August 1912 Aathollsche Mjssionü-Tejrschrift der Sühne deK heiligsten Herzens Jesu. — «Srgan drK aNartrn-VereinS für Afrika. . ^ ^ Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den apostolischen Legen erteilt. Mit Empfehlung vieler hochwürdigster Bischöfe. Erscheint monatlich einmal und kostet jährlich mit Post 2 K — 2 Mk. — 3 Franken. IReöaktton und Administration: Missionshaus Miiiand bei Jßrtien, Tirol. ■■■■■■■— --------------Inhalt I ---------------------------------------------.......................-........ = St. Josef in Gulu. Die Seelsorge der Baganda (Schluß folgt) 169. — Gerechtigkeitspflege bei beit 9tsunt 173. — Eheschließung bei den Schillnk 176. — Altchristliches Negerkönigreich am Blauen Nil 178. — Unterhaltendes: Die Schrecken der Sklaverei (Fortsetzung) 185. — Verschiedenes: Ans Khartoum 189. — Empfehlenswerte Bücher nnd Zeitschriften 191. — Todesanzeige 192. Abbildungen: ... er zerlegt das Markstück in so viele Teile, als er Kühe haben will . . . — Ein Schillnkbnrsche. -- Der in eine christliche Kirche verwandelte „römische" Tempel int Wadi Quoted. — Der große Tempel von Messaunat el Naga als Beispiel nubischer Profanarchitektur. — Ruinen der christlichen Kirche von Soba bei Khartoum. — Bon der Widderallee zn Naga. Nubische Christengemeinden übernahmen die Lämmer meroitischer Tempel zur symbolischen Zierde ihrer Kultgebäude. Dem Memento der hochw. Missionäre und dem Gebete aller Leser werden folgende Verstorbene empfohlen: Der hochwst. Herr Fürstbischof Exzellenz Dr. Josef Altenweisel, gestorben am 25. Juni zu Deutsch-Matrei; Herr Josef Seeb, Altzbach, Oberösterreich. „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen!" Gebetserhörungei! nnd -Empfehlungen. Dem heiligsten Herzen Jesu, dcr lieben Gottesmutter, dem hl. Josef nnd besonders dem hl. Judas Thaddäus sür auffallende Erhörnng in einem schweren Anliegen. Empfehle mich zur gleichen Zeit, von neuem dem Gebete in einem anderen Anliegen. Eine Witwe bittet um eiu frommes Gedenken im Gebet, damit ihr das heiligste Herz Jesu auf die Fürbitte des hl. Antonius von Padua hin in ihrem vielen Kummer beistehe, desgleichen eine andere Witwe, um den Segen Gottes zu er» langen. Familie L. bittet um das Gebet in besonderem Anliegen. I prem *g$xiefäaften bex Msöcrkßion. I ji p. K. T. Hoffentlich wieder alles in Ordnung, nachdem Sie inzwischen den Brief erhalten. In dieser Stummer kann ich Ihnen ob des Verlustes Ihres herrlichen photographischen Apparates nur mein inniges Beileid aussprechen, nächste Nummer mehr. SSteiit Beileid ist um so aufrichtiger, als ich selbst die Folgen des Verlustes zu tragen habe, da die schönen Photographien eine Zeitlang ausbleiben werden. Für unsere p. E. österreichischen Leser. Seit 1. Juli 1912 ist das Briefporto im Verkehr zwischen Oesterreich-Ungarn und Aegypten sowie anglo-ägyp-tischen Sudan (unserem Misstonsgebiete) herabgesetzt worden, nnd zwar sind die Briefe von nun an geradeso zu frankieren wie im Jnlande, also bis zu 20 Gramm 10 Heller, Post- nnd Ansichtskarten 5 Heller„ beziehungsweise 5 Mm. nnd 2 Mm. von Aegypten und Sudan. Der Verkehr mit den Missionären ist dadurch bedeutend erleichtert. Haben-Devzeichriis Vorn 10. Juni Bis 10. Jul'r 1912 9Et Kronen. ©pferftocf: Brixen d. Th. C. 200; Erisried Pfr. SR. 12; Ettlingenweier Fam. L. 2'34: Hungerdorf Kapl. C. 11746; Lambach P. B. G. 22 (Antonius -Brot); Lasen Pfr. Sch. 10; Meran Dek. A. P. 20; Nikolsdorf I. K. 5; Prettau St. St. 100. Zur persolvierung von heiligen Messen sandten ein: Ahrweiler Frl. E. F. 22-82; Altkrautheim M. St. 11-16; Eggend erg Sr. B. W. 8; Eggenburg Fr. K. 3; Milland R. G I, B. 2; Münchm G. H. 3 51; Münstereifel Sr. Const. 64-64; Pflach K. Z. 4; Rocherten Chr. H. 4-82; Sacco B. Bar. B. F. 60; St. Ulrich D. H. 10; Schnotzing Fr. Sch. 10; Schwaz St. B. 62; Bornholz grain v. St. 39. Zur Taufe von Heidenkindern: Dentsch-Matrer Bcnef. W. 75 (für die Heidenkinder); Lambach D.H. P. A. 20 (Joses); O. L. R. 25 (Heinrich, Alois), giir die Mission: (Heidenkind) Lüsen Koop. W. 20. Bausteine für llhartoum: Ahrweiler Frl. E. F. 4-09; Lambach P. S3. G. 30; München G. H. P7ö. Briefmarken liefen ein aus: Brixen, Bozen, Bayern. Franzensfeste, Lüsen, Obernzell, @t. Andrä, Stuben, Wien. * * * „G Herr, verleihe allen unseren Wohltätern um deines Namens willen das ewige Leben!" ebraudbte Brief marken sammeln mm in allen NusntiMen nnd werden solche mit tjerj*» liehein „Nergelt's Voll!u non der Verrnallnng des Mishons« hanses in fflMIlanb bei Briten entgegengenommen. mößtlleßE kllihsllscheM§swnsMtschH dcrSo'gne ües heiltzstmherLMS Jesu' (Organ des Earien-Uereins für Afrika) ©sent vornehmlich her ^Unterstützung und Ausbreitung der /Idistionstätigkeit der Söhne des heiligsten Derzens Sefu und sticht Verständnis und werktätige Liebe des tMstionswerkes in Mort und Schritt zu fördern. Das Arbeitsfeld dieser /liMsfionäve ist der Sudan (Lentral-Afrika). Der „Stern der Neger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus Milland bei Brixen (Südtirol) herausgegeben. Hbonnementeprefe gnnzjiibrig mit Postverfendung TRr. 2.—, E. 2.—, jfr. 3.—. Der 5eilige Vater f topft Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segelt erteilt. Für die Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten non Brixen. Brünn. Leitmerih. Linz. Dlmütj, Marburg. Trient. Triest und Wien. 1bett S. August 1912. XV. Zadrg. St. 5ofef Ln Sulu. Die Seelsorge der Baganba. P. Vllsqu. Crassolara F. S. C. Die Baganda im britischen Protektorat von Uganda (Nil-Provinz) sind leider halbe Vagabunden oder doch auf dem besten Wege, es zu werden. Schon seit dem ersten Erscheinen der Europäer in Uganda haben sich ihnen die Baganda als Träger angeschlossen und begleiteten sie nach den entlegensten Landstrichen. Die meisten dieser Träger schließen sich ihren Auftraggebern vollständig freiwillig an, und zwar verpflichten sie sich vertragsmäßig auf eine ganz bestimmte Zeit, die sehr verschieden sein kann, von zwei bis drei Monaten bis zu sieben und mehr Jahren. Das Gros der Reisenden bilden Touristen, die für ein paar Monate hier bleiben, und Forscher, die dann wieder wegziehen, sodann Jäger aller Kategorien, die sich nach dem Kongogebiete begeben, wo es im wirklichen Zentrum von Afrika noch viel zu suchen und zu erforschen gibt. Während des Jahres, wo ich mich in Ornats d) am Ufer des Bahr-el-Gebel (Bergfluß) befand, hatte ich Gelegenheit, genug zu sehen und zu hören, wie es auf dem anderen Ufer im belgischen Kongogebicte der jetzigen Mongala-Provinz des auglo-ügyp-tischen Sudan zuging. Da konnten die Elefantenjäger ohne die geringste Belästigung von feiten der belgischen Regierung von ihrem Geschäfte leben und mit welchem Erfolge! Einen Begriff von ihrem Erfolge konnte man sich machen, wenn man bei Ankunft eines Regierungsdampfers inKobaweilte—amAusflussedesBahr-el-Gebel aus dem Albert-Nyansa gelegen. — Da werden jedesmal Berge von kostbarem Elfenbein verladen. Diese Elefantenjäger bleiben solange an einem Orte, als es dort noch etwas zu erlegen gibt. Ich kannte selbst einige, die sich schon zwei, drei Jahre und darüber an einem und demselben Orte befunden haben. Andere Reisende, Forscher und Touristen halten sich gewöhnlich nicht lange in einer Gegend auf, durchziehen aber deshalb um so weitere Gebiete. Was hier in Betracht kommt, sind die Träger und die Dienerschaft dieser Reisenden. Die Jäger, und hier macht selbst der anspruchsvolle Engländer keine Ausnahme, begnügen sich gewöhnlich mit 20—30 Trägern. Forscher und Touristen gehen aber weit darüber hinaus, das mindeste ist bei ihnen 80—100. Der Expräsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Roosevelt, kam mit 400 Trägern in Gondokoro an. Diese Träger sind fast ausnahmslos Ba-ganda, Katholiken, Protestanten, Mohammedaner und Heiden. Alle, soweit sie freiwillig ihren Auftraggebern folgen, ziehen das Wandern dem Verbleiben in der Heimat vor, weil sie als Träger besser entlohnt werden. Sie erhalten ungefähr das Doppelte, als sie in der Heimat verdienen könnten; allerdings ist auch alles, was sie brauchen, bedeutend teurer. Alle diese Baganda, seien cs nun Katholiken oder Andersgläubige, sind demnach in großer Gefahr, dem Vagabundenleben zum Opfer zu fallen, und das ist es, was unsere Hauptaufmerksamkeit auf sich zieht. In der Heimat waren sie vielleicht noch sehr brav — wir wollen hier nur die Katholiken berücksichtigen — und kamen ihren religiösen Pflichten mit Eifer nach; nun greifen sie zum Wanderstabe, kommen vielleicht in die entlegensten Gebiete des Kongostnates und bleiben dort ein paar Jahre. An Gelegenheiten, ihren religiösen Pflichten nachzukommen, fehlt es vielleicht gänzlich, hingegen befinden sie sich unter Heiden und beginnen nun bald wieder jenes Leben, das sie eventuell erst vor kurzem verlassen haben, von der anziehendsten Seite kennen zu lernen und die Folgen? Es wird zwar nicht so bald einer seinen Glauben über Bord werfen; aber Gleichgültigkeit in religiösen Sachen und gar manche Verirrungen sind wohl das Gewöhnlichere. Werden sie dann von ihrem Auftraggeber nach. Ablauf des vereinbarten Termins entlassen, so befinden sie sich in fremden Landen ohne Verdienst und meistens auch ohne Geld. Jetzt wird dann, um dem Hunger zu entgehen, ein neuer Reisender gesucht, was vielfach nicht schwer sein dürste; so geht es weiter, auch sieben bis acht Jahre. Endlich führt sie das Geschick nach Gondokoro, Nimule, Gulu oder Koba, sei es, daß dort das Reiseziel ihres Auftraggebers ist oder daß sie in der Nähe dieser Orte entlassen wurden. Sie kommen also an die genannten Plätze und finden zahlreiche Landsleute, bei denen sie sich eine Zeitlang aufhalten, solange es nämlich noch etwas zu essen gibt, wobei die Gastfreundschaft ihrer Landsleute herhalten muß. Manche finden in der Zwischenzeit an Ort und Stelle einen Dienst, andere verdingen sich wieder als Träger, nur wenige hingegen werden trachten, bald wieder in ihre Heimat zu gelangen. Anders verhält es sich bei jenen, die in großen Haufen direkt bis Gondokoro angeworben wurden; diese werden viel leichter wieder in ihre Heimat zurückkehren. Zn diesen Trägern kommen dann noch die Diener der hiesigen Beamten, die gleichfalls zum guten Großteil aus Baganda bestehen; mit ihren Herren hier angekommen, kehren sie gewöhnlich mit denselben auch wieder zurück. Bei den englischen Beamten ist diese Dienerschaft natürlich sehr zahlreich; der Regierungs-Vertreter, Kollektor oder Distriktskvmmissär zum Beispiel hat einige 80 Manu zu seiner Verfügung, wozu dann ans den Reisen noch eine hübsche Anzahl von Trägern kommt. Alles in allem lebt also in unserem Distrikte eine ziemliche Anzahl Baganda, allerdings nach Religion, Stand undBeschäftignng, beziehungsweise Nichtbeschüftigung bunt durcheinander