OT1UMMHK =wnflrara= ILLUSTR1RRT W)n ROLRril? PRUČK UND KOMMISSIONSVERLAG UON IG. v. KLEINMAYR & PED. BAMBERG IN LAIBACH. Zogling Fritj Eine luftige Militar-Erziehungsgefchichte von A. Riess Illuftriert von Roland Laibadi 1907 Druck und Kommifflonsverlag von Ig. v. Kleinmayr & Fed. Bamberg Der Kriegerftand, ftets hochgeaditet, Obgleidi er andre Menfchen fchlachtet, War fchon beriihmt im Altertum, Als noch der Menfch ein wenig dumm. Mit fchlechtem Dolch aus Feuerftein Erkampft der Urmenfch tich das Sein, Dann zimmert er tich machfge Keule Nach einer ganz geraumen Weile. Und trafen wo zwei Stamme fich, Dann fchlugen fle tich fiirchterlich. Man ftellt dem andern gleidi ein Bein Und fchlug ihm dann den Sdiadel ein. 1 @ 2 ® Die Sache blieb nicht immer fo, Man fdilug fidi fpater fchon en groš. Die Babyloner und die Kelten, Audi Inder rauften fidi nicht felten. Als der Kampf ward animierter, Wurde man auch raffinierter. Man dachte hin, man dachte her, Was alles zu verbeffern war’! Die Waffen wurden alle beffer, Man fchmiedet Sdiwerter ftatt der Meffer. Damit den Gegner man durchlocht, Hat man den langen Speer erdodit, Mit Widerhaken und dergleichen, Damit er nicht zuriick kann weichen. Audi ward von fern er umgelegt, Indem man Pfeil und Bog’n entdeckt. @ 3 -s> Es wugte auch der Kriegersmann, Dag jeder Schug nicht treffen kann; Drum hat die Pfeilfpig man vergift’, Falls man den Gegner nicht gut trifft. Nun waren Waffen fehr gefahrlich, Ein Schug dagegen unentbehrlich. Der Schild und Helm darauf entftand, Ganz primitiv zwar vorderhand. Plumpe, ganz gemeine Schilde Aus Riefenblattern macht der Wilde, Der Kultivierte madit’s aus Eifen, Wie die Gefchidite kann beweifen, Und dann aus Stahl. Der Schild war fchwer, Dodi Krieger tragen noch viel mehr. Und ift im Kampf er ausgeriffen, Hat er ihn einfach weggeichmiffen. 1 * @ 4 ■© Es ift nicht edel, aber praktifch; Wie Horaz fchreibt, gefchah es faktifch. Klar, beffer — ohne Schild im Leben — Als diefer und die Leich’ daneben. Einft hielt ein Bad in Drachenblut Audi mancher fiir befonders gut. Aus Horn die Haut! Kann der je figen, Gefdiweige denn im Sommer fchwigen? Ich glaub’, fo was ift ungefund, Man kommt doch fchlieglich auf den Hund. Es war’n auch wenige, die’s taten, Wahrfcheinlich hat man abgeraten. Man hat auch Feften dann erbaut, So hodi, dag mandiem Menfchen graut. Damit man drinnen flcher fei, Verftarkt man fie durch mandierlei. So eine alte Feftung ftiirmen War nicht leicht. Mit ihren Ttirmen, Mit den Wallen und den Graben, War ihr fchwer was anzuhaben, Auger durch Verrat und Lift, Was fchlieglich dodi das befte ift. Denn bei Belaghung und dergleichen, Bricht Fieber aus und andre Seuchen. @ 5 © In Troja war’n die Griechen Sieger Mit einem hohlen Pferd voli Krieger. Doch derart kommt man felten 'rein — Die Griechen hatten einfach Sdiwein. Audi hat man Graben vorgebaut Und verdeckt mit mandiem Kraut. Legt Eggen, Bretter audi mit Nagel, Fugangeln, Pfahle ohne Regel Am Grund des Grabens. Es klingt heiter: Cafars Pfahle, fpanTdie Reiter. Doch trat hinein man mit dem Fu§, War’s audi gerad’ kein Hochgenufj. ■© 6 Als man das Pulver dann erfunden, Hat man den Feind erft redit gefdiunden; Denn ein Stiick Blei in feinem Magen, Konnt’ audi ein Riefe nicht vertragen. Die alten Rohre war’n noch fchledit, Zielt’ man audi gut, man traf nicht redit. Und hat den Hahn man losgedriickt, Hat fich der Gegner rafch gebiickt. Die Kugel flog ihm iiberm Kopf, Traf mandimal einen armen Tropf, Der riickwarts ftand. Verletjt ihn leicht, Weil fdion die Kraft der Kugel weidit. © 7 © Man kampfte damals aufrecht noch, Weil man ein homo fchlieglich doch, Und ftellt dem Gegner feinen Mann, Es zeigte jeder, was er kann. Doch heut’, wo das Gefchog rafant, Driickt fich ein jeder an die Wand — Mit Recht; wenn man den Kopf nur hebt, Hat meiitens man fdion ausgelebt. Und fo zu enden ift doch dumm, Da kriecht man lieber noch herum, Tut fich vom Boden nie erheben Und kann noch viele Jahre leben. Die Waffe macht’s allein nicht aus, Man fand es gar zu bald heraus, Dag es im Kampf nicht einerlei, In welcher Front der Gegner fei. ■© 8 @ Daraus entftand die Kampfesweife, Taktik nennt man’s heute weife. Die Griedien, Perfer, befonders Rom, Waren Meifter in der Taktik fchon. Dem Volk war ftets die Taktik eigen, Von Ausnahmen will ich hier fchvveigen. Agypter, Griedien, Perfer, Meder Zogen nach ihrer Art vom Leder. Ganz anders ift die Strategie, Sie kniipft fich ftets nur ans Genie; Denn sie entfprang den gro§en Geiftern, Den eigentlichen Sdilachtenmeiftern. Die neuefte Zeit hat viel gefchaffen, Es macht die Technik unfrer Waffen, Und was man einft fiir feige hielt, Umfiditig es fchon heute gilt. Jet^t braudit man keine dicken Baume, Dafiir fucht man gedeckte Raume, Von wo man feitwarts fich verdruckt Und in des Gegners Flanke ruckt. Von dort wird er nodi ftark befchoffen, Mit Projektilen iibergoffen, Und ift ihm fchon ganz fchwummerlich, So riiftet man zum Angriff fich. © 9 4d Ein Teil bleibt liegen, dazu beftimmt, Dem Gegner, wenn der Sturm beginnt, Wer fich auch nur erhebt vom Rafen, Das Licht des Lebens auszublafen. Und audi bei allen andern Waffen Hat Fortfchritt, Technik viel gefchaffen, Und wer fich nicht verfteht darauf, Siljt bei dem eriten Schufj fchon auf. Dies alles konnen ift kein Sdiund. Bewaffnung, Taktik, Felddienft und Organifation wie Strategie, Erlernt man ganz im Leben nie. © 10 @ Aber audi nur fo ein Dunft Ift beinah’ fchon eine Kunft. Drum baut man viele Schulen heut’, Wo alles dies wird eingebleut. Dahin will idi den Lefer leiten, In allen Phafen ihn begleiten. Und wem’s nidit pa§t, der la§ es ftehn, Vielleidit wird’s ohne ihn auch gehn. Der Familienrat. Bei Trummer ift Familienrat, Was mit Fritjen zu gefchehen hat. So heigt namlich des Trummers Sohn, Elf Jahre alt - ein Miftbub fchon. Er fpielt im Garten Indianer Mit Nachbars Franz. Und noch a Klaner Hat freudig fich dazu gefellt, Obwohl ihn niemand hinbeltellt. Erwartungsvoll %t unterdeffen Der Onkel Ernft beim Mittageffen, Den Vater Trummer eingeladen, Um bei dem Rate mitzuraten. @ 12 @ Ernsts Brauen zieh’n fich hodi und hoher, Ottilie und Betty kommen naher — Die Tanten. Sie treten bald herein, Miiffen beim Rat dabei doch fein. Der Onkel ha§t die Frauenzimmer Und fagt: „Na, idi komm’ nimmer!" Das hort aber Ottilie im Nu, Wirft einen giftigen Blick ihm zu. Frau Trummer bringt jet}t eine Gans, Denn das erhoht des Feftes Glanz. — Im Garten ift die Ka^ verreckt, Die Fril} mit einem Pfeil erlegt. „Wohin foll ich den Buben fchicken?“ Fragt Trummer. Die beiden Tanten nicken. „La§ ihn ftudieren!“ meint der Onkel Und nimmt fich von der Gans den Sdionkel. ®> 13 © Die Mutter mocht’ ihn gern zu Haus. „Hier bleibt er nicht, er mu§ hinaus!“ Brummt Trummer und igt dann die Bruft Mit ganz hingebungsvoller Luft. Ottilie nimmt des Vogels Hals. Ernft fieht’s und grohlt: „Gegebenenfalls,“ Spridit er, und trinkt fein Weinglas leer, „Verfuchs, gib ihn zum Militar.“ „Ach ja, Leutnant fein ift fdion!“ Ruft Betty. „Lag die Faxen gehn!“ Sagt Ernft und kiffelt an den Knodien. Fritz’ Schwefter kommt hereingekrochen — Die Lene — und fchleicht untern Tifch. Ottilie meint, mit’n Militar fei nifch. „Er werd’ ein Geis . . da bricht ihr Faden, Die Lene fticht ihr in die Waden. © 14 © „A Geis!“ Der Onkel mug fidi winden, Es trifft fein Fug die Lene hinten. Flugs ift fie mit dem Kopf zugegen Und beigt den Onkel in die Zehen. Nun zieht die Lene man hervor, Der Vater nimmt das fpanTche Rohr, Trifft ihres Korpers rundes End’; Die Lene windet fich und flennt. „Wo fteckt der Frig?