das mogo utit zum Kochen und Vermischen mit anderen Speisen und das mogo kwen zum Mehlbrei, einer Art Polenta. Diese Speise gilt als Leckerbissen, besonders wenn Butter darauf schwimmt.So vielzumBerständnisder Erzählung. Aufgefordert, über die Verwendung des Korns (= Negerhirse) etwas zu erzählen, begann der Schilluk also: „Pflegen die Schilluk nicht viel Bier zu trinken? — O ja! Sie trinken gewöhnlich sehr viel Bier. Wie aber wird dieses Bier gebraut? Wenn also das Bier zum Trinken jetzt gemacht wird, so weicht man Korn ein und röstet es. Hierauf wird die Hefe gestampft und zusammengeknetet. Dann gärt es. Morgen wird es geseiht und getrunken. Wenn nun die Leute alles Bier getrunken haben, sitzen sie nieder und jammern: ,Ach, wir sterben vor Verlangen nach 33ter!‘ Der größere Teil des gestampften Kornes ist kwen, der geringere Teil awätsch (— rotes Mehl). Wenn also das Korn gestampft wird, so ist ein Teil mogo ngaki und wird,Brot zum Trinkew. Ein anderer Teil ist mogo utit und wird ,Brot zum Esseick. Aber das mogo kwen wird Polenta, die gekocht wird. Tschöte — die Geschichte ist aus!" Ein deutsches Kind würde noch hinzusetzen: — „und dort .springt eine Maus!" P. Jakob Lehr. Flu^chitfcihrf der Schilluk Als Bewohner der Sumpfufer des Weißen Nil und des Sobat sind die Schilluk von der Natur selbst auf den Fluß gewiesen. Es darf also auch nicht wundernehmen, wenn sie in ihrer Art sehr geübte Schiffer sind. Die Schilluk verfertigen sich verschiedene Fahrzeuge. Da ist zunächst der ausgehöhlte Baumstamm, das Kanoe. Es kann aus einem Baum bestehen, wird aber meistens aus zwei und nicht selten auch aus drei Stücken zusammengesetzt, da man selten dicke und gerade Baumstämme von hinreichender Länge findet. Wenn aus mehreren Teilen hergestellt, heißt das Boot „Yay akojji“, „das zusammengenähte Schiff". Dieser Name ist ganz zutreffend, kenn die einzelnen Teile des Fahrzeugs sind buchstäblich zusammengenäht. Die zwei Enden werden so abgeschnitten, daß sie ziemlich aufeinander passen; dann werden auf beiden Seiten verschiedene Löcher gemacht und die beiden Stücke mit einem starken Strick 20- bis 60fach zusammengezogen. Baumbast dient als Verdichtungsstoff. Sollte demSchilluk-Schiffbaner aber in der Eile ein passendes Stück Baumstamm fehlen, so weiß er sich zu helfen. Das offene Ende des halbfertigen Nachens wird mit der schwarzen, klebrigen, fast fettigen Erde des Flußufers geschlossen. Hierauf wird die Wasserreise getrost angetreten, denn so ein Erdverschluß hält manchmal tagelang. Mit diesen ausgehöhlten Baumstämmen unternehmen die Schilluk weite und lange Fahrten; flußabwärts gehen sie bis Kosti, flußaufwärts betreiben sie damit die Flußpferdjagd und kommen dabei nicht selten bis Meschra-el-Rek am Ende der Bahr el Ghazal-Sack-gasse. Diese Boote sind sehr schnell, besonders, wenn zwei oder drei Burschen sich mit Energie aufs Rudern verlegen. Eines Steuerruders bedarf es nicht; die Steuerung wird durch die Ruderer selbst besorgt. Mit diesen Booten greifen die Schilluk die Nilpferde im offenen Wasser an. Sobald sie den Aufenthaltsort eines dieser Dickhäuter entdeckt haben, rudern sie daraus zu. Natürlich entzieht sich der Koloß durch Untertauchen ihren Blicken; allein die Schilluk erkennen seinen Standort an den Bewegungen des Wassers und an den aufsteigenden Lnftbläschen. Sie halten sich in seiner Nähe und warten geduldig auf sein Wiederauftauchen. Kaum zeigt sich dann das nach Luft schnappende Tier ein wenig an der Oberfläche, so hat es auch schon die Harpune in der dicken Haut stecken, und im nächsten Augenblick fliegt das AmbadschbündeU) über Bord. Gewöhnlich entfernt sich das wieder i) Ein Bündel vom korkleichten Holze der Her-miniera Elaphraxylon, von den Arabern Ambadsch genannt, das, auf dem Wasser schwimmend und mit der Harpune durch einen Strick verbunden, untergetauchte, wütende Flußpferd schnell, und die Schillukjäger folgen dem auf dem Wasser dahintanzenden Ambadschbündel. Sollte es dem Dickhäuter aber einfallen, das Boot gleich anzugreifen, so springen die schwarzen Gesellen ohne weitere Zeremonien über Bord, verschwinden unter dem Wasser und schwimmen dem Ufer zu, denn schwimmen können sie wie die Fische, und man wird, kaum einen Schilluk finden, der nicht schwimmen sann.1) Daß so ein schmales kielloses Fahrzeug öfters umschlägt und die ganze Reisegesellschaft ins dort wird es wieder flottgemacht, und die Fahrt kann von neuem losgehen. Übrigens haben die Leute eine bewundernswerte Geschicklichkeit, sich mit diesen schwankenden Nachen im Gleichgewicht zu halten. Außer diesen Baumstammbooten haben die Schilluk noch andere Fahrzeuge, die mehr zum vorübergehenden Gebrauch, wie zum Übersetzen des Flusses und der Regenkanäle, dienen. Es sind dies aus Ambadschbündeln zusammengeflochtene kleine Flößchen, die 1 bis 2 Mann tragen. Sie werden im Gehöfte aufbewahrt Katechumenen beim Kornreinigen. 1 I Wasser fällt, ist leicht begreiflich. Solch ein Zwischenfall hat jedoch wenig zu bedeuten und dient nur dazu, die Freude am nassen Sport zu erhöhen. Einige starke Burschen packen das umgekippte Fahrzeug schnell an der Spitze und ziehen es schwimmend an eine seichte Stelle; stets den Aufenthaltsort des verwundeten Nilpferdes schon aus der Ferne anzeigt. 