Kr Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Redigirt von Leopold Kordesch. ^ 1?. Montag am 2V. Februar 5844. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mol ein halber Bogen, und allmonatlich ein in Wien von Meisterhand in Kupfer gestochene« kolorirtes Costumebild, illyrische Volkstrachten in Doppelfigur enthaltend, in Großquart, Der Preis des Blatte« ist in Laibach ganz» jährig S, halbjährig 3 fl. Durch die k. k. Post unter Couoert mit portofreier Zusendung ganzjährig 8, halbjährig i fl. C, M,, und wird halbjahrig vorausbezahlt. Alle k. k. Postämter nehmen Pränumeration an. I n Laibach pränumerirt man beim Verleger »m Raan, Nr. I9N, im ersten Stocke. Der Wunsch des Kühnen. ^ 3 war' ich im lautesten Netter der Schlacht, Wo der Tod aus klaffenden Wunden lacht: Oder trüg mich im Schiffbruch da« schwanke Bret, Wo die Tiefe in grausen Wirbeln geht; Oder stand' ich einsam auf Gletscher« Höh', Pfadlo« umbrcitct vom ew'gen Schnee, Oder irrt im nächtigen Zauberschacht, Wo der Greif bei »erschollene« Schätzen wacht. — Wie flog' ich, wenn heim die Schwalben zieh'n. Mit ihnen an Eis und Gletschern hin. Und schaute »n fernem SüdcrNrand Der Vorzeit Schutt und de« Berge« Brand! — Oder wiegte den Kahn »uf dem grünen Rhein — Im Römer perlte,der gold'nc Wein, Und ich sänge leise der Rose Glüh'n Und Sic erricthe der Weise Sinn! — Nur Leben in'« Leben, wie Wellen in's Meer! Leicht trag' ich den Sturm, doch die Ruhe so schwer. ' Nur dem Feinde den Muth — die Th»t der Kraft, Die Lyra dem Lied, der Lanze den Schaft; Ringsum Gefahren, doch Sorge nicht. Und freies Schaffen, nur keine Pflicht; Dann hebt sich der Fittig zum ewigen Licht, Was thut'«, wenn das sterbliche Leben auch bricht! — I. C. Etlinger. Heldenthaten auf dem Predil im Jahre »809. Von F. X. Legat. (Fortsetzung,) Befehlshaber der Verschanzungen am Predi l war der Ingenieurhauptmann Hermann. Er hatte sich, wie sein Waffenbruder, In ­ genieurhauptmann Hensel, der in Malborghetto befeh­ligte, freiwillig für diesen Posten bei Sr. kaiserl. Hoheit, Erzherzog Johann , gemeldet. Dieser, bewegt von den vereinten Bitten der jungen, von Patriotismus begeisterten Offiziere, konnte die Gewährung nicht versagen, sondern' überließ ihnen gleich Anfangs auch, die Leitung des Baues. Das Blockhaus von Predi l stand in geringer Ent­fernung links von der Straße, auf einem Absätze des von Waldungen befreiten Berghanges des Predil , der Land­spitzberg genannt. Dasselbe war gegen die Mitte Mai, als bereits die Armee des Erzherzogs Johann die italieni­schen Grenzen verlassen hatte, und die Colonnen des Vice­königs auf allen Wegen gegen Innerösterreich herannaheten, eben noch zu rechter Zeit vollendet worden, während ein kleineres Vorwerk nicht vollkommen ausgeführt werden konnte; Munition, Lebensmittel und Wasser waren auf die Dauer eines Monats vorhanden. Das Geschütz bestand aus 10 Kanonen, von denen 2 im Vorwerke placirt waren, und die Bedienung desselben aus 10 Artilleristen und 23 Mann vom Handlangercorps. Am 15. Ma i Mittags — schon drang die feindliche Di­vision Ser ras .auf der Straße von Görz heran — zog nun auch die zur Vertheidigung von Predi l bestimmte Besatzung ein, bestehend aus einer zusammengesetzten Compag­nie des Szluiner Grenzregiments