/// 69SÜ2 durch Gottes Erbarmung und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade Fürst-Aischof von Laibach rc. Der gesammten ehrwürdigen Geistlichkeit und allen geliebten Diöeefanen Heil und Segen vom Herrn! ^Aeliebte im Herrn! die heilige Zeit der vierzigtägigen Fasten nahet heran, und Christus ruft uns aus der Fülle seiner Liebe für unsere unsterblichen Seelen unendlich freundlich zu: »Sieh, ich stehe an der Thür und klopfe. Wenn Jemand meine Stimme hören und mir die Thür öffnen wird, zu dem werde ich eingehen und Abendmahl mit ihm halten und er mit mir«. (Apoc. 3, 20.) Erkennet ihr nicht in diesen zärtlichen Worten des Heilandes das unaussprechliche Zeichen höchster Liebe? Wie oft hat er in euere Herzen hincingerufen, um Einlaß zu erhalten und wie ein Freund und Bräutigam der Seele darin zu wohnen! Wie oft hat er euch durch innere Einsprechungen und äu¬ ßere Veranlassungen sein glühendes Verlangen kundgegeben, über eure Herzen, als sein erworbenes Eigenthum, ganz unum¬ schränkt zu herrschen, den Trost seiner schützenden Nähe und die Wonne seligen Friedens euch zu spenden! Wie oft hat er euch an sich gezogen »mit den Banden der Liebe«, (Os. 11, 4.), um eure Gegenliebe zu wecken! Wie habt ihr ihm diese große Liebe wohl erwiedert? Gehörten etwa nicht Viele zur Zahl derjenigen, von denen geschrieben steht: »Sie sprachen zu Gott: weiche von uns, und achteten den Allmächtigen, als ob er nichts thun könnte, da er doch ihre Häuser mit Gütern erfüllt hatte«. (Job 22, 17.) Sieh, der höchste Gebieter, dessen Allmacht den Himmel und die Erde gegründet, der den zahllosen Sonnen ihre Bahnen vorgezeichnet, der die reichste Fülle des Lebens der Erde eingeflößl und eine wunderbare Pracht über ihre Höhen und Niederungen ergossen, der selbst mit Licht sich kleidet wie mit einem Gewände, er liebte euch, und zwar nicht erst seit eurem Eintritt in dieses irdische Dasein, nicht erst seit dem Anbeginne der sichtbaren Schöpfung, sondern noch ehe die Welt war, von Ewigkeit hat er an euch gedacht und euch geliebt: »In ewiger Liebe liebte ich dich und zog dich aus Erbarmen an mich« (Jer. 31, 3.). Wie folgtet ihr diesem liebenden Zuge? Gott ist in sich selbst höchst selig, daß er keines einzigen Geschöpfes zu seiner Seligkeit bedarf— »mein Gott bist du, sagt der Psalmist, weil du meiner Güter nicht bedarfst« (Ps. 15, 2.); »ein und derselbe ist der Herr Aller, reich für Alle, die ihn anrusen« (Röm. 10, 12.): und dieser unermeßlich selige und reiche Gott zog euch mit unzähligen unaussprechlichen Wohlthaten an sich, aus keinem andern Grunde, als um seine Seligkeit und seinen Reichthum mit euch zu theilen. Wie habt ihr ihm diesen glänzenden Erweis innigster Vatcrliebe vergolten? Er sah euer Widerstreben, er sah, wie ihr die Bande der Liebe zurückwieset; er konnte euch sogleich verlassen, obgleich ihr dann zu Grunde gegangen wäret. Aber er verließ euch nicht, sondern fuhr fort, auf vielfältige Weise euch zu stützen, zu nähren und zu stärken. Er erbarmte sich euerer Unwissenheit, euerer Gebrechlichkeit, euerer Bos¬ heit, euerer Hartnäckigkeit und Vermessenheit und aller Uebel, mit denen er euch überhäuft sah, — und doch konntet ihr euch nicht entschließen, ihm nachzugeben und in Liebe aufgelöst zu ihm zu sprechen: »Ziehe mich, so werden wir laufen« (Hohes!. 