Wulfenia carinhhiaca ( Vi der narürl. Grösse.) Einziger Sfan dorr auf der Erde: Kuh weger Alpe nächst- Herrn a gor. Siehe den Aufsatz „Florishsches" von M. Freih.v. Jabornegg. Das Gailthal mit dem Gitsch- und Lessachthaie in Kärnten. Herausgegeben vom Comite der Gailthal bahn und redigiert von Hugo Moro. Mit 3 Karten und 40 Illustrationen. IIitihanor \.S\H. Selbstverlag des Comites der Gailthalbahn. 1 »ruck von a. Brackmann in München. Alle Rechte vorbehalten. 111624 Sclimidt-Zabierow-Uenkmal in Hermagor. Nach einer Photographie des Herni Oswald Muro in Hernian<>r. Sr. Excellenz, dem hochwohlgcborenen Herrn Franz Freiherrn von Schmidt-Zabierow, k. k. Laiidcspriistdcnt im Herzogtum«! Kärnten, Sr. k. h. k. Apostol. Majestät wirklicher geheimer Rat, Ritter des Ordens der Eisernen Krone II. Klasse, Ritter des gross-herzogl. badischen Ordens des Zähringer Löwen, Besitzer der Tiroler Landesverteidigungs-Medaille vom Jahre 1848 mit der Kriegsmedaille, Ehrenbürger der Stadt Villach, sowie der Gemeinden Hermagor, Kötsehaeh, Rattendorf, Ferlach U, S. W.| II. s. w. dem hochherzigen Gönner des Gailthales, ehrfurchtsvollst gewidmet. D er schrille Pfiff der Lokomotive, er gellt mm auch im schönen Thal der Oail! Ihr Wanderer7 Wir laden euch mit kärnt-nerischer Herzlichkeit zu froher Wanderfahrt in unser Thal! Und wahrlich! nicht soll's euch gereuen, wenn ihr, dan Laderuf folgend, zum Bergstock und zum Rucksack greift und in die Berge steigt in unserem Bereich! Dies Büchlein haben wir geschaffen, damit es euch ein guter, treuer Führer sei auf eurer Wanderschaft im Thal und auf den Höhen! - Es sagt euch Wunders viel das Büchlein, und sorglos dürfet ihr euch anvertrauen seiner Führung, Jis führt euch mitten unters Volk und zeigt euch dessen Sitte, 7rächt und Brauch, lehrt euch den Sprachgebrauch desselben kenneu, die Lebensführung, sein ganzes Fühlen, Sinnen und sein vielgestaltig Schaffen ! Es -zve i st euch all' die herrlichen Naturschönheiten in der Niederung sowohl, als von den Bcrgesgipfeln und den schroffen Zinnen unseres Hochgebirges ! Ihr pßücket mit uns in den Almen die Blume Wulfen s und manch' andere seit'ue Alpenbl'ümchen und schreitet in die Felsenschluchten, die der Wild back toll durchbraust, ihr steiget in den Bergesschacht, 7oo die Gnomen euch von aller Bergbau-herrlichheil berichten! Manch' wundersame Sage, manch' ergötzlich Alärleiu wird euch vom Berggeist zugeraunt und von der Waldfee! In graue Vorzeil werdet ihr zurückgeführt und ihr erfahret, wie das Thal entstanden, welch' wild Getier im Urwald einst gehaust und wie der A leuseh durch Alu F und Kampf und kulturelle Arbeit sich die heutigen Verhältnisse geschaffen hal. Zurückversetzet werdet ihr in jene Zeiten, da der Kelle und der Römer dieses Thal besiedelten, da der Türke sengend in dasselbe eingefallen, da die Lehre Luthers allda verkündet und gepredigt ward und da der Franzmann auf seinem Siegeszuge auch in unser Bergthal herrisch eingezogen ist. Den Bauer seht ihr wirtschaften und hausen in Haus und Hof, in Wald und Feld.' Verbauen seht ihr uns den wilden Bergbach und eindämmen den tückisch bösen Gailßuss! Bs führt das Büchlein euch zu jedem Weiler hin und in all' die Dorfschaflcn und i'decken, es Weiset euch den Weg zum Aussichtsberg, geleitet euch in altersgraue Kirchen und Kapellen, 700 ihr hochschätzen lernt die Baukunst und die Kunst des Malers und des Holzschnitzers der mittelalterlichen Zeit! Die Manner, die dies Büchlein seh reiben uns geholfen, sie haben Namen von wahrhaftig gutem Klang; mau hält sie a Heul h a Iben hoch in Ehren allüberall, wo mau der Wissenschaft nur immer huldigt; das Aä'ruluerlaud, das zählet sie gar stolz 100hl zu den besten seiner Söhne. Vertrauensvoll — i eh sag s nochmals — dürft ihr darum, vielliebc Gailthal-Wanderer, dem Büchlein folgen, das wir aussenden mit dem Rufe: Ins Gailthal kommt! Ihr seid allda herzinniglich willkommen! Die Wanderfahrt, sie soll eueh nie gereuen! Hermaf/or, im Juli 1894. Hugo Moro. Es drängt uns, unsern hochgeschätzten nachbenannten Mitarbeitern auch an dieser Stelle wärmsten Herzensdank für ihre völlig uneigennützige, überaus wertvolle Unterstützung, die sie unserem Unternehmen in der liebenswürdigsten ö Weise angedeihen Hessen, zum Ausdrucke zu bringen. Unseres andauernden, tiefgefühlten Dankes wollen sich versichert halten die Herren: Kaiserl. Rat Josef Leodegar Canaval, Sekretär der Handels- und Gewerbekammer in Klagenfurt; Dr. Richard Canaval, k. k Öberbergkommissär in Klagenfurt; Franz Franziszi, Dechant in Grafendorf; Hans Taurer Ritter von Gallenstein, k. k. Professor in Görz; Dr. Franz G. Hann, k. k. Professor in Klagenfurt, Karl Baron Hauser, k. k. Hofsekretär i. R. in Klagenfurt; Arthur Herbst, k. k. Oberingenieur in Wien; Markus Freiherr von Jabornegg, Landeskanzleidirektor in Klagen- — vin — fürt; Fr. K. Keller, Oberlehrer in Lavamünd; Thomas Koschat, Mitglied der k. k. Hofoper in Wien; Dr. A. B. Meyer, kgl, sächs. Hofrat in Dresden; Albert Menninger Ritter von Lerchenthal in Graz; kaiserl. Rat Cosmas Schütz, Ackerbau schuldirektor in Klagenfurt; Ferdinand Seeland, k. k. Oberbergrat in Klagenfurt; Franz Sllda, k. k. Forstrat und k. k. Landesforstinspektor in Klagenfurt; Hans Staunig, k. k. Professor in Villach-; Ferdinand Tragge, k. k. Major i. R. in Klagenfurt; Rudolf Waizer, k. k, Hauptsteuereinnehmer in Klagenfurt. . Herzlichster Dank sei auch dem Herrn k. u. k. Hofphotographen Alois Beer in Klagenfurt, der uns mehrere seiner vorzüglichen Bilder bereitwilligst überlassen hat und Herrn Oswald Moro in Her-magor für mehrere treffliche photographische Auf nahmen abgestattet. Zu innigem Danke fühlt sich der Redakteur den Herren Lehrern J. Weghofer und Th. Wernitzing in Hermagor verpflichtet, da ihm dieselben bei seiner Redaktionsarbeit in wahrhaft aufopfernder Weise ihre werkthätige Unterstützung angedeihen Hessen! Voll lobender Anerkennung sei schliesslich auch der Kunstdruckerei A. Bruckmann in München gedacht, welche die Drucklegung und Ausstattung des Büchleins mit grösster Sorgfalt und in äusserst dankenswerter Weise durchgeführt hat. Allen diesen Förderern des Unternehmens sagen innigsten Herzensdank Felix von Mottony, Hugo Moro, namens des Ikilalkk-Cöitk Redakteur. Der Gruass vom Dobratsch. Was B'sunders is g'scheg'n, Das is amol g'wiss; Denn es jauzt gar der Dobratsch, Der Gailthaler Ries'. Er ziagt sei griians G'wand an Mit die stanernen Knöpf Und grüasst af die Briiader Mit die eisgrauen Köpf. »Wer's schwarlich derleb'n! — Hab i allweil gedenkt — Däss das Schicksal dem Gailtbäl An Eisenbahn schenkt. — Hab's dechter deriebt noch! — Hiaz nehm' m'r uns z'sämm, Dass Dö zu uns kenian, A z'segn was harn. I selber derzähl' sen Die schreckliche G'schicht, Wia a tamischer Erdstoss Mei Rückgrat zerbricht. l'Lir'n Reisskofl — man i — Hatt' a mancher an Sinn, Denn a Fuass von ihm steht noch Im Alterthum drin. Das Gailthal. 1 i Und /.wisch'n die Wächter Aus der uralt'n Zeit, Da haust a kreimt's Völkl; Sein grundbrave Leut Und stolz af die Hamat. Ka Wunder war's nit; I )enn ma lind't da nur Schönes Af Schritt und af Tritt: Die seltsamsten Blüamlan, (Wer kenn! alle Nam'?) Die säftigst'n Wies'n, Die gsundesten Bara. — /an Scg'n, zan volln, Hat g'fahlt anzig bloss An eiserne Strassn Und a eisernes Ross. Der Wunsch scn'rer Herzen Is endlich erfüllt, Und a prächtiges Thalbild Wird der Grosswelt enthüllt. Drum tausend Yergeltsgott Für dö, denen 's g'hört; Denn hiazt erst J'uult's Gailthäl Sei G'Schatz und sein Werth. Ins Uaillluil! Welchem Wanderer, der zum erstenmale von der Zinne des 1) oh ratsch mit der Morgensonne auf die grünen Matten dieses Thaies geschaut oder, im Bahnzuge dasselbe durch-(liierend, seinen Blick von den hehren Felswänden jenes Berges zu den ins duftige Blau getauchten fernen Gipfeln im Westen schweifen Hess, wäre nicht der sehnlichste Wunsch gekommen, das liebliche Thal zu durchstreifen und bald in dessen freundlichen Wohnstätten, bald auf seinen stolzen Höhen zu rasten, um so ganz nach Müsse die Lieblichkeit und Schönheit dieses Erdenstriches in vollen Zügen zu genicssen. Nun hallt aus diesem Thale ein Freudenruf, der ein frohes Kcho findet im ganzen Lande und wohl auch weiter, da durch die Auen dem trotzigen Fluss entgegen das Dampf-ross pfaucht, denn damit ist wieder eines der lieblichsten Thäler unseres Alpenlandes dem rasch pulsierenden Verkehr erschlossen, und der Segen dieser That, welche das kräftige, zielbewusste Zusammenwirken ermöglichte, wird nicht ausbleiben. Wahrlich ein herrliches Stück Bergesland ist es, welches der nun gebändigte, einst so ungeberdige Gail fluss durchrauscht. Ihn begleiten zwei Züge der Kalkalpcn, welche wetteifern in Abwechslung von milder und wilder Schönheit: zur Linken die Gailthalcr Alpen, welche ihn von seinem Nachbarn, dem Drauflusse, trennen, zur Rechten dei mächtige Zug der k aru i sehen Alpen. Frstere bergkette tritt dem Flusse zuerst mit dem kühnen Hau der Kreuz-kofclgruppc zur Seite mit zum Teil schier unersteigHchen Zinnen und lohnenden Joehpfaden dazwischen. Dann folgt nach der breiten Einsattlung, an welcher die Poststrasse ins Drau t hal führt, der gedehnte Kamm der Jauken mit seinen Alpentriften, und jäh richtet sich der stolze Reisskofel auf und schaut mit seinen kahlen Wanden ernst ins Thal, breitet Alpenmatten aus und giebt einem lieblichen Querthale, dem G it sc h t hale, Kaum, das uns auf guter Strasse zum herrlichen Weissen see und ins Drau t hal leitet. Hierauf türmen sich wieder aus ernstem Walde l'Vls schroffen bis zu den Alpentriften. Fin Joch führt auf guter Hergstrasse nach Paternion im Drauthale, und dann trennt die tiefe Spalte, aus welcher der Nötschbach rauscht, den Kigi Kärntens ab, eine hehre Wartburg am Eingänge ins Gai 1-thal. — Von den karnischen Alpen schauen über ihre wildbachdurchrauschten und saftig grünen Triften die edel-weissbekränzten Fläupter des Monte Par alba und seiner Nachbarn, dann die Kellerwand, der Kollinkofel, der Pol i ni k, und über dem Teppich von Alpenrosen und Wulfenien der Trog- und Gartnerkofel ins Thal. Stehen wir unten, der mächtigen Felsmauer des Dobratsch gegenüber, so umgiebt uns fast ein Kranz von ins Grüne gebetteten freundliehen Ortschaften. Da ist uns zur Linken, an den Wald geschmiegt, das aufblühende Arnoldstein, selbst von Dörfern umringt das stattlicht Feistritz; drüben liegt Saak mit dem Schlosse Wasserleon bürg, und halb verborgen von Wald und Auen Nid sc. Ii und das liebliche Emmcrsdorf. — Ein dorfbesäeter Hügel liegt vor uns, auf dem St. Paul, St. Stefan, Gör tschach uns so freundlich staunend, wie die sehmucken Gailthalerinnen selbst, entgegenschauen, Da ist mitten im Grün des Thalbodens Vorderberg, und ihm zur Seite rauscht es aus kühler Hergesschlucht; darüber hinauf aber wandert sich's gut auf schattigen Pfaden zu den herrlichsten Alpenmatten. — Noch ein Hügel mit Wald und Fluren und Dörfern, mit einem stillen See zu den Füssen, und Hermagor enthüllt sich den Blicken. Der stattliche, fortschrittlich gesinnte Markt ist fürwahr ein köstliches Rastplätzchen und selbst für einen von Jupiter pluvius diktierten Arrest ganz angenehm« Am Eingänge in das liebliche Gitschtlial gelegen, in welchem uns auf der Wanderung zum herrlichen Weissetisee die schmucken Dörfer St. Lorenzen, Jadersdorf und Weissbriach bewillkommnen, schaut Hermagor zur stolzen Warte des Spitze gel und südwärts zu den /innen des G a r t n e r k o f e 1 s, und dort jenseits der Gail haben wir die Wahl zwischen der wilden G a r n i t z e n k 1 a m m und den Pfaden zur K ti h weger- und Egger al p C. — Voni Markte führt eine wohlgepflegte Strasse durchs obere Gail-thal. An ihr durchwandern und erschauen wir eine stattliche Reihe von freundlichen Dorfern, welche im steten Wechsel von hüben und drüben teils an den waldigen Bergeshang geschmiegt, teils ins Wiesengrün und in Fluren gebettet liegen, oder an kühlen, wildbachdurchrauschten Gräben. Das Silberband der Gail spielt Versteckens zwischen Auen und Wiesen und lässt uns wohl nicht ahnen, dass es auch verderbliche fluten bringen kann. Über die waldigen I lohen schauen die Zacken des Reisskofels und die Alpenmatten zu uns ins Thal. — Kötschach ist wieder ein Plätzchen kostlicher Rast. Ks gönnt dem Wandeier die lieblichste Rückschau und den verlockenden Anblick der nahen stolzen Schroffen an der Seite des I' 1 d k c n p a s s e s. Gerne wird er hier ruhen — dafür sorgt schon der Imbiss und die frohe Gesellschaft —, mag er dann vorhaben, über die wohlgepflegte Strasse des Gailberges nach Norden, oder zum anmutigen Gegenüber, dem stattlichen Markte Mauthen und dort weiter auf buehenbeschattetem Wege zum l'löken passe, oder dem Laufe der Gail folgend ins liebliche LeSSachtha! ZU pilgern. Von hier ab gleicht das Thal der Gail fast einem Hocbthale, denn ganz enge treten die Vorberge der beiden Ketten, der 11 o c h k r e u z g r u p p e und der k ä r n t i s c h - f r i a u I i s c h en (i r e n zal p e n mit ihren bewaldeten Auslaufein zusammen. Tief unten, zum Teil in kühler Felsschlucht, braust der Fluss, auch für den Namen des Thaies verschwunden: es heisst nur das Kessachthal. Mit dem Genüsse einer solchen HochthalWanderung, die uns im reichen Wechsel von lieblichen Matten und ernsten Schluchten immer weiter lockt, überwinden wir leicht die »72 Gräben« der Bergstrasse, besonders, da uns über den Wald her die stolzen Zinnen grüssen und am Wege die schmucken Dörfer zu erquickender Rast einladen, und pilgern gestärkt, bis wir überrascht vor unserem Ziele stehen, dem schönen Kloster LutjCjail, von wo aus, wie von so manchem Plätzchen, das wir geschaut, mit Lust nach rechts und links sich's wandern lässt. Das Thal der Gail, wer es kennen gelernt, der hat es liebgewonnen! Berg, Wies' und Wald bilden seinen Sehatz, und der Segen der Arbeit und der Sparsamkeit beut sich allenthalben uns dar. Wo nur die Fluten der Gail ein Ackerland schonen, baut der fleissigc Landmann, und weit an die Höhen hinan reicht das Getreide. Obst gedeiht am sonnigen Thalgelände. Aber der eigentliche Stolz und Reichtum des Gailthaler steht in den reinlichen Stallen. Die Weiden der Alpenmatten und der Thalgelände züchten einen wohlgeschätzten, kräftigen Rinderschlag, und die weitgedehnten Wiesen im Thalboden, welche zu Zeiten der Hochfluten der Gail unter Wasser stehen, sind der gepflegten Pferdezucht günstig. — Dass auch in den Felsen der berge hier Schätze liegen, welche zu heben der Thatkraft und der Gunst der Zukunft vorbehalten ist, könnten uns aus der Vergangenheit die alten Bergbaue an der Jauken — (Ortsnamen weisen sogar auf Edelmetall — und aus der Gegenwart die Cementindustrie bei Feistritz lehren. Etwas treffen wir in dem schönen Thale, was in unserer nivellierenden Zeit schon selten zu werden beginnt; volkstümliche Gebräuche und 'brachten. Hierin ist das Lessachthal ein Stück Tirol, Kärntens Pusterthal; selbst die Bauart der Häuser ist dieselbe wie im Machbarthale, und eigen mutet uns an der Unterschied gegen das »Unterland des Thaies. Die schmucke »Gailthalertrachte und eigene, ebenso interessante als hübsche Gebräuche aus der vorchristlichen Zeit finden wir im Untergailthale, namentlich im Bereiche der grösseren Dörfer, von Koro lach bis Feistritz. Hoffen wir, dass diese poesievollen Sonderheilen auch im rascheren Strome der Zeit sich erhalten. Kunst-und Geschichtsforscher wie Naturhistoriker werden in diesem Thale vieles von speziellem Interesse linden. Wir erinnern an die Kirchen von Kötschach und Kaas, an den schon vor der Römerherrschaft benützten und von Caesar zur Heerstrasse umgewandelten Plökenpass, an den uralten Bergort G u r i n a. Den Geologen führen die interessanten Karbonbildungen, den Botaniker die berühmte Wulfen i a und andere Schätze in die hämischen Alpen. — Lieblich und grossartig bleibt die Natur um alle, die den Weg suchen in unser Thal. — Willkommen, liebe Wanderer! Eine frohe, segens- und fortschrittsreiche Zukunft sehen wir voraus für das liebliche Gailthal. Darum stimmen wir ein in freudiges: „Glück auf!" Hans Tawet R, t. Gallenstein. Das Gailthal, jene Längenfurche, welche tlie sogenannten Gail« thaleralpen von den westkarnischen Alpen trennt, beginnt westlich von Kartitsch in der Innerst (Tirol) in ea. 1500 m Meereshöhe und endet mit dem Durchbruche zum Villacher Draubecken (ea. 500 m). Wie die Nainr drei deutliche Stillen der Thalbildung mit verschiedenem Gefälle geschaffen hat, so unterscheidet das Volk auch »las Untergailthal (von Föderaun bis Hermagor) vom Obergailthal (von Hermagor bis Wetzmann bei Mauthen) und dem Lessachthal (Welzmann bis Luggau, beziehungsweise bis in die Innerst). Auf der linken Seite fällt die Kinne des Gösseringbaches als Gitschthal bei Hermagor ein, Zu- und Abgangstouren. 1. Von Villach und Tarvis aus mittelst Staatsbahn bis Arnold stein, woselbst die Gailfhalbahn die Reisenden zur Thalfahrt bis Hermagor aufnimmt. Wer Fusswanderung oder Wagenfahrt vorzieht, der benutze die sowohl von Thörl als auch von Arnoldstein ausgehende Gailthaler Reichsstrasse, welche dank der Bemühungen des um das Thal hochverdienten dermaligen Bezirkshauptmannes von Hermagor, Hans Schuster, mit < Obstbäumen bepflanzt wird. Als eine sehr empfehlenswerte Fuss- oder Wagenpartie ins Gailthal von Villach aus muss der Weg Uber den neu geschaffenen Luft- und Höhenkurort Mittewald und über die interessanten Bergorte Bleiberg und Kreulh erwähnt werden (Einmündung ins Gailthal bei Notsch 6 Std.*). 2. Aus dem Drauthale führen folgende Wege ins Gailthal: Von der Station Paternion-Feistritz der Südbahn über die Windische Höhe (1094 111) nach St. Stefan 5 Std"*). Von der Südbahnstation Greifenburg über den Kreuzberg (1096 m) nach Weissbriach im tblsehlhale 2'/a Std.*). Von der Südbahnstaiion Oberdrauburg über den Gailberg (970 m) nach Kötschach 21/.j Std.*). *) Die Zeitangaben beziehen sieh auf Fusswanderung. 3. Aus dem Kanalthale (nur für Fussgänger): Von Seifnitz durch den Bartholograben (1200 »1) nach Feistritz 4 Std. Von Malborghet durch den Malborghetcigrabcii über die Eggeralpe (1410 m) nach Hermagor 7 Std. Von I'o n t afel durch den Bombaschgrahcu über Nassfeld 1500111, l'nterkunftshaus) nach Tröpolach 6 Std. 4. Aus Italien: Von Paluzza an der deutseben Sprachinsel Tischelwang (Timau) vorbei über Monte Croce (Plökenpass 1360 m) nach M a u t h e n ö'/j Std. 5. Aus Tirol .* Von der Südbahnstation Si Iii an über Kartitsch, 1 Iber und Untertilliach nach Luggau 8 Std. Gebirge. Die Gebirge, welche das Flussgebiet der Gail beherrschen, gehören insgesamt dem Hereiche der südlichen Kalkalpen an. I >as langgestreckte, durchwegs geradlinige von West nach < >st streichende Thal wird von zwei reichgegliederten, in ihren Formen und Gestalten sehr verschiedenartig auftretenden Parallelketten begleitet, welche der O.ruppe der karnischen Alpen angehören. Der südliche Zug, die hämische Zentralkeite, beginnt in Tirol an der Mündung des Sextenbaches tn die Drau und bildet mit dem Hoch weisstein (Motite Paralba 2518 m), die Dreiländergrenze um hauen, Tirol und Kärnten. Vom Hochweisstein an bis zum Plökenpässe weist er last ausnahmslos den Charakter des Hochgebirges auf. Zerklüftete Felswände, Zacken und Zinnen, Spitzen und Horner schauen ins Thal und geben der Gegend ein pittoreskes Aussehen. Zahlreiche, mitunter bedeutend hohe Gipfel ragen empor. Ks sind dies die Steinwand (2514 111), bei Liesing, die Kellerspitze (2799 m) und der Kollinkol cl (2810 m), bei Mauthen und der Cellon (2238 m), am Plökenpässe. Nur mehr der östliche vom Plökenpässe (1360 111) stehende Pol inik und der Kosskofel zeigen in ihrem Nordabhange die bizarren Formen des Hochgebirges, und bis an den Gipfel bewaldete, oder von lu-i'i bellen Alpeiitril'len bedeckte, meist flache Kuppen bilden die l'orl-setzung der karnischen Zenlralkelte, bis sie mit der (löriacher Alpe sanft in das Kanali lud abfällt. Mehrere aussichtsreiche Gipfel /uren sie: Zöllner (1936 m) bei Dellach, Hochwipfel (2189 m) bei Kirchbach, Kosskofel (2234 mj bei Rattendorf, Poludnig (2002 in) bei Fgg, Star hau d (1974 m) und Ostern i k (2035 m) bei Vorderberg, Achomitzer Berg (Schönwipfel), 1816 111) bei Achomitz, Einige Herge sind der Kette vorgelagert; es sind dies der Mittagskofel (2247 m) bei Liesing, die Plenge (2378 m) bei St. Jakob, der Polinik(2333 111^ bei Mauthen, die N ö 1 b 1 i n g e r 11 öh e (1764 m) bei Grafendorf und der Gartnerkofel (2198 m) bei Rattendorf. Dien ö r d 1 i c h e Parallelkette, schlecht hin GailthalerAlpen geheissen, beginnt ebenfalls in Tirol und zwar bei der Mündung des tiailbaches in die Drau (nahe bei Sillian). Bis zum Gailberg reieln die Gruppe des Hochkreuz. Sie ist reich an vielgestaltigen, grotesken und mitunter wirklich grauenhaft aussehenden Bergformen [deshalb häulig t'nholde >■ genannt). Wir nennen: den Eggenkofel 2587111, K ü Ii b o d e n (2740 in , Hocfakreu / 2690m), Eisenschuss (2612 m), W i 1 d e ns e n der (2732 in), Hochstadl (2678 m), Rosengarten (2200 in), Lumkofel (2283 in) und den S c h a t z. I) ii h e 1 (2095 m). An die Oruppe des Hochkreuz schliesst sich gegen < >sten jene des Keisskofel an. Heide trennt der G a i 1 b e r g s a t te 1 (970 m). Mil Ausnahme des Reisskofel selbsl bedecken ihre nach Süden zu sanften Abhänge üppiger Wald und saftige Alpwiesen, her fukbtlhel 1111 bei Kötsehach, die erzreiche Jauken mit dem Thorkol el (2.S<)[ 111) und der Drei sc h Ii ci il zwischen St. Daniel und Dellaeh und der Reisskofel (2369 im zwischen Gundersheim und Reisach bilden ihre Erhebungen. Den Keisskofel Irennl von der Jauken die Ochsenschlucht,' ein wenig benutzter Bergtibergang, Mine Römerstrasse soll hier einst die Verbindung der (I uri 11 a mil dem Drautlialc bewerkstelligt haben. Am Keisskofel trennen sieh die (iailthalcr Alpen in drei De birgsziige. .Nach Südosten ins < iailthal hinein zieht der wenig hohe, dafür aber breite Kücken der Hohe 11 w a r t (1650 111) mit dein Duggen-berge (1033 111). Immer mehr Macht sich dieser Zug ab, bis er bei Hermagor beim (lasser Du hei nur mehr wenige Meter über die Thalsohle emporragt, Seine Fortsetzung findet er im Eggforste, einem niedrigen, ganz mit Wald bedecktein llügelzuge. bei I.alschach, zwei Stunden unterhalb Hermagor endigl er. Der nach Nordwesten streichende Zug gehört dem Draulhale an und wird deshalb in dieser engbegrenzten Skizze nicht besprochen« Der mittlere Zug behält die streng östliche Richtung der Reiss kofelkette bei und bildet somit deren Fortsetzung. Demselben gehören an: bei Hermagor der Gol z . 200s m), Egelnock (Spitzegel) (21*1 m) und beim I'ressekersee che Oradlitz.cn (2046 m). Von der Gradlitzen angefangen ist der Kette ein Plateau vorgelagert, das erst oberhalb Eminersdorf sanft ins Thal abfällt. Anschliessend an die Gradlitzen bildet die »W indische Höhe einen beliebten L'ebergangspunkt von St. Stefan ins Drauthal. I'ass-höhe K>()4 m . Bei Enuiiersdorf steht der Kowesnock (1825 111). Von ihm durch den B1 e i b e r g-N ö t s ch gr a be n getrennt, erhebt sich die \ illaeher Alpe (Dobraisch 2167 in) in ihre!' majestätischen Grösse, Sie bildet den Abschluss der Gailthaler Alpen. Dem Gailthale zeigt sie nur ihre kahlen, schroffen Wände [vom grossem Absturz des Jahres 1348 herrührend I, während die massig steilen Stufen, die ins Drauthal abfallen, durchwegs bewachsen sind. Gewässer, Die < i a i 1 entspringt am Tilliacher Felde in Tirol, betritt oberhalb der Ortschaft Luggau kärntisches Gebiet, durchmesst das enge l.esachthal, das obere und untere Gailthal Iiis Pederaun und mündet nach mehr als 125 km langem, stets östlichem Kaufe bei Maria < iail in die 1 Iran. In ihrem oberen Teile wird sie mit den Seitenbächen vielfach ausgenützt zum Betriebe von Mühlen und Sägen; flössbar jedoch ist sie erst im mittleren und unteren Laufe und selbst da sind das unrfegel-massige tiefälle, die stellenweise sehr bedeutenden Geschiebsmassen und mehr oder weniger wohl auch der zuweilen etwas zu niedere Wasserstand einer regelmässigen blosse«! nicht selten hinderlich. I >er Charakter der 6&il und ihres Thaies zeigt in mehrfacher Weise eine bemerkenswerte Abwechslung. Das I.esachthal, einein langen Graben mit steilen Oehängen gleichend, hat in seiner Thalsohle kaum Raum für den FluSS, der hier unter starkem Gefälle in wildem Laufe dahinrausehl. l'nlerhalli von Wetzuiann erweitert sich der Thalboden plötzlich und beträchtlich und auch das Gefälle ist ein sichtlich geringeres. Bei Hermagor erhebt sich mitten im Thale eine lange, reichbewaldete Hügelkette, der ärarische Kggforst, und trennt die hierdurch bedeutend verengte Thalsohle von dem Hecken des I'ressekersees. Von hier aus hat der Fluss infolge der durch den Absturz des Dobratsch entstandenen Aufdämmung des unteren Thaies bei kaum merklichem Gefälle einen -.ehr trägen Lauf und ausgedehnte stark versumpfte Wiesen begleiten denselben. Krst oberhalb der (iaililzinündung wird das Gefälle wieder ein stärkeres und der Ablluss ein rascherer. Die zahlreichen Wildbäche, welche die Gail vom Südabhange der Gailthaler Alpen und dem Nordabhange der karnischen Zentralkette aufnimmt, führen grosse Massen von Schotter mit und ungemein schwierig ist es, der fortschreitenden Verschönerung des Thalbodens Herr zu werden. ( b-genw ärlig ist der gross le Teil des (iailbecles reguliert und die in vielen Seitengräben bereits hergestellten Thalsperren, sowie die geplante' Verbauimg der Wildbäche dürften im Vereine mit einer sorgsamen Waldkultur das Thal vor einer weiteren Verheerung schützen. Die bedeutendsten Seitenbäche der Gail sind: am rechten Ufer der Seebach, welcher mit dem von der Nordseite herabkommenden Karls- oder W eissbach die Grenze gegen Tirol bildet, lerner der Wolaya-, Valentin-, Kron hol-, Nölbling- Dob er-, <>se-litzen-, Darnitzen-, V o r d e r b e r ge r-, und A c h o m i t z b a c h , endlich die Oailitz und der V a a k e r s e e b a c h , am linken Ufer ausser dem genannten Karlsbach bei Luggau noch der Tiefen-, Kötsehach- und Kirchbach, weiters die (! rö sseri n g, der Presse kerse e- und der Nötschbach. Die Gössering entspringt am Nordabhang des zur Keisskofel gruppe gehörigen Sattelnock, durchmesst den (iösseringgraben, betritt bei Weissbriaeh das breitere ( lilschlhal und mündet nach 14 km langem Laufe südlieh von Hermagor in die Gail. Die sehr regsame Hevölkerung des Thaies ist eifrigst bestrebt, ihre Wasserkraft auf das beste auszunützen ; gegenwärtig werden durch die Dössering zahlreiche Mühlen, mehrere Sägen und I lolzschleifereien und eine Papierfabrik in Betrieb gesetzt. Die meisten Seitenbäche der Gail sind — wie schon erwähnt gefährliche Wildbäche und (Hessen in gleichnamigen Gräben mit starkem Gefälle unter tosendem Geräusch in das Thal; manche davon stürzen, prächtige Wasserfälle bildend, schäumend in die 'fiele oder haben sieh im Laufe der /.eil tief in die Kalkfelsen Schluchten eingegraben, die den Beschauer in Bewunderung versetzen. Der Kron hofer, der Nölblinger- und der Strani n ger Wasserfall sind gewiss sehenswert und die Valentinklamm bei Mauthen, die Garnitzen-, Weis senb ach- und Zuchen klamm nächst Hennagor liictcn Bilder, die an Grossartigkeit, Erhabenheil und Eigenartigkeit ihresgleichen suchen. Auch ,in Seen ist das Gebiet reich. Sie liegen zumeist in he trächtlicher Höhe und weisen nur geringe Ausdehnung auf. Mit ihrer grossarligen Umgehung sind sie jedoch höchst sehenswerte Zierden unserer Alpen. Zu nennen sind : 1. Der Wolayasee (1997 m), liegt inmitten einer grossarligen Gebirgslandschaft am Südfusse der Kalkwände des Monte Uoglians und des Seekopfs. Der nur (|kni grosse See dürfte durch glaci.de Rotation entstanden sein. 2. Der Zollnersee (1700 111), südlich von Dellach. 3. Die drei kleinen Boden Seen, 1461 m, auf dem Wege /um Nassfeld, unterhalb der steil ansteigenden Rcppwand. 4. Der nunmehr der Versumpfung entgegengehende Kggeralm-s e e i 1400 m). 5. Der Pressekersee am Nordabhang des hol/reichen Eggförstes, in der Thalsohle gelegen. 6. Der ebenfalls im Gebiete der Gailthaler Alpen gelegene Weissens e e (927 m). 7. I >er Farchtner see (987 m) im Tschemiheimerthale. Die geologischen Verhältnisse sten allmählich senkt. Es ist anstehendes Gestein, das hier zu Tage tritt und einen alten Thalboden repräsentiert, der parallel einer mächtigen Bruchlinie ausgetieft wurde, die von Abfaltersbach bei Sillian Uber Mötsch nach Osten streicht und welcher auch der südliche Abstur/ des Dobratsch angehört. Dieser Gailbruch fällt mit einer Erdbebenlinie zusammen, längs weh her noch in historischer Zeit Verschiebungen des Gebirges erfolgten, die am verheerendsten in dem grossen Bergsturz der Villacher Alpe (Dobratsch) am 25. Januar 1348 zum Ausdruck kamen. Nacli der Bildung des alten Thalbodens mag infolge jüngerer Querbrüche das obere Stromgebiet der Drau nicht *) Fritz Frech. Die karnischen Alpen. Halle, Niemeyer 1894. durch i las heutige Bett, sondern über den Gailberg und durch das Gailthal entwässert und ersterer dadurch neuerlich vertieft worden sein. bereits vor Eintritt der Kiszeit, während welcher über allen niedrigen Passübergängen von dem Drauthal aus Eisströme ins Gailthal sich erstreckten, war das heutige A1 )llusssystein bereits fertig gebildet, aber auch die Eismassen Und ihre Schmelzwässer wirkten umgestaltend auf das Thal und seine Gehänge. Mächtige Blöcke, aus Gesteinen der Centraialpen bestehend, wurden durch sie transportiert, Moränen abgelagert, Becken ausgehöhlt und die Bildung von Terrassenschottern veranlasst. Inmitten einer grossartigen I lochgebirgslandschafl liegt der Wolayasee. Er verdankt seine Entstehung glacialen Eismassen, die infolge des Xusammenfliessons von Verschiedenen Seiten in eine drehende Bewegung gerieten und eine schon vorhanden gewesene Vertiefung weiter aushöhlten. Schuttablagerungen der Eiszeit bilden zum Teile das Mittelgebirge des GaiIthales. Die schottet-- und nagelfiuh-artigen Gebilde, Sande und Thone von St. Stefan und Feistritz an der Gail zählen hierher. Mit diesen Ablagerungen verbunden treten an beiden Orten Torfkohlen-flötze auf, welche eine Mächtigkeit von 0,5 m bis r m besitzen und die nebst den zur Ziegelfabrikation ausgezeichnet geeigneten Thonen zur Gründung einer Thonwarenfabrik in Feistritz Veranlassung gaben. Seit dem Rückzüge der alten Gletscher wirkt unaufhaltsam die Erosion; die tiefen Canons des bnterlaufcs der Seitenbäche des Gailthales, so der bei st ritz und des windischen Grabens bei Nötsch, dann die Schuttkegel am Ausgange derselben sind das Resultat ihrer Thätigkeit. Auch der grösste See des Thaies, der Pressekersee, ist durch einen solchen Schuttkegcl ins Leben gerufen worden, gehört also seiner Bildungszeit nach der jüngsten geologischen Vergangenheit an. Einst lloss der Gösseringbach in dem breiten, nördlich der Egg er Hochfläche gelegenen Thale in östlicher Richtung zur Gail ab, bis ihm die Schuttmassen des geschiebereichen K e Ubach es den Weg verlegten und zum Ausweichen nach Süden zwangen. In dem durch die Absperrung gebildeten toten Arme der Gössering aber blieb ein flacher See zurück, in dessen Zuschüttung sich nun die Torfbitdung, sowie zwei von Norden her einmündende Giessbäche teilen. Werfen wir nach dieser Betrachtung der jüngsten Ablagerungen einen Blick auf entlegenere Zeiträume. Am nördlichen Gehänge des Thaies lagern Thon-schiefer und Thonglimmerschiefer, welche an manchen Orten, so bei Dellach an der Gail gneissige Gesteine beherbergen. Ks sind dies die Reste der ältesten geologischen Biklungen, welche in Kambrische Zeit zurückreichen mögen. Das ganze westliche Gehänge des Gitsehthales besteht aus solchen Gesteinen, mit welchen untergeordnet grüne chloritischc und Hornblendcschiefer verbunden sind. Im 16. Jahrhunderte standen hier baue auf dem König der Metalle, das Gold, im Umtriebe, und die zahlreichen verbrochenen Stollen und Haidenhäufen zu Wulzen trat t en, Langenwiesen und in der Räderzeche im Schwarzen bach-Graben sprechen für den erheblichen Umfang dieser alten bergmännischen Thätigkeit. Noch in diesem Jahrhunderte ist ein Versuch auf den Goldquarzgängen der Räderzeche, deren Erze einen Halt von 11,6 Gramm Gold pro Tonne (1000 kg) besassen, unternommen, jedoch mangels grösseren Betriebskapitales wieder aufgegeben worden. Zu Siegelsberg, im Del lachergraben und auf dem Leiflinger Berge gingen noch in den fünfziger Jahren Baue auf Eisenerze um, die zu Laas bei Kötsehach verschmolzen wurden. Man gewann Späthe, welche sporadisch von Kupferkies begleitet auf unregelmässigen Quarzgängen im Gneiss und den mit diesem verbundenen Schiefern einbrachen. Line reiche Entwicklung fand in den karnischen Alpen das Silur. Die älteren Glieder desselben umfassen dunkle Thonschiefer, halbkrystallinische Kalke, Klascr-und Bänder kalke, mit welchen an der Steinwand, Räuden- und Tiefenspitz grüne, quarzitische und schiefer ige Gesteine verbunden sind, die jüngeren bunte Kalke, Konglomerate, Thon- und Kieselschiefer. Versteinerte Muscheln und krebsartige Tiere (Trilobiten), cylindrische, in Kammern abgeteilte Orthoceras-Schalen erfüllen oft in Menge die Kalklager des jüngeren Silurs, und im oberen Valentin- thäle bricht ein roter Marmor, der vollständig aus solchen Schalen zusammengesetzt ist. Mächtige Korallenriffe bauten sich im Devon auf, deren graue Riffkalke die Fels/innen der l'aralba, des Kollinkofels und der Kellerwand bilden. Vom Plöcken-Wirtshause führt ein Weg am Fusse der Kellerwand hinauf zum W o 1 ay a - T h ö r 1. Da liegen Kal k blocke mit Korallen und Resten der übrigen das Riff bevölkernden Tierwelt: Muscheln, Seelilien und Krebsen; und in dem wildgezackten (bate zwischen Kollinkofel und Kollerwand befinden sich noch andere Fundpunkte solcher Versteinerungen. Zu Ende der Devonzeit nahm die Meerestiefc zu und setzte der weiteren Entwicklung von Riffkorallen eine Grenze; es wanderte eine Tierwelt ein, die in Bezug auf den allgemeinen Charakter dem obersilurischen Orthocerenkalk ähnelt. Die Kohlenformation wird in den Gailthaler Alpen durch Quarzkonglomerate und kalkige Schieferthone vertreten, welchen die reiche Fundstelle mariner Petrc-fakten nächst Ober höher im windischen Graben angehört, im Gebiete der karnischen Alpen durch Thonschiefer, Sandsteine, Quarz konglomerate und Fiis s u 1 i nen kal ke. Dioritische Eruptivgesteine (Diabase) sind aus dem windischen Graben, Mandelsteine, Bor phy rite, schiefer ige Diabase, Schals t ein-konglomerate und Tuffe aus dem Eruptivgebiete des M o n t e D i m o n bekannt. Die Ablagerungen der Steinkohlenformation bilden einen fruchtbaren, von grünen Alpen und Wäldern bedeckten Boden, der von den grossartigen, aber kahlen und öden Devon- und Triasgebieten wohlthuend absticht, den selben scheinen jedoch bauwürdige Kohlenflötze zu fehlen, deren häufiges Auftreten in anderen Gebieten zur Formationsbezeichnung Veranlassung gab. Sind auch die in dieser Richtung unternommenen bergmännischen Versuche nur sehr geringfügig gewesen, so kann doch gesagt werden, dass grössere Kohlen au sbisse, deren Auffindung in anderen Fändern umfängliche Bergbauunternehmungen ins Leben rief, bisher nicht bekannt wurden. Die alten Schurfpunkte auf der Kron- und O fner-Alpe, dann bei Tröppelach, woselbst Anthracitflötzchen verfolgt wurden, sind indes In dem triasischen Gebirge nördlich der Gail formiert der B1 e i b e r g e r- (R a i b 1 e r-) Schiefer einen gut charakterisierten Horizont. Ks gehören hierher dunkle bituminöse mit Mergelkalken und Cement-mergeln verbundene Sc hie feit Ii one, welche den lichten massig entwickelten »erzführenden Kalk« (Wetter st ein-Kalk) überlagern und die von du nkl e n meist gut geschichteten Kalken und Dolomiten des Rath (»bituminöser Kalk« in Bleiberg) bedeckt werden. Auf der Höhe des D obratsch liegen Wettersteinkalke, auf den Bergen westlich davon vorwiegend Gesteine des Rath, zu welchem auch die dunklen, mergeligen, gefalteten und verquetschten Plattenkalke zählen, die am Gailbergsattel durch ihre bizaren Windungen die Aufmerksamkeit des Wanderers erregen. In dem erzführenden Kalke setzen die seit Alters berühmten Bleierzlagerstätten von Bleiberg-Kreuth auf, welche schon in der »ersten Eisenzeit* das Material zu den Bleifiguren des Frögger Gräberfeldes geliefert haben dürften. Die von prächtig krystallisicrten Mineralen begleiteten Erze: vorwiegend Bleiglanz, untergeordnet Zinkblende, erfüllen schlauchförmige Hohlräume, welche an den Scharungen von Klüften mit gewissen, der Erzführung günstigen Kalksteinlagen zu Stande kamen, und die sich oft gangförmig nach der Kluft oder lagerartig nach den Schichtungsfugen verbreitern. In der westlichen Fortsetzung des Bleiberg-Kreuther-R e vieres liegen die Bergbaue auf der wi nd i s c he n Höhe, M at sc hi e die r-A lp e, Tscheckelnock und Mitterberg, sowie zahlreiche alte, jetzt zum Teile schon verfallene Gruben auf der Köstendorfer-, Forörolacher-Alpe und zu T s c h e r n i h e i m. Dem zum Teile kalkig entwickelten Hauptdolomit des Rath gehören die alten Blei- und Zinkbergbaue von Kühnburg, Brennach und Radnig bei Hermagor an, ferner jene in der Gösse ring und nächst Weiss-briach, sowie die des Jaukenberges. Auf die hochhältigen Galmeie der jauken, welche schon die Bewohner des alten G ur i n a zur Darstellung von Kupferlegierungen benützten, war die später wieder eingegangene Z i n k h ü 11 e zu De 11 a ch an der Drau gegründet. I )urch ihren erheblichen Gehalt an Bitumen ausgezeichnet sind die räthischen Dolomite und Kalkmcrgel des Zäuchen-grabens bei Förolach und der Badstuben östlich der windischen Höhe, woselbst auch reiner Bituminit bis 30 cm mächtig auftritt. Aus der Mitte und dem Ende des mesozoischen Zeitalters sind keine Ablagerungen im Gailthale bekannt geworden; aus den Erscheinungen, welche der übrige Teil der Ostalpen bietet, lässt sich jedoch der Schluss ziehen, dass schon in der Mitte oder am Ende der Kreidezeit neuerliche Kaltimgsvorgänge begannen, die in der zweiten Hälfte des Tertiär zur Aufrichtung der heutigen Gebirge führten. Die jüngeren Veränderungen bestanden wesentlich in der Herausbildung zahlreicher Längsbrüche, welche das Gebirge in eine Anzahl paralleler Streifen zerlegten und die durch Querverwerfungen unterbrochen werden. .Als Resultat aller gebirgsbildender Bewegungen aber erfolgte eine, zum Teile geradezu abenteuerlich zu nennende Unregelmässigkeit im Gebirgsbau, welche wieder die Entstehung jener kühn geformten G i p f e 1 mitbedingte, die wir heute mit Recht als die schönste Zierde des Thaies bezeichnen. Das klima von 5 — i]1 Würm lach 83°/0, in .SV. Jakob 8i°/ö, 11. s. w. wie folgende Tabelle zeigt. Relative Feuchtigkeit, Seehöhe Ort Winter '/. Frühling °/ '0 Sommer % Herbst Jahr _/o_ 608 m Tröpolach . 89 74 76 94 81 711 m Wttrmlach . 85 74 75 83 79 948 IM St. Jakob . «7 7' 7' 81 75 IHc Niederschläge sind in der Thalsohle excessiv gross, wie in folgender Tabelle Tröpolach und Würmlach beweisen, vorwiegend im Herbste; dagegen giebt es auf den Höhen nur massige Niederschläge, besonders im Sommer und Herbste, wie Weissbriach, St. |akob und Maria Luggau zeigen. Niederschlag. Monat, Jahreszeit, Jahr Tröpolach Würmlach Weissbriach St. Jakob Maria 1 .uggan M i 1 1 i 111 e ter Seehöhe .... 608 in 711 m 818 m 948 m 1144 m 1 lezeinber .... 105.6 35-2 29.8 59.6 56.S 73-1 65.0 27.I 40.6 67.7 Februar .... 48.7 37-9 29.8 35-2 29.8 M ärz..... 73-1 111.0 35-2 5i-3 I00.2 April..... 100.2 162.4 78.5 59.6 I32.6 Mai...... •59 7 186.8 132.6 105.6 108.3 Juni ..... «43-5 116.4 81.2 108.3 "3 7 Juli...... H8.9 167.8 119.1 116.4 135-3 August..... 140.8 165.1 127.2 94-7 •54-3 September r54-3 H3-5 97-5 135-3 151.6 Oktober .... 208.5 257.2 •57-o 132.6 November H3-5 176.0 83.9 75.8 12 1.8 Winter .... 227.4 13S.1 86.6 135-3 I54-3 Frühling .... 333-0 460.2 246.3 216.5 34II Sommer .... 433-1 4494 327-5 3i9-4 403-3 Herbst..... 506.2 576.6 3140 368.2 406.0 Jahr..... 1499.7 16248 974-4 I039-4 1304-7 Die Schneemengen sind im Thale sehr gross. Hagelschläge giebt es im Gaitthale wenig. Gewitter hai Würmlach an 36 Tagen Luggau ,, 30 ,, Tröpolach ,, 26 ■ im Jahre. St. Jakob ,, 23 Weissbriach ,,22 Im allgemeinen hat also das Gailthal in der Thalsohle einen extrem kalten Winter, dagegen ziemlieh wannen Sommer ; die Höhen haben dagegen ein mehr ausgeglichenes, gemässigtes Klima. Beide haben alter viel Regen, starken Sehneefall im Winter und intensive Herbstregen, welche häutige Ueber-schwemmungen verursachen. Floristisclies üImm* «las (Gailthal, Von Markus Fr h. v, Jabormgg, Eine Tour durch das Gailthal von der Tirolergrenze ober LuggdU bis hinab an den mächtigen Schuttwall des Dobratschabsturzes „in der Schiit?*, unweit Amoldstein, wird selbst dem mit den geologischen Verhältnissen des Thaies wenig vertrauten Wanderer erkennen lassen, welcher grossen Verschiedenheit in dem Aufbaue der Gebirge er da begegnet und wie gerade bestimmend der häufige Wechsel der Kalk und Schieferforniation auf das landschaftliche Bild einwirkt. Aber auch demjenigen, dessen Interesse für die Vegetationsverhältnisse irgend einer Gegend gerade kein sehr lebhaftes ist, wird bei einer Wanderung durch die nördlich und südlich des Gailthales bald sanft geformt, bald schroff sich erhebenden Hochgebirge und Ahnen die Bemerkung machen, dass eine oder die andere bekanntere Pflanze, wie z. B. das Edelweiss, die mancher Gegend zur Zierde gereicht, ganzen Bergzügen gänzlich fehlt, dass diese sich aber wieder durch andere auffallende Pflanzen auszeichnen. So wird ohne Zweifel selbst dem Laien auf den Alpen südlieh von Hertnagor gegen das Kanalthal die Wulfenia am felsigen Gipfel des D ob rat sch das reizende pfirsichrotblühende Fingerkraut (Potenülla nitida), auf der Musenalpe bei Kötscliack wieder die dort in Millionen von Individuen den trefflichen Wiesen entspriessende Alpenzaunlilie (Para-disia Liliastrum) und auf einigen Alpen des Lcssachtliales das seltene Alpen-Mannstreu (Erigeron alpinum) mit seinen grossen stahlblauen Blütendolden nicht entgehen; weitmehr angezogen von dem reichen Wechsel in der Vegetation der Alpen des Gailthales wird sich aber derjenige Besucher desselben finden, welcher ein Freund oder wohl gar Kenner der Alpenflora ist. Speziell diesen Besuchern des Thaies seien nachstehende Zeilen gewidmet. 1 )en Charakter der Vegetationsverhältnisse der gesamten G ail t hale r-Al pen mit Einschluss des Lessachthaies als der oberen Stufe des Gailthales, ohne weitläufig ZU werden, zusammenfassend, müssen vornehmlieh zwei scharf geschnittene Züge auseinander gehalten werden, die mit dem Wechsel der geologischen Formation einen sprechenden Ausdruck finden, nämlich die Flora des Glimmerschiefers mit Einschluss der Kohlensandsteine und jene des Kalkes^Dolomit, I r'/as, Kohlenkalk), So z. H. weisen die meisten Alpen zwischen dem Gail- und Kanalthale, dann jene im Zuge der südlichen Gailthaleralpen zwischen dem Gärtner- bezw. Rosskofel südlich von Hermagor und dem Polinik bei Mauthcn, sowie zahlreiche Alpen des Lessachthaies die Flora des Schiefers, hingegen die Schroffen des Gärtner-, Ross- und Trog- Kofels, des Polinik, Zehn, Kollin, Kellcrzvand mit der Plecken, Valentin und Woleya, des Hochweisstein, die nördlichen Gebirge des L essacht h a les, die pauken, der Reisskofel, Egelnock und Dobra t seh jene der Kalke. Beide Floren erscheinen dort um so bezeichnender, wo örtlich Schiefer und Kalke hart aneinander stossen, wie z. B. in der Ratten-dorfer-Alpe, wo sich die Schiefermasse des Hochwipfel mit der Kalkformation des Schulterkopfes scharf abgrenzen und da ganz unvermittelt die mehr einförmige Flora der Alpen-mahder des erstgenannten Berges in den blumenreichen Wiesenteppich des letzteren übergeht. Diese Verschiedenheit im geologischen Aufbaue der Gebirge des Gailthales bringt es mit sich, dass beispielsweise sämtliche d. i. sowohl die schiefer- wie kalkstetten Rho-dodendern der Alpen im Thale zu finden sind, der rostigblätterige und breitblätterige Alpenrosenstrauch (R. ferrugineum und latifolium) auf Schiefer, der g ew im nape rte und mittlere [R. hil'sutunt und intermediutn) sowie der Zw erg-Zi strosenstrauch (R. Chamaecistus) auf Kalk; am 1 lochalbelpasse in der Frohn im Lessachthaie wächst auf dem Schieferfelsen der Nordscite die schiefer* stette E d clrau t e, im begrasten Gehänge gegen Süden das kalkbodenliebende E de 1 w ei s s. Wie allerorts so ist auch im Gailthale die Flora der Kalkgebirge eine viel reichere und anmutigere als die S c h i e f er flo r a, wenn schon die letztere auch manche ib Eigentümlichkeit und vor allem das höchst interessante Vorkommen der Wulfeilia in sich schliesst. Die in das Innere der Schiefergebirge führenden Gräben, wie z. B. der Nölb-linger- und Kronhof er- Graben im obere}/ Gailthale zeigen keinen grossen Artenreichtum, aber häutig eine erstaunliche Ueppigkeit des Pflanzenwuchses, die sich insbesonders in der Bildung des Mischwaldes und in monströsen Exemplaren der da vorherrschenden Staudengewächse wie der Alpen-pestwurzel (Adenostyles alpina), des Kreuzkrautes (Senecio fitchsii). verschiedener Disteln und der gelben Wolfs würz (Aconitum Lycoctonum) gemengt mit H ec ke n kirschen und Att i c h s t au de n kund giebt. Der Alpenboden selbst ist häufig überwuchert mit Alpenrosensträuche r n (Rhododendron fermgineum) und niederen Grünerlengebüschen, die Weide zwar dicht berast, aber kurzgrasig und sehr arm an den kalkliebenden Schmetterlingsblütlern und Orchideen; die Alpenhütten sind da von ganzen Wäldern des Alpenampfers (Runie.x al-pinus), allgemein Schmalzplotschengenannt,umstanden. Selbst die höchsten Berggipfel sind noch begrast und der dichte Rasen bald nach der Schneeschmelze mit zahlreichen ltlütenstcrnchen der kleinsten Schlüsselblume (Primula minima)', desFrüh-I i n g s e n z i a n s > (icoliana verna) und den zierlichen Glöck -chen der \ 1 p e n Dr a t te l b 1 ume (Soldanclla alpina* durchwoben. Später in den Sommer hinein zieren denselben niedliche Rapunzeln (Phyteunta paueiflorum und haemi-Sphaericuni) und dergleichen kalkfeindliche Pflanzen. Höchst interessant ist dagegen die Kalkalpenflora des Gailthales, deren eigentümlicher Charakter sich ganz besonders in den Alpenwiesen zu erkennen giebt. Wohl sind auch da die tiefeingeschnittenen Gräben ebenso trostlos wie in den Kalkalpen überhaupt, da die von den Höhen abfliessenden Niederschlagswässer in der Region der immergrünen Alpen-sträucher wie in jener des Baumwuchses zerstörend wirken und in der Tiefe gesammelt als mächtige Giessbäche durch schluchtenartige Thaleinschnitte hinaus verheerend zur Gail ablliessen. Trotz der fortwährenden Abrutschungen sind, jedoch diese Gräben nicht vegetationslos und nicht so öde, als deren Anblick von der Perne vermuten lässt. Durch die Schwierigkeit der Bringung des Holzes und auch aus forstökonomischen Ursachen geschonte, örtlich noch sehr schöne Buchenwälder ziehen sich da nach den steilen Grabenlehnen hinein, in deren humusreichen, schattigem Grunde die zahlreichen freudigfärhigen Blüten des eisen-hulblätterigen Hahnen fusses, akeleiblättrigen Wiesen-Schaumkrautes, verschiedener Zahnwurzen und Stendeln etc. das Auge erfreuen, während die zu Thale abgehenden Schuttfelder und der feine Gruss der Thalsohle meist eine Fülle herabgeschwemmter Alpentlanzen beherbergen. Dort, wo die Waldbestände lichter zu werden beginnen, geht der buchen bezw. Mischwald in den ebenso charakteristischen Lärchenwald über, dessen häutig sehr mächtige Stämme in ihrem lichten Stande der Entwicklung einer sehr saftigen, den da beginnenden Alpenboden festigenden Grasnarbe nicht hindernd im Wege stehen. Diese Lärchenbestände fallen mit der unteren Grenze des Gürtels der immergrünen Alpen-sträucher zusammen, welcher sich hoch hinauf bis zu den Felsenwänden der Gipfel zieht. Wie jedoch auf der Schieferformation die rostfarbeblätterige Alpenrose als ein Hauptteil der Formation der immergrünen Alpensträucher die Tendenz zeigt, bis in die höchsten Alpenweiden hinaufzudringen und dort sich mit der zwergigen Azalea procumbens zu verbinden, auf Kalkboden wird, je höher man das Gebirge ansteigt, das gewimperte Alpenröschen immer dürftiger, bis es sich zuletzt nur mehr an die Felswände zurückzieht und da allerdings mit anderen in hellen Blütenfarben prangenden Alpenpflanzen ein wunderbares Farbenbild bietet. In den Kalkalpen sind daher die oberen Weiden, weil grösstenteils gebüschelos, reich an Alpenkräutern. Ranunkeln, Kreuzblütler, Schmetterlingsblütler, Fingerkräuter, D o 1 d e n t r äg er, Korbblütler, Glockenblumen und Enziane, Läusekräuter und Orchideen, unter letzteren vorzüglich das niedliche K o hl röschen (Nigyitclla angustifolia) und feinhalmige süsse Alpengräser bewachsen die steilen Gehänge und selbst dort, wo der Weide- und Wiesenboden in felsiges Gestein übergeht, oder von demselben durchbrochen wird, sieht man, wo nur immer die Ritzen, Spalten und Gesimse der Felsen die Humusbildung zulassen, eine meist üppige Pflanzendecke, welche die Schieferfelsen nicht aufzuweisen vermögen. Und so finden wir denn auch die höchsten Zinnen der Kalkalpen nicht pflanzenleer, ja, deren Gesimse, Spalten und Tobein, die freilich oft nur der sichere Fuss der flüchtigen Gemse zu betreten imstande ist, sind die Heimat zahlreicher seltener Pllänzchen, deren Besitz jeden Pflanzensammler glücklich macht. Doch sind es nicht alle Kalke, welche dem Pflanzenleben so günstig sind. Denselben läuft vor allem der leicht verwitterbare fruchtbare Kohlenkalk den Vorrang ab, wovon der grosse Artenreichtum und der üppige Pflanzenwuchs des Gärtner- und Rosskofels, des Polinik, Zelon, der Flecken, Valentin und Plenge, des Hochweisstein in der Prolin, der Musenalpe bei Kötschach etc. den sprechendsten Beweis erbringen. Den Kohlenkalken reihen sich die Dolomite und die Formation des Guttensteinerkalkes an, wogegen die Triaskalke, wo sie nicht, wie in der Kreuzkofelgruppe nördlich des Lessachthaies mit Glimmerschiefer und Buntsandstein im Zusammenhange stehen, eine mehr ärmliche Flora tragen. Zu den besonders interessanten Pflanzen-Vorkommnissen des Gailthales gehören im Lessachthaie jene des Zwergenzians (Gentiana nana), der kriechenden Benedikt-würz (Geitm reptans) und der Edelraute (Artanisia mutellina) am Hochalbelpasse in der Prohn, des seguieri-schen und parnassieiiblätterigen Hahnenfusses (Ranun-culus Se guier i und parnassifolius) auf der Zocke im Radegundergraben, der A 1 p e n - B e r g 1 i n s e (Pliaea alpiuaj, des Kärtner Spitzfahnenklees (Oxytropis carinthiaca) und des behaarten Zistes Betonica hirsuta auf der wiesenreichen Musenalpe bei Komat bezvv. Kötschach, des nori-schen Klees Trifolium i/oricinu, der blauen G ansekresse Arabis caerulea, östlichen Berg linse Pinna australis, Alpenkamille Artlteiuis alpiua und der pyrenäischen Honigmelisse Horniinuni pyrenaicuni in der Valentin gegen das Wolaya-Tli'orl, des grosswurzligen Storch en-schnabel Gerau in m macrorhizon, des Al pen -M annstreu's Eryngium alpinum, der grossblätterigen Schafgarbe Acliitlca macrophylla etc. auf den Alpenwiesen der Placken, der begranten Schwarzwurz Scorzonera aristata, des löwenzahnähnlichen Krümlings Willenictia apargioides, des Bergwegerichs 1 Yanlago niontana, des gemswurz-artigen Kreuzkrautes Senecio Doroniauu und lauchblätterigen 'Pasch elkrautes 1 haespi cotpac/öliitm am Jauken, der Vulpischen Scharte Seratula Vulpii und rosafarbenen Schwarzwurzel Scorzoncra rose a in der Rattendorferalpe, der zweifärbigblühenden Alpen- und Zwerg-Di s tel Sanssurea discolor, alpina und pygmaea am Rosskofel, der schopfigen Rapunzel Phyteuma co-mosum, des Wahlenberg'schen Hungerblümchens Draba 11'alileubcrgii, blauen Päderote Paederota Bonarota und langkronigen Schlüsselblume I )riiuula longifiorü etc. am Gartnerkofel, der Alpen-Flockenblume Epi-medium alpinum in der Gailitz-Aue bei Arnoldstcin, welche genannten Oertlichkeiten wie nicht minder der Ostemik bei Feistritz und der Dobratseh auch reich an anderen schönen und selten vorkommenden Alpenpflanzen sind. Die interessanteste Pllanze des Gailthales ist aber unstreitig die Wulfenia carinthiaca, welche eben soweit dies bis zum heutigen Tage bekannt ist, soweit die Erde reicht, nur auf einigen zwischen dem Gail- und Kanalthale gelegenen Alpen vorkömmt, da aber örtlich in zahllosen Exemplaren zu finden ist. Der im Jahre 1805 zu Klagenfurt verstorbene Franz Freiherr vcm Wulfen schrieb über den Fundort dieser von ihm entdeckten, zu den Löwenmaulgewächsen (Antir-rhinecn) gehörigen und von Freiherrn von Jacquin in den österreichischen Miscellanccu 1771 nach ihm benannten merkwürdigen Pflanze folgendes: »Von Michor*) im Gailthale ging ich den 12. Juli 1779 auf die Kiebegger-Alpe,**) so am rechten Ufer der Gail ist, und von derselben auf die steilen nackten Kalkfelsen. Bevor man auf die Kiebeggeralpe kommt, hat man hohe gebirgigte Waldungen zu besteigen, von denen kommt man in die Schiuzen, wo Epilobium salicifolium in Menge ist, Digitalis flore flavo, Aconitum Lycoctonum, Campanula bar bata, Arnica montana, Sonc tut s alpinus caeruteus und mehrere andere Alpenkräuter. Heber den Schiuzen sind noch andere Alpen und Waldungen, deren Namen mir ausgefallen sind. Endlich kommt man zu den Hütten der Kiebcgger-Alpe, wo das Vieh den Sommer über ist, gerade unter den steilen Wänden, die schrecklich anzusehen sind und sehr hoch und prahlig dastehen. Auf der Kiebegger- *) Markt llennagor. *) Kühweger-Alpe. Alpe fand ich folgende Kräuter: Die neue Pflanze, die kein Botanist je gesehen oder beschriehen hat und die ein neues Geschlecht ausmacht unter meinem Namen; sie wird von den Hirten »Hundszunge« genannt.« Zwölf Jahre später, im Jahie 1791, besuchte Joseph Reiner, Mitglied der kaiserlichen Reichsakademie in Erlangen und der (leneral vikar der Gurker-I )iö/ese, Sigmund von lloliru-Wart, die Kühwegcr Alpe, um, wie es in ihrem auf unsere Zeit überkommenen Reiseberichte heisst, die Wulfenia, welche seit ihrem Entdecker Freiherrn von Wulfen noch kein Botaniker an ihrem natürlichen Wohnorte besucht hatte, in der Blüte an Ort und Stelle zu sehen. »Wir näherten uns*) den alten Alpenhütten«, sagt der bezügliche Reisebericht, »welche um ein paar hundert Schritte höher als die neuen lagen, aber vom Schnee überschüttet und darum tief herab versetzt worden sind. Allein wie betrübt standen wir da, als wir die hier häufig vorhandene Wulfenia, die Absicht unserer Wallfahrt, fast durchaus verblüht antrafen. Schon entfiel allen der Mut, als wir in dieser Unzufriedenheit durch den sog. Sackgraben hinaufstiegen und auf einmal auf eine ziemlich weitschichtige Anhöhe kamen, die wie ein Salat fehl ganz mit den schönsten Hundszungen (so nennen die I .andiente die Wulfenia) übersät war . . .