M. 35. Laibach den 3. September 1864. 8. Jahrgang. (Beilage zur „Laibacher Zeitung.") Die „Blätter aus Kram" erscheinen jeden Samstag, nnd ist der Prännmcrationsprcis ganzjährig 2 fl. östcrr. Währung. Erinnerung. Im Schatten am Busch stch'n Vlümlein hold, Sie blicken hervor wie Funken und Gold, Die Lüfte wch'n lcis' im Laube dort, Und das Vöglciu singt am stillen Ort. Auf diesem heimisch süßen Platz, Da bin ich gesessen mit meinem Schatz, Wir sah'n in die weite Welt hinein, Voll Blütcnduft und Sonnenschein. Wir saßen so tranlich Arm in Arm, Herzen und Welten, sie waren warm; Das Her; und die Welt, sie waren gefüllt, In Farbe, Duft und Glück gehüllt. O du süßer, du lieber, du wonniger Traum! Auf der Welle verrinnt der glänzende Schaum; Und mußt du verrinnen nnd mußt du vcrgch'n, So laß mir den Traum'von dem Tranm bcstch'u. Laß von dem reizenden Sonncnblick »» Auf dcr grauen Wolke dcu Bogen zurück; Den Farbcnbogcn, glänzend und mild, Vom Sonnenstrahl das gebroch'nc Bild. Wer letzte Ainöder. Historisch-vaterländische Novelle vou Josef V a b u i g g. (Fortsetzung.) Von der Zinne des WartthurmeZ der Burg Ainöd wehte vcn nun an die schwarze Fahne, und verkündete der ganzen Umgegend, sowie dem einsam Wandernden den Uebergang eines theuern Gliedes der ehrenhasten Familie aus diesem in ein ! anderes Leben. In der Vurgkaftelle ertönten die Sterbelieder ! und Gebete wurden rastlos verrichtet für das Seelenbeil der Hingeschiedenen. Die Traucrgesänge haben die Bewohner der ^ Vurg in eine nicht zu beschreibende Wehmuth versetzt. Die ! Meisten wurden des Dienstes überdrüssig und vorließen solchen ^ wie sich nur eine Gelegenheit ergab. Sie Alle ahnten etwas i Furchtbares im Hintergrunde dieser so uuerwarteten Ereignisse . und flohen scheu jede fernere Enthüllung. So geschah es, daß es in der Vurg immer einsamer und unheimlicher wurde. Der Vogt merkte zwar Alles, kouuto jedoch diesem keine Hindernisse ! entgegensetzen. Er mußte nun eilen, sein Ziel zu erlangen, z sollte das verlorene Vertrauen und das frühere Ansehen zurück- ^ kehren. Dcr Mensch denkt uud Gott lenkt! ! Kaum waren die Feinde des Kaisers uud des Vaterlandes ! vertrieben, so verbreitete sich abermals die Schreckensnachricht, , daß der Feind der Christenheit wieder große Rüstungen vcran- ! stalte. Diese Nachricht ward zur Gewißheit, da ein kaiserlicher ! , Befehl, die Stadt Laibach zu befestigen, anlangte, wozu alle Edle des Landes beitragen mußten. Das Land erzitterte von Neuem. Auch Ainöd gehörig zu ^ bemannen, war des neuen Besitzers cisrigstes Bestreben. Doch umsonst! Selbst nm den größten Lohn wollte Niemand in diese ^ Dienste treten, und die Wenigen, die noch in solchem standen, z entflohen, sobald sie konnten, und mieden sorgfältig einen Ort, i wo nur die Hölle hausen sollte. Einsam und von Allen vcr- ! lassen, stand nuu der ueue Burgherr. Er hatte Zeit gcuug, über sein künftiges Loos nachzudenken. Keinen Freund, keine Hilfe, keine Macht, somit eine sichere Beute dcr blutdürstigen Türken, die ohnehin ein scharfes Augenmerk auf diese Vestc hatten. Er knirschte in ohnmächtiger Wuth. Ecineu ganzen Unmuth in solchen Fällen mußte die arme Magdalena fühlen, weil ihr Entschluß und Vorsatz unabänderlich geblieben war. ^ Eben nach einem solchen Auftritte erschien unvermuthet ! Pater Ubaldus in dem Gemach. Er fand die Arme in Thränen ! gebadet uud nach dem Tode sich sehnend, damit alle ihre Leiden ein Ende hätten. Der Pater tröstete die Tiefbetrübte und ver- ! sicherte solche einer baldigen Rettung. „Ich verlasse diesen ! Lasterpfuhl, weil ich in der Ferne mehr als hier für Euch ^ wirken kann. Habet sohin Vertrauen auf Gott, seine Allmacht und Gerechtigkeit;" segnete die Sprachlose u>,d verließ iu bitterster Nehmuth das Gemach. „Gott geleite Ihr Unternehmen," lispelte die Aermste, von der Hoffnung neu bejeelt, dem Abgehenden nach, nnd warf sich, vor innerem Schmerze übermannt, auf ihr nahes Ruhebett hin, ihr Leben und ihre Zukunft Gott deni Allmächtigen empfehlend. Die Furcht vor einem neuerlichen Ueberfalle der Türken war nicht uugegründct. Kroatien, namentlich Karlstadt uud Sissek lieferten die ersten traurigen Beweise davon, denn sie loderten, sowie sämmtliche Ortschaften der Umgegend, bereits in lichterlohen Flammen. Wcnige Tagrcisen noch und sie sind iu Krain eingebrochen, dieses wußte der Vurgvogt genau. An eine Vertheidigung Ainöds war gar nicht mehr zu denken, denn dazu fehlte es an Mannschaft, und auf einige Skelete, welche sich iu der Vurg ob Mangel einer anderen Unterknnft, wie die Schatten der abgeschiedenen Geister herumbewegten, konnte nicht gerechnet werden. Es war also beschlossen, das ganze Gebäude dem Grimme des Feindes zu überlassen, denn nach dem festen Baue konnte ohnehin der Vurg kein großer Schade zngcfügt werden, da viele Gemächer unterirdisch und in Felsen ausgehauen waren, zu welchen nur dem Vurgvogte bekannte geheime Gänge führten, außer man würde den ganzen 138 Berg sprengen, was aber für die damalige Zeit eine rcine Unmöglichkeit war. Eine desto größere Sorge mußte für das ! Innere der Räume getragen werden. Was werthvoll und be- ! weglich war, kam in sichere und feuerfeste Verstecke, Pretiosen ! und das Vaarvermögen, welches nur dem Vogte nebst dem i abwesenden Burgherrn bekannt war, fand einen 5)rt im naben ! Walde, und so war in aller Kürze für Alles bestens gesorgt ! und dem Argusauge des Feindes entzogen. MagdalenenZ Gc- ! schick blieb noch das Unentsänedcnstc; doch die Hölle weiß für i Alles Nath. ! Einige Tage nach Diesem trabten des fniben Morgens ! zwei alte Gäule, cin altes, rohgezimmcrtes Behältniß tragend, ! das einer Sänfte glich, von cincr kleinen Begleitung Bewaff- ' ncter unter einen Führer gestellt, den Weg über den Berg hinab ! nach dem nahen , gegen den Süden gelegenen Walde zu. Mittags ! ruhte der Hanfe in einer Lichtung des Forstes und labte sich gemüthlich an den mitführendcn Vorräthen. „Halt, Ihr Schurken!" tönte es plötzlich aus dem nahen ^ Tannenwalde, und ein kühner Reiter sprengte auf einem statt- ! lichen Sircitroße in ihre Mitte. Ehe sich die Rotte dem Kampfe ^ entgegenstellen konnte, wurde solche umzingelt und bis auf ihren 5 Führer niedergemacht. i „Was birgt dieses Behältniß," herrschte der Reiter dem ! Führer zu. ! „Herr, der Inhalt desselben war uns Allen nicht bekannt. < Der jetzige Besitzer von Ainöd übergab uns solches, im Küster ^ zu Landstraß abzugeben," antwortete der Angefahrene. ! „Schurre, Tu lügst! Dieser Weg hat gerade den engegcn- ! gesetzten Lauf von Landstraß. Bindet den Halunken, die Folge wird sein Loos bestimmen!" Es geschah , wie befohlen , der Reiter aber trat zur Sänfte und öffnete sie. Himmel, was erblickt fein Auge! Eine Frauen- , gestalt sah darin, in den Hintergrund gedrückt, schön, wie 5 Nafael die Madonna malt! Ihr reiches, dunkelbraunes Haar ^ sloß zu beiden Seiten ihrer Schläfe in reicher Fülle herab, ihre Augen waren geschlossen und den Mund umspielte cin sanftes Lächeln, als schwebte sie in süßen Träumen. „Magdalena!" rief der Ueberglüsliche laut auf und warf ! sich vor ihr nieder. Es war wirtlich Magdalena von Ainöd, und der Wonne- ^ berauschte war Heinrich von Grimschitz , der wegen der Türken- > einfalle zur Hilfe Ainöd's eilte und zufällig in diese Gegend i kam. Die Arme vernahm jedoch nichts von dcm Glücke ihres Vielgeliebten, denn sie schlief einen ihr künstlich beigebrachten Schlaf. Eie war noch ohne Bewußtsein, als sie schon längst im weichen Ilaumenbctte zu Seiscnbcrg lag, wohin man sie ! in aller Eile gebracht. Als sie des Morgens wieder erwachte, ! bemächtigte sich ihrer ein hohes Erstaunen. „Wo bin ich, bin > ich dem Irdischen entrückt?" rief sie einige Male verwundert ! aus und betrachtete die Pracht der Tapctenwände, sowie das ! reichvergoldete Gctäfelwcrk, die marmornen Tische und die gold- ! verzierten Vlumenvasen, welche auf denselben standen, wie nicht ! minder die großen metallenen Spiegel — Gegenstände, welche , alie ihrer bisherigen Einfachheit abgingen, und nun eine um so gröbere Beschäftigung für ihre feurige Phantasie geworden sind. Die Hausfrau trat in das Gemach und dewiLkommle sie liebevoll auf Eeifenberg. Nun erfuhr Magdalena erst d?n Ort ihres Aufenthaltes. erfuhr auch den glücklichen Zufall, der sie Hieher geführt, wie nicht minder den Namen des edlen Retters, der ihr nun durch diese That doppelt theuer gcwZrden ist. Von nun an lebte sie als cin Glied der Familie, geliebt und geschätzt von Allen. Das Gute schließt sich so gerne cin das Gute an! (Schluß folgt.) Ueber Pfahlbauten. (S ch 1 n tz.) Als cin besonders interessanter Umstand ist bei den schweizerischen Pfahlbauten hervorzuheben, daß in denen der östlichen Schweizer Seen und im Boden-See ausschließlich Artcfacte aus Stein, Horn und Holz, aber keine Spur von Metallen, vorgefunden wurden, dahingegen die Pfahlbaue in den Seen der westlichen Schweiz (im Genfer-, Neuenburger- und Vieler-Sec) sehr häufig Werkzeuge und Utensilien aus Vronce enthalten, weßhalb man allen Grund hat, zu schließen, daß die letzteren noch in einer viel späteren Zeit bewohnt waren. Die in großer Zahl aufgefundenen Sttingeräth? sind meistens ans Serpentin, Kiesel und ans dcm hauptsächlich zn Schneidewerkzeugcn verwendeten, aber in der ganzen Alpenlette nur im Jura vorkommenden, und deßhalb wahrscheinlich ziemlich kostbar gewesenen Feuersteine verfertigt. Die Beile oder Aexte sind 3—10 Zoll lang, mit breiter, ziemlich scharfer Schneide, welche man durch Behaucn > in späterer Zeit durch Schleifen auf Sandsteinplatten zu Stande brachte. Gewöhnlich sind diefe Beile keilförmig und wurden, je nacb dem Zwecke ihrer Verwendung als Holzärte, Meißel, Schabemesser (zur Zubereitung der Thierhäutc) oder Waffen, in entsprechender Stellung in gespaltene Holzstiele eingeklemmt, oder an diesen mit Bast, Thierschncn oder Riemen festgebunden, oder mit Handhaben aus Holz oder Horn versehen. Dickere Beile wurden durch Ausbohren eines StiellochcZ zum Hammer gestaltet. Die äußerst mühevolle Ausarbeitung der Bohrlöcher geschah, wie dieß an vielen unvollendeten Stücken ersichtlich ist, mittelst röhrenförmiger Hölzer und Sand.. Der Feuerstein wurde zu feineren Schneide- und Säge-Werkzeugen, zu Pfeil- und Lanzenspitzcn verwendet, welche als Waffen und, nebst Schleuder-Steinen, auch als Iagdgeräthe dienten: — Fisch-Angeln, Nadeln und Pfriemen veifertigte man aus spitzigen Knochenstücken , aus feinen Hornsplittern, vdrr auch aus Thier-, namentlich aus Eber-Zähnen. Große Mengen von größeren und kleinen Steinsplitten^ welche man in den Pfahlbauten allenthalben findet, beweisen, daß die Steing«räthe an Ort und Stelle verfertigt wurdcu, wofür auch häusig aufgefundene, stark abgenützte Schleif- und Polir-Steine und eine große Zahl unvollendeter Stücke genügendes Zcugnih geben. Die vielfach vorkommenden Topfscherben aus der Stein-Zeit sind aus grobem, grauem, mit Quarzsand und Kohlenstaub, vermengtem Thone und, wie leicht zu erkennen ist, aus freier Hand gearbeitet und am offenen Feuer gebrannt. Häufig sind sie mit eingegrabcnen Strichen, Punkten oder im Zickzack taufenden Verzierungen geschmückt. Daß die Pfalbaubewohncr der Steinzeit bereits mit der Webekunst bekannt waren, und sonach nicht blos; mit Thiersellen , sondern auch mit gewebten Stoffen sich bekleideten, verbürgen die in einigen Pfahlbauten aufgefundenen verkohlten Uebcrrcstc leinener Gewebe, verkohlte Stengel der Lcinpflanze. -und aus dem, wie vorerwähnt, zubereiteten Thone verfertigte kegelförmige Stücke von 3 — 5 Zoll Durchmesser, welche ohne Zweifel als Strcckgcwichte bei der Weberei verwendet wurden. Ueberhaupt lassen die vorkommenden verschiedenartigen Gewebe und Geflechte auf einen ziemlich hohen Grad von Kunstfertigkeit , schließen. ' ! Ueber die Nahrungsmittel und — aus diesem gefolgert ! — über die Lebensweise der Pfahlbaubewohner geben, nebst ! 'den beschriebenen Artefacten, die massenhaften Ueberreste von ^ 'Thierknochen und anderen Abfällen der Mahlzeiten Aufschlüsse. ! Für die Beschäftigung mit Fischsang zeugen die vorge« fundenen zahlreichen Scelete genossener Fische, die Angeln und ^ mehrere Kähne, die man in Pfahlbauten entdeckte. Diese ! Kähne, sehr ähnlich den Canoes der rohcsten wilden Völker ! heutiger Zeit, sind aus ausgehöhlten Baumstämmen verfertigt. Sie haben durchschnittlich eine Länge von 12 — 50 Fuß und eine Breite von 2—4 Fuß. Daß die Jagd den Pfahlbauleutcn einen bedeutenden Thcil ihrer Nahrung lieferte, ist aus den großen Mengen von Thicr-lnochen zu entnehmen, welche man in den Pfahlbauten findet. Im Pfäfsikon-See wurden an einer einzigen Stelle gegen 10 Centner solcher Knochen ausgehoben, unter denen die Knochen vom Hirsche, Rehe, Wildschwein, Steinbock, der Gemse, dem Biber, Fuchse, Dachse, Wolfe und Bären, dann jene des Elens, des Bisons, Wisents und Auerochsen vorkommen. Merkwürdiger Weise wurden Ueberreste des Hasen nirgends vorgefunden. Die größeren Röhrenknochen sind, des Markes wegen, gewöhnlich künstlich geöffnet. Auch von Vogelwild wurden sehr viele Knochen zu Tage gebracht: so die Knochen von Enten, Hasel- und Anerhühnern, Neidern, Wildtauben, Möven und von dem bei uns nur in sehr kalten Wintern erscheinenden Singschwane. Aber auch Ackerbau und Viehzucht trieben diese Steinleute. Dieß verbürgen die vorkommenden Ueberrefte zahmer Hausthiere, wie des Rindes, des Schafes, der Ziege und einer Schwein- ! gctttung (des Torfschweincs), endlich auch jen« einer kleinen Hundeart, dann die bedeutenden Quantitäten verkohlten Getreides (Gerste, zwei- und sechözcilige: Weizen, Hanf und Flachs), und endlich zahlreiche sogenannte „Kornquetscher", muldenarlig ausgehöhlte Steine, in welche ein halblugelförmig zugcarbeiteter Stein paßt, aus Diorit, Gneis und Granit, in welchen das Getreide zu Brei zerquetscht oder grob gemahlen wurde. Auch eine Quantität fladenförmiaen. au8 zerauetscktcm ^ Getreide mit Kleien gebackenen (verkohlten) Brotes wurde im Pfäfsikon-See aufgefunden. ! Ein sehr beliebtes Nahrungsmittel scheinen wilde Früchte gewesen zu sein. Dieß lassen die allenthalben in großer Menge ! vorgefundenen aufgeknakten Haselnüsse und Buchnüsse, die Kerne von wilden Kirschen, Schlehen, Brombeeren und Himbeeren schließen. Auch Holzbirnen und in Schnitze zertheilte Aepfcl — natürlich in verkohltem Zustande — fand man in großen Massen j aufgehäuft. Letztere scheinen getrocknet auch als Winterkost gc- ^ dient zu haben. l Menschliche Gebeine sind in Pfahlbauten nirgends vorgc- ! funden worden. Zweifelsohne begruben oder verbrannten dic ! Bewohner derselben ihre Todten am Lande, wofür auch in der ! That die nicht selten daselbst entdeckten Begräbnißstätten Zeugniß l geben. Ganz ähnliche Vorkommnisse bieten die der Vroncc-Zcit angehörigcn Pfahlbauten, nur mit dem Unterschiede, daß hier Stcinobjccte bereits mit Vroncegeräthen vermischt oder ausschließlich nur letztere vorkommen. In den Seen der westlichen Schweiz finden sich zahlreiche Ueberbleibsel von Ansiedelungen aus dieser Periode, und es läßt sich noch ganz gut erkennen, daß theils die schon in der Eteinperiode errichteten Pfahlwohnungen benützt, theils aber neue erbaut worden sind, welche letztere aus viel sorgfältiger behauencn Pfählen construirt sind , die nur mit metallenen Werkzeugen so gut bearbeitet werden konnten. So findet Man in ! den Pfahlbauten bei Concise im Neuenburger-Eee sowohl Stein-' als Vronce-Objecte in großer Menge; bei Estavaycr und bei ! Crasaz entdeckte man, ziemlich, nahe am Ufer, ein Pfahldorf, welches ausschließlich Steingcräthe enthielt, und etwas entlegener, tiefer im See, ein zweites, in welchem nur Vroncc-! Objecte vorkamen. Die Mehrzahl dieser Artefatte der Vroncezcit sind die untcr dem Namen „Kelt" bekannten beilförmigen Werkzeuge, Pfeilspitzen, gerade und sichelförmig gekrümmte Messer, Nadeln, Hafte (Fibeln), Haarnadeln mit fpiralformia.cn Drahtgewmden geziert, Armringe und andere kleinere Schmuckgegcnständc vcr-! schicdenster Arten. Die Formen und Verzierungen dieser Äroncegegenslände verrathen häusig Geschmack und Kunstsinn und zeugen jedenfalls für eine bedeutend höhere Culturslufe der Verfcrtiger. Daß viele dieser Pfahlbauten noch in der Eisen - Periode — bis in die Nömertage bewohnt waren, beweisen die in denselben vorkommenden Vroncegegenstündc, welche nicht mehr der reinen Vroncezcit angehören, sondern durch ihre vervolllommten Formen, namentlich aber durch eine leicht erkennbare, durch veränderte Mischungsverhältnisse erzeugte innere Beschaffenheit die Uebergangsperiode zum Eiscnalter und dieses selbst kennzeichnen. Eiserne Geräthe sind natürlich in dem langen Zeiträume längst vom Roste zerfressen worden und zerfallen. Es ist durch sehr sorgfältige, umfassende Untersuchungen erwiesen, baß die Pfahlwohnungen in den Schweizer Seen keineswegs durch ein plötzlich über alle zugleich hereingebrccheneZ Creigniß, durch feindlichen Gin fall, zu Grunde gegangen sind, sondern, daß wohl ein Theil derselben durch Brand zerstört roorden ist, viele andere aber wahrscheinlich später verlassen wurden und allmülig dem Einflüsse der Elemente verfielen. ^ Daß auch in den Ruinen solcher, m so später Zeit und aus natürlichem Wege zu Grunde gegangener Pfahlbauten noch Broncegeräthe aufgefunden werden, mag wohl auffallend fcheincn, läßt sich aber ganz gut erklären, wenn mau erwägt, wie gering die Icchl dieser Findlinge gegen die Vorräthe ist, welche noch vorhanden sein maßten, wenn die Mehrzahl dieser Pfahldörfer zugleich und plötzlich Untergängen und verlassen worden wäre, j und wenn man weiter in Rechnung zieht, daß die Alterthümer, > welche jetzt daselbst zu Tage gebracht werden, häufig aus einer ! Tiefe von 10 Fuß und darüber mit allerlei Apparaten und l großem Zeitaufwaude mühsam heraufgeholt werden müssen. Ueber die einstige Beschaffenheit der eigentlichen Wohn-bestandthcile in den Pfahlbauten lassen sich begreiflich unter den ^ gegebenen Verhältnissen nur Vermuthungen aufstellen. Ein im Egel-See im Thurgau bei Frauenfeld entdeckter, i in einzelnen Theilen ausuahmswcise gut erhaltener Pfahlbau ! läßt erkennen, daß in der Mitte der Wohnhütte sich die Feuer- ! statte befand. Ucbcreinstimmend mit der Bildungsstufe und ! Lebensweise der Bewohner sind diese Hütten zweifelsohne höchst ^ einfach und nur sür die dringendsten Bedürfnisse eingerichtet i gewesen. Der Zweck dieser Wasserbauten ist, wenn man auf die j Zeit und die Verhältnisse zurückschaut, in und unter welchen ! dieselben höchst wahrscheinlich errichtet wurden, nicht schwer zu errathen. z Mit dem Menschen zugleich bewohnten der Bär, der Wolf, der Luchs, der mächtige Aucrsticr die mit dichten Waldungen und Gestrüppen bedeckten Hügel und Niedcruugen. Mit diesen Bestien, die unter sich und mit den schwächeren Thicrgcschlechtern in stetem Vernichtuugskricgc lebten, und mit der umgebenden wilden, rauhen Natur lag der kräftige Mann in beständigem Kampfe, und wenn er auch am Tage mit Keule, Wurfgeschoß und Schleuder den ihn umgebenden Gefahren zu trotzen vermochte, so bedurften doch seine Familie uud er selbst — für die Nächte und für stürmische Tage — eines geschützten, ruhigen Aufenthaltes, einer gesicherten Wohnstätte. Diese Gefahren und Bedürfnisse ließen den Menschen zum Schüler des Bibers werden, der neben ihm in diesen Wild- l nisscn hauste. Um Schul; zu habcu gegen Naubthiere und gegen j die noch schlimmeren Feinde aus seinem eigenen Geschlechte stellte er seine Wohnung in einem See oder Sumpf auf ein Pfahlwerk , welches sie gegen Nässe schützte und, wenn er die schmale 5 Balkenbrücke, die ihn zum Lande führte, wegzog, sie völlig isolirtc, während See und Wald- ihn und die Ccinigcn hinrei- ! chcnd mit Nahrung versahen. Die Schauspieler in /rankreich. Man denke sich ja nicht, daß im Lande, welches sich der Gleichheit rühmt, der Schauspieler die gesellschaftliche Stellung jedes anderen im guten Rufe stehenden Bürgers einnimmt uud daß nichts von den Zurücksetzungen übrig geblieben, welche Bühnenkünstler in früheren Zeiten erfahren haben. Der Schauspieler wird wohl auf geweihtem Boden begraben, die Einsegnung in der Kirche aber kann ihm versagt werden, und wird ihm gar nicht selten von strengen Geistlichen in Städten und auf dem flachen Lande versagt. Erst kürzlick hat der Cultus-miuister auf Befehl des Kaisers in entschiedener Weise die Bischöfe ersucht, in ihren betreffenden Sprengeln dieser Härte und Unduldsamkeit entgegenzutreten; sein Ersuchen jedoch stieß auf ein so lebhaftes Widerstreben, als er kaum erwartet hatte: nur der Erzbischof von Paris, Monscigneur Darbois, dessen Frömmigkeit in zwei Symbolen sich ausdrückt: im Kreuz und im Adler, zeigt sich geneigt, die Wüusche des Kaisers auch in dieser Beziehung zu berücksichtigen. >— In den Provinzen werden die Schauspieler — spottweise Cabotms genannt — wie Parias gemieden und von der eigentlichen Gesellschaft fern gehalten. Es ist ohne Beispiel, daß einer von den Vühncnhelden Zutritt in eine anständige Familie erhalten hätte. Die Strenge in den Departements erstreckt sich sogar auch auf den weiblichen Theil der Bühnenkünstler. Das gesellschaftliche Leben in Paris zeigt sich auch nach dieser Richtung hin frei von Vorurtheil, milde und aufgeklärt; die Nachel erschien in dem frommen Salon der Frau Rccamicr, wo das „Geme des Christenthums" bekanntlich den Vorsitz führte. Freilich, die Schranken zu überspringen, welche das Haus von dem Salon trennt, wird dem Schauspieler auch in Paris schwer. Epigrammatisches. Richtest nach Hohem Du den Blick, Wirst als vermessen gelten; Doch wählst Du Dir Iicschcid'ncs Glück, Wird man Dich Gimpel schelten. „Bewahret das Feuer und das Licht, Damit den Menschen kein Schaden geschicht!" Dem Wächtcrruf' folg', Mädchen, Du, Und — schließe Deinc Augen zu. Es ist^die echte Weiblichkeit Ein schmuck von wunderbarem Prangen. WaS ihm den höchsten Werth verleiht: Man tanft ihu nicht wie Nina.' und Spangen. Dein holdes Miiudchcu, schöne Frau, Gleicht einer Ros' im frischen Thau; Doch es zu küssen wagt' ich nicht, Ich fiircht' — daß Dciue Zunge sticht.' Schön sein und reich, Gefällt sogleich; Schön sein und arm, Daß Gott erbarm! Schön fein und klug, Ist Glück genug; Schön sein und dumm — Nimmt Icdcr krumin. Verantwortlicher Redacteur I. v. Kleinmayr. — Druck und Verlag von Ign. v. Kleinmayr s5 F. Bamberg in Laibach.