0 Immerhin kommen auch Unglücksfälle bei diesen Jagden vor, denn trifft so ein verwundetes, wütendes Tier mit dem Menschen unter dem Wasser zusammen, so ist dieser meistens verloren. So sieht man denn auch manchen Schilluk, dem ein Arm oder ein Bein fehlt, und fragt man ihn nach der Ursache, so ist die gleichmütige Antwort: „Atschami par“, d. h. „vom Nilpferd gefressen". und nicht am Flusse belassen; denn sie sind so leicht, daß ein Mann sie mühelos trägt. Hat ein Schilluk ein stehendes oder fließendes Wasser zu passieren, so nimmt er sein Ambadsch-flößchen, Abobo genannt, ans den Kopf und geht damit bis zur Überfahrtsstelle. Dort wirft er es ins Wasser, hockt sich darauf und rudert hinüber. Am andern Ufer versteckt er es bis zu seiner Rückkehr im hohen Grase und geht seinen Geschäften nach. Diese Abobo dienen auch als Tragbahren für Schwerkranke oder Tote und eignen sich ihrer Form wegen ausgezeichnet hiezu. So praktisch die Abobo zum Übersetzen von Flüssen sind, so ungeeignet sind sie für größere Transporte. Wenn die Schilluk zum Beispiel eine reichere Jagdbeute heimzuschaffeu haben, oder wenn ein ganzer Distrikt dem König die Vorgeschriebene Jagdsteuer, die in einem Teile der Beute besteht, überbringen will, so werden große Flöße aus Ambadsch sest zusammengebunden und an den beiden Längsseiten mit je einem Baumstammboot verbunden. Auf dem in der Mitte befindlichen Floße wird die Ladung untergebracht, während die Ruderer in den beiden, seitlich angebrachten Nachen sitzen. Diese Fahrzeuge sind aber nur bei der Tal- Die Schuld des Erstgeborenen. Bisweilen ereignet es sich, daß das erste Kind mit dem Leben davonkommt und die nachfolgenden sterben. Schuld daran soll das Erstgeborene sein; denn es wolle keine Geschwister haben. Es heißt, es spiele mit seinen Geschwister-chen dem Anscheine nach auf eine ganz unschuldige Weise, versetze ihnen aber Stöße mit dem Kopf oder Fußtritte. Beim ersten Neumond befragt man das Kind: „enta nattäh au raffäs?“ das heißt, „bist du Stößer oder Treter?" Sagt das Kind: „Stößer", so hält man es in die Höhe und sagt zu ihm: „Schau diesen schönen Mond an!" Rasch macht man ihm dann mit einem Messer einen Schnitt auf die Stirn, so daß das Blut hervorquillt, oder man bringt ihm mit einem glühenden Stückchen vom Baste der Dumpalme eine kleine Brandwunde auf der Stirn bei. Dadurch soll ihm die Lust vergehen, seine Geschwisterchen mit dem Kopf zu stoßen. Sagt das Kind, es sei ein Treter, so läßt man ihm von einem Schmied zwei eiserne Fußringe machen und legt sie ihm an, damit es vom Treten ablasse. Die Mutter selbst trägt ebenfalls einen eisernen Fußring; überdies eine lange Schnur mit roten Glasperlen um den Fuß gewunden; dazu noch einen Talisman, an dem ein fast handlanges Eisen-stäbchen befestigt ist. Dieses ist mit runden Eisenstückchen behängen, die als Zierat dienen und beim Gehen Geräusch machen. — Das nächstkommende Kind wird dreimal durch den einheimischen Backofen (doka) geschoben, der auf der Vorder- und Rückseite geöffnet ist. Man fahrt brauchbar, denn sie gegen den Strom zu rudern würde zuviel Mühe kosten. Wenn der Schilluk über ein tiefes Wasser muß und kein Ambadsch bei der Hand ist, schneidet er sich mit seiner Lanze in aller Gemütsruhe einen Haufen Stroh ab, dreht sich einen Strick und bindet das Ganze damit zusammen. Dann kauert er sich auf dieses Strohfloß und rudert und plätschert sich mit den Händen ans andere Ufer. Dabei ist er glücklich und zufrieden, als könnte es nicht anders sein. P. Bernhard Kohnen. schiebt es vorn hinein und nimmt es rückwärts wieder heraus. So soll sein Leben gesichert sein. Mitunter kommen Zwillinge auf die Welt. Von diesen behauptet man, daß sie sich nachts während des Schlafes in Katzen verwandeln, in den Häusern herumlaufen und stehlen. Frühmorgens kehren sie zu den Eltern zurück. — Schläft einer von ihnen morgens weiter, so geht die Mutter im Dorf herum und ruft: „Wer immer in der vergangenen Nacht eine Katze gefangen hat, soll sie loslassen!" — Wacht einer der Zwillinge nicht mehr auf, so heißt es, er sei nachts in Katzengestalt getötet worden. Namensgebung. Nachdem das Kind auf die Welt gekommen ist, ergreift es die Hebamme und ruft ihm mit deutlicher Stimme dreimal das mohammedanische Glaubensbekenntnis in die Ohren. Einen Knaben nennt sie Mohammed, ein Mädchen dagegen Fätma, bis ihm beim aid essemeia, das heißt beim Namensfeste, der richtige Name gegeben wird. Das aid essemeia findet am siebten, neunten oder fünfzehnten Tage statt. Ist der Vater abwesend, so wird das Fest bis zu seiner Rückkehr verschoben. An diesem Tage wird das Kind zum ersten Male öffentlich bei seinem Namen genannt. Die Eingeladenen sind nur Männer. Hammelfleisch und Merissabier stehen den Gästen in reichlichem Maße zur Verfügung. Der Familienvater darf dabei ja nicht sparen, denn sonst' würde es heißen, er halte nichts auf sein Kind. Arme Leute erfahren bei solcher Gelegenheit die Mithilfe gutherziger Nachbarn. r> blDllD'lDl Familieniiffen der Hraber Kordoians« BEDO von P. Otto Ruber. (Scfilufj.) EBBE) — Die Eingeladenen erkundigen sich nach ■ dem Namen des kleinen Schreihalses, wünschen Glück und hinterlassen ein Geschenk. Der Name wird in der Regel von den Eltern gegeben. Sie legen gewöhnlich ihren Kindern Namen auf, die landesüblich sind. Ist der Erstgeborene gestorben, so wird das folgende Kind, wenn es ein Kn Mein ist, auad, das heißt Ersatz, genannt. Ist das Kind durch den Backofen gehoben worden, heißt es kurzum doka, Backofen. Bisweilen wird der zerbricht sich den Kopf, wie er den neuen Weltbürger nennen soll. Endlich glaubt er, das Nichtige gefunden zu haben. Ein Knäblein nennt er hemeir, das heißt Eselein, oder tebn, das heißt Stroh; ein Mädchen nennt er djekescha, kleine Eselin, oder bereima, Wasserkrüglein. So ist er der Pate geworden. Die Eltern haben eine große Freude darüber, denn sie sind der Überzeugung, daß durch den unschönen Namen das Kind vom bösen Blick bewahrt bleibe. „Erzieh' nun dein Kind", sagt Afrikanische Nomaden. Name von einer Person gegeben, die zur Familie in gar keiner Beziehung steht. Bemerkt nämlich ein Araber, daß die Kinder seines Nachbarn alle groß werden, während die seinigen früh dahinsterben, so geht er zu ihm und sagt: „Freund, du hast ein besonderes Glück int Kindererziehen, ich aber Unglück; alle meine Kinder sind eines frühzeitigen Todes gestorben. Die deinigen leben. Nun hat mir Gott wiederum ein Kleines geschenkt. Bitte, betrachte es als dein eigenes Kind und gib ihm den Namen, der dir gefällt." — „Gut", antwortet der geschmeichelte Nachbar, „ich geh' auf deinen Vorschlag ein, muß aber erst nachdenken." Er der Pate zum Vater, „befolg' aber meine Ratschläge ! Der Wichtigste darunter ist der, daß der Kleine immer schmutzig und zerlumpt herumlaufe, damit ja kein neidisches Auge auf ihm hafte. Von Zeit zu Zeit bringt er dem Kinde ein Patengeschenk, nämlich ein aus allerhand Fetzen zusammengenähtes Kleidchen. Kommt das Kind mit dem Leben davon, so lobt man des Patens gesegnete Hand. Das Kind wächst im Schmutze auf und bleibt auch im Mannesalter ein Schmutzsink. Abergläubische Vorschriften. Nach der Entbindung hat die Frau eine gute Anzahl von Gebräuchen zu beobachten, um sich fernerhin die Nachkommenschaft zu sichern. So darf ihr zum Beispiel alles, was schwarz ist oder ins Schwarze sticht, nicht unter die Augen kommen, seien es nun Gemüse oder Kleiderstoffe. Es sollen ihr deshalb keine rohen Eierfrüchte gezeigt werden, deren Schale bekanntlich schwarz ist. Keine Frau, die ein Kleid vom sogenannten Tergastoff trägt, darf bei ihr eintreten, denn dieser Stoff ist schwarzblau gefärbt. Rohes Fleisch darf sie auch nicht sehen; ebensowenig eine Reihe von Schmuckgegenständen, die im Lande üblich sind, zum Beispiel den Keal abu madfa, eine alte französische Silbermünze im Werte von fünf Franken ; die Buntugi, eine alte venezianische Goldmünze; den Somit el Kanari, Achatstein aus Idar; die Lulu el Kofri, einen Schmuckartikel von rundlicher Gestalt, der aus Italien kommt und aus dem Meere gewonnen wird. Weiß man im voraus, daß Weiber mit solchen Schinucksachen zum Besuche eintreffen, sammelt man von den erwähnten Gegenständen je ein Exemplar, legt sie der Frau unter das Kopfkissen und läßt sie da bis zum vierzigsten Tage, in der Meinung, daß ihr so beim Anblicke der Zierwaren kein Unglück zustoße. Weiber, welche die Hände mit Hermafarbe eingerieben haben, dürfen nicht eintreten, wenn die Kindesmuttec ihre Hände, nicht auf dieselbe Weise gefärbt hat. Ebenso darf niemand zur Wöchnerin, der in der Nähe einen Wasserlauf übersetzt hat. Geschieht es dennoch, so holt man vom Wasser des Baches. Die Frau trinkt davon und wäscht sich damit, nachdem die Sterne aufgegangen sind. Dann bleibt sie von allen schlimmen Folgen verschont. Erscheint der Neumond, so geht die Mutter mit dem Kinde hinaus, um ihn zuerst zu sehen. Wer ihn vor ihr gesehen hat, darf bei ihr nicht eintreten, denn ihre Mutter oder ihre Schwester stehen vor der Einem Briefe des hochw. 1?. Zorn entnehmen von folgendes: Schon vor dem Kriege wurde hier die Skapulierbruderschaft errichtet. Um den Eifer ihrer Mitglieder immer wieder anzufachen, halten wir alljährlich vier Generalkammunionen, die viel Gutes stiften. Manche Christen, die sonst keinen Anlaß gefunden hätten, sich dem Tische des Herrn zu nahen, empfangen bei dieser Gelegenheit die heiligen Sakramente und sind nachher von Herzen froh, daß sie sich zur Erneuerung ihres geistlichen Türe und halten Wache. Dasselbe gilt von denjenigen, die ein Leichenbegängnis gesehen haben. Kommt solch eine Person zum Besuche ins Hans, verläßt die Frau das Zimmer und geht ihr entgegen. Erst tritt die Besucherin ein und die Hausfrau folgt ihr daraus. Sollte aber die Besucherin dann für einige Zeit ohne Kinder bleiben, nimmt sie diesen Zwischenfall als Ursache an und begibt sich zum Begräbnisplatze. Sie geht durch die Längsreihen der Gräber, um vorn Banne der Unfruchtbarkeit gelöst zu werden. Vierzig Tage lang verweilt die Frau