Ms! bei Söhne des heiligsten Herzens Jesu Organ des Märien-Vereines für Afrika und des Theologen-Biissions-Verbandes Österreichs Erscheint moimtticli Hnmnl und foftrt jälirlich mit Post jt K — L Mk. - 3 Frauken Inhattsverzelchms: Die Aufgabe der Kirche und das Apostolat 101. Die Mission unter den Ruba-Negeru 165. — Das Tagewerk eines Missionärs 180. — Auch er starb für den Kaiser Iso. — Nachrichten: des Thevlvgen-Missions-Verbandes Oesterreichs 188. 000 Gabenverzeichnis vom Abbildungen: Kasr-el-Nil Brücke 104. — Kasr-el Nil-Brücke, für die Durchfahrt von Schiffen geöffnet 105. - DiesItativn Tilling von Süden gesehen 107. — Dorf der Muba-SWer 109. — Arabisches Cafe 171. — Türkisches Cafe 173. Aegyp-tische Kamelreiter 175. — Arabisches Haus 181. Straße in Kairo 187. . [Hai bis 31. 3uli 1917. in Kronen. Opferstock: Äsers, Pf. F. 1950;'Brixen, Th. M. V. 20' - , f.-b. Ordiu. 1000' —; Buchkirchen, L. 3—; Blumau, M. S. 7—; Birchabruck, E. G. 2-—; Bozen, A. L. Ml—; Braunau, I. W. 5 —; Cnm-pill, v. Wehr. 265'—; Deutschgießhübl, A. K. 2'—; Dachau, F. W. 27'—; Feldpost, v. Mehr. 07'50; Flaurling, I. Ä. 10'-; Graun, Stoop. R. 50 — ; Gföhl, A. A. 20'—; Hochkretscham, F. Ai. H3;l5; Heiligen-Blut, E. B. 14'—; Hopsgarten, Koop. K. 40'—; Hohenems, M. S. 7'—; Hotting, J. A. V— ; Königgrätz, Miss. Kr. 10'—; Heinrichschl., A. H. 4'—; Laven, Barm. Schw. 4'80; Linz, E. Z. 35;—: Lüsen, Pfr. S. 10'-; Lana, F. O. 20' ; Lienz, B. T. 2'—; Münstereifel, Sr. C. 30'—; Milland, I. B. 7'50; Niedereinsiedel, Psr. K. 2--Oetz, Barm. Schw. 2'—; Obervintl, Pfr. W. 10' -; Oppeln, A. W. 29" ; Pfunders, v. Mehr 82 — ; Rodenek, E. R. lOO'—; Rankweil, Koop. M. 3 —; St. Kassian, M. C. 20'-: Solln, M. N. 3'—; St. Worein, M Ai. 20'—;- Trens, llng. 29'60; Trient, Pr. S. 200-—; Toblach, S. B. 4- Bintl, Nng. 100'-, Pfr. St 12 —; Wcrmerichshausen, Kpl. F. 12 —; Weistrach, I. M. 20'-. Für hl. Messen: Birchabruck, E. G. 7 25; Garn« pill, v. Mehr 28'-; Cöln, Sta. Mar. 123'75; Dziergowitz, Psr. S. 28'50; Feld, @x St. 10' — ; Gmunden, 3 —; Honsdorf, J. 45'—; Hopfgarten, Koop. K. 30'-; Hochkretscbam, F. M. 9'-; Kla-genfurt, Dir. O. 80'—; Kesseling, T. S. 135'—; Lienz. B. T. 14'-; Linz, E. Z. 5' -: Milland, M. S. 4--, M. S. 2—, M. S. 10'—; Münsterpisel, Sr. Co. 213 25; Neuhausen, E. 15'—; Obcrrauden, J. I. 10 —:. Oetz, Barm. Schw. 20'—; Osterwitz, M. R. 15-Id; Pfunders, v. Mehr 55—, 48 —, 20 — ; Prambachkirchcn, I H. 20 —, Pfr. K. R. 100' ; Rbeindorf, B. F. 7'50; Rech, M. SB. 9-;6; Schidlberg, J. S. 10-; Sailaus, Pfr. R. 07-50; Trens, A. R. 20' -; Toblach, 3. B. 0'-; Trient, B. F. 25 —, llng. 40 -; Billnöß, Pfr. B. 100'-; Bahrn, Ai. P. 20'—; Weitental. Koop. L- 60'—; Wien, E. H. 5'—. Jur Taufe von Heidenkindern: Abtei W. P. 20'—; Königswalde, M. T. 24'— zJohann Slloi-sius . Luggau, A. U. 24' - (Anna-; Den, Barm. Schw. 30— (Josef); Innsbruck, Koop. E. 20'—; Pfunders, Ung. 24'—; Pfarrkirchen, I. F. ‘'.58; St. Andrü, N. N. 25'- (Alois Franz): Wermerichs-hause, Styl. F. 33 —, (für Bischof Geyer: Bichlbach, M. M. 10. -; Bozen, llng. 4 —, 25'- -; Freiburg, Kath. Miss. • 121-21; Gmunden 50 —; Graz, N. St. 3'- ; Kältern, Sl. v. D. 100'—; Linz, Dr. H. 10'—; Markt •Xüffer, Dr. Sl. 20'—: Oberrauden, 6. T. 4' — ; Rakvvac, Ung. 100 —; Salzburg, St.-P.-Cl -S. 11-08; Schwaz, Geschw. SJt. 10 — ; Tristach, Pf. 91. 10'— ; Waizenkirchen, .Koop. F. 200'—; Wermerichs-hansen, Sipl. F. 42: ; Wien, Lehrerin SJi. 20'-. Briefmarken liefen ein aus: Brisen, Franzensfeste, Stielt, Oetz, Sarajewo. Gebetserhörungen und =empfehiungen: S, B. aus Toblach dankt den armen Seelen und dem hl. Slntvnius für wunschgemäße Lösung einer Militürangelegenheit. Veröffentlichung war versprochen. — Eine ungenannt sein wollende Wohltäterin unseres Hauses bittet um die Veröffentlichung im „Stern", daß ne durch die Fürbitte des hl. Josef und des hl. Antonius von einem bösartigen, fast unheilbaren Leiden befreit lvorden sei. -- Eine hartbedrängte Mutter bittet recht inständig um das Gebet für ihre schwer nervenleidendc Tochter. — Dem Memento werden sodann empfohlen: Hall, Frau Anna Pfänner; Milland, Sllexander Stvlich; Oberwang, Frau Wal-purga Fraunberger; Steyr, Herr Michael Seidl. Empfehlenswerte Bücher und Zeitschriften. Die illustrierten Monatshefte „Ave Maria" (herausgegeben vom Linzer Dombauverein, jährlich 12 Hefte K 2'76, nach Deutschland K 3'30) erfreuen sich als Familienülatt infolge ihrer künstlerischen Slusstattung, reichen Illustrierung und der Fülle interessanten Stoffes einer großen Beliebtheit. Aus dem Inhalt der letzten zwei Hefte heben wir hervor die hochinteressanten Ausfüh-rungen über den Jüngsten Tag von Weruherr von Tegernsee, den Artikel: Die Marianische Verehrung in den katholischen Orden Oesterreichs von Alfons Zak, den Schluß der Propheteustimmen von Doktor Marianus, die mit vielen prachtvollen Bildern geschmückte Reisebeschreiüung Ins Wunderland M-erHeM KatholischeMwnsMschnft äerLöhne öes heiligstenkerrms Jesu, (Organ des Marien-Verelns fur RfrUsa) Dient vornehmlich der Unterstützung und Ausbreitung der fUissionsfäfigkeit der Söhne des heiligsten Berzens 3esu und sucht Verständnis und werktätige hiebe des ITlissionswerkes in Wort und Schrift zu fördern. Das Arbeitsfeld dieser IBissionäre ist der Sudan (Zentral-Afrika). Der „Stern der fleger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus Milland bei Brixen (Südtirol) herausgegeben. flbonnemenfspreis ganzjährig rail Poslversendung 2 K — 2 Mk. — 3 Frc. Der Heilige Vater Papst Plus X. hat der Redaktion, den Hbonnenten und Wohltätern den apostolischen Segen erteilt. Für die Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, heifmerilj irinz, Olmüb, Marburg, Crlent, Triest und Wien. Heft 8 und 9. August-September 1917. XX. Jahrgang. ■llllll!lllllllllllllllll!lllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!llllllll!lllll!ll!lllll!lllllllll!llll!llllllllllll!lllllllllllllll!llllllll!IIIIIIIIIIIIIIB Die Aufgabe der Kirche und das Hpoffolaf, ■llllllllllllllllllllllllilllllllllll!lllllllll!llllllllllll!ll!ll!lllllllll!llllllll!lllll!llllllllllllllllllllllllllllll ie weitaus wichtigste Aufgabe, die jeden überzeugten Christen interessieren sollte, ist ohne Zweifel die Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden. „Mir ist alle Gewalt gegeben, im Himmel und auf Erden; darum gehet hin und lehret alle Völker." (Matth. 28, 18, 19.) So sprach Jesus Christus einst zu der Apostelschar. Zwanzig Jahrhunderte sind nun nahezu verflossen, seit unser Herr und Heiland in diesen feierlichen Worten seiner Kirche die ebenso große als herrliche Aufgabe der Bekehrung der Welt anvertraut hat. Zwanzig Jahrhunderte sind auch dahingegangen, seit die Kirche, gestützt auf bid? ihre göttliche Sen- !!il!i!!!i!!i!!!!!!!!!l!!l!!l!i!!!i!iil!!!il!!l!il!!!!!i!!!!!!!!!!!i!!!!!ii!!!!!i!!i!!il!i!!i!!i!!!i!!!!!i!iiii!!!i!!!!!« „Unter allen Völkern muß erst das Evangelium gepredigt werden." (Mk. 13, 10.) dung, angefangen hat, für die Ausbreitung dieses göttlichen Reiches zu arbeiten, ltnb die Geschichte der Kirche ist eigentlich nichts anderes als die großartige Verwirklichung jener Worte ihres göttlichen Stifters: „Lehret alle Völker." Dieser Befehl hat im Laufe der Jahre nichts von seiner ursprünglichen Kraft verloren. Er ist heute noch ebenso strenge verpflichtend als zu Christi Zeiten, und er wird es bleiben, solange es Völker gibt, die zu unterrichten, zu taufen, zu retten sind. Von dem Tage an, an welchem die Apostel voll des heiligen Eifers das Coenacu-lum verließen und zu Jerusalem die Worte des ewigen Lebens verkündeten, bis herab auf unsere Tage war die Kirche stets bemüht, diese ihre Aufgabe zu verwirklichen, und zwar mit einer Ausdauer, wie sie menschlichen Einrichtungen nicht eigen ist; wahrlich, ein großartiger Beweis ihres göttlichen Ursprunges. Mit einen: Worte, der apostolische Geist, von welchem die Kirche in ihren ersten Ansängen erfüllt war, hat sich ununterbrochen fortgepflanzt bis auf unsere Tage, und er ist noch immer lebendig in der Kirche. „Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde," spricht sie auch jetzt noch mit dem hl. Paulus, und sie wird es sprechen bis ans Ende der Zeiten. Sie würde erzittern bei dem Gedanken an jenen Tag, an dem das heilige Feuer des Pfingsttages in ihr erlöschen würde. Sollte einmal der apostolische Eifer in ihr erlahmen, es wäre das eine schwere Prüfung für die Kirche. Diese ihre Aufgabe nun vollführt die Kirche durch ihre Apostel; denn bei Gründung der Kirche hat Jesus Christus ein Apostolat eingesetzt. Dieses Apostolat hat zum Zweck, denselben Glauben auszubreiten, den Christus gepredigt, und dort, wo jetzt noch Finsternis herrscht,^jenes Licht aufleuchten zu lassen, das alle Menschen erleuchten muß, die in diese Welt kommen. Mit einem Warte, das Evangelium zu verkünden, das Jesus Christus einst den Menschen gepredigt hat, das ist das Werk der Gesandten Christi, das ist der Zweck des Apostolates. Zu diesem Zwecke gründete Christus die Kirche und verlieh ihr dasselbe göttliche Ansehen, das er selbst hatte, dieselbe Aukto-rität, welche er selbst besaß: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." Der Apostel, der Missionär, ist ein anderer Christus, der von Land zu Land gehend das Evangelium predigt; er ist ein anderer Christus, der auf seinen Schultern dessen Kreuz überall hinträgt; er ist ein anderer Christus, der aus die Suche nach allen Schafen ausgeht, um sie alle in den Schaf-stall seiner Kircke einzuführen; er ist ein anderer Christus, der selbst nicht ansteht, wenn es sein muß, den unfruchtbaren Boden dieser Erde mit seinem Blute zu begießen. Jesus Christus ist nicht tot. Er lebt nach in seiner Kirche. Er wohnt auf unseren Altären. Er geht durch die Straßen unserer Städte und Dörfer und verbreitet dabei sein Licht inmitten der Finsternis der Welt; er zeigt den verirrten Kindern Adams den rechten Weg und unterrichtet jene, die jahrhundertelang in den Irrtümern und Lastern des Heidentums begraben lagen. Der Apostel, der Missionär, ist jener Christus, der durch die Welt geht, „allen Gutes tuend und alle heilend". Er ist jener Christus, der „umherging in alle Städte und Flecken . . ., dys Evangelium verkündete und gesund machte von jedem Gebrechen und jeder Krankheit". Wie großartig, wenn in diesem Lichte betrachtet, wie erhaben ist die Idee eines Apostels! Die Alte Welt hatte ihre Priester und Propheten, sie hatte ihre Gesetzgeber und Krieger, aber die Gestalt eines Apostels, eines Weltmissionürs, war ihr völlig unbekannt, eben weil sie die Idee nicht kannte, die ihn beseelt. Mit einem Worte, an dem Tage, an welchen: unser Herr und Heiland Jesus Christus jene feierlichen Worte aussprach und seinen Aposteln den göttlichen Befehl erteilte: „Gehet hinaus in alle Welt und verkündigt das Evangelium allen Geschöpfen", an jenem Tage erfaßte eine große, ganz und gar neue Idee diese kleine, selbstsüchtige Welt. Es war dies die Idee des Apostolates, die Idee einer Weltreligion. „Sieh'," schreibt der Verfasser von „Der Genius des Christentums", „sieh' hier eine jener großen Ideen, wie sie die christliche Religion allein besitzt." Den heidnischen. Kulturvölkern war die göttliche Begeisterung, die die Apostel beseelt, nicht bekannt. Die alten Philosophen verließen niemals die Säulenhallen ihrer Akademien und die Genüsse Athens, um einer so erhabenen Eingebung zu folgen, wie es die Zivilisierung der Wilden, der Unterricht der Unwissenden, die Sorge für die Kranken und Armen, die Versöhnung feindlicher Nationen ist. Alle diese Dinge hat das Christentum getan und es tut dieselben auch heute noch. Das Meer mit seinen Stürmen, die Kälte des fernen Nordens, die fast unerträgliche Hitze der Tropen, nichts kann die Verkündiger des Evangeliums entmutigen. Sie leben mit den Eskimos und kleiden sich in ihre Robbenfelle, sie sind zufrieden mit dem widerlichen Tran der Bewohner Grönlands, sie halten es aus in der tiefen Einsamkeit und Weltabgeschlossenheit bei den Tataren und Irokesen, sie reiten auf den Kamelen der Araber und folgen den Kaffern bei den Wanderungen durch sonnverbrannte Wüsten. Der Chinese, der Bewohner Japans und der Indianer, sie alle zählen zu ihren Neubekehrten. Da gibt es kein Land, kein Felsennest im Ozean, das ihrem Eifer entgangen wäre; und gerade wie es in der alten Zeit nicht Königreiche genug gab, um den Ehrgeiz eines Alexander zu befriedigen, so ist heute die Welt zu klein, um die Liebe des Apostels zu erschöpfen! „Geht hinaus in alle Welt" — wahrhaft göttliche Worte, wie sie nur aus dem Munde des Welterlösers kommen können. Welcher Religionsreformator, vor oder nach Christus, hat jemals einen solchen Befehl gegeben? Das Apostolat der katholischen Kirche ist nach den obigen Worten des Evange-linms bestimmt, den Glauben Christi zu verbreiten unter allen Völkern und Nationen, in jeder Gegend des Erdkreises. „Wir haben die Gnade und das Apostelamt emp- fangen, auf daß alle Völker sich dem Glauben unterwerfen." (Röm. 1, 5.) Christus ist die Sonne der Wahrheit und Güte, bestimmt, nach und nach alle Nationen des Erdkreises zu erleuchten und mit seinem göttlichen Feuer zu entzünden, und kein Volk wird jemals imstande sein, diesem seinem wohltätigen Einfluß sich zu entziehen. „Es ist niemand, der sich vor ihrer Hitze bergen kann." Jsaias hat die Berufung aller Nationen zum Glauben an den einen wahren Gott deutlich vorausverkündet. Er sah all die Generationen christlicher Apostel, die jemals das Evangelium predigen würden, an seinem prophetischen Geiste vorüberziehen. Sie gehen von Land zu Land, überall die eine Weltreligion verkündend, eine Religion der Liebe und wahrer Brüderlichkeit, eine Religion wirklicher Gleichheit unter den Menschen, die alle Kinder des einen wahren Gottes sind, des gemeinsamen Vaters aller. „Die Inseln warten auf mich und die Meeresküste von Anbeginn, damit ich deine Kinder aus der Ferne bringe . . ., dem Namen des Herrn, deines Gottes, dem Heiligen Israels." (Js. 60, 9.) „Ich komme, alle Völker und Zungen zu versammeln .