IfOOlL 40032 Alte und neue Wetterregeln fiir die Adria. Vom k. u. k. Linienscliiffskapitan Wilhelm v. Kesslitz. Seit dem Niedergang der Segelschiffahrt haben Wind und Wetter nicht mehr jene Bedeutung fiir die praktisehe Navigation als zu einer Zeit, wo der Wind allein die bewegende Kraft bildete. Aber auch die Schiffahrt unter Dampi' wird immer in einem gevvissen Abhangigkeits- verhaltnis zum herrschenden Witterungszustand bleiben und so wird auch der Kommandant des modernsten Schiffes dieWitterungsvorgange mit Auf- merksamkeit verfolgen und sowohl aus navigatorischen als auch sonstigen, den Schiffsdienst betreffenden Riicksichten immer ein Interesse daran haben, wie sich das Wetter in den nachsten Stunden gestalten wird. Die Aufstellung einer Wetterprognose an Bord kann natiirlich nur auf empiri- scher Basis erfolgen. Aus demVerhalten vonWind und Seegang, der Art und Zugrichtung der Wolken, der Farbung des Abend- und Morgenhimmels, der Sichtigkeit der Luft, dem Auftreten von farbigen Ringen um Sonne und Mond und sonstigen optischen Phanomenen ergeben sich zweifellos Anhaltspunkte fiir die Beurteilung des kommenden Wetters, die durch ein sorgfaltiges Beobachten des Barographen eine wesentliche Unterstiitzung erhalten werden. Aber zur Verwertung solcher Beobachtungsdaten ist sehr viel Eriahrung notwendig und wird nur derjenige eine gute Lokalprognose auizustellen vermogen, der jahre hindurch mit Aufmerksamkeit die Wit- terungsvorgange verfolgt und in dieser Weise eine groBe Anzahl von Modifikationen der Wetterformen kennen gelernt hat. Dazu kommt aber noch ein personliches Moment, namlich ein gewisses Talent, ich mochte sagen, eine angeborene Scharfe der Unterscheidung, um moglichst richtig die Wetterlage zu erfassen. Gewisse Witterungsvorgange sind aber auch bei uns so haufig wieder- kehrend und so typisch, daB sie schlieBlich in Regeln gefafit wurden, und so sind, wie allerorts, auch bei den Seeleuten unserer heimischen Kriste Wetterregeln entstanden, denen ein gewisser Wert fiir das Wetter- prophezeien nicht abgesprochen werden kann und so soli es der Zweck dieses Aufsatzes sein, eine Sammlung solcher Wetterregeln nebst einer Priifung ihrer Richtigkeit zu bringen. Was zunachst die Wetterregeln unserer guten alten Seeleute betrifft, so konnte ich von den zumeist aus der Zeit der venezianischen Marine stammenden Regeln nur wenig ausfindig machen, weil schon das meiste 2 in Vergessenheit geraten oder in mir nicht zuganglichen italienischen Literaturen enthalten ist; von den angefiihrten italienischen Regeln ver- danke ich die meisten den Herren Hafenkapitanen unseres heimischen Kustengebietes und mochte ich ihnen an dieser Stelle fiir ihre Miihe- waltung nochmals meinen verbindlichsten Dank hiemit zum Ausdrucke bringen. Alte Wetterregeln . 1 Wir beginnen mit dem jedermann wohlbekannten und in allen Sprachen wiederkehrenden Sprichwort: 1. Rosso di sera — bel tempo si spera, rosso di mattina — la pioggia s’ avvicina. 2 Abendrot — schon Wetter bot, Morgenrot — der Regen droht. Die Rotfarbung des Abend- und Morgenhimmels ist, wie bekannt, eine Beugungserscheinung der Lichtstrahlen durch in der Atmosphare schwebende Teilchen, wobei die Kondensationsprodukte des Wassers die Hauptrolle spielen. Da in allen Jahreszeiten die absolute Feuchtigkeit durchschnittlich ihr Maximum nahe dem Sonnenuntergang, ihr Minimum aber nahe dem Sonnenaufgang erreicht, so wird eine lebhafte Rotfarbung des Abendhimmels auch bei normalem Dampfgehalt der Luft zur Beob- achtung kommen konnen, wahrend ein starkes Morgenrot auf eine Zu- nahme der Luftfeuchtigkeit hinweist, somit den Eintritt von feuchtem regnerischem Wetter wahrscheinlich machen wird. Ober die Richtigkejt dieses Sprichwortes besteht also kein Zweifel, nur ist damit eine Prognose deshalb unsicher, weil zur See die Luftfeuchtigkeit oft sehr raschen, haupt- sachlich vom Wind abhangigen Schwankungen unterworfen ist. Die Beob- achtung ergibt, daB Farbungen des Himmels gegen Orange auf gutes Wetter hinweisen, fahlgelbe oder rotviolette Abtonungen dagegen Vor- boten schlechten Wetters (Scirocco) sind. 2. Ponente rosso — levante adosso. Roter Abendhimmel bringt frischen Ostwind. Eine nicht verlaBliche Rege), es komite hochstens bei schon vorhan- denem frischem Winde aus NE—E auf Fortdauer solcher Winde am nachsten Morgen geschlossen werden, wenn die Sonne grellrot gefarbt, 3 Weggelassen sind die zahlreichen, auch unter der heimischen Kustenbevolke- rung verbreiteten, sogenannten Bauernregeln, die aus dem Wetter zu einer gewissen Zeit oder an gevvissen Tagen (Lostagen) auf die Witterung einer folgenden Zeit- periode oder einer kommenden Jahreszeit schlieBen. 3 Ich bringe die italienischen Regeln im Dialekt des betreffenden Ortes, wie sie mir mitgeteilt wurden, eine Verantwortung fiir die Richtigkeit der Schreibweise kann ich nicht ubernehmen. 3 aber rein untergeht. Da bei E-lichen Winden die Luft trocken ist, ware dann die rote Farbung durch den vom Wind emporgehobenen Wasser- staub, der natiirlich nur die untersten Schichten der Atmosphare erfiillt, zu erklaren. Mit der Farbung des Himmels oder der Wolken stehen noch die fol- genden Regeln (3 bis 8) in Zusammenhang (Triester Umgebung): 3. Rossa la sera e bianco sul mattino, mettiti allegro in viaggio, o pellegrino. Bei Abendrot und helletn Morgen, kannst reisen, Pilger, ohne Sorgen! 4. In ponente una nube dorata, in levante la luna argentata, di bel tempo prometton durata. Wenn goldig der Westen und silbern sich der Mond im O ste n zeigen, dauernd schon wird dann das Wetter bleiben. 5. Nuvola rossa — no n ja donne vedove. Rote Wolken machen keine frau zur Witwe (haben keine schlechte Vorbedeutung). 6. Nuvole estese color di rame, quando si sc/uarciano — addio velame. Wenn ausgebreitete Wolken von Kupferjarbe zerreijkn, so ist Gefahr jur das Segelwerk (frischer Wind) zu erwarten. 7. Sol che si leva di buon umore, e delle tiubi buon cacciatore. Steigt jrohlich die Sonne im Osten herauj, die Wolken verschwinden im raschen Lauj. 8. Luna rossa — luna zala — piova o vento, no n se fala. Wenn der Mond ist gelb, wenn der Mond ist rot, Wind oder Rege n uns sicher droht. 9. Bora (oder auch Tramontana) scura — poco tempo dura. Bora (oder auch Nord wind) bei triibem Himmel ist von kurzer Dauer. Die an unserer Ktiste als bora scura bezeichnete zyk!onale Bora wird zumeist durch Teildepressionen hervorgerufen, die iiber dem Ligurischen Meer entstehen und dann gegen E oder SE abziehen. Diese Teilgebilde sind nur kurzlebig, daher auch die in ihrem Gefolge bei triibem Himmel auftretenden frischen NE—E-Winde nur von kurzem Bestande. Auf der Riickseite solcher Teilminima halt die Bora bei heiterndem Himmel und steigendem Barometer wohl noch einige Zeit an, um dann gewohnlich in den ersten Nachmittagsstunden abflauend nach NW zu drehen. 4 10. Vento che raja — non val una paja. Spielende Brisen sind (fiir das Segeln) nicht eineti Strohhalm wert. 11. Oarbin bardassa, quel che'l trova el lassa. SW-licher W ind — la/it was er fimVt. Der SW-Wind (im Dialekte Garbin genannt) ist in der Adria nur ein Obergangsvvind und selten von mehrstiindiger Dauer. Gewohnlich folgt SW-Wind unvermutet auf frischen zyklonalen Scirocco, sobald die barometrische Rinne, das ist die Lime tiefsten Druckes, vorbeigezogen ist. Die Niederschlage lassen dann rasch nach und mit der Ausheiterung aus W dreht der Wind gewohnlich weiter gegen NW. In der Regel bringt also SW-Wind Besserung des Wetters. Dauert aber der Regen noch fort, wahrend SW-Wind schon eingesetzt hat, so ist dann veranderliches Wetter mit weiteren Niederschlagen zu erwarten. Der SW-Wind bringt also keine Anderung des Wetters, das er beim Einsetzen vorgefunden hat. 12. Acqua netta — scirocco aspetta. Klares Wasser ist ein Anzeichen fiir Scirocco. Bei herannahendem Scirocco, der sehr oft zuerst im Suden zur Ent- wicklung kommt, tritt in der nordlichen Flachsee ein merkliches Steigen des mittleren Wasserspiegels ein; es gelangt namlich reines salzreiches Wasser aus dem Suden in den Kiistenbereicn, wodurch eine Klarung des weniger reinen Kiistenwassers stattfindet. Je salzreicher dasWasser, desto rascher fallen die es verunreinigenden Beimengungen zu Boden. Das Steigen des Wassers ist hauptsachlich eine Folge des Druckunterschiedes iiber dem Mittel- und Adriatischen Meer. Bei Sciroccowetter liegt der tiefe Druck in NW, der hohe im SE, somit Wasser aus dem Jonischen Meer zustromen muB. 13. Montagna netta — scirocco aspetta. Sind die Berge blau und rein — Scirocco wird nicht ferne sein. Warme regenbringende Winde (Scirocco) bedingen eine groBere GleichmaBigkeit zwischen der Temperatur des Bodens und der Luft, da- mit auch eine gleichmaBige Dichte und groBe Durchsichtigkeit der Luft. Aber bevor noch unten der SE zum Durchbruche kommt, wird die Luft schon sehr sichtig, wir sehen die Berge des dalmatinischen Hinterlandes auf sehr groBe Entfernung, ihre Konturen sind scharf, die Farbung satt- blau mit einem Stich ins Violette. Auch bei NW-Winden, auf der Riick- seite von Depressionen, nachdem die Bora abgeflaut hat, ist in der Adria die Luft sehr durchsichtig, weil sie dann bis zu groBer Hohe eine gleich¬ maBige Dichte besitzt. Die Farbe der Berge ist aber bei NW-Winden nicht 5 so tiefblau, sondern mehr hell, die Berge erscheinen weiter entfernt und schneiden nicht so scharf silhouettenartig vom Himmel ab, wie bei herauf- ziehendem SE. 14. Mare limpido brillante significa che scirocco e vidno. Klare glanzende See ist ein Vorbote des Scirocco. Auch diese Regel findet ihre Erklarung in den giinstigen Sichtigkeits- verhaltnissen der Luft bei herannahendem Scirocco. 15. Se corrono le nubi alla montagna, lo scirocco discorre la campagna. Wenn die Wolken gegen die Berge gehen , liber s Land wird der Scirocco wehen. An den Berghangen emporsteigende Wolkenmassen sowie auch Wolkenhauben auf den Bergkuppen des istrischen und dalmatinischen Kustengebietes (Monte Ossero, Hum auf Lissa, Vipera usw.) sind An- zeichen fiir Sciroccowetter. In der mittleren Adria ist kein Abflauen des Scirocco zu erwarten, bis nicht die Wolkenhaube am Monte Hum auf Lissa schwindet. Auf das Einsetzen sciroccaler Winde beziehen sich noch die folgenden Sprichworter: 16. Quando spuzza la sentina, V acqua, amid, s’ avvicina. Wenn man den Sodgeruch (am Schiff) spiirt, ist Regen bevorstehend. 17. II foco S ant’ Elmo si vede sovvente, il vento dali' ostro soffiando veemente. Star kes St. Elmsjeuer bringt frischen Siidvdnd. 18. Lampo in tramontana, de inverno manda e de esta chiama. Wenn es im N or den blitzt, so ist im Winter Wind vom Lande, im Sommer Wind von der See za ervvarten. Im Winter werden elektrische Entladungen iiber Land nur bei Vor- handensein eines Teilminimums iiber der Nordadria beobachtet und sind sie dann bei fallendem Barometer ein verlaBliches Anzeichen fiir Bora; im Sommer steht jedoch das Wetterleuchten iiber Land mit lokalen Warme- gewittern imZusammenhang und ist dann eherLortdauer stabilen Sommer- wetters zu erwarten. 19. Lampi e tuoni ali’ improviso di tempesta sono avviso. Plotzlich einsetzende elektrische Entladungen sind Anzeichen von Oewittersturm. 6 20. Se al sud uti spesso lampeggiar tu vedi, soffiera vento assai piu che nori čredi. Heftiges Wetterleuchten itn Sud bringt stiirkeren Wind als zu erwar- ten ware. 21. Se lampeggia e poco tuona molta pioggia il ciel ti dona. W enn es blitzt und nur wenig donnert, mrd reichlich Regen f alte n. Fiir die Regeln 19 bis 21 ergab die Beobachtung keine Bestatigung. 22. Ponente chiaro, tramontana scura, gettati in mar, no n aver paura. Im Norden drohend, im Westen reiti, den Anker auf, nicht angstlich sein! Der Wetterwinkel im Adriagebiete befindet sich im W und SW, da die Depressionen hauptsachlich aus diesen Himmelsgegenden heranziehen. Zuweilen liegen auch Teilminima im N, dah er es dort drohend aussieht, wahrend der W klar bleibt; solche Teilminima ziehen gewohnlich NE- warts ab und haben sie fiir die Adria kurz dauernde SW-Winde zur Folge, daher andauernd schlechtes Wetter nicht zu erwarten ist. Bei Aufklarung im W werden somit Kiistenfahrer trotz drohendem Aussehen des Him- mels im N in See stechen konnen. 23. Se si leva di ponente — non si leva mai per niente. Wenn im Westen sich rasch die Wolken heben, wird’s sicher schlechtes Wetter geben. Bei fallendem Barometer machen im W rasch sich hebende Wolken- banke eine Verschlechterung des Wetters wahrscheinlich; im Sommer sind dann oft Gewitterboen aus SW mit rascher Drehung des Windes gegen NW zu erwarten. Auch vereinzelte Cirri von eisblumenartiger Form, die am W-Himmel auftauchen und rasch zum Zenit emporwachsen, sind Vorboten schlechten Wetters, ohne daB dabei auf eine bestimmte Wind- richtung geschlossen werden konnte, wie iiberhaupt im Adriagebiete das Verhalten der Cirrus- und Cirrostratusvvolken wenig Anhaltspunkte fiir die Wettervorhersage abgibt. Ebenso: 24. Se lampa in ponente — non lampa per niente. Wenn es im Westen blitzt, blitzt es nicht umsonst. 25. II sol va in sacca — domani vento o acqua. Wenn die Sonne in einer W olkenbank verschwind’t, gibt es am M or gen Regen oder Wind. Eine Wolkenbank am Westhimmel ist nur dann ein Anzeichen schlech¬ ten Wetters, wenn die obere Kante gegen den Abendhimmel nicht scharf abgeschnitten ist, sondern venvaschen aussieht und dahinter Cirrusstreifen strahlenformig herausbliihen. 7 26. Sole al tramonto in tromba — o vento o pioggia. W asserziehen bei Sonnenuntergang ist ein Anzeichen von Wind and Regen. Unter Wasserziehen sind hier die divergierenden Strahlen verstanden, die bei schweren Stratocumuluswolken unterhalb der Sonne zwischen den Wolkenlucken herabstromen. Auch inAbercrombys Lehre vom Wetter wird fur England das Wasserziehen der Sonne als ein Schlechtwetter- anzeichen angefiihrt, in der Adria ist hierauf kein VerlaB. 27. Arcobaleno di sera — bel tempo si spera, arcobateno di mattina — tempo si rovina e prepara la capottina. Regenbogen am Abend bringt schon.es Wetter, Regenbogen am Mor gen v erdir bt e s (bereite den Regenmantel). Durch die Beobachtung nicht bestatigt. Auf den Regenbogen beziehen sich noch die Regeln: 28. Arco in del ben colorato, qualche volta duplicato, segno certo, segno chiaro piovera senza riparo. Schon gefarbter, zuweilen verdoppelter Regenbogen ist ein unfehl- bares Regenanzeichen. 29. Arco in del, di mattina in ponente segno certo di pioggia imminente. Regenbogen des Morgens im W e ste n ist ein Anzeichen unnuttelbar bevorstehenden Regens. 30. Arco in del di sera in levante tempo bello per certo e costante. Regenbogen des Abends im Osten ist ein Anzeichen dauernd schonen Wetters. 31. delo a pecorelle — pioggia a catinelle. Wenn Lamine rivalke n am Himmel sich ballen, nach Eimern wird der Regen fallen! Altocumulusvrolken, das sind die groben unten beschatteten Schaf- chen, sind als Vorbote von Scirocco und Regen anzusehen, wenn sie aus SW ziehen und das Barometer fallt. 32. Quando la luna ha il cerchio, da quella parte che si rompe il cerchio, da di la viene il vento. DaB die offene Seite eines Ringes (Halos) um den Mond die Him- melsgegend anzeige, aus welcher stiirmischer Wind zu ervvarten sei, be- zeichnet schon Abercromby als eine ganz unzuverlassige Regel, die auch in der Adria keine Bestatigung findet. Da, wie bereits bemerkt, in 8 unserem heimischen Meere aul das Verhalten der oberen Wolken (Cirrus und Cirrostratus) kein VerlaB ist, so sind auch die Flaloerscheinungen um Sonne und Mond fiir die Wetterprognose von recht zweifelhaftem Werte. In der Mehrzahl der Falle deuten gut ausgebildete Halos bei fallendem Barometer auf zyklona.len Scirocco, wahrend sie bei steigendem Luft- druck das Einsetzen NE-licher Winde wahrscheinlich machen. Nebensonnen werden auch als Vorboten schlechten Wetters ange- sehen, daher das Sprichvvort: 33. Se mai nel delo doppio sol vedrai — neve per certo, o marinaro, avrai. Doppelsonnen am Himmelszelt, ein sicheres Zeichen, d a fr Schnee bald fdllt. Durch Beobachtung nicht bestatigt. 34. Calada in ostro sem a — bora sicura. Dichter Dunst im Siiden ist ein Anzeichen fiir Bora. Wohl nur rein lokale Wetterregel, da andere Beobachter die Bildung intensiver Dunstbanke im NW als ein Anzeichen fiir Bora envahnen. 35. Se il scirocco non porta la pioggia sulla lingua, la porta s ul la coda. Wenn der Scirocco nicht gleich zu Anj ang Regen bringt, so wird der spdter kommende Regen um so ausgiebiger sein. Diese Regel trifft insofern zu, als die ergiebigsten Niederschlage bei zyklonalem Scirocco dann vorkommen, wenn die Rinne der Depression herannaht, also in der letzten Phase des Sciroccowetters. Tritt aber Regen schon zu Beginn des zyklonalen Scirocco auf, so ist er selten von groBerer Ergiebigkeit und hat zumeist intermittierenden Charakter. Bei antizyklo- nalem Scirocco beschranken sich die Niederschlage zumeist auf Strich- regen. 36. Quando le stelle brillano e segno che e vento in aria, oder: Stelle in punta — o piove o vento, oder: Se svampola le stelle — se gonfia le vele. Lebhaftes Flimmern der Sterne ist ein Anzeichen von Wind oder Regen. Es wird sehr oft beobachtet, daB auf ruhige, sternhelle Nachte, wenn die Sterne formlich zu wackeln scheinen, schlechtes Wetter folgt. Lebhaf¬ tes Szintillieren der Sterne ist eben ein Anzeichen, daB in der Hohe Wind geht und die Dichte benachbarter Luftschichten groBen Schwankungen unterworfen ist. Es entstehen dadurch unregelmaBige Brechungen und Zerstreuungen, wodurch das Flimmern der Sterne hervorgerufen wird. 9 37. Cocai in porto — fortunal in Golf o. Wenn die Mdven im Hafen sind, so gibt es drau/ien Sturm. 38. / dolfini fanno festa, prima che irrompe la tempesta. DieDelphine feiern (niachen Spriinge), bevor der Sturm losbricht. 39. Maestro d ’ inv er no, tutti diavoli deli' inf er no. Nordwest im Winter — alle Teufel dahinter. Der NW ist eigentlich der Schonwetterwind der Adria, da er zumeist bei hohem Barometerstand und klarem Himmel weht. In der kalten Jahres- zeit setzt er aber zuweilen im Rucken einer Depression mit groBer Vebe- menz ein und hat er dann boigen Charakter bei Regenschauern und emp- findlicher Abkuhlung (Scontradura aus NW) 40. Maistral duro — scirocco in culo. Wenn frisch der Wind aus NW ge/it, Scirocco bald zu ervvarten steht. Diese Regel ist nicht verlaBlich, da auf frischen NW bei fallendem Barometer sehr oft Bora folgt. 41. Cu piovo a l' alba — piovo douto el del (Rovigno.) Regnet es Morgens, so regnet es den ganzen Tag. Durch Beobachtungen nicht bestatigt. 42. Piova de mar — empio el bučal, piova de tiera — empio la scudiela. (Rovigno.) Rege n vom Meer fiillt den Pokal, Regen vom Land fiillt nur die Schal'. Im Adriagebiet sind die SE—SW-lichen Winde regenbringend,denn sie sind auflandige Winde. Die mit Wasserdampfen gesattigte, von der See kommende Luft wird durch das bergige Hinterland zum Aulsteigen ge- zwungen und tritt damit Abkuhlung und Kondensation ein. Ablandige Winde konnen dagegen nur wenig Regen bringen. Auf dieser Tatsache beruht auch die Regel. 43. Se la nube corre al mar e, del seren non dubitare, se dal mare corre al monte, čredi pur le pioggie pronte. Wenn die Wolken gegen das Meer ziehen, ist auf klares Wetter zu rechnen; wenn sie dagegen gegen die Berge ziehen, dann ist Regen zu ervvarten. 44. Scirocco si muove — tramontana la piove. Wenn Scirocco aufspringt, gibt es im N or den Regen. 10 Beim antizyklonalen Scirocco, der von S gegen N vordringt, stellen sich im N der Adria, wo der tiefe Druck liegt, Bewolkung und zuweilen auch Niederschlage ein, wahrend es im S noch heiter bleibt. Die Wetter- karte zeigt bei antizyklonalem Scirocco von S gegen N zunehmende Be- wolkung. 45. Se rannuvola su la brina , aspetta l’ acqua V altra /nattina. Wenn bei Reifbildung sich der Himmel umvvolkt, ist am nachsten Morgen Regen zu erwarten. Starke Reifbildungen treten nur bei hohem Feuchtigkeitsgehalt der Luft ein. Wenn sich dann noch Trtibung einstellt, so ist das ein Anzeichen, daB eine Depression in Ausbildung begriffen ist und daher Regenwetter' in Aussicht steht. 46. Molta pioggia abbatte gran vento. Star ker Regen driickt den Wind nieder. Ergiebige Niederschlage treten sowohl bei Scirocco als auch bei Borawetter gewohnlich beim groBten Tiefstand des Barometers, bei der Passage der Rinne tiefsten Druckes oder bei einer Verflachung der De¬ pression ein und ist dann immer ein Nachlassen des Windes zu erwarten. 47. Nuvole fatte a balta di lana vento da Oreco e da tramontana. Leichte Wdlkenballen sind ein Anzeichen fiir NE- oder Nordivind. Bei fallendem Barometer und leichtem SW ist das Auftreten von ver- einzelten lockeren Wolkenballen ein verlaBliches Anzeichen fur Bora. 48. La luna rriagna tutto. Der Mond fri/U alles (namlich die Wolken). Ein Sprichwort, auf das unsere Seeleute sehr viel halten, wie iiber- haupt der Mondaberglaube bei unseren Kustenbewohnern noch lange nicht ausgerottet ist. Eine auflosende Wirkung des Mondes auf die Wolken ist natiirlich ganz ausgeschlossen, da die Warmestrahlung des Mondes so ge ring ist, daB sie zur Veranlassung physikalischer Vorgange in der Atmosphare nicht in Betracht komrnen kann. 49. Luna colegada — marineri in pie, luna in pie — marineri colegai. Wenn der Mond sich legt, der Matros' sich erhebt, zur Ruh’ er geht, wenn die Mondsichel steht. Unter dem Liegen des Mondes ist hier jene Stellung der Sichel am Himmel gemeint, wenn die Rundung gegen den Horizont gewendet ist, also wenn bei zunehmendem Monde die Sichel am West-, bei abnehmendem am Osthimmel steht. Ein Zusammenhang dieser Mondstellungen mit 11 dem Wetter ist wie bei allen anderen vermeintlichen Beziehungen des Mon- des zur Witterung durchaus nicht erwiesen, es haben vielmehr sehr ein- gehende und muhsame statistische Untersuchungen — die aber natiirlich von Fach- und nicht von Mondmeteorologen angestellt worden sind — ergeben, daB kaum eine Špur von einem EinfluB des M o n - des auf das Wetter zu erkennen ist. Neue Wetterregeln. 