in der Zurückgezogenheit und wird während der ganzen Zeit nie allein gelassen. Sie geht nur in höchst dringenden Fällen aus, zum Beispiel beim Tode des Vaters oder der Mutter, sie kleidet sich nachlässig und kämmt sich einfach. Der Kehricht wird nie aus dem Raume entfernt; man häuft ihn in einer Ecke zusammen. Nach Verlauf dieser Zeit legt die Mutter die schönsten Kleider an, kämmt sich zierlich und begibt sich in Begleitung ihrer weiblichen Verwandten zu einem schönen, grünen Baum. Der Kehricht wird danebengeworfen. Auf dem Heimwege besucht man ein begütertes, kinderreiches Haus. Hierauf geht man zu einem Baum, der am Wasser steht. Die Mutter schaut in die helle Flut, wandelt um den Baum herum und begibt sich nach Hause. Bei den urwüchsigen Arabern verkehrt die Frau nun frei und nimmt ihre gewöhnlichen Arbeiten wieder auf. Jedoch bei Arabern, die etwas fortgeschritten sind, wie jene der größeren Orte, lebt die Frau volle vier Monate zurückgezogen. Sie macht nur die notwendigen Gänge, und zwar zur Nachtzeit. Geht sie bei Tag herum, so wird sie getadelt, und es heißt: „Schaut die an! Sie ist erst kürzlich aufgestanden und pflegt schon freien Ausgang." Lebens aufgerafft haben. Vor der letzten Generalkommunion erhielten wir von der St.-Petrus-Claver-Sodalität aus Rom eine Sendung von Skapulieren, Rosenkränzen und Bildchen. Auf die Kunde davon meldeten sich viele schon im voraus für die Generalkommunion an, in der Hoffnung, ihre alten verschwitzten Skapuliere mit neuen vertauschen zu können. Niemand wurde in dieser frommen Erwartung getäuscht und alle versprachen, für die Wohltäter in Europa eifrig zu beten . . Die Skapulierbruderlchaff in Khartum. — Heft 9 und 10 Stern der Neger 75 Gin Biidioisworf über BeidenmiHion und Diaspora. ^ . ---------=-...: , ---------—.......... In seinem Hirtenbrief über die auswärtigen Missionen, der weit über die Grenzen der Schweiz hinaus Beachtung gefunden hat, schreibt Bischof Georgius von Chur: „Die inländische Mission ist eine so notwendige, so segensreiche, so großartigeSchöp-fung, daß sie für die Hochherzigkeit der Katholiken der Schweiz ein Ruhmestitel ist und bleiben soll. Möge der Eifer dafür, wenn es möglich ist, noch wachsen. Aber wir wiederholen, was wir euch schon einmal über diesen Punkt geschrieben haben: Wir brauchen keineswegs zu befürchten, daß die inländische Mission unter der Sorge für die ausländischen Missionen Schaden leide. Denn je tiefer die Wurzeln greifen, welche der Missionsgedanke in. den Herzen der Gläubigen schlägt, desto größer werden die Opfer sein, die das christliche Volk für die Erhaltung und Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden bringt. Und diese erhöhte Opferfreudigkeit wird beiden Missionen — der inländischen sowohl,, als der ausländischen — zugute kommen. Überhaupt Kleiner Nyikcmg-Tempel. gilt hier der Grundsatz: Das eine tun und das andere nicht lassen. Neben der inländischen Mission wollen wir auch die Welt-mission mit Eifer pflegen. Auch hier stehen allergrößte Interessen Gottes und der Kirche auf dem Spiel. Und wenn die Katholiken der Diaspora uns näherliegen, so sind die fernen Heiden religiös und sonst in viel größerer Not. Oder wollen wir den Heiden erst helfen, wenn wir die religiöse Not in der Heimat gänzlich überwunden haben? Ich fürchte, dann käme es wohl nie zur Heidenmission; denn religiöse Not in der Heimat wird es immer geben. Und hat Christus etwa gesagt:,Lehret alle Völker, aber erst nachdem ihr Judäa bekehrt!' ? Seien wir weitherzig! Weitherzig wie Jesus, weitherzig wie Paulus, weitherzig wie jene heiligen Männer Lucius, Fridolin, Gallus, Sigisbertus, die einst aus der Ferne in unsere Berge und Wälder kamen, uns das Evangelium des Kreuzes zu bringen." (Missions- und Auslands-Korrespondenz). E 4 11 IHiHionsrubrik für die Jugend. Von p. Jakob kehr, Rektor. 11 11 ■!) Ltyepo. (Fortsetzung.) Es. war kaum eine Stunde vergangen, seitdem Lyepo den Los des Dorfhäuptlings verlassen hatte. Indes, alles war schon bereit zu dem großen Bittopfer. Das Dorf war rasch zusammengetrommelt. Aber wie ganz anders eilte man sonst herbei zum Tanz beim hellen Mondeslicht. Leute jedoch war Neumond. Dunkel und düster die Natur; traurig und trübselig die Stimmung. Nyikang, der Nationalheld, hat überall seine Tempel oder Tempelchen. Dschwok, der große Geist, er, der alles erschaffen, hat kein Laus, wo man ihn verehrt. So wurde das Opfer auf dem freien Platz dargebracht. Der Zauberer hatte dazu den Ort bei dem leeren Kuhstall der Ansiedlung ausgewählt. In der Nähe zündete man ein Feuer an und unterhielt es mit trockenem Gras. Im Stalle selbst flackerte an der gewohnten Stelle ebenfalls ein Feuer, dessen roter Schein gespensterhaft durch die offene Türe über das draußen versammelte Volk huschte. Das Feuer hat immer etwas Fesselndes an sich. Tanzende Flammen in der Nacht sind eine Freude, nicht nur für kleine Kinder, sondern auch für Erwachsene. Diese beiden Opferfeuer hingegen erhellten nur sorgenvolle Gesichter. Ihre dunklen Gluten erinnerten beinahe an Blut. Jetzt brachte man auch das Opfertier herbei. Bei seinem Anblick entfuhr gar manchem Mund der Ausruf des Staunens: „buh!