gemischt. Es ist klar, daß wir uns der Katholiken unter ihnen tatkräftig annehmen mußten. Von den ersten Zeiten unseres Aufenthaltes in Uganda hatten wir auch mit diesen Baganda zu tun, befand sich ja unsere Station in nächster Nähe des Regierungspoftens und der Dampfschiffstation Koba am Albert-Nyansa— Koba ist nunmehr wegen der dort auftretenden Schlafkrankheit von der Regierung ausgegeben worden. Unsere Eindrücke über diese Baganda nach zirka einjähriger Bekanntschaft waren den oben erwähnten Umständen gemäß nicht gerade die besten. Unser Urteil: Sie haben durch das ewige Herumziehen an ihrem religiösen Bewußtsein und Pflichteifer starke Einbuße erlitten, wie es ja nicht anders denkbar ist, wenn einer für lange Zeit keine Gelegenheit mehr gehabt hat, seinen religiösen Pflichten nachzukommen. Diese Erfahrung haben wir seither immer machen müssen. Diese Baganda haben ihre eigene, von den Sprachen der hiesigen Eingeborenen grundverschiedene Sprache, wie sie auch gleich auf den ersten Blick durch ihren eigentümlichen, stark ausgeprägten Gesichtsausdruck leicht von den Eingeborenen zu unterscheiden sind. Diesen eigentümlichen Gesichtsausdruck haben auch die Bangoro und eine große Anzahl Atscholi sprechende Baganda, die, vor einigen Jahrzehnten von Ungoro herkommend, sich hier angesiedelt haben. Mehr der Wirklichkeit dürfte es aber entsprechen, wenn wir sagen, daß sie vielleicht schon seit Jahrhunderten, je nach den Umständen oder je nach ihrer Parteinahme für diesen oder jenen kriegführenden Häuptling, bald am linken, bald am rechten Ufer des Viktoria-Nils ihre Behausungen aufgeschlagen haben — Viktoria-Nil heißt der Nil vor seinem Eintritte in den Albert-Nyansa. — Diese Baganda sprechen vielfach die Sprachen beider angrenzenden Stämme der Ungoro und Atscholi; letzteres scheint ihnen aber geläufiger zusein und diesesind, nebenbei bemerkt, am besten für die Wahrheiten unserer Religion zugänglich; sie haben uns hier in Gulu schon manche stille Freude bereitet. Bei diesen obwaltenden Verhältnissen mußte von Anfang an das Studium der Baganda-sprache allen Ernstes ins Auge gefaßt werden. Es war das begreiflicherweise besonders das erste Jahr für die einzige Station in Omatsch eine große Bürde, wo wir ja unbedingt auch die Sprache der Eingeborenen lernen mußten. Augenblicklich sind wir im ganzen aus den ersten Schwierigkeiten heraus. Unsere Seelsorgstätigkeit bezog sich jedoch bezüglich der Baganda nur aus diejenigen, die in Koba wohnten und nach Aufgabe dieser Station von Seite der Regierung auf die nach Gulu übersiedelten. Koba war ungefähr 2^ Stunden von Omatsch entfernt; wir trachteten demnach von Zeit zu Zeit, wenigstens an Sonn- und Festtagen, dortselbst die heilige Messe zu lesen und den Katholiken Gelegenheit zum Empfange der heiligen Sakramente zu geben. Hier in Gulu geht die Sache schon bedeutend leichter. Die Katholiken sind nur eine halbe Stunde von der Missivns-station entfernt und können daher leicht jeden Sonntag zur Mission kommen, die heilige Messe hören und die Sakramente empfangen. Wir haben denn auch jeden Sonntag gegen 20 Baganda hier, die der heiligen Messe beiwohnen ; manchmal verdoppelt sich diese Zahl auch. Dieses Jahr hatten wir gegen vierzig Osterkommunionen. Wie gesagt, mußten wir uns bisher auf diese Baganda beschränken; was war aber mit den viel zahlreicheren katholischen Gemeinden in Nimule und Gon-dokoro? Selbstverständlich verloren wir sie nicht aus dem Auge. Aber erst diese Ostern konnte die Sache so geregelt werden, daß auch sie Gelegenheit hatten, ihre Ostern zu halten. Mit dem Besuche dieser Katholiken wurde schließlich ich betraut, obwohl ich nur das Allernotwendigsteihres Idioms verstand; vorerst war es eben nicht möglich, es anders einzurichten. Gern unterzog ich mich der Reise, einerseits wurde ja dadurch vielen katholischen Negern Gelegenheit geboten, vielleicht nach langen Jahren wieder einmal ihren religiösen Pflichten nachzukommen, andererseits konnte ich auch bei dieser Gelegenheit mit den verschiedenen Stämmen und Häuptlingen, die ich unterwegs berühren mußte, Bekanntschaft machen. Nun einiges über die Reise. Osterdienstag, der 9. April, wurde zur Abreise bestimmt. Noch Ostersonntag mußte ich das Bett hüten wegen Unwohlsein, verbunden mit Fieber. Ich hatte bereits Furcht, für Dienstag noch nicht reisefähig zu sein; weiteres Aufschieben der Reise war jedoch nicht ratsam, da es mich in die Regenzeit gebracht hätte, und das istdas Schlimmste auf einer Afrikareise. Doch, Gott sei Dank, der Dienstag fand mich bereits um 3 Uhr in der Früh reisefertig und es wurde auch alsogleich aufgebrochen. Es ging diesesmal zu Fuß. Zunächst kamen wir durch einen Wald und passierten zwei große Atscholidörfer des Häuptlings Latigo, endlich gelangte ich ungeheuer ermüdet an dein ersten Kamp bei Oryang an. Wir biwakierten am Fuße eines kleinen Hügels, der, von der Ferne aus gesehen, eine ganz bedeutende Höhe zu haben scheint; er erhebt sich nämlich ganz unvermittelt aus der Ebene und ist deshalb trotz seiner geringen Höhe (man braucht ungefähr eine halbe Stunde zur Besteigung) weithin sichtbar. Den nächsten Tag zogen wir am Fuße einer schönen Gebirgskette dahin; schon nach drei Stunden wurde das Feldlager aufgeschlagen, da ich schließlich den Trägern nachgeben mußte, selbst auf die Gefahr hin, morgen unter einer tropischen Sonnenhitze sieben Stunden zu Fuß wandern zu müssen. Hier traf ich zu meinem Staunen ein erst vor kurzem erbautes Dorf, das den Zweck hatte, dem müden Wanderer erfrischende Nachtruhe zu gewähren; so traf ich es von jetzt ab bis Gondokoro auf jedem Kamp. Zur Erklärung diene folgendes: Der englische Gouverneur des Uganda-Protektorats sollte auf seiner Durchreise durch sein weites Gebiet auch diese nördliche Provinz besuchen. Er wollte von Butiaba — Hafen am Albert-Nyansasee an der Ungoroküste — nach Nimule fahren, auf dem Bahr-el-Gebel, dann zu Saub nach Gondokoro und zurück, weiter über Gulu nach Foveira und nach Butiaba und per Schiff nach Kakindu, wo die neue Eisenbahn ihm wieder ihre Dienste anbot. Für ihn und sein Gefolge waren überall, wo er Halt machen sollte, wenigstens zwei größere rechteckige, lustige und sieben bis acht kleinere runde Hütten erbaut worden. Die Beamten und Häuptlinge wetteiferten darin, wer dem hohen, freundlichen (!) Herrn den Durchzug durch sein Gebiet am angenehmsten machen würde. Darum waren die Hütten für Afrika herrlich und die Straßen prächtig! Werweiß, ob es mir noch einmal vergönnt sein wird, unter so günstigen Bedingungen zu reisen. Am dritten Tage hatte ich also sieben Stunden zurückzulegen. Nach drei Stunden kamen wir an den Fluß Nyama, der gleichfalls von Gulu kommt, über den ich mich tragen ließ, da ich noch etwas wasserscheu war, was mir aber in Bälde vergehen sollte. Jenseits des Flusses erhob sich wieder das für den Gouverneur errichtete Dorf; wir gingen jedoch weiter und zogen durch einen großen Wald, der sich bis Nimule ausdehnt. Endlich erreichten wir auch unser heutiges Ziel. Unterwegs hatte ich verschiedene große Atscholidörfer passiert, die unter dem Häuptlinge Oliü stehen; die Einwohner waren sehr freundlich und zuvorkommend, Scharen von Kindern kamen herbeigelaufen, um mit mir zu plaudern. Der Häuptling selbst war gerade abwesend; er hatte sich nach Nimule begeben, um den Gouverneur zu begrüßen, der am 10. April in Nimule angelangt war. Nächsten Tages erreichten auch wir nach achtstündigem Marsche Nimule. Der Weg führte durch einen großen, aber nicht großartige» Wald. Es war Freitag. Neben den Baganda befinden sich hier anch noch drei gvanesische Katholiken, zwei Schreiber, einer mit Frau und Kind. Alsbald nach meiner Ankunft trafen viele Katholiken auf Besuch ein. Den nächsten Tag, Samstag, und Sonntag morgens kamen sie zur Beichte. Die zwei Schreiber hatten es übernommen, die nötigen Vorbereitungen für die heilige Messe am Sonntag zu treffen; sie entledigten sich dieser Aufgabe auf das beste und bereiteten mir dadurch wirklich eine kleine Überraschung. Mittels Zelttücher hatten sie im Freien eine Art Zimmer hergerichtet, die vordere Seite war offen. Mit Hilfe von Balken und alten Kisten wurde der Altar aufgebaut mit einem kleinen Aufbau darüber für die Leuchter. Das Ganze war mit einfachen, aber reinen weißen Tüchern überdeckt. Zur Seite des Altars war der ganze freie Raum mit Zweigen und Bäumchen ausgefüllt. Gleich vorne hatten sie ein Paar Stühle aufgestellt für sich und einen katholischen Kaufmann, der noch dazu gekommen war; weiter nach hinten, natürlich im Freien, konnten die Neger Aufstellung nehmen. Einer der Schreiber machte den Ministranten und entledigte sich dieses Amtes zu meiner vollsten Zufriedenheit. Gar mancher Ministrant in der Heimat hätte in jeder Beziehung von ihm lernen können. Ich war beim Anblick dieses herrlichen Feldaltares, sichtlich gerührt und fühlte mich während der ganzen Handlung lebhaft in die Heimat versetzt, wo gerade eine Fronleich- namsprozession abgehalten wird. Nach der heiligen Messe sah ich mich unwillkürlich um, mich zu überzeugen, daß ich noch in Afrika fei. Bei der heiligen Messe empfing der ältere Goanese als erster die heilige Kommunion, dann folgten die übrigen und 24 Baganda. Während der heiligen Handlung wechselten lateinische Meßgesänge mit Liedern in der Bagandasprache ab; diese letzteren konnte ich anfangs ganz und gar nicht verdauen, jetzt gefallen sie mir ganz gut. Überhaupt sind die Baganda für religiöse Lieder sehr begeistert und oft kann man hören, wie sie dieselben in ihren Mußestunden mit Aufmerksamkeit singen. An diesem Sonntage verteilte ich noch viele Rosenkränze, Medaillen und Skapuliere unter die Katholiken; einige ließen sich auch in die Bruderschaft vom Berge Karmel aufnehmen. Sodann erhielten noch drej Kinder katholischer Eltern die heilige Taufe; sie stammten von Deutsch-Ostafrika. Nächsten Morgen empfingen noch zwölf weitere die heilige Kommunion. Brauche wohl nicht erst zu erwähnen, daß ich sie in der kurzen mir zur Verfügung stehenden Zeit, so gut es ging, unterrichtete und verschiedene Zweifel und Schwierigkeiten löste. Es gäbe noch mehr ansässige katholische Baganda hier in Nimule; sie befinden sich aber gegenwärtig als Träger in Begleitung des Distriktskommissärs, der dem Gouverneur für einige Tage das Geleite gab. (Schluß sogt.) (Berecbttgkeitspüege bei den Biurih Wie bei fast allen Stämmen des Sudan, gehört auch bei den Aluru die Gerechtigkeitspflege zu den Hauptpflichten des Häuptlings und gerade diese gibt ihm neben seinen anderen Beschäftigungen am meisten zu tun. Handelt es sich bloß um eine Kleinigkeit: um eine Beleidigung, um einen kleinen Diebstahl, so ist die Sache bald erledigt; der Schuldige wird zu einer kleinen Geldstrafe verurteilt und beide Parteien sind befriedigt. Wenn auch in den meisten Fällen, in denen man seine Zuflucht zum Richter nimmt, die Angelegenheit nach dem Muster der eben erwähnten bald erledigt ist, so gibt es doch auch Fälle, die ziemlich verwickelt sind und in denen der Richter nicht nur das Urteil zu fällen hat, sondern auch untersuchen muß, ob der Beschuldigte wirklich schuldig ist; nicht selten hat er sogar zuerst noch den Schuldigen selbst ausfindig zu machen, da ihm nur das Verbrechen bekanntgegeben wird ohne Nennung des Verbrechers, der gänzlich unbekannt ist. Die letzteren sind die schwierigsten Fälle. Bei uns kann kein Urteilsspruch gefällt werden, wenn die Schuld des Angeklagten zweifelhaft Der Angeklagte muß einige Pillen, die „Ery-throphlaeum Guineense“ — ein starkes Gift — enthalten, verschlucken. Der Ankläger selbst muß sie ihm in den Mund geben. Natürlich geht man so nur in den schwierigsten Fällen vor, z. B. bei einem Morde u. dgl. Erbricht er die Pillen sogleich wieder, so ist er unschuldig und hat auf eine Entschädigung Anspruch, sei es in einem Geschenk oder in einigen Sklaven; erbricht er sie nicht, so ist er schuldig und stirbt infolge des Giftes. Häufig werden unter Zustimmung des Klägers Gegengifte angewendet; in diesem Falle muß der Angeschuldigte etwas mehr zahlen. Wird einer eines Diebstahls angeklagt, so begibt er sich mit dem Kläger zu einem Zauberer, der für eine entsprechende Entschädigung in Brot. Tabak oder sonstigen Naturprodukten sein Urteil fällt. Der Angeklagte muß sich je nach der Größe des Verbrechens einer Probe unterziehen. Ein Maiskorn oder ein Giftzahn einer Schlange wird ihm unter das obere Augenlid gesteckt; fällt der Gegenstand von selbst heraus, so ist der Angeklagte unschuldig, im anderen Falle aber schuldig. Der Zauberer entfernt jedoch nachträglich den Fremdkörper aus dem Auge. Ein bevorzugtes Mittel ist Wasser, das mit dem Safte einer Wurzel untermengt ist. Die Mischung wird im Gehäuse einer großen Schneckenart gekocht; durchbohrt das Wasser die Schale, so ist der Angeklagte unschuldig. So . . . er zerlegt Das /Ibarkstücft in |o viele Teile, als er "IRübe haben will ... (S. 177.) ist, wenn man den Schuldigen überhaupt nicht kennt; nicht so bei vielen Negerstämmen. Bei ihnen wird die Frage stets erledigt und, was die Hauptsache ist, stets nach Gesetz und Gerechtigkeit. Der Schuldige wird immer ausfindig gemacht und seine Schuld stets mit unwiderleglichen Beweisen erhärtet. Wie geschieht das aber? Hier ein Beispiel: Bei den schwierigsten Fällen nimmt man bei den Aluru sowie auch bei verschiedenen anderen Stämmen seine Zuflucht zu einem Gottesgericht, und zwar in Gegenwart des gesamten Stammes. beweist der Zauberer die Schuld oder Unschuld des Angeklagten, wenn er nur rechtzeitig von irgendeinerinteressiertenSeiteverständigtwurde. Wie leicht einzusehen,wird auf dieseWeisedie Unschuldhäufig verurteilt: da aber ein jeder diese Mittel für unfehlbar hält, so werden alle befriedigt, mit Ausnahme vielleicht des Verurteilten. Viel schwieriger ist die Sache, wenn das Verbrechen bekannt, der Verbrecher aber unbekannt ist. Der Neger aber läßt sich wegen einer solchen Kleinigkeit nicht aus dem Konzept bringen: der Schuldige wird unfehlbar gefunden. Wie aber? Eine Person ist verschwunden, aber niemand weiß, wie; also, urteilt der Neger, ist sie getötet worden, und zwar ganz bestimmt von einem Insassen des Dorfes, in dem man sie zum letzten Male gesehen hat. Der Großhäuptling, dem auch die kleineren Häuptlinge untertan sind, ruft jetzt den berühmtesten Zauberer, der weit und breit bekannt ist, und nachdem er ihm den Fall dargelegt hat, beauftragt er ihn, den Schuldigen ausfindig zu machen. Der Zauberer, der voller Begierde ist, sein gewinnreiches Geschäft auszuüben, ist natürlich auf das freudigste gestimmt, jetzt eine so günstige Gelegenheit zu haben, und schickt sich an, alles Notwendige zur Auffindung des Schuldigen vorzubereiten. Nachdem die Vorbereitungen erledigt sind, begibt er sich zum Häuptling des Dorfes, in dem sich der Schuldige befinden muß, und läßt sich eine Henne geben: nach allerhand Zeremonien und Weihesormeln läßt er die Henne eine vergiftete Pille verschlucken. Behält die Henne das Gift und geht daran zugrunde, so ist kein Zweifel inehr, daß der Verbrecher ein Untergebener des Häuptlings ist-, daher geht der Zauberer jetzt zu anderen Proben über, um auch die schuldige Person selbst zu entdecken. Wirft die Henne das Gift wieder ans, ohne Schaden zu nehmen, so sind die Bewohner des betreffenden Dorfes unschuldig an dem Morde; wer möchte daran noch zweifeln? Jetzt muß der Schuldige bei einem anderen Häuptling gesucht werden. Man begibt sich also in ein anderes Dorf und wiederholt die gleiche Zeremonie, bis man in ein Dorf kommt, wo die Henne das Gift behält und zugrunde geht und damit anzeigt, daß der Schuldige hier zu suchen sei. Jetzt ist man auf dem besten Wege: die Probe wird in jeder Fraktion oder in jeder Straße des beschuldigten Dorfes wiederholt, bis eine weitere Henne dem Gifte erliegt und anzeigt, daß der Verbrecher in dieser Straße Lin ScMluhtmvscbe. oder in diesem Teile des Dorfes wohne. Das gleiche wird jetzt in jedem Hause der betreffenden Straße getan und so die Familie ausfindig gemacht, deren jedes Mitglied sich jetzt der gleichen Probe unterziehen muß. Der Schuldige wird unfehlbar ausfindig gemacht und ist auch zu gleicher Zeit schon verurteilt. Wer könnte an seiner Schuld denn noch zweifeln? Ein Dutzend geopferter Hennen haben seine Schuld ja bis zur Evidenz erwiesen. Fürwahr, ein bequemes Mittel, sich einer mißliebigen Person zu entledigen! Eheschließung bei den Lehilluk. Mancher unserer Leser ist vielleicht der Ansicht, die Wilden von Zentralafrika lebten in so primitiven Verhältnissen, daß sie nicht einmal einen rechten Begriff vom Familienleben hätten. Das wäre gänzlich gefehlt; das Familienleben ist im Gegenteil für jene Gebiete ein sehr geregeltes. Der Ehebruch wird überall für ein schweres Verbrechen angesehen, das durch schwere Strafen in Rindern gesühnt wird, und zwar werden diese Strafen von den Häuptlingen auferlegt: dazu kommt noch die Privatrache des Beleidigten. Verlobung und Trauung sind durch herkömmliche Gebräuche bis auf das kleinste geregelt, bei den einzelnen Stämmen natürlich ans verschiedene Art. Um nur eines zu erwähnen, ist bei den Schilluk eine eheliche Verbindung unter Blutsverwandten geradezu etwas Unerhörtes; sogar die Ehe zwischen Personen des gleichen Dprfes ist verboten. Die Sitte verlangt, daß die Braut einem anderen Distrikte angehöre oder einer Gruppe von Dörfern, die unter einem ^anderen Häuptling stehen —- jeder Distrikt zählt ungefähr fünf bis sechs Dörfer. Und warum" das? Sie sagen, die Bewohner des gleichen Distriktes seien unter sich verwandt. Hat ein Jüngling die Augen auf ein Mädchen geworfen und möchte er sie zur Braut haben, so muß er zunächst mit ihrem Vater in Verhandlung treten; sollte der Vater bereits gestorben sein, so tritt der älteste Bruder der Braut an seine Stelle. Diese können leider bei den Heiden über die Tochter oder Schwester verfügen wie über eine Sache oder ein Haustier, die einen großen Wert darstellen. Ohne die Braut um ihre Zustimmung zu befragen, kann sie dem überlassen werden, der das meiste bietet, und sei es auch bereits ein gebrochener Greis. Der künftige Schwiegersohn darf jedoch nicht direkt mit dem künftigen Schwiegervater in Verhandlung treten, er muß sich vielmehr einer Zwischenperson bedienen, die ihrerseits zuweilen noch eine zweite Mittelsperson zu Hilfe nimmt, und diese zweite Mittelsperson begibt sich erst zum Vater der erlesenen Braut. Die Hauptsache ist jetzt, das Brautgeschenk zu bestimmen, das, wie gesagt, vom Bräutigam erlegt werden muß. Es wird um den zu zahlenden Preis verhandelt. So wird es wenigstens bei den Schilluk, Nuor, Denka, Djnr, Alnru, Atschioli, Golo und noch einigen anderen Stämmen gehalten. Wo das Geld und dessen Gebrauch unbekannt ist und wo der einzige Erwerbszweig die Viehzucht ist wie bei fast allen der oben erwähnten Stämme, wird der Preis in einer bestimmten Anzahl von Rindern festgesetzt. In einigen Gegenden des Kongo, wo die Produkte europäischer Industrie leichter zu haben sind, hat auch das Brautgeschenk einige Änderungen erfahren.* Nach langem Hin- und Herreden kommt man endlich zu konkreten Vorschlägen, die zuerst vom zukünftigen Schwiegervater gemacht werden, der nach reiflicher Überlegung, nach vielen langgezogenen „Puh" und zahlreichen „Ehm" sich auf einem freien Platze inmitten des Dorfes niederläßt, sich das Mark eines Schilfrohres bringen läßt und dasselbe in so viele Teile zerlegt, als er Kühe für die Ab- * Hier als Beispiel den Preis einer Fran bei den Ngombe: 10 Mark in Geld, 5 Schafe und 5 Hunde, 2000 Geldstücke aus Eisen, je 12 Hemden, Hüte und große Messer, 5 Schirme und 5 Lampen, 12 Umwurftücher, 6 Decken, 5 Kuhglocken, 5 Hämmer, 12 Feilen, 24 kleinere Messer, 12 Gabeln, 10 Teller, 4 Päckchen Nähnadeln, 5 schwarze Röcke, 5 Jacken, 3 Hosen und eben so viele Hosenträger, 4 Kisten Kognac oder 2 Füßchen Rum, 4 Harmonika, 7 Paar Schuhe, 3 große Spiegel, 12 Trinkgläser, 4 Paar Ohrringe, 6 Ringe, 21 Fläschchen verschiedenartigsten Parfüms, 5 Flaschen Haaröl, 10 Geschirre aus Eisen, 5 Messingtöpfe. Außerdem noch einige Tiere, wie Antilopen und so weiter, je nach der Übereinkunft. tretung seiner Tochter verlangt (siehe Abbildung Seite 174). Für gewöhnlich schwankt. die Zahl zwischen 8 und 12 und bei den Nuör zwischen 25 und 30. Manchmal wird eine Kuh auch durch 30 Schafe oder Ziegen ersetzt. Nachdem er sodann die Teile gesammelt und sie mittels eines Strohhalms zusammengebunden hat, übergibt er sie der zweiten Mittelsperson: diese gibt sie der ersten weiter und von dieser erhält sie erst der Bräutigam. Ist dieser mit den Bedingungen einverstanden, so schickt er das Päckchen, wie er es erhalten, auf dem gleichen Wege dem Schwiegervater zurück und das „Geschäft" ist damit erledigt; Zeugen sind die Mittelspersonen. Für gewöhnlich aber findet der Bräutigam, daß seine Erwählte nicht so viel wert sei, und er macht dann einen Gegenvorschlag, welcher natürlich geringer ausfällt. Er entnimmt dem Päckchen in diesem Falle so viele Markstücke, bis noch so viele vorhanden sind, als er bereit ist, zu zahlen: so schickt er dann mittels der Zwischenhändler das verringerte Päckchen zurück. Ist man endlich handelseinig geworden, so wird der Bräutigam int Vereine mit allen Jünglingen seines Dorfes zu einem Trinkgelage eingeladen: die „Mogo" (Negerbier) zu diesem Gelage muß die Braut mit ihren Freundinnen herrichten. Jetzt erst kann der Bräutigam mit der Abzahlung der Kühe beginnen. Ich sage beginnen, da es höchst selten der Fall ist, daß er gleich über ein halbes Dutzend Ochsen und Kühe verfüge. Hat er etwas mehr als die Hälfte des vereinbarten Preises erlgt, so wird ihm für gewöhnlich die Braut übergeben, und zwar mit der ganzen Feierlichkeit, die mau zu entfalten imstande ist. Selbstverständlich geht es nicht ohne „Mogo", Gesänge und Tanzunterhaltungen ab. Mit der Übergabe der Braut beginnen aber fast immer die Streitigkeiten zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn. Einmal im Besitze seiner Frau, denkt letzterer nicht mehr daran, die restliche Schuld zu begleichen, oder eine der letztentrichteten Kühe geht zugrunde. Daher der Streit zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn, der entweder nicht zahlen kann oder nicht zahlen will. Die Folge ist, daß der Schwiegervater bei einer günstigen Gelegenheit, trotz Widerrede und Drohungen von seiten des Schwiegersohnes, seine Tochter wieder heimführt. Es folgen neue Vorschläge, neue Versprechungen, immer wieder vermittels der Zwischenpersonen, da die Schwiegersöhne es vermeiden müssen, mit den Schwiegervätern zusammenzutreffen. Das Ende der Unterhandlungen ist ein halbwegs, annehmbarer Friede, der nach Gott weiß wie langen Verhandlungen durch eine weitere teilweise Abzahlung erreicht wird. Es läßt sich nicht bestreiten, daß dieses System von Eheschließungen vieles Unangebrachte in sich birgt, da es dadurch vielen Jünglingen unmöglich wird, ihren Stand zu ändern, und Veranlassung zu großen Feindseligkeiten gibt, die sich von Vater auf Sohn vererben. In der Tat werden noch viele Kämpfe ausgetragen wegen irgendeiner Kuh, die ein schon längst gestorbener Ahne nicht entrichtet hat. Trotzdem muß man gestehen, daß diese Sitte auch ihr Gutes hat. Wie leicht einzusehen, bildet ein zahlreicher Kindersegen, besonders wenn es Mädchen fini), für die Familien einen großen Reichtum, daher werden die Kinder nicht ausgesetzt oder den Raubtieren zum Fraße überlassen; die Mädchen werden infolge dieser Sitte auch sorgsam behütet, da eine entehrte Jungfrau viel von ihrem Werte verliert. Während so die Feierlichkeiten bei der Verlobung und Verehelichung dieselben weit und breit bekanntmachen, so daß sie nicht so leicht gelöst werden können, wird andererseits der Gatte wegen des erlegten hohen Preises verhindert, seine Frau in ihr Dorf zurückzuschicken. Bei den Heiden ist die Frau so viel wert, als sie gekostet hat: I Schutz in einem heidnischen Gebiete, wo nur d. h. sehr viel. So beschützt also diese der Egoismus herrscht, sonst kaum so gut Sitte das Familienleben, das sich ohne diesen halten könnte. p. jp c. HltcbriftUcbes Regerkömgrcicb am Blauen IRtL* 1 von /Ißgsr. G. M. IRautmann. Wo die tiefklaren, azurfarbenen Gewässer des Bahr-el-azrak, des „Blauen Flusses", sich den milchtrüben Fluten des Weißen Nil vermählen und im Gefolge dieses „Meeting of the waters“ ein wirres, groteskes fanatischen Mahdi, der am 2. September 1898, dem Tage von Omdurman, Reich und Leben verlor. Und schon naht den Schienenstrüngen der Stadt des „Elefantenrüssels", denn so, Khartoum, hatte ihr erster Erbauer sie gr= Der in eine cbristticbe Mrcbelverwandelte-,,römische" Tempel in TKflaöi Gluateb. Gemisch von Rassen und Stämmen zusammenführen, vom Bantuneger, Nubier und Fellah, vom semitischen und hamitischen Sohne der Wüste zum Abessynier,Levantiner und Europäer, dort vollzieht sich seit wenig mehr als einem Jahrzehnt das wundersamste Schauspiel modernen Städtebaues: die Entstehung des afrikanischen Babel. Noch bleichen dieGebeine vonAbertausenden von Derwischen neben den Resten ihrer primitiven Waffen im gelben Glutsand Kerreris, bluten Wunden zahlloser Anhänger des 1 Mit gütiger Erlaubnis der Redaktion entnommen der Zeitschrift „Der Aar", 1. Jahrgang, 1. Heft. Siehe S. 191. tauft, der eiserne Weg vom Goldlande Ophir her durch das Herz der Urwälder und durch die Bergriesen des schwarzen Erdteiles. Kein Spatenstich wäre von Mohammed Ali erfolgt, hätte er ahnen können, daß einst die Rotröcke sein Erbe antreten würden. Staunend jedoch würde heute der kleine Mazedonier und Begründer der jetzigen khedivialen Dynastie gewahren, wie sich unter dem starken Schutz englischer, nominell ja auch ägyptischer Kanonen die Arme der dereinstigen Hauptstadt Ganz-Afrikas aus den mahdistischen Trümmern bereits weithin über ein Gebiet hinausrecken, das noch gestern unbestrittene Domäne von Ibis, Marabu und Flamingo gewesen. Bezeichnend für das schnelle Wachstum Khartonms ist auch die allmähliche Verdrängung des heiligen Tieres der Ägypter, des großen Suchos. Bronzenfarbene Berberknaben schlummern auf dem von ihm verlassenen Terrain im Schatten von Senfbäumen und Zuckerhaltigen Asklepiaden am Rande indischer Villegiaturen oder palmenbestundenen Kais. Seine Sonnenbänke hat der schläfrige Gast weiter südwärts verlegen müssen, nach Sennür die Church Mission Society beherbergt, ist längst kein vorgeschobener Posten mehr. Aber es bildet den klassischen Stützpunkt zur Erfüllung einer Ehrenpflicht katholischer Missionstätigkeit,zur Wiedergewinnungzentralafrikanischer Neger. Hier, an den Ufern des Blauen Nil wie in den Steppen Kordofans und den Gebieten von Dongola und Nubien, lebten schwarze, christliche Völker zu einer Zeit, wo uniere Vorfahren noch Heiden waren; Der große Tempel von Aessaunat et IRaga als Weilplel nubifcber Profanarchitektur. am Blauen und in die Umgebung der Insel Abba am Weißen Fluß und zur Nilflut erscheinen zuweilen noch Krokodile vor den Toren der Stadt. Vorteile brachte die neue Entwicklung allen, insbesondere den Kulturträgern des Evangeliums, den Missionären, die schon früher einzeln neben den Pfadsuchern der Wissenschaft den Nil entlang ins Innere vorgedrungen waren und Stationen errichteten. Khartoum selbst, welches neben einem Hauptsitz der katholischen zentralafrikanischen Mission die American Mission sowie hier blühten christliche Negerkönigreiche, lange bevor Bonifazins die Donnereiche füllte, und dieses Christentum, das höchstwahrscheinlich bis nach Darfur hinüber und in die Gegend des Tschad Verbreitung fand, erhielt sich, während alles ringsum dem Fanatismus des Islam erlag, tief ins Mittelalter hinein! Neue Funde lenken von Zeit zu Zeit die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf die verschwindenden Denkmälerreste des altchristlichen Jnnerafrika. Großes Aufsehen erregte im Anfang des vorigen Jahrhunderts die Kopie einer Inschrift, welche der französische Erforscher Nubiens, F. L. Gau, aus dem malerischen Tempel. des alten Talmis, dem heutigen Kalübsche, 50 Kilometer südlich ber Insel Philä, mitbrachte. Der Tempel war ursprünglich dem nnbischen Gott Mandulis geweiht und wurde in eine christliche Kirche verwandelt, ein Umstand, dem er, wie so viele der hervoragendsten Pharaonischen Monumente, seine verhältnismäßig gute Erhaltung verdankt. Unter den Inschriften der Säulenschranken und Säulen liest man noch heute die in barbarischem Griechisch geschriebene Denkschrift des christlichen Nubierkönigs Silko aus dem fünften Jahrhundert. Er nennt sich darin Basiliskos der Nomaden und Äthiopier und rühmt sich seines Sieges über die Blemyer, einen Bedninenstamm, als dessen Nachkommen man die unter dem Namen Bega zusammengefaßten afrikanisch-hamitischen Beduinen zu betrachten hat, die heute die Wüsten zwischen Abessynien, Nubien und dem Roten Meer bewohnen. „Nun bin ich ein Basiliskos geworden," sagt der christliche Mohrenkönig unter anderem, „nicht nur folge ich nicht den anderen Königen nach, sondern ich schreite an ihrer Spitze. Die mit mir streiten wollen, lasse ich nicht in Ruhe in ihrem Laude, bis sie mich um Vergebung bitten. Denn in der Ebene bin ich ein Löwe und in den Bergen ein Wolf." Er schreibt Gott seinen Sieg zu und ließ die Unterjochten bei ihren Idolen schwören und glaubte ihrem Eid, „da sie gute Menschen waren". Seit der Entdeckung dieser wichtigen Inschrift, welche den Scharfsinn eines Niebuhr, Letronne, Lepsius und anderer herausforderte, kamen zahlreiche Kleindenkmäler des nubischen Urchristentums ans Licht, Grabschriften von Bischöfen, Priestern und Gläubigen, Tempel-inschriften und ähnliches. Ein großes Rätsel gab eine ganze Klasse christlicher Steintexte ans, die zwar in griechischen Lettern mit einigen Zusatzbuchstaben abgefaßt waren, aber bis auf griechische Lehnworte eine unbekannte Sprache redeten. Ich habe, wie so viele andere, als junger Student vergebens versucht, an den von der Lepsiusschen, 1842 bis 1845 durchgeführten grundlegenden Expedition für die Berliner Museen gesammelten Exemplaren mir archäologischen Lorbeer zu verdienen; die Sprache dieser altnubischen Literatur ist bis ans den heutigen Tag ein Rätsel geblieben. Nur soviel steht fest, daß sie nichts mit den Bedjadialekten zu tun hat und andererseits mit der Nubasprache verwandt ist. Die Berliner Gelehrten Heinrich Schäfer und Karl Schmidt haben hervorragende Verdienste um diese Feststellung, die von doppeltem Wert für die Wissenschaft ist, da sie die erste Etappe zur Entzifferung zweier weiterer nubischer Schriftensysteme bedeutet, nämlich der meroitischen Kursive und der nubischen Hieroglyphenschrift. Im Verein mit Funden, die während meiner Ausgrabungen in der Menasstadt gemacht wurden, wirft die Entdeckung eines weiteren, größeren Schriftdenkmals jener unbekannten altchristlichen Sprache neues Licht auf das Urchristentum Nubiens. Vor wenigen Jahren fanden Beduinen im Gebirge bei Edfu in Oberägypten eine Serie alter Handschriften, die in einem rohen Steinkoffer verwahrt lagen. Unter den koptischen und griechischen Manuskripten des Fundes, der von Herrn Rustafjaell erworben und zum Teil 1908 dem British Museum verkauft wurde, befanden sich auch nubische Texte, deren Entzifferung zwar bisher nicht gelang, deren einer aber eine Miniatur von hohem kunsthistorischen Wert enthält, nämlich das Bild eines bewährten Reiterheiligen vom Mohrentyp, zu dessen Füßen ein Nackter schutzflehend naht. Auch ohne die griechische Aufschrift würde man in dem Dargestellten den großen Patron der altchristlichen Ägypter, Sankt Menas, erkannt haben, dessen heilige Stadt in der Wüste mit ihren Basiliken und Palästen uns wiederzuentdecken und in ihren bedeutsamsten Bauten auszugraben vergönnt war. Das Bild im nubischen Kodex zeigt nicht nur den Wegs welchen die über die ganze damalige Kulturwelt ausgebreitete Menasver-ehrung den Nil entlang nahm. Bei weitem wichtiger ist der erneute, evidente Nachweis von Beziehungen zwischen den christlichen Negern und Alexandrien, also zur jakobitischen j Urkirche. Diesen Nachweis stützen zahlreiche in der Menasstadt aufgefundene Pilgerampnllen mit dem Menaskopf in der Form des Neger-busto. Sie wurden in den Eulogienfabriken am Karm Abu Mina ausdrücklich für den Bedarf der schwarzen Rasse geprägt und stammen zum großen Teil aus der Zeit der ersten Blüte des Menasheiligtums im vierten Jahrhundert. Die Christianisierung der „Hundsgesichter" wie man die afrikanischen Neger zu nennen pflegte, wird von der Tradition bis auf die apostolische Zeit zurückgeführt. Eine Illustration findet sie in einer der Darstellungen des sogenannten Markusthrones, jener herrlichen Elfenbeinkathedra, die aus Alexandrien nach Konstantinopel gewandert war und von da als Geschenk des Kaisers Heraklius in einen Winkel der Adria, nach Grado. Das mailändische archäologische Museum int Castello di Porta Giovia besitzt einige Zierplatten dieser kostbaren Kathedra, darunter ein Menas-bild sowie eine Serie von Szenen aus dem Markusleben. Eine derselben zeigte den Evangelisten vor den Toren Alexandriens, wie er einem durch phantastische Haaunache und vornehme Kleidung ausgezeichneten Negerfürsten die Heilige Schrift auslegt. In seinem offenen Buche stehen die griechischen Worte: „Anfang des Evangeliums Jesu Christi." Vier weitere die gläubige Gemeinde vertretende Personen scheinen unter beteuernden und schwörenden Gesten die neue Wahrheit zu bestätigen. Bei der raschen Ausbreitung des Christentums im Niltal, wo es schon im zweiten Viertel des dritten Jahrhunderts nicht weniger als dreiundzwanzig Bischöfe gab, war das Vordringen der neuen Religion in die Negergebiete eine Notwendigkeit, die ohne weitere Missionierung schonGrenzgruppen, Karawanenleute und namentlich die Nilschiffer vermittelten, die damals einen, trotz der Katarakte, vorzüglich organisierten Dienst eingeführt hatten. Dazu kamen unter der systematischen Verfolgung Diokletians Flüchtlinge, denen die nubischen Nilinseln und das Gebiet der Blemyer Sicherheit Boten. Es ist also kaum eine Übertreibung, wenn Bar-Hebranus berichtet, zu Zeiten Konstantins des Großen habe die neue Lehre nicht allein in ganz Ägypten Eingang gefunden, sondern auch im Sudan, Nuba und Abeffynien. Dabei deutet alles darauf hin, daß namentlich der fruchtbare Strich zwischen dem zweiten und vierten Katarakt frühzeitig stark von Christen durchsetzt war, obwohl die heidnischen Blemyer das Gebiet in Schach hielten. Die Ruinen christlicher Kirchen und Kapellen zeugen deutlich genug, daß die großen Etappenwege des Handels identisch waren mit den Hanpt-stationen des Christentums in jenen Gegenden. Betont andererseits Olimpiador, welcher den nördlichen Sudan zwischen 407 und 427 bereiste, ausdrücklich, daß die Blemyer Heiden seien, so ist damit nur die Vorherrschaft eines heidnischen Volkes konstatiert, die, wie wir sahen, noch int 5. Jahrhundert von dem christlichen Negerkönig Silko gebrochen wurde. Nicht lange später stürzte Narses auf Justinians Befehl die Götter von Philä und schloß den Jnseltcmpel der Isis. Ja, ein politischer und kirchenpolitischerZnsammenhangbeider Aktionen, der Kriege des Negerkönigs und Narses Vorgehen, wird durch die Erzählung wahrscheinlich gemacht, die Bar-Hebranus in seiner Kirchengeschichte über den Anteil der Kaiserin Theodora an der Bekehrung der Nubier mitteilt. Der wahre Kern der Erzählung ist aber, daß die Nobaden (Nubier), an die der Kaiser sowohl als die Kaiserin eine Gesandtschaft richteten, der jakobitischen Kirche, der Mutterkirche des hl. Markus, sich anschlossen, beziehungsweise treu blieben. Silkos Nachfolger hieß Eispanomos, unter besten Regierung die nubischen Tempel von Taphis (Tefu), Pselchis (Per-Selket-^Hwls der Göttin ©eiset, das heutige Dakke), Wadi Es-Sebna, Amada (dem Sonnengott Ra-Harachte geweiht) und vor allem der große Tempel von Abu Simbel in Kirchen umgewandelt wurden. Eine Inschrift in dem Tempel von Dendür, der verschiedenen Gottheiten, darunter zwei vergötterten Privatleuten, gewidmet war, stammt von einem Presbyter Abraham und besagt, daß hier auf Befehl des nubischen Königs Eispanomos in der Kirche ein Kreuz errichtet wurde. Silkos und wüteten, wagten sie es nicht, die Nubier zu reizen, geschweige denn zu „bekehren". Ja, im Jahre 737 erschien der Negerkönig Kyriakos und plünderte das Land zwischen Assuan und Misr (Kairo), um den verfolgten Kopten zu Hilfe zu eilen. Als der Gouverneur der Hauptstadt vernahm, daß Kyriakos, der Oberkönig von dreizehn Königen, mit hunderttausend Kamelreitern und ebensovielen auf Pferden Berittenen nahe, gab er klug bei und wandte sich an den koptischen Patriarchen um Vermittlung. Der jährliche Tribut, den die christlichen Könige dem Kalifen, bezw. dessen Stellvertreter zu leisten hatten, bestand aus ungefähr vierhundert Mann. Häufig kam es zu Streitigkeiten darüber, so im erstenViertel des neunten Jahrhunderts unter König Zacharias, der 14 Jahre im Rückstand blieb. Er siel aber mit der Erstarkung des Negerreiches bald ganz fort. Ihre höchste Blüte erreichten die christlichen Negerreiche Afrikas um die Wende des ersten Jahrtausends. Nach Jaküt führte der in Dongola residierende König den Titel „König von Mukurra und Nubia", wohl im Gegensatz zu den nicht minder bedeutenden Königen von Aloa, von denen noch die Rede sein wird. ®ic Provinz Mukurrü erstreckte sich vom modernen Koroško, dem Hauptort des gleichnamigen, das Niltal von Schaturmu bis Faras umfassenden nnbischen Kreises zur Felsmaste des Djebel Barkal, des „heiligen Berges", zu dessen Füßen das alte Napata lag, einst die Residenz eines äthiopischen Königreiches. Vansleb zählt in dieser Provinz sieben Bischofssitze, außer Dongola noch Korti (50 Kilometer von Meroe, am linken Nilufer), Kasr Jbrim (Primis), Bujaras, Sais (Grabstein des Bischofs Jesou im Museum von Khartoum), Termus (Darmns), Suenkur. Der Armenier Abu Salih, dem wir neben Makrizi die besten mittelalterlichen Nachrichten über IRutnen der christlichen IRfrcbe von Soba bei Ikbartoum. seiner ersten Nachfolger christliche Residenzstadt war Alt-Dongola, Dongola-el-Agüze, an deren Stelle später, 120 Kilometer abwärts am linken Nilufer, Nen-Dongola (el-Orde) getreten ist, das heute als eine der Provinzialhauptstädte des englisch-ägyptischen Sudans blüht. Als im Jahre 640 Ägypten in die Gewalt des Islam siel, war die Position des christlichen Negerreiches eine äußerst gefährdete. Trotzdem hielten sich die Schwarzen infolge von diplomatischen Verträgen und eines jährlichen Tributs. Während die Mohammedaner mit Feuer und Schwert gegen die Christen das christliche Ägypten verdanken, erwähnt zahlreiche Kultgebäude in diesem Distrikt. Zunächst das „Kloster Safanüfs, Königs von Nubien" unterhalb von Wadi Haifa, das Kloster des Michael und Kosmas, „groß und weit im Besitz von einem Sykomorenbaum", dasjenige von Dero, in dessen Nähe zwischen zwei großen Bergen ein alter Tempel liege. Ferner eine kirchenreiche Stadt Bauiaku mit einem Schenütekloster und einer Goldmine. Nach Abu Salih huldigten die Nubier ursprünglich dem Sternendienst. Der erste, der Christum bekannte, war Wahrste, ein Schwestersohn des Königs. Alle Schwarzen folgten ihm und er errichtete für sie viele Kirchen im ganzen Lande Nubiens und zahlreiche Klöster, die noch blühen. Er rühmt die Schönheit und Größe der noch in ihren Trümmern vorhandenen Marienkirche von Jbrim, ans deren Kuppel ein großes Kreuz prangte. Die Stadt wurde bekanntlich im zwölften Jahrhundert von einem Bruder Saladins völlig zerstört. 700.000 Nubier und 700 Schweine sollen damals in die Hände der Muslims gefallen sein, deren Befehlshaber jenes Kreuz herabholen und verbrennen ließ, während ein Muezzin von der Höhe der Kirche herab zum Gebete rief. Auch die Kirche von Termus war ein bedeutendes Bauwerk. Sie lag direkt am Nil und besaß ein Gemälde des „großen Königs" und des Gouverneurs der Stadt. Unter ersterem ist Georg, der Sohn des Königs Zacharias, zu verstehen. Er war als Greis dargestellt auf einem elfenbein- und goldgezierten Ebenholzthron, mit der von einem goldenen Kreuz überragten Königskrone. Der zweite Hauptsitz christlicher Mohrenkönige war Aloa am Blauen Nil. Das Negerreich von Aloa mit seinen annähernd vierhundert christlichen Kirchen scheint noch bedeutender gewesen zu sein als dasjenige von Dongola. Dem Besucher Khartoums, in dessen unmittelbarer Nähe die alte Hauptstadt Soba lag — sie diente leider und selbstverständlich Jahrzehnte hindurch als Steinbruch für die moderne Stadt — wird im Garten des Re-fidenzpalastes eine große Steinfigur, das „Lamm von Soba", gezeigt, das der von den Mahdisten ermordete Gordon aus denTrümmern Sobas gerettet hatte und in seinem Garten aufstellte. Ein deutscher Gelehrter, der Ägyptologe Johannes Dümichen, hatte in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als erster das alte Soba entdeckt und die Figur jenes Lammes gesehen, auf deren Basis er in hieroglyphischer Schrift den Namen Alnah las. Die Ruinen von Soba liegen am Ostufer des Blauen Nil, dreizehn englische ■k.M - ’ ' ' ' ■"ins lt)on öer Widder-Allee zu IRaga. (Nnbische Christengemeinden übernahmen die Lämmer meroitischer Tempel zur symbolischen Zierde ihrer Kultgebäude.) Meilen von Khartoum. Die Reste einer Basilika, Säulentrommeln und einige Kapitelle sind das einzige, was Dümichen und andere in neuerer Zeit, namentlich Colonel Stanton, aus dem Schutt hervorzogen. Die Tradition erzählt von einer großen Ziegelsteinbrücke, die hier über den Blauen Nil führte, hinüber zu einem weiteren Teile der sehr ausgedehnten Stadt, der den Namen Aloa führte und etwa die Rolle des heutigen Khartoum spielte. Hier stand eine der monumentalsten Kirchen des Königreiches, dessen Kultbauten sich weit den Blauen Nil hinauf erstreckten. Selim el AswLni erzählt von den schönen Häusern Aloas, seinen goldbeladenen Kirchen, Gärten und Fremdenherbergen; er betont auch, daß der König Aloas mit seiner Armee stärker war als das Haupt der Provinz Mnkurru, also Dongo>as. Er besaß unter anderem große Herden (einer roten Kuhrasse) und feines Pferdematerial. Auch die Neger von Aloa waren jakobitische Christen und am ganzen Blauen Nil wurden liturgische Bücher in griechischer Schrift gebraucht. Doch wird andrerseis die geistige Inferiorität der Aloaner betont. Zahlreiche meroitische Städterninen am Blauen Nil bis über Sennär (Kloster „Haus des Anal"), hinaus bergen zugleich christliche Reste. Es wäre sehr zu bedauern, wenn die Sndanregierung nicht mit aller Energie eine systematische und vor allem fachmännische Untersuchung dieser christlichen Reste in die Wege leitete, da gerade hier, ganz abgesehenvomRaubbau, durch Dilettantenarbeit viel unheilbarer Schaden entstehen kann. Namentlich die Reste von Soba selbst scheinen mir äußerst gefährdet infolg e der außerordentlichen Entwicklung Khartoums und der Anlage neuer Schienenwege. Welche Lebenskraft bewahrten jene christlichen Negerreiche am Nil gegenüber dem Islam bis tief ins Mittelalter hinein! Erst mit dem Jahre 1300 nisteten sich allmählich jüdische und mohammedanische Gebräuche ein, die christlichen aber wurden, da aller Kontakt mit der unter dem Joche der Verfolger seufzenden alexandrini-schen Mutterkirche fehlte, zur Formel. Francesko Alvarez berichtet in seiner Geschichte der portugiesischen Mission nach Abes-synien, ein landkundiger Syrer habe ihm erzählt, in Nubien existierten noch 150 Kirchen mit Kreuzen und Marienbildern und anderen Heiligendarstellungen. In alten Zeiten habe dieses Volk „alles von Rom" bekommen, aber schon längst sei der letzte Bischof gestorben und die Sarazenenkriege machten es ihnen unmöglich, einen anderen zu bekommen, so daß sie ihr Christentum verlören. Tragisch erscheint dieser langsame Todeskampf, das Zurücksinken der innerafrikanischen Christenvölker ins Heidentum, ihr Erliegen in den Umarmungen des Islam. Nicht weniger tragisch aber auch das Schwinden der letzten monumentalen Reste jener Kultur. Viele altchristliche Denkmäler Nubiens fallen dem neuen Nilstaudamm zum Opfer und zerbröckeln im seeartigen Staubecken; andere, sudanesische, wie wir sahen, dem modernen Städtebau oder dem Eisenweg der transafrikanischen Bahn. Wieder andere deckt nach jahrhundertelanger Arbeit der Sand der Wüste und wahrlich, sie sind noch am schonendsten behandelt und am besten „konserviert". Ein Glück, daß ältere Reisende manches im Bilde festgehalten haben -ich erinnere nur an die vorbildliche Art, wie das von Lepsius und der preußischen Expedition geschah, zu deren Zeiten es noch keine christlich-archäologische Wissenschaft gab. Das Lamm von Soba im Palastgarten des Sirdar zu Khartonm ist gleichsam als Mahnung an die einstige Größe jener Reiche am Blauen Nil zurückgeblieben. Einst ein stolzes Glied in der Reihe der steinernen Tempelwächter des meroitischen Soba, ging es über in die symbolische Garde, welche den Weg zum christlichen Gotteshause wies. Möge es heute mehr sein als ein beiseite geworfenes Schaustück großer Vergangenheit, möge, so lange es Zeit ist, seine stumme Mahnung Beachtung finden! Heft 8. Stern der Neger. 185 ^ j Untcrbaltcnbce. jj j -—-—— -y Die Schrecken der Sklaverei. Lrzäblung von Dr. Dugo ckdtoni. «Fortsetzung.) Harun erteilte Jais jetzt noch einige Aufträge: Die Sklaven sollten die günstige Gelegenheit benützen und sich in einem nahen Bache einmal gründlich reinigen; sodann sollten sie an diesem Abende ein reichlicheres Mahl erhalten, damit sie am morgigen Tage rein und neu gestärkt vor dem alten Kiniama erscheinen könnten. Es brauchte nicht viel, die Sklaven zu bewegen, sich zu reinigen. Mit Vergnügen stürzten sie sich in das frische Wasser. Nur der einzige Dongu weigerte sich. Er erhielt jedoch wider Erwarten keine Peitschenhiebe, hingegen nahmen ihn zwei Leute des Harun her und zogen ihn ins Wasser, wo sie ihn einer gründlichen Reinigung unterzogen. Dongu konnte sich diese außergewöhnliche Behandlung nicht erklären. Mboti hingegen stieg freudig ins Wasser, wusch sich gründlich und heftete dann seinen Blick starr gegen Westen, wo die feurige Sonnenscheibe gerade am Horizont verschwand; seine Lippen bewegten sich leise und man vernahm folgende geheimnisvollen Worte: „Dreimal und dann noch dreimal! Die Schlange triumphiert I Nur Mut! Noch dreimal; noch drei Sonnen! Und der Ngil wird an deiner Bahre den Triumphgesang anstimmen." Die übrigen Sklaven blickten ihn bestürzt an, während einige der schwarzen Soldaten des Sklavenjägers eiligst zu demselben liefen, um ihm die geheimnisvollen Worte des Mboti mitzuteilen. Aber auch Harun war als Mohammedaner bis zum Uebermaß abergläubisch. Der Aberglaube war ihm zur zweiten Natur geworden und, obwohl er an Mohammed glaubte, so gab er doch zu, daß die Ngil eine große Macht besäßen und daß sie die Zukunft vorhersagen könnten. Als ihm daher seine Leute besagte Mitteilung machten, wurde er etwas bestürzt und ließ den Ngil gleich zu sich bescheiden. Zwei Neger kamen dem Befehle nach und schleppten Mboti herbei. In ihrer Begleitung kamen auch die übrigen schwarzen Soldaten und die Araber. Harun, der allein mit Mboti sprechen wollte, schickte sie jedoch alle hinaus. Nachdem sie allein waren, maß er den Ngil vom Scheitel bis zu den Füßen, um aus den Blicken des Sklaven vielleicht etwas herauszulesen; er hoffte, aus dem Benehmen desselben herauszubringen, ob die Weissagung für ihn günstig oder ungünstig sei. Zu bedenken, daß Mboti auch ein schlauer Betrüger sein könne, der sich seinem Herrn unentbehrlich machen wolle, kam ihm nicht einmal in den Sinn. Nach einer längeren Pause sagte endlich Harun: „Du hast also geweissagt?" »Ja." „Handelt es sich um meine Person?" „Ja, gerade um deine Person handelt es sich." „Mein zukünftiges Geschick ist dir also bekannt ?" „Mein Blick hat den Scbleier, der die Zukunft den menschlichen Blicken entzieht, durchdrungen." „Was hast du gesehen?" „Erspare mir das Bekenntnis." „Ich befehle dir, es mir zu sagen." „Und wenn ich dir den Gehorsam verweigern würde?" fragte der Ngil lebhaft. „Die Peitsche würde deine Zunge schon lösen." „Wer sagt dir aber, daß das, was ich dir dann bekenne, die Wahrheit sei, daß ich nicht lügen werde?" Harun schwieg bestürzt. Er mußte sich gestehen, daß er kein Mittel in der Hand habe, den Neger zum Bekenntnisse der Wahrheit zu zwingen. „Warum würdest du dich weigern, zu reden?" fragte er endlich. „Erlasse mir die Antwort auf deine Fragen, da dir das, was ich dir zu sagen hätte, sicherlich nicht gefallen würde." Harun lachte. „Du lügst. Ich weiß zu gut, daß du mich hassest. Wenn das, was du gesehen hast, zu meinem Nachteile wäre, so würdest du mir es sicher mitteilen, um deinen Zorn an mir auszulasten." „Ich möchte schweigen, um deiner Rache zu entgehen. Wäre die Peitsche nicht, so würde ich ob deiner Vernichtung frohlocken; mit welchem Vergnügen würde ich dir alles sagen, was ich gesehen habe, ohne dir auch gleichzeitig anzugeben, wie du dem Verderben entgehen kannst; wie süß wäre mir diese Rache für deine Grausamkeit und Treulosigkeit." Diese Worte bestürzten den Araber, der in diesem Augenblicke gar nicht daran dachte, zur Peitsche zu greifen, um den Waghalsigen zu bestrafen, hingegen fragte er hastig: „Gibt es ein Mittel, dem Schiksale zu entgehen?" „Ganz gewiß. Wenn das nicht der Fall wäre, so hätte ich ja die Zukunft nicht vorhersehen brauchen. Ich sehe das Zukünftige, um die Mißgeschicke abwenden zu können." „Du weißt also, was ich tun müßte, um dem mir bestimmten Geschicke zu entgehen?" „Jetzt weiß ich es noch nicht, zur gegebenen Zeit wird es mir aber bekanntgegeben werden." Die letzten Worte gaben Harun nicht wenig zu denken, der den Entschluß faßte, den Ngil nicht zu veräußern, ihn vielmehr immer bei sich zu behalten, um von ihm im gegebenen Augenblicke zu erfahren, wie er dem Geschicke entrinnen könne. „Was hast du gesagt?" fragte er weiter. „Meine Worte waren folgende: Dreimal und dreimal I Die Schlange triumphiert! Noch dreimal, noch drei Sonnen!" „Hast du weiter nichts hinzugefügt?" „Ich habe noch hinzugefügt, daß ich an deiner Bahre den Triumphgesang singen werde." Harun erblaßte. Man sprach von seiner Bahre. Der Ngil sah also seinen Tod voraus. Er wollte seine Furcht unter der Maske des Zornes verbergen und schrie daher: „Den Triumphgesang? Du würdest dich also freuen, mich tot zu sehen." „Und wie?" „Und das wagst du, mir zu sagen?" Mboti lachte laut auf, indem er sagte: „Wußtest du das nicht? Glaubtest du etwa, daß ich meinen Feind lieben könne, der mir die Freiheit entrissen, der mich zum Sklaven gemacht, mir gegenüber sein Wort gebrochen, der mich peitschen ließ? Konntest du so etwas auch nur erwarten?" Harun gab keine weitere Antwort, er wußte zu gut, daß Mboti vollkommen recht hatte, hingegen fragte er: „Was soll aber deine Prophezeiung bedeuten?" „Ich habe gesehen, wie du deine Sklaven um teuers Geld verkauftest; kaum hattest du dich derselben entledigt, so wolltest du gleich wieder einen neuen Schlag ausführen; die Person aber, auf welche du es diesesmal abgesehen hattest, war viel mächtiger und schlauer als du. Dreimal und dreimal hast du sie angegriffen, bis du endlich, zu Tode getroffen, erlägest; sie aber siegte und lud mich ein, den Triumphgesang anzustimmen." Harun wurde bei den letzten Worten des Zauberers bestürzt. Er dachte an den geheimnisvollen Gegner, den Mboti meinen könne, und fand keinen anderen als Kiniama, den er ja angreifen wollte. Er zwang sich zu einem Lächeln und sagte: „Deinen geheimnisvollen Gegner fürchte ich nicht im mindesten." „Wie willst du dich vor ihm nicht fürchten, wenn du ihn nicht einmal kennst?" entgegnete Mboti. „Ich kenne ihn und werde ihm answeichen." „Es ist unmöglich, seinem Geschicke zu entrinnen, außer man folgt den Ratschlägen des Ngil, der, wie er die zukünftigen Geschicke voraussieht, auch die Mittel angeben kann, wie man ihnen entrinnen könne." Harun war von der Wahrheit dessen, was der Zauberer vorbrachte, überzeugt, er wollte ihm jedoch nicht das Vergnügen bereiten, es auch einzugestehen. Mboti hatte das Spiel gewonnen, denn Harun war jetzt entschlossen, ihn gut zu behandeln, und befahl daher den Negern, ihn wegzuführen. Der Ngil folgte den zwei Negern mit einem siegreichen Lächeln auf den Lippen; er hatte gesiegt, denn Harun hatte es nicht gewagt, ihn peitschen zu lassen. 11, Kapitel. Mnlama. Auf einem mit blauem Samt überzogenen Sofa saß nach türkischer Art die Beine unterschlagen ein etwas korpulenter Araber. Von Zeit zu Zeit stieß er aus einer kostbaren Nargileh-Wasserpfeife Rauchwolken in die Luft. Das kleine Zimmer war luxuriös ausgestattet: Die Wände waren mit blauen Tapeten austapeziert, auf denen in Goldlettern Verse aus dem Koran glänzten. Von der Decke hing ein schöner, reichgearbeiteter Leuchter; ein kostbarer Damaszener Teppich bedeckte den Boden. Man konnte meinen, sich in Konstantinopel oder in Damaskus im Hause eines reichen Pascha zu befinden; warf man aber einen Blick durch das niedere Fenster und erblickte die echt tropische Vegetation sowie die zahlreichen Neger, welche auf den Feldern arbeiteten, da gewahrte man erst, daß man sich im. tropischen Afrika befand. Der Mann, welcher sich im Herzen von Afrika am sechsten Grade dieses Zauberschloß errichtet und den Luxus des Orients dorthin verpflanzt hatte, hieß Kiniama. Kiniama war ein kleiner, untersetzter, ziemlich korpulenter Araber; in den Jahren schon stark vorangeschritten, bedeckten schneeweiße Haare sein Haupt. Auf seinen Lippen lag stets ein Lächeln, aber nicht das Lächeln eines gutmütigen Greises, sondern das eines grausamen Sklavenjägers, der sich an der großen Schar seiner Sklaven ergötzt. In der Tat war die Schar seiner Sklaven sehr groß, sie zählten nach mehreren Hunderten, und in jedem Jahre suchte er sie noch zu vermehren, indem er von den vorbeiziehenden Karawanen ihre kaufte; gelang ihm das nicht nach Wunsch, so schickte er seine Helfershelfer auf die Sklavenmärkte, um dort seinen Bedarf zu decken. An Reichtum fehlte es Kiniama auch nicht. Aus seinem Handel mit weißem und schwarzem Elfenbein hatte er große Summen herausgeschlagen; dieser Handel war um so gewinn-reicher, je weniger ihn die Ware kostete. Das weiße Elfenbein hatte er ja alles den kleinen Herrschern des Innern entrissen, ohne ihnen auch das Geringste dafür zu zahlen; auch in den Besitz des schwarzen Elfenbeins, der Sklaven, war er auf ähnliche Weise gelangt, wenigstens zum größten Teile; er stand hierin Harun in nichts nach. Auch jene, welche er von den übrigen Sklavenhändlern erstanden hatte, hatten ihn nicht viel gekostet und wenn er sie von den schwarzen Potentaten des Innern kaufte, so genügte eine Handvoll Perlen, um einen Sklaven zu erstehen, oder ein Stück Eisen, für gewöhnlich aber ein Fläschchen Schnaps. Aber auch die Sklavenjäger selbst waren vor Kiniama nicht sicher gewesen, sehr häufig hatte er sie überfallen und ihnen ihre Ware entrissen, besonders wenn er in Erfahrung gebracht hatte, daß sie tüchtige Sklaven bei sich führten. Sehr häufig hatte er auch einen Negerstamm gegen den anderen aufgestachelt, um hinterher den Sieger samt den Besiegten in die Sklaverei zu schleppen. Kiniama war der berühmteste Sklavenhändler des ganzen Gebietes gewesen; er besuchte die berühmtesten Marktplätze und wurde von den Genossen des grausen Geschäftes viel beneidet. Außerdem war er auch einer der grausamsten Jäger: er kannte kein Mitleid mit den armen Gefangenen, unerhört war sodann seine Grausamkeit gegen jene, die er auf den Märkten nicht losschlagen konnte oder die auf dem Marsche zusammenbrachen ; nachdem er sie auf alle mögliche Weise gepeinigt hatte, um sie zur Fortsetzung des Marsches zu zwingen, ließ er sie halbtot liegen, wo sie dann verhungerten, wenn die Raubtiere ihrem Leiden nicht schon früher ein Ende bereiteten. Der Sklavenhandel hatte ihn bald zu einem reichen Manne gemacht und er beschloß, sich vom Geschäfte zurückzuziehen, um seine letzten Lebensjahre in behaglicher Ruhe zu verbringen. Er zog sich nach Hodeida, seiner Heimat, zurück. Doch auch hier hielt es ihn nicht lange. Die Sklaverei war offiziell verboten und den mißhandelten Sklaven stand der Weg zum Kadi immer offen, gab dieser, der Mohammedaner und geheime Freund der Sklaverei, ihnen unrecht, so konnten sie ihre Zuflucht zum englischen Konsul nehmen, der sie sicherlich beschützte und ihnen die Freiheit verschaffte; zudem waren die Sklaven in Hodeida sehr teuer. Von Hodeida zog Kiniama nach Jambo, Mekka und Djedda, aber nirgends behagte es ihm. Er setzte also wieder nach Afrika über und nahm zugleich alles mit, was ihm das Leben in Afrika angenehm machen konnte; er rüstete eine Karawane aus und begab sich in das Innere, wo er an einem geeigneten Platze eine Zeriba anlegte. Bald hatte er sich wieder zahlreiche Sklaven verschafft, die ihm das Leben angenehm machen mußten und an denen er seinen Leidenschaften frönen konnte. Mitten unter ihnen lebte er wie ein Herrscher, beneidet von den nahen Negerhäuptlingen sowie von den vorüberziehenden Sklavenhändlern. Er war in beständigem Verkehr mit der Außenwelt, da seine Karawanen bald nach Uganda, dann wieder nach dem belgischen Kongo zogen, um die Erträgnisse feiner Pflanzung zu verhandeln, wie Gummi, Kaffee, Elefantenzähne und Straußfedern; als Preis erhielt er geistige Getränke, Waffen und Munition, verschiedene Gebrauchsgcgenstände und Waren für seinen Tauschhandel. Kiniama ruhte gerade auf seinem mit blauem Samt überzogenen Sofa aus und dachte mit Vergnügen an sein vergangenes Leben, das ihm wie ein Vorspiel zum künftigen Paradiese vorkam; er hoffte, dieses Leben auch im Paradiese im Verein mit dem Propheten fortsetzen zu können; er dachte an seine Reichtümer und an die glückliche Zukunft, die ihm bevorstand, als ein kleiner Negerknabe, in rotem Samt gekleidet, eintrat. „Emir!" rief der Sklave. Kiniama erwachte aus seinen Träumereien, sie waren so schön gewesen; es mißfiel ihm daher, darin gestört worden zu sein, und er ließ seinen Zorn an dem Knaben aus, indem er schrie: „Lerne einmal, deinen Herrn nicht mehr zu stören." Der Sklave ließ alles über sich ergehen, ohne auch nur ein Wort zu sagen; seine schönen Augen füllten sich jedoch mit Tränen. Dieses Schweigen entwaffnete Kiniama, der sich an den Knaben wandte mit der Frage: „Was hast du mir zu sagen?" „Ein Emir, der gleich dir weiß ist, möchte mit dir reden." „Wie heißt er?" fragte Kiniama, der sich nicht im mindesten über den Besuch wunderte. Er war gewohnt, von Sklavenjägern aufgesucht zu werden, die an ihm einen guten Käufer hatten. „Er hat mir seinen Namen nicht genannt", entgegnete der Knabe. „Du hättest lhn darnach fragen sollen. Ist er allein?" „Einige Neger befinden sich in seiner Begleitung." „Lasse ihn also eintreten und richte das Notwendige zur Bewirtung her", befahl jetzt Kiniama. Der Knabe verließ die Hütte des Herrn. „Wer mag es wohl sein?" dachte Kiniama, als der Knabe das Zimmer verlassen hatte. Ganz gewiß mußte es ein Sklavenjäger sein und er war nicht abgeneigt, einige Sklaven zu kaufen, erwarb er doch gerne immer einige neue, denn je größer die Schar seiner Sklaven, um so mehr Nutzen konnte er aus seiner Pflanzung ziehen. Er brauchte sich nicht lange den Kopf zu zerbrechen betreffs der Person, die ihn besuchen wollte, denn bald nachher trat Harun herein. Der Sklavenjäger machte vor dem reichen Pflanzer eine tiefe Verneigung und kreuzte die Hände auf der Brust. Während er mit seinen Lippen das „Salam" sprach, überdachte er im Geiste den Wert der Gegenstände, die sich in der Hütte befanden, denn er dachte, bald der Besitzer all dieser Schätze zu sein. Kiniama betrachtete den Eintretenden mit einem scharfen Blicke. Er kannte ihn und mußte ihn bereits gesehen haben, der Name fiel ihm jedoch nicht ein. „Salam", gab er auf den Gruß zurück, „setze dich zu meiner Rechten." Harun ließ sich jetzt mit kreuzweise unterschlagenen Beinen auf dem Divan nieder. Der Knabe beeilte sich, ihm das Nargileh darzureichen, das Harun entgegennahm, indem er eine kurze Zeit das kostbare Mundstück aus reinstem Meerschäume betrachtete. Der Knabe hingegen entfernte sich gleich wieder, um den Kaffee herzurichten. „Wie heißt du?" fragte jetzt Kiniama. „Harun", war die kurze Antwort. „So, jetzt erinnereich mich deiner, wir standen ja auch schon früher in Handelsbeziehungen zu- inander. Möchtest du vielleicht auch heute ein Geschäft mit mir machen?" Als Harun die Frage bejaht hatte, fragte Kiniama weiter: „Planst du keine Feindseligkeit gegen mich?" Auf Haruns verneinende Antwort ließ Kiniama es ihn beschwören. „Beim Barte des Propheten schwöreich es dir. Kann aber auch ich auf deinem Gebiete sicher sein?" „Beim Barte des Propheten schwöre auch ich dir, daß dir auf meinem Grund und Boden nichts widerfahren soll. Bleibe bei mir, so lange es dir beliebt, wenn du nur mich und das Meinige achtest und auch von deinen Leuten achten lassest, j Alles, was du brauchst, kannst du von mir um geringen Preis haben und während deines Aufenthaltes wirst du mein Gast sein." Harun hatte sich diese Einladung erwartet, hatte er sie doch auch bei seinem früheren Aufenthalte erhalten; er hielt es jedoch für gut, sich ob der gütigen Einladung überrascht zu zeigen, und sagte daher: „Beim Barte des Propheten! Wie sehr ehrst du mich! Du bist sogar deinem Rufe überlegen und deine Güte sucht ihresgleichen. Ich nehme deine Einladung an und und wünsche nur, sie dir auf gleiche Weise entgelten zu können." (Fortsetzung folgt.) Verschiedenes. Hus IRbavtoum. Es ist in Khartoum nicht so leicht wie in Europa, den Wechsel der Jahreszeiten zu beobachten. Der Winter geht in den Frühling und der Sommer in den Winter über, ohne daß man es anfangs gewahr wird. Der Uebergang des Winters in den Frühling hat sich heuer Ende März recht unmerklich vollzogen. Dieser macht sich nicht so sehr in dem Wechsel der Temperatur als in der Erneuerung des Laubes der Bäume und int Ansetzen der schönen Blüten einiger weniger Bäume bemerkba>'. Das ganze Jahr hindurch stehen die Bäume in ihrem Laubschmucke da, das sie erst abwerfen, wenn der neue Blätterschmuck sich zu enttvickeln beginnt. Mit den neuen Blättern kommen zugleich auch die Blüten, die bei den meisten Bäumen sehr unscheinbar sind; nur einzelne weisen eine herrliche, rote Blütenpracht auf. Wimmelt es im Winter in Khartoum von Fremden, die ihrer Geschäfte wegen oder er« holnngshalber den milden Winter hier verbringen, so vertreibt sie die Frühlingssonne nur zu schnell wieder. Khartoum wird dann eine verlassene Stadt; die Eingeborenen allein bleiben hier und treiben ihr Geschäft weiter. Die Hitze hat jetzt den Höhepunkt erreicht; die bisher nur deshalb erträglicher ivar als in den späteren Sommermonaten, tveil noch ein kühles Nordlüftchen ivehte und die Nächte ettvas abkühlte. Stellt sich aber der feuchtwarme Südwind ein, dann wird die Maximaltemperatur von 45 bis 47 Grad Celsius und die Minimaltemperatur von ungefähr 30 Grad unerträglich, da auch die Nächte drückend schwül bleiben. Der Nil hat jetzt seinen niedrigsten Wasscrstand erreicht und ist stark in sein Urbett zurückgetreten. Das Flußbett weist zahlreiche Sandiuseln auf und überall sind Warnungszeichen, kleine rote Fähnchen, für die Nilschiffe aufgestellt und ragen warnend aus dem Wasser empor. Im entsprechenden Maße, als der Nil zurückgewichen ist, folgt die Bodenkultur in das wasserleere Flußbett nach. Das Land liegt jetzt brach wegen Wassermangels und nur dort finden sich üppige Durrafelder, wo die Sakicn noch die entsprechende Bewässerung aus dem Nil besorgen können. Sonst sieht man nur sonnenverbrannte Steppe, die gierig nach dem erfrischenden Regen lechzt. Daß die Regenzeit nicht mehr ferne sein kann, läßt sich auch aus den Arbeiten der Eingeborenen schließen, die sich jetzt angelegentlichst gegen die Ge-fahrenderRegenzeit vorsehen. SorgtderBewohner der kälteren Gegend im Herbste, daß er im Winter eine warme Stube habe, so muß der Eingeborene in diesen Gegenden für ein wasserdichtes Dach in der Regenzeit besorgt sein. Er muß das Dach seiner Hütte oder seines Hauses ausbessern, soll es dem Regen standhaft Trotz bieten. Bauart und Baumaterial sind sehr einfach. Die Hütten oder Häuser sind einstöckig, enthalten so viel Räume, als für eine Familie unbedingt notwendig sind, und vielleicht auch eine Küche dazu. Umgeben wird das Ganze von einem Hofe, der, von einer Mauer umfriedet, zugleich auch als Schlafraum für den größten Teil des Jahres dient, da es in den Räumen zu schwül wird. Aus Mangel an Bausteinen und gebrannten Ziegeln, deren Herstellung zu viel Arbeit kostet und die ihm zu kostspielig sind, hat der Eingeborene seine Erdscholle zum Bauen brauchbar zu machen gewußt. Er nimmt einfach Erde, Sand und Wasser, knetet es gut und formt den Erdmörtel zu Ziegeln, die, an der Sonne getrocknet, ihm das Baumaterial liefern. Damit baut er sein Haus, ein tiefes Fundament braucht er nicht. Als Verbindungsmaterial dient ihm ebenfalls gewöhnliche Erde und so steigt der Bau empor 6i§' unters Dach. Stockwerke braucht er keine; findet er ja in der Breite genug Platz, warum soll er in die Höhe steigen. Das Dach macht ihm auch wenig Kopfzerbrechen. Ist der Bau soweit vorangeschritten, daß er mit dem Dach abgeschlossen werden soll, so nimmt er einfach einige lauge, feste Holzprügel, wie die Natur sie ihm gibt, überquert damit den Bau so, daß Strohmatten darauf liegen können und nicht dnrchfallen, wenn sie mit Erde beschwert werden, und der Dachstuhl sitzt. Die Bedeckung ist sehr einfach. Der Erdmörtel, der das ganze Gebäude bildet, muß auch für die Bedeckung des Daches aufkommen. Ungefähr handdick wird solcher auf die Strohmatte aufgetragen, gut verschmiert, die Sonne trocknet ihn und das Haus ist gedeckt. Verputzt wird das Haus von außen und innen gleichfalls mit solchem Mörtel, und da als Tür und Fenster jede Holzlade genügt, mit Ausnahme in der Stadt, wo regelrechte Türen und Fenster eingemauert werden, so ist das Haus fertig und der Eingeborene Ivohut so behaglich darin wie jeder andere in seinem prächtigen Palaste. Nur eine Sorge hat er jedes Jahr und das ist die Ausbesserung des Daches vor der Regenzeit, damit der Regen nicht durchdringe. Die Sonnenhitze hat die Dachdecke durch Risse stark beschädigt und die Ausbesserung besteht darin, diese zu verschmieren. Naht die Regenzeit heran, so spart er sich einfach den Eselmist, der für geivöhnlich verbrannt wird, auf und wenn er genügend beisammen hat, vermischt er ihn mit Erde und Wasser und überläßt ihn solange der Gärung, bis er, wie er sich ausdrückt, „gut riecht", das nach ungefähr 5 bis 6 Tagen der Fall ist. Die Masse wird noch einmal gründlich geknetet und mit Wasser vermischt, bis sie dickflüssig ist. Das Kneten besorgt ein Mann, der mit seinen Füßen darin herumstampft. Soll die Masse noch besser werden, dann müssen auch die Frauen kommen und mit den Händen den Brei noch einmal durchkneten und ihn von eventuellen Steinchen oder Stroh reinigen. Ist diese Arbeit getan, so ist der Mörtel gebrauchsfertig. Die Frauen tragen ihn in Kübeln auf dem Kopfe zum Hause, dessen Dach ausgebessert wird. Ein Mann zieht den Kübel mit einem Seile aufs Dach und ein anderer verschmiert den Brei auf demselben so dünn, daß nur die Risse verschmiert werden und das ganze Dach einen neuen Glanz bekommt. Nachdem die Sonne beim Trocknen das ihrige getan hat, ist die Arbeit geschehen und ruhig sieht der Hausvater dem Charif entgegen. Er kann seine ganze Sorge dem Felde zuwenden, das er in der Regenzeit wieder bebaut, da ihm wieder Wasser zur Verfügung steht. Solche Hütten oder Häuser gibt es noch genug in Khartoum, nur daß sie von außen etwas schöner verputzt sind. Die Dachansbesserung bleibt aber auch für sie und so ist man jetzt an allen Ecken und Enden mit dieser Arbeit beschäftigt und von allen Seiten kann der Spaziergänger als heilsame Nasenwürze und kräftigendes Stärkungsmittel für seine Lungen die wohltuendsten Gerüche genießen! Khartoum, 30. Mai 1912. P. Ill ff. Empfehlenswerte Bliebet und Zeitschriften. Wer Wen zum innern Frieden. Unserer Lieben Frau vom Frieden geweiht von P. von Lehen S. J. Aus hem Französischen übersetzt von P. Jakob Brücker 8. J. 26. und 27. Auflage. (Aszetische Bibliothek.) 12°. (XXIV u. 452 S.) Freiburg und Wien 1912. Herdersche Berlagshandlung Mk. 2 40 = Kr. 2 88; gebunden in Kunstleder Mk. 3 20 = Kr. 3 84. Auch in feineren Einbänden erhältlich. Der Seelenfiiede ist die Grundbedingung jedes wahren Glückes. Die Lesung dieses Buches wird jedem Trost in den Leiden und Beruhigung in Zweifeln und Unruhen bringen. Auch der Seelenleiter wird manch wertvolle Anregung daraus entnehmen können. Rlein-Melli „vom heiligen Gott", das Veilchen des allerheiligsten Sakramentes. Frei nach den. Englischen bearbeitet von P. Hildebrand Bihlmeyer 0. S. B. in Beuron. Mit einem Titelbild in Farbendruck. 12°. (XVI it. 96 S.) Freibmg und Wien 1912. Herdersche Verlagshandlung. Kartoniert 80 Pfg. = 96 Heller. Verehrern des allerheiligsten Sak, aments. Kiuder-fmmbeit, namentlich auch Kindern selbst, die in diesem Jahre zum ersten Male zur heiligen Kommunion gegangen sind, sei das billige Schriftchen empfohlen. litammrt und linstet! Koinmunioubuch von P. Sebastian von Oer, Benediktiner der Abtei St. Martin in Beuron. Mit Approbation des hochwst. Erzbischofs von Freiburg und der Ordensobern. Mit einem Titelbild von Anna Freiin von Oer. 24°. (XVI und 580 S.) — Freiburg und Wien 1912. Herdersche Berlagshandlung. Geb. Mk. 2' — = Kr. 2 10 und höher. Dieses neue Kommnnionbuch wird wie jedes Werk von Oers vielen eine willkommene Gabe fein. „Tdir MädHenbnljnr", Monatsschrift für Jungfrauenvereine, weiblicheDilettantenbühnen, Mädchen-institute, Schulen und Kindergärten. Theaterverlag Val. Höfling, München. Bezugspreis! ganzjährig 12 Hefte mit Zustellung durch Kreuzband Mk. 4'80. Preis des einzelnen Heftes 50 Pfg. Der praktische Wert des Maihcftes der „Mädchenbühne" kommt dadurch zum Ausdruck, daß sämtliche Stücke leichtverständlich und für ländliche wie städtische Verhältnisse zu benützen sinh. Aus den Bekanntmachungen der Berlagshandlung ist zu entnehmen, daß es der „Mädchenbühue" gelungen ist, einige wirklich gediegene Arbeiten zu gewinnen, die in der Tat eine Bereicherung der Mädchen-bühnenliteratur darstellen und durch bereit Veröffentlichung die Klagen über Mangel an guten Schauspielen wenigstens zum Teil verstummen werden. Das neueste Heft enthält das zweite Preisausschreiben für Lustspiele, Festspiele, ernste und heitere Einakter, Singspiele, Einzelvorträge, Zwei- und Dreigespräche. Höhenbllrlle. Festtagsgedanken von K. A. Vögele. Zweite und dritte Auflage. Gebunden in Leinwand Mk. 3-— = Kr. 3 60; geb. in Pergament Mk. 6'— = Kr. 7'20. — Freiburg im Breie gau und Wien. Herdersche Verlagshandlung. Der geistvolle Aesthetiker K. A. Vögele, dessen tiefgründiger Idealismus in seinem preisgekrönten Werke „Der Pessimismus und das Tragische in Kunst und Leben" (2. Ausl. 1910) allgemeine Beachtung der Interessentenkreise fand, durfte sich wohl berufen fühlen, dieses neue Buch zu schreiben. — Mit feinem Empfinden für die lebendig-schöne Form betrachtet der Verfasser die alten religiösen Wahrheiten von neuen fesselnden und namentlich auch ästhetischen Gesichtspunkten imb in eigenartiger interessanter Weise gelingt es ihm, die Hanptgehcimnisse des Christentums großzügig und zeitgemäß dem Leser vor die Seele zu rücken. Vie -Macht der Leidenschaft. Drama in drei Akten von Jos. Lemmers. Aus dem Französischen von S. Fidentia. tHöflings Vereins- und Dilcttanten-thcater Nr.52.) Theaterverlag Val. Höfling, München. Preis Mk. V— ; 5 Exemplare mit Aufführungsrecht Mk. 4'50. Der Verfasser, Präsident des Katholischen Mäßig-keitsbundes in Belgien, zeigt in diesem Stücke in meisteihaften, lebenswahren Szenen, wie die Trunksucht und der Müßiggang das Glück einer ganzen Familie zerstört und wie die Mäßigkeit und die Arbeit zu Frieden, Glück und Wohlstand führt. Das Stück hat nur Herrenrollen, ist leicht aufführbar und eines guten Erfolges sicher. Stint Lucharlstischrn Mongrel;. „Gottmit uns" nennt sich eilt soeben bei Herder, Freiburg und Wien, erschienenes Büchlein über das Allerheiligste Altarssakrament, das den Eucharistischen Kongressen gewidmet ist. Der Grundgedanke, der sich durch alle Kapitel hindurchzieht, ist: Da der Herr int allerheiligsten Sakramente unter uns bleiben wollte, muß auch dieses heilige Sakrament das ganze christliche Leben beherrschen. Je mehr dies geschieht, desto mehr werdcu die sozialen Schäden der Gesellschaft Heilung finden. Wir verweisen besonders auf die Kapitel: „Gott mit nns", „Eine Ruhestunde vor dem Tabernakel", „Das Band der Liebe", „Du bist der alleinige Herr", „Der eucharistische Papst , „Der gute Hirt" usw. Es kann kaum eine bessere Vorbereitung für den Eucharistischen Kongreß geben als aufmerksames Lesen dieses Büchleins. Auch zu Geschenken anläßlich der Eucharistischen Kongresse, Primizen eignet es sich vorzüglich; der billige Preis (Kr. 1 80, geb. Kr. 2'40) wird der weiten Verbreitung förderlich sein. „Der Aar." Illustrierte Monatsschrift für das gesamte katholische Geistesleben der Gegenwart. Druck und Verlag von Friedrich Pustet, Regensburg. Jedes Heft 144 Seiten stark. Preis vierteljährig Mk. 4. Wir können die wirklich gediegene Monatsschrift nur empfehlen. Für das, was in Text und Illustrationen geboten wird, ist der Preis von Mk. 16 jährlich billig zu nennen. Besonders empfehlen wir sie den Herren Geistlichen, die durch die Lektüre einer Zeitschrift in allen Gebieten, die in ihre Wirksamkeit einschlagen können, auf dem Laufenden bleiben möchten. (Bott dem Allmächtigen hat cs gefallen, mit 25. Juni, 91'4 Uhr abends, im Pfarrhanse zu Deulsch-Mairei Se. Exzellenz Dr. Josts HltemveW Fürstbischof von Drixen, Sr. päpstl. Heiligkeit Hausprälat und Thronafststent, k. k. Negierungsrat, Mitglied des österreichischen Neichsrates und des Tiroler Landtages, Doktor der Theologie und Philosophie usw., in ein besseres Jenseits zu berufen. Der hohe Verblichene war geboren am 6. Dezember 1854 zu Niederndorf bei Kufstein, zum Priester geweiht in Rom am 10. Juni 1876, wirkte zuerst am Borromäum in Salzburg, dann seit 1833 als Professor der Dogmatik an der k. k. theol. Fakultät dortselbst. — Am 6. Mai 1904 zum Fürstbischof von Brixen ernannt, konsekriert zu Rom am 11. September 1904, hatte er durch fast 8 Fahre den Stuhl des hl. Kassian unter sehr schwierigen Verhältnissen inne. - Die Trauerrede feierte den Verewigten als einen vir gloriosus im Sinne der Heiligen Schrift (Sir. 44, 1), als einen ruhmvollen Mann: ruhmvoll durch seine Gelehrsamkeit und Klugheit, ruhmvoll durch seine charitative Tätigkeit und übergroßes Wohltun, ruhmvoll durch seine echte, kernige Frömmigkeit, ruhmvoll durch seine unbegrenzte Pflichttreue; und wir fügen noch hinzu: ruhmvoll durch seine kindlich-demütige Anhänglichkeit an den Heiligen Vater und durch seinen glühenden Patriotismus für Kaiser und Reich. R. I. P. verantwortlicher Sdn-ittlcitcr Wcfttot P. Dr. AB. Ifiafftinet F. S. C, — Luchdruchcre! Dyrolia, Lrircn, Südtlrol. 3»r beginnenden Reisesaison empfehlen wir folgende, bereits Zchmalir Adolf. ®riScna-e.(Sübtu-oI). —-l---—s---------L' Neuester Führer durch die Stadt und Umgebung. Mit Federzeichnungen non Ida u. Laffer und Ferd. Gatt. Schninl-Gr.-8b 61 S. Preis Kr. 1— = Mk. 1—. — —Ragusa und Umgebung. 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