Erzherzog Karl in der Schlacht bei Aspern. IMatenjrihe. ^rriserMlung von Rosa Barach, Hcisa^rm cler Dcciscrzä^nng ' u s c lg n c r A r a s t." A!otto: Gut und Blut für's Vaterland! Wien 1879. Druck und Derlag von Ni. IDaizner I., Giielastraße 11. I. Kapitel. Die tolle Lene. Motto: O sorge, daß Dein Herze glüht, Und Liebe hegt und Liebe trägt, So lang ihm noch ein anderes Herz In Liebe warm entgegen schlägt Freiligrat h. „Didirom dom dom, didirom dom dom, didirom dom dom, dom dom, rechts um, Marsch!" commaudirte ein etwa 12jähriger Knabe seine Kameraden und legte dabei eine solche Energie an den Tag, als ob er das Ding nur so mit auf die Welt gebracht hätte. Er verstaub das Exerziren aber auch, wie nicht bald Einer, denn sein Vater war ja Soldat, und von dem hatte er es gelernt, und darum sah er auch so stolz auf den Knirps an seiner Seite, der auf die Trommel losschlng, daß es eine rechte Lust war, ihm zuzu¬ sehen; die Trommel aber — ich will es Euch, Ihr lieben jungen Leser, ganz leise in's Ohr sagen — die Trommel war nichts ande¬ res, als ein altes Mehlsieb, welches Mütterchen auf den Altar des Vaterlandes niedergelegt hatte, und Ihr könnt Euch denken, daß die Schlägel in treuer Anhänglichkeit an diese Trommel nichts anderes waren, als zwei altersschwarze Kochlöffel, welche in der Hitze des „Umrührens" gar manchen Kampf bestanden. Was Wunder, wenn unsere liebe Trommel ihren Schall aus des Tambours Munde borgen mußte. Ein anderer Liliputaner schwang die Fahne, die es sich als weiland Küchenschürze nicht träumen ließ, zu welch' hoher Würde sie die Ersindungsknnst der Kinder ausersehe, obgleich gewaltige Lücken, welche sie im Kampfe mit des Feuers Macht davon getragen, ihr ein recht ehrwürdiges Aussehen verliehen. i 4 Die Knaben hatten papierene Mutzen auf, von denen stolze — natürlich papierene — Federn wehten, nur Connnandant F r i tz- chen hatre als Abzeichen seiner Würde einen prächtigen Federbnsch anfgesteckt, den man — IHv müßt mich nicht verrathen — vor einer Weile im Hühnerhofe aufgelesen. „Vorwärts, marsch!" rief er lustig, und da wirbelte die Mehlfiebtrommel, da wehte die Küchenschürzenfahne, die Colonnen stürzten auf einander los, nnd geschmückt mit einer tüchtigen An¬ zahl Beulen, die von der Tapferkeit der Feinde ein glänzendes Zengniß gaben, nahm Fritzchens siegreiche Armee von dem Zie¬ gelhaufen Besitz, hinter welchem sich die Feinde verschanzt hatten. Und wieder gings „didirom dom dom, rechts um, marsch!" Doch als die kleinen Soldaten sich in Bewegung setzten, da tönte ein kräftiges „Halt" und einige Knaben brachten einen Ueberläufer geschleppt, den sie alle Mühe hatten fest zu halren, so sehr sträubte er sich und stieß mit beiden Ellbogen der Art um sich, daß die Anderen eine rechte Noth gehabt hätten, ihn länger festzuhalten, wenn sie nicht eben jetzt bei Kommandant Fritzchen angelangt wären. „Warum hast Du uns verrathen?" fragte Fritz mit einem Ernste, der einem wirklichen Commandanten alle Ehre gemacht hätte, und sah den Knaben dabei so tief traurig an, als ob es sich, weiß Gott, um was für ernste Dinge gehandelt hätte. Aber es ist auch ein gar ernstes Ding um das Kinderspiel; denn aus der Art, wie Kindel spielen, kann man wol auf ihren künftigen Charakter schließen. Sagt ja schon ein altes Sprichwort: „Was ein Haken werden will, krümmt sich bei Zeiten." Der kleine Verräther steckte die Hände in die beiden Taschen seiner Beinkleider und antwortete mit frechem Lachen: „Sie haben mich halt gefangen, gestrenger Herr Commandant, nnd was hätte ich also thun sollen?" „Sterben", antwortete Fritz, indem er den Knaben mit seinen ehrlichen Augen ganz erstaunt ansah, „lieber sterben, als ein Verräther sein!" „Ei, mein Junge, Du machst verteufelt wenig Umstände mit dem Sterben," rief eine heisere Stimme, und als Fritz sich um- 5 wandte, blickte er in das harte, unfreundliche Gesicht des rothen Schreibers, den man auch den Schreiber-Caspar nannte. Er war ein kleines, vertrocknetes Männchen mit gelbem, runzeligem Gesichte, aus dem die schielenden, kleinen, grauen Augen unheimlich hervorleuchteten; die dünnen bläulichen Lippen waren stets zu einem hämischen Lächeln verzogen und die brennend rothen Haare, welche wie Borsten in die Höhe standen, trugen nicht dazu bei, den Eindruck dieses abstoßenden Bildes zu mildern. „Was mischt Ihr Euch in unser Spiel, Caspar?" sagte Fritz; „laßt uns nur machen und geht Eueres Weges!" Mit diesen Worten wandte er sich wieder zu dem kleinen Verräther, doch dieser hatte den günstigen Moment benützt und lies, was er konnte, auf und davon. Da brach Schreiber-Caspar in ein boshaftes Lachen aus und sagte: „Ja, mein Bürschchen! die Nürnberger hängen Keinen, ehe sie ihn haben, und wenn man alle Verräther hängen würde, ha, ha!" — Unwillkürlich griff er bei den letzten Worten an seine Hals¬ binde, als ob ihn dort etwas beengen würde; Fritz aber ant¬ wortete : „Hört mal, Caspar! wenn ich einmal groß bin und ein Soldat und Commandant werde, dann lasse ich alle Verräther hängen; ja das könnt Ihr mir glauben!" „Hi, hi, hi!" tönte es in diesem Augenblicke wie ein heiseres Lachen unheimlich durch die Luft, und, wie von einer Natter gestochen, zuckte Caspar zusammen und schlich sich davon, während die Knaben mit dem Rufe: „Die tolle Lene, die tolle Lene!" erschrocken auseinander stoben. Nur Fritz war stehen geblieben und sah die tolle Lene mehr mitleidig, als furchtsam an. Sie hatte ihrem alten ver¬ schossenen Kleide eine Menge bunter Lappen angehängt, die Füße staken in großen schlotternden Schuhen, um die Schulter hatte sie ein rothes Tuch phantastisch geschlungen; die zitternden, knochigen Hände deckten lange Handschuhe, welche Geschichten aus einer anderen, glänzenden Zeit erzählten, und aus dem gelben Stroh¬ hute, der mit einer Menge alter Kunstblumen benäht war, quollen 6 die grauen ungekämmten Haare wirr auf die Stirne hervor. Es war ein gar trauriges, seltsames Bild. Sie legte das Bündel Holz, das sie über die Schulter ge¬ worfen hatte, neben sich hin, sah den Knaben einen Augenblick stier an und sagte dann: „Warum läufst Du nicht auch davou, Bürschchen, he? Ich bin ja die tolle Lene, hihihihi! die tolle Lene! Lauf, lauf, mein Püppchen, lauf!" „Ich fürchte mich vor Euch uicht, Mutter Lene!" antwortete Fritz. „Ihr habt ja noch Niemandem was zu Leide gethau. Ich mag es auch gar nicht hören, wenn sie Euch die tolle Lene nennen. Ach! Ihr müßt wol recht arm und unglücklich sein, denn Ihr habt ja Niemand, der Euch liebt!" Da zuckte es wie ein Blitz über die verwitterten Züge der tollen Lene; wie aus einem Traume erwachend, sah sie ihn an; der Stock, den sie drohend gegen jene Knaben erhoben hatte, sank zu Boden; der Kopf fiel tief auf die Brust herab, und mit herz¬ erschütterndem Tone rief sie: „Nein, nein, nein! Niemand, der mich liebt!" Wie ein gellender Aufschrei hatten die Worte geklungen; dann faßte sie mit einer Hast, als müßte sie vor irgend etwas entfliehen, ihr Hvlzbündel wieder, um es mühselig weiter zu schleppen, allein mit einem Sprunge war Fritz an ihrer Seite und sprach voll Mitleid: „Gebt her, Mutter Lene! ich will Euch das Holz da nach Hause tragen." Energisch schüttelte sie mit dem Kopfe, allein, als sie ihm ins Auge sah, da zuckte es wieder wie ein Blitz über ihre Züge; willenlos wie ein Kind ließ sie sich das Holz abnehmen, und, in düsteres Hinbrüten versunken, ging sie neben dem Knaben her, als ob er für sie gar nicht da wäre, und murmelte: „Nein, Niemand, der mich liebt — Ivar nicht immer so — hatten sie lieb die Lene — das arme blonde Engelskvpfchen ; — wie sie zischen, die Feuerschlangen ! — hei, wie das brannte lichter¬ loh ! — Ha, es war eine schaurige kalte Nacht — und die Leu e, die Lene mußte hinter Schloß und Riegel, die arme Lene, eine 7 Brandstifterin, eine Diebin — hihihihi! mein Kind, mein armes, armes Kind!" — Ein Schluchzen hob krampfhaft ihre Brust, der Kopf fank noch tiefer herab und noch leiser fuhr sie fort: „Die arme Lene, die Niemand liebt, — der Leichenmann ist gut, hat mit der Armen Mitleid — die Todten sind auch gut, liegen steif und kalt, können nicht mehr Böses thun, hab sie lieb, die Todten, hihihihi!" Sie kicherte leise in sich hinein und stieß mit dem Fuße die Thüre auf zum Todtengräberhäuschen, an dem sie eben angekommen waren. Dem Knaben ward es ganz traurig zu'Muthe; denn wenn er auch ihre wirren Reden nicht verstand, so fühlte er doch, daß die Arme recht unglücklich sein müsse. Die Hellen Thränen liefen ihm über die Wangen, seine Hand fuhr schmeichelnd an ihrem Arme hernieder und schüchtern sprach er: „Seid gut, Mutter Lene! ich will Euch ja recht, recht lieb haben." Allein sie hörte es nicht. Mit geistlosem Blicke in die Leere starrend, trat sie in die unheimliche Kammer und schlug die Thüre hinter sich zu. Sachte und geräuschlos legte Fritz das Holz in den Flur, sagte leise: „Gute Nacht, arme Lene!" und ging, als ob er sie nicht stören wollte, auf den Zehenspitzen fort. 8 2. Kapitel. Gut und Blut siir's Vaterland! Motto: Der Gott, der Eisen wachsen ließ, Der wollte keine Knechte; Drum gab er Säbel, Schwert und Spieß Dem Mann in seine Rechte. Drum gab er ihm den freien Muth, Den Zorn der freien Rede, Daß er bestände bis auf's Blut Für's Vaterland die Fehde. Arndt. ährend Fritz „die tolle Lene" zum Todtengräberhäns- chen begleitete, hatten sich die Knaben auf dem großen Platze des Dorfes wieder gesammelt, nm ihr Spiel fortzusetzen. Ein sonniger Abend lag liber die Landschaft ausgebreitet, die niedrigen weißgetünchten Hauser des Dorfes standen da, wie zierliche Nippes von kunstvoller Hand in den grünen Teppich ein¬ gestickt ; im Laub der großen Linde mitten auf dem Platze zwitscherten die Vögel, Schwälbcheu stand auf dem höchsten Aste und schmetterte jubelnd fein „Willkommen!" in die Lüfte, dann flog es unter das Rohr¬ dach, stellte sich ans den Rand des Nestchens und blickte mit klugen Aeuglein hinein, ob es auch noch warm und weich genug sür die junge Brut sei, machte dem heiligen Florian in der Mauernische einen Anstandsbesuch und schwirrte mit langem Fluge rings um den Platz, als müßte es Alles und Jedes begrüßen. Allein die Bewohner des Dorfes schienen von dieser Abend¬ herrlichkeit nichts zn empfinden. Die Bauern saßen mitten auf dem Dvrfplatze unter der großen Linde, an der ein verwittertes Mutter¬ gottesbild hing, und hielten großen Rath, denn es war im Früh¬ jahre 1809, einer für Oesterreich so ereignißreichen Zeit. Wie Ge¬ witterschwüle lag es auf allen Gemächern, und die Nachrichten, 9 welche nur spärlich in dieses stille, weltvergessene Dörfchen drangen, waren auch nicht darnach angethan, die aufgeregten Gemüther zu beschwichtigen. Die guten Bauern redeten hin und her und legten sich die verschiedensten Fragen vor, wie es wvl in Zukunft werden würde, und mitten unter ihnen saß ein Mann in Soldatenkleidern, und blickte, ohne au ihrem Gespräche theilzunehmeu, sinneud in die Landschaft hinaus. Es war des kleine» Fritze Vater, der „Sol- datenfritze", wie ihn die Bauern nannten, weil er immer Soldatenkleider trug. Zwar konnte er den Abschied längst in der Tasche haben, allein er hatte freiwillig die letzten Feldzüge mitgemacht, und mochte auch jetzt nicht sein Soldatenkleid an den Nagel hängen. „Ich habe des Kaisers Rock in Ehren getragen", pflegte er oft zu sagen, und so lange ein Faden an dem andern hängt, thu' ich ihn nicht aus." Die Bauern des Dorfes hatten einen ungeheuren Respekt vor dem Soldatenrocke und vor dem Soldatenfritze, denn er war ein strammer, kräftiger Mann, der das Herz immer auf der Zunge trug. In seinem breiten, offenen Gesichte stand in schönen, männlichen Zügen die Ehrlichkeit geschrieben und mit den großen Augen blickte er so offen in die Welt, als gehörte sie ihm ganz und gar. Ja, dem offenen, ehrlichen Menschen gehört auch die ganze Welt, ihm verschließt sich keine Thüre, und so war auch Soldatenfritze geliebt und geachtet von Allen, obwohl er als ganz kleiner Junge ins Dorf gebracht worden und weder er selbst, noch sonst eine Menschenseele wußte, wem er eigentlich an¬ gehöre. Ehrliche Arbeit, die Liebe für den Nächsten, denen er stets mit Rath und That an der Seite stand, ein treues, gutes Herz und ein Heller Verstand gaben ihm Heimat und einen wohlklingenden Namen, und die Bauern liebten und achteten ihn. Er hatte sich durch fleißige Arbeit eiu liebes, trautes Heim geschaffen und bebaute sein Stückchen Feld, und wenn sein Kaiser rief, dann vertauschte er freudig den Pflug mit der Waffe und zog in den Kampf hinaus. 