Press ganzjährig: Österreich 2 S, Deutschland 2 Goldmark, Italien 8 hire, üschechossowakei 10 ČK, Jugoslawien 24 Dnar, Ungarn 24.000 u. K, Schweiz 2 Franken, Amerika 2 Goldmark. Der Reisige Pater Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, heifmerifz, hlnz, Oimütz, Marburg, Crient, Driest und Wien. Best 3. [Harz 1927. XXX. Jahrgang. Segen des Heiligen Vaters für die Abonnenten des »Stern der Heger« und die Wohltäter unserer Ndission. Im letzten Hefte konnten wir unfern lieben Lesern von der Ernennung des hochw. P. Alois Mohn, F. S. 0., zum Apostolischen Präfekten von Lydenburg berichten. Schon bald nach seiner Ernennung reiste Msgr. Mohn nach Rom, um dort wichtige Angelegenheiten im Interesse seiner Präfektur zu regeln und um auch an höchster Stelle zu bitten und zu betteln für seine arme Mission unter den Zulukaffern. Am 15. Jänner hatte er das Glück, zu einer Privatandienz beim Heiligen Vater zugelassen zu werden. Eine halbe Stunde lang hat sich Pius XI. mit ihm unterhalten, hat geforscht nach dem Leben und Treiben und dem Wachsen der Kongregation, den Freuden und Leiden der Missionäre und den Aussichten der Mission. Für einen Zweig der Missionstätigkeit zeigte der Heilige Vater besonderes Interesse: für die schwarzen Katechisten, Die solle der neue Präfekt ganz besonders von ihm grüßen und ihnen seinen Segen bringen. Aber nicht nur sie hat der Papst gesegnet. Bevor Msgr. Mohn seine Romreise antrat, hat ihm der P. Schriftleiter recht nachdrücklich auf die Seele gebunden, er solle bei der Audienz beim Vater der Christenheit um den päpstlichen Segen bitten für die lieben „Sterns-Leser und solle als Beweis dafür die eigenhändige Unterschrift des Papstes mitbringen. Und das hat er auch getan und unser Heiliger Vater hat also auch dich, lieber „Stern"-Leser, mit Huld und Vaterliebe gesegnet, wenn du auch nichts davon gewußt hast. Dieser Segen möge dir recht viele Gnade vom Himmel herabziehen und auch besonders dazu beitragen, die Liebe zur Mission in dir zu vermehren. Msgr. Mohn ist mit noch 3 Patres und einem Laienbruder am 9. Februar von Hamburg aus in sein fernes Arbeitsfeld abgereist. Die heiligen Engel mögen über sie wachen, damit sie nach etwa vierwöchentlicher Fahrt glücklich in Südafrika an Land steigen und den armen blinden Heiden das Licht des Glaubens bringen können und den, der das wahre Licht der Welt ist, unsern Heiland und seine Liebe! 34 Stern der Neger Heft 3 E titybizTL, Žl&t&Ljft tcvjž 3^bo\j Äjaßä LcbjctjAA £bjbt.wri §.^Ö Aiitk-iAg n|b) vi1^WOt|w jn- &-VfL4lA ^rttt/gX M/H-t. £&\'vj\^ioj'tö A >0 Ä 2/VVtVVWlt/£/i s evsA : Cr— apostolische präfektur üydenburg. f (Allgemeine Übersicht.) Von Br. August Cagol, F. S. C. |]l (Schluß.) — 10. Witbank. Vor mehr als Jahresfrist wurde Witbank vom Middelburger Distrikt abgetrennt und selbständig erklärt. Es ist der Mittelpunkt des Transvaaler Kohlenbergbaues mit 3000 weißen Einwohnern, darunter 200 Katholiken. Witbank besitzt die größte Kirche der Mission sowie ein stattliches Kloster der bayerischen Dominikanerinnen mit Tagschule und Internat. Ter Ort wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach zur bedeutendsten Stadt in der Präfektur entwickeln. Bürge dafür sind der Kohlenreichtum der Umgebung sowie das neue Elektrizitätswerk, das die Goldminen des Johannesburger Randes mit Licht und Kraft versieht und Kraft zu dem denkbar niedersten Einheitspreise auch an den Ort selbst abgeben wird- Diese günstigen Grundbedingungen werden neue Gewerbszweige anziehen und entwickeln. Gegenwärtig ist eine große Karbidfabrik int Ban. Eine Eisfabrik und eine Schuhfabrik sollen folgen. Diese Unternehmungen benötigen Arbeitskräfte, und die Stadt wächst fortwährend. Witbank ist von reichlich einem Dutzend Kohlenzechen umgeben, deren stets rauchende, die Belriebsgebäude überragende Schlote der nüchternen Weidelandschaft den ganz unafrikanischen Stempel abendländischen Gewerbefleißes aufdrücken. Zahlreiche Menschen finden hier ihr tägliches Brot, wohlverdient im Schweiße des Angesichts, Weiße und Schwarze, die sich int steten Wechsel der Arbeitsschichten ablösen. Letztere, sozusagen gestern noch ungebundene Kinder der Natur, besorgen heute, im ungewohnten Joche modernen Erwerbslebens gehend, den niederen, knechtlichen Teil der Arbeit, während die wenigen Weißen Leitung und Überwachung des Betriebes versehen. Infolge des großen Bedarfes der Witbanker Kohlenzechen an schwarzen Arbeitern finden sich hier auf verhältnismäßig kleinem Raume die größte Anzahl von Eingeborenen zusammen, zusammengewürfelt allerdings aus allen möglichen Stämmen des Erdteils südlich der großen Seen, mit den verschiedensten Sprachen und Mundarten, die da kommen und gehen, gehen und kommen, einzig zu dem Zwecke, Geld zu verdienen. Die starke schwarze Bevölkerung legte selbstverständlich von Anfang an der Missionsleitung den Gedanken nahe, diesen armen Industrie-sklaven den von ihnen nicht angestrebten höheren Segen der Erkenntnis ihrer übernatürlichen Bestimmung zu vermitteln. Dazu bedurfte es einer Schule. Die Suche nach einem geeigneten Platze am Rande oder in der Nähe der Stadt blieb mangels Verständnisses maßgebender Kreise erfolglos. Da sprang ein edler Katholik irischer Abstaminung in die Bresche. Als Angestellter einer Nachbarzeche erlangte er von seiner Bergwerksverwaltung ein Grundstück, auf dem die katholische Mission ohne Entgelt eine Schule für Eingeborene errichten konnte, so Gott will, der Ansang einer künftigen, vollwertigen Missionsstation. Die Verwaltung der T. & D. B.-Zeche (Transvaal and Delagoa-Bay Colliery) schenkte den Platz der Mission allerdings nicht, hauptsächlich zwecks Behauptung der „Mineralrechte", denn der ganze Untergrund der Gegend birgt „schwarze Diamanten", gute Steinkohle. Das war Ostern 1925. Der Platz also war da. Da kein Geld vorhanden war, um etwas darauf zu bauen, schlug jemand vor, das Grund- stück wenigstens mit Stacheldraht einzuzäunen. So wurden denn acht Rollen Stacheldraht gekauft. Die eisernen Stützen besorgte vorerwähnter Katholik, der von seiner Zechenverwaltung ausgediente Feldbahnschienen erbat. In nächster Nähe des Missionsgrundes wohnt eine englische Farmerin, eine Witwe mit vier erwachsenen Kindern, einem Sohne und drei Töchtern, die ihre Farm von der T. & I). B.-Zeche in Pacht hat. Als diese sonst sehr ehrenwerte Familie die Vorbereitungen zur Errichtung einer Schule für „Niggers" beobachtete, geriet sie in Besorgnis, Unruhe, Entrüstung; besonders die Mutter kam „aus dem Häuschen". Sie bedanke sich für diese Nachbarschaft; die Missionsschwestern, ja, die seien ihr ganz recht, wenn sie auf dem Grundstücke zu wohnen kämen; die „Koffern" aber, die würden durch Schule und Unterricht nur verdorben; die Schüler würden ihr gewiß alle ihre Feldfrüchte stehlen und ihre Töchter kämen in die größte Gefahr aus dem abgelegenen Platze. Sie beklagte sich aber nicht nur uns gegenüber, sondern machte, ihrem Unmut auch auf der Zeche Lust, an der ihr Sohn als Elektrotechniker angestellt ist. Die Sache war uns natürlich sehr unangenehm und bereitete auch dem erwähnten Katholiken, der so lebhafte Teilnahme am Zustandekommen der Missionsschule zeigte, großen Verdruß. Das Benehmen der Farmerin spiegelte recht deutlich die Anschauung der meisten Weißen im Lande wider, die die einheimischen Schwarzen mit unchristlicher Geringschätzung behandeln. Da es unklug gewesen wäre, unsere künftige Nachbarin zu reizen, anderseits die Einzäunung einer leeren Grundfläche ohne Bau zwecklos war, so unterließen wir diese Arbeit. Inzwischen wurden Baupläne entworfen auf sehr geduldigem Papier. Im September 1925 kam die Provinzialin der bayrischen Dominikanerinnen nach Witbank und versprach geldliche und persönliche Beihilfe ihrer Genossenschaft in Errichtung und Betrieb der geplanten Missionsschule. Neue Baupläne. Da es sich um ein Werk für Eingeborene handelte, dachten die Schwestern missionsromantischen Sinnes an ländliche, strohgedeckte Erdbauten. Nach unseren Erfahrungen ist aber diese Bauweise wegen der beschränkten Dauer der Baustoffe im Laufe der Zeit die allerteuerste. Gebäulichkeiten aus verzinktem Eisenblech, innen mit Holz oder Asbestzement bekleidet, erschienen unter den obwaltenden Umständen das geeignetste. Die Provinzialin hatte beabsichtigt, einen großen Schulraum und ein Häuschen für fünf Schwestern errichten zu lassen. Im November 1925 aber teilte sie von Kingwilliamstown in der Kapprovinz, ihrem gewöhnlichen Wohnorte, aus mit, sie könne nur 300 Pfund Sterling für die geplante Missionsschule aufbringen und das erst um die Jahreswende. Mit dieser Summe konnte man nur einen kleineren Schulraum und kein Haus für die Schwestern bauen. So ging das Jahr 1925 geruhig zu Ende. Im März 1926 konnten die notwendigen Bestellungen gemacht werden, und Mitte April konnte der Bau beginnen. Die Zeit heilt alle Wunden. Das bewahrheitete sich wiederum an unserer wackeren Nachbarin, der englischen Farmerin. Sie hatte sich offenbar mit dem Gedanken an die Nachbarschaft der „Kaffern-Schule" vertraut gemacht und hatte nur noch ganz leise Bedenken, die sich leicht ausreden ließen. Sie zeigte sich jetzt sehr freundlich und lud mich mehrere Male zum Tee ein. Die Oberin des hiesigen Klosters schickte ihr durch mich eine schöne, gestickte Tischdecke, was auch dazu beitrug, die Wege mehr und mehr zu ebnen. Es begann für mich eine Zeit reger Tätigkeit. Aus vier hochbeladenen Ochsenwagen waren die Baustoffe von der Bahn her angefahren und auf dem offenen Grasfelde abgeladen worden. Zunächst wurde aus einigen Balken und dem Wellblech ein Schuppendach hergerichtet, um den Zement vor etwaigem Regen zu schützen. Ich nahm zwei Schwarze in Dienst und begann mit ihnen die Fundierungsarbeiten. Steine und Sand mußten aus ziemlicher Entfernung gesammelt werden, das Wasser mußte in Blechkavnen von der Farm der Nachbarin geholt werden, die eine Quelle von gutem Trink-wasfer hat. Meine schwarzen Helfershelfer waren Katholiken und stammten aus Nordrhodesia; beide waren sie eigentlich Köche, doch blieb diese ihre Kunstfertigkeit ungenützt. Es sind gutmütige, friedliche Leute, wanderlustig, verständig, willig. Für den Holzbau hatte ich einen Tischler gewonnen, einen englischen Katholiken, der sich seit 23 Jahren in Südafrika befindet. Er brachte mit sich zwei Lehrlinge, der eine ein Bure, der andere von deutschem Vater abstammend. Sie sprachen unter sich Afrikaans, die gemütliche, einfache Sprache der Buren. Während die Schreiner am Baue zimmerten, besorgte ich mit meinen schwarzen Gehilfen die Einzäunung des Grundstückes mit Stacheldraht. Der Platz ist 31/3 Kapmorgen (2-8 ha) groß, mit einer Zaunlänge von 2310 Fuß (700 in). Er hat die Form eines unregelmäßigen Fünfecks, liegt auf sonniger, den Winden ausgesetzter Grasfläche und schließt auch eine Gruppe schattiger Schwarzrindenakazien ein. So arbeiteten wir brüderlich neben- und miteinander fort. Mittags verzehrten wir unsere mitgebrachten Butterbrote zu einer Tasse sclbst-gefertigten Tees, anfänglich unter dem Blechdache, später in dem immer häuslicher und wohnlicher werdenden Schulraume. „A la guerre coinnre ä 1 a guerre“ war unser oft wiederholter Wahlfpruch und „permanent picknicking" der Ausdruck für das reizvolle Pionierleben. Anfangs Juni war das kleine Gebäude fertig, und alsbald machte sich der Schreiner an die Anfertigung der Schulbänke und der übrigen Inneneinrichtung. Mitte Juli war alles fertiggestellt. Der Schulraum ist 8-70 m lang, 5-25 m breit und 3-10 in hoch. Das Dach ist der starken ; Winde wegen abgewalmt. Das Regenwasfer des Daches wird mittels der Dachrinnen in einem Blechtank von 45 hl Inhalt gesammelt und dient als Trinkwasser. Sieben Schiebefenster und eine Doppeltür geben dem Raume Licht und Luft. Vierzehn Bänke zu je vier Schülern erlauben eine Schülerzahl von 50 — 60. Der Bau der Schule kostete etwa 200 Pfund, die - Inneneinrichtung 50 Pfund. Es war beabsichtigt gewesen, daß Schwestern die Schule führen sollten. Das wird aber erst möglich sein, wenn die dafür bestimmten Schwestern am Platze selbst werden wohnen können. Inzwischen ist eine eingeborene Lehrerin angestellt. Zu Beginn 1926 konnte noch eine andere kleine Schule für eingeborene Kinder eröffnet werden. In der nahen Kohlenzeche Uitspan stellte die Verwaltung einen kleinen Raum innerhalb des Colliery compound (Zechenarbeiterviertel) zur Verfügung, wo etwa 20 Kinder von einem eingeborenen Lehrer unterrichtet werden. Leider sind die Verhältnisse einem Ausbau der Schule nicht günstig. Das Witbanker Kohlengebiet verlangte die Eröffnung weiterer und zahlreicher kleiner Schulen für Eingeborene, die in einer' gut gegründeten Missionshauptstation ihren Ausgangs- und Mittelpunkt finden sollten. Dazu wären bedeutende Mittel erforderlich, die der Mission gänzlich fehlen. Eine weitere Schwierigkeit bietet das Stämmegemisch der Witbanker schwarzen Bevölkerung mit ihren so verschiedenen Sprachen und Mundarten, die an die Missionäre die größten Anforderungen stellt. Dessenungeachtet wäre die Missionierung gerade dieser aus allen Himmelsgegenden zusammengeströmten Menschen ein hervorragend katholisches Werk. Sie suchen im allgemeinen in Witbank und in Transvaal keine bleibende Stätte, sondern kehren nach einiger Zeit wieder in die Heimat zurück, so unbewußt einen wirksamen Sauerteig bildend, im guten wie im : bösen Sinne. Es scheint übrigens, daß sich unter Stern der Neger Heft 3 38 diesen zusammengewürfelten Arbeitsgenossen eine Art lingua franca, ein südafrikanisches „Esperanto" herausbilde. In der Union von Südasrika wohnen auf einer Fläche von 1,224.789 Geviertkilometern etwa 8 Millionen Menschen, l3/* Millionen Weiße und 6^4 Millionen Schwarze und Farbige. Unter der Gesamtbevölkerung gibt es Wie in der übrigen Union von Südafrika ist auch die Bevölkerung in der Präfektur Lydenburg dünn und zerstreut, und Katholiken kleiner Orte, die die Niederlassung eines ständigen Priesters nicht rechtfertigen, können nur durch die Wanderseelsorge erfaßt werden, die denn auch einen wichtigen Zweig der Seelsorge für die Weißen bildet und die dank des ziemlich Ochsengespann in Südafrika. etwa 70.000 weiße und 90.000 dunkelhäutige Katholiken. Seit vier Jahren ist für Südafrika eine Apostolische Delegatur errichtet, der 18 kirchliche Sprengel, 10 Vikariate und 8 Präfekturen unterstehen.*) *) Die Oblaten der Unbefleckten Jungfrau versehen fünf Vikariate, nämlich Natal, Transvaal, Kimberley, Basutoland und Windhoek. Weltpriester versehen zwei Vikariate: Westkapland und Ostkapland, die Mariann-hiller Missionäre haben das Vikariat Mariannhill, die Benediktiner von St. Ottilien das Vikariat Eshowe, die dichten Eisenbahnnetzes (die Union von Südafrika hat 19.392 km Eisenbahn, d. i. mehr als ein Drittel der Streckenlänge der reichs-deutschen Bahnen) ziemlich leicht gemacht ist. Die weißen Katholiken gehören verschiedenen Oblaten dos hl. Franz von Sales das Vikariat Oranje« fluß und die Präfektur Groß-Namaqualand, die Jesuiten die Präsektur Rhodesien, die Pallottiner die Präfektur Zentralkapland, die Benediktiner die Präfektur Nordtransvaal, die Serviten die Präfektur Swaziland, die Väter vom Heiligen Geist die Präfektur Kroonstad, Stern der Neger 39 Heft 3 Völkern an; vorherrschend sind Iren; außerdem gibt es Engländer, Schotten, Franzosen, Italiener, Holländer, Deutsche, Ungarn, Polen, Littauer, Spanier, Portugiesen, Syrier. Alle bedienen sich des Englischen, wenigstens als Vermittlungssprache; es wird daher auch nur auf Englisch gepredigt. Die Leute vertragen sich sehr gut; der Gemeinsinn unter den südafrikanischen Katholiken ist auffällig. Er wird gepflegt durch eine vorzügliche katholische Presse, das wöchentliche „Südliche Kreuz" (Kapstadt) und die monatlichen „Katholischen Nachrichten" (Johannesburg) sowie durch häufige Ausflüge mit der Bahn, die die Leute in Verkehr mit einander bringt, ermuntert durch die billigen „Wochenende-Fahrkarten" zu halbem Preise. Das Leben unter einer starken Mehrheit von Nichtkatholiken veranlaßt manche Katholiken, Mischehen einzugehen. Wenn der katholische Eheteil fest im Glauben ist, führt es häufig zur Bekehrung des nichtkatholischen Teiles; im andern Falle büßt der katholische Teil häufig noch den Nest seines Glaubens ein. Im allgemeinen sind die Anglikaner die vernünftigsten unter den Protestanten, die der katholischen Kirche meist eine gewisse Verehrung zollen und selbst Hinneigung zu ihr bekunden. Die Apostolische Präfektur ist ein versprechendes Arbeitsfeld. Das gute Klima gestattet dem die Priester vom heiligsten Herzen die Präfektur Gariep, die Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu die Präfektur Lydenbnrg. „Jack Mquani", ein Eingeborener aus Transvaal, stand vor Gericht. Es war das elfte Mal, und jedesmal lvar er, weil schuldig, verurteilt worden. Diesmal bestand seine Schuld darin, daß er nach jemandem Steine geworfen. In Anbetracht seines üblen Rufes wurde er zu der etwas strenge scheinenden Strafe von drei Europäer lebenslänglichen Aufenthalt und Tätigkeit bis ins hohe Alter. Eine verständige, dem Christentum geneigte eingeborene Bevölkerung gewährt Hoffnung auf erfolgreiche Missionstätigkeit. Schwierigkeiten sind der Einfluß protestantischen Wettbewerbs, wachsendes Mißtrauen der Schwarzen den Weißen gegenüber, in denen sie ihre Bedrücker sehen, mangelndes Verständnis, besonders der Missionsnotwendigkeit, auf Seite der Weißen und schließlich Mangel an Geldmitteln. Hier hat das wenige Geld außerdem nur geringe Kaufkraft; so verdient ein Handwerker einen Taglohn von 1 Pfand Sterling und darüber. Gerade der Mangel an Mitteln fällt stark ins Gewicht bei einer Mission, die noch in ihren Anfängen steckt. Aus der Heimat ist bei den gegenwärtigen trüben Zeitläuften keine oder äußerst geringe geldliche Beihilfe zu erwarten. Auch von anderswoher ist kaum etwas zu hoffen. Der Krieg hat fast überall wirtschaftliche Not gebracht. Das merkt man selbst in Südafrika, trotzdem es weitab lag vom eigentlichen Kriegsschauplatz. Infolge der Geldknappheit ist die allgemeine Geschäftslage hier sehr unsicher, was wiederum hemmend wirkt auf etwaige örtliche Einkünfte der Mission. Möge es in Bälde zu einer wirklichen Besserung der ganzen Weltlage kommen; möge bald Frieden werden in dem wirtschaftlichen Kampfe, der allüberall entbrannt ist, der im Grunde nichts ist als der alte Tanz ums goldene Kalb. Monaten Gefängnis mit harter Arbeit verurteilt. — Schon wollte man ihn abführen, als er sich ganz vertrauensvoll an den Richter wandte: „Herr Richter! Ich bin nicht zufrieden mit dem Urteil; es ist nicht gut; ich bitte daher, es umzuändern!" — Ganz verdutzt legte der Richter die Feder beiseite und fragte Jack OBOE □id do Wof)I selten dagewesen! Von Hochw. P. Bernhard Zorn, P. 8. C. OB OB □iü □[□ 40 Stern der Neger Heft 3 in überraschtem Tone: „Was meinen Sie denn damit? Ich wäre doch neugierig, den Grund dieser Bemerkung zu hören!" — „Well (gut), ich möchte Sie bitten, Ihr Urteil dahin umzuändern, daß Sie mir statt drei vier Monate gutschreiben: drei ist eine so dumme Zahl; ich liebe stets die geraden Zahlen!" — Der Richter bedauerte jedoch, daß er seinem Wunsche nicht willfahren könne, da es ihm nicht erlaubt sei, seine Rechtssprüche den Symmetriegefühlen der Delinquenten anzupassen. ö 0 Q Umschau. EU ö 0 Nom. Um die Jahreswende wurde in der Ewigen Stadt das zweihundertjährige Jubiläum der Heiligsprechung der beiden Jugendpatrone Aloisius von Gonzaga und Stanislaus Kostka mit außerordentlichem Glanze gefeiert. Aus diesem Anlasse brachte man das Haupt des hl. Aloisius in einem von der italienischen Regierung zur Verfügung gestellten und zur Kapelle umgewandelten Salonwagen von Castiglione nach Rom, wo die heilige Reliquie, von über 100 Automobilen begleitet, in festlichem Zuge in die Jgnatius-kirche überführt und auf dem Altare, der den Leib des Heiligen birgt, zur öffentlichen Verehrung ausgestellt wurde. Aus allen Teilen der Welt hatten sich Vertreter und Abordnungen der katholischen Jugendvereine in Rom eingefunden, um an den aloisianischen Feiern teilzunehmen. Zu Ende Dezember übertrug man die heilige Urne bei Fackelschein in den Petersdom. Den Höhepunkt erreichten die Festlichkeiten in dem Pontifikalamt, das Pius XI. am Silvestertag in Anwesenheit der Kardinäle und des päpstlichen Hofes hielt. Bei der Audienz, die er den 4000 jugendlichen Pilgern gewährte, gab er seiner Freude Ausdruck über die kostbar ausgestatteten Bände, in denen mehr als zwei Millionen Jugendlicher sich durch ihre Unterschriften zum treuen Festhalten an den Idealen ihres himmlischen Patrons bekannten. Es wäre wünschenswert, daß die katholische Jugend sich den herrlichen Missionsgeist aneignete, der den heiligen Fürstensohn beseelte; denn Aloisius ist in die Gesellschaft Jesu ein- getreten, um Missionär zu werden. Die Bekehrung der Heiden in Indien, Japan und der Neuen Welt beschäftigte immer wieder seine Gedanken und er brannte vor Begierde, einst als Missionär in die Heidenländer gesandt zu werden, um womöglich sein Blut für die Ausbreitung des Glaubens hinzugeben. In diesem echt apostolischen Opfergeiste schreckte er auch vor der Pflege der Pestkranken nicht zurück und starb als Märtyrer der Nächstenliebe. . Im verflossenen Jubeljahre wurden 206 Märtyrer sowie 4 Bekenner seliggesprochen und zu den Ehren der Altäre erhoben. Als „purpurrote Menge" bezeichnete der Heilige Vater die 191 Opfer der Französischen Revolution, die zu Paris im September 1792 den Tod erlitten, weil sie die von Papst Pius VI. verworfene Zivilverfassung der Geistlichen zurückwiesen und den Revolutionseid nicht leisten wollten. Unter ihnen befanden sich drei Bischöfe, Weltpriester aller Grade und Ordenspriester aus den verschiedenen Klöstern, wie auch mehrere Laien. Von den Opfern der Christenverfolgung zu Damaskus im Jahre 1860 wurden elf seliggesprochen, darunter der aus dem Zillertal in Tirol stammende Franziskanerpater Engelbert Kolland. Die vier seligen Bekenner sind der französische Pfarrer Andreas Hubert Fournet, Mitbegründer der „Kreuzschwesteru vom. hl. Andreas", Lucia Philippini, erste Oberin einer italienischen Genossenschaft von Schulschwestern, Johanna Antide Thouret, Stifterin der Barmherzigen Schwestern von Besannen, und Bartolomen Capitaneo, Stifterin der „Schwestern von der Siebe", die auch in den Missionen wirken. Portugal. Im Jahre 1910 hat Portugal die Trennung von Staat und Kirche durchgeführt und sie bis heute aufrechterhalten. Es scheint indessen, daß der kirchenfeindliche Geist den portugiesischen Kolonien arbeitenden Missionären erhebliche Unterstützungen zu, in der richtigen Erkenntnis, daß die Missionsarbeit auch die kulturelle Entwicklung des Landes und den sozialen Wohlstand der einheimischen Bevölkerung weitgehend fördert. Den arbeitsunfähigen Missionären werden staatliche Pen- Schillukjirngling mit Lanze. allmählich schwindet. Kürzlich fand unter dem Vorsitze des Patriarchen von Lissabon ein Landeskonzil statt, zu dessen Eröffnungsfeier auch Vertreter der Regierung, darunter der Außenminister, erschienen waren. Der Patriarch Mendes-Bello erklärte in seiner Rede an die versammelten Bischöfe und Konzilsväter, daß die katholische Kirche in Portugal von Seite der Staatsgewalt nichts mehr zu fürchten habe. Die Regierung wendet gegenwärtig den in sionen in Aussicht gestellt, auch den ausländischen Glaubensverkündern, falls sie sich verpflichten, auf den Schutz ihrer Konsulate zu verzichten. Anscheinend richtet sich diese Maßnahme gegen die protestantischen Send-linge, die sich unter englisch-amerikanischem Schutze mancherlei Übergriffe erlaubten. Amerika. Die Katholikenverfolgung in Mexiko nimmt ihren blutigen Fortgang. Der Wüterich Calles erklärte sich aber bereit, die Gewalttätigkeiten einzustellen, wenn die Bischöfe und Priester von der katholischen Kirche abfallen und eine mexikanische Nationalkirche begründen wollten, die natürlich ganz der staatlichen Gewalt und der bolschewistisch-srcimaurerischen Willkürherrschaft unterworfen wäre. Blättermeldungen besagen, daß Calles der Sohn ostjüdischer Eltern ist und in Wirklichkeit Plutarch Elias heißt. Asien. In der japanischen Stadt Rhama-gnchi wurde dem hl. Franziskus Kaverius, dem Apostel Indiens und Japans, ein prächtiges Denkmal gesetzt. Es besteht aus einem hohen Granitkreuz mit dem Bronzebild des Heiligen in der Kreuzung der Arme. Zu den Festveranstaltungen hatten sich auch, die Spitzen der heidnischen Behörden eingefunden. Um die Mitte des Jahres 1925 zählte die katholische Mission in China 56 Bischöfe, 1723 ausländische und 1184 einheimische Priester, 248 ausländische und 271 einheimische Brüder, 1088 ausländische und 2830 einheimische Schwestern, 311 Waisenhäuser mit 20.815 Waisenkindern, 21 Missionsdruckereien und 343 671 Schüler in den Missionsschulen. Im Berichtsjahre 1924/25 wurden 384.499 Taufen gespendet, davon 64.856 an erwach-sene Heiden, 71.987 an Kinder christlicher Eltern, die übrigen an heidnische Kinder und heidnische Erwachsene in Todesgefahr (Kath. Miss. 1/1927.) Nach der von ber chinesischen Postverwaltung vorgenommenen Volkszählung hat China 436 Millionen Einwohner; davon leben in der Hauptstadt Peking 4 Millionen, in der Hafenstadt Schanghai o1/? Millionen. Afrika. Durch Mittelasrika geht eine Gnadenwelle. Eine christentumsfreundliche Stimmung hat weite Kreise ersaßt. Leider fehlen die Missionäre, um die schnittreife Ernte in die Scheunen der Kirche zu sammeln. In Kamerun, wo vor dem Kriege die deutschen Palottiner missionierten, ist die Zahl der Getauften von 28.000 auf 100.000 gestiegen. Die 24 Missionäre, denen 10 Brüder, 16 Schwestern und 1400 Katechisten zur Seite stehen, sind nicht in der Lage, die Neubekehrten religiös zu versorgen und noch dazu 7000 Katechumenen auf die heilige Taufe vorzubereiten. Eine Vermehrung des Missionsstabes ist dringend geboten. Ähnliche Berichte laufen aus Ostafrika ein. In der Urundimission herrscht eine äußerst günstige Strömung zum Christentum. Zahllose Dörfer mit ihren Vorstehern und viele Häuptlinge, die über 10.000, ja sogar über 70.000 Neger gebieten, ersuchen um Missionäre oder doch wenigstens um Katechisten. Die einzelnen Missionsstationen weisen Tausende von Tanfbewerbern auf. So zählt Mugara 4800, Rugali 5300, Kanyinya 5500 Taufschüler. Der Missionsbezirk Kanyinya hat 200.000 Bewohner. Beständen dort 7—8 Missionsstationen, so könnten in jeder 20.000—25.000 Heiden für die Kirche gewonnen werden. Die Taufbewerber bringen ganze Körbe voll heidnischer Zaubermittel und verbrennen sie auf dem Missionsplatz. Alte Zauberer bekennen öffentlich, daß sie das leichtgläubige Volk betrogen haben. Auch einige mächtige Häuptlinge und Mitglieder der alten Königsfamilien haben bereits die heilige Taufe empfangen. Im Berichtsjahre wurden im llrundivikariat 4259 Taufen gespendet. Das Leben der Neuchristen ist musterhast und ausgezeichnet durch heldenhaften Opfersinn wie echten Glaubensgeist. (Kath. Miss. 1/1927.) Australien und Ozeanien. Die Beagle-bay-Mission der Pallottiner an der Nordwestküste des Erdteils kann infolge der Freizügigkeit der Eingeborenen erst 700 lebende Christen buchen. Neben den 3 Priestern widmen sich 5 Brüder und 12 Schwestern der Bekehrungsarbeit. Die hohe Ziffer der Jahreskommunionen, 25.000, bekundet, daß die armen Wilden die Gnade des Christentums zu schätzen wissen. Auf den zahllosen Inseln der Südsee erschwere» die Wildheit der Eingeborenen, die weiten Entfernungen und die kolonialpolitischen Verhältnisse wie auch die Gegenarbeit der Protestanten die katholische Missionstätigkeit. Doch arbeiten die katholischen Glaubenspioniere mit aufopferungsvoller Zähigkeit und wachsendem Erfolge. Die Stehler Mission auf der Insel Neuguinea verzeichnete am 1. Juli 1925 insgesamt 11.594 lebende Getaufte, während das Vikariat Holländisch-Neuguinea 19.594 Bekehrte auswies. Nach 17jähriger Tätigkeit konnten die Missionäre auch in Süd-Neuguinea bei den wilden Kopfjägern der Kaya-Kayas die erste große Tauffeier abhalten. Eine starke Bewegung zum Christentum bricht sich Bahn. Die große Doppelinsel Neuseeland zählt 166.577 Katholiken europäischer Herkunft und 5000 katholische Maoris (Eingeborene). Es wirken dort 6 Bischöfe, 284 Priester, 72 Brüder und 1443 Schwestern. (Z. M. 4/1926.) Da nun Deutschland dem Völkerbund angehört, dürfen die deutschen Missionäre in der Südseemission verbleiben. Ob aber die deutschen Missionsgesellschaften auch wieder in den früheren Kolonien zugelassen werden, ist völlig ungewiß. fr d egb X)er Zauberer der Gahirr. d' Eine Erzählung aus Kamerun von P. Johannes Emonts, S. C. J.:i:) 4 (Fortsetzung.) 'j Ahnungslos setzte P. Breuer mit den Trägern seine Reise fort. Die Sonne brannte heiß auf die einsamen Wanderer hernieder. Endlich, nicht lange nach Mittag, lag Buabengi, das Ziel der Reise, vor ihnen, und nach einer weiteren halben Stunde rückten sie ins Dorf ein. Frauen und Kinder liefen beim Anblick der weißen Gestalt erschreckt davon und versteckten sich. Die ersten Bahirimänner, die des Weißen ansichtig wurden, eilten der kleinen Karawane voraus und riefen: „Ihr Leute von Bahiri, der Weiße von Opolinda ist auf dem Wege!" Die Rufe gingen wie ein Lauffeuer^ durchs ganze Dorf. Schon ^rach wenigen Augenblicken donnerte die große Sprachtrommel und gab die Nachricht aip die entfernteren Gehöfte und Ortschaften weiter. Von überall her strömten die Männer zum Häuptlingsgehöft. „Sie werden mich auf dem großen Dorfplatz empfangen", dachte Pater Breuer, der gar nicht an irgendeine Gefahr dachte. Auf dem Häuptlingsplatz war schon eine große Menschenmenge beisammen. Sobald der Missionär erschien, erhob sich ein wüstes Geheul, die Lanzen wurden erhoben, wild knatterten und ratterten die Gongs. Noch immer glaubte P. Breuer, es handle sich um einen festlichen Empfang, denn laut und wild, lärmend und möglichst kriegerisch muß es bei allen Festen und Empfängen hergehen. Doch, was ist das? Was sind das für Rufe: „Tod dem Weißen! Rache für den Tod Ulambis!" Waren das nicht Drohungen? Die Größe der Gefahr er- '0 Mit gütiger Druckerlaubnis der Aachener Missio kennend, blieb er mitten auf dem Platz stehen, nahm Kembä das Gewehr von der Schulter, schaute mutig auf die aufgeregte Menge, die sich eng um den Häuptling geschart hatte, und bedeutete den vor Angst zitternden Trägern, die Lasten niederzusetzen. Da trat Beschuba, der Häuptling, einige Schritte vor, befahl-seinen Leuten Ruhe und rief: „Wie kannst du es wagen, Weißer, gegen meinen ausdrücklichen Befehl in mein Dorf zu kommen?" — „Einen solchen Befehl habeich nicht erhalten V' — „Ich sandte dir die beiden Boten zu, daß sie dir melden sollten, sofort umzukehren." — „Zu mir sind die Boten nicht zurückgekehrt. Sie sind also noch im Dorf. Einen Befehl habe ich nicht erhalten." — „So gebe ich ihn dir jetzt, ich, der Häuptling Beschuba! Ich will, daß du sofort mein Dorf verlässest!" — „Und wenn ich es nicht tue?" — „Dann wirst du mich kennen lernen. Sieh hier diese vielen Männer, steh diese Lanzen!" — „Ich sehe sie, aber du kannst dann auch mich und mein Gewehr kennen lernen. Glaube nicht, daß du mich wie einen Hund abweisen kannst, nachdem du mich doch nach hier eingeladen hast! Ich will wissen, weshalb du mich so schnöde abweisest?" — „Und ich frage dich, weshalb du meinen Sohn Ulambi so schnöde ermordet hast?" — „Ich soll deinen Sohn ermordet haben? Wer hat dir diese dumme Nachricht gebracht? Das ist eine Lüge, eine schmähliche Verleumdung." — „Es muß dir genügen, daß binderet A.-G., Aachen (Rhld.). wir wissen und schon lange wußten, was du für ein schlechter Mensch bist. Meinen Sohn hast du ermordet, und heute kommst du mit neuen Mordgedanken in unser Dorf. Sofort verlässest du mein Gehöft, oder ich gebe meinen Leuten den Befehl, dich mit ihren Lanzen zu durchbohren !" — „Tue das, Häuptling! Mein Gewehr ist mit scharfen Kugeln geladen. Ehe die Leute mir etwas anhaben, bist du ein toter Mann! Bleib nur stehen, Häuptling, dann zeige ich dir die Kraft meiner Waffe. Ehe ich bis fünf gezählt habe, wirst du sie kennen." Pater Breuer hielt es nämlich für gut, den Häuptling einzuschüchtern; deshalb legte er an und zählte, aber kaum hatte er bis drei gezählt, da senkten sich die Lanzen und der Häuptling rief erschreckt: „Weißer, schieß nicht! Nimm dein Gewehr fort, und du kannst ohne Gefahr nach Opolinda zurückkehren, aber ich bitte dich, gehe sofort!" — „Ich gehe, wann ich will. Jedenfalls gehe ich nicht ohne die beiden Boten, die hier im Dorf zurückgehalten werden." — „Sie sind nicht hier! Ich habe sie dir entgegengeschickt." — „Dann hat einer der Bahiri sie festgehalten, und ich fordere sie von dir zurück. Wehe dir, Häuptling, wenn ihnen ein Leid geschieht! Wehe diesem Dorfe, wenn sie nicht bald bei mir sind. Um nicht länger mit dir herumzustreiten, suche ich mir nun ein Gehöft, denn ich bleibe so lange, bis ich die beiden Boten bei mir habe. Dann ziehe ich aus deinem ungastlichen Dorfe fort. Hast du gehört, Häuptling?" — „Ja!" — „Ich verlange Lebensmittel für mich und die Träger. Wenn du mir keine schickst, nehme ich sie mit Gewalt." Die Träger hoben nun auf ein Zeichen des Missionärs die Lasten auf und verließen mit dem Pater das Gehöft. Für den Augenblick war nichts zu wollen. P. Breuer gedachte sich in eins der kleinen Gehöfte zurückzuziehen, die er vor dem Dorfe beobachtet hatte. Hinter ihnen her erscholl wildes Triumphgeheul der Bahiri, die nun, da der Weiße fortzog, ivieder Mut faßten, aber doch nicht zu folgen wagten. Die Träger schritten rüstig aus. Ein heilloser Schrecken war ihnen in die Glieder gefahren, und sie fürchteten, sogar noch auf dem beschleunigten Rückzug überfallen zu werden. Nur fort, nur weit fort! Nur zurück nach Opolinda! Es war ihnen gar nicht recht, als der Missionär bei einem kleinen,Farmgehöfte haltmachte. Es bedurfte vieler Überredungen und sogar einer scharfen Drohung, ehe sie sich fügten. Das Gehöft bestand aus zwei kleinen Hütten, die rundum von einem grünen Batatenfeld umgeben waren. Wer an die Hütten heranwollte, wurde schon in fünfzig bis sechzig Meter Entfernung gesehen und bot ein leichtes Ziel. Die Hütten wurden gereinigt und die wenigen Bananenstauden, die den freien Ausblick auf der Rückseite verdeckten, abgehauen. P. Breuer gab seinen Leuten genaue Verhaltungsmaßregeln, stellte eine Wache aus und überdachte dann seine Lage. Wie war der Empfang ein ganz anderer gewesen, als er erwartet hatte! Er machte sich bittere Vorwürfe und überlegte dann, was nun zu tun sei. „Die Lage ist nicht ohne Gefahr," gestand er sich, „aber ich gehe nicht nach Opolinda zurück. Der Bischof hat mich hierhin geschickt, und ich bleibe, bis der Bischof mich wieder abberuft. Ich müßte mich schämen, wenn ich mich bei der ersten Schwierigkeit entmutigen ließe." Damit war die Sache entschieden. Der Missionär nahm sein Brevier zur Hand und betete. Das geladene Gewehr stand schußbereit neben ihm. Im Dorf brummten die Gongs, sangen die Bahiri wilde Kriegslieder und tranken gewiß große Mengen Palmwein. 4. Kapitel. Wichtige Enthüllungen. Die Nacht ging ohne Zwischenfall vorbei. Langsam verrannen, die Stunden des neuen Morgens. Die warme Sonne stieg höher und höher. Quälende Ungewißheit, ein beklemmendes Gefühl des ersten Mißerfolges erfaßte den Missionär. Gegen den Willen des Häuptlings und der Bahiri war hier nichts anzufangen. P. Breuer saß in Gedanken versunken vor der Hütte in seinem Reisestuhl. Das Gewehr stand schußbereit neben ihm. Sein Breviergebet hatte er bereits beendet. Wie sehr er nun auch nachdachte und grübelte, um aus dieser verzwickten Lage herauszukommen, es fand sich keine Lösung. Da erschallte im Dorf die große Sprachtrommel in lauten und leisen, in hohen und niedrigen, in langanhaltenden und dann schnell sich folgenden Tönen. Von den nahen und fernen Gehöften und Dörfern kamen alsbald die Antworten zurück. Das weckte ihn aus seinen Träumereien auf und gab seinen Gedanken eine andere Richtung. Was mochten die Wilden nur so eifrig hin und her telegraphieren? Leider verstehe ich kein Wort davon. Sie müssen hier ein ganz anderes Trommelsystem haben als in Opolinda, wo ich zuletzt alles verstand. Wenn ich doch wüßte, was sie sich da von Dorf zu Dorf mitteilen! Gewiß sprechen sie auch von mir und von dem, was sie mit mir vorhaben ! Das laute Trommeln verstummte, und die vorige Ruhe war wieder da. Eine halbe Stunde nach der anderen verrann. Das war nicht mehr zum Aushalten. Er durste nicht so müßig dasitzen, er mußte handeln. Entschlossen sprang er auf, nahm sein Gewehr und rief laut: „Kembä!" Der Gerufene steckte seinen Kopf aus dem schmalen Türrahmen seiner Hütte und fragte erstaunt: „Was soll ich, mein Vater?" sich noch einige Zeit in Geduld zu fassen. Es war tatsächlich gefährlich, die Leute allein zu lassen. Unentschlossen stand er da und überlegte, als auf einmal Kembä freudestrahlend auf den Weg hinauszeigte und sagte: „Sieh da, Vater, da kommen drei Bahiri. Sie scheinen Lebensrnittel zu bringen und haben gewiß eine Botschaft vom Häuptling. Vielleicht hat er sich bedacht und gibt dir die Erlaubnis, ins Dorf zukommen." Die drei schwarzen Burschen blieben in einiger Entfernung stehen und hoben kleine, frisch geflochteneLebensmittelkörbchen in dieHöhe, um anzudeuten, daß sie in friedlicher Absicht Der Stolz des Arabers. — „Ich gehe ins Dorf zum Häuptling und hoffe bald zurück zu sein." Kembä kam nun näher und sagte ängstlich: „Du willst zum Häuptling? Wenn nun unterdessen die Bahiri-krieger hierhin kommen und uns überfallen?" Dann fuhr er leise fort und schaute, ob nicht die Träger in der Nähe seien: „Oder wenn die Träger deine Abwesenheit benützen, sich auf- und davonmachen und uns im Stich lassen? Mein Vater, du mußt ja wissen, was du tust, aber ich glaube, es ist besser, wenn du hier bleibst oder mit uns zusammen nach Opolinda zurückkehrst." Kembä schaute so wehmütig auf den Pater, bat so flehentlich und führte so wichtige Gründe an, daß dieser zuerst nicht wußte, ob es in Wirklichkeit nicht besser sei, kämen. „Was wollt ihr?" fragte?. Breuer. „Wir sind drei Dschindar (Diener) des Bahirihäupt-lings und bringen dir und deinen Trägern Lebensrnittel." — „Laßt eure Lanzen und Messer dort und kommt näher. Es soll euch nichts geschehen." Die drei Burschen kamen scheu und furchtsam heran, stellten die Körbe vor dem Pater nieder und blieben daneben stehen. Der Älteste trat einen Schritt vor und sagte: „Weißer, der Häuptling läßt dir sagen, daß er die ganze Gegend nach den beiden Boten hat absuchen lassen. Nirgendwo fand man ihre Spur, aber die Farmfrauen haben sie auf dem Weg nach Opolinda zurückkehren sehen. Hier ist eine Kalabasse mit Palmwein, zwei Hühner, ein Körbchen mit Eiern und fünf Körbchen mit Maismehl. Das ist für dich und deine Träger. Der Häuptling läßt dich bitten, heute nachmittag oder morgen in der Frühe nach Opolinda zurückzukehren." — „Und wenn ich nicht fortgehe?" DieBurschen wagten nicht zu antworten, sondern schauten auf den Boden, aber der Pater wiederholte seine Frage und sagte: „Sagt nur frei und offen, was der Häuptling tut, wenn ich nicht fortgehe." — „Dann will er dich zwingen." — „Gut, er soll es tun. soll es nur versuchen! Seht ihr diesen Platz? Nach allen Seiten bietet er freie Aussicht. Jeder, der bei Tag oder bei Nacht in feindlicher Absicht hier herankommt, den werde ich unbarmherzig mit meinem Gewehr erschießen. Meldet dem Häuptling, daß ich nicht eher das Dorf verlasse, als bis ich die beiden Boten zurückhabe." — „Wer von euch ist der jüngste?------So, dann könnt ihr zwei andern ins Dorf zurückkehren. Dieser aber bleibt vorläufig hier, damit ich ihn bei Gelegenheit als Boten zum Häuptling senden kann. Es geschieht ihm nichts, aber wenn er zu entfliehen versucht, wird mein Gewehr ihn daran hindern. So, nun geht!" Tie beiden Entlassenen machten sich schleunigst davon. Der Zurückgebliebene zitterte vor lauter Angst und fürchtete für sein Leben. Die Träger, die in der Nähe standen, nahmen ihn mit in ihre Hütte und bemachten ihn. Wieder saß nun der Pater da und kämpfte mit seinen Gedanken. Der Widerstand des Häuptlings reizte ihn. „Nach Opolinda soll ich zurückkehren? Nein, so schnell räume ich das Feld nicht. Ich muß wissen, woher der geheime Widerstand kommt. Gewiß hat wieder ein Zauberer seine Hand im Spiele, wie es anfangs auch in Opolinda war." Da kam ihm der Gedanke, sich mit dem Bahiriburschen zu unterhalten und durch ihn etwas Licht in die dunkle Verworrenheit seiner Gedanken zu bringen. Nach einigen Augenblicken des Nachdenkens über die verschiedenen Fragen, die er zu stellen beabsichtigte, ließ , er den Burschen herauskommen und fragte ihn: „Wie heißest du?" — „Ich heiße Ze-bana." — „Du hast Angst vor mir, Zebana?" — „Ich fürchte mich vor deinem Gewehr." — „Deine Angst ist unbegründet. Es soll dir nichts geschehen. Setz' dich dahin und antworte auf meine Fragen." Der Bursche setzte sich etwas zögernd aus die Kiste, die da stand. Er wagte kaum, den Mann anzuschauen und stierte meistens auf den Boden oder auf die klobigen Zehen, mit denen er Striche auf den Boden zeichnete. P. Breuer stellte zuerst ganz unverfängliche Fragen nach dem Häuptling. Er wollte wissen, wie er heiße, wie viele Leute, Dörfer, Gehöfte, Bigleute und Nebenhäuptlinge er unter sich habe. Da war so viel zu sagen, und der Bursche antwortete unbedenklich. Er schien sehr geweckt zu sein und wurde dadurch etwas zutraulicher, daß der Pater ihn fragte, ob er sein Pfeifchen nicht bei sich habe. Als er verneinte, mußte einer der Träger das seinige bringen, mit europäischem Tabak stopfen und eine glühende Holzkohle holen. Der Träger rauchte die Pfeife an und gab sie dem erstaunten Zebana. Daun ging das Fragen und Antworten wieder an, und der Bursche antwortete jetzt ohne jede Befangenheit. P. Breuer kam allmählich auf diejenigen Punkte zu sprechen, über die er gern Aufklärung gehabt hätte. „Wie kam denn der Häuptling auf den Gedanken, einen Weißen aus Opolinda nach Buabengi zu rufen?" — „Daran ist Ketam, der erste Bigmann, schuld, dessen Gehöft du dort zur Seite des Dorfes im Busch liegen siehst. Beschuba hatte ihn zu den befreundeten Stämmen der Babelu, der Bakwa und Bangoli geschickt, damit er in seinem Namen den Bund der Freundschaft erneuere und den Häuptlingen Geschenke überbringe. Auf dieser Reise hatte Ketam bei den Bakwa vielerlei von den Weißen aus Opolinda erzählen hören. Man hatte von ihnen gesprochen als Freunden und Wohltätern der Schwarzen, die die Kinder unterrichten, den Kranken Medizin geben, die in Streitigkeiten gute Vermittler seien und überall den Frieden wiederherstellten und in ganz Opolinda hoch geachtet und geliebt würden. Als Ketam von seiner Reise zurückkehrte, erzählte er das alles vor dem Häuptling und dem ganzen Volk, und mau sprach allgemein den Wunsch aus, einen von den guten Weißen in Buabengi zu haben. Schon nach einigen Tagen gingen zwei Boten nach Opolinda, die die Bitte Beschubas den Weißen unterbreiten sollten." — „Man war also allgemein damit einverstanden?" — „Ja, man sprach damals viel von den Weißen und hätte sich gefreut, wenn einer gekommen wäre." — „Aber diese Stimmung dauerte nicht lange und man wünschte dann, daß niemand käme. Ist es nicht so, Zebana?" — „Ja, es ist so. Weißer." ■— „Woher kam denn dieser Umschwung?" Zebana, der bis dahin so frisch und frei auf alle Fragen geantwortet hatte, wurde nun auf einmal ganz verlegen und zögerte. Er senkte den Blick und nestelte an seinem Gürtel herum. „Weshalb schweigst du? Du hast doch vorher so schnell und gut geantwortet?" — „Ich darf nicht sprechen, Weißer." — „Hat der Häuptling es verboten?" — „Nein." — „Wer denn?" — „Niemand." — „Und dennoch behauptest du nicht sprechen zu dürfen? Dann verschließt die Angst dir den Mund?" — „Weißer, stelle nicht solche Fragen an mich, die ich nicht beantworten kann," sagte in flehentlichem Ton Ze-bana. „Gut. Ich will eine andere Frage an dich stellen, aber du rauchst ja gar nicht mehr. Schnell, tue ein paar gute Züge und sei nicht ängstlich! Vor mir brauchst du keine Angst zu haben. — So, nun sage mir, wie kommt es, daß der Häuptling mich so unfreundlich empfing, obschon er mich hat rufen lassen?" — „Der Häuptling wollte keinen Weißen mehr im Dorfe haben, weil er später schlechte Nachrichten über dich erhielt." — „Ich will wissen, welche Nachrichten es waren. Sprich offen und frei, wie du es vorhin getan hast!" — „Man erzählte eines Tages, daß die Weißen von Opolinda nicht so gut seien, wie Ketam berichtet hatte. Es hieß, daß sie die Leute von Opolinda gegen den Häuptling aufhetzten und sich selber zu Häuptlingen machen wollten, daß sie die Leute bedrückten, Mord und Totschlag übten, Frauen raubten, Kinder verspeisten und sonstige Verbrechen begingen." — „Erzähle weiter. Was sagte man noch mehr?" —„Das Schlimmste war die Nachricht, daß die Weißen den Sohn Beschubas heimlicherweise grausam gequält und ermordet hätten. Man sprach überall davon, und von da ab wollte man die Weißen nicht mehr in Buabengi haben. Das war der Grund, weshalbBeschubadich abgewiesen hat." — „Und man hat all diese Schauermärchen geglaubt?" — „Ja."— „Der Häuptling auch ?" — „Gewiß, der hat keinen Augenblick gezweifelt, und als er dich nach Ulambi fragte und du antwortetest ihm nicht, da war er, da waren alle gewiß, daß du Ulambi ermordet hast." — „So glaubst also auch du, daß derjenige, der jetzt mit dir spricht, ein Scheusal von einem Menschen, ein Mörder und Verbrecher ist?" Darauf gab Ze-bana keine Antwort, aber der verstörte Blick auf das Gewehr sagte genug. P. Breuer ließ ihn bei seiner Ansicht, denn es hätte einstweilen keinen Zweck gehabt, sich zu verteidigen, aber er fragte weiter: „So sage mir denn, wer die Schauernachrichten über die Weißen nach Buabengi gebracht hat?" Es erfolgte keine Antwort. „Dein Schweigen ist auch eine Antwort", fuhr der Pater fort. „Nun, es ist wieder die Angst, die dir den Mund verschließt. Da du mir den Namen nicht nennen willst, so will ich dir sagen, vor wem du dich so fürchtest." Zebana schaute ungläubig auf: „Wie kannst du wissen, vor wem ich Angst habe und weshalb ich nicht antworte?" — „Wenn ich ein Schwarzer wäre, wüßte ich es vielleicht nicht, aber ich bin ein Weißer, und wo die Ohren nichts hören, da sehen die Augen. Ter Mann, vor dem du Angst hast, wird wohl derselbe sein, der die Kunde von den Schändlichkeiten der Weißen nach Buabengi brachte? — Du schaust mich groß an, aber ich bin gewiß, daß du noch größere Augen machst, wenn ich hinzufüge, daß dieser Mann kein anderer ist als der Zauberer uni) Medizinmann der Bahiri." — „Wahrhaftig. Weißer, du weißt es", sagte erstaunt Zebana, als er sich von seinem ersten Schrecken und Erstaunen erholt hatte. „Weißer, du weißt alles. Kein Bahiri hat mit dir gesprochen, und doch weißt du alles. Dein Auge ist schärfer als das des Adlers, dein Ohr hört sogar Worte, die niemals gesprochen worden sind, dein Verstand ist schärfer als der Verstand aller Schwarzen zusammen. Dashabeichjetzt gesehen." — „Siehst du nun, daß es keinen Zweck hat, mich hintergehen zu wollen. Du magst schweigen oder sprechen, ich erfahre doch die Wahrheit. Willst du darum auf meine weiteren Fragen antworten ?" — „ Weißer, ich möchte lieber schweigen, aber es hat ja doch keinen Zweck. Ach, ich armer Mensch! Sage ich dir nicht die Wahrheit, dann läßt du mich nicht los und stellst immer neue Fragen. Sage ich aber, was ich verschweigen muß, dann werde ich in der Kesany ke------------- dann werde ich einen schrecklichen Tod finden. So ist es denn besser, ich antworte, aber ich bitte dich, daß du kein Wort von dem sagst, was du hörst. Wirst du nichts sagen? Weißer, es wäre mein Tod!" Dem armen Burschen perlte der Angstschweiß auf der Stirn. Er saß nicht mehr aus Der Kiste, sondern kniete in lauter Todesangst vor dem Missionär, der heute einen Menschen mit seinen Worten quälen mußte, um etwas Licht in die Dunkelheit seiner verwickelten Lage zu bringen. Er hätte den Burschen gern nach Buabengi gehen lassen, aber jetzt ging es um eine äußerst wichtige Entscheidung. Was er von Zebana erfahren wollte, würde vielleicht der Rettungsanker für den Beginn der neuen Mission sein. Mochte der Bube auch etwas Angst ausstehen, es würde ihm ja kein Leid geschehen. Dann suchte er ihn nochmals zu beruhigen, indem er bemerkte: „Schon mehrmals sagte ich dir, daß du vor mir nichts zu fürchten hast. Und damit du auch vor dem Zauberer nichts zu fürchten brauchst, werde ich keinem Menschen davon sprechen, daß ich durch dich auf diese wichtigen Kenntnisse gekommen bin. Steh auf und setze dich wieder auf die Kiste. Deine Pfeife ist wieder aus." — „Ich rauche jetzt nicht mehr, Weißer, aber ich bitte dich, laß mich nach Buabengi gehen." — „Zuerst antwortest du auf meine Fragen und sagst mir, was ich wissen will. — Du hast Angst vor dem Zauberer, nicht wahr, Zebana?" — „Ja." — „Der Zauberer ist ein gefährlicher Mann?" — „Ja." — „Und er hat großen Einfluß in Buabengi?" — „Ja." — „Selbst der Häuptling fürchtet ihn, und weil er ihn fürchtet, mußte er mich aus dem Dorfe fortjagen. Das ist der Hauptgrund meiner Ausweisung." — „Ja, das ist der eigentliche Grund." — „Du hast vorher in einem Satze angefangen mit Kesany ke---------— und daß du fürchtest, dort einen schrecklichen Tod zu finden. Was ist das für eine Kesany ke-----------?" — „So will ich es dir sagen, weil es doch keinen Zweck hat zu schweigen. Es ist die Kesany ke bänu, die Seufzerhöhle." — „Die Seufzerhöhle? Was ist damit?" — „Ach, das muß etwas Fürchterliches sein. Wie sie aussieht, weiß ich nicht, denn hätte ich sie einmal gesehen, dann würde ich das Tageslicht nicht mehr erblicken. Wer da hineinkommt, ist unrettbar dem Tode verfallen; denn dort wohnt der furchtbarste Geist, den es überhaupt gibt, er heißt Kebia ke Tufa, der Schutzgeist Tufas, des großen Zauberers, dem er jeden Wunsch erfüllt, den er vor allem Unheil behütet. Wer sich an Tufa vergreift, der vergreift sich an seinem Schutzgeist. Wer den Zauberer beleidigt, der beleidigt den Kebia ke Tufa. Wer sich dem Willen Tufas widersetzt, den schleppt früh oder spät der Kebia ke Tufa lebendig in seine Felsenwohnung, wo er ihn peinigt mit Hunger und Durst, mit Feuer und Eisen, mit Qualen, die nur ein solcher Geist ersinnen kann. Ganz Buabengi fürchtet deshalb den Zauberer, weil er einen solch mächtigen Schutzgeist hat. Der stärkste Mann zittert, der Häuptling bebt, wenn er nur vom Kebia ke Tufa hört. Der ganze Stamm erschrickt, wenn Tufa mit den Strafen seines Schutzgeistes droht. Und so muß ich vor lauter Angst erzittern, weil ich dir darüber gesprochen habe. Weißer, wenn du nur ein Wort sagst, muß ich in der Kesany ke bänu eines schrecklichen Todes sterben." — „Nur keine Angst, Zebana. Es ist gut, daß du mir das gesagt hast. Tufa wird nichts erfahren, und der Kebia ke Tufa wird dir nichts tun. Ich glaube eher, daß Tufa selber seinen Tod in der Geisterhöhle findet, wenn du mir hilfst, ihn für immer unschädlich zu machen." — „Den Tufa unschädlich machen! Was denkst du, Weißer? Keinem Menschen wird das möglich sein, auch dir nicht, wenn du auch ein Weißer bist und scharfe Augen hast wie ein Adler und einen Verstand so groß wie alle Schwarzen zusammen." — „Wir werden sehen. Sage mir wenigstens, wo die Seufzerhöhle zu finden ist." — „Suche sie nicht, beim dann würdest auch du dort einen schrecklichen Tod finden. Der Kebia ke Tufa kennt kein Mitleid." — „Sorge dich nicht um mich, Zebana! Wo ist die Höhle?" — „Ich weiß es nicht, aber man sagt, daß sie im Schadagebirge liegt, wo keines Mmslhm Fuß sie erreichen kann. Sie soll in einem steilen Felsen liegen, der senkrecht in die Tiefe hinabfällt. Von unten ist kein Aufstieg, von oben und von der Seite kein Abstieg. Nur die Geister haben dort Zutritt, und nur jene Menschen, die als Gegner des großen Zauberers sich die Rache der Geister zugezogen haben. Sie werden vom Schutzgeist Tufas durch die Luft dorthin getragen. Das ist alles, was ich weiß, und wenn irgendein Bahiri mehr wüßte, er würde es um keinen Preis sagen." — „Zebana, nun weiß ich genug. Hier hast du etwas Tabak, den du rauchen darfst, wenn Tufa nicht in der Nähe ist. Geh nun zu dem Häuptling und sage ihm, daß ich ihn sofort sprechen will. Wenn er in einer Stunde nicht hier ist, werde ich selber nach Majiko und dem verschwundenen Führer meiner Träger suchen." Der Bahiri-bursche machte sich davon. Dieses Verhör war ihm äußerst peinlich gewesen. P. Breuer hatte also richtig vermutet. Der Zauberer hatte seine Hand im Spiele. Diese Zauberer sind immer die treibenden Kräfte, wenn sich irgendwo dem Missionswerk Schwierigkeiten entgegenstellen. Bei den Bahiri war es nach allem, was er nun erfahren hatte. Tufa, der den geheimen Widerstand wirklich meisterhaft eingefädelt hatte. Ein Glück, daß er den Namen des Zauberers wußte, was ihm von großem Nutzen sein konnte. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Missionshaus der Söhne des heiligsten Herzens Jesu in Graz, Paulustorgasse 10. — Verantwortlicher Schriftleiter: Isidor Kronsteiner, Missionsbruder in Graz, Paulustorgasse 10. — Universitäts-Buchvruckerei »Styria" in Graz.