1, 3.). Wenn er endlich seine Gnade euch entzog und sein Angesicht von euch abwendete, so geschah es nur, weil ihr ihn mit entschiedener Empörung gegen die Herrschaft seiner Liebe zurückstießet; denn niemals verläßt er uns zuerst, er muß uns zuvor sagen hören: »Weiche von mir«. Und selbst da sah er euch mit den Augen seiner Vaterliebe in die Ferne nach, ob nicht wieder ein gelegener Augenblick sich ergeben möchte, wo er euch die Einladung zur Einkehr in sein Vater- Kerz wiederholen könnte. Und eben jetzt klopft er wieder an die Thüre eures Herzens, ob ihr sie ihm nicht offnen und Abendmahl mit ihm halten wollet. Das ist eine Liebe ohne Maß und Ende! Geliebte! sollte diese Liebe nicht alle Menschcnherzen tief verwunden, so daß auch von ihrer Gegenliebe zu Gott gerühmt werden könnte, was die Braut im Hvhenliede (8, ü.) sagt: »Stark wie der Tod, ist die Liebe; hart, wie die Hölle ist die Eiferung«. Der Tod reißt uns los von Allem, ja reißt uns in einem Augenblicke los von Allem, woran wir uns auf's Engste gebunden fühlen; er reißt uns von uns selber los, indem er die gewaltsame Scheidung von Leib und Geist bewirkt. Sollte nicht das Nämliche die Liebe zu unserm Gott in uns bewirken, der uns so rührende Beweise seiner Liebe gibt? »Meint ihr etwa, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern die Trennung« (Luc. 12, 51.)— Trennung von Allem, was nicht aus Gott ist und nicht zu ihm führt. Blicket herum in der christlichen Welt und sehet, ob ihr viel von dieser hochherzigen Liebe findet. Diese Liebe offenbart sich in Werken der Selbstbeherrschung und Entsagung, der hilfreiche» Unterstützung des Nächsten und der dcmüthigen Unter¬ werfung unter die ewigen Lebensgesctze, welche das Evangelium uns verkündiget und die lebendigen Tafeln der Menschen¬ herzen mit unauslöschlichen Zügen eingeprägt bewahren. »Die Früchte des Geistes (der die Liebe in die Herzen eingießt) aber sind: Freude, Friede, Geduld, Leutseligkeit, Güte, Langmuth, Sanftmuth, Treue, Sittsam¬ keit, Enthaltsamkeit, Keuschheit«. (Gal. 5, 22. 23.) Wenn ihr nun wahrnehmet, daß das gottgeweihte Ackerland der Kirche von Früchten ganz anderer Art überwuchert wird, wenn ihr soviel Trostlosigkeit und Geistesdürre, soviel Neid und Zorn, soviel Zank und Zwietracht, soviel Grausamkeit und Härte, soviel Eigennutz und schnöde Lust in üppigem Wuchs überall aufschießen sehet, werdet ihr da nicht schließen müssen, daß die hehre Gottesliebe von einer andern Liebe, von der selbstsüchtigen Weltliebe verdrängt werde? Wie? wird mir vielleicht Jemand entgegnen, sollen die Menschen die Welt nicht lieben, da sie doch ein Geschöpf Gottes ist?— Allerdings, Geliebte! ist die Welt ein Werk des ewigen Vaters und als solches das Abbild seiner Herrlich¬ keit, das kostbare Pfand seiner Macht und seiner Huld, eine bewundernswerthe Erinnerung, eine hochzuachtende Hinweisung auf Ihn. Sie aber lieben im eigentlichen Sinne, sich gänzlich hingeben an sie und ganz leben für sie darf der Mensch nicht, denn sie ist nicht unserers Lebens Ziel und Ende. »Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern suchen eine zukünftige« (Hebr. 13, 14.). Wer immer an die Welt sich hingibt, sein gottberufencs Herz an ihre wech¬ selnden Gestalten verkauft, müßte sich endlich einmal bitter getäuscht finden. Deshalb »o Menschenkinder! warum nun liebet ihr das Nichtige und suchet, was täuscht?