« Bis in die neueste Zeit kannten die Botaniker nur diesen einzigen Standort der Pflanze, daher in den meisten lloristischen Büchern auch nur dieser aufgeführt ist. Heute sind deren mehrere bekannt**) aber sie gehören alle demselben Gebirgszuge und derselben Gesteinsformation an, nämlich dem nordöstlichen Ausläufer der südlichen Gail-thaler-Alpen, welcher nächst dtmNassfeld genannten LJeber-gängen zwischen dem Gail- und Kanalthale zum Gärtner-kofel und dem Aucniigkofel ansteigt und ohne ausgesprochene Kammbildung in zahlreichen, durch tiefe Gräben getrennte, selbst über 2O0O m emporragenden Gipfel und kurze Bergrücken bis zur Göriacher Höhe ober Thbrl hinzieht. *) Am 18. Juli. •*) Siehe Carnitliia, 1884 Nr. 5, die Standorte iler Wulfenia vrni Markus Fftihtrm von Jabonugg. Nach den heute bekannten Standorten der Wulfcnia zu urteilen, ist diese interessante Pflanze ohne Zwei fei kalkfeindlich. Fassen wir ihr so ziemlich erschöpfend bekanntes Vorkommen ins Auge, so befinden sich alle ihre Standorte in jenem Höhenzuge, der zwischen dem Qsselizengraben und Bombaschgraben und Nassfeld einerseits, Granitzengraben und Weissenbach anderseits vom (iailthale quer durch zum Kanalthale zieht und als dessen höchste Erhebungen von Norden nach Südosten sich der Gartnerkofel, jkjik / >u, Auernig. /A'./i ///, Kronhöhe, 1834. tn und Zirkel, 1645 m erheben. Hie mächtigen Zinnen des Gartnerkofels bauen sich aus Kohlenkalk auf, am Zirkel beginnen die Hallstädterkalke des Kanalthales, während der ganze Höhenrücken vom Auemig bis zum Zirkel sowie die Mulde der Kiihiecgcr-Alpe nordöstlich des Gartnerkofels und der vorgeschobene angeblich natürliche Standort in der Egger-Alpe, dem Kohlenschiefer angehören. Nachdem nun die Wulfcnia nachgerade massenhaft in der Watschiger-Alpe nordwestlich des Auernig, ferner nördlich und südlich des vom Auemig zur Kronalpe ziehenden Höhenrückens in der Auernig-Alpe und Granitzen vorkommt, so muss die Umgebung des Auernig als das Zentrum des Vorkommens der Wulfaua angesehen werden, von welchem aus sich die Pflanze, und zwar aus der Granitzenalpe und dem Gärtnerkofel herum in die Kuhweger, beziehungsweise zur Egger Alpe, welche ihre Wässer zum Gailthale senden, verbreitet haben und zwar liegt die Pinie dieser Verbreitung in einer Plöhe von röoo bis 1650 m, über welche hinauf und hinab die Pflanze nicht zu finden ist. Bezeichnend für die Verbreitung der Wulfcnia ist das gleichzeitige Vorkommen des kalkfcindlichen rostfarbenblätterigen Alpenrosenstrauches an allen ihren Standorten. Die Blütezeit dieses zierlichen Strauches fällt da mit jener der Wulfaiia in die Hälfte des Monats Juli zusammen und heben sich dessen flammende Blütenbüschel von den freudig blauen, einseitig gewendeten, gedrängt-blumigen Aehren der Wulf nia gar freundlich ab. Wir haben, wie man sieht, da eine Pflanze vor uns mit einem höchst beschränkten, durch die Bodenunterlage bedingten Verbreitungsgebiete, innerhalb welchem aber ein zusammenhängendes Vorkommen deshalb nicht möglich ist, weil dasselbe auf eine bestimmte Höhenlage gebunden erscheint, welche eben nur gewissen Oertlichkeiten des von der Pflanze bewohnten Höhenzuges zukommt, der von den anderen Gipfeln und Bergrücken der zwischen dem Gail- und Kanalthale sich erhebenden Alpen, wenn auch der gleichen Formation, durch tiefe Gräben getrennt ist. Ueber diese hinaus vermag die Pflanze nicht zu dringen, weil deren glatte, schwere Samenkörner, der Fruchthülle entfallend, vom Winde auf grössere Entfernungen nicht weiter getragen werden können und die Verbreitung auch durch Tiere schwer möglich ist, weil sowohl Haustiere als jene der freien Natur die PHanze streng meiden. Letzteres und der grosse Samenreichtum der Pflanze werden wohl die Ursache sein, dass dieselbe in allen ihren Standorten dicht gedrängt in Tausenden von Individuen wächst, und nur selten durch den Biss der Tiere verstümmelte Exemplare zu finden sind. Eine Pflanze von so charakteristischer Form, wie es die Wulfenia ist und einem auf der ganzen Erde nur auf ein Land beschränkten und auch in diesem räumlich sehr eng begrenzten Vorkommen, ist jedenfalls eine höchst merkwürdige Naturerscheinung, wohl wert, die Aufmerksamkeit jedes Besuchers des unteren Gailthales bezw, des Marktes Hermagor an sich zu ziehen, von wo aus man den nächsten Standort der Wulfenia auf der Kühweger-Alpe in vier bis fünf Stunden erreicht. Auch beim Uebergang vom Gail-in das Kanalthal über das Nassfeld kann ein Besuch des Standortes auf der Watschiger-Alpe, wo sich ganze Felder von Wulfenien befinden, leicht verbunden werden, wogegen die Standorte auf der Auernig- und Granitzcn-Alpt leichter von Pontafel aus durch den Boiubaschgrabeu zu erreichen sind. Das Vorkommen in der Egger-Alpe ist ein beschränktes und bezüglich der Natürlichkeit desselben auch noch nicht sichergestelltes. Also auf zu den luftigen Alpenhöhen, wo Kärntens eigentümlichste Pflanze, die Wulfcnia *) wächst. *) Ann», d. Red, Blühende Wulfenien samt Wurzeln und Blättern verschickt von Mitte Juni bis Mitte Juli gegen geringe Vergütung der Förster Loren» Ankete in Mödemdorf Post Hermagor. Etwas Ober '. Mayer, Gttrina, J)resJcn 1885 S. 64 und 98 sngt, dass nach allein (',. die Vorstellung gewähre, als sei hier ein relativ hochentwickelter I liittenbetriel) ansässig gewesen, und nennt es eine Klappe der Mittelmeer-Kultur für den Norden, das in ununterbrochener Folge bis an das Kiule des 4. Jahrhunderts gedauert habe. über die sparsam vorhandenen Reste der germanischen Völkerwanderung sich um das Jahr 600 n. Chr. eine breite und mächtige Bevölkerungsschichte der karantanischen Slo-venen gebreitet habe, gegen die sich gleichzeitig und später in der Richtung von Norden und Westen her die Bojuvaren geschoben, die, weil höher in der Kultur (Christentum), wohl das slovenische Idiom in einem grossen Teile des Gebietes, aber auf vorwiegend friedlichem Wege, absorbieren konnten, und dass sich nebenher eine viel schwächere Einwirkung der Romanen erkennen lasse, die freilich nur an den Einbruchsstellen (aus dem Gebirgswall der westkarnischen Alpen) ins Gailthal erkennbar zu wirken vermochte. So sind wir heute wohl im stände, die Sprachgrenze zwischen Slaven und Deutschen im Gailthale aufzuzeigen, müssen aber in dem ganzen Gailgebiete eine Mischung der Bevölkerungselemente zugeben, deren vorherrschender Typus hier slavisch, dort deutsch ist, mit stellenweise erkennbaren Spuren romanischer Einwirkung. Der Lessachthaler, weil abgeschlossen gegen Norden und Süden, hat bujuvarischen Typus am reinsten bewahrt; beim Ober-Gailthaler haben Messungen von 35 modernen Schädeln — die freilich ein nur unvollständiges Material umfassen — in Kötschach und St. Daniel vorherrschend südslavischen Typus festgestellt (vgl. A. B. Meyer, Gurina S. 100). Der Bewohner des Unter-Gailthales, weil im Zusammenhange mit den Slaven im Südosten, wie der Lessachthaler mit den Deutschen im Westen, hat das Slovenische am besten bewahrt. Die Benennung der Fluren, Bäche, Felder und Wälder, die Namen für Geräte des Hauses und Hofes etc. zeigen durch das ganze Thal Mischung von Slavischem und Deutschem. Einiges ist von den Romanen angenommen worden. Die Sprachgrenze zwischen den Slovenen und Deutschen geht von der Landesgrenze bei Pontafel das Fellathal aufwärts, wendet sich bei Malborgeth am Weissenbach nach Nordwesten, wo beim »Tschurtschele« die Alten deutsch reden, zwischen der Eggcralm (slovenisch) und Möderndorfer-Alm (deutsch) am Karnitzcnbach hinaus auf Hermagor zu, erhebt sich zwischen Velläch (deutsch) und Förolach (slovenisch) 'fye-r&4 auf den Rücken der Spitzegel, senkt sich nach Osten zur »Windischen Hoch'«, verläuft am sonnseitigen Gegänge, setzt über den »Windischen Graben« nördlich von St. Georgen und besteigt das Massiv des Dobratsch, auf dem eine deutsche und windische Kirche stehen, wie auf der Windischen Hoch' ein deutsches vind windisches Wirtshaus, sinkt dann nach Osten zur Gail und hält sich an ihren Lauf bis zur Einmündung in die Drau. Beim bodenständigen slavischen Gailthaler hat das Wort »Windisch« noch nicht jene pessimistische Bedeutung angenommen, die der Deutsche fühlt, der Neuslovene aber empfindlich von sich weist. Der Unter-Gailthaler bekennt sich stets als »Windischen« und spricht nur von der windischen Sprache und Kleidung, Mir hat mancher Gailthaler erzählt, dass er »im Deutschland« in die Schule gegangen oder in Dienst als Halter gestanden, dass er als junger Mensch nach Italien gekommen, um auch das »Walische« zu erlernen; dass er als Besitzer Vorspanndienste bis Mailand geleistet, Holz über die Blöken und Wein durchs Kanalthal heraus verfrachtet habe. Der Gailthaler Slovene ist ein gefälliger, dienstwilliger Charakter, der den Hut tiefer zieht, als er soll; er ist genügsam und arbeitsam, sucht für sich und sein Gespann auch weit von der Heimat Arbeit, übernimmt sie oft gegen zu kleinen Lohn; im Gespräch ist er mitteilsam, seinem Sinne nach ohne Hinterhalt; der Deutsche erzählt über ihn manche Anekdote und legt ihm den »Tuck« zu, den er mit »Deutsche Kanalische« erwidert; in manchen Dingen ist er rechthaberisch, daher oft zu seinem Schaden prozesssüchtig. Auf Reinlichkeit im Hause hält er weniger als der deutsehe Gailthaler. Die Segnungen der Gailregulierung begreift er nicht und spricht mit unverhohlenem Unmut darüber. — Der Wortschatz seiner Sprache ist stark mit deutschen Sprachelementen in Wort und Endung versetzt, wie der Text seines Volksliedes öfter zur einen Hälfte slovenisch, zur anderen deutsch ist; so singt eine junge Maid, die im Brautstand ist, zu ihrer Lieblingskuh: Sehe ri l ta, s c heret t a schervin laku 1 wer wet (wird) di melcheii wonn i heiraten thu. Die Volksweisen haben etwas Melancholisches an sich; die deutschen Vierzeiler mit lebhaftem Vortrage und raschen Rhythmen zieht er in matten Takten auseinander; er nähert sich im Chorgesang von fünf Stimmen, bei dem die vorsingende die Führung übernimmt, dem Vortrage des »Walischen«, mit dem er freundnachbarlich verkehrt und dem er auch seine Almen und Milchkühe zum Zwecke der Käsebereitung verpachtet. Seine Gestalt ist eher hoch und schlank als gedrungen; das Gesicht, länglich und regelmässig gebildet, trägt ein Paar grosse Augen und eine stark hervortretende gesattelte Nase; im Ohrläppchen steckt das goldene Ohrringlein. Der Gailthaler geht heute nicht mehr in der alten, so kleidsamen Tracht wie noch vor anderthalb Menschenaltern, nämlich: in Kniehose, sammetner, bunter, auch roter Weste mit kugeligen grossen Bleiknöpfen, im grünen oder schwarzen »Welwitzrock«. Uebcr den Kopf zog er ehemals die bunte Zipfelmütze aus Seide mit über die Schultern herabhängender grosser Quaste und luckte darüber den schwarzen, breitkrempigen rauhen Filzhut; den hoehristigen Fuss zwängte er entweder in den niederen Schnallenschuh (an Festtagen) oder in den knappen Bundschuh oder wohl auch in den hoben, bis auf die Knie reichenden Lederstiefel. Viel zäher hält das schöne Geschlecht an der allen Tracht fest und wohl verzeihlich und erklärlich. Wer hat nicht immer gern den leichten, gehobenen Tritt auch einer Alten« gesehen? Und nun gar die blühend schöne, gerundete und lebensfrische GailthalerJn *) unter der Linde bei Sang und Tanz in ihrer kleidsamen, vorteilhaften, schonen, farbenfreudigen und altehrwürdigen (iewandung. Wie sauber und reinlich umhüllt nicht das runde, schöne Gesichtchen mit den rosigen Wangen »wie Milch und Blut« die hundertfältige weisse Haube (Büntl) im Halbrund die gehobene Stirpe! Das schneeweisse Linnenhemd mit Kres (Wajschßat) deckt die vollen Arme bis zum Handgelenke und die schöngestalteten Schultern, über die das dunklere Kopftuch abfallend sich breitet; das bunte, *) Unser Titelbild, die schöne Jerza von St. Stefan darstellend, v ersinnlicht sehr treffend Typus und Tracht der slovenisehen (lail-thalcrinnen. enganschliessende Mieder {Niederz) umschliesst mit dem farbigen Seidentuch {Zanettel) die reinen und vollen Leibesformen der Büste so, dass darüber sanft das rundliche, wohlwollende Kinn auf dem weichen Halse ruhend zu thronen scheint; unter dem kurzen, vielgefalteten Kittel {Ras) schimmern die" schneeigen Unterröcke (Unterpfat) lachend hervor, während lange, rückwärts gcklängte Fürtuchbänder {Sc/uiure), um die schlanke Mitte geschlungen, das geblümte Fürtuch ( Wurtac/i) züchtiglich tragen. Unter den Knien, bis über welche hinab der Kittel reicht, blinken beim Gange rote Strumpfbänder {Bandluc) hervor, und des Untersehenkels schön gebildete Formen wissen sie durch sorgsam gestickte und kluggewählte Muster in den weissen Strümpfen {Stünfö) so zu erhöhen, dass Rundung und Fülle und feingehaltenes Ebenmass nicht fehlen. Der kleine Fuss trägt entweder den hohen Schnürschuh oder steckt in dem tief ausgeschnittenen Niederschuh {Tschriwlo). Ein drei Finger breiter Ledergürtel mit Steppen aus Federkielen oder Zinnstiften hängt vorne rechts in gleicher Länge, nachdem er die Mitte umschlungen hat, über den Ras hinab. Im Winter tragen Männer und Weiber noch hie und da lange, schöngearbeitete Schafspelze. So treten in der vorteilhaften Gewandung die schönen Leibesformen uns nicht aufdringlich entgegen, sondern es hebt sich die jungfräuliche Gestalt wie vom irdischen schweren Boden leicht ab. Der praktische Sinn und ein feiner Geschmack für das Schöne haben hier zusammengewirkt und uns eine der kleidsamsten und schönsten Trachten eines Gebirgsvolkes bewahrt. Möchten doch die Männer an den Weibern ein Beispiel nehmen und zur alten Tracht wenigstens im Festkleid zurückkehren! Und warum sollte nicht auch einmal von Vereins-, landes-oder staatswegen ein schönes Menschenpaar mit einem Preise gekrönt werden? Man muss aber auch wissen, dass das Linnen und der Ras — es ist das ein Gewebe, dessen Schweif aus Leinenfäden, dessen Einschlag aber aus Schafwolle besteht — noch heute von der Hausindustrie des Gailthales erzeugt werden. / Von alten Sitten und Gebräuchen hat sich beim slo- venischen Gailthaler noch das sogenannte Kufenstechen am Das Gallthal, 3 Pfingstmontag, eine Art bäuerlichen Turnieres, bis auf diesen Tag erhalten. Der Bewohner des Oberen Gailthales, der breiten Thalsohle von Mitschig und Möderndorf bis hinauf nach dem schattseitigen Mauthen und dem sonnigen Kölschach wie in der sehmalen Thalrinne des Gösseringbaches, dessen Wasserkraft verständig ausgenutzt wird, bis hinan zu dem gastlichen, sauberen Weissbriach ist deutsch. Die Gehöfte dehnen sich in Länge und breite und Höhe; allenthalben empfängt uns ein gewisser Wohlstand und freundlich entgegenkommende Behäbigkeit. Von den Würmlachern erzählt man, dass dort die reichsten Bauern des ganzen Gailthales hausen, und von den Waideggern bezeugt es eine Urkunde, die noch vor ein paar Jahren im »Gemeindetrügelen« vorhanden gewesen, jetzt aber verschwunden ist, dass die VVaidegger ihre Alm mit drei »Kohlkrippen« voll Krapfen der Herrschaft abgekauft hätten. Sie sind wie der Bewohner des ganzen Thaies eifrige Rossezüchter und thätige Landwirte. Neben zahlreichen seltsamen slovenischen Flurnamen, wie: (in der) Regigen, Stoßen, Rußen, Empellen etc. etc. finden sich deutsche, die auf merkwürdige Kultureinflüsse schliessen lassen, wie z, B.: Schrakebir, Judengras, Juden-Schmitten, Fiedelbogen, Durchspring, Bärnfalle} im Malesatz etc. Ab und zu beginnt schon der Name »Ifitde* für Heuschupfen. Das Lessachthal (d. i. Waldthal). Lessachthal auf und ab*) Seind g'scheide beul, Aul'n Ihu-t. Födera drauf l ntern I luet g'scheid 1 So sangen die Laasacher im Quintett, und jetzt singt's ihnen das ganze Oberland nach. Das Volk liebt es, in kurzen Vierzeilern öfter auch epigrammatisch zu werden. Da haben wir eine solche Aufschrift, eine treffende noch dazu, auf den Lessachthaler. Ks wäre aber weit gefehlt, in diesem Epigramm Ironie zu suchen; es ist vielmehr eine wertschätzende Anerkennung *) ä = ä wie im dialektischen Vater, Graben etc. geistiger Gesundheit des Lessachthalers, ein witziger Heimat schein für ihn und enthält den sinnigen Niederschlag dessen, was der kärntnerische Nachbar vom Lessachthaler hält. Häkeleien zwischen Dorf- und Thalschaften gibt es allüberall im Gebirge, wie es an Reibungen zwischen Nationen und Staaten nicht fehlt. Spricht der Lessachthaler von den Thalbewohnern wie von den Londern , so geben ihm diese den » XVedl«. zurück und meinen damit eine gewisse handfeste Dörfischheit. Ja, es ist ein eigenartig Völklein, das uns hier entgegentritt. Von mächtigen Bergwänden gegen Nord und Sud abgeschlossen und nur nach West und Ost halbwegs mit der übrigen Welt und Menschheit in Verbindung gesetzt — im Winter ist der Verkehr mit Schlitten über Tilliach-Kartitseh-Sillian für brachten bequemer, für den Sommer wird es wohl doch endlich einmal ein Strassenbau thun — hat der Lessachcr bis heute altbojuvarisches Wesen in Gesinnung, Rechtsanschauung, Sitte und Sprache noch liebend bewahrt. Der Boden, den er seit Jahrhunderten besiedelt und behaust, besteht in uralten Muränenwällen hüben wie drüben der Gail, die tief unten dahinrauscht; aber ergiebig sind sie nur für ihn, der sie mit lleissiger und schwieliger Hand bebaut. Sein meist noch hölzernes Haus, aus braunen Lärchenstämmen gezimmert und sorgsam gefügt, trägt ein Flachdach, dessen Klubbretter gegen Angriff von Wind und Wetter mit langen Holznägeln an die Sparren gefestigt und durch beschwerende Steine gesichert werden; er stellt es so, dass der Wohnraum regelmässig der »Sunne« zugekehrt ist; darüber läuft im ersten Stockwerk der »Gang«, dessen Brüstung auch hier durchbrochen gearbeitet ist wie im ganzen Thale. Von ihm herab hängen die feurige, liebende Nelke und die moderne Fuchsie neben »brennender Lieb': und dem stark duftenden » Rosenkraut«. Selten ist es ein sogenanntes Einheitshaus, sondern trotz der hohen Lage ist in der Regel das Wohnhaus vom »Futterhaus« getrennt. Die Harpfe begleitet uns auch in die hohen Lagen der Sonnseite und dient zum Trocknen des Getreides, wie die »Hilde* das duftende Almheu in sich birgt, bis es im Winter zu Thal geschafft wird. 3» Sein Vieh: Rind und Ross und Schaf und Schwein, hegt er mit Sorgfalt und Schonung. Ks kommt wohl vor, dass er die »Leiten«, auf der er Rüben pflanzen will, mit dem Krampen selbst umgräbt, um nur seinen *Oechsetan* das Almen nicht zu verkürzen. Schwer hat den Lessachthaler daher die Verfügung des Weidegesetzes getroffen, dass er nur so viel Schafe auf die berechtigte Weide treiben darf, als er zu überwintern im stände war. Damit ist ihm nicht nur eine erkleckliche Kinnahme für seinen Haushalt entzogen, er entbehrt auch des für so hohe Lagen nötigen Schafdüngers für die Winter- und Sommerfrucht. Hat er nicht eine Schafalm im Eigenbesitz — und das sind nur wenige — so hält er nur so viel Schafe über Sommer, als er zur Erzeugung von Loden und Ras benötigt, während er früher im * Auswart* Schafe aus dem Kanalthale oder dem Unterlande herdenweise bezog, um sie im 1 Icrbste, wenn sie die würzigen Matten verlassen, bis nach Frankreich zu verhandeln. Die herrschaftlichen Hochwaldungcn aber dürfen von keiner Klaue mehr betreten werden. Nur die gestählte Arbeitskraft, die seltene Bedürfnislosigkeit, seine Genügsamkeit und ruhige Zufriedenheit mit dem, was ihm die enge Scholle gewährt, und dazu seine grosse Sparsamkeit erhalten ihn auf Haus und Hof, für die er die Abgaben an Staat und Gemeinde pünktlich und gewissenhaft abträgt, wiewohl er stundenweit zum Steueramt nach Kötschach hinab hat; Rückstände kommen beim braven Lessachthaler nur als seltene Ausnahmen vor. Ein Sprichwort, das wohl wert ist, hierher gesetzt zu werden, weil es bei ihm im Schwünge ist und ihn vortrefflich zeichnet, legt ihm den Erfahrungssatz in den Mund: »Ziva //anstaue*) Leut hausent auf aner Stanpldttcnl'« Eine seltene Ehrlichkeit und Bereitwilligkeit zur Arbeit machen die »Lessacher« draussen auf dem Lande zu gesuchten Dienstboten. Dem Fremden gegenüber, der ins Thal kommt, ist er zuvorkommend, neugierig, aber vorsichtig. Kr grüsst dich stets freundlich und knüpft, neben dir stehen bleibend, an den Gruss, indem er den Hut zieht, die Worte: *Mit Verlab\ wo geaht dös denn hin 11 Nach deinem Wohnort fragt ertlich mit: *Wo bleib'' ösdciuth *) häusliche. Und wenn du den rieht igen Tun anzuschlagen verstehst, dass du ihn verständig fragst, dann gewinnt er Vertrauen, und es erschliesst sich vor dir der Mensch der Natur wie eine Blume des Feldes. Er fragt dann dies und das, sein Interesse kommt auf alles. Seine Sprache hat noch viel Altertumliches bewahrt im Lautstand und Wortschatz und in der Bedeutung: nicht heisst bei ihm et', zu = zi: Mond — mime] gihilbe = umwölkt; manct? = meinst du nicht? Die Alpenrose heisst bei ihm: rosbrumc; der St. Jakober sagt für Grund-birn (Kartoffel) gumpen, plur. gümpelan; die weisse Rübe heisst ivadetrueben; Scnnerci heisst Gaseii\ der Tilliacher hat gar in den Wortendungen hohes a bewahrt, er spricht dahar [daher); in harte [Herr), harte [Herde) verwendet er es für stammhaftes e; er fragt den Wirt etwa: Was is denn das für a hartef und meint dich damit; »denne kini i auf die Gasse« heisst: am Abend komme ich auf Besuch. Sein Tisch ist das ganze Jahr sehr frugal bestellt; seine Nahrung besteht vorherrschend aus Milch und Pflanzenkost, bei der er kräftig aufwächst und stark geworden ist und an die er sich auch in seiner Vorstellung vom Schlaraffenland hält, wenn er sagt: Wenn de Wänte1) Plante") waren Und die Goile*) Rührmilch4) Und die Stane Patzelan6) waren: A da war a lu>.tigs Löben. Fleisch sieht er nur >zu den Zeiten*, d. i. an den hohen Festtagen des Jahres und zum »Kirchtag«. An diesem Tage ladet er die ganze »Freundschaft«.*) zu Tische; da werden die -»Nigetan«., d. i. in Schmalz gebackene nussgrosse Kräpfchen, mit »genoiten Magern") bestreut mit darnebenherstehendem Schmalz auf den festlich gedeckten 'Fisch gestellt; das altbayrische Gericht d Die Krapfen«, dürfen natürlich nicht fehlen. Es waren prächtige Gestalten, die da im Ringe der Männer standen, als ich vor zwei Jahren — es war der 8. September — nach dem F'estgotlesdienste den -»Anderten ') Wände, Felsen. *) Sterz, Polenta. 3) (bnl. *) Buttermilch. r') Pätzchen Butter. e) Verwandtschaft. ') im Mörser gestossene Mohnkörner. Seppl«. auf dem freien Kirchplatze in der Luggau die behördlichen Choleramassregeln verlesen hörte. Da stand wohl ein hoher .Siebziger neben dem Gemeinde-Prätor und lauschte mit Aug und Ohr der Neuigkeit. Die etwas gebückte, breitschulterige und untersetzte Gestalt mit langem graulichen Haupthaar, welches die von den Armen gestützten und gehobenen Schultern schütter deckte, hielt sich mühelich stramm noch aufrecht. Der Alte trug noch die lederne Kniehose mit dem silberbeschlagenem Essbesteck an der rechten Seite, und unter dem Knie schlössen sich die »bläiven« Strümpfe über die noch immer sehnigen Waden und Unterschenkel; der »dicknahtige« niedere Schuh schien wohl etwas weit für den vielgelaufenen alten Fuss. Die breite Hrust aber umspannte ein rotes Tuchleibi mit einer Reihe ungleicher Silberknöpfe, die alte Sechser und neue Zwanziger zusammensetzten; darüber liefen die »bratest« grünundweissen 1losen latent«, mit einer Querspange herab; die Mitte umgürtete die lederne »Faselten«, mit dem Monogramm. Die ganze Gestalt hüllte bis auf die Unterschenkel der lange Schossrock aus braunem Loden; die Zwickel staken oben zwischen den Schultern, und zwischen dem Stehkragen, der auch einen Teil des Hinterhauptes beunruhigte, sah vorne über dem weissen Reistenhemd das rotseidene Halstüchel hervor, nicht in einen Knoten geschlungen, sondern die beiden Enden mit einem Metallring zusammenhaltend. Die breiten Rockaufschlage waren grün und über die Brust geschlagen. Dieses Gewand mochte ihm wohl auch zum Hochzeitsaltar das Geleite gegeben haben, aber es machte noch immer trotz der fünfzig Jahre des Gebrauches den Eindruck eines Festgewandes. Der hohe tirolerische Spitzhut mit den schweren »Silberboschen« schloss die Gestalt des sympathischen Alten ab. Einige es waren lauter ältere Leute — haften dieselbe, auch hier schon allmählich abkommende Tracht an. Die Mehrzahl der Männer hatte Gewand aus dunklem braunen und grünen auch lichtem steifen Loden angelegt; breite lange Vollbarte spreiteten sich über die gewölbte Brust. Die » Gttsc/tuen-«, junge und alte, gingen im schweren Lodenkittel, den ein breites Fürtuch beinahe umschliesst, in Puffenröcken und im Spitzhut von der Kirche; um den Hals hängen sie Geschmeide; das sorgfältig gezöpfte, hell- blonde oder rabenschwarze Haupthaar legen sie hübsch um das Hinterhaupt und auf den Scheitel, so dass der spitze Tirolerhut wie am Sprunge aussieht. Die Arbeit ist dem Bewohner des Lessachthaies Bedürfnis und Genuas; daher der Frohsinn, der helle Sang auf Wiese und Mahd, in Berg und Wald; die schwerste Arbeit ist für ihn Spielerei, weil er über Kraft und Starke verfügt. Er singt beim Mähen der Hochwiese, die, wie es im Kataster von 1780 angemerkt wird, nur mit Steigeisen ohne Lebensgefahr betreten werden kann; er singt auch, wenn er, auf den steilen Wänden des Hochwaldes stehend, die duftenden Tannen und Föhren und Fichten und Lärchen ausastet; unter »Schimpf und Scherz« und bei bestem Humor trägt er die riesigen Fleuballen, die er mittels Kloben und Seilen aus dem Almheu zusammenbindet, auf seinem Rücken in die »Flilde« und schafft sie von da im Winter mit Schlitten zu Thal. In diesem Leben voll Mühe und Gefahren, die ihn stets umdrohen, braucht er seinen Gott, daher ist er fromm und opferwillig für das Gotteshaus, das bei ihm überall würdig und schön ausgestattet ist. Maria, in der Luggau, der Name ist slavisch, macht unter den stark von Wallern besuchten Gnadenorten die rühmliche Ausnahme, dass religiöser Unfug hier keinen Platz findet. Der Grundstein zur jetzigen Wallfahrtskirche wurde im Jahre 1515 gelegt, geweiht wurde sie am 20. August 1536. Die hochw. P. Senken versehen es seit 1635, halten stramme Zucht und haben gute Kanzelredner; sie sind gastfreundlich und zeigen verständnisvollen Sinn für das Volkstum. Eine Primiz feiert das ganze Thal mit; da verlässt mancher alte Silberthaler die Truhe; da flattert mancher Papiergulden, und da tanzt: manch Männlein, das seit seinem Hochzeitsgang nicht mehr den Fuss zum Steirischen gehoben hat. Der Tod hat: für den Lessachthaler nichts Schreckliches; er sieht ihn nur als Urlaub von der Arbeit an, die er unterbrechen nuiss, wie folgendes wahre Geschichtchen beweist. Wenn du das Thal aufwärts wanderst, wird dir in Mattling das einstöckige Wirtshaus zur rechten Hand am Wege auffallen, an dessen sauber und weissgetünchter Südwand die mahnende Aufschrift den F.intretenden begrüsst: Fürchte Gott, Khre deu König, Thue Recht und Scheue Niemanden. 1861. Hier waltete der Wirt Tone, ein eiserner Mann, dem seine Kinder alle vom Schicksal genommen worden waren. Er war »krump« und machte die besten »Klöbelan«. Da wurde er krank. Die Nachbarn kamen, um ihn zu besuchen und um sein Befinden zu fragen, »Tone, wie geahfs dir denn, zuie?« »Süsckter*) versauniete nix, künnf i zvohl sterben, aber a paar Klöbelan half i Jialt noch förtig se machen.« Er ward wieder gesund, machte die bestellten Klöbelan fertig, musste sich aber bald wieder legen. Da erhebt ersieh eines Morgens von seinem Bette und sagt zu seinem Weibe: »Sephele, geh thue mir die scheane Hosen her/« Kr zieht sie an. »$' Geldbeutele ischt a dort im Sack/an, gib's her!« Er steckt es in den Sack, drückt den Hut in den Kopf und —■ sinkt sterbend zurück auf das Bett. I He Lebensanschauung zeigt Ernst. Wenn der Sohn in die Fremde zieht, die Tochter heiratet, da versammelt der Vater am Vorabend die Häupter seiner Lieben um den Tisch der geräumigen Stube. Kluge, unvergessliche und weise Worte aus seiner Lebenserfahrung senkt er in die Seele des Scheidenden, und die Mutter führt ihn am letzten Morgen, bevor er die Schwelle des väterlichen Llauses ver-lässt, zum irdenen » Wei/ibritnnkcsselen« an der Stubenthür, besprengt ihm das Haupt und macht ihm das Zeichen des Kreuzes auf die Stirne unter segnendem Gelispel. Dann halst er Vater und Mutter und Bruder und Schwester und das Gesinde bis herab zum Halterbttben, der jetzt seine Stelle zu versehen haben wird, und zieht in steifer Loden hose und ebenso steifem »Janker*, unverzagt hinaus, er, der junge Mensch, in die weite Welt und stellt überall einen ganzen Menschen, mag er nun des Kaisers Rock tragen, oder sitzt er auf der lateinischen Schulbank, oder zieht er als wandernder Geselle von dannen. Mit Khren kehrt der Soldat zurück, er ist Korporal. So sind die »Lcxer«, die »Saldier«, die »Guggenberger« und andere als »Lessacherbuabn« *) Sonst. ausgezogen und haben sich einen hochgeachteten Namen draussen in der Welt errungen, sie sind als hohe Herren in ihren Heimatsort nach langen Jahren wiedergekehrt: aber alle haben sie einen keuschen Dank für ihr Lessachthal bewahrt und bethätigt. Wer aber zu Hause bleibt und zu Amt und Vertrauensstellen in der Gemeinde gelangt, der fühlt sich auch dem Hoch- und Höchstgestellten gegenüber ;ds Mann. So antwortete bei der letzten Anwesenheit des Kaisers in Luggau das »Stofanella Michele« auf die Krage, wer er sei, kurz und bündig bei strammer Haltung dem Kaiser: »Majcsclität, i bin der Bnrgermaschta- von der Luggäul* Zum Schlüsse noch ein paar Sprüchlein, die ich auf meiner Wanderung durchs Lessachthal aufgeschrieben habe. Ein Wirt in Liesing setzt auf sein Haus: »O Gott, segne mir dies Haus Besonders von den Veir, Ich schänke aus ein guet gelränk Und rechne nix zu theierc, In St. Lorenzen steht auf einem Grabe: Die Rose ist gefallen ab, Sie ruht schon in Erde Mein Leib hat müssen ser ins Grab Ein Speis der Würmer werden. Auf einem Stockei ebenda ist zu lesen: () Wanderer hall ein wenig an I Bedenk, was ich Rir dich geihan, Betracht meinen blutgen Schweis Alsdann geh, und mach deine Reis. Vor Tilliach auf einer Kapelle heisst es: Stehe einen Augenblick hier still; Du gehst im Leben vorbei hier viel; Willst du einst ein bei der Himmelsthür; So spende St, Peter einen Kreuzer hier! Wird das Nivellement des Eisenbahningenieurs nicht auch dieses Stück alten Volkstumes gleich machen? Ohne Zweifel; schade! Tracht, Sitte und Brauch im (MI-, Gitsch-inid LessaclithaL Von Rudolf IVaizer. Wenn das obere (lailthal den Touristen ob der lohnenden Alpenpartien, die sieh von hier aus wie nicht leicht wo anders aufs beste effectuieren lassen, ein hochwillkommenes Terrain ist, so wird sich der Kulturhistoriker und Ethnograph wieder im untern Gailthale heimischer fühlen, denn er befindet sich hier in seinem wahren Elemente, er begegnet hier urslavischen brauchen, er findet ein Volk apart in seiner Lebensweise, seiner Tracht, seiner Sitte. Der Menschenschlag ist ein hübscher. Stramme, festknochige und breitschultrige Burschen von mittlerer Grösse und meist untersetzte, üppige Mädchen mit regulären Gesichtszügen kann man erschauen. Hinsichtlich der Tracht der Bewohner des oberen Gailthals lässt sich wenig berichten; dieselbe hat sich bereits der Mode aoeommodiert. Anders ist es bei den 1 hiter (iailthalern. Da ist die Tracht der Männer eine ganz kleidsame. Am Kopfe sitzt ein niederer, rauher Filzhut, um den Hals schlingt sich ein buntes Seidentüchl, über dasselbe geschlagen blickt der weissleinene Hemdkragen, statt des Rockes trägt man einen Tuchjanker, die Weste ist meist aus bunten Pique* oder Seidenstoff und wird durch eine dichte Reihe silberner oder zinnener Kugelknöpfe geschlossen. Die enge Kniehose ist meist aus Reh- oder Gaisleder. Bei festlichen Anlässen trägt man weisse Strümpfe mit Niederschuhen, sonst aber hohe Stiefel, die bis übers Knie hinaufreichen. Die Tracht der Weiber ist originell. Bei Festlichkeiten wird die Petscha, d. i. Spitzenhaube, sonst ein Seidentuch am Kopfe getragen. Den weiteren Anzug bildet ein blendend weisses Hemd mit Bauschärmeln und Spitzenmanschetten; Mieder und breite Halskrause und das in ein Dreieck gefaltete Busentuch, dessen beide untern Enden um die Taille geschlungen und rückwärts vernestelt sind, wahrend die Spitze des Tuches vorn oben am Überhemde zunächst der Halskrause mit einer Nadel befestigt ist, Die Mitte umspannt ein gestickter Ledergürtel und über die breiten Hüfte fällt ein faltenreiches, meist grellfarbiges Röckchen, das bis an die Knie reicht, so dass man die Strumpfbänder, welche die mitunter ludisch geformten Waden der Gailthalerinncn umspannen, erschauen kann. Über den Rock trägt man eine reichgestickte Schürze, unter demselben weisse, ausgeschlungene Unterröcke. Weisse baumwollene Strümpfe und Niederschuhe vollenden das kleidsame Kostüm. Selbstverständlich ist es, dass Wohlhabende besser und reicher gekleidet sind als Arme, im ganzen jedoch bleibt die Tracht immer — gleich. Obgleich im Strome der alles nivellierenden Zeit, vieles untergegangen ist, und mehr und weniger auch schon die französische Mode an Terrain gewinnt, so muss doch bemerkt werden, dass trotzdem die Nationaltracht noch immer das Übergewicht einhält und dieselbe namentlich am Feistritzer Kirchtag (Pfingstmontag) im vollkommensten Masse ihre Geltung findet. An diesem Kirchtage findet auch das Kuferstechen, ein Brauch, der wohl bei keinem anderen slavischen Volke Österreichs angetroffen wird, und der darin besteht, dass man reitend, in vollem Carriere eine Kufe mit einem Eisen stecken, sogenannten Hüllerkeil zertrümmert, oder herabsticht, — statt. Dieses Spiel scheint noch ein Überresl der Kriegsübungen (Wurfspiele) der alten Wenden zu sein. Dasselbe endet so wie alle unsere Volksfeste, mit dem obligaten Tanze. Ich war bis vor kurzem der Meinung, dass dieser brauch einzig nur in Feistritz noch in Übung sei. Doch dem in nicht so. — Auch in Saak und in Pratten im Gaillhale wird an Kirchtagen noch Kufen gestochen und die Sieger werden von den kurzröckigen Dorf-schönen mit sinnigen Ehrenpreisen beteilt. Der Kirchtagtanz findet gewöhnlich im Dorfwirtshause statt. In St. Stefan jedoch, am »grossen« Kirchtag zu Maria Himmelfahrt und am »kleinen« Kirchtag, am Pfingstmontag, wird von den Gailthalern in Nationaltracht der »hohe Tanz« getanzt, welchen die modernen Tänze nachfolgen. Um die Linde zieht sich eine mehreckige, hölzerne Einfassung* auf deren Stirnseite deutsche und slovcnische Verse zu lesen sind. Die Musikanten sitzen im Sitzgestelle, dicht unter dem Geäste des Baumes und spielen ihre Weisen auf. Am Kirchtag wird auch das Kirchtagsgerücht, »Lunkmuss« genannt, aufgekocht. Auch Kirchlagskrapfen und Kettlerzelten werden gebacken und gelangen zur Verteilung. Bemerkenswert ist, dass am Sonn- oder Kirchtagstanze keine »verheirateten Leute teilnehmen dürfen. Diese tanzen am nächstfolgenden lag, ebenfalls so abgeschlossen wie die andern ihren Reigen. Vor Zeiten durften gefallene Mädchen sich gar nicht am Tanze beteiligen, doch jetzt ist man nicht mehr so streng und drückt da, wenn's vorkommt, nicht nur ein, sondern beide Augen zu. Als Faschingsbrauch gilt im Gailthal noch heute das »Schimmelreiten« und »Blochziagn«, welch letzterer brauch von sitzengebliebenen Mädchen (Gitschen) in Ausführung gebracht wird. Übel ergeht's einem Burschen, wenn er den ßreclllcfinnen in die Hände kommt, kann er sich nicht loskaufen, wird er schonungslos mit Oagn, d. s. Hanfspreu überschüttet. Kinzig in ihrer Art sind die Hocll-zeitsbräuchß im Gailthale. Sind die Brautleute mit sich einig, d h. hat die Gitsche von den »Werbmandern« den Leihkauf entgegen genommen und ihnen keine gestockte Milch, sondern Speck und Schnaps vorgesetzt, so werden die Vorbereitungen zu der Hochzeit getroffen. Der Hochzeitlader, mit dem Buschen am Hute und dem hohen Stocke in der Hand, macht allseits seine Kinladung. Am Hochzeitstage selber findet im Hause der Braut die »Abbitte« statt; eine Rührszene, in der die vom Hause und den Eltern scheidende 'lochtet" diese bittet, sie mögen ihr alles Weh und Leid, was sie ihnen etwa angethan und bereitet hat, verzeihen. Wie im Möllthale wird am Vorabend des Hochzeittages, der »Brautkasten« vom Hause der Braut, in jenes des Bräutigams überführt und muss die - Klause«, eine Art Mauth, S>assieren, wo der Kährmann mittelst eines Leggeldes sich die hcmmnislose Weiterfahrt erkaufen muss. Am Morgen der Hochzeit spielen die Musikanten den Gästen »Eins« auf, dann ordnet sich nach dem Frühstück der Hochzeits- zug. Die Gailthaler Slovenen erscheinen hoch zu Ross, und nur Braut und Bräutigam fahren im Wagen. Den Hochzeitzug eröffnen die Musikanten mit den »Hochzeit-lader«, dann folgen die männlichen Gäste. Hinter ihnen geht der Bräutigam mit seinem Beistand, auf dem Hute einen lilumenstrauss tragend; diesen folgt die Kranzljungfer, welche auf einem blanken Zinnteller die Eheringe trägt, dann kommt die verschleierte Braut mit dem breiten, glänzenden Brautgürtel. Den Zug beschliessen dann die »Gitschen« und »Weiber«. In der Kirche legt die Braut den Schleier bei Seite, und wohnt sammt allen andern, der der Kopulation vorgehenden Messe bei. Nach derselben findet der »Opfer-gang« statt, bei dem auf einem bereitstehenden Teller »Geldmünzen« für den Pfarrer gelegt werden. Hierauf findet die Trauung und nach derselben das »Johannisegentrinken« statt, welches die kirchliche Ceremonie abschliesst. Wieder ordnet sich nun der Zug, doch mit dem Unterschiede, dass jetzt das Brautpaar vereint mit den Gästen und Funktionären dem Wirtshause entgegenschreitet. Unterwegs wirft der Bräutigam und Brautführer kleine Münzen unter die Dorfjugend, welche dieselben raufend und balgend auflest. Diese Sitte- soll Glück in den Ehestand bringen. Beim Wirtshause erwartet die »Hochzeiter« der Wirt mit einer Flasche Wein, und nach dem Bescheidtrinken tritt unter Musikklang die ganze Gesellschaft in die Wirtsstubc. Flicr findet nun ein kompaktes Mahl statt, dessen Zwischenpausen durch die Allotria des Hochzeitladers und durch Tänze ausgefüllt werden. Nach der Tafel sammelt der Brautführer unter gellenden Musiktuschen die »Mahl und Musikgelder« ein. Indes der junge Ehemann während des Ehrentanzes mit einer »Gitschen« tanzt, wird dem Brautführer die »Braut gestohlen«, die der säumige Wächter nun um teures Geld auslösen muss. Bis in den Morgen hinein wird getanzt, und erst in der Früh macht sich die Gesellschaft auf den Heimweg. Jeder hat sein »Bschadesscn« wohlverpackt bei sich und verabschiedet sich von den Neuvermählten. Die Musik begleitet noch eine Weile das Ehepaar, welches im nunmehrigen Heim der neuen Hauswirtin von der Mutter oder Altdirn an der Thüre empfangen wird. Hier überreicht dieselbe der Bäuerin einen Laib Brod und die sämmtlichen Schlüssel des Hauses. Bevor jedoch diese die Schwelle überschreitet, schneidet sie vom Laib Brot ein tüchtiges Stück ab, steckt eine Silbermünze hinein, und giebt es einen Dorfjungen mit der Weisung, einmal so schnell als nur möglich um's Haus herum zu laufen. Damit will sie kund geben, dass sie es wünsche, die Freuden des Ehestandes ungestört zu gemessen und Mutter gesunder und frischer Kinder zu werden. Geht letzterer Wunsch in Erfüllung, so wird man die Wahrnehmung machen, dass acht Tage nach der Taufe des Kindes, dessen Kathen mit ungeheuren Körben anrücken, um der Wöchnerin die usuellen Geschenke zu machen. Man nennt dies „ins Waiset gehen". In den Körben belinden sich vier grosse Laibe Weizenbrod, 12 Kier, zwei Kilo Rindschmalz, ein Kiter Wein und eine Henne. Auch die Hausleute erhalten je einen kleinen Leib Weizenbrot geschenkt. Der gleiche Brauch wird auch bei den Gailthaler Slovenen praktiziert. Hinsichtlich der Betjräblläsbräliche giebt es nichts absonderliches zu schildern. In der ersten und zweiten Nacht finden bis 11 Uhr nachts die Leichenwachen statt. Da versammeln sich allerlei Leute um Rosenkränze zu beten und Schnaps und Brot zu gemessen. Auch der Tote erhält sein Nachtmahl, welches an dessen Stelle eine Klagschwester verzehrt. Dafür'muss sie vorder Einsenkung des Sarges das »Grab einbeten , damit dem Toten die Erde leicht sei. Wird die Leiche aus dem Trauerhaus geschafft, so bemühen sich mehrere Hausleute, den Sarg mit der leinernen Überthan mit Gewalt zurückzuhalten, damit mit dem Toten nicht gleichzeitig das Glück aus dem Hause verschwinde. Haben die Träger den Sarg vor das Hausthor gebracht, so wird dasselbe mit aller Kraft geschlossen, um das »(Geistern im Hause« ferne zu halten. Nach der »Bestattung« und dem Seelenamt wird von den 'Krauergästen zum Schlüsse der »Leichentrunk hinter die Binde gegossen und der Heimweg angetreten. Um »Sonna-wend« werden im Gailthale Johailllifeuci* angezündet und es geht das Scheibenschlagen los. Viele Bräuche und Sitten des Gailthales haben auch im nachbarlichen Gitschthale, welches sich im Markte Her-magor vom Gailthale in nordwestlicher Richtung abzweigt, und in einer Länge von 14 km bis nach Gössering ansteigt, einen fruchtbaren Hoden, hinsichtlich der Nachahmung gefunden. Die Bevölkerung des Gitschthales ist durchwegs deutsch und nährt sich von Viehzucht und Ackerbau. Der Gitschthaler ist arbeitsam, friedlich, massig, hilfbereit und barmherzig so weit seine schwachen Kräfte reichen. Die gegenwärtige Tracht der Gitschthaler geht immer mehr und mehr in die Allerweltsmode über, so dass man heute von einer speziellen Gitschthaler Tracht nicht viel reden kann. In früheren Zeiten trugen die Männer Kniehosen, weisse oder blaue Strümpfe, Bundschuhe, einen kurzen Rock (Janker), ein Gilet mit starken Hafteln, rote oder grüne breite Hosenträger und einen breitrandigen Hut. Der Stoff war für den Sommer weisses oder gefärbtes Kinnen, für den Winter Loden oder Halbloden (Ras), für die Festtage aber starkes Tuch. Die Weiber kleideten sich in die nämlichen selbsterzeugten Stoffe und trugen unter dem Hute an Sonn-und Feiertagen noch eine steife Haube. Diese Einfachheit und Dauerhaftigkeit der Tracht ermöglichte es, dass Mägde mit 5 11. Jahreslohn und 2 fl. Leihkauf sich mit der Zeit bis zu IOO fl. ersparten und dabei gesund und kräftig waren. In Hinsicht der Bräuche finden sich wenig Neuerungen. Wie im Gailthale besteht beim Taufgang im Gitschthale ebenfalls der Brauch der sogenannten »Waisaten«. Der Taufpathe ist gehalten, 3—4 grosse Reindlinge, eine grosse Masche Wein, einige Eier und Zucker samt Kaffee zu bringen und dieses alles mit einem »Gottenkleidl« für das Kind der Wöchnerin zu überreichen. Die Folge dieser Verpflichtung ist, dass viele Parteien nur mit grossen Schwierigkeiten Taufpathen acquirieren können, denn die Mehrzahl der Leute scheut grosse Auslagen. Bei den Hochzeiten vollzieht sich das Arrangement wie im oberen Gailthal. Beim Brautwerben muss den Bräutigam mindestens ein Mann begleiten. Schaut ein Korb heraus, so bekommt der Werber auf die Thüre seines Hauses einen »PechÖl-Schlegel«. Das Eigentümliche bei den Flochzeiten im Gitschthale ist »Die Sperre« und Der Schalk«. Es werden zwei junge Fichtenbäumchen links und rechts am Wege eingerammt, bei den Wipfeln zusammengebunden und mit einigen buntfarbigen Tüchern behängt. Unten in Brusthöhe sind an den Stämmchen zwei Ketten befestigt, welche in der Mitte mit einem Spagat zusammengebunden sind. Das ist »Die Sperre«, welche die Bestimmung hat, den ganzen Hochzeitszug aufzuhalten, welchem dann von den Burschen Wein kredenzt wird, wofür eine Kleinigkeit bezahlt werden muss, welcher Erlös dann gemeinschaftlich vertrunken wird. Schliesslich tritt dann der »Schalk«, d. h. ein harlekin-mässig gekleideter Witzbold in seine Funktion. Kr hält an den Hochzeitszug eine humoristische Anrede und haut dann mit seinem hölzernen Säbel die Kette entzwei, worauf die Gäste die freie Bahn durchschreiten. Das Brautkastenführen, Brautstehlen und Schüssel werf, n wird wie im ()bergailthal auch hier exekutiert. Das Schüsselwerfen findet eine Woche nach der Hochzeit statt. Bursche postieren sich mit einem Buckelkorb voll schadhaftem Geschirr, das sie in allen Häusern zusammenbetteln, in später Nachtstunde vor das Haus der Neuvermählten, schleichen dann vor die Stubenthür des schlafenden Paares, stimmen ein Lied an und werfen nach jeder Strophe mit aller Gewalt die Geschirre auf den Boden, dass die Scherben herumfliegen. Der Lärm lockt die Nachbarn herbei, die '1 nur des Schlafgemachs öffnet sich und das junge Paar traktiert die Lärmmacher mit Schnaps und Brot. Beim Kirchtag ist es Sitte, dass Freunde zum Mittagmahl geladen werden, welche Artigkeit dann erwiedert wird. Der Kirchtag der Bursche dauert manchmal 3—4 Tage, 2 Tage regelmässig. Die Musikanten begleiten die Bursche nach dem Gottesdienst ins Gasthaus. Am Montag mittags wird die »Burschen-Absucherei« mit Musik vorgenommen, bei »Zechbuben« wird im Gasthause auch abgegeigt. Am Sonnwendtagc werden wie fast allerorts in Kärnten »Scheiben geschlagen«. Am Pfingstabeild wird mit grossen Peitschen um die Wette geknallt. Wer am Pfingstsonntag frühmorgens der letzte Viehtreiber ist, bekommt Kröten unter das Hutband. Im Winter pflegt man oft mit dem Spinnrade ins Nachbardorf oder ins Nachbarhaus auf die »Gunkel« zu gehen, wo ein anregender, gemeinsamer Plausch stattfindet. Um acht Uhr abends gehen die Spinnerinnen, wenn's langweilig ist, ins Freie, sich den »Schlaf verjagen«. Originell in Tracht und Sitte sind auch die Lessach-thaler. Das Volk dieses Thaies gehört dem deutschen Stamme an und zeichnet sich durch einen kräftigen Menschenschlag aus. Es sind alles hohe, sehnige Gestalten, mit markanten Gesichtern, viel Intelligenz und geraden, offenen Charakter. Der Lessachthaler ist übrigens auch sehr gastfrei und sehr neugierig hinsichtlich der Ereignisse, die sich in der Aussen-welt abspielen, biir den Handel zeigt er eine besondere Vorliebe. Vor hundert und mehr Jahren verhandelte er sein Vieh nach Venedig, und gegenwärtig reichen seine Handelsbeziehungen bis nach Frankreich, die Schweiz und Deutschland. Nach Paris wandern ganze Herden von Schafen. In Hinsicht auf Reinlichkeit sowohl für seine Person als seine Behausung, gilt der Lessachthaler als ein Muster. Die Tracht ähnelt der des angrenzenden Puster-thalers, namentlich das Tragen des hohen Hutes, »Wolken-klieber« genannt, ist ein Gharakteristicon. Im Uebrigen trägt der Mann eine Lodenjoppe mit Stehkragen, roten Brustfleck und grüne Hosenträger, dann eine weite Lodenhose und Stiefel. Das Weib hat ebenfalls den »Wolken-klieber« am Kopfe, dann trägt es ein grellfarbenes Seidentuch über das weisse Hemd mit Rauschärmeln, ein kurzes Mieder, einen rasenen bis an die Fussknöchel reichenden Rock und eine blaugcfärbte Leinwandschürze, welche die ganzen Flüften umschliesst. Die Strümpfe sind von Baumoder Schafwolle, die Beschuhung Rund- oder Niederschuhe, in Bezug auf Sitten und Gebräuche des Lessachthalers besteht gewissermassen eine Analogie mit jenen des Gail- und Gitschthales. Man findet hier wie anderorts die Tauf-, Kirchtags-, Hochzeits- und Begräbnisbräuche. Fan Unterschied beim :>Waisatbratiehc besteht darin, dass längstens acht Tage nach der Taufe eines Kindes die Taufpathin (Godl) sich in die sogenannte »Vorwaisat« begiebt. Sie bringt nämlich in einem Körbchen ein Hemdchen oder Häubchen für den Neugebornen und einen Reinling und einen Liter Wein für die Wöchnerin. Nach weiteren acht 'Pagen begiebt sich die Pathin in die sogenannte rechte oder grosse Waisat. Da wird ein grosser Korb, in dem sich 3—4 Reinlinge, Wein und eine grosse Butter befinden, ins Haus der Kindbetterin getragen. Die Pathen haben die Pflicht, jährlich ihrem Pathenkindc zu Weihnachten, Ostern und Allerheiligen eine Strutz Weissbrod, zu Ostern 2 — 3 gefärbte Eier und dann und wann ein Kleidungsstück zu verabreichen. Mit erreichtem zwölften Lebensjahre des Pathenkindes hört 3a diese Verpflichtung auf und der Pathe hat zum Schluss dem Täufling nur noch einen ganzen Anzug zu widmen. Auch die Hochzeitsbräuche haben hie und da ihre Eigentümlichkeiten und Abweichungen von den geschilderten Sitten der Gail- und Gitschthaler, stehen aber im grossen Ganzen mit diesen in ziemlichem Einklang. Brautwerbung, Kastenführen, Hochzeitzug, Opfergang, Brautstehlen findet hier in gleicher Weise wie in vorbesagten TKälcrn statt. Wird ein Brautwerber vom Mädchen abgelehnt, so wird ihm von den ledigen Burschen des Ortes in der Nacht ein Korb auf das Dach seines Hauses oder auf den Gipfel eines vor demselben stehenden Baumes angebracht, so dass er am nächsten Morgen dem Gespötte seiner Nachbarn preisgegeben ist. ban Haupthochzeitsgericht sind die »Niggelan«, die in der Grösse einer Nuss aus Krapfenmehl in Schmalz gebacken werden. In früheren Zeiten übte man auch den Brauch des »Gürtelwerfens«, welcher aber in der Jetztzeit ausser Kurs gekommen ist. Die „Bestattungen" im Lessachthale sind meist einfach und prunklos, die kostspieligen Toten-mallle, wie sie in Unterkärnten vorkommen, sind hier sehr restringierter Natur. Bescheiden wie das Leben des Thal bewohners im »Kessach«, so ist auch dessen Scheiden von diesem irdischen Sein ein ganz anspruchloses. Es zeigt sich eben in jeder Richtung das wohlerwogene, nüchterne und überlegte Gebahren des für den Blande] so eingenommenen Thalbewohners in jeder Phase der Lebenssituationen. Und so schliesse ich meine Zeilen mit dem Wunsche, dass alter Brauch und gute Sitte fortbestehen möge, noch weiterhin durch fernere Zeiten. Etwas tlher das Lied und den Dialekt der (Mithaler. Von Front Franziszi. Das Lied. — Eigentliche Kärntnerlieder, sogenannte »Vierzeiler« hört man im Gailthale seltener, als im Kärntner-Unterlande; zumeist sind es Trink-, Liebes- und Soldatenlieder, die hier gesungen werden. Der Gailthaler ist un gemein sangeslustig. Bei Hochzeiten, am Kirchtag, an Sonntagen in und ausser den Gaststuben, bei der Heimkehr von der Arbeit erschallen seine fröhlichen Weisen. Kine Strophe eines solchen Liedes, wie es zuweilen gesungen wird, lassen wir probehalber nachstehend folgen: Einst ging is in der Nacht Mit mein Buckel: Ich kam in einen Wahl Mit mein Buckel. I )er Wald war so linsler, Dass ich kein Sternlein sah. Schneller wie der Weller Jugl. kr»kri kr"kr, gUgl, Dass ich kein Sternlein sah Mit mein Buekl, Buckl u. s. w. »Mit mein Buekl«. und »SehneHer wie der Weller, jugl« wird im Chor, der übrige Text von einer Einzelstimme gesungen. Die gewöhnlichen Volkslieder heissen hier gemeinhin »Liedlan*, Ein paar Proben mögen ihrer Originalität wegen hier folgen: Das Lengale af 'n Raul Hat a Häusl gebaut. Und a Kranabet Vögale Hat das Fensterl ausg'haui. Bin nachten spat aussi gang i, Hon a schöns Zeisel g fang i, I )es 1 (ing hat mi g'freut Weil's hält gär so schön schreit, Bin nachten spät aussi gäng i. Hän wol n schöns Diandl g'häl i, Ilän wo! an Meth gezählt i Dort heim Lebzelterstand, I läm die Leu! hergezänl, Brod hat sie selber g'hät sie. Weniger kultiviert wird das Lied im Lessachthal, desto mehr im slovenischen Gebiet des Thaies ; da sind es besonders die Gitschcn (Mädchen) und Weiber, die gewöhnlich am Feierabend ihre melancholischen, sinnbestrickenden Weisen hören lassen. Was den Dialekt in den deutschen Gegenden des Thaies betrifft, ist derselbe im Mittel- und Obergailthal wenig von dem des Drauthales verschieden ; doch kommen nebst eigenartigen Ausdrücken, wie »Audraehlab'i für einen Laib Brot, den ein Dienstbote, wenn er weiter wandert, erhält, bei Zeitwörtern Kürzungen und der Auslaut auf a bei Worten auf n und en häufig vor, so sagt man statt Stube u Studa statt Laube—Lata. Der Lesachthaler unterscheidet sich in seiner Mundart wenig von den Tilliachern in Tirol. Das hellt und gwön ist ihm ebenso geläufig; man könnte ihn füglich sowohl hinsichtlich seiner Tracht, namentlich bei Liesing, St. Lorenzen und Luggau, als auch seiner Aussprache nach für einen echten Tiroler halten. Kreuzkapelle. Arnoldslein. Gailbrlicke der (laillhalbahn. k In der Schutt.) Teilweise nach einer Photographie des k. u. k. Hotphotographcn a. Beer In Kligenfurt. Sagen und Märchen aus dem Gailthale. Von Franz Franziszi. Wie in den meisten Thälern Kärntens spinnt auch im abgelegenen, aber an Naturschönheiten reichen Gailthale die Sage ihre Silberfäden. Eine Gegend, eine Örtlichkeit, ein Berg gewinnt an Interesse und regt die Phantasie zu stiller Betrachtung an, wenn sich eine geschichtliche Erinnerung oder eine alte Volkssage daran knüpft. Daher wir einiges aus dem Märehen- und Sagenschatze des Gail thales hervorheben wollen. Viele Sagen beziehen sich auf den ehemaligen Metall-und Goldreichtum der Gailthalcr Berge. Eine Berglehne auf der Gundersheimer Alm heisst die ^goldene Patres. Unter der Dreischneid in der Jauken- oder Dreiköfl-Gruppe findet man ein * Goldbrünnl Der Reisskofi heisst im Volksmunde noch immer der ReickkofiUnd ein Felsvorsprung in der Mitte desselben das »GoldtÜrmU. In seinem Innern soll sich ein reiches Goldlager befinden. Um die Goldschätze zu heben kamen vor Zeiten W'alische aus Udine. Im wilden Gewände ist eine Kluft, durch welche sie in den Berg hineinkriechen konnten. Kine Hüflerstange benützten sie als Leiter. Alle Jahre kam ein W alischer ins Thal und ging zum Reisskotl hinauf. Am Goldtürml lehnte eine Hüflerstange, da hing er sein Ränzchen auf und stieg in die Schlucht nieder; der Unterwelzbauer, der in der Nähe sein Gehöfte hat, beobachtete ihn. Als der Walische fort war, stieg er hinauf und in die Schlucht nieder — da schimmerte alles, es war eine helle Pracht, eiligst packte er den glänzenden Sand in sein Sacktuch und reiste damit nach Udim\ Dort kam er in einen Kaufladen, wo er den Sand verkaufen wollte. Der Walische sagte dann: Wallst du deine Heimat sehen? und führte ihn in sein Zimmer, er nahm einen Bergspiegel und Hess den Bauer hineinschauen — da sah er den Welzberg und wie sein Weib eben eine Kuh melkte, der Walische drückte eine Pistole ab und schoss die Kuh im Bergspiegel nieder — der gute Bauer sah, wie die Kuh im Bergspiegel zu Boden fiel. Siehe, sprach der Walische, wenn du noch einmal in den Kofi gehst, so wird dir dasselbe begegnen. Der Bauer ging heim und die Kuh war tot und niemals wagte er sich in den Kofi. Ein ganz eigenartiges Phönomen sind die bei heftigem Donnerwetter plötzlich aus der Felswand des Kolls hervorspringenden »Brünnlein«, die wie herrliche Wasserfälle, viel-armig durch die Felsrunsen niederrauschen. An dieser Kr-scheinung knüpft sich die Sage von einem tief im Kofi verborgenen See. Im Rcisskofl, heisst es, ist ein grosser See .und von den Wänden hängen Goldzapfen herab; der hangang ist schwer zu finden und öffnet sich nur dem, der zur guten Stunde kommt und den rechten Spruch kennt. — Alljährlich sah man einen Walischen kommen; erstieg zum Kofi hinauf und ging schwer beladen davon. — Ein Neugieriger schlich ihm einmal nach, erlauschte den Spruch und als der Walische aus dem Kofi herauskam und über die Kelsen hinabstieg, schlich er sich hin — sagte den Spruch — und der Felsen öffnete sich. Auf allen Vieren kroch er durch die Öffnung hinein. Ach, welche Herrlichkeit! Über den weiten, dunklen See hing lauteres Gold in schweren Zapfen. Auch ein Schifflein war da; er stieg hinein; als er aber in die Mitte des Sees kam und seine Hand nach den Goldzapfen ausstrecken wollte — da wurde es ringsum lebendig, kleine Männchen schwammen herbei und hingen sich an den Kahn, dass er umschlug — plumpf — und der arme Häuter fiel in den See; doch soll er nicht ertrunken sein. — Wo's in der Tiefe sprudelt und rauscht, da hat's ihn hinabgezogen, immer tiefer und tiefer, bis er in einer ganz fremden Gegend wieder ans Tageslicht kam. — Ein Mann, sagt man, hatte einen Bergspiegel und entdeckte in der Mitte des Kofis einen gewölbten Gang, in dem das Gold in langen, dicken Zapfen niederhing. Das Erz kam in die Sausing, dort standen grosse Schmelzwerke; ein überaus gescheiter und grosser Herr betrieb den Bau und versprach den Arbeitern reichen Lohn; aber er war zu geizig, hielt sein Versprechen nicht. Da verfluchten ihn die Knappen und Schmelzer und wünschten, dass das Gold im Reisskofi verschwände: seitdem sind die Goldadern im Kofi versiegt. Westlich vom Reisskoll steht ein Felshörn]: das „Stanerne Mandl" genannt; das soll der verwünschte Bergherr von Sausing sein. Am Kusse des Reisskolls, erzählt die Sage weiter, stand die grosse Stadt Risa, die durch eine furchtbare »Gicss« verschüttet wurde. Bei diesem »Giess-wetter« stürzte ein Teil des damals noch begrasten Kofels nieder und der schöne See auf seiner Höhe verschwand. Auch von Bergmandln weiss hier die Sage zu berichten, So war vor Zeiten ein solches Männchen am Wieserberg, in der Nähe des Kofis zu sehen. Sein Hütlein wird noch heutzutage in der St. Helenakirche auf dem Wieserberge gezeigt. Der Rand desselben ist freilich schon ziemlich beschnitten, da sich mancher Fremde ein Stückchen davon als Rarität mitgenommen hat. Einmal, so heisst es, erschien ein Berg-mandl den Kenten bei der Arbeit auf dem Felde am Wieserberge. Als es beim Anblick der Leute rasch davonhuschte, fiel ihm das Filzhütchen ab. Im besitze dieses Hütchens kam der abgehauste Bauer, der es sorgfältig aufhob, wieder zu Wohlstand. Auch in der Gegend von Nölbling liess sich ein Bergmandl sehen ; gewöhnlich sass es auf einer Staude, war kaum zwei Schuh lang und verschwand, sobald man in seine Nähe kam. Die Sage von den saaligen Frauen, wie man sie in manchen Thälern Kärntens findet, ist auch im Gail- und Gitschthale heimisch. Beim »Müllkögalani (in der Jauken-gruppe) heisst es, waren vor alten Zeiten saalige Frauen; nicht selten hörte man dort Kinder »rearn« und sah zum Trocknen aufgehängte Windel. Wenn lichte Nebelgebildc an den dunklen Felswänden hängen, sagt man »die saaligen Frauen hängen heut ihre Wäsche aus«. Sie waren äusserst gutmütige Geschöpfe, wenn man's mit ihnen nicht verdarb. Man stellte ihnen eine Schüssel Milch vors Fenster, dafür Hessen sie ein Zwirnknäulchen in der Schüssel zurück. Bei Mauthen wohnten sie im Gewände des Polinik. Im Friedhof soll ihr Grab sein; aber sie können nur mit goldenen oder silbernen Schaufeln ausgegraben werden. — Bei einer Fahrt über den schönen Weissensee bemerkt man im zerklüfteten Felsgewände hinter Neusach eine Öffnimg, das Dolomezzenloch: da sollen vor Zeiten die saaligen oder wilden Frauen gehaust haben. Sie waren den Leuten im Thale freundlich gesinnt, strickten den Jungfrauen Strümpfe, die freilich wie Glut an den Füssen brannten, sobald sie die Jungfrauenschaft verscherzten und halfen den Leuten bei der Arbeit, jedoch nur in der Stille der Nacht, wenn sie von niemand belauscht wurden. »Stell nur ein *Stötzl Milch hi die Furchen*; sagte der Stampferbauer zu seinem Sohne, t und das W'azfcld wird bald abgeschnitten sehr — Und richtig kamen bei der Nacht die saaligen Frauen und rasch fielen die Halme unter der Sichel. Aber als der neugierige Bursche sich ihnen näherte, gingen sie auf und davon, nur eine blieb zurück, bis die letzte Garbe geschnitten war. I )er Bursche hielt sie fest und führte sie trotz ihres Sträubens ins Haus. Er soll sich mit ihr vermählt haben und sie blieb im Hause. Sie lebten mehrere Jahre recht glücklich und zufrieden. »Nur mit der »uabichen« Hand, sagte sie, darfst mich ///'cht schlagen.« Da geschah es einmal, dass er aus Versehen mit der nabicheu Hand ihre Brust berührte. Augenblicklich verliess sie das Haus und war nirgends mehr zu finden. Nur Samstags kam sie, die Kinder zu »stralen« (kämmen), später aber, als die Kinder grösser geworden, blieb sie ganz aus, um nicht mehr wiederzukehren. — Im Kesachthale bei St. Lorenzen öffnet sich eine wildromantische Schlucht mit grossartigem Ge-birgs-Hintergrunde — den Radegunder-Graben — in dessen hintersten Winkel ein Badhaus steht. Nicht weit davon, im »ungehohlten Koll« (ausgehöhlten), sollen die Agnaten Letdlau« sich aufgehalten haben, Von welchen der Volksmund manches zu erzählen weiss. Einmal waren zwei Halter auf der Weide im Graben mit Melken der Gaisen beschäftigt, da kamen von der Felsenhöhle die i■■■gi/aten Leutlan* herab und baten um Milch. — Der eine Halter war sehr gutmütig und gab ihnen aus seinem Melknapf die Milch und noch dazu ein Stück Brot; der andere aber warf heimlich (iais-lorl>cr<. in ihren Halen. Die guaten Leutlun dankten und verschwanden. — Als der gutherzige Halter seinen Melknapf aufhob, war derselbe voll mit blinkenden Goldstücken. I >aruber gerieten die beiden in Streit, sie zogen ihre Messer, rangen und kämpften, bis beide tot am Boden lagen. Am Weg in den Radegundergraben, unweit der Sägemühle, liegi ein grosser Stein, auf welchem ein Kreuz eingemeisselt ist; — da sollen die zwei Hirten begraben liegen. — Die »guaten Leutlant kamen oft im Hochsommer, zur Mahdzeit, wenn Jung und Alt auf den Wiesen beim »Ilcugcu vollauf beschäftigt war, von ihrer Felsenhöhle herab und halfen den beuten bei der Arbeit. Der Miilerbaiter lud sie dann immer auf Mittag ein. Einmal wollte er ihnen tzvas Exteres* zum Essen vorsetzen. Er Hess daher für sie einen Tiapp« schlachten und gut zubereitet auftragen. Die »guaten Leutlan« aasen; aber sie wussten nicht, was dies für eine Speise sei — das hätten sie noch nie gegessen. Und als der Bauer sagte, dass er für sie ein Lamm habe schlachten lassen, fingen die * guaten t.rut tau ZU rennt (weinen) an, weil ein armes Tier für sie hat sterben müssen. Traurig gingen sie fort und haben sich nie mehr sehen lassen. Einer anderen Mythengestalt, der wilden I'erchtl, begegnen wir in Rattendorf Als die Leute am Vorabende des Perchtentages bis spät in die Nacht im freien waren, hörten sie aus weiter Ferne die Klänge einer Kuhschelle ; da liefen sie, was sie laufen konnten, ins nächste Haus. Kaum hatten sie die Thürc geschlossen, hörten sie schon an der Hausthüte poltern und kratzen. *Ss ist die I\rchll , riefen sie voll Angst. Zum Glück hatte ein Bursche ein Messer, auf welchem der heilige Name eingraviert war. Das steckte er eiligst in die Thüre und die I'erchtl war verschwunden; aber am kommenden Morgen fand man die Thüre von oben bis unten zerkratzt.« So die Sage. Dass auch der i Lethige manchmal sich zeigte, lässt sich denken. Am interessantesten ist die Tetlfelssage vom Tanz unter der Linde. Beim Tanze am Kirchweihfeste soll vor Zeiten immer ein unheimlich aussehender Jägersmann erschienen sein und bald diese, bald jene Gitsehcn (Mädchen) zum Tanze aufgefordert haben. Kr tanzte mit jeder so lange, bis sie tot zu Boden fiel. Da kam man auf 8 b den Gedanken, beim Beginn des Tanzes ein heiliges Lied zu singen, und seit dieser Zeit hat sich der unheimliche Gast nicht mehr blicken lassen. Eine ahnliche Sage, wie am Triglav in Krain, haftet auf der Eggeralm. Ks war ein reicher Mann, der hatte eine bildschöne Tochter; ein armer Bursche liebte sie. Sie sagte, nur dann wolle sie ihn heiraten, wenn er goldene Haare und goldene Zähne hätte. Da sprach der Jüngling einen furchtbaren Fluch aus und die Jungfrau wurde in eine Gemse verwunschen. Auf der weissen Wand in der Eggeralm wurde sie von Jägern zuweilen gesehen, aber wenn einer sein Gewehr auf sie anlegte, so stand eine weisse Jungfrau vor ihm. Es wagte sich nicht leicht jemand auf die weisse Wand, denn jeden, der die weisse Gemse erblickte, traf ein Unglück. — Im Dorfe unten lebten drei Brüder, sie waren tüchtige Jäger. Ein alter Mann erzählte ihnen von der weissen Gemse. Da wandelte einen die Lust an, die Gemse zu sehen, er verstieg sich bis zur weissen Wand und sah in der Ferne die Gemse; aber als er vor Schrecken Reissaus nahm, ging sein Gewehr los und traf ihn in die Brust, dass .er tot zu Boden stürzte. Auch sein älterer Bruder soll einmal die Gemse gesehen haben und bald darnach in der Schlacht umgekommen sein. Nun war nur mehr der jüngste der drei Brüder im Hause. Seine Braut warnte ihn, ja nicht auf die Wand zu gehen; er aber achtete nicht darauf. Er hatte eine besondere Bassion, die weisse Gemse zu sehen. Immer höher und höher stieg er im Gewände hinauf, bis zu einer Stelle, wo er nicht mehr weiter konnte; er sah die Gemse, aber che er seine Büchse erfassen konnte, stürzte er rücklings in den Abgrund hinab. Seine Braut fand den Jägerhut und die Büchse und nicht weit davon den blutigen Leichnam ihres Bräutigams unter der weissen Wand. Die weisse Gemse hat sich seit dieser Zeit nicht mehr sehen lassen. Fine andere Alpensage spielt auf der Rattendorfer-alm. Sass einmal der Käser in einer düstern, stürmischen Nacht in der Almhütte ganz allein beim Herdfeuer, I )a hörte er rufen: Ho, ho, hol und als wenn jemand um die Hütte herumstolpern würde. Er öffnet die Thüre, leuchtet hinaus und ruft: Wer tSr Geh' einer! Aber weil er nie mand sieht und niemand sich meldet, schlägt er die Thüre wieder zu. Willst nicht hereinkommen. lass bleiben. — Da hörte er wieder: I/o. ho. ho! und die Thüre ging von selber auf. Ein Schweinskopf kam zum Vorschein und stierte ihn an: Willst mich sehe?/, da siehst mich. Kr nicht faul, nimmt ein glühendes Scheit und schlägt ihm damit über die Schnauze, Da verschwand der Spuk; aber noch lange hörte er über die Alm hinab schreien und rufen: i/o. ho. hol Auch an Sclllossagen fehlt es nicht. So erzählt man von Mann dort", bei Kötschach, dass die Manndorfer, Besitzer des Bergwerkes in Sittmoss, so reich waren, dass sie das Schloss mit Silberthaler decken und den Weg nach Kötschach mit Thalern pflastern wollten. Noch heute heisst ein Raum im Keller des Schlosses die Goldschmiede. Die Schlossfrau Anna Neu mann von Wasserleonburg umgiebl ein ganzer Sagenkreis; so erzählt man unter anderen, dass sie sieben Männer gehabt haben soll; und von der stolzen Burgfrau von Malenthein bei Hcrmagor geht die Sage, dass sie auf den Fluch des Bettlers über ihre Hartherzigkeit ihren Ring mit dem Ausspruche in die Gailfluten warf, dass der Ring so wenig mehr ans Ficht kommen, als der Fluch des Bettlers in Erfüllung gehen werde, die aber schliesslich doch auf den Bettelstab kam. An die imposant das Thal weithin beherrschende Ruine der Abtei Arnoldstein knüpft sich die romantische Sage von der weissen Rose. Wenn ein Mönch auf seinem Betstuhl im Chore eine weisse Rose fand, so war das für ihn eine Mahnung, dass ihn der Herr in ein paar Tagen von der Welt abrufen werde. Auch von verborgenen Schätzen berichtet die Sage: In Nölbling, in der Nähe des Wasserfalles »am Tischboden«, einem bewaldeten Sandhügel, soll ein goldener Wagen tief im Sand verborgen sein. Nach vielen Jahren wird sich ein »Halter« darauf seinen grossen Zechent ab-stossen. Auf dem klassischen Boden der Carina sah einmal ein »Halter« in der Nacht im Walde durch ein hell erleuchtetes Fenster in einen lichten Raum, der mit allerhand Schätzen, mit Waffen und Gerätschaften, angefüllt war. Beider konnte er das Fenster später nicht mehr finden. Der Hauserbauer auf dem Goldberg bei St. Daniel fand vor vielen, vielen Jahren in seiner Küche unter dem Herde einen I lati n voll Gold. Ein Bettler auf der Villachcr Brinke sagte zu ihm: »Wenn ich wüsste, wo der Goldberg is, war' ich ein reicher Mann. Im Hause aber, unter dem Herde, liegt, wie mir träumte, ein grosser Schatz begraben«. Bin auch arm, dachte sich der Bauer und fand richtig den Schatz. Aus I »ankbarkeit liess er das Kirchlein auf dem Goldberg bauen, das so freundlich ins Thal herabschaut. Und im Preseggersee soll eine französische Kriegskasse hegen erst wenn der See abläuft, wird sie gefunden werden. Die Türken drangen ins Thal bis St. Daniel, wo sie die Pfarrkirche verwüsteten, in der Sakristei befindet sich noch eine auf den Türkeneinfall bezügliche Gedenktafel. Ein felsiger Platz ober St. Daniel heisst die »Rosstritten, Iiis hierher sollen die Türken die fliehenden Bewohner des I )orfcs verfolgt haben; — weiter konnten sie nicht, weil die Pferde-hufc im Gestein stecken blieben. Die Pferdetritte sollen noch zu sehen sein. Eine andere Türken sage, wie sie auch anderwärts vorkommt, bezieht sich auf das Leonhardi-Kirchlein ob Tröpolach, Ein Rattendorfer, ein Schmied seines Zeichens, der von den Türken in die Sklaverei abgeführt wurde, machte das Gelübde, wenn er frei werde, eine so lange Kette zu schmieden, dass sie um die ganze Kirche zweimal herumgehe. Er hat sein Gelübde gehalten, und noch vor Jahren soll die Kette vorhanden gewesen sein. Wenn man von Kötschach, wo es vor Zeiten »im Waidach hiess, über den Gailbcrg wandert, findet man auch einen Jungfrausprung. Von der hohen Brücke sieht man in einen schwindelerregenden Abgrund nieder; da soll eine verfolgte Jungfrau den kühnen Sprung in die Tiefe gewagt haben, und unverletzt davon gekommen sein. Damit ist der Sagenschatz des Gailthals freilich nicht erschöpft und gar manches Wunderblümlein der Volkspoesie dürfte noch in den stillen Thälern und Schluchten und auf den Bergeshöhen zu pllücken sein. Doch dürfte das Gebotene dem Wanderer auf seinen Streifzügen durch das schöne Gailthal willkommen sein. Zur Geschichte ass Mautlit'ii das einstige Loncium gewesen, is! aus ver schiedenen Gründen unzulässig, wie ich in der Zeitschrift CarinthtQ I Jahrgang 8l, Seite 65 nachgewiesen habe. Zölle, der Saumwege und Nebenstrassen, welche benutzt worden sind, um die Zollstationen zu umgehen, scheint überhaupt sowohl zur Römerzeit, als auch später im Mittelalter, die Geschichte des Thaies zu erschöpfen. Der Römerzug des Kaisers Friedrich II. im Jahre 1452, der 'Fürkeneinfall im Jahre 1478, welche Hermagor einäscherten, und die Franzosen im Jahre 1809, waren Episoden dieser Geschichte. Eine politische Geschichte hat das Thal nicht. Karl Baron Häuser. Was die ersten Bewohner des Gailthales anbelangt, so sagt /'. Max Schlechter in seiner Schrift t Beiträge zur alten Geschichte des (lailtha/cs (Wien 1885. Wallishausser) folgendes: »Sage und Geschichte, Antikaglien und Monumente weisen uns und zwar in ziemlich bestimmten Zeitabschnitten die Etrusker, Kellen, Römer, Slaven und Deutsche der Reihe nach als Hewohner des Thaies aus.« bezüglich der Entstehung und Deutung des Namens Gail entnehmen wir der genannten Broschüre folgende Notizen: »Ohne Zweifel ist die Gegend zwischen (lurina und Reisach der erste angesiedelte Punkt zur Zeit der Etrusker und stand hier auch noch keine Stadt, wie eine solche später hier gestanden haben soll, so mögen doch immerhin schon damals mehrere, vielleicht auch grössere Bauten aufgeführt worden sein. Ich erlaube mir sogar auf einen Namen aufmerksam zu machen, den diese eiruskische Ansiedelung (civitas) hier geführt haben kann, ja einen Namen, von dein in der folge das ganze Thal sich nannte. Auf einer Pieckner-Inschrift ist die Rede ?on einein gewissen Attius Hraetianus, einem angesehenen Manne der tieer (tlcorum viro ornato); und auf dem Köniersteine in Kcisaeh von zwei Landhaus-Aufsehern der Cäer, namens Maturus und Mercurius ^Caeonun vilici). Ich bin sehr geneigt, die Ausdrücke Georum und Caeorum für identisch zu halten, und da man Kauern (vilici) als stabile Personen ansehen kann, so dürfte Caei oder (ie'i wohl die Ortschaft bedeuten, in deren Nähe, oder in der die Landhäuser waren, deren Betrieb und Aufsicht sie über sich hatten, also in unserem falle in der Nähe des heutigen Kcisach, wo sie den Orabstcin für einen Sklaven oder Diener des Saturninus errichteten. Dies angenommen, so hiess die < Irlschaft Caei, Gel oder auch GaK, vielleicht von den ersten Ansiedlern dortselbst, vielleicht auch aus einein anderen Grunde ; dass heisst unter diesem Namen waren sie den Römern bekannt; und ihr eigentlicher Ortsname kann leicht Oaia oder ähnlich gelautet haben, was ein auffallend griechischer Laut wäre, sich sogar einfach als das griechische y »}, d, i. Knie, band, erklärte und von den pelasgischen oder altgriechischen Miniskern, die hier gewohnt, herstammen möchte; in der Folge aber als (laila fortlebte. Diesbezüglich führen wir auch den Erklärungsversuch des berühmten Geschichtsforschers Eichhorn an, welcher dahin lautet, dass die lateinische Ableitung des Gailthals von vallis Julia eine Gewaltthal sei, welcher sich auch die ältesten Urkunden widersetzen, indem 1251 und 1201 das Thal nur Gilla, Gyla, nie aber Julia gertannl wird. Bei dem UmStande, dass (iaillhal ein Teil des Nnrdreiches war, das von Kellen bewohnt wurde, und dass es einem langen Halse oder Schlünde von wenigst 30 Stunden ähnlich ist, ratet der gelehrte Herr auf das keltische oder altdeutsche Giel oder Gl He, was Schlund bedeutet.« Im Slovenischen heisst Gail Zilat, spr. Sila. Ueber die Herkunft dieses Wortes schreibt 1'. Schlechter wie folgt: Wir müssen uns durchaus die Zumutung verbitten, dass das Wort Silani der windischen Sprache eigentlich angehöre, wie dies jene beanspruchen; welche die Gail Sila nennen und von diesem angeblich windischen Namen die Bezeichnung der Gailthaler mit Silani geben. Wir geben gerne zu, dass sowohl das Sila wie das Silani im jetzigen windischen Sprachschätze mit obiger Bedeutung stein und freuen uns sogar dess, müssen aber die Anmassimg mii Entschiedenheit zurückweisen, dass das Wort echt windisches Eigentum sei. Die Bezeichnung Silani ist nämlich für die Bewohner des Gai Ithales bereits zur Römerzeil bekannl und reichl das Bekanntsein der Silani doch immer noch erklecklich weil über das allererste Eindringen der sla vi sehen Völker in unsere Gegenden hinauf. Woher ist also der Name Silani? Wer mit der alten Geographie vertraut ist, oder nur einen alten Atlas, wie Keichhards berühmten <)rbis terrarum antiquus, zur Hand nimmt, dem inuss es in ilie Augen springen, dass sich in gewissen Landstrichen der Flussname Seieis, Silis u. s. w. auffallend oft wiederholt; diese Länder sind aber: der griechische l'elopones, das heulige Neapel (einst Lucania;• und die Ostküste des adr i a t i s e h e n Meeres um Venedig. In diesen Landstrichen finden wir und zwar im l'elopones die Flüsse: Sel a in der Landschaft Messene, Seieis und Selinus in der Landschaft EllSj Seil ei s und Selinus in der Landschaft Achaia, Sile US in Macedonien; dann im Neapolitanischen den Fluss Silarus (jetzt italienisch Sele) und an einem seiner Nebenflüsse die Stadt fosili a rum; endlich an der adriatischen Ostküste die Flüsse Silis (jetzt italienisch Sile) und Silarus, Scitenlluss des Po, jener bei Tre v i so im Yenetianischen, dieser bei Bologna. Alle diese Namen finden sich also in jenen (legenden, wo die Pelasger, die Stammväter der Etrusker ursprünglich s a s s e 11 im l'elopones ■ oder wohin sie einwanderten — unsere obigen Angaben zeigen die Pelasger unter Antonius im Neapolitanischen, unter Tyrrhenus am Po, die Wurzel dieser Flüssenamen aber scheint eine und dieselbe und zwar StXtjrog oder 2t't.avo$ zu sein; dies ist aber der Name des kahlköpfigen, stets betrunkenen Erziehers und Begleiters des Bacchus. Nun war bekaiiiiterinasseu der Kultus und die Verehrung dieses Gottes Bacchus, der als Symbol des Lebens und der Zerstörung galt, uralt einheimisch und heilig bei den Ktruskeru, deren erstlich nach Italien gekommener Stamm sieh hier bezeichnend genug geradezu; Oenotriden, auf deutsch Weinpflanzer und Weinliebhaber nannte. Etrusker, Verehrer des Silanus, waren, wie wir oben erwiesen zu haben glauben, die ersterweislichen Bewohner des Gailthales, und es scheint demnach nicht allzu gewagt, den schon zu den Kölnerzeiten gangbaren Ausdruck Silani (Ad Süanos) als Bezeichnung der Einwohner des Gail- oder auch niederen Drau Thaies von den Ftruskern abzuleiten; sei es, dass sie dem Flüsschen ihrer neuen Heimat den Namen Sila gaben und von den Romern oder den früheren Kelten als Anwohner der Sila den Namen Silani erhielten. Näher liegt das letztere, weil sie auch in ihrer Urheimat, dein l'elopones, und in ihren Ansiedelungen in Italien, den Gewässern ähnliche Namen beilegten, wahrscheinlich um ihrer heidnischen Frömmigkeit zu genügen und ihren hochverehrten Trunkenbold Silanos gebührendsl zu ehren. Die später hier wohnhaften Slaven mögen diesen Namen beibehalten, und wie ich vermute, den' selben auch ihrem westlichsten Ansitze gegeben) ihnSillian genannt haben, wenn nicht auch diese tirolische Ortschaft schon ein Sitz der Etrusker war. Vorrömische und römische Alterthümer des oberen Gailthales. Skizze von A. />'. Mcvcr Dresden , Nicht nur dem Naturfreund und dem Kltltttrhistoriker sind im Gailthale mit seinen Nebenthälern reiche Genüsse vorbehalten, sondern auch wer sich an geschichtlichen Erinnerungen und an vorgeschichtlichen Forschungen erbauen kann, wird dort ein weites Feld zum Studium und zur Belehrung finden, denn gerade die Lückenhaftigkeit des bis jetzt Entdeckten beweist, dass noch mancher Schatz im Schosse der Erde verborgen liegen muss. Drei berühmte Fundorte von Altertümern sind aus dem oberen Gailthal und seiner unmittelbaren Nachbarschaft bekannt geworden: Die vorrömische und römische Niederlassung Gurina, 200 m oberhalb Dellach, etwa 21 km von Hermagor und etwa 7 km von Kötschach und Mauthen entfernt; ferner die etwa 1100 m hochliegenden Würmlacher Wiesen oberhalb Würmlach bei Mauthen, wegen ihrer venetischen Fels-Inschriften; endlich der etwa 1300 m hohe Plöken- oder Pleckenpass mit seinen römischen Fels-Inschriften. Im Zusammenhange mit diesen und den weniger wichtigen Funden von St. Daniel, Leifling, Reisach, Hermagor etc. sind dann die alten Strassen ins Auge zu fassen, welche das Gailthal mit dem Norden und Süden, mit der damaligen zivilisierten und unzivilisierten Welt verbanden, und wir wollen es versuchen, dem geneigten Leser im folgenden einen flüchtigen Finblick in diese vergangenen Welten zu geben. Das Gailthal. 4 Als die Römer zu Julius Caesars /eilen in das für sie abgelegene und schwer zugängliche obere Gailthal drangen, entbehrte es, wie die Funde von Gurina beweisen, durchaus nicht der Kultur. Schon seit Jahrhunderten wohnten hier Veneter, ein illyrisches Volk, das vom Süden über die Berge gekommen war, und Kelten (Gallier), die aus dem Nordwesten stammten. Wenn auch (Iber die Zeit und Dauer der Hesiedelung dieser Letzteren noch nichts Sicheres hat ausgemacht werden können, so ist es doch nach Prof. Pauli (1891) enviesen, dass die venetischen Inschriften Gurinas und Würmlachs ins 4. bis 5. Jahrhundert v. Chr. reichen. Die Veneter wohnten vom Adriatischen Meere nach Norden bis gegen den Inn, nach Westen bis gegen den Bodensee; sie waren von ihren illyrischen Stammsitzen, dem jetzigen Kroatien und Dalmatien, über Aquilfja dorthin gelangt. Dass dies bereits im 5. Jahrhunderte v. Chr. geschehen war, ergiebt sich aus den Inschriflfunden von Este in Obelitalien bis Gurina im Gailthale, da die ältesten derselben aus dem Ende des 5. Jahrhunderts stammen; jene Wanderungen könnten aber auch möglicherweise noch früher stattgefunden haben. Es lässt sich der Weg, den die Veneter nahmen, um ins Gailthal zu gelangen, sehr gut an der Hand der noch erhaltenen Inschriftenreste, sowie sonstiger Funde, Ueberlegungen und Ueberlieferungen verfolgen; er ging von Raganzuola oder Lozzo und Pieve di Cadore nach Tolmezzo am Tagliamento und von hier überZuglio, Paluzza, Timau und den Plökenpass nach G urina, andrerseits von Lozzo das Piavethal hinauf bis Sappada, von da nach F o r n i A v o 11 r i im 1) c g a n o t h a 1 und von hier auf den Plökenpass. Gurina erhebt sich als Vorberg des 2252 m hohen Jaukcn bis 866 m oberhalb des jetzigen 675 m hochliegenden Dorfes Diilach. Nach Osten und Westen fällt dieser Vorberg steil ab, nach Süden nicht minder, wenn auch in Absätzen und plateauartig und er bot daher in seiner das Thal beherrschenden Lage einen günstigen Punkt für eine befestigte Niederlassung, an deren Resten sich heutzutage nur schwer mehr erkennen lässt, was ursprüngliche Bodengestaltung gewesen ist und was die Kunst verändert hat. Jedem Touristen aber, der den Gurinahügel besteigt, wird es auffallen, dass Menschenhände hier das Terrain umge- staltet haben müssen. Ob es jemals gelingen wird, durch Ausgrabungen einen ganz gesicherten Einblick in die Geschichte dieses Stückes Erde zu gewinnen, steht dahin; bis jetzt konnte nur an den Funden erkannt werden, dass Gurina etwa iooo Jahre hindurch bewohnt gewesen ist, etwa von 600 v. Chr. bis 400 n. Chr. Man hat keinen Grund zu zweifeln, dass es auch als begräbnisstatte für seine Bewohner gedient habe, wenn auch bis jetzt nur wenige Gräber aus dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. entdeckt werden konnten und die Grabstätten der alten Veneter noch ihrer Erschliessung harren. Sollten sie noch erhalten sein, so versprechen sie reiche Ausbeute. Der nunmehr verstorbene bater Max Schlechter, der von 1865—1870 in Wärnzlach bc\ Mauthen den Pfarrdienst versah, hat schon zu einer Zeit, als noch niemand diesem Erdenwinkel Beachtung schenkte, in verdienstlicher Weise durch lleissige Nachforschungen hier Vieles zu Tage gefördert und seine Studien in einer lesenswerten Schrift: »Beiträge zur alten Geschichte des Obcrgailthals in Kärnten* (Wien 1885 in 8°) in allgemein verständlicher und anregender Form niedergelegt. Es folgten dann systematischere Ausgrabungen, und heute findet man eine grosse Reihe von Gegenständen von Gurina in den Museen von Wien, Klagen-turt und Vit lach, sowie in den Sammlungen des Fürsten Windischgrätz in Wien und des Verfassers, abgesehen von den vielen Stücken, die in der Welt zerstreut und kaum mit einer Herkunftsangabe versehen sind. Von den hauptsächlichsten Funden in Gurina seien hier die folgenden angeführt: Münzen: Keltische aus Silber, kaum 10 mm im Durchmesser, mit einem Stierkopf auf der einen und Fadenkreuz oder vierspeichigem Rad auf der anderen Seite; sie sind mit den von den Galliern in der ältesten Periode der gallischen Münzprägung zu Massilia (Marseille) geschlagenen Dreivierteldenaren ungefähr gleichzeitig und dürften aus dem 4. Jahrhunderte v. Chr. stammen; ähnliche Münzen hat man bei Klagenfurt gefunden. Cyprische aus Kupfer aus den Jahren 146—127 v. Chr., etwa 25 nun im Durchmesser mit dem Kopfe von Cleopatra l. auf der einen und einem Adler auf der anderen Seite; in Steiermark hat man mehr solche Münzen gefunden. Römische Münzen von 4* 4J v. Chr. bis 383 n. Chr. von AugUStUS, Caligula, Tiberius, Claudius. Nero. Vespasian, Domitian, Trajan, /lad, /au. Antonius. Maie .Iure/. ( ounuodus. ( araealla etc. Iiis Craliau. Zweifellos sind viele Hundertc von Münzen von Curiua in alle Welt zerstreut. Gewandnadeln oder Fibeln findet man in sehr grosser Menge, und zwar altitalo liallstaltcr. die vom 4. Jahrhundertc v. Chr. bis ins 6. oder weiter zurückreichen, auch eine mit veuetisc/ier Inschrift, dann keltische (sog. La Tine Fibeln) aus dem 1. bis 3. Jahrhunderte v. Chr., endlich römische vom 1. bis 4. Jahrhunderte n. Chr. Bronzebleche, und als Hauptcharakterist i ku m für Gurina, solche mit Inschriften. Wir bilden ein besonders schönes, das leider nur im Bruchstück aufgefunden worden ist, hier ab (Fig. 1), sowie ein Bruchstück eines mit figuralem Schmucke versehenen (Fig. 2, ca. ifi n. (ir.). 1 )iese Bronzeblechc mögen Schmuckbehänge, Amulette, Beschläge, Weihinschriften u. dergl. gewesen sein und reichen, wie sich aus dem Studium ihrer Inschriften ergiebt, bis ins 4. oder g. Jahrhundert v. Chr. zurück. Man kann zwar die Inschriften noch nicht deuten, aber die Form der Buchstaben, die gewissen altgricchischcn gleichen, wie die S. 92 eingeschaltete Wiedergabe derselben zeigt (Fig. 3), sowie die Stücke selbst und die sie begleitenden Funde ergeben nach Analogieschlüssen den zwingenden Beweis zu deren Altersbestimmung. Solche venctisclw Inschriften finden sich, wie wir unten sehen werden, auch auf einigen in Gu-rina gefundenen Geräten und auf den Würtulachcr Steinen ; es sind bis jetzt die einzigen nördlich von den Alpen und als solche daher hervorragender Beachtung wert. Figuren. /'. Max erzählt, dass er selbst 117 Bronze - Statuetten von Ciurina notiert habe, von denen mehr als die 1 lallte durch seine Hände gegangen sei, heute aber kennt man kaum 20, alle anderen sind verloren oder, wenn sie wo auf* 1 lewahrt werden , weiss man nicht, dass sie von Gurina stammen. Da Fig- -■ aber P. Max gewiss nicht von allen Figuren, die dort gefunden worden sind, gehört hat, so kann man getrost annehmen, dass viele Hunderte bereits ausgegraben worden sind und dass viele noch in der Erde begraben liegen. Unter den wenigen erhaltenen befinden sich mehrere Herkules-Statuetten, ein Löwen feil, das einem etwa 40 cm hohen Herkules angehört haben muss, ferner eine weibliche Gewand figur und ein tanzender — Rti — Kros. Alle diese Bildwerke scheinen vor römischer Herkunft. Ausserdem fand man drei seltene 9 cm hohe Figuren aus Zinn, Minerva und Nike darstellend; ähnliche kennt man nur vom Mctgdalenenberge bei Klagenfurt, Ks ist schwer, ihr Alter zu bestimmen, doch stammen sie wahrscheinlich aus der Zeit vor Christi Geburt und dürften im Lande selbst fabriziert worden sein. Au Waffen sind sowohl ein Bronzeschwert, als auch bis 1 m lange keltische Kisenschwcrtcr gefunden worden, ferner eiserne Messer und Dolche, Speer- und Pfeilspitzen, bronzene und eiserne Palstäbe (Aexte). An Werkzeugen und dergl. aus Bronze und Eisen: Meissel, Säge, Bohrer, Nägel, Pflugscharen, Sensen, Pincetten, Nadeln, (Jabel, Löffel, Schreibgriffel (?) mit venetischer In schrift, Schnallen, Knöpfe, Schlüssel, Glocken etc., wie auch viele in Bezug auf ihren Gebrauch nicht genau zu bestimmende bronzene und eiserne Bruchstücke. Ferner Ketten Y^AXS0Mnop4^iai(X)IIIX*iaA V cp U l a /• v j) o s n nt I k i {v) k z V f. a Fig. 3- aus Bronze und Eisen, Arm-, Ohr- und Fingerringe. Ein schönes Steinbeil aus hartem, hellgrünem Jadeit; Wetzsteine und Mahlsteine. Aus 'Phon Spinnwirtel; viele Heizziegel; eine grosse Menge Gefässcherben, von denen einige mit Venetischen Krat&inschriften, viele römischer, manche auch anderer, noch älterer als venetischer Herkunft. Aus Glas Fingerringe u. dergl., keltischen Ursprungs aus den j . Jahrhunderten v. Chr., römische Flaschen- und Gefässcherben, Man hat Gründe anzunehmen, dass Gurina am Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. zugleich mit Virunwn (Zollfeld bei Klagenflirt) zerstört und ausgeraubt worden ist; von da bis auf unsere Zeit sind aber noch an 1500 Jahre, in denen diese Gegend manche schwere Schicksale zu ertragen gehabt haben wird, und so kann man sich wohl darüber wundern, dass aus jener vorrömischen und römischen Zeit noch solche Ueberreste im Boden, und zwar oberflach 1 i c h verborgen lagen, wie es thatsächlich der Fall gewesen ist. Es zeugt das eben dafür, dass Gurina lange als be völkertc und grosse Niederlassung geblüht hat, wie denn auch viele Gebäudeteile aufgefunden worden sind; die ganze, um den Hügel sich windende Stadt scheint von einem Tempel gekrönt gewesen zu sein. Unserer Ueberzeugung nach winken noch manche Schütze dem glückliehen Finder hier und in der Umgebung. Die alten Verbindungswege Gurinas mit dem Süden über den Plökenpass zur Zeit der Veneier wurden oben schon erwähnt. Besonders markiert und für alle Zeiten sirher gelegt ist da jene Stelle, Gurina gegenüber, oberhalb des rechten Gailufers, an der sich die venetischen Fels-inschriften auf den Würmlacher Wiesen befanden. Wir sagen befanden, denn sie wurden im Jahre 1885, um sie vor der Unbill der Witterung und der Zerstörungswut der Menschen zu retten, herausgemeisselt und ins Klagen-furter Museum geschafft. Die Stelle befindet sich auf einem etwa 1100 m hohen Plateau, den sog. Wiiriulaelter Wiesen, SSO. von M au t heu und nahezu direkt östlich von der ersten Hütte der südlich von Mautken gelegenen Missoria-Alpe und von dieser eine viertel Stunde entfernt. Von Mautken ist die Stelle in einer halben Stunde erreichbar. Es ist ein vorspringender Felsblock aus blauem Thonschiefer, in dem ab und zu ein Nest Schwefelkies eingesprengt liegt; der Felsen streicht in seiner Längenachse von WSW. nach ONO., ist 530 cm lang und 150 cm breit, dacht sich in der Hauptplatte in einem Winkel von 45° nach Süden ab, bildet dann eine Ebene von 40 cm breite und schiebt dann wieder einen Steinwall senkrecht 35 cm empor, der sich in schwacher Rundung von einem Fnde des Steines zum andern zieht und den Eindruck eines absichtlich hergestellten Steinsitzes hervorruft. Auf der geneigten blatte befanden sich in sehr unregelmässigen Zwischenräumen zerstreut die Inschriften, etwa elf Zeilen, zum Teil mit bis 10 cm grossen Buchstaben. Ursprünglich mögen es mehr gewesen sein, aber viele waren ausgewittert, viele durch Hunderte von eingeschnittenen Namen ruiniert. In einem Schriftbande von 30 cm Länge hatte ein Unhold die alten venetischen Buchstaben in moderne umgewandelt! Es war also hohe Zeit, diese ehrwürdigen Reste eines grauen Altertums vor dem Vandalismus der Unverständigen zu schützen. Die Schriftzeichen laufen zum Teil von rechts nach links, zum Teil von links nach rechts und stehen zum Teil auf dem Kopfe, also ein sog. Bustrophedon, eine Kurchenschrift, d. h. eine Schrift, bei der die Zeilen, gleich den Rindern beim Pflügen, einmal von links nach rechts, dann von rechts nach links gehen. So war die alte Schreibweise der Griechen. Unsere Figur 4 giebt die achte Zeile der Würmlacher I nschrift in ca. '/-, n. Gr. wieder, sie wird von rechts nach links gelesen und die ersten fünf Buchstaben besagen BigUS (tfiyoi). wahrscheinlich ein Personenname im Genitiv, die andern Buchstaben lassen sich nur zum Teil und nicht zusammenhängend lesen, deuten kann man noch o, s, s, r. Ein zweiter Stein mit einer venetischen Inschrift stand im Hinterraud an dem Wege zwischen den Würm lachet Wiesen und dem Plökenpass, im Osten vom Eder, der an der Sirasse Mauthen-Plöken liegt. Jener Weg läuft der rechten Seite des Valentingrabens entlang und heisst Haidensteg oder Rennweg, auch alter Weg, und führt vom Fig. 4. Plökenpass am Würmlacher Steine vorbei über Krieghof'und Kro/thof nach Waidenburg, gegenüber Dellach und Gurina. Leider hat ein Felssturz im Jahr 1883 den Stein mitgerissen und unter Schutthalden begraben, aber er licssc sich vielleicht noch wieder auffinden, wie denn auch an den Hügeln von Kronhof und Krieghof Grabversuche nach Altertümern gemacht werden sollten. Jedenfalls war zu der Veneter Zeiten der Hauptweg von Italien über den Plökenpass ins obere Gailthal an den Hinterrauder und Würmlacher Felsinschriften vorbei an der rechten Seite der Valentinschlucht geführt, und vielleicht haben nur ähnliche Felsstürze später Anlass gegeben, die Strasse auf die linke Seite zu legen, wo sie jetzt verläuft; es ist nicht einmal sicher, ob die Römer dies etwa schon gethan haben. Während die alte Veneter Strasse über den blöken-pass erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderls bekannt wurde, weiss man von einer Römerstrasse daselbst seit langem, und zwar infolge der berühmten, in der Nähe der Passhöhe eingemeisselten alten Inschriften. Man kennt bis jetzt drei, von denen aber nur eine aus dem Jahre 373 n. Chr. zu datieren ist, die anderen sind zum Teil so vom Zahne der Zeit benagt und vom unverständigen Mutwillen der Menschen zerstört, dass man sie nur ungenügend entziffern kann. Alle sollten herausgenommen und in einem Museum aufbewahrt werden I Diese Steine bezeichneten die Strasse der Römer schon von Julius Caesars Zeit an; sie verband auf dem nächsten Wege den Hauptplatz Agni-le/a mit dem Norden und zog über Udiue. Trigesimo, Ccniona, l'enzoue (Peuschldorf), Tolmczzo (Schönfeld), Zugtio, durch den Kanal oder das Val di San Petro, Pa-luzza. 1 iniau (Tischlwang) zum Plökenpasse, dann quer durch das Gailthal und überschritt den Gailberg, um ins Drau t hal zu gelangen; von hier wand sie sich nach dem Osten und Norden über .V/. Peter im Holze nach Salzburg, und nach Westen und Norden über Licuz ebendahin, weiter nach Westen und Norden über .SV. Lorenzen und Sterzing nach Innsbruck und Augsburg. Wo die Strasse das Gailthal überschritt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen, man nahm bisher an, dass es bei Mauthen geschehen und hielt diesen Ort für das römische Loueiu/u, allein es ist ebenso wahrscheinlich und möglich, dass Loncium mit Gurina identisch sei und dass daher die Römer die alte Veneter-strasse beibehielten; es stimmen auch die überlieferten Ent-fernungszahlcn auf diese Weise. An der alten Römerstrasse oben am Plökenpasse sollen noch drei nicht näher erforschte Römersteine zu finden sein, und zwar zwei nicht weit von den drei bekannten. Es mögen dem sich dafür interessierenden Touristen daher die folgenden Daten dienen: Nahe der Höhe der Strasse findet sich auf der italienischen Seite eine verwischte Inschrift, etwa 60 cm hoch und breit, neun Zeilen lang, die rechte Ecke unten abgebrochen, sie liegt nahe der Strasse in Manneshöhe, dicht daneben findet man tiefe Radrunsen, Die zweite der drei bekannten ist etwa fünf Minuten von dieser nach Westen über der alten, nunmehr verlassenen Strasse an einer glatten hohen Felswand eingemcisselt, ebenfalls etwa 2 m vom Boden, etwa 65 cm hoch und 80 cm breit, sie ist besser erhalten und umfasst 13 Zeilen. Die dritte liegt südlich, hart an der Strasse, mehrere hundert Fuss tiefer nach PassicniiiL; einiger Serpentinen; auf einem etwa 2,5 m hohen Felsblockc finden sich acht Zeilen, die Schrift fängt etwa 1 m unten vom Boden der Strasse an und ist etwa 60 cm hoch und etwa 80 cm breit. Dieser Inschriftenstein steht über einer Lokalität, die tnercato veechio genannt wird und wo früher ein Dorf gestanden haben soll; es ist der, von dem oben bemerkt wurde, dass er aus dem Jahre 373 n. Chr. stamme; Kaiser / alentintan Hess, wie der Stein besagt, die Strasse wieder herstellen und nach diesem römischen Kaiser heissen heute noch die Vatcutinsclilucht und der Valentinback daselbst. Der Weg von den oberen zwei Inschriften zu den zuletzt genannten drei ist neu, der alte führt scheinbar von letzterer am gegenüberliegenden Gelände bergan zu jenem hin, wie noch zu verfolgen ist. An diesem alten Wege nun, nahe der Alpe Colliuetta. sollen noch zwei beschriebene umgestürzte Steine liegen, mit der Schrift nach unten. Kindlich soll der dritte erwähnte, noch unbeachtete K ö m e r-stein fünf Minuten von Ii mau sich befinden, wenn man hinuntersteigt links vom Weg etwa 2,50 Schritt bergan, oberhalb einer Mühle, nahe einer Stelle, wo das Wasser aus dem Felsen hervorquillt ('lumtanone), die Inschrift soll aus etwa 20 Buchstaben auf einem roten Steine bestehen, aber auch nach unten gekehrt liegen. Dass auch eine Römerstrasse das Gailthal abwärts führte, ist mehr als wahrscheinlich, Ein Römerstein wurde bei St. Da/iic/ oberhalb Dellach gefunden und ist jetzt dort in der Kirchenmauer eingefügt. Bei Leißing, unterhalb Gurina, sind im Jahr 1868 20 ra lange römische Gebäudereste mit Mosaikfussboden aufgedeckt worden, wie P, Max mitgeteilt hat. Ktwas weiter thalabwärts in Reisach wird wiederum ein Römerstein aufbewahrt und sind im Jahr 1881 Thonscherben gefunden worden. In der Nähe von Her inagor endlich befindet sich ein Erdhügel, dem römische oder keltische Altertümer (Schwert, Messer, Gewand-nadcln, Thongefässe) entnommen sind, auch fällt in der Nähe eine grosse, wallartige Krhöhung auf. Auch durch das GitscJitlial dürfte von Vellach bei Hennagor aus eine Römer Strasse ins Drauthal geführt haben, denn auf dem Kreuzberge kennt man einen Römer stein* und Reste eines »Heidentempels«} bei dem römische Münzen gefunden sind. Wer sich für diese Dinge aus vorrömischer und römischer Zeit im oberen Gailthale näher interessiert, erfährt Genaueres in des Verfassers Schriften: (luriua ~ und Die alten StrassenzÜge des Obergailtkales* (Dresden 1885 und 1886 in Quart mit 15 Tafeln), sowie in C. Pauli's Werk: Die leneter und ihre Schriftdenkmäler* (Leipzig 1891 in 8° mit 9 Tafeln). Auch aus den Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien und aus der Zeitschrift (arnithia. in klagenfurt lassen sich weitere Kennt nisse hierüber schöpfen. Die grosse Katastrophe in Arnoldstein im Jahre 1348. Von Prof. Dr. Fran* G. Hann. Kein Naturereignis in Mitteleuropa lässt sich an zerstörender Gewalt, Furchtbarkeit und Menschenopfern mit dem E r d bebe n v o m 25. Januar 1348 und d e n dadurch bedingten Bergstürzen vergleichen.*) Dieselbe vernichtete bekanntlich Villach. Wir geben hier die lokale Katastrophe in und bei Arnold stein. Die auf Arnold-steiner Aufzeichnungen zurückgehenden Berichte sagen darüber folgendes: »Am Pauli Bekehrungstage ist der Berg vor dem Gesichte (also gegenüber) mitternachts (der Dobratsch) durch ein Erdbeben zerspaltet heruntergefallen, 17 Dörfer, 3 Geschlösse und 9 Gotteshäuser völlig verschütt, welche meisten dem Kloster gehörig gewesen und vom 11. Otto gestift worden. Der Gailfluss hat sich angeschwollen und etlich Tag nicht durchgebrochen, hernach ebnermassen das Wasser Schaden zugefügt.« Marian in seiner Monasteriologie berichtet nach Arnoldsteiner Nachrichten, dass, obwohl die Burgen in der Nähe fielen, das Stift Arnoldstein erhalten blieb. »Ks war«, sagt er, »um die *) Man sehe meine wissenschaftliche Abhandlung über dieses Erdbeben und die Zerstörung von Villach im Jahre 1348 (Carintliia [., 82. Jahrgang, S. 69—80. I >as hier über Arnoldstein Mitgeteilte ist daraus entnommen ) Vesperzeit bei hellscheinender Sonne, gleich darauf aber mit finsterem Gewölke überzogenem Firmamente, dass Abt Floriamundus ein furchtbares Erdbeben schauen musste. Die Klostergebäude litten dabei nicht wenig, man sah von dieser entsetzlichen Spaltung zwei Spanner hoch Staub im Kloster liegen, in den Wäldern aber Bäume an Bäume gewaltig schlagen; die (docken an den 'Fhürmen hörte man von selbst ertönen und allenthalben das Jammergeschrei und Wehklagen; so war alles ertattert gleichsam ausser sich in Meinung, es sei der jüngste 'lag.- Goswin von Marienberg erzählt, dass die in ihrem Laufe gehemmte Gail so anschwoll, dass das Wasser hinter sie aufging und ertränkt Häuser und Dörfer, Güter und Leute. Das Volk floh aus mit Leib und Gut an das Gebirg. Das i i Kilometer breite Verwüstungsfeld gegenüber Arnoldstein war jedenfalls sehr stark bevölkert, denn auch nach einer Urkunde im Arnoldsteiner Archive vom 9. November 1391 sind 17 Dörfer und 9 Pfarrkirchen daselbst zu Grunde gegangen. Noch heutzutage zeigt das Antlitz der Erde daselbst die Spuren dieser Katastrophe (man sehe darüber Paul Grucber in der Zeitschrift des Österreich. Ingenieur- und Architektenvereines, \\. Jahrgang 1889. I. Heft). Die Türken einfalle in das Gaillhal. Von Prof. Dr. Fran* G. Hann. Der erste Einfall der Türken in das Kärntnerland im Jahre 1473 traf das Gailthal nicht. Doch konnten bei der mangelhaften Landesverteidigung und des gänzlichen Mangels an Hilfe von Kaiser und Reich neue Einfälle nicht ausbleiben, die schliesslich das Gailthal verheeren mussten. Im Gailthale waren die politischen Zustände der Verteidigung des Landes gleichfalls ungünstig. Zwar waren die Herren von Weissbriach unter Kaiser Friedrich die reichsten Fdelen im Lande Kärnten, da sie viele Bamberger und Görzer Lehen erworben hatten und durch den Bergbau auf Gold und Silber reich geworden waren. Aber es fehlte ihnen kriegerische Tüchtigkeit, wie überhaupt in Kärnten eigentlich unter dem Adel nur die Schenken von Oslcrwilz sich als Helden gegen den Halbmond zeigten. Bekanntlich herrschten zu dieser Zeit in der Ortenburg — Cillier'schen Erbschaft —■ also auch in Kötschach schon die Habsburgischen Landesfürsten, während der grösste Teil des Gailthales noch Görzisch war. Doch dieser Besitz der Grafen von Görz war durch Kriege und Abtretungen an die Landesfürsten und Edle thatsächlich zersplittert in Pflegschaften und so keine einheitliche Verteidigung möglich. Unter den Insassen des Gailthales herrschte Misstrauen und Abneigung gegen alles, was vom Adel kam. Eine allgemeine Steuer zur Türkenabwehr, welche auch die Bauern, Handwerker, Knechte und Mägde wöchentlich treffen sollte, der sogenannte Türkenpfennig, konnte im Gailthale nicht völlig eingebracht werden, da es Bauern gab, welche diese Abgabe verweigerten. Und doch war das Gailthal schon im Jahre 1476 beim zweiten Türkeneinfalle ernstlich bedroht gewesen. Wie ein Heuschrecken-schwarm ergossen sich in diesem Jahre die türkischen Brenner über Weisscnfels und Tarvis nach Arnoldstein, wo sie den Markt niederbrannten. Lassen wir den Zeitgenossen, Jakob Unrest, darüber sprechen: »Von dem Eeuer in dem Markt (sagt er) ward das Kloster auch prinnen, darin waren viel Leudt geflohen aus den markt und ab dem Gey (Land) als dann leider pey 200 menschen darin verbrunnen. Und da die Türken ersahen, das das Kloster pran, da wurden sy das zu der anderen Seyten stürmen, doch tet got genad, das si das Kloster nit gezwungen.« Also Brand und Einsturz, wimmernde Menschen, zugleich ein Sturm der Türken auf das Kloster, das sie doch nicht erobern konnten! 1 )och brannte das Kloster völlig ab, ja, es wurde in Trümmer gelegt, nur die Sakristei und die Keller blieben erhalten. »Damals war der Abt«, sagt Unrest, »ein frummer, alter vatcr, eines gueten Geschlechts, genannt die Steyerberger, der dem Kloster vill guets gethan hat, der pelayb pey leben mit seinen prüeddern«. Man sieht, Jakob Unrest sagt nur, dass Abt und Mönche am Leben blieben, es ist aber nicht gesagt, dass, wie es in Hermanns »Geschichte Kärntens« heisst, der Abt selbst heldenmütigen Widerstand leistete! Dies geschah zur Pfmgstzeit 1476. Die Türken setzten ihren Zug fort nach Köderaun, wo sie über die Gail setzten und bei Wernberg über die Drau schwammen. Also zufällig blieb damals das Gailthal noch verschont. Im Jahre 1478 schlössen die Bauern unter Peter Wunderlichs Führung einen Bund gegen die Herren, der zugleich zur Verteidigung gegen die 'linken dienen sollte. Traute man doch den Herren nicht, glaubte man doch vielfach, dass dieselben es auf Vernichtung der Bauern abgesehen hätten und daher die Bauern den Türken preisgäben. Nach den Urbarien mussten die Bauern die Abgabe der Grundsteuer in Aglaier (Aquilejer) Münzen leisten. Da aber bei der herrschenden Münzverschlechterung der Wert des Pfennigs gegen die älteren Aglaier um mehr als die Hälfte gesunken war, so verlangte der kaiserliche Vicedom in Spital für die Steuer den alten, mehr als doppelten Wert, also circa 21/2 Pfennige statt eines. Dem widersetzten sich die Bauern und bildeten einen Bund, der sich aber nicht bloss von Spital aus über den orten-burgischen Teil des Gailthales erstreckte. Sagt doch Unrest, dass man sich im Gailthale durchaus auf den Bauernbund verliess, welche Hoffnung freilich bitter getäuscht wurde. Nach einem glaubwürdigen Bericht kamen die Türken im Jahre 1478 in Flitsch durch die Klausen, wo sie die Höhen erstiegen. »Die Türken sind oben gewesen und haben stein herabgelassen, so dass die Christen haben müessen fliehen.« Die Erzknappen und Bauern wurden in der Goggau geschlagen, und nun ergoss sich der Feind über Thörl nach Strassfried, wo sie nach Unrest verbrannten, was sie fanden. Dies geschah am 26. Juli abends. Am nächsten Tage, es war ein Montag, drang die eine Schar der Türken ins Gailthal mit Blitzesschnelle ein, während die anderen dem Faule der Drau folgten. »Sie zogen«, berichtet Jakob Unrest, »als weit der Gayl boden war und verbrannten den Markt Herrn a gor. Sie tetten wunder grossen schaden an leudt und guet, wan sich het jedermann auf den pundt verlassen und hetten weder leib noch guet verrlochcn« (durch Flucht gerettet). Fürest macht geradezu den Bauernbund für all die Verwüstungen verantwortlich. Er sagt: »nun hört, was der pundt posses (böses) gemacht hat. Die Türkhen ver-prannten vast halben Tay] an der Gayl, (so) das ivenig heuser und Kirchen pelyben und Totten (töteten) etlich priester mit grosser Marter etlich viengen sie«. Die Türken kamen bis Mauthcn und zogen über den Gailberg ab. Eine Inschrift aus dem 15. Jahrhunderte, die auf einer Holztafel in der Sakristei der Pfarrkirche St. Daniel noch heute unverfälscht zu lesen ist, meldet: »anno domini 1478 affuerunt Turci, devastantes hanc eccelesiam et multi-tudinem captivorum duxcrunt«, d. h. im Jahre 1478 waren hier die Türken, verwüsteten die Kirche und führten mit eine Menge Gefangener. Die andere Schar der Türken hatte Dorf und Kirche Maria Gail eingeäschert, sowie die Gotteshäuser und Orte unter Finkenstein. Sic zogen abwärts durch das Rosenthal, wo sie, wie bekannt, in St. Jakob ein Blutbad anrichteten. Plötzlich und ganz unerwartet aber wendete sich ein Teil dieser Horden wieder thalaufsvärts, und sie kamen, sagt Unrest, durch das Rastal (Rosenthal) wieder an die Gail. Sic zogen thalaufwärts, dorthin, wo sie früher gewesen waren, und thaten furchtbaren Schaden. Die Leute, keine Gefahr ahnend, waren nämlich zu ihren Häusern und Brändstätten zurückgekehrt, da erschienen plötzlich die Türken und fingen eine Menge Leute, die sie fortführten. Sie durchzogen das ganze Thal bis Kötsehach und kamen, sagt Unrest, fast bis Lienz, also über den Gailberg ins Drauthal. Man sieht daraus, dass nur das Lessachthal von den Einfallen der Türken verschont blieb. Nach 1478 kamen die Türken nicht mehr in das Gailthal. Zur Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Gailthale. Von Prof. Dr. Franz G. Hann. Die neue Lehre des Protestantismus kam gegen die Mitte und in der II. Hälfte des XVI. Jahrhunderts auch in das Gailthal.*) Im slovenischen Teile desselben war es besonders die Herrin auf Wasserleonburg Anna Neumann, die sehr reich und angesehen war, welche den neuen Glauben unterstützte und verbreiten hall, ebenso wie der reiche Johann von Weisspriach *) Schon im Jiihre 1541 ist eine Adelspetition um Religionsfreiheit von Johann von YVeispriacli unterzeichnet. ihn begünstigte; es kamen Prediger und die slovenische Bibelübersetzung Trübe rs wurde verbreitet. In das mittlere und obere Gailthal bis K ö t s c h ac h-Mau t hen verbreitete sich der Protestantismus vom Drauthalc herüber, im Lessachthaie scheint der neue Glaube nicht tief eingedrungen zu sein. Dort, wo im Jahre 1515 der Grundstein zur berühmten Wallfahrtskirche in Luggau gelegt worden war, wurde ja im Jahre 1591 wegen immer zunehmender Andacht und Zulauf aller Standespersonen ein Kloster der Franziskaner erbaut, welcher Orden bald darauf im Lcssachthale blühte. Ganz anders sah es im Gailthale aus. Nach dem glaubwürdigen Berichte des Propstes Jakob von Stainz, der im Jahre 1606 ander bekannten katholischen Reformationskommission unter Leitung des Bischofes Brenner von Seckau und des Grafen von Ortenburg teilnahm, war die Lehre Luthers im Gailthale allgemein verbreitet. Ks waren nachweisba 1 protestantisch im oberen Gailthale die Bürgerschaft zu Mattthen und die Pfarrgemeinden zu Kötschach, zu St. Daniel, Grafendorf, Rattendorf und Kirchbach, ingleichen zu Tröpolach. Fernerwaren im unteren Gailthale die Pfarren zu St. Hermagor, St. Andrä, St. Georgen, St. Leonhard, St. Stefan, St. Peter ferner Wasserleonburg reformiert und die katholischen Priester verdrängt worden. Die meisten Neugläubigen waren im Gailthale Anhänger der Lehre des Flaccius, was aber von einem Teile der protestantischen Slovenen Unter-kärntens nicht galt. Doch berührte dieser Unterschied nur dogmatische Fragen über die Erbsünde. Der Protestantismus war also im Gailthale organisiert, als die Gegenreformation nach dem Grundsatze cujus regio ejus et religio« unter Erzherzog Ferdinand mit Gewalt den Katholismus wieder zur herrschenden Religion machte. Am 19. September t 600 kam die katholische Kommission nach Spital a. d. Drau, wo sie bis 2. Oktober weilte. Dahin wurden nun über 6000 Bürger und Bauern auch aus dem Gailthale vorgeladen. Die Gailthaler Abgesandten der Protestanten wurden gleich den Übrigen in einem grossen Saal »ausgefragt und ihnen auferladen, dass sie innerhalb drei Monaten katholischerweis beichten und unter einerlei Gestalt communiciren oder nach verstrichener Zeit ihr Saak mit der Station Nötsch a. Dobratsch. fürstlicher Durchlaucht Land hei Verlierung von Leib, Hab und Gut und Erstattung des zehenten Pfennings räumen sollen.« Dieser Beschluss wurde durchgeführt. Die Protestanten im oberen Gailthale wurden zum katholischen Glauben zurückgebracht, die protestantischen Kirchen zu St. Andre, Hermag or, St. Georgen, Leonhard und Maria Magdalena, St. Peter und Wasserleonburg mit Gewalt eingenommen und erobert. »Die sectischen Predi-canten«, sagt der katholische Berichterstatter, »wurden verjagt und das Volk zum Gehorsam zurückgebracht.« In allen früher protestantischen Pfarren wurden die protestantischen Bücher verbrannt. Die Priesterehe wurde abgeschafft, die krauen der Predikanten vertrieben, die Kommunion unter einer Gestalt eingeführt. Durch Missionen und Bruderschaften trachtete man nun im Thale die katholische Gesinnung wieder zu verbreiten. Und doch dauerte im Stillen die unterdrückte Lehre, so scheint es, fort. Lesen wir doch z. B. in Marians Monastcriologie, dass, als zu Anfang des 18. Jahrhunderts Kranz Walter von Herbstenburg und Franzenegg sich in amtlicher Eigenschaft eine Zeit im oberen Gailthale aufhielt, die Wahrnehmung gemacht wurde, dass viele Leute Unkatholisches glaubten oder nicht wussten, was sie glaubten. Dieser eifrige Katholik stiftete daher in Kotschach als Abwehr gegen »die einschleichende Irr lehre ein Kloster der S er vi t cn im Jahre 1710, worauf 1 7 1 5 der Bau des H o s pi t i u m s begonnen wurde. Seit 1627 die Franziskaner in L u g g a u die strenge Kegel der Barfüsscr angenommen und Luggau verlassen hatten, wirkten ausserdem die S e r v i t en i n Lug ga u, die im Jahre 1635 dort eingeführt worden waren, für die katholische Sache. Aber es scheint nicht, dass im Gailthale der Protestantismus der Gesinnung nach ausgerottet werden konnte. Dies gilt auch dann, falls der Aufstand der Bauern im 17. Jahrhunderte gegen den Abt von Arnoldstein, den die Bauern prügelten, nur soziale Gründe gehabt haben soll.