Schriltleitung: Missionsseminar St. gosef. Cllmangen. Württemberg. Verwaltung: Missionshaus Srar. paulustorgaffe 10. Österreich. V. b. b. Inhalt: Neujahrsgruß des Apostolischen Präfekten von Lndenbnrg 1. — Der ehrwürdige Diener Gottes Daniel Coniboni 2. — Das Goldhuhn 3. — In Barberton 5. — Das Hochzeitskleid 6. — Unheimliche Brut 7. — Der Sohn des Freimaurers 8. — Ab- bildungen: Fröhliches Neujahr 3. — Die Heiligen Drei Könige 4. — Bischof Daniel Combvni 5. — Im Walde 7. — Die Wahrsagerin 9. — Schulkinder von Modies 11. — Im Brautkleid 13. — Junge Frau 15. Gebetsempfehlung und -erhörung. Eine eifrige Leserin des „Stern der Neger" bittet ums Gebet zur Heiligen Familie in einem besonderen Anliegen. — Eine tiefbetrnbte Mutter empfiehlt dem Gebet der „Stern"-Lcser und der Fürbitte des hl. Antonius, der heiligen 14 Nothelser und der Armen Seelen ihren ungeralcnen Sohn. Veröffentlichung ist versprochen: M. D Si. P. — Maria H. aus F. versprach den Loskanf eines Heidcnkindes und Veröffentlichung im „Stern der Neger", wenn ihre Tochter die Gesundheit wiedererlangen würde. Sie wurde erhört und hat ihr Versprechen gehalten. — Innigen Dank der kleinen hl. Theresia vom Kinde Jesu und dem hl. Antonius von Padua für schon so oft erlangte Hilfe in großen Anliegen. Der kleinen hl. Theresia noch besonderen Tank für erlangte Gesundheit in fast aussichtsloser Lebensgefahr: G. W. B.-H. Totentafel. Dem Gebet der Leser unserer Zeitschrift empfehlen wir die verstorbenen Abonnenten: Antonia Kober. Prebens-dorfberg: Maria Jungwirth, Esternberg; Karl Schropp. Binswangen; Walb. Glöckler, Schelklingen; Maria Huber. Eferding; Joh. Handl, Hoüabrunn; Franz Lindl, Mogcrsdars: Therese Ettl. Oberhart; Therese Hochgesang, Langweid: Marlin Hemm. Riltershausen; Hochw. Karl Schlercth, Hcsslar; Maria Winzenried, Neufra; Anna Gassner. Leisach; Therese Umlauf. Eggenburg; Lina Polterauer. Vichtenstein; Emilie Schwarz. Hollabrunn; Heinrich Pühringer. Passau; Franz Straffer. Tri'mmelkani. R. 1. P. Eine große Massenbelehrungsaktion des Eantstnsiverkes in Wien war der „Christkönigsmonal" dieses Werkes für Innere Mission und besonders für Pricsterheranbildnng mit seinen 27 religiösen Wochen und mit verschiedenen anderen kirchlichen und außerkirchlichen Veranstaliungen. Trotz der hochgehenden Wahlbewegung war die Teilnahme an dieser Aktion eine großartige: mehr als 100.000 Personen. Abgeschlossen wurde dieser Chrislkönigsmonat Oktober mit einer Festakademie im zweitgrößten Saale Wiens in Gegenwart des Bundespräsidcntcn M i k l a s. des Kardinals P i f f l und anderer hoher Würdenträger sowie mit einer kirchlichen Schlußfeier bei Anwesenheit von mehr als 4000 Personen, in welcher Kardinal Piffl die Schlußanjprache hielt. Das veranstaltende Canisiuswcrk, dessen Präsident Kardinal Piffl. dessen geschäftesührender Obmann Direktor Moser ist, erwies sich abermals als eine Missionsorganisation großen Formates und bedeutender Schlagkraft. Vierzehn in- und ausländische Prediger standen ihm bei dieser Aktion zur Seite. Das Werk erhält, bzw. unterstützt 800 Priesterstudenten, unterhält ein eigenes Studentenkonvikt für geistliche Berufe, eine Aktion für die Herz-Jesu-Thrvnerhebung. einen Schulungskurs für Laienapostel, ein Schriftenapostolat und trifft andere großzügige Maßnahmen für religiöse Volksaufklärung. Nach dem Urteile des Heiligen Vaters Pius XL ist es ein providentielles, ein Werk der Vorsehung. Beitrittserklärungen und Spenden mögen gerichtet werden an das Canisiuswerk in Wien, I., Neutorgasse 17. Mindester jährlicher Beitrag 8 3'—, bzw. gleicher Wert in fremder Valuta bei Freibezug zweier Zeitschriften. Die Lour-espilgersonderzüge der 31. und der 32. Österreichischen Sodalcn- und Volkswallfahrt gehen am 15. Mai und 5. Slugu ft 1931 von Wien. Linz. Salzburg und Innsbruck ab. Anfenthaltsstationen: Einsiedeln, Luzern, Basel. Paray-le-Monial. Revers, Paris. Lisieux, Biarritz, Lourdes. Toulouse, Marseille. Nizza, Monaco, Mailand. Padua, Venedig, Villach und Salzburg. Prospekte über das >7tägige, bequem eingeteilte Reiseprvgramm sind erhältlich durch das Marianische Lourdes-koniitee per Sldresse Rudolf Zeilberger, Sbyr, Ob.-Öst... Enge 7. Sehr frühzeitige Slnmcldung ist empfehlenswert, da die Plätze dieser Svnderzüge zumeist schon einige Monate vor Abfahrt vergriffen sind. m dekllegm NthollscheMzwWAitschnst Herausgegeben von der Kongregation: fßisfionäre Söhne des heiligsten fienens Jesu. preis ganzjährig: Österreich 2-50 8, Deutschland 2 Mark, Italien 8 Lire, Ungarn 2-50 pcngö, Dschechosiowakei 12 ČK, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2-50 Franken, übriges AuBland 2 Soldmark. Unser Reiliger Vater plus XI. bat wie schon früher papst plus X. der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden täglich heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Srixen, Brünn, @raz, Leitmerife, Linz, Olmüb, Marburg, Orient, Driest und Wien und Druckerlaubnis des Generalobern. Lest 1. Jänner 1931. XXXIV. Jahrgang. Neujahrsgruß des Apostolischen Präfekten von Lydenburg. Aus dem fernen Südafrika entbiete ich allen lieben Lesern des „Stern der Neger", den Mitgliedern vom „Werk des Erlösers" und sämtlichen Wohltätern unserer Mission meine und meiner Missionäre herzlichste Glück- und Segenswünsche zum neuen Jahre! Möge es für jeden von ihnen ein Jahr des Heiles werden. Über den Eingang des neuen Jahres setzt die Kirche den Namen Jesus, der bedeutet: Gott ist Heil. „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren," sprach Jesus, als er das Zöllnerhaus betrat; denn reicher Segen erfüllte es, nachdem der Heiland darin Einkehr genommen. Jeder kann, wenigstens für sich selbst, das neue Jahr zu einem Jahr des Heils gestalten. Gewähren wir nur dem Heiland Einlaß in unser Herz und unser Heim. Mögen dann auch Trübsale kommen, Jesus ist ein Halt in allen Bedrängnissen. Mit unbegrenztem Vertrauen auf ihn, den unendlich er-barmungsvollen Heiland, wollen wir in das neue Jahr hineinschreiten — ich und meine Mitarbeiter sowohl in der Mission wie in der Heimat. Dank der opferfreudigen Unterstützung, die mir zuteil geworden und wofür ich allen Wohltätern auch im Namen meiner Missionäre von Herzen „Bergelt's Gott" sage, hat die Präfektur im verflossenen Jahre gute Fortschritte zu verzeichnen. Namentlich die Zahl der Schulen und der Taufschüler ist stark im Wachsen begriffen. Allerdings darf nicht übersehen werden, daß in diesen weiten Gebieten erst vor sechs Jahren die planmäßige Missionierung begonnen hat. In zahlreichen Aufsätzen berichtet der „Stern der Neger" fortlaufend über unsere missionarischen Unternehmungen. Dadurch hat er unablässig für uns geworben und gewirkt. Sein Wachstum liegt mir daher sehr am Herzen. Möchten sich doch viele Leser und Leserinnen finden, die ihm im neuen Jahre neue Bezieher gewinnen. In der frohen Zuversicht, daß auch im Jahre 1931 ein inniges Band der Liebe die Lesergemeinde des „Stern der Neger" mit der Präfektur Lydenburg verknüpfe, grüße ich alle Leser und segne sie von ganzem Herzen. Msgr. Alois Mohn, Apostolischer Präfekt. Der ehrwürdige Diener Gottes Daniel Comboni. In diesem Jahrgang unseres Blattes beabsichtigen wir die Lebensskizze eines Mannes zu zeichnen, der sowohl als Missionsorganisator wie auch als Stifter zweier Missionsinstitute einen hervorragenden Platz in der neueren Missionsgeschichte einnimmt. Der Große, dem die folgenden Zeilen gelten, ist Bischof Daniel Comboni, erster Apostolischer Vikar von Zentralafrika und Gründer des Veroneser Missionsseminars sowie der Schwesterngenossenschaft: „Fromme Mütter des Negerlandes". Zwei Beweggründe bestimmen uns, das Bild dieses heiligmäßigen Missionsoberhirten vor den Augen der Leser des „Stern der Neger" erstehen zu lassen. Am 15. März 1931 jährt sich zum hundertsten Male sein Geburtstag und am 10. Oktober zum fünfzigsten Male sein Todestag. Aber weit mehr noch als diese stillen Gedenktage drängt zur Erinnerung an den feurigen Apostel Zentralafrikas die Einleitung seines Seligsprechungsprozesses. Nachdem Professor Grancelli aus Verona unter Heranziehung alles vorhandenen und erreichbaren Quellenmaterials in zwei grundlegenden Veröffentlichungen den Lebenslauf Combonis ausführlich zur Darstellung gebracht und das Veroneser Missionsseminar alle einschlägigen Akten, insbesondere die Briefe des Dieners Gottes, sorgfältig gesammelt hatte, konnte zu Beginn des Jahres 1928 bei der bischöflichen Kurie in Verona die Eröffnung des Prozesses stattfinden. Daran schloß sich die Durchführung des Jn-formativprozesses in Chartum, dem einstigen Bischofssitze Combonis und die Untersuchung seines Grabes zu Assuan am ersten Nilkatarakt, wo in einem Seitenaltar der dortigen Kirche seit dem 3. November 1899 die wenigen Überreste eingeschlossen sind, die man nach dem Mahdiaufstand noch in dem verwüsteten ursprünglichen Grabe Combonis zu Chartum vorgefunden hatte. Inzwischen sind die vorbereitenden Prozesse bereits zum Abschluß gelangt, so daß die Gesamtakten, die etwa 3000 Seiten umfassen, der heiligen Kongregation der Riten in Rom unterbreitet werden konnten. Der gegenwärtige Heilige Vater hat mit regem Interesse den günstigen Verlauf der bisherigen Untersuchungen verfolgt, zumal er den unermüdlichen Glanbensboten persönlich gekannt hat. In einer Audienz, die er dem römischen Komitee „Pro Nigrizia" am 17. März 1929 gewährte, äußerte er sich hierüber: „. . . Wir haben das Glück ge- habt, persönlich diesen großen Diener Gottes zu kennen, manchen Tag mit ihm zu verleben und von seinen Lippen und mehr noch aus seinem Herzen eine lebhafte Vorstellung von jenen weiten Gebieten zu gewinnen, in denen er seine Tätigkeit entfaltet hat . . ." Und in einer Audienz, die der Apostolische Präfekt von Äquatorial-Nil Mons. Vignato am 3. Juli 1929 hatte, würdigte sich Pius XI., verschiedene Einzelheiten aus seinen Unterredungen mit Comboni mitzuteilen. Die Heimat des Dieners Gottes ist die malerisch gelegene Ortschaft Limone am Gardasee, die bis zum Jahre 1866 zu Österreich gehörte. Nach der Abtretung der Lombardei und Venetiens an Italien war Limone bis zum Weltkriege die italienische Grenzgemeinde am Westufer des Gardasees. Comboni stand bereits im reifen Mannesalter, als seine Heimat aus dem österreichischen Staatsverband ausgeschieden wurde. In seinem Werden und Wirken spielen darum die Beziehungen zu Österreich, namentlich zu Wien, eine bedeutende Rolle. Aber auch Deutschland hat er oftmals bereist. Lange Jahre trug er sich mit dem Gedanken, in Köln ein Missionsseminar für Afrika zu gründen; denn dort hatte er weitgehende und dauernde Unterstützung für seine Missionsunternehmungen gefunden. Comboni war eine großangelegte Natur. Engherziger Nationalgeist lag ihm vollständig fern. Wie er §U' seinen Mitarbeitern italienische und deutsche Missionäre zählte, so bestand auch die aus seiner Schöpfung in Verona hervorgegangene religiöse Kongregation der Söhne des heiligsten Herzens Jesu von Anfang an aus Angehörigen beider Nationalitäten. Deshalb verehrt auch die 1923 von Verona getrennte deutsche Kongregation der „Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu" Comboui als ihren Vater. Wir wünschen darum, daß sein Seligsprechungsprozeß einen guten Fortgang nehme. sFortsetzimg folgt.) Das Goldhuhn. (Sine Jugenderinnerung Freude herrschte im Hause, zumal unter uns Kindern: Die Keuschin, unsere Großtante, war wieder einmal auf Besuch gekommen. Sie war sehr alt, hatte Runzeln im Gesicht, kleine stechende Äuglein und vorstehendes Kinn. War also just nicht schön zu nennen. Trotz alledem, wir, ihre Klein-Neffen und Nichtlein, liebten, vergötterten sie. Denn sie buk das schmackhafteste Weißbrot der weitverzweigten Verwandtschaft mit vielen Weinbeeren drin, hatte stets ein Stück Bratwurst ums Ende und vor allem immerzu picksüßen Honig auf dem blaugeblümten, goldgesäumten Teller. Also die Keuschmutter war auf Besuch. Wir Kleinchen umkreisten sie emsig, wie Wespen eine just vom Baum gefallene gelbweiche Birne, allein sie hatte nicht Zeit und Augen für die lüsternen Schleckermäuler. Denn Mutter hatte sie mit Beschlag gelegt und führte sie wohl eine Stunde lang durch die Sehenswürdigkeiten und Herrlichkeiten ihres hausfraulichen Reiches. In den Gemüsegarten und Kartoffelkeller, zur Krautgrube und aus den Fleischhimmel, an die Schmalzkübel und Mehltruhen, um die Bienenstöcke und in den Hühnerhof. Endlich war der Rundgang beendet und bei einem Schälchen Kaffee wurde dessen Ergebnis in ausführlichem Rückblick besprochen. Wir Kinder waren ständig in Rufweite nahe. Wir wußten ja nicht, ob es der Besucherin nicht plötzlich belieben würde, aus der großen Handtasche ein kleines Paket oder Stanitzel zu ziehen und das ernste, uns gar langweilig dünkende Gespräch etwa folgenderweise zu unterbrechen: „Dirndl, komm nur herzu!" oder: „Bübl, magst was Süßes?" Mutter freilich wollte das nicht leiden. Wies uns mit gutmütigen Scheltworten aus der Stube; allein wir wußten immer wieder ein Versteck in der Nähe ausfindig zu machen und von Zeit zu Zeit einen Vorwand, gerufen oder nngernfen, an der Tür zu erscheinen. Schließlich erschien das ergebnislose Herumstreichen und Harren den meisten doch m wenig lohnend. Das waren die Jüngsten, die von Rochus Kohlbach. ben Duftreiz eines frischen Kuchenschnittens oder Honigsladens noch nicht so recht kannten. Und die älteren Jahrgänge, die sich nicht mehr viel Hoffnungen auf Kleinkinderfreuden machten oder es plötzlich unter ihrer Würde fanden, sich unverdient Näschereien in die Hand drücken zu lassen. Blieben also nur mehr zwei ernstzunehmende Anwärter auf eine allfällige Einbescherung mit Süßigkeiten oder nahrhaften Schleckereien, Schwester Gundel und ich. Hinter dem mächtigen Milchkasten hatten Fröhliches Neujahr! >vir unsern Horch- und Spähposten gefunden. Dorther äugten wir scharf nach der Besucherin, ob sie nicht endlich Ernst machen würde. Aber auch voll Argwohn nach dem Nebenbuhler, daß er nicht etwa durch irgendwelche Schliche oder Anbiederung Vorsprung gewänne. Schließlich aber, als Ivir merkten, daß der Heimgart bald zu Ende, wagten wir uns aus dem Versteck t) er für und stellten uns einträchtig Hand in Hand — Mutter schien es im Eifer des Gespräches nicht zu merken oder nicht mehr ahnden zu wollen — vor die herzliebe Großtante. Wie gesagt, das Gespräch ward im Schatten des Abschiedes eifrig geführt. „Gottlob", sagte Mutter, indem sie einen kurzen Blick aufwärts sandte, „sonst bin ich recht zufrieden mit der Wirtschaft. Wir haben von allem und ich darf nicht klagen. Nur mit den Eiern geht es mir, daß ich's grad heraussag', manchsmal ein biss'l knapp." „So mit den Eiern?" verwunderte sich die Keuschmutter, wobei sie das rückgeglittene Kopftuch vorschob und fester knüpfte. „Freilich wohl. Sie legen ja die Hühner. Aber einmal sind die Eier nicht gar groß, wartnngsvoll das Schürzlein entgegenhob — und sah durchs Fenster. Es flatterten nämlich gerade etliche Hennen vom Rasen auf den Gartenzaun. Da'fuhr sie eifrig fort: „Freilich, freilich, da seh' ich ja ... Du hast ja eine ganz andere Rass', einen andern Fasel. Den alten, ausgedienten, abgLdankten. Der freilich ..." Eine leise Geringschätzung schwang in den gedehnten Ausrufen. „Und du?" fragte Mutter in merklicher Neugier. „Ich hab' natürlich die neue, gute. Sehr Die Heiligen Drei Könige. zu andern vertragen sie jedes dritte. Und an manchen Tagen vergessen sie überhaupt vor lauter Gackern auf's Legen." „Was du sagst! Merkwürdig! Bei uns z'haus, bei mir daheim ist die Geschichte mit dem Geflügelvolk akkurat um'kehrt. Freilich . . ." Tante Keuschmutter fuhr sich plötzlich mit dein Zeigefinger an das Kinn. Das tat sie immer, wenn das Gespräch eine unerwartete Wendung nahm oder wenn ihr selber etwas völlig Neues beifiel. Nun erhob sie sich etwas vom Sitze — mir lief das Wasser im Schlek-kermäulchen zusammen, während Gundel er- gut ist sie. Gar zum Lobeil. Wundert mich, wundert mich, daß du sie nicht längst eingeschafft hast." Sie ließ sich umständlich wieder auf den Stuhl zurück, während Gundel kleinlaut die Schürze jmfeit ließ und ich die iraschlustig aushängende Zunge nicht ohne Widerstreben an ihren gerechten Ort tat. „Du weißt ja", gab Mutter kühl und zweifelnd zu bedenken, „daß mir von der Bäuerei lieber beim Guten, Alten bleiben. Beim hundertnial Ausprobierteii." „Schon, schon", die Stimme der Keusch-mutter nahln einen eigensinnigen Ton an, Stern der Nege r 5 Hest 1 „schon, aber wenn doch ab und zu was Richtiges, Tüchtiges neu aufkommt, tun wir doch auch gerne mit." „Da hast recht, Keuschin." „Siehst du", fuhr die Besucherin, wieder lebhaft werdend, fort, „solltest doch auch probieren. Wirst sehn, wirst -sehn, es reut dich nicht." „Wie heißt denn dann eigentlich die neue Gattung?" drängte Mutter in aufkeimender Ungeduld. „Wie sie nach Rechtem in Büchern heißt, weiß ich selber nicht zu sagen. Wir haben sie einfach Goldhenne getauft. Weil sie so schön gelb sind und Gold ins Haus bringen. Sooft die alte Luislin, die Eierhändlerin, kommt, läßt sie mir ein schönes Stückl auf dem Tisch." Mutter war ganz ernst tttib sachlich geworden. „Ich weiß mich sonst an niemand zu wenden. Wärst nicht so gut und tatst mir ein paar Eier leihen. Meine Hennen sollen sie mit ausbrüten. Ich kehr' sie ab bei nächster Gelegenheit." „Aber, aber!" Großtante ward ganz feierlich vor Bereitwilligkeit. Es freut jede richtige Großbäuerin, wenn sie der Nachbarin aushelfen kaun, gar mit einer Züchtung oder Fechsung, die ihrer Wirtschaft Ehr' einbringt. „Natürlich kannst sie haben. Ein ganzes Schock kannst haben . . . Nein, jetzt fällt's mir noch besser ein: Du willst ja doch die neue Gattung sehen auch. Ich schick' dir also gleich eine Henne. Wenn du Glück hast, kannst du sie mir ja einmal, es eilt gar nicht, Bischof Dmüel Comboni. abstatten. Hast Unglück, verschmerz' ich's leichter als du. Wer weiß, ob ich nicht auch einmal eine Gefälligkeit von dir brauch'." (Fortsetzung folgt.) In Barberton. Von P. Bernhard Zorn. Im abgelaufenen Jahrgang haben wir unter diesem Titel die Berichte des hochw. P. Zorn über seine Tätigkeit in Barberton, und namentlich über seine Schulgründnngen, veröffentlicht. Anschließend bringen wir noch einen wegen Raummangel gekürzten Bericht über die neue Schule in M o d i e s. Da mich, berichtet der Pater, bei meiner ersten Forschungsreise nach Modies die Gegend sehr an Lourdes erinnerte, so beschloß ich, die zu gründende Schule der unbeflekt Empfangeuen zu weihen und nach ihr zu benennen. Die Protestanten, die dort bereits ein Schul- und Bethaus besitzen, zeigten sich über meinen Plan schwer verärgert. Doch der Verwalter einer Gesellschaft, die in jener Gegend neben einigen Faunen auch eine Goldgrube auf der Höhe des Berges betreibt, kam meinen Wünschen sehr entgegen. Er selbst ist zwar kein Katholik, wohl aber seine Frau und deren Mutter, sowie alle sechs Kinder. Die gute Großmutter unterrichtet die Kinder im Katechismus, lehrt sie beten und geht ihnen mit bestem Beispiel voran. In Ermangelung eines geeigneten Fuhrwerks können sie nicht jeden Sonntag alle zum Gottesdienst nach Barberton kommen. Aber sie erscheinen häufig vereint an der Kommunionbank. Der Verwalter selbst ist ein wahrer Edelmensch. Seine Gunst stützte mich in meinem Vorhaben. Am Ostermontag besuchte ich ihn mit einem Bruder und brachte meine 6 Stern der Vieler Heft 1 Anliegen zur Sprache. Er bewilligte nicht nur den Bau der Schule, sondern erklärte sich auch bereit, den Bruder während der Bauzeit zu beherbergen und, was die Hauptsache war, seinen persönlichen Einfluß geltend zu machen, um die Schwarzen zu bewegen, unsere Schule zu besuchen. Nach diesen endgültigen Vereinbarungen konnten wir sofort ans Werk gehen. Schon am 23. Juni durfte ich die Einweihung der Schule vornehmen. Viele Leute waren zugegen. Manche sogar aus dem angrenzenden Swaziland. Sie hatten einen Weg von etwa 8 Stunden zurückgelegt. Nach der Ansprache und der feierlichen Einweihungszeremonie meldeten sich sogleich 35 Kinder zum Besuch der Schule. Dieser überraschende Erfolg entschädigte uns für alle Mühen und Opfer, die der Bau uns gekostet hatte. Zwei Monate später war die Schülerzahl auf 50 gestiegen. Die liebe Gottesmutter hat also auch dieses Unternehmen reich gesegnet. Nachschrift der Redaktion. Die Hoffnung unserer Missionäre in der Präfektur Lyden-burg beruht hauptsächlich auf den Schulen. Pater Zorn hat deren schon eine stattliche Anzahl gegründet, sowohl im Lydenburger wie tut Barbertoner Bezirk. Seinen Unternehmungen gewidmete Gaben können mit allen Erlagscheinen, bzw. Zahlkarten eingesandt werden, müssen aber den Vermerk tragen: für Missionsschulen. Das Hochzeitskleid. Von P. Karl Fischei. Auch die Afrikaner habeit ihre Mode, die Heiden sowohl wie die Neuchristen. Auf diesem Gebiete behält das Dichterwort seine volle Gültigkeit: Menschen sind die Menschenkinder Aller Zeiten, aller Zonen; Ob sie unter Birkenbüschen, Ob sie unter Palmen wohnen. Ob sie vor dem Christengotte, Ob vor Wodan sie sich bücken, Ob sie sich in Lumpen bergen Oder sich mit Purpur schmücken! Ein wichtiges Stück der Mode bildet überall das Brautgewand. Deshalb wird es auch niemand den christlichen Zulumädchen übelnehmen, wenn sie die größte Sorgfalt aufbieten, um an ihrem Hochzeitstage schön zu erscheinen. Das nach einheimischer Sitte wohlgeordnete Haar bedeckt in anmutiger Weise die Schläfen und die ganze Stirn. Ein Blumenkranz mit weißen Blüten ziert das schwarze Haupt, von dem ein weißer Schleier tief herabwallt. Das spitzenbesetzte langärmelige Kleid reicht bis zu den Knöcheln herab. Weiße Handschuhe verhüllen die schwarzen Hände, und ein weißes Schirmlein schützt die Holde vor den tückischen -Sonnenstrahlen; sie könnte sonst noch schwärzer werden! Mag das Kleid auch schlecht genäht sein und sich nur widerwillig seiner Trägerin anschmiegen, dennoch gefällt sie sich darin. Natürlich redet auch das Hochzeitskleid seine Sprache. Es sagt uns, daß die Braut noch jungfräulich ist. Wäre sie das nicht, so dürfte sie es nicht wagen, ein weißes Kleid, Schleier und Blumenkrone zu tragen. Deshalb trachten die christlichen Zulumädchen ihr Leben so einzurichten, daß sie ohne Schande vor den Altar treten können. Manche verliert allerdings die Ehre, nicht aus eigener Verdorbenheit, sondern weil die heidnischen Verwandten sie in Lagen versetzen, in denen sie hilflos untergehen muß. So kommt es denn auch häufig vor, daß ein Mädchen einfach von Hause entflieht, um in der Mission Rettung zu suchen. Dann obliegt dem Missionär die schwere Aufgabe, sich mit den heidnischen Verwandten auseinanderzusetzen; trotzdem kann die Rettung mißlingen. Die heidnischen Sitten sind eben noch zu fest eingewurzelt. Das Hochzeitskleid wird indessen nicht nur am Trauungstage getragen, sondern auch nach der ersten Mutterschaft, jedoch ohne Schleier und Blumenkrone. In ihm begibt sich die Mutter in die Kirche zur Aussegnung. Dann zerschneidet sie ihr Brautkleid und verarbeitet es zu Kleidchen für die Kinder. Diese Sitte scheint von den Heiden herübergenommen zu sein; denn die heidnischen Mütter schmücken sich wie Bräute, so oft sie mit einem Kinde beschenkt werden. Am Hochzeitstage selbst wird das Kleid nur bis gegen Abend getragen und dann mit dem Sonntagskleid vertanscht. Die Braut benimmt sich sehr ernst und eingezogen, so daß man über ihr Verhalten mitten in dem üblichen Festlärm staunen muß. In schier endlosen Reigen wird die Braut an ihrem Ehrentage umtanzt, besungen, beklatscht. Auch nachdem sie am Abende das Hochzeitskleid abgelegt und ihr gewöhnliches Sonntagsgewand angezogen hat, wird sie noch einmal umtanzt. Dann verpacken die Braut- jungfern das schöne Kleid bis zum ersten Ausgang nach der ersten Mutterschaft. Dann wissen alle, daß sie glückliche Mutter ist. Ihr Gatte sieht sie noch einmal im Brautschmucke. Sie aber freut sich um so mehr, als sie nun hoffen darf, daß ein reicher Kranz vcn Sprößlingen die Zierde ihres Alters sein werde. Und nach diesem Schmuck sehnt sich jede Zulubrant und Zulumutter. Im Walde. Unheimliche Brut. Bon Br. August Sa gol. Seit dem unseligen Tage, da unsere Stammeltern aus dem irdischen Paradies vertrieben wurden, besteht eine tiefe Abneigung zwischen dem Menschen und dem kriechenden, fußlosen Geschöpf aus der Familie der Lurche, dem die Natur ein tödliches Gift als furchtbare Waffe mitgegeben. Wohl gibt es auch harmlose, ungiftige Schlangenarten, allein es geht ihnen wie vielen unschädlichen Pilzen; es ist sicherer, auch tie für gefährlich zu halten. Die Abneigung gegen Schlangen scheint aber doch etwas Angenommenes, Erlerntes zu sein, das die Jugend vom Alter übernimmt. Wenn ein Kind zum erstenmal mit einer Schlange zusammentrifft, ohne dag ihm zuvor Angst davor eingeredet worden ist, so betrachtet es das ihm neue Lebewesen mit furchtloser Neugier. So fand eine Frau im Zululand ihr kleines Kind mit einer Schlange spielend. Mit großer Geistesgegenwart näherte sie sich leise, setzte schnell ihren Fuß auf den Kopf des Kriechtieres und rief dann laut um Hilfe. Manche Teile der Erde sind mehr, ander« weniger von diesen Tieren bewohnt. Südafrika ist leider reichlich damit bedacht. Es zählt außer 16 Arten kleiner harmloser Wühlschlangen zwei Arten Riesenschlangen, die zwar keine Gift-zähne besitzen, durch ihre Stärke aber gefährlich werden können, und nicht weniger als 40 Abarten giftiger Schlangen, darunter die furchtbare Mamba oder Königsschlange. Die Riesen- oder Felsenschlange oder Python wird 5 bis 7K Meter lang. Diese Tiere sind zwar vorzügliche Mäuse- und Rattenvertilger, machen sich aber im erwachsenen Zustand auch an Gazellen und kleine Antilopen heran, die sie fest umschlingen, daß den armen Tieren alle Rippen und Knochen brechen. Dann würgen sie die Beute, die sie mit einem zähen Schleim überziehen, durch den ausdehnbaren Schlund hinab. Natürlich füllt sie eine solche Mahlzeit dermaßen an, daß sie sich nicht mehr bewegen können und tage- und wochenlang träger Verdauungsruhe pflegen müssen. Eine Henne wurde zu Versuchszwecken zu einer Riesenschlange in den Käfig gesteckt. Das Reptil lag schlafend und zusammengeknäuelt in einer Ecke des kleinen Raumes. Die gefiederte Mitgefangene zeigte keinerlei Aufregung wegen ihrer unheimlichen Gesellschaft und ging am Abend wie gewöhnlich zur Ruhe, mit dem Kopf unter einem Flügel. Auch am Morgen blieb die Schlange bewegungslos, während ihr künftiges Opfer in dem beschränkten Raum umherging und eifrig die ausgestreuten Körner aufpickte. Auch als die Schlange sich zu rühren begann und mehr und mehr Zeichen erwachender Lebens- tätigkeit von sich gab, bewahrte die Henne ihre Ruhe. Endlich begann das geschmeidige Reptil den langen Leib auseinanderzurollen, der in zwei großen Schleifen fast den ganzen Raum einnahm. Die Henne hielt sich int engen Mittelfeld und beobachtete nachdenklich die merkwürdige Neuerung. Als sie sich die Sache überlegt zu haben schien, hüpfte sie auf den großen, glatten Wulst und ließ sich langsam von ihm herumbewegen. Dieser Zustand konnte nicht lange andauern! die Entscheidung mußte bald eintreten. Langsam hob sich der große, flache Kopf der Schlange, langsam näherte er sich dem tapferen Hennlein, das auch nicht einen Zoll zurückwich. Innerhalb stotzsicherer Entfernung hielt das Reptil in ne, wie um ein letztes Ziel zu nehme»: nur feine empfindsame Zunge bewegte sich tastend gegen die gefiederte Beute, sie fast berührend. Die Henne, die die Zunge für einen Wurm halten mochte, pickte danach. Das schüchterte die große Schlange aufs äußerste ein und benahm ihr alle weitere Angriffslust. Scheu zog sie sich in die Käfigecke zurück und rollte sich wieder zusammen, um nicht mehr aus sich herauszukommen, so lange die Henne im Käfig blieb, was nicht mehr lange dauerte, denn das muntere Tier wurde bald wieder in Freiheit gesetzt. (Fortsetzung folgt.) Nachdruck verboten. Der Sohn des Freimaurers. Von Anna Kayscr.* Es war Frühsommer, Junimitte, mit langen, sonnentrunkenen Tagen und kurzen, lauen Nächten, die in heimeligen Zaubergärten Märchen wecken, in verwunschenen Einsamkeiten blaue Blumen sprießen lassen .. . und doch voll weher Banguis über Menschen liegen können . . . Die Natur hatte ihr Brautkleid abgestreift. Die Schönheit erster Reife lag auf ihrem ernster gewordenen Antlitz. Aus einer einsamen Buschgrotte des Alexanderparkes kamen die innigen Klänge eines letzten Nachtigallenliedes. Da nahten Schritte von Spaziergängern, und das schwermütige Lied verstummte. Von den Türmen und Türmchen Münchens schwangen feierlich die Angelusglocken. Herbert Werner blieb an einer Blutbuchengruppe stehen, nahm den Hut ab und betete den Gruß des Engels. Hans Reinert stand etwas abseits und sah nachdenklich dem leuchtenden Abschiednehmen der Sonne zu. Obschon ihn das feierliche Wettspiel der Abendglocken immer sehr ergriff, war er zum Beten heute nicht aufgelegt. Sie gingen weiter. Die Falte zwischen Reinerts Augen gruben sich tiefer. Er ertrugt nicht mehr. Werner tat, als ob er ihn und die ganze „Burgundia" samt ihrer frohen Tochter „Fidelitas" vergessen habe. Grimmig hieb er mit seinem Spazierstock den schlafenden Wildprimeln und Butterblumen die Köpfe ab. Dann blieb er stehen und legte Herbert Werner die Hand auf den Arm. „Ich bin aber noch bei dir!" sprach er mit tragischem Nachdruck. „Damit du's weißt und mich nicht etwa wieder in die Mitternachtskapelle der Bonifatiusbrüder schleppst, wie weiland am letzten Karneval. Es war ja nur ein Irrtum, ja, nur ein Jrrelaufen, für das du guter Junge nichts konntest. Ja, ein Versehen war's, und nur die schlimme Macht der Gewohnheit war schuld." Reinert lachte gezwungen und sah Werner von der Seite an. * Truck und Verlag her Bonifatins-Driickerei in Paderborn. Heft 1 Stern der Neger 9 „Ja, Hans, ich weiß es selber, ich bin ein schlechter Gesellschafter heute", gab Herbert zurück. Er blieb stehen und setzte sich auf die Stufen, die zum Alexandreum hinaufführten. Reinert setzte sich zu ihm. „Nun, so geh halt mit, damit du aus einem miserablen ein lustiger Gesellschafter wirst. Ich meine, so überraschend, ja abnorm Freund Helmuts Schritt auch ist, so brauchst du das doch nicht unsere brave ,Fidelity büßen zu lassen. Noch dazu an unserm allerletzten Studententage. Das ist abscheuliche Abtrünnigkeit." lich, gehört denn so etwas nicht ins Reich des Übermenschlichen?" Er sah Werner in tiefem Forschen an. Der blickte sinnend zum westlichen Horizont und sah der Sonne nach, die eben von der tagesmüden Erde schied und in eine fremde, geheimnisvolle Licht-welt sank. „Vielleicht gibt es fern hinter jenen Bergen noch eine ganze Welt voller Ideale und Glücksmöglichkeiten, die wir nicht ahnen, noch nie ergründet haben und deshalb nicht begreifen", sprach er langsam. „Der Große von Tarsus spricht j-a auch von einem Ideal, Die Wahrsagerin. „Wie tragisch!" lächelte Werner. „Und das steht dir doch gar nicht, mein Freund Jm-merfroh. Unsere Examina feierten wir doch gestern zur Genüge. Ergo! Ich muß heim. Die Meinen erwarteten mich schon gestern. Vielleicht gelingt es mir auch, Helmut noch zu erwischen, ehe er die Klosterpforte hinter sich zuwirft." „Dieser Heimlichtuer! Weißt du, ich stehe immer noch vor einem Berge von Rätseln und kann nicht drüber. So ein Liebling der Götter, Klassenprimus von Sexta an, mit Chancen auf alle und jede Lebensköstlichkeiten, macht am zweiten Meilensteine kehrt und wirft all die Herrlichkeiten unserer schönen Welt wie wertlosen Plunder über die Hecke und — steigt in die Kutte! Sag' ehr- das nicht alle fassen. Helmut war immer ein Ersteiger der Höhen und Erforscher der Tiefen." „Wie du! Ihr beiden zöget ja immer an einer Deichsel. Wie oft seid ihr uns aus-gerisien an der ,Fidelitas' fidelsten Tagen! Wo ihr dann stecktet? Die hochwürdigeu Kuttenmänner von Andechs und Ettal mögen es wissen." Werner lächlte und sah einer Schwalbe nach, die in kühnschwingendem Fluge dem hochgelegenen Neste an der Mauer über ihnen zustrebte. „Hatte Helmut nicht eine bigotte oder doch sehr religiöse Mutter?" fuhr Reinert fort, als Herbert schwieg. „Oder vielleicht Pech in punkto Liebe? Es ist ja nur pure Vermutung, die ich in Hinsicht auf Helmuts Art augenblicklich bereuen sollte. Aber man sucht eben eine Erklärung auf natürlichem Wege, da man auf den Hochfirnen der llber-natur ein Fremdling ist." Werner schüttelte den Kopf. „Helmut war immer ein Mensch freier Entschlüsse und wird es dopelt sein, wo es den Kurs fürs Leben gilt. Ich habe seine Mutter noch gekannt. Fromm war sie. Aber diese Frömmigkeit war von einer herzerquickenden Gesundheit. Sie war eine geprüfte Frau, der der Himmel viel gab, aber mehr wieder nahm. Sie gehörte zu den Menschen, die lächelnd nehmen und lächelnd verzichten. Im Hause Helmut gab es nur frohe Menschen. Helmut mag in etwa erblich belastet oder bedacht sein. Kritteü und Tonsur haben seit Generationen Heimatrecht in seiner Familie. Manchem wird es von daheim aus schwerer gemacht." Das letzte kam verhalten heraus. „Hast du eigentlich um sein Vorhaben gewußt?" „Nein. Er sprach nie darüber. Ich habe wohl hier und da geahnt, daß er besondere Ziele hatte." „Es hat sie alle gepackt, die Bundesbrüder, vom dicken Uhl bis zum kleinen Edeling. Es war ungehörig still beim Frühschoppen, als Parking es erzählte. Er hatte es per Zufall erfahren. Es war, als wenn in einen Tanzsaal plötzlich Weihrauch weht." Herbert Werner gab keine Antwort mehr. Sie standen auf und schlenderten langsam durch die Straßen. Sie kamen an einem alten grauen Hause vorbei, das wie ein friedlicher Traum inmitten eines großen, eingezäunten Gartens lag. Aus zwei kleinen Fenstern kam der warme, rötliche Schein eines gedämpften Lichtes. Ws sie vorüberkamen, drang wie ein Klang aus einer unwirklichen Welt das Schwingen eines feinen Glöckchens durch die Stille. „Was bedeutet das?" fragte Reinert. „Das Abendläuten ist doch vorbei." „Das Glöcklein ruft die Töchter Sankt Benedikts zur Anbetung." Werner war unwillkürlich stehen geblieben und schaute zu dem grauen Hause hinüber, das ihn anmutete wie ein Idyll des Friedens im Weltmeerbranden. „Unbegreiflich!" murmelte Reinert. „Was?" „Das sollen Menschen sein wie wir, da hinter den todgrauen Mauern? Menschen von Fleisch und Blut? Junge Menschenkinder, die die Sonne haben könnten, sie sollten sich ins Dunkel, in solch ein lebendiges Grab verkriechen?" „Vielleicht scheint auch da drinnen irgendeine Sonne, die ihnen das Grab helle macht. Ich habe sie gespürt, als ich einmal mit Mutter und Ruth einer Einkleidung und später einer Mette beiwohnte. Aber — nicht alle fassen es." ■ „Hu, ich kriege Gänsehaut. Sieh da oben, Gitter, wahrhaftige Gitter! Mich weht Kerkerluft an. Welch eine mysteriöse Welt! Ein Asyl für Weltmüde, Lebenssatte, Enttäuschte, scheint mir. Ich kenne eine solche. Ein Son-nenkiud ist sie gewesen. Alles hatte sie genossen, was Leben und Welt nur irgend boten. Als sie sich satt genossen und satt getrunken hatte hier draußen, da band sie den Nonnenschleier um und ward nicht mehr gesehen. Mit zusammengebrochenen Rädern landete sie vor Klostermauern." „Um vielleicht noch eine Heilige zu werden, wie Augustinus zum Exempel. Ich aber habe einen Menschen gekannt, du auch, dem hier draußen tausend Quellen sprangen, tausend Tafeln gedeckt waren. Und der doch nicht ein einzigmal aß und trank und erst satt wurde an karger Klostertafel. War der auch ein Enttäuschter, Aribert, der junge Graf von Flandern?" „Laß uns heimgehen. Mir wird ganz jämmerlich. Ich bin nun mal ein Spatz, und ihr seid ganz unbegreifliche Herrgottsgewächse, Adler meinetwegen. Komm!" Aus Nachtlokalen und heimkehrenden Aus-flüglerkolormen drang dann und wann Lärmen und Singen hinüber in die einsamen Alleen und Anlagen. „Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht . . ." „Man fühlt sich förmlich erdrückt von solchen Gegensätzen", sagte Reinert, als gedämpfter Psalmengesang aus dem grauen Hause drang. Als sie heimkamen, war das Dunkel vollends über die schöne Stadt der Künste gesunken, und das rauschende Leben der Nacht begann. Herbert Werner konnte in der Enge seines Studentenheims noch keine Ruhe finden. Er hatte zu vieles und Großes erlebt. Helmut, ihm seit Jahren vertraut wie ein Bruder, wollte ins Kloster, wollte Ordensmann werden! Er war gegangen, ohne irgend jemand, auch nicht ihm, ein Wort zu sagen. Das letzte tat ihm weh. Was er dabei gehabt hatte? Er begriff den Freund nicht. " Sie wußten es einer vom andern, daß sie Sucher waren, Sucher nach irgendeinem Ziele, nach einem Ideale, das abseits von den begangenen Straßen lag, das sie längst schon in seinen Bann geschlagen hatte, ehe sie es selbst be- Er blieb stehen und nahm das warme Leuchten, das durch die Fenster drang, in sich auf. Er fühlte es tief, eine Friedensstatt war dieses Haus, die Stätte eines geheimnisvollen, verschwiegenen Glückes. Nicht Menschen wohnten drinnen, die müßig auf den Lorbeeren eines großen, Meisters ausruhten, nein, Kämpfer, die einen immer wachen Feind überwanden, nicht zwar mit blanken, blutigen Klingen, aber mit der demütigen Waffe des Gebetes, des Verzichtes, der Buße, des Gehorsams. Schullinder von Modies. Er aß ein wenig zu Abend, ging eine Weile auf und ab, löschte das Licht aus und setzte sich grübelnd in seinen Sessel. Aber lange ertrug er es nicht, er griff wieder nach Hut und Mantel. Für das Stürmen und Gären in seinem Innern war ihm jede Weite zu eng. Er fühlte sich wie ein Mensch, dem eine ganze altgewohnte Welt zusammenbricht und der sich in einer neuen unsicheren Schrittes und halbverbundenen Auges noch nicht zurechtfinden kann. Planlos ging er dahin, den Strom entlang. Das gleichmäßige Rauschen der Jsar-wellen tat ihm wohl. Ehe er sich's versah, lag das Haus des Gebetes wieder vor ihm. Und diese Kämpfer waren schwache Frauen. Soll er sich von ihnen beschämen lassen? Was sie können, was Ungezählte vor und mit ihnen konnten und können, was Helmut können wird, warum soll er es nicht können? In diesen Tagen ist er's inne geworden, daß der Zug nach einem Ideal oder Ziel außerhalb der großen Straße in ihm war seit der Knabenzeit, wo er daheim dem alten P. Wendelin in heimlicher Frühe, wenn der Vater noch schlief, die Messe diente, bis in die jüngste Studentenzeit, wo eine Vesper oder eine zwanglose Plauderstunde bei den Ettaler Mönchen ihm oft und oft lieber waren als der fidelste Kommers der ..Fideli-tas". Er selbst hat geglaubt, daß nur die herrlichen benediktinischen Choräle und die persönliche Wertschätzung des einen oder anderen Mönches ihn immer wieder, allein oder mit Freund Helmut, die einsamen Bergwege zur alten Abtei getrieben hätten. Sein Zukunftsweg hatte stets so klar und selbstverständlich in alten, sicheren, von Generationen ausgetretenen Bahnen vor ihm gelegen, daß sich auch nicht ein Gedanke je herangewagt hatte, er, als einziger Wernersprosse, könne sich einmal aus dem traditionellen Gleichschritt herauswagen und sich eigene Bahn brechen. Ihn hatte es mehr zuni Lehrfach hingezogen als zur Juristerei, deren starre Formen sein Herz und Gemüt darben ließen. Aber weil alle Werners von jeher Juristen waren, hatte er im der langen Reihe die Hand des Vaters nicht loslassen wollen. Der hofft nun, daß er die seine weiterreiche ■— den Kommenden. Einzelne späte Spaziergänger kamen vorüber und sahen verwundert nach dem Grübler hin, der, seinen Stock quer über die Knie gespannt, an einen alten Baum der Ahornallee gelehnt stand und über das alte, graue Haus hinweg in eine unbestimmte Ferne schaute. Da ging Herbert weiter, den Fluß hinab. Der war an dieser Stelle sehr breit und still und führte seine Wasser fast unbewegt. Dicht am Ufer glitt eine Gondel dahin, ein niedlich Spielzeug, weiß-blau gestrichen, just so wie die daheim am See, die Ruth zum sechzehnten Geburtstag vom Vater bekommen hatte. Zwei Menschen saßen darin. Sie hatten die Ruder eingelegt und ließen das Fahrzeug lautlos treiben. Sie sprachen nicht. Nur hie und da kam ein kleiner Lautenton herüber. Dann hub das junge Mädchen im weißen Kleide zag zu singen an: „. . . und immer hör' ich's rauschen . . . du fä-ändeft Ru-uhe dort . . ." Ein heimlich Weh löschte die Stimme bald wieder aus, und ohne Laut glitt die Gondel weiter. Herbert Werner schritt rascher aus unter den alten Bäumen und ließ den Kahn bald hinter sich. Ein merkwürdiges Weh batte sich in ihm festgeklammert. Das graue Haus mit seinen stillen Bewohnern hatte er ver-geffen.. Immer sah er noch die weiß-blaue Gondel. Aber nicht durch die Jsarwellen glitt sie, sondern daheim durch den stillen blauen See, und er und Ruth saßen darin, über ihnen der sonnige Himmel oder die stillen Abendsterne. Zwischen ihnen dasselbe Schweigen wie eben zwischen den beiden jungen Menschen, das Stummsein, das doch so beredt ist von seligem Unausgesprochenem^ Am Ufer saßen dann die Eltern und bauten für sich und die Kinder das Haus der Zukunft . . . Herbert blieb stehen, weil ihm der Atem in der Brust schwer wurde unter der Erinnerung. Was war denn eigentlich geschehen? Was ist es für eine geheimnisvolle Macht, die sein Schifflein nun so ganz aus dem geruhigen Kurs zu werfen droht? Morgen geht's heim ins Vaterhaus am See, heim zu Vater und Mutter und — zu Ruth. Dann werden sie wieder auf dem See segeln nach Herzenslust. Oder uicht? Wird er nie wieder neben Ruth in der weiß-blauen Gondel sitzen, wenn die Abendglocken die Herden zu Tal läuten, wenn an den Weinhängen die Winzerinnen singen und irrt Park die Nachtigall dem kurzen Maien nachschluchzt? Soll nie wieder Ruth beim goldenen Sonnenscheiden ihm das kleine Liedchen zur Laute singen, das er so liebt, das Lied vom Schäferkind, das einen stillen Hirtenknaben liebhatte? Den ihr dann ein großer König raubte. Dem es dann ihre Liebe und ihr Leid nachsingen mußte Tag und Nacht und Nacht und Tag, bis die Laute zersprang und ihr Herz dazu und über die zersprungenen Saiten ein rotes Brünnlein rann. Da war das Schäferkind tot. Und der Hirtenknabe im fernen Königs-dienst sah zur selben Stunde ein weißes Täublein ins Abendrot fliegen. Und er war gar nicht traurig, war froh und selig. Und das weiße Täubchen saß auf seines Königs Stirn und sang wundersame Lieder. Herbert raffte sich gewaltsam aus dem Zauber, der ihn mit den weichen Armen der Sommernacht umfangen, wollte. Er schritt planlos weiter, bis er merkte, daß er aus der Stadt heraus in ganz einsame Bezirke kam. Nur hie und da standen einzelne Häuser, aus altem Gemäuer geisterten Unkenrufe, um eine halbzerfallene Kapelle standen, vom weißen Mondlicht trö- Heft 1 Stern der Neger 13 stend umleudjtet, schiefe Kreuze auf verfallenen Grüften. Darüber aber, ans überragendem Felsgipfel, stand ein Kreuz, vor dem Kreuze ein kleines Licht. Ob ein nächtlicher Wanderer dort rastete? Oder sollte das Lichtlein den Kreuzherland da oben in seiner einsamen Nacht trösten? Herbert mußte ein Weilchen hinschauen. Dieses Schauen auf das Lichtlein vor dem Kreuze unter den ewigen Sternen machte ihn ruhiger. Ihm war, als hätte er dieses Licht immer gesehen, weit auf fernen Bergen. Aber nie, wenn er mit den anderen auf lauten Straßen ging, immer^ nur, wenn er allein auf einsamer Höhe stand. Manchmal war es wie ein Scheinwerfer gewesen und hatte ihm ein fremdes, unbegreifliches Land unter fremder Sonne gezeigt, dann im Wachen, dann im Träumen. Aber ehe er begriff, war es wieder in Dunkel gesunken. Manchmal, wenn ihm die Alltagssonne so hell schien, dann hatte er das merkwürdige Licht vergessen. Dann aber war es eine Stimme, die in ihm, um ihn raunte und warb und drängte, gerade in Stunden frohester Geselligkeit. Dann kam es wohl, daß er, unter den Kommilitonen der fröhlichsten einer, jäh still wurde, daß ihm das Glas mit dem schäumenden Trunk aus der Hand sank. Daun neckten ihn die anderen, ob er plötzlich von einem Amorpfeil verwundet worden sei. Er hatte es selber nicht gewußt. Da er der nächtlichen Stadt zuschritt, stand der letzte Fasching wieder in seiner Erinnerung auf. Er hatte die Tage einmal in der alten Abtei zu Ettal verleben wollen. Er brauchte ein Ausspannen nach dem anstrengenden Winterstudium. Da hatten sich die ältern mit Ruth angesagt. Ruth sollte einmal das Leben in der 'Musenstadt kennenlernen. Vielleicht hatten sie heimliche Sorge gehabt, daß ihm im lustigen Faschingstreiben ein anderes Bild das der ernsten Ruth verdrängen könnte. Auf dem Ball der „Burgundia" war dann Ruth sehr umfeiert worden. Es war, als wenn in einer großen Rosenschau ein einzig Edelweiß in keuscher Seltenheit steht •— und alles der Rosen vergißt und nach dem Alpenweiß greift. Als da immer wieder Hans Reinert Ruth zum Tanze holte, da hat ihn inwendig ein Weh gewürgt, er hat's sich selber kaum gestanden. Als er dann aber sah, wie Ruth, wenn sie im Arm der anderen an ihm vorüberschwebte, immer nur sehnsüchtig nach ihm ausschaute, da war er sorglos geworden. Als sie dann zu ihm zurückkam und ferner den anderen jeden Tanz absagte, da ist ihm innerlich eine Beklemmung aufgekommen. Er ist ernst geworden, keinen einzigen Tanz hat er Ruth angeboten, ob er auch sah, wie sie darauf wartete und wie sie immer trauriger wurde. Da sind die raunenden Im Brautkleid. Stimmen wieder in ihm gewesen und haben ihn aus steigender Karnevalslust fortgelockt von Ruths Seite, hinaus, auf Umwegen in die Kapelle der Bonifatiusbrüder, in der eben die sühnende Mette der Mitternacht begonnen hatte. Am andern Morgen hat er noch die Trauer in Rüths Gesicht gesehen. Er hat ihr seine Rücksichtslosigkeit abgebeten. Sie hat ihm verziehen — und ist in derselben Stunde lvieder über sein verletzendes Stummsein traurig gewesen. Und nun — soll er für immer von ihr fortgehen, und immer soll sie traurig sein? Wie sie es war an dem letzten Abend, ehe sie mit den Eltern wieder heimfuhr. Er fühlte, daß sie auf das bis dahin immer noch Unausgesprochene wartete, als sie noch einen letzten weiten Spaziergang zusammen machten. Herbert blieb plötzlich stehen. Dieses selben Weges sind sie da gewandert, derselbe blaugestirnte Himmel ist über ihnen gewesen. Sie haben kaum ein Wort gesprochen, er hat nur gefühlt, wie Ruth ihn wohl mal von der Leite ansah. Als sie dann an der Pension, wo sie wohnten, ankamen, war's ihm, als wäre ein Schleier vor ihrem Blicke. So hatte er sie heimfahren lassen. Ihr Mund hatte gebebt, als sie ihm zuletzt die Hand reichte. Sie hatte wohl wenig Freude gehabt vom Fasching der Kunststadt. Uber ihm rauschten wissend die alten Bäume. Hie und da gurrte ein schlafend Vöglein auf. Aus dem langen Grase zur Seite huschten ein paar Eidechsen. In den Zentren der Stadt begann das Nachtleben langsam zu verebben. Da schritt Herbert eilig aus. Ihm war, als ob ein wüstenhaftes, lebenslanges Allein- und Verlassensein schon jetzt über ihn sinken wolle. Er sehnte sich nach irgendeinem Daheimsein, und sei es nur in seinen engen Wänden. Von den Türmen der Stadt schlug die erste Stunde. Wieder, feierlicher, inniger noch als zu anderen Stunden klang das Glöcklein der Anbetung. Herbert Werner schien das beredte Klingen das Rufen eines großen Meisters. Er fühlte, für ihn gab es nur eine Antwort. Er seufzte schwer. Würde er sie ihm geben können? Als er heimkam, griff er, wie allabendlich, zu seinem „Thomas von Kempen". Sicher wußte dieser Freund den Rat, den er brauchte. Immer hatte er ihn gewußt. Er schlug aufs Geratewohl auf. „Wer mir nachfolgt, wandelt nicht im Finstern." Er schloß das Buch. Was er gelesen, war genug, ein Leben lang davon zu zehren. Genug, jeden Kampf mit Sieg zü krönen. In seiner Seele war es heller geworden. Er legte sich zur Ruhe und schlief fest und traumlos bis zum Morgen. — Frau Klingeis, seine Hauswirtin, brachte gerade den Morgenkaffee, als er aus der Siebenuhrmesse in der Hofkirche kam. In ihren Augen fieberte Sensationsgier. Forschend sah sie ihren Herrn Studio an. Er hielt die Zeitung in der Hand, ruhig wie immer. „War das ein Unwerk heut nacht um zwölf herum!" platzte sie heraus. „All die Herren Studenten in den schönen Mützen! Und so lustig alle, rein zum Totlachen war's. Einer hatte zwei Zylinder übereinander-gesteckt, einer den Rock auf die verkehrte Seite. Einer hatte sich 'nett Sack übern Kops gestülpt, und die meisten hatten sich umgefaßt wie Liebesleute. Und Krüge, mit Bier drin, hatten sie alle in der Hand. Wollten um die heile Not noch nauf zu Ihnen. Und ich hatte ne doch schon gesagt gehabt, daß Sie nit da wären. Wohin, das wüßte ich auch nit. Wär' nit der alte Däming aus seiner Portierstube rausgekommen, die zehne hätten noch was angestellt. Dafür hat dann der mit den langen Beinen, den sie ,Reim' nennen, ganz unsinnig mit dem alten Manne en Walzer getanzt, draußen auf dem Steig. Aber schön war's. Wir haben unweis gelacht, auch die Mirzele, die Alte vom Däming." „Nun, da muß ich mich ja noch ganz besonders bei dem guten Däming bedanken, daß er das Unheil abwandte", entgegnete Werner lächelnd und schlug ein Kreuz zum Tischgebet, um sich vor einem weiteren Redeschwall zu retten. Frau Klingeis zog enttäuscht ab. Ein Merkwürdiger war doch dieser ihr Mietsherr! Nüchtern und solide zum Langweilen. Kein einziger galanter Zwischenfall, wie ihre Intimen, die Höntgen und Brausewald, sie zu Dutzenden von ihren „Herren" zu vergeben wußten. Dieser Herr Werner, ein rechter Philister ist er doch! Alle jungen Damen im Umkreise recken die Hälse nach ihrem Studio. Und er tut, als merke er nichts, geht daher wie ein Siegfried, dem nicht Spieß noch Speer beikommen kann. Kaum war Herbert wieder allein, da flog die Tür auf und herein stürmte — Hans Reinert. Griff ihn bei beiden Schultern und sah ihn grimmig an: „Bist mir ein netter Freund, du! Bringt da den Hans, den braven Kerl, artig nach Haus und betreibt seine Sternguckereien nachher alleine. Im Namen der ,Fidelitas' begehre ich zu wissen, was eigentlich mit dir los ist. Es wird da so allerhand gemunkelt. Gestern der Helmut — heute du! Hätte ich ötern der Neger 15 Heftl mich nicht so gewaltig für dich ins Zeug gelegt, die Bande hätte dich ins düsterste Kloster verdächtig. Also, komm mit und nimm den schwarzen Verdacht von dir." „Wohin?" „Zum Hofbräu. Die ,Fidelitas' hat einen ganz feudalen Frühschoppen arran- Derselbe Prozeß wie bei Helmut. O, ihr Götter, ich ahne Furchtbares: Kutte und Strick — und Tonsur und Aschensack. Und höre schon den gestrengen Jeremias die gottlose ,Fidelitas^ zu Sack und Asche rufen." Mit tragikomischer Gebärde griff der lustige Hans sich in die Haare und begann Junge Frau. giert, und ich habe geschworen, dich lebend oder tot heranzuschleppen. Anders läufst du Gefahr, daß dir die ganze Horde auf die Bude rückt." „Nun, dieser Katastrophe wären wir auch noch gewachsen. Frau Klingeis hat noch ein volles Fäßlein im Keller." „Laß es ihr. Und verdirb deinen Getreuen nicht ihren lebten Studentenspaß. Komm mit!" „Es geht wirklich nicht, Hans. Ich muß heim." „Muß heim? Ausflüchte,.nichts anderes. mit Armensündermiene das „Miserere" zu stammeln. Werner hielt ihm lachend den Mund zu. „Spottvogel! Na, der Herrgott wird dir diesmal nichts drum tun, weil d u es bist." „Aber dir, um dein Heimlichtun. Das eine sage ich dir: Treffe ich dich eines guten Tages oder Jahres irgendwo in Kutte und Sandalen, ich fordere dich auf Pistolen oder, wenn du willst, auf eine gute Klinge, mögen lmr nun beide Mensur und Duell hassen oder nicht. Ja, das tue ich. — Aber heute geh mit, Herbert, ein letztesmal." „Es geht wirklich nicht. En andermal. Heute laß mich. Das Münchener wird euch auch ohne mich schmecken." Reiner wurde plötzlich ernst. Ein Zug aus Werners innerster Seelenwelt mochte ihn gestreift haben. Er war ein Jmmerfroh. Aber zuzeiten konnte er Tiefen verraten, besonders im Verkehr mit Helmut und Herbert. Doch das waren Seltenheiten. Im großen ganzen steckte er noch bis über die Ohren in der lustigen Studentenhaut. Er trat dicht an Herbert heran und nahm seine Hand. „Du weichst mir aus. Ob du mich ganz und gar nicht für qualifiziert hältst zu einer Schau in dein Inwendiges? Denkst wohl, so Allerweltsware wie ich hätte nur Sinn für Karbol und Seziermesser?! Glaub' nur, auch so ein Massenmensch wie ich muß dem Ideal seinen Tribut zollen, ob er sich auch tunlichst drum herumdrückt. Dieses erhabene Wesen soll nämlich auf höchsten Firnen wohnen. Wir im Zwanzigsten aber lieben ebene Straße. Meine Reverenz jedeni, der jenen Kletterstieg wagt." Herbert staunte. War das Hans Reinert, der diese Weisheit vergab? Nun wurde er ihm noch lieber. Aber nun mußte geschieden werden. „Wer immer den rechten Zauber-stab fände, aus eines jeden Menschen Seelenschacht würde irgendeine verborgene Quelle aufsprudeln", dachte er und sah Reinert tief in die Augen. „Du kennst die Wünsche der Meinigen", wich er dennoch aus. „Und die deinen?" Herbert sah ihn nur schweigend an und blickte dann hinaus in den morgenhellen Tag. Reinert waren Spott und Scherz längst vergangen. Er fühlte es mit Gewißheit, und es tat ihm weh, Herbert war im Begriffe, sich von ihnen allen, von ihren Sphären loszulösen, wie Helmut es getan. Eine nie gekannte wehmütige Stimmung kam über ihn. Die durfte nicht hochkommen. Schweigend reichte er Werner die Hand und wandte sich zum Gehen. Auch Herbert war bewegt. Reincrt tvar ihm der Vertreter der Welt, der Sphäre, die bisher auch die seine gewesen. Mit ihm nahm er auch von dieser Abschied. Er erwiderte herzlich seinen Händedruck. „Gott mit dir! Und grüß' unsere ,Bur-gundia', die ,Fidelitas' besonders." Reinert ging rasch hinaus. „Verdammte Schlappheit!" murmelte er, als er die Haustür hinter sich zuschlug. „Da hätte ich beinahe . . . Schäm' dich, Hans! . . . Weibermanier? . . . Das müßte ich der Bande im Hosbräu erzählen . . . Aber beim Schwanz des Zeus . . . dieser Werner . . . mordsmäßig Edelgewächs! ..." Er versuchte, ein Kommersliedchen zu pfeifen und die ungewohnte Bewegung abzuschütteln. Es gelang ihm nicht. Im Begriffe, zum Bräuhaus abzubiegen, besann er sich plötzlich und machte kehrt. Mochten die Freunde über den Ausbleiber schimpfen, ihm war heute alles wurscht. Ziellos schlenderte er durch die Straßen. Das bunte Gewühl langweilte ihn mit einem Male unsagbar. Er hatte einen scheuen Blick ins Land höchster Ideale getan. Da schien ihm alle Alltagswelt fade. Aber was kann's ihm nützen, daß er den Hals reckt nach jenen Wolkenseglern und am eigenen Wege die Meilensteine einrennt. Die Welt, in der er festen Fußes steht, ist die Welt seiner Ziele und Pläne. Und darum — basta! Mögen andere tun und lassen, was sie wollen. Er wird nur fliegen, so hoch ihn seine Flügel tragen. „Der Spatz bleibt alleweil ein Straßenjunge. Was kümmern ihn die Adler?" tröstete er sich. Ging heim, packte seine Sachen und führ mit dem nächsten Zuge heim zu seiner Mutter. * ^ * Wie ein kleines Eden liegt die Villa des Justizrates Werner inmitten eines lauschigen Parkes an einem der träumenden Seen, an denen das südliche Deutschland so reich ist. Eine zierliche weiß-blaue Gondel gleitet um die neunte Morgenstunde über die stille Flut. Die junge Lenkerin hat die Ruder eingezogen und läßt den Blick versonnen über das sommerschwere Land schweifen. Ein ungewöhnlicher Ernst liegt ihr um Mund und Stirn und gibt ihrem Wesen eine herbkeusche Prägung. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, L^rausgever um> Verleger: Kongregation der Missionare Zorine oes yeingiren Lernens Jesu. Verantwortlicher Redakteur für Ofterreich: ?. Alois Milflinq F. S. C., Generalafsiftent, Missionshaus «§ra;: für Deutschland: ?. Leinrtch Wobnhaas, F. 8. C., Missionsseminar St. Josef. Ellwangen-Jagfi. Württemberg. — siniversitcits-Vuchdruckerei .Styria", Graz. Vücherbesprechungen. Verlag „Ars sacra“ Josef Müller, München 23, Werneckstr. 9. Gloria. Ein Weihnachtsbüchlein für gottsuchende Menschen von A. Dbcii borfei. 12°. 32 6. Text und 8 Bilder in Kupfertiefdruck. Preis —.40 Mk., —.65 8, —.50 Fr. Weihnacht in der Geschichte — in der Liturgie — in der Seele ist der festliche Dreiklang dieses Büchleins. Es sind die alten, unerschöpflichen Motive, aus denen die Freude des Christenherzens quillt. Man labt sich jedes Jahr daran. Der Verfasser lägt cs sich angelegen sein, durch seinen herzlichen Zuspruch dafür empfänglich zu machen, und der Bildschmuck des Verlages schmiegt sich ihm an wie die Begleitmusik zum „Stille Nacht, heilige Nacht". Vom lieben Christkindlein. Handgeschriebene Verslein mit 10 farbig. Bildern. Von 3. 93 o-hatta-Morpurgo. 22 Seiten. Feinstes Papier. Eeschenkausstattung. 1.20 Mk., 2 8, 1.50 Fr. Ein reizendes Büchlein mit feingezeichneten, farbenfrohen, im guten Sinn modernen Bildchen aus dem „Tageslauf" des Christkinds in seinem Verhältnis zu den Kindern. Ich ging damit in den Kindergarten und zeigte ohne ein erklärendes Wort die Bilder. Gab das ein Strahlen in den Kinderaugen, ein Oh- und Ah-Rufen! Dieses Entzücken der Kleinen, ihr Verstehen und kindliches Erklären der Bilder sind die beste Empfehlung für das Büchlein. Es ist die Fortsetzung und Anwendung der Weihnachts-geschichte aus das Leben der Kleinen. Bei einigen symbolischen Darstellungen mutz die Mutter oder Lehrerin dem Kind ein paar Lichtlein aufstecken. Feinfühlige Erwachsene werden die Bilder freudig mitgenießen. Die Kunst Rembrandts. Bilderbuch zu „Rembrandt als Erzieher". Von Benedikt Momme Nissen. 16 Seiten Text. Mit 82 Vollbildern und 15 Textbildern in Kupfertiefdruck. Grosist 2.40 Mk., 4 8. 3 Fr. Eine hochwillkommene Ergänzung zu Lang-behns „Rembrandt als Erzieher"! Ein mit aller Wärme des Künstlerblutes und mit Heister, innerster Überzeugung geschriebener Begleitrext feinster stilistischer Prägung über die künstlerische Einzigartigkeit der Rembrandtwerke. ein prächtiges, mit 97 wohlgelungenen Kupfertiefdruck-Reproduktionen geschmücktes Bilderbuch. Durch Verständnis der Rembrandtkunst zum Verständnis des Rembrandtdeutschen! In großen und doch liebevollen Zügen und Strichen wird Rembrandts Heimat- und Bibelkunst entschleiert, geoffenbart, gewürdigt. Sein Werk ist ein gewaltiger Schrei nach Seele, nach Gott, ein Tiefblick in Ir» sches, ein Hochblick in Göttliches, ein Wegweiser zu Heimat und Himmel. Der Leib und sei» Recht. Von I. van V e list u e s. 8°. 32 Seiten Text und 9 Bilder in Kupfertiefdruck. 1.25 Mk., 2.10 8, 1.55 Fr. Fern von aller Klügelei steht dieses Büchlein auf einer hohen ethischen Warte. In seiner und doch offener Sprache redet der Verfasser von vielen Dingen, die die Menschen als heikel empfinden — über den Sinn und Zweck des Leibes. Wir lernen uns auf uns selbst und unsere Würde besinnen, lernen, was es heitzt, Mensch zu sein, einen Leib zu haben. Er zeigt uns aber auch, wohin wir kommen, wenn wir nicht unermüdlich daran arbeiten, unser selbst Herr zu sein. Die vorzüglichen Bilder fügen sich dem Ganzen wohltuend ein. Gott zu Lieb'. Der Christ im Alltag, von Andreas Obendorfer. 12". 32 Seiten Text und 8 Kupfertiefdruckbilder. Preis —.40 Mk.. —.65 8, —.50 Fr. Möge dieses kostbare, goldene Büchlein recht vielen Glllcksuchern unserer Zeit den Weg zum wahren Glücke weisen, recht viele Unzufriedene Ruhe und Frieden finden lassen und recht vielen Kreuzträgern ein helfender „Simon von Cyrene" werden! Zu diesem Zwecke ist es geschrieben, darum greife jeder nach ihm, der da sucht und kämpft und leidet! Es kann nicht warm genug empfohlen werden. Das Leben eines wahren Christen, eine immerwährende „Messe". Von Kanonikus F. A st r u c. 12°. 32 Seiten Text und 8 Kupfertiefdruckbilder. —.40 Mk., —.65 8, —.50 Fr. Ein rechtes Lebensbüchlein ist das vorliegende. Einfach, volkstümlich, praktisch, aber von mystischem Tiefsinn — mystisch wie es die Messe selber ist: durch den Tiefsinn der Elaubenswirk-lichkeiten, ohne Verstiegenheiten. Inhaltlich ist es mehr als ein Meßbüchlein. es ist in seiner Kürze eine Anleirung zum religiösen Leben überhaupt. Die innere Beziehung von Messe und christlichem Alltagsleben ist sein Gegenstand. Wie die Grundmotive des Heiligen Opfers (yiiigooe, Wandlung, Kommunion) das Leben durchdringen können und sollen, daß es ein immerwährendes Beten, eine „Eucharistia", Lobpreis durch Christus zum himmlstchen Vater sei: das zu erwägen und nachzubeten wird nicht nur den Freunden der liturgischen Bewegung willkommen sein, sondern allen innerlichen Christen mit ihnen, deren religiöses Leben (wie es fein soll) in innerer Beziehung steht zur heil. Messe, ja darin die Lebensquelle hat (vgl. das andere schöne Büchlein in derselben Serie von P. Redlich: „Metzfeier als Lebensquell"). Heute ist diesem Hause Heil widerfahren. Handbüchlein der feierlichen Familienweihe an das göttliche Herz Jesu. Von Dechant Josef M i-n i ch t h a l e r. 12°. 48 Seiten Text und 8 Bilder in feinstem Kupfertiefdruck. —.40 Mk., —.65 8, —.50 Fr. Jesus Christus, König.der Jahrhunderte, der Welt, König der Herzen, König der Familien. Unter dem ‘ Sinnbild des fruchtbaren Baumes werden in gründlicher Art die Wurzeln, der Baum, die Blüte, die Früchte und die Pflege -er Familienweihe dargelegt und erörtert und für das praktische Leben ausgewertet. Wie alle Büchlein Minichthalers, so verdient auch dies wärmste Empfehlung und weiteste Verbreitung: es kommt einem Wunsche des Heiligen Vaters entgegen, der äußert: „0, wenn doch alle Familien sich dem Heiligsten Herzen weihen mochten und wenn alle die Pflichten erfüllten, die sich aus einer solchen Weibe ergeben: dann wär» das soziale Königtum Jesu Christi gesichert." Verlag der Schulbrüder in Kirnach Villingen, Baden. Aufbauen — nicht verzweifeln! Zeitgemäße Broschüren. Kl.-8°. Jedes Heft 32 Seiten. Preis pro Heft —.30 Mk. — Soeben gelangten zur Ausgabe: Nr. 1: Cohausz, Die Kunst, recht zu leben. Nr. 2: Burtjchcll, An der Schwelle der Ewigkeit. Nr. 3: Auf mariani-schen Pfaden. Nr. 4: Cohausz, Sind wir durch Christus erlöst? Nr. 5: Ghisleni, Die Kirche Gottes auf Erden. Nr. 6: Cohausz, Haben wir sichere Kunde über Christi Leben? Was bezweckt diese Sammlung? „Aufbauen — nicht verzweifeln!" ist ihr Name! Aufbau-broschuren wollen wieder Mut und Tatkraft zum Aufbau wecken. Wollen zum rechten Aufbau Wege zeigen. Aufbaubroschüren wollen Waffen für Christus fein. Kein rechter, dauerhafter Aufbau aber ohne Christus und Christentum! Beide sind bedroht! — Dröhnender als je rührt der Antichrist seine Trommeln zum Kampf gegen Christus und alles Christliche. Gegen den christlichen Glauben, gegen die christliche Sitte, gegen den christlichen Geist, gegen das Ganze der christlichen Denk- und Lebensart! Zum Ee-neralsturm holt er aus! Da gilt es, zur Gegenwehr anzusetzen! Aufbaubroschüren wollen helfen, den Glauben erhalten, festigen, vertiefen. Aufbaubroschüren wollen das religiöse Innenleben fördern. Aller Aufbau muß učit innen anfangen. Keine Erneuerung der Welt ohne vorherige Erneuerung der Seelen! Verinnerlichung tut not! Selbstheiligung! Aufbaubroschüren wollen zur Ordnung des Gemeinschafts- und sozialen Lebens beitragen. Aufbaubroschüren sind für Seelsorger, Lehrer und Lehrerinnen, Vereine, Kranken- häuser, Pensionate, Exerzitienhäuser — jedes Haus! Das kleine Geheimnis. Der Schlüssel zur Innerlichkeit. Von P. Cassian K a r g, 0. N. Cap. 266.-300. Tausend. 14X9,5 cm. 48 Seiten. Kart. —.30 Mk. Dieses bescheidene Schriftchen, das den Untertitel „Der Schlüssel zur Innerlichkeit" führt, war bereits Hunderttausenden eine sehr praktische und leichte Anleitung zum Wandel in Gottes Gegenwart. Es will allen, die von einem geistlosen Aufsagen verschiedener Gebetsformulare unbefriedigt sind und beim Gebet wirklich mit „Gott reden" wollen, zu einem vertrauensvollen, kindlich einfachen Verkehr mit Gott verhelfen — und kann es auch. Es erzählt von Kindern und Erwachsenen, von Männern und Frauen, von Kranken und Bedrängten, von vielbeschäftigten und stillen, in sich gekehrten Menschen, die alle durch das „kleine Geheimnis" erst gelernt haben, was beten heißt, und zum beträchtlichen Teil es sogar zu großer seelischer Vollkommenheit gebracht haben. Besonders in der Kinderwelt hat cs eingeschlagen und bei allen, die nach Christi Wort wieder gut wie Kinder werden wollen. Eine große Zahl von Lehrerinnen benützen den von P. Karg gelehrten Kunstgriff und erreichen damit die schönsten Erfolge. Selbst leichtsinnige und flatterhafte Kinder lassen sich leicht in seinen Bann ziehen. Auch Patres und Landpfarrer, die danach Vorträge gehalten, erlebten damit freudige Überraschungen. „Dcks kleine Geheimnis" ist einer jener Vorteile oder Kunstgriffe im religiösen Leben, die, richtig angewandt, durchschlagende Erfolge erzielen können. Es ist deshalb zur Massenverbreitung ganz besonders geeignet. Verlag Herder & Co., Freiburg im Breisgau, Baden. Unsere Ideale. Von Robert L i n h a r d t. Lebe, iswichlige Kapitel aus der katholischen Ethik. 1,—5. Tausend. 8° (XII u. 350 S.) 1930. Geheftet 4.60 Mk.: kartoniert 5.20 Mk.: in Leinwand 6.20 Mk. „Unsere Ideale" ist das Buch, das auf dem Büchermarkt zu fehlen scheint, ein Buch, das der gebildeten Welt, vor allem der werktätigen und akademischen Jugend, aber auch gereiften Menschen den wesentlichen Gehalt unserer katholischen Sittenlehre in konzentrierter, wissenschaftlich unterbauter, aber nicht wissenschaftlich redender Form darbietet. Den Inhalt gliedert Linhardt in vier Teile: „Vorfragen der Ethik" (die freilich Hauptfragen sind), „Der Mensch und die eigene Persönlichkeit", „Der Mensch und die Gemeinschaft", „Der Mensch und sein Gott". Daß die Darstellung lebensnahe und — in gutem Sinne — aktuell ist, wird man bei Linhardt nicht mehr zu betonen brauchen. Die Geschichte des heiligen Tarcisius, des Helden. Von Elisabeth v. Schmidt-Pauli. Den Kindern erzählt. Mit Bildern von Dom. Gregor de Witt. 0. S. B. Er-8" (80 S.) 1930. 2.50 Mk.; in Halbleinwand 3 Mk.: in Leinwand 3.50 Mk. _ Die Verfasserin hat in diesem kurzen, aber an Ereignissen, Verfolgungen, Gefahren so reichen Heldenleben einen" dankbaren Stoff gefunden, und daß sie ihre jungen Leser zu fesseln versteht, haben die beiden bisherigen Heiligengeschichten aus ihrer Feder („Die heilige Elisabeth" und „Die kleine heilige Theresia") bereits bewiesen. Das Buch berichtet auch von dem üppigen Wohlleben der heidnischen Römer in ihren prunt=-oollen Palästen und vom Leiden der ersten Christen in den römischen Kerkern und in der Arena. Man kann es also mit dem berühmten Buche „Fabiola" vergleichen. Univergtätk-Buchdrackerel „Styria", Brag.