*. ., und ich will aus ihnen Gerettete senden zu den Völkern im Meere, nach Afrika und Lydien ... zu den Inseln in der Ferne, zu denen, die von mir nicht gehört und meine Herrlichkeit nicht gesehen haben. Und sie sollen den Völkern meine Herrlichkeit verkünden und alle eure Brüder herbringen aus allen Völkern zum Geschenke für den Herrn." (Js. 66, 18, 19, 20.) Zahllose Schiffe christlicher Nationen durchkreuzen Meere und Ozeane und berühren alle Länder und Inseln bis zu den äußersten Grenzen der Erde. Sie unterwerfen sich Völker, bringen ihnen eine 'Art Zivilisation und verlangen von ihnen Abgaben. Wie viel bes- 164 Stern der Neger. Heft 8 und 9. Kasr-eI=nil=Brücke (Kairo). Die Brücke verbindet die eigentliche Stadt Kairo mit der Nilinsel (Gesiret) Bulak und ist die älteste der drei Nilbrücken in Kairo. Sie ist etwa 380 m lang; die Pfeiler sind 50 m voneinander entfernt und von sehr hartem Stein. Das erste Brückenjoch auf der Stadtseite ist drehbar und läßt zu bestimmten Stunden des Tages die Flußfahrzeuge passieren. fer täten sie, wenn sie auch nur einen Teil dieser Kraftaufwendung in den Dienst der Kirche stellten! Sie sollten von allen Völkern vor allem den Tribut des Glaubens und des Gehorsams gegen Jesus Christus fordern und alle Menschen seinem süßen Joch unterwerfe. Sie sollten ihnen die wahre, die christliche Zivilisation bringen, die allein imstande ist, ein Volk zu kultivieren und dessen Zukunft sicherzustellen, wie derselbe Prophet sagt: „Denn das Volk und das Reich, das dir nicht dient, wird zugrunde gehen." Wohin immer ein Eroberer, ein Soldat, ein Kaufmann vordringt, dort sollte er schon einen Apostel vorfinden. Denn dieser hat ein größeres. Recht darauf, ein Volk für den Himmel zu erobern, als ein irdischer Eroberer, sich dessen Güter anzueignen. Der erste betritt das Haus eines anderen, wo seine Gegenwart nicht erwünscht ist, der Apostel aber tritt ein im Aufträge desjenigen, der der Herr des Weltalls ist. Diese Vollmacht, die Religion Jesu Christi unter allen Völkern auszubreiten, ist auch unbegrenzt in zeitlicher Hinsicht. Solange der große Plan Gottes nicht verwirklicht ist, solange nicht alle Völker ihr Haupt vor dem Kreuze gebeugt, solange Christus nicht als der König der ganzen Welt gekannt und geliebt wird, solange wird es irr der Kirche ein lebendiges Apostolat geben. „Die heilige Stadt Gottes, die Kirche," schreibt der unsterbliche Papst Leo XIII., „ist nicht an bestimmte Länder gebunden; sie hat vielmehr von ihrem göttlichen Stifter die Kraft erhalten, von Tag zu Tag zu wachsen und ihre Kirchen auszudehnen über die ganze weite Welt." lind in der Tat hat die Kirche von dem Tage an, an welchem ihr dieser große Auftrag zuteil geworden, nie aufgehört, sich zu entfalten, und hat in immer neuen Ländern ihre Zelte aufgeschlagen. E6\ € 6\*/c6\7 \qqI\qqJ. Die Million unser den llubn-llegem. || iiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii (Fortsetzung.) Dieses Saatfest wird jeibeS Jahr am ersten Samstag nach ibe'm Verschwinden des Siebengestirns gefeiert, was in jenen Gegenden (12° nönbl. Br.) anfangs Mai erfolgt. Es ist merkwürdig, mit todter Genauigkeit, ja fast mit Kaleridersicherheit, die Nuba den Beginn der Regenzeit berechnen köniren. Dieses Naturvolk'hat einen scharfen Beoibachtungssinn für die Außen- welt. Zehnjährige Knaben 'kennen schon die Namen und Eigentümlichkeiten einer jeden Grasart und einer jeden Bamngat-tung. Jede Pflanze, die irgend etwas besonderes an sich >hat, wird sogar durch einen kurzen Gesang gepriesen, oder man läßt sie selbst wie ein vernünftiges Wesen in Liedern zum Menschen reden. Kein Wurm und kein Insekt ist ihnen unbekannt; für Die Kasr=eI=niI=Brücke, für die Durchfahrt von Schiffen geöffnet. sie Heuschrecken allein wissen sie über zwanzig Namen je nach deren Größe und Gattung. Weniger bekannt sind die Vögel, obwohl man ihnen fleißig nachstellt; mehrere ähnliche Gattungen werden mit einem gemeinsamen Njamen bezeichnet. Beinahe die -gange Tierwelt ist im reich>en Märchen-schatz des Volkes vertreten. Bei solch! ausgeprägtem NatNrsinn zeigen die Nnba -auch eine sichere Orientierungsgabe limb ein staunenswertes Ortsgedächtnis. Es ist noch ni-e vorgekommen, daß sich einer tar Htr-ten verirrt hätte, obwohl dieselben oft sehr weilt in Wald und Steppe herumziehen müssen, bis sie geeignete Weideplätze 'für ihre Herden finden, und es sind doch nur Knaben bis höchstens 18 Jahren; auch! haben sie auf ihren Wanderunlgen oft stundenlang keine Aussicht zn den SBtedgm. Aber in der unermeßlichen Waldebene hat jeder hervorragende Baum, jede igrößere Vertiefung oder Erhebung, jeder Regen-bach urtlb Graben einen Namen, der zugleich! die Eigentümlichkeit des Ortes kennzeichnet. Fragt man diese Knaben, wo sie mit ihren Herden gewesen, so -erhält man wie eine allgemeine Antwort, sondern stets b'ie genaue Bezeichnung der Geigend, z. B. „Ich war beim Graben der Hyänen, beim Affen-bro-Kaum mit dem Schwanz (mit schwanzarftgem Auswuchs), bei der Löwen-töämg (wo die Vorfahren einen Löwen ge= tötet), am Orte, „Gehe nüchtern schlafen!" (eiine undiurchdringliche, mit dichten Dornbüschen besetzte Gegend), usw." In ähnlicher Weise besitzen die Erwalch-feiten rei-chie Kenutn-is und Erfahrung, für die Erscheinungen und i&mgänge aim Him-Niel. Der Stand der Sonne während des Tages, somit die Tageszeit, ist fast Stunde für Stunde mit eigenem Namen bezeichnet. Auch ihre Jahresbewegung wird sorgfältig- beobachtet.. Im Südosten steht ein Berg, bis zu d-em di-e Sonne geht; das ist die Zeit der -größeren Kälte. Im Nordostein bildet das Gebirge von Mandat einen Sattel, auf den sich sie Sonne in -der Regenzeit für einige Tage fetzt. Ist bis zu diesem Zeitpunkt noch- kein oder nur wenig Regen igekommen, so toüb gejalniimett: „Ach-, die Sonne hat sich- schon -gesetzt, und es ist noch -kein Regem -gekonimen!" 3>m Monde mfilt seinem beständigen Wechsel in Bewe-gnn-g und Gestalt wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Alle 30 Tage schläft er zwei Tage und zwei Näch-te im Hanse seiner Mutier unter der Erde. Sobald er wieder erwacht und zu scheinen beginnt, wivd er mit Jubel unjd Händelklatschen begrüßt. In den folgenden Tagen geht der Mond beim Schlafengehen d-er kleinen Kinder, der -größeren Knaben, der Alten unter; er wird ein Kind von sechs Tagen und hat die Hälfte seines Weges zurückgelegt; dann neigt er sich seinem Hanse zu, daraus erreicht er es mit seiner Hand, und- endlich -geht er hinein und schläft den ganzen Tag. Das war d-er „weiße" Mond, weil er -gleich bei Nachtanbruch sichtbar wird. Der abnehmende heißt „schwarzer" Mond, weil er spät zur Nachtzeit erscheint. Um diesen Mond kümmert man sich toemlgieic, wie überhaupt um- alle Himmelserschein-uingen zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang. Das Datum, an welchem das Saatfest -gehalten werden soll, erkennen die Nub-a aus dem Stande der Stern-gruppe der Plejaden. Das Bolk und vor allem der Kud-jnr von seinem hochgelegenen Wohnsitz aus beobachtet jeden Abend den Stand des Siebengestirns. Wenn dasselbe nach Son-nen-untevgang am westlichen Horizont erscheint, so sagt man: „Die Plejaden (bite) stehen tief; es wird bald der Regen kom-men." Am drittletzten Freitag, also 15 Tage vor dem Saatf-est, Beginnt die Vorbc-reitungszeii-t, während welch-er weder getanzt, noch gesungen, noch- Flöte gespielt W I ;• iS Die Station Dilling von Süden gesehen. oder getrommelt, noch .auch Kortibier ge-truniken werden darf. Am Freitag nach dem Verschwinden der Plesaden versammeln sich der Häuptling, einer der Kudjure und mehrere angesehene Männer beim Großkudjur, mm die Hütte, in welcher der alte Geist wohnt, festlich herzurichten. Am folgenden Freitag wird in derselben Weihrauch verbrannt; der aufsteigende Much zeigt dem Volke an, d>aß nach acht Tagen das Fest stattfindet. Dieses ist eigentlich ein Segnungssest. Am Morgen desselben steigt der Großküd-für in Begleitung des Häuptlings und eines llnterbudjurs vot: seiner Wohnung am Berge in die Ebene hinab, wo ihn die gesamte männliche Bevölkerung der vier Berge erwartet. Auch der ganze Besitz des Volkes an Schafen, Ziegen, Rindern, Eseln und Pferden ist in unabsehbarer Menge versammelt. Zuerst zieht die Jungmannschaft unter brausenden Gesängen, jeder mit einem langen, seinpolierten Stock be- waffnet, am Kuldsur un5> seinen Begleitern vorbei. Nach ihnen werden die Herden vor-beigetvhlben. Es folgen die Reiter" zu -Roß oder Esel, schließlich die Knaben in ihren besten, für diese Gelegenheit eigens angeschafften oder sorgsam aufbewahrten Ge-wäfldrTN und zuletzt die festlich geschmück-ten Kleinen, von ihren Vätern geführt. Der Kudsur bewirft die Vorbeiziehenden unablässig Mit Sand', 'der ihm von seiner Begleitung in die linke Hand gestreut wird, und spricht dabei die Worte: „Gott gebe dir Wachstum, Gesundheit und Kraft!" Darauf besteigt er, während das Volk in der Ebene im Halbkreis sich aufstellt, eine sanft ansteigende, breite Felsplatte am Bergesabhang und betet um ©eigen und Fruchtbarkeit für die Erde, das Vieh uud die Menschen sowie um Mwendung aller Übel. Es ist dies ein eigenartiges Schauspiel. Wie der Kudjur oben 'dasteht, angetan mit feinem roten, weiten Mantel und eine rote Mütze auf dem Haupte, zu beiden ©eilten seine zweit Begleiter, Aenjalti not und weiß gekleidet, und unten in gebührendem Abstand die Volksmenge, da denkt man unwillkürlich an den feierlichen Gottesdienst in unseren Kirchen. Wer weiß, dB diese Feierlichkeit nicht ein Überbleibsel aus alter christlicher Zeit ist! Der Festtag wird mit wildem Sang und Tanz int Hose des Großkudjur beschlossen, tooBei derselbe ofsentbart, in welcher Gegend das Korn am besten gedeihen werde. Gleich darauf geht man an die Bestellung der Felder. Wem sein Acker im letzten Jahre wenig getragen h>atte, der sucht sich irgendwo im Walde ein neues Feld, gewöhnlich in der Nähe von Regenbächen. Die Bäume werden gefätti, das Strauchwerk wird- abgehauen und verbrannt und der Bdden 'gesäubert. In die oft harte Erde werden mit einem hölzernen Spaten Löcher gestoßen, in welche die Getreidekörner gelegt und die dann mit dem Fuße zugescharrt werden. Dann folgt die mühsame Arbeit des Jätens und Reinigens vom üppig wuchernden Unkraut, die solange fortgesetzt und wiederholt werden muß, bis das Getreide eliine beträchtliche Höhe erreicht hat. Da!die Felder oft 'fe^r weit von den Wohnungen entfernt liegen, errichten sich die Leute draußen notdürftige Hütten und stimmen tage-, ja wochenlang nicht nach Hause. So geschah es, daß nach dem Saatfest der bisher so rege Verkehr der Nuba auf oer Station nach und nach abnahm. Bald sah es dort recht einsam aus, denn auch die Kinder waren großenteils auf die Felder gegangen, und die Hirtenknaben hatten sich mit ihren Herden tiefer in den Wald begeben, wo sie ihre Zeriben in der Nähe der Feldwohmurgen errichteten. Da bestieg bald der eine, bald der andere bon den Missionären den Esel und trabte hinaus, um die Leute bei ihrer Arbeit zu besuchen. Ihre Freude ÜB« das Wiedersehen war groß. In Eile wurde Milch und Brot herbeigeschafft, um den Besucher zu bewirten, und Me Knaben liefen nach Stroh für den Escil. Bei solchen Ausflügen nahm man stets die gewöhnlichsten Arzneien mit, und Kranke fand man immer, da wegen der feuchten Witterung, der mangelhasten Wohnung und der angestrengten Lebensweise häufig Fieber, Erkältungen, Lunigeu-eittzündungen urtit Durchfall auftraten. Wenn man Abschied nahm, wurde man mit herzlichen Grüßen und Dankesworten überschüttet. Traf man dann mitten im Walde zufällig eine Gruppe von Hirtenknaben bei ihrem Vieh, so geigten selbe sich anfangs überrascht und auch wohl erschrok-kem bis sie den fremden Reiter ersannt hatten, den sie bann mit weithin schallendem Jubelgeschrei empfingen: „Wie bist du hieher gekommen? Hast du dich verirrt? Weißt du, in welcher Richtung die Berge tion DiMing sind ?" So fragten sie, und ihr Staunen hatte keine Grenzen, wenn man ihnen den Kompaß zeigte und erklärte. Die Kunde von diesem wunderbaren Ding verbreitete sich schnell, und wohin man später kam, überall fragten die Leute: „Wo hast du das Ding, das den Kopf immer nach Norden und den Schwanz immer nach Süden wendet und dir mitten im Walde den Weg nach D'illing zeigt?" Auf diese Weise suchte man mit dem Volke auch während dieser Zeit seiner Este Wesenheit und Arbeit in Verbindung zu bleiben. Ende Mai kehrte einer jener Alten, die vor dem Saatfest ständige Besucher der Mission gewesen waren, krank vom Felde heim. Von der Mission ans besuchte man ihn täglich, brachte ihm Arznei und Tee mit Zncker, den er sehr liebte, und unterrichtete ihn, soviel es seine geringe Fassungskraft zuließ. Man hielt seinen Zu- H es: 8 und 9. Stern 'Der Neger. 1(59 stand jedoch nicht für lebensgesährlich. Da erschien eines Abends sein Sohn mit der Nachricht, daß sein Baker im Sterben Biege. Sofort eilte ein Plater mit einem Brüder im strömenden Reg>en hin. Die Hütte war voll von Senilen, die nach- Sandesst tte schweigend den Tod des Alten erwarteten. Der Pater drängte sich bis an das Säger des Sterbenden durch, und da Dieser noch Bei Besinnung war, sagte er ihm »eiinen kurzen Akt des Glaubens wirtb der Reue vor, den der Mann nachbetete, bis ihn die Kräfte verließen. Er mürbe ohne Verzug »getauft und erhielt den Namen Melchior. Da nämillH die Station den heiligen drei Königen geweiht war, so hatte man beschlossen, die ersten drei Täuflinge nach- ihnen.zu benennen. Kaspar, der Erstgetaufte', lebte no»ch. Es war ein »armier, verkrüppelter, halbblinder Knabe von den „Seuten des Häuptlings". Weil er der einzige Christ unter den Nuba war, stand» er bei der Mission bis z»u sei-reim Tode im Herbst in besonderer Gunst ijijjb erhielt manche Siebesgabe, wp-rüber sichi die Seilte nicht »genug Wundern konnten. Der alte Melchior starb noch in derselben» Nacht mi) wurde am folgenden Morgen begraben. Eifrige Da»ge darauf kam feiln BrUider, welcher Iber Mission wohl gesinnt war und erzählte: „In dieser Nacht habe ich meinen »verstorbenen Bruder gesehen. »Er war weiß und- -war gekleidet wie ihr. Er folgte, daß er sich wohl »befinde; es seien drüben zweji Feuer, ein »großes für die, welche viel Böses »getan, und ein kleines für die, welche wenig Böses getan haben." Von da an erschien auch er regelmäßig jeden Sonntag in der Kirche. Er sowie einige Mildere Greise hätten früher «ober später getauft werden Eöninjen; als man aber leise andeutete, daß sie von ihren überzähligen Frauen lassen müßten, zeigten sich» Schwierigkeiten. Unter den fünf Söhnen des Melchior war d»er älteste, namens Torba, ein kraftstrotzender, »wilder und übermütiger Bursche von etwa 28 Jahren. Mit ungewöhnlicher Redegewandtheit und- S-chlagfertigkeiit be-giato, erfreute er sich unter seinen Alters- Dorf der Ruba-Reger. 170 ©tern *ö e r Neger. Heft 8 und 9. genossen großen Ansehens und tote der anerkannte Führer Der JunWrannschast fen-= nes Verges. Um «die' Mission hatte er sich bisher nicht igeküminert. Mach dem Tobe seines Vaters aber war er wie ausgewechselt mmib- zähm tale ein Lamm. Drei!- Saiga nach dem -Begräbnis, während welcher Zeit die Angehörigen eines Verstorbenen das Hans nicht verlassen dürfen, erschien er mit seinem nächtstAtesten Bruder, um sich für die seinem Vater gdeijMen Dienste zu bedanken. Seitdem kam er jeden Tag, blieb stundenlang und- bemühte sich, eiilnen der Patres in alle Geheimnisse seiner Sprache einzuweihen. Anderseits zeigte er sick) selbst so gelehrig, daß man ihm nach und- nach die religiösen HaUPtwahrheitpn erklärte und es soigar wagte, ihm die wahre Geschichte Mohammeds und seiner Reli-giionsstiftunig zu erzählen. Da rief er voll Begeisterung aus: „Wenn bie Warski das hören werden, dann werden- sie es so (er streckte dabei die ansgebveiteten Arme vorausnehmen." Mit seiner Hiilse wurde denn auch die Abfassung -eines Katechismus und einer Biblischen Geschichte in der Nuba-sprache Begonnen. Er wollte auch lesen und schreiben lernen, doch verlor er den Mut nach den ersten Versuchen. Man setzte aus ihn die -.größten Hoffnungen; wenn es gelang-, ihn fürs Christentum zu gewinnen, so war z-u erwarten, -daß er wegen seines Ansehens und seiner Begabung tote ein Glaubensbote unter seinen Landsleuten wirken würde. Er selbst sagte einmal von sich: „Ich bleibe niemand eine Antwort schuldig; aber wenn ich rede, weiß keiner etwas zu erwidern." Seinem Beispiel folgten, sobald die Feld-arbeiten nachließen, andere Burschen. Mit dem Getoiehr oder einet Lanze oder wenigstens dem langen, seinspolierten Stotste über der Schulter, machten sich diese schwarzen Gesellen, imitier ihnen manche Hünengestalt, Sonntags bald nach Som nenausgang a-uf den We-g zur Kirche. Es war aber den wenigsten Ernst mit dem Kirchgang. Von einigen wußte man, daß sie Freitags ins Araberdorif zum ülffent-lichen Gebet in die dortige Moschee zn geben pflegten; die meisten hofften auf eine Schale süßen Tees nach dem Gottesdienst. Mitte Juni bekamen die vier Missionäre einen unerwarteten Zuwachs durch die Am kunft des P. Schumann. Mit ihm kan: neues Leb-en -und ein frischerer Zug in die Missi-onstätigk-eit. Er warf sich gleich mit Eifer auf das Studium der Sprache. Daneben Betätigte er in verschiedener Weise seinen praktischen Sinn, indem er z. B. im Hose der Mission einen Gemüsegarten anlegte, woKi er den Samen mitgebracht hatte. Auch verstand er es ausgezeichnet, di-e Jugend mim sich zu scharen, wobei ihm als Lockmittel mehrere Spielzeugs dienten, ein Umstand, an den man bei Gründung d-er StaÄon gar nicht -gedacht, hatte. Das hauptsächlichste Bestreben eines jeden der Missionäre mußte eben in jenen -ersten Monaten darin bestehen, das Volk und besonders die Jugend an die Mission zu zie-h-en und zu fesseln, bis.man die Sprache so weit -erlernt haben würde, um einen regelrechten Unterricht Beginnen zu können. Unter den Spielzeugen des P. Schumann erweckten zwei Stehaufmännchen besonderes Interesse. Daß dies etwas Lebendiges sei, war für did Nuba klar. Man konnte sie legen, wie man wollte, sic auch ans den Boden fallen -lassen, immer richteten sie sich sogleich wieder auf und- blieben stehen, und geigten dabei stets ihr schmunzelndes Gesicht. Den Leuten wurde es fast unheimlich zu Mu-te; das mußten Wesen aus einer anderen Welt sein. Eine Frau sagte: „Die Weißen haben Schatten von Verstorbenen genommen und da hinein getan; es sind undelamini." Diese Er- Heft 8 und 9. Stern oer Neger. 171 Arabisches EaSe. Überall in Ägypten, auch in den kleinsten Dörfern, werden die Gahivas oder einheimischen Kaffeestuben angefunden. Dieselben sind gewöhnlich klein und unansehnlich, den Bedürfnissen ihrer Gäste entsprechend, die ausschließlich aus der untersten Volksschichte sind. Das schwarze, duftende und wirklich vorzüglich zubereitete Getränk wird in Miuiaturtassen serviert; der Preis ist gewöhnlich 1j2 Piaster (12 Heller). Außer Brett- und Dominospielen werden immer Wasserpfeifen für den Gebrauch der Gäste bereit gehalten. Häufig werden die Gahwas von Märchenerzählern, Sängern und Musikanten besucht. flamm} megte Schrecken und mau wollte mit den „undelamini" lange Zeit nichts 'nieijr zu tun haben. Auf die Frage, was ein undelam sei, antwortete ein Alter: „Weißt du denn nicht, daß manche SOicn= scheu wieder aus dem Grabe hervor gehenr ilommt das in euerem Lande nicht vor? Ve' uns Wavki geschieht es selten, daß der Leib w.eder aufersteht, aber der Schatten des Verstorbenen lebt irgendwo. Hie und da kommt er zu den Verwandten und be-lästigt sie, wenn er unzufrieden ist. Hast du nie gehört, daß Frauen in der Nacht la:it schreien? Wenn man nachts plötzlich hastige Schmerzen fühlt, so verursacht sie der Schatten des Verstorbenen, oder lvenn von mehreren Geschwistern eines gestorben ist, so will der Schatten desselben Gesellschaft haben und macht eines der Lebenden krank, und kein Mittel will helfen, lim » 172 Hefi 8 und 9. Stern der N e g c r. ihn zu Besänftigen, haben wir unsere To-tenopser; auf eilt Bettgestell wird eine Decke anAgebreitÄ und davor tu erden schöne Gewänder hingelegt; der Schatten kommt, setzt sich hin, erfreut sich am Anblick Iber Kleider und zieht Beffriebigt von dannen; bi-e Klelider gehören ihm, itnib man laßt sie entweder unberührt oder gibt sie 'Ciinem alten Whibe, feiomat der Unwille des Schattens aiuf dasselbe übergehe; stirbt es deswegen, so mtiag es sterben; lange kann es ja doch! nicht mehr leben; 'daher kommt es auch, daß alte Weiber vieles tun, was uns verboten ist; sie essen in Gegenwart anderer, was Frauen nicht dürfen; sie pflanzen auch Tabak, den wir uns von den Njuma oder Arabern kaufen müssen; sie kümmern sich eben nicht u’m den Tod. Semit trotzdem die Krankheit des Familienmitgliedes und somit der Zorn des Schattens an, so wird der Kudjur gerufen, der ein Opfer darbringt, nämlich ein Huhn oder ein Lamm. Ein solches Opfer wird Air jdben verstorbenen Hausvater am Jahrestag feines Todes dargebracht; bis Äthin dürfen die Angehörigen an keinem Feste keilnehmen. So ist es bei' nns Warki. Bei den VöUern der anderen Berge aber pflegt der ganze Mensch- aus dem Grabe berans-zukommen, und das ist der undelam. Er ist sehr häßlich, hat feurige Augen, verbreitet einen schlechten Geruch -um sich, geht nachts herum, tun die Leute zu Mastigen, spuckt ihnen beim Schläfen ins Gesicht, ißt ihnen das Brot weg und trinkt die Milch-töpfe aus." Daraus erzählte er mehrere „wahre" Geschichten über diesen undelam und meinte schließlich-, in Dilling gäbe es deshalb keine oder nur wenige undelamini, weil die Warki aus die $eftottiun-g der -Toten die größte Sorgfalt verwenden. Sie graben nämliche einen Schacht von Mannshöhe und höhlen dann noch seitwärts eine geräumige Kammer aus, in welche die Leiche so hin eingelegt wird, daß sie zt> 'schlafen scheint, das Haupt aus der rechten Hand ruhend. Der (Singeing vom Schachte in diese Kammer ist ein rundes Loch, das .mit einem Tonkrug, verschlossen -und vermauert wird. Ans alledem -ersieht man, daß der Neger trotz aller Sorglosigkeit, mli-t Iber er in den Tag hinein lebt, nicht ohne Ahnung eines Fortlebens im Jenseits ist. Es ist zwar ein düsteres Bild voll Unklarheit und Finsternis, was ihm jedoch kaum zum Bewußr-f-ein kommt; anderseits aber fühlt er, daß es doch zu traurig und widersprechend wäre, wenn der Mensch für nichts ans diese Erde gefetzt und umsonst auf ihr leben würde. Diesen Widerspruch- fühlte ein 16-jähriger Knabe, der bei Gelegenheit eines Begräbnisses zu einem Pater sagte: „Wie kann es doch Go-tt so schlecht mit dem Menschen eingerichtet haben, daß er eine Zeitlang wächst, immer kräftiger und 'schöner wird, dann aber wieder schwächer und häßlicher. Schließlich hört er aus zu atmen, und man tut ihn in die Erde hinein. Wenn man dann nach- einiger Zeit das Grab öffnet, tun einen anderen Toten hineinzulegen, so findet man nur noch die Knochen; den übrigen Menschen haben d-ie Mäuse und die weißen Ameisen aufgefressen." Diese Ahnung vom Jenseits ist übrigens nicht so verschwommen und unklar, daß der Begriff desselben als -einer Vergeltung für das irdische Leben ganz verwischt wäre. Der Nnba denkt sich ja einen zweifachen Instand des Menschen nach bem Tode, den einen als Schatten, due genannt, der, wenn auch« nicht gendbc glücklich, so doch zufrieden ist, oder bon bett Lebenden zufriedengestellt werden kann, wenn ihm etwas fehlt, -den andern als häßlichen undelam, der nichts Gutes an sich hat, dem man -auch nich-ts Gutes erweisen Bann nnlb hm man wegen seiner Bosheit nur fürchten mich. Den ersteren Zustand glauben (bite WjaM für ihr Volk beanspruchen zu ibürfen, und das nicht ansschlieh-lich -unfo hauptsächlich wegen der sorgsäl-tigereu Bestattung ihrer Toten, sondern aus einem tieferen Grunde. Sie! fangen nämlich Gott Schöpfer, den sie bil ibti nennen und darunter den Schöpfer des Weltalls und vor allem der Menschen verstehen, habe bei der Erschlaffung der Menschen jedem Volke ein eigenes Sittengesetz 'gegeben. Eine Handlung oder Unterlassung, durch die dasselbe verletzt wird, bezeichnen sie mit hem1 Ausdruck h-i er, d. i. „etwas, was man fürchten muß," das also dem Begriff einer Sünde gleichkommt. Dieses Sittengesetz ist bei dem Volke von Sitting sehr ausgedehnt, so idiaß es unzählige iri er gibt; >es umfaßt und regelt Idas Leben und die Gewohnheiten nicht nur des ein- zelnen, sondern auch des ganzen Volkes; es enthält viele gleichgültige nnlb auch abergläubische Bestimmungen, in seinem wesentlichen Bestandteil aber erweist es sich äls teiiCtoieiifer Ausdruck des Naturgesetzes und dient zur Anfrechterhaltuntz der allgemeinen Ordnung. Nun steht aber dieses Sittengesetz bei den Wäriki in größter Achtung; es wird sich nicht leicht einer -finden, d-er ein iri er begeht; man braucht einem nur, sei es Kind oder Greis, ein warnendes „iri er!" zuznvusm, und sogleich wird er von lötet betreffenden Handlung ablassen. Dies konnte man in der Mission häufig beobachten; wurde einem Knaben etwas verwiesen, so fragte er mit erschrockenem Gesicht: „iri era? Ist es eine Sünde?" Häufig sann es vor, daß -Ktraben den Namen ihres Waters nicht sagen wollten. Schließlich erfuhr man Iben Grund; der Vater war nämlich gestorben, und ein Ver- Türkiiches Ecie. 174 Stern b e r Nege r. Heft 8 und 9. ftorBener wird nicht genannt; es ist eine Sünde. Diese Achtung vor betn Sitten Gesetz und diese Furcht vor einer Übertretung desselben stammt daher, weil es wie ein Glaubenssatz feststeht, daß i£xt§ iri er den Tod bringt, ohne daß es gerade ein plötzlicher, schmerzlicher oder gewaltsamer Tov sein muß. Mer die Wa-rki, wie überhaupt viele 9'iegerftämime, fürchten bien, Tod an und für sich nicht; sie sind ein tapferes, mutiges Volk, bei dem das Wort scholkar, d. i. Feigling, als -baS -größte -Schimpfwort und kugul, i). i. Furchtloser, als das höchste Lob gilt. Nie wird man jemand stöhnen oder jammern hören; die größten Schmerzen werden schweigend ertragen. Sogar bei Kindern ist diese Eigenschaft allgemein; die Mutter brennt ihrem-Sprößling mit einem -glühenden Eisenstift das -Geschwür aus, ohne daß dem Jungen ein Laut entfährt. Die 9t junta werden verachtet, weil sie meuchlings morden, aber einen Kampf Brust gegen -Brust nicht aus-nefjmen. Ebenso lacht man- viel über die ägyptischen Soldaten, deren Feigheit und Todesfurcht Die Leute während der Expedition -geigen die Mandat wahrnehmen konnten. Wenn sie nun trotzdem vor dem Tode, Iber Ibie Folge eines iri er ist, eine solche Scheu zeigen, so liegt der Grund davon in ihrer Überzeugung ober wenigstens Ahnung, daß e-in solcher Tod- schlimme Folgen für -den nach folgende'n Zustand des Menschen habe, oder d-aß jeder, der infolge des iri er stirbt, ein weniger erträgliches Los zu erwarten hat. Dieses Los ist aber nicht das eines undelam. Jeder weist mit Entrüstung die Zumutung zurück, -daß er, auch infolge eines iri er, zu einem verabscheuten, unglücklichen undelam werden könnte. Dies ist das Los -der benachbarten Stämme, weil sie ganz und gar ohne jedes Gesetz -wie die Tiere leben. So tief stehen die Warki nicht. Wenn sich aber einer von ihnen einen Verstoß gegen das Sittengesetz zuschulden kommen läßt und infolge dessen stirbt, so bleibt er zwar ein due, fühlt sich -aber nicht wohl und findet nicht bi-e erwünschte Ruhe. lim ihm diese zu verschaffen, dazu haben- die Warki die Totenopfer. Die Totenklage ferner und- bie Bestattung werdet: als wesentlich für vas Glück des -Schattens betrachtet. Man meint, d-aß der Schatten sich- tröste, wenn er sieht, wie man ihn so gern hatte und darum so herzlich um ihn weint und klagt und feine Überreste mit solch- liebender Sorgfalt zur Ruhe bestattet. Es -wivd d-ar-um allgemein für das größte Unglück an= gesehen, in der Fremde uubeweiut zu sterben oder gar ohne Bestattung zu verwesen. Daß jedoch alte Weiber sich um manch.s iri er, wie z. B. -das Anbauen von Tabak, ohne den sie nicht leben können, nicht fütiv mem, ist allerdings Tatsache. Aber das tun sie, nicht als o-b ihnen ihr Schicksal nach dem Tode gleichgültig wäre, sondern weil sie überzeugt sind, daß ihr due nur glücklich- sein sann; sie haben ja so viele Kinder zur Welt gebracht, ernährt- und großgezogen -und ihr gayzes' Lebet: in nrüh-evoller Arbeit und '©orige für -ihre Nachkommen zugebracht. Ein iri er kann ihnen also toei-tcr nicht schaden, ihnen höchstens bei: Tod früher bringen, den sie gern ertragen. Der Tod derjenigen, die,om hohes- Alter erreicht haben, gilt stets als ein glücklicher Tod. Über d-i-e Beschaffenheit des due konnte nichts ermittelt werden. Es wivd dieses Wort nicht nur in den zwei Bedeutungen des körperlichen Schattens und- des Zustandes des Menschen nach dem Tode ge= braucht, sondern auch-, wenngleich- leiten, als Ausdruck für die Seele des lebenden Menschen. So erzählte einst ein Bursche, d'aß er ein Mädchen, welches er liebte, von deren Verwandten nicht guir Frau erhalten sönne, weil ein anderer, der mehr Kühe habe, sich -um sie bewerbe; er müsse sich nun um ein anderes Mädchen umschauen, was ihm sehr schwer falle, „denn," sagte er, auf seine Brnst deutend, „unsere Schatten haben einander zuerst begegnet." In dieser ganzen Anschauungsweise der Nuba bezüglich des Diesseits und Jenseits ist eine gewisse natürliche Einfachheit und Folgerichtigkeit nicht zu verkennen. Es fragt sich nur noch, werden Tod wegen eines iri er, also als Strafe für eine Übertretung des Gesetzes, verursache. Stirbt ein Alter infolge Altersschwäche, so daß kein Grund zur Vermutung vorliegt, es könnte ein iri er dabei im Spiele sein, so saht man: bil schun-ganga, Gott hat ihn weggenommen. Stirbt dagegen ein Mann in rüstigem Alter oder ein Jüngling an einer Krankheit, so daß man annimmt, sein Tod sei die Folge eines iri er, so heißt es: uri hurm, der uri hat ihn getötet. Also nicht Gott, der Gesetzgeber, sondern ein Mittelwesen, der uri, ist Hüter, Wächter und Rächer des Gesetzes. Das Gesetz heißt darum auch urin char, das ist Sache des uri, und von jemand, der es übertritt, sagt man: urin djargi dwan-janga, er hat eine Sache des uri verdorben. So laßt man in einem Totensang den Verstorbenen klagen.: „Welche Sache des uri habe ich verdorben, daß er mich getötet hat?" Dieses Wesen, der uri, spielt im Leben der Nuba eine wichtige Rolle, ja, er ist der Mittelpunkt ihres religiösen und sozialen Lebens. Nähere Untersuchungen darüber ergaben folgende nicht uninteressante Tatsachen. Es gibt bei den Warki etwa 24 uri, von denen jeher seinen eigenen Beinamen hat, der Zugleich seine Macht uni) sein Amt bezeichnet. Das Haupt derselben ist der uri ture, der alte uri. \ Der uri lebt und besteht nicht für sich, Ägyptische Kamelreifer. Zum mohammedanischen Ägypter, der in seinem Fatalismus in den Tag hinein lebt, passen so recht das phlegmatische Kamel und der genügsame Dattelbaum, ohne die man sich eine ägyptische Landschaft gar nicht vorstellen kann. Zur Vervollständigung dieses Bildes gehören höchstens noch die höckerige Büffelkuh und das verschmitzte Langohr. ] sondern hat seinen Träger, meistens einen I Mann; nur bei zwei ober drei uri kann es - auch eine Frau sein. Dieser Träger des uri heißt kudjur. Es ist dies eine alte Snb-t stautivfonn vom Zeitwort kudj = an etil was hangen, von etwas getragen oder ge-t halten werden; kudjur ist also einer, an c dem der uri hangt, von dem der uri getragen wird. Der Kudjur ist jedoch nicht ein ständiger t Träger seines uri. Dieser wohnt vielmehr , in einer besonderen Hütte in dem Hofe, 176 .siest K und 9 Stern ü der zur Behausung des Kudjur gehört. In 'dieser Hütte befindet sich unter anderem die Lagerstätte des uri, die aus einem Gestell mit darauflie-genden Stäben besteht. Diese Stäbe werden einmal im Jahre, nämlich vor 'dem Erntefest erneuert; nur Warki dürfen die neuen Stäbe besorgen, daher werden die unter ihnen lebenden Sklaven frei und gelten hinfort als Warki, sobald ihr 'Herr sie auffordert, einen Stab zum Kudjur zu tragen. Bei dieser Lagerstätte des uri pflegen die Warki zu schwören. Der uri ergreift von seinem Träger Besitz, sobald derselbe sich in die Hütte des uri begibt und sich auf dessen Lagerstätte setzt oder legt. Die Besessenheit kann noch sort-dauern, -auch wenn der Kudjur die Hütte verläßt. Alle uri haben das gemeinsam, daß sie den Kudjur während der Besessenheit in eine Art Ekstase versetzen; er zittert am ganzen Leibe, tomtft hin und her, tan-zt aus einem Beine und fuchtelt mit den Armen in der Luft herum. Der uri ture verhält sich während der Besessenheit stumm; dagegen ofseu>bart er seinem Träger verborgene und zukünftige Dinge und tut ihm kund, was von einzelnen oder vom ganzen Volke geschehen soll. Nach der Besessenheit verkündet der Kudjur des url ture dem Volke oder jenen, die in einer besonderen Angelegenheit zu ihm gekommen waren, was er von seinem uri vernommen hat. Alle anderen uri lassen ihren Träger heulen und verworrenes -Zeug reden, woraus die Zuhörer sich einen Sinn zusammenstellen. Der uri bleibt ewig in seiner Hütte wohnen. Stirbt sein Träger, so wählt das Volk einen aus der Familie des Verstorbenen zum Kudjur. Bisweilen auch ergreift der uri selbst von jemand Besitz und offenbart -es auf die oben beschriebene Weise. Immer aber ist der Nachfolger ein Familienglied des verstorbenen Kudjur. er Neger. Der Kudjur des uri ture ist das geistliche und weltliche Oberhaupt der Bewohner der zwei südlicheren Berge von Sitting. Als geistliches Oberhaupt wird er von ihnen in wichtigen Angelegenheiten 'befragt, und er gibt durch seinen uri die Entscheidung; er verrichtet gewisse Zeremonien bei Geburten und- Eheschließungen, wobei ihm ein Tribut entrichtet wird; schwerkranke Erwachsene werden zu ihm -gebracht, damit -er für sie ein Opfer darbringe, weil man annimmt, d-aß sie eine Sache des uri verdorben haben; er schlichtet Hader und Feindschaft, indem- er die Streitenden zu sich ruft, sie im Namen des uri mit Wasser besprengt und beschwort, in Mieden zusammen zu leben; Nach schweren UnglWsfällen, z. B. Brand-, bei Errichtung einer neuen Wohnung, bei wichtigeren Verträgen begibt mau sich zu ihm, um durch feine Vermittlung und durch Opfer den Segen des uri zu erflehen ; die Erstlinge der Feldfrücht-e werden von ihm geweihi, indem er sie dem uri in dessen Hütte darstellt. Als weltliches Oberhaupt h>at der Kudjur vor allem für die Witwen und Waisen zu sorgen, wozu er von seinen Untertanen kleine Abgaben an Korn -erhebt; stirbt ein Familienvater, so erhält er einen Teil von dessen Besitz an Vieh; sind unter den Kindern des 'Verstorbenen -unverheiratete Töchter, so hat er für deren Verheiratung zu sorgen und erhält den Heiratspreis. D-er Kudjur d'arf seine Einkünfte nicht zu seiner eigenen Bereicherung- benutzen, sondern muß alles durch sein Amt Erworbene zum allgemei-hen Wähle verwenden, hauptsächlich für di-e Witwen. So bilden die Bewohner dieser zwei Berge -gleichsam eine -große Familie ; sie bezeichnen sich als uri turen iri, d. h. Leute des alten uri. Alle anderen uri geboren den Bewohnern -der beiden nördlicheren Berge. Jeder 177 ■Ö'-’ft 8 und 9. Stern der Neger. uri hat eine Gruppe von Familien um sich, Die nach ihm benannt werden. Daher gibt es dort z. 93. Leute des uri keliran, Leute des uri mande, Leute des uri schaiman usw. Die Kudjure dieser uri aber haben nur geistliche Gewalt, die sie unter ihren Leuten in ähnlicher Weise -ausüben wie der Kudjur des alten uri. Doch sind sie meistens auf ihren eigenen Gewinn, bedacht und tyrannisieren ihre Leute oft durch allerlei lästige und Iberische Verordnungen, die sie für den Willen des uri aus-, geben. Die weltliche Macht dagegen ist in den Händen eines Häuptlings, welcher der Besitzer des tungi, eines zauberhastM Ringes ist. Dieser Ring ist nicht nur das Zeichen/ sondern zugleich auch der Hüter seiner Gewalt, indem er, ähnlich wie der uri, .Krankheit und Tod Wer die Widerspenstigen bringt. Auch bei diesem tungi pflegen die Markt zu schwören-, und di-e beiden Schwüre, nämlich bei der Lagerstätte des uri und beim tungi, gelten ihnen als die heiligsten. In allen- gemein fantem Angelegenheiten des ganzen Volkes der Warbt regiert der Kudjur des alten uri zusammen mit dem Häuptling, doch hat der erstere immer den Vorrang. Beide werden darum auch vom ganzen Volke erwählt, jedoch so, daß die respektive Macht immer in der betreffenden Familie bleibt. Da aber d-a-s Sittengesetz, nämlich die Volksgebräuche, von alters'her durch Überlieferung festgesetzt ist, so beschränkt sich ihre Macht d-arans, daß sie den Vorsitz bei Volksberatungen führen, die immer bei der Hütte des alten uri abgehalten werden, daß sie über die Beob-ach-t-ung der Überlieferungen wachen, wobei ihnen vom Volke erwählte Männer, kcdjad, zur Seite stehen, und daß sie endlich, die vom Gesetz vorgeschriebenen Volksfeste veranstalten und leiten. Mehrere ihrer früheren Befugnisse sind ihnen durch die Re- gierung genommen worden, z. B. gerichtliche Entscheidungen. So- erscheint also dieses eigentümliche Wesen, der uri, als Vermittler zwischen dem Volke der Warki und ihrem Schöpfer. Diesen erkennen dieNuba allerdings als den- Herrn der Welt, von dem alles ko-mmt und der Wer Leben und- Tod gebietet, aber sie wenden sich nie direkt au ihn, nicht -einmal bei ihren religiösen Festen und Opfern. Nur indirekt sprechen sie von ihm in unzähligen Ausdrücken und Wunschformeln, z. B. Gott gebe dir Gesundheit; Gott erh-alte dir- den Vater; Gott sichre dich -glücklich auif deinem Wege und bringe dich -glücklich wieder zurück; Gott wehre dir (daß du dich von deiner Leidenschaft nicht zu einer schlimmen Tat hinreißen lassest); Gott segne dich, mein Kind; Gott lasse dich groß werd-en; Gott wird- für mich sorgen; wir vertrauen auf Gott; und dergl. mehr. In diesen -und ähnlichen Redeweisen -kommt häufig eine -altertümliche Sprache zur Anwendung, so daß an eine Entlehnung aus entsprechenden arabischen Formeln nicht zu denken ist. Außer an Gott den Schöpfer, den bil ibti, glauben die Nuba noch an andere bil oder Götter, die auf Erden, nämlich in den Bergen, wohnen. Es gibt