2 10 Was mochte es nun sein, daß er jetzt so sinnend dasaß, ohne auf das Gespräch der Bauern zu achten? Es mußten gar wichtige Dinge sein, die ihm im Kopfe herumgingen und ihm keine Ruhe ließen, und fo war es auch. Als er nämlich gestern spät am Abend um sein Häuschen herumging, ob auch Alles richtig und in Ordnung sei, da sah er zwei unbekannte Männer vorsichtig aus dem Gebüsche hervorlugen, welches seinen Garten umzäunte. Die beiden Männer waren nun, da man im Dorfe oft Fremde sah, nichts besonderes, allein, wer ehrlich denkt, dachte Fritze, der darf sich nicht erst verstecken, und da man in Kriegszeiten auf Alles, auch auf das Kleinste Acht haben soll, so beschloß er, auf der Hut zu sein, nnd wollte eben ins Haus zurück, um init seiner klugen Franzl darüber zu sprechen; da sah erden Schreiber-Caspar vorsichtig um die Ecke kommen, und wie der Blitz tauchte der Gedanke in seiner Seele auf, daß der Schreiber und die Fremden zusammen irgend etwas vor haben müssen. Der Schreiber aber, der ihn erblickte, wich seinem forschenden Blicke aus, pfiff ein Liedchen und ging vorüber, ihm verstohlen noch einen haßerfüllten bösen Blick znwerfend. Sold atenfritze überlegte, daß es doch wohl Zufall sein könne, daß der Caspar hier vorüber ging, doch was er sich auch sagen mochte, seltsam genug, tauchte neben den beiden Fremden in seinen Gedanken immer wieder der rothe, struppige Kopf Schreibe r- Caspar's empor und ließ ihm keine Ruhe. Soldaten fr itze war ein Mann, der nicht im Stande war, das kleinste Unrecht zu ertragen; sein Gerechtigkeitsgefühl sträubte sich mächtig dagegen, allein er konnte auch um Alles iu dec Welt Niemandem ein Unrecht thun, und so saß er jetzt eben da nnd überlegte, wie er es eigentlich anfangen sollte, um der Sache mit den beiden Fremden auf die Spur zu kommen, ohne Jemandem Schaden zuzufügen. Da keuchte der Apfelwirth athem- los daher, so daß seine rothe Zipfelmütze die possirlichsten Bewe¬ gungen hervorbrachte, stemmte, unter der Linde angekvmmen, die beiden großen Hände ans seine Knie, daß seine kugelrunde Gestalt recht komisch anzusehen war, und rief: II „Ei, da sitzt Ihr ja Alle und habt Maulaffen feil. Wißt Ihr denn nicht, die Franzofen find da!" „Die Franzosen sind da?" fragten verblüfft die Bauern. „Ja, die Franzosen sind da," antwortete der Apfelwirth, ihr Erstaunen nachäffend, „ja, der Bader ist aus Wien gekommen und der hat sie mit seinen leibhaftigen Augen gesehen, die Franzosen die" - „Potz tausend Element", rief jetzt Soldatenfritze, und fuhr auf seinem Sitze herum, „macht nicht solch erstaunte Gesichter; wenn die Franzosen da sind, dann bin auch ich da, der Sol¬ datenfritze!" Er stand auf, zog seinen Soldatenrock zurecht, schaute die Bauern mit seinen großen, ehrlichen Augen an und setzte stolz hinzu: „Denn, Gott sei Dank, ich habe des Kaisers Rock alleweil in Ehren getragen!" „Macht nicht so viel Aufhebens, Soldatenfritze!" sagte der S chr e ib e r - C a s p a r, der eben hinzukam und seinem Aerger über die Begegnung mit der tollen Lene gerne Luft machte, „macht nicht so viel Aufhebens! wer weiß, ob Ihr nicht selbst ein kleiner Franzose seit." „Potz tausend Element", rief Soldatenfritze und stieß feinen Stock so kräftig gegen den weichen Erdboden, daß derselbe dort aufrecht stehen blieb. Der Schreiber aber, der über seine große Brille hinweg hämisch zu Fritzen hinüber sah, setzte prahlerisch hinzu: „Wenn Unsereinem das Herz im Leibe warm wird, so ist das begreiflich, doch Ihr" - Er zuckte verächtlich mit den Schultern, während Soldaten¬ fritze vor Entrüstung kein Wort erwidern konnte. Endlich aber faßte er sich, sah den rothen Schreiber mit einem Blicke an, als müßte er dessen Innerstes ergründen und sprach: „Und das sagt Ihr mir? Ihr, der Ihr, ich wette mein Seelenheil, keine gute Ader im Leibe habt! Seht mich nicht so giftig an! ich nehme kein Blatt vor den Mund und was ich vor Gott dem Herrn denken darf, das scheue ich mich nicht, vor Men¬ schen auszusprechen. Ich kenne meine Leute, und ich sage Euch: Wer vor einem ehrlichen Manne die Augen niederschlägt, der ist 12 kein ehrlicher Mann, und iver bei Nacht nnd Nebel im Finstern schleicht, der schenk den Hellen Tag. Merkt das, ich sag es Euch, Soldatensritze. Und ich sage Euch auch, ich bin ein Oester¬ reicher mit Leib und Seele, das fühle ich da drin in meiner Brust, und wer es nicht glaubt, dem zeige ich dieses da! Das Ehren¬ zeichen wurde mir im Kampfe um Oesterreich aufgedrückt." Bei den letzten Worten schob er sein Soldatenkäppchen auf die Seite, so daß eine kaum vernarbte Wunde, die von einem tüchtigen Säbelhiebe herrührte, dort sichtbar wurde. Die Bauen: aber schwiegen, sie mochten sich nicht in den Streit mengen, denn mit dem rvthen Schreiber, der sich lange in der Fremde hernmgetrieben hatte nnd von dem man nichts Gutes sagen konnte, mochte Niemand gern anbinden. Sie fürchteten seine Bosheit, er hatte die paar Jahre her, daß er im Dorfe lebte, ihnen, wenn der Zehent einzutreiben war, gar oft arg mitgespielt und wehe dem, der seinen Zorn reizte. Er wußte wol, daß mau ihn fürchtete, und er haßte Sold atenfritzcn schon darum, weil ihn Alle liebten nnd weil er ihn: bei jeder Gelegenheit die Wahr¬ heit ins Gesicht sagte, die für Caspar selten eine Schmeichelei enthielt. Darum antwortete er jetzt mit der ihm eigenen Bosheit: „Hm, seid wol im Rausche hingefallen, Sol datenfritze!" Jetzt loderte der Helle Zorn in dem tief beleidigten Gemüthe des Soldatenf ritze mächtig auf, und herbe Worte traten auf seine Lippen; allein da legte sich eine Hand besänftigend auf seine Schulter und als er sich umwandte, blickte er in das milde, freund¬ liche Gesicht des greisen Pfarrers. Verlegen griff er an seine Mütze und sprach: „Nichts für ungut, Herr Pfarrer! allein es gibt Dinge, die unsereinem das Blut heiß machen." „Laßt es gut sein, Solda tenfri tze," antwortete freundlich der würdige Greis, „nnd hadert nicht nur einen leeren Schall! Den Menschen kennzeichnet nicht das Wort, sondern die That. Ihr seid ein wackeres Herz nnd Euer Anblick hat mich allemal erquickt die Jahre her, die ich Ench kenne. Bleibt auch wacker, Freund! es kommt eine Zeit und die ist nicht gar ferne, in der wir starke Arme und treue Herzen brauchen." 13 Ein freudiger Schimmer glitt über die ehrlichen Züge de.s S oldatenfritze, so sehr vermag ein gutes Wort am rechten Ort sich besänftigend aus Menschenherz zu legen; der Greis aber wandte sich au die Bauern, die ehrfurchtsvoll dastaudeu, und sprach: „Laßt, meine Freunde, den nutzlosen Hader! die Zeit ist traurig und gewitterschwer; die Feinde rücken heran und wir müssen auf das Aergste gefaßt sein. Schwer trägt das Land au dem unseligen Kriege, Krankheiten und Leiden aller Art haben bereits ihr düsteres Netz um dasselbe gezogen; das Volk ist ver¬ armt, der gute Kaiser Franz, den Gott segnen möge, hat bereits seit zwei Jahren die Kosten des Krieges ans eigenem Beutel bestritten, um seinem geliebten Volke nicht noch mehr Lasten aufzuerlegen, und als er leer geworden, da ließ der edle, gute Kaiser sein gol¬ denes Tafelgeschirr einschmelzen und daraus Geld prägen." Die Bauern nickten zustimmend mit den Köpfen; der Pfarrer aber, der stets in der würdigsten Weise seinen Stand vertrat, fuhr fort: „Die opferfreudige That des geliebten Herrschers hat eine solche Begeisterung Hervorgernfen, daß die Bürger freudig ihre Schätze niederlegten auf den Altar des Vaterlandes; die Innungen brachten ihre goldenen Insignien, ja selbst die Frauen trugen ihren Schmuck herbei, und so wetteifern Kaiser und Volk, um sich in treuer Anhänglichkeit die Lasten und Leiden des Krieges tragen zu helfen. Allein all' die Begeisterung, all' der Opfermuth der braven Oesterreichcr, welchen sie bei jeder Gelegenheit an den Tag legten, vermochte nicht das Land vor dem übermüthigen Feinde zu retten. Immer größer wurde durch Verrath und durch den Treubruch der Verbündeten ihre Schaar, immer näher rückten sie gegen Wien, immer dringender wurde die Gefahr; doch der edel- müthige Kaiser Franz konnte das Blut seiner treuen Bürger nicht fließen sehen; er konnte die Stadt nicht den Leiden einer langen Belagerung und ihren Folgen preisgeben, daher übergab er am 13. Mai die Stadt dem Feinde, welcher vor Pnrkersdorf stand, ohne Schwertstreich. Die Franzosen sind in Wien und Na¬ poleon diktirt von Schönbrunn aus den armen Bürgern seine maßlosen Forderungen. Dem guten Kaiser blutete das Herz und nur ans Andringen seines getreuen Volkes konnte er bewogen 14 werden, die Stadt zu verlassen und sich nach Olmütz zu begeben, während Erzherzog Karl in Baiern dem Feinde gegenübersteht. Drum auf, meine Freunde, auf für Kaiser und Land! Hier gibt es kein nutzloses Jammern, kein müßiges Zusehen; laßt nicht ent- muthigt Kopf und Arme sinken! Jeder helfe und kämpfe nach seiner Weise, Alle für Einen, Einer für Alle! Auf, auf, meine Freunde, und Gott mit Euch!" Er schwieg bewegt; aus seinen Augen strahlte ein begeistern¬ des Feuer, die Bauern standen traurig da, Soldatenfritze aber sprang auf und rief: „Gut und Blut für's Vaterland! Wer mit mir eines Sinnes ist, der schlage ein!" Da entblößten die Bauern ihre Häupter, ein anderer Geist kam über sie, sie streckten dem Fritze die Hände entgegen und riefen: „Gut und Blut für's Vaterland!" Drüben standen lautlos die Knaben und gar Manchem mag dies Bild in späteren Tagen vorgeschwebt und ihn begeistert haben. Fritzchen sprang herbei, hing sich an den Arm des Vaters und sprach: „Wenn ich einmal Soldat werde, Vater, dann mach' ich es, wie Du." Da hob der Fritze seinen Jungen jubelnd in die Höhe. Die Anderen schlugen, von der Macht des Augenblickes fortgerissen, auf ihre Mehlsiebtrommel los, schwangen ihre Küchenschürzenfahne und riefen: „Gut und Blut für's Vaterland!" Es war ein erhebender Augenblick. Nur Einer war unge¬ sehen davongeschlichen, und dieser Eine war — der Schreiber- Caspar. 15 3. Kapitel. Einst und Jetzt. Motto: Durch den Wald, den dunkeln, geht Holde Frühlingsmorgenstunde. Durch den Wald, den dunkeln, weht Eine leise Liebeskunde. All' das frohe Lenzgeschick Nicht ein Wort des Himmels kündet; Rur ein stummer warmer Blick Hat die Seligkeit entzündet. Lenau. d^un, meine lieben, freundlichen Leser, habt Ihr gewiß, wie unser F ritzchen, recht Mitleid mit der armen, tollen Lene, und Ihr möchtet gar zu gerne wissen, was sie so elend und un¬ glücklich gemacht habe, die Arme, die Niemand liebt. Ach! Es ist ein hartes Wort, von Niemandem geliebt sein, und wenn mich Niemand liebt, dann möchte ich gestorben und be¬ graben sein. Doch es war nicht immer so gewesen; die arme Lene hatte gar frohe Tage gesehen, und wurde von Allen geliebt, die sie nur kannten, uud wer ihr einmal in die lieben, guten, so treuherzigen Augen gesehen, der konnte sie gewiß nicht wieder vergessen. Draußen im Walde im Försterhäuschen war ihre Wiege ge¬ standen, und mit den duftigen Waldblüthen wuchs sie gar lieblich empor und nannte jede bei ihrem Namen. Sie koste und sprach mit ihnen, wie mit lieben, guten Menschen, als müßten sie sie ver¬ stehen, wenn sie ihre Köpfchen so leise an das aufjubelnde kleine Herz drückte. Rehe uud Hirsche kannten ihren Ruf uud rannten zutraulich herbei, um das duftende Gras aus ihrer Hand zu fressen. Sie lief um die Wette mit ihnen durch den grünen Wald, sie liebte jedes Käferchen, die Vöglein, welche singend und schmei- 16 chelnd ihr Köpfchen umflatterten, und die häßlichen Thierchen, die Kröten lind Eidechsen, die von den Menschen gefürchtet und ohne Ursache gemieden werden, mit denen hatte sie Mitleid und liebte sie noch viel mehr, und suchte durch ihre Liebe gewissermaßen das Unrecht der Natur wieder gut zu machen. So wuchs sie zur Jungfrau heran und mitten in der herr¬ lichen Natur entfalteten sich die Schätze ihres reichen Gemüthes. Oft kniete sie mitten im tiefsten Walde und hob stumm die Augen empor zum sonnigen Himmel; sie hatte keine Worte, ans- zudrücken, was sie empfand, angesichts der behren Pracht der Natur, iu tiefer Waldesstille. Ein unendliches, dankerfülltes Gebet lag in ihren Blicken, sie preßte die Hände an das hochklvpfende Herz und die Thräne, die ihr unbewußt ins Auge trat, war ein Gebet, so rein, so innig, so aus tiefster Seele kommend, wie es nur vou guten unverdorbenen Menschen gebetet werden kann. So kniete sie au einem herrlichen Sommermorgen, in ihre Andacht versunken, im Walde. Thauperlen glitzerten um sie in wunderbarem Farbenschimmer, und sie selbst, frisch und rosig, wie der junge Morgen vom Sonnengott) umflossen, welches Strahlen nm ihr jugendliches Haupt zu weben schien, glich einer kleinen Fee, die auf dieses stille Waldplützchen niedergestiegen war, um cs zu beglücken. Da rauschte es leise im Gebüsche und als Leuchen sich umwandte, erblickte sie staunend eine zarte liebliche Frauengestalt, die wie eine überirdische Erscheinung vor ihr stand. Ein leichtes, weißes Morgenkleid umhüllte aumuthig die schöne, ebenmäßige Gestalt; hellblonde Locken, welche im Sonnen¬ strahle wie flüssiges Gold schimmerten, stossen über den Nacken herab, am Arme hing ihr ein breiter Strohhnt und mit den großen blauen Augen blickte sie auf das knieende Mädchen herab, und fragte befremdet: „Kind, wer bist Du?" und schelmisch setzte sie hinzu: „Bist Du nicht Rvthkäppchen, das sein Mützchen verloren und sich im Walde verirrt hat?" „Nein", erwiederte Leuchen und sah freundlich empor zu der lieblichen Erscheinung, „ich bin Förster's Leuchen und dort hinter den alten Erlen, dort steht unser Häuschen." 17 „Und was machst Du hier?" fragte die Fremde. Da überstoß ein Helles Roth Lenchen's Gesichtchen, mit lieblicher Befangenheit fenkte fie die Blicke, pflückte ein Gänse¬ blümchen, und indem sie es mit den kleinen rosigen Fingern zärt¬ lich streichelte, sagte sie aufstehend: „Ich weiß es nicht, was ich that, aber mir war, als müßte ich den ganzen Wald, die Hirsche und die Rehe, die Leuchtkäferchen und die Blumen und die Vöglein alle an mein Herz drücken und mit ihnen hineinstiegen in den blauen Himmel dort, wo die gol¬ denen Wolkenschäfchen stehen, und gar oft ist es mir so. Ach! ich habe meinen Wald so lieb!" Mit feuchten Augen blickte fie der Fremden ins Gesicht, diese aber schlang die zarten weißen Arme um Lenchen's Nacken, sah ihr innig in die lieben Augen und fragte: „Willst Du auch mich lieb haben, Lencheu? Willst Du mir Schwester, Freuudin sein?" Es war ein langer, inniger Blick, mit dem Leuchen die Fremde ansah, dann legte sie ihr Köpfchen an die Brust der Bittenden. Zwei große Thränen glänzten in ihren Angen, diese aber zog sie fort nach der Lichtung des Waldes, zeigte ihr die Thürme des Schlosses ihrer Eltern und sprach: „Und nun komme ich täglich zu Dir in den Wald, von dem Du mir wohl, als seiner künftigen Herrin, ein ganz kleines Stück¬ chen gönnen wirst, nicht wahr, Du liebe, kleine Hexe, Du?" Hand in Hand, als hätten sie sich von jeher gekannt — gute Menschen finden sich ja schnell — schritten sie durch den Wald und hatten einander so viel zu fragen und zu erzählen, daß es gar kein Ende nehmen wollte. Lenchen liebte nun ihren Wald noch viel mehr; die schöne junge Gräfin Else war seine Fee, welche Lenchen zu neuem Leben weckte, die ihr von dem Glanz und der Pracht da draußen in den Städten erzählte und eine Welt von nie gekannten Ge¬ fühlen in ihrem Herzen weckte, und der Bund war geschlossen, welcher für die arme Lene so verhängnißvoll werden sollte. Gräfin Else, die liebliche Waldfee, wurde als Hoffräulein an den Hof Maria Theresia's berufen, doch ohne ihr Lenchen wollte und konnte sie nicht gehen, denn sie hing an diesem Natur- 3 18 kinde mit der ganzen Kraft ihres jugendlichen Herzens, und diese wieder sehnte sich hinaus in die große, schöne Welt, aus geträumter Herrlichkeit in die glänzende Wirklichkeit, und Beide vereinten ihre Bitten, bis Lenchen's Eltern schweren Herzens in die Abreise willigten. Es war an einem Herbstmorgen. Im Försterhäuschen sah es stille und traurig aus, zwei thränenfeuchte Augen hingen tränmend au den geliebten Zügen der Mutter. Das jugendliche Haupt neigte sich dem Segen des Vaters, und die Abschiedsstunde erfüllte die Herzen mit banger Ahnung. Strahlend stieg die Sonne herauf und blieb über dem Försterhäuschen stehen, wie ein letzter freundlicher Gruß aus wolken¬ losem Himmel; noch einmal stürmte Lenchen in den Wald hinaus und wieder war es ihr, als müßte sie Bäume und Vögel und Alles, was da lebte, umarmen, doch nicht, als müßte sie dort in den Himmel mit ihnen hineinfliegen, nein, ein nie gekannter Schmerz ließ sie laut aufweinen, sie drückte das thränenfeuchte Gesichtchen an den alten Eichenbaum, schlang ihre Arme um feinen Stamm, kniete nieder, preßte die Lippen auf den blühenden Rasen, nahm ein Marienkäferchen vom Halme, streichelte und koste es, flüsterte ihm liebe Worte zu, und gab ihm Grüße auf für alle die Vögel und die Blumen und die Bäume und die Wolken, dann warf sie noch ein paar Kußhände in den Wald hinein, noch einen letzten langen Blick, dann stürmte sie, von den Gefühlen überwältigt ins Haus, warf sich au die Brust der Mutter und rief: „Nein, nein, Mütterchen ich gehe nicht von Dir!" Da tönte ein Posthorn, ein goldener Lockenkopf sah zur Thüre herein, zwei Arme schlangen sich innig und warm um Len¬ chen's Nacken; Else zog sie zn Füßen des Vaters nieder, der traurig dasaß, noch ein Augenblick und — die einsamen Eltern horchten stumm in den Wald hinaus den ersterbenden Tönen des Posthornes, als wären es die letzten Seufzer ihres Kindes. 19 Seitdem waren einige Jahre verflossen; Gräfin Else hatte sich vermalt und hatte auch ihrem Leuchen die Brautkroneins Haar gewunden. Sie hatte ihr ein liebes, trautes Heim geschaffen, in das sie an der Hand des Gatten eintrat voll freudiger Hoff¬ nung für die Zukunft. Allein die Hoffnung trägt gar oft ein trügerisch Gesicht. Der Lene war der Kammerdiener der Gräfin ein Dorn im Auge; sie fühlte, daß er nichts Gutes im Schilde führe und sie beschloß, ein wachsames Auge auf ihn zu haben. Da wollte es der Zufall, daß sie ihn bei einem Diebstahle ertappte; er wurde schimpflich entlassen, und nun war in dem bösen Herzen des Dieners ihr Untergang beschlossen. Es war ein kühler Herbstabend; in ihrem Stübchen saß die Lene, des Gatten harrend, und wiegte ihr Kindchen znr Ruhe; lieblich wie ein Madonnenbild blickte sie auf das zarte Wesen herab und gar wehmüthig, wie der Vorbote eines nahen Unglückes, tönte ihr Lied in die Nacht hinaus: „Schlumm're, mein Engel, Schlumm're in Frieden! Morgen, ach! Morgen, Schon nahen Dir Sorgen Und Herzleid hienieden." Noch einen Kuß hauchte sie auf die rothgeschlafenen Wangen des Kindes, doch kaum war der letzte Ton des wehmüthigen Liedes verhallt, als sie entsetzt zusammenfuhr und mit den zittern¬ den Armen schützend ihr Kind umfing. Angstvoll starrte sie hinauf nach den Fenstern der Freundin, aus denen dicker Rauch qualmte und rothe Feuergarben prasselten, wüstes Geschrei und Hilferufe erfüllten die Luft, ihr Kind um¬ klammernd stürzte sie hinaus, sie mußte zu ihr, zu Else, doch erstickender Rauch und züngelnde Flammen versperrten ihr den Weg. Verzweifelnd starrte sie zn den Fenstern empor; dort oben stand die Unglückliche und rang die Hände nach Hilfe, kaum war sie in dem Rauche noch zu erkennen, jetzt übergoß sie ein Feuerstrahl, feurige Schlangen züngelten durch das blonde Gelock an dem Körper hernieder, ein gellender Schrei erfüllte die Luft und die Unglückliche — lag unter brennenden Balken begraben. 20 Der gellende Schrei hatte ein Echo gefunden in der Brust der armen Lene; ohnmächtig stürzte sie zusammen; sie sah nicht, wie der ehemalige Kammerdiener, in einen dunkeln Mantel ge¬ hüllt, ans ihrem Stübchen schlich; — sie fühlte nicht, wie er, mit vor Rachedurst funkelnden Augen, das ächzende Kind ihren Armen entwand, und als sie nach langer, langer Zeit erwachte, da war es tiefe Nacht um sie und Kerkerwände umgaben die Unglückliche, die der Brandlegung und des Diebstahles angeklagt war; hatte man doch in ihrem Stübchen Reste von Wertsachen gefunden, die bei dem Brande abhanden gekommen waren, und die ihre Schuld scheinbar bewiesen. Fremd blickte sie um sich; ihr war, als müsse es doch ein¬ mal anders gewesen sein, und doch schienen die Bilder, die in ihrer Seele aufstiegen, ihr wie ein Ergebnis; ihrer Fieberphantasien, in denen sie seit Wochen mit dem Tode rang. Allmählig aber kehrte das Bewußtsein zurück. Sie rief nach ihrem Gatten, — er hatte bei dem Brande den Tod gefunden, als er die Gräfin zu retten versuchte. Sie rief nach ihrem Kinde, die Wärterin an ihrem Bette schwieg und wandte sich mitleidig ab. — Ein entsetzlicher Schrei machte die Kerkerwände erzittern, dann war es todtenstille in dem öden Raume. Seitdem waren wieder Jahre verflossen, der Wald grünte und blühte um das Försterhäuschen, die Sonne schaute fröhlich, wie einst, durch die kleinen Fenster, aber drin in dem Häuschen war es öde und leer, drin athmete nicht, wie einst, ein liebewarmes Leben, Förster und Försterin bettete der Kummer um ihr Kind in ein gar frühes Grab, draußen mitten im Walde unter den alten Erlen bezeichnete ein Holzkreuz, von mitleidiger Hand dort¬ hin gepflanzt, die Stelle, wo all' ihr Lieben begraben lag, dort lehnte ein armes Menschenkind, ein müdes, bleiches Weib, und traurig tönte ihr Lied in den Wald hinein: Ich war einst eine Königin Und hatt' ein schönes Land, Mein Land an einem Abgrund tag, Ich war voll Lust und Tand. 21 Da heult der Sturm, die Wolken zieh'n, Der Himmel blutig roth; Mein Reich nun tief im Abgrund liegt Und seine Königin ist-todt. Schwer sank ihr Kopf auf die Brust herab, aus dem Ge¬ büsche lauschte scheu ein Reh hervor, die Vögel schwiegen, eine Wolke verhüllte den Sonnenstrahl und Marienkäferchen lief furcht¬ los die bleiche Hand hinan, die mechanisch ein Gänseblümchen zerknickte, dann hob sie das müde Haupt, blickte traurig in den Himmel hinein und murmelte: „Schlumm're, mein Engel, Schlumm're in Frieden! Morgen, ach! Morgen, Schon nahen Dir Sorgen Und Herzleid hienieden." Dann schleppte sie sich müde weiter, um ihr Kind zu suchen, bis sie in unserem Dörfchen erschöpft zusammenstürzte, und der Leichenmann sie mitleidig aufnahm, die arme tolle Lene. 22 4. Kapitel. Der Verrath. Der rothe Caspar war nach dem Auftritte unter der Linde voll Groll im Herzen davongeschlichen, trat in den Hof seines Hauses, lehnte die aus rohen Brettern gezimmerte Thüre nur- lose an, und trat in seine schmutzige, finstere Stube, in welcher es recht unheimlich aussah. Er preßte einen derben Fluch zwischen den Zähnen hervor, ballte die Faust so grimmig, daß die Nägel sich in sein Fleisch krallten und murmelte: „Wart! Dir will ich es heimzahlen, Soldaten fritze!" Dann zog er vorsichtig die Fensterläden zu, so daß auch nicht ein Schimmer der trüb flackernden Unschlittkerze hinansdrang auf die immer öder werdende Straße des Dorfes, und maß mit taugen Schritten den engen unfreundlichen Raum. Oft hielt er den Athen: an, und lauschte in die Nacht hinaus ; dann wurden seine Schritte immer rascher; immer unruhiger, immer ängstlicher horchte er; fast schien es, als ob sich feine Haare zu Berge sträubten, da schlug die alte Schwarzwälder-Uhr an der rauchgeschwärzten Wand die eilfte Stunde und zu gleicher Zeit ließ sich der Schlag einer Wachtel vernehmen, den der rothe Caspar mit unsicherer Stimme erwiederte. Ein Schauer schüttelte seine Glieder; noch einmal blickte er scheu, wie das böse Gewissen, in der Stube umher, dann legte er die Hand an die rostige Klinke der Thüre, und — hielt entsetzt inne, denn: „Meine Herren, laßt Euch sagen: Der Hammer, der hat eilfe g'schlagen: Hütet Euch vor Feuer und vor Licht, Verrüther, Diebe und Bösewicht!" 23 rief der Nachtwächter mit schnarrender, gedehnter Stimme; seine Schritte näherten sich dem Fenster; er pochte an die eichenen Läden und ries: „Schließt Euere Thüren besser, Nachbar; sonst laufen Euch die Franzosen über die Schwelle." War dies Zufall? Caspar meinte in die Knie finken zu müsfeu, doch er rührte sich nicht; die Schritte des Nachtwächters entfernten sich wieder, indem er etwas von einem „Viehschlaf" in den Bart brummte, und weiter ging er, seines Amtes zu walten. Athemlos stand noch derrothe Caspar und horchte, horchte, bis Alles stille war; dann leuchtete es in seinen Augen ans; rasch drückte er auf die Klinke, und — die Franzosen traten über die Schwelle. Der Morgen fing bereits zu dämmern an; noch saßen die drei Männer beim trüben Scheine der flackernden Kerze beisammen. Vor ihnen standen große Blechkannen mit Wein gefüllt, dem die beiden Fremden wacker Ansprachen, während Caspar kaum mit dem feurigen Tranke seine Lippen netzte, denn er mußte seinen Kopf oben und seine Augen offen behalten, welche mit unbeschreiblicher Gier an einem Haufen Goldes hafteten, um welchen er eben sein Vater¬ land verrathen hatte. Mit unsicherer Hand zog er auf einem Bogen groben Papieres Linien, die er mit Namen nnd Anmerkungen über¬ schrieb, so daß das Ganze bald wie eine Landkarte aussah, dann händigte er das Papier den beiden Männern ein, welche sich taumelnd erhoben und aus dem Hause gingen. Caspar aber ver¬ schloß jetzt fest seine Thnre, als sollte ihm Niemand seinen Schatz entreißen, den er ängstlich noch einmal überzählte, wobei ein hohn¬ voller Zug seine dünnen Lippen umspielte; dann besah er jedes Goldstück mit funkelnden Augen, wog es prüfend in der Hand, stellte die blinkenden Münzen dann vor sich auf, um sich an ihrem Anblicke zu weiden; dabei leuchteten die Spitzen seiner borstenähn¬ lich aufstehenden Haare wie glühende Funken, als bedürfen sie nur eines leisen Windhauches, um sie zur Hellen Flamme anzufachen. Endlich aber trennte er sich doch von dem unheimlich blinkenden Mammon, füllte das rothe Gold in einen alten ledernen Beutel, 24 und versteckte denselben in einer so gut verkleideten Mauernische, daß auch das schärfste Auge sie nicht zu entdecken vermochte, dann warf er sich angekleidet, wie er war, auf's Lager. Allein, sei es, daß seine Sinne zu erregt waren, sei es, daß denn doch, nachdem das Gold sein Ange nicht mehr blendete, das Gewissen sich regte, welches ja selbst bei dem verstocktesten Sünder seine Stimme erhebt, er fand weder Schlaf noch Ruhe, und wenn er auf Momente seine Augen schloß, dann sah er die funkelnden Goldstücke vor ihm einen wilden Reigen tanzen, immer mehr, immer größer schwollen sie an, bis ihre Wucht ihu erdrückte, und er ächzend erwachte. Und noch zwei Augen suchten vergeblich Schlaf und Ruhe, es waren die der armen tollen Lene. Mechanisch hatte sie ihre Schritte hinausgelenkt auf die Grä¬ ber der Tobten, die sie liebte, dort saß sie auf einem frischen Lei¬ chenhügel und starrte düster vor sich hin, ein lichter Augenblick hob die Schatten, welche ihren Geist umhüllten, das thränende Auge klagte stumm in die Nacht hinaus, und leises Stöhnen drang durch die voni Grame festgeschlossenen Lippen. Da trat das Mondlicht hervor und beschien wie ein Strahl der Hoffnung die schmerzdurchsurchten Züge der armen Lene. 25 5. Kapitel. Ein Blitz aus heiterem Himmel. Nach jener Unterredung unter der Linde war Soldaten- fritze, mit seinen Gedanken beschäftigt, heimgekehrt und den ganzen Abend war er schweigsam dagesessen; denn es wurmte ihn gewal¬ tig, daß es wieder losging und daß er noch daheim Hinterm Ofen saß. Auch er konnte in dieser Nacht keinen Schlaf finden und zeitlich Morgens schon war er auf den Beinen, um durch Arbeit die verschiedenen, niederdrückenden Gedanken zu beschwichtigen, welche ihn bestürmten. Er machte Häksel, band das Heu auseinander, und gab dem Bläßchen, das er aufgezogen hatte, seinen Morgentrank. Mittler¬ weile war es helllichter Tag geworden und er trat in den Hof hinaus, um auch den Hühnern und Tauben ihr Futter zu streuen. Allein nicht, wie sonst, hatte er für jedes Thierchen ein freund¬ liches Wort, das die klugen Geschöpfchen zu verstehen schienen, und selbst die kleine weihe Taube, das Herzblättchen Aller im Hanse, ging heute leer aus; sie stand mit ihren rothen Füßchen zwar wie sonst auf der Schulter des Soldateufritze, sie nickte so zierlich wie sonst, mit dem kleinen Köpfchen, allein nicht wie sonst streckte ihr der Gebieter die Hand voll Futter hinauf, und neugierig blickte sie ihm in's Gesicht und trippelte immer näher an dasselbe heran, und nickte wieder mit dem Köpfchen; allein S oldatenfritze hatte ganz Anderes im Sinne, und der zottige Caro sah so ver- ständnißinnig zu ihm hinauf, als wüßte er, daß in dem Herzen des Herrn etwas ganz Besonderes vorgehe. 4 26 Jetzt trat der Fritze, die Schulbücher unter dem Arme, in den Hof, schwenkte seine Mütze und rief: „B'hüt Gott, Vater!" Soldatenf ritze nickte stumm mit dem Kopfe, sah ihm sinnend nach und murmelte! „Armer Junge! wenn sie Dir den Vater wegschießen, dann freilich" —-— -— Er schob sein Soldatenküppchen auf die Seite, kraute sich hinter den Ohren und seufzte tief auf, wie Jemand, der sich nicht zu helfen weiß. Allein die Wehmuth sollte ihn nicht übermannen; rasch faßte er sich wieder, hob den Kopf in die Höhe, schob seine Mütze mit einem kräftigen Ruck wieder zurecht und sagte zu sich selbst: „Potz tausend Element! Herrendienst geht selbst vor Gottes¬ dienst, und der Junge da? Nun ja, bin auch allein in der Welt gestanden, und bin nicht verdorben und nicht gestorben, und der da hat das Zeug iu sich zu einen: tüchtigen Menschen, er wird seine Mutter trösten und unterstützen. Freilich, die arme Franzl, das gute, brave Weib -— Ah bah! Kopf hoch, alter Bursche! uicht jede Kugel trifft." Nach diesem philosophischen Troste, urit dem er den Schmerz in seiner Brust tvdt zu schweigen suchte, der aber doch nicht recht verfangen wollte, pfiff er ein Liedchen; aber es war, als ob jeder Ton ihm in der Kehle stecken bliebe, und nach und nach ver¬ stummte es ganz. Langsam schlichen heute die Stunden, als ob die Zeit bleierne Flügel angethan hätte, aber endlich ward es doch Abend und S v ld atenfritz e saß an dem großen eichenen Tische, der mitten iu der Stube stand, und dachte nach, auf welche Weise er seinem guten Weibe den Entschluß mittheilen solle, wieder zu seinem Regi¬ mente einznrücken; dabei blies er aus seiner Thonpfeife mächtige Wolken in die Luft; allein nicht einmal die Pfeife schmeckte ihm heute, und wenn er bei ihren Rauchwölkchen sonst die schönsten Gedanken faßte, heute wollte ihm einmal nichts Gescheidtes ein¬ fallen. Verstohlen blickte er nach seiner Fran hinüber, die am Fenster saß und emsig flickte; aber je öfter er sie ansah und ihrem liebe¬ vollen, treuherzigen Blicke begegnete, desto mehr sank ihm der Muth. Potz tausend Element! Er hatte ja vor dem Feinde gestanden und die Kugeln vorbeisaufen gehört, ohne zu zitteru, und jetzt fürch- 27 tete er sich vor einem Weibe? Ja, aber sie war auch so treuherzig und gut, sie hatte so fest nusgeharrt in den Stunden des Kampfes ums tägliche Brod, und war ihr Anblick ihm immer ein Trost gewesen. Nein, lieber tausendmal vor dem Feinde stehen, als ihr wehe thun, der lieben, guten Seele! Mißmuthig kaute er an dem Mundstücke seiner Pfeife; unter¬ dessen schaute die gute Frau mit vergnügten Blicken in der reinlich gescheuerten Stube umher; der Fußboden, welcher aus rothen Zie¬ geln bestand, hatte einen frischen Anstrich bekommen, an den Wän¬ den lief fein säuberlich die blendend weiße Einfassung der mit Kalk getünchten Wände hin, an denen große dunkle Schränke fest¬ gemacht waren, hinter welchen zinnerne Schüsseln, Teller und Krüge schimmerten; auch die buntbemalte Truhe fehlte nicht, die den Brautschatz der Hausfrau enthalten hatte, und auf dem eben¬ falls buntbemalten Bette thürmten sich Weiße Kissen bis an die Decke, und zu Hänpten des Bettes war ein schwarzes Madonnen¬ bild angebracht, unter dem in einem messingenen Herzen das ewige Lämpchen brannte. Das Ganze war ein liebliches friedeathmendes Bild anspruchslosen Glückes und patriarchalischer Einfachheit, und gar Manche, die es sehen könnten, tauschten gerne darum den gold¬ strotzenden Luxus ihrer prachtvollen Gemächer. Und dies stille Glück, diesen Frieden hatten sie sich selbst geschaffen, nach Kampf und Mühen, durch Arbeit und treuen Sinn. Dankbar ruhten die Blicke der Frau auf dem Antlitze ihres Mannes, als sie so froh ihr Glück übersah, und sie dachte bei sich : „Ach, wenn es nur immer so bliebe!" Mittlerweile war aber Soldate nfritze mit seinen Gedan¬ ken in's Reine gekommen; er hatte sich ein Herz gefaßt, that noch einige kräftige Züge aus seiner Pfeife, und rief dann etwas barsch : „Mutter Frauzl! Mutter F r anzl blickte, überrascht durch den ungewöhnlichen Ton, zu ihm hinüber und fragte mit ihrer sanften Stimme: „Was willst Dn, Vaterl?" Sol baten fr itze blies die Rauchwolken von sich, und sagte, ohne die Frau anzusehen: „Weißt, Mutter! die Franzosen sind da." 28 „Herr, mein Jesus!" rief Mutter Frauzl erschreckt und bekreuzte sich; die Arbeit entfiel ihrer Hand, und in gespannter Erwartung sah sie zu dem Manne hinüber, fast ahnend, was in semeni Innern vorgehe. „Ja, die Franzosen sind da", sagte er jetzt etwas sanfter, fast traurig, aber noch immer beharrlich ihrem Blicke ausweichend, „und wenn die Franzosen da sind, dann, — nun daun bin ich auch da", setzte er entschlossen hinzu, und athmete erleichtert auf, denn das große Wort war gesprochen; die Frau aber stand auf, trat zu ihm hiu uud sagte traurig: „Wie, Fritze, Du willst fort?" „Potz tausend Element!" fuhr Soldatenfritze jetzt her¬ aus, als wollte er die Stimme seines eigenen Herzens überschreien, „nur keine Weiberpossen, Frauzl! Sei gescheidt. Bleiben Krüppel und Schufte zu Hause, wo's dem Kaiser und dem Lande an's Leben geht! ich aber habe meine gesunden Beine und, Gott sei Dank, ich habe des Kaisers Rock alleweil in Ehren getragen." Er stand ans und ging, um seine Bewegung zu bemustern, einige Male im Zimmer auf und nieder; dann blieb er vor seinem Weibe stehen, nahm ihre beiden Hände in die seinen, sah ihr mit seinen ehrlichen, großen Augen so recht innig in das traurige Ge¬ sicht und sagte bittend: „Schau, Mutter! mein Kaiser ruft, mein Oesterreich ruft, soll ich ruhig daheim Hinterm Ofen sitzen? Du kannst es nimmer wollen, denn ich könnte auch nimmer froh werden." „Du sollst dem Manne gehorchen uud ihm nnterthan sein", hätte der Herr Pfarrer gesagt, als sie an ihrem Ehrentage am Altar gestanden. Jetzt fiel ihr das freilich sehr schwer anf's Herz, allein er könnte ja nicht froh werden, und - . Sie drückte die Thränen energisch hinab, die ihr in's Auge stiegen, und, als er sie so recht flehend ansah, da stand der Entschluß fest in ihr und sie sagte ergeben: „So geh mit Gott, Bater!" 29 Er aber drückte ihr kräftig die Hand und sprach: „Du bist das Weib des Soldatenfritze, Franzt! nnd weiß Gott, es gibt kein solches mehr in der Runde." Lange standen sie nnd sahen sich so recht innig an; draußen aber erscholl die Werbetrommel; mit verschlungenen Armen, die Hüte mit bunten Sträußchen geschmückt, zogen die Bursche, von der nachlaufenden Dorfjugend mit neidischen Blicken betrachtet, vorüber, und sangen: „Gut und Blut für's Vaterland!" „Gut uud Blut für's Vaterland!" stimmten die Beiden mit ein, und noch standen sie und Soldatenfritze blickte mit leuchtenden Augen dem Zuge nach; da stürzte athemlos ein kleiner Junge mit bloßen Füßen und zerfetzten Kleidern daher nnd rief angstvoll: „Soldatenfritze, Soldatenfritze! Sie haben ihn fortgeführt?" „Potz tausend Element! wen haben sie fortgeführt?" rief Soldatenfritze, während die Frau, von einer dunklen Ahnung ergriffen, am ganzen Leibe zitterte. „Nun den — nun Euren — Euren Fritze", stotterte der Junge. „Wer hat ihn fortgeführt", rief nun auch S oldatenfritze außer sich vor Schreck, „wirst Du reden, Hallodri?" Der Knabe machte vor Angst über die drohende Haltung Sold a tenf ritz e's einige Schritte nach rückwärts, sah sich ängst¬ lich nach der Thüre um, rieb sich mit der schmutzigen, umgekehrten Hand die Augen, so daß aus seinem Gesichte ganze Landkarten von Schmutz entstanden, und sagte weinend: „Ja, zwei fremde Männer haben den Fritze fortgeführt, ja, und meine schöne, Weiße Ziege — die haben sie todtgeschossen; ja, meine arme, schöne, weiße Ziege und daran ist nur Euer Fritze schuld, weil er mit den Männern nicht gehen wollte; ich habe es ja von der Weide aus gesehen und der Schreiber- Caspar hat's auch gesehen; o, meine arme, arme, schöne Ziege!" 30 Als der Knabe den Schreiber-Caspar nannte, da zuckte es elektrisch über die Züge des Sold atenfritze, denn er fühlte, daß dieser Name nichts Gutes bedeute, und neben den beiden Männern, die den Fritze fortführten, und die gewiß mit jenen beiden Fremden von gestern Abends Eines waren, tauchte wieder der rvthe Kopf des Schreibers wie ein Schreckbild empor. Der Rothe war mit im Spiele, das schien ihm klar; allein mehr konnte er von dem Hirtenjungen nicht erfahren, der über feine Ziege nicht Hinwegkain. Die arme Franzl stand bleich und jammernd da. Sol¬ da tenfritze aber riß den alten Stutzen von der Wand, drückte feiner verzweifelnden Frau die Hand und stürzte mit einem kräftigen : „B'hüt Gott, Franzl!" zur Thüre hinaus, die Arme allein lassend mit der Angst und dem Schmerze um ihr Kind. 31 6. Kapitel. Der Gezeichnete. M otto: Wenn Wahrheit in der Menschen Brust erloschen Und sie des Wegs zur Tugend sind enrrathen, Dann spricht unläugbar wie ein Gotteswort Erst Wahrheit laut aus ihren fernern Thaten. R. B. Die Hivbspost, das; des Soldate nfritze Söhnchen von hernmstreifenden, spionirendeu Franzosen fortgeführt worden, hatte sich mit Blitzesschnelle im Dorfe verbreitet, überall vor den Häusern nnd mitten unter der großen Linde standen die Bauern und redeten hin und her, was denn eigentlich da zu machen sei, nnd konnten sich den Fall gar nicht erklären. Da trat der rothe Schreiber hinzu; sein scheeler Blick überflog schadenfroh einen Augenblick die Gruppen; allein der schlaue Fuchs fand bald, daß er die Maske aulegeu müsse, die ihm uothwendig schien, um seinen ruchlosen Plan auszuführeu, nnd mit heuchlerischer Miene näherte er sich den Bauern und sagte, indem er bedenklich den Kopf hiin und herwiegte: „Ein schrecklicher Unfall das, meint Ihr nicht auch, Nachbarn?" „Und was meint denn Ihr dazu, Caspar?" fragte der Schulze, „Ihr habt doch einen gelehrten Kops, seid viel in der Welt hernmgekommen und bei den Schreibereien, meine ich, muß Euch doch auch so Manches Unterkommen." Da flogen die Blicke des rothen Caspar lauernd im Kreise umher und er sagte geheimnißvoll: „Hm! ich habe so meine eigenen Gedanken darüber." Dann schwieg er, wvhlberechnend die Neugierde, von der auch die einfachen Dorfbewohner nicht verschont bleiben, und that so, als wollte er diese seine Gedanken ganz allein für sich behalten. 32 „So redet doch", drängten einige Bauern zu gleicher Zeit und schaarten sich um ihn. „Wißt", sagte er, „ich mag Niemandem schaden; denkt Euch darüber, was Ihr wollt, und laßt mich in Frieden!" Damit that er, als ob er gehen wollte, allein er kannte seine Leute, und hatte ganz gut gerechnet. Sie vertratet: ihm den Weg und bestürmten ihn mit hun¬ derterlei Fragen, so daß er endlich, wie gezwungen, sich niedersetzte und sprach: „Also was würdet Ihr denken, wenn Ihr so mir nichts dir nichts des Weges ginget, und Ihr fändet plötzlich zwei fremde Männer, welche sich im Garten des Soldatenfritze versteckt halten, wenn diese zwei fremden Männer, sage ich, welche offenbar Franzosen sind, später dieses selbigen Soldatenfritze Buben wcg- führen, weil sie hier gekundschaftet haben und einen Wegweiser brauchen, der sie weiter führt." Die Bauern sahen sich erstaunt an, schüttelten verwundert die Köpfe und wußten nicht, wo das hinaus sollte; der Caspar aber fuhr fort: „Je nun, da meine ich, daß dies nicht ein bloßer Zufall sei und daß der Soldatenfritze den Jungen mitgeschickt hat, und daß dieser selbige Soldatenfritze ein Verräther ist; äixi, wie der Lateiner sagt, was Ihr freilich nicht versteht." Der furchtbare, wohlgezielte Schlag hatte getroffen. Starr, mit offenem Munde, sahen sich die Bauern an, allein der Schulze, der, was man so sagt, einen geraden Sinn und einen offenen Kopf hatte, sagte zweifelnd: „Mein lieber Herr Caspar! Das kann wohl ein Jeder sagen, allein mit todten Katzen fängt inan noch immer keine Mäuse." Da warf der rothe Caspar trotzig seinen Kopf in die Höhe, sein böser Blick traf den Schulzen, allein als er in den Zügen der Anderen die Saat keimen sah, die er gesäet, blieb er bei seiner Behauptung stehen. Ach, die Menschen sind ja so gerne geneigt, das Schlechte zu glauben, und die Verleumdung findet immer einen fruchtbaren Boden. Freilich schien es den guten Leuten etwas 33 sonderbar, daß Soldaten fritze ein Verräther sein sollte, allein der Schreiber sagte es ja und er hatte einen haarfeinen Verstand, und sprach sogar lateinisch, wie der Herr Pfarrer, und darum mußte es wohl so sein. Als der Schreiber die Wirkung seiner Worte wahrnahm, fuhr er prahlerisch fort: „Euch kann mau freilich ein L für ein U vormachen, allein mir nicht. Warum fragt Ihr Euch nicht, wie so der Junge sich wegführen ließ? Warum lief er nicht davon? Warum rannte Sol- datenfritze allein fort, ohne mit Euerer Hilfe den Knaben zu suchen? Weil er ihn nicht suchte und nicht zu suchen brauchte; er wußte gar wohl, wo er ist." Die Bauern nickten sich einander zu, als wollten sie sagen: „Der Mann hat recht", und mit hohnvoller Schadenfreude bemerkte der rothe Caspar, wie sehr seine scheinbaren Beweise Grund und Boden faßten. „Ich wußte es ja immer," Hub er wieder an, „was es mit dem Prahlhanse sei, „der des Kaisers Rock alleweil in Ehren getragen." Geschändet hat er ihn; Weg und Steg hat er den Feinden ver- rathen, und damit man ihm nichts beweisen könne, hat er den Jungen entführen lassen. Freilich stürmte er davon, als ob er ihn suchen ginge, allein er wird auch wohl zu den Franzosen gelaufen sein. Ich kenne das; doch warten wir ab; es ist nichts so fein gesponnen, daß es nicht käme an die Sonnen." Bei den letzten Worten klang zwar seine Stimme etwas unsicher und den Blick senkte er scheu zu Boden, allein er durfte sich um seiner eigenen Sicherheit willen keine Bloße geben, und mußte angesichts einer etwaigen Entdeckung seines Verrathes die schwere Schuld auf einen Anderen wälzen, und so fuhr er fort: „Ich habe ja diese Entführung von Ferne mit angesehen. Ihr aber lieget auf den Ohren, so lange, bis Euch die Kartätschen über die Köpfe hinweg fliegen werden, bis ein Anderer kommt und Euch sagt: „Der S o l d a t e n fr i tz e ist ein Verräther." 5 34 „Ihr lügt", sprach da eine ernste Stimme, und eine Hand legte sich so schwer auf die Schulter des Verleumders, daß er zu¬ sammenzuckte. Empört über die seiner Amtsperson zugefügte Beleidi¬ gung wandte er sich zornig um, und schaute in die von gerechter Entrüstung flammenden Augen des greisen Seelsorgers. Mittlerweile waren schwere Wolken heraufgezogen, und fernes Wetterleuchten verkündete den nahen Sturm. Besorgt blickten die Bauern zum trüben Himmel empor; der ehrwürdige Greis aber wandte sich an sie und sprach ernst: „Der Mann da lügt, und wer weiß, ob nicht Haß und Scheelsucht ihm die Worte in den Mund legten, die er soeben sprach. Den Soldatenfritze aber nehme ich in Schutz; ich bürge für ihn, von dem ich nie eine schlechte That gesehen. Leiht nicht der Verleumdung Euer Ohr und fällt ja nicht ein allzu¬ rasches Urtheil, das später Euer Gewissen schwer belasten würde. Der Ruf eines Menschen ist bald untergraben, und selten gelingt es, ihn wieder herzuftellen. Nichts berechtigt Euch, von dem Manne Uebles zu denken; denn der Verrath zeigt sich nicht am Hellen Tage, er schleicht im Finstern." Hier streifte sein trüber, vorwurfsvoller Blick den rothen Schreiber, der unter demselben erzitterte; das schuldbeladene Gewissen senkte seine Blicke zu Boden, allein er durfte sich keine Blöße geben, sonst gab er sich selbst verloren; trotzig schaute er jetzt um sich, und sagte mit unsicherer Stimme: „Ich bleibe dabei, daß der Soldatenfritze ein Ver- räther ist." „Und ich bleibe dabei, daß Ihr lügt", entgegnete der Pfarrer. Da zuckte es in den Augen des Bösewichtes; aufs Aeußerste gereizt legte er seine Hand an das Muttergottesbild unter der Linde und rief: „So schwöre ich bei diesem Bil--" Er vollendete nicht; ein mächtiger Donnerschlag erdröhnte, der Blitz fuhr in die Linde, schmetterte ihre Krone auseinander 35 und der Arm des rothen Caspar fiel wie gelahmt an seinem zitternden Körper hernieder. Dieser Zufall machte auf das zu jener Zeit noch sehr am Aberglauben hängende Landvolk einen entsetzlichen Eindrnck. Wie einer höheren Eingebung folgend, wichen sie entsetzt von dem Schreiber zurück, schmerzverzerrt staud er allein unter der Linde und ballte die Faust seiner anderen gesunden Hand in ohnmächtiger Wuth zusammen. Der Priester aber sprach mit lauter, warnender Stimme: „Hütet Euch vor dem Gezeichneten!" 36 7. Kapitel. Der 21. Mai 1809. Motto: Weun heut' ein Geist hernieder stiege, Zugleich ein Säuger uud eiu Held, Eiu solcher, der im heil'gen Kriege, Gefallen auf dem Siegesfeld; Der säuge Wohl auf heim'scher Erde Ein scharfes Lied, wie Schwertesstreich, Nicht so, wie ich es künden werde, Nein, himmclskräftig, donnergleich. U h l a n d. Als Erzherzog Karl von den Vorgängen in Wien hörte, eilte er mit seinem Heere über Regensburg herbei, um die Stadt vom Feinde zn entsetzen. Er ging über die Donau, vereinigte sich mit dem Corps des Generals Bellegarde, stellte seine Armee, be¬ stehend aus den Corps des Fürsten Hvhenzollern, des Fürsten Rosenberg, des Feldmarschalls Hiller und des Grafen Bellegarde, in drei Treffen auf und nahm zwischen Deutsch-Wagram und Stammcrsdvrf Stellung. Vor sich hatte das Heer die weite Ebene des Marchfeldes; der linke Flügel lehnte sich an Nnßdorf, der rechte an den Bisam¬ berg, indeß Napoleon Eßlingen und Aspern besetzt hielt. Der Morgen des 21. Mai brach an, noch herrschte rings die tiefe Stille der Nacht; noch zogen graue Schatten in den leuchtenden Strahl der Morgensonne, dann begann es sich leise, leise zu regen; alle Pulse der Mutter Erde zeigten wieder neues Leben; durch Blatt und Blüte zog der Hauch der Unendlichkeit, und jubilirend wirbelte eine Lerche empor zum rosigen Morgen¬ himmel. War sie der Vorbote einer besseren Zeit? Die Verkündigern: dessen, daß die Nacht der Bedrückung weichen müsse und die 37 Morgensonne der Befreiung Heraufziehen werde, der Befreiung von den Fesseln des gewaltigen Corsen? Beseelt nur von dem einen Gedanken, kniete in diesem Morgensonnenschimmer auf dem weiten Marchfelde das Heer der Oesterreicher, ein Heer von Tausenden, znm Gebete nieder: der Feldpater breitete seine Hände znm Segen aus, und es knieten Tausende ungesehen und beteten mit diesen, die sich jetzt erhoben, gestärkt und gekräftigt, und entschlossen, jeden Fußbreit der theueren Erde mit ihrem Herzblute zu Vertheidigen. Dann donnerten die Kanonen, daß der Erdboden erdröhnte. Die ganze Armee focht wie e i n Mann, nnd allen voran der tapfere Erzherzog Karl, der hoch zu Roß mit wallendem Helm¬ busch und wehender Fahne die Reihen durchflog. Wo der Muth gewichen, wo die Kraft gesunken, da ertönte sein Mahnruf an seine Lieben, an seine Kinder, und auss Neue flammten die Herzen, belebte sich der gesunkene Muth, bald hier, bald dort tönte sein Commando, wehte seine Fahne und als die Sonne wieder sank und der Donner der Kanonen verstummte, hatten unsere tapfern Krieger den vbern Theil von Aspern besetzt, sie hatten einen glänzenden Sieg errungen, nnd der Sieger hieß: Erzherzog Karl. In den vordersten Reihen, ein todesmnthiger Held, hatte S o l d a t e n f r i tz e gekämpft; er trng die Fahne seines Regimentes, zwei Mal schon hatte er sie verloren, nnd jetzt stand er wieder um sie ringend mit Todesverachtung mitten in den Reihen der Feinde. Schon hielt er sie umfaßt, plötzlich aber zuckte er zusammen, er drückte die Hand an sein Herz, mit letzter Kraftanstrengung hielt er einem herbeigesprengten Kameraden die Fahne hin nnd rief: „Hier, Kamerad, grüß mir Weib und Kind!" dann sank sein Kopf schwer auf die Brust herab, nnd das Pferd stürzte getroffen unter ihm zusammen. 38 Die Nacht lag milde und freundlich wie die ewige Ruhe, ausgebreitet über ein Leichenfeld. Die Waffen hatten ihre schreckliche Thätigkeit auf kurze Zeit eingestellt und traurig schritt der Mond hinweg über das entsetz¬ liche Bild, das sie zurückgelassen. Hier leuchtete er in die schinerzverzerrten Züge eines Ster¬ benden, dort starrten zwei Angen weit aufgerissen zu den ewigen Sternen empor, als wollten sie das „Warum" erforschen, hier preßte sich eine Hand fest und krampfhaft auf die blutüberströmte Brust, als müßte sie das entfliehende Leben festhalten, und dort — ist es ein Trugbild der Phantasie? — schleicht eine lebende Gestalt gespenstisch mitten durch die Reihen der Tobten. Prüfend blickt sie in ihre starren Züge, sie streift mit athemloser Hast das Kleid von der Brust der Leblosen, tief aufstöhnend, wenn die Hoffnung sie abermals getäuscht, um dann mit derselben Hast fort¬ zufahren in ihren: nächtlichen, unheimlichen Werke. Jetzt zittert ein Freudenschrei durch die Luft, er klingt wie die Erlösung aus langen Fesseln, wie die Begrüßung des Lichtes nach langer Kerkernacht; die Gestalt umschlingt einen Verwundeten, der ohnmächtig daliegt und ihre bebenden Lippen pressen sich voll Inbrunst auf ein Muttermal an seiner Brust. Mit zitternder Hand streicht sie ihm die blutstarrenden Haare aus der bleichen Stirne, wie ans schweren Träumen erwachend, blickte sie empor zu den ewigen Sternen und der Mondstrahl fällt voll und ganz auf die Züge der tollen Lene, die ihren Sohn, den Soldaten- f r i tz e, umschlungen hält. Ach, wie wunderbar ist doch die Mutterliebe, daß sie, selbst in der nachtumflorten Menschenseele ihren warmen Strahl leuchtend geborgen, daß die Irre, unbewußt von ihm geleitet, den Weg hie- her gefunden! Was muß in der Seele der armen, tollen Lene vorge¬ gangen sein, bis sie ihr Kind gefunden, hier nach wildem Schlacht¬ getümmel, auf einem Felde voll Leichen, nachdem sie es vergebens gesucht bei den Lebenden! 39 Doch nun gab es kein Zögern, denn diese Augen, die eine tiefe Ohnmacht geschlossen, sie sind nicht starr, in diesen Adern fließt noch warmes Blut. Die Lene weiß eine rieselnde Quelle, sie ist weit, sehr weit von hier; doch die Macht, die sie hieherge- führt, die Macht, welche ihren Geist von Nacht enthüllte, die Mutterliebe, wird ihre Schritte beflügeln. Athemlos, von Schweiß übergossen, hat sie die Quelle erreicht, mehr als eine Stunde ist vergangen, im Helme eines Todten schleppt sie das belebende Naß herbei, und sucht vergebens den kaum gefundenen Sohu. Starr steht sie da und blickt einem Trupp von Reitern nach, welche den mittlerweile Erwachten als Gefangenen mit sich führten ins feindliche Lager. Doch er lebte und jene Stimme, die sie hieherführte, sagte ihr: Sie werde ihn Wiedersehen. 40 8. Kapitel. Meiu Vaterland verrath' ich nicht. Als Fritze an -jenem Abende spielend nach dem Gehölze ging, um sich ein Pfeifchen zu schnitzen, schritt eben der Caspar an ihm vorbei und rief ihm zu, daß einige Knaben bei der alten Weide am Bach auf ihn warteten. Es war, als ob er gewußt hätte, daß Fritze daherkomme, denn in seinem Gesichte lag ein Zug von boshafter Befriedigung. Der Fritze aber achtete nicht darauf und lief in das Gehölz zur Weide am Bache, welche gar tief im Walde drin stand. Erstaunt blickte er um sich, als er von den Knaben keine Spur gewahrte; der Abend war weit vorgerückt, die Unken im Teiche gnackten ihr endloses eintöniges Lied und das dunkle Plätz¬ chen sah eigentlich recht unheimlich ans, doch Furcht kannte der Knabe nicht und überdieß fand er sich mit geschlossenen Augen hier überall zurecht. Allein als er eben heimkehren wollte, da traten zwei Männer aus dem Gebüsche hervor und ehe er sich noch von seiner Ueber- raschung erholt hatte, hielt ihn der Eine am Arme fest. Es waren dieselben Männer, die wir in der Stube des Caspar gesehen haben. Sie hatten sich tagsüber versteckt gehalten, und am Abend versprach der Caspar, ihnen einen Knaben als Wegweiser zu senden, und er hatte Wort gehalten. „Was wollt Ihr von mir?" sagte Fritze jetzt, nachdem er sich vergeblich bemüht, seinen Arm ans der kräftigen Hand des Fremden loszumachen. 41 „Alten Du stille, kleiner Mensen", erwiederte dieser lachend, „ick nik manger so kleiner Ginder, aber Du müssen uns sag der Wegen." Der kluge Kuabe begriff sofort, daß die beiden Fremden Franzosen feien, von denen man jetzt im Dorfe so viel sprach, und er hatte zu oft von feinem Vater von Spionen erzählen gehört, um nicht als kluger Knabe zu begreifen, um was es sich handle. Entschlossen antwortete er also: „Ich weiß den Weg nicht!" „Lb mon xstit, Du uik wissen der Wegen", versetzte der Franzose, „Dn dock sein sn Hause, aber weuu Du nik wissen der Wegen, ick sisen." Bei diesen Worten nahm er eine Pistole aus seiner breiten ledernen Leibbinde, untersuchte ihren Lauf, ließ aber erstaunt die Hand sinken, und blickte den Knaben mit unverhohlenem Erstaunen an, als dieser sagte: „Ihr werdet mich nicht erschießen; wenn ich so groß wäre, wie Ihr, ich würde es gewiß auch nicht thun." „8ncr6 Diou! Sehn der kleinen Ginder", sagte der Franzose, „Du 'aben nicht pour slr dion! Das sein sehr gut, aber dem Vater dick sicken, uud Du zeigen der Wegen." „Mein Vater hat mich nicht geschickt", antwortete Fritze, und die Röthe des Unwillens und des Stolzes färbte seine Wangen, „denn mein Vater ist kein Verräther, er hat des Kaisers Rock immer in Ehren getragen." Sein Auge leuchtete bei diesen Worten auf, der Franzose aber, dem das Gespräch schon zu lange gedauert hatte, und der ans seine Sicherheit bedacht sein mußte, sagte jetzt energisch: „Dn gehen, oder ik sisen", und wahrscheinlich, um dem Knaben Angst zu machen, spannte er den Hahn seiner Pistole. Der arme Knabe war todtenbleich geworden und brach in Thränen aus, denn wenn auch iu seiner jungen Brust ein wackeres Herz schlug, ganz wie es vom Sohne des Soldaten fritze zu erwarten war, so war es doch keine Kleinigkeit, so fortgeschleppt oder erschossen zu werden, und Vater und Mutter vielleicht nie mehr wiederzusehen; durch alle Klugheit und durch seinen sonst für sein 6 42 Alter lobenswerthen Muth brach das Kindliche sich Bahn, und mit aufgehobenen Händen bat er die beiden Männer, ihn doch nach Hause gehen zu lassen. Sie hatten Mitleid mit dem armen Jungen, das sah man ihnen deutlich an, allein hier gebot ihre eigene Sicherheit und der Franzose spannte den Hahn, — es krachte ein Schuß, und — die Ziege, die eben den Abhang herabgesprungeu kam, wälzte sich in ihrem Blute. Der Knabe zitterte am ganzen Körper, der Franzose aber sagte: „Du sehen, ik gut sisen. Lll bion, on avant!" Mit diesen Worten gab er dem Kameraden ein Zeichen, sie faßten den widerstrebenden Knaben nnd zogen ihn gewaltsam fort. Im selben Augenblicke schlich der Schreiber-Caspar, wie er glaubte, von Niemandem gesehen, aus einem Gebüsche hervor, rieb sich vergnügt die Hände, und ein grinsendes Lachen verun¬ staltete noch mehr sein häßliches Gesicht, als er murmelte: „Zwei Fliegen mit einem Schlage. Dir, S oldatcnfritze, zahle ich die Schuld, und Du, mein Junge, läßest gewiß keinen Verräther mehr hängen." In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai hatte Napoleon sich, mißmuthig über die verlorene Schlacht, in sein Zelt zurück¬ gezogen. Dort saß er an einem kleinen Tischchen, stützte den mächtigen Kopf in die beiden Hände nnd starrte ans jenes Papier, auf welchem von des rothen Caspar's Hand Wege und Dörfer an¬ gegeben waren. Es mußte ein anderer Ausweg gefunden werden, um die Feinde im Rücken anzugreifen nnd das verlorene Terrain wieder zu gewinnen. Er sann daher auf neue Mittel, und so oft er eines zu haben glaubte, verwarf er es wieder. Eben wollte er muthlos das nutzlose Papier bei Seite schieben, da blitzte es gäh in seinen dunklen Augen auf, ein Gedanke zuckte durch seine Seele und ent¬ schlossen, ihn sofort ausznführen. schlug er die Vorhänge seines Zeltes auseinander und gebot dem wachehabenden Offizier, den 43 österreichischen Knaben herbeizuführen, den man ins Lager gebracht hatte, und nach wenigen Minuten führte man den armen Fritze ins Zelt. Napoleon, die eine Hand auf der Brust, die andere nach rückwärts gestemmt, ging mit großen Schritten auf und ab. Plötzlich blieb er vor dem Knaben stehen, der bleich und abgehärmt anssah, und richtete feine dnnkelglühenden Augen fest und durchdringend auf ihn. Doch furchtlos blickte der Knabe dem Manne ins Gesicht, vor dem Europa zitterte. Napoleon aber fragte ihn barsch und in gutem Deutsch: „Wie heißest Du?" „Ich heiße Fritze", antwortete der Knabe unerschrocken, „und mein Vater ist der S ol d atenfr i tze", setzte er stolz hinzu. „Weißt Du, daß Dn im Lager der Feiude bist?" „Ich weiß es", war die kurze Antwort. „Fürchtest Du Dich?" „Nein!" „Und warum fürchtest Du Dich nicht?" „Weil ich mir denke, daß ein Kaiser nicht leiden wird, daß man mir etwas zu Leide thut." Bei diesen Worten heftete er seine großen ehrlichen Augen so fest auf den Kaiser, daß dieser sich eines staunenden Ausrufes nicht erwehren konnte, dann nickte er, geschmeichelt durch die Zu¬ versicht des Knaben, beifällig mit dem Kopfe, ging wieder mit großen Schritten einige Male auf und ab, wobei sein Blick oft prüfend den Knaben streifte, blieb wieder plötzlich vor ihm stehen und sagte: „Du möchtest wohl gern wieder nach Hause zu Vater und Mutter?t Da traten dem armen Jungen die Thränen in die Angen, er faltete bittend seine Hände und sah so flehend zu dem gewaltigen Manne empor, daß selbst diese Züge, die stets von dem eisernen Willen beherrscht wurden, ein Zug von Mitleid überflog. Im nächsten Augenblicke aber hatten sie ihre kalte undurch¬ dringliche Strenge wieder, von welcher beherrscht Napoleon jetzt fragte: „Dn keimst wohl die Wege hier alle in der Umgebung?" 44 „Ja!" „Du wirst uns heute Nacht als Führer dienen!" sagte er gebieterisch, und zornig fuhr er auf, als ihm der Knabe ein kurzes, aber bestimmtes „Nein" zurückgab. Unheimlich blitzte es in seinen dunklen Augen; wer wagte es, ihm zu widersprechen? „Kannst Du nicht oder willst Dn nicht", fragte er in so strengem Tone, daß ein anderer Knabe sicher den Muth verloren hätte, allein der wackere Junge antwortete beherzt: „Ich kann, aber ich will nicht! Mein Vaterland verrath ich nicht; mein Vater hat's auch nicht gethan, mein Vater hat des Kaisers Nock alleweil in Ehren getragen!" Stolz blickte er den Kaiser au, der sich, nm seine Bewunderung nicht merken zu lassen, abwandte und einige Male auf- und ab¬ schritt, dann schüttelte er spielend einen Beutel voll Gold auf das kleine Tischchen hin und rief dem Knaben zu: „Sieh her, möchtest Dn wohl alle die schönen Münzen haben?" Der Knabe kannte zu wenig die Bedürfnisse der Welt und war zu sehr gewöhnt an das anspruchslose Leben im Elternhause, nm von dem glänzenden Gvlde sich locken zu lassen. Im Gegen- theil, er wußte gar nicht und konnte sich gar nicht denken, was man mit dem vielen Gvlde anfangen sollte, ja er bekam beinahe Angst davor und wendete seine Blicke ab, indem er wiederholte: „Mein Vaterland verrath ich nicht, und das Gold brauche ich nicht; Vater und Mutter haben auch keines und es ist doch so gut und so schön bei uns." Und wieder füllten sich seine Augen mit Thränen bei dem Gedanken an seine lieben Eltern; jetzt meinte der kluge Herrscher deu richtigen Moment gekommen, und sprach rasch: „So zeige uns heute den Weg und morgen kannst Du srei sein und zu Deinen Eltern zurückkehren." Da strahlte es freudig in dem Gesichte des Knaben auf, er machte eine Bewegung, als wollte er dein Kaiser dankbar zu Füßen fallen, plötzlich aber verdüsterten sich seine Züge, er schüttelte traurig den Kopf und sagte wieder: „Nein, mein Vaterland verrath ich nicht!" „Gut, dann lasse ich Dich erschießen", antwortete Na¬ poleon drohend. 