*) Als unter Kaiser Josef II. Toleranz gegeben wurde, da erklärten sich, wie aus amtlichen Protokollen im Arnold- !") Uber dieses noch unbekannte Ereignis wird mein Freund Archivar v. Jaksch aus den Akten des Arnoldsleiner Archives andernorts berichten. Dai Gailthal, 5 steincr Archive hervorgeht, viele Leute als der alten Leine ergeben und verlangten das Abendmahl unter beiden Gestalten. Das Gailthal in den Jahren 1809^18 13. Von Prof. Dr. Franz G. Hann. Wenn auch in dem ruhmreichen Kriege, den Österreich im Jahre 1809 gegen Frankreich führte, im Gailthale kein grösserer Kriegsschauplatz war und sich daselbst keine Helden t haten abspielten gleich denen am Predil und Mal-borghet, so ist doch gar manch1 interessante Episode diesem Thale eigen und des Krieges schwere Last und Unheil traf die Bewohner des Gailthales gerade so, wie die übrigen Kärntner. Die Vorbereitungen zum Kriege wurden im Gailthale in gleicher Weise wie sonst in Kärnten getroffen. Die Landwehr wurde organisiert, patriotische Schriften verbreitet, die Stimmungsberichte, welche von den Behörden über die Haltung der Bewohner der Regierung unterbreitet wurden, lauteten günstig wie anderswo. Französische Spione zeigten sich auch im Gailthale. Das Arnoldsteiner Archiv meldet uns, dass solche Spione, welche der deutschen Sprache mächtig waren, als Arbeiter im Bezirke S t ra s s f r i e d-Khüenburg längere Zeit in Verwendung standen. Ks ergehen von den Behörden Aufforderungen an die Dienstgeber dieser fremden Leute, dieselben bei allen ihren Arbeiten strenge zu überwachen. Beim Ausbruch des Krieges brachte es die angeordnete Truppenverteilung mit sich, dass Teile des 8. Armeekorps im unteren Thale und bei Arnoldstein verteilt lagen. Ks ist bekannt, dass Erzherzog Johann mit der Hauptmacht anfangs siegreich im Venetianischen vordrang, dann aber, als er von den Unglücksfällen des grossen österreichischen Hauptheeres unter Erzherzog Karl in Bayern vernahm, den Rückzug antreten musste. Derselbe erfolgte über Arnoldstein nach Vi II ach. Der Feind drängte nach und schon am 13. Mai hatte er Arnoldstein erreicht. Die Bewohner des Bezirkes Strass-fried wurden von den einrückenden Franzosen auf das bärteste materiell geschädigt; es wurde geplündert und die Felder verwüstet, so auch in Köderaun , das die Feinde besetzten. Nun galt es, im Gailthale der feindlichen Invasion zu begegnen. Die Gailt haier folgten der patriotischen (hganisicrung des Landsturmes, zu der bekanntlich Gubcrniab rat von Fradcncgg am 29. April auf höheren Befehl die nötigen Anordnungen in Kärnten zu treffen begann. Im Villacher Kreise wurden die Bestimmungen über die Einrichtung des Landsturmes schon von 7. bis 12. Mai verkündet, was um so dringender war, als diese Stadt schon am 18. Mai von den Feinden besetzt wurde. Die Aufbietung des Landsturmes im Gailthale erfolgte nun zuerst i m Juni; dann aber wieder im Oktober. Die Erfahrung hat gelehrt, wie notwendig es gewesen wäre, die bewaffnete Landcsinsurrcktion noch eher aufzubieten. Denn, wie wir aus Akten des Villacher K reis-a m t c s wissen (nach denen wir überhaupt im folgenden bisher unbekannte Details liefern), erfolgte über die Blöcken noch im Mai 1809 der erste Einbruch der Feinde ins Gailt hal. Die französische Kolonne Dalmaticr unter Colonel Maroni überschritt die blocken in der Stärke von 1200 Mann. Am 27. Mai waren diese französischen Truppen in Mauthon, wo sie zum grossen Schaden der Insassen verpllegt werden nutssten. Von da nahmen die Franzosen den Weg über Kötschach, St. Daniel, wo gleichfalls von auferlegten Lasten die Rede ist, nach Herrn agor. Dort treffen wir sie am 2n den ( »Österreichern unter Anführung des Obristlieut. v. Mumb erobert worden. I)as Gefecht hat zu Ober-möschach um 12 Ihr Mittags angefangen, bat von da durch den Markt und Martinzcnfehl bis an I'resscgger Sei', wo vielle Franzosen in den See gesprengt worden sind, fortgedauert und sich um 8 Uhr Abends geendet. Eine grosse Anzahl sowohl gemeine, als Officiers der Franzosen sind schwer blesirl worden und eine eben so grosse Anzahl ist ge-tödlet worden. Dieser schröckliche Tag soll für llermagor immer un-vergesslicb bleiben. Der Main- dir (kmeinde llermagor: l'nletberger in. |>.' Zur Archäologie iiikI Kunstgeschichte des Gail- und Lessachthaies im Mittelalter bis ins 16, Jahrhundert, Von Prof. Dr. Franz G. Hann. Obwohl der historische Boden des G a i 1- und Lessach-thales nicht so reich an mittelalterlichen bunden ist als andere Teile Kärntens wie vor allem das Gurkthal, so birgt doch auch dieses Thal wertvolle und merkwürdige Denkmäler des Mittelalters. Die erste monumentale Aera der mittelalterlichen Kunst in Kärnten, die romanische, hat im Gailthale interessante Spuren aus dem 12. und 13. Jahrhunderte zurückgelassen. Dem kunstverständigen Wanderer wird es auffallen, dass sich aus dieser frühen Zeit mehrfach die höchst altertümlich aussehenden Turmfenster mit ihren Rundbögen und Teilungssäulen erhalten haben, die man beim gotischen Umbaue beibehielt. So verraten uns die romanischen Turmfenster von St. Daniel bei KötSChach, der ältesten Pfarrkirche des Thaies, welche bis ins r r. Jahrhundert zurück nachweisbar ist, noch die ursprüngliche Bauzeit. In Grafendorf gewahrt man an der Südseite der Kirche ein niedriges, echt romanisches Turmfenster, in Maitthcn blieb der Turm mit den dreigcteilten, romanischen Fenstern aus dem frühen Mittelalter erhalten und erhielt nur später den jetzigen gotischen Helm. Die Kirche zu Liesing im Lcssac/tt/iatc, die ich für die älteste Kirche des Lesachthaies halten möchte, zeigt gleichfalls in den rundbogig geteilten Licht-Oeffnungen noch den ursprünglich romanischen Charakter. Auch mehrere Kirchen des unteren Gaitthaies verraten in den rundbogigen OetTnungen noch den alten Stil, jedoch scheinen dicTeilungs Säulen in der gotischen Zeit umgestaltet worden zu sein. Ein romanisches Baudenkmal von hohem Alter und daher von wahrer Denkwürdigkeit besitzt das Gailthal in der ob Gt&fettdorf gelegenen Filialkirche und einstigen Pfarrkirche St. Helena am Wieserberge. Diese ist das älteste mittelalterliche Baudenkmal des ganzen GaÜthales und es tritt uns hier die romanische Landkirchc des XII. Jahrhunderts ebenso entgegen wie in Gurk und in St. Paul der romanische Dom und die romanische Abteikirche. Die halbrunde Apsis dieser Kirche mit halbem Spitzdache, auf welchem aussen als oberster Abschluss ein primitiver Kopf angebracht ist, trägt das unverfälschte romanische Gepräge. Das jetzige oblonge Kirchenschiff mit flacher Decke ist zwar jünger, aber von dem ältesten Baue ist auch hier sicherlich noch ein Teil der rechten Sciten-mauer erhalten und man gab dem Schiffe beim Neubaue genau die alte romanische Gestalt. Da. der an die rechte Seiten wand des Kirchenschiffes angebaute Turm nach seinen Fenstern und Mauern ebenfalls romanisch ist und nur im Erdgeschosse später, dass heisst im 15. Jahrhundert, in gotischer Weise zugewölbt wurde und eine gotische Thüre in die Kirche erhielt, also in seinem Grundbestandteile mindestens dem 13. Jahrhunderte angehören dürfte, so muss Apsis und Schiff der Kirche noch älter sein als dieser Turm. Dies wird in höchst interessanter Weise auch durch die Malereien der Kirche bestätigt. Man gewahrt nämlich an jener alten Kirchenwand, an die der Turm angebaut wurde, einen riesigen Christophoros. Die unteren Teile der Gestalt zeigen sich an der linken Wand des inneren Turm-Krdgeschosses, die oberen aber von der Brust an oberhalb des Gewölbes dieses Erdgeschosses im ersten Stockwerke der Turmmauer. Dieser Christophoros war also ursprünglich an die Aussenseite des romanischen Schiffes der Kirche gemalt und wurde dann durch den Turm anbau gedeckt und geteilt. Dies liefert den sicheren Beweis, dass schon im n. Jahrhundertc hier zu Lande der heilige Christophoros verehrt wurde. Dieser uralte bartlose Christophoros, auf dessen rechter Schulter das Christkind gleich einer Puppe sitzt, ist die älteste von den zahlreichen Christophoros-Darstellungen, die sich im Gailthale von Hohentkum bei Göriach bis .SV. Radegund bei Lorenzen im oberen Lessachthaie an die Aussenwand der Kirchen gemalt finden*). I >ie Kirche St. Helena weist auch die ältesten Malereien aus der romanischen Zeit im Innern <\ex Apsis auf. Da in die Umrahmung dieser Malereien teilweise die gotischen Fenster der späteren Restaurierung des 15. Jahrhunderts eingreifen, so müssen diese dem ursprünglichen Baue angehören. Im Innern der Apsis gewahren wir nämlich die Hoheit des Herrn als Weltrichter dargestellt (majestas domini). Christus thront auf dem Regenbogen in zugespitzten Oval (mardorla)**) mit geschlossenem Buche und segnender Hand, umgeben von den apokalyptischen Symbolen der vier Evangelisten, deren Namen man auf den Spruchbändern liest. Der Typus Christi "') Ks herrschte nämlich durch Jahrhunderte der Glaube, dass derjenige, welcher den kl. Christophoros anblicke, den Tag über nicht sterben könne. Man brachte darum seilt Bild mit dein [esuskinde, das er durch das Wasser trägt, aussen an den Kirchen an, um so den frommen Christen von dem jähen, unvorhergesehenen Tode zu schützen. Unter den Christophorosbildern im Gailthale erwähne ich besonders das höchst merkwürdige in Laos bei Kdtschach und in .SV. Radegund bei Lorenzen im I .cssachthalc, ferner den Christophoros aussen in Itohentluirn bei Göriach. Wenn nackte Gestalten im Wasser auftauchen, so sind dies Symbole der Versuchung. Manche Christopharosbilder stammen aus der Renaissancezeit, wie die gemalten Renaissaneepilaster mit Koniposilcnkapilälcn zeigen, so die genannten in Laos und St. Radegund und das Bild in .SV. Leonhard'in der Scklanitten bei Tröpolach, wo Christoph als blonder Riese gemalt ist, ferner in der Elisabethkirche auf der Plöcken u. s. w. Oft ist auch der Einsiedler abgebildet, der den Christophoros im Christentums belehrte und ihm befahl, seine Stärke dazu zu verwenden, die Wanderer über das reissende Wasser zu tragen. Bekanntlich war der Legende nach Christophoros ein Kie^e aus Rananea, der nur dem stärksten Herrn dienen will. Als dieser erwies suh das Jesuskind, das er über das Wasser trägt. In .SV. /telet/a am Wieserberge ist an der Südwand aussen ein zweites Christophorobild zu sehen, sechs Meter hoch und nicht ohne Schwung ausgeführt. Ks zeigt gleichfalls den Renaissancecharakter. Es scheint, dass Christophoros in Kärnten auch teilweise als Brotpatron verehrt wurde. *•) Dieses Oval heisst mardorla (Mandel) und hat mystische Bedeutung. Die mardorla (aurcola) wurzelt wahrscheinlich in dem Sirahlennimbus, der schon auf altchristlichem Goldglase die Gestalt Christi um- giebt. Sie ist der karolingischen Kunst schon geläutig und findet sich aueb auf den Darstellungen der I loheil des Herrn und des Weltrichters, die uns im Gailthale noch weiter vorkommen werden. Das Mittelalter gab der Madorla mehrfach eine mystische Deutung. Konrad von Würz-bürg in der goldenen Schmiede 432 saj^l: wie der Kern der Mandel sich in der unverletzt bleibenden Sehale bilde, so sei Christus in Maria gebildet. ist streng und starr, fast abschreckend. Unter dieser Darstellung sind die zwölf Apostel mit ihren Emblemen und den Namehinschriften gemalt, während in der Leibung des Triumphbogens uns die Prophctengestaltcn entgegentreten. Die Schriftzüge neben den Gestalten, ihre ganze Bildung und ihr Totalcharakter zeigen solche Aehnlichkcit mit denen im Gurkernonnenchore und in Pisweg bei Gurk, dass sie in die gleiche romanische Zeit zu versetzen sind und den Beweis liefern, dass die romanische Wan dmalerei in Kärnten nicht bloss in dem geistlichen Kulturzentrum Gurk gepflegt wurde, sondern auch in anderen Teilen des Landes.*) Tritt uns in .SV. Helena die romanische Wandmalerei entgegen, so sehen wir in der interessanten gotischen Kirche zu Maria Gail bei Villach romanische Skulpturen erhalten. Diese Kirche, von der in ihrer gegenwärtigen Gestalt nur mehr die Turmhalle auf die romanische Stilperiode zurück gehen dürfte, hat interessante romanische Skulpturen erhalten. Die liegenden Löwen aus rötlichem, marmorähnlichem Kalkstein in dieser Kirche stammen ohne Zweifel von dem einstigen romanischen Portale, wo der Löwe wie z. B. in .SV. Zeno in Verona öfters und so auch in Kärnten in romanischer Zeit als Träger und Wächter des Heilig-tumes, als schirmender Cu s t o de aufgestellt war. Der Löwe ist aber in der romanischen Kunst anderseits auch ein Symbol des Teufels, der herumschleicht wie ein brüllender Löwe. In diese Kategorie gehört die roma n ische Sku 1 p t u r, welche gleich den übrigen, die noch zu erwähnen sind, aussen in der Kirchenwand in Maria Gail eingemauert sind. Dort ist der böse Dämon als Löwe gebildet, der ein Lamm zwischen den Krallen hält. Auch gewahren wir .SV. Georg, den Drachentötcr, und die lybische Königstochter, welche dem Drachen vorgeworfen werden sollte und von ihm gerettet wurde. baue vierte Skulptur zeigt zwei Eh gel, von denen der eine durch Schwert und Wage als Symbol der göttlichen Gerechtigkeit, der andere mit der Posaune als Erwccker zum ewigen Leben gekennzeichnet ist. So rufen uns denn diese Reliefs Vor- *) Die Kirche St. I letata hat auch einen älteren Taufstein und einen beachtenswerten eisernen gotischen Kerzenhälter. Ausserdem linden oder Linien nh daselbst auch Kesle von primitiven < dasmnlereien Stellungen aus düsteren Jahrhunderten wach, die dem Volke durch geistliche Auslegung nahe gebracht wurden und in dem Ausspruche der Bsalmisten ihren Ausdruck finden ,,/'.'/'-rette uns aus d in Rachen des Löwent'* Bevor ich zur Gotik übergehe, sei nur ganz kurz der durch den Brand von 1883 zur Ruine gewordenen Stiftskirche zu Arnoldstein erwähnt. Die Kirche hat eine Krypta und der Turm, dem Schilfe vorgebaut, gehört der romanischen Zeit an. Das in Trümmern liegende Stiftsgebäude hat gotische Anklänge. Die beiden grossen romanischen Löwen am Eingänge, der eine sitzend, der andere stehend auf einem Lamme, sind nicht mehr an Ort und Stelle. 1 )ic Kirchen des (iail-, Lessach - u 11 d (1 i t s c h t ha le s, soweit sie nicht kunsthistorisch wertlose Neubauten sind oder wie die Kirche in Kirchbach in barocker Zeit gänzlich verdorben wurden, gehören der gotischen Zeit an. Die gotische Bauperiode beginnt aber in Kärnten überhaupt erst im ij. Jahrhundert und ist auch in dieser Zeit durch sehr wenige erhaltene Bauten vertreten. Ks gehören daher auch fast sämtliche Kirchen im Oailthale der Spätgotik an, wo eine grosse Bauzeit vor allem in die zweite Hälfte des 15. und die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts fällt. Einige wenige Bauten zeigen aber auch im Oailthale unstreitig den Charakter der besten Gotik, d. h. der Hochgotik, während die eigentliche Frühgotik ganz fehlt. Die den gotischen Malereien im Chore der Pfarrkirche ZU Grafendorf beigefügte Zahl 1414 zeigt, dass damals, als die Malereien im Chore gemalt wurden, der Chor schon fertig gebaut gewesen sein muss. Der ('hör stammt daher aus der Zeit der Hochgotik und ist auch in den besten Formen gebaut. Halbsäulen mit Basen und Kapitalen tragen die Netzgewölbe. Der Chor besteht aus zwei Jochen und hat den in Kärnten normalen Abschluss von fünf Seiten aus dem Achtecke.*) Der besten gotischen Zeit gehört ferner die Pfarrkirche zu Egg bei HermagOl* an, wo wir am Weihkessel die Jahreszahl 1424 lesen. Während der Chor der Kirche in der barbarischesten Geschmacklosigkeit im Jahre •) Die Jahreszahl 1521 am Triumphbogen bezieht sich auf den Bau des Schiffes, der kunsthistorisch belanglos ist. 1835 modernisiert wurde,*) ist das dreijochige Schiff und die zwei Kapellen aus der gleichen gotischen Zeit mit den schönen Sterngewölben und Masswerk an den Fenstern erhalten. Ein beachtenswerter, ich möchte sagen, einfacher Bau von einheitlicher Wirkung, obwohl schon der spätgotischen Zeit angehörig, ist die Kirche St. Lorenzen im Lessachthaie in herrlicher Lage im Hochgebirge. Aussen am massiven Glockenturme lesen wir die Zahl 1477; auch bemerken wir hoch oben an der Westfront das steinerne Bild des Salvators. Das Innere dieser einschiffigen Kirche mit den Rippengewölben macht einen stilvollen Eindruck, der durch die bemalten Schlusstcinc, die mit denen in Tillen bei Feldkirchen Aehnlichkeit haben, durch das herrliche "Wandgemälde des jüngsten Gerichtes und die mustergültigen neuen gotischen Flügelaltäre wahrhaft ästhetisch gehoben wird.**) Wirkt dieser bau trotz seiner architektonischen Einfachheit, so gewähren andere wegen ihrer Ansehn lichkeit einen nahezu monumentalen Charakter. Dies gilt vor allem von der spätgotischen Pfarrkirche zu St. Stefan an der Gail, einer dreischiffigen Hallenkirche (mit drei gleich hohen Schiffen), dichten Sterngewölben, Rippen! die auf kapitällosen Wanddiensten ruhen (ein echtes Zeichen der Spätgotik). Das Mittelschiff von vier Jochen hat die breite des Chores, der über drei Joche sich ausdehnt. Die Seitenschiffe sind um die Hälfte schmäler. Nur die späteren Seitenkapellen passen nicht recht zu dem sonst einheitlichen Ganzen. Ein spätgotischer dreischiffiger Hallenbau ist auch die Pfarrkirche zu Hermagor. Hier ist das Langhaus mit seinen zwölf Jochen und drei Paaren achtseitiger Pfeiler, die mit Sterngewölben, für die im Cailthale überhaupt eine gewisse Vorliebe herrscht, überdeckt sind, nicht unbeachtens-wert. Hingegen ist der Chor zu gedrückt und scheint der jüngere Baubestandteil zu sein. Weniger monumental ist '") Maler Brandstätte? aus K'dtschach liess im Chore die gotischen Gewölberippen herunterschlagen, um für seine mehr als /Weilelhalle Kunst Raum zu haben. So ist der harmonische Totaleindruck der Kirche vernichtet. Doch sind an den Chorwänden und am <'horschlussc noch die gotischen Dreiviertelsäulen mil ihren Kapitalen erhalten. Von den Glasmalereien der Marienkapelle wird später die Rede sein. "*) Davon später! Die Schlussteine der Gewölbe zeigen die Kirchenväter, Evangelistensymbole und die hl. Sebastian, Florian und Laurentius, die Pfarrkirche St. Johann in Weisbriach im Gitschthalc, eine einfache spätgotische Anlage, wo nur das letzte Joch des Schiffes, in dein die gotischen Rippen fehlen, und der späte Turni den Gesamteindruck stören. Im unteren (ia.il thale wären noch besonders die Kirchen ZU Förolacb, wo das Schiff neu, der Chor aber als spätgotischer Tau mit Netzwerk erhalten ist, und ihre Filiale St. Ruprecht in Presseken zu erwähnen. Hier treffen wir wieder die sternförmigen Wölbungen im zweiwöchigen Schiffe und im Chore. Im Schiffe sind, ganz charakteristisch für die sehr späte Gotik, die Rippen getragen von schwach eingebauten Strebepfeilern mit runden Diensten, während sie im Chore auf Konsolen auflagern. In Göriacll, WO die jetzige spätgotische Kirche 1489—r 5 16 gebaut wurde, sind die Kapitale und Konsolen besonders beachtenswert. Die Säulenkapitäle im Schiffe sind als Knollen derart, ich möchte sagen, phantastisch gebildet, dass man deutlich sieht, wie sich die Knollen in phantastische Fratzengesichter mit langgestreckten Tierleibern umwandeln. Recht schmuck sieht die nahegelegene spätgotische Pfarrkirche Feistritz an der Gail aus, WO die Gewölbejoche durch runde Wanddienste deutlich gemacht sind. Auch hier herrscht in den Konsolen der Dienste eine gewisse Phantastik, indem Tiergestalten, Eichenblattwerk und Fratzen mit aufgeblasenen Kacken wechseln, Durch den Brand von 1885 ist manches modernisiert. Die kleine gotische M agda 1 en en k ape 11 e mit ihren Netzgewölben hat laut Inschrift in der inneren Westseite, Meister Andre Kümisch, Steinmetz aus Egg 1522 erbaut.*) Im oberen Gailthale ist die Pfarrkirche ZU Mauthen besonders erwähnenswert. 1 )er älteste Baubestandteil derselben ist der romanische Turm an der Ostseite. Der Umbau der Kirche in das Gotische erfolgte nach der Inschrift aussen an der Südseite im Jahre 1514. Aus dieser Zeit ist das spätgotische Kanghaus noch unverändert erhalten. Der Chor dieser Kirche war nach Osten gekehrt; dort wo jetzt der Eingang in die Kirche ist, war einst der Abschluss In Uohcnthurn ist die Turinhalle des sehr alten Turmes, mit dem die Filialkirche St. Ciriacus in Verbindung steht, am beachtenswertesten. Im Chore der Kirche zeigen die Konsilien Menschenmasken. I >:is zierliehe spätgotische Ciboriam ist der Besichtigung wert. Interessant ist auch ein Betsiuhl (Bauernarbeit). - In- der Apsis, wie noch jetzt der rund bogige Bau zeigt, in dein die neue Thür gebrochen wurde. Man erweiterte nämlich im vorigen Jahrhunderte die Kirche nach Westen und brachte an dieser ungewöhnlichen Stelle den neuen Chor an, der den Stil des r8. Jahrhunderts zeigt. Der romanische Turm an der Ostseite war benachbart der romanischen Apsis und stand mit dieser in Verband. Betritt man an der Südseite des Turmes das Untergeschoss desselben durch die gotische Thür, so befindet man sich in einem viereckigen gewölbten Räume, der Spuren merkwürdiger, sehr alter mittelalterlicher Malereien aufweist. Ich gewahrte eine grosse monumental ausgeführte Mannesgestalt und zwei getlügelte Kngelsgcstalten. Vielleicht noch romanisch? Im Lcssachthale ist nebst Lorenzen die gotische Kiliale St. Radegund mit dem höchst merkwürdigen ChristopJiorosbrfd aussen an der Wand mit dem einfachen, aber schönen gotischen Masswerk des mit Netzgewölben gedeckten Chores erwähnenswert,*) ferner im unteren Lessachthaie die kleine gotische Pfarrkirche St. Jakob mit schadhaften Netzgewölben und Masswerk in den Fenstern des Chores. Nunmehr muss der Baut hat igkeit Meister Bartllllä Kirtalers gedacht werden, die uns in Laos, beim Umbaue der Kirche von KötschacJi und beim baue der grossen gotischen Kirche Maria Schnee in Luggau entgegentritt. Sein Bildnis, das ihn bekleidet mit einem bel/.mantcl mit ge- *) In dieser Kirche befindet sich ein Kütnincriiiskruzilix d. h. eine Darstellung der hurtigen gekreuzigten Jungfrau, welche die Kegende Kümmernis oder Wilgcforlis nennt. Solche I larsiellungen kommen unter anderem in Tirol vor. Im späteren Mittelalter bildete sieh die Kegende von einer bärtigen Jungtrau (eine solche kennt schon die ältere Kegende), die nur den gekreuzigten Heiland als Bräutigam haben wollte und daher von dem erzürnten Vater ans Kreuz geschlagen wurde. Man verfertigte nun Kruzifixe, welche dieselbe darstellen. Hin solches Kruzifix ist dies in der Kirche St. Radegund. Die bärtige fungfrau ist bekleidet und mit goldenen Schuhen dargestellt. Der I.eib ist in ein wallende, Unterkleid gehüllt, die Aennel sind bauschig in der Weise, wie sie noch heule im I.esachthale getragen werden. Die Arme sind horizontal ausgestreckt, der Körper straff gestreckt. Die Kümmerniskruzifixe sind missverstandene Nachbildungen der älteren Darstellungen des Gekreuzigten, wo derselbe bekleidet, bärtig und ohne Domen-, aber oft mit'Königskrone gebildet ist. Da man später diese Darstellungen nicht mehr verstand, so übertrug man die Kegende von der gekreuzigten bärtigen Königstochter auf diese alten Kruzifixe und sah sie für die gekreuzigte Kümmernis an. schlitzten Aermcln knieend darstellt, sieht mau in der Kirche zu Laas bei Kötschach. Man gewahrt dabei sein Steinmetzzeichen \~ und die Inschrift in gotischen Minuskeln : »Maister paitholome Firtaler hat gemacht die Kirchen 1535-« Der gleiche Meister ist inschrifilich auch am Schlosse Stein bei Dellach im oberen Drauthale beglaubigt. Am Turme der grossen Kirche in der Luggau hinwieder lesen wir in den einzelnen Absätzen die Jahreszahlen 1535, 1544 und 1582 und im zweiten Geschosse in gotischen Minuskeln den Namen Bartlmä Firtaler als Erbauer. Der Turm wurde ohne Zweifel erst nach des Meisters 'bode vollendet. Diese Bauten zeigen uns von einem langen Fortleben der Gotik im Gailthale im 16. Jahrhundert zu einer Zeit, als sich bei Spital im Drauthale schon das herrliche Schloss der Frührenaissance erhob, das jetzt dem Fürsten Porcia gehört. In Meister Bartlmä Ptrtalcrs Baustil, der uns in Laas rein und unverfälscht entgegentritt, sind alle Bauteile der Gotik in Bewegung geraten und der dekorative Bau-rahmen hat den Bauorganisnnis zurückgedrängt, so dass alle konstruktiven Gesetze der Gotik aufgelöst sind. Ich habe darum diesen dekorativen Stil, in welchem sich die Auflösung der Gotik vollzieht, geradezu eine Rokokomanier in der Gotik genannt In der Laaser Kirche ist das Gewölbe zuerst ausgeführt und dann erst sind die Rippen als maskierendes Zierrat in konstruktiv unmöglichen und daher nur in StUCCO ausgeführten Gliedern, die sich schlingprlanzenarlig ausbreiten, derart befestigt wenden, dass das Ganze fast nur den Kindruck einer Plafondmalerei macht. Dieser Kindruck wird durch die vielen mit Wappen bemalten Schilder und durch die fein und zierlich gemalten Ornamente zwischen den Stuccorippen noch gesteigert. Wir gewahren anmutig gewundene Spiralen mit zarten Blattgebilden, grashalmartige Stengel mit natürlichem Verlauf in den Zwischenfeldern der sich schlangenartig windenden Gewölberippen. Dieselbe konstruktiv sinnlose Manier ergeht sich aussen an der Kirche, wo die wuchtigen Strebepfeiler nur wie zum Spiele an die Wand gelehnt sind und keineswegs im soliden Mauer-V er ban de stehen. Pfeiler, die nach ihrer Form, Masse und Funktion bestimmt sind den Druck, der Gewölbe aufzunehmen, sind lediglich dekorative Schaustücke geworden. Am Südportal der Kirche aber krümmt sich das naturalistische Ast- werk als ob es nicht in Stein gehauen, sondern in Holz nach Art der Dekoration der Flügelaltäre geschnitzt wäre.*) Den schlanken Turm mit dem hochaufsteigenden Helm möchte man im Landschaftsbilde ebensowenig wie den des nahen Kötscliach entbehren. Der rote Sandstein der dekorativen Bauteile gereicht der Faaser Kirche gleichfalls /.um malerischen Schmucke.**) Die Pfarrkirche in Kötschach ist wahrhaft monumental angelegt. Sie besteht aus einem breiten Mittelschilfe und zwei Seitenschiffen von gleicher Höhe mit dem Mittelschiffe. Das rechte Seitenschiff aber ist sehr schmal und hat eigentlich nur die Aufgabe den Seitenschub der grossen Gewölbe zu vermitteln. Die Mauern und die Strebepfeiler aussen sind sehr massiv, alles verrät einen tüchtigen Meister. Als dieses Gotteshaus im Jahre 1518 abbrannte, wurde laut einer in der Kirche zu lesenden Jahreszahl 1518 und 1527 ohne Zweifel Finaler zum Neubaue desselben berufen. Sind doch die Gewölbe und Ffeüer ganz in der Weise Firtalers gebildet. Die Gewölbe sind nämlich mit einem wirr- und buntverschlungenen, nur aus Stucco ausgeführtem Netze von rein dekorativen Rippen bedeckt, welche sich schlingpflanzenartig ausbreiten. Auch in der Gliederung der einzelnen Pfeiler, von denen jeder in kapriziöser Weise anders gebildet ist, waltet Willkür ohne Rücksicht auf konstruktive Zwecke. Den sonderbarsten handruck machen bei einem Wandpfeilcr links im Seitenschiffe die weitvorspringenden, reichgegliederten Teile, die in geringer Höhe plötzlich durchaus abgeschnitten erscheinen und daher ohne etwas zu tragen, ich möchte sagen stalaktitenförmig auftragen. Der Pfeiler gegenüber hat in mittlerer Höhe eine weit vorspringende Platte, die nur zwecklose Spielerei zu sein scheint. Das noch erhaltene Mass werk zweier Fenster im Presbyterium und die Schaufenster des Turmes zeigen sehr reiche Gliederung. Das Presbyterium •) Man beachte auch den spätgotischen Leuchter aus Eisen und den gotischen Klopfer au der Sakristeithür; ferner die schönen gotischen Holzfiguren St, Georg und .SV. Florian, •*) In der Kaaser Kirche sei auch noch des einfachen Sa kramen t s-häuseliens aus rotem Sandsteine und eines starkrestanrierten Bildes erwähnt, das Sigmund Khevtnhuller zu Aichelberg im Jahre 1535 zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit stiftete. Künstlerischen Wert kann diese hgurehreiche Darstellung freilich nicht beanspruchen. hat ein modernes Kreuzgewölbe ohne Rippen, die man beseitigte, um für eine Bemalung Raum zu bekommen. Die Klosterkirche in der Luggau, welche 1515 gebaut und 1536 durch Daniel von Rubels, Patriarchen von Aquiteja geweiht wurde , ist eine einschiffige, monumentale, gotische Kirche, deren Turm an der Vorderseite der Kirche sich erhebt und durch die offene Turmhalle den Zugang zum Hauptthore der Kirche bildet. Die gotische Architektur dieses Baues Firlalers ist im Innern leider völlig vernichtet, indem die Wände in der Barockzeit der Rippen beraubt und mit prunkvollem Barockornament überzogen wurden. Damit stimmen die reichen Altäre überein. Hätten wir lieber statt dieser 1 Hiodezarbeiten der Barockzeit den älteren Bau Firtalefsi Dass die Wandmalerei in der gotischen Zeit sowie überhaupt in Kärnten auch im Gailthalc gepflegt wurde, dafür haben wir mehrfache Beweise. Ich fand, aufmerksam gemacht durch eine gütige Mitteilung des Herrn Dechantes Fratizisst, unter Brettern eine wohlerhaltene, den ganzen oberen Teil lies östlichen Gewölbefeldes im Chorabschlusse der Pfarrkirche ZU Grafendorf einnehmende „jüngste Gerichts"-I Erstellung, gemalt im Jahre 1414- hn oberen Teile dieses Gemäldes ist der Tag des Zornes gebildet. Christus thront in überlieferter Weise auf der Weltkugel, ein Regenbogen geht vom Richter aus. Maria und Johannes legen Fürbitte ein am Schreckenstage. Ober dem Richter sieht man Engel in den Lüften. Von Maria geht ein lichter Streif hernieder nach der Gruppe der Seligen. Wir gewahren unten (links vom Beschauer) eine Schar der Seligen, welche nackt dem himmlischen Jerusalem zugehen. Rechts vom Beschauer sind Auferstandene schon den höllischen Flammen überliefert. Einer kauert verzweifelnd am Boden, ein zweiter entsteigt hilferingend der Krde, ein anderer weint und birgt das Gesicht in der Hand. Weiter nach rückwärts sieht man auferstehende Gestallen. Ganz rechts ist der Höllenrachen als mächtiger Kopf gebildet. Den Hintergrund nimmt ein grüner Klan mit Höhen ein. Unter dieser Weltgerichtsdarstellung gewahrt man links den Erzengel Michael in gewaltiger Figur, eine Lanze haltend und geharnischt, rechts von ihm ist die Kürbittcrin der Menschen, die Gottesmutter, innerhalb einer Strahlenmardorla in Vollgestalt gemalt. Die' Inschrift in gotischen Minuskeln sagt, dass Leonhard Unter- beiger im 1400. und 14. Jahre das gmel habe machen lassen zu lob und eren Mariens und des Erzengel Michael. Ich kann ausserdem im bessachthale ein zweites Beispiel dafür anführen, dass die Wandmalerei in der besten gotischen Zeil im Gailthale blühte. Die Kirche zu Pud lau i y im unteren Lessachthale zeigt links im Chore über der Kredenznische echtgotische Malereien, die derselben Zeit angehören dürften, Wie die in Grafendorf. Man gewahrt Christum stehend in voller Gestalt die Wundmale weisend, ihm zur Seite Maria und Johannes, lieber den Gestalten erhebt sich ein reicher gemalter gotischer Baldachin. Die Gestalten C h r isti, Marien s und Johannes sind lang und zart, mit mildem Antlitze, echt gotisch. Die Innenwände dieser Kirche waren früher ohne Zweifel mit gotischen Malereien bedeckt, dieselben sind aber übertüncht und an der linken Wand des Schiffes traten wertlose, von Bauern gestiftete Malereien aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrb. an die Stelle der gotischen Darstellungen. Sowie hier liegen auch in anderen Kirchen des Landes so /.. B. in Laas Gemälde unter der verhüllenden weissen Decke. In St. Radegund bei Lorenzen war nach der Aussage älterer Bewohner die ganze Kirche im Inneren bemalt. Vor circa 40 Jahren wurde alles übertüncht. Der ( tiristop/ioros aussen an dieser Kirche verdient volle Beachtung. Zu beklagen ist der Ruin der Wandmalereien aussen an der Nordseite der Kirche St. Elisabeth auf der Plöcken. Man gewahrt dort noch Reste einer gross aufgefassten weiblichen Gestalt. Der Kopf ist noch erhalten; er zeigt wuchtige und üppige Formen und ist mächtig gestaltet, ausserdem gewahrt man Spuren einer Draperie. Links daneben sieht man einen Christophorosin Renaissanceumrahmung. Wie sehr am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit die Wandmalerei vom Volke gepflegt wurde, dafür liefern auch einige bemalte Bildstöckel, vor allem zwei solche an der Strassebei Reisach mitausdrucksvollen Gemälden, von denen eines auch das Wappen der Stifter zeigt, einen klaren Beweis. Von wirklicher Schönheit sind auch die bekannten Freskomalereien an der Aussenseitc des rundbog i gern K i 1 < h h o f po rt al es der Kirche zu Kirchbach, Das Mittelbild zeigt den ///. Mariin zu Pferd, der seinen Mantel mit dem Schwerte unter zwei Bettler, beide Krüppel, teilt. Zwei Kngel setzen ihm die Mitra auf. Die reiche Um- — no — rahmung des Bildes zeigt späteste Gotik mit Renaissance-Anklängen. Zu beiden Seiten dieses Bildes sind stehend in gotischen Nischen unter baldachinartiger Bekrönung rechts Zacharias und Ursula, links Johannes der Täufer und Jakob der Aeltere in Vollfiguren auf gemusterten) Hintergrunde gemalt. Dieses Bild ist durch Holzschnitt und Photographien in weiteren Kreisen bekannt. Hingegen war eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges, von der ich erst im Vorjahre die erste Beschreibung gegeben habe, bis jetzt fast unbekannt, nämlich die herrliche, wahrhaft künstlerische Darstellung des jüngsten Gerichtes, die eine Travee der linken Seitenwand der Kirche St. Lorenzen im oberen Lessachthaie einnimmt. Dasselbe wurde jüngst von Alois Gnädin-get in Feldkirch photographiert. Das Gemälde glänzt im satten Farbenschmucke voll Feuchtkraft; helle und intensive Töne walten vor. Christus in regenbogenartiger Mardorla sitzt auf dem Regenbogen und hat zu Füssen die Weltkugel. Das wallende Gewand lässt Brust und Hände frei; der Richter hat ein jugendliches Antlitz mit kurzem Harte und tragt die Krone. Vom Weltrichter gehen zwei Schwerter aus, von denen das eine nach der Seite der Seligen von Lilien umsprossen ist, während das andere sprühende Zornesflammen zeigt. Die Worte an den flatternden Spruchbändern verkündigen gleichfalls Seligkeit und Verdammnis. Oben in den Lüften schweben Kugelgestalten, welche die Abzeichen des Leidens Christi tragen; Johannes und Maria in ausdrucksvoller Geberde knieen fürbittend zu beiden Seiten des göttlichen Richterthrones. Daneben reihen sich rechts und links auf Bänken sitzend oder stehend im abgestuften Bogen die zwölf Apostel als Besitzer des Gerichtes. Hält sich der Künstler im oberen Bildteile trotz der porträtartigen Durchbildung der Köpfe und der schönen halten würfe inhaltlich an die alte Tradition, so zeigt sich in der unteren Bildhälfte sein ästhetischer Sinn als echter Renaissancekünstler in feinster Weise. Links vom beschälter zeigt sich ein mächtiger Bau mit Türmen, das himmlische Jerusalem. Ein reicher Zug der Seligen, voran Kaiser und Päpste, Bischöfe, ferner Patrizier und Bürger beiderlei Geschlechtes; Geistliche und Nonnen nähern sich der Pforte des Himmels, wo die göttlichen Musikanten spielend und Posaunen blasend der neuen Ankömmlinge harren. Die Vordersten knieen; (He Uebrigen bewegen sich wohlgeordnet in reicher Zeittracht. Alles ist: voll künstlerischer Ausführung. Der vorderste Papst kiisst knieend dem ///. Petrus, der gleichfalls als Papsl dargestellt ist, die Hand. besonders edel ist ein Jüngling mit wallenden Locken im Zeitkostüme gebildet, der ein Barett trägt; ebenso porträtwahr Damen in Zeittracht. Im mittleren Vordergrunde des Bildes vor einem Wegkreuze und einem Wassersprudel trennt ein Hirte die Schafe von den Böcken, ein treffliches Symbol der Scheidung der Guten und Bösen, die sich vollzogen hat. Den rechten Teil des Hildes (vom Beschauer aus) vorne nimmt eine wildbewegte Gruppe von Verdammten ein, zu einem Knäuel verschlungen und vom höllischen Seile umspannt. Teufel packen die Verdammten und führen sie dem offenen Höllenrachen mit Glotzaugen zu, in welchem der vieläugige Satan auf einer vierfüssigen Bestie thront. Im Hintergrunde des Bildes hinter dem Wegkreuze auf einem Hügel entsteigen die Seligen von Kugeln emporgehoben einerseits, die Verdammten mit Dämonen ringend andrerseits den Gräbern. In den Lüften gewahren wir posaunenblasende Kugel, die Streifen mit Kreuzen an den Posaunen enthüllen. Desgleichen entfalten auf der Seite der Seligen Kngel das Buch des Heiles, andrerseits aber Teufel das Buch der Verdammnis. Da die Kirche .SV. l.orenzai erst gegen Ende des. 15. Jahrhunderts gebaut wurde, so geht schon daraus hervor, dass diese .jüngste Gerichts"-] Erstellung dem Beginne der Neuzeit angehört. Ein Vergleich mit dem berühmten Kreskogemälde des jüngsten Gerichtes in Millstatt zeigt, dass dieses Bild derselben Zeit, also der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angehört und wahrscheinlich den gleichen unbekannten Meister hat. Wie in Millstatt ist der Zug der Seligen angeordnet und die Gruppe der Verdammten gleich angebracht, während im Hintergrunde ebenfalls die Auferstehung nur von Kerne und nebenher gezeigt wird. Der Heilige, welcher am Millstätterbildc Kinder in segelartig aufgespanntem Tuche in den Himmel trägt, kehrt in St. Korenzen im Zuge der Seligen wieder, ebenso der nackte Kürst mit ringenden Armen im Knäuel der Verdammten. Da aber, wie ich gezeigt habe,*) der unbekannte *) Man sehe meine Abhandlung »Das jüngste (Bericht in Millstatt, nehst Betrachtungen über mittelalterliche Weltgerichtsbilder«, Neue Carini hin S. 26—42 und 70 89. Vor allem S. 39 41. Meister des Millstätterfreseos sich in Italien an Fra BartO' lonteos berühmten jüngsten Gerichte (Florenz Maria uuova) gebildet hat, wohl auch Kaffaels Fresko in St. Severe* in Perugia und die Dispula im Vatikan gesehen hat, so bewundern wir in St. Forenzen gleichfalls einen künstlerisch geschulten Maler, vielleicht denselben wie in Millstatt. Doch möchte ich wegen der Anordnung der Apostel in St. Lorenzen, die noch nicht so perspektivisch vollendet gegeben ist wie in Millstatt, das Bild in die frühere Zeit der TMtigkeit dieses Malers setzen. (Anfang des 16. Jahrh.) An der gotischen (ilasmaleiei, die in Kärnten blühte, hat das Gailthal Anteil durch die schönen spatgotischen Glasgemälde in der Kirche zu Egg. In der dortigen Marienkapelle zeigt das dreiteilige Fenster Christum am Kreuze mit Maria, Johannes und der hl, Barbara (unten). Rechts und links sind die Stifter dieses Gemäldes, welche die Umschriften an den Wappenbildern nennen, dargestellt, nämlich Gandolf von Khünburg und seine Gemahlin Dorothea. Ks ist dies dasselbe Ehepaar, welches das interessante Bild an der Keime des Betstuhles in dergleichen Marienkapelle zu Egg stiftete, welches das Innere einer spätgotischen Kirche zeigt, worin die Mitglieder der Familie I\hiinburg beten. Unten sind deren Namen aufgeführt, oben wieder die Wappen des genannten Khepaares mit den Inschriften auf den Spruchbändern »Kandolf von Kyenburg und Dorothea sein hausfrau gep. von lind 1491.« Ein zweites Cdasgemälde in Egg ist nur in der obersten Tafel unversehrt erhalten. Die anderen Tafeln vom Sturme eingedrückt, wurden im Pfarrhofe deponiert.*) Von hoher archäologischer Bedeutung sind zwei bemalte Holzdecken aus der spätgotischen Zeit, von denen die eine auf das mannigfaltigste mit Arabesken und Tierfiguren bemalte Decke in Radnig bei Hermagor nach der Restaurierung der Kirche in der Vorhalle angebracht wurde, während die zweite noch jetzt die Decke des Schiffes der Kirche St. Leonhard in der Schlanitzen bei Tröpolach schmückt. Diese Plafonds sind unbedingt die wertvollsten und schönsten dieser Art in Kärnten und dürften überhaupt wenige ihres gleichen *) Die Grabsteine des Gandolf von Khuenburg [491 und vor allem der des Christof von A'huenburg y 1542 "n'l seiner Kran Sibylla von Silbtrberg sind sein- beachtenswert. haben. Der Reichtum der Motive ist geradezu erstaunenswert. Wir gewahren in Tröpolach Felder mit arabeskenartiger Bemalung, daneben aber Vogelgestalten mit Schlangenleibern, Blattgebilde, die tändelnd in Tierbildungen übergehen, Blätter, die in dämonenartige Fratzengebilde auslaufen, zierlich gebildete Hirsche (in den heldern gegen den Chor zu), Drachen mit langen Hälsen und kurzen Beinen, welche sich scheu umblicken, Blätter, auf welchen adlerartige Tiere ruhen, ferner spätgotische Baldachine und eiborienartige Gebilde, während andere Felder mit bemalten Sternen oder Bandverschlingungen und tauartigen Verknotungen erfüllt sind. All' dies ist höchst genau gestaltet und doch mit grosser Leichtigkeit und unerschöpflicher Mannigfaltigkeit hingeworfen.*) Am reichsten entfaltete sich die Kunst des Holzschnitzers, verbunden mit der des Malers im 15. und erste Hälfte des 16. Jahrhunderts auf den Flügelaltären, die in Kärnten zahlreich und wertvoll sind, und von denen das Gailthal einige sehr bedeutende Leistungen dieses Kunstgewerbes aufzuweisen hat. Wir sehen hier ab von einzelnen bemalten gotischen Holzstatuen, die sich zerstreut in Kirchen finden, müssen aber einiger bemalter Holzreliefs erwähnen, welche Kunstwert haben. Am Hochaltare der Kirche St. Stefan an der Gail befindet sich eine sehr ausdrucksvolle und sehenswerte in Holz geschnitzte Darstellung der Steinigung Stefans und eine ähnliche kleinere Darstellung der Marter des hl. Laurentius aus dem Ausgange des Mittelalters Auch die Darstellung des Todes Mariens aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts in Holzrelief in der Luggaukirche ist ein treffliches Werk dieser Art. In der Kirche zu Liesing im Lessachthaie befinden sich ferner an der linken Chorwand bemalte Holzreliefs, deren Ausführung zwar roh, aber voll Streben nach Naturwahrheit ist und die in die gotische Zeit gehören. Das eine Relief stellt dar, wie der hl. Nikolaus im Schiffe den Sturm beschwört, das zweite das Kornwunder desselben Heiligen, das dritte Nikolaus mit den goldenen Aepfeln und die drei Jungfrauen, das vierte führt vor, wie Nikolaus eine knieende edle Frau vom bode durch das Schwert errettet. Mögen diese Reliefs, sowie einzelne gotischen Heiligenstatuen, wie die in der •) M •'■M sehe meinen Aufsatz Catitithia I. 82, fahrgang, p. 174. Kirche St. Jakob im Lessachthaie, Teile von Flügelaltären sein, so können wir die Technik der Schnitzer und Maler an mehreren erhaltenen Flügelaltären im Gailthale vollauf bewundern. So in der Kirche Maria Gail bei Villach, wo ein reich geschnitzter Flügelaltar mit trefflicher spätgotischer Umrahmung der Verehrung Mariens besonders geweiht ist. In Seitschach bei Arnoldstein sind zwei Flügelaltäre, von denen der eine, der im Mittelbilde Maria mit dem Kinde darstellt, besonders Anerkennung verdient. Von hoher ästhetischer Bedeutung sind ferner zwei Flügelaltäre in der Kirche zu Presseken,1) von denen der eine grössere im Mittelschreine, Maria mit dem Kinde mit Kugeln geschnitzt enthält, während die Predella, die hl. . Inna mit Maria und Jesus im Schosse und die ganze Sippe Christi im Hintergründe, sowie vorne knieende Männer und brauen vorführt. Bei dem kleineren Flügelaltare ebendaselbst sind die Gemälde an den geöffneten Flügelseiten von wahrhaftem Kunstwerte. Sie zeigen rechts Maria mit aufgelösten blonden Haaren, welche das Kind hält. Sie trägt langes, golddurchwirktes Gewand und die Krone. Am linken Flügel besonders schön ein adeliger Jüngling in Hermelin und pelzverbrämten Sammtmantel, der eine Kauze hält. Beide Altäre stammen aus dem 16. Jahrhundert und zeigen, wie lange man in Kärnten in der kunstvollsten Weise am gotischen Altarschreine festhielt. Zu den beachtenswertesten FKigelaltären Kärntens gehört auch der Flügelaltar in der Leonhardskirche in der Schlanitzen bei Tröpolach. Der Altarschrein zeigt die bemalte Holzstatue des hl. Leonhard mit der Kette. Das Gesicht ist individuell lebenswahr und voll mächtigem Ausdrucke. Ich glaube, dass diese Holzstatue, ebenso wie die am herrlichen Khigeb altare der Leonhardskirche in Tiveug bei Möll brücken im Drauthalc und die in Zwickenberg oberhalb Ober-drauburg, der Schule des berühmten Michael Fächer von Brunneck entstammen. Von auserlesenem Schönheitssinn nach Kolorit, Gewandung und Haltung und von anmutiger Gesichtsbildung sind ferner am Flügelaltare in der Schlanitzen die vier *) Diese beiden Flügelaltäre wurden leider in jüngster Zeil um den Preis \<>n 700 Ii. an den deutschen Ritlerorden verkauft ! Anin. d. K Heiligen (Dorothea und Euphemia links und Erasma und Thekla rechts), die man bei geöffneten Flügeln auf schimmernden Goldgrunde gewahrt. In den Grund dieses Flügel-altares sind Namen eingekritzelt, der älteste schon im Jahre 1532. Unter den Monstranzen ist die in der Pfarrkirche ZU Arnoidstein aus der Uebergangszeit der Gotik in die Renaissance sehenswert. Wir sind, da wir die letzten zwei Jahrhunderte, die wenig Bedeutendes hinterlassen haben,*) nicht eingehend behandeln, am Schlüsse unserer Skizze angelangt. Mögen dem Gailthale alle seine Kunstschätze, die es noch besitzt, an Ort und Stelle erhalten bleiben! Möge es vor allem der Lokalpatriotismus der Gailthaler verhindern, dass unberufene Kunsthändler und Sammler im Gailthale Gehör linden, und wertvolle Objekte der Vorzeit in die Fremde schleppen. Diese Händler und Sammler schädigen das Land und die Kunst desselben. Man soll sie abweisen, wo immer sie erscheinen ! *) Unter den Bauten dieser Zeil ist das Schloss Wasserleonburg hei Sack im unteren Gailthale am bedeutendsten. Ks stammt laut Aufschrift an der Hofeinfahrt in seiner jetzigen Gestalt aus dem Jahre 1747 und ist von Andreas Setnmler von Sckarffenstein neu gebaut. Einzelne feile alier sind iiiler. I >er Hof hat an der Südseite einen Arkadengang. Die im nördlichen Schlossflügel angelegte Kapella mit PÜastergliederung und sehiiner hecke isl sehen-.wert. Bessere Barockaltäre und Barockbilder linden sich in einzelnen grösseren Kirchen zerstreut. Am merkwürdigsten dürfte» das Bild der Marter des ///. Cyriacus 1588 in der Kirche zu Hohenthurn sein. Es ist aber verblasst und sehr ungünstig beleuchtet. Am Seitenaltar der Pfarrkirche zu Arnoldstein befinden sich zwei bessere Bilder aus dem iS. Jahrhundert, die ///. Apollonia und Lucia vorstellend. In der Pfarrkirche zu Weisbriach im Gitschthale ist das Hochaltarblatt, die faule Christi darstellend, nicht unbeachtenswert, ebenso am Scilcnaliare die Krönung Märiens. In Gräfendorf erwähne ich den Ilarockallar mit Gipssäulen, in Mauthetl in der Pfarrkirche den Barockaltar mit dem Bildnisse des Id. Marcus und dem < >elgemälde der Klrönung Mariens. In der Sakristei der Kirche in der Luggau findel sieh ein interessanter Mfesskelch aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. ,r)b IM«1 landwirtschaftlichen Verhältnisse «l«ks Uiü\- uml Lessachthales. Besprocheri vom kaiserlichen Rate Cosinus Schiit:. Klima und Boden bedingen das Pflanzenwachstum einer Gegend. Der Wirtschaftsbetrieb im Gailthale wird daher erst verständlich, wenn diese beiden Faktoren in Betracht gezogen und entsprechend gewürdiget werden. Faner belli feneren Feder war es vorbehalten, das Zusammenwirken von Warme und Feuchtigkeit, wie es durch jahrelange Beobachtungen im Gailthale festgestellt ist, dem Feser vorzuführen; wir dürfen uns daher auf die Kennzeichnung des Bodens allein beschränken. Bei einer so bedeutenden Fängenausdehnung (FödefaUH-N'dtsch'Kötschack-Luggau) muss der Boden in einem Gebirgslande begreiflicherweise grosse Verschiedenheiten aufweisen: Felstrümmer und Gerolle längs der Südseite des Doöraisch, der Stätte des furchtbaren Bergsturzes (13.pS) ebenso auch in den Seitengräben, aus denen die Wi 1 db ä c he hervorbrausen, weiter thalaufwärts ausgedehnte moorige Wiesen, hervorgerufen durch den Rückstau der von den Schuttmassen des Dobratsch verlegten Gail; an den Hängen süd- und nordseits ein milder fruchtbarer Lehmboden, reich an Kalk, letzterer herrührend von dem dolomitischen Gestein, aus welchem die beiden Gebirgszüge vorwiegend gebildet sind. Dieser gutgeartete, durch rasche Verwitterung des bei Hochwässern abgelagerten Stein- und Scliuttmateriales sich immer wieder erneuernde, an anderen Stellen seit langen Jahresreihen ruhig abgelagerte Boden setzt sich auch durch das ganze Lessachthal fort, d. i. jenem hochgelegenen Teile des G ailt hal es, der bei Kötsehach beginnt und bei Maria Luggau endet. Fr ist für alle Feldfrüchte geeignet, soweit die Höhenlage deren Anbau zulässt: Weizen, Roggen, Gerste, inbesonders aber Türken (Mais) und Klee. Für letzteren sind alle Bedingungen zu üppigem Gedeihen gegeben: das feuchtwarme Sommerwetter und der frische kalkreiche Boden, infolge dessen diese treffliche Futterpflanze viel rascher auf demselben Felde wiederkehren darf, als anderwärts. Die Anbauverhältnisse sind nach der Erntestatistik des Jahres j893 wie folgt nachgewiesen: In Hektaren : F r 11 ch t ga 111111 g Im Gerid I lermagor ltsbezirke Kötschach Zusammen ( rail- und 1 .essachthal In °l /0 264 1S2 446 9 Roggen ....... 527 1028 20.2 237 250 487 10 Hafer........ 263 228 491 10 500 341 841 •7-3 Hirse, Penich..... 26 — 26 0.5 1 Pferdebohnen..... «4 34 48 52 68 120 2-5 ('/• Gertte, '/t S.-Roggen} 26 22 48 1 Kartoffeln...... 105 [ 14 219 4-5 26 23 49 1 Kraut........ »3 23 36 0.8 285 601 12.3 Eggarten....... 264 206 470 9-9 Zusammen 2633 2277 4910 100 Aus vorstehender Nachweisung geht hervor, dass 22,2 °/0 des Ackerlandes dem Futter baue gewidmet sind. Die Gras-wÜchsigkeit des Bodens an den schattseitigen Berglehnen des unteren Thaies, dann im ganzen oberen und Fe s s a ch-thale, — begünstiget durch die auf Sommer und Herbst ziemlich gleich verteilten namhaften Niederschläge - ist die Veranlassung, dass 9,9 °/0 Acker abwechselnd als Grasland genutzt wird (Wechseläcker, Fggarten). Hiebei wird selten Klee eingesäet, die Berasttng tritt so rasch und kräftig ein, dass es keiner weiteren Fansaat bedarf. Unter Berücksichtigung dieses Umstandcs ergiebt sich die weitere Thatsache, dass der R ot kl eeb au hauptsächlich nur in der Thalsohle und an den sonnigen Gehängen Platz hat, woselbst er zuweilen schon im vierten Jahre auf demselben Acker wiederkehrt. Als Hauptfrucht nimmt neben dem Roggen mit 2o,2°/0, der Mais die dritte Stelle mit 17,3 °/0 ein; letzterer dient last ausschliesslich zur menschlichen Nahrung, nachdem der Gail- und Lessachthaler seine ■ Plentcn ebenso schätzt, wie der benachbarte Wälsche seine Polenta. Bemerkenswert ist der nicht unbeträchtliche Anbau von Pferdebohnen zur menschlichen Nahrung im Lessachthaie. Wir entnehmen unseren Aufschreibungen nachstehenden Speisezettel des Lessacht haiers: Morgens: Schotten- oder Bohnensuppe, auch Türken-muss; vormittags: Im Sommer Brot, im Winter nichts: mittags: fünf bis sechsmal die Woche Plenten« mit Milch, einmal gesehmalzene Nockerln, am Sonntag Knödl; nachmittags: im Sommer Brot und Milch; abends; Gerstbrein, Suppe und Aehnliches. hie sonnseitigen Gehänge, sowie die Thalsohle verzeichnen indessen doppelten ITiichtbatt im Jahre. Ks folgt nach Roggen in derart günstigen Lagen noch Haiden (Buchweizen), nach Weizen die Stoppelrübe: neuerer Zeit wird in zunehmendem Masse Mengfalter in die Stoppel gebaut. Auch etwas Samenklee wird stehen gelassen. Es entfielen 1893 in Hektaren: I1' r ii C h t g n 1111 n g Im Gerichtsbezirke 1 [ermagor ECötschacc Zusammen 53 45 98 79 68 147 * Stoppelfulter..... • 3 7 20 16 14 30 Ivine strenge Kruchtfolge wird nicht eingehalten : der bedeutende Viehstand liefert gelingenden Dünger, um oft und kräftig den Acker begailen zu können; es darf daher im allgemeinen die Wirtschaftsführung als eine »freie« bezeichnet werden. In der liggartenregion wird häutig folgender Turnus eingehalten: 1. Winterroggen,** 2. Hafer, 3. Sommerroggen,** 4. 5. 6. Eggarten. ** bedeutet slarke, * bedeutet halbe Düngung. I m Lessacht ha Ic : i. Sommerweizen,** Türken,** Lein, Hafer, 2. Winterroggen, Winterweizen, Winterweizen,** Winterweizen.** 3. Sommerweizen oder Gerste,* Winterroggen (Stoppelrübe*). 4. Bohnen.** Türken,1* Kartoffeln.* 5. Sommerung mit oder ohne Kleeeinsaat. 6 bis 10. Kggarten. Iliebei muss bemerkt werden, dass die Höhenlage des Thaies den Anbau der Winterfrüchte bereits im August bedingt. Das Wiesenland umfasst: im Bezirke Hennagor 4990.4 ha » » Kötschach 3252.4 » zusammen: 8242. K ha übersteigt sonach das Ackerland um nahezu 70 Prozent. Der Rückstau des Gailflusses im unteren Thale, in jüngster Zeit einigermassen gemildert durch die Gailregu-lierung, dann die von den beiderseitigen Gcbirgswänden herabdrückenden Quellwässer und die die Thals oh le durch ihre Ablagerungen immer mehr erhöhenden Bach- und Flussläufe bewirken notwendigerweise ausgedehnte Versumpfungen der Thalsohle, infolgedessen grossenteils saures oder Pferdeheu gewonnen wird. Die Rührigkeit der l!e-völkcrung verzeichnet jedoch bereits namhafte Meliorationen. Ausser der im grossen Stile als Staats- und Kandesaklion durchgeführten Gailregulierung und der Wildbachver-bauungen sind im Genossenschaftswege durch die k. k. Land-wirtschaftsgesellschaft für Kärnten unter Leitung ihres Wiesen-baunu isters ganz ansehnliche Kntsumpfungcn erfolgreich durchgeführt worden und zwar /11 Hattendorf mit 130 ha, zu Kirchbach- Tressdorf'mit 390 ha, während mehrere andere, so auch die Tieferlegung des bresseker Sees sich in Vorbereitung befinden. Die Bringung des Kutters ist unter so bewandten Umständen begreiflicherweise häufig schwierig; will man ja die bekannte kurz geschürzte 'bracht der Gail-thalerinnen mit diesem Umstände in Beziehung bringen, und so gilt denn die Kutterwerbung als die wesentlichste bind wirtschaftliche Jahresverrrichtung mancher Ortschaften. Zahlreiche Heuhütten bedecken die ausgedehnten Wiesenflächen; wogegen der Klee teils auf I lief ein:« teils in sogenannten vHarpfen (Harfen) getrocknet wird —- landesübliche Vorkehrungen, welche sich seit langen Zeiten bewährt haben. Die Viehzucht im Gailthale kulminiert, den gegebenen Futterverhältnissen angemessen, in der Pferdezucht. Es wird ausschliesslich das den österreichischen Alpen eigentümliche norische oder pinzgauer Pferd gezüchtet: einige Tropfen Blut vom schweren Gestütsschlage, welcher durch die früher bestandenen ärarischen Beschälstationen dem vorhandenen Materiale beigemischt wurden hat keinesfalls geschadet; die Pferde des (lailthales sind dadurch nur ^gängiger« geworden. Sie sind daher nicht bloss geschätzt im schweren Zug, sie verdienen auch alle Beachtung für den Wirtschaftsbetrieb, sowie als Kanonenpfcrde für die Armee, da sie gleicherweise Kraft mit »Gängigkeit« verbinden. Die erzüchteten Kohlen werden meist schon in der ersten Jugend verkauft, wobei leider manches wertvolle Stück für die heimische Zucht verloren geht; was dieser erhalten bleibt, sommert regelmässig auf der Alpe, wobei sich die Lunge dehnt, der Brustkorb entwickelt und die Hufe stählen, nicht zu vergessen der reichen Krnährung der Knochen durch das kalkreiche Weidefutter der Gailthaler Alpen. Zähigkeit und Ausdauer, verbunden mit Genügsamkeit und ruhigem Temperament, sind darum weitere Vorzüge, wodurch sich das Gailthaler Pferd auszeichnet. Den offiziellen Listen ist zu entnehmen, dass im Jahre 1894 im politischen Bezirke Hermagor 14 Staatshengste in Privat pflege standen und daneben noch sechs lizentierte Privathengste deckten, deren Masse mit 164 und 174 cm Höhe und 185 bis 205 cm Brustumfang angegeben sind. Nach der Viehzählung vom 31. Dezember 1890 verzeichnet das Gailthal einen Pferdestand von Im Bezirke Im ganzen I lenhagi >r kötschach 1X90 1880 FoÜlen...... 498 312 8lO 773 Zuchtstuten..... 562 388 95° 821 Andere Sluten .... 398 230 628 564 Hengste...... 22 'S 37 28 46 97 167 Summa '53' 99' 2622 3858 Im Berzirke 1 in ganzen I fermagor Kötschacb 1890 1880 IVL-iulesel...... 4 2 6 Kl Maultiere..... 28 43 24 Esel....... 7 7 iS Vorstehende Ziffern illustrieren vollkommen das Gailthal in Kärnten als ein hervorragendes Pferdezuchtgebiet: von den Bauern werden fast ausschliesslich nur Stuten gehalten und was zuchtfähig ist, zur Zucht benützt; nebstdem ist deutlich zu ersehen, dass sich diese Ziffern gegenüber der Zählung vom Jahre 1880 nach aufwärts bewegen. Zur Maultierzucht werden in der Regel nur alte ausgetragene Stuten verwendet: als weiland Sr. Kaiserl. Hoheit Kronprinz Rudolf von seiner ()ricntreisc zurückkehrte, spendete er dem Gailthale jenen prachtvollen Eselhengst — einen Schimmel, den er von einem egyptischen Scheich zum Geschenke erhalten hatte. Weniger erfreulich gestalten sich die Ziffern in betreff der Rindviehzucht, soweit es deren Zahl betrifft. Es wurden gezählt: Im Mezirke Im g uizeii Bemerkungen llerinii-gor Köt-schach iS<)o 1880 Jungrinder unter 1 Jahr Stiere über 1 |ahr Kalbiuen über i Jahr. Jungochsen .... Zugochsen .... I598 109 2007 3152 647 225 1690 80 1331 2873 916 912 3288 189 3338 6025 1563 "37 $< i{ i 1 / 128 l 184 3731 7082 2317 1781 Stiere im Gebrauchsalter. Stiere über i Jahr. Zusammen 773S 7S02 1").")40 18284 Die Zahl der Rinder hat demnach im Gailthale innerhalb 1S80 bis 1 890 eine nicht unbeträchtliche Verminderung erfahren, was einerseits auf den erhöhten Pferdestand, ander' seits auf einen grösseren Abverkauf im Herbste 1 890 zurückzuführen ist. Dagegen hat sich die Qualität des im Gailthale gezüchteten Kindviehes wesentlich gehoben, indem die fortwährende Zufuhr reinblütiger Stiere des Möllthaler Schlages t — 128 — (pinzgauer Rasse) das frühere Untereinander immer mehr verdrangt und das Gailthal nunmehr bereits eine gute Bezugsquelle für die so genügsamen, in Milch und Ideichnutzung gleich wertvollen Rinder des genannten Schlages geworden ist. Besonders hervorzuheben ist in dieser Richtung das Gitsch t h al, woselbst bereits eine Rindviehzuchtgenossenschaft besteht, deren Aufgabe es ist, durch Festhalten des vorhandenen bestenMuttermateriales und beständige Zufuhr tadelloser männlicher Zuchttiere die Zucht zu veredeln. S tierprämiier ungen, welche regelmässig sowohl im oberen Gailthale, als auch in Hermagor stattfinden, verfolgen den gleichen Zweck und so darf denn angenommen werden, dass bei der bekannten Rührigkeit und dem Vorwät Isstreben des (iailthalers auch die Rindvichztieht sich bald zu einer wesentlichen Einnahms quelle gestalten werde. An Ziegen, Schafen und Schweinen zählte das Gailthal: Im Bezirke Im ganzen Hermagor Köts'chach 1890 1880 137» 2262 3640 39"9 Schafe...... 3283 3395 6678 7664 Schweine..... 1478 738 2216 1633 Die Ziegen, geschätzt als Milchtiere auf der Alpe, begleiten regelmässig in grösserem oder minderem Prozentsätze das übrige Alpvieh —- der Schaden, den sie durch ihren Biss im Jungwalde anrichten, ist die Veranlassung, dass sie namentlich von den Forstleuten gehasst werden und dass bei strengerer Handhabung des Forstgesetzes eine Verminderung dieses sonst höchst schätzenswerten Haustieres eintreten muss. Die Verminderung des Schafviehes, dessen Haltung die Ausnutzung der oft wasserarmen Kalkalpen des oberen Gaib und Lessachthaies ermöglicht, lässt sich ausschliesslich zurückführen auf die Wertverminderung, welche diese Tiergattung in der Ausfuhr nach der Schweiz und nach Frank' reich in den letzten Jahren erfahren hat. Gezüchtet wird fast ausschliesslich das Kanalthaler (Uggowitzcr-Sceländer), Schaf, ein hochbeiniges, ungehorntes Hängeohrschaf mit Ramskopf, das dem Bergamasker nahe verwandt ist und von demselben wahrscheinlich abstammend, als vorzügliches schweres Ideischschaf wohlverdienten Ruf geniesst. I >äe Schweinehaltung weist zwar im Jahrzehnt i 880/1890 eine Vergrösserung nach, immerhin aber ist die »Zucht« von keinem wesentlichen Belange. Grossenteils werden Ferkel in Knterkärntcn angekauft und dem Alpvieh mitgegeben, die abfallende Molke findet durch dieselben ihre beste Verwertung ; da indessen um Weihnachten meistens Schweinc-schlachten stattfindet, so geben die durch die Viehzählung mit 31. Dezember gewonnenen Ziffern gewissermassen nur den Tiefststand dieser Viehgattung im Haushalte des Landwirtes an. Die AlpenwirLschaft. Wer von der Höhe der Egger-KattZeh oder von einem höheren Punkte in das Gailthal hinabsieht, wird es erst gewahr, wie schmal dieses, von dem Silberfaden der Gail durchzogene Thal ist, wie wenig Boden dasselbe der Bevölkerung bietet! Und in der That: der Schwerpunkt der Landwirt schalt darf in viel höherem Masse jenen ausgedehnten Flächen zugemessen werden, welche südseits und nordseits der schmalen Thalsohle bald als langgestreckte Hochthäler, bald als gras- und waldbewachsene Gehänge oder Mulden in das Gebirge eingebettet erscheinen. Das von der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft für Kärnten in den Jahren 1873—1891 herausgegebene Quellenwerk: »Die Alpenwirtschaft in Kärnten« gestattet einen genaueren Einblick in die alpwirtschaftlichen Verhältnisse des Landes. Am südlichen Ufer der Drau gehören dem Gailthale zu: i. Die Alpen des Lessachthaies, 2. die Alpen südseits der Gail, 3. die Alpen nordseits der Gail, letztere wieder zerfallend in die Reisskofelgruppe südliches Gehänge undindieDobratschgruppe, Auf Hektaren umgerechnet, ergeben sich folgende Ziffern für das Alpenland des Gailthales: A tp enge bi e 1 Dei Alpen 1) avon t resa ml -auftrieb Kuhrechte j Anzahl Flächen-inass in 1 Eektaren bewaldet als Wiesen benützt Lessachthal .... 