“ ruft drauf der Trummer, Die Mutter fucht ihn voller Kummer. Nachdem fie lang im Garten irrt, Sieht fie, wie er die Kag fkalpiert, © 15 -g) Ihr Lieblingstier! Sie fagt’s dem Vater. Der wiederholt nun das Theater, Trifft feines Korpers rundes End’; Der Fri^, der windet lich und flennt. „Die Bubenftiicke horen auf!“ Sagt Vater Trummer zornig drauf. „Idi dank Euch fiir den guten Rat, Jetjt bleibfs dabei, er wird Soldat. 11 Die Aufnahme in die Militar- Unterrealfchule. „Zur Priifung bift du zugelaffen, Mein lieber Sohn. Jegt heigt’s, nidit fpagen, Lern’ fleigig, traue nidit dem Gliick — Da haft du ein Fiinfkronenftiick! 11 Vom lieben Frig foll man fich trennen! Die Mutter weint und auch Helenen; Weil Zwiebel, Schmerz und fcharfer Kren Dem Aug’ entlocken manche Tran’. Der Onkel nimmt ihn bei dem Ohr, Zieht feine Borfe dann hervor, Sagt ihm: „Du bift ein groger Strick!" Und gibt ihm ein Fiinfkronenftiick. Dem Frig macht der Gedanke Spag, Nodi bin ich nichts, bald werd idi was. Er treibt im Freien fich herum, Bringt manche Kag und Gans noch um. © 17 © Es wird ihm vieles nachgefehn. Wie fchnell wird doch die Zeit vergehn, Freiheit und Gliick fmd dann vorbei - Dem Fri^ fcheinfs jetjt noch einerlei. Bald packt die Mutter feine Sachen, Zum Anzieh’n teils, teils fiir den Rachen. Manch Strudel wird dazugelegt, Mit Tranenftromen iiberdeckt. Dann gibt lie ihm noch mandien Rat, Was alles er zu madien hat. „Sei brav und komm gefund zuriick! Da haft du ein Fiinfkronenftiick!“ Die Lene fchenkt ihm ihre Puppe. Fritj fagt: „Mir ift die Puppe fchnuppe!“ Und wirft fie kraftig an das Gitter; Der Kopf zerfpringt in taufend Splitter. Die Lene meint’s mit Fritj fo gut, Nun kriegt fie a Berferkerwut, Den Reft des Korpers voller Špane Zerreigt fie mit Gewalt der Zahne, Haut Fri^ die Puppe ins Geficht. Er will fie packen, fieht fie nicht, Die Špane triiben ihm den Blick; Die Lene druckt fich mit Gefchick. 2 ® 18 ® Drum merke dir, mein lieber Fritj, Gefchenk verfchmah’n hat keinen Wi^. Und gar der Zorn, der rachet fich, Wie man hier fieht, ganz fiirchterlich. Zur Tant’ Ottilie geht audi Fritj. Die fteht ernft auf von ihrem Sitj Und fagt: „Es ift mir nidit gelungen, Mein Rat ift nirgends durdigedrungen. Der Onkel ift fchuld, idi bedaure fehr, Da§ du nidit worden Geiftlidier; Doch du bift fchuldlos am Gefchick, Da haft du ein Fiinfkronenftiick!“ ® 19 «> Dann geht zu Tante Betty er, Die liebt doch fo das Militar. Sie fagt: „Du haft ein groges Gliick!“ Und gibt ihm ein Fiinfkronenftiick. Den nachften Tag fchon zur Station Wandern Vater und der Sohn. Der Sohn gebardet fidi zu munter, Der Vater haut ihm eine ’runter. 2 * @ 20 @ Tags darauf wird Fri^ gepriift, Ob er ins Wiffen fich vertieft. Doch weil die andern audi nichts wiffen, Hat er nicht ganzlich umgefchmiffen. Audi wird er nachher ausgefdialt, In feiner Nacktheit vorgeftellt, Gepriift fodann fein Hohenmag, Gewogen und noch dies und das. © 21 ® Nun kommt die grande Metamorphofe, Er kriegt die blaue Bluf und Hofe, Stiefletten a la Quadratur, Hohnend den Gefe^en der Natur. Jetjt kommt das Heimweh dodi heraus; Fritf heult und fagt, er will nach Haus, Zu Fu§ mocht’ er zuriick jet^t hatfchen; Der Vater gibt ihm eine Watfchen. Die Militar-Unterrealfchule. Nadi Groge ftellt die Zoger man, Der Frig will zu die Grogen ’ran. Der Korp’ral fagt: „Mein Liebfter, nee, Du bift zu klein, marfch an die Queue!“ Der Frig dem Korporal was fagt, Worauf ihn diefer heftig packt. Da heigt’s, Maul halten und parieren. Den Frig tut diefes fehr genieren. Es wird audi ofter exerziert, Der vierte Jahrgang kommandiert. Eh’dem war Frig des Haufes Schredcen, Jegt heigt’s: „Fifole, Beine ftrecken!“ Im Lehrfaal ift man gar zu ftreng, Riihrt fidi Frig auch nur ein wen’g, Heigt’s gleidi: „Trummer Frig, was haft denn? Marfch ins Lodi und Mehlfpeisfaften.“ @ 23 a> Und wer fich denkt, Fritj hat jetjt Geld, Der kennt nodi nicht die fchlechte Welt. Das Geld, das ward ihm konfisziert Und fiir den Urlaub deponiert. Hier fiehft die Auffichtscharg’ du ftehn, Sie gibt fich einen gro§en Kren, Nur wenn die Feiertag’ fich nah’n, Spridit fie die Zoger freundlich an. 1 @ 24 ®> Und offnet einer fein Paket, Dann ift der Korporal fehr nett. Er ift beim Offnen ftets dabei, Doch nimmt er fich audi mancherlei. Frig’ Mutter hat auch fein gedacht Und ihm ein grog’ Paket gemacht. Als er’s erhalt um halber vier, Folgt ihm der Korporal mit Gier. Die Lieblingswurft liegt obenauf; Frig freut vergebens fich darauf, Der Padagog mit ihr entrinnt Und Frig darauf auf Rache finnt. Alles fchlaft in Nacht und Grauen, Nur Frig kann man noch wachend fchauen, In feinem Bette tief verfteckt, Den Kopf ein wenig vorgeftreckt. Dem Hals der ftrengen Auffichtscharge Entfteigt melodifches Gefchnardie. Frig fieht man fachte auf den Zeh’n Zum Bett der Auffichtscharge gehn. Die Dečke wird emporgehoben, Ein Ballen Schnee hineingefchoben, Oberm Leintuch bei der Zeh’n, Dann fieht man Frig beruhigt gehn. @ 25 @ Ein Nieganfall gibt Kunde Frig, Dag ihm gelungen diefer Wig. „Es wird ein Schnupfen extrafein“, Denkt Frig fich und fchlaft ruhig ein. Die Zeit vergeht, es ift enorm, Zu kurz wird Frig die Uniform. Die Kappe ihm allein noch pagt, Ein wenig iibers Mag gefagt. Dag er nicht brav, das fieht man fchon Am Mangel jeder Diftinktion. Es macht dies zwar dem Trummer Kummer, Dem Sohn ftort’s keinesfalls den Schlummer. Es nah’n die grogen Ferien Und jeder kann nadi Haufe gehn. Audi Frig bekommt zu feinem Gliicke Die deponierten Kronenftiicke. Und bei der nachften Bahnftation Steht Frig vorm Zuckerladen fchon, Igt Backwerk nur mit Creme, mit kalten — „Frig, wird fich die Gefchidite halten?“ Zu Haus wird feftlidi er empfangen, Allfeits begriigt man diefen Rangen, Ja felbft vom Onkel und den Tanten Und auch von allerlei Bekannten. © 26 © Der Fritj, erfiillt von Freiheitsluft, Wirft fich energifch in die Bruft, Tifcht Marchen auf, die gar nicht ohne, Per Tante koftefs eine Krone. Die Zeit vergeht in Luft und Spiel, Acht Wodien find nicht gar fo viel, Und bald lieht Fri^ man mit den andern Traurig in die Sdiule wandern. Der Korporal ift jet^t fdion Ftihrer Und gegen die Fifolen ftierer. Fri^ kriegt gleich zu den andern Laften Das obligate Mehlfpeisfaften. -g) 27 @ Vom vierten Jahrgang wird fekkiert Der zweite und tyrannifiert, Die Watfche ift die kleinfte Miinze, Der vierte zahlt lie, der zweite bekimmt fe. Und wenn du dich gar widerfe^t, Wird mandier Hieb dir noch verfe^t; Dein Ohr wird leicht zum Stoppelzieher, Schlieglich verklagt man dich beim Fiihrer. © 28 © Die Zeit, fie flieht, Jahre vergehn, Hier fiehft du Frigen wieder ftehn. Er ift bedeutend noch gewachfen, Befonders lang find feine Haxen. Er kommt in ’n vierten Jahrgang fchon Und hat die einfache Diftinktion. Was andre konnten, er audi kann — Jegt ift er graufamer Tyrann. Er fpricht nur mehr in falfchem Bag Von Bub’n, die hinterm Ohr noch nag, Und raucht bisweilen audi ein Kraut, Wenn g’rad kein Lehrer auf ihn fchaut. Spazieren mug er dodi im Rudel, Das ift eben der Kern des Pudel, Und war’s fiir ihn audi noch fo fchon, Allein darf nie der Zoger gehn. Das eine Jahr ift bald vorbei. Die Schuler ftehn in einer Reih’, Zum Sdiluffe kommt der Kommandant, Gleidi hinter ihm der Adjutant. Die Braven werden nun nadi Rang Verlefen. Manchem wird es bang, Dag er nicht aufwarts klimmen follte, Weil friiher er nicht lernen wollte. © 29 © Hierauf fpridit noch der Kommandant Von Fleig, Erfolg und allerhand Und dag man weiter ftreben miiffe, Wenn man audi jegt fchon manches wiffe. „Was euch betrifft, ihr faulen Knochen, Ich hab’ eudi immer zugefprodien. Man wird eudi fpater fchon karniiffeln, In der Kadettenfchur, ihr Sdiliiffeln! 11 * * * So war erftieg’n die erfte Leiter, Ein wenig ruh’n, dann fteig’n wir weiter. Die Militar-Oberrealfchule. Weigkirdien, ach, du kleines Stadtchen, Birgft dodi audi fo mandies Maddien, Dran nodi mandier Zoger denkt, Der bereits als Leutnant rennt. Vorderhand nah’n sidi mit Bangen Die frifch eingeriickten Rangen; Dodi audi ftolz, da§ fie allein Konnen in die Sdiule ’rein. Audi diirfen alle jetjt fchon raudien, Tabak nach Herzensluft verbraudien, So weit’s mit’m Gelde eben geht; Audi tragt er fchon das Bajonett. Die Antrittsrede hier audi fliegt, Sidi in das Herz des Zogers giegt, Um dort als Same aufzufproffen. - Mandier madit zwar feine Gloffen, ® 31 @ Doch diefe trifft der Rede Brand: „Je^t konnt ihr nichts noch vorderhand, Und lernt nur recht flei§ig tagein und tagaus, Sonft fliegt aus der Schule ihr wieder hinaus.“ Des Strengen Blidc fchier manchen durchlocht; Nichts wird fo heig gegeffen wie gekocht, Denkt fich der Fri^ und freut fich fehr, Denn jetjt gibt’s keinen Viehtrieb mehr. Er kann im Park allein fich tummeln, Im Grafe liegen oder bummeln; Der Turnfport wird fehr ftark geubt, Weil Kraft und Mut der Zoger liebt. Am Tifch, am Boden und Seffelrand Ubt taglich Fritj den Handeftand. Was Wiffen und Geift auch erzielen kann, Wer auf Handen geht, den bewundert man. Dem Vortrag Friij je^t ofter laufcht, Wenn des Lehrers Rede ihn beraufcht. Methodifch wird fein Blick geweitet, In hoh’re Spharen er geleitet. Er lernt, da§ er vom Affen ftammt - Das war ihm friiher nicht bekannt. Er fieht vor- und nachfintflufge Biefter, Von erfteren leider nur die Gertifter. •© 32 •© Was der Zahn der Zeit nodi nidit gebrochen, Sind Zahne nur und harte Knochen. Die Tiere werden reihweife gereicht, Von Kiinftlerhanden verbeffert ganz leicht. Erftaunt fieht der in der dritten Reih’ Ein Bieft, welches hat der Kopfe zwei. Er dreht es erwagend nach vorn und hinten Und kann den richtigen Kopf nicht finden. In der Botanik iit fehr fchlecht daran, Wer nicht in der erften Reih’ fi^en kann, Er fieht von den Pflanzen meift nur die Stengel, Verwtiftungstrieb ift eb’n das Vorrecht der Bengel. @ 33 Phyfik und Chemie, die gro§en Zweige Der Naturwiffenfchaft, lernt er zur Neige, Labt fich an der Gruppe von Benzol, Laboriert mit Salzfaure und Vitriol Und fiihlt im Chemiefaal fich Aldhimift, Dem Welt und Leben fchnuppe ift. Ich frage: „Gibt’s etwas Befferes Als der Geruch von H 2 S?“ Die Phantafie treibt oft ihr Spiel Mit dem Zogling gar zu viel. Oft fchweift fein irrer Blick hinauf, Auf was er denkt, du kommft nidit drauf. Zwei Korper find’s, die fich durchdringen Und dann um einen Ring noch fchlingen. Den Schatten bei zentralem Licht Will finden er und kann ihn nidit. Bald fiihlt er fich im leeren Raume, Bald unter einem Tropenbaume, Bald in der Zeit der Dronthofauer, Bald in den Dfchungeln auf der Lauer Nadi einem Tiger oder Panther, Dann auf dem Spitj des Gaurifanker — Bis ihn der Ruf des Lehrers weckt Und ihn aus feinen Traumen fchreckt. 8 @ 34 -s Sie exerzier’n mit dem Gewehr Des Extrakorps, weil es nicht fdiwer. Der Priigel wird fehr oft gepugt, Viel feltener dageg’n benugt. Mit der Schule nebenan Bindet gern der Zoger an. Kommt’s mit der Kavalbrie zur Schlacht: Na, tfchau, dann Reiter — gute Nadit! Der Z5ger ladet groge Bohnen, Audi Dattelkerne foll’n fich lohnen, Und im Gefedit, bei der Attacke, Pelzt er dem Pferd ein’s auf die Backe; Das wird den Reiter meift bewegen, Sich abfeits von dem Gaul zu legen. Diefer, der nicht das Schiegen liebt, Sich meiftens in den Stali begibt. Der Zoger, fonft fromm und akkurat, Beim Effen wird er rabiat; Wenn nicht die Maffe der Speifen reicht, Oder wenn das Effen zu leicht, Oder wenn die Wurft nicht gut, Sei jeder Fremde auf der Hut! Es fliegen die Wurft’ iiber Kopfe und Riicken, Bleiben am Plafond, an den Wanden