EIN GESCHÄFTETER KLINGENKRATZER AUS DEM NIEDERÖSTERREICHISCHEN JUNGPALÄOLITHIKUM FRITZ FELGENHAUER Universität, Wien Anlässlich der Ausgrabung einer neuentdeckten Paläolithstation in Langenlois, Bez. Krems, N.—Ö. im April 1961, wurde ein Klingenkratzer in situ unter solchen Fundumständen geborgen, dass er mit grosser Wahr­ scheinlichkeit als ehedem geschäftet gewesen bezeichnet werden kann. Da Schäftungen an paläolithischen Steingeräten nicht allzu häufig nachweisbar sind und die hier vorliegende Schäftungsart nur unter besonders günstigen Fundumständen zu erkennen sein dürfte, soll dieser Befund in der Fest­ schrift für Herrn Prof. Brodar als Zeichen unserer besonders achtungsvollen Wertschätzung noch vor der Gesamtpublikation der Grabungsergebnisse veröffentlicht werden. Die Station ist nicht ident mit der seinerzeit schon von H. Obermaier bekanntgegebenen1 sondern befindet sich in der Ziegelei Kargl. Die Aus­ grabung, die durch das weitgehende Entgegenkommen des Besitzers und seine vielseitige Hilfe überhaupt erst ermöglicht wurde, ist in Etappen — entsprechend dem fortschreitendem Abbau der die Kulturschichte oft bis zu 10 m überlagernden Lössmassen — durchgeführt worden und noch nicht abgeschlossen. Bisher wurden ca. 60 qum abgedeckt und ausgegraben. Vor­ handen ist eine verschieden mächtig ausgeprägte Kulturschichte mit mehre­ ren Pfostenlöchern, Herdgruben, zahlreichen Silices und Knochenmaterial. Soweit man bisher sehen kann, dürfte es sich um ein frühes Gravettien han­ deln, das in einem stark ausgeprägten Gley-Horizont liegt, von feuchtem Löss unter- und mächtigen, ungegliederten Lössmassen überlagert wird. Diese Position entspräche der bisherigen Ansicht nach der Grenze zwischen feucht-ozeanischem und kalt-kontinentalem Abschnitt des Würm II (nach Soergel), könnte nach neuerer Auffassung1 2 aber auch der Paudorfer Boden­ bildung entsprechen. 1 H. Obermaier, Die am Wagramdurchbruch gelegenen nieder-österreichischen Ouartärfundplätze. JfA. II., 1908, S. 49 ff. (S. 75 f.). Bei dieser Station ist irrtümlich ebenfalls »Kargl« angegeben. 2 J. Fink ist der Ansicht, dass diese typischen Gley-Horizonte, wie sie im nie­ derösterreichischen Raum immer wieder an der Grenze zwischen feuchtem und trockenem Löss Vorkommen, dem Paudorfer Interstadial angehören. Sie wären im feuchten, bzw. im Übergangsgebiet zwischen trockenem und feuchtem Lössgebiet Am 7. mai 1961 wurden nach Beendigung der zweiten Teilgrabung die stehengebliebenen Profilwände kontrolliert und im Profil befindliche Ob­ jekte entfernt, um sie vor unbefugten Zugriff zu bewahren. So fand sich in dem, die damalige Grabungsfläche begrenzendem Nordprofil des Qua­ dranten E-3 ein Rippenstück. Bei sorgsamer Freilegung desselben ergab sich folgender Befund (Abb. 1 und 2). Die an dieser Stelle nur gering mächtig ausgeprägte Kulturschichte (ein ca. 5—8 mm starkes, dunkelbraunes, mit Holzkohleflocken durchsetztes Abb. i. Langenlois, Nied.-Österr., Paläolithstation in der Ziegelei Kargl. Grube mit geschäftetem Silexkratzer. Der Kratzer ist für die Aufnahme mit der Rippe ver­ bunden worden. (Photo: A. Persy) Sl. 1 . Langenlois, Nižja Avstrija, paleolitska postaja v opekarni Kargl. Nasajeno kremenasto praskalo tiči v jami. Praskalo je bilo pri slikanju povezano z rebrom. (Foto: A. Persy) Band) ist in einer Länge von 14 cm unterbrochen, wobei der linke (west­ liche) Teil in einem Winkel von ca. 30 Grad nach unten abbiegt und — sich verjüngend — nach einer Länge von 4 cm endet. Der rechte (ostwärtige) Teil der Kulturschichte ist scharf abgeschnitten. Im liegenden (feucht-plasti­ schen, graugelben) Löss zeigt sich unterhalb des durchbrochenen Teiles der als Äquivalent zur Paudorfer Bodenbildung aufzufassen. Dieser »Gley-Horizont« ist bei vielen niederösterreichischen Stationen charakteristisch für die Position des -.Einzugshorizontes« unseres Gravettiens. Sollte sich diese Auffassung durchsetzen, ergäben sich für die Kulturstratigraphie wesentliche Konsequenzen. Unser nieder­ österreichisches Gravettien würde dann nämlich erst im Würm II/III (Soergelscher Prägung) erscheinen. Kulturschichte eine nur unwesentlich heller gefärbte Grubenfüllung von konisch-beutelartiger Form (Tiefe 13 cm). Auf der Sohle dieser Grube steht aufrecht eine kleinere Steinplatte, auf deren oberer, schmaler Längsfläche Halzkohlestückchen, Rötelbrocken und kleinere Knochensplitter liegen. Links ruht auf ihr ein schmaler Knochen, der schräg stehend, in Fortsetzung des abgebogenen Teiles der Kulturschichte (und im gleichen Winkel wie diese) sich befindet. Rechts neben der Steinplatte befindet sich das erwähnte Rippenstück, welches schräg aufwärts (in einem Winkel von ca. 50 Grad) liegt und dessen oberes Ende am rechten Teil der unterbrochenen Kultur- Abb. 2. Langenlois, Nied.-Österr., Profilaufnahme der Grube mit geschäftetem Silexkratzer. Masstab 1 : 2. (Aufn. F. Wallisch) 1. Dünne Gleybänder. — 2. Kulturschichte. — 3. Grenze der Grube. — 4 Stein­ platte. — 3. Silexkratzer. — 6. Rentierrippe. — 7. Holzkohle und Rötel. — 8. Kno­ chensplitter Sl. 2. Langenlois, Nižja Avstrija, posnetek profila jame z nasajenim kremenastim praskalom. Merilo 1 : 2. (Posnel F. Wallisch) 1. Tanki glineni pasovi. — 2. Kulturna plast. — 3. Meja jame. — 4. Kamnita plošča. — 5. Kremenasto praskalo. — 6. Rebro severnega jelena. — 7. Lesno oglje in rdečilo. 8. Kostni drobci schichte anliegt. Unmittelbar über dem unteren Teil des Rippenstückes und auf diesem aufliegend, befindet sich ein Silexkratzer, dessen Kratzerkappe das untere Ende der Rippe um 1 cm überragt und unmittelbar auf der Steinplatte aufruht. In der Grubenfüllung fand sich noch ein vereinzelter Silexspan. Das Hangende über der Kulturschichte ist hier noch etwas feucht- plastischer Löss, in welchem unmittelbar über der Kulturschichte zwei dünne, hellgraue, gleyartige Streifen eingelagert sind. Diese folgen im gan­ zen Profil genau der Fallrichtung der Kulturschichte. Über dem durch- Abb. 5. Langenlois, Nied.-Österr., Pfostengrube in der Paläolithstation (Photo: Nieder-Österr. Landeslichtbildstelle) Sl. 3. Langenlois, Nižja Avstrija, jama za lesene tramove v paleolitski postaji (Foto: Nieder-Österr. Landeslichtbildstelle) brochenen Teil derselben jedoch senken sich beide bis zu 3 cm in die Gru- benfüllung ein. Aus diesem Befund ergibt sich mit Sicherheit folgendes: 1. Die hier einheitlich abgelagerte und ausgebildete Kulturschichte wurde an einer Stelle zur Anlage einer grubenartigen Eintiefung unter­ brochen. 2. In diese Grube gelangte eine aufrecht stehende, schmale Steinplatte mit Holzkohle, Rötel- und Knochenfragmenten. 3. Erst danach kamen Rippenstück und Silexkratzer in die Grube, die später aufgefiillt worden ist. 4. Bei Bildung der beiden Gleyhorizonte war die Grube noch nicht völlig ansgefüllt, da sich beide Gleyhorizonte nur im Bereich der Gruben­ füllung leicht einsenken. Will man versuchen, diesen Befund zu interpretieren ergeben sich zwangsläufig folgende Fragen: 1. Welchem Zwecke diente die Grube? 2. Ist die in situ Vorgefundene Lagerung von Rippe und auflagerndem Silex eine zufällige oder notwendige? 5. Stehen Rippe und Silex mit Anlage und Verwendung der Grube in einem ursächlichem Zusammenhang oder nicht? Abb. 4. Langenlois, Nied.-Österr., Silexkratzer. 1 : i SI. 4. Langenlois, Nižja Avstrija, kremenasto praskalo, 1 : 1 Der Verwendungszweck der Vorgefundenen kleinen Grube soll hier nicht näher erörtert werden, dazu muss das Gesamtergebnis der Ausgrabung abgewartet werden. Da bisher schon mehrere eindeutige Pfostengruben (Abb. 3) innerhalb der Station nachgewiesen werden konnten, besteht die Möglichkeit, hier eine unfertige oder nicht zur beabsichtigten Verwendung gelangte Pfostengrube anzunehmen. Neuere Ergebnisse deT Paläolithfor- schung in Mitteldeutschland lassen jedoch auch die Möglichkeit von Opfer­ oder Depotgruben in Erwägung ziehen.3 Hier soll zunächst die zweite Frage, nämlich die, ob Rippe und Silex­ kratzer in einem ursächlichen Zusammenhang stehen, näher erörtert werden. Das Rippenstück ist nach der Bestimmung von Hern Prof. Dr. E. The- nius, Wien, das Fragment einer Renntierrippe (8—1 1 links). Es ist beidseitig 3 G. Behm-Blancke. Zur Typologie der jungpaläolithischen Zelt- und Hiitten- anlagen Europas. Auf. 5., S. 205 ff. (S. 206!) und briefliche Mitteilung. abgebrochen, zeig! aber sonst keinerlei intentioneile Bearbeitungs- oder Gebrauchsspuren. Der Silexkratzer (nach der Bestimmung von Herrn Doz. Dr. E. Zirkl, Wien, ein Hornstein) ist durchwegs grauweiss patiniert und besitzt unregel­ mässig, dreieckigen Querschnitt. Terminal befindet sich die halbrunde, leicht verschmälerte und etwas schräg nach links gerichtete Kratzerkappe. Rechtsrandig ist er durchlaufend retuschiert und weist linksrandig verein­ zelte, unregelmässige Aussplitterungen auf. (Länge: 64 mm, grösste Breite: 22 mm, Dicke: 9 mm. Abb. 4.) Auf der flach-konvex gebogenen Ventralfläche, also der dem Rippen­ stück auflagernden Fläche, befand sich ein sehr dünner, leicht abblättern­ der, rauher Belag von weisslichgrauer Farbe mit einzelnen, punktförmigen Abb. 5. Langenlois, Nied.-Österr., Silexkratzer in Ventralansiclit mit Resten orga­ nischer Substanz (dunkle Flecken). (Photo: F. Wallisch.) Fast fž vergrössert Sl. 5. Langenlois. Nižja Avstrija, ventralna stran kremenastega praskala z ostanki organske substance (temni madeži). (Foto: F. Wallisch.) Skoraj za povečano dunklen Flecken (Abb. 5). Auf diesem, aber auch an mehreren anderen Stellen der Kratzeroberfläche Messen sich spärliche Rötelreste nachweisen. Unter dem Binokular zeigte sich bei 200 fâcher Vergrösserung, dass selbst die kleinsten, mit freiem Auge nicht mehr sichtbaren Vertiefungen im Silex teilweise mit Rötel ausgefüllt waren. Die chemische Untersuchung des zusammenhängenden Belagstückes durch Herrn Dr. F. Sauter, Wien, ergab folgenden Befund: »Die an der Schäftungsstelle am Klingenkratzer anhaftende geringe Sub­ stanzmenge erwies sich bei der Untersuchung zunächst als anorganisch und mit dem Löss der Umgebung übereinstimmend. Durch Verwendung quanti­ tativer mikroanalytischer Methoden konnte aber ein Vergleich mit dem Löss der unmittelbaren Umgebung durchgeführt werden. Dadurch gelang es, das Vorhandensein geringfügiger Mengen an organischer Substanz nachzuweisen. Eine Untersuchung, welcher Art diese, in verschwindender Menge heute noch erhaltenen organischen Verbindungen seien, war aber nicht möglich.«4 Bei Beurteilung der Fundumstände von Rippenstück und Silexkratzer ergibt sich zwangsläufig die Überlegung, ob die Rippe nicht als Schäftung für den Kratzer gedient haben könnte. Eine nähere Beurteilung des strati­ graphischen Befundes kann diese Frage nur bejahen. Die Möglichkeit einer zufälligen Ablagerung des Silex auf der vorher schon deponierten Rippe muss bei Inbetrachtziehung der steilen Lage, des Vorstehens der Kratzer­ kappe über die Rippe und dessen Auflagerung auf der Steinplatte, aber auch bei Berücksichtigung des schmalen und gewölbten Rippenstückes — selbst bei einer eventuell in der Zwischenzeit erfolgten Teilauffüllung der Grube ausgeschlossen werden. So bleibt nur die Wahrscheinlichkeit, dass der Kratzer mit dem Rippenstück geschäftet war, wofür auch, soweit dies überhaupt möglich ist, der chemische Befund des Belages spricht. Es kann dies dann nur in Form einer »Schnurschäftung« erfolgt sein, wie solche z. B. bei L. Pfeiffer5 genannt und abgebildet werden. Dies ist eine Schäftungsart, die aus dem PaläoMlhikuin u. W. nicht bekannt geworden ist und eigenartigerweise auch theoretisch kaum erwogen wird. Die bekannten und geläufigen Schäftungsarten des Paläolithikums sind in erster Linie »Lochschäftungen«, wie sie in wenigen Fällen komplett (d. h. Schäftung und Gerät), meist aber nur als Schäftung allein bekannt sind.6 »Spaltschäftungen«, wie sie z. B. A. Cheynier7 nachweisen konnte, scheinen noch seltener zu sein. 4 Die Veröffentlichung des Originalbefundes wird an anderem Ort erfolgen. 5 L. Pfeiffer. Die Werkzeuge des Steinzeitmenschen. Jena 1920, S. 97 ff., Abb. 191, 192. 6 Ebert. Reallexikon, nennt für das Paläolithikum überhaupt keine Schäftung. Für das Jungpaläolithikum werden sie nur aus der »Form« der Steingeräte er­ schlossen. W. Bremer. Artikel »Schäftung der Steingeräte«. 11. 1927/28. S. 223. Neuerdings hat z. B. K. Valoch eine geschäftete Birsek-Lamelle vorgelegt. Ger­ mania 33. 1937, S. 1 ff.. Abb. 1 . S. A. Semjonov veröffentlicht in Kratkije Soobšče- niia XXXV.. 1930. S. 132 ff. Knochen- und Hornfassungen für Lochschäftungen. Solche Schäftungen ohne dazugehörigen Silex im Verbände finden sich aber in den meisten Paläolithstationen. 7 A. Cheynier. Feuille de laurier emmanchée à Badegoule. BSPF., LUT.. 1936. S. 94 ff. Derselbe Autor führt Lochschäftungen, aber ohne Silexgerät im Verband aus Badegoule an: Archives de l'institut de Paléontologie Humaine, 23. Paris 1949. Alle diese Schäftungsarten reichen noch weiter bis in das Neolithikum hinein.8 Dass ein Grossteil (wenn auch sicher nicht alle) der Silexgeräte des — zumindest — Jungpaläolithikums geschäftet gewesen sein dürften, wird allgemein angenommen. Bedenkt man aber die immer sehr grosse Zahl von Silexgeräten, die sich in einer Station finden und die in grossen Stationen in die Abertausende gehen können, erheben sich Zweifel, ob jedes dieser Geräte eine Loch- oder Spaltschäftung besessen haben kann. Denn gerade diese beiden Schäftungsarten setzen eine recht weitgehende »individuelle« Anpassung des Schaftes an das Werkzeug voraus. Wenn wir dazu noch bedenken, dass die Anfertigung von speziell angepassten Knochen- oder Hornschäftugen, ja selbst eventuelle Holzschäftungen, zweifelsohne mehr Zeit und Arbeitskraft in Anspruch nehmen als die Herstellung eines einfa­ chen Silexgerätes, so werden bei dem anscheinend grossen und raschen Verschleiss derselben (deren grosse Zahl wohl nur so zu erklären sein wird), die Zweifel an diesen, speziellen Schäftungsarten doch recht erheblich grösser. Es ist daher eigentlich naheliegend, an eine einfachere Schäftungs­ art zu denken, deren Herstellung keine oder nur geringe Arbeitszeit- und kraft benötigte und die nicht individuell an ein spezielles Silexgerät an­ gepasst werden musste, sondern bei Unverwendbarkeit in einem Falle sofort für ein neu angefertigtes Werkzeug wiederzuverwenden war. Diese Forderung erfüllt die einfache Schnurschäftung mit Kittzusatz wohl weitgehend. Der notwendige feste Halt des Werkzeuges konnte durch ent­ sprechende Einbettung in eine plastische Masse und festes Verschnüren mit pflanzlichen oder tierischen »Schnüren« wohl ohne weiteres erzielt werden. Allerdings wird diese Schäftungsart — wenn sie tatsächlich öfter vor­ handen gewesen sein sollte — nur in den seltensten Fällen und unter be­ sonders glücklichen Umständen nachgewiesen werden können. Denn wenn das Binde- und Sehnürmittel vergangen ist, wird das Silexgerät nur in den allerseltensten Fällen auf dem Schäftungsstück auf­ liegen bleiben. Und selbst wenn dies der Fall sein sollte, wird es — auch bei der subtilsten Ausgrabung — wenn es plan liegt, kaum erkannt oder während der Ausgrabung verschoben werden. Wir meinen daher, dass es nur unter besonderen Voraussetzungen, wie etwa bei der Schräglagerung in unserem Falle, die Möglichkeit gibt, solche Schäftungen zu erkennen. Wäre unser Fundstück nicht aus der Profilwand herausgestanden und ent­ fernt, sondern bei einer späteren Ausgrabung in Planschnitten freigelegt worden, glauben wir nicht, dass es erkannt worden wäre. Es bleibt noch die Frage, ob das geschäftete Silexgerät in irgend einem kausalen Zusammen­ hang mit der Grube stand, in der es gefunden wurde. Wenn — wie wir glauben auf Grund der stratigraphischen und chemischen Befunde wahr­ scheinlich gemacht werden kann — der Silexkratzer mit der ihm unter­ lagernden Rippe geschäftet gewesen ist, lässt dies auch Überlegungen zur Verwendungsart des Stückes zu. Das Werkende des Silex wäre dann die Kratzerkappe. Die beiden Längsränder wären — da mit Schnurschäftung versehen — unbenützbar gewesen. Die hier am Silex nachweisbare Retusche 8 R. Strobel. Die Feuersteingeräte der Pfahlbaukultur. Mannus Bücherei 66, 1959, S. 59 f. müsste, wenn sie überhaupt primär mit dem Kratzer im Zusammenhang steht — eine Art Abstumpfungsretusche sein, um die scharfe Klingenkante abzustumpfen, die ansonsten vielleicht eine Durchtrennung der Schnur­ schäftung herbeiführen hätte können. Es könnte sich aber ebensogut uni eine Aufrauhung, zur besseren Haltbarkeit der Schnurbindung han­ deln. Die Unterkante der Kratzerkappe zeigt unter dem Binokular eine sehr auffallende Verrundung und Glättung. Keine einzige, auch noch so kleine Aussplitterung ist festzustellen. Das weist entschieden darauf hin, dass das Werkzeug in weichem Material angesetzt wurde (Leder, Haut, Felle). Der Arbeitswinkel muss dabei ziemlich steil gewesen sein. Daraus wird man kaum eine mit der Grubenaushebung im Zusammenhang stehende Tätigkeit ableiten können. Es hat vielmehr doch den Anschein, als ob der völlig andern Zwecken dienende, geschäftete Silexkratzer absichtlich oder unabsichtlich in die Grube gelangte. In diesem Zusammenhang müssen die w. o. genannten Gruben von den mitteldeutschen Fundplätzen in Erwä­ gung gezogen werden. POVZETEK Nasajeno rezilo s praskalom iz nižjeavstrijskega mlajšega paleolitika Pri izkopavanjih v novo odkriti paleolitski postaji v Langenloisu (Nižja Avstrija) je bilo maja 1961 odkrito skupno z rebrom severnega jelena rezilo s praskalom. Po vseh najdbenih okolnostih je zelo verjetno, da je bilo nekoč nasajeno na rebro. Gre za enostavno trakasto privezo z uporabo kitaste snovi, ki jo je v paleolitiku težko dokazati, za katero pa priča kemična analiza organske snovi, ki se je še držala sileksa. Orodje je bilo odkrito v manjši jami poleg jam, namenjenih nedvomno za lesene tramove. Ta močno spominja na »kultne ali žrtvene jame«, ugotovljene že prej v srednjenemških paleolitskih postajah.