39 12132.8 2747 500 2899.1 Südlich der Gail . . 63 10496 2062 t85 7340.5 der Reisskofelgruppe . 26 6326 3809,8 1101 262 19243 der Dobratsch d [885 0.6 951.9 Zusammen «34 32764.6 7795 947.6 Die Gailthslbahn, G In diesem Flächenmasse erscheinen auch inbegriffen die aufgelassenen »Halthuben« — Maiensässe der Schweiz — welche übrigens hier weniger zahlreich sind, als im Gebiete des Urgebirges, dann die ausser Kultur stellenden Flächen mit ca. 6000 Joch. Ein vergleichender Blick auf die ViehstandszirTern lässt es begreiflich erscheinen, dass das (lailthal nicht jene Mengen Vieh überwintern kann, welche reichliche Sommernahnmg auf den Alpen hätten: ausser dem Drauthalc, welches teilweise Lessachthaleralpen benützt, ist es darum das angrenzende Venetien (Friaul) bis nach Palmanuova hinab, dem die trefflichen Hochweiden des Gailthales zu gute kommen. Zum Teil sind Alpen in wälsehen Händen, meist aber sind Alpen von Italicnern für ihr Vieh gepachtet, teilweise wird auch italienisches Zinsvich aufgenommen. Nach genauen Erhebungen bei den Finanzämtern zu Pontafel und Kärnten belief sich die Anzahl italienischen Weideviehes auf den südlichen Gailthaleralpen im Jahre 1872 auf 6182 Stück, die Abfuhr von Molkereiprodukten nach Italien auf ca. 49000 kg Fettkäse, 2200 kg Kutter und 0700 kg Zieger. Die Besitzverhältnisse sind verschieden geartet: es giebt a) Alpen im freien besitz (34), b) Alpen im Besitze ehemaliger Herrschaften mit Servitut und Weideberechtigung für ehemalige Untcrthanen (5), c) Gemeinschaftsalpen im Besitze mehrerer oder aller Insassen einer Ortschaft (62) und d) Nachbarschaftsalpen im Besitze von zur Benützung berechtigten Insassen mehrerer Ortschaften (33). Verpachtet waren zur Zeit der Erhebungen 18 Alpen, die übrigen wurden in eigenem Betrieb bewirtschaftet. In den Gemeinschafts- und Nachbarschaftsalpcn ist die Grundlage gegeben für eine rationelle genossenschaftliche Benützung und Ausnützung des herrlichen Weidebodens, welche aber nur dann erst goldene Früchte zeitigen kann, wenn auch die Verarbeitung und Verwertung der Produkte in einheitlicher Weise und auf gemeinsame Rechnung erfolgt. Bestrebungen nach dieser Richtung hin haben aber leider keinen nachhaltigen Erfolg gehabt; die Käsereigenossenschaft zu Egg hat bald wieder zu bestehen aufgehört. So wird denn der Tourist auf der Dellacher, sowie auf der Kgger-Alpe förmliche Dörfer von Alpenhütten gewahr mit den obligaten Wirtshäusern, woselbst jeder Besitzer für einige Stücke Vieh seine Leute zu halten bemüssigt ist, die den geringen Nutzen wieder aufzehren*, wenn es auch zu sog. »Alpenordnungen« gekommen ist, welche wenigstens die Verwaltung und Beaufsichtigung der betreffenden Alpengebiete zu regeln geeignet sind. Die Auftriebsrechte sind meist behördlich geregelt; für den Weidebedarf der verschiedenen Haustiere gilt speziell im südlichen Gebiete der Gail folgendes Verhältnis : für eine Kuh i Stoss ,, einen Ochsen i ,, ,, ein Stück Jungvieh '/2 ,, „ ein Kalb . . . V* ,, ein Pferd ... 2 bis 3 Stösse ,, ein Schaf V« Stoss ,, eine Ziege . . l/e ,, ,, ein Schwein . . V8 ,, Die Molkereinutzung in den Gemeinschafts- und Nachbarschaftsalpen pflegt häufig an einen »Alpherrn« verpachtet zu sein. Am neunten 'Jage nach dem Auftriebe ist Probemelken; was an diesem Tage ermolken wird, gilt als Masstab für die Berechnung. Zur Zeit der Erhebungen zahlte der Alpherr auf der Eggeralpe für die n.-ö. Mass an jenem Tage ermolkene Milch 4 fl. 50 kr. ö. W., nebstdem den Mägden per Kuh und Saison einen Gulden, das Salz u. m. a. Da die neumelken Kühe meist als Heimkühe zu Hause bleiben und bloss die abmelkenden Kühe auf die Alpe kommen, so ist es erklärlich, dass die Molkereinutzung nicht jenen Umfang erreicht, den sie mit Rücksicht auf die Güte der Alpen leicht erreichen könnte. Der Auftrieb des Weideviehes erfolgt in der Regel am Veitstage (15. Juni), der Abtrieb arn kleinen Frauentage Maria Geburt (8. September), wechselt jedoch nach der Höhenlage ausserordentlich, so dass die Weidedauer sich von 5 — 26 Wochen erstrecken kann. Wie sehr aber auch die Witterungseinflüsse die Auftriebszeit und die Weidedauer beeinflussen können, beweisen die Aufschreibungen auf der Aharnachalpe, woselbst 1862 schon am 28. Mai, dagegen im Jahre 1843 am 2f>- Jun* aufgetrieben werden konnte. Ohne uns in nähere Details einzulassen, sei schliesslich nur des hervorragendsten Alpengutes im Gailthale gedacht: der Plökneralpe. Oiese repräsentiert ein gegen Norden durch das Massiv des Polinik vollkommen abgeschlossenes Alpenthal, gegen ()sten durch einen hohen Gebirgssattel begrenzt, der sich mit.dem Promosspitz verbindet, während südlich der grosse und kleine Pal, westlich der Celon mit dem Kolinkofel den Kähmen bilden. Nur zwischen Celon und dem kleinen bal hat die Natur eine ()cffnung übrig gelassen, welche den bekannten Plöknerpass bildet, jene Einsattlung in die Klinischen Alpen (1214 m), durch welche der alte Römerweg von Italien nach Germanien führte. 1 )ie von den Höhen herabkommenden Wässer werden gesammelt vom Angerbach, der gegen Nordwesten abfliessend sich mit dem aus der Valcntinalpe kommenden Valentiner-bache vereinigt und unter diesem Namen der Gail zueilt. Die Pl'ökneralpe —seit 1776 im Besitze derselben Familie ist in eine Anzahl Wirtschaftsgebiete abgeteilt und zwar: 1. Der Angerboden, worauf 300 Rinder, 200Ziegen, 200 Schafe, 12 Pferde, 15 — 20 Schweine weiden. 2. Der Vorderanger mit r 20 Rindern, 200 Ziegen, ioo Schafen und 10 Schweinen. 3. Der Spielbodcn: 130 Rinder, 200 Ziegen, 100 Schafe und 15 Schweine. 4. Die Alpe Ober-Schindemund (Centi monti): 130 Kinder, 200 Ziegen, 200 Schafe, 15 Schweine. 5. Die Alpe Unter-Schinde m und: 200 Rinder, 200 Ziegen, 200 Schafe und 15 Schweine. 6. Die Alpe Celon mit 70 Rindern, 100 Ziegen, 60 Schafen und 10 Schweinen. Ks weiden demnach auf diesem Alpcngutc 950 Rinder, 1100 Ziegen, 860 Schafe und 80 Schweine\ die Erzeugung an Molkereiprodukten während des Sommers kalkuliert sich auf rund 20000 kg Fettkäse, 500 kg Butter und 2500 kg geräucherten Schotten (Topfen). Ein Besuch der /Vohu, woselbst sich ein stattliches, dem Fremdenverkehre dienendes Herrenhaus befindet, kann vom landwirtschaftlichen Standpunkte aus nur wärmstens empfohlen werden. 1)(T Wald und seine Bedeutung für «Ins Gebiet der Gall. Vom k. k. Forstrate und Landesforslinspektor Fr, Suda, Wollten wir die Urgeschichte der Waldungen des Gail-gebietes ins Auge fassen, so müssten wir einen Rückblick in jene Zeitperiode werfen, in welcher das Hügelland Mittelkärntens schon eisfrei dalag; wo die Moränen-hügcl in der Gegend des dermaligen Arnoldstein und Gailitz bereits abgelagert und wo die noch heute bei Feist ritz sichtbaren Gletscherschliffe von der Zunge des Gailgletschers nicht mehr verdeckt waren. Wir würden sehen, dass damals die Pflanzenvegetation und mit ihr der Wald, wenn auch langsam und in einer gewissen Entfernung, so doch sicheren Schrittes, der weichenden Gletscherzunge folgte, um später alle für ihr Gedeihen tauglichen Stellen in dem nach und nach eisfrei gewordenen Thale zu occupieren, bis endlich der Mensch erschien, um sich auf den vom Urwalde freigemachten Stellen seine Wohnstätten zu bauen. Wir würden uns bei diesem Rückblicke wahrscheinlich auch mit den Etru s kern und Römern zu beschäftigen haben, die sich ihre Wege und Strassen durch die Urwälder des Gailthalcs mühsam bahnen mussten. Die Verdrängung letzterer aus den zu anderen Kulturgattungen tauglichen Gebieten fand erst im Laufe der letzten Jahrhunderte statt. Heute sind die Waldungen des (iaillhales auf den absoluten Waldboden, d. i. auf jene Stellen zurückgedrängt, auf welchen eine andere Kultur nicht mehr lukrativ betrieben werden könnte. Sie bedecken eine Hache von 41282 ha oder 45 l'rozent des zu Kärnten gehörenden Gailgebietes. Der obere Teil dieses Gebietes umfasst das, einen schluchtartigen Charakter tragende Lessach thal, wogegen der untere Teil das eigentliche, eine breite Sohle besitzende Gailthal darstellt. Die Grenze zwischen beiden wird allgemein bei der Wetzmannwehre angenommen. Dadurch, dass die in Rede stehenden Waldungen einem von West nach Osl sich hinziehenden, langgestreckten Thale angehören, erscheinen sie dem Standorte nach in zwei von einander wesentlich verschiedene Gruppen getrennt, nämlich: in die Waldungen der »Sonn« und jene der »Schatten seitc.« Krstere stocken auf den durch Seitenthäler oft unterbrochenen Südhängen der Gailthaler-Alpen, besitzen vorwiegend einen trockenen, seichten Boden und weisen infolge dessen schüttere, oft kümmerlich aussehende Bestände auf. Die Waldungen der Schattenseite bedecken hingegen die Nordhänge der k am i sehen Alpen und die Seitenlehnen der aus denselben sich herabziehenden zahlreichen Wildbachgräben. Sie bieten den felsigen, vielumworbenen Häuptern dieser Gebirgskette: dem Garten- dem Trogkofel und der schwer zu bezwingenden Kellerwcind den herrlichsten Vordergrund. Der Boden, auf welchem diese Waldungen stocken, ist, insoferne er nicht aus Felsen oder Geröllhalden besteht, vorherrschend frisch; hat in der Regel eine gute Humusschichte und trägt dort, wo er noch nicht durch schonungslose Entholzuhg blossgelegt worden ist, ziemlich gute Wald* bestände, in denen schattenliebende Holzarten, wie die Buche und Tanne, öfter anzutreffen sind. Beide Waldgruppcn haben in der Gegenwart zwei hochwichtige Aufgaben zu erfüllen. Die erste dieser Aufgaben liegt in .der Lieferung des Ertrages in Form von Holz, Streu und Kuttergräsern an den Besitzer. Die zweite Aufgabe ist durch die Kage dieser Waldungen im Hochgebirge, durch den geologischen bau dieser Gebirge, sowie endlich durch die zahlreichen Wildbäche von vielfach bösartigem Charakter bedingt und besteht darin, die Abwittcrung der leicht verwitterbaren Gesteinsaiten in den oberen Partien der Wildbachgräben zu verhüten und hierdurch die unten im Thale liegenden Grundstücke, Wohnstätten und Fluss-regulierungsbauten gegen Vorschotterung zu schützen. Die grosse Wichtigkeit dieser beiden Aufgaben ergiebt sich aus der grossen Ausdehnung des Gailthales (91886 ha*), der Menge der zu befriedigenden Bedürfnisse, sowie endlich dem grossen Werte der zu schützenden Thalgründe und Bauobjekte. Der Umstand, dass, wie schon bemerkt wurde, der grösste Teil dieser Waldungen fast ausschliesslich auf unbedingtem, zum grossen Teile sogar auf solchem Waldboden liegt, für welchen eine besonders aufmerksame Behandlung vorgeschrieben ist, bringt es mit sich, dass, mit Ausnahme der in der Thalsohle liegenden Forste, alle übrigen Waldungen unseres Gebietes nach dem Landesgesetze vom 1. März 1885, ausserdem aber 396,7 ha im Sinne der SS, 19 und 20 des Forstgesetzes, und weitere 25179 ha nach den §§ 6 und 7 des letztgenannten Gesetzes als »Schutzwälder' behandelt werden müssen. I )ie Belastung mit Weide- und Streuservituten ist eine enorme; nicht weniger als 28858 ha oder 69 Prozent der Gesamtfläche unterliegen derselben. Die urkundenmässige Belastung mit bodenstrettservi-tuten ist stellenweise, sogar eine so exorbitante, dass sie der belastete Wald nicht zu befriedigen vermag, und dass infolge dessen eine zeitweise Reduktion dieser Servituten eintreten muss. Die herrschende Betriebsart ist der 1lochtvaldbetrieb; der Niederwaidbetrieb kommt nur in den Auwäldern zur Anwendung. Als bestandbildende Holzarten treten sowohl Nadel-, als auch Laubhölzer auf; doch wiegen erstere vor. Unter den Nadelhölzern nimmt die bichte die grösste Bodenfläche ein, der sich die Lärche in umso grösserer Anzahl zugesellt, je höher der Standort liegt. Degleitet werden diese Nadeb *) Von der Landi-s^rtMi/e bis zur Kimnündung der Goilitt in die (iiiil gerechnet. holzarten bis zu circa r400 in Seehöhe auf der Sonnenseite von der Weissföhre, auf der Schattseite von der Tanne. Die Weisslohre wird im östlichen Teile der sonnseitigen Waldgruppe immer zahlreicher, bis sie in der Gegend von St. Stefan und auf der Südlehne des Dobratsch in reinen Beständen auftritt. In den Hochlagen stellt sich die Krummholzkiefer häufig ein, wogegen die Zirbe sowie die Eibe in unserem Gebiete zu den Seltenheiten gehören. Die Schwarzföhre kommt erst seit neuester Zeit und nur dort vor, wohin sie durch Menschenhand gebracht worden ist, wie beispielsweise an der Südlehne des Dobratsch. Unter den 1 .aubhölzern ist die Rotbuche am meisten vertreten. Sie erscheint vorwiegend in Mischung mit anderen Baumgattungen, seltener in reinen Beständen, da aber in Prachtexemplaren. Unter dem schattigen Laubdache eines dieser Bestände führen die anmutigen Steige zu jenen herrliehen Aussichtspunkten hin, die mit dem im ganzen Lande wohlklingenden Namen Sr. Excellenz des Herrn k. k. Landes Präsidenten Franz Freiherrn von Schmidt-Zabilraw benannt, einen tiefen Einblick in die schauerlich schöne Valentin klamm gestatten. Von anderen baumartigen Laubhölzern finden sich der Ahorn, die Ulme, die Eberesche und die Weissund Grüneric, welche teils auf frischen Gcbirgsböden, teils in den Auoi längs der Wasserläufe häufig auftreten. Die gemeine Esche ist in Gesellschaft der Eiche vorwiegend nur in der Nähe der Wohnstätten, dann auf den Grenzen landwirtschaftlicher Grundstücke, sowie längs der Fahrwege anzutreffen, wo sie »geschneitclt< und hauptsächlich zur Futterlaubgewinnung ausgenützt werden. In geringerem Masse verbreitet ist die Birke; die Schwarzerle fehlt im Gailgebiete nahezu gänzlich. 1 )ie Weidenarten fanden sich früher zumeist nur an den Ufern der Gail vor, wo sie im Kopfholzbetriebe bewirtschaftet wurden ; in neuester Zeit werden edle Weidensorten in eigenen Gärten bei Afauthca. Kotschach, Jenig und Tröppolach unter staatlicher Beihilfe gezüchtet. I )as gewonnene Material wird je nach seiner Tauglichkeit entweder als Steckling zur Bepfianzung der durch die Gailregulierung gewonnenen Verlandungsgründe oder als Weidenrute zur Korbflechterei verwendet. Presseker-See. Den Besitzverhältnissen nach sind die Waldungen des Gailgebietes Staatsforste (785 ha), Kirchenwaldungen (122ha), Fideikommiswaldungen der Fürst Porciaschen Güter: Pittersberg.....6550,4 ha Goldenstein ..... 2467,3 » Möderndorf.....2583,5 » Grünberg .....1648,0 » daher zusammen: 13249,2 ha, Waldungen der Güter Wasser-Leonburg und Kühnburg (1036 ha), und endlieh Waldungen, welche bäuerlichen Besitzern und Genossensehaften gehören, und deren Gcsamtausmass 26090 ha umfasst. Der jährliehe Zuwachs in der Gesamtheit dieser Wälder, daher auch der jährlich nachhaltige Gesamtertrag an Holzmasse beläuft sieh auf 114 584.0 cbm, von denen ca. 3O°/0 als Nutzholz Verwendung finden. Die Bewirtschaftung der Waldungen des Gailthales ist zum grössten Teile eine bloss empirische; nur für die Staats-forste sind vollkommene Wirtschaftspläne aufgestellt worden. Für die Kürst Porcia'&chen Waldungen bestehen provisorische, für zehn Jahre berechnete Wirtschaftspläne, deren Giltigkeit schon binnen kurzer Zeit erlischt. Die Ausnutzung der Gailthalerwaldungen war bis zu den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts eine massige, sie nahm aber von da ab in den nicht dem Staate gehörigen Forsten an Intensität derart zu, dass sie an vielen Stellen den Namen einer Raubwittschaft vollkommen verdiente. Spuren hievon findet man in Form ausgedehnter Kahlschlage vielfach auch heute noch und zwar namentlich in den tief in die Kartuschen Alpen eingeschnittenen Seitcnthälern, wie bespielsweise dem Vordcrbcrger-, Kanutzor, Ossclitzoi , Stranig-, Kronhofet- und selbst weiter hinauf bis in den T'rolnigrabcn. Auf der »Sonnenseite« sind solche Spuren weniger häufig, sie fehlen jedoch auch da nicht ganz. An den von der Hauptstrasse aus sichtbaren Berglehnen sehen wir zwar bestände, die, aus der Ferne betrachtet, das Gepräge gut erhaltener Waldungen tragen und die daher obige Anschauung über die Raubwirtschaft zu entkräften geeignet erseheinen könnten ; dringt man aber in die Seiten- thäler ein, so verändert sich das Bild und lässt nur zu häufig die oben angedeuteten Spuren einer irrationellen Behandlung erkennen. Der dadurch gekennzeichneten, bedauerliehen Raubwirtschaft wäre gewiss noch mancher Waldkörper zum zu spät beklagten Opfer gefallen, wie z.H. einige im Lessachthaie auf denkbar brüchigstem Terrain stockenden Waldbestände des Fideikommissgutes Piticrsberg* Diese waren bereits mittelst Abstockungsvertrages an eine grosse Gesellschaft verkauft; ihr Schicksal und mit diesem das der Gailregulierung schien bereits besiegelt zu sein, als die Hochwässer des Jahres 1882, alles Erreichbare verwüstend, daher gestürmt kamen und den schlagendsten Beweis lieferten, wie die am schützenden Walde begangenen Sünden von der Natur gerächt werden. Das unter dem Kindrucke dieses Ereignisses zu stände gekommene Landesgesetz vom 1. März 1885 bot die Möglichkeit, den bereits abgeschlossenen Abstockungsvertrag zu lösen, und nur diesem Umstände ist es zu verdanken, wenn wir heute noch jene brüchigen Lehnen des Lessac h t h a 1 e s von dichtem Walde geschützt linden, die sonst gänzlich entblösst und der Abschwemmung preisgegeben worden wären. Wären diese Waldbestände nicht gerettet worden, so wäre dieGail kaum mehr im stände gewesen, die ihr aus den kahl gewordenen, brüchigen Lehnen massenhaft zugeführten Gerolle zu bewältigen, und die Gailregulierung selbst wäre hierdurch fraglich geworden. Seit dem Jahre 1S S 5 nahm die Forstwirtschaft in unserem Gebiete eine rasche Wendung zum Besseren. An die Stelle des breiten und ausgedehnten Kahlschlages trat an Gebirgslehnen der »Plenterhieb« teilweise auch der Plenterschlag« und nur selten kommt noch der Kahlschi a g in schmalen Streifen vor. Der Boden wird bei erst eren Betriebsmethoden des schützenden Waldmantels weniger beraubt; die Bodendeckc und die zum Gedeihen uncrlässliehe Bodenfeuchtigkeit bleiben erhalten und der Samenanflug sowie die Keimung des letzteren werden hierbei derart gefördert, dass die künstliche Nach' hilfe nur in geringem Masse notwendig erscheint. Dort, wo infolge der Ungunst der Verhältnisse junger Nach- wuchs nicht erwartet werden kann, wird entweder durch Saat oder durch Pflanzung künstlich nachgeholten. Zu letzterem Zwecke dienen zahlreiche, vom Staate und von der Fürst Porcid'sehen Verwaltung erhaltene Forstgärten, in welchen das nötige Pflanzenmaterial erzogen wird. Unter diesen Forstgälten verdienen die im EggfofSt und bei Kötsckach angelegten hervorgehoben zu werden. Der eigentliche Kahlschlagsbetrieb mit planmässiger, künstlicher Waldnachzucht kommt dermalen nur in den unten im Thale liegenden Waldkörpern, wie beispielsweise im Eggforste, zur Anwendung. Hier ist diese Bewirtschaftung zulässig, indem dadurch weder Abschwemmung des Hodens, noch Verschönerung unterhalb liegender Grundstücke, und ebensowenig die Beschädigung der Gailregulierungs-bauten zu befürchten stehen. Es kann daher kein Anstand gegen diese Wirtschaftsmcthode erhoben werden, insolange sie sieh in diesem beschränkten Umkreise bewegt und insolange für die künstliche Bewaldung in jener hervorragenden Weise gesorgt wird, wie dies dermalen von der k. k. Staatsforstverwaltung geschieht. Die „Schneitelung" der Waldbäume zum Zwecke der Aststreugewinnung wird zwar im G ai Ige biete nicht so masslos betrieben, wie im benachbarten Drau thale, aber dessenungeachtet strecken noch viele, des schönsten Schmuckes und damit zugleich der Lebenskraft beraubte Eichten ihre Stämme halb nackt gegen den Himmel als stumme Ankläger menschlicher Kurzsichtigkeit, denn die Gesamtfläche, aui welcher derart misshandelte Kichten stehen, beträgt im GaiL-thale heute noch 5S30 ha. Zum Kobe der intelligenten Bevölkerung muss aber gesagt werden, dass die Schneitelung in diesem Thale immer mehr abnimmt und dass Aussicht vorhanden ist, nicht nur die Gewinnung der Schneitelstreu, sondern auch jene der Bodenstreu erheblich einzuschränken. Diese Hoffnung erwecken jene Torflager, denen wir in der Nähe des P r ess ckers ee s, dann bei Vorderberg, Feistritz und weiter längs der Gail herab begegnen, und die ein Surrogat zu bieten im stände sind, das infolge seines starken Aufsaugungsvermögens nicht nur besser ist, sondern auch billiger zu stehen kommt, als die Waldstreu. Ks wird nur eines Impulses von seiten der intelligenten Landwirte bedürfen, um dieses billige Surrogat in Anwendung zu bringen. 1 )er Lessachthaler Landwirt wird zwar aus Mangel an T or IIa g e r n die Toristreu nicht in Anwendung bringen, aber auch ihm steht ein Surrogat der Schneitelstreu, in der Holzwolle, zu Gebote, deren Beschaffung bei dem geringen Werte des Abfallholzes nicht schwer fallen würde. Die »Lieferung«; des im Walde gewonnenen Holzes fand früher und findet zwar auch heute noch sowohl zu Lande als auch zu Wässer statt, doch sind die Bedingungen, unter welchen allein dermalen die Bringung stattfinden darf, viel strenger als früher. Sie bietet zahlreichen Arbeitern dauernde und lohnende Beschäftigung. Bei der »Ablieferung zu Lande« kamen neben Kiesen und Zieh- und Fahrwegen auch jene primitiven Transportmethoden häufig zur Anwendung, bei denen die einzelnen Holzstücke entweder über den Gebirgshang oder durch die nächstliegende Runse zum Lagerplatze befördert wurden. Letztere Lieferungsarten waren die schädlichsten. Es entstanden hierbei jene häufigen Bodenverwundungen, die sich in der Folge zu Rutschfiächen und selbst zu bösartigen Wildbächen ausbildeten, wie wir sie beispielsweise in dem Osse-hlr.-en-, dem PHstvitZ-, Daher- und anderen Gräben finden. Diese Sünden sind in jener Zeitperiode begangen worden, in welcher die weiter oben erwähnte Raubwirtschaft blühte ; — sie wurden schwer gebüsst. Heute sind solche Lieferungsniethoden ohne sofortige Reparatur der verursachten Bodenverwundungen nicht mehr leicht möglich, indem jede derartige Lieferung ausschliesslich nur erst nach erfolgter Bewilligung seitens der politischen Behörde und unter den von derselben gestellten Bedingungen vorgenommen werden darf. Hierdurch ist dem frevelhaften Gebahren Einzelner, durch welches die Gesamtheit empfindlich geschädigt wurde, ein wirksamer Damm gesetzt worden. Unter den Zieh- und Fahrwegen sei hier jener ausgedehnten Wegnetze Erwähnung gethan, die dem Beispiele der alten Römerstrasse am Plöckenpasse folgend, über die verschiedenen Pässe der k a mischen Alpen gegen Süden sich hinziehen, und auf denen ein grosser Teil der in den Hochlägen der Gailthalerseite erzeugten Hölzer teils in das Gebiet der Piave, mehr aber noch in jenes des Tagliauiento verrührt wurden und teilweise auch noch heute verführt werden. Um die Herstellung eines grossen 'Feiles solcher Wege hat sich die solide Firma Gdllin besonders verdient gemacht. Einzelne dieser Zieh- und Fahrwege sind zwar streckenweise bereits verfallen, aber die noch gut erhaltenen Strecken — stumme Zeugen ehemaligen regen Schaffens — genügen, um im Bedarfsfälle die notwendige Verbindung unschwer wieder herstellen zu können. Die Holzriese fand und findet noch in steilen Lagen und Schluchten Anwendung. Der Wasseriransport wird sowohl im gebundenen (Fl ö sser ei) als auch im ungebundenen Zustande (Trift) bewerkstelligt. Getriftet wird auf der ganzen Lesachthaler Strecke der Gail bis Wetzmann, wo sehr zweckmässig und solid ausgeführte Triftbauten zur Auswässerung der Hölzer dienen; geflösst wird nur auf der unteren Strecke der Gail, von Waidegg abwärts bis zur Einmündung der Gailitz in die Gatl. Diese letzte Art der Holzbringung dürfte jedoch nach Inbetriebsetzung der Gail t hal bahn nicht mehr notwendig sein. Wie mehrfache Spuren und Reste alter Triftbauten erkennen lassen, benützte man in früherer Zeit auch die Wässer der Seitenbäche zur Holzausbringung, die ungeheueren Schäden nicht achtend, welche in den Wildbachgebieten und durch diese auch im Hauptthale veranlasst worden sind. Diese Transportweise musste in neuester Zeit bis auf jene im Valentingraben aufgelassen werden. In früherer Zeit, als noch die Eisenindustrie in Kärnten blühte, als noch zahlreiche Hammerwerke in den entlegensten Seitenthälern im Betriebe standen, fand der grössere Teil des im Gailthale gewonnenen Holzes eine ausgiebige Verwendung zu Kohlholz-, heute ist diese Verwendung nahezugänzlich eingestellt und der grösste Teil des nach Deckung des Hausbedarfes verfügbar bleibenden Holzertrages mttss entweder zu Schnittware oder zu Holzstoff verarbeitet werden. Krstere wird auf ria Brettersägen, letztere in sieben wohl eingerichteten Holzstoffabriken in Gössering, Weissbriaeh, Grünburg, Vellach, Jfermagor, Mötsch und Schutt erzeugt, welche die schwächeren und minderwertigen Holzsortimente, die früher nur zur Holzkohle brauchbar waren, verarbeiten. tnter diesen Etablissements ist wohl das von Memnter in Grünburg, vermöge seiner modernen Einrichtung das sehenswürdigste. Noch vor wenigen Jahren besorgte auch eine von Herrn Hans Gasser erfundene rotierende Maschine die Erzeugung von Holzwolle; sie musstc aber leider infolge der schlechten Verkehrsverhältnisse und des hierdurch bedingten schwierigen Absatzes aufgegeben werden. An dieser Stelle sei auch der Korbflechtereischule in Rattendorf gedacht, in welcher ein grosser Teil der künstlich erzogenen Weidenruten Verwendung findet. Hiermit wäre die Behandlung der ersten Aufgabe, die der Wald zu erfüllen hat, leidlich erschöpft, und wir können dieser flüchtigen Skizze entnehmen, dass der Wald vielfachen direkten und indirekten Nutzen gewährt. Er bietet dem bäuerlichen Besitzer nicht nur Weide, Holz und Streu für den Hausbedarf, sondern auch das nötige Geld in der Not durch Verwertung von wertvollen Stämmen; eine grosse Zahl von Arbeitern findet in ihm und bei der Holzlieferung lohnende Beschäftigung und der Industrielle endlich erhält aus dem Walde das zum Betriebe seiner Industriewerke nötige Rohmaterial. Die zweite Hauptaufgabe, welche die Waldungen im Gebiete der Gail zu erfüllen haben, ist der Schutz der steilen Hänge gegen Abwitterung und Abschwemmung des Bodens und der Thalgründe und Bauobjekte gegen Verschotterttng. Wie allgemein bekannt, sind die Schutzwirkungen des Waldes vielfach vorhanden und auch anerkannt, aber nicht Überall in solchem Masse erforderlich, als im Gebiete der Gail. Hier sind es nicht nur die Hochgebirgslage, die Struktur und die geologische Beschaffenheit der Gesteinsarten, die den Schutz des Waldes für den Boden als eine Notwendigkeit erkennen lassen, sondern es müssen auch die Lage der das Gailthal einschliessenden Gebirgszüge mit Bezug auf die nahe italienische Ebene, sowie die hydrographischen Verhältnisse derselben in Betracht gezogen werden. Die karnischen Alpen stellen den ersten, von West nach Ost hinziehenden Riesenwall dar, an dem sich die von Süden kommenden Wetterwolken stauen müssen, um erst nach Ueberwindung dieses Hindernisses ihren Absturz in das Gebiet der Gail und hierbei auch ihre erste Entladung bewerkstelligen zu können. Dieser Umstand bringt es mit sich, dass die im Gail-thale bei Südwind niedergehenden Regenmengen grösser sein müssen, als die in den nördlich gelegenen Paraleli-thälern der Drau und der Mail. Einen Beweis hierfür bietet die Wahrnehmung, dass die im Drauthale bei Südwind niedergehenden Regenmengen geringer sind, als jene im Gailthale, und dass manchmal das Möllthal zur selben Zeit ohne Regen davonkommt. Gleiche, ja vielleicht noch auffälligere Wahrnehmungen können im Winter gemacht werden, wo nicht selten das Möllthal schneefrei daliegt, wenn die daillhaler Fluren mit metertiefem Schnee bedeckt sind. Diese Wahrnehmungen führen zu dem Schlüsse, dass die am schützenden Walde begangenen Sünden im Gebiete der Gail viel nachdrücklicher gerächt werden, und dass daher der Bodenschutz gegen meteorische Einflüsse im Gailthale viel notwendiger sei, als in den nördlich gelegenen Nachbarthälern. Nachstehende, aus der Wirklichkeit gegriffene Beispiele mögen dies näher erläutern. Sehr eingehenden Informationen nach war die Schuttführung des Osselitzenbaehes noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts eine minimale, aber auch die Bewaldung dieses Gebietes liess bis zum Jahre 1848 nichts zu wünschen übrig. Erst im letztgenannten Jahre wurden grosse Schläge eingelegt und das erzeugte Holz in die Hauptgräben geliefert, wo cs noch in losen Haufen aufgestapelt lag, als ein Hochwasser eintraf, das sich gewaltsam Bahn brechen musste. Hierbei fanden mehrere Verklattsungen, und durch diese bedeutende Unterwaschungen der beiderseitigen Bachufer statt, die den ersten Impuls zur Schuttführimg des Osselit.:; t-ubaehes gaben. Mit der Ruhe unten im Hauptthale war es nun für immer vorbei. Die einmal entstandenen Anbrüche fanden zu ihrer Konsolidierung um so weniger Zeit, als die Schlägerungen im Sammelgebiete dieses Wildbaches immer grössere, den Wasserablauf fördernde und die Anbrüche vermehrende 1 Hmcnsionen annahmen. Jedes Hochwasser, und darunter namentlich jene der Jahre 1852, 1882, 1885 und 1890, fanden ein dankbares ^ H4 __ leid für ihre zerstörende Thätigkeit; die Anbruche im Innern des Grabens wurden immer grösser und der Schuttkegel unten im Hauptthalc wurde immer höher, bis das ganze Gebiet jenen für die Gailregulierung sowohl, als auch für die Ortschaften Watschig und Tröppo/deh und die Knt-sumpfungsarbeiten bei Rattendorf bedrohenden Charakter annahm, welchen wir heute vorfinden und der den Qsselitzen-back zu einem der dermalen gefährlichsten Wildbachgebiete Kärntens stempelt. Eine Besserung dieses Wildbaches ist nunmehr nur mittelst einer systematischen Verbauung desselben erreichbar. Ein würdiges Seitenstück zum Osselitzengraben bildet der Vorderbergerbach. Auch dieser Graben war bis zum Jahre 1870 ein harmloses Gebiet. In seinem Innern stand noch der herrliche Alpenforst, Kesselwald genannt, und die steilen Keimen des Starhand deckte noch ein kräftiger, den Schneelawinen ein wirksames Hindernis bietender Waldbestand, Im Kaufe der letzten zwanzig Jahre sind die Zustände in diesem Gebiete ganz andere geworden. Der herrliche Kesselwald sowohl, als auch der kräftige Waldbestand an den schroffen Keimen des Starhand fielen der Axt zum Opfer Und die zerstörenden Wirkungen der meteorischen Niederschläge finden nun kein Hindernis mehr. Plötzliche Wasserstiirze und Schneelawinen stellen sich nun fast alljährlich ein. Im Winter 1887/88 kamen 17 Kawinen von dein steilen, nunmehr wähleniblösstcn Lehnen des Starhand herab, verlegten den bachlauf für mehrere Tage und stauten diesen zu solcher Herne, dass der Wasserspiegel die Kronen der Lawinendämme erreichte. Die unausbleibliche folge davon war, dass das gestaute Wasser gewaltsam durchbrach, und sodann mit Schnee und Schutt gemengt, plötzlich thalabwärts strömend, die Ortschaft Vorderberg nahezu bis zu den ersten Stockwerken der Wohnhäuser überflutete. Keller, Stallungen und ebenerdige Wohnräume waren durch mehrere 'läge mit dem schneegeschwängerten Wasser gefüllt; die Bergung des Viehes konnte nur mit grösster Anstrengung bewerkstelligt werden. Solche Ereignisse sind von nun an in jedem schneereichen Winter zu gewärtigen, denn die Lawinenstriche sind l'resseker See mit der Badeanstalt und dem Restaurant Frenzl. Nach einer Photographie des Herrn Oswald Moro in Hermagor. freigemacht, die von der kahlen Berglehne des Starhand sich loslösenden Schneemassen finden kein Hindernis mehr, um die Wässer des Vor der berger backe & abermals zu stauen, * und es ist nicht abzusehen, wann die für Vorderberg geschaffenen Gefahren ihr Ende erreichen werden. Diese zwei Beispiele, die übrigens im Gailthale nicht vereinzelt dastehen, liefern den schlagendsten Beweis, wie notwendig es in diesem Gebiete sei, den Wald zu schonen, um ihm Gelegenheit zu bieten, auch seine zweite Aufgabe, nämlich die des Schutzes der Thalgründe, Wohnstätten und Regulierungsbauten vor Verwüstungen vollauf erfüllen zu können. Werden beide Hauptaufgaben, die der Wald zu erfüllen hat, zusammengefasst, so ergiebt sich hieraus, dass derselbe einen grossen Kinlluss auf das Wohl und Wehe des gesamten Gailthales ausübt, und dass er daher jene Schonung und l'llege, die zu seinem Gedeihen nötig ist, in reichlichem Masse verdient, denn je besser sein Zustand, desto grösser ist auch sein Nutzen. Darum glauben wir keinen Fehltritt zu thun, wenn wir den Bewohnern des Gailthales zurufen: Pfleget und schonet den Wald und er wird euch hicfiir reichlich lohnen! \ Dm < toUthal. 7 Der Oallfluss und dessen Regulierung. Vom k, k. Oberingenieur Arthur Halst. Der Anschluss des Gailthales an den gmssen Eisen Schienenverkehr dürfte das Interesse weiterer Kreise für dieses Thal, für die dasselbe einrahmenden Gebirgsketten, sowie für die Naturkräfte und Gewässer wachrufen, welche diesen Gebirgsketten entstammen. — Es wird daher eine gedrängte Schilderung der im Thale waltenden Klcmentar gewalten und der Kämpfe nicht unwillkommen erscheinen, die seit Jahren von den rührigen Thalbewohnern unternommen wurden, um die Kulturstätten gegen die für gewöhnlich unscheinbaren, oftmals jedoch mit Elementarkraft thalab stürzenden Gebirgswässer, erfolgreich zu schätzen. Das fast geradlinig von Westen gegen Osten in das Villacher Becken verlaufende Gailthal ist im Norden durch die Kette der (Kailthaler Alpen, im Süden durch die Kam i s c h en Alpe n eingeschlossen. Bei K ö t s c h a c h und Mauthen treten diese Ketten näher zusammen, und bilden in der westlichen Verlängerung des Gailthales, das hochgelegene, wildromantische Kessach t hal, dessen enge Sohle durch die unausgesetzte Krosion bereits so tief eingeschnitten wurde, dass dieselbe nicht mehr kulturfähig ist, sondern dem Gailflussc, und den von demselben bewegten Schottermassen als unumschränktes Gebiet überlassen bleibt. Anders verhält es sich mit dem Thalbecken von Kö t sch ach-Mauthen ostwärts. — Der Gailfluss bleibt zwar ein echtes Kind der Gebirge, dennoch beginnt hier fast unvermittelt ein breites, fruchtbares Thalgelände, dessen Wert umso höher veranschlagt wird, als die zahlreichen Wildbäche und die Geschiebemassen des Flusses nur zu oft bestrebt sind, ihr Gebiet zu erweitern, und weitere Thalgründe der Kultur zu entreissen. — Diese schädlichen Wirkungen, deren Mächtigkeit und Dauer seit Urzeiten, durch die zahlreichen, das Thal querenden Schuttkegel der Wildbäche bezeugt wird, hängen mit dem G efüge und der Gesteins-art der Gebirgsketten, sowie mit dem ttrfaufhaltsam fortschreitenden A llüvionspr o zesse des Thalbodens zusammen. — Wie bekannt, besteht der Grundstock beider Gebirgsketten, und namentlich jener der Gailthalcr Alpen aus Glimmer1 und Thonschiefer, welchen vielfach mächtige Massen von Gehänge- und Glacialschutl vorgelagert sind; auf Glimmerschiefer folgen leicht verwitterbare Kohlensandsteine, Kohle nschiefer und K o h le n k a 1 k e , welche insbesondere in den hämischen Alpen ausgebildet und als »Gailthaler Schichten« bekannt sind, während die obersten Gebirgslagen und die höchsten Gipfel zumeist aus dem festeren Guttensteiner Kalke bestehen. — Die Glacialzeit, in welcher das Thal zweifelsohne durch einen machtigen Gletscher ausgefüllt war, hinterliess die prachtvollen Gletscherschliffe bei Kcderaun und an jenem Felsrücken, von welchem die Feistritzer Kirche in das Thal hinabblickt; auf dem Gletschereise mögen auch einige jener Felsblöcke zu Thal getragen worden sein, die unterhalb Arnoldsteins die Thalaussicht beleben. —■ Der weitaus grössere Teil der bei A r n old stein, und insbesondere der zwischen Mötsch und Federaun vorhandenen Felstrümmer, rühren jedoch von dem im Jahre 1348 stattgefundenen Dobratschabs 111 rzc her, durch welchen dem mittleren Gailthale der jetzige Charakter gegeben wurde. ..... Ob dieser furchtbare Bergsturz, dessen Stellen auch heule noch am Dobratsch überblickt werden können, mit einem Erdbeben zusammen hing, wofür die am Flusse des Dobratsch hervorquellenden Thermen, so wie der Umstand zu sprechen scheint, dass die Kette der Gailthaler Alpen entlang einer geologischen Spalte gelegen sind, mag hier nicht weiter verfolgt werden; — wohl aber dürfte es von Interesse sein, bei den für die Thalbildung wichtigen Kolgen dieses Bergsturzes zu verweilen, bevor auf die Schilderung der bisherigen Gewässerbauten übergegangen wird, zumal, da die letzteren den Verhältnissen angepasst werden mussten, welche durch den Bergsturz bleibend geschaffen wurden. Die abgestürzten Kclsmassen haben sich in der Thalstrecke »Schutt« zu einer ungeheueren fast 6 km langen und bei 26 m hohen Thalsperre — im vollsten Sinne dieses Wortes — aufgehäuft, wodurch thalaufvvärts ein Stausee entstehen musste, dessen Spiegel der Sage nach bis zur Kirche in Emmersdorf sich erhob und bis Möderndorf bei Herrn agor gereicht haben mag. — In diesem Stausee kamen im Kaufe der Jahrhunderte die vom oberen Thale durch 7* den Gailfluss geführten Sedimente zur Ablagerung, womit die jetzige, fast ebene Thals ohle von Nötsch aufwärts bis Gürtschach erklärlich erscheint, sowie die Bildung der in diesem Thalabschnitte vorhandenen trägen Klusserpen tinen begreiflich wird. — Während dieser Entwicklungsperiode mussten die Wohnstätten im Thale aufgegeben werden. — Beispielsweise waren die Bewohner von Vorderberg genötigt, ihr Heim in den niedersten Ahnen aufzuschlagen, woselbst die Spuren dieser Ansiedlungen noch heute vorhanden sind, und die in den Jahren der Not urbar gemachten Grundflächen teilweise auch dermalen als Acker benutzt werden. I >ie gewaltsame Unterbrechung des Thalgefälles durch die Kelsmasscn wurde zwar durch die seitherige Ausnagung eines tiefen Flusslaufes in der Strecke ^Schutt'', ermässigt, keineswegs jedoch ausgeglichen. — Das geringste Fluss-gefälle ist nämlich nicht in der Mündungsstrecke der Gail in die Drau, sondern nächst oberhalb der Schutt vorhanden. — Diese abnormen G e f ä 11 s v e r häl t n i s s e des Thaies, beziehungsweise des Flusses können in der nachstehenden Tabelle ersehen werden: Thal-nnil Flugstrecke Länge in Kilometern j Gefälle pro 1000 m Länge Höhe der natürlichen Flussufer Anmerkungen 1 «ess&chthal 35« enge Berg Schlucht mit steil aufsteigenden Felswänden Krosinnsgchict; in den wildbachartigen FIum niimden 18 grouere WÜdbäche. Wetzman n bis 1 »ellach bei Egg 38.0 I .O bis 1.5 in Gebiet der Schotter- und Sfcndftblagerung; In den Fluu münden linkerseits 6. rechter-seits 7 grössere Wildl>äche. ei ja Dellach bei Egg bis Schutt 22.6 1.0°/» 1.6 bis 2.5 in (icl)iet der Lettenalluvion ; in den Kluss mündet linkerseits i Bach, rechterseits 2 Wildbäche. et Schutt 6-3 5.2°/„fl 6 bis 12 111 F.rosinnsgebiet; enger und tiefer Flusschlailch mit Fcls-blöcken in der Sohle. — Auf-11; 111111 < ■ dea 1 railitzflusMs. Schtttt bis zur Mündung 13.9 15 bis 3.0 in < iebiel der Atilagcrung von gruben Geschiebemassen des GaflitxflUMM lind sonstiger l'.u he, Der Ansta.il der im Tliale öfters vorkommenden Hoch-Wässer wird jedoch nicht nur durch die Schutt, sondern auch durch die grosse (i e s c h i e he t h ä t i g k e i t der zahlreichen Wildbäche verursacht, deren Gerolle zu lokalen Hebungen der Flussohle den Anlass geben, und deren mächtige Schuttkegel das Thalgelände förmlich absperren, wodurch, nach Massgabe der Verengung der eigentlichen Thalsohle, nicht unbedeutende einzelne Staubecken erzeugt worden sind. —■ Auf diese Weise wurde die Bildung des Feistritzer und Km Miersdorfer Mooses, sowie jene des Vor de rberg-Gört Schacher Mooses durch die lokale Stauwirkung der Wildbäche Feistritz und Nötsch, ferners Vorderberg begünstigt —- so entstanden allmählich die Moose bei Watschig, Tröppolach, Rallendorf, Tressdorf, Stranig, Reisach etc., als Folge der nächst unterhalb abgelagerten Wildbachsch utt-kcgel, durch welche nicht nur die Gailwässer, sondern auch die an den Bergfüssen hervorkommenden Quellenbäche an ihrem Abflüsse thalabwärts behindert werden. Die Unfertigkeit des jetzigen Thalgebildes wird am deutlichsten durch die Masse der im Thale alljährlich zur Ablagerung gelangenden Sedimente illustriert. Die Betrachtung der obersten Schichten des Thalbodens und die Beobachtung der Wirkungen der Hochwässer, welche ihre trüben Fluten fast in die ganze Thalsohle ergiessen, haben nämlich ergeben, dass dieselbe, im grossen Durchschnitte, jähr lic h um 2 cm durch die vom Hochwasser bewegten Sedimente aufgelandet wird. Die Masse dieser Auflandung ist demnach pro Jahr, durchschnittlich auf vier Millionen zu veranschlagen, und kann hieraus auf die grosse Thätigkeit des Gailflusses und der in denselben mündenden Wildbäche geschlossen werden. Bei der weiteren Bildung der Thalsohle wird der Ein-fluss der Karnischen Alpen jenen der Gailthaler Kette überwiegen. Dies geht bereits aus der ungleichen Verteilung des Nie der schlagsgebiete s der Gail von 133000 ha hei 'vor, da hievon 63 °/0 auf die südlichen Zuflüsse entfällt, wird jedoch noch deutlicher durch die grosse Regenmenge (in Kärnten überhaupt die gros ste) der Karnischen Alpen und durch die Steilheit der Thaleinhänge dieser Kette, sowie durch den Umstand bekräftigt, dass die zuvor erwähnten Glacialschutt-massen und leicht zerfallende Kohlenkalke und Schiefer, grösstenteils in der südlichen Gebirgskette auftreten. — Mit geringen Ausnahmen erscheinen daher die Wildbäche, welche aus den tiefeingeschnittenen Schluchten der Karnischen Alpen dem Thale zufliessen, geschiebereicher als jene der nördlichen Hänge, wo hauptsächlich ('.limmerschiefer und Sandsteine das Bett der Wildbäche bilden. — Die aus den Hängen der Gailthaler Alpen zu Thal gelangenden Geschiebemassen stören überdies die Fruchtbarkeit des Bodens nur vorübergehend, wobei nur beim Nötsoh-wildbache, des Bleigehaltes wegen, eine Ausnahme zu verzeichnen ist, während die kalkigen Gerolle der rechtsseitigen Wildbäche, das Erträgnis des Bodens auf eine lange Reihe von Jahren unterbrechen, und vom Flusse nur langsam zu Sand aufgerieben werden. Trotz seines grossen Gefälles konnte der Gailfluss, sich selbst überlassen, die ihm zugeführten Geröllmassen nicht bewältigen, es mussten somit namhafte Entartungen des Flusslaufes, namentlich unterhalb der Wildbachmündungen, sowie Abbruche der Ufer und Überflutungen der Kulturgründe selbst bei geringeren Niederschlägen eintreten. — Nach Massgabe der erhöhten kulturellen Bedürfnisse der Thalbewohner ergab sich immer dringender die Notwendigkeit, diesen gefährlichen Zuständen [-anhält zu bieten. — Diesem Wunsche wurde endlich durch die Inangriffnahme der „GailflUSSregulierung" Rechnung getragen. Dieses grosse Unternehmen. dessen Thalarbeiteu nunmehr dein . Ibschlusse nahen, wurde vom Laude Kärnten, mit Hilfe des Reiches und der Thalbewohner im Jahre somit in einer Zeit ins Leben gerufen, in welcher der Gedanke der systematischen Regelung der Gebirgs-fliisse und der Wildbachverbauung noch nicht die Ausdehnung und Popularität halte, wie dies heute der Lall ist. Ks standen auch damals noch nicht jene Erfahrungen zu Gebote, welche auf diesem durch die Naturkräfte besonders erschwerten Gebiete der hydrotechnischen Arbeiten im Kaufe der Jahre gesammelt, hie und da auch teuer erkauft werden mussten. Für die Durchführung der Flussregulierung und für die dringendsten Verbauungen in den Wildbächen wurden mit den Landesgesetzen vom Jahre 1875, 1886 und 1891 die Beträge von 763000 IL, 540000 IL und 268000 iL, zu- zusammen per..........1 571000 iL festgesetzt, nebstdem anlässlich der Katastrophe vom Jahre 1882 mit dem Reichsgesetze vom Jahre 1883 der weitere Betrag von . . . 282000 II. somit im ganzen.........1853 000 fl. bewilligt. — Zur Bestreitung der Erhaltungskosten der Werke besteht seit dem Jahre 1886 ein besonderer Er hal tu ng S fond von jährlich 6000 11., welcher jedoch zumeist auf das zwei- bis vierfache erhöht werden musste. Das Programm der Klussarbeiten musste vor allem dem Charakter des Thaies und des Flusses angeschmiegt werden. — In den Wildbächen war eine grössere Aktion von Anfang her ausgeschlossen, da die bewilligten Mittel die Ausführung einer systematischen Wildbachver-battting nicht gestatteten. Unter den Hockwässern, die fast alljährlich und in verschiedenen Jahreszeiten im Thale vorkommen, sind jene zur Zeit der Frühjahrsschneeschmelze, inbesondere aber die Herbsthoc h was s e r hervorzuheben, welche nach andauernden Regengüssen das Thal zinneist im Spätherbste, d. i. im September und Oktober, heimsuchen.—- Das Thalgelände bietet dann den Anblick eines breiten Stromes, da die von den steilen Berghängen und namentlich aus dem Kesachthale rasch abtliessenden Niederschlagswässer im natürlichen Flussbette nicht gefasst werden können, demnach die niederen Thalpartien überschwemmen. — Bei der Grösse der Hochwassermassen und der Geschiebebewegung konnte an eine geschlossene Abfuhr der trüben Fluten zwischen Hochwasserdämmen umsoweniger gedacht werden, als es unökonomisch erschien, bedeutende Flächen der wertvollen Gründe dem Hochwasserbette des Flusses zum Opfer zu bringen. — Für die Vermeidung der systematischen Anlage der Hochwasserdämme sprachen auch die weiteren wichtigen Gründe, dass der Prozess der Thal-bodenerhöhung bei einem Gebirgstlusse wie die Gail keinesfalls gestört und auf den innerhalb der Inundationsdämme gelegenen Thalstfeifen beschränkt werden dürfe, weil in diesem Falle das übrige ausserhalb der Dämme gedachte Thalbecken in wenigen Jahren der Versumpfung anheimfallen musste. — Übrigens bringen die trüben Hochwasser-Hilten eine solche Menge von fruchtbaren Sedimenten an die tiefsten, sumpfigen Thalstellen, dass auf diese Ablagerungen, namentlich im mittleren Thale, nicht verzichtet werden dürfte. Unbeschadet der lokal gebotenen Anwendung von S e h u t z dämmen konnte sonach nur die Fassung der mittleren Hochwässer von beiläufig i m Höhe angestrebt werden. Der Geschiebereichtum erforderte weiters die thunlichste Entlastung des gedachten regulären Flusslaufes für Mittelwässer durch die selbstthätigc Unterbringung der Ge-schiebemassen in den zahlreichen Nebenarmen des Flusses oder in dessen aufgelassenen Betten. Die Qaitregulierung bezweckt somit den Schutz der Kulturgründe gegen die Angriffe des Flusses und die Ausbildung eines regelmässigen Flusslaufes mit thunlichst eingetiefter Sohle für die Fassung der mittleren Hoch-Wässer, während die Überflutung der alten Flussbette und der niederen Thalstellen nach wie vor ermöglicht werden soll, damit der Prozess der Thalboden-er höhung nicht aufgehalten, jedoch auf jenes Mass beschrankt werde, welches für die Bodenkultur zuträglich und oft vorteilhaft erscheint. — Die angestrebte tiefere Einbettung der Flussohle beziehungsweise die relative Ermässigung der Flussohlenhebung gegenüber der Auflandung des Thalgebietes dient weiters zur Meliorierung des letztern, zumal da nach der Senkung des Flusswasserspiegels der Abtluss der atmosphärischen Niederschläge beschleunigt und der Spiegel des Grundwassers allmählich tiefer gelegt wird. Die Längen a usdehnung der F1 u s s b a u t e n war durch den natürlichen Abschltiss des Gailthales in Wetzmann gegeben. Mit Beachtung der vorerwähnten Verhältnisse wurden die Flussbauten im Jahre 1876 zunächst in der Mündungsstrecke der Gail in die Drau d. i. im Villacher Becken in Angriff genommen und vornehmlich daselbst fortgesetzt. — Der systematische Fortschritt der Bauten von unten nach aufwärts musste jedoch bald aufge- Hermagor. geben werden. Die Verwüstungen der (.runde im oberen Thalabschnitte und der Ruf nach Hilfe veranlasste die Gailregulierungs-Kommission, die Bauthätigkeit in dieses meist gefährdete blussgebiet zu verlegen und die Regulierung des Flusses von Wetzmann abwärts in Angriff zu nehmen, bei der Hochwasserkatastrophe vom Jahre 1882, bis zu welcher Zeit die oberste Flusstrecke von Wetz-m an n bis H ö fl i n g, sodann die be i Hermagor zwischen Po dianig und Modernd orf gelegene bereits vollendet waren, sind im oberen Thale neuerdings Grundschäden entstanden, welche den ehesten Ausbau der betreffenden Flusstrecken umso begründeter erscheinen Hessen. — So kam es, dass die Regelung des Flusses von unten nach aufwärts bei Nötsch unterbrochen werden musste und dass der mittlere Flusslauf von Nötsch aufwärts bis Dellach bei Egg erst mit dem Jahre 1891 in Angriff genommen werden konnte, nachdem ein besonderer Fond hiefür bewilligt worden ist. Auf die detaillierte Beschreibung der bis nun fertigen Bauten und der Funktion derselben kann im Rahmen dieser Skizze nicht eingegangen werden, immerhin dürfte es jedoch von Interesse erscheinen, einen allgemeinen Überblick über den BauVorgang zu geben. Bei der Wahl der neuen Fl u s s t r a c e wurde zunächst auf den zweckmässigen Anschluss der Bauten an hohe, feste Uferstellen, sowie auf die möglichste Benutzung der gesunden Flusspartien Bedacht genommen. — Die Breite des regulären F 1 u s s c h 1 a u c h e s für die Mittelwasser wurde auf Grund vorgenommener Erhebungen derart festgestellt, dass der Abstand der beiderseitigen Regulierungswerke, beziehungsweise der Ausseitigen Kronenkanten der 10 m hohen Bauten bei Kötschach 32 m beträgt und abwärts zu streckenweise sich erweitert. — Bei Mödern-dorf ist das Flussprofil bereits 40 m breit, welche Breite l'is zur Schutt beibehalten bleibt, während im V i 11 a c h e r Becken die Profilbreite von 50 m zur Anwendung kam. Dem regulären Flussprofile entspricht die Nullwassertiefe von 0,4 m bis 1,1 m, die Niederwässer bilden jedoch zumeist ein tieferes und engeres Gerinne im Bereiche des Mittelwasserbettes sclbstthätig aus. Die Erfahrung hatte bald gezeigt, dass scharfe Krüm- mungen und grosse Centriwinkel derselben den bestand der bauten gefährden und dass es namentlich in den gefälls-reichen Strecken geboten erseheint, gerade oder nur sanft gekrümmte Tracen zu wählen, scharfe Wendungen derselben dagegen zu vermeiden. Dieser Umstand und die thiin-lichste Ausnützung der vorhandenen Gefällsverhältnisse führten an vielen Stellen zur Anwendung von Durchstichen, bei welchen der Matcrialkörper von 8 bis 12 m Breite entsprechend tief ausgehoben wurde, während die Abtreibung des restlichen Terrains dem Flusse überlassen blieb, der diese Arbeit meist in kurzer Zeit bewirkt hat. Sowohl die 1 m hohen und mit ebenso breiter Krone versehenen Leitwerke, als auch die ähnlich konstruierten, uferseits ansteigenden Traversenbauten, sind grösstenteils aus grossen Bruchsteinen gefügt, welche auch für die Grundbauten unter Wasser zur Verwendung kamen, da dieses Material aus den nahen Berglehnen mit geringen Kosten beschafft werden konnte, namentlich wenn der Transport zur Winterszeit geschah. ■— Pfahlbauten wurden nur im geringen Masse bei Q u e r bauten und A b-sper r u n gen der Seitenarme des Flusses angewendet. In den letzten Jahren kamen in grösseren Wassertiefen auch Senkfaschinen mit Kiessteinfüllung vorteilhaft zur Anwendung. Behufs rascher Verl an dun g der alten Flussbetteile und thunlichster Unterbringung der Geschiebemassen in denselben, wurden in den Werken, selbst bei jenen, welche vor den Durchstichseinleitungen erbaut sind, entsprechend grosse V e r 1 and ungsö f fn un g en vorläufig belassen, die nebstdem den Zweck erfüllen, die gefährlichen Spannungen der ungleich hohen Wasserspiegel zu vermeiden, sowie die damit verbundenen Werkbeschädigungen und Umgehungen der Landeinbindungen hintanzuhalten. — Die thatsächlich rasch vor sich gehende Auflandung der Seitenarme und der alten blussbette, in welchen ein üppiger Bestand von Weiden und Erlen bald zu verzeichnen ist, berechtigt zu der Voraussetzung, dass diese Flächen im Kaufe der Jahre der Kultur zugeführt werden. - Mehrere dieser flächen wurden von den Anrainern bereits angekauft. In der felsigen Schutt, und namentlich am Eingänge dieser wilden blusstrecke, woselbst die Klussohle durch Felsbarren fixiert wird, winden umfangreiche Sprengungsarbeiten ober und unter Wasser vorgenomrnen, um den raschen Al)lauf der Hochwasser herbeizuführen und den vormaligen Anstau derselben thunlichst zu beheben. übzwar die baldige Fortsetzung dieser Sprengungen, durch welche die Senkung des Niederwassers bei Nötsch um fast 1,0 m bereits erreicht worden ist, wünschenswert erscheint, so dürfte hiebei auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass ein zu rascher Fortschritt der Eintiefung zu manch unliebsamen Konsequenzen den Anlass geben kann. Als eine der interessanten, weil noch im Bau begriffenen Klusstrecken dürfte jene zu bezeichnen sein, die während der Bahnfahrt von Nötsch bis Görtschach sichtbar erscheint. - Beider Vorderberger Gailbrücke rückt die Bahntracc unmittelbar an den Gaillluss heran. — In der nächst aufwärts gelegenen Strecke musste nämlich die bahn die unsichere Berglehne verlassen und an die neue Flusstrace gerückt werden, wodurch es möglich erschien, das Fadmateriale der Flussdurchstiche zur Schüttung des Balmdammes zu verwenden und die betreffenden Fluss-regulierungsarbeiten gemeinsam mit den Arbeiten des Bahnbaues zu bewirken. Durch den unausgesetzten Abbruch der konkaven Ufer hat der Fluss in dieser Strecke einen vielfach gewundenen, trägen Lauf angenommen, weshalb bei der Regulierung dieser Flusspartien, die Anlage der vorerwähnten, knapp aufeinander folgenden Durchstiche notwendig wurde, welche, im entsprechenden Abstände vom Fttsse der Berglehne, an den tiefsten Stellen der Thalsohle situiert sind. — übzwar die Verwendung des Durchstichsmateriales zur Schüttimg des Bahndammes es möglich machte, die Cunetten der Durchstiche in der Breite von 20 m bis 25 m auszuheben, so ist der Abtrieb der verbliebenen Terrainstreifen, sowie die selbstthätige Vertiefung der Sohle dieser Durchstiche nur langsam zu gewärtigen, weil das speckige, mit Schilfwurzeln durchzogene Erdmateriale den Wasserangriffen einen namhaften Widerstand leistet. Diese Momente und das geringe Gefälle des Flusses, der durch die Schottermassen des nächst unterhalb mündenden Vorderberger Wildbaches empfindlich gestaut wird, dessen notwendigerweise auf die Entlastung des neuen Fluss- bettes während des Hochwassers Bedacht nehmen, damit rlie Anstauungen der Hochwassermassen vermieden werden. — Ks wurden daher in den Werken, die vor den Durchstichen erbaut sind, entsprechende Öffnungen vorläufig belassen, womit übrigens auch die rasche Verbindung des alten Klusslaufes ermöglicht wird. Bereits ausgebaute Flugstrecken sind von Nötsch abwärts und im oberen Gailthale vorhanden; die Besichtigung derselben wird demjenigen, der ein Interesse für die Wirkungen hegt, welche ein geschiebsreicher Ge-birgsfluss hervorzurufen vermag, gewiss nicht reuen, wenn auch diesem Gange keine geebneten Wege zu Gebote stehen. — Am bequemsten können die Klusstrecken nächst Nötsch V order berg, Gört sc h ach, ob- und unterhalb Hermagors, dann bei Rattendorf, Kirchbach, Gundersheim, Kötschach besichtigt weiden. Die Regulierungsarbeiten am Flusse nähern sich bereits ihrer Vollendung, welche nach Massgabe des Baufortschrittes im mittleren Thale im Jahre 1895/6, somit nach 20 Jahren seit dem Beginne der Arbeiten bevorsteht, bis dahin dürften die Reste der für die Gail-regülierung gewidmeten Mittel per 1853000 lb zur Verwendung gelangen, und wird die Gesamtlänge der zur Ausführung gebrachten Ufer- und Leitwerke bei 100 km, jene der Traversenbauten bei 16 km betragen. - Die Kosten der eigentlichen Regulierung des Klusslaufes berechnen sich pro Kilometer durchschnittlich auf 24000 tl. Bei den Wechselvollen Wirkungen des Flusses, welcher bestrebt ist, sein Kängengefälle auszugleichen, erscheint es unerlässlich, der Krhaltung der Kauten eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen. — Sind ja doch die Bauten am fliessenden Wasser im Gegensatze zu jenen, die bloss den athmosphärischen Einflüssen unterliegen, dem unausgesetzten Angriffe der lebendigen Kraft der anstürmenden Wasserlinien ausgesetzt! Es werden daher auch künftighin bedarfs-gemässe Ergänzungen der Steinvorwürfe an den Werksstcllen vorzunehmen sein, wo die Konsolidierung der Werksfundamente noch nicht erreicht wurde, da dieselbe erst nach ein-gelretener Vertiefung der Flussohle möglich erscheint. — In Voraussicht dieser Eintiefung wurden an manchen Kluss- stellen nur rohe Steinschlich t ungen ausgeführt, die nach Massgabe der Flussausbildung naturgemäss infolge der Unterwaschung zusammenstürzen müssen und mit teilweiser Benützung des alten Steinmateriales definitiv auszubauen und abzupflastern sein werden. Die Bcwirkung der Arbeiten, und zwar sowohl der zumeist im Winter stattgefundenen Materialanlieferungen, als auch des Einbaues derselben zur Zeit der geringen Wasser stände, konnte fast durchwegs den unternehmungslustigen und intelligenten Thalbewohnern überlassen werden, welche ihren übernommenen Verpflichtungen eifrig nachgekommen sind und den Arbeiten ein reges Interesse, sowie die zutreffende Sachkenntnis entgegenbrachten. An empfindlichen Störungen hat es im Laufe der Bauperiode wahrlich nicht gemangelt ; abgesehen von den fast alljährlich vorkommenden geringeren Hochwassern, sind grossere Katastrophen infolge der Hochwässer vom Jahre 1882 (+3,2 m), 1885 (I 2,8 m), 1889 (-1-3,35 m) und 1891 (4- 2,0 m) zu verzeichnen, zumal, da diese Hochwässer einerseits grosse Schottermengen in Bewegung brachten, anderer seits den Fortschritt der Sohleneintiefung, namentlich in den unteren Flussgebieten beschleunigten, wodurch die Werke vielfach eingeschottert oder unterwaschen wurden. - Der Verlauf eines jeden Hochwassers hat somit die Arbeits disposition wesentlich beeinilusst, da es notwendig war, die eingetretenen Werksschäden auszubessern und die erzeugten Staurücken mit Zuhilfenahme der Klusskraft zu beseitigen. Zu diesem Zwecke wurden teils Clinetten ausgehoben, teils umfassende Absteinungen der grösseren (ieröllmassen vorgenommen. — Der Verlauf der letzten Hochwasser hat übrigens gezeigt, dass die Fundierung der Werke, beziehungsweise der Steinvorwürfe, grösstenteils die erforderliche Tiefe erlangt hat, nachdem die Kosten der diesfälligen Bauergänzungen bereits eine namhafte Mässigung aufweisen. Auch die Grundverluste durch Ufefabb'ruch haben bereits abgenommen, da selbe nur in jenen Strecken zu verzeichnen sind, die zur Zeit des betreffenden Hochwasser noch nicht reguliert oder nur zum Teile verbaut waren; es steht daher zu erwarten, dass diese Gefahr künftighin gänzlich beseitigt werden wird. I desgleichen hat die tiefere Ei n b e 11 u n g der Fluss- solile, namentlich im mittleren und unteren Thale namhafte Fortschritte aufzuweisen, womit die Trockenlegung d e s v o r m a 1 s sumpfigen T h a 1 h o d e n s verbunden ist. In den oberen Flusstrecker), woselbst aus dem Lessachthal und aus den Wildbächen grosse Mengen des Schotters in den Fluss gelangen, sind einige lokale Stau-riicken noch vorhanden, und muss der Kampf mit dem Schotter, diesem ärgsten Feinde der Flussregulierungen, noch fortgesetzt werden, um auch hier geordnete Flussverhältnissc herbeizuführen. Allerdings hat die Gailregulicrung nicht ermangelt, die Verbau ung der gros sten und gefährlichsten Wildbäche in Angriff zu nehmen, um die Abfuhr der Geschiebe-massen thunlichst hintanzuhalten. — Es wurden solide Thalsperren a usCe mentmö r t el m a u e r w e r k im Val ent i n-bache b e i M a u t h e n, im St. Danielbache , im Stranig-und Kirchbach, femers im Doberbachc bei Rattendorf, im Ose Ii t ze n wi 1 db a c h e oberhalb der fast alljährlich durch Muhren heimgesuchten Ortschaft Watschig, im Garnitzengraben bei Möderndorf, endlich im Vorderberger, F eist ritz- und Nötsch b ach e ausgeführt. -- Von diesen Objekten sind namentlich jene im Nötsch-, Oselitzen-, Dober- und Valentinbache ihrer Grösse und der wildromantischen Umrahmung wegen, besichtigungswert. Für die Herstellung dieser Wildbachbauten und für die Instandsetzung der Versicherungen der Vorfelder am Fusse der Objekte wurde rund bei .85000 Ii. verwendet; eine weitere Aktion des Gailregulierungsfondes in den Wildbächen erschien jedoch unthunlich, da dieselbe die Vernachlässigung der dringend notwendigen Thalarbeiten zur Folge hätte. — Die bis nun ausgeführten Wildbachsperren sind bereits mit Schottcrmassen hinterfüllt, sie können die weitere Abfuhr der Gerolle nicht aufhalten, es wäre daher im Interesse des Thaies zu wünschen, dass die ohne Zweifel vom besten Erfolge begleitete Verbauung der Gailthaler-Wildbäche durch ein besonderes Unternehmen zu Ende geführt werde. — Der Nutzen dieser besonderen Aktion wird durch die in den 80er Jahren in gelungener Weise ausgeführte Regelung der vormals tristen Verhältnisse am KötSChachei'-Bache nachgewiesen. — Noch im Laufe dieses Jahres soll weiters die Verbauung des berüchtigten Nötsch-haches und des im oberen Thale gelegenen Weidegger-grabens in Angriff genommen und binnen einiger Jahre beendet werden, um die gleichnamigen Ortschaften gegen die Ausbrüche der Bachhochwässer und deren Muhren zu sichern. Hoffentlich kommen auch die anderen Wildbäche des Gailthales bald an die Reihe, zumal da die auf den Schutt-kegeln gelegenen Ortschaften, namentlich jene der Schuttseite, bei jedem heftigeren Niederschlage der Gefahr ausgesetzt sind, von den hoch aufgeschüttelten Wildbächen empfindlich geschädigt, wenn nicht gar verschüttet zu werden, wie überhaupt die Schäden, welche die Fdementarkatastrophen herbeiführen, nunmehr hauptsächlich durch die Wildbäche und nur im geringen Masse durch die Hochwässer der Gail verursacht werden. Möge die vorstehende gedrängte Beschreibung der Bautätigkeit, die zur Bekämpfung der Wassergcwalt im Gail-thale unternommen wurde, das Interesse für dieses schöne und fruchtbare Alpenthal erhöhen und dem Besucher desselben die Gelegenheit bieten, die eigenartigen Thalverhältnisse bequemer wahrzunehmen. Die Industrie im (railthale. Vorn kaiserl. Rate Josef Lcodcgar Canaval. Die industrielle Bedeutung des Gailthales lag in der ersten Hälfte des jetzigen Jahrhunderts entschieden auf Seite des Bergbaues und des durch diesen bedingten H ii 11 e n b e t r i eb e s. Ks stand damals noch das Kise n s eh m el z werk K aas im Betrieb, es bestanden die Hammerwerke in Wetz m a n n, Laas, Kühweg, Grün-bürg, das Stahl- und Sc h war zbl e , h werk Gössering, die beiden BI e i s c hm e Izwe r ke in Radnig und T ra 11 e n. Die ausgedehnten Forste des Thaies lieferten reichlich wohlfeile Brennstoffe, die dort von jeher lebhaft betriebene Pferdezucht aber kräftige Zugtiere für den Transport des Rohstoffes und der Krzeugnisse daraus. Anders gestalteten sich die Verhältnisse mit Anbruch der zweiten Hälfte des J a h r h u n d e r t s. Der H o c h -ofen in Laas kam zum Stillstande, dasselbe Schicksal traf nacheinander die Hammerwerke; die im Thale gewonnene Holzkohle ging nach Eröffnung der Eisenbahn Marburg-Villach zu einem grossen Teile zu den Hochöfen Kärntens, mehrere Köhlereien mussten aufgegeben werden, der Forstbetrieb musste auf die Gewinnung von Merkantil-und Bauholz alle Aufmerksamkeit richten. Der Transport Ilermagor, Marktplatz und Kaiser Franz Josef Schiessstätte. Nach einer Photographie des Herrn Oswald Moro in Hennagor. solcher Hölzer ging grösstenteils über die Plökcn nach Italien, oder geschah auch auf blossen auf der Gail bis nach Villach, insoweit dies in dem damals unregulierten Flusse ausser der Zeit eines zu hohen oder zu niederen Wasserstandes möglich war. In diese Bewirtschaftung gelangte in den letzten zwei Jahrzehnten eine wesentliche Aenilerung durch die Entwicklung einer für das Thal sehr natur-gemässen Industrie. Holzstoff ward von Jahr zu Jahr mehr für die P a p i e r e r zeugu ng, aber auch für andere Zwecke gesucht. Zur Erzeugung von Holzstoff bieten die Forste des Gailthales in reichlicher Menge trefflich geeigneten Rohstoff, das Thal selbst aber, dessen Gebirge der an Niederschlägen in Form von Regen und Schnee reichsten Zone Kärntens angehören, bietet nachhaltige Triebwässer. An Stelle der Hammerwerke wurden Holzstoffabl'iken, und an Stelle des grössten Werkes jener Art eine Papier- und Cellulosefabrik mit elektrischer Kraftübertragung des J oh. Memmer in Grünburg bei Herma-gor errichtet. So entstanden die Holzschleifereien des J oh. Memmcr in Gössering und Grünburg, des Jak. und Chr. Ronacher in Weissbriach, des Hans Gasser in Hermagor, des Christof Gallin in Vellach bei Her magor, des Simon Michor in Nötsch und der Aktiengesellschaft Keykam-Josefsthal in Thötl. Sorgen diese sieben Holzschleifereien für die Verarbeitung des Holzes zu Holzstoff, so dienen nicht weniger als 114 Sägewerke der Bereitung von Holzschnittware. In gleicher Zeit oder beinahe gleichzeitig mit der ersten Holzstoffabrik des Gailthales gab der mit den Ligniten des Thaies vorkommende vorzügliche Thon Veranlassung zur Errichtung der Keramikfabrik in Feistritz an der Gail, deren vortreffliche Falzziegel rasch über die Grenzen Kärntens hinaus bekannter wurden, als im Erzeugungslande seihst. Die am gleichen Orte mit der besten Sorte jenes Thones gewonnenen Lignite machen jene Falzziegelfabrik auch für die Folge unabhängig vom Besitz und betrieb von Forsten. Erwähnung müssen in einer industriellen Skizze über das Gailthal auch die KuilStmÜhleil des Anton Achat z in heistritz, des Franz Wiegele in Mötsch, des Alois Kackner in Jadersdorf und des Hippol.it Kder in Her* magor finden, nicht zu vergessen der Brauereien des Franz Rapp in Emmersdorf und des Benjamin Jost in Hermagor. Der Vollständigkeit halber seien auch noch die Zündholzfabrik des Gregor Jost in Pol lan d und die Korbflechtereischule in Rattendorf genannt. Wirken alle jene Produktionszweige zusammen, dem Thale seine frühere industrielle Bedeutung zu erringen, so wurden in den letzten Jahren auch im unmittelbaren Anschlüsse an das Thal und seine Eisenbahn zwei sehr grosse Betriebe eingerichtet, welche selbst durch die Gailthalbahn an Entwicklung gewinnen, während sie diese namhaft zu befruchten geeignet sind. Diese Unternehmungen sind beide in nächster Nähe des Anschlusses der Gailthalbahn an die Staatsbahn, und betreiben einerseits die Holzstoff- und Pappenfabrik von Ueykam-josefst hal in Thbrl-Maglern, anderseits das Bleischmelzwerk, die Glätte-, Menig- und Schrottfabrik der Bleiberger Bergwerks-Union in Gailitz-Arnold Stein. Die erste Unternehmung bezieht den grössten Teil ihres Schleifholzes aus dem Gailthale, die andere aber dürfte nach Anlage der Gailthalbahn bald dahin kommen, dass der ganze Bleischmelzprozess von Bleiberg Kreuth nach Gailitz übertragen werde. Erwägt man noch, wie erzreich die Berge des Gail-thales sind und wie man sich im Thale schon allenthalben emsig rührt, den Bergbau, der vor Zeiten hier so erfolgreich betrieben worden ist, wieder neuerdings in Betrieb zu setzen, so darf man sicherlich dem schönen Gailthale ein mächtiges Aufblühen der Industrie prognostizieren ! Die Gailthalbahn Irnoldstein-Hermagor. Von Felix von Mottony. Durch die Erbauung der Lokalbahn von Axnoldstein nach Herrnagor wurde ein bisher wenig bekannter, an Maturschönheiten sehr reicher Teil Kärntens dem Fremdenverkehre erschlossen.! Diese Hahn ist durch das gemeinsame Zusammenwirken aller beteiligten Faktoren in einem so kurzen Zeitraum geschaffen worden, wie dies in den Annalcn der Mahngriindimgcn vereinzelt dastehen dürfte. Von dem Standpunkte ausgehend, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung des (lail, Gitsch- und I, e s a c h t h a 1 es nur durch Legung eines Schienenstranges in das (iailthal möglich sei, traten Uber Anregung des Gewerken Felix von Mottony im Juni 1890 behufs Schaffung einer Bahnverbindung von Arnoldstein oder Thörl in das (iailthal mehrere I lauptinteressenten zusammen und überreichten Ende Juli 1890 das Gesuch um Erteilung der Vorkonzession für eine Lokalbahn von Arnoldstein oder Thörl nach Herrn agor. Im August 1890 bereiste Inspektor Herr Carl Cletnenfsckitsch der k. k. Staatshahnen behufs Ermittlung einer heiläufigen Traee das (iailthal und konstatierte derselbe die keinen besondern Schwierigkeiten Unterliegende technische Durchführbarkeit einer Lokalbahn ins Gailthal. Mit Erlass vom 10. Oktober 1890 erteilte das hohe k. k. Handelsministerium einem Interessenten-Konsortium, bestehend aus den Herren ('hristof Gallin, Hans Gasser sen.. Jakob Jochton, Franz I'.a/np recht, .1 targreth c.:-° Comp., Johann Memmer, I-'elix von Moltony und Peter Rossbacher die Bewilligung zur Durchführung technischer Vorarbeiten für eine Lokalbahn von Arnoldstein oder Thürl-Maglcrn nach Ilermagor. Schon in dieser Vorkonzession wurde den Konzessionsbewerbern die Wald der Norinalspur nahegelegt, beziehungsweise dieselbe' zur Vorbedingung für die Erreichung des angestrebten Zieles gemacht. Durch diese Bestimmung der Vorkonzession war allerdings anfänglich dem Zustandekommen der Bahn eine grössere Schwierigkeit rücksicht- lich der Kapitalbeschaffung erwachsen, da die Interessenten ursprünglich nur die Herstellung einer weil hilligeren Schmalspurbahn, welche gleich wohl den lokalen Interessen genügt hätte, in Aussicht nahmen; nichtsdestoweniger war der einzuschlagende Weg vorgczcichncl, indem nur durch Wahl der Norinalspur auf eine t'nterstützung des ISahnprojektcs seilen-, der hohen Regierung zu hoffen war, womit eine für das rasche Zustandekommen der Gailthalbahn wichtige frage, die der Schmal- oder Normalspur, von vornherein gelöst war. Am ii. Januar 1s91 erfolgte die Konstituierung des (iailthalbahn-Komites, welches Felix von Mottony zäun ( >l>mamic, Hans GrtSSet' seu. zum Stellvertreter wählte. In dieser konstituierenden Sitzung wurde die Einberufung einer [nteressentenversammlung für den 2. Februar 1891 beschlossen, um in den berufenen Kreisen das Interesse für die Gailthalbahn zu erwecken. .Noch vor dieser Interessenten-Versammlung wurden zahlreiche Unterhandlungen bezüglich der l Durchführung der Tracierung und Projektsverfassung angeknüpft, und war es möglich, der Interessenten-Versammlung eine Anzahl von Offerten in Vorlage zu bringen. Diese am 2. Februar in Ilermagor abgehaltene Versammlung war zahlreich besucht, nahm einen sehr würdigen Verlaut und beschlossen sämtliche vertretenen < iemeinden und Interessenten folgende Resolution: I >ie Interessenten-Versammlung der (lailthalhahu anerkennt einstimmig die Notwendigkeit und hervorragende Wichtigkeit einer Lokalbahn von Arnoldstein oder Thörl nach I lermagor mit einer eventuellen Verlängerung durch das ganze (iailthal, und ersieht in dem Zustandekommen dieser Hahn die einzige Möglichkeit eines wirtschaftlichen Aufschwunges des (iail-, (litsch-1111 < 1 Lesachthaies, nachdem die gegenwärtigen sehr schwierigen Verkehrsverhältnisse die Verwertung vieler Produkte dieser Thaler ganz, unmöglich machen. (ileichzcitig erkennt die Versammlung die von militari sehen Autoritäten hervorgehobene, hervorragende strategische Bedeutung dieser Hahnlinie einstimmig an.« Unter einem wurde das Komite mit der Verfassung eines ausführlichen lierichtes über die projektierte < laillhalbahn betraut, welcher vom Ohmanne ausgearbeitet und allen beteiligten < iemeinden und Interessenten im April 1s91 zugesendet wurde. Zur 1 )eckung der Traciei ungs-koslen und sonstigen Vorauslagen zeichnete das Komitee, sowie einige (Iemeinden und Interessenten, einen Tracierungsfond, der es ermöglichte, an die weitere Arbeit, insbesondere an die Verfassung des (ieneral-projektes und Kosten Voranschlages zu schreiten. Im .April iSni begannen die Tracierungsarbcitcn sowie die Verlassung des I ieneral- und Slations-< Iperates durch den Zivilingenieiir /■'/ /1// i< Ii St -/ig mann. Am 18. April 1s91 sprach das Kxckutiv-Komitee bei Sc. Lxcellenz dem Herrn Landespräsidenten Baron Sekmidt-Zabierov), beim Landes- hauptmanne Herrn Dr, Erwei» und bei dem Präsidenten der kärntischen Handels- und (lew erhekammer Herrn RifttT von Hillinger vor und stellte die Ilitte um Förderung des Bahnprojektes, wobei die thunlichste Unterstützung bereitwilligst zugesagt wurde. Während der Periode der Ausarbeitung des ( lelieralprojekles, das ist vom Mai bis September 1891, verlegte «las Koniitc seine Thäligkeit vor allem darauf, in den beteiligten Kreisen das ernsteste Interesse für die zu schallende Hahn zu entwickeln, sowie die llasis zu schaffen, auf Grund welcher die Rentabilität der (laillhalbahn seitens der berufenen Kreise beurteilt werden konnte. I las Komite erhob daher insbesondere die zu verfrachtenden Quantitäten, sowohl durch Sammlung diesbezüglicher genauer Nach Weisungen über Export und Import aller rücksichtlich der Verfrachtung für eine künftige Gailthalbahn in Betracht kommenden Gemeinden, als auch gcwisscnnasseii als Gegenprobe dienend, die auf den Stationen Thörl- Maglern, Arnoldstein, Greifenburg und < )berdrauburg zur Aul- und Abgabe gelangenden, in das Attraktionsgebiet der künftigen Bahn fallenden Frachten- mengen. Dadurch wurde die Aulstellung einer Kcntabilitäls Rechnung möglich, und hatte das Komite die (lennglhuung, dass diese Erhebungen, welche Sowohl von Seite des hohen k. k. Handelsministeriums, als des hohen Landesausschusses und der kärntischen Handelskammer Überprüft und teilweise auch modifiziert wurden, die Rentabilität der geplanten Bahn-Anlage erwiesen, wie dies auch aus dem dem hohen Landtage im Januar iS94 erstatteten Berichte des Landesausschusses über die Be- lelligung des Landes Kärnten an der ( iail t hal bah 11 hervorgeht. Am 14. Oktober [89I überreichte das Komite das (ieneral- und Stalionsprojekt der Lokalbahn Arnoldstein-I lennagor beim hohen k. k. Handelsministerium und suchte um die Anordnung der Tracenrevision, Staiions-Komnussion und Einleitung der Kouzessions Verhandlungen an. Bei den Tracierungs- und Projekts-Arbeiten ergaben sich aus den örtlichen Verhältnissen desGailthales bedeutendere Bauschwierigkeiten, als ursprünglich angenommen wurde und daher auch höhere Baukosten. Es konnte selbstverständlich nicht erwartet werden, dass dieses bedeutende Baukapital, selbst bei aller Anstrengung, von den Lokalinteressenten aufgebracht würde, und musste das Komitee vor allein darauf bedacht sein, die werkthätige Beihilfe des Staates und Landes, in deren Interesse schliesslich die Erhaltung und Steigerung der Steuerkralt eines so bedeutenden und fruchtbaren Laiidcsleilcs, welcher ohnehin durch die Hochwasser viel zu leiden hat, gelegen ist, ZU erreichen. Von diesem I iesichlspuiiklc ausgehend, hatte auch die kärnlisrhe Handels- und (icw erbekaiiuner in ihrer ordent liehen Sitzung vom 4. Mai 1 So 1 Uber die diesbezügliche Petition des Komiles der projekt irrten Gailthalbahn die Zuwendung vollster Aufmerksamkeit, beziehungsweise ihiin- lichster Unterstützung, in Aussicht gestellt. Wesentlich erleichtert wurde dem Komite die schwierige Aufgabe, den richtigen Weg zur Erreichung der staatlichen und Landeshilfe zu linden, durch die im November 1 89i erfolgte legislative Schaffung zweier Lokalbahnen im südwestlichen Böhmen, der Strecken Wodntan- Prachalitz und Slrakoiiitz-Winlcrherg nach dein l'rinzipc der seil |alucn nicht in Uebung gewesenen staatlichen Zinsen-Garantie für den grössten Teil des Baukapitals unter Mitwirkung des Landes und der Inlercsscnlcn durch l ebernahme von Stammaktien zur I leckung des restlichen Bau-kapitales. I >ie Finanzierung dieser beiden I .okalbahnlinieii bildete den Typus, nach welchem die Erreichung der Gailthalbahn möglich schien, und das Komitee entschloss sieh mit aller Energie an die Lösung der Finanzierungsfrage auf dem eben erwähnten Wege zu gehen. Dem-gemäss war es die erste Aufgabe, die Interessenten zur Zeichnung von Stammaktien in der Höhe eines Betrages heranzuziehen, welcher gross genug war, um der hohen Regierung und dem Landtage das Interesse an dem Zustandekommen der Gailthalbahn zu dokumentieren. Liese Aktion war mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bewohner desGailthales eine der schwierigsten und erforderte grosse Geduld und Ausdauer seitens der Komitčmitglieder; sie gelang jedoch in befriedigendster Weise und ermutigte das Komite nach Veröffentlichung einer zweiten Denkschrift durch den Obmann im Dezember 1891 an die Ausarbeitung von mil ausführlichen Daten belegten Petitionen zu schreiten, welche seitens der (Iemeinden, Interessenten und de- Komiies durch eine Deputation sowohl Sr. Kxcellenz. dem Herrn Handelsminister Marquis Baeqttthem für die hohe Regierung, als auch dem Herrn Landeshauptmann />>. Erwin für den hohen Landtag im Februar [892 unter Hinweis auf die bisher erzielten Zeichnungen mit ■ Im Petiten überreicht wurden, den Hahnbau unter entsprechender Hei-tragsleistung des Landes und der Interessenten durch Uebernahme der staatlichen (iarantie eines jährlichen Keinerträgnisses nach Analogie der Lokalbahnen Wodnian - Prachatitz und Strackonitz - Winterberg sicher stellen zu wollen. In der Zeit vom 31. März 1892 bis 2. April 1892 fand die Tracenrevision und Stations-Kommission der projektierten (laillhalbahn statt, welche ein derart günstiges Krgebnis insbesondere riicksichllich der volkswirtschaftlichen Bedeutung dieser Hahn lieferte, dass mit Bezug auf die früher erwähnte Petition der hohe Landtag in seiner Sitzung vom 5. April 1892, in welcher das Tracenrevisions-Protokoll vorgelegen ist, folgenden Heschluss fasste: »I. Der Landcsaiisschuss wird angewiesen, über den dermaligen Stand der die F.rbauung einer Lokalbahn Arnoldstein - Hermagor betreffenden Angelegenheit Erhebungen zu pflegen, den Umfang des für eine solche Hahn in Aussicht zu nehmenden Verkehres thunlichst festzustellen und bezüglich der weiteren, zur Sicherung dieses Bahnbaues einzuleitenden Schritte sich mit dem Komite der < iailthalbahn ins Einvernehmen zu setzen. 2. Der Landcsaiisschuss wird ermächtigt, eine Förderung dieses Bahnunternehmens durch Uebernahme von Stammaktien im Betrage von 100000 11. von seiten des Landes in dem Falle zuzusichern, wenn die Aufbringung der Haukosten und der Rosien für die erforderlichen Betriebsmittel hiedurch und durch die Beitrage der Interessenten, sowie durch die staatliche Zinsengarantie für Prioritäten und Vorzugsaktien sichergestellt und dem Lande bei den Verhandlungen über die K011-zessionsbedingungen und über den Abschluss eines Hetriebsvertrages eine entsprechende Einllussnahme gewährt wird. 3. Der Landcsaiisschuss wird angewiesen, in der nächsten Session Bericht zu erstalten und eventuell wegen Aufbringung des Landesbeitrages per 100.000 Ii. Anträge zu stellen.c Mit Rücksieht auf das gute Ergebnis der Tracenrevision hatte ferners das hohe k. k. Handelsministerium, nachdem durch die k. k. General-lnspektion und zwar durch den k. Rat, Kommissär Arnold Bardos in umfassender Weise eine Rentabilitätsstudie im (lailthale selbst vorgenommen worden war, die Konzessionsweiber zur Vornahme der Verhandlungen, bezüglich Feststellung der Bedingungen für die Konzessions-erleilung, am 30. Juni 1892 nach Wien berufen, und gelangten die Verhandlungen unler Teilnahme des k. k. Hergrales Hermann Hinter-hübet als Vertreter des kärntnerischen Landesausschusses in der Weise zum Abschluss, dass als Heilrag des Landes und der Interessenten durch Uebernahme von Stammaktien ein anfänglicher Betrag von 200000 11., später durch das k. k. Finanzministerium auf 950000 6. erhöht, fest- gesetzt wurde, wovon das Land Kärnten lOO.OOO ß. zu übernehmen sich bereit erklärte. Las Aktienkapital wurde mit 44)0.000 Ii., 11. zw. 250.000 Ii. Slainin-und 150.000 Ii. Prioritätsaktien fixiert. Weilers wurde vorbehaltlich der legislativen Lenehmigung die Staatsgarantie eines jährlichen Rcincrträg-nisses gewährt, welches der vierperzentigen Verzinsung nebst der Tilgungsquote für ein aufzunehmendes, binnen 75 Jahren rückzahlbares Prioritäta-Anlehen im Betrage von 1,300.000 Ii. zuzüglich einer vierperzentigen VoKUgsdividende nebst der Tilgungsi|unte für das mit 150.000 II. bezifferte Priori tat s-Aktien-Kapital gleichkommt. Sofort nach Beendigung der Konzcssions-Verhandlungen schritten die Konzessionswerber im Monate Juli 1892 an die Herstellung des Detailprojektes, dessen Ausführung mit Genehmigung desk. k. Handelsministeriums dem Zivil - Ingenieur Friedrich Seligmatm tibertragen wurde. Indessen waren die Stammaktien -Zeichnungen eifrig fortgesetzt Wauden, da noch ein um 50.000 Ii. höherer Pclrag aufzubringen war, als bei den ersten \ ei handlangen angenommen werden konnte. Her ganze nötige Betrag von 250.000 Ii. wurde endlich nach vielfachen Bemühungen dadurch erreicht, dass die Bauunternehmung A', GrOSS ČP Comp, sich bereit erklärte, im Lalle der liaiiübernahine 50.000 Ii. in Stammaktien zu übernehmen, welchen Betrag jedoch die Bauunternehmung vor Abschluss des Bauvertrages noch auf 72.000 tl. erhöhen musste, nachdem von den Stammaktien-Zeichnungen gegen Materiallieferungen ein kleinerer Teil, als anfänglich ins Kalkül gezogen, herangezogen werden konnte. Nachdem nunmehr das Stamm-Aktien-Kapital gezeichnet, sowie durch das Entgegenkommen der kärntnerischen Sparkasse ein günstiger Begebungskurs für die Prioritätsaktien gesichert war, nahm das k. k. Handelsministerium keinen Anstand, am 17. Januar 1893 dein hohen Reichsrate die Gesetzes-Vorlage für die Gailthalbahn vorzulegen, welche nach längeren Verhandlungen im Kiscnhahn-Ausschussc knapp vor Vertagung am 21. März 1893 vom Abgeordnetenhause und am 24. März 1893 vom Ilerrenhause angenommen wurde. Somit war die Sicher-slellung der (iailthalbahn in circa 2 Jahren nach Abhaltung der ersten Interessenten-Versammlung erreicht worden. Am 20. Februar 1893 wurde das Detailprojekt und Enteignungs-operat dem k. k. Handelsministerium überreicht und fand die politische Begehung in Verbindung mit der Festsetzung der feuersicheren Herstellungen in der Zeit vom 17. bis 27. April 1893 statt. Die Kommission beantragte für den grössten Teil der Strecke die Erteilung des Haukonsenses, für einige Teilstrecken wurde die Vorlage neuer Variantenprojekte für notwendig erachtet, während ein Teil der Palmtrace zwischen der Vorderberger- und (iörtschachcrbrücke, als im Rutschterrain liegend befunden, von der Begehung ausgeschlossen wurde, für diese Bahnstrecke bedingte die Kommission die Vorlage eines neuen Projektes in der Weise, dass die Bahnatilage anstatt an der Berglehne, am Kusse derselben längs des (iaillhisses geführt werde. Hierdurch erschien es notwendig, mit dem hohen Landesausschusse als dein bauführenden reite der Gailregulicrung und der Bahnbau -1 nternchinung eine Vereinbarung zu treffen, welche bei der am 20. August 1S93 stattgefunden, n Begehung iler oberwähnten Variante angebahnt and später auch zum Abschlüsse gebracht wurde. Am II. Juli [893 wurde den Herren Felix roll Mottony. HotU Gasser seit, und Franz Lamprecht die allerhöchste Konzession zum Baue1 und Betriebe der Gailthalbahn Arnoldstein-Hermagor erteilt. Am 15, Juni 1893 empfing Se. Majestät der Kaiser in huldvollster Audienz die Konzessionäre, welche ihren ehrfurchtsvollsten Dank für die Sanktion des < iaillhalbahngcsclzcs, sowie für die Konzcssions-erteilung, aussprachen. Die Bauvergebung betreffend, hatten schon im Frühjahre auf Grund der von der k. k. Generalinspektion festgesetzten Baukostenziffer die Verhandlungen mit der Hauunternehmimg /'.'. Gross 6° Comp , welche an die Finanzierung des Bahnbaues durch die Zeichnung von 50 000 II. gegen Uebernahme von Stammaktien beteiligt war, wegen Abschluss eines Bauvertrages auf Basis des von der Bauunternehinung gelegten Offertes ihren Fortgang genommen und wurde im Juni 1893 ein von E. Gross £° Comp, acceptierter, von den Konzessionären jedoch nicht angenommener Bauvertrags-Entwurf dem k. k. Handelsministerium mit einer Eingabe vorgelegt, dahingehend, dass jene Kosten, welche durch Uebernahme des Baues durch die Bauunternehinung E. Gross O Comp.?) nicht gedeckt erschienen, daher von den Konzessionären getragen werden müssien, ans dem erübrigenden Erlöse der zu begebenden 1 Ibligationeh zu decken wären. I eher diese Eingabe wurde nach längeren Verhandlungen zwischen dem Handelsministerium, det Bauunternehmung und den Konzessionären eine Einigung erzielt, sodass der Bauvertrag im November [893 unterzeichnet werden konnte. Der Bau selbst hatte jedoch im Monate Mai 1893, nachdem das Handelsministerium die Bewilligung zu den nötigen Bauvorarbeiten auf Kosten und (ielähr der Bauunternehmung erteilt hatte, durch die genannte Bauunternehmung seinen Anfang genommen. Gleichzeitig genehmigte das Handelsministerium, dass die Bauaufsicht seitens der Konzessionäre durch cm von denselben aufzustellendes BauaufsichtSorgan besorgt werde, und genehmigte weiters die l ebcrtragnng dieser Bau- '") Die Bauunternehmung E. Gross c> Comp, in Wien hat bisher 26 Bahnen in einer Gesammtlänge von tjft$ km gebaut und zwar nachfolgende Strecken: Lundenburg-Grussbach 44 km, Dalmatiner Staatsbahn 125, Bozen Meran 31, Mürzzuschlag-N'euberg 12, Galizische Trans-versalbahn 266, Saybusch-Zwardon 37, Jaroslau-Sokal 150, CzeraoWitz-Nowosielitza 36, Deinbica-Kozwadow 112, Golleschau-Ustron 6, Neu litschein-Hotzendorf 11, Drösing-Zistersdori 12, Bielitz Kety 17, Zweites Geleise Oderberg-ÖswieCÜn 73, Zweites Geleise Krakau-Lemberg 342, Herzogenburg-Krems 21, Bruck-Hainburg 20, Grünburg-Agonitz 12, Sleyr Bad I lall [6, I 'lat leni nmiel Frzhcrg 5, Flügel-Donawilz 3, (irenz-tunnel Woronienka 5, Murthalbahn 76, Gailthalbahn Arnoldstein-Hermagor 31, St. Löring-Slatina Nasics *»1. Gablonz-Tannwald-Albrechts-i dort 21. — Ferner hat die Lnternehmung folgende Bauten durchgeführt: Kasernen in Göding und Zolkicw, die Dniesterbriicke Zalesz.czycki, zwei Savebrücken Przemysl, Erweiterung Nordbahn Wien und Floridsdorf Augiimenlationsinagazine l'rzemysl. Herinagor. Garnitzenklamm. Eingang zur Garnitzenklamm. aufsieht an den I Oberinspektor der L k. Staatsbahnen i. I'., Ems/ Haum>ld, mit der gleichzeitigen Bewilligung, dass derselbe die Geschäftsführung der Konzessionäre besorge. Vom 25. bis 28. Oktober 1893 fand die Kommission wegen Fest-Stellung der Notwendigkeit der Herstellung von Bahnhof-Zufahrtsstrussen, am (>. und 7. November 1893 die Kommission behufs Erteilung des Baukonsenses für die Hochbauten statt. Im Weitern hat es sich, im Sinne der Konzessions-Bestimmungen (§ 12), um die Bildung der Aktiengesellschaft der . (hülthalbahn Arnoklstein-1 lermagor« gehandelt. Die Feststellung der Statuten für diese Gesellschaft stiess nur llisolerne aut Schwierigkeiten, da dem Wunsche des 1 ,ande>aiisschusses, als Sitz der Gesellschaft Klagenfurt« zu bestimmen, seitens des hohen k. k. Handelsministeriums nicht entsprochen werden wollte. Dem ob- bemerkteu Verlangen des Landesausschusses wurde schliesslich insoweit nachgekommen, dass in den Gesellschafts-Statutcn als Sitz der Aktiengesellschaft (iaillhalbahn Arnoldstein-I lermagor zunächst Wien« bestimmt wird, nach Vollendung des Bahnbaues, beziehungsweise der Abrechnung desselben, aber ■ Klugcnluri bestimmt werden kann. Die endgültige Entscheidung des hohen k. k. Ministeriums des Innern vom 2, November 1893, Z. 25821, in dieser Frage lautet: »Den Gesuchstellern wird schon jetzt zugesichert, dass die Regierung im Prinzipe keinen Anstand nehmen wird, einem statutengemäß zustande gekommenen Beschlüsse der Generalversammlung der zu bihlenden Aktiengesellschaft auf Verlegung des Sitzes derselben von »Wien« nach >Klagenfurt«, beziehungsweise dein Beschlüsse auf eine bezügliche Statutenänderung, in sofern e diese Beschlüsse nach Vollendung des Bahnbaues und vollständiger Abrechnung desselben, gcfassl werden, die Genehmigung zu erteilen.« Mit Bezugnahme auf diese Bestimmungen wurden durch das hohe k. k. Ministerium des Innern am 21. November 1893 die Statuten der Aktiengesellschaft „Gailthalbahn Arnoldstein-Hermagor" genehmigt. Durch Erlass des hohen Handelsministeriums vom 2(1. September 1893, Z. 43 944, wurde als Zahlstelle für die Einzahlungen der Aktionäre die k. k. priv. österreichische Länderbank, sowie die Zahlungs-Anw eis ungsi nodal i täten genehmigt. Nach erfolgter Ausschreibung der Einzahlungen auf Zahlung des Priorität*- und Stamm-Aktien-Kapitales, und nachdem die diesbezüglich bedingten 30, beziehungsweise 4o"/u Einzahlungen überschritten waren, wurde durch die Konzessionäre die konstituierende Generalversammlung der Aktiengesellschaft »Gailthalbahn Arnoldstein-Hermagor« einberufen, und dieselbe am 29. Januar 1894 in Wien abgehalten. Hiebei wurden Leopold Freiherr von Aichelburg- Labia, k. u. k. Kämmerer in K lagen-lürt, Hans (lasser senior, Fabriksbesitzer in Hermagor, Dr. Arthur He> ■:_/', ld, Beamter der Kaiser Eerdinamls-Nordbahn in Wien, Felix •'on Mottony, Fabriksbesitzer in Amol dslein und Dr. Carl Ubl, Aavokal und Direktor der Sparkasse in Klagenfurt in den Ver-vvalturigsral gewählt und Alfred Egger, Direktionsinitglied der Kärntner Sparkasse und Franz Lamprecht, Bürgermeister in Herrn a gor zu Revisoren ernannt. Das Land Kärnten entsendete auf Grund seines statutarischen Rechtes den Landesausschuss-Beisitzer k. k. Bergrat Her- 7b mann Hinterhuber in den Verwaltungsrat. In der konstituierenden Sitzung des Verwaltungsrates wurde der Vertreter des Landes, Bergrat Hermann Hinterhuber zum Präsidenten, der Gewerke Felix von Alottony zum Vize Präsidenten gewählt. Mit der Führung der Geschäfte wurde ein dreigliederiges Kxekutiv-Komile, bestehend aus dem k. k. Pergrate Hermann Hinterhuber in K lagen für I, Dr. Arthur Herzfeld in Wien und dem Gewerken Felix von Alottony in Arnold Stein betraut, welches den letztgenannten zum ()bmanne wählte. Zum landesfiirstlichen Kommissär ernannte das k. k. Handelsministerium den k. k. Minisierial-Vize-Sekrctär l)r. Robert Sturm, zum Verwahungsrate den Grossgründbesitzer .V. ll'irlh in Villach. Die Finanzierung der Gailthalbahn erfolgte durch die kärntische Sparkasse in Klagenfurt, welche sowohl die Prioritäts-Obligationen als auch die Prioritäts-Aktien zu einem für das Hahn-Unternehmen sehr günstigen Kurse übernahm, so zwar, dass die ganze Beschaffung des Baukapitals mit Ausnahme der von der Bau-Unternehmung A Gross 6° Cie. übernommenen Stamm-Aktien im Laude selbst erreicht worden war« Wenn zum Schlüsse dieser Darlegungen die Frage aufgeworfen wird, warum der Erfolg des Zustandekommens der Gailthalbahn so rasch eingetreten sei, so kann dies damit resümiert werden, dassvorerst gleich vom Anbeginn der Thäligkcit des Komites der einzig richtige Weg, die Erreichung des angestrebten Zieles durch Mitwirkung aller beteiligten Laklorcn, Staat, Land und Interessenten eingeschlagen Wurde, dass es ferner über die T r a c e führung keine Differenzen gab, vielmehr die richtige Trace gleich von vornherein fixiert worden war, und dass endlich die Erhebungen des Komitees über Personen- und Erachtenverkehr, sowie über die wirtschaftlichen Verhältnisse des in Betracht kommenden Thaies so vollständig erfolgten, dass sowohl der hohen Regierung, dem Parlamente als auch dem Landtage ein vollkommen klares Bild für die Rentabilität der geplanten Linie geboten werden konnte. Ebenso wesentlich gefördert wurde der rasche Erfolg durch die vollste Einmütigkeit, kr äftigste Energi e und die ununterbrochene Thätigkeit des Komites, welches keinen Tag ungesäumt vorübergehen Hess, ohne einen Schritt nach vorwärts gemacht zu haben, sowie durch die warme Unterstützung, welche von allen massgebenden Seiten dieser ersten Lokalbahn in Kärnten entgegengebracht wurde, endlich nicht in letzter Linie durch die energische Förderung des Hahn-Projektes seitens der Publizistik. Auch war der Zeitpunkt der Aktion insofern« sehr günstig, als kurz vor Beginn der Thätigkeit des Komites die allerhöchste Thronrede bei Eröffnung des Reichsrates die Förderung des Lokalbahnwesens im Anschlüsse an das Netz der k, k. Staatsbahnen betont hatte und auf Grund des Lokalbahngesetzes noch keine Lokalbahn in Kärnten geschaffen worden war. Es erübrigt uns daher nun noch, aller jener laklorcn zu gedenken, die das Zustandekommen der Gailthalbahn so wesentlich gefördert haben, und sei hiemit namens des Komites und aller Interessenten der hohen Regierung, dem hohen kärntischen Landesaus-schuss, der kärntischen Handels- und G e w e r b e k a m m e r, sowie d er k är n t i s che n Sparkasse in K lagen furt der ergebenste Dank für die tliatkriiftige Unterstützung des Zustandekommens der G a i 11 h a 1 b a h n ausgesprochen; gleicher I )ank gebührt dem Reichs-und Landtags-Abgeordneten Dr. Otto Steinwender und dem Landtags-Abgeordnelen Dr. Mathias Abuja, welche dem Komite mit Kai und Thal zur Seite standen. Anknüpfend an die Entstehungsgeschichte der Gailthalbahn, welche in kurzen Zügen entwickelt wurde, sei nunmehr die technische Anlage und Ausführung tierseihen einer kurzen Betrachtung unterzogen. Die Bahn, vom westlichen Ende der Station Arnoldstein ausgehend, wendet sich in einem Bogen nach Norden, um den (lailfluss an geeigneter Stelle zu ubersetzen und an die linke Thalseite zu gelangen, an deren Gehänge sie sich über Nötsch, Vorderberg bis Görtschach fortzieht. liier verlässt sie das Gailthal, um den im (j i t seht hale gelegenen Markt 11 er inagor zu erreichen, welcher gegenwärtig das Ende der Bahn ist. Länge der Bahn. Die Bahn hat vom Ausgangs«echsel der Station Arnoldstein der Strecke Villaeh-Tarvis der k. k. österr. Staatsbahnen bis Ende der Station Hermagor eine Länge von 30,56 km und ist dies die Baulänge der Bahnstrecke, während die Entfernung vom Aufnahmsgebäude Mitte Arnoldstein bis Mitte Aufnahmsgebäude Hermagor 30,73 km beträgt. Richtungs- und Sleigungs-Verhältnisse. Die maximale Steigung auf der Strecke beträgt I2,00/Uu, der minimale Radius 1S0 Meter. Geologische Verhältnisse. Die Strecke von Arnold s lein bis Nötsch führt über einen Bergsturz des thtbratsch. Das Massiv desselben ist sog. Guttensteiner Kalk, die weitere Trace bis Hermagor liegt im Tertiarschotter, in welchem Einlagerungen von Glimmerst hie/er vorkommen. Der Bahn zu Grunde gelegte Normalien. Die Breite des Schotterbettes beträgt in der Höhe der Schienenunler- kante gemessen.............3i°° m I >ie Schotterdecke...............0,25 „ Die Brette des Unterhauplanums..........4>°° n Die Minimaltiefe der Bahngräben unter der Schienenunterkante 0,50 ,, Die Sohlenbreite der Bahngräben..........0,25 ,, Die in der Bahn liegenden Brücken und offenen Durchlässe haben, in der Schwellenhöhe gemessen, eine Breite beziehungsweise Länge von 4,3 m. Offene Objekte bis zu 1,5 m Spannweile erhalten eine Holz konstruktion. Sämtliche anderen Objekte wurden als definitiv hergestellt. Das Gewicht (1er anzuwendenden 9,0 111 langen tttahlschiencn beträgt per laufenden Meier 26.0 kg. Kunstbauten. Es ergeben sich 108 Objekte unter 20 in Spannweite mit einer Totalweite von 160 m und 1 (>bjckt über 20 m Spannweite mit einer Totalweite von 60 m; die berechnete kilometrische Durchlassweite ist demnach 6,62 m. Stationen. Die Wasserbeschaffung liir die Zugförderung auf den Wasser-Stationen St. Stefa n -Vor derber g und Hermagor geschieht aus Brunnen mittelst Pulsometerbetrieb. Weil diese Bahnverbindung nur den lokalen Interessen der von dieser Bahn durchzogenen liegenden zu dienen hat, so wurden die Stationen mit Rücksichtnahme auf die lokalen Verhältnisse des Thaies und zwar als solche bestimmt: Arnoldstein, N ö t sc h a/l > o b r atsch, St. Stefan-Vorderberg, Görtschach-Förola.ch und Hermagor, nehst den Personenhalleslellen Emmersdorf, Seebad Pressek und V e 11 a c h - K huenbur g. Die auf der Station Arnoldslcin bestehenden Verkehrsverhältnisse erleiden durch die Einmündung der nach Hermagor führenden Lokalbahn keine wesentliche Veränderungen, infolgedessen auch mit Ausnahme der Legung des Ausfahrts- und weiterer zweier Seitengeleise, nur die Herstellung einer Lokomotiv-Kemisc und eine Vergrösserung des Aufnahmsgebäudes erfolgt. Die Station Nötsch a/D. befindet sich an der linken Lehne des Gailthales und wird vorzüglich dem Personen- und Frachtenverkehr von und nach l'eistrilz. im Gaillhalc dienen und auch den Verkehr von und nach Bleiberg vermitteln. I >ie zu dieser Station führende Zufahrtsstrasse zweigt von der bestehenden Poststrasse ab. Die Station St. Stefan-Vorderbergist sowohl für den Personenais den Erachtenverkehr eingerichtet worden, und werden sowohl der am rechten l'fer der Gail gelegene Ort Vorderberg, als auch alle zwischen der Strasse nach Bleiberg und St. Paul uul dem linksseitigen Gehänge des ( laillhales gelegenen zahlreichen kleineren ( >rte und Gehöfte auf diese Station gravitieren. Die Zufahrt zu dieser Station zweigt von dem nach Görtschach führenden Fahrweg ab. Die Station Görtschach-Förolach wurde sowohl für den Personen- als auch Frachtenverkehr eingerichtet und soll diese Station nicht nur den auf der linken Thallehne oberhalb derselben gelegenen Ortschaften, sondern auch dem am rechten Gehänge liegenden Orte Latschach dienstbar sein. Die Zufuhr zu dieser Station zweigt von dem zwischen Görtschach und Eörolach besiehenden Fahrwege ab. Die Station Hermagor wird vorläufig den Endpunkt der Bahn bilden und werden, so lange dies der Fall ist, nicht nur Hermagor. Ober- und U n t e r-Ve 11 a ch, sondern auch ein grosser Teil des oberen Gailthales auf diese Station gravitieren. Die Anlagen für den Personen- und Frachtenverkehr sind dem zu erwartenden Verkehre ent- sprechend ausgeführt, und wurde ausser diesen Herstellungen auch noch für die Unterbringung von zwei Maschinen am Bahnhofe vorgesorgt. Die Zufahrt zweigt von der bestehenden Ecichsstrasse ab. Die mittlere Entfernung der Stationen beträgt 7,7 km. Die mittlere Entfernung der Wasserstationen beträgt 15,4 km. Baukosten. Die effektiven Gesamt-Baukosten ohne Eahrpnrk betragen per Kilometer 46500 Ii. und im Ganzen 1 440000 II. Mit dem Fahrpark erhöhen sich die Baukosten per Kilometer auf 51000 Ii. und für die ganze Länge auf I 5So000 Ii. • * * Möge die neugeschaffene Bahn dem Gailthale und seiner strebsamen Bevölkerung zum Nutzen gereichen, möge durch sie Wohlstand und Wohlfahrt begründet, wirtschaftlicher Aulschwung erzielt und eine glückliche, segensreiche Epoche eingeleitet werden, die andauern möge in alle zukünftige Zeil! Mit der <*ailthaU>nhn von Arnoldstein nach Eermagor. Arnoldstein, eine Station der Staatsbahnlinie St. Michael-Pontafel, ist der Ausgangspunkt der Oailthalbahn. Von hier aus läuft dieselbe ca. 400 m parallel und knapp neben der Staatsbahn, zweigt dann in scharfem Bogen ab und schlägt nördliche Richtung ein. Rechts und links liegen die Häuser der Ortschaft Gailitz. Im Süden erblickt man das dichtbewaldete niedere Vorgebirge der j ul i sehen Alpen, an dessen Fusse sich ein hoher Schrotturm, der Weiberger Bergwerks-Union gehörend, erhebt; im Hintergrunde werden die markanten und mächtigen Formen der Raibler Berge sichtbar. Durch das Kanalthal von den j ul i s eben Alpen getrennt, zeigen sich westwärts die Ausläufer der k a mischen Alpen; hier bietet sich dem Reisenden ein Wiek auf den Ostabhang des Osternik mit der als Alpenkurort bestbekannten Fe istritz e r- A1 pe. Die Bahn durchläuft nun in mehreren Krümmungen einen hügeligen, zum grossen Teile bewaldeten Schuttboden, im Volksmunde ,,Schütt" genannt. Derselbe zeigt noch heute recht deutlich tue Spuren des im Januar des Jahres 1348 erfolgten Dobratschab stu r ze s und die zahlreichen Felsblöcke, welche an der Oberlläche sichtbar sind und Jahrhunderte hindurch der Verwitterung widerstanden, bieten noch jetzt ein lebhaftes Bild arger Verwüstung. Das Kirchlein, welches man an der linken Seite des Bahndammes erblickt, ist errichtet worden zur Erinnerung an jene Unglückszeit. Den Botaniker dürfte es interessieren, dass auf diesem ScbuttbodßD die in Kärnten nur an dieser Stelle vorkommende A 1p en flocke nbl ume (Kpimedium alpi-num) nicht selten ist. Links weiden nun die Schlote einer Bleiglätte-Fabrik, welche der Bleiberger-Bergwerks-Union gehört, sichtbar. Bald fahren wir an dem ersten W äch terhau se bei km 1,0 vorbei und gelangen zur Gailbrücke. Wir befinden uns jetzt in der romantischesten Partie der ganzen Bahnstrecke. Die 60 m lange Eisenkonstruktionsbrücke wölbt sich über die wild dahinbiau sende Gail. Zahllose Felsblöcke liegen im Flussbette, an denen die Gail, die hier starkes Gefälle hat, in weisser Gischt emporspritzt. Im Norden, uns zur Rechten, überblicken wir die steilen Bruchwände des Dobratsch; im Süden, links von uns, knapp ober der Brücke, nimmt der tosende Fluss die Gailitz auf, während im tiefen Hintergründe die Raibier Dolomite in ihrer gigantischen Grosse hervorragen, h'els-wände, Hunderte von Metern hoch, kolossale Felsblöcke, ausgedehnte Schotterfeldcr, dies alles bietet ein Bild von mächtiger Wirkung. Der Schienenstrang, welcher auch jenseits der Brücke noch immer durch Wald zieht, hat nunmehr westliche Richtung angenommen. In rascher Fahrt passieren wir alt und zu Lichtungen, von welchen aus wir auf Momente den Königsberg, den Fünfspitz und deren mächtige Nachbarn erblicken ; aus dichtem Walde lugt der alte Turin des Ilohenturner Kirchleins herüber und von hohem Fels grüsst die imposante Fe ist ritz er Kirche mit ihrem schlanken gotischen Spitzturm ins Thal, nicht zu vergessen der grossen Keramikfabrik des Felix von Mottony, welcher damit eine hochschätzenswerte Industrie im Thale begründet hat. Nicht lange mehr währt es, und wir sind aus dem Walde! Das Thal erweitert sich zusehends und beträchtlich; blumige Wiesen und gut bestellte Aecker, niedrige Hügel und bis an die Gipfel bewaldetes Mittelgebirge geben der Landschaft ein reizvolles Anssehen. Ein Blick nach rechts noch zum Pfarrdorfe Saak mit dem hochgelegenen Schlosse W as s e r 1 e on b u rg, und wir fahren in die Station Nölscll am DobratSch ein. Vom Stationsgebäude aus hat man links einen schönen Ausblick auf die gegenüberliegende, grosse Ortschaft Fe ist ritz mit der schon erwähnten freundlichen Kirche; im Hintergrunde zeigt sich der vielbesuchte Ostern i k und dessen westlicher Nachbar, der Starhand. Zum Do brat sc h aufblickend, welcher unmittelbar hinter der Station emporragt, vermag man auch unbewaffneten Auges das sogenannte „W indische Kirchlein" hoch oben auf dem Berggipfel zu erspähen. Knapp hinter der Station übersetzt die Bahn den wilden Nötschbach, sowie die das Thal durchquerende Reichsstr asse. Wir fahren nun an Nötsch vorüber längs des ausgedehnten F ei strit z-Em m e rsdo r f e r-M oos e s ; das sind sumpfige Wiesen, welche vor und nach der Alpenzeit Hunderten von Pferden als vorzügliche Weideplätze dienen. Während der Alpenzeit liefern sie noch eine einmalige, sehr ergiebige Heumahd, sodass in Feistritz und den umliegenden Ortschaften eine ausgiebige Pferde- und Rindviehzucht betrieben werden kann. Durch diese Wiesen krümmt sich in trägem Laufe der Gailfluss, dessen Regulierung in Kürze vollendet sein wird. Die Bahn übersetzt die Reichsstrasse und zieht auf hohem Damm einer Berglehne entlang bis zum freundlichen Emmersdorf und erreicht, nochmals die Reichsstrasse und gleich darauf den E m me rsdo rf e r Bach übersetzend, die Haltestelle Emmersdorf. Bald darauf (auf der Blattaj trennen sich Bahn und Strasse; letztere steigt zum Hochplateau von St. Stefan an und nähert sich dem Bahnkörper erst wiederum vor der Haltestelle Seebad Pressek, die Bahn jedoch fährt in der Thalsohle weiter. In der Nähe Vorderbergs, unmittelbar vor dem Schlosse »Bodenhof« bemerkt der aufmerksame Reisende zu seiner Rechten in der Bergwand die Einsiedlerklause, worin vor nicht gar zu langer Zeit noch ein Einsiedler sein düsteres Dasein fristete. An Sc bloss »Bodenhof«, dem Sommersitz des Landesausschussmitglicdes Baron Aichelburg-Labia vorüber, gelangen wir in die Station St. Stefan-Vüftlei'berp. Gegenüber der Station, jenseits der Gail am Fusse des Osternik und Starhand, erblicken wir das grosse und wohlhabende Dorf Vo rd er b er g mit dem Wallfahrtskirchlein »Maria im Graben« im Hintergrunde. Unter- und oberhalb Vorderberg dehnt sich das grasreiche Vorderberger Moos aus, einerseits an jenes von F eist ritz-Emmersdorf, andrerseits an das von Gört s ch ach angrenzend. Der Bahnkörper läuft nun geraume Zeit längs des regulierten Gailflusses dahin, his er in einem Bogen in die Station Görtschach-Förolach einbiegt. Von dem sehr hübsch gelegenen Bahnhofe in Gört-schach erblickt man am besten das reichbewaldete Plateau des Eggforstes. Dasselbe zieht sich in Form einer geschlossenen Hügelreihe von Latschach bis Hermagor und teilt das Thalbecken, welches sich hier erheblich ausweitet, in zwei Hälften. Der südliche Teil — die eigentliche Fortsetzung des Gailthales — bietet in seiner eingeengten Thalsohle knapp Raum für das Flussgebiet der Gail. Die 18 Ortschaften der über dieses Gebiet sich ausbreitenden Gemeinde Egg, liegen daher auch zumeist auf den Anhöhen des ärarischen Eggforstes inmitten wohl-bebauter Rodungen. In der anderen Hälfte der Thalweitung erfreut sich das Auge an dem kleinen, aber idyllischen Pre sse k e r-See. Nördlich des Stationsgebäudes liegt auf der Höhe das Pfarrdorf »Förolach* und hinter demselben auf steilem Felsen das Wallfahrtskirchlein St. Stehen mit herrlicher Thalsicht. Im westlichen Hintergrunde aber erblicken wir den vielgestaltigen, sagenumwobenen Reisskofel, den Untersberg Kärntens, scheinbar quer im Thale stehend. Das Stationsgebäude verlassend, beschreibt die Bahn eine Kurve nach links, übersetzt dann bei westlicher Fahrt die Reichsstrasse und gelangt auf hohem Damm in kurzem Bogen in die Haltestelle Seebad Pressek. Uns gegenüber am jenseitigen Ufer des Pressekersees erblicken wir die wohleingerichtete Badeanstalt und die einladende Restauration »Frenzl«, mit schönen Anlagen und Spaziergängen. Ober dem Restaurant liegt die Ortschaft Passriach, umgeben vom harzduftenden Egg forste; im Hintergrunde zeigt der Poludnig seine grasreichen, würzigen Alpentriften. Durch schwachen Waldbcstand gelangt man nun von hier aus bei massiger Steigung zur Haltestelle Vellach-KhueilbüTg. Das (luiltlail. 8 Südlich davon liegen die Ortschalten Untervellach und Braunitzen; in nördlicher Richtung bietet sich ein lohnender Blick in die Felswände des Egelnock und der Gradlitzen, wie zu der auf einem Felsvorsprung gelegenen Ruine Khuenburg. Weiterfahrend übersetzt der Zug auf hohem Damm den schotterreichen Vellachbach, passiert die Ortschaft Ob er vel lach und läuft nach Durchquerung der Reichsstrasse in die Endstation Hermagor ein. F.livor du jedoch, lieber Wanderer, deine Schritte Herberge suchend dem Markte H ermagor zuwendest, lass dir eine Umschau vom herrlich gelegenen Bahnhofe wärmsten« empfohlen sein! Du erschaust da einen wohlbestellten Thalboden, umgeben von einem Kranze zumeist dichtwaldeter Hügel, im Norden und Süden llankiert von mächtigen Bergzüge n. Hinter bewaldeten Vorbergen lugen im Süden aus der Kette der karnischen Alpen der aussichtsreiche Osternik, sowie der bis an den Gipfel bewachsene Poludnig und der Starhand hervor; himmelan streben die Zacken und Hörner der kahlen und wildzerklüfteten Gruppe des Garten-kofels, während nordscits aus der Kette der Gail thaler-alpen die Steilwände des Egelnock und der G radii tzen aufragen, von denen sich die sanfteren Formen des nachbarlichen Golz und des Mitterberges wirksam abheben. Im Thalgrund am Fusse des Egelnocks das freundliche Dörflein Vel lach, in dessen Hintergrund, den Wald überragend, der Turm der zerfallenen Veste Khuenburg zu Thal schaut. Den westlichen Ausblick begrenzt der breitrückige Guggenberg mit Bauerngehöften in den Dichtungen, umgeben von sattgrünen Bergwiesen, Triften und Feldern. Und nun gen Hermagor, lieber Wanderer, allwo sie dich grüssen mit Herzlichkeit: Willkommen! Willkommen! Führer durch das Gail-, Gitsch- und Lessachthal. Ais zum Sommeraui'enthalte sehr geeignete Orte im Gail-, G Usch- und Lessachthaie seien bestens empfohlen: Im Uiitergniltlialc: Arnoldstein, Nötsch, Emmersdorf und der Höhenkurort Osternik (Feistritzer Alpe); im mittleren («ailthale: Hermagor und Seebad Pressek; im oberen Gfailthale: Kirchbach, Kötschach, Mandorf, Höhenkurort Plöken; im Gritsehthale: Weissbriach; im Lessaehthale: Birnbaum. Bezirkshauptmannschaft Villach dii'richlsbezirk Arnolds!ein. Arnoldstein (slov. Podkloster), grosses, schönes Dorf, 590.1m Seehöhe, 411 Einw., Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften Agoritschach 109 Einw., Gailitz (Zilica) 321 Einw., Greuth (Rut) 172 Einw., Urna, auch Hart Vacil rlrast) 150 Einw., Korpitsch (Korpiče) 137 Einw., Krainbcrg (Stermca) 50 Einw., Krainegg (Krapnik) 82 Einw., St. Leonhard 92 Einw., Lind (Lipje) 58 Einw., Magiern (Megvarje) 265 Kinw., Neuhaus i, I'odsturjo) 182 Kinw., Pessendellach (Dole) 106 Einw., Pückau (Peče) 315 Einw., Kadendorf fkadnja ves) 26,5 Einw., Riegersdorf (Rekarja ves) 137 Einw., Seitschach (Sovce) 34N Einw., Obertln'nl Zgornje vrate) 113 Kinw., l.'nlerthörl (Spodnje vrate) 269 Einw., Tschau (Cava) 89 Kinw., Klächenmass der Gemeinde 7391.6915 ha. Gesammteinwohnerzahl 3669. Station der Staatsbahnlinie St. Michael—Ponta/el; Ausgangstation i/er Gailthalbahn; katholisches Pfarramt St. Lambert mit 1614 Seelen (128 Akatholiken); vierklassige Volksschule,' Post- und Telegraphenamt; Bezirksgericht] Steueramt\ Arzt; Gendarmerieposten. Bedeutendster Ort des L ntergailthales, sehr schön gelegen gegenüber der Villacher Alpe, an der Mündung des Kanallhales in das Galt ihal und am Kusse eine-, ca. 40 m hohen Kelsens mit einem im Jahre 1883 durch Brand zur Ruine gewordenen Schlosse (ehemals Benediktinerstift). In der Pfarrkirche tlrabsteine der Achte des einstigen Benediktinerklosters, zwei Barockbilder aus dem 18. Jahrhundert (hl. Apollonia, hl. Lucia), sehenswerte Moiistraii/c aus der t'ebergangs/.cit der (iotik in die Renaissance. Gasthäuser; Lipoids*} neuerbautes Bahnhotel, Gasthof »Grumt,*) ferner »zum Daniel«, Josef Komposch, Josef Michor. (Geschichtliches. Viele hier gefundene Inschriften und Trümmer bezeugen ic Benediktiner, von welchen das Still wieder hergestellt worden war, halten die Abtei Iiis 1783 inne, in welchem Jahre sie von Kaiser Josef 11. aufgehoben wurde. Ueber das Kloster Arnoldstein schreibt Joh. Weihard Freiherr v, Valvasor: »Das Kloster Arnoldstein ligt im oberen Vieriheil an der Strassen zwischen Villach und Tarvis, war vorzeiten ein herrliches Schloss, auf einem hohen Kelsen oder Berglein gar schön anzusehen, unterhalb halte es vor diesem einen Marktflecken, so aber durch Arinuth der Burger zum Dorff und die Burger zu Bauern wurden. Neben der Kirchen sieht man in der Mauer einen Stein, darin das l'onterlait dess ersten Stifftcrs und Stiffterin dieses Schlosses, welche es haben aufbauen lassen, darbei ist auch ein giftiger Wurm gesetzt, welcher sich unter dem Schloss in einer Spelunken aufgehalten und mit seinem giftigen Anhauchen viel Beut getödtet und gefressen, ist aber endlich umgebracht und dieses Schloss im Jahr 1124 von Bischoff Ottone zu Bamberg, einem gebornen Grafen VOH Andechs, zu einem stattlichen Kloster, Bcncdictincr Ordens (inwessen es auch jetzt noch Bainbergisch ist) gesli ff let, und der erste Ahl mit Namen Nigramus von ol.gedachtem Bischoffen (Utone, welchen man nachmals wegen seines heiligen Leben und Wandel canonisirl, An. 1126 dorthin gesetzt worden. Iliebey folgen alle Aebte, so darinn gewest seynd, als: (folgen nun die Namen von 32 Aebten vom Jahre 1126—1654). Kin paar Musipietcn-Schuss von Arnoldslein ligt ein hübsch neu-gebautes Schlösslein, Bosenheim genannt, in der Kbnc an dem Wasser Sultza, welches ein wenig unterhalb in den Kluss Geyl fällt; gleich oberhalb Rosenheim ligt das alte, ganz zerstörte Schloss Kuggerau, auf einen Berglein, welches Herr Jacob Kugger im i486 Jahr aufgebaut, hernach aber von einem Abt zum Kloster Arnoldstein ist er-kaufft worden.