unter Befehl des Hauptmanns Witkowich; sie zählte 4 Offiziere und 218 Kopfe vom Feldwebel abwärts, worunter 14 Scharfschützen. Auch Hauptmann Iankovich von eben diesem Regiment, welcher mit seiner Compagnie als Nachhut von der unge­stüm andrängenden französischen Division Serra s hart be­drängt wurde, suchte Nachmittags um Aufnahme mit den Seinen an. Da jedoch das Blockhaus nur eine Compagnie zu seiner Vertheidigung bedurfte, und auch nur für diese auf einen Monat approvisionirt war, so bewilligte Haupt­mann Herrmann dasVegehren nur unter der Bedingung, daß Hauptmann Iankovich bloß mit weniger Mannschaft im Blockhaus bleiben und an der Vertheidigung Theil neh­men, der größere Rest seiner Compagnie sich aber, so gut es ginge, durchschlagen sollte.. Und kaum hattesich die Be­satzung eingerichtet, als schon an demselben Tage die fran­zösische Avantgarde mit ihr ein ziemlich lebhaftes Tirailleur­gefecht eröffnete, während eine andere starke Abtheilung einen beschwerlichen Fußsteig, der über steile Felsen und durch Bergwässer aus dem Recolcmothale nach Raibl am «« Fuße des Predi l führt, mühsam überschritten, und somit die Verschanzungen von Predi l umgangen hatte. Dort waren drei Compagnieen vom Regiment Strassold o auf­gestellt, um die Verbindung zwischen Predi l durch das Recolanothal mit Raibl zu schützen; mit bedeutender Ueber­macht wurden sie von dieser Colonne angegriffen und zum Rückzug gezwungen. Als nun auch am folgenden Tage, (den 18. Mai) die noch übrigen, als Nachhut der Armee von Innerösterreich rückwärts detachirten Abtheilungen von der Division Albert Gyulay in die Stellung bei Tarvis zurückgezogen wurden; als auch der Feind mit immer meh­ren Truppen von Canale und auf der erkämpften Commu­nication von Recolano, dann auf den beschwerlichen Ge­birgsstegen von Flitsch und Breth heranrückte und, stündlich neu verstärkt, von allen Seiten vordrang: da war den Be­satzungen auf dem Predil und bei Malborghetto jede Hoffnung auf Entsatz benommen, und ihnen wohl nur die Wahl zwischen Ergebung oder dem rühmlichen Tode der Tapfern gelassen. Und beide, in höchster Gluth für Fürst und den Ruhm österreichischen Heldensinns, wählten > und fanden den letztern! — Am 16. Mai , mit dem frühesten Morgen, geschah der Angriff auf allen Seiten. Hart war der Kampf, der Feind überlegen, doch hielt ihn das wirksame Feuer der Besatzung noch von den Verschanzungen zurück. Auch sein Geschütz wurde durch das wohlangebrachte Feuer der außer­halb des Blockhauses aufgestellten Scharfschützen außer Schußweite zurückgehalten. Nachmittags 3 Uhr forderte ein französischer Parlamentär die Uebergabe; Hauptmann Herrman n schlug sie kurz ab, und ließ das Feuer tief in die Nacht fortsetzen. Am 1?. Mai , kaum als es tagte, erneuerte sich der Angriff viel ungestümer. Die überlegene, stets neu anwach­sende Zahl der Feinde nöthigte den Hauptmann Herrmann, seine Scharfschützen - in die Verschanzung' zurückzuziehen. Das französische Geschütz (vier oder fünf Stücke) rückte nun in die Schußweite heran und ließ sein Feuer unaus­gesetzt spielen. Viel litten dadurch die Verschanzungen, besonders die Schießscharten; bedeutend war bereits die Zahl der Tobten und Verwunderen unter der Besatzung und Artilleriebedienung; aber auch die