50. Wolkenzug aus Nordost, Borawetter erwart ’ getrost. Hier sind nur die unteren und mittleren Wolken gemeint, und zwar die lockeren Haufenvvolken (Fractocumulus) und die groben Schafchen (Altocumulus), wahrend ein Ziehen der Cirri aus NE nicht als ein verlaB- liches Anzeichen fiir Bora anzusehen ist. Ist aber bereits bei Bora Aufhei- terung eingetreten und das Barometer in starkem Steigen begriffen, so ist fiir den nachsten Tag Abflauen der Bora und Einsetzen von NW zu er- warten, wenn auch die Fractocumuli noch rasch aus NE ziehen. 51. Wenn Oewitterwolken im Osten liegen, werden wir sicher Bora kriegen. Diese Regel gilt speziell fiir die kalte Jahreszeit und ist verlaBlich, wenn dabei das Barometer fallt und schwache, variable, meist SW-liche Winde wehen; im Sommer stehen Bildungen von Cumulonimbus iiber Land mit lokalen Warmegewittern im Zusammenhang, die gewohnlich am nachsten Morgen frischen E (mattinata) bringen, der gegen Mittag flaut und durch die Seebrise abgelost wird. 52. Niemals Bora zu erwarten steht, wenn im ganzeti Meer (Adria) Scirocco weht. Herrscht in der ganzen Adria durchziehender, gut entwickelter zyklo- naler Scirocco, wie ein solcher durch ein iiber Oberitalien situiertes Mini¬ mum hervorgerufen wird, so ist das Einsetzen von Bora sehr unwahr- scheinlich, da dann das Barometerminimum in der Regel iiber Ungarn gegen NE wandert. Nach der Passage der Rinne dreht der Wind bei starkem Regen gegen SW und folgt dann Besserung des Wetters. 53. Barometerfall bei frischem Nordwest, Borawetter erivarten lafit. Diese Regel gilt fiir den Winter. Gewohnlich stellt sich vor dem Ein¬ setzen der Bora Stratusbewolkung mit Zug NW—NNW und leichter Nebel ein. Die Bora bringt dann wieder Aufheiterung und empfindliche Abkiihlung. 54. Wenn Cirri sich zeigen und die Berge sind rein, die Bora wird bald zu Ende sein. 12 Sobald die ara Velebit lagernde Wolkenmauer verschwindet und die Konturen der Berge sichtbar werden — die Einheimischen sagen il tempo butta in dolce —, so ist das Abflauen der Bora in Kurze zu ervvarten. Das Erscheinen von feinen Cirren und Ci.-Cu. (weiBe Schafchen), zumeist mit Zug aus NE—NW, ist gleichfalls ein Anzeichen, daB die Bora zu Ende geht. 55. Wenn bei frischer Bora es tiichtig schneit, das Ende der Bora ist nicht mehr weit. Ergiebige Niederschlage, besonders starker Schneefall, treten ge- wohnlich in der letzten Phase zyklonaler Bora auf. Die zuvor eintonige Altostratusdecke wird allmahlich diinner, die Sonne beginnt als lichter Fleck langsam durchzuschimmern und mit dem Aufbrechen der Wolken ist auch bald das Ende der Bora gekommen. 56. Fliegt Cirrus rasch eitiher aus West, so ist’s mit dem schonen Wetter Rest. Vieljahrige Beobachtungen iiber die Radiationserscheinungen der Cirrus- und Cirrostratuswolken (Polarbanden) haben beziiglich der Wettervorhersage im Adriagebiete zu einem vollkommen negativen Re- sultat gefiihrt. Aus dem A ul treten schon entwickelter Polarbanden und der Lage ihres Radiationspunktes laBt sich kein sicherer SchluB auf das kommende Wetter machen, ja nicht einmal mit Sicherheit angeben, ob ein Wetterwechsel zu erwarten steht oder nicht. Dasselbe gilt fiir die so haufig im Cirrostratus auftretenden Streifungen und fiir die Wolken- wogen. Beziiglich des Zuges der Cirri laBt sich nur sagen, daB ein rascher Zug aus SW—NW auf ein Auffrischen des vorwaltenden Windes und auf eine Verschlechterung des Wetters hindeutet, wahrend die anderen Zugrichtungen ein mehr ruhiges Wetter in Aussicht stellen. 57. Wenn der Maestral nach Siidwesten dreht, das schone Wetter zu Ende geht. Unter Maestral sind hier die sommerlichen Seebrisen (WNW) ver- standen. Bleibt der WNW in den Nachmittagsstunden aus und kommen dafiir SW-liche Winde bei fallendem Barometer zum Durchbruche, wahrend vereinzelte sehr lockere Schafchen, die sogenannten Gewitter- altocumuli, sich ausbilden, so ist gewitteriges, boiges Wetter und darauf Sommerborin zu erwarten. 58. Eliegen Wolkenfetzen aus SE einher, Scirocco kommt gewi/j daher. Das Auftreten von lockeren Cumulusfragmenten mit Zug aus SE bis E zumeist des Morgens, wenn nach einer stark tauigen Nacht sich noch kaum ein Liiftchen riihrt, ist ein sicheres Zeichen, daB sich in wenigen Stunden frischer SE entwickeln wird. IS 59. Wenn bei flockigem Himmel der Luftdruck fallt, Sciroccoivetter sich sicher einstellt. Unter flockigem Himmel ist hier die Bildung von Altocumulus, das sind die groben unten beschatteten Schafchen zu verstehen. In den Zvvischenraumen ist noch der blaue Himmel zu sehen und werden an den Wolkenrandern bei Mondlicht oft farbige Ringe (irisierende Wolken) beobachtet. Ziehen diese Altocumuli aus SW und fallt gleichzeitig das Barometer, so ist das Einsetzen von Scirocco mit Sicherheit zu erwarten. 60. Ist der Weslen mit blumigen Wolken besdt, Scirocco and Regen zu erwarten steht. Wolkenbanke am Westhimmel mit herausbliihendem Cirrus und Cirrostratus sind ein Zeichen fiir Scirocco und Regen, besonders dann, wenn dimne Cirrusstreifen rasch gegen das Zenit emporsteigen. Solche Cirri haben oft die Form von Eisblumen (Cirrofilum), wie sie sich bei Frostwetter auf Fensterscheiben ausbilden und sind sie mit anderen Cirrusformen, die auf ruhiges Wetter hinweisen, nicht zu verwechseln. 61. Wenn rasch das Barometer bei Scirocco fallt, Aufklarung bei Nordwest sich baldigst einstellt. Das ist so ziemlich die beste und verlaBlichste Wetterregel fiir das nordliche Adriagebiet. Wenn zyklonaler Scirocco in voller Entwicklung ist und die Barographenkurve stark heruntergeht, so kann man mit Sicher¬ heit annehmen, daB die Rinne der Depression, die den Scirocco verursacht, nicht mehr weit ist. Nach einigen Stunden erfolgt dann zumeist bei starkem Regen und plotzlichem Abflauen des SE unvermittelt ein Umsetzen des Windes nach SW, wobei es im W rasch heitert. Der Wind dreht dann* bei steigendem Barometer gewohnlich weiter gegen NW und tritt damit eine durchgreifende Besserung ein. In dieser Weise vollzieht sich der normale Umlauf des Windes bei zyklonalem Scirocco. Zuvveilen findet aber eine Riickdrehung des Windes gegen ENE statt. Anzeichen hiefiir sind das Abflauen des Windes und Nachlassen des Regens, bevor noch der tiefste Barometerstand erreicht ist. Die Barographenkurve verflacht sich dann und zeigt einen langsamen Anstieg, sobald der ENE eingefallen ist. In der Nordadria ist dieses Umsetzen von Scirocco auf Bora nur ein Ausnahms- fall, der dann zur Beobachtung kommt, wenn der Scirocco im Norden nicht kraftig entwickelt ist. 62. Barometer stetig und ergiebig der Regen, wird’s bei Scirocco Nordwestwind bald geben. Bei flachen Teildepressionen, die sich mit geringer Geschvvindigkeit weiterbewegen, findet oft bei Erreichung des tiefsten Barometerstandes kein Umsetzen des Windes mit Aufklarung statt, sondern der Wind flaut 14 bei langsam sich verflachender Barographenkurve ab und kommt es dann zu sehr ergiebigen Niederschlagen. Erst wenn sich nach einiger Zeit ein entschiedenes Steigen des Luftdruckes einstellt, setzt NW-Wind ein und bessert sich dann das Wetter. 63. Wenn bei starkem Scirocco im Zenit es klart aaf, Regen und Boen folgen bald drauf. Bei frischem zyklonalem Scirocco tritt haufig kurz vor dem Voriiber- gang der Rinne Aufklarung ein; die bis dahin rasch aus SE bis S fiie- genden Fractocumuli und Fractonimbi sind verschwunden, nur am Hori¬ zont sind noch Wolkenbanke zu sehen, von denen sich in Luv weiBe Flocken loslosen. Die Luft ist schlecht sichtig und iiber dem Meer mit dichtem Wasserstaub erfullt. Gewohnlich nach ein bis zwei Stunden ist der Himmel wieder ganz bedeckt und steigt haufig vom W her eine Boen- wolke auf. Es folgt dann weiteres Auffrischen des SE und Regen bis die Rinne herangekommen ist, von SW oder W bricht plotzlich eine schwere kurz dauernde Bo herein und mit der nun folgenden Weiterdrehung des Windes gegen NW bessert sich das Wetter. 64. Zeigt die Luftdruckkurve Zacken, gibt es morgen Regenlaken, doch, wenn dabei die Bora weht , ein schoner Tag zu erwarten steht. Wahrend bei sciroccalem Wetter ein unruhiger Verlauf der Baro¬ graphenkurve Regen in Aussicht stellt, sind scharfe Zackenbildungen bei antizyklonaler Bora ein zuverlaBliches Anzeichen, daB am nachsten Tag Abflauen der Bora und heiteres Wetter bei NW-Wind zu ervvarten ist. 65. Niemals zum Sturme die Bora schivillt an, wenn die Luftdruckkurve steigt rasch hinan. Starker Anstieg des Barometers noch vor oder bald nach dem Ein- setzen der Bora ist ein Anzeichen, daB eine rasche Ausfiillung der die Bora verursachenden Depression stattfindet, daher ein rascher Ausgleich der Druckunterschiede und damit ein baldiges Abflauen der Bora mit folgendem NW wahrscheinlich ist. 66. Zeigt der Himmel Purpurlicht, Schiffer, trau dem Wetter nicht! Starkes Purpurlicht am Abend- oder Morgenhimmel bei leicht fallen- dem Barometer und Cirrostratusbildungen, wobei der ganze Himmel wie mit roter Glut iibergossen erscheint, laBt ftir den nachsten Tag oder auch schon in derselben Nacht Scirocco und Regen ervvarten, da dann die Luft hohen Feuchtigkeitsgehalt besitzt. 15 Das Vorstehende zusammengefaBt, haben wir als Anzeichen: a) Fiir das Einsetzen der Bora: Rascher Zug der unteren und mittleren Wolken aus NE; Gewitterwolken oder Wetterleuchten iiber den dalmatinischen Bergen bei Barometerfall und schwachem SW; NW-Wind bei fallendem Barometer und leichtem Nebel oder Stratus- bewolkung mit Zug aus NW (Winter); vereinzelte Wolkenflocken bei sonst heiterem ruhigen Wetter und starkem Barometerfall. Ein absolut verlaBliches Anzeichen fiir das Einsetzen von Bora gibt es nicht und kommt es genug haufig vor, daB schwere Bora einfallt, ohne daB im Himmelsanblick und an den Vorgangen am Himmel sich selbst fiir geiibte Beobachter irgend eine auffallige Veranderung bemerkbar ge- macht hatte. b) Fiir das Abflauen der Bora: Rascher Anstieg der Barographenkurve mit Zackenbildung; rasche Ausheiterung; ergiebiger Regen oder starker Schneefall; Schwinden der Wolkenmauer am Velebit, Sichtbarwerden der Berge vom dalmatinischen Hinterland; Auftreten von Cirren mit den Zugrichtungen NE—N\V; starke Schwankungen in der Windstarke, Urnlauf des Windes um die ganze Rose; Ubergang der Altostratusdecke in wulstartigen Stratocumulus; Bildung von Stratus lenticularis, das sind elliptisch geformte, scharf begrenzte weiBe Wolken, oft Schichtenlinien zeigend. c) Fiir das Einsetzen von Scirocco: Ausbleiben der sommerlichen Seebrise; Auftreten von Altocumulus und Stratocumulus mit Zug aus SW; rascher Zug der Cirren und der Cirrostratus aus SW—NW; Cirrostratus- und Altostratusbanke im W mit herausbliihenden Cirrusstreifen; rascher Flug der Fractocumulus aus SE—S; Wolkenhauben auf einzelnen Inseln und dalmatinischen Bergen (Ossero, Hum, Vipera usw.); starker Tau oder Reif; starkes Szintillieren der Sterne; sehr sichtige Luft, blaue Berge; intensives Purpurlicht am Morgen- oder Abendhimmel; Ansteigen des Mittelwassers, auffallige Klarung des Kiistenwassers. d) Fiir das Abflauen des Scirocco, u. zw. 1. antizyklonale Form: Abnahrne der Bewolkung und leichter Barometeranstieg; 2. zyklonale Form: starker Barometerfall und Zunahme der Niederschlage. Die hier von mir aufgestellten neuen Wetterregeln sind samtlich ein Ergebnis langjahriger Beobachtung der Witterungserscheinungen, wie sie in Pola vor sich gehen. Natiirlich darf man diese Regeln nicht als unfehlbar ansehen, denn die Auffindung von Gesetzen, nach denen sich die Wetterfolge mit mathematischer GewiBheit vollziehen wiirde, hat die praktische Meteorologie noch nicht zu leisten vermocht und so soli die Sammlung dieser Regeln auch nichts anderes bezvvecken, als den See- leuten fiir die Beurteilung des kommenden Wetters Winke zu erteilen, welche Witterung in der nachsten Zeit als am wahrscheinlichsten bevorstehen diirlte. Es wird natiirlich genug oft ganz anders kommen, aber es muB wohl bedacht werden, daB im Adriagebiete das Wetter- prophezeien mit Riicksicht auf die zumeist sekundaren Hoch- und Tief- druckgebilde, die hier das Wetter beherrschen, ganz besonders schwierig ist und selbst an der Hand synoptischer Wetterkarten bei groBer Ubung bisher durchschnittlich nur 77 % Treffer erzielt werden konnten. Mit dem Barographen allein und aufGrund vonWetterregeln werden Fehlprognosen natiirlich noch haufiger vorkommen, aber zuweilen wird man damit doch auch schone Treffer erzielen und dann zugeben miissen, daB das miih- same Beobachten vielleicht doch nicht ganz umsonst gewesen ist. NARODNA IN UNIVERZITETNA KNJIŽNICA