* An dieses Kloster knüpft sich die schöne Sage von »der weissen Rose« : »Die weisse Rose — wer sie findet Auf seinem Chorstuhl beim (lebet, Der weiss, dass ihm der Atem schwindet, Bevor der zweite Tag vergeht.« (Siehe »Die weisse Kose , ein episches Gedicht von Ernst Rauscher, Kleinmayer, Klagenfurt, und unsere Skizze von Kranziszi »Sagen und Märchen«.) Ausflüge: Von Arnoldsttin ostwärts gegen Furnitz auf der Reichsstrasse Iiis Riegersdorf, von dort Abzweigung auf den Kreinberg über den Wurzeiter Sattel 1044.3 1,1 n:K'n Würzen und Kronau in Kretin 3I/2 Std. < legen Westen Kunstslrasse ins k'analthal; über die (lailitz sehenswerte steinerne Strassen- und eine 67 m lange und 15 m hohe Eisenbahnbrücke. In Gailitz (Zilica), 321 Kinu-., '/| Std. von Arnoldstein das im Jahre 1490 erbaute Kirchlein St. Maria auf einem vom Dobratschsturze herrührenden Felsblocke. Von hier aus gegen die (lad zu an der Bleiglätte der Bleiberger Bergwerksunion vorUber in die ,,Aue", empfehlenswerte Spaziergänge mit interessanten Ausblicken auf das Absturzgebiet des Dobratschj Fundort der seltenen Alpenflockenblume (epimedium alpinum). Von (lailitz an Strassfried vorbei nach Thörl Maglern I Std. Strassfrictl. Aussichtswarte auf hohem Turm der gleichnamigen Schlossruine. Das Schloss, an dessen Stelle ein römisches Kastell gestanden sein soll, 1797 von den Kranzosen zerstört. Schattige und wahrhaft reizende Spaziergänge; prächtige Rundsicht. ThÖrl-Maglern (Vrate), 648 m, 753 Kinw., Staatsbahustation, Post- und Tclcgraphcnatnt'; Gasthäuser' »Strasshof« und »Lufthof«, Pfarrkirche St. Andreas mit Kapelle aus dem Jahr 1169, höchst interessante abgedeckte Fresken, vierklassige Volksschule; im Schiitzagraben Cellulose-Fabrik der Aktiengesellschaft Keykam«. Auf einem massigen Plateau gelegen, bietet Thörl einen schönen Ausblick auf die Dolomite; Mangart, Vischberg und Montaggio; angenehmer Winteraufenthalt, weil stets sonnig und nebelfrei. Von Thörl-Maglern Abzweigung der (lailthaler Reichsstrasse an Strassfried vorüber in '/> Std. nach Dorf Hohenthurn (straja ves) 686 m, 377 Kinw., Sitz der gleichnamigen (lemeinde mit den Ortschaften A. Ilmnitz (Zahomce, 238 Kinw. j, Draschitz (Dra'ic, 191 Kinw.), Dreu-lach (Drevlje, 278 Einw.), Feistritz (Ziljska Kistrica, 815 Einw.), Göriach (Gorjane, 207 Einw.), S tossau (Stosava, 226 Einw.); Flächenmass 4711.9179 ha, Kinw. 2232. Filialkirche der Pfarre Göriach St. Ciriacus mit sehenswertem Barockbild aus dem Jahre 1588, die Marler des hl. Ciriacus darstellend; sehr aller Turm mit beachtenswerter Turin- halle; spätgotisches Ciboriutn; Betstuhl. (iasthatis: »Titscher <. Fahrweg über Stossau nach (lailitz-Arnoldstein i Std. Von Hohenthurn die Reichsstrasse entlang durch die Dörfer DraSChitZ (Gasthaus »Lussnig«) und Dreulach, an (ioriach und Achomitz (1. an der Strasse) vorbei nach Feistritz 6/4 Std. Dorf Göriach ((lorjanc) 67S m, 207 Kinw., weithin sichtbare, spätgotische Pfarrkirche Maria Namen, auf einem Vorsprung des Kopin-berges aus dem Jahre 1489; die frühere vom Arnoldsteiner Abte Guntherus 1316 erbaute Pfarrkirche 1478 von den Türken zerstört; Seelenzahl 1109 (Katholiken); zweiklassige Volksschule. (lasthaus I lebein«. In zwei Stunden Aufstieg auf die GÖriacher Alpe, 1695 m; sehr lohnende Aussicht (Gailthal, \Vörthersee-< legend, Kinkensteinerbecken, Mittagskogel und Faakersee, Mangerl und Visehhcrggruppe, Königsberg mil Raibiersee, Tauernkclle); gute 1 'nierkunfi in fünf gemauerten Häusern mit je zwei Helten; Luit- und Molkenkur. Feistritz a. d. Gail (Züjska Bistrica) 624 m, 815 Einw., Postum/, katholisches [Pfarramt St. Martin mit Kirche aus dem jähre 1424; Seelenzahl 1065 | Katholiken); zweiklassige Volksschule', stattliches Dorf (das gTÖSSte des Thaies), sehr schön gelegen. Von der Höhe vor Leistritz ülierraseheniler Blick ins untere (lail-thal mil dein Osternik im Süden, dem Dohratsch als Ausläufer der (iailthaleralpcn im Norden und dem Reisskofel im Westen. Auf hohem, steilem Leisen mit prachtvollen (llctschcrschliffcn imposante spätgotische Pfarrkirche} mehrmals abgebrannt; 1885 durch Baumeister Madile stilvoll restauriert, mit gotischer Magdalenen-Kapelle aus dem Jahre 1522, von dem Oailthaler Steinmetz Kamich erbaut; sehr schöne Aussicht. ►Die Kirche steht auf dem Punkte, wo einst die Burg Schroffenstein stand. - Von der Pfarre Leistritz geht die Sage, dass Melanchton hier Rektor oder Pfarrer gewesen sei oder wenigstens da gepredigt habe.t Ilolienauer in seiner »kurzen Kirchengeschichic von Kärnten . Klagenfurt 1850. Wohlhabende Bevölkerung; bedeutende Pferdezucht; grosser Kirchlag am Pfingstmontag mit dem wendischen Nationalspiel »Kufenstechen «; Tanz in Nationaltracht unter der Dorflinde. Im Orte Kunstmühle des Anton Achatz; Gasthäuser: »Achatz«,*) »Janach«, »Michor«. AltsflUge: In 10 Minuten zur Feistritzer-Klamm hinler der Kirche mit sehenswerter Thalsperre. In 1/4 Std. zur Keramikfabrik, »Gailthalergewerkschaft des Felix v. Mottony,*) 1885 gegründet, vielfach prämiiert, mit Dampfbetrieb und IOO Arbeitern; Erzeugung von I'alcnt-Slrangfalzziegel, Lirslziegel, Verbleut- und .Mauersteine; Jahresproduktion zwei Millionen Falzziegel. Von Feistritz aus bequemster Aufstieg auf sehr gutem Wege in die Feistritzer-Alpe in 3'/^ Std., am Südabhange des 2035 m hohen Osternik gelegen, höchster Luftkurort Kärntens; in einem Dorfe von Sennhütten gemauertes Fremdenhaus »Hotel Osternik«, 1720 in, des Anton Achatz jun.*) — Feistritz, 10 Zimmer ä. 2 Betten, Speisesaal, vorzügliche Verpflegung bei niederen Preisen; bestes Trinkwasser; Molkenkur; Käserei; täglicher Botengang ins 'Thal. In 8/4 Stunden angenehmer Aufstieg auf den ()sternik mit wirklieh grossartiger Rundschau (im Norden mittleres Gailthal, sämtliche Oebirge bis an die hohen 'Tauern; im Westen Obergailthal, 'Tiroler Berge; im ( >sten Unter gailthal, Rosenthal, Faaker- und Wörthersee, Karawanken ; im Süden Kanalthal und die vielgestaltigen Kolosse der Julischen Alpen ; 'Triglav, Mangert, Vischberg, Monte Cnnin u, a., Gnadenort Luschari... Vom Hotel aus 1/a Std. in die Aehomitzeralm, I Std. in die Vorder-l'crgeralmeu und in die liebliche Uggowiizer Alpe mit der höchst gelegenen, im Jahre 1891 erbauten Schule des Landes (Alpensommerschule) 1258 m; in 4 Stunden durch den sehr interessanten Partholo-graben nach 'l'aivis; von Feistritz aus Lebergang nach Seifnitz und Tarvis durch den Barthölograbcn 4 Std.; über die Feistritzer und Uggo-loiizer Alpe nach Uggcnvitz 6 Std. Weissensee. Weissbriach mit der neuen evangelischen Kirche. Längs der schattseitigen Berglehne führt von Feistritt aus eine gut lahrbare Strasse nach / 'onlerberg i'/» Stil. [Jeher die Gailhrücke das Thal durchquerend 1/J .Std. auf der Reichsstrasse nach Nö'tsch am Dobratsch (Cojna noč, 565 m, 339 Kinu., Stat. der Gailthalbahu, Fast- und Telegraphenami'; schöner, aufblühender Ort, seit Jahren schon beliebtes Souuneri|Uartier (Wiener und Triesiiucr Kainilien); Kiurtmiihle und Maschinenschlosserei (Erzeugung landwirt schaftlicher .Maschinen) des Kranz Wiegele; reizende Villa des (lewcrkeii und Schöpfers der Gailthalbahu Kelix v. Mottony mit elektrischer Beleuchtung. Gasthäuser: ■ Michor ,*) ilsepp«,*) »Miklautsch« .*) Ausflüge: 10 Min, in den wildromantischen tVotschergra-ben mit 1 Iclzstofffabiik des Simon Michor und sehenswerter 'Fhalsperre; Ver bauung des berüchtigten Xotschhaches he Vorstehern I. '/4 Std, ins Pfarrdorf Saak (Čače), 636 m, 428 Einw., Sitz der < lemeindc Kmersdorf mit den Urlschaften: Bach (Potok; IOO Einw., Dellach (Dule) 55 Einw., Emersdorf (Smerce) 102 Einw., Fori Borce) 144 Einw,, St. Georgen (Sv. Juri) 96 Einw., Glabatschach (Globace) 41 Einw., Hermsberg (Rute) 48 Einw., Kerschdorf (Crežnje) 255 Einw., Kreublach (Herble) 79 Einw., Kuhweg (Skovče) 89 Einw., LabienI-schach (Labinče) 187 Einw., Michlhofen IJ3 Einw., Nötsch (Cojna noč) 393 Einw., I'oglantschach (Poklanče) 64 Einw., Semering Seuierze) 77 Einw., Wertschach (Dvorce) 133 Einw.; Gesamt flächenmass der Gemeinde 4225.1632 ha und 2404 Einw., katholisches Pfarramt St. Kanzian mit Kirche aus dem Jahre 1603; Seclenzahl: 948 Katholiken, 2 Akatholiken; dreiklassige Volksschule, Am Kirchtage wendisches \aiiimalspie] «Kitjcnstechcit*.. Auf einem massig Indien l'lateau, unmittelbar dem Dobratsch vorgelagert, das Schloss Wasserleonburg des Romuald Holenia aus dem Jahre 1747 mit Arkadengang und sehenswerter St. Josefs-Kapelle (.Marmoraltar). Im Arkadengang Porträt der Schlossfrau Anna Neumann aus dein 16. Jahrhundert, welche sieben Männer gehabt haben soll. Von Nötsch aus kürzester Aufstieg auf rotmarkiertem Saumwege in 3 Std. auf den Dobratsch. Bergführer zum (lipfel 3 Ii., mit Abstieg nach Bleiberg 4 fl., nach Miltewald 4 iL 50 kr., nach Villach 5 11. Von Nötsch nordwärts am 1. Ufer des Nötschbaches in den Nötsch-graben bis zum Wegweiser; von dort kurzer, sanfter Aufstieg durch Wald und Wiesen, den (langes — einen Vorberg des Dobratsch — umgehend, auf den sog. Reidensteig ins Alpl (Quellwasser, Hütte); von hier in 1 Std. zum Gipfel, Rabis Kärtnerführer bezeichnet diesen Weg ganz und gar mit Unrecht als sehr beschwerlich und gefährlich. Heinrich Noe hingegen sagt in seiner erst jüngst erschienenen Broschüre Uber Mittewald; »Von der windischen Kirche führt ein Pfad nach Nötsch. Die allererste Strecke desselben erweckt den Anschein besonderer Steilheit. Dem ist aber nicht so! Nach wenigen Schritten setzt sich der Weg in bequemen Wendungen fort, ist überhaupt ebenso leicht zu begehen, als der von Bleiberg heraufführende Weg.« Der Dobratsch (von slavisch. dob — Kiche) oder die Villacher Alpe, 2167 111, derRigi Kärtens, ist unter allen Aussichtsbergen in den < Istalpen der für jedermann am bequemsten zugängliche, Der Rücken des Herges trägt zwei l'oiivkirchlein, eine deutsche Kirche (2164 m) östlich und etwas westlich unter der Signalspitze die windische Kirche (ohne Turm) St. Maria am hl. Stein (2135 m), von Susanna Semler ZU Wasserleonburg im Jahre 1690 zufolge eines frommen Gelübdes erbaut. In diesem Jahre hallen nämlich Hirten auf der Spitze der Villacher Alpe eine weisse Krau (die Gottesmutter) von strahlendem Richte umflossen auf einein Steine sitzen gesehen. Die genannte Schlossfrau hörte davon und gelobte, an jener Stelle eine Kirche zu bauen, wenn ihr taubstummer Sohn durch die Fürbitte Mariens wieder Gehör und Sprache erlangen sollte. Dies geschah; jedoch das Burgamt Villach als Eigentümer der Alpe hinderte die fromme Krau an der Ausführung ihres Gelübdes. Sie Hess daher auf dem ihr gehörigen Bergabhange die Kirche erbauen. Späterhin wurde jedoch auf der eigentlichen Stelle der wundersamen Erscheinung ebenfalls ein Kirchlein errichtet. Die ältere, dem Gailthalc zugewendete, wird die windische, die andere die deutsche Kirche genannt. Zu Jakobi und Anna (25. und 26. Juli) findet in dem Kirchlein Gottesdienst mit Predigt statt, an welchem zahlreiche Wallfahrer teilnehmen. Unter der deutschen Kirche sieht das .-llpetihotel ;.• Rudolj'slutus« und ausserdem zwei Unterkunfts-häuser des /). u. b, A.A., sowie eine Telegraphenstation, Von den Mausern wird in einigen Minuten der Gipfel mit seiner Weltberühmten Rundsicht erreicht. Frei dastehend, bietet er im Norden die gletscherreiche Tauernkelte, im Westen und Süden die kahlen Dolomitenspitzcn des südlichen und östlichen Tirols, die (iaillhaler, Garnischen und J iiiischen Alpen und im Osten die milderen Können des kärntisch-sieirischen Grenzgebirges und vor demselben das seenreiche Gebiet Mittel- und l'nlei kärnteiis {Wörther-, Osiacher-, Paaker- und Millslätter-see). Ausserordentlich schöne Bilder bieten ferner die Thäler der Drau und Gail sowie das Kanalthal. Von N'ötsch fahrbarer Weg über Ober- und (hilersehutt (Absturz-gebiet des Dobratsch) nach Arnoldstein. Durch den tiefen Nötschgraben 1 Std, nach Kreuth und von da in I Std. nach Bleiberg, interessante uralte Bergorte mit 800 Stollen auf Blei- und Zinkerze, weltbekannt durch den Lawinensturz vom Jahre 1879. Von Bleiberg sehr empfehlenswert Ausflug nach dem nahen, von der Baronin Lang erst in jüngster Zeit geschaffenen Luft- und Höhenkurort Mittewald *). Von Kreuth gut fahrbare Strasse auf langgestrecktem Hochplateau durch die schön gelegenen Gailthalerdörfer LabJP ntsr.hacli (Labinče), St. Georgen (Sv, Juri, 718 m, 96 Einw., dreiklassige Volksschule, in einem Kranz von Obstbäumen gelegen, kräftiges, kahnushältigcs, im Wald gelegenes Naturbad), Kerschdorf (Crežnje), Tratten (Plemiče), 763 m, 184 Einw., schöne Dorflinde, Gasthaus »Eisner« — wegen des am Kirchtage üblichen Kufenstechcns bekannt und Hadersdorf (Hadre) nach St. Stefan in 3 Std. Von NStsch l/j Std. nach Emers dort (SmerSe), 593 m, 102 Einw., schön am Walde gelegen; Haltt stelle der Gailthalbahn; Filialkirchlein .SV. Partlmii der Pfarre St. Georgen v. d. Bleiberge; Brauerei und Gasthaus des Frz. Kapp.* Von hier auf der Reichsstrasse 10 Min. nach Blata,' die Strasse steigt auf das Plateau von St. Stefan (rechts auf steiler Höhe das wohlhabende Dorf Michelhofen; hier wie in Emerdorf bedeutende Pferdezucht), tritt im St. Pauler Graben aus dem Gebiete der Bezirks hauptmannschaft Villach in das von Hermagor und fuhrt an dem Pfarrdorfe St. Paul vorbei, zumeist durch Wald nach St. Stefan ''/4 Std. Bezirkshauptmannschaft Hermagor. Gerk-htsbezirk Hermagor. St. Paul (Sv. Pavel), 636 m, 192 Einw., Pfarrdorf mit Kirche, genannt im Jahre 1392, rekonziliert 1498; 481 Katholiken; zweiklässige Volksschule; sehr schöne Dorf linde. Von St. Paul Wege in die Thalsohle über Karnitzen ari Schloss Bodenhof vorbei nach Vorderbcry und den rechtsseitigen Berghang hinan über Bichelhof (Schloss des Baron Adolf Aichelburg), Haders dort, Pörtschach, Matschiedl, Pölland, Windische Höhe. Oberhalb .SV. Paul 20 Min. Dorf DragantSChaCh (Draganee) 1. auf der Höhe; unten an der Strasse prächtige Buche (Stammumfang 4 m, Umfang des (leiistes 63 m). Von hier in 1ji Std. grössle Höhe der Strasse, ärarische Afanth-statiou, Einmündung der früher erwähnten Bteibergerstrasse, sowie des von l'atcrniou im Draulhal über den A'reuzuersattel, die Windische Hohe, Matsch/edel und Tratten (Uhrenden Fahrweges. Matschiedl (Močile), Zündhölzchenfabrik des Gregor Jost. Windische Höhe, 1094 m, Grenzort des Gail- und Hrautha/es, deutsch-slovenischc Sprachgrenze; herrlicher Thaliiberblick ; Filialkirchlein St. Anton; zwei Gasthäuser. St. Stefan (SV. Stehen), grosses Pfarrdorf, 721 m, 202 EÜ1W., Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften Bach (Potok) 127 Einw., Bichelhof (Vezenice) 30 Einw., Bodenhof (Na Bddnje) 49 Einw., Dragantschach (Draganee) 86 Einw., Edling (Kazaze) 179 Einw. Hadersdorf (Hadre) 82 Einw., Karnitzen (Karnica) 56 Einw., Kosten^ dort (Gozdinja ves) 375 Einw., Latschach (Loče) 32 Einw., Matschiedl (Močile) 215 Einw., Niesalach (Nizale) 22 Einw., St. Paul (Sv. Pavel) 192 Einw., Pölland (Polane) 42 Einw., Pörtschach (Poreče) 98 Einw., Schinzengraben (Senčni Graben) 27 Einw., Schmölzing (Smočica) 32 Einw., Suschawilsch (Susoviča) 109 Einw., Tratten (Ple'ice) 184 Einw., Flächenmass der 'Gemeinde 3694.8617 ha, Einw. 2039; kathol. Pjarranit St. Stefan, 1563 Katholiken; vierklassige Volksschule; Station der Gailthalbahn, Post- und Telegraphenstation, Gendarmerieposten, Distriktsarzt i schöne spätgotische Pfarrkirche, am Hauptaltar sehenswerte Holzschnitzereien, die Steinigung des hl. Stefanus und die Marter des hl. Laurenz darstellend; die Kirche soll von Bischof Theodorik im Jahre 793 erbaut worden sein; vor der Kirche eine grosse Linde, an Kirchagen (Maria I limiuelfahrt und am Pfingstmontag) 'Panz unter derselben (-»hoher Tanz«). Gasthaus: Lva Krschnig*) Ausflüge: Kalvarienberg mit alter Kapelle *j4 Std.; '/4 Sid. zur Ruine des Stammschlosses Aichelburg; Stehen (Stebenj), 1004 m, Wallfahrtskirchlein auf steilem Felsen, Thalliberblick 1 Std.; mich Tratten (He'i'e) lL Std.; Matschiedl '/„ Std.; Windische Höhe 1 Std.; in Stil, auf der Uahnhofzufahrts.stras.se zum SchlOSS Botlcilhof des Baron Aichelburg-Labia in der Thalsohle, (in der Nähe Einsiedlergrotte) und nach dem I )orte Vorderberg, 562 m, 633 Einw., Sitz der gleichnamigen Gemeinde 2457.0629ha, 633 Einw., in der Thalsohle am Ausgange des Vorderberger Grabens schon gelegen; Station der Gailthalbahn; Postamt; katholisches Pfarramt St. Peter und Paul, 690 Katholiken; Kirche a. d. J. 1498, zweiklassige Volksschule; am Eingange in den Graben (Thalsperre) Wallfahrtskirche »Unserer lieben Krau im Graben . Der vom Starchand aus dem i liaben kommende Vorderbergerbach hat den Ort schon wiederholt auf das schlimmste bedroht; au der vorüber Iiiessenden (lail sehenswerte FtussregulierungshUuUn, Gasthäuser: Tipp, Kröpll , Millonig . Ausflüge: nach Feistritz gutfahrbarer Weg an der Schattseite IStd,; auf die Ihdinza, 1464 m, 2'/, Std.; von dort in 2 Std. über die Feistritzer Alpe auf den Osttrnik; von der Dolin a über die l'ggo-witzer Alpe nach Uggowitz im Kanalthale 4 Std.; von der Dolinza auf den Starhand, 1974 m, 2 Std.; Abstieg über die G ort Schacher Alpe durch den Vorderberger Graben in den Thalboden. Von .SV. Stefan an KÖStendorf (Gozdinja ves), 275 E., vorbei, sehr steil abfallend in den SchienzeiigrallCn. wieder ansteigend in das Gebiet der Gemeinde Görtschach nach Förolach 1 Std. FÖrolach (Horlje), 660 in, 245 Einw., am westlichen Kndederhei Blata beginnenden I .ängsterrasse mit überraschendem P/ick in das Becken des Pressekersees; katholisches Pfarramt St. Jakob, 643 Katholiken; zwei klassige Volksschule; (lasthaus Assinger ,*) Von hier kurzer aber steiler Aufstieg zum vorerwähnten Wallfahrtskirchlein .SV. Stehen */4 Std. Von Förolach Abzweigung eines fahrbaren Gemeideweges nach Dorf Görtschach (Gorice) iJt Std,, 604 m, 303 Einw., Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften Förolach (Borlje), Schienzengraben (Senčni-Graben), 42 Einw. Wittenig (Videnče), 53 Einw.; Flächen-mass der Gemeinde 169«).3607 ha, Einwohnerzahl 643; Station der Gailthalbahn, Postamt] Filialkirchlein St. /lein/ich der Pfarrei förolach ; (lasthaus Dekan«. Von Görtschach Weg durch den Retschitza-Graben Uber die Gail und längs derselben mit interessanten P'lussrcgi/Iierungsbautcjt übers Görtschach-Förolacher APoos nach Vorderberg 6/4 Std. Unterhalb Förolach vereinen sich Bahn und Strasse, welch letztere knapp an die Haltestelle Seebad Pressek fuhrt ; von hier über den zwar kleinen (52.7165 ha), aber anmutigen PreSSekersee zum „Seebad" und dem sehr hübsch auf einer Terrasse gelegenen „Restaurant Frenzl".*) Mitten im See erfreut sich Auge und I lerz an einer herrlichen Kundschau. Nordwärts tue Kette der (lailthalcr Alpen mit dein hoch- aiilragenden Spitzegel (Egelnnck) und eleu steilen Wänden der Grad litzen, wirkungsvoll begrenzt vom Massiv des Dobratsch einerseits und dem imposanten Reisskofel in seiner Breitseite andrerseits; im Südwesten winkt die vielzackige Dolomitgruppe des Cartncrkofels, im Süden streich! der harzduftende, stattliche Eggforst, im ()sten zeigen sich die nördlichsten Spitzen der f//tischen Alpen, von den Kannoanken lugt der Mittagskofel zu uns und wohl an ein Dutzend Kricblein grüssen uns aus dunklem Tann oder aus freundlicher Dorfschaft. Es ist ein Wahrhaft lieblicher und herzerquickender Erdenfleck, eine reizende Sommerfrische mitten im Waldfrieden, zur Rast und Ruh wie geschaffen! Zudem ist das im gefälligen Stile erbaute Restaurant Frenzl derart eingerichtet und ganz darnach angethan, dem Sommergast den Aufenthalt in Pressek recht behaglich und angenehm zu gestalten. Vom grossen Hadeha use , welches sieben Herren-und sieben Damenkabinen, ja selbst eine mit Okic1 Selbstgiesser für Kneippsche Wasseranwendungen ausgestattete Kabine und eine Bootshütte mit neuen Kiel- und Flachbooten enthält, führt ein S t ran d weg das Seeufer entlang und schön angelegte Terrassengänge leiten in sanfter Steigung zum Restaurant empor. Dieses hat eine (• 1 a s- und eine offene Veranda, sowie vorläufig sechs Kr e m d e n z i m m e r. Kin K i n d e r s p i c 1 p 1 a t z und hübsche Anlagen mit R n h e p 1 ä t z c h e n, zwei vorzügliche Bergquellen, zahlreiche abwechslungsvolle Spaziergänge im vorerwähnten Eggforste, Jagd — namentlich auf die zahlreich vorhandenen Wildenten — und Fischerei — Wels, Hechte etc. — Kahnfahrten und Seebäder (kalmushältig, Temperatur 16—2o0 R.), die Nähe des Marktes Hermagor erhöhen die Annehmlichkeiten eines Sommeraufenthaltes in der neugeschaffenen Sommerfrische Pressek.*) An der Haltestelle Seebad Pressek Gasthaus »Zum Seewirt . Von hier in s/4 Std. auf gut markiertem Wege höchst empfehlenswerte Partie in die romantische ZllChen- (Zäuchen -) Klamm mit 38 m hohem Wasserfall. Die Strasse verlässt hier das slovenische Sprachgebiet und führt westwärts in einer Stunde an der Haltestelle Ve 11 ach - K h u e n b ur g, ober welcher von hohem Felsen die Burgruine Khuenburg ins Thal schaut, vorbei durch die Dörfer Unter- und Ohervellaeli nach dem Hauptorte des Gailthales, Markt Hermagor, 612 m, 691 Einw., Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften Neupriesscnegg (16 Einw.) und Thumhof (17 Einw.), Flächenmass 214.4863 ha. Ge- saml-Kinwohnerzahl 724; Endstalion der (Jaillhalbahn, Bezirkshaupt-mannschaft, Bezirksgericht, Steueramt, Korst- und Domänenverwaltung, Evidenzhaltung des Grundsteuerkatasters, Notariat, Advokatur, Post- und Telegraph ena m t, Aichamt, Bezirksgendarmerie-Kommando, Kinanzwach-abteilung. Katholisches Dekanal- und Pfarramt St. Hermagoras und Fortunat, 1539 Katholiken, 440 Akatholiken, fünfklassige Volksschule, Kindergarten. Bauleitung der Gallregulierung, Bolletierungsamt. Bezirkskrankenkasse, Vorstehung der Gewerbegenossenschaft, Repräsentanz des Verzehrungssteuerabfindungs-Vercincs, I laupttabaklrafik. Bezirksarzt, Distriktsarzt, Apotheke. *) Für Unterkunft ist in dem hinter dem Restaurant gelegenen Dorf lein Passriach bestens vorgesorgl. Vereine: Kriegerverein, patriotischer Frauenhilfsverein, Feuerwehr, Verein zur Unterstützung armer Schulkinder, landwirtschaftlicher Gauverein, Sektion des D. u. O. A.-V., Herren- und Frauen-Ortsgruppe des deutschen Schulvereines, Lehrerverein »Mittelgailthal«, Verein zur Förderung des Fortbildungswesens im Bezirke Hermagor mit Volksfreibibliothek, Stenngraphenklub »Gabelsberger« mit Bibliothek, Männergesangverein, Dilettanten - Streichorchester, Dilettanten - Theaterverein »Thalia*, Radfahrerklub, Eislaufverein, Comite für Fremdenverkehr und Ortsverschönerung. Hermagor, im Thalgrunde am Ausgange des Gitsch-thales gelegen und umgeben von einem Kranze reich-bewaldeter Hügel und imposanter Höhen, besitzt nunmehr, da die Gailthalbahn eröffnet worden ist, alle Bedingungen, um in kürzester Zeit zu einer der beliebtesten Fremdenstationen des Landes zu werden. Der freundliche, langgestreckte Flecken, durchzogen von der Gitschthaler Landesstrasse, weist durchwegs ansehnliche Wohn-statten auf, aus deren Mitte die auf erhöhtem Felsengrundc von mächtigen Bäumen llankicrte, spätgotische Pfarrkirche St. Hermagoras und Fortunatas emporragt, Unterhalb der Kirche ein grosser regulärer Platz, der llauplplatz, mit dem stattlichen Ämtsgebäude, in dessen Vorhause sich ein Gedenkstein mit folgender Inschrift befindet: »Im Jahre 1856 am 8. September um 4 Uhr nachmittag trafen auf der Rückreise vom Grossglockner bei Heiligen Blut Ihre kaiserlichen Majestäten Franz Josef I. und Elisabeth hier ein, Höchstdieselben geruhten samt Hofstaat in diesem I lause zu übernachten und setzten am 9. um '/210 ^'nr vormittag die Allerhöchste Reise nach Klagenfurt fort.« Im untern Teile des Ortes wurde in jüngster Zeit von der dankbaren Bürgerschaft dem um das Gailthal so ausserordentlich hochverdienten Ehrenbürger der Gemeinde St: Excellenz dem Herrn Landes-Präsidenten P'reiherrn von Schtnidt-'/.abierov ein mit hübschen Anlagen geschmückter neuer Platz, der Schmidtplatz, geschaffen. In der Mitte desselben erhebt sich ein Obelisk mit dem vortrefflich gelungenen Reliefporträt Sr. Excellenz, einem Werke des im Gaillhale (Mauthcn) gebürtigen Künstlers Jakob Wald. Im obern Teile des Marktes ward zur Erinnerung an das 40jährige Regierungsjubiläum des Kaisers die »Kaiser Franz Josef Schiesstättc erbaut; vor derselben breiten sich die reizenden t Kaiser Franz Josef-Parkanlagen*) aus. Einen prächtigen baulichen Schmuck wird der Ort in dem neuen Volkssclmlgebäiide erhalten, das sich binnen Jahresfrist an der schönen Schmidt-Promenade erheben wird. Geschichtliches. Ueber Hermagor lesen wir im Valvasor folgende Zeilen: ,,Emochar. Der Markt S. Emochar oder S. Ermachor oder S. Macher, ligt im obern Viertheil, sechs Meilwegs von Villach, zwischem hohem Gebirg, an dem Wasser Gestring im Geyl-Thal, *) Eine Schöpfung des Herrn Wilh. Hild und des von ihm geleiteten Comitcs für Fremdenverkehr und Ortsverschönerung. — IUI Als im Jahr Christi 790 die Grafen von Oörtz, Gebrüder, die ihnen angehörige Ilerrschafften in Kamelien unter sich getheilt, hat Mainhardus der Dritte dess Namens, in der Ordnung aber der neunte Oral' zu Oörtz, diese Ilerrschafft S. Mochar oder Kmochor behalten. Nun aber gehört es zu der GraffschafTt Orttcnburg und dem bürsten von I'ortia zu. Eine Viertel Stund von dannen ligt auf einem zimlich Indien Berg das Schloss < iriesenegg oder Weisenegg, so dem Herrn von Malleuthein gehörig aber beynahe gantz öd und eingeladen ist.« Hermagor wird schon um das Jahr rjoo urkundlich Markt genannt. An Stelle der heutigen Kirche soll im Altertume ein Heidenlempel gestanden sein. Im Jahre 1478 wurde der Markt durch die Türken eingeäschert und drei Jahre darauf durch den berüchtigten Gilg und seine Söldner geplündert. Zur Zeit der Reformation hatte Hermagor eine protestantische Kirche. Zur Zeil der französische)/ Invasion war der Markt der Sitz einer der neun Kantone des Villacher Kreises (II. der sieben illyrischen Provinzen) mit den Arrondissements Hermagor, Khuenburg, Aichclburg und Wasserleonburg, (Ueber das um Hermagor staltgefundene (Icfecht zwischen Franzosen und < »esterreichern im Jahre 1813 siehe diesbezügliche Skizze von Dr. Hann.) Ueber die Pfarre Hermagor berichtet Hohenauer in seiner kärntischen Kirchengeschichte, wie folgt: »Dieselbe (nämlich die Ilermagorer Pfarre) ist nicht nur eine der älleslen Pfarren im Cailthalc, sondern sie wird von vielen als eine der ersten christlichen Kirchen im Lande gehalten und soll zu Ehren des hl. Hermagoras, welcher der erste Bischof zu Aquileja war, schon in der ersten Zeil der Verbreitung des Christentums in Noricum entstanden sein. Im Jahre 1394 wurde diese Pfarrkirche, Hauptpfarre genannt, von Johann Patriarchen zu Aquileja an das Benediktinerstift Arnoldstein, welches nur 50 Mark Einkünfte hatte, übergeben und auf 20 Mark geschätzt. Papst Bonifaz IX. hat die Einverleibung bestätigt. Diese Uebergabe wurde im Jahre 1451 angefochten, durch Kaiser Friedrich IV. aber, zu dem der Abt seine Zuflucht nahm, geschützt. Im Jahre 1481 wurde diese Pfarrkirche durch die Ungarn beraubt. Die jetzt selbständigen Kirchen zu Förolach, Mitschig, Tröpolach, St. I .orenzen und Gatschach gehörten in der Vorzeit zu Hermagor. Am 10. Dezember 1506 schenkte Kaiser Maximilian I. als Inhaber der Herrschaft Ortenburg die Pfarre Hermagor dem Benediktinerkloster Arnoldstein. Diese Pfarrkirche ist samt dem Pfarrhofe am 21. September 1726 abgebrannt und in grosse Dürftigkeit versetzt worden. Bei Einführung der Toleranz wurde der vierte Theil der Pfarrinsassen lutherisch.« Gasthöfe: »Gasser«*) (mit Wannenbad), Rieder«,*) »Picker«, >Lamprecht« ,*) »Frenzl«,*) »Fleiss«, »Post«;*) Cafe Eder,*) Brauerei »Jost« *). Augflüge: I. von PPermagor, über die Gössering am Bahnhofe vorbei auf der Reichsstrasse zur Brauerei -»Jost*, und »Königslad\ (W'annenbad) 10 Min.; von da in 10 Mjn. nach Obervellach, ßio m, 236 F.imv., .SV/- d^r Gemeinde Möseharh mit den Ortschaffen Aigen 12 Einw., Forsl 33 Einw., Grünburg 69 F.inw., Khuenburg 20 Einw,, (CraSS 8 Einw., Kreut 25 Einw., I.icsch 9 Einw., ()bermüschach 57 Einw., l'ntennüsehaeli 70 Einw., Kaduig [83 Einw., Untervellach 256 Einw., Elächeiimass der < lemeinde 3339.8028 ha. (resamleinwohnerzahl 087. Fiüalkirchl'ein hl. Dreifaltigkeit aus dem Jahre 1688. Gasthaus »Sehluga - *) und »Schar«. \ tele schöne Spaziergänge itn nahen Kickforst, Nordwestlich von Obervellach in '/4 Std. zur Holzstofffabrik »Galtin« ; von dort in '/ .Std. auf angenehmem, fahrbarem Weg nach Radnigy desgleichen ein solcher nach Süden über den Eggforst nach Egg1/, Std. Von Obervellach weiter in '/4 Std. nach Untervellach an der Reichs-Strasse, 587 m, Eilialkirehlehi St. Magdalena; schöne Spaziergänge im Eggforste', Gasthaus Bürger, »Buchacher«, »Bernusch*. Von hier gut lahrbarer Weg über Braunitttn südlich nach Egg ('/, Std.), östlich am Waldrand nach Passriach zum Pressekersee (V, Std.). Von Untervellach nördlich Haltestelle A huenburg-1 ntervellach Rini Minuten und in l/j Std. am Dürfe Iii; II Khlieilhurg vorüber zur gleichnamigen, aut einem Fels vorsprunge des Fgeluock gelegenen Schtoss-ruine; auf dem Wege dahin Blick in das Thalbecken des l'ressekersees. II. Von Herntagor nach Xordcn ansteigender Weg zum hübsch gelegenen Gute Xeupriexseuegg, IO Min., und weiter in 20 Min. grösstenteils durch Wald nach Radilig, 723 m. I las Dörfchen, herrlich auf einer Anhöhe gelegen, bietet einen schönen Ueberblick über das ganze Gilschthal mit dem Keisskofcl im Hintergründe. Filialkirchlein St. Katharina mit bemalter Ifolzdcckc aus der spätgotischen Zeit in der Vorhalle {archäologisch sehr wertvoll). Gasthäuse» : I rrolitsch , Jakl (Irische Alpeiibutter, Honig). Von Kadnig durcli den Eichforst Weg nach Obervellach (1/2 Std.) und guter Gehweg Oj Std.) in den Griinburger Graben; von hier auf der Landesstrasse durch Ober und l'nterm'öschach nach Her inagor (J/s Std.). III. Von Herntagor nach Süden durch die Schmidt-Promenade auf der Rotschacher (Reichs-)Strasse an der Holzstofffabiik des Hans Gasser sen. und am schmucken »Thalhofi vorüber, in den Möderndorfer Ge-meiudeweg einlenkend, über die Gailbrücke nach MÖdnmtlorf (vor der Brücke einige Mauser der zur slovenischen Gemeinde Egg gehörigen (Irl-schall Potschach ; der Weg bildet die Sprachgrenze), 579 m, 222 Einw.; Sitz der Gemeinde .1 titsch ig mit den Ortschaften Berg) 28 Einw., Kameritscb 94 Einw., Kraschach 30 Einw., Kühweg 174 Einw., Mit-schig 62 Einw., I'odlanig 50 Einw., l'oslran 54 F.inw. ; Flächeiimass der Gemeinde 3263.4588 ha, Gesamteinwohnerzahl 7H< Filialkirchlein St. Martin aus dem fahre 1480 mit beachtenswertem gotischem Flügelaltar aus dem l rbanikirchlein hieher übertragen. Altes Schloss Möderndorf. »Als im 1571. Jahr in Kärndten eine grosse Theuerung am Ge-traid entstanden, begab es sich, dass ein armer Bauersmann den 8. April Rattendorf. Reisskofel von Gundersheim aus. Kirchbach. Kirchbachgraben. zu seinem Nachbarn, einen reichen Bauern, gekommen mit der Bitt, ihm nur ein Schaffe] Haiden zum Samen um einen Gulden zu geben, welcher aber weniger nicht, denn 12 Schilling dafür haben wollte. Her arme Tropff beklagte sich, er habe nicht mehr t leid als diesen Gulden, welchen er mit harter Mühe bekommen; der andere aber sprach; ich habe mein Geiraid auf die Theuerung und nicht auf die Wolfeile gehalten und ehe ich dir dies SchälTel um einen I hildcn gebe, wollte ich lieber all mein Getraid ins heuer werften; noch selbigen Abend hat der Donner ins Haus geschlagen und ihm alles verbrennt, dass er und die Seinigen kaum mit dem Beben davon kommen. Dieses Schloss Möderndorff hat vorzeiten denen 1 lernt Weyd-Kckern zugehört, hernach dem I lerrn Matthias Carl von Rechbach, jetzt aber ist es zu der Grafschafft Ortenburg zugehörig.« Valvasor. Gasthaus »Wiedenig« in Möderndorf und »Hiesl« in Potschach. Von Möderndorf auf markiertem Wege durch die Lusehau in iJi Sld. zur wahrhaft wildromantischen, von der Sektion Ilermagor des D. u, o. A.-V. erschlossenen Garnitzen-Klamm. .Kaum ist man an der ersten Breitersäge vorbeigekommen, so befindet man sich bereits im Bereich der Alpenrosen an den beiderseitigen, noch sanften Abhängen des hellgrünen, schäumenden Baches. Wir überqueren diagonal den Bach, gehen etwa hundert Schritte, und vor uns stellt in gewalliger ( Irosse mit dem denkbar finstersten .Antlitz der senkrechte, glalte Urban-Felsen, von dessen Scheitel die Lrbani-Kapelle lieblich herunterschaut. Noch einige Schritte, und wir sind am Klammeingang mit dem | ungfernsprung , zur Rechten einen schön grünen Waldeshang, zur Rinken den auffallenden liegensalz der phantastisch gestalteten schwarzen Wände, die kühn des Beschauers Phantasie herausfordern. Nach etwa sieben Minuten Marsches durch dieses Gebiet, in welchem das Schöne mit dem Erhabenen wetteifert und dem aufmerksamen Beschauer ungeahnte Genüsse dargeboten sind, gelangen wir, nachdem wir den zur Egger-Alpe steil hinaufführenden > Enziansteig« zu unserer Einken gelassen haben, zur Thalsperre. Links um] rechts vor uns Felsen und unmittelbar vor uns in gleicher Höhe die io m hohe künstliche Eelsenmauer, zur Thalsperre! Rechts von derselben zieht sehr steil ein Felsenkamm herunter mit messerkanliger Schneide, schwarz wie die Nacht, und in diese Schwärze hineingestreut einzelne grüne Rasenbüsche], links überhängende Felsen und im Bache rote Marmorblöcke, Der .Marienblick mit einer Bank auf einem ebenen Plätzchen, umrahmt von mächtigen Felsenblöcken, auf deren mittleren hinaufsteigend man eine schöne Fernsicht hinaus zur Klamm geniesst, wird passiert; wie durch Festungsmauern schreiten wir weiter, überqueren auf schwindelnden Siegen den tosenden Bach mit Wasserbällen, Wassertümpeln, traversieren einen immensen Schuttkegel an der rechten Seite und gelangen zu einem Maiglöckchenfeld unter mächtig ausgehöhlten alten Felsen. Noch einige Sehritte in dieser grausigen Wildnis — eine Wendung und wir stehen in einem lieblichen Buchen wald mit einem Ruheplatz von Tischen und Bänkchen. 15 Stufen links hinunter führen uns zur »Hexenküche«, und ein gehinderter Steig bringt uns wieder mehr zum Bachbett herab, bis eine 15 Schritte lange schräg abwärts gehende Stegbrücke den hüpfenden, springenden Bach übersetzt. Rechts bildet dieser einen dunkelgrünen tiefen Tumpf mit Das Gaillhal. 9 kesseiförmigen Erosionserscheinungen an seinen Ufern, links befindet sich eine mächtig schön gelagerte Felsscenerie, aus rotem Marmor und grauem Schiefer geformt, dazwischen ein grüner Wasserfall, den man besser sieht, wenn man einige Schritte links vom Steige abweicht. So geht's weiter und weiter in den immerwährend wechselnden Bildern. Die »kämpfenden Wasserfälle« erscheinen; das sind nämlich von allen Seiten aufeinamlerfallende Wasserfälle, und mehrere Stufen führen uns zur »Ida-Warte«, ein vom Wege rechts über den Bach gebauter Würfel, auf welchem Bänke aufgestellt sind. Ein Rundblick von dieser gewährt Schauderhaftes wie Liebliches. Nach 1'assierung einer Treppe mit 115 Stufen durchschreiten wir die »hohle Gasse«, durchgebrochen durch einen langen, mächtigen Lelskoloss. Dann gehen wir. auf einem geländerten Steig, unter welchem in der Tiefe der Bach durch schmale Risse entrüstet sich Bahn bricht. Vor demselben blickt die »Franzens-Warte« herüber, ober ihm schauen Lelszacken mit spärlichen Grasbüscheln wie Damoklesschwerter herunter. Enger, immer enger treten die Felsen zusammen, düster, immer düsterer wird's, bis wir in einem an 100 Meter hohen Felscylinder stehen, auf der »Franzens-Warte«. Dieser Fels-cylinder hat vorne einen Riss und zeigt uns im Hintergrund einen schön beleuchteten grünen Lärchenwald; er hat aber auch hinten einen Riss, durch den der tosende Bach der .schauderlichen Wildnis entflieht. Und in diesen Felscylinder tost der Wasserfälle gross ter.« A. Meninger Ritler v. Lerchenthal. Von Möderndorf aus 1 Std. durch Wald auf den Urban-Felsen mit dem Kirehlein St. Urban; Blick in die schaurige Tiefe der Gar-nitzen-Klainm. IV. Von Hermagor in '/4 Std. südwärts zur Schlossruinc Malenthein, auf einem hügeligen Ausläufer des dem Reisskofel vorgelagerten und das Gail- vom Gitschthale scheidenden Hohenwart, malerisch gelegen und umgeben von schattigen Waldungen; lohnende Ausschau in den Thalboden und auf die schön gelegenen Ortschaften der Hochfläche des Eggforstes; Schlosskapelle noch erhalten, von einer alten ehrwürdigen Linde überschattet. Von hier über Dorf KÜhwOtJ ((lasthaus Jakob Möderndorfer) in J/2 Std. nach Mitschig, 645 in, mit Ff a rrkirehlein St. Magdalena, das inmitten eines lieblichen Wäldchens anmutig von sanfter Höhe ins Thal lugt; katholisches Pfarramt mit 274 Katholiken, 242 Akatholiken; ein-klassige Volksschule; Gasthaus »Mar«. Rückweg von hier auf der Reichsstrassc nach Hermagor !l/4 Std. V. Südöstlich von Hermagor über die (lösseringbriieke am Friedhof vorüber gut fahrbarer Weg in die grosse Gemeinde Egg mit den t Irlschaften Braunilzen (Branica) 17 Einw., Brugg (Most) 8r Einw., Dellach (Dole) 137 Einw., Eggforst (Dobrava) 13 Einw., Frilzendorf (I.imarce) 88 Einw., Gotzing (Godčina) 33 Einw,, Grafenau (Kozloz) 23 Einw., Kreut (Rut) 59 Einw., Latschach (Lore) 89 Einw., Luschau (Lu/.je) 9 Einw., Mellach (Mole) 66 Einw., Mellweg (Melviče) 127 Einw., Micheldorf (Velika vas) 194 Einw., Nampolach (Napole) 55 Einw., Bassriach (I'azirje) 153 Einw., I'otschach (Botoče) 108 Einw., Süsten-berg (Blanje) 12 Einw., Toschehof (To/.kova) 13 Einw. Flächeninhalt der Gemeinde 4949.9194 ha. Gesamteinwohnerzahl 1511, Alle diese Ortschaften auf einein mitten im Thale liegenden, von der Einmündung der Gössering bis zur Mündung des Pressekerseebaches reichenden Hügelzugs ausgebreitet. 1 )er genannte Weg steigt sanft an, bietet auf der Höhe ibeim Kreuz* (woselbst in Kürze ein ärarisches Förster haus erbaut werden wird) eine schöne Aussicht ins freundliche Gitschthal und führt über Fritzendorf, die < >rte Micheldorf und Potschach rechts lassend, nach Egg :7< Std. Das Pfarrdorf Egg (Brdo), 633 m, 234 Kinw., weist stattliche Wohnstätten auf, die einen schönen grossen Platz mit einer Dorf linde umrahmen. Katholisches Pfarramt St. Michael mit 1024 Katholiken und 4 Akntholiken (sehr alte Pfarre, schon 1288 genannt). Zweiklassige Volksschule. In der gotischen Pfarrkirche schaue Holzschnitzerei (Hochaltar), den Erzengel Michael darstellend; IVeihbrunnensfcin aus dem fahre 1424; in der Marienkapelle wertvolle spätgotische Fensterglas walereien aus dem fahre 1491 und ein zweisitziger Betstuhl mit sehenswerten Schnitzereien. (Siehe Dr. Hanns archäologische Skizze!) Sehloss Khuenegg aus dem 12. fahrhundert, den Grafen Khuen-burg gehörig; im Schulhause Volks- und landwirtschaftliche Bibliothek; in der Umgebung viele und schattige Spaziergänge im stattlichen ärarischen Eggforste; 5 Min. von Egg reizendes Buchemoä/dchen. Gasthäuser: »Lederitsch •', »Janschitz«.*) Von Egg schattiger Waldweg über Gotzing nach Passriach zum Prcssckcrsec '/« Std. und über den zum (litte Khuenegg gehörigen ToSChehof, 680 m (schöne Aussicht ins obere Thal), nach Mellwog (Melvice), 666 m ; katholisches Pfarramt St. Gertraud mit 874 Katholiken ; zweiklassige Volksschule. Herrliche Kernsicht ins ganze untere Gailthal mit den zahlreichen Dörfern und den wohlbebaulcn Anhöhen. Gas t h aus: » Trab ischnig «. Von hier nach Kreuth '/4 Std. {prähistorische Hügelgräber), nach Dellach 5 Min. (Gasthaus »Lederitsch«). Nach Dellach gelangt man auch von Egg aus auf gut Fahrbarem Gemeindewege über die Orte Mellach und Brugg in s/4 Std. Von Dellach über die Nampolacher < lailbrilcke nach NampolaCh l/2 Std. (an der Berglehne oberhalb des Dorfes Sagenreiche Schlossruine), die schaltseitige Berglehne entlang nach Vorderbe/g lxL Std.; desgleichen guter Fahrweg durch LatSChaCh über den Pressekerscebach zur Stat. G'ortschach-P'örolach. VI. Auf den Guggenberg (sehr lohnende Partie). Von Hermagor in westlicher Richtung bei der Kapelle ausserhalb des Marktes von der GitSChthaler Landesstrasse abzweigend sauft ansteigender, fahrbarer, markierter Waldweg auf Guggenberg (i1/* Std.), 1033 m, 82 Kinw., Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften Aichleiten 8 L.inw., Dan z 24 Einw., Kreuth 135 Kinw. ; Flächenmass der Gemeinde 1201.3406 ha, Gesamteinwohnerzahl 249. Prachtvolle Thalsicht bis an die Karawanken einerseits und ins I «essachthal anderseits ; herrl iche Bergluft, beste Gelegenheit zu atmo- sphärischen Kuren, Kulthütte n.ich Rikli-System; sehr empfehlenswertes < Insthaus (Chr. Herzog);*) Gelegenheit zur Jagd, da der Wirt Jagdpächter. Von Guggenberg interessante Partie nach Kreuth i Std. l'.ink/assige Volksschule, schöne Aussicht. Von Kreuth Abstieg nach yenig ljt Std. VIL Ins Gitschthal. Von Ilermagor nach Westen längs der t iitschlhaler I.nndesslrnsse in Std. am ansehnlichen Gute iLerehen- hofi vorüber nach Untermöschach. Vor dem Lerchenhof rechts in die Felder abzweigend zum alten Wallfahrtskirchlein Maria Heimsuchung zu Thum (schon im Jahre 1261 erwähnt). Thurnhof, Reste eines Jagdschlosses des Kaiser Max I. Von Untermöschach auf ansteigendem Feldwege in 1L Std. nach Kreuth Ob Möschach zum »Kaltenhof er«-Bauer (Sauermilch, Butter zu haben); überraschender Ausblick über das ganze untere Thal; von hier weifer i Std. auf den Guggenberg. Von Untermöschach die Kandesstrasse weiter verfolgend, '/4 Std. nach Obermöschach Gasthaus »Petritsch« mit schattigem Schankgarten) und die kleine Ortschaft Grünburg und die Ruine des gleichnamigen Schlosses rechts lassend, wieder in ^4 Std. zum einladenden Gaslhause Itäl/ucr«, von wo nach rechts ein Weg in den Grünburger Graben (5 Min.) führt. Dortselbst (Gösseringgraben) grossartige Fabriksanlagen des Joh. Memmer in Wtissbriach (Holzstoff, Papier- und Cellulose-Fabrik mit elektrischer Beleuchtung und elektrischer Kraftübertragung); Gasthaus «Aicher«. Vom Grünburgergraben in '/3 Std. nach Radnig. Aus dem Graben auf die Kandesstrasse zurückgekehrt in Std. rechts abzweigend nach Jadersdorf, 191 Kinw., Sitz der Gemeinde St. Korenzen mit den Ortschaften Brunn IO Kinw., Kassendorf 127 Kinw., St. Lorenzen 375 Kinw., Langwiesen 4 Kinw., Wulzentratten 22 Kinw.; Flächenmass der Gemeinde 2870.2344 ha; Gesamteinwohnerzahl 729; < hi st ha us s Tiefnig . Sehr empfehlenswerte Partie in die Weissen bachklamm. »Wir folgen der roten Markierung und bald glänzen uns durch den lichten Wald Felswinde entgegen, die vom hellsten Gelb durch Braun und Grau bis ins tiefste Schwarz ein wechselndes Farbenspiel darbieten. Am Rachufer aufwärts wandernd und die zahlreichen Tropf-Steinbildungen bewundernd, kommen wir zu dem Funkte, wo sich zwei Gräben vereinigen. Der rechte Graben zeigt einen kleinen niedlichen Wasserfall, während vor uns der linke Graben mit reichlichem Wasser einen schönen Wasservorhang zur Schau stellt. Zwischen diesen beiden Gräben ist der Klamm-Kingang. Von schönen Felsformationen mit Erosionskesseln überhängenden Felszacken und Nadeln begleitet, gelangt man zur Enge der Klamm. Wir schreiten unter überhängenden, schwarzen und gelben Wänden, die für phanlasiereiche Personen in den Erosionsformen prächtige Gebilde, wie Köpfe, Tiere u. s. f. zeigen, weiter, und ein ganz neues Bild hat uns die Klammfee vorgezaubert: vor uns steht ein herrliches, hellgrünes Buchenwäldchen, rechts schwarze, rund ausgehöhlte Fels wände von ca. 50 in Höhe, links eine gewaltige, in die Felswand eingelagerte halbe Erdkugelrundung mit kleinen hohlen Löchern, schwarz im gelben Felde; es ist der »Dom«. Kine Felsenenge passierend, steigen wir dann auf eine ca. 3 m hohe stiegenarlige Felswand mit natürlich roten Bindern hinauf, blicken da gerade vorwärts und sehen staunend ein leeres Bachbeet, während bisher so mächtig grosse Wasser-inengen tosend und heulend uns hegleiteten. Doch wir staunen nicht länger; zu unseren Füssen sehen wir, wie aus den Kitzen und aus den Spalten das Wasser mächtig ipiellend stets hervorslrömt. Stille wird's im lichten Thalbeete, rechts und links grüne Buchenhalden, vor uns dräuend eine senkrechte Wand, ferne hinter uns das melodische Kauschen. Nach zehn Minuten stehen wir am Boden eines Kessels vor einer Wasserfallwand und ergötzen uns an den schönen Erosionsformen. Nach Bewältigung der 3 m hohen, schrägen Felswand und einigen Schritten befinden wir uns mitten in einem kellerartigen Raum; dumpf widerhallt jeder Tritt, von den Felsen tropft's und ruft's wie der Totenvogel. Wieder eine trockene Wasserfallwand, die rechts auf natürlichguten Tritten überstiegen wird und wir sind in einem neuen Kessel. Jeder Weitermarsch scheint abgesperrt, feierliche Stille! Weiterl Ein starker Bug nach links wird gemacht, rechts zeigen sich mächtig ausgehöhlte Felswände. Mit Grausen denken wir an die Kiemente, die vor Alters hier gekämpft. Höhlen und wieder Höhlen, wo nur der Salamander haust. Schauernd und eng wird's um unsere Brust; doch wir blicken hinauf, die prächtige Himmelsbläue und die grünen Buchen aul den Felsenwänden erweitern unsere Brust und wir wandern weiter. Immer grausiger wird des Wassers zerstörende Kraft sichtbar, finster wird's und dunkler; schwarz, sind nun auch die Wände, aul denen die hellroten Markierungszeichen uns weiterweisen. Enger, enger rücken die Felsen aneinander; es ist, als kämpften beide Wände, eine die andere zurückdrängend ; es ist, als ob sie, wenn wir hineingegangen, uns für ewig drin vcrschliessen wollten. So passieren wir immer Felsenkessel, die fast ohne Weitergang scheinen und gehen den letzten dieser Felscylinder gerade durch. Wir befinden uns vor einer etwa 5 m hohen Wasserfallwand, über der rote Zeichen winken. Nach Passierung dieser Wasserfallwand auf allen Vieren, stehen wir im letzten trockenen Tumpf, in diesem grossen Ilohlcylinder, von finster dräuenden Felswänden umrahmt. Vor uns eine 8 m hohe Wand, darüber ein halber Hohlkegelstumpf und in diesem eingepfercht, ein mächtig grosser runder Felsenklotz, darüber leuchtendsaftiges Grün. Das ist das Endbild der »toten« Klamm.« A. Menninger R. v. Lerchenthal. Von Sadersdorf in l/t Std. nach St. Lorenzen, 744 m, mit der sehr hübsch auf einem steilen Felsen gelegenen gotischen Kirche, lohnende Thalsiehl; katholisches Pfarramt St. Lorenzen 650 Katholiken, 80 Akatholiken; zweiklassige Volksschule. Auf dem Wege zur Kirche Wasserfall. Von St. Lorenzen Ueber-gang über die Lorenzer Alpe (schöner Ausblick Über das ganze Gitschthal) und Naggier Hohe, 1362 m, nach Techendorf am Weissensee 2'/s Std. Gasthiiusc) .l'lattnei(, Steiner«, »Turner«, »Kaplenig«. Von .SV. Loreneen an der sonnseitigen Berglehne zumeist durch Wald in :i/4 Std. nach Weissbriach, ausserdem ein Fahrweg über die Gössering zur Landesštrasse; auf derselben in einer Std. muh Weissbriach, 818 in, 712 Einw.J Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften Golz 8 Einw., Gössering 8 Einw., Leditz 5 Einw., Regitl 28 Einw., Flächenmass der Gemeinde 2780.5595 ha; Gesamteinwohnerzahl 761. Hauptort des Gitschthales, stattliches Dorf, am Kusse des Reisskofel in einer Thalweitung gelegen; katholisches Pfarramt St. Johann 137 Katholiken; evangelisches Pfarramt A. C, gegründet 1782 mit 820 Seelen; zweiklassige Volksschule; Postamt; katholische Pfarrkirche, schon im Jahre 1255 erwähnt; im Jahre 1886 nach den Plänen des Ingenieurs Steinwender im gotischen Stile aul einem h'elskofel erbaute evangelische Kirche mit kunstvollem Altarbild »Der auferstandene Heiland von Professor A. Diethe in Dresden; Burgruine der Grafeti von Weissbriach. Gasthäuser: Meinmer ,*) Herzog , Koiiacher«, »König«, »Löffele«. Weissbriach ist in jeder Beziehung als Sommerquartier zu empfehlen ! Geschichtliches: Leber die katholische Pfarre und Kirche berichtet Hohenauer: »Im Jahre 1255 bestätigte Papst Alexander die Verleihung der Kirche St. Johann an das Kloster Arnoldstein durch Perchtold, Patriarchen von Aipiileja. Die Kirche war ursprünglich eine Filiale Von Hermagor und wurde erst im Jahre 1738 zur eigenen Pfarre erhoben. Im Jahre i 7S1 nach Kiutühniiig des Toleranzpatentes gingen hier von den Bewohnern von 87 Häusern die von 79 Häusern zum Protestantismus über, darum die Zahl der Katholiken dieser Pfarre nur 251 und jene der Protestanten 589«. Ueber die Herren von Weissbriach stellt uns Herr Professor Dr. Hann folgende interessante Daten zur Verfügung: Dieses Adelgcsehlecht war im Gail- und Gitschthale reich begütert, wo noch die Pfarre Weissbriach den Namen desselben trägt. Dil- Weissbriacher hatten aber auch im salzburgischen Kungati und in 'Pirol Güter, Schon Herzog Leopold von (testerreich verpfändete an Adam von Weisspriach kurz vor der Schlacht bei Sempach die Herrschaft Seeburg.**) Das Geschlecht war zur Zeit Kaiser Friedrich IV. (1440—1493) das reichste und eines der angesehensten in Kärnten. Siegmund von Weisspriach erscheint 1440 als Burggraf der Gill i er zu M a u t e n b er g. Am berühmtesten ist Balthasar Weisspriach durch Reichtum und Macht geworden. Er nahm nebst Andreas von Weisspriach und einem Reisacher an dem Köinerzuge Friedrich IV. 1452 teil und war Bundesgenosse des Kaisers im Kriege mit Johann von Görz um die Ortenburgische Erbschaft. Wenn es sich auch nicht erweisen lässt, dass er Landeshauptmann in Kärnten wurde, so war er doch Bambergischer Hauptmann zu Wolfsberg. Ferner Abgesandter an den Bauerritischen, Teilnehmer am Landtage zu Marburg, Einnehmer der Türkensteuer im Gailthale. *) Siehe Ankündigung! *•) Hans von Weissbriach nahm teil am Konslanzer Konzil, ebenso Ulrich. Erzbischof Bernhard verlieh laut Reverses vom 26. Juni H77 derselben auf Lebenszeit Veste und Pflege Gmünds, woselbst er sich im nahen Dörnbach sesshaft machte. Er ist auch der Erbauer des Chores der Stadtpfarrkirche zu Villach, wo sein prachtvoller Grabstein mit lebensgroßer Rittergestalt zu sehen ist. Sem Bruder Andreas, dessen Grabstein man in der Pfarrkirche zu Gmünd gewahrt, hatte die Kirche im Orte Dornbach erbauen lassen, ha Kriege des Mathias Corvinus mit Kaiser Friedrich treten die W e i ss p r i a c h er auf Seile des Kaisers, auf da ihnen die Corvinen, Salzburgs Verbündete gegen den Kaiser, das pfandweis besessene Pettau weggenommen halten. Sie nahmen die salzburgische Stadt St. And reue und das Schloss Reisberg ein. Andreas von Weisspriach erschien auch in St. Veit 1481 unter den Räten des Kaisers zu einer Besprechung über die Landesverteidigung. Es war damals eine böse Zeit für Kärnten, denn Ungarn und kaiserliche Söldner plünderten gleich im Lande. So plünderte der berüchtigte Gilg mit seinen Söldnern Ilermagor im Jahre 1481. Im Jahre 1500 und 1501 fungiert ein Ulrich von Weisspriach als Landeshauptmann in Kärnten, d. h. als Stellvertreter des Landesfürsten. Ein Hans von Weisspriach beteiligte sich im Jahre 155b am Türkenkriege. Bald darauf erlischt das reiche < leschlecht der Weisspriacher.« Ausflüge: 1. Auf sehr gutem Fahrwege in den wildromantischen Gössering-graben r Std.; Sägewerke Holzstoß-Fabriken des Christian und Jakob Ronacher und des Johann Memmer; Wasserfälle; Ursprung der Gösser ing: sehr empfehlenswerte Partie. 2. Nordwärts von Weissbriach auf der Landesstrasse in Serpenlinen über den Kreuzhcrg, 1094 m, bis zur Höhe I Std.,* schon zu Zeiten der Römer benutzte Strasse (Römerstein und Reste eines Heiden-lempels. Von der Höhe rechts abzweigend nach 'Pechendorf am Weisscnsee */. Std., auf der Strasse weiter an der „Franz Josefs-Höhe", 997 in, mit schönem Ausblick auf das Seethal vorüber, in 2 Std. zur Südbahnstation Greifenburg im Drauthale. 3. Von Weissbriach südwärts guter und angenehm zu passierender Weg über die Mösslalpc, 1176 m, nach Kirchbach und Jenig im Gail-thale 2, bez. 21ji Std. Von Weissbriach aus bequemster Aufstieg auf den Reisskofel 2369 m. VIII. Bergtouren (von Ilermagor aus): 1. Auf den Golz, 2002 m (Gailthaler Alpen). Markierter Weg; von Ilermagor nördlich durch die Kaiser Franz Josefs-Anlagen über die Gössering, Neupriessenegg, Radnig in die Möschacher Alpe 3 Std,; von hier in b/i Std, auf den Golz, eine bis zum Gipfel bewachsene Berggruppe. Schöner Ausblick auf die Tauern, Karawanken, julischen und karnischen Alpen; Thalsicht ins Gail-, Gitsch- und Weissenseethal. 2. Auf den Spitzegel, 2121 m, durch den Mitterwipfel, 1899 m, mit dem Golz verbunden. Von Ilermagor bis zur Möschacher Alpe, von dort um den Nordabhang des Mitterwipfel (nahezu eben!), dann in sanfter Steigung über einen nach Nordwest streichenden Rücken auf den Gipfel (2 Std.), sehr bequemer, stets markierter Weg; Ausblick über die Ampezzaner Alpen Iiis zur Marmolatta, Tauern (iGrossglockner sehr schön sichtbar), kärntisch-steirisches Grenzgebirge, Karawanken, julische, karnische und Venezianer Alpen, ins Gaillhal von Kölschach bis Arnoldslein; Lienzer Gegend, Weissensee, Tscherniheinierthal mit dem Farchtnersee. 3. Auf die Eggeralpe, 1400 m, mit dem Poludnig, 2002 m. Südlich von Ilermagor Weg nach Möderndorf und luschau zum Eggeralmgraben; von dort ansteigender bequemer Saumweg in Serpentinen zum Trögerboden; oder von Möderndorf durch den Garnitzen-graben über den an schönen Ausblicken in die wilde Garnitzenklamm iiichen, aber ziemlich steilen Enziansteig eben dorthin. Vom V'rager-bodeu rechts über den Bärmkopf oder links zum Kreuz- in die Alpe (Eggeralmsteig 3Std., Enziansteig 3 St.) Ein Dorf von Senn-liütlcn ; Käserei; entsprechende Unterkunft (besonders empfehlenswert mehrere neuerbaute Hutten ; anzufragen bei Schlossverwalter Jul. Harnig, Lucia Nuts*hnig in Egg, vgl. Miklautschilsch in Friizemlorf, vgl. Wer-nilzing in Braunitzen); windgeschützte Lage, vorzügliches Ouellwasser; empfehlenswert für Luft- und Molkenkur; von Fremden alljährlich viel besucht. Von hier nach 1 )stcn auf ebenen Matten (viele Kohlröst) in aj4 Std. Dellacher Alpe, 1137 m, mit vielen Hütten; gute Unterkunft; von hier massig steiler Anstieg zu den Puludniger Alphütten ij2 Std. und weiter wieder in '/2 Std. auf den Poludnig ; sehr lohnende Rund-sieht, Kanallhalcr Dolomite (Luschariherg\ der Raibier Alpen und Venezianer Berge, Tauern, Klagenfurter Becken, Sau- und Koralpe, Karawanken; prächtiger Ueberblick übers Gailtha], der südliche Abhang mit würzigen Kräutern bewachsen, herrliehe Flora (Kohlrösl) ; Abstieg eventuell über die westliche Schneid zur Schlosshutte, 1457 m, und in die Egger Alpe. Von der Egger Alpe nach Süden durch den Malborghettergraben nach Malborghett 4 Std.; nach Westen über den wildromantischen Klausensteig Felsstufen, Schulzgeländer) zur Klause '/a Std. und von da entweder links in die Kersnitza Alpenhütte, 153b m, '/ Std. oder nach rechts in die Mbderndorfer Alpe, 153° m< Vi Std, 4- In die KÜhweger Alpe. Von Ilermagor über Möderndorf zum Russe des Berges und von hier auf markiertem Wege durch schattigen Buchen- und Fichtenwald sanft ansteigend unter der t'/bau- Kapelle (Umweg über die Kapelle [5 Min. mehr) rechts vorbei in die Al'ei.vler-ebeu«. (grosser und schöner Weideplatz), weiter über den Sckwarzkogel in die Külnveger Alpe 4 Std., in einer Thalmulde unter den Wänden des Gurtnerkofels gelegen; massenhaftes Vorkommen der Wulfenia c a r i n thi ac a. Von hier Aufstieg auf den Gartnerkofel, 2198m, in 2 Std.; der Weg führt durch Kalkschutthalden aufwärts über den östlichen Sattel auf die Höhe. Von der A'iihweger Alpe über den westlichen Sattel des Gar/uer-kofel in die Wafsidliurr Alpe auf A'assfeld zum l ntet kuntishaus 2 Std. 5- Aufs Nassfeld in der Watschiger Alpe, 1525 111. Von Ilermagor längs der Reichsstrasse zum »Schimon* und von hier über Watschig (i'/a Std.) in den Trögelgraben, weiter markierter Aufstieg durch schalligen Buchenwald bei den drei kleinen, unter der Kötschach mit Mauthen. steilen *Befpwandt idyllisch gelegenen Bodenseen (in demselben grosse Alpenforellen), 1461 in, vorbei durch den »Schwandelwald*, in die Watschiger Alpe zum UlltcrkunftshauS der Sektion »Ilermagor« des 1). u. Ü. A.-V., 1525 in, 5 Std. Im Unterkunftshause gute und billige Unterkunft und Verpflegung: I Flasche Bier................30 kr. i ,, Wein i/4 Liter.............25 ,, '/4 Liter offener Tischwein............20 ,, 1 Portion Kaffee...............20 ,, i „ Thee............ ■ . v . . 30 „ 1 Gläschen Rum oder Liqueur ..........10 ,, I Deca Salami................3 „ 1 ,, Käse................2 „ I Semmel..................4 „ I Bett im Zimmer auf Matratzen..........40 ,, I ,, ,, Bograt „ •■ „ ..........20 „ Gutes Trinkwasser, Schwefel- und Eisenquelle in der Nähe; Aussicht in das Gailthal und auf die Tauern; in den umliegenden Alpen (Auernig-, \\ atschiger-, Tressdorfer-, L ü h weger-Alpe), in nächster Nähe des Unterkunftshauses reiche Flora ; Wulfenia carinthiaca. Von Nassfeld aus a) auf die Aueringhöhe, 1845 m, '/» Std. i Krainer- und Venezianer- berge; Petrefakten ; b) auf den Gartnerkofel, 2198 m, bizarrer Dolomit mit vielen Zacken und Zinnen; in 2 Std. leicht und gefahrlos zu besteigen; grossartige Kundschau: im Osten die julischen Alpen (Triglav, Mangart etc.) und die Karawanken, im Norden die Tauern und deren Vorlagerungen, im Westen Kollinkofel, Kellerwand, Marmolata und im Süden die Venezianer Berge bis zur Caningruppe; sehr reiche Flora, daher der Name (schoplige Rapunzel, Phyteuma comosum ; Wahlenbergische I hinget bliimchen, Draba Wahlenbergii ; blaue Paederota, Paederota Bonarota; langkammige Schlüsselblume, Primuln hmgiilora etc.); gutes Gemsrevier i c) auf die Thörlhöhe, 1660 m, 2 Std.; d) auf die Troghöhe, 1856 m, 3 Std., beide prächtige Aussichts-punkte mit mannigfaltiger Flora; e) auf den R088kofel! nordwestlich über die Tressdorfer und Rudniger Alpe auf den steilen Rudniger Sattel, 1996 m, 2 Std. (scheidet den Trog- vom Rosskofel); von da weiter auf den Rosskofel, 2234 m, in Std.; prachtvolle Aussicht bis zur Adria; interessante Blumen-\ orkommnisse (zweifarbig blühende Alpen- und Zwergdistel Saussarea discolor alpina und pygmaea); f) auf den Trogkofel! 1 Std. von der Rudniger-Alpe in die Rattendorfer-, Lanzen- und Maldatsch-Alpe (Edtlweissvorkonimtn), von hier in 2 Std. auf den Trogkofel, 2271 in, imposanter Berg; sehr beschwerliche Partie; Aussicht so wie vom Rosskofel ; e) von Nassfeld in 2 Std. durch den petrefaktenreichen Bomöasch-graben nach Tontafel. Von llermagoi aus beim 31. kin wendet siel, (|u- Strasse in einem grossen Bogen ins Obergailthal. Dunh die Schmidt-Promenade an der Holzstolfabrik des Hans Gasser, sowie dein Gebäude der [''orsl- und Homänenvcrwaltung vorbei durch das Gebiet der Gemeinde Mitschig (siehe Ausflüge von Ilermagor III) nach Kameritsch r,/4 Std.; Gasthaus «Schirnau-. I lieher gelangt man auch von JPermagor aus übers kleine Bergt auf schattigem Waldwege in I Std. Links aber die Gaitbrücke WatSOhig; evangelisches Pfarramt A. <'. lull [30Ö Seelen und Kirche aus dem Jahre 1783; Sil/, des Seniotats diesseits der Grau im Gail- und Gmiindthale ; einklassige Volksschule; Verwtistungsgebiel des Oselitnenbaches, eines der gefährlichsten Wildwässer Kärntens. Im Oselitzengraben (Pcirefakten) grosse Thalsperret Gasthaus', 1 ll'iuk/cr . Von Watschig führt durch Auen und Wiesen am rechten l ler der Gail ein gut fahrbarer Gemeindeweg über Tröpolach nach Kattendorf, Vou Kameritsch auf der Reichsstrasse, hoch ober der Gail am Schloissnig-Obttisk vorüber bis zur Gailbrücke, 1/. Std.; hier Abzweigung eines Geiueindcweges und links in 1ji Std. zum Hörle Tröpolach, 608 m, 316 Einw., Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit den (irlschaften Burgstall 7 Kinw., Schlau i izen 60 Einw., Schmidt 8 Kinw., Watschig 117 Kinw., Gesamtfläche 3965.3803 ha; Gesamt-Einwohnerzahl 5°^' katholisches l'firramt St. Georg, gegründet 13. Mai 1342; vom Jahre [288 bis [342 Filiale von Ilermagor; 311 Katholiken, 19t Akatholiken ; »Im Jahre 1781 wurden s/j der Pfarrgemeinde von Tröpolach und die Hälfte der Kuratie Kattendorf protestantisch. /iohenoaer, Kirchengeschichte. Finklassige l 'olksschitle. Gasthäuser; »Kilippitsch ■<, l'nterkreuter«. Von hier in B/| Std. zu dem Südlich von Tröpolach aul einer Hochterrasse gelegenen Schlanitzen mil dem Filialkirchlein St. Leonhard; sehr wertvoller, gotischer Flügelaltar und bemalte Hohdecke von grosser archäologischer Bedeutung. Von 'Tröpolach über Schlanitzen .Aulstieg auf Nassfeld 3 Std., auf den Trogkofel 5 Std., Rosskofel 6 Std. Die Reichsstrasse entlang in Std. nach Jenig; Postamt; Gasthaus: »Schafaus«; in 5 Minuten über die Gailbrücke nach dem ansehnlichen und stalllichen Rattendorf, 606 m, 383 Einw., Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit der Ortschaft Jenig, fi Einw.; FlächenmasS der Gemeinde 3535.3283 ha; katholische Pfarrkirche St. Andreas, 147 Katholiken, 349 Akatholiken; zweiklassige Volksschule \ Kaiser Franz Joseph-. Irmcnhaus; Korbflechtschule, Weidenkulturen ; Thalsperre im Doher graben '/„ Std.; Aufstieg in je 5 Std. zum aussichtsreichen Hochwipfel, 2189 m, und Trogkofel, 2271m; Gasthäuser: »Themessl , »Hader«. Von Jenig die Reichsstrasse weiter in '/2 Std. muh Waidegg, 612 in, 160 Kinw., Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit. den Orten Schimanberg 72 Einw., Tramun 13 Kinw., Klächeninhalt 922.2676 ha; Einwohnerzahl 247, die kleinste Gemeinde des Landes am Südhange des Schimanberges gelegen; katholisches Pfarramt St. Thomas, 230 Katholiken; einklassige Volksschule; IVildbachveibannng im Waideggergraben; Gasthäuser: »Bader«, »Hohenwarter«. ßerlehtsbezlrk Külscliach. Von hier in 40 Min. nach dem freundlichen evangelischen Pfarr-dort Tressdorf, (»37 m, 223 Kiuvv., evangelisches Pfarramt A. C. mit 820 Seelen, 782 gegründet; Kirche aus dem Jahre 1784 mit schönem schlossartigen Pfarrhaus aus dem Jahre 1875; in 5 Min. nach Kirchbach, 650 m, 253 Kinw., Sil/ der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften Oberdöbernitzen 55 Kinw., l'nlerdöhcrnitzen 28 Kinw., Hochwari 35 Einw,, Staudachberg 2 Einw., Stöfflerberg 39 Kinw., Tressdorf 223 Kinw., Wasserteurerberg 10 Kinw., Gesamtfläche 3764.7069 ha, Gesamt-Einwohnerzahl 645; katholisches Pfarramt St. Martin, 473 Katholiken, zweiklassige Volksschule, Post- und Telegraphen* amt, Gendarmcrieposten und Finanzwachabteilung, Distriktsarzt{ Pfarrkirche aus dem Jahre 1508 mit Freskomalereien aus dem /./.'Jahrhundert an der Aussenseite des Kriedhofporlals, archäologisch sehr wertvoll. I lohenaucr erwähnt in seiner Kirehcngcschichle einer Sage, der zufolge die I. Kirche (die Pfarre Kirchbach wird nämlich schon im Jahre 1320 genannt) samt dein Turm durch das Wildbachwasser aus dem Sausinggraben zerstört worden sei. Gasthäuser". »Berger«,*) »Unterberger« (zur Kost). Ausflüge: 1. Auf den Komitzberg '/< Sl<1' schöne Aussicht ins Thal. 2. In den Kirchbacher Graben, schattiger Gehweg längs des gleichnamigen Baches, 3. Auf den Stöfflerberg, 1145 m, etwas steiler Fahrweg, 1 Std., schöne Thalsichl; desgleichen 4- Auf den Wassertheurerberg, *L Std. 5- Ueber den Stöfflerberg und die Mösslalpe, 1176 schöner und bequemer Übergang nach Weissbriach 2-ft std. 6. Auf den Hochwipfel, 2189 in, 4 Std. Am bequemsten von Kirchbach über Stranig ins Unterbuchach (hier schon hübsche Landschaftsbilder), weiter auf wunderschönem, breitem Alpenpfade zu den Straniger Alphütten (am hintersten Teil des Straniggrabens , dann in die Kardinalpe und übers »Thörl* auf steilen Grasflächen zur Spitze. Ausblick über den Koss- und Gatincrkolcl bis zum Monte Canin; die kärntisch-steirischen Alpen; niedere und hohe Tauern (Grossglockner von der Adlersruhe an sichtbar); über die Hochkreuzgruppe und die westlichen karnischen Alpen bis zu den Stubaiei-Kernern ; die Venetianer Alpen. Abstieg event. übers Hochalbl<> durch den Döbemittengraben (Rinnsal des Dober-Wildbaches) nach Döbernitzen und Kirchbach 2 bis 3 Std. 7. Auf den Reisskofel, 2361 m. Von Kirchbach längs der Reichsstrasse nach Reisach, Std., durch schattigen Fichtenwald ins »Reisskofel-Fad*, (primitivis, sehr schon am Kusse des Kofels gelegenes Gebirgsbad, 995 m), auf das * Joe/m, 3 Std., Uber die Stubenböden auf die Petelmasliöhe und um den >kleinen ReisskofeU herum in 3 Std. auf die Spitze, Schwindelfreiheit erforderlich. Rundsicht grossartig: die hohen Tauern mit der Venediger-, Grossglockner- und Ankogelgruppe, die kärntisch-steirischen Alpen bis zur Sau- und Koralpe, Karawanken und julischen Alpen bis zum Triglav, südliche Kalkalpen mit dem Mangart, Visehberg, Monte Canin etc., gegen Westen bis zu den Stubaierternern; das Kessach-, Gail-, Cilsch-, Weissensee- und Drauthal. Kirchbach, sehr hübsch gelegen, muss als sehr angenehmer und billiger Sommeraufenthalt wärmstens empfohlen werden. Von Kirchbach längs iler Reichsstrasse '/» Std. nach Reisach 696 m, 438 Einw., Pfarre St. Peter und Patd mit 433 Katholiken; :;oc i klassige Volksschule; (las/haus »Pirschl«, sRetl« und »Hohenwarter*. Auf hohem Felsen schöne gotische Pfarrkirche. Von Reisach Weg über die S traniger Gailbrücke zu den kleinen, schattseitig gelegenen Ortschaften S tranig (20 Min., Gasthaus »Essl«, »Kropfer«) und Godcrschach (wieder 20 Min., Gasthaus »Hätz«), erstere mit einer Filialkirche, gegründet 1362 und zur Zeit Maria Theresias eine Missionsstation gegen die Verbreitung des Protestantismus, letztere mit einklassiger Volksschule. Oberhalb Stranig, 8jA Std., Ober- Und Unterhuchacll, schöne, aussichtsreiche Hauern guter. Von Godcrschach in ij< Std. nach Griminitzen. Gas/haus »Buchach er« und von da in 5 Min. über die Gailbrücke nach Gundersheim (hieher in '/» Std. von Reisach aus auf der Reichsslrasse); Dorf 558 ""' 162 Einw.; Sitz der Gemeinde Reisach mit den Ortschaften: Bodenmüh] 6 Einw., Oberbuchach 28 Einw., Unterbuchach 19 Einw., hörst 30 Einw., Godcrschach 91 Einw., Grafendorf 299 Einw., Griminitzen 98 Einw., Katlingberg 6 Einw., Lenzhof 16 Einw., Rauth 9 Einw., Reisach 438 Einw., Schmalzgruben 13 Einw., Stranig 121 Einw., Welzberg 5 Einw., Flächenmass der Gemeinde 5568.2368 ha; 1341 Einw.; inkl. Volksschule ; Gasthaus »K erch n ave «■ Zwischen Gundersheim und Reisach unter der kahlen Fangseile des Reisskolel beim sog. Troistöckl soll vorzeiten die »Stadt Risan, gestanden und durch einen Absturz des Kofels verschüttet worden sein. Vini Gundersheim an der Reichsslrasse weiter in 12 Min. nach Grafendorf, 660 m, Sitz des Dekanalamtes Reischach,*) rweiklassige Volksschule, Tostamt, Gasthaus »Schaar« und »Voregger*. Pfarre St. Michael bereits 1384 erwähnt; 869 Katholiken, 2(ü Akatholiken; in der Kirche hinter dem Hochaltar sehenswertes Wandgemälde aus dem Jahre 1414 »Das jüngste Gericht«. Grafendorf ist ein empfehlenswertes Standquartier für Hochtouren. Ausflüge: a) Auf den Wieserberg l/s Std. zur alten im Walde versteckten, romanischen Kirche St. Helena, der ehemaligen Pfarrkirche von Grafendorf; ältestes mittelalterliches Baudenkmal des Thaies; alte romanische Wandmalerei »Christus als We/frichteri ] Reste primitiver Glasmalereien ; gotischer Kerzenhalter aus Eisen; alter 7 auf stein, b) Ins Reisskofelbad, 995 in, I Std. nordöstlich von Grafendorf. Der Weg führt anfangs über Felder und Wiesen, dann durch schattigen Fichtenwald, stets sanft ansteigend. Das Rad, ein kleiner hölzerner Bau, steht in tiefster Waideinsam keit gerade dort, wo aus dem grünen Fichtenwald die weissglänzenden, zerklüfteten Wände des Reisskolel emporsteigen. Ueber die wunderbare Wirkung der Heilquelle giebt uns die über dem Eingang stehende Aufschrift Aufschluss: *) Wohnsitz des rühmlichst bekannten heimatlichen Schriftstellers I »echant Franz Franziszi. Dies Wasser ist für viele Uebel gut, wer es nur recht gebrauchen thut; heilet Wunden, Sorg' und Schmerz, tröstet manches betrübte Herz.« c) Zum Nölblinger Wasserfall, Von Gräfendorf über die (lad nach l/nternölb/ing (20 Min.) und von da wieder in 20 Min. durch den Nölblinger Graben zum Wasserfall des forellenreichen Nölblinger-baches, einem Abfluss des Zollnersees. d) Auf den Reisskofel. Von Gräfendorf zum Katlingberger Kirchlein und Uber die Ilochwiesen in die Ochsenschluchtalpe (3 .Std., Nacht-quartier); von hier übers »Köpf ach*, längs des steilen, nur für Schwindelfreie passierbaren * Pumpet'steigest zur Höhe 3 Std. Fernsicht siehe Bergtouren von Kirchbach aus! e) Auf die Jauken. Mit dem Reisskofel durch die Ochsenschlucht und mit dem (lailberge durch den fukbühel verbunden, erhebt sich nordwestlich von Grafendorf die 1 Std. lange Jauken mit dem Thor- kofel (2244 m) in der Milte, dem Neujahr (Jaukenhöhe, 2236 m) als weslliche und der Dreischneid als östliche Spitze. Auf letztere gelangt man über Leitung, die 1 Lahmtratte und die steilen Hcuriessen (Fundort des kärtnerischen Spitzschneikenklee (txvtropis carinthiaea) zum t Sattele* 2 Std. und von hier auf die Dranthalcr Seite über Oerölle in l'/a Std. auf die Höhe. Herrliche Bernsicht: das Drauthal von Lienz bis Sachsenburg, Kreuzeckgruppe, Tauern, die zerrissenen Wände des Reisskolel, der Weissensee, das (iailthal und die südlich davon gelegenen Kalkalpen bis zum Monte Canin. Von der Dreischneid führt ein schmaler, gefährlicher Steig auf der Kante zweier, sehr tief und steil abfallender Wände auf die Spitze des Thorkofeis. Aussicht wie von der Dreischneid. Abstieg von der 1 ireischneid eventuell nach Westen auf einer steilen Geröllhalde zu den Jaukcnböden (saftige, hochgelegene Alpwiesen auf einem Plateau der Jauken mit sehr reicher flora [gebrannte Schwarzwurz, Scorzonera aristala; löwenzahnühnlieher Krümmung, Willemetia apargioides, Bergwegerich, Plantago montana, gemeinwurzartiges Kreuzkraut, Senecis 1 )oronicum, lauchblättriges Täschel-kraut, Thlaspi cepaefohum]) und zum Knappenhause (Jaukeuhaus 1 Std.); Bergwerk auf Galmei und Zinkblende. Hier führt ein breiter Fahrweg ins Drauthal nach Stein, auf dem das Kr z mittels Pferden zu Thale geschafft wird. Vom Jaukenhause in '/ Std. auf »Neujahr«, mit ähnlicher Aussicht wie auf der Dreischneid. Vom faukenhause in die d Buchach-Alpe«, und durch den Maiengraben entweder Uber die Plann nach Kötschach oder über • StoHwit»* nach St, Daniel. (Kundgang: Grafendorf, Dreischneid, Jaukeuhaus, St. Daniel und wieder zurück oder über die Plonn nach Kötschach 7—8 Std.) f) In die Oberbuchach-Alpe. Von Grafendorf nach Süden über Oberbuchach in die Alpe 2-jt Std., 1860 m; lohnende Kernsicht. Von hier westwärts in ilie Gundersheimer- und Nölblinger-Alpe 3/4 Std. oder Uber die ll'aidegger Höh in die Waidegger- und Acher-nach-Alpe 1 Std. Von der Oberbuehacher-Alpe Steig zur »Thörlhühe (Reichsgrenze, schöner Blick ins Incarojo-Thal), dann gegen Westen durch die italienische (grosse und kleine) P.adin-Alpe, um oder über den Iundenig-Kofel, 202 i m, in die Ackernack-Alpe 2*j3 Std.; von hier zum kleinen Zöllners«« und auf die Zöllner Höhe, 1936 m, i'/ä Slrl., schönt-Aussicht auf die nahen (rebirgszüge. Vom Zollner durch den Xölldinger (haben nach Xolblin» und Gräfendorf 2 Std. .In allen genannten Alpen [trächtige und interessante (iehirgsllora. Vem Gräfendorf W\ dem oberhalb der Strasse gelegenen, hübschen, sehr obstreichen Dörflein Leifling vorbei in Std. nach Dellach, 675 m, 498 Kinw.; Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften St. Daniel 137 Einw,, Goldberg 69 Kinw., Gurina 16 Einw., Höfling 9 Kinw., Keifling 155 Kinw., Monsel 17 Kinw., Nölbling 163 Einw., Rüben 9 Kinw., Siegelberg 14 Einw,, Stollwitz 57 Einw., Wieserberg 1 I Kinw. Klächcnmass 3632.9 191 ha, I 155 Kinw., Postamt, Filialkirche St. Nikolaus zu St. Daniel; zweiklassige Volksschule, Gasthäuser: Glantschnig« und Herzog«. Nordöstlich 10 Min. von Dellach auf einem Hügelrücken am Kusse der fauken die vorrömische und römische Niederlassung Gurina. i Stehe vorrömische und römische Altertümer von Dr. A. B. Meyer.) Nördlich von Dellach auf hoher Terrasse Goldberg 1 Std, Schön gelegene, sehr fruchtbare Bauerngüter mit einer kleinen Kirche. (Siehe Märchen von Kr. Kranziszi.) Von hier über die k'reuztratten (138 r m) auf die faukemoiesen (l1/. Std.) und auf die faukenhoheu Siehe Gräfendorf!) Südlich von JJellaeh auf einer Terrasse der karnischen Alpen „der Grazhof" % Std, Von Pellach führt ein Gemeindeweg über die Dellacker Gailbrücke, dann entweder gegen Osten nach Xölbling l/4 Sid. oder gegen Westen nach Waidenburg 25 Min.; Schloss am Ende des wilden h'ronhofergrahens an einem Wildbache, mitten im Walde gelegen. Dieser schattseitige, an anheimelnden Punkten reiche, angenehme Fahrweg führt weiter nach Würmlach und Muuthen (von Dell ach l'/j Std.). Von Waidenburg gelangt mau auch über einen engen Giiil-steg in 20 Min. nach St. Daniel; das Dort ist auch von Dellach längs der Reichssl rassc ebenfalls in 20 Min. zu erreichen und liegt anmutig auf einer kleinen Anhöhe. Pfarramt ,St. Daniel«. (1018 Katholiken, 4 Akatholiken); einklassige Volksschule; älteste Pfarre des 'Thaies (bis ins ii, Jahrhundert nachweisbar!, deren Gebiet bis Kuggau reichte; wird heute noch im Volksmunde »die alte Pfarr« genannt. »Die uralte St. Anna Kapelle, eine Rotunde, im Jahre 1844 abgetragen, soll einer damals entdeckten Jahreszahl nach, im Jahre 730 hergestellt worden und trüber ein He'nlentempel gewesen sein (I lohenauer, Kirchengeschichte von Kärnten). Eine in der Sakristei der Kirche aufgehängte I lolzlafel meldet in gotischer Schrift, dass 1478 die Türken im Gailthal plünderten und eine Menge Gefangener mitschleppten. Oberhalb St. Daniel auf einem Plateau schön gelegener Weiler Stollwitz, 959 »G 20 Min. In der Nähe Burgruine Goldenstein. Von Stollwitz durch den Maiengraben in die Huchach Alpe und zum jfaukenkattse (21/,, Std.). Von St. Daniel die Reichsstrasse entlang, unterhalb des kleinen Dorfes Höfling vorbei, am Schlosse Mandorf Vorüber in I Std. nach Kötschach, 708 m, 534 Kinw.; Silz der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften: Buchach 23 Einw., Dobra 20 Einw., Höfling 52 Einw., Kreuth 157 Einw., Laas 157 Einw., Lanz 7 Einw., Mandorl 25 Einw., Mooshof5 Einw,, Plonn 33 Einw.; Flächenmass 3871.3221 ha, 1013 Einw. Bezirksgericht) Steueramt, Notariat, Pfarramt Servilen k tos ter), dreiklassige Volksschule, Post- und Telegraphenamt, Gendarmerieposten, Bolletierungsamt, Feuerwehr, Sektion -Ohergaillhal des /). st. Ö. A.-V,, Verschönerungsverein, Gesangsverein, Schützenverein, patriotischer Prauenkilfsverein, Ortsgruppe des den/selten Schulvereins; Gasthäuser: Kaplenig«, »Ritzi«, Bachlechner« (zum guten Tropfen Wein), Anton Klauss (Post), Franz Klauss (Kirschner, Bräuhaus). I )er l *rl isl von drei Seiten von bewaldeten Abhängen eingesehlossen. Seine sonnige Lage, die mit Obstbäumen umgebenen Häuser, die im Thale sich ausbreitenden Felder verleihen dem Orte ein so freundliches Aussehen, dass Kötschach von vielen Schriftstellern als das schönste Dorf Kärntens bezeichnet wird. Monumental angelegte, gotische Kirche aus dem fahre 15 r S (siehe archäologische Skizze von Dr. Mann). Grosses Servitenkloster mit schönem (>bst- und l »emüsegarten, erbaut von Franz Wallner von Herbstenburg und Frankenegg, einem Bergwerksbesitzer in Dellach, im Jahre 1715 /ur Abwehr des Protestantismus, Kötschach ist die Heimal des berühmten Malers Josef v. Pich/er (geb. 1730); er war in seiner Jugend liirte, wurde später Maler und erhielt infolge seiner herrlichen Gemälde im kaiserlichen Lustschlosse Laxenburg den Adelsstand. Ausflüge: i. Bad Mandorf. V4 Std. östlich von Kötschach. Las Päd besteht aus zwei Gebäuden, dem Bade- und Gasthausc. Im ersten Stockwerke des Gasthauses Fremdenzimmer, daneben hübsche Veranda und schattige Kastanienbäume. Im Badehause sieben Kabinen mit Wannenbädern, einem Salone umi mehreren Fremdenzimmern. In unmittelbarer Nähe des Gasthauses anmutige Kapelle »Maria l.oreflo-.. Fünf Minuten vom Bade westlich das aus dein |ahre 1520 stammende, grosse und gut erhaltene Schloss Mandorf mit grosser Vorhalle, in welcher sich Wappen ehemaliger Schlossfrauen vorlinden ; im ersten Stockwerke Schlosskapelle mit schönen < telgemäldcn. Nördlich an das Pad und Schloss unmittelbar anschliessend ein mit dichtem Pichten- und Buchenwalde bedeckter Hügel mit hübsch angelegten Gehwegen und Ruheplätzen, Die wirklich schöne, etwas über (lic Thalsohlc erhöhte Lage des Bades mit der prachtvollen Aussicht aul die abwechslungsreichen Pormeii der P/enge, Kellewand, des Cellon und Po lini k, auf die schattseitigen Ortschaften Mauthent Würm-Usch, Waldenburg etc., die unmittelbare Nähe harzduftenden Waldes, die ozonreiche Luft und die angenehme kühle Temperatur während der Sommermonate, die aufmerksame und billige Bedienung von seiten des Inhabers, Herrn Pichler, wie auch die Nähe des belebten Kötschach machen Mandorf zu einer sehr beliebten und äusserst angenehmen Sommerfrischstation. 2. In den Einsiedelwald, nach Laas 20 Min., und zur Schlossruine Pittersberg ''/4 Std, Prächtiger Laub- und Nadelwald, hinter dem Dorfe beginnend, mit schattigen Spaziergängen und zahlreichen Ruhebänken. In der Mitte des Waldes auf freiem Rasenplätze liebliches Johanniskirchlein. Anstieg vom Kirschner aus über den Kremser Hügel« zum Kirchlein, oder vom Stöckelbinder« über den Laaserbach zur v Martertratte« ebenfalls zum Kirchlein, 10 Min. Weg durch Pfeile bezeichnet. Vom Johanniskirchlein längs des Weges weiter an das linke Ufer des regulierten l.aaserbaches nach Laas (bekannt durch das preisgekrönte Kärntnerlieder-Quintett\ ein auf einer Terrasse des Gailberges sehr schön gelegenes Dörflein, 808 m, mit sehr interessanter, stilvoll erbauter Kirche aus dem Jahre 1535. In der Kirche schöne I lolzstatuen : hl. Georg und hl. Florian. (Siehe archäologische Skizze von Hann). Gasthaus: 1 ■Sandwirl«. Von Laas längs der Reichsstrasse in 20 Min. zum Rctenbauer und zu einem interessant geformten, dichtbewaldeten Felshügel, dem Piltersberge (Schlossbühel), an dessen Spitze die Ruine »Pitters bürgc. Darüber sehreibt Valvasor: Das Schloss und Herrschaft I'iltersperg ligt im obern Viertheil, zwischen < ibertraaburg und Ketschach, ist ein ganz öd' und verlassenes Schloss, auf einem spitzigen Felsen. Als die 'Türken im [478. Jahr im Julio in Kärndten eingefallen, haben sie alle Dörffer um dies Revier ausgebrannt und alles in Grtlhd ruiniert. Dieses Schloss war vor diesem Weidmanisch, jetzt gehört es ZU der Herrschafft Orttenburg, dem Fürsten von Portia.< Von Pitters-berg aus führt ein Weg durch die Felder zu den hintersten Häusern der Ortschaft Laas und von hier längs der Gailberg-Reichsstrasse über den Lammerbach und durch die •Au« in 20 Min. nach Kötschach. 3. Ins Kreuth. Auf den Ausläufern der Ilochkreuzgruppe zerstreut gelegene Hauerngehöfte, mit durchgehends schöner Aussieht in die Thalsohle. Aufstieg: Vom Kinsiedelwalde zum Materie, auf die »Zoje«, ZU den Almern, nach Vorhegg, 1042 m, r]/4 Std. oder von Kötschach über die Kohllratten durch ziemlich steil ansteigende Wiesen in 1 Stil. Wie schon der Name andeutet, ist dies ein in das Thal vorgeschobener Bergrücken, ganz bedeckt mit fruchtbaren Aeckern und saftigen Wiesen. Von der Kapelle auf der Höhe prächtige Uebersicht fast des ganzen Gail- und I .essachthales ; sehr 1 o h n e n d e I1 art i e. Beim »grossen Vorhegger», Bulter, Milch und vorzügliches Trinkwasser. Abstieg event. über die »Kienzen« (kleiner Weiler) nach Kötschach, eine Stunde. 4. Schiesstätte, Lanz, Dobra. Von Kötschach beim »Dvachs'l« vorbei über einen ziemlich steilen Fussteig zur Schiesstätte des »< >ber-gailthaler Schützen Vereines , auf dem quer ins Thal vorgeschobenen Hügel Vogeltön•<, 10 Min. Schöner Rundblick auf die Dörfer: Laas, Kötschach, Mau/heu, Würm/ach, Waldenburg, Schloss Mandorf etc. Von der Schiesstätte weiter auf steilem Pfade beim »Angerlantratlan« vorüber in s/4 Std von Kötschach) auf die »Hochwiesen (grosser, ebener Weideboden), dann in 10 Min. zu den Bauerngehöften • Lanz», 1064 in, (Milch und Butter beim Lanzbauer; gutes Quellwasser). Weiter nach Westen auf last ebenenem Bfade in 20 Min. zur »Dobras. Von beiden Punkten aus schöner 'Thalblick. Von der Dobra Abstieg zuerst über steile, schon die Alpenflora tragende Wiesen; dann durch Fichtenwald in a/4 Std. zurück nach Kötschach. 5. Ins Buchach und auf die Plonn. Von Kötschach, vor Mandorf links einlenkend, durch Wald und Feld zu den < lehöften Unter-und Oberbuchach (3/4 Std.) und nach 20 Min. gegen ( Isten zur Plonn. (obstreiches Bauerngut auf einem quer im Thale stehenden Hügel, an Mauthen weise nach einer Photographie des k. n. k. HofpholoKrnphen A. Heer in Klauenfurl. dessen südlichem Ende prächtiger Blick Uber einen grossen Teil des Thaies. Abstieg eventuell zum > Mooshof t und weiter zum Schlosse und Baile Maiidorf. 6. Wetzmann. Von der (l/üuangcr Brücke zunächst längs eines Steiges diagonal durch Felder zur P.essachthaler Strasse, dann durch den Waidackwald zum Verwaltungshause und den zahlreichen Sagemühlen (eine Vollgittersäge) des Fürsten v. Forcia (l a Std.). Hinter derselben Beginn der (lailrcgulieruug. Von Wetzmann eventuell über die Gail-/'rücke und einem Feldwege schattseitig nach Mautken ^20 Min.). 7- Auf den Ochsenkopf und Juckbühel, 1891 m. Von Kötschach über Dobra' oder »l.anz ■ zum „ Ste Ist ing« ; kleine Sehafalpe und über die * Schönwiesen", zu den tPlandiaböden t, von hier westwärts, dann über die Katzenleiter (schmaler, ungefährlicher Bergpfad) auf den Oclisen-kopf und zur 1 lütte der Kötsckacher Ochsenalpe (3 Std. i, oder Uber etwas steile Alpenmatten auf den Juckbühel (3 Std.). Lohnende Aussicht auf die Tauern, Kreuzeckgruppe, I lochkreuz, karnische Alpen, ins Gail-und Drauthal. Vom Juckbühel in einer halben Stunde zu den Sennhütten der Dellachcr Alpe. Von hier entweder zu den % Sandböden* und rechts über die n Schafleialpe , ..Stclzling« und Hmiiz«, oder links über Ober- und Unterbuchach nach Kötschach (2'^ Std.), oder weiter gegen Osten in die Buckack-Alpe (a/4 Std.) und zum Jaukenkause. (Siehe Gräfendorf!) 8, Auf den Kuku und den Schatzbühel. Von Kötschach aufs » Vorhegg-'., zum Rötkenkreuz (über die Roth Lebergang vom Gailberge nach St. Jakob ins Lessachthal) und auf die Musscnalpe 2'/3 Std.; sehr reiche Flora (Alpenberglinse Bhaca alpina, Kärntner Spitzschncekenklce Oxytropis carinthiaca, behaarte /.ist Betonica hirsuta), 1 de Höhe der Musscnalpe heisst Kuku (1945 m). Weiler westlich der Schatzbühel (2095 in). Aussicht ins Gail- und Drauthal und die umliegenden < iebirgs/.üge. Abstieg eventuell durch die »Postmeister-Alpe* nach Oetting und Ot>erdrauburg (2 '/^ Std.) oder in die Mukelin- und Rautalpe und über die »Würda« nach St. Jakob und weiter nach Kötschach (fLStd.). 9. lieber den Gailberg. Von Kötschach nach Laas und bei 1 Blakaus« (ehemaliges Schmelzwerk, jetzt Sagemühle) auf die »Hoki (987 m, 1 Std.). I her beginnt die neu angelegte A'eicksstrasse und führt durch schaltigen Wald über die Stubcnwandbrücki (gewölbtes Objekt mit 9 in Spannweite ; schöne Aussicht in den Katarakt des romantischen Silbergrabens und zu den (iailbergerdiauern) in sieben Serpentinen sanft nach i1/ Std. zur Solde des Drautkalcs. Wer schneller ins Thal kommen will, gehe über die bei der Stubenwandbrttcke beginnenden, allerdings etwas jähen tSteige*, wodurch 40 Min. gewonnen werden. Vom Fusse des Berges in 10 Min. über Brüggen nach Obeidrauburg (Stat. der Südbahn). Von Kötschach gegen Süden längs der Reichsstrasse durch den hübschen »Waidackwald« und über eine lange Gailbrücke nach dem Markte Mauthen (710111, 596 Kinw.), Sitz der gleichnamigen Gemeinde mu den Ortschaften: Holling 14 Einw., Grazhof 16 Einw., Kreuzberg 47 Linw., Krieghof 22 Einw., Kronhof 22 Einw., Mahlbach 7 Einw., 0a Blöcken 5 Einw., Weidenburg 72 Einw., Wetzmann 17 Einw., Würm-lach 409 Einw. Elächenmass 8226.9268 hu, I2II Einw. Pfarramt St. Markus mit 665 Katholiken; Pfarre 1466 erwähnt. Zweiklassige Volksschule, Distriktsarzt, Postamt, Finanzkommissariat, Zollamt, Feuerwehr, Gesangsverein, Dilettantentheater, Ortsgruppe des deutschen und Pfarrgruppe des katholischen Schulvereins. In der Pfarrkirche ist das Turmhaus romanisch, das Eanghaus gotisch; schöner Barockaltar mit einem vom venezianischen Künstler Doussi im fahre 1836 zu Venedig gemalten Altarhilde, den hl. Markus darstellend; in der Kirche Grabstätten der Herrn v. Frohmiiller zu Weidenburg und der Freien von Staudach. Mauthen ist die Heimstätte des in den Phngsttagen dieses Jahres verstorbenen Reichsrais- und I .andlagsahgeordiielcii Herrn Oswald Nischel-Wttzer, Besitzers des goldenen Verdienstkreuzes mit der Rrone, des Ritterkreuzes des Franz Josefs-I >rdens und des Ordens der eisernen Krone dritter Klasse; geboren 30. November 1811, 1850 Vicedom der Grafschaft Ortenburg, 1861 Eundtagsabgconlneter der Landgemeinden des Bezirkes Hermagor und seil Einführung der direkten Wahlen in den Reichsrat Mitglied dieser Körperschaft. — Der vortreffliche heimatliche Künstler, Pildkauer fakoh Wald, ist ebenfalls ein Solm Maulhens (geh. 20. Juli 1860). Gasthäuser: Ortner«, »Albin Posteiner dlubcr«, Postemer«, 1 Planer« (Brauhaus). Ausflüge: 1. Nach Maria Schnee (10 Min.). Liebliches Wallfahrtskirchlein auf einem Bergrücken mitten im Walde. Sehr schöne Thalsicht. Von hier weiter zum »Lamprecht« und auf die 2. Matlthneralpe (21/, Std.). Grosse Alpcnmatlen mit reicher Flora (Edelweiss), Schöne Aussicht durchs ganze Gailthal und auf die Gailthaler und karnischen Alpen. 3- Auf die „Missoria", ein kleines Plateau am nördlichen Abhänge des Polinik C/a Std.). Aussicht ins Thal. 4- Nach Würmlach. Von Mimiken Gemeimleweg gegen ( Isten Uber die »Valentin« nach Würmlach, Dorf mit 409 Einw. Seil 1770 Kuratie St. Lambert und Georg, 445 Katholiken; einklassige Volksschule. Neben der Kirche Sckloss Waldeck. Südöstlich von Würmlach auf fruchtbaren Terrassen die Gehöfte Piding, Krieghof und Kronhof (bis hiehcr 40 Min.). In der Nähe von Pöting venetische Inschriften an der allen Römerstrasse, die von Blöken über die Missoria nach Gurina führte. (Siehe Dr. A. B. Meyers Skizze über vorrömische und römische Altertümer.) 5. Ueber den Kreuzberg in die Plöken. Von Mautken etwas steil unterhalb des »Maria Schnee".■ Kirchleins (schöner Aussichtspunkt) und bei I.amfrccht vorbei, dann fast ebener Weg längs des tief eingeschnittenen Valentinthaies Blicke auf die senkrechten Wände des PÖlinlk und die vielgestaltigen Zacken des Celon) durch herrlichen Buchenwald zum Gastwirte .■Fiter« 1 Std. Ehcvor man dahin gelangt, leitet ein markierter Steig (5 Min.) zu den drei nach der Familie Sr. Excellenz des Herrn Landespräsidenlen Baron Schmidt-Zabierow benannten Aussichtswarten, von wo aus man einen schwindelerregenden, schauerlich-schönen Einblick in die schmale, von turmhohen, senkrechten Wänden' gebildete Klamm der Valentin geniesst. Beim /uler gutes (bisthaus (Besitzer ist der bekannte Viperntüter »Ainether«), Vom Gasthofe weiter in 40 Min. über die aus dem oberen Valentin-lliale kommende Valentin zu einem Rasenplätze mit einem Bildstöcke. Hier bieten die Riesen wände der Kellerspitze und des Kollinkofels ein prächtiges Bild. Weiter führt der Weg in Serpentinen (teils auf der alten Kömerstrasse) aufwärts (gute Fussgänger benützen den steilen, jedoch viel kürzeren f.eitersteig) nach einer halben Stunde zum Plöken-hotel (1215 m). Aeusserst beliebter, vielbesuchter Alpenkurort in herrlicher Lage auf der grossen, ilorareichen Plökneralpe mit reichgegliederten, bestbekannten Aussichtsbergen in unmittelbarer Nähe: im Süd osten ihr l'olinik, im Süden der Celon, im Westen der Kollinkolel und der Monte Coglians, nördlich davon der (latus- und Mooskofel. Das komfortabel eingerichtete Hotel mit durchaus löblicher Verpflegung und Unterkunft entspricht allen billigen Ansprüchen aufs beste. Fs ist im Besitze der Frau Therese und des Herrn Dr. (iuslav Aichelberg, Notars in klagenlürl. Aul 'der Tlöken kleines Pilialki/chte/u St. Elisabeth, an der Ausseiiscite Reste von Wandmalereien. Touren von der Plöken aus: 1 Auf den Plbkenpass (Monte Croce, 1363 m). Vom Gasthofe auf der Sorareichen Plökneralpe (grossblättriger Storchschnabel (leranium macrorhizum, Alpen - Mannstreu Fryngium alpinum, grossblättrige Schafgarbe Achillea macrorphylla") und über gepflasterten, breiten Fahrweg in die Felsengasse des Monte Croce und z u r ös t e r re i c h i s c h - i t al ie n i s c h e 11 t i re n z e :,/4St Std. zu erreichen ist«. [Georg Geyer, »Die Kellerwand und der Monte Coglians«.] Aulstieg von Collina: Fine Strecke längs des linken und später auf einem Steige oberhalb des rechten Ufers des Follinbaches zur Cascra Moreret. Von hier Steig in nordwestlicher Richtung über bequemen Wiesenboden und Felsstnfen zu einem Schuttfelde und zur Fin-senkung des Forca Monument. Hier verbindet sich mit dieser Route der direkt von Plöken herführende Steig. Nun über Felsblöcke und Sehutlkare in unbesehwerlicher Wanderung zum Gipfel (3 — 4 Std.). Herrliche Blicke ins Valentin-, Gail- und Lessachthal, Canal di Gorto und in die Gegend von Bladen; im Norden von der W'alayaalpc, dem Moos- und Ranehkofel bis zu den frei dastehenden Tauern; im Süden durch bent)'Auburg (etwas beschwerliche Tour). Vnn Idesing durch den Klebasgraben nach Klebas. Im (haben stand das Geburtshaus des berühmten Germanisten Dr. Math. Lexer (geb. 16. Oktober 1830 und gest. am 16. April 1892). I Ins Haus wurde im Jahre 1872 bei einer Lebcrschw emmung zerstört. In Klebas Gasthaus des Kr. Koller. Von Klebas durch den Pscheltsckgraben nach St. Lorenzen (IIOO m, 332 Kinw., I Std. von Licsiiig); hübsche Lage, einziger Ort des Thaies mit ebener Eingebung. Sitz Vergleich namigen Gemeinde mit den Ortschaften: Krohn 41 Kinw.. Wiesen 63 Kinw. und Xaveriberg 6b Kinw.; Lhu heiiin aSS der Gemeinde 51116187 ha; 502 K.inw.; katholisches Pfarramt St. Lorenz mit 503 Katholiken; ein-klassige Volksschule', schöne, höchst sehenswerte spätgotische Kirche mit Jahreszahl 1477 in derselben ein Kreskogemälde , darstellend das jüngste Gericht, ein Kunstwerk ersten Ranges und mustergültige, neue, gotische Klügelaltäre. Gasthäuser: . lloler , . Wurzer«. Touren: i. Zum Tuffbade (1257 m), durch den Radegundergraben in I Std. erreichbar. Ilockalpincs Bauernbad (zweistöckiges Wohnhaus bietet Unterkunft, verpflegen muss sieh der Besucher selbst), auf einer Anhöhe an der Vereinigung des Radegund- und Tuffhaches gelegen und umgeben von Alpen weiden und schattigen Lerchenwäldern; das eisen- und schwefelhaltige Wasser wird bei Verletzungen und Beinbruch-Kolgeleiden mit Krfolg angewendet; schöner Ausblick nach Süden (Kollinkofel, Kellerwand, Judenkofel, Miltagskotel, I lochw eisstein etc . Von hier sehr lohnender Lebergang über die Schwärzen nach l.arant und Lienz im Drauthale, oder über die Zocke und die Kersch baumeralpe ebendorthin (8—10 Std.); für Botaniker besonders interessant. 2. Auf den Hochalpelpass und den Hochweissstein (Monte Paralba), 2690 m. Weg nach Süden über die Lail durch das Frohnthal auf »den Boden*, 1623 in, 3 Stil, (hier einige ärmliche Hütten; ein Enzianbrenner betreibt seit 40 Jahren sein wenig lohnendes (lewerbe). ■»Am Boden* überraschender .Anblick auf die mächtigen, denselben umgebenden Felswände. Von hier bequem in Serpentinen auf den Hochalpelpass, 2380 in (sehr schöne Kernsicht in die Tauernkette und in die grossartigen Felspartien der Umgebung), weiters an steilen, aber gefahrlosen Wänden hinauf, über (ieröllhalden und schliesslich durch einen Kelskamin auf den Gipfel 1 von St. Lorenzen bis zur Höhe 7 Std., die ganze Partie anstrengend, aber gefahrlos). I he Aussicht ist eine nach allen Seiten freie und wirklich grossartige: Hegen Westen die Dolomitgruppen Anteiao, Marmolata, Sora- piss, Cristallin, die gegen Norden mit dem »Dreischusterkofel« endigen; im Norden die Lienzer Dolomite und die ganze Kette der 'lauern, gegen Osten der Reisskofel, die Knllinkofelgruppe, dahinter die Karawanken, der Triglav und M. Canin. Gegen Süden Friauler Alpen bis in die Ebenen Yeneticns. Schöne Thalblicke in das Thal des Anziei nach Cbmellico, Vtlle Visdende, Sappada, Forni Avoltri und ins Lessachthal. Von St. Lorenzen durch den Radegundgraben nach Wiesen, Stoffstull und Maria Luggau (i Std.). hu Radegundgraben interessantes Pilialkii et/lein mit einem höchst merkwürdigen Christophorus-bilde an der Aussenseite und einein Kümmernis-Kruzifix im Innern. (Siehe die archäologische Skizze von Dr. Fr. Hann). Von Stoffanell wunderschöner Anblick des Klosters und der Kirche von Luggau. Maria Luggau (1142 m) 539 Kinw., Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit den Ortschaften: Guggenberg 49 Kinw., Moos 36 Kinw., Promeggen 32 Kinw., Kauth 43 Kinw., Sallach 19 Kinw., Sterzen 44 Kinw., Stoffanell 50 Kinw., Tiefenbach 19 Kinw.; Gesamt-Flächen-mass der Gemeinde 34260264 ha; 539 Kinw.; Servitenordens-Pfarre Maria Schnee mit 540 Katholiken, einklassige Volksschule, Arzt, Postamt, Gendarmerieposten, Lessachthaler Schützenverein. Vielbesuchter Wallfahrtsort mit schöner, gotischer, neurestaurierter Pfarrkirche, einer der schönsten Kirchen im Lande. An die Erbauung der Kirche knüpft sich folgende Sage: »Im Jahre 1513 hatte eine verarmte, aber gottes fürchtige Bäuerin, während sie in einem Weizenacker schlummerte, ein 'Trauingesicht, welches sie mahnte, am nämlichen Blatze der Himmelskönigin zu Ehren eine Kirche zu hauen. Ihrem Berufe dazu misstrauend, wollte sie des 'Traumbildes Bedeutung prüfen und bediente sich einer Kerze, welche sie brennend in die Mitte des Ackers stellte. Würde selbe ungeachtet der scharf wehenden Alpenwinde während dreier Tage und Nächte nicht auslöschen, so sei Gottes Wille erklärt. Hie Probe war bestanden, und Helene (so hiess die Bäuerin) verschaffte sich das Bildnis der Gottesmutter, um damit von Haus zu Haus um Beiträge zum Kirchenbaue zu betteln. Hoch gelang ihr nur, und zwar nicht ohne anfängliches Widerstreben des Eigentümers jenes Ackers, eine Kapelle aus Holz am Orte des Traumes zu errichten, worin sie die hölzerne Statue Marias autstellte. Der Ruf der Wohlthaten jedoch, welche hier der Himmel der frommen Beterin spendete, zog bald so viele Wallfahrer herbei, dass die Kapelle schon nach zwei Jahren abgetragen werden musste.« (Führer durch Kärnten von J. Wagner und I >r. V. 11 artmann.) Dafür wurde 1515 eine neue Kirche errichtet, welche der Weihbischof von Aquileja, Daniel von Kubeis, ein berühmter kirchlicher Schriftsteller 1536 einweihte. Erbaut wurde die Kirche vom Baumeister I iart In 1I1 iiuäus Firlhaler. Zum Kloster wurde im Juni 1593 vom damaligen Landeshauptmann« von Kärnten, Grafen Johann von Orlenburg, und seiner Gemahlin der erste Marmorstein gelegt, in welchem sich ein goldener Ring und eine Silbermünze mit einer Inschrift befindet. Im Jahre 1635 wurde das Kloster dem Lran/iskaner-l )rden übergeben, mussle aber schon 1635 dem Servilen Orden überlassen werden, da die Franziskaner 1627 die strenge < Ibservanz angenommen hatten und sich deshalb mit dein Renten-geschäfte, das mit der Rfarr- und Klosterstilliing verbunden war, nicht mehr abgeben durften. Seit dem Jahre 1636 wirken ununterbrochen die Serviten in Luggau. In der Kirche befinden sich prunkvolle Barockornamente, drei herrliche Altarbilder (zwei davon vom venetianischen Künstler DoUSsi) und ein Hohrelief aus dem 16. Jahrhundert, den Tod Märiens darstellend; in der Sakristei wird ein mit sehr sehenswerten und wertvollen Gegenständen versehener Schatz gezeigt. Im Kreuzgange des sehr grossen Klosters hängen eine Unzahl mitunter interessanter Votivtafeln, für gnadenvolle Lrhörung der Gottesmutter gespendet. Neben dem Kloster ist ein grosser Gemüse- und Blumengarten, den man von der Friedhofsmauer aus sehen kann. Vor dem Gasthofe t'atcrwirt« steht eine Pyramide zur Erinnerung an Sc. Fxcellenz den Herrn Landespräsidenten Baron Schmidt, den Schöpler und Förderer der Lessachthalerstrasse. Ueber Luggau schreibt Valvasor: Das im obern Viertheil zwey starke Meilwegs von dem Marckt Mautten, zwischen dem höchsten langweiligen Gebirg liegende und an Tyrol grentzende Serviten-Gloster Luggau, ist vor diesem ein Franziscaner-Gloster gewesen, nachmals aber, als dieser Orden selbiges verlassen, denen Serviten zu theil worden. Dieser, obschon sonst ziemlich hoch situirte Ort, hat doch weg dess herum ligenden, noch viel höhern Gebirgs, gar keinen l'rospecl. Im übrigen ist nechst dabey ein gutes Wirtshaus, wormnen die zu diesem <'loster Wahlfahrt-rciscnde wol aecomodirt werden. Es ist eine schöne und mit wolklingeiidem Glocken-Geläut versehene Kirche allda, auch dieser ()rt wegen der Wunder so allda geschehen, heilig; indem unter andern die lodte Kinder, so man auf den Altar Unserer Lieben Frauen gelegt, wieder sollen lebendig worden seyn und geschrien haben. Ferner ist dieses Kloster an sich selbst schön und gross gebaut; auch erst das meiste bey wenig Jahren hero daran verfertigt wurden. Sonderlich zieret dasselbe der anmutige grosse Garten, samt dem, gleich vor der Kirchen stellenden künstlichen Springbrunnen. Im übrigen ist sich nicht unbillich höchst zu verwundern, wie die Leute, sonderlich zu Winters Zeiten so armselig leben und auskommen können, sintemalen ihre Häuser ganz, mit Schnee überdeckt werden, so gar, dass auch das Closter, so hoch es immer ligt, öffters fast gantz verschneyet wird. Dieses Thal wird genannt in der Luggau, gehört zur fürstlichen Por-tyschen Graffschaft Orltenburg. Man schlägt allhicr das < ietraid samt dem Stroh, nur zwyschen zweyen Steine, oder mit einem Hammer auf einem Brett zu Meel, und knettet es mit Wasser zusamm, woraus dann endlich dieses Brod gebacken wird, welches die fremde Leute, so hie-hero Kirchfahrten kommen, eigenes Fleiss kauften, zum Henkzeichen, dass sie in der Luggau gewesen seynd.« Gasthäuser: Anna Guggenberger (Paternwirt, Bost), Anton Guggenberger (Bäck), Maria Purtschegger. Spaziergänge von Luggau: Ins Bad, IO Minuten unterhalb des Ortes; belieble, heilkräftige Mineralquelle mit Magnesia- und Eisengehalt (zwölf Wannenbäder und ein Dampfbad), sowie in die naheliegenden Ortschaften Moos, Sterze, Stoffianell und Tufenbach. Touren: I. Ueber den Kofel nach Lienz. Von f.uggau durch das Weissenthal und Tiefcnthal auf den Kofel und von hier durch eine höchst romantische Kluft, die ihresgleichen Ob sucht, Uber eine Felsentreppe mit Geländer nach Leisae/i und Lienz (7 Std.). 2. Nach Sillian. Von Luggau Uber den Wachterdach (Grenze zwischen Tirol und Kärnten) zum Gasthause »Wacht t, dann streckenweise längs der rasch dahinlliessenden Gull nach l'ntertiUiach und über einen langen Bretter-Steig durch das TiMiacker-Moos an dem netten Kirchlein .SV. Nikolaus und .SV. Magdalena (links an der Bergeslehne das Dorf Krcutli) vorüber nach Obertilliack (3 Std. von Luggau): Grosses Dorf mit zumeist hölzernen Häusern (Gasthaus'. »Oberwirt"), Von hier weiter in 2 Std. durch die Weiler Rodarm und Leiten nach Kartitsck. Auf der Höhe vor Kartitsek beim »Oberjakobert schöner Ausblick nach Nord-Westen auf den Sillianbtrg und das Schloss Heimfels. Von Kartitsch (auch St. Leonhard geheissen) eine Zeit lang ebenaus schöner Anblick der Schusi.crspilzc ', in der Nähe der GailqucUe vorbei und dann steiler Abstieg über die Man'ogg nach Tosenbach im Busterthale. Von hier ebener Weg durch den Ort Panzendorf (unter dem lleiml'elser Schlosse) nach Sillian, (2 Std. von Kartitsch), Station der Südbahn. 3. Uebergang über das Frohner-Joch nach Farni Avoltri, Sappada (Bladen, deutsche Sprachinsel), Valle Visidende, Comellico und Cadore in Italien. A iilisi iiti'- Touren-Verzeichnis und Führer-Tarif*) der Sektion „Hermagor" des Deutsch-österreichischen Alpenvereines. I- Vorderberg. Führer Franz Bichler. Touren ab Vorderberg nach Verboutzalpe 2'/s Std. 1 il.; 1 )olintza-Alpe 3'/3 Std. i iL 40 kr.; Dellacher-Alpe 3.'/. Std. 1 Ii. 40 kr.; Gürtschacher-Alpe 4 Std. 2 Ii.; Bartholograben nach Tarvis 5 Std. 3 Ii.; Dolintza-Alpe nach Uggowitz 41/., Std. 2 fl. 80 kr.; Leistritzer-Alpe 3l/2 Std. 1 tl. 40 kr.; Osternik 41/";, Std. 2 11. 80 kr. II. PreSSeken. Führer Christof Gaggl. Touren ab Ober vellach auf den Golz 4 Std. 2 Ii. 50 kr.; .Mitterberg 4 Std. 2 IL 50 kr.; Spitzegel (Egelnock) 4 Std. 2 fl. 50 kr. III. Hermagor. Führer Josef G ü her ndorfer. 'Touren ab I Iermagor: Küh weger- Alpe 3 Std. 2 Ii. 50 kr.; Gartnerkoll 5 Std. 3 fl. 50 kr.; Rosskofel 8 Std. 4 Ii.; 'Trogkofel 10 Std. 6 fl.; Thörlhöhe 4 Std. 3 fl.; Trögerhöhe 4 Std. 3 Ii.; Fggeralpe (F.nziansteig) 3 Std. 2 11., Uber den Alpenweg 3'/2 Std. 2 il. 50 kr.; über Eggeralpe nach Mal» borghet 7 Std. 4 Ii. 50 kr.; über Lorenzeralpe zum Wcissensee 4 Std *) Die Auslagen für Beköstigung und Uebernachten des Berg führe rs sind im Tarif inbegriffen. — BIO - 2 fl. 50 kr.; über den Kreuzberg dorthin 5 Std. 3 fl.; über Nassfeld nach Pontafel 7 Std. 4 Ii. 50 kr.; Poludnig 4'/, Std. 36". 50 kr.; Urbani-fels i1/^ Stcl lach im Hramba! 6 Std. 3 Ii.; 3. Reisach—Grafendorf—Wieserberg— *) Hie Auslagen für Beköstigung und Lebernachten des Führers sind im Tarife inbegriffen. Siegelberg—Ochsenschlucht—Jaukenböden—Janke— Kreuztratten—(iold-berg—Dellach im (iailthal nach Kötschach oder Reisach 10 Std. 5 Ii. ab Oohsenschluchl nach Dellach im Drauthale oder ab Jauke — Amlacher-Alpe—Feistritz im Drauthale lo Std. 5 fl. III. Kötschach oder Mauthen. Führer josef Moser sen. und jun. in Kötschach und Adam Riebler in Mauthen, Touren : 1. Kötschach über Ranz—Stclzling oder über Dobra Dcllacher-Alpe nach a)Juckbiichel—Kötschacher-Alpe —Schätzenalpe—Draubrlicke 7 Std. 3 11. 50 kr.; b) Manchart-Alpl -Steinmandeln—Barake—Laas— Kötschach 6 Std. 3 Ii.; c) Jauke und retour über Boscharetten—Man-dorf 8 Std. 4 fl.; d) Blonner-Alpl—Bärenböden—<)berdrauburg 8 Std. 4 tl. 2. Vorhegg — Rottenkreuz — Müssen — Schatzbiichel —Postalm— Scharten — Hochstadlhaus - Hochstadl - Oberdrauburg—Kötschach 16 Std. 8 fl. 3. Kötschach—St. Jakob -Schatzbüchel und dann weiter wie Tour 2, 18 Std. 9 H. 4. Plöken — Plökenpass (tour und retour 6 Std. 3 fl.)—Timau (tour und retour 8 Std. 4 11.) —Promoos Skarnitzenalpe—Kronhof -Würmlach —Mauthen- Kötschach 10 Std. 5 Ii. 5. Missoriaalpe- Spielbodenthörl Polinikspitz oder Pfeiferspitz — Plöken - .Mauthen- Kötschach 8 Std. 4 fl. 6. Yalentinalpe—Wolayasee- Wolayathörl durch die Wolay Uber Nostra oder Wodmaier nach Birnbaum oder Kötschach—Mauthen 14 Std. 7 fl. (ab oder nur bis Wodmaier—Birnbaum um i fl. 50 kr. weniger). 7. Valentinalpe—Wodnerthörl—Gamskofel oder Rauchkofel Uber Judengras untere Wolay nach Birnbaum 14 Std. 7 fl. (Rauchkofel um 2 fl. weniger als Gamskofel, ab oder nur bis Birnbaum 1 fl. 5° kr. weniger). 8. Welzinann -Sittinoos Nischelwitz oder von Wodmaier—Sittmoos oder von St. Jakob—Sittmoos; in allen drei Bällen Uber Leng-bodeu oder Raiinundaalpe zur Rlenge, - über 1 lerrenstiege nach Birnbaum- Kötschach Mauthen 10 Std. 5 fl. (ab oder nur bis Birnbaum t Ii. 50 kr. weniger, mit Besteigung des Mooskofel (»Raimundaspitz«) statt Plenge 12 fl.). ... 9. Plöken—Angerbach—Mössl—Pizzo Timau oder Pizzo Avostano —Promoos—Koderhöhe—Laucheck—Klfer—Kofel—Würmlacher-Alpe— Mauthen 10 Std. 51!. 10. Valentinalpe—(mine Schnei«!—Lehm oder Kollinkofel, Coli-netta—Plöken—Mauthen —Kötschach, mit Celon 8 Std. 4 fl., mit Kollin 10 Std. 5 Ii., mit Kellerwandspitze 15 Std. 12 fl. inklusive Ueber-nachtgebühr. ir. Plöke.n l';iss Colimtia ( ascra Monument-- lutea -Moreretto —Cogliansspitze—Moreretto di sotto- Wolayasee über Valentin—Thörl —Plöken—Mauthen—Kötschach 13 Std. 6 fl. 50 kr. oder über Wolay Birnbaum—Kötschach—Mauthen 15 Std. 7 fl. 50 kr. 12. Waidenburg—1 tellacher-Alpl—Zollnerhöhe—Collen-diaul— Thörl Hoher Trieb Monte Skarnitz) • Stua Ramuz von da a) Thörl-höhe Buchach—(iundersheim—Kötschach—Mauthen 10 Std. 5 fl.; b) Stranigeralpe Stranig— Kirchbach — Kötschach Mauthen 12 Std. 6 fl.; c) Paularo— Lanzen—Kattendorf—Kötschach—Manthen 18 Std. 9 iL; d) I'aularo—Pradulina-—Potitebba 14 Std. 7 tl. 13, Waldenburg— Nölblingergraben —Zollnersee — Findeneggkofel — Lodin —Stua — Ramulz — Stran igeralpe-r- Kirchbach — Kötschach — Mauthen 10 Std. 5 fl. (ab oder nur bis Kirchbach 7 Std. 3 11. 50 kr.) Anmerkung: I) i c vom Standort >Kölschach-M a u t h e n zu unternehmenden Touren Nr. 4— 13 können auch von Plöken (Bergführer Stefan () her n o s t e r e r) , W o d 111 a i e r im Lessacht h al. Bosi Birnbaum ( L ii h r e r < '• a h r i e 1 S t a b e n t h e i 11 e r vulgo Hofer) und vom iE der« am Kreuz her g [Aufgang zur Blöken] (Führer Mathias Bflügl vulgo Tilliacher, Bestellung durch den Ederwirt Beter Ainether gemacht werden. Die Touren ab Plöken um je iß. 25 kr., ab T.der oder bis dorthin um je jo kr., ab ll'odmaier um je / Jl. ja kr. weniger. IV. Wodmaier-Birnbaum. Bergführer Gabriel Statte n-t h e i n e r vulgo Hofer. 1. Komat—Scharte—Ilochsladlhaus 7 Std. 3 tl. 50 kr.; Hoch-Stadl—Schatzbüchl—Kötschach im Ganzen 16 Std. 8 fl. 2. Birnbaum — Kornat- Grifitzbiichl— Lahmkofel — Grünkofe]— Durnthal Birnbaum 8 Std. 4 fl. V. Liesing (Klebas). Lührer Johann Saldier, Gemcinde-sekrelär in Klebas. 1. Niedergail—Kreutzen—Joch: a) nach Casera Bordaglio Forni Avoltri und retour oder über Collina Wolay Birnbaum Liesing 16 Std. 8 fl.; b) nach I.ahner Wolay Birnbaum I icMiig 10 Std. 5 Ii. 2. Obergail — Kesselkogel (oder Steinwand)—Casera—Sisanis— Mitterjöchl—Frnhnthal Lorenzen Liesing 14 Std. 7 Ii. 3. Klebas-- Ohergailerberg Gamskofel- Raudenspitz und retour Klebas oder durch Frohnthal 10 Std. 5 fl. 4. Liesing—Pallas—Assing- Gruhenalpe Kosenköpll (od. Riegenkopf) Bolit/a Lorenzen Liesing 10 Std. 5 Ii. VI. St. Lorenzen. Führer Sebastian Tusswalder vulgo oberer Waller. 1. Lorenzen—Frohnthal- Paralbt (Hochweisstein) und a) retour St. Lorenzen tu Std. 5 Ii.; Ii) ( ll'ner Joch borni Avoltri (< leten 11 Sld. 5H. 50 kr.; e Riadner Joch Sappada 12 Sld. U tl., d) Riadner Joch- Visdende- Comellico- >u]ieriore St. Stefano) 14 Std. 7 11.; (nach Kreuzberg— Sexten nach Pieve di Cadore—Corlina besondere Vereinbarung). 2. Lorenzen über Wiesen oder von Luggau über Xaveriberg— Tuffbad und Uber a) Kerschbaumeralpe nach Galitzenklamm—Lienz S Std. 4 II.; oder Amlacher Wiesen—Triestacher—See—Lienz 10 Sld. 5 fl.; b) Laserzhütte Leitmerilzerhütte 12 Sld. 6 fl. VII. Luggau. Führerjohann Rauther, J ä ge r vulgo Siefa tili a n s 1 beim >P a t e r n w i r ti. 1. Frohn—Paralba etc. wie Tour Nr. 1 ab Lorenzen. 2. 1 aiggau— Mooserthal — Sonnslein- -Brennerhülte-- Frohnthal -Lorenzen—Luggau 6 Std. 3 fl. 3- Luggau- Ebnerthal — ■ Kreuzenhöhe—M, Antola (mit oder ohne 1 lochspitz) nach \'i>dende Coinellieo (Si. Stefano) 16 Std. 8 fl. (mit Hochspitz um 50 kr. mehr). 4. St. Florian (Lntertilliach)— KabthaL I lochspitz - Visdende < lomellico 17 Std. 8 fl, 50 kr. 5. Fuggau- Kofel—Lienz 7 Std. 3 Ii. 50 kr. 6. Luggau— Xaveriberg—Tuffbad■ -Oberalpl- Eisenschuss oder Rosenköpfln und retour io Std. 5 fl. 7. Luggau—Weissenthal—Eggen—Kofel— (hohe Egg) Untertilliach Luggau 7 Std. 3 fl. 50 kr. Anmerkung: Bei Touren mit einem bestimmten Endziele oder wenn der Tourist bei einer geschlossenen Tour den wieder erreichten Standorte des Führers an einem frühereu Punkte ohne Führer abgeht, gebührt dem Führer vom Momente des Abgehens des Touristen an für jede zur Erreichung seines Standortes nötige Wegstunde eine Entlohnung von 20 kr. ö. W. Angefangene Stunden werden hiebet nicht berücksichtigt. Für 12 Stunden übersteigende Tagestouren hat der Führer, gleichviel ob sein Tourist übernachtet oder nicht, eine Lebernachtungsgebühr per I Ii. ö. W. anzusprechen. Der Führer hat nur ein Gepäck im Maximalgewichte von 8 kg unentgeltlich zu befördern ; für jedes weitere Kilogramm bis zu 12 kg 4 kr. Inhaltsverzeichnis. Seite 1. Vorrede.................. V 2. Der (1 r it iiss vom Dob r a t sc h I Gedicht von Thomas Koschal i 3. Ins Gailthall Von Hans Taurer R. v. Gallenstein, ... 3 4. Zu- und Abgangs touren............ 7 5. Gebirge 1 tlitsch- und Lessachthaie l 6. Gewässer j J ... 9 7. Die geologischen Verhältnisse des Gailthales. Von Dr. Richard Canaval............. 12 8. Das Klima des Gailthales. Von Ferd. Seeland .... 19 9. Flori s tische s über dasGailthal. Von Marc. Frh. y. Jabornegg 24 10. Etwas über die Fauna des Gail-, Gitsch-und Lessach- thaies. Von Karl Keller ........... 33 11. lieber die Fischfauna. Von F. Tragge........ 44 12. Der Kewohner des Gailthales. Von Hans Staunig . 45 13. Tracht, Sitte u 11 d Brauch im Gail-, Gitsch- und Lessach- thale. Von Rud. Waizer............ 58 14. Etwas über das Lied und den Dialekt der Gailthaler. Von Kranz Franzis«.............. 67 15. Sagen und Märchen aus dem Gailthale. Von Franz Franziszi 69 16. /ur Geschichte des Gailthales. Von Karl Baron Häuser 77 a) Leber die ersten Bewohner des Gailthales..... 79 b) Leber die Entstehung und Deutung des Namens »Gail« 79 c) Vorrömische und römische Altertümer des oberen Gail- thales. Von A. Ii. Meyer. (Mit vier Figuren) . . 81 d) Die grosse Katastrophe in Arnoldstein im Jahre 1348. Von Dr. F. G. Hann........... 91 e) Die Türkeneinfälle in das Gailthal. Von Dr. F. G. Hann 92 f) Zur Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Gailthale. Von Dr. F. ('.. Hann...... 95 g) Das (iailthal in den Jahren 1809 —1813. Von Dr. F. G. Hann 98 17. Zur Archäologie und Kunstgeschichte des Gail-und L e s s a c h t h a 1 e s im Mittelalter h i s i n s 16. J a h r h u n d e r t. Von Dr. F. G. Hann . ............ 104 18. Die landwirtschaftlichen Verhältnisse des Gail- und Lessachthaies. Von Cosmas Schütz....... 122 19. Der Wald und seine Bedeutung für das Gebiet der Gail. Von Franz Suda............ 133 20. Der Gailfluss und dessen Regulierung. Von Arthur Herbst 146 21. Die Industrie im Gailthale. Von Jos. Lcodegar Ganaval l6o 22. Die G a i 11 h a 1 b a h n Arnoldstein—Hermagor. Von Felix von Mottony................ 163 23. Mit d er Gail t halb ah n vo n Arn ol ds t ein n ach Hermagor 174 24- Führer durch das Gail-, Gitsch- und Lessachthal . . • .179 25- Anhang. Touren-Verzeichnis und Führer-Tarif a) der Sektion i Hermagor« des D. u. Oe. A. V, , . .218 b) der Sektion »Obergailthal«.......... 219 26. Ankündigungen............Anhang 1 24 Illustrationsverzeichnis. Seite Arnoklstein.................. 40 Arnoldstein mit Gailitz.............. 56 Ajnoldstein mit Kreuzkapelle und Gailbrücke der (iailthalbahn . 68 Bronzebleche aus Gurina............ 84 u. 85 Dobratsch, Absturz und Bergsturz........... 24 Dobratsch, Unterkunftshaus und Kirche......... I (Mit gütiger Erlaubnis der Frau Baronin Olga Lang dem Mittewald-Führcr entnommen.) Emmersdorf.................. 112 Feistritz.................. . 76 Eeistritzer Alpe, Höhenkurort, Aiiimncenanhang...... 2 Förolach................... 120 Gailitz.................... 24 Garnitzen-Eingang und -Klamm ........... 168 Görtschach.................. 120 Hermagor, Totalansicht.............. 152 Hermagor, Hauptplatz und Kaiser Lrauz Josef-Schiesstätte . . . 160 Hermagor, Schmidt-Zabierow-Henkmnl......... Ii L Hermagor, (larnilzenklatnm und -Eingang........ 168 Kirchbach und Kirchbachgraben........... 192 Kötschach................... 200 Maulhen................... 208 Mittewald, Luftkurort, Annoncenanhang......... 21 Pressekersee .................. 136 Pressekersee mil der Badeanstall und dem Restaurant Frenz! . . 144 Rattendorf................... 192 Reisskofel................... 192 Saak mit Station Nötsch.............. 96 St. Stefan................... 120 Weissbriach . ................. 184 Weissensee.................. 184 Wolayasee................... 216 Wulfenia carinthiaca............... I Wlirmlacher Inschrift............... 88 Zuchen-Wasserfall..... .......... 120 Di'iiolt i"-<- Niederlagen und Vertreter: in Villach, Itlageiifurt, ii raz, Laibach, Iiiiihbruck, Bozen, l\eobcii, ii uni ramsuorf und Wien. — Besteht seit 18H4. ... :sz l'riiiullrl auf das l'atent mit dem höchsten Preisi" auf der keramischen AiHstcIliu^ l'lU'is ISS4, auf das I'roduct Wien INHS mit silberner Medaille, Kliuri'iil'iirt Iss;, mit silberner Medaille. Silberne VllsstelluiurMunlnille I.ind- und Forstwirtschaftliche Ausstellung Wien 1890 StMteprell des k. k. Handelsministeriums, Gewerbe-Ausstellung Graz iHyo. Höchste Auszeichnung ..(los I Ii ren-IHnloni'' bei der Ausstellung in l'hilippopel 1892. •§» i Nötsch im Gailthale | Gasthof Michor j 5 Minuten von der Station Nötsch am Dobratsch entfernt, empfiehlt sich I 1 den 1'. T. Reisenden, Fremden, 1 Touristen für vorübergehenden als auch längeren Aufenthalt. 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