picken. ® 35 @ Ein Sturm bricht los, ein Gejohl’ und Gefchrei, Da hilft kein Befehlen — die Meuterei Ift da und wird nur dadurdi geftillt, Da§ man die Magen der Zoger fiillt. Mit der Zulage ift es leider je^t Reft; Die Tanten, welchen Fri^ manche Krone erpregt, Ottilie und Betty, leben nicht mehr Und das fchadet dem nervus rerum fehr. Im zweiten Jahr Friij, wenn er fchafft, Markiert gigantifche Muskelkraft, Er kann mit dem Arm an den Leib nicht riicken, Die Muskeln tun ihn ftark auswarts driicken. B* @36 @ Er modite jedes Gitter biegen, Und fieht er groge Steine liegen, Er ftemmt fie gleidi mit einer Hand, Als war’ es nur ein leichter Tand. Im Winter zeigt er die bloge Bruft Bei 15 Grad Kalte den andern mit Luft Und hartet fich fo fyftematifch ab — Mandl andern bringt die Methode ins Grab. @ 37 ® Doch mit des Jiinglings wachfender Starke Ift auch nodi etwas andres imWerke: Es regt fich in Friij nebft platonifcher Lieb’ Der dem Menfchen bekannte Fortpflanzungstrieb. Dann fieht man ihn mit Riefenfdiritten Auf ’n Hauptplatj eilen. Er ift gut gelitten Bei der Cafekaffierin, wo er hat Chance Honni soit qui mal y pense! © 38 -e> Der Muskelkraft gewaltige Regung Erfordert zeitweife Betatigung; Sie augert fidfmit furchtbarer Macht Periodifch durdi eine Zoglingsfchlacht. Zwei Jahrgange find’s, die fich bekriegen Und gegenfeitig in den Haaren liegen. Die Urfache ift meift beleidigter Stolz Und fchlieglich ift man nicht von Holz. Der hohere Jahrgang la§t fich nidit biegen, Will den niederen ’mal herunterkriegen; Anfangs fallt hie und da nur ein Wort, Es fangt und zundet am anderen Ort. ® 39 ■g) Doch bald wird’s in Taten umgefetjt, Der hohere Jahrgang den niederen heijt. Mit Biirften und mit Stiefelknechten, Mit Glafern, mit Flafchen, mit Stiefeln, mit fchlechten, Ja feibft mit ausgeriffenen Gittern Wird erbittert gekampft, gleich Ungewittern. Seffel werden als Schilde beniiljt, Mit der Wafferleitung wird gefpri^t. Audi Watfchen hort man hie und da hallen, Zoger die Treppe herunterfallen. Dem herbeigeeilten Kommandanten wird’s fchwer, Uber die Meute zu werden Herr. Den nachften Tag ift dann groges Gericht, Doch ein Zogling verrat den anderen nicht; Und fchlug man ihm audi den Kopf ganz blutig, Er verleugnet den verhafjten Gegner mutig. So trifft die Strafe den Jahrgang gemein- Sam und nicht diefen oder jenen allein. Den Verwarnten wurde das Kampfen fiftiert, Denn die wiirden aus der Schule fofort extrahiert. So au§ern fich feibft in wuchtigem Hiebe Beim alteren Zogling die edelften Triebe. Im Exiftenzkampf gehn fie fpater verloren, Vielleicht werd’n im Ernftfall fie wieder geboren. @ 40 ® Im dritten Jahrgang, gegen End’, Ift Friij fdion furchtbar prapotent; Steckt eine Zigarett’ er fich ins Geficht, Selber anziinden tut er fie nicht, Dazu ift der jiingere Jahrgang hier: „Ah, geb’n Sie gefalligft ein Feuer mir!“ Und dankt dann dafiir hochft jovial, Etwa wie ein alterer General. : @ 41 © Und ift im Turnfaal er zur Stelle, Gibt’s am Reck nur Riefenwelle, Macht Salto auch durch brennende Reifen; Idi kann fo etwas nicht begreifen. Am le^ten Tag ftehn lie in Parad’, Der Kommandant gibt manchen Rat, Da§ die Akademie eine Hochfchur fei, Spridit von Rittergeift und mancherlei Soldatentugend, Tapfer- und Redlidikeit, Von Gemiit, Ma§ig- und Menfchlichkeit. „Gott griifje und geleite euch!“ Ich hor’ jetjt auf, fonft werd’ ich weich. * * * So war’ erftieg’n die zweite Leiter, Ein wenig raften und dann weiter. Der Neuftadter. Nadi Neuftadt zieht als Benjamin Frig vergniigt zur Schule hin, War bisher er nur ein „Er“, Jegt ift er ein groger Herr. Der alt’re Jahrgang fiihrt ihn ein, Um ihn in alles einzuweihn, Hangt ihm dieWunder Neuftadts an, Fiigt felbft erfund’ne noch daran. ■s) 43 s) Die alle mu§ der Fritj nun freffen, Ich hab’ fie leider fchon vergeffen Zum Teil; doch mach’ ich d’raus kein Wefen, Wer wei§, wiird’s auch ein jeder lefen. Vom Geift der Schule vollgefogen Ift Frij} — zum Teil auch angelogen, Ergo^t fich an des Parkes Pracht, Dodi gibt er auch dabei noch acht, Den Altern nicht zu iiberfehn, Denn fo was wird nicht gern gefehn, Dodi hat er dafiir den Genu§, Ein „Tfchau!“ zu hor’n auf feinen Grujj. Frifc; kennt im Anfang lchwer fidi aus, Die Augen treten ihm heraus, So viele Bticher, dick und diinn, Legt man auf feinen Schreibtifch hin. Die Reglements fehr fdion gebunden, Nur an den Ecken abgefchunden, Und viele der Hilfswiffenfchaften Kriegt er und mug dafiir nun haften. Denn hat der Zoger umgefchmiffen, Wird mandies Buch aus Wut zerriffen Und kommt dann meift in grobem Bogen An eines Feindes Kopf geflogen. @ 44 ® Mit dem Aufftehn ift’s ein G’frett, Weiterfumpern ift fo nett, Doch gibfs Organe, die beforgen, Dag man zulang nidit fchlaft am Morgen. Zwar manchen gibfs, der iich verfteckt, Indem den Kopf er iiberdeckt; Er wird doch meiftens noch erwifcht Und denkt: „So geht die Sache nifcht!“ ® 45 @ Ein andrer treibt es gar zu arg — In Ko^en eingewickelt ftark Legt er im Unterricht fich hin. Wo kommt’s dem Lehrer in den Sinn, Hinter die leijte Bank zu fchauen? Er wiirde feinen Aug’n nidit trauen, Was dort der Z5ger alles treibt, Wo der Refpekt, der fchuld’ge, bleibt! ? Doch geht’s zum Friihftuck dann hinunter, Freut alles fich und wird fehr munter. Kaffee, der ift dort fehr beliebt, Befonders weil’s ein Nachhol’n gibt. Die Zigarette fehlt wohl nie, Teils kauft man fidi’s, teils pumpt man fie, Und zieht den Rauch dann bis in’ Magen Mit ekelhaftem Wohlbehagen. Nachher der Vortrag geht nodi an, Befonders wenn’s der Lehrer kann, Doch gibt es nichts Schrecklicheres Als Organifation und Ahnliches. Und dennoch gibt’s ein Gaudium, Dreht fich der Lehrer einmal um Und zeigt den Zogern dann den Riicken - K5nnt’ der mit feinem Riicken blicken! © 46 @ Naht eine fchriftliche Priifung fich, So ftuckt der Zogling fiirchterlich, Er lagt da felbft den Ausgang fallen, Entfernt fich nidit mehr aus den Hallen. Der Streber iibertrifft ihn noch, Will er die beffire Note dodi. Selbft in der Nacht lernt er noch fort An einem unnennbaren Ort. Im Winter, wenn die Dečke friert, Das Begehn der Felder nidit geniert, Gibt’s manchmal auch ein Hafentreiben. Der Kommandant kann’s zwar nidit leiden, t ® 47 @ Doch was ift fiir den Zoger heilig? Es fammelt fich ein Jahrgang eilig Und ftellt fich auf in einer Reih’ — Frilj ift naturlich auch dabei. Nun treibt geg’n Kehrbach man die Hafen Ober Feld und liber Rafen; Sie fpringen in den Badi hinein, Dann fangt man fie fich ganz leicht ein. ® 48 @ Man bindet Bander um ihren Hals, Darauf das Datum jedenfalls, Und lagt hernadi den grogen Haufen, Den man gefangen, weiter laufen. Die Mappierung macht viel Spag, Teils fchwindelt man, teils weig man was. Dodi pflegt meift das »Signale fegen!“ Nur wen’ge Streber zu ergogen. Zwar weig der Bauer es fogar, Sieht er es doch ein jedes Jahr, Und fagt er auch nichts Naheres, Um eine Krone tut er es. @49 @ Und wandelt Frig am friihen Morgen Frifch und froh, ganz ohne Sorgen, Das Brett gefchultert, die Mappe daneben, So kann’s gewi§ nidits Schoneres geben, Es ware denn, dag eine Kuh Ihn ploglich aufftort aus der Ruh’, Sich zu dem Tifchchen hingefellt Und diefes in ’ne Flade fallt. Wafcht er den Tifch dann noch fo fein, Das Blatt, es wird ihm nie ganz rein; Die Farbe ift echt, fie haltet fchon — Das Blatt zeigt lokalen Wiefenton. 