“ Es war ein prächtiger te-tang war-nam-tai. Der Schilluk bezeichnet sein Rindvieh nach Farbe und Form der Lörner. Der te-tang ist ein schwarzer Ochs und der war-nam-tai hat die Lörner scharf nach rückwärts gebogen. Kaum stand das Tier quer vor der Tür des Stalles, da hatte ihm Lyepo auch schon mit sicherem Stoß die lange Lanze durch das Lerz getrieben. Ein kurzes Zittern und das Tier lag zuckend am Boden. Der Zauberer nahm den Mageninhalt und schleuderte ihn gegen Norden, wo die Derwische wohnten. Dann schnitt er die Ohren ab, zerstückelte sie und warf die Teile über die Köpfe der Umstehenden hinweg. Schließlich ließ er aus dem rechten Vorderbein über dem Feuer im Stalle eine Art Suppe kochen und sprengte sie auf die Erde, indem er ausrief: „Mok-a-jwok“, „Eigentum des großen Geistes". Dann sang er mit halblauter Stimme das Nationalgebet zum Dschwok, wie es der Stammvater Nyikang die Schilluk gelehrt hatte. „Dich bete ich an. o Gott, dich bitte ich während der Nacht. Wie wunderbar hütest du doch die Menschen an jeglichem Tag. Durch das hohe Gras wanderst du und ich, ich wandere mit. Schlas ich zu Laus in der Lütte, so schlaf ich mit dir. Nahrung erfleh' ich von dir, und du gibst sie dem Volk. And Wasser zum Trank, und das Leben erhältst du. Keiner ist größer als du, denn du bist der Dschwok." Wer nun glaubte, daß dieses Gebet, welches selbst eines Königs David nicht unwürdig wäre, auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck machte, befände sich in großer Täuschung. Kaum waren die letzten Worte verhallt, da stürzte ein Teil auf das Opfertier, die anderen stürmten hinüber zum Tempelchen des Nyikang. Da die ausgesandten Kundschafter noch nicht zurückgekehrt waren und Lyepo außerdem im Wahne lebte, die Derwische griffen überhaupt nicht vor Mitternacht an, ließ er alle Vorsichtsmaßregeln außer acht. Ein lustiges Feuer prasselte auf und mächtig erhob sich das Lied: „O Nyikang, Sohn des Arahnen, Nicht lasse darben das Land, Das Land, dem die Ahnfrau Fruchtbarkeit leiht. O Nyikang!" Nun winkte der Läuptling mit der Land zum Schweigen. Er saß auf einem Fell unter dem heiligen Baume des Nyikang. Die Ältesten setzten sich zu ihm, während die Jungen mit der Lanze in der Land ehrfurchtsvoll stehen blieben. Mit einem Anruf an den „Vater, Ahnherrn und König Nyikang" begann er seine Rede. In wenigen markigen Worten wies er auf die drohende Gefahr hin. Dann schloß er: „Vater Nyikang, einen Stier habe ich gebracht zum Siege; ich schweige, o Ahnherr!" (Schluß folgt.) Cr VS- = — Se SE [nebe Kinder! Das letztem«! habe ich Euch erzählt von jenem kleinen Wynfried, der später der große hl. Boni-fatius wurde. Ein großer Mann wird man aber nicht über Nachts sondern durch Imtge, angestrengte Arbeiten. Nachdem er als Student fleißig gelernt hatte, erhielt er selbst die Stelle eines Professors im Kloster. Bald drang der Ruf seiner Gelehrsamkeit über die Klostermauern hinaus. Doch Wynfrieds Sehnen ging höher. Er wollte ja Missionär werden. Als er die heilige Priesterweihe empfangen hatte, ließ er sich auch nicht mehr zurückhalten. Indes erging es ihm wie schon gar manchem jungen Missionär. In seiner Begeisterung träumte er zunächst von großen Bekehrungen. Allein seine Bemühungen in Friesland waren ein Mißerfolg, und so kehrte er wieder in seine Leimat zurück. Der liebe Gott hatte den Mißerfolg bei den Friesen zugelassen, toeiL er Wynfried für ein anderes Arbeitsfeld bestimmt hatte. Trotz der erlebten Enttäuschungen war der junge Missionär nie wankend geworden in seinem Entschlüsse, Leidenapostel zu werden. Er stellte sich an die Spitze eines Pilgerzuges und wallfahrtcte nach Rom zum Leiligen Vater. Nachdem der Papst seinen Beruf und seine Fähigkeit genügend geprüft hatte, gab er ihm ein Beglaubigungsschreiben, worin es unter anderem heißt: „Da du dein frommes Vorhaben in kluger Vorsicht dem Apostolischen Stuhle unterbreitet hast, dich seinem Arteil unterwirfst und in fester und vollster Einigkeit mit ihm bleiben willst, so haben Wir dich berufen und beauftragen dich im Namen der unteilbaren Dreieinigkeit und kraft der unerschütterlichen Vollmacht des heiligen Apostelfürsten Petrus, dessen Lehramt Wir als Inhaber seines Stuhles verwalten, bei allen vom Irrwahn des Anglaubens nock-befangenen Völkern, zu denen du unter Gottes Schutz kommen magst- das Geheimnis des Reiches Gottes im Namen Jesu zu verkünden und ihnen im Geiste der Tugend, Liebe und Mäßigung die Leilslehren des Alten und Neuen Testamentes in einer den unbelehrten Gemütern angepaßten Weise mitzuteilen." Welche Freude mußte nicht das Lerz des hl. Bonifatius beseelen! Ganz anders zog er jetzt in die Mission. Er war nicht mehr Wynfried; denn der Leilige Vater hatte ihm den neuen Namen Bonifatius gegeben. Er ging nicht mehr auf eigene' Faust, sondern gesendet vom Stellvertreter Christi. Er ging nicht mehr planlos vor, denn der Leilige Vater hatte ihm die Maßregeln angegeben. Die ganze heidnische Welt stand ihm offen, wohin wird er seine Schritte lenken ? Wie schon