45 Fritze barg das Gesicht in seine Hände und schluchzte laut, allein Napoleon wartete umsonst ans eine Antwort, er kniff die feinen Lippen fest zusammen, ließ den Knaben abführen, und murmelte, indem er ihm bewundernd nachblickte: „Wenn aus solchen Kindern Männer werden, dann, mein Oesterreich! bist Du beneidenswert und meine Macht hat in Deinem Reiche ihr Ende." Als der arme Junge wieder allein im Zelte saß, indeß die Armee zu einem neuen Angriffe rüstete, da dachte er an Vater und Mutter und wie es denn möglich sein könne, daß er so jung schon und auf so schreckliche Weise sterben solle, und immer reich¬ licher und häufiger flößen seine Thränen, bis er ganz erschöpft war und sich mit dem Gedanken zu trösten anfing, daß der liebe Gott ihn doch nicht verlassen werde, und daß, wenn er erschossen würde, er ja doch für sein Vaterland stürbe, und Vater sagte ja immer, dies sei der schönste Tod, den er sich selbst wünsche. Mittlerweile hatte man die Verwundeten ins Lager gebracht und sie in das Zelt geschafft, in welchem Fritze jetzt vor Angst und Herzeleid fest eingeschlafen war. Er sah sich im Traume hin¬ gestellt auf einen großen, freien Platz und vor ihm jene zwei Männer, die ihn hiehergeführt und die ihn erschießen sollten, die Schüße knallten, da stand plötzlich sein Vater vor ihm und stöhnte vor Schmerz um sein Kind, und dieses Stöhnen war so schrecklich, daß Fritze erwachte und verwundert um sich sah. Draußen donnerten die Kanonen wieder, doch hier im Zelte ächzte und stöhnte es wirklich, daß es einem das Herz znsammen- schnürte, und im Dämmerlicht des Morgens gewahrte er die Ver¬ wundeten, welche rings im Zelte nvthdürftig gebettet lagen. Es war ihm ein Trost, Menschen um sich zu sehen, und ihr Aechzen sprach so lebhaft, so mitleiderregend zu seinem guten Herzen, daß er von Einem zum Andern ging und sie mit feuchten Augen betrachtete. „Wasser, Wasser!" rief es jetzt ans einer Ecke, und wie ein bekannter geliebter Laut berührte die Stimme sein Ohr. Noch wußte er sich nicht Rechenschaft zu geben; ihm war es, als müßte er diese Stimme schon gehört haben; zitternd faßte er sein Krüg- 46 lein und setzte es an die Lippen des Verwundeten, nnd beinahe vor Schreck zusammeugestürzt rief er: „Vater, Vater!" Da schlug der Kranke die Augen auf, sah verwundert um sich, ein glückliches Lächeln umschwebte seine Lippen; Soldaten fritze, denn er war es, legte den Finger mit größter Krastanstrengung an den Mund zum Zeichen des Schweigens und schloß erschöpft die Augen wieder. Fritze aber kniete nieder, bedeckte seine Hand mit inbrünstigen Küssen nnd betete zu dein lieben Gott, daß er sie doch Beide bald glücklich Heimbringen möge zur armen, lieben Mutter. Und nun weinte und klagte er nicht mehr. War cs ihm doch, als könne ihm nun und nimmer Böses geschehen in der Nähe seines Vaters. 47 9. Kapitel. Das Wiedersehen. Motto: Die linden Lüfte sind erwacht, Sie säuseln und weben Tag und Nacht, Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! Nun armes Herze, sei nicht bang, Es muß sich Alles, Alles wenden! Auch der 22. Mai war ein recht heißer Tag für unsere braven Soldaten. Es war der Kampf der Verzweiflung, welchen sie fochten, der Kampf gegen die Gewaltherrschaft fremder Willkür, es war der Kampf um das Völkerrecht, um das Stückchen heimatlicher Erde, das jeder sein Eigen nannte; es war ein Kampf auf Tod und Leben, und er brachte Leben, er brachte Sieg unseren Waffen, einen entscheidenden, glänzenden Sieg. Die Franzosen hatten selbst den Angriff auf Aspern wieder eröffnet, allein die tapferen österreichischen Regimenter Benjowski und Klebeck behaupteten siegreich das Dorf, und ebenso tapfer hielten sich Bellegarde und Hohenzollern mit ihren heldenmüthigen Schaaren zwischen Eßlingen und Aspern. Erzherzog Karl ließ die Lobanbrücke hinter den Fran¬ zosen zerstören, und nur mit Mühe gelaug es ihnen, über eine rasch hergestellte Nothbrücke in der größten Hast und Verwirrung zu flüchten. Napoleon mußte sich gestehen, daß er eine furchtbare Niederlage erlitten; ganz Oesterreich aber feierte den großen Tag; in allen Gauen, ja in dem kleinsten Dorfe herrschte freudiger Jubel, und ans allen Herzen strömte Dank dem Sieger Erzher¬ zog Karl. 48 Seitdem waren Wochen vergangen, der Kanonendonner war verstummt, und auch wir kehreu zu dem Schauplatze unserer Erzäh¬ lung, in das stille Dörfchen zurück. Wieder saßen die Bauern draußen unter der Linde, und sprachen über die letzten Ereignisse und über den S old a t e ufritze und seinen Jungen. Viele waren schon in's Dorf zurückgekehrt oder lagen verwun¬ det in den Spitälern zu Wien, nur von dem Soldatenf ritze hörte man noch immer kein Sterbenswörtchen. Der „Gezeichnete" war freilich ein grundgescheidter Mann, der viel mit Schreibereien und Büchern zn thun hatte, ja sogar lateinisch sprach er, wie Hochwürden der Herr Pfarrer, aber jener zufällige Donnerschlag, wo der liebe Herrgott sich nach ihrer Meinung selber in die Sache mischte, ließ sie doch an seiner Glaub¬ würdigkeit zweifeln. Was sie nun aber vollends nicht begreifen konnten, das war, wie so die „tolle" Lene die Mutter des Soldat enfri tze sein könne, wie man sich im Dorfe erzählte, und was doch auch recht merkwürdig war, die Lene war gar nicht mehr toll. Viele wollten sogar wissen, daß sie im Lager der Feinde gewesen, und als sie zurückkehrte, sprach sie vernünftig, wie andere Menschen, und schalt nicht und klagte nicht, und war sanft wie ein Lamm geworden. Jndeß nun die Bauern hin- und hersprachen, der Schulze sehr vernünftig that, und der dicke Apfelwirt wichtig seinen kleinen, runden Kopf hin- und herwiegte, daß es der Zipfelmütze wieder- ganz wackelig zu Muthe geworden, saßen die beiden Frauen traurig in der großen Stube beisammen. Ach! die Stube schien heute noch viel, viel größer, und so öde und leer, daß es, obwohl die Sonne draußen brannte, fast kühl darin war; und obwol die zinnernen Schüsseln und Teller glänzten so blank und schön wie sonst, und die blendenden Kissen noch immer bis an die Decke reichten, so sah es den beiden Frauen doch recht traurig in der Stube aus. Mutter Frauzl hatte die Arbeit in den Schoß gelegt, sah trübe vor sich hin, und Thrüne nur Thräne rollte die bleichen Wangen herab. 49 Sie war alt geworden, seitdem wir sie nicht gesehen; ach! vermögen wir doch nie so sehr der Zeit vorauszneilen, als wenn Kummer unsere Seele darniederdrückt und tiefe Furchen zieht auf dem Angesichte, und als sie die alte Lene ansah, da schüttelte diese gar traurig den Kopf und seufzte tief auf. Keiue sprach ein Wort und doch wußte Jede, was die Andere so tief bewegte. Heute war auch des Hofbauern Sohn aus dem Regimente heimgekehrt; nur Einer fehlte noch im Dorfe, und das war der Soldatenf ritze, und das freudige Ereigniß im Hofbauernhause machte, daß die Wuude der armeu Franzl noch stärker blutete. „Gott zum Gruß!" sagte eine Stimme in der Thüre, und ließ die arme Franzl freudig aufblicken. Es war der würdige Seelsorger des Ortes, der, ein wahrer Priester des Herrn, überall zu finden war, wo Kummer und Sorge ihr unheimliches Lager aufgeschlagen. Sein Blick streifte wehmnths- voll die beiden Frauen, und als er ihre trüben Mienen sah, schüttelte er unzufrieden das graue Haupt und nahm auf dein Stuhle Platz, den ihm Mutter Franzl hingestellt hatte, indem sie selbst ehrfurchts¬ voll vor ihm stehen blieb : „Mir scheint, mir scheint", sagte er, „ich muß Euch wieder schelten, und ich müßte mich sehr irren, wenn Ihr die Schelte nicht auch verdient." Die Erinnerung an das, was sie so sehr schmerzte, machte nun ihre zurückgehaltenen Thränen nur reicher fließen, der Geistliche aber fuhr liebevoll fort: „Da sitzt Ihr nun den ganzen lieben Tag in der leeren, großen Stube, die Euch wohl jetzt zu stille ist, und hängt, als wäre es ein Labsal, an Euerem Schmerze. Hofft und vertraut auf den lieben Gott, und wenn Euch der Muth sinken will, dann nehmt Euch das alte Mütterchen an den Arm und geht in den Wald hinaus, wo Ihr keinem hämischen Menschenangesichte begegnet, und seht Euch die Blümchen an, und die Grashalme, und all das Ge- thier, das da lebt, und denkt Euch, der Herr, der sie Alle kleidet und beschützt, der wird auch mich nicht verlassen, und wenn Ihr zurückkehrt, dann wird Euch die Stube nicht mehr so leer und düster vorkommen." 7 50 „Wie oft mm habe ich Euch gute Lehren gegeben", sprach der geistliche Herr weiter, „allem, wenn ich gehe, sind alle wieder in den Wind geschlagen. Nehmt Euch ein Beispiel an der alten Lene. Ihr Leben laug hat sie ihr Kind gesucht und schweres Leid erfahren, und nun ließ der Herr sie den Sohn, an dessen Seite sie mehr als zwei Jahrzehnte unerkannt gelebt, auf dem Schlachtfelde finden und verlieren, und doch hofft und vertraut sie auf den Herrn, denn sie weiß es, er läßt sie nicht nach so vielen Jahren den Sohn finden, damit sie ihn im selben Augen¬ blicke für immer verliere. Darum seid gescheidt, Mutter Franzl, Ihr war't doch allemal ein kluges Weib und ein wackeres Herz; ich denke halt, Euer Mann hat im Lager der Feinde seinen Buben gefunden, und sie werden Beide unversehrt wiederkehren." „Wollte Gott!" sagte Mutter Franzl, und blickte traurig zum Fenster hinaus. „Da, da, o mein Heiland!" ruft sie, und hält sich am Gesimse fest, damit sie vor Freude nicht umstürze. Da, da, drüben an der Linde vorbei, da kommen sie eben vorüber, ihr Mann, ihr Kind; aufjnbelnd eilt sie zur Thüre, und lachend und weinend vor Freude hält sie die Theueren umschlungen, und weiß des Jubels kein Ende. Die alte Lene streckt schluchzend die Arme aus, die Freude bannte sie fest auf ihrem Platze, und Mutter Franzl führt der Staunenden den Sohn entgegen, der so lang entbehrten, so schwer geprüften Mutter. Auch der kleine Fritze hängt sich an den Hals der Mutter und mit ge¬ falteten Händen, strahlende Freude in den sanften Zügen, stand der Priester, und sandte ein inniges Dankgebet nach oben. 51 10. Kapitel. Der Schandfleck. Und MM sollte man meinen, daß der S old atenfritz e wieder glücklich und friedlich lebte im Kreise seiner Familie. Dem war aber nicht so; zwar hing er in trener Liebe an ihr und alle miteinander wetteiferten an Opferwilligkeit, um der armen Lene das Leid, das sie erduldet, durch tausendfache Liebe vergessen zu machen; allein Soldaten fritze hatte den rechten Arm auf dem Schlachtfelds gelassen und konnte nun nicht mehr arbeiten, wie vordem, und so zog denn gar oft Meister Schmalhans als Koch ein bei der braven Familie. Doch darüber hörte man keine Klage und Mutter Franzl sagte: „Hab ich die Tage des Wohllebens und der Sorglosigkeit mitgenosfen, und hast Du mich ernährt, so ist es jetzt an mir, für Dich zu arbeiten, Vaterl, wie es eines braven Weibes Pflicht ist, und darum gräme Dich nicht; so lange ich meine zwei Hände habe, und der liebe Herrgott mich gesund sein läßt, kann es nimmer so arg werden. Da schüttelte wol Soldaten fritze den Kopf, doch die Noch war es nicht, welche ihn so sehr grämte und seine Haare bleichte. Potz tausend Element! er hatte des Kaisers Rock in Ehren getragen, und nun klebt ein Schandfleck daran, den ihm der rothe Caspar angeheftet hatte. Da half kein Trost, und wenn man ihm hundertmalchbewies, daß Niemand im Dorfe an jene Ver¬ leumdung glaube, er ließ es sich nicht nehmen, daß doch Jeder denken könne, was er wolle; der Gram nagte an seinem Innern, und das machte den guten Leuten gar trübe Stunden. Soldaten- 52 fritze ließ den Soldatenrock, den er mit dem Schandfleck nicht tragen mochte, an dem Nagel hängen und sprach: „Hungers kann ich sterben, aber ehrlich muß ich in die Grube fahren!" Die arme Frau! sie trocknete dann wol heimlich ihre Thränen und sagte: „Du hast heute wieder Deinen schlimmen Tag, Vater!" Auch heute hatte Soldatenfritze wieder einen schlimmen Tag. Es war heute Sonntag und der Geistliche hatte in der Predigt über Verleumdung gesprochen und gesagt: „Die Verleumdung ist ein Mord, denn sie mordet die Ehre des Menschen, sie kann sein Leben morden und ihn um Hab und Gut bringen, und darum möge man ja nie etwas Böses über einen Menschen nachsprechen, sondern es tief in seinem Innern be¬ wahren. Der gute Ruf eines Menschen ist bald vernichtet und selten ist man im Stande, ihn wieder herzustellen." Diese Worte waren nun dem armen Soldatenfritze wie aus der Seele gesprochen und der Gram nagte wieder so recht grimmig an seinem Innern; darum saß er trübsinnig da, ließ den Kopf hängen, und sprach kein Sterbenswörtchen. Auf der Ofenbank saß die alte Lene, zu ihren Füßen der Fritze, dem sie Geschichten aus ihrem Leben erzählte, und wenn sie so recht wehmüthig klangen, dann streichelte der Knabe ihre alten zitternden Hände, legte seinen Kopf auf ihren Schooß und sprach: „Und nun habt Ihr doch Jemanden, der Euch liebt, Mutter Lene, und Niemand darf Euch mehr ein Unrecht thun." Sie nickte stille mit dem Kopfe; Soldatenfritze aber seufzte tief auf, blies große Wolken aus seiner alten, getreuen Thonpfeife und sagte mißmuthig: „Weiß Gott! es ist auch schwer, ein Unrecht zu ertragen, das wurmt uud nagt gar grimmig da drin im Herzen, und wenn Verleumdung einem ordentlichen Menschen einen Schandfleck ange¬ hängt, Potz tausend Element! dann" -— — — Dichtere Wolken blies er vor sich hin, stand auf und ging nut großen, langen Schritten auf und ab. „Dn bist heute recht trübe gestimmt, Vater!" sagte Mutter F r a u z l, und traurig streiften ihre Blicke den Mann, der, seit¬ dem er aus dem Kriege zurückgekvinmen, nie mehr so recht heiter werden konnte. 53 „Potz tausend Element!" antwortete Soldatensritze, „hat man darum vor dem Feinde gestanden, damit man über die Achsel angesehen wird, und ein jeder Spitzbube Unsereinen für einen Verräther halten kann? Ich sage Dir, Franzl! es soll und es muß anders werden, wenn der liebe Herrgott da droben" „Lästere nicht, Vater!" sagte vorwurfsvoll die Frau, „der liebe Gott bringt doch immer Alles zurecht." „Ja, lästere nicht", antwortete er, „das ist leicht gesagt, ich ertrage ja ruhig Noth und Kummer und muß es ruhig ansehen, wie Du, armes Weib, für Alle arbeitest und ich lästere nicht, ich kann meinen Stummel", (indem er auf seinen Stumpf von Arm mitleidig herabsah) „mit Stolz einhertrageu, wie eine Auszeichnung, die ich aus dem Kriege heimgebracht, und die grimmigen Schmerzen stille ertragen, die er mir oft verursacht, und ich lästere nicht, aber den Schandfleck ertrage ich nimmer, daß jeder, der mich an¬ sieht, sich denken kann: „Der S o l d a t e n f r i tz e ist ein Ver¬ räther. " „Potz tausend Element! hab' die Kugeln vorbeisausen gehört und dem Tode ins Auge gesehen, ohne zu zucken; aber die Ehre ist niehr als das Leben, und der Schandfleck da, der hängt wie ein böser Fluch an mir, und ich werde unter seiner Last zusammen¬ brechen." Entmuthigt sank er auf seinen Sessel nieder, die alte Lene legte, wie schützend, ihre Hände um den Nacken des Knaben, Mutter Franzl nickte stumm, als wüßte sie es, daß es so kommen werde, und in die trübe Stimmung klang es jetzt wie ein er- muthigendes Zeichen, als der greise Pfarrer mit den freundlichen Worten: „Gott zum Gruße, m e i n e L i e b e n!" in die Stube trat. Mit einem raschen Blicke hatte er erkannt, um was es sich wieder handle, und der verheißende, tröstende Blick, den er dem braven Weibe zuwarf, zauberte einen Lichtstrahl in ihre vor Sorge verdüsterten Züge. Wußte sie doch, daß der Gute wegen des Fritze zu Wien gewesen. Soldatenf ritze hatte ehrerbietig fein Haupt entblößt, und den Gruß freundlich erwiedert; doch, 54 obgleich er sich alle Mühe gab, gelang es ihm doch nicht, die Schatten von seiner Stirne zu bannen. „Regt sich der Nnmuth wieder in Euch, Soldatenfritze", sprach vorwurfsvoll der Greis; „vergeßt Ihr schon wieder an den lieben Herrgott?" Der Angeredete schüttelte mißinnthig den Kopf. „Hadert nicht mit dem lieben Herrgott", fuhr der Geistliche fort; „Ihr habt dem Tode muthig ins Auge gesehen; Ihr könnt auch ansharren, bis sich Alles zum Guten wendet und, so Gott will, bald, vielleicht eher, als Jhr's denkt, wenden wird. Darum habt Geduld, S v l d a t e u f r i tz e, und vertraut auf ihn und auf die Dankbarkeit und Anerkennung unseres guten Kaisers und des Siegers von Aspern. Da leuchtete es in den Augen Fritze n's, als er die Beiden nennen hörte, für die er jeden Augenblick sein Leben zu lassen bereit war. Lange saß der würdige Gvttesmann noch in dem kleinen Kreise; mit Andacht lauschten sie Alle seinen erbauenden und tröstenden Worten, die so oft in trüben Stunden Balsam für die Wunden der leidenden Menschen geworden, und als er ging, waltete ein milder, ein versöhnender Geist in dem kleinen Hause, Glaube und Hoffnung ans bessere Tage hatten ihren Wohnsitz wieder darin aufgeschlagen, halfen siegreich über Noth und Kummer hinweg, und legten ans die Wunde des S o l d a t e n f r i tz e den Balsam des Trostes. 55 II. Kapitel. Die Machl des Gewissens. M ot to: Ernst den Pfad des Recht's zu wandeln. Ziemt des Mannes stolzer Kraft; Starker Glaube, treues Handeln Ist's, was ihn zum Helden schafft; Seiner Arbeit strenge Tugend Macht ihn frei und fessellos; Selbst des Lorbeers grüne Jugend Fällt dem Kämpser in den Schooß. r Kinkel. Seitdem jener furchtbare Blitz den Meineid des rothen Schreibers übertönt hatte, lag dieser gelähmt auf feinem Bette und fand weder Ruhe noch Frieden, und wenn er die müden Augen auf einen Augenblick schloß, dann rüttelten ihn die Qualen des Gewissens wieder mächtig empor. Ja, es kommt ein Tag, wo den Verbrecher, welcher der irdischen Gerechtigkeit entging, die Stimme des Gewissens furchtbar weckt, und alle irdische Strafe ist nichts gegen die Reue und das Bewußtsein der bösen That, welche mächtig an Herz und Seele des Bösewichtes pochen. Auch dem Caspar hatte die Stunde der Vergeltung geschlagen. Dem irdischen Richter war er entgangen, allein den Qualen des Gewissens, welche ihn folterten, konnte er nicht entgehen, sie nagten an seinem Herzen, sie nagten an seiner Seele, sie stellten in schreck¬ lichen Bildern die Vergeltung vor ihn hin, sie rüttelten an seinem morschen Körper und riefen: „Bekenne, bekenne!" Dann lehnte sich die alte Bosheit wieder auf: „Bekennen, damit jener Verhaßte triumphire?" rief er. „Nein, nein, nimmer¬ mehr!" Allein Krankheit und Einsamkeit sind im Stande, auch den verhärtetsten Sünder weich zu machen. 56 Mächtig pochte der Sensenmann mit seinen knochigen Händen an das morsche Hans, doch der arme Sünder konnte nicht sterben, es war ein qualvolles Etwas, das ihn immer wieder znrückhielt und seine Seele nicht erlösen wollte. „Bekenne, bekenne!" rief es wieder in ihm, und in den ent¬ setzensvollsten Bildern, welche seiner Seele vvrschwebten, sah er ein flammendes Nana kolcal, dem er nicht entrinnen konnte. S oldatenfritze saß eines Abends wieder so traurig, da trat ein Knabe in Ministrantenkleidung in die Stube und bat ihn und seine Familie im Namen des geistlichen Herrn an das Bette eines Sterbenden, und bald standen sie am Sterbelager des rothen Schreibers, dem der Geistliche vergeblich Trost zuzusprechen suchte. In wilden Fieberphantasien entrollte der Schreiber ein Bild seiner Thaten, flehend bald, bald abwehrend erhob er die dürren Hände, er sah sich vor ein Gericht gestellt wegen seines Verrathes an Oesterreich, er hörte, wie rohe Gesellen den Galgen zimmerten, er sah brennende Dörfer und Städte, hungernde Greise, und nackte Kinder, und Alle, Alle streckten wie zu einer stummen Anklage die Hände gegen ihn aus; vor ihm lag ein endloses Feld von Leichen ; und es war ihm, als hätte er sie Alle, Alle gesäet durch Verrath an Kaiser und Land, blutigrothe Goldstücke flogen vor seinen Augen hin und her, sie trugen grinsende Gesichter, sie schwollen zu riesiger Größe an, und senkten sich so schwer auf seine Brust herab, daß er unter ihrem Drucke aufschrie und die Hände flehend nach Hilfe zu den Umstehenden ausstreckte. Einen Moment starrte er dann in die Züge der alten Lene, seine Augen traten aus den Höhlen hervor, Bilder einer längst vergangenen Zeit standen vor ihm, Flammen, die er angefacht, prasselten und umhüllten eine blühende Frauengestalt, dieselbe in ihrer Mitte begrabend; ein blühend junges Weib, dem er den treuen Hüter, den Gatten von der Seite gerissen, streckt flehend und ver¬ zweifelnd ihre Hände aus uach ihrem Kiude, das er in den Armen hielt, ein gellendes Hohnlachen tönte von seinen Lippen, ein irrsinniges Weib steht vor ihm, der Angstschweiß tritt auf seine Stirne, das Weib war jung und schön, und plötzlich ist sie alt geworden, und trägt die Züge der tollen Lene. Mit lauter Stimme sprach er es aus, was in seiner Seele vorging, namenloser Schmerz verzerrte 57 seine Züge bis zur Unkenntlichkeit. „Verzeiht, verzeiht!" ruft er und sinkt, von kaltem Schweiße übergossen, in die Kissen. „Herr, erbarme Dich seiner!" beteten die Anwesenden; der greise Seelsorger aber legte die Hand aus das Haupt des Schul¬ digen und sprach feierlich: „Es ist Dir vergeben!" Da seufzte er tief auf und — war eine Leiche. Die Umstehenden knieten nieder und sandten ein Gebet empor zu dem Allbarmherzigen für den reuigen Sünder, den Schreiber- Caspar. Der folgende Tag war ein Sonntag. Aus dem kleinen Dorfkirchlein tönten erhebender Sang und Orgelklang, und der Soldatenfritze kniete mit den Seinen in den vordersten Reihen, und dankte aus voller Seele dem lieben Gott, daß der Schandfleck von ihm genommen worden, denn durch das reuige Bekenntniß des verstorbenen Schreibers, zu dem der Beichtvater auf die Bitte des Sterbenden auch den Schulzen hatte rufen lassen, war es Allen offenbar, die noch daran gezweifelt hätten, daß der Soldatenfritze kein Verräther sei. Da mischte sich in den erhebenden Chorgesang und das Gebet der Menge ein Trompetenstoß und eine glänzende Cavalcade hielt vor dem Kirchlein; ihr Führer aber, Erzherzog Karl, der Sieger von Aspern, trat entblößten Hauptes in dasselbe, und dankte Gott auf den Knien für den Sieg, den er auf dem Marchfelde unweit von hier errungen. Ein feierliches 1« vouin wurde ange¬ stimmt und begleitet von seinen Klängen stieg der Priester herab, nahm den erstaunten Soldatenfritze bei der Hand und führte ihn sammt seinem tapfern Jungen dem Feldherrn zu. Dieser nahm die Kette mit dem Ordenssterne von seiner Brust, hing sie dem Soldatenfritze um und sprach: „Dies ist der Lohn für Tapferkeit und Treue." Laut tönte der feierliche Chor; überwältigt von Stolz und Rührung sank Soldatenfritze auf die Knie, allein der Feldherr hob ihn wohlwollend auf, küßte und umarmte ihn, und nannte ihn seinen Waffenbruder, der des Kaisers Rock in Ehren getragen. 8 58 Da blieb kein Auge trocken; mit gefalteten Händen stand der Priester da, und freute sich seines schönen Werkes, denn er hatte durch seine Reise nach Wien die Auszeichnung des braven Soldate n- fritze, dessen Verdienste der Erzherzog wohl kannte, beschleunigt, um den Schandfleck von ihm zu nehmen. Seitdem waren Jahre vergangen, Sold atenfritze lebte nun wieder, geachtet und geliebt von Allen, in Frieden und beschei¬ denem Glücke mit seiner Familie. Die alte Lene war geliebt und betrauert heimgegangen, und lag nun drallsten bei ihren lieben Todten. Der kleine Fritze aber war ein schmucker, braver Soldat geworden, der, wie sein Vater, des Kaisers Rock in Ehren trug und den man wie seinen Vater nur Soldate uf ritze nannte. Der Alte aber trug noch immer sein Soldatenkleid und sagte noch immer: „Potz tausend Element! so lange ein Faden an dem andern hängt, thn' ich den Rock nicht aus, und ertönt einmal der letzte Zapfenstreich nnd rnft mich der Feldherr da oben, dann, Potz tausend Element! dann gebt mir ihn mit in die Grube, des Kaisers Rock, den ich alleweil in Ehren getragen." Ende. Inhalt. Seite 1. Kapitel: Die rolle Lene.3 2. Kapitel: Gut und Blut für's Vaterland!.8 3. Kapitel: Einst und Jetzt..15 4. Kapitel: Der Berrath.22 5. Kapitel: Ein Blitz aus heiterem Himmel.25 6. Kapitel: Der Gezeichnete.31 7. Kapitel: Der 21. Mai 1809 . 36 8. Kapitel: Mein Vaterland verrath' ich nicht!.40 9. Kapitel: Das Wiedersehen.47 10. Kapitel: Der Schandfleck.51 11. Kapitel: Die Macht des Gewissens.55 Ml>W I W S46 19S1SSS7S L08ILS D