__J Die Fee von Veldes. Ein romantisches Gedicht von Laibach 1881. In Commission bei Johann Giontini. Druck von Kleinma.vr & Ramberg. O$0o3o?t>$ Crain! wer dich kennt, dem blickt gar schon dein Ehrenschein Durch manches Kleinod, so Natur dir ange- hangt, Durch der Regierer Macht, so dich mit Glanz beschenkt; o stolz die rauhe Karawankenkette Sich hoch empor zum blauen Himmel baumt, 4 }? Wo eingeengt im schmalen Felsenbette t Die junge Save nach dem Thale schaumt,: f Dort webt noch bis auf unsre Tage I Ihr buntes Feenkleid die Gottin Sage. Dort wohnet noch der Geist, der bergesalte, In seinem funkelnden, kristalknen Haus, Dort zieht des Nachts aus jeder Felsenspalte Die Schar der Gnomen noch auf Arbeit aus Und in den tiefen Alpenseen baden Im Wellenschaum die fliichtigen Najaden. — — jjesuueiuvL, So muss Carniolia ein Carneol mir sein. Valvasor. Die Fee von Veldes. Peldes. Der Perle gleich in rauher Muschelhiille Umschliesst den klaren See ein Felsgewirr, Indes ein griiner Kranz von reicher Fiille Ihn rings umgibt mit duffger Blumenzier. Und mitten aus den blauen Wasserwellen Ein reizend griines Eiland sich erhebt, Der Knospe gleichend, die im Uberquellen Mit siissem Duft aus ihrem Kelche strebt. Um sich im lieblich reizenden Entfalten Zur farbenreichen Tulpe zu gestalten. Die Insel kront ’ne liebliche Kapelle, Die frommer Menschensinn einst hingebaut Und die, umkreist vom leichten Spiel der Welle, Sich traumerisch im klaren See beschaut. Ein schroffer Felsen ragt am Ufersaume, Den einst Natur an diesen Ort gebaut, IJrauf steht. ein Schloss, das wie im Traume Gar weit, hinaus das schone Land beschaut. Wenn nun das Morgenroth mit Purpurflugeln Dies holde Bild mit Flammen iibergiesst, Wenn hoch empor an goldnen Strahlenziigeln Die junge Sonne aus der Tiefe schiesst.: Dann magst du dich wohl selber staunend fragen, Ob dies kein Traumgebild aus fernen Tagen. — <ž> 6 Wohl lieblich ist,’s, auf griinen Waldespfaden Im Morgendammerschein sich zu ergehn; Erhaben ist’s, von schroffen Meergestaden Dem Scheidegruss der Sonne nachzusehn; Doch lieblicher diinkt wahriich mir bei weitem, Im schwanken Kahn die Seeflut zu durchgleiten. Wenn rings die Nacht mit ihrem tiefen Schweigen Sich traumerisch auf Land und Wasser senkt, Und wenn, umringt, vom hellen Sternenreigen, Der weisse Mond ara stillen Himmel hangt.- Dann wahnst. du wohl. dass nun zum stummen Reigen Die holden Feen aus den Tiefen steigen. -==3gJ~o-*-o.-&g===- Als einstens ich auf meinen Wanderil'ngen Durch Wald und Thal, durch Busch und Hag In dieses Feeneiland bin gedrungen, Ein lebensfroher, sangeslustlger Knab’, Da rief ich aus: Nicht will ich weiter eilen, Gar schon ist/s hier, \vill langer mich verweilen! Entziickt stand ich a m griinen Ufersaume Und wusste nicht, wie’s mir ums Herz geschah, Als dieses Zaubereiland wie im Traume Vor meinen Blicken ich erstehen sah. So taucht. dem Wand’rer oft aus todtem Sande Manch herrlich Trugbild auf im Wustenlande. Ich kehre niemals, niemals mehr nach Hause! So rief ich jubelnd iibern See hinaus, Hier baue ich mir eine stille Klause, Hier baue ich mir ein idvllisch Haus. Leb' wohl, du Stadt voli rauchender Kamine, Leb’ wohl, mein falscher Schatz, leb wohl, du Minne! 6 Gar schon ist’s hier, es grussen Blumendiifte Den neuenvachten, golddurchgliihten Tag, Am Abend wehen traute Zephyrlufte Mir leise zu der Nachtigallen .Schlag. Gar schon ist’s hier, es tragen mir die Wellen Vom Inselstrande her der Glocken Schall: Als hort’ ich Aeolsharfentone sch\vellen, Soleh’ reiches Klingen zieht durch Berg und Thal. Als so mit uberlautem .Jubelpreise Ich froh begriisst das wunderbare Land, Da war es mir, als tont’ ein Echo leise Mir Antwort zu vom griinen Inselstrand: Und siehe! — durch die sanft bewegten Wogen Kam von der Insel her ein Kahn gezogen. Darinnen sass im duftgen Blutenkleide Ein Jungfrau’nbild, gar schon und wunderbar, Vom Nacken floss, gleich golddurchwirkter Seide, In reichen Wellen ihr das weiche Haar, Ein Blumendiadem umkranzte lose Ihr Haupt, das Antlitz glich der Alpenrose. Sie winkte mir und sprach mit holden Blicken: Komm, Fremdling, komm, steig’ ein in meinen Kahn! Was stehst du da in traumendem Entziicken? Komm, Fremdling, komm, steig’ ein in meinen Kahn, Ich will gar schone, liebliche Geschichten Aus langst vergang’nen Zeiten dir berichten! Die Welt ist kalt, im fliichfgen Alltagsdrange Vergisst der Mensch der hehren Poesie, Denn nur nach Gold und dessen eitlem Klange Strebt blindlings heut des Menschen Phantasie; Man sieht, die Welt sich um den Mammon schlagen Und nur nach flucht.igem Gewinne .jagen. ■ 4 > 7 < 3 =- Dram zog betriibt, in ihre Heiligthiimer Sich stili zuriiek die Gottin Poesie; Ein kaltes Menschenherz entziickt wohl nimtner Des schonsten Liedes Zaubermelodie. Denn Seelen, die nach eitlen Giitern streben, Wird nie die Poesie zu sich erheben. Doch wo ein Herz begeistrungsvoll ergltihet Fiir das erhabne Wirken der Natur, Sie zu erkennen sich mit Fleiss bemtihet, In Andacht. folget, ihrer holden Špur, Wer also gottbegnadet, ist zu preisen, Dem wird sie gerne ihre Schatze weisen. — Ich will aus alten, langst vergang'nen Tagen Dir eine Mar berichten, wunderbar. Du siehst dies Schloss auf hohem Felsen ragen Und mochtest wissen wohl, wer der Erbauer war? Durchbrich der Gegenwart begranzte Schranken Und folge mir im Fluge der Gedanken: Es war vor etwa achtmal hundert Jahren — Dies Eiland fast noch ganzlich unbekannt, — Als sich mit Walschlands rohen Soldnerscharen Der stolze Markgraf Harduin verband. Sein Haupt zu schmucken mit Italiens Krone, Hatt’ er die Treu gebrochen Deutschlands Throne. Doch Kaiser Heinrich*) sammelte die Heere Und fiihrte seine Scharen gen Tirol, Gleich einem wilden, sturmbewegten Meere Erhob das Volk sich fur des Reiches Wohl, Bis nach Trident des Reiches Banner wehte, Von Gau zu Gau erscholl die Kriegsdrommete. *) Heinrich I., genannt der Starke. —<ž> 8 <£>- Da zog denn auch aus Krainburgs liohem Dome Der Markgraf Waltilo mit Heeresmacht Auf Schiffen aufwarts nach dem Savestrome, Auch theilzunehmen an der Volkerschlacht, Um mit dem Vaterland geweihten Waffen Den frechen Treubruch Harduins zu strafen. Indes die Mannen gegen Stiden ziehen, Um zu erringen Ruhm und Schlachtengltick, Im alten Schloss zu Brixen auf den Knien Bleibt KaisTin Kunigund’ betriibt zuriick Und betel zu dem Herrn der Himmelsscharen, Vor Ungemach den Kaiser zu bewahren. Wie sie nun so in wehmuthsvoller Trauer Den kindlich-frommen Blick nach Oben hebt, Umfangt die Bet.ende ein heil’ger Schauer, Der ihre Seele wunderbar durchbebt. Und siehe da — im hellsten Himmelslichte Erscheinet. ihr ein herrliches Gesichte. Es schwimmt ein heller See vor ihren Blicken, Ein schroffer Felsen ragt am Uferrand, Zwei Engel knien drauf, die voli Entziicken Die Hande segnend breiten iibers Land, Als wollten sie den See zu ihren Ftissen Als Boten ein er sehonern Welt begriissen. Und mitten aus den klaren Wasserwellen Ein reizend griines Eiland sich erhebt, Der Knospe gleichend, die im Uberquellen Mit siissem Duft aus ihrem Kelche strebt, Um sich im lieblich reizenden Entfalten Zur farbenreichen Tulpe zu gestalten. — 4 > 9 <Š>— Und auf dem See, gleich einem weissen Schwane, Der majestatisch seme Furchen zieht, Ein Silberkahn mit bunter Strahlenfahne Im raschen Flug den klaren See durchflieht, Vom leichten Wind die goldnen Segel schwellen; So zieht es sanft dahin im Takt der Wellen. Im Kahne steht, von St.rahlen rings umflossen, In hehrer Pracht die Himmelskonigin, Es halt ihr Arm das Christuskind umschlossen, Ihr Auge blickt zur grunen Insel hin. Der Kahn halt. an, mit uberird’schem Glanze Die Himmelskonigin das Land betritt, Indes den Kahn im raschen Wirbeltanze Ein Wind hinnnter in die Tiefe zieht. Und Tone, melodienreich, beginnen Den klaren See, die Insel zu umklingen. Doch wie der farbenreiche Regenbogen In Nichts zerrinnt nach kurzem, prachfgem Gliih’n, So schwinden Insel, Land und Wasserwogen Vor dem erstaunten Blick der Kaiserin. — Indes sich dies zu Brhcen zugetragen, Schlug Kaiser Heinrich Harduin aufs Haupt, Und siegreich flatterten des Reiches Flaggen Der Heimat, zu, mit Lorbeern griin umlaubt, Denn die gerechte Sache musste siegen, Der Feind des Vaterlandes unterliegen. * * * -<$> 10 ❖- Zu Brixen in dem alten Kaiserschlosse Da herrscht ein reges Leben allzumal; Im Hofraum stampfen staubbedeckte Rosse, Die Fiirsten steh’n im reichgeschmiickten Saal, Um nach vollbrachten kiihnen Heldenthaten Sich wegen Siegesfesten zu berathen. Der Kaiser spricht: Der Streit ist nun zu Ende. Habt Dank, Ihr Fiirsten, meiner Krone Zier, Doch eh’ ich in die Heimat, Euch entsende Lasst. feiern uns manch’ stattlich Festturnier Und an der lang entbehrten Tafelrunde Uns froh ergotzen bis zur Trennungsstunde. Der Mundschenk mag nach alter deutscher Siti e Credenzen uns den gtildenen Pokal, Der Sanger auch in unsrer frohen Mitte Ertonen lassen seiner Stimme Schall: So -vvollen wir den schonen Sieg begehen Und ohne Bangen in die Zukunft sehen. Der Kaiser sprichts, doch in der Fiirsten Mitte. Erscheint die Kaiserin mit ihren Frau‘n, Mit schlichtem Gruss und mit bescheidner Sitte, Gleich einem Engelsbilde anzuschau’n. Und alles huldiget ihr mit Entzucken, Doch sie beginnt mit freundlich-ernsten Blicken: Ihr Fiirsten wert, bevor mit heitren Spielen Den ruhmgekronten Sieg wir nun begeh’n, Lasst uns des Dankes strenge Pflicht erfiillen; Der Sieg ward unser auf ein hoh’res Flehn. Doch hort mich an, will Euch getreulich sagen, Was sich nach Eurem Scheiden zugetragen. - •$> 11 < 3 = - Als ich Euch sah ins ferne Walschland ziehen Zum heissen Kampfe wider Harduin Und voller Inbrunst lag auf meinen Knien, Ein wunderbar Gesicht mir da erschien, Und jetzt noch, wahrend ich Euch dies erzahle, Erfiillet Hochentziicken mir die Seele. Es schvvamm ein blauer See vor meinen Blicken, Ein schroffer Felsen stand am Uferrand, Zwei Engel knieten drauf, die voli Entzucken Die Hande segnend hielten iibers Land, Als wollten sie den See zu ihren Fussen Als Boten einer schonern Welt begriissen. Und auf dem See, gleich einem weissen Schwane, Der majestatisch seine Furchen zieht, Ein Silberkahn mit bunter Strahlenfahne Im raschen Lauf die klare Flut durchschnitt, Vom leichten Wind sah ich die Segel schwellen: So zog es hin im leisen Takt der Wellen. Doch mitten aus den blauen Wasserwellen Ein reizend griines Eiland sich erhob, Indes ein glanzerfiillter Strahlenbogen Mit heller Glut. das Inselland umwob. Im Kahne stand, von Strahlen iibergossen, In hehrer Pracht die Himmelskonigin, Es hielt ihr Arm das Christuskind umschlossen, Ihr Auge sah zur griinen Insel hin. Der Kahn hielt an; im vollen Strahlenkranze Betrat das Land die Himmelskonigin, Indes den Kahn im raschen Wirbeltanze Der Schaum der Wellen zu verschlingen schien, Und melodienreiche Engelsstimmen Begannen rings das Eiland zu umklingen. 12 Doch wie der farbenreiche Regenbogen In Nichts zerrinnt nach kurzem, prachtgem Gluh’n, So sah ich Insel, Land und Wasserwogen Mit einemmal vor meinem Blick ent.fliehn. Drum lasst uns forschen mit vereint.er Muhe, Wo soleh ein Zaubereiland wohl erhliihe. Und soliter wir den See, die Insel finden In irgend eines Landes fernem Gau, So wollen eine Kirche dort, wir griinden Als unsern Dank der lieben Gottesfrau, Auf dass die Volker nach den heilgen Hallen Der Gnadenkirche fiirder betend wallen. — Die Kais’rin sprichfs, und ringsum herrschet Schweigen, Vemundert steht der wackern Fiirsten Chor, Da tritt mit anstandsvollem Grass und Neigen Der kuhne Markgraf Waltilo hervor, Der da aus Krainburgs hochgewolbtem Dome Gezogen war herauf dem Savestrome. Und spricht zum hohen Herrscherpaar gewendet: Mein edler Kaiser, edle Kaiserin! Ins ferne Land der Oberkrainer sendet Den frommen. weisen Bischof Albuin, Damit alldort er seines Amtes walte Und uns die Huld der Himmelsfrau erhalte. Denn wo die rauhe Karawankenket.te In voller Wildheit sich gen Himmel baumt, Wo eingeengt im schmalen Felsenbette Die junge Save nach dem Thale schaumt, In jenes Hochgebirges \vildem Grauen Konnt Ihr das gnadenreiche Eiland schauen. —13 < 3 >- Der Perle gleich in rauher Muschelhiille Umschliesst den klaren See ein Felsgewirr, Indes ein griiner Kranz in reicher Fulle Ihn rings umgibt mit duffger Blurnenzier. Bewund’rung halt das Menschenaug’ gefangen, Wenn dieses Bildes Eindruck es empfangen. Und mitten aus den blauen Wasserwellen Ein reizend griines Eiland sich erhebt, Der Knospe gleichend, die im Uberquellen Mit sussem Duft aus ihrem Kelche strebt, Um sich im lieblich-reizenden Entfalten Zur farbenreichen Tulpe zu gestalten. — Dei’ Markgraf schweigt, und durch der Fiirsten Runde Ein hohes, ungetheilt’ Erstaunen geht, Doch freudig ruft die Fiirstin Kunigunde: So war erhoret denn mein heiss Gebet! Ich lasse dankbar unsrer lieben Frauen Auf jener Insel eine Kirche bauen. Der Kaiser spricht: Und auf der Felsenmauer Lass ich ein starkes Schloss erbau’n; Ein \viirdig Monument fur ew’ge Dauer, Soli kiihn hinab es in die Fluten schau’n. Zum Schutz und Schirm dem heilgen Insellande Mog’ es erheben sich am Felsenrande. So hat vor uber aclitmal hundert Jahren Dies stolze Schloss ein Kaiser aufgebaut, Das seitdem von der Wand, der felsenstarren, Sich traumerisch im blauen See beschaut, So ist die Kirch’ »Maria Wert« entstanden, Wo oft schon Trostbediirffge Hilfe fanden. - 14 Der Kaiser gab den See mitsammt der Veste Als Leh’n dem frommen Bischof Albuin, Der von den Kirchenvatern war der beste, Voli heil’ger Demuth, ritterlichem Sinn; Ihm folgten, als der heil’gen Statte Wachter Des Krainerlandes edelste Geschlechter. So stand die Burg zur Zeit der Bauernkriege, Wenn oftmals von Gefahren auch bedroht; So stand die Burg zur Zeit der Glaubenssiege, Wenn auch in manchem Drangsal, mancher Noth So moge sie auch ferner fortbestehn Und mit dem Felsen einst erst untergehn. — * * * So sprach die Fee, doch ich zu ihren Fussen In andachtsvollem Schweigen horchend lag, Schon sank mit seinen letzten Abschiedsgriissen Der helle golddurchgliihte Maientag, Und es begann mit thaubenetzten Schwingen Die Nacht das Zaubereiland zu durchdringen. Entschwunden war die Konigin der Feen, Mein Kahn zog einsam durch den See dahin, Doch ein geheimnisvolles Geisteswehen Fuhlt’ ich durch alle meine Sinne ziehn; Mir war’s, als war’ ein siisses Lied verklungen, Als hatt’ ich holden Traumen mich entrungen. Und mitten aus den blauen Wasserwogen Das holde Inseleiland sich erhob, Indes der Abendrothe goldner Bogen Mit Purpurglut die Alpen rings umwob