der Beiname „Apostel der Deutschen" besagt, führte ihn die göttliche Vorsehung nach den Ländern des früheren Deutschlands. Das Evangelium wurde also in jenen Gauen von einem Missionär verkündet, den der Leilige Vater in Rom selbst bevollmächtigt hatte. Der hl. Bonifatius stand immer in engen Beziehungen zum Papste. Dreimal machte er Romreisen. In allen schwierigen Fragen unterhandelte er mit Rom. Darum fand er auch dort Trost in Trübsal, Belehrung in Zweifeln, Aufmunterung in Zeiten der Niedergeschlagenheit. Deshalb fehlte ihm auch nicht der Segen Gottes. Wohl hatten andere Glaubensboten in manchen Gegenden Deutschlands die christliche Lehre vorher schon verkündet gehabt, aber das vorhandene Christentum war bereits wieder verwildert und dein Antergangc nahe. Bonifatius erneuerte alles und machte den noch heidnischen Teil in großer Ausdehnung katholifch. Er war nunmehr hoch in den Siebzig und hätte alles Recht gehabt, sich zur Ruhe zu sehen. Aber sein Eifer für die Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden trieb ihn immer wieder zu neuen Anternehmungen. Liebe Kinder! In den Ländern, wo der hl. Bonifatius mit so viel Mühe und Arbeit das Helle Licht des wahren Glaubens erscheinen ließ, ist es vielfach düster geworden, vielfach erloschen. Wiederum herrschen da gar oft Zustände, wie sie auch zu Zeiten des hl. Bonifatius nicht schlimmer waren. Der Geist des Apostels der Deutschen muß uns durchdringen. Anverbrüchliche Anhänglichkeit an Papst und Kirche und die Opfergesinnung, für den heiligen Glauben auch etwas zu tun, müssen uns eigen sein. Nur so werden wir in Wahrheit die geistigen Kinder unserer Glaubensboten sein — Ihr und Euer Onkel Jakob. ncicfiridifen des Uieologen=IHinioiis=Perbandes. Erster österreichischer missionswissenschaftlicher Kursus für Akademiker im Missionshaus St. Gabriel bei Mödling, 16.—19. Juli 1922. Die Missionsjubiläen dieses Jahres finden ein gewaltiges Echo. In vielen Ländern werden große Missionskongresse gehalten, um weite Schichten zur Mitwirkung an der Bekehrung der Welt aufzurufen. Und Österreich, das bettelarme Land, so zu Boden gedrückt, daß es sich ohne weitestgehende Unterstützung anderer Staaten in seinem Bestände bedroht sieht, hält seinen ersten missionswissenschaftlichen Kurs, eine Großtat des reinsten christlichen Idealismus, in einem Zeitpunkte, wo es vor dem völligen Zusammenbruche steht. Die Ärmsten der Armen zeigen damit der Welt, daß sie Sinn und Verständnis besitzen für die viel ärgere seelische Not der Millionen von Heiden, die noch nichts gehört haben von der ewig beseligenden Lehre des Kreuzes. — Die großzügige Veranstaltung ist ein Verdienst des nunmehr zehn Jahre bestehenden Theologen-Missions-Verbandes, der schon mehrmals eine der tüchtigsten Missionsvereinigungen genannt wurde (Linzer Quartalschrift, Zeitschrift für Missionswissenschaft u. a.). Bald hatte sich unter Führung des Vorortes St. Pölten ein vorbereitender Ausschuß gebildet, beirtTi noch die katholisch-deutsche Akademikerschaft Österreichs, das Missionshaus St. Gabriel und der Fran-ziskus-Äiaverius-Verein angehörten. Verlauf des Kurses. Der Kurs war großartig in jeder Hinsicht. Über 150 Teilnehmer aus allen Gauen Österreichs, aus der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und Italien folgten den glänzenden Ausführungen berufener Fachleute. Es waren erschienen Laienakademiker aus Graz, Innsbruck und Wien, zahlreiche Vertreter der Theologen-Missions-Vereine Brixen, Graz, Innsbruck, Klosterneuburg, Linz, Salzburg, St. Florian, St. Pölten, Brünn, Leitmeritz und Weidenau; ferner waren anwesend die Missions-Akademie St. Gabriel und das Redemptoristenkolleg in Mautern (P. Dr. Patsch als Vertreter der Kleriker), endlich Vertreter des Kollegium Anselmianum in Rom und des Priesterseminars Wien. Grüße hatten gesandt die akademischen Missionsvereinigungen von Deutschland, Holland (Begrüßungsschreiben und Telegramm), Ungarn, die akademischen Missionsvereine von München, Freiburg und Bonn; der Gründer des Theologen-Missions-Verbandes Zischek (Bllin), die Altvorsitzenden des Theologen-Missions-Verbandes Neugebauer (Freiwaldau), Franco (Udine), Kirchmair (Windisch-Matrei), Dr. Holnfteiner (Freiburg i. Br.), P. Schaubmayr, 0. 6ist. (Zwettl), P. Wohnhaus (Messendorf), Spiritual Razenberger (Linz) und Mon-sigyore Dr. Feierfeil, der unermüdliche Förderer der Unio cleri in Leitmeritz. Die Einleitung bildete eine wohlgelungene kirchliche Feier, bei welcher der Prediger P. Kro n s e der, S. J. (Wien), eine ganz eigenartige, glückverheißende Stimmung hervorrief. Die folgenden Tage wurden mit liturgischen Meßfeiern begonnen und' durch Missionsandachten geschlossen. Nach den herzlichen Begrüßungsworten von P. Rektor Dr. Grendel eröffnete der Vorsitzende des Theologen-Mis-sions-Verbandes Neupriester Rain harter (St. Pölten) den eigentlichen Kurs und gab die kurzgefaßte Vorgeschichte, worauf der Präsident Prälat Wolny (Wien), der in meisterhafter Weise die Verhandlungen leitete, dem ersten Referenten Univ.-Prof. P. grobi, S. J. (Innsbruck), zum Vortrag „Der Missionsgedanke in der Heiligen Schrift" das Wort erteilte. Der Redner erhöhte noch die durch den Prediger geschaffenen eigenartigen Stim-, mungen. In der Aussprache nach den gedanken-tiefen, aus dem Herzen kommenden Ausführungen äußerte sich besonders der Wunsch nach eingehender Berücksichtigung der Missionsidee in den theologischen Vorlesungen und nach stärkerer Heranziehung der Heiligen Schrift durch die Missions-Studienzirkel. Beklagt wurde, daß die reichen Missionsschätze der Heiligen Schrift durch die Wissenschaft noch so wenig erschlossen sind. Univ.-Prof. Dr. A u f h a u s e r aus München sprach mit dem überlegenen Wissen eines Fachmannes über die wichtigsten Kulturprobleme der katholischen Heidenmissionen, besonders in Ostasien. Mit erschreckender Deutlichkeit begriff man wieder die Notwendigkeit der ärztlichen Missionshilfe, in der sich die protestantische Weltmission eine gewisse Vormachtstellung erobert hat. Leider fehlte die Zeit zu einer längeren Aussprache. Nachmittags hörte man von einem durch die Wissenschaft noch gar nicht erforschten Gebiet: „Die Misstonsleistungen Österreichs" (Pfarr-provisor Poch St. Georgen, Steiermark). Es ist wahr, daß Österreichs Anteil am Missionswerk gegenüber anderen Ländern klein war; dafür gab es auch in Österreich gewaltige Schwierigkeiten, welche diese Rückständigkeit erklärlich machen. Auch der Österreicher ist fähig, die Missionsidee in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen, wie das bisherige Missionswesen Österreichs beweist, worauf der Referent nun ausführlich zu sprechen kam. Anschließend berichtete Prälat Wokny über den internationalen Missionskongreß in Rom, wo das trotz aller Hindernisse aufblühende Missionswerk Österreichs den stürmischen Beifall aller Nationen fand. Gleichzeitig führte Prälat Wolny den ersten Redner des nächsten Tages trefflich ein, indem er darlegte, daß der praktische Erfolg des Kongresses vorzüglich den Bemühungen P. Schwagers, 8. V. D., zu danken sei. Mit größter Spannung wurde der zweite Tag des Kurses erwartet. Standen ja doch zwei höchst interessante Themen auf dem Programm. Beide von weltbekannten Fachleuten behandelt. P. Schwa g er, S. V. D. (Hangelar, Rheinland), der bereits zum drittenmal aus weiter Ferne zu einer österreichischen Missionskonferenz herbeigeeilt umr, sprach mit gewohnter Gründlichkeit über die protestantische, akademische Missionsbewegung. Nach der Schilderung der geradezu berückenden Motive, die der geniale Führer John Mott den protestantischen Akademikern gegeben hatte, behandelte Pater Schwager die Entwicklung und gegenwärtige Einrichtung dieser gewaltigen Missionsmacht und führte den Nachweis, daß die protestantische Weltmission ihre so gefährliche Schlagkraft aus der Studentenmissionsbewegung schöpfe. Infolge dieser blühenden Missionsorganisation steht das gesamte Heilwesen des Ostens unter protestantischer Fahne. — Während bisher vorwiegend die Notwendigkeit der Mission für die heidnischen Völker und die Missionsverpflichtung der Heimatkirche betont wurden, bot der folgende Vortrag von Professor Dr. P. Schmidt, 8. V. D., eine ausgezeichnete Abrundung des Programms. In seinem Thema ..Mission und Wissenschaft", worin Professor P. Schmidt wohl der berufenste Fachmann der Welt ist, wies er darauf hin, daß die Heidenmissionäre durch ihr unwiderlegliches Material ein Bollwerk der ungläubigen Wissenschaft nach dem andern zu Falle bringen, so daß schon daraus, rein natürlich betrachtet, der missionierenden Heimat der größte Nutzen erwächst, ganz abgesehen vom übernatürlichen Gesichtspunkt. Und der angegebene Nutzen wird bei der wachsenden Stärke der katholischen Ethnologie und verwandter Wissenschaften immer höher. Daß der „Anthropos", das führende ethnologische Organ, in der gleichen Stärke wie vor dem Kriege erscheinen kann und sich der Mitarbeit von Gelehrten aller Kulturnationen erfreut, sagt mehr als genug. Der Nachmittag sollte sehr erfreuliche Tatsachen offenbaren. Dr.Rudolf (Wien) referierte über die rasch emporstrebende katholische akademische Missionsbewegung und machte praktische Vorschläge für die österreichische. Der Donaustaat kann stolz sein, im „Kaffernverein" der Theologen St. Pöltens den ältesten akademischen Missionsverein der katholischen Welt zu besitzen. Große Verdienste um die akademische Missionssache hat sich die amerikanische Delegation beim vorjährigen internationalen Studentenkongreß in Freiburg (Schweiz) erworben, die nur dann die Mitwirkung Amerikas beim internationalen Zusammenschluß der katholischen Studentenschaft „Pax Eomana“ zusagte, wenn auch die Förderung der akademischen Missionsarbeit auf das Programm gesetzt werde. Besonders überrascht hat die Kunde von einer jüngsten, akademischen Missionsbewegung im benachbarten Ungarn. In der Debatte erzählten unter begeistertem Beifall phil. List von der Gründung und bisherigen Arbeit des ersten (laien-) akademischen Missionszirkels Österreichs in Graz und theol. Mphlm-von einer jungen Misstonssektion der Akademiker-Kongregation in Innsbruck. Beide Schöpfungen sind Früchte der zielbewußten Arbeit des Theologen-Missions-Verbandes, dessen Anstrengungen schon Dr. Rudolf mit Dank hervorgehoben hatte. Da nun der Theologen-Missions-Verband nach der mit großem Beifall aufgenommenen Erklärung seines Vorsitzenden keineswegs gedenkt, auf halbem Wege stehenzubleiben, sondern mit Einsetzung seiner ganzen Kraft und voller Hingabe die Kommilitonen aus dem Laienstande auch weiterhin im Aufbau ihrer Missionsbewegung unterstützen wird, so besteht begründete Hoffnung, daß der Theologen-Missions-Verband baldigst eine laien-akademische Brudervereinigung erhält, zu deren nachhaltigeren Förderung eine fachmännisch geleitete Propagandastelle geschaffen werden soll. Beschlüsse. Weiteste Beachtung verdienen folgende Entschließungen des I. österr. missionswissenschaftlichen Kurses: 1. Durch die schwere Erschütterung der religiös-sittlichen Grundlage der christlichen Völker wird das Wirken der Kirche nicht nur im Bereiche der alten Christenheit, sondern auch in den Missionsländeru auf das empfindlichste geschädigt und gehemmt. Es gehört daher zu den dringlichsten Zeitaufgaben einsichtiger Mijsionsfürsorge, daß die gesamten katholischen Organisationen sich einmütig, mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft dem egoistischmaterialistischen, gottentfremdeten Zeitgeist entgegenstellen und zielbewußt für die Hoch-haltuiig christlicher Zucht und Sitte eintreten. 2. Wenngleich es die Hauptaufgabe der akademischen Mtssionsbeweguiig bleiben muß, daß sie mit größtem Nachdruck unmittelbare Auftlürungs- und Werbetätigkeit für die Missionen leistet, so kann sie, angesichts der heutigen Zeitlage, auch dem Missionswerke besondere Dien st e leisten, wenn sie für die katholischen Kulturforderungen im öffentlichen Leben eintritt und an der Lösung der sozialen Frage, aii der Klassen- und Völkerversöhnung im Abendlande und dadurch zugleich an der Wiederherstellung der Ehre des christlichen Namens in der Heidenwelt eifrig mitarbeitet. 3. Von besonderer Bedeutung zur Gewinnung persönlich tiefer für die Missionen interessierter Akademiker ist die Pflege kleiner Missions'Sludienzirkel. Für die Zirkel, die nicht von einem Fachmann geleitet werden, empfiehlt sich die Ausbildung von Leitern durch einen mehrtägigen Missionskurs. 4. Die Lösung der Aufgabe der Missionszirkel wird gefördert durch die Anlegung einer sorgfältig ausgewählten Bibliothek. 5. Damit die an den Mittelschulen geübte Missionspflege dauernde Wirkungen zeitigt, möge den zu den Hochschulen übertretenden Abiturienten der Beitritt zu den akademischen Missionsvereinen und Missionszirkeln empfohlen werden. 6. Für die österreichische akademische Missionsbewegung soll eine von einem Fachmanne geleitete Prvpagandastelle in St. Gabriel geschaffen werden. Mit Andacht wurden die einzelnen Kurstage eröffnet; ohne Andacht und Dank gegen Gott sollte die Veranstaltung nicht beendet werden. Am Morgen sah uns wieder der göttliche Missionär in seinem Heiligtum versammelt, der bei unserer erhebenden Generalkommunion seinen Einzug in die Herzen hielt, um die gefaßten Vorsätze zu kräftigen. Die folgende Besichtigung der Museen wurde durch einen einführenden Vortrag von Prof. l?. Schmidt eingeleitet. Viel wird der wunderbare Gottesdienst der Benediktiner in Beuron gerühmt, die es verstehen, die erhabene Schönheit der katholischen Liturgie zur vollen Entfaltung zu bringen. Doch vom missionswissenschaftlichen Kurs in St. Gabriel brauchte man kaum nach Beuron zu fahren. Das feierliche Hochamt, vom hochwürdigsten Abt von Klosterneuburg zelebriert, zeigte den ganzen großen Reichtum, den die Kirche in ihrem göttlich-gewaltigen Opfer besitzt. Es war keine Prunk- und Schauhandlung, sondern Andacht, reinste Andacht, in die tiefste Seele greifende Huldigung vor dem Allerhöchsten. Zur Schlußfeier war der grobe Festsaal des Missionshauses, wo auch die Beratungen stattfanden, bis auf den letzten Platz besetzt. Die musikalischen Leistungen waren einzig schön. Dabei gelangte auch R. Wagners großartige Schöpfung „Das Liebesmahl der Apostel", ein äußerst schwieriges Stück, durch den vollbesetzten Männerchor und das erstklassige Orchester von St. Gabriel zur Aufführung. Als Festredner war der unermüdliche Missionsapostel Deutschlands, Fürst Alois zu Lö-w enstein, erschienen, der durch seine oft zitierte Rede auf dem Breslauer Katholikentage 1909 die akademische Missionsbewegung in Fluß gebracht hatte. Auch hier beseelte die Zuhörer der eine Wunsch: Diese unwiderstehlich packenden, streng sachlichen Worte aus Laienmund sollten in die ganze Welt hinausdringen. Den Abschluß der unvergeßlichen Feier bildete ein gemeinsam gesungenes Missionslied. Die feste Begeisterung, mit der es gesungen wurde, erweckte die zuversichtliche Hoffnung, daß die letzten Verse keine augenblickliche Stimmung, sondern den ernsten Willen zur Tat offenbarten: „Was wir gelobt in frohen Jugendtagen, wir halten's treu, bis einst das Auge bricht: Mit Herz und Hand für's Heidenland!" Josef Ramharter. Universitäts-Buchdruckerei „Styria'-, Graz. — Verantwortlicher Schriftleiter: Isidor Kronsteiner, Messendorf bei Graz.