Angreifenden hatten an diesem und am vorigen Tage noch empfindlicher« Ver­lust erlitten. Die Besatzung war vom besten Geist beseelt; brüderliche Unterstützung, Ausdauer bis auf's Aeußerste und Widerstand bis auf den letzten Mann hieß der einstim­mige, kühne Entschluß, den ihr hochherziger Befehlshaber durch begeisterndes Wort und Beispiel auf's Höchste zu steigern wußte. Nachmittags erschien ein zweiter Parlamen­tär; statt einer Unterhandlung wurde das Feuer der Be­ satzung noch lebhafter weit in die Nacht fortgesetzt. Am frühesten Morgen des 18. Ma i begann das Ge­schütz- und Musketenfeuer zwischen dem Feinde und der Besatzung sehr lebhaft; beide Theile, so auch das Block­haus, erlitten viel Schaden. Da erschien gegen 8 Uhr Morgens ein dritter Parlamentär und verlangte die Ueber­gabe. Er setzte den Hauptmann Herr mann von der Tags vorher geschehenen Erstürmung der Ver­ schanzungen bei Malborghetto und dem traurigen Loose ihrer Besatzung in Kenntniß; gleiches Schicksal drohe jener vonPredil , „wenn sie nicht ««verzögert sich ergebe; denn auf Rettung und Entsatz dürfe sie nicht zählen, da die Oesterreicher bereits in ihrer Stellung bei Tarvis an­ gegriffen seien.' Ein Offizier des Oguliner Grenzregiments, der mit wenigen Übriggebliebenen in Malborghetto gefan­ gen wurde, war in seiner Begleitung und mußte seinen Landsleuten die Aussage" des Parlamentärs in kroatischer Sprache bestätigen. Aber Herrmann' s festen Entschluß, eher zu fallen, als sich zu ergeben, konnte Nichts erschüt. tern; der Tod seines Freundes Hensel war ihm ein desto heiligerer Impuls zur gleichen Aufopferung. (Beschluß folgt.) Lucy Bernard. Wahre Begebenheit, übersetzt aus dem Englischen. (Fortsetzung.) — „Wenn er so gefühlvoll ist," sprachen sie — „so war es kein Wunder, daß er weder seinem Weibe, noch seinem Wirthe unter die Augen zu treten wagte." Ach! der arme Willia m begann sich seiner Scham zu schämen; um sich Muth zu machen, bevor er nach Hause ginge, willigte er ein, sie in ein Wirthshaus zu begleiten. Da er fühlte, hierin etwas Unrechtes zu thun — denn das erste Versprechen, welches er Lucy gegeben, war, nie in ein Wirthshaus zu gehen — so empfand er das Bedürfniß sich zu stärken. > ' Die Folgen eines solchen ersten Schrittes sind für ein schwaches Gemüth entscheidend. Das Besuchen des Wirths-Hauses ward wiederholt, sobald ein Kummer auf Will i am's Seele lastete, und die arme Lucy zitterte schon, wenn sie den Schritt auf der Treppe vernahm, auf den sie einst mit Entzücken gelauscht hatte, und fürchtete fortan die Anwesen­heit dessen, der einst ihre Freude und ihr Trost gewesen war. Anfangs machte sie Vorstellungen, aber William' s Charakter war nicht mehr, wie früher, und sie lernte bald schweigend dulden. Auch suchte sie keinen Trost in der Sympathie ihrer Freundinen, denn, obgleich sie wohl wußte, daß mehrere Nachbarinen in derselben Lage sich befänden, und sie oft laute Klagen derselben über ihre Ehemänner vernahm, so fand sie doch ihren einzigen Trost darin, ihrels Kummer, wo möglich, vor Andern verborgen zu halten. So gingen mehrere Wochen hin. Willia m konnte zum zweiten Mal seine Miethe nicht bezahlen; das Geld, welches er nach Lucy's Nach aus einem Theil ihrer Meubel gelöset hatte, um damit die'Ansprüche zu befriedigen, war im Alehause vertrunken worden, wohin er ging, um die Armuth zu vergessen, die ihn zum ersten Mal zu einem sol­chen Schritte getrieben hatte, und Lucy mußte nun bloß auf sich selbst vertrauen, und sehen, was sie etwa noch er­sparen könne. Dies blieb nicht ohne Eindruck auf Wil­liam . Eine Zeit lang besuchte er das Wirthshaus nichr, und erfreute das Herz seiner Gattin, indem er gleich nach der Arbeit nach Hause zurückkehrte. Aber sein Gemiith war zu schwach und zu empfänglich für Eindrücke, welche «V oft selbst bei einem festeren Menschen innerhalb einer Stunde eine bleibende Veränderung hervorrufen. Die Neigung, sich aufzuregen, und die Verführung schlechter Genossen brach­ten ihn bald wieder an den Unglücksort. Nicht lange dar­auf machten die Folgen seiner Aufführung sich noch ernst­hafter als zuvor bemerklich, indem er aus der Faktorei entlassen wurde, wo er seit seinem Knabenalter gearbeitet hatte. Ma n hatte ihn mehrmal diese Entlassung angedroht, aber es war ihm nicht möglich erschienen, bis eines Mor­gens ihm die Thüren nicht mehr geöffnet, wurden. Mi t der tiefsten Betummernisi wandte er sich hinweg und fühlte seine Schande so sehr, daß er nicht Mut h hatte, anderswo um Arbeit nachzusuchen. Nu n schlenderte er unthätig um­her, und sein Unglück erschien ihm nun eine Ungerechtig­keit. Statt Kummers bemächtigte sich seiner Erbitte­rung. — I n dieser Stimmung kamen andere Müssiggänger zu ihm; sie sprachen mit einander und endeten ihre Confe­renz, wo dergleichen gewöhnlich beendigt wird, in dem Wirthshause. Mittlerweile arbeitete Lucy anstrengend zu Hause; sie hatte an jenem Tage eine Arbeit vollendet, deren Preis hinreichte, ihre drückendsten Schulden zu bezahlen, und gern würde sie das .Geld behalten haben, bis Willia m nach Hause käme, um ihm die Bezahlung der Rechnung zu überlassen. Aber sie hatte gelernt, ihm zu mißtrauen, und ging daher selbst, sie zu bezahlen, hoffend, daß er bei seiner Rückkehr über die gute Nachricht erfreut sein würde. So erwartete sie ihm denn an diesem Abend mit einem Her­zen, das weniger betrübt als gewöhnlich war, aber die Nacht war schon weit vorgerückt, er kam nicht. Die Freude der armen Lucy war nun dahin, und obgleich sie über sein spätes Nachhauselommen nicht mehr in Angst gerieth, war sie doch nicht weniger unglücklich, und als sie zu Bette ging, weinte sie heftig. Am Morgen war sie wach, war allein und gerieth nun in wirkliche Angst. Als die Stun ­den verflossen und er nicht kam, eilte sie zuletzt zitternd zu der Faktorei, in der Hoffnung, einige Nachricht von ihm zu empfangen. Und allerdings empfing sie Nachrichten! man sagte ihr, daß er dort nicht mehr arbeite und daß man nichts von ihm vernommen habe. (Fortsetzung folgt,) Mandeln auszulesen. i. (dreisilbig). Bold tragen die ersten 2 ihr 3, bald das 3 seine erste« 2. — Man ißt «os erste Paar und wohnt in 3 auf gleiche Art, wie i und 2 in i, 2, 3 wohnen. — Mancher schon hat sein 3 »erspielt oder »ertrunken und hatte am Ende nicht ein Mal i , 2, 2. 2. (viersilbig). Die ersten 2 sind bald Ziffern, bald Soldaten. bald Briefe und Eilwagen.' - Bald stehen sie im Contobuche, bald im Felde und bald reiten und fahren sie, was sie können. Das letzte Paar sind Leute, denen ein gutes Trinkgeