Lin Tag, ein Mr im Leben lies Ikmierr »K Vrrlstzi v«» Kuä. 6. Peef; lr. k. Profels or in Laibach preis 20 I, rsids» 1SS4 Um vrrlsg« er- »rs!«!I»«li Irdrrr»rrr!«rs Ein Tag, ein Jahr im Leben des Kaisers. Verfaßt von Rud. E. Peer;, k. k. Professor in Laibach. Preis 20 Heller. Das Reinerträgnis ist für das «Lehrerheiin iin 5üden» gewidmet. Laibach 1904. Im Verlage des Krainischen Lehrervereines. Buchdruckerei Jg. v. Kleiumayr L Fed. Bamberg. ^7 ' 6 A"/' An die Großen: Der Plan zu dem vorliegenden Büchlein entstand im Herbste des vergangenen Jahres. Prof. A. Belar, k. k. Bezirks¬ schulinspektor in Laibach, hatte — von dem Streben erfüllt, das bekannte Werk «Das Buch vom Kaiser-* den Kleinen seines Schnlsprengels nahezurücken — ans der Zahl der Bilder etwa 50 auf die Glasplatte abgezogen und sie hinter die Linse gesteckt, so daß die Gestalt des Kaisers in Lebensgröße erschien und uns damit wirkungsvoll vor die Seele gestellt wurde. Ilm dem Eindrücke Rundung und Halt zu gewähren, ersuchte mich Prof. Belar, zu der Bilderreihe einen verbindenden Wortlaut zu verfassen. Dieser war zwar durch die Bilder bestimmt, sollte aber trotzdem ein geschlossenes Ganzes bieten; er mußte kurz gehalten sein und doch viel bringen; er durfte sprachlich nicht zu hoch greifen und sollte doch Dinge berühren, die außerhalb des täglichen Gespräches liegen. Zudem trat die Absicht hervor, einmal etwas Eigenartiges zu schaffen, das sich von dem reichen Kaiser-Schrifttnme abheben und mit Bezug auf die Bilderreihe nicht bloß aus eine trockene Erklärung beschränken sollte. — Dem Büchlein liegt ein tieferer Sinn zu Grunde: Es handelte sich darum, das Kind dem Herrscher an die Seite zu zaubern, damit es ihn bei seinem Wirken mitfühlend, mitemp findend begleite. So ergab sich der Gedanke einer Borstellungs- reihe aus dem eigenen Tun der Kinder, die mit jener vom * Verlag von Max Herzig in Wien. Preis 100 L. 4 Monarchen gleichlanfeu nnd sie durch Überstrahlungen einer¬ seits klären, anderseits festigen nnd gelegentlich -reprodu¬ zieren- sollte. Demnach zieht sich durch das Büchleiu eine Parallele, welche der aufmerksame Psychologe sogleich erkennt nnd °zn würdigen weiß: der Tag des Kindes, der Tag des Kaisers; das Jahr des Kindes, das Jahr des Kaisers. Prof. Belar ist geneigt, die von ihm angefertigten Bilder znr Weiterverbreitung kostenlos abzngeben. Wem diese Art der Vorführung trotz allem nicht möglich ist, der veranlasse die Anschaffung des genannten Werkes und helfe damit dem Worte durch das Bild nach! Es sollte wenigstens jeder Schulbezirk ein Stück besitzen; dann kann das Buch wandern von einer Schule zur andern. Wo endlich auch dieser Vorgang nicht eingehalten wird, mag das Büchlein als solches wirken. Es wird vermöge seiner Anlage dazu beitragen, das Kind in das Leben eines edlen Mannes zu geleiten, dessen Wesen in sein Herz wie eine Sonne strahlt und dessen Wirken ihm ein Vorbild sein soll — immerdar! Laibach, 17. April 1904. Rud. E. Peerz. An die Kleinen: Wohl jedes von euch besitzt in einem fernen Orte einen tenern Verwandten oder einen lieben Kameraden. Welche Freude erfüllt euch da, wenn eines Tages von dem guten Onkel ein Brieflein angeflogen kommt! Wie mag es ihm gehen, was mag er den ganzen Tag tnn? So habt ihr euch gewiß schon oft gefragt. Und nun sollt ihr es erfahren. Der Vater liest das Brieflein vor und die Kinder hören aufmerksam zu, als erzählte er ihnen die schönste Geschichte. Der Onkel ist ja ihr lieber Freund. Nie ist er mit leeren Taschen zu ihnen gekommen; immer war er dar¬ auf bedacht, ihnen Vergnügen zu bereiten. Wer wollte da nicht begierig sein zu erfahre», was er schreibt? Der Onkel ist ein guter Mann. Doch er sorgt nur für wenige Ich kenne aber einen Mann, dessen Herz für tausend und aber¬ tausend Kinder schlägt. Auch euch umfaßt seine 6 Liebe und Sorge Wie gerne würdet ihr von diesem, euerem besten Freunde ein Brieflein be¬ kommen? Allein, wie kann er all den tausend Kindern schreiben! Zudem ist er der Herr eines großen Reiches und hat nicht nur für euch, son¬ dern noch für Millionen von Menschen zu sorgen. Und doch möchtet ihr gerne wissen, wie es ihm ergeht und was er den ganzen Tag macht. Weil er aber das nicht selbst berichten kann, so will ich euch heute alles genau erzählen. Doch wer ist der liebe Freund in der Ferne? Ihr habt es gewiß schon erraten: — unser Kaiser! Der Tag. Wenn der Morgen grant und ihr noch in euerem warmen Bettlein schlafet, glimmt ans dem Nebel, der über dem Häusermeere der Reichs- Hauptstadt Wien lagert, dort, wo des Kaisers Burg steht, ein schwaches Flämmchen. Wir schweben im Geiste den Strahlen nach und forschen, woher sie kommen. Wo sind wir? Am Fenster eines kleinen Zimmers. Drinnen sitzt beim Scheine der Lampe der Kaiser und schreibt. Die Sorge um sein geliebtes Volk hat ihn aus dem Schlummer geweckt. Er liest dies und liest jenes, prust alles genau und merkt bei den Schriften, die ihm von seinen Beamten vorgelegt werden, an, ob er mit den Vorschlägen einverstanden sei oder nicht. Da bittet z. B. ein alter Krieger nm eine Gabe, weil ihn Ungemach betroffen. Der Kaiser ersieht aus deu Schrifteu, daß der Arme einst für ihn und das Vaterland gekämpft hat, und schreibt unter das Gesuch, daß die Bitte erfüllt werde. — Ein zweites Papier enthält das Todesurteil über Verbrecher. Während andere Menschen einem schönen Morgen ins Antlitz sehen 8 und sich an dem Glanze der ersten Sonnenstrahlen erfreuen, mnß der Herrscher in die Finsternis des Verderbens blicken. Wie schmerzt es ihn, daß es in seinem Reiche auch Leute gibt, die den Weg des Lasters wandeln! Nun soll sie die verdiente Strafe treffen. Ein Federstrich von der Hand des obersten Richters und ihr Leben zählt nnrmehr nach Stunden. Oft hat dieser Gedanke dem Monarchen eine Träne aus dem Ange gepreßt. Während er sich sinnend liber das Todesurteil beugte, war sie ans das Schriftstück hernbgefallen und hatte die Unterschrift verlöscht. Was hat der Kaiser¬ in einem solchen Falle wohl getan? Ihr wißt es ja alle: Er hat das Papier beiseite gelegt und dem Verbrecher das Leben geschenkt. — Noch lagert der Ernst im Gesichte des Herrschers, aus dessen Antlitze sonst nur Milde blickt, da greift er nach einem dritten Papiere. Er entfaltet es und plötzlich fliegt ein froher Hauch über seine Miene. Was mag das Schriftstück enthalten? Es schildert die Arbeit eines Beamten, der für seinen Fleiß den Lohn erhalten soll. Da säumt der Kaiser nicht: Ohne Zandern bestätigt er durch seine Unterschrift die Würdigkeit und freut sich bei dem Gedanken, dem Manne einen srohen Lebensabend zu bereiten. 9 So vergehen die Stunden und schon ladet das Glöcklern zur Morgenmesse ein. Der Kaiser erhebt sich und folgt dem Rufe. Bald hat er die Bnrgkapelle erreicht und kniet nun auf dem Balkone, tief im Gebete versunken, indes unten im Kirchenraume der Priester die Messe liest. Ist der Gottesdienst zu Eude, so kehrt der fromme Herrscher in seine Gemächer zurück, wo seiner schon der oberste Hausbeamte harrt, um über die verschiedensten Vorkommnisse zu berichten, die sich seit dem vorigen Tage ereignet haben. Aufmerksam hört der Kaiser zu und gibt dann seine Anordnungen. Was erzählt der hohe Diener? Er berichtet, daß ans fernen Ländern Leute gekommen seien, die den Kaiser um etwas bitten wollen, — daß über eine Gegend des großen Reiches ein Unglück hereingebrochen ist, — daß viele, denen der Kaiser Gutes erwiesen hat, sich nun bei ihm bedanken möchten. Allen soll der Wunsch erfüllt werden. Zuerst denkt der Vater seiner Völker jener Untertanen, die Opfer des Ungemaches geworden sind. Sogleich ordnet er an, daß man ihnen Geld senden und andere Hilfe bieten möge. Wir in Laibach wissen es wohl am besten, wie rasch dort des Kaisers Gnade waltet, wo die Not hereingebrochen ist. 10 Als vor neun Jahren unsere Stadt von einem heftigen Erdbeben erschüttert wurde, half als erster — unser guter Kaiser. — Ist der Un¬ glücklichen gedacht worden, dann läßt der Kaiser die Türe öffnen — den Bittenden und den Dankenden. Wer ist der Herr in dem schwarzen Rocke, den alle so ehrfurchtsvoll begrüßten? Es ist's des Kaisers oberster Beamter, sein Minister. Er kommt, um dem Herrscher mitzuteilen, was die Völker wünschen und wie es mit der Ordnung im Reiche bestellt ist. Wie ein Freund sitzt der Kaiser vor ihm und verfolgt aufmerksam seine Rede. Dann reicht er ihm die Hand und dankt für all die Mühe und Sorge. Der hohe Herr hat sich verabschiedet und wieder öffnet sich die Tür. — Eine Schar von Bauern hat schon mit pochendem Herzen dieses Augenblicks geharrt. Zaghaft treten die Landleute ein, denn sie sollen nun mit dem Kaiser, dem höchsten Herrn des Reiches, sprechen. Doch, wie schnell ist die Furcht gewichen, da der Monarch ihnen freundlich entgegenkommt und sie recht herzlich begrüßt! Nun haben sie Mut gefaßt und bringen ihre Bitte vor. Der Kaiser hat „Ja" gesagt. . . Freudig eilen die Glücklichen heim, den Nachbarn II die frohe Botschaft zu verkünden. — Wer ist mittlerweile vor den Herrscher getreten? Ein altes Mütterlein steht vor ihm. Ihr Sohn ist Soldat geworden und kann sie nicht mehr unterstützen. Nur der Kaiser vermag da zu helfen. Wiewohl er Soldaten braucht, um sein Reich gegen die Feinde zu schützen, so erfüllt er doch die Bitte des Banernweibes und gibt ihr den Sohn zurück. Warum hat der Diener nicht zuerst die vornehme Dame hereingelassen, die hinter dem Mütterlein stand? Vor dem Kaiser sind alle gleich: Wer srüher kommt, kann ihn früher sehen — ob arm oder reich. Was mag die Dame wollen? Ihr Gemahl, ein wackrer Kapitän, ist im fernen Osten gestorben und hat sie und die Kinder im Elende zurück¬ gelassen. Der gute Kaiser soll nun den Waisen ein Vater sein; er sorgt für sie und die arme Fran. — So treten noch viele ein, Hilfe suchend und Hilfe findend. Mit bekümmerter Miene kamen sie vordem die Treppe herauf; mit der Freude im Antlitze gehen sie von dannen und mit einem Dankgebete auf den Lippen, daß Gott den Schützer der Armen noch recht lange erhalte. Der Zeiger ist gegen Mittag vorgerückt. Ihr seid aus der Schule heimgekommen und schlürft 12 das Süppleiu hinab; der Kaiser jedoch sitzt bei der Arbeit. Nun schlägt es Eins! Da, mit einem- male hört man von weitem Trompetengeschmetter: die BurgMllsik zieht heran, hinter ihr strömt eine bunte Menge von Menschen: Soldaten, Arbeiter, hohe Herren, Leute aus fernen Ländern, alle im gleichen Schritt. Alsbald ist auch der Kaiser am Fenster erschienen, den srohen Weisen zu lauschen. Mit zufriedenem Lächeln blickt er herab, sich freuend mit dem Volke, das die Feier¬ stunde benützt hat, ihn zu begrüßen. — Die letzten Töne sind verklungen und nun kommt der Diener mit Speise und Trank. Nach dem bescheidenen Mittagmahle pflegt der Monarch der Ruhe. Einsam sitzt er in seinem Zimmer und blättert in den verschiedenen Zeitungen. Hat er durch sie die Kunde von einem traurigen Ereignisse vernommen, so nimmt er den roten Stift zur Hand und streicht die Stelle an. Was der Strich zu bedeuten hat, weiß des Kaisers Schatzmeister genau und er beeilt sich, den Befehl des Herrschers auszufuhren. Liest der Kaiser von einem Feste, so ordnet er an, daß man seine Glückwünsche bekannt gebe. So ist er eins mit seinem Volke in Leiden und Freud eu. 13 Die Sonne steht tief cun westlichen Himmel; ein schöner Tag lacht zum Fenster herein; die Kinder gehen gerade aus der Schule heim. Da staut sich iu der breiten Gasse die Menge. Ein leichtes Gefährte taucht dort in der Ferne ans. Es kommt näher und näher und ehrfurchtsvoll tritt jeder zur Seite. Entblößten Hauptes stehen die Männer da, es jauchzen vor Freude die Kinder, denn der Kaiser fitzt in dem Wagen. Er fährt in sein prächtiges Schloß Schönbrnnn. Dort ist ein wunderschöner Park, in dem der Herrscher nach den Mühen des Tages Erholung sucht. Wie lieb ist ihm jedes Bäumchen, jedes Blümchen! Er neigt sich herab und erquickt sich an seinem Duste. Kommt dann der Gärtner des Weges, so redet ihn der Kaiser freundlich an, erkundigt sich nach dem Gedeihen der Pflanzen und lobt den fleißigen Mann, der den großen Garten so sorgsam pflegt. Überall prüft der Blick des gütigen Hausvaters, ob alles in Ordnung ist; überall waltet seine Liebe und Sorge. Der Abend bricht herein und der Monarch kehrt wieder in die Stadt zurück. Oft ist es schon vorgekommen, daß diesen Zeitpunkt ein Hilfesuchender benützt hat, seine Bitte vor¬ zubringen. Und, glaubt ihr, der Kaiser wäre 14 vorübergesahren, wenn mitten auf der Straße ein Bänerlein sein Gesuch in die Höhe hielt und es ihm reichen wollte? Gewiß nicht! Sofort hatte er 'befohlen zu halten und das Gesuch eutgegeu- zuuehmeu. Uud daß die Bitte erhört wurde, dessen konnte der Mann sicher sein. Die Sonne ist längst hinter die Berge ver¬ schwunden und die Nacht senkt sich hernieder. Die große, herrliche Stadt Wien erscheint in ein Flammenmeer getaucht. Allmählich jedoch erlischt ein Licht nach dem andern; nur droben am Himmel blitzen noch tausend Lichtlein und durch das Fenster, auf dessen Rand uns zuvor der Geist getragen hat, glimmt ein schwaches Flämmchen. Wir blicken wieder verstohlen in das Zimmer: Der Kaiser sitzt am Arbeitstische nnd — schreibt. Gute Nacht, du guter Kaiser! Wir kriechen in unser Bettlein, während du für uns dich mühst. Gute Nacht! — Gute Nacht! — — — — Das Jahr. Wenn der ranhe Herbstwind pfeift und die letzten Blätter von den Bäumen schüttelt, zieht der Weidmann hinaus in den öden Wald, die Spur des Wildes zu verfolgen. Da heißt es flink sein und kühn, denn Reh' und Hirsche haben gar schnelle Beine und springen über Fels und Klüfte. Wir verfolgen die Jagd. Alles ist still: nur ab und zu raschelt der Wind in den dürren Zweigeil. Da, auf einmal knackt es im Geäst: Ein stolzer Hirsch stürzt geängstigt hervor; er will gerade über eine Felsspalte setzen. Doch in diesem Augenblicke ertönt ein Knall und das Tier liegt, zum Tode getroffen, auf dem Boden. Mit lautem Gekläff laufen die Hunde heran, und tnn, als hätten sie die Beute erlegt. Indes ist der Schütze erschienen. Ein grüner Hut, mit einem Gemsbarte geziert, bedeckt sein Haupt; sein Bart ist weiß — und doch ist er dem Wilde über Stock und Stein gefolgt; ein dicker Lodenrock schützt ihn vor dem scharfen Hauch des Herbstes und die hohen Strümpfe deuten an, daß er auch den Schnee nicht scheut. Mit zufriedenem Lächeln 16 sieht er zu dem Wilde herab und geht daun langsam von dannen. Wir folgen ihm. Dort bei einer Almhütte hält er an. Die Lente treten zur Seite und verbeugen sich in Ehrfurcht. Wer mag es wohl sein? Unser Kaiser. — Der anstren¬ genden Arbeit müde, ist er hinaus in die Berge gezogen, um sich in Gottes schöner Natur zu erfrischen und an der Jagd zu vergnügen. Doch nicht lange ist ihm die Erholung ge¬ gönnt. Bald rufen ihn die Regierungsgeschäfte wieder nach Wien oder nach der Hauptstadt des Ungarlandes. Da fährt denn der Monarch bei Nacht und Wetter im Eifenbahnzuge dahin und schreibt drinnen, in dem engen Stüblein, während draußen die Schneeflocken zur Erde wirbeln und der Wind sein schauriges Lied singt. Wenn dann der Tag anbricht, trifft der Hofzug in der schönen Stadt Pest ein und alsbald steht der Kaiser mitten unter den hohen Herren, mit denen er über die Ordnung in seinem Königreiche Ungarn spricht. Wohl entzückt ihn der Glanz, der ihn überall umgibt; doch bald kehrt er wieder zurück nach seinem lieben Wien, um vielleicht in dem schönen Heim einen teuer» Freund zu emp¬ fangen. Lauter Jubel erschallt, wenn die Herrscher durch die Straßen fahren und als unzertrennliche 17 Freunde sich dem Volke zeigen. In solchen Tagen beweist Wien, wie es den Kaiser liebt und seinen Gast. Von hohen Masten flattern die Fahnen und Kanonenschüsse verkünden die Freude der Stadt. Der Freund ist geschieden und der greise Herrscher schreitet wieder zur Arbeit. Es ist nm Nikolo. Euch pocht das Herz, wenn ihr am Morgen nachsehet, was der gute Bischof auf den Teller gelegt hat. Wie freut ihr euch seiuer Gaben! Auch dem Kaiser hat er eine Bescherung gebracht: Die Wünsche und Bitten von Tausenden, die zur harten Winterszeit Not und Elend leiden. Auch der Kaiser freut sich der Gaben, ist doch Wohltnn ihm ein Vergnügen. Kaum hat er das letzte Gesuch beiseite gelegt, so klopft es leise an der Tür. Des Kaisers Minister' haben sich versammelt, um über wichtige Dinge seinen Rat zu vernehmen. Wie ein Vater sitzt er unter ihnen und lauscht, was jeder berichtet. Dann sinnt er und überlegt, wie er alles zum Besten des Volkes tuenden könnte. Schließlich dankt er den Herren, die ihm so treu und opferwillig dienen, und kehrt zurück in seine Stube, ein einsamer Alaun — mit der Sorge im Herzen. 18 Das liebe Weihnachtsfest naht. Womit werden die dankbaren Völker ihren Herrscher er¬ freuen können? Die Werke der Kunst und Wissen¬ schaft, die Zufriedenheit seiner Untertanen und der Fleiß des Kindes sind ihm die kostbarsten Gaben, die das Christkind unter seinen Weihnachts- banm legt. In der feierlichen Stunde, da ihr voll des Jubels unter dem Tannenbäumchen nach den Geschenken suchet, weilt der Kaiser im Kreise seiner Enkel und teilt die Freude mit ihnen, mit euch allen. — Ein neues Jahr bricht an, für das Kind ein Jahr der frohen Hoffnung, für den alten Kaiser ein Jahr der Mühen. Möge der Allmächtige dem Vater der Völker Kraft verleihen nnd seiner Arbeit Segen! Der Frühling hüpft durch das Land. Mit ihm sind Ostern gekommen. Während sich die Natur mit ihrem schönsten Kleide schmückt und die Vöglein jubilieren, denkt der Mensch an die Leiden des Erlösers. Wie der Herr des Himmels sich beugte, um jedem der Apostel die Füße zu waschen, so neigt sich der Herr des mächtigen Kaisertums Österreich heute zu armen Greisen herab, deren Füße zu benetzen. Damit gibt er dem Volke ein Beispiel, das Alter zu ehren und auch den ärmsten Mann zu 19 achten. Welch ein Hochgefühl mögen die emp¬ finden, vor denen sich der Kaiser zur Fußwaschung gebeugt hat! Alle Leiden, die das Alter mit sich bringt, sind dahin und der Gründonnerstag, an dem der Greis so geehrt wurde, bleibt ihm und seinen Nachkommen unvergessen. Ostern, Pfingsten sind vorüber — es naht ein anderes Fest: Fronleichnam! Während ihr hinter der Fahne, mit Blumen behangen, durch die geschmückten Straßen zieht oder dem Heilande draußen aus der bunten Wiese ein Lob¬ lied singet, schreitet der Kaiser in den Gassen der prächtigen Reichshauptstadt hinter dem Priester einher. — In dem Zeitpunkte, da Mil¬ lionen Augen voll Demut zum Aller¬ heiligsten emporblicken, ruht auch sein Blick auf dem Leib des Herrn. Es betet der Kaiser mit seinem Volke in derselben Stunde zum Erlöser der Menschen — entweder in dem glänzenden Zuge der Stadt oder draußen unter biedern Landleuten, die dem Herrn ein schlichtes Fest bereiten. Nicht die Pracht gilt ihm als Höchstes, sondern die aufrichtige Verehrung, der fromme Sinn. Welcher Stolz mag die Leute erfüllen, die in der Fronleichnamsprozession den höchsten Herrn 20 des Reiches sehen! Wie mögen da die Kinder den lieben Kaiser begrüßen und ihm sür die Ehre danken! Wie würdet ihr euch freuen, wenn er einmal in euerer Mitte erschiene! Doch er kann nicht überall sein. Denket, er weile bei euch und bete mit euch zum Herrn der Schöpsuug — und schließet ihn ein in die Bitte — den edlen Mann, bei dem euere Gedanken weilen! Der Sommer ist da; sür die Kinder nahen die Ferien, denn wird sich wohl der Kaiser auch Ruhe göuuen und iu seinem großen Reiche ein schattiges Plätzchen aussuchen. Gewiß möchte er es gerne tun; allein vorher muß er noch Nach¬ schau halten, ob seine Soldaten tüchtig geschult sind und wacker schießen und fechten können. Daher reist er, allerorts festlich empfangen, iu solche Gegenden, wo die Truppen aufeinander losrücken, als wollten sie sich bekriegen. Ein solches Kriegsspiel nennt man Manöver. Bei demselben muß jeder zeigen, wie er es machen würde, wenn er einmal im Ernst dem Feinde gegenüberstünde. Der Kaiser sitzt hoch zu Roß und späht nach allen Seiten, um zu scheu, wie sich die Truppeu halteu. Manchmal reitet er selbst mit — und wenn er dann gerade zu einem 21 Straßengraben kommt, so läßt er sich nicht ans¬ halten, sondern setzt kühn wie ein junger Husar hinüber. In solchen Augenblicken wird sich wohl schon mancher, der zaghaft war, geschämt haben, wenn er sah, wie der alte Kaiser dem Pferde die Sporen gab. So ist der oberste Kriegs¬ herr für seine Soldaten ein leuchtendes Beispiel der Ritterlichkeit im Kriege, im Frieden ein lieber Freund, ein Vater. Wie oft ist es schon vorgekommen, daß alte Krieger (Invaliden), von entfernten Orten hergereist sind, ihren Kaiser noch einmal zu sehen! Voll Rührung hat der gütige Herrscher jedesmal mit ihnen gesprochen und sie beschenkt, damit sie ihr Alter sorgenlos verleben konnten. Die Kanonen auf dem Manöverfelde sind verstummt uud die Soldaten kehren ermüdet in ihre Heimat zurück. Nun muß auch der Kaiser der Rast gedenken. Dort, wo zwischen frischem Grün die Quellen rauschen und liebliche Seen wie glän¬ zende Augen aus dem Gebüsche schimmern, im schönen Salzkammergute — zu Ischl — hat er sich ein einfaches Schloß bauen lassen, um in dessen Räumen nach der Arbeit des Jahres Ruhe zu finden. Dort weilt er im Kreise seiner Töchter und Enkel und freut sich, wenn ihn die 22 Kleinen umhüpsen. — Am 18. Angust ist des Kaisers Geburtstag. Da heißt es, dem lieben Großpapa alles Gute wünschen und ihm ein Geschenk bieten. Lauge schon warten die Kinder vor der Tür und lauschen. Da hören sie Tritte. Noch ehe sie ihr Sprüchlein wiederholen können, steht der Kaiser schon vor ihnen und küßt sie — die ersten Gratulanten. Dann geht er mit ihnen über die Treppe in den Garten und erzählt ihnen eine Geschichte, eine traurige Geschichte: Es war einmal eine hohe Frau. . . Nachwort. Ein Tag, ein Jahr im Leben des Kaisers ist an unserm Auge vorübergezogen. Wie reich an Arbeit, wie reich an Mühen ist die kurze Spanne Zeit von 24 Stunden, wie reich erst jene von 365 Tagen! Und wem widmet der Herr des Reiches seine Liebe und seine Kraft? Dem Volke, das er sein Eigen nennt, uns allen. Wer etwas gibt, will helfen; wer empfängt, muß danken. Wie soll das Kind dem Kaiser danken? Wenn es ihn lieb hat und wenn es sein Beispiel nachahmt. Wie der Kaiser jeden Tag mit Arbeit ausfüllt, so soll das Kind die Zeit wohl benützen; wie der Kaiser in jeder Stunde des Tages tätig ist, so muß das Kind den Augenblick schätzen und verwerten. Wenn der Morgen graut, wenn das Glöcklein ruft, wenn die Sonne emporsteigt, wenn sie untergeht^ wenn sich die Nacht herabsenkt: immer gedenket des lieben Vaters in Wien, immer strebt ihm nach und schließt in euer Abendgebet die Worte ein: „Gott erhalte den guten Kaiser!" Herzlichen Dank Herrn Ottomar Bamberg in Laibach für die kostenlose Drucklegung und der Papierfabrik Lepkam- Joscfstal, welche das Papier geschenkt hat! 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