4 © 50 ® Ift das Tagewerk vollbrungen, Die Abendglocken ausgeklungen, Zieht man mit den vollbrachten Werken Ins Wirtshaus, um fich dort zu ftarken. Dort wird die Kellnerin pouffiert, Von manchen der Wirtin auch hofiert; Die haben das Zeug am beften ’raus, Ihre Portionen fallen entfprechend aus. Im dritten lernt man Tedinologie, Taktik, etwas Strategie, Kritifiert die Fehler, die Napoleon gemadit, Und hat es felbft nur auf „geniigend“ gebradht. Audi lernt er dort fchon fleigig reiten, Bisweilen auch vom Pferde gleiten; Das Pferd hat eben auch Gefiihl, Tut oft nicht, was der Reiter will. Da kriegt der Lehrer oft an Grant Und fagt dem Reiter allerhand, Setft dann dem armen Pferd eins ’nein — Der Reiter hangt auf einem Bein. Setjt man dann iiber die Barriere, Gibt’s manchmal audi ein klein Malheur, Der Reiter kommt zuerft hiniiber, Das Pferd fpringt meiftens gar nicht driiber. © 51 © Was Unvorfchriftsmagigkeit betrifft, Ihn fchwer ein andrer ubertrifft. Was ein Neuftadter da leiften kann, Sieht zur Urlaubszeit faft jedermann. Hier bring’ ich fo ein Exemplar Von Gigerltum und Modenarr, Geht’s mit dem Gelde ihm audi notig, Er bleibfs dem Schneider einfadi kotig. Hundert Tage, ein groges Feft, Das man nicht ungefeiert lagt. Man ladet dazu die Lehrer ein Zu einem Souper bei Bier und Wein. © 52 •© Gehob’ner Stimmung hebt man die Lehrer, Den einen leidit, den andern fchwerer; Doch findet fich mancher Bofewidit, Der den Lehrer dabei in den Podex ftidit. Audi wird gehobelt, wer zu 100 kommt. Wenn ihm das auch nidit wohl bekommt, So bleibfs den andern nidit erfpart, Am Regimentstag jedes das Hobeln harrt. © 53 © Die letjten Tage, fie eilen fehr Mit Anprobieren und noch mehr Mit Kaufen, die man beforgt in der Stadt, Weil jeder da freien Ausgang hat. Vor dem Spiegel macht Fri^ Pofen, Mit Leutnantsrodt und Bridfcheghofen Und mit der Kappe Tfchaufaffon Ift er ein Mufterleutnant fchon. © 54 @ Die Ausmufterung ift endlidi da, Es kommen von vielen Papa und Mama, Die groge Feier mit anzufehn. Die Spaliere fchon den Plag umftehn. Wo fich die Leutnants alle zeigen In allen Auffchlag’n, es ift eigen - Man fieht ein groges Farbengewoge, Helme und Tfchakos, ein Anbli(k fiirs Oge. © 55 @ Die Feldmeffe bald darauf ertont, So maneher unausgefchlafen gahnt; Erft dann zum Schlug, beim grogen Schwur, Ift alles Begeifterung und Andacht nur. Die Fahne fenkt fich vorn heriiber, So manchem gehn die Augen iiber, Es gligern im Licht die Schwerter, die harten, Man haut fich hinein die erften Scharten. Dann folgt ein Begriigen der Eltern und Tanten Sowie der vielen Bekann- und Verwandten. Man wird geherzt und audi beftaunt; Alles ift jegt gut gelaunt. Noch gibt es nicht Kummer und nidit Sorgen, Man braucht von keinem Jud’n noch borgen, Man ift begeiftert und voller Hoffen, Die Welt, fie fteht dem Leutnant offen. Zum Schluffe folgt ein Liebesmahl In der grogen Reitfchur, gefdimiickt als Saab Bei Mufik und bei Champagnerfchmaus Taufcht man rafch noch Gedanken aus, Denn bald werd’n die beften Freunde getrennt, Das Schickfal kein Erbarmen kennt. Man umarmt und gibt fich den Abfchiedskug, Es folgt die Trennung, das eiferne Mug ® 56 •© Macht geltend fich: In die Peripherien Der Monarchie miiffen die Leutnants ziehn, In fremde Lander, mit fremden Sprachen — Traurig, aber man kann nichts madien. * * * So war’ erftieg’n die dritte Leiter, Ein wenig raften, das Schickfal treibt weiter. Schlug. Der Eid ift voriiber, die Feier ift aus, Fritj zieht als Leutnant froh nadi Haus; Grete hat die Tiir erklommen, Um aufzuhangen ein „Willkommen!“ Von Tannen- und Fichtenzweigen umgeben. Grete ift fchon und gefund wie’s Leben, Empfangt ihren Bruder mit einem Ku§ - Fur andre war’s ein gro§’rer Genu§. ® 58 @ Nun ift den Eltern um Fri^ nidit mehr bang; Und wartet als Leutnant er audi etwas lang, Er hat die gefidierte Stellung erreidit, Mit der Kriegsfdiul’ bringt zum Gen’ral er es leidit. Fritj ruft jet^t aus: „Was koftet die Welt? „Noch hab’ ich Ideale, fchon hab’ idr Geld!“ Und denkt nidit, da§ in fpafren Jahren Er fehr viel Bitteres mug erfahren. En de. NARODNA IN UNIVERZITETNA KNJIŽNICA