mehrere, besonders gestaltete Höhlen, die als Gotteshöhlen bezeichnet werden. Vor einigen derselben findet man ein dreibeiniges Gestell, kaiti, mit einer Schale, in welche die Frauen ihre Opfer legen, die aus Brot und Kvrnbier bestehen nnd wegen -der sie vom Berggott reichen Kindersegen erhoffen. Die Nnb-a h>aben ferner einen Begriff von Engeln, die sie Boten Gottes nennen. Dieselben dienten- Gott besonders bei der Schöpfung, inbem sie seine Aufträge an die Menschen ausführten. Aber das alles ist nicht der uri. Er ist von Gott eigens den Nuba gegeben, damit 178 Ster n der N e g e r. Heft 8 und 9. er bei ihnen sei, ihre Bedürfnisse sehe, ihre Sitten höre und dann bei Gott das Gewünschte hole. Darum wendet sich das Volk direkt an den KNdjur und redet ihn, Wenn es vom uri etwas wünscht, unter dem Namen des betreffenden uri an, von welchem der Kudjur der Träger ist. Dieser aber spricht nicht direkt mit dem uri, sondern bringt nur die Wünsche vor, z. B. „es möge Regen kommen; Gott gebe dem Kranken Gesundheit usw."; dies gilt auch von den Wünschen und Gebeten bei den religiösen Volksfesten und bei der Darbrmgung der Opfer. Der uri nimmt die Gebete auf und bringt sie vor Gott. Somit wäre der uri gleichsam der Schutzgeist des Volkes. Wer er muß für die Nuba noch mehr sein und zu ihnen in einer engeren Beziehung stehen. Wenn er nämlich, wie schon gesagt, der Hüter und Wächter der uralten Volksbräuche ist, mithin für den Fortbestand dieserVolks sami-lie zu sorgen hat, insofern sie sich von den übrigen Völkersamilien unterscheidet, Wenn er sogar das Leben im Jenseits dieses Volkes beeinflussen kann, indem er für eine Verletzung der Bolksbräuche, die als seine Sache igelten, einen unglückseligen Tod verhängen kann, so ist anzunehmen, daß er als der Begründer dieses Volkes ein natürliches Recht über dasselbe hat. Dann erklärt es sich, warum er in solch besorgter Teilnahme sich' um das Volk kümmert, es als sein eigenes Volk betrachtet, es beschützt und mit Eifersucht beiwacht. Jeder uri ist also ein Stammvater. Die Nuba sind sich dieses Verhältnisses zum uri bewußt; sie nennen sich „Leute dieses oder jenes uri", und in ihren Anrufungen geben sie dem uri den Titel „anaba“, d. i. unser Urvater; darum endlich bleibt der uri und sein Träger stets in derselben Familie. Allein die große, überirdische Macht der einzelnen uri über ihr Volk bleibt immer noch unverständlich, wenn dieselben weiter nichts als Stammväter sind. Sie müssen außerdem auch noch eine höhere Autorität besessen haben; sie waren Könige oder Häuptlinge. Den Beweis dafür liefert der Name uri selbst, welches Wort auch bei den Nil-Nubiern in der Form uru vorkommt und der Titel der Könige des ehemaligen nubischen Reiches war. Demnach ist der uri entweder der Geist des Stammvaters und Königs, der mit seiner übernatürlichen Autorität bei seinem Volke geblieben ist und von demselben verehrt wird, oder die königliche Autorität selbst, die personifiziert und als Geist gedacht wird. Warum diese Naturvölker ihren Königen eine übernatürliche Autorität zuschreiben oder dieselbe sogar personifizieren, ist übrigens leicht zu erklären. Das Naturgesetz lehrt sie, daß unter den Menschen eine Autorität bestehen muß, da Gott die Menschen nicht sichtbar und unmittelbar regiert. Sie können sich aber diese schwer als eine bloße göttliche Gabe, ein abstraktes Recht denken, das seinem Träger keine übermenschliche Macht und Weisheit verleiht, sondern ihn ganz in seinem natürlichen Zustande läßt. Darum besitzen ihre Herrscher entweder gewisse Abzeichen, die zugleich Sitz einer magischen Kraft sind, oder aber ein überirdisches geistiges Wesen, das ihnen bei ihren Amtshandlungen mit seiner Macht und Weisheit beisteht. Damit erklärt es sich auch, warum Die Nuba Gott nicht verehren, obwohl sie ihn als ihren Schöpfer und Herrn anerkennen. Gott gibt sich mit ihnen ja nicht unmittelbar ab, sondern hat ihnen den uri als Vermittler gegeben; darum wenden auch sie sich mit ihren Gebeten und Opfern nicht an Gott, sondern an dieses Mittelwesen als ihren Sachwalter bei Gott. 179 Heft 8 und 9. Stern "der Neger. Aber der Unterschied, den die Warki machen zwischen der rein weltlichen Macht des Häuptlings, die in seinem zauberhaften Ringe ihren Sitz hat, und der hauptsächlich religiösen Gewalt der Kudjure, welche Träger eines Geistes sind, läßt noch auf einen anderen Ursprung und eine andere Bedeutung des nri schließen. Wenn nämlich die Nuba bis vor etwa 300 oder höchstens 400 Jahren einem großen, gut eingerichteten, und zwar christlichen Reiche, mithin selbst dem Christentum angehört haben, so wird sich, wenn überhaupt etwas, vor allem eine Spur der hierarchischen Ordnung und kirchlichen Gewalt erhalten haben. Von dem nubischen Reiche von Aloa ist bekannt, daß die geistliche und weltliche Macht oft in einer Person vereinigt war; immer aber hatten die kirchlichen Würdenträger die Oberherrschaft, so daß die Könige und Häuptlinge von ihnen abhängig waren. Aber schon lange vor dem Untergang des Reiches, vielleicht schon jahrhundertelang, gab es unter diesein Volke keine Priester und Bischöfe mehr, da es durch die Araberstämme, die sich in das mittlere Niltal hineingeschoben und das Reich von Dongola zerstört hatten, von seinem kirchlichen Mittelpunkte in Alexandrien abgeschnitten war. So bildete sich naturnotwendig eine Laienkirche aus, indem die Nachkommen der priesterlichen Könige und Häuptlinge eine Art Gottesdienst in den verlassenen Tempeln weiterführten. Dabei verlor sich der Begriff der geistlichen Autorität als eines übernatürlichen Charakters; sie wurde personifiziert und blieb als ein überirdisches Wesen in den Kirchen wohnen. Da-die Weihe, als Übertragung der priesterlichen Vollmacht, aufgehört hatte, trat an deren Stelle die Erblichkeit Der Wahl, wodurch man in den Besitz jenes geistigen Wesens gelangte und sein Träger wurde. Gerade die Eigenschaft der Priesterlichen Gewalt, daß sie ihren Träger zu einem Vermittler zwischen Gott und den Menschen macht, wurde bei deren Personifikation weiter ausgebildet; jenes überirdische Wesen trat damit immer mehr in den Vordergrund und wurde schließlich der Mittelpunkt des religiösen und sozialen Lebens des Volkes, weil ja mit der geistlichen gewöhnlich auch die weltliche Macht verbunden war. Bei der Auswanderung mußten zwar die Kirchen, in denen diese Geister wohnten, verlassen werden; um jedoch die letzteren mitzunehmen, geschah, nach den auf die Wanderung bezüglichen Sagen zu schließen, wahrscheinlich etwas Ähnliches, wie wenn heute ein Kudjur seinen. Wahnplatz verändert; er nimmt nämlich aus der Hütte seines Geistes die Lagerstätte desselben und einige andere Gegenstände, die dem Geiste besonders angehören, an seinen neuen Aufenthaltsort mit. Somit wären die jetzigen Geisterhüt-ten, in denen das Volk die nri gegenwärtig gllrubt und verehrt, eine Nachbildung seiner ehemaligen christlichen Kirchen; es wahrt und hütet darin mit der größten Sorgfalt und Ehrfurcht die traurigen Reste seines verlorenen Gutes und Heilig--tum§. Daß dem nri so manches Abgeschmackte und Lächerliche anhängt, ist nach dieser Erklärung nicht zu verwundern: denn sobald man sich die Autorität als ein geistiges Wesen denkt, muß sich dasselbe auch offenbaren, so daß man erkennt, wenn es von seinem Träger Besitz ergreift und durch ihn redet oder handelt. Für diesen Zweck ist der Zustand einer Art von Besessenheit oder Ekstase ganz folgerichtig gewählt. Man kann sich eines Gefühles der Wehmut und des Mitleids mit diesein merkwürdigen Volke nicht erwehren, wenn man sieht, wie es, von Ansang an nur mit 180 ©tern Der 9t e cj e r. Heft 8 und, 9. einem dürftigen Christentum, nämlich der sakobitischen Irrlehre, bekanntgemacht, dann ohne Schuld von seinem geistigen Le-beusprinzip, der Mutterkirche, getrennt wurde, aber bis auf den heutigen Tag alles getan hat, um von seiner Religion soviel als möglich zu retten, und sich endlich sogar in diese einsamen Berge zurückzog, um ungestörter seinen Überlieferungen leben zu können. Man darf aber auch hoffen, daß Gott diesem Volke gnädig sein werde,«denn wenn bei heidnischen Völkern al” Vorbedingung zu ihrem Heile der Glaube an die Uroffenbarung verlangt wird, so besitzen die Nuba mehr; ihre lüber-Iieferungen und Gesetze wurzeln im Christeinum, und von der treuen Erhaltung und Beobachtung derselben erwarten sie für sich ein erträgliches.Dasein im Jenseits, und einen Verstoß gegen dieselben betrachten sie als ein iri er, als etwas, was man fürchten muß, als eine Sünde, die einen unglückseligen Tod bringt. Es müßte eine Freude und auch eine Leichtigkeit sein, dies Volk in den Schoß der Kirche, der es ja noch nicht ganz ent-freinbet ist, zurückzuführen, aber leider hat der Islam, welcher die erste Schuld an der geistigen Verarmung desselben trägt, seine zerstörende Arbeit mit neuer Kraft und der ihm eigenen Zähigkeit wieder aufgenommen; seine Wurzeln dringen immer tiefer in den Boden des nubischen Gemütes und suchen den letzten christlichen Saft, der sich noch darin vorfindet, aufzusaugen. Wie weit sein Einfluß im Volke schon gediehen sei, sollte sich im mohammedanischen Fastenmonat Rhammadan zeigen, dem man aus eben diesem Grunde in der Mission mit einer gewissen Spannung entgegensah. Der Rhammadan fiel in jenem Jahre mitten in die Regenzeit und begann am 25. Juli. (Fortsetzung folgt.) Das Dagewerk eines Millionärs. Von P. Matthias Bauman u, Missionär vom hlst. Herzen Jesu. Äfiii'iiii'iiii'iiii'iii'i'iiii'iiii'iiiS (Fortsetzung.) Nach der heiligen Messe tischt mir mein schwarzer Koch schwarzen Kaffee auf, wozu Brot iumö Bananen genossen werden. Sodann geht es zur Schule. Vorn sitzen bie Knaben, hinten die Mädchen. Ich muß nämlich auch unterrichten, da auf meiner Station sich keine Schwestern befinden. Zuerst wird gebetet, und dann überblicke ich bie Häupter meiner Lieben. Manche scheinen vor dem Wasser $u viel Scheu gehabt zu haben und müssen noch einmal an Iben Eimer. Hand- und Taschentücher h^a-ßen unsere Kanaken nicht; enttobber trock- nen sie sich mit ihrem Lendentuche 'Cu6 oder lassen die warme Luft dieses Geschäft besorgen. Einige Schulkinder fehlen; die einen liegen daheim mit Wunden behaftet, andere scheinen aber heute schwänzen zu wollen. Da fehlt schon seit einiger Zeit ein Bürschlelin, dessen Etterin wohl katholisch sind, der aber zurzeit bei feinem noch heidnischen Onkel sich aufhält. Der Kleine läuft nun lieber dem Herrn Onkel zum Seenfer nach oder geht mit ihm in die Bananenpflanzung, unlb der Onkel scheint den Schulunterricht für ziemlich unnütz zu halten. Heft 8 und 9. 18t Stern der Nege r. Ich schicke daher einen Hilfskatecheten zum Onkel, um nach dem Schwänzer zu fragen. Da der Katechet unverrichteter Sache zurückkehrt, öegeiBe ich mich selbst in das nicht weit liegende Gchöft uulb sehe noch gerade öen Onkel über eine Hecke hinwegsetzen, während der Kleine in einer Hütte sich zu verbergen sucht. Ans mein gütiges Zureden kriecht er die Lieder aus der Trompete, was anfangs einen geradezu verblüffenden Eindruck auf die Kleinen machte, die so etwas noch nie gehört Hütten. Die Aufmerksamkeit der Schüler wird allerdings durch mancherlei Dinge abgelenkt. Da kommt ein armseliger Kauaken-hund ins Srhnllokal hereingeschlichen, um seinen Herrn zu suchen; Erwachsene gehen an der Schule vorbei und haben diesem öder jenem Schüler ein Wort zu sagen; eine Mama bringt ihren kleinsten Spröß-ling zu dessen -größerer Schwester in die Schule, so daß man an manchen Tatzen in eine Kleiukinberbewahranstalt sich versetzt glaubt. Da kommt mein Pferd zum Wasserbehälter, dermeben dem Wohnhaufe steht, und bemerkt mm in den Körben der Mädchen Bananen, die ihm recht .gut behagen. Sofort eilten die Beraubten hinaus, um ihre Körbe in Sicherheit zu bringen. Einige, die ihre kleinen Geschwister bewa- X Rege r. chm, langweilen sich wohl beim Schreiben und zwicken die Kleinen, bis ich, satt von deren Geschrei, die ganze Gesellschaft hinausschicke. In der letzten Bank sind einige recht unaufmerksam und 'machen Jagd auf die Kopsbewohner ihrer Vvrderleute. Einige Knaben wollen absolut nicht artig' sein, und da greife ich mal zum Stückchen, um den Staub nicht gendbe auS ihren Hosen, da sie keine -anhab-en, sondern aus ihren Lendentüchern auszuklopfen. Obschon ibie Prozedur viel Staub aufwirbelt, fc' hat sie doch die beabsichtigte Wirkung., nicht verfehlt. Da geht gerade einer an der Schule vorüber, der mir gestern (am Sonntage) nicht in der Kirche gewesen zu sein scheint. „He. To Pal (Herr Haus)) alter Knabe, warum warst tu gestern nicht in der heiligen Messe?" — „Pater, ich habe den Gottesdienst nicht versäumt; ich bin ein guter Katholik." — „Ich habe dich aber nicht gesehen." — „Ich stand nahe bei der Tür," erwidert er, „und bat hast im var-tovo (Predigt) Netzen die schlechten Tänze gesprochen." — „Dann ist es glut, du bist überhaupt ein braver Kerl." —■ „Das will ich meinen." Ein anderer sucht sich an meiner Wohnung vorbeizudrücken und scheint ein böses Gewissen zu haben. Aufs Geratewohl frage ich ihn: „Warum warst du gestern nicht in der Kirche?" — Er: „Wer hat dir gesagt, daß ich.gestern nicht in der Kirche war?" — Ich: „Das geht dich weiter nichts an." — Er: „Allerdings, -gestern war ich nach Vlavolo gegangen, wollte dort noch der heiligen Messe beiwohnen, kam aber zu spät." — Das letztere durfte ich allerdings bezweifeln. Er versprach- aber, Iben Gottesdienst nicht mehr zu versäumen und würde überhaupt den nächsten Samstag beichten kommen. Also der gute Wille fehlt nicht, und mit dem muß ich schon zufrieden sein. Während nun die Knaben unter Leitung Heft 8 und 9. Stern der Neger. des Katecheten lesen ltitlb schreiben und die Mädchen von der Frau des Katecheten un-terrichtck werden, lasse ich mein Pferd herbeiführen lumib sattle es, um eine von meinen Nebenstationen giu besuchen, wo der Katechet ibeu Unterricht erteilt. Unterdessen ist es recht heiß ^geworden; zudem gibt es so wenige Reitwege im Innern, daß ich streckenweise durch Schiuchtein und schlechte Kanakenipfade das Pferd fuhren Muß. Beim Katecheten angelangt, erfahre ich die letzten Neuigkeiten, und zwar sind dieselben selten von angenehmer Natur. ©indige Kinder z. B. schwänzen öfters die Schule, und da muß ich die Eltern aufsuchen, Eda-mit sie besser auf die Kinder aufpassen; dort ist ein Kind von wesleyantschen Lehrern gewaltsam von uns abgehalten worden, unsinnige Verlemmdungen sind ton Wesleyanern gegen uns ausgestreut worden, aber bei diesen argwöhnischen und m mancher Hinsicht naiven Kanalken bleibt leicht etwas hängen. Dort wurde ein katholischer Katechet von einem weslehani scheu Lehrer ohne irgendeine Veranlassung seinerseits unterwegs ichersallen und einen Abhang hinabgestürzt, so daß vor Gericht geklagt werden muß, damit unsere Leute des Lebens sicher seien. Hier hat ausnähms-tveise eine Frau ihren Mann ordentlich verprügelt, und nun möchte letzterer sich ton ihr scheiden lassen. Da muß ich. denn sorgen, daß der Friede in den aufgeregten Gemütern wieder hergestellt werde. Um einige Sorgen reicher kehre ich wieder nach meiner Wohnung zurück, wo dann gegen 11 Uhr Schulschluß gemacht wird. Nachmittags fällt überhaupt die Schule a.ns. Nach dem Unterricht heißt es, eine Menge Wunden zu verbinden, was keine sehr angenehme Arbeit ist. Solange Verbandzeug und Jodoform, ausreichen, werden die Wunden der SchuDindto verbunden, sonst bleiben sie mit ihren Wunden wochenlang ohne Pflege in ihren Hütten liegen; infolge der Unrsinlichkeit aber ver-schlimmern sich dieselben, und manchen sind die Zehen schon abgefault. Andere wiederum leiden nicht an körperlichen Wunden, aber ihr Lendentuch sieht recht schwind-süchtig aus. Die einen bitten um Nadel uii) Zwirn, um ihre Kleider auszubessern, (bliei andern wollen in meiner Ban!anen-pflanzung arbeiten, um sich ein Lendentuch zu verdienen. Es wäre verkehrt, den Kindern umsonst ein Stück Tuch zu .geben. Die Kleinen sollen an die Arbeit gewöhnt werden. Was dem Eingeborenen nichts kostet, weiß er auch nicht zu schätzen. Allerdings kann ich nur solange Iben Kindern anshelfen, als mein Stossvorrat reicht, und der ist gewöhnlich schnell erschöpft. Darum sind mir stets Stoffreste angenehm, denn hier kann mau damit im eigentlichen Sinne des Wortes „die Nackten bekleiden". Nach der Schule lasse ich die Kinder ge= wohnlich eine halbe (Stmube lang arbeiten; die Knaben holen Holz sur die Küche, und die Mädchen reinigen das Gehöft. Die Kleinen sollen auf diese Weise einigevrna-ßen bie Mühe des Unterrichtes entgelten. Es wird Nun Mittag, und der kleine Koch wird fürs Essm gesorgt haben. Mit seiner Kochkunst ist es Wohl nicht weit her, aber ein Missionär gibt sich mit wenigem zufrieden. Das Essen besteht gewöhnlich aus ausgewärmtem Güchsenfleisch und gerösteten Davos. Als Tafelgetränk haben wir im allgemeinen Regeuwasser> das in einem Behälter aufgefangen toitib, 25 Grad Wärme ausweist, und wenn es lange gestanden hat, eine Menge Kvankheitsstofse in sich birgt. Gesundheitshalber ist es vorher vorteilhafter, Tee, wenn auch letzter Qualität, zu trinken. Die Füße dies Tisches oder des Schrankes, aus oder in dem sich die Speisen befinden, müssen in Büchsen, mit Wasser gefüllt, stehen, damit nicht un- 1-84 Stern der Neger. zählige Ameisen als unwillkommene Gäste am Essen teilnehmen. Nach dem Mittagessen ist in den Tropen die Siesta eine. Notwendigkeit. Aber schon stehen vor der Wohnung einige Frauen mit einem Erdenpilger, der getauft werden soll. Mein Koch geht mit als Taufpate, nnv kurz darauf fließt das Wasser der Wiedergeburt über den Keinen Kanaiken. Den Taufnamen gebe ich gewöhnlich selber; den Eigennamen besorgen die Verwandten ; nach irgend einem Ereignis, das mit der Geburt zusammentrifft, wird das Kind benannt, z. B. ist gerade eine Brotfrucht vom Baum« gefallen, und das Kind wird To Rapioka (Brotfrucht) benannt. Familiennamen Benneir die Eingeborenen nicht. Ich trage also den neuen Sohn der Kirche ins Taufregister ein: Johann To Napioka, Sohn des Petero To Keake (Sonne) und der Agatha Ja Oa (Mond). Kaum ist diese Arbeit vollendet, so werde ich zu einem Versehgange >gerufeu. Bei der furchtbaren Hitze und dem jäh bergauf und bergab sich windenden Kauakenpsaden ist so ein Gang wirklich kein Vergnügen. Ich frage den Eingeborenen, ob es eile, und da er mir erklärt, die Weiber seien schon am Weinen, bezw. Heuleit, mache ich mich unverzüglich auf den Weg, das Sanktisstmum in einer Kapsel tragend, während ein Knabe mit den: heiligen Öl und der Stola folgt. Von Dalar, Chorhemd unid Licht kann keine Rede sein. Der Kranke selbst hat nach mir verlangt, ist fleißig zur Kirche ge-kommen, und alle drei Wochen zur 'fjeitiigien Kommunion gegangen. Nun liegt er an schwerer Lungenentzündung banieber, und seine Verwandten haben ihn vor die Hütte getragen. Die tim ihn Stehenden find meistens katholisch! und machen mir sofort Platz. Der Kranke wird so unter freiem Himmel versehen und empfängt mit rührender Andacht d!id hl. Sterbefakramente- Heft 8 und U Solch eine Szene ist ein Trost für den Missionär nnjd macht ihn manchen Ärger ainib manche 'Entbehrung vergessen. Im selben Gchöfte erfahre ich nun, daß eine Stunde weiter dine kranke Frau sich befinidet, iblüe ich auch seit längerer Zeit nicht mehr Beim sonntäglichen Gottesdienst gesehen fyafc. Mit meinem Begleiter und einem Führer lgcht es nun weiter durch den hohen Wald auf einem ausgetretenen Kanäken-pfade. Äster einstige Waldriesen!, die den Pfad verisperren, muß ich hinwegsetzen; ab unlb zu miuß eine Bambushecke, die eine Bananenpslanzung umzäunt, über®eitert werden. Endlich, am bezeichneten Gehöfte angelangt, vernchnte ich, daß die Kranke eine halbe Stunde weiter in das Gehöft ihrer Aerwandten getragen Wordren ist, denn dort, wo sie herstammt, soll sie nach KanakeNsitlte and) beerdigt werden. Erschöpft erreiche ich. die Hütte der Kranken, dig, von ihren meist noch heidnischen Verwandten untringt, üiuif einer Matte außerhalb der Hütte liegt. Das erfrischende iWasser der jungen Kokosnuß wirkt wieder belebend auf mich, und nun muß ich. unter Benutzung der Ellenbogen bis zur Kränkelt vordringen unb feststellen, daß es mit ihr wahrscheinlich zu Ende geht. Sie leidet an einer furchtbaren 'Beinwunde, die einen pestilenzartigen Geruch! verbreitet. Glücklicherweise liegt die Kranke nid)* in der Hütte, sonst wäre es nicht zum Wtshgllten. Eilite ältere Tante will absolut neben der Kranken bleiben, obschon ich' ihr zu verstehen gelbe, daß sie etwas zurücktreten soll, da wir beide allein über eine Sache des lotn (Gottesdienst) zu sprechen hätten. Da die Alte nicht in genügender Entfernung bleibt, um mite Zeit zu geben, ungestört die Bgichte zu! hören, muß id) sie etwas unsanft weiterschieben. Nachdent die Kranke versehe ist, schaue ich mir die anderen Leutchen mal an und Idbe sie did, auch bald Heft 8 und 9. Stern der Neger. zum Unterricht zu kommen. Eine Alte unterstützt mich bei dieser Bemühung unld schimpft die jungen Leute aus, weil sie noch nicht zum Unterrichte gekommen seien. Ich belobe sie ihres Eifers um die gute Sache wogen und ersuche sie, doch auch, zum vartovo zu kommen. Sie meint, sie sei zu alt, und ihr Gesicht zu runzelig, man würde sie nur auslachen. Ich. versichere sie, .daß der Himmel für alle sei, nicht Nur für die jungen Leute, unlb daß sie noch schöner im Jenseits sein werde, als sie in ihrer Jugend gewesen. Das zieht, unld sie verspricht, am lotu teilzunehmen. Eine andere ältere Dame will von der Religion der Weißen nichts wissen. Wie ihre Vorfahren gelebt, so will auch. sie leben. Auf meine Frage, wo denn nach ihrem Toide ihr Schatten (Seele) leben werde, antwortet sie, sie würde in ihrem Gehöfte stets verweilen, da sie als Arme nicht in das Paradies eingehen dürfe. Ich versuche, ihr die Hölle ein wenig heiß zu machen; sie aber erwidert Mir, sie sei ganz gern im Feiner. Da zünde ich, ein Kokosblatt an und halte cs ihr nahe an ihre ungewaschene Haut. Sie begreift, daß es etwas anderes ist, neben deim Feuer zu sitzen, als mitten in demselben zu braten, und läßt sich- auf meine Versicherung hin, der Himmel sei aitcs) für sie da, für den Katechumenen-unterricht einschreiben. Nun wird es Zelit, den Rückweg anzutreten, denn von der Nacht darf ich, utcht überrascht werden. Unterwegs kommt ein altes Mütterchen des Weges und trägt in einem Tuche eine fieberkranke Enkelin. Ich erfahre von ihr, daß sie noch Heidin und auch das Kindchen nod) nicht getauft ist. dllücklicherweise hat sie etwas Wasser in einer Kokos Nußschale, und' indem ich. vorgebe, den heißen Kopf des Kindes abkühlen zu wollen, taufe ich es und erfahre später, daß es.gestorben und so ein Engelchen mehr 18 ö im Himmel ist. Todmüde auf meiner Station angelangt, nehme ich eine erfrischende Abwaschung vor; dann stehen Katechume-niett da, die auf den Unterricht warten. Da ich heute zu müibe bin, lasse ich die Gebete hersagen und heiße sie den anderen Tag wicker kommen. — Es ist nun Abend., die Glocke „weint" wicker zum Angelus; die nahe bei meinem Gehöft wohnen, kommen mit zur Kirche zum Abendgebet. Mittags hatte ich zum Essen Büchsenfleisch mit Taros, dBenbg braucht man nur die Überreste vom Mittag aufzuwärmen. Nach dem Abendessen suche ich. auf der Veranda des Hauses auszuruhen und rauche ein Pfeifchen, ober es wird beim Scheine der Petroleumlampe ein wenig studiert oder gelesen. Ab und zu erlscheint noch ein Eingeborener, der mir faulte Eier verkaufen will oder seine Sorgen vorbringt; gewöhnlich handelt es sich um Familienstreli-tigkeiten, und da muß ich denn als Friedensvermittler in Aktion treten, überhaupt soll ich für alles Rat wissen. Gegen 9 Ahr begebe id) mich zur Ruhe unld hoffe die Nacht nicht mehr gestört zu werden. Nächtliche Versehgänge sind näm-lich gar nicht so selten., und obschon wir dann nicht unter der Sonnenhitze zu lieiiden halbem so wird man doch, vom nächtlichen Tau ganz durchnäßt, und in nassen Kleidern ist es auch nicht interessant einlher-znmarschlieren. Die Eingeborenen selbst begeben sich, nicht so früh zur Ruhe, sondern lärmen noch bis spät in die Nacht hinein, besonders wenn Tänze einzuüben sind. Erfreulich ist, daß in manchen Gehöften abends schön zusammen gebetet Wird, und während früher fast nur Männer zur Kirche und zum Unterrichte kamen., da das weibliche Geschlecht verachtet ward, so hat, sid) letzteres, durch das Christentum aus seinem unwürdigen Zustande befreit, im großen und ganzen auch hierzulande als das sröm- mere Geschlecht gezecht. Glücklich ist Ser Missionär, wenn er nur orteten kann, und ein !großes Opfer ist es für ihn, wenn er tagelang durch dos Fieber ou>ss Kranke ninger getostifm toirb, wos ouf Neupom-mern keine Seltenheit ist. ®ie religiösen tiCmnigen des Missionärs habe ich in meiner Beschreibnnlg wenig erwähnt; aber es versteht sich von selbst, daß Iber Missionär dieselben nicht vernochlässi-gen darf. Erlebt der Missionär auch manche Enttäuschung, werden auch manche Hoff-nungen geknickt, fühlt er sich einsam und verlassen von den Menschen, so hat er doch iilmmer einen Freund in seiner Nähe, den lgöttlichen Heiland im armen Missionskirchlein. Ihm kann er seinen Kummer anvertrauen, sein Leid klagen; nur bei ihm, foem Meister der Apostel, der Missionäre, findet er wahren Trost; denn auch für uns Missionäre gelten neben dem Befehle: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker", die Worte der Verheißung: „Siehe, ich hin bei euch alle Tage bte ans Ende der Welt!" eilllllllli fluch er Warb für den Kaiser, „Alexander ist am 26. Juni gottergeben gestorben und am 28. beerdigt worden. Sosehr er anfangs am Leben hing, so bereitwillig nahm er zuletzt den Tod aus der Hand Gattes an. Vor dem Sterben betete er eine ganze Viertelstunde der Krankenschwester die Sterbegebete und Stoßgebetlein nach. Dann sagte er zur, Schwester: „Beten Sie für mich; wenn ich im Himmel bin, werde i ch für Sie beten." Hierauf betete er noch ein Ave-Maria und schlief dann ganz ruhig ohne Todeskamps ein." So schrieb der Militärseelsorger aus Vöcklabruck am 2. Juli. Wer ist nun dieser Alexander? Als Kaiserjäger des 4. T. K.