« (Ps. 4, 3.) »Liebet die Welt nicht«, ermahnt Johannes (1 Jvh. 2, 15.), »noch das, was in der Welt ist. Wenn einer dis. Welt l iebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm«. Also, Geliebte in Christo! die Weltliebe ist unvereinbar mit der Gottesliebe; so verkinrdet es der Apostel, der an der Brust des Herrn geruht. An die Welt, an das Sinnliche, gebet mit eurem geistigen Denket und Wollen euch nicht hin, von dem Zauber der hinfälligen Dinge laßt euch nicht bethören. »Möchtet ihr, sagt Augustinus, in diesem Jam- merthale nichts so Schönes, nichts so Ergötzliches besitzen, daß euer Geist davon eingenommen würde!« Der Geist, der sich an die Welt vergibt, kann sich nicht zugleich an seinen Urheber, wie sich gebührt, hingeben; er kann dies umsoweniger, da er, Eins in sich, sich nicht theilen kann. »Zwei Gattungen von Liebe gibt es, sagt der tiefe Leo der Gr., aus welchen alle Aeußerungen des Willens hervorgeheu, so verschieden in ihrer Art, als es die Quellen sind. Denn der Geist, der ohne Liebe nicht sein kann, fiebt entweder Gott oder die Welt«. Doch seligen Frieden kann er nur in der Hingabe au Gott finden, nur in der Liebe seines Schöpfers selig sich verklären. Der natürliche Zug des Geistes geht himmelwärts; denn Alles in der sichtbaren Welt ist geringer als er; einer ungeheuren Selbsttäuschung und Lüge, einer gewissen Unseligkeit muß er daher verfallen, wenn er die Befriedi¬ gung seiner tiefsten Sehnsucht nach Seligkeit, von der er einmal nicht lassen kann, in dem sinnlichen Genüsse sucht und seine Liebe an die Welt verschenkt. »Alles in der Welt ist Fleischeslust, Augenlust und Hoffart des Lebens, was nicht vom Vater, sondern von der Welt ist«. (1. Joh. 2, 16.) Und das ist die dreifache Gestalt des gewaltigen Götzen, der die Herrschaft über so viele Ehristcnherzen an sich gerissen hat, vor dem so Viele in abgöttischer Verehrung ihre Knie beugen, und der mit Vorspiegelungen reichen Sinnengenusses, glänzender Schätze und eitler Ehre auch um eure Liebe buhlt. Hat nicht die Fleischeslust, die Sucht alle sinnlichen Begierden ohne Rücksicht auf den höhern ewigen Beruf des Menschen zu befriedigen und Alles, was die Welt nur Angenehmes bietet, in größtmöglichem Maße zu genießen, in unfern Tagen einen schreckenerregenden Grad erreicht? Sehet nur, wie Viele da hineileu zum Becher der Lust, um in vollen Zügen daraus zu trinken, als ob die Erde ihre Heimat und sinnlicher Genuß das Ziel des Menschenlebens wäre; sie sinnen auf Lustbarkeiten aller Art, um sich die Zeit, diese flüchtige Zeit, so angeuehm als möglich zu vertreiben. Die minder Bemittelten mögen hierin hinter den Vermöglichen nicht Zurückbleiben, obwohl sie dadurch ihr Hauswesen oft gänzlich zu Grunde richten, die Erziehung ihrer Kinder vernachlässigen und sich in Noth und Elend stürzen. Die entwürdigende Sprache, welche zu Salo- mon's Zeiten die Gottlosen führten, kann man gar häufig auch in unserer genußsüchtigen Zeit vernehmen: »Die Zeit unseres Lebens ist kurz; man kennt Niemand, der zurückgekommen wäre; wir werden hernach sein, als wären wir nicht gewesen; unser Leib wird in Asche zerfallen und der Geist zergehen wie eine linde Luft. Weil denn unsere Zeit wie ein Schatten vorüber geht, darum kommet und lasset uns genießen die Güter, die da sind, und gebrauchen die Geschöpfe schnell wie in der Jugend; nimmer muß die Blüthe der Zeit uns entrinnen. Krönen wir uns mit Rosen, ehe denn sie verblühen. Es darf keine Wiese sein, wo wir nicht in fleischlicher Lust uns ergehen, lleberall wollen wir Zeichen der Freude hinter uns zurücklassen, denn das ist unser Antheil an unserm Glück«. (Weish. 2.) Ihr erken¬ net es, Geliebte! welche Erniedrigung in solcher Sprache liegt. Da ist keine Ahnung von der hohen Menschenwürde und von dem Adel des unsterblichen Geistes. Der Mensch macht sich dem Thiere gleich, dessen Triebe und Instinkte einzig und allein auf sinnliches Wohlbehagen zielen, dessen Bestimmung innerhalb der Grenzen dieser Zeitlichkeit sich abschließt. Und solche Versunkenheit des Denkens und Wollens wird, gleichsam zum Hohne dieses Namens, als das Ergebniß einer maßlos vorgeschrittenen Bildung und Aufklärung gerühmt! Bei solcher Verwirrung der Begriffe muß der Sinn für alles Höhere ganz verloren gehen; im Dornengestrippe so verkehrter Neigungen müssen alle edleren Regungen des Herzens erstickt werden; das zarte Pflänzchen dankbarer Gottesliebe kann da nicht keimen, wo selbst die Erkenntniß eines liebenden und barmher¬ zigen Schöpfers und Erlösers fast bis zur Unkenntlichkeit verwischt ist. Wohl aber hat solche unbeherrschte Genußsucht die Augenlust zum nothwendigen Gefolge, die Habsucht nämlich in allen ihren Formen mit einem weiten Kreise mächtiger Leidenschaften, die zufolge der Erfahrung unserer Zeit gar leicht alle Verhältnisse des Menschenlebens verwirren und verzerren. Um Mittel zur Befriedigung der entzügelten Begierden zu gewinnen, sucht man soviel als möglich von irdischen Gütern an sich zu reißen und zu einem reichen Besitze zu gelangen, sei es auf erlaubte oder unerlaubte Weise. Man hat es auch gelernt, die warnende Stimme des Gewissens, welches gegen Betrug, Wucher und andere Künste der Bevortheilung Anderer unwillkommene Einsprache einlegt, zum Schweigen zu bringen und zu unterdrücken, und die lieblose Härte gegen Arme und Nothleidende mit allerlei Vorwänden zu entschuldigen. Daß bei solcher Richtung des Geistes und Gemüthes, wo das ganze sehnende Streben auf den Besitz zeitlicher Güter geht, die Liebe zu den ewigen Gütern, die Liebe zu dem höchsten Gute, die Gottesliebe nicht Platz greifen könne, wird gewiß jeder Denkende unschwer begreifen. Auch die gläubige Hoffnung auf die übersinnlichen geistigen Güter uud himmlischen Schätze muß in solchen verweltlichten Herzen allmälig untergehen. Sie leben deshalb in dem verderblichen Wahne hin, daß sie um jeden Preis den Himmel auf dieser Welt sich selbst schaffen müssen. Geliebte! die Enttäuschung wird einst unendlich bitter sein. Darum beherziget schon jetzt in eurer Seele die Worte des Propheten (Bar. 3, 16-19.): »Wo sind die Fürsten der Völker, und Jene, welche über die Thiere herrschen, die auf der Erde sind? welche mit Vögeln des Himmels ihr Spiel treiben? welche Silber und Gold zum Schatze sich sammeln, worauf die Menschen vertrauen, und ihrem Erwerbe kein Ende setzen? welche das Silber bearbeiten und emsig thätig sind, uud es gibt keine Erfindung, wie ihre Werke? Sie sind vertilgt und in die Unterwelt hiuabgestiegen, und Andere sind an ihrer Statt aufgestanden«. Diese Worte haben ewige Geltung, möget ihr es glauben oder nicht Befraget aber nur die Erfahrung, euer eigenes Bewußtsein und die Kirche, sie werden euch das Zeugniß vou deren Wahrheit nicht schuldig blei¬ ben. Möget ihr euch daher über die entschiedene Sprache des ehrwürdigen Thomas von Kempis nicht wundern: »Eitelkeit, sagt er, ist Alles, außer Gott lieben und ihm allein dienen. Eitelkeit ist es, vergängliche Reichthümer zu sucheu und aufselbe zu hoffen; Eitelkeit ist es, zeitliche Ehre zu suchen; Eitelkeit ist es, ein langes Leben zu wünschen und sich um ein gottseliges Leben nicht kümmern; Eitelkeit ist es, nur auf das gegenwärtige Leben Acht zu haben^undfürdas künftige nicht zu sorgen; Eitelkeit ist es, dasjenige zu lieben, was so schnell vergeht und darnach nicht streben, wo die Freude ewig bleibt«. ^7 '1777^ 7"" darüber, daß o.i dem schwer zu unterdrückenden Gefühle ""777" Dritte Art der Machterweisung des gewaltigen Weltgößen, die Hoffart des Lebens, in der menschlichen Brust einen so gut vorbereiteteu Boden findet. Hoffart des Lebens ist Selbstüberschätzung und möglichste Gel¬ tendmachung des eigenen ^chs. Wer immer Alles nur auf sich bezieht und in der Anschauung seiner eigenen Vortrefflichkeit gch verliert, dem bleibt ftemd die demuthsvolle Unterwerfung unter das Gesetz der schöpferischen Liebe Gottes, fremd die Unterwerfung unter das Gesetz der gottgcordneten irdischen Gewalten; sie sind ihm ein lästiges Joch, dessen er auf jegliche Weye los zu werden sich bemüht. Mtt Recht sagt daher Jemand, die Hoffart des Lebens sei das schlimmste Gist/eine tiefverborgene Pest, die Werkstatte der List, der Vater der Heuchelei, die reichste Quelle aller Laster, der Herd der Ver- 7^7 Rost, welcher leicht und unbemerkt an alle Tugenden sich ansetzt, der nagende Wurm in der Blüthe mensch¬ licher Vollkommenheit und Heiligkeit, die Blende der Herzen, die selbst alles Gute zum Bosin zu verkehren vermag. Wenn aber die Hoffart des Lebens sich mit der Gottesliebe durchaus nicht verträgt, und ich euch jetzt mit aller Bekümmerniß meines oberhirtlichen Herzens davor warnen muß, daß ihr mit euren Werken dem verlockenden Weltgötzen nicht huldiget glaube ich einer Aenßerung dieser Hoffart des Lcbensi die sich ungeachtet so mancher- Bedrängnisse der Zeit allenthalben kund gibt, noch besonders erwähnen zu müssen. Es ist eine die Schranken r>-nig diese Sucht mit dem Geiste des Ehristenthums vereinbar sei kann meine geliebten Diözesanen! schon euer eigens Gefühl sagen. Das lautere Herz versichert -uch, daß ihr Gott suchen und seinen heiligen Namen auf Erden verklären sollet. Hierin ist uns ja der Sohn Gottes voran^-Mgen, der, um uns Demuth zu lehren, die Prackr des Himmels verließ und sich zum armen Zimmermannssohne erniedrigte. Wie könnte Angesichts dessen der hinfällia- Erdenstaub sich erheben und blähen, oder sich gar dahin verir-en, jenen Eigendün¬ kel in so wertharmen Dingen, al- es die Kleider sind, zu befriedigen? Wenn ich aber geg-u den Lurus mein Wort erhebe, so kann mir nicht der abertheuerliche Gedanke vorschweben, als müßten alle Unterschiede, welche Stand, Würde, äußere Stellung, das Maß des Jedermann zugemeffenen Antheils an zeitlichen Gütern mit si4 bringen, aufgehoben werden. Es zeigen vielmehr eben dich gesellschaftlichen Verhältnisse die Gränzen, innerhalb w-'cher die an den Christen zu stellenden Anforderungen sich bewegen. Mein olerhirtliches Mahnwort ist nach dem Vorbilde des heiligen Fo-nz v. Sales nur an diejenigen gerichtet, welche hierin jene Schranken überschreiten, die durch die Rücksicht auf die leidend,. Menschheit, durch Sittsamkeit, durch Stand und Vermögensverhältnisse geboten sind. Einst sagte der Herr zu dem jüdischen Volke: »Sehet, die weichliche Kl-ider tragen, sind an den Höfen der Könige«. (Matth. 11, 8.) Jetzt braucht man nicht erst an die Höfe der Könige zc gehen, um Menschen in weichlichen Kleidern anzutreffen; man findet sie, während Manche in den höchsten Ständen auf zmen alten fürstlichen Glanz verzichten, nur zu häufig auch in Häusern, bei denen oft nur die größte Sparsamkeit zum ehrsamen Unter¬ halte der Familie genügen könnte; man findet sie selbst in den entlegensten ländlichen Gegenden, und im erstaunlichen Grade bei der dienenden Klasse unserer christlichen Brüder und Schwestern, welche nicht selten ihren ganzen Verdienst auf Kleider¬ prunk verwenden und sich so der Gefahr aussetzen, in den Tagen des Alters Andern zur Last fallen, oder elend verkümmern zu müssen. Wie manche Klage über die Kargheit des Geschickes würde verstummen, wie manche Thräne des Elends unge¬ weint bleiben, wollte man hierin die von der Vorsehung angewiesenen Wege wandeln! Mit Recht eiferte der heilige Chry- sostomus mit der ganzen Gluth seines Eifers gegen unmäßige Prunksucht in der Kleidung und im sonstigen Aufwande, denn sie ist unverträglich mit der Liebe Gottes, mit der strebenden Sehnsucht nach ihm. Wie soll der, in dessen Herz die Hof¬ fart eingezogen ist, zur Liebe des Heilands sich hingezogen fühlen, der in Armuth und Entbehrung die Wüste dieses krden- lebens durchwanderte. Darum ermahnt sehr schön der heil. Petrus (1 Peter 3, 3. 4.): »Euer Schmuck bestehe richt im Aeußerlichen, nicht in Haarlocken, im Goldgeschmeide und modesüchtiger Kleid'rng, sondern in dem verborgenen Menschen, in der unvergänglichen Zierde eines reinerlau¬ tern Geistes, der vor Gott kostbar ist«. »Willst du dich christlich kleiden und zieren, so ziere dich mit ^hrbar- barkeit und Eingezogenheit, ermahnt der heilige Chrysostomus. Ihr sehet, Geliebte im Herrn! die Hoffart des Lebens ist nicht vom Vater, sondern von der Welt; »w. r aber dieWelt liebt, in dem ist die Liebe des Vaters nicht«. »Liebet also die Welt nicht, noch Alles was in der Welt ist. Die Welt vergeht und ihre Begierde«. Wer in der Welt das Ziel und die Fülle seines Lebens sucht, verliert Zweck und Inhalt mit dem Vergehen der Welt; und dieses tritt für den Einzelnen schon mit dem Tode ein. Aber wer den Ewigen, den Urheber des Weltalls liebt, also in ihm lebt, dessen eigentlich Leben hat unermeßliche Fülle und ewige Währung. Darum meine Lieben! Blicket hin auf den Abgrund, welchem die Weltliebe durch Fleischeslust, Habsucht und Hoffart des Lebens die verblendeten Menschen zuführt, indem sie dieselben von Gott allmählig ganz abwendet. Ueberhoret die Stimme des Herrn nicht, der jetzt im Beginne der Fastenzeit an der Thüre eueres Herzens klopft., und euch einkdet, aufzugeben die sündhafte Anhänglichkeit an die Welt, und ernstlich zu denken auf Wiedervereinigung mit Gott. Wie aber alle Sünde eine Abwendung des für Gott erschaffenen Geistes von Gott, und eine Hingabe ar das eigene Ich, und an die vergänglichen Güter und Gelüste dieses Lebens ist, so kann die Wiedervereinigung mit Gott a>ch nur dadurch stattfinden, daß der Mensch von sich selbst und von den vergänglichen Gütern und Gelüsten der Welt sich alwcnde, und zu Gott sich hinkchre, und nicht etwa sein Blick, seine Geberde, sein Wort, sein Thun, sein Gedanke, es miß der innerste Grund seines Herzens von ihm selbst und von allen vergänglichen Gütern und Lüsten ab - und zu Gott hjngekchrt sein. Es ist aber nicht genug, daß der G eist des Menschen von der Finsterniß weggeriffen und zum Lichte Gottes hm- gewandt worden; er muß im Lichte wandeln bis an das Ende der Tage. Es ist nicht genug, daß das Herz des Mischen von der Eigenliebe weggeriffen, und zur Liebe Gottes hingewandt worden, es muß auch im Geiste der Liebe opfern alle Kräfte seiner Seele; es muß im Geiste der Liebe handeln, gerecht, billig, gütig sein gegen Alle, die Bürde seine/ Berufes tragen zum Besten Anderer, zum Segen der Welt; es muß im Geiste der Liebe leiden, das Kreuz, das ihm eme höhere Hand aufgelegt hat, in Geduld und Ergebung forttragen, bis diese Hand es ihm wieder abnimmt. Es ist nM genug, daß das Gemüth des Menschen von allem Unfrieden befreie und zum Frieden Gottes umgewandt worden er muß auch den Frieden Gottes bewahren, muß alles, was sein Gewissen trüben, was seinen Geist beflecken, was sechcherz beunruhigen könnte, mit dem starken Arme der Selbstverleugnung bekämpfen, muß die Flamme des Gebetes, das chn in der Vereini¬ gung mit Gott erhält, und immer inniger mit ihm vereinigt, nicht auslöschen lassen, sondern durch Erwägung göttlicher Dinge dieselbe immer mehr anfachen. Wenn aber Gott es ist aus dem, durch den und in dem alle Dinge sind; wenn Alles, was ist und besteht, von dem Vater durch den Sohn, i/ dem heiligen Geiste, Sein und Bestehen hat, wie es Christus, wie es Paulus, wie es die ganze Kirche Christi lehrt, so kann auch das herrlichste Werk Gottes, die Bekehrung des Sünders, nur aus Gott, durch Gott und in Gott, aus dem Vater durch den Sohn und in dem heiligen Geiste, Sein und Bestehen haben, und dieses wird er Allen geben, die ihn mit demüthigem und aufrichtigem Herzen darum bitten. . « Dieses schwebte dem Apostel vor, als er seinen Herzenswunsch aussprach, mtt dem ich meine Worte h.emit schließe: Die Gnade Christi, die Liebe Gottes, die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit Euch Allen. Amen. Mie Dispens hinsichtlich des Fleischessens für die heramückende vierzigtägige Fastenzeit bis zur nächstjährigen - 'eibt unverändert dieselbe, wie ich sie Euch mtt «einem Hirtenschreiben vom 24. Jänner 1853 für das abgelaufene Jahr v^"ndet hatte, welche wörtlich so lautete: . «iaentUche d. h. Ser Abbruch an -er Nahrung bleibt gebothen, und nur einmalige " Sättigung ist gestattet: 1. An allen Ta°^n der vierzigtägigen Fastenzeit, mit einziger Ausnahme der Sv,»tage; 2. an allen Mittwochen und Freitagen des Advents; 3. an allen Quatembe--Mittw>chen, Freitagen und Samstagen; 4. an dem Sonnabende vor Wngsten (3. Juni), an den Vorabenden der Feste: der her. Apostel Peter und Paul (28. Juni), Mariä Himmelfahrt ,14. August), Allerheiligen (31. Oktober), Mariä Empfängmz. (7. Dezember), der Geburt des Herrn (23. Dezember). » Sas Geboth, stch -es Fleisch-Essens zu enthalten, besteht 1. Für alle Freitaze des ganzen Jahres, 2. für alle Quat-inbertage; 3. für alle Saustage der Fastetest, für die Aschermittwoche und für den Gründonnerstag; 4. für den Sonnabend vor Psingsten und für die 5 übrigen obenbezeichneten Vorabende höherer Feste. Wer indessen von dieser Dispens keinen Gebrauch machen, sondern nach dem alten christkathvlischen Gebrauche an allen a-bothenen Fasttagen, so wie auch an den Samstagen des ganzen Jahres, keine Fleischspeisen genießen will, wird vor Gott und der Kirche besonders verdienstlich erscheinen, wenn er dieses aus frommem Eifer thut, und diejenigen nicht verachtet, die sich de: kirchlichen Milderung dieses Gebothes bedienen. So wie es aber jedem unbenommen bleibt, nach dem Maße seines inner» Dranges sich selbst größere Entbeh¬ rungen im Geiste wahrer Demuth und Buße aufzulegeu, so muß denjenigen, die von dieser Dispens Gebrauch machen werden, hiemit ausdrücklich bemerkt werden, daß an jenen gebothenen Fasttagen, an welchen der Genuß der Fleischspeisen gestattet wird, nämlich an den dispensirten Tagen der vierzigtägigen Fastenzeit mit Ansnahme der Sonntage, und an den Mittwochen des Advents, Fleisch nur zu Mittag, dagegen Abends vom Fleische nur die Suppe genossen werden darf, es sei denn, daß Alter, Armuth, schwere Arbeit oder mißliche Gesundheits-Verhältnisse Abends den Mitgenuß einer Fleischspeise erheischen; daß es aber jedenfalls an solchen dispensirten Fasttagen verbothen bleibt, Fische und Fleischspeisen zugleich zu genießen, und daß jeder, der von dieser kirchlichen Dispens Gebrauch macht, mit vermehrtem Elfersich angelegen sein lassen müsse, die Absicht des kirchlichen Fastengebothes, unsere Heiligung, durch Bezähmung der Sinnlichkeit, durch Ueberwindung böser Neigungen, durch dankbare Erinnerung an das Leiden und Sterben des gött¬ lichen Erlösers Jesu Christi und durch Werke hilfreicher Nächstenliebe zu erreichen. Solchen, die in drückender Armuth, oder gar von der Mildthätigkeit Anderer leben, oder sonst hinsichtlich der Nahrung von Andern ganz abhängen, können die Beichtväter und Seelsorger auch eine ausgedehntere Dispens ertheilen; Andere ab», deren Verhältnisse allenfalls eine solche erheischen, mögen sich deßhalb an das Ordinariat wenden. Ordenspersonen bleiben zu den durch ihre Regel vorgeschriebenen Fasten verpflichtet. Gegeben am bischöflichen Wohnsitze zv Laibach, am Ls. Februar L,83L. Anton Aloys m p, Fürstbischof. Druck bei Jos. BlaSnik.