-J.-Regiments starb er, und doch stand seine Wiege nicht in Tirol. Das;Schicksal hat ihn weit, weit hergerufen von den Usern des Nils weg aus Oberägypten. Auch daß seine kurze Lebenslaufbahn ein solches, sagen wir dazu rühmliches Ende nehmen würde, hätte noch vor drei Jahren niemand geahnt. Auch sein Geburtsort kann nicht mehr ermittelt werden; wahrscheinlich war er Konstantinopel oder Sofia in Bulgarien, wo er laut Tausregister unserer Missionsstation in Assuan (Oberägypten) am 22. Mai 1896 getauft worden sein soll. Mit seinen Eltern kam der Kleine einige Jahre später nach Assuan, wo sein Vater Milan Stolich (Stolitsch), ein Kroate, beim Bau des Nilstauwerkes Arbeit genommen hatte. Eines Tages jedoch verließ derselbe sein Kind und dessen Mutter; letztere, aller Wahrscheinlichkeit nach eine Dalmatinerin, namens Vittoria Parozi, starb nicht lange hernach im Frühjahr 1901 zu Assuan an den Folgen eines an ihr begangenen Verbrechens. So stand nun der arme Alexander, noch nicht 6 Jahre alt, aus einmal als Doppelwaise da, und er wäre verkommen, hätten ihn nicht unsere Missionsschwestern, die seiner unglücklichen Mutter beim Sterben beigestanden, mit sich in die Mission genommen. Dort erhielt der kleine Stolich mit den anderen Zöglingen seine religiöse Erziehung, sowie Elementarunterricht im Arabischen, Italienischen und Rechnen. Größer geworden, erlernte er in der Stadt Assuan und im Missionshause die Bäckerei und nebenbei von einem unserer Brüder die Buchbinderei. Sein Vater erkundigte sich zwar von Zeit zu Zeit von Transvaal her und aus Amerika nach dem Kleinen, sagte sich aber schließlich ganz van ihm los. Im Jahre 1911 entschloß sich Alexander, die Maschinenschlosserei zu erlernen, und trat zu diesem Zwecke in die gerade damals in Assuan von der ägyptischen Regierung eröffnete und militärisch organisierte Mechanikerschule, wo er zur Zufriedenheit seiner Lehrer gute Fortschritte machte. Um sich noch mehr auszubilden, glaubte -er in Europa bessere Gelegenheit zu haben, und so treffen wir ihn Ende Juli 1914 in Triest, aus Ägypten angekommen. Der eben ausgebrochene Weltkrieg machte seine Hoffnungen zu Wasser, denn er entvölkerte und schloß die Werkstätten. So lenkte er seine Schritte dem Missionshause Milland zu, wo er im Laufe der Zeit die deutsche Sprache erlernte und sich sonst nützlich machte, besonders in der Wartung und Bedienung eines Kurses des f.-b. Knabenseminars, welcher sich seit Herbst 1914 bei uns einquartierte. Die Schüler dieses Kurses und ihr hochwürdiger Herr Präsekt werden gewiß seiner irrt Gebete und noch lange gedenken! Die Musterung im Frühjahre 1917 brachte auch ihn unter die Waffen, zum 4. Tiroler Kaiserjäger - Regiment, zunächst nach Vöcklabruck zur Ausbildung, da er eine aus- ländische Staatsangehörigkeit nicht nachzuweisen vermochte. Wie man vorausgesehen, setzte der harte Winter und der strenge Dienst seiner Gesundheit sehr zu. Seine an heißes Klima und dünne Wüstenluft gewöhnte Lunge erkrankte und es ging rasch, wie es in solchen Fällen zu geschehen pflegt, mit ihr zu Ende. Am 22. Mai kam er schwer lungenkrank ins Bürgerspital zu Vöcklabruck, um es nach einem Monate mit dem besseren und ewigen Leben zu vertauschen. Das können wir zuversichtlich hoffen, denn er verbrachte ein gutes Jünglingsleben und mehr als einmal wies er verlockende Versuchungen van Strafte in Kairo. 188 Stern Ver Neger. Heft 8 und 9. sich. Dem allen setzte er durch seinen erbaulichen und burcß viel Gebet und Sakra, mente-Empfang wohlvorbereiteten Tod die Krone auf. Er möge jetzt beten für die schwergeprüfte Mission und seine Erzieher, welchen er nächst der Güte Gottes seine christliche Erziehung verdankt. M. J Radirichfen des Theologen=iniHions=Verbandes 1 g Österreichs, (Th, IN. Vb, Ö,) 1 1 Redigiert vom Vorort des Cheologen-miffionsverbandes Österreichs, derzeit in 1 J Brixen, Südfirol, Prielterieminar. 1 ■llllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!ll!lllllllllllllllllllllll!lllllllll!lllllllllll!lllllllllllllllllllll!ll!llllllllllllllllllllllllllllllllll!ll!llllllllllllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllia Rechenschaftsbericht des Vorortes des Th. IR. Vb. Ö. über das Schuljahr 1916/17. Dem Vorort Brixen oblagen in diesem Schuljahre hauptsächlich drei Aufgaben: 1. die bisher geschaffenen Grundlagen weiter auszubauen; 2. einen möglichst regen Verkehr und Gedankenaustausch der Vereine untereinander und dem V. O. gegenüber herzustellen; 3. auch andere Seminarien für unseren Verband zu gewinnen und die Priester auf unsere Bewegung aufmerksam zu machen. 1. Nachdem durch den früheren V. O. die Satzungen des Verbandes festgelegt und im Entwurf einer „Geschäftsordnung" für den Th. M. Vb. im Jnni-Juli-Heft des „Stern der Neger" den Vereinen zur Begutachtung vorgelegt worden war, war es die Aufgabe des Vorortes Brixen, diesen Geschäftsordnungsentwurf von den Vereinen besprechen zu lassen und dann zu fixieren. Auf Grund der eingelaufenen Antworten wurden mehrere Verbesserungen angebracht und den Vereinen durch ein Rundschreiben bekanntgegeben. Im Feber-März-Heft erschien dann die definitive Geschäftsordnung. Nur der Teil über den Brixen, 30. Mai 1917. „Vertretertag" wurde vorläufig fortgelassen, da er noch mancher Verbesserungen bedarf. Außerdem war es noch notwendig, die innere Führung der Vorortsgeschäfte nä-herhin zu regeln. Es wurden unter den Mitgliedern des Vorortsvorstandes die Arbeiten zweckmäßig verteilt; ferner wurden die nötigen Geschäftsbücher für den Vorort eingestellt. 2. Die zweite Aufgabe des Vorortes bestand darin, einen möglichst regen Verkehr der Vereine untereinander und mit dem Vorort herzustellen. Isi es ja der Zweck des Verbandes, durch gegenseitigen Gedankenaustausch einander möglichst zu stützen und zu fördern. Der Verkehr der Vereine mit dem Vorort wurde geregelt durch die diesbezüglichen Punkte der G. O. (§ 4), in denen bestimmt wird, daß jeder Verein jährlich zu Beginn des Schuljahres eine Anmeldung (enthaltend die Adresse des neuen Vorstandes und die Mitgliederzahl) und zu Ende eines jeden Semesters einen kurzen Vereinsbericht an den Vorort zu senden habe. Der Gedankenaustausch der Vereine untereinander wurde besonders gefördert durch die Veröffentlichungen im „Stern der Neger", dessen Redaktion uns in sehr zuvorkommender Weife monatlich 4 bis 6 Seiten freigab. Es erschienen darin (seit Mai 1916): Vereinsberichte, Besprechungen praktischer Vereinsfragen, Vorschläge usw. Den Zweck der gegenseitigen Förderung hatte besonders die Rundfrage: „Wie arbeiten unsere Missionsvereine?", die der Vorort zu Beginn des Jahres an alle Vereine ergehen ließ. Aus den Antworten auf dieselbe wurde dann im „Stern" ein längerer Artikel zusammengestellt (Feber—-Juni). Der Erfolg dieser gegenseitigen Fühlungnahme blieb nicht aus. Kein Verein stellte, Gott sei Dank, seine Tätigkeit ein, obwohl die Verhältnisse oft sehr schwierig waren. Besonders hervorzuheben sind die Seminare Budweis, Königgrätz, Leitmeritz und Klagenfurt, die trotz der ungünstigsten lokalen Verhältnisse tapfer ausgehalten haben. Die Vereine stellten aber nicht nur ihre Tätigkeit nicht ein, es wurden vielmehr, wie aus den Semesterberichten der Vereine zu ersehen ist, in jedem Verein Verbesserungen geschaffen. 3. Die kriegerischen Verhältnisse brachten es notwendigerweise mit M, daß sich der Vorort mehr darauf beschränken mußte, das bisher Vorhandene zu erhalten, als für die Verbreitung unseres Vereinsgedankens in weitere Kreise zu arbeiten. Einiges konnte aber auch hier geschehen. In Weidenau wurde der Missionsverein, der bisher dort bestand, wieder errichtet und neu organisiert. („Stern der Neger" Nr. 4.) — Die Einladung des Vorortes an verschiedene österreichische Seminare, die bisher dem Verbände noch nicht angeschlossen sind, sich, soweit es eben die jetzigen Verhältnisse gestatteten, irgendwie für die Missionen zu betätigen und mit betn Verbände in Fühlung zu tretet:, wurden nur timt zwei Seiten aufgegriffen. In Innsbruck kam es zur Gründung eines Missions-Studienzirkels, der aber bisher noch nicht an den Verband angeschlossen ist. Eine neue Art der Verbindung mit dem Vororte wurde in Brünn geschaffen. Da es dort wegen der geringen Zahl der deutschen Theologen (4) nicht möglich war, einen eigenen Missionszirkel zu errichten, wurde eilte „Missionsvertretung" geschaffen. Einer der ehrwürdigen Herren Theologen tritt als „Missionsvertreter" des Seminars Brünn mit dem Vorort in Verkehr und sendet die Berichte ein. Hoffentlich gelingt es nächstes Jahr, diese Einrichtung auch in anderen Seminarien einzuführen, damit alle österreichischen Seminare wenigstens durch einen Vertreter mit dem Theologen-Missionsverbande in Verbindung stehen, solange die Gründung eines eigentlichen Vereines nicht möglich ist. Da die ganze Theologen-Missionsbewe-gung naturgemäß den Zweck hat, einen missionseifrigen Klerus heranzubilden, mußte es sich der Vorort angelegen sein lassen, daß unsere Missionsbewegung auch in Priesterkreisen bekannt werde und daß auch die in die Seelsorge tretenden Mitglieder der Theologen-Missionsvereine noch in einiger Fühlung mit ihren Vereinen bleiben. Zu diesem Zwecke wurde eine große Anzahl von Probenummern des „Stern der Neger", die uns das Missionshaus Milland gratis zur Verfügung stellte, an frühere Mitglieder aller Mifsionsvereine versandt. Sehr viele davon abonnierten daraufhin das Blatt. Auch suchte der Vorort mit Seelsorgern, die sich früher als Theologen eifrig für unseren Verband betätigt hatten, in Verkehr zu treten, um aus ihren Erfahrungen zu lernen. 190 Stern der Neger. Heft 8 und 9. Besonders aber suchte der Vorort den Kontakt der Priester mit dem Verein und dem Verband dadurch herzustellen, daß er den Vorschlag St. Florians bezüglich des Anschlusses der in die Seelsorge tretenden Mitglieder an den Verein überall zur Durchführung zu bringen suchte. Dauk dem großen Eifer und Verständnis der einzelnen Vereinsleitungcn ist dieser Vorschlag auch in fast allen Seminarien in die Tat umgesetzt worden. Die Geldgebarung war folgende: Einnahmen (Vereinsbeiträge) K 29,06; Ausgaben (zur Anschaffung der Geschäftsbücher und für Porto) K 24,28; Aktivrest K 4,78. 27B. Bei Bemessung des Mitgliederbeitrages wurde folgende Skala zugrunde gelegt: für je 10 (interne) Mitglieder 1 K (Minimum 2 K). Damit beschließen wir das fünfte Verbandsjahr mit innigem Dank zu Gott, der unsere Arbeiten gesegnet, auch mit herzlichem Dank allen Vereinsleitungen gegenüber, deren unverdrossener Mitarbeit wir zum großen Teil die heuer errungenen Erfolge verdanken. Möge unser junger Verband auch in Zukunft alle Stürme bestehen und ungebrochen aus denselben hervorgehen; möge er sich zu einem mächtigen, herrlichen Baum entwickeln und herrliche Blüten und Früchte tragen! Welchen nutzen bringt die millionsarbeit dem Seminaristen? Reiche Arbeit erwartet den Kandidaten des geistlichen Standes, wenn er ins Priesterseminar eintritt. In verhältnismäßig kurzer Zeit soll er hier sich gründlich vorbereiten auf seinen hehren Beruf. Darf er also einen Teil der ihm zur Verfügung stehenden Zeit dazu benützen, die Tätigkeit der Glaubensboten in den Heidenländern mit seinem geistigen Auge zu begleiten, die -Missionen zu fördern, soviel in seinen Kräften steht? Mit anderen Worten: Dient die Mitarbeit am Missionswerk dem Seminaristen dazu, im Priesterberuf innerlich vorwärtszukommen? Zwei Ausgaben vor allem obliegen dem Kandidaten des geistlichen Standes: unermüdliches Streben nach eigener Vervollkommnung und theoretische wie praktische Vorbereitung aus äußeres seelsorgliches Wirken. Missionsinteresse bringt ihm also dann wahren Nutzen, wenn es auf diesen beiden Wegen voranhilst. „Worte belehren, Beispiele reißen hin." Ter Seminarist liest von der aufopfernden Selbstlosigkeit der Missionäre, erfährt, wie junge Männer.aus Eifer für Gottes Ehre die Heimat verlassen, um das Wort des göttlichen Heilandes: „Gehet hin in alle Welt und verkündet das Evangelium!" buchstäblich zu erfüllen. Die Vorsätze und Lehren, die er aus der Betrachtung geschöpft, erhalten neues Leben und Frische, wenn er vom rührenden Eifer der Bekehrten liest, die unter den schwierigsten Umständen ihre Pflichten erfüllen. Der ganze Mensch gehört da Gott, kindliches Vertrauen auf Gottes Güte kennzeichnet die Gläubigen in den Missiansstationen. Wie kann man auch die Glaubensguade besser schätzen lernen und wann erfüllt inniger Dankbarkeit gegen Gott das Herz, als wenn man erwägt, daß man in früher Kindheit schon von frommen Eltern unterrichtet worden, während so vielen armen Heiden das Licht des wahren Glaubens noch nicht gebracht ward. Anerkennende Bewunderung erfüllt das Herz, wenn da ein Missionär berichtet, wie seine Katechi- sten auf den größeren Teil ihres Gehaltes verzichten, nur damit das Missionswerk nicht nachlasse und an Umfang verliere. Die Missionäre beseelt Heldensinn, der Begeisterung weckt in der Brust des Seminaristen, ihn ermuntert, die Opfer gern zu tragen, welche das gemeinsame Leben fordert, und neuer Mut und Freude senkt sich in sein Herz. In der Zeit der Ferien bietet sich ein anderes Feld der Tätigkeit ihm an. Da gilt es, das Werk der Glaubensverbreitung auch materiell zu unterstützen, Abnehmer zu gewinnen für Missionszeitschriften und Teilnehmer für den Meßbund. Wo immer er kann, da spricht so der Thealogiestudent ein bittendes Wort für die Missionen und lernt, auch ein Apostel zu werden. Seine Geduld, Demut, sein Mut wird mancher Prüfung unterzogen, er wird zu freundlichen und doch eindringlichen Bitten angeregt. Kurz gesagt, der Seminarist übt sich, Hausseelsorge zu treiben, einzuwirken auf das Gemüt des Volkes in religiösem Sinne. Da gewinnt er eine edle geistige Selbständigkeit, mutiges Auftreten für die Sache der heiligen Kirche. Er macht die Wahrnehmung, wie herzlich unschuldiger Verzeichnis prakfifi Im folgenden soll ein kleines Verzeichnis einiger praktischer Missionsschriften geboten werden; wir führen vor allem solche Schriften an, die dem Priester in der Seelsorge als Hilssbücher dienen können; dann auch solche, die sich zur Massenverbreitung unter dem Volke gut eignen. Wir machen dabei durchaus nicht auf Vollständigkeit Anspruch und sind allen Missionshäusern und Buchhandlungen sehr verbunden, die uns auf weitere Schriften aufmerksam machen und uns solche zusenden. Kindersinn Anteil nimmt an dem Schicksal ärmer Heidenkinder — ein bedeutsamer Wink für den späteren Katecheten. Nicht zu verkennen sind schließlich die mannigfachen Vorteile, die dem Förderer des Missionswesens aus dieser Tätigkeit für seine wissenschaftliche Ausbildung erwachsen. Seine Phantasie füllt sich mit edlen Bildern, sein religionsgeschichtliches Wissen wird bereichert. Der Missionär, der in den Sagen der Heidenvölker die Spuren der Urofsenbarung findet, kann dem apologetisch sich ausbildenden Seminaristen manch wertvolle Anregung geben. Die Zeit ist somit nicht unnütz verbracht, die der Priesterkandidat der Missionsarbeit widmet, manche sonst freie Minute auf diese Art verdienstlich zu gestalten für die Ewigkeit. Unverdrossen denn ans Werk, jugendlicher Arbeiter im Weinberg des Herrn! Schärfe dein Auge, erweitere deinen Blick für die Interessen der heiligen Kirche in fernen Ländern, wo noch Millionen von Menschen, die auch nach ewigem Glücke hungern, des wahren Glaubens ermangeln, noch keine wirklichen Glieder der katholischen Kirche sind. üliHionsichriften. I. Hilfsbücher für die externen Mitglieder in der Seelsorge. 1. Missions Verlag der Stehler Missionäre (St. Rupert, Post Bischofshofen, Salzburg): P. H. Fischer S. V. D.: Jesu letzter Wille (Gedanken über die Heidenmifsioy), Preis K 1,70. P. A. Freytag S. V. D.: Das katholische Missionsfest, Hilfsbüchlein und Materialsammlung zur Veranstaltung von Missionsfesten, K 2,—. P. Friedr. Schwager 8. V. D.: Die ka- thvlische Heidenmission der Gegenwart (Überblick), 4 Hefte. Von demselben: Die katholische Heiden-mission im Schulunterricht, Hilfsbuch für Katecheten und Lehrer, K 2,G5. P. K. Streit 8. V. D.: Katholischer Missionsatlas, K 11,90. P. H. Wegener: Opferleben und Opfer-tod, Lebensbilder katholischer Missionäre, K 1,90. 2. Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg i. Br.: P. Streit O. M. J.: Führer durch die deutsche Missionsliteratur, Mk. 3,—. P. A. Huonder 8. -L: Die Mission auf der Kanzel und im Verein, Sammlung von Predigten, Skizzen und Material über die katholischen Missionen. ■ Von demselben: Bannerträger des Kreuzes, Lebensbeschreibungeu berühmter Missionäre, 2 Bände. P. O. Heinz O. Cap.: Religionsunterricht und Heidenmission. Steph. Jak. Neher: Der Missionsverein oder das Werk der Glanbensverbreitung. Erzabt Ni Weber (St. Ottilien): Menschensorge für das Gottesreich, Gedanken über die Heidenmission. 3. Missions Verlag St. Gabriel, Post Mödling, Niederösterreich: Erste Theologenmissionskonferenz ■ in St. Gabriel, K 1,—. 4. Verlag der K i n d e r s r e u n d-A n st a l t, Innsbruck: Em. Huch: Ein großes Glück und eine heilige Pflicht, Gedanken über die Heidenmission. Handbüchlein des Werkes der heiliges Kindheit. 5. St. -Petru s-Claver - S o dali t ä t, Salzburg, Dreifaltigkeitsgasse 12: Vortragsskizzen für Missionsredner, drei Hefte zu 80 h. P. O. Heinz: Kinder- und Jngend-Mis-sionsbewegung, 20 h. Verschiedene Missionspredigten und Vorträge. Einzelne Ausgabe zu 10 h. II. Missionsschriften zur Verbreitung unter dem Volke. Verlag Herder, Freiburg i. Br.: Aus fernen Landen, Sammlung spannender Missionserzählungen für Jugend und Volk (in einzelnen Ausgaben). Verlag St. Rupert, Post Bischofshofen, Salzburg: P. Fischer: Mit Herz und Hand fürs Heidenland, begeisterndes Werbeschristlein, 15 h, zur Massenverbreitung. Van demselben: Christus ruft, Einla-duug zum Missionsberuf, 15 h. Verlag der St. -Petrus-Cla-ver-Sodalität, Salzburg, Dreifaltigkeitsgasse 12: Eine Reihe von interessanten Missionserzählungen für die Jugend in verschiedenen Sprachen und einzelnen kleinen Ausgaben zu 10 bis 20 h. (Z. B. Skapulier der Sklaven, Geschichte der kleinen Maria usw.) Die Aufgabe der katholischen Frauen am Missionswerk, 10 h. Das Apostolat der marianischen Kongregationen hinsichtlich der Heidenmission, 20 h. Missions- T h e a t e r u n d -S z e-n e n der S t. - P e t r n s - C l a v e r -S o d a l i t ä t: Kleine Hilfs-Missionärinnen, Weihnachtsspiel, nur Mädchenrollen, 30 h. Wie kann man Neger weißwaschen?, Schauspiel für Kinder, 20 h. Der Ruf Gottes, religiöses Drama in einem Akt (nur weibliche Rollen) 40 h. Zaida, das Negermädchen, Volksdrama in 5 Aufzügen, K 2,—. Spanien von Pesendorfer, die Schilderung der Wa erkapelle von Harter, das Prämonstratenier-Slifi Schlägl mit vielen Bildern, Der Herrgott von Jnnichen, Humoristisches aus dem Schul- und Kinderleben vom Redakteur, eine feinstilisierte Le-beusskizze über die heilige Katharina von Siena, Barrholomäus Holzhäuser (mit Bild), Ein tapferer junger Leutnant, die Erzählungen Goltesruf von Henriette Brey und Komm' heim von Berberich, tief empfundene Gedichte, die stets interessante Weltrundschau von P. Wolfgang Stocker, Literatur usw. Gesamtzahl der Bilder 37. Die Zeitschrift tritt demnächst in den 25. Jahrgang. Illustrierte Frauenzeitschrift „Elisabeth-Blatt" (Preßverein Linz, jährlich L2 Helte K 2- >ü, nach Deutschland K if30) hält auch im Kriege durch iitib bringt den Frauen in dieser schweren Zeit viel Trost, gute Anregungen und eine Unzahl praktischer Wink neben rrefflichem Unterhaltungsstofs. In den beiden letzten Heften finden wir den Artikel: Das Spielen mit der Puppe von Remagen, Habsbürgs Töchter von Hermine Proschko, Ein Blütenstrauß aus dem Wundergarten begnadigter Frauen von Pesendorfer, Wichtiges über den Alkohol vom ärztlichen Mitarbeiter Doktor Mayer, ehielt praktischen Artikel über Zimmerblumen, Bischofsworte an die katholischen Frauen uird Kinder, Der heilige Klemens Hofbauer im Dienste der Himmelskönigin von Liensberger, die Erzählung Mein Kind, es wird dir Segen bringen, Tagebuchblätter einer jungen Mutter von P. H., Trauukirchner Fronleichuamstag von Karl, Welche Gefahren drohen dein Hundeliebhaber, die farbenprächtige Reijeskizze Auf der Frühlingsjuche von Anna Esser, ein reicher Moden-, Handarbeits- und Wüscheteil, die Rubriken: für Küche und Keller, Frauenarbeil im Kriege, Frauen-Weltrundscha , praktische Anbauung von Notgemüse. 88 Illustrationen. Die Zeitschrift kann noch iimner bestellt werden. Benzigers Brachzeit-Bücher. Ins Feld und für daheim. Eine Sammlung guter Novellen, Erzählungen und Humoresken. Handliche Hefte in zweifarbigem Umschlag, geheftet und beschnitten. I. Folge. Nr. 14. „Auf den Spuren des Kampfes." Erlebnisse aus dem Etappengebiet der Njemen-Armee von E. Moriton. — Nr. 15. „rer Heck e n s ch ü W und andere Kriegserzäh-langen ails der Wallonie uub Flandern von R. Fabri de Fabris. Preis jedes Heftes 20 Pfg. (2> Cts.). Bei Partiebezug entsprechende Preisermäßigung. II. Folge. Nr. 7. „Das Recht der Toteil." Ein Friedensbild aus der Kriegszeit von Maurus Carnot. — Nr, 8. „Der g'sp affige Herr." Die Geschichte eines Einsamen von Sophie von Küns-berg. Preis jedes Heftes 30 Pfg. ;3"> Cts.) Bei Partiebezug entsprechende Preisermäßigung. Ber-lagsanstalt Benziger & Co., A.-G., Einsiedeln, Waldshut, Köln a. Rh., Straßburg i. E. Vier neue Nummern von „Benzigcrs Brachzeit-Bücher" sie erscheinen eben recht, um dein in diesen Tagen wieder laut und dringlich sich erhebenden Ruf der Feldgrauen nach Lesestoff zu begegnen. „Benzigers Brachzeit-Bücher" seyen der trübeil Flutwelle moderner Schundliteratur einen mächtigen Damm entgegen. Wer für ihre Verbreitung sorgt, dient einer edlen Sache. Die Smderzeitschrisi „kleines Ave Maria" (jährlich 12 Nummern K. 1 '36, Verlag Preßverein Linz) hat schon gegen 40.000 Abonnenten gewonnen. Das Aprilheftchen bringt: Frühlings-erlvacheu, Das patriotische Ministrantenbüblein, Zur öfteren heiligen Kommunion, Napoleon auf St. Helena, Das Märchen vom Marienkiild, die heitere Erzählung Schuster Lists blonder Riesenzopf, Die Königstochter vom Rhein. Das Maiheftchen bringt eine Reihe von lustigen und heiteren Beiträgen, alle von hervorragenden Kinderschriftsteilern verfaßt. Sine Antwort des Papstes Benedikt XV. an die 6eneral=keiferin der St.=Petrus=Ciaver=Sodalität. Wie alljährlich hat die General-Leiterin der St.-Petrus-Claver-Sodalitnt, Gräfin Ledüchowska, dem Papste durch den Staatssekretär Kardinal Gasparri die gebundenen verschiedensprachigen Jahrgänge des „Echo aus Afrika" übermitteln lassen und gleichzeitig einen Bericht über die Tätigkeit und die Erfolge der St.-Petrus-Claver-Sodalitüt im abgelaufenen Jahre erstattet. Nilii hat Gräfin Ledüchowska, wie aus Wien berichtet wird, über Zug nachstehende Antwort vom 31. März erhalten: „Dem in ihrem Briefe vom 1. d. M. zum Ausdruck gebrachten Wunsche habe ich gerne entsprochen und Sr. Heiligkeit die gesandten Druckschriften übermittelt als ein Zeichen der Huldigung seitens der St.-Petrus-Claver-Sodaliiat, deren verdienstvolle General-Leiterin Sie sind. Gleichzeitig habe ich dem Heiligen Valer sehr gern all das mitgeteilt, was Sie mir im besagten Brief über die schönen reichlichen Gaben berichteten, die die genannte Vereinigung ungeachtet der durch die gegenwärtige traurige Weltlage verursachten Schwierigkeiten auch im vergangenen Jahre auf zubringen vermochte? Dem Herzen des Stellvertreters Jesu Christi haben diese frohen, tröstlichen Nachrichten großen Trost bereite!. Er freut sich mit Ihnen und allen eifrigen Personen, die, sei es durch ihre Tätigkeit oder durch ihre Almosen, zur Erreichung des edlen Zieles der frommen, Wohltaten spendenden Sodalität beitragen. Was die Beteuerungen kindlicher Liebe und ergebenen Anhänglichkeit betrifft, die Sie demütig nur Throne des erhabenen Oberhirten niederlegten und in denen Sie sowohl Ihre als der ganzen Bereinigung Gefühle zum Ausdruck brachten, so wurden * Wie uns aus Salzburg mitgeteilt wird, betrugen die Gesamteinnahmen im Jahre 1916: 867.298 K 41 h (1915: 448.867 K 32 h), d. i. eme Mehreinnahme von 418.430 K l 59 h, also fast eine Verdoppelung. Anm. b. Red. dieselben mit besonderem Wohlwollen von Seiner Heiligkeit aufgenommen. Der Heilige Vater spricht Ihnen Frau General-Leiterin, durch mich seinen lebhaftesten Dank aus und erteilt als Beweis seiner väterlichen Liebe sowohl Ihnen als jedem einzelnen Mitglied Ihrer verdienstvollen Sodalitüt aus ganzem Herzen den erbetenen Apostolischen Segen." Fur Men, welche Adens- imü MiWnspkiester werden wollen. In unserem WiMM in lOinl Bei tirni werden brave und talentierte Knaben aufgenommen und zu — = Missionspriestern herangebildet. ======== Bedingungen der Aufnahme: Selbständige Neigung und sonstige Zeichen des Berufes zum Ordens- und Missionspriesterstand. 2. Gelehriger, lebhafter, offener Charakter; energischer, standhafter, opferfteudiger Wille; sittliche Unverdorbenhcit. 3. Gesundes Urteil und gutes Talent das befähigt, leicht und ohne Anstand die ganzen Gymnasialstudien durchzumachen. 4. Gute Gesundheit und kräftiger Bau, frei von körperlichen Fehlern. 5. Alter von ungefähr zwölf Jahren. Für die erste Klasse wird ein Alter nicht unter zehn und nicht über zwölf Jahre erfordert. i>. Pensionsbeitrag nach Uebereinkommen mit de» Eltern oder deren Stellvertretern. Weitere Aufschlüsse werden bereitwilligst vom Obern des Missionshauses erteilt. Man wende sich vertrauensvoll an die Adresse: P. Rektor des Missionshauses m Millaub bei Brisen, Tirol .4 miimiiimiiiijiim ITT AA AA "U ebrauchie Briefmarken n und 1*1 ntrhettiitsstmluttgum ~mm werden mit herzlichem „Vergelt's Gott!" von der Verwaltung des Missionshauses in Milland bei Brixen entgegengenommen. - niiimmiiiiiimiMiiiiimmiiiii iiiMiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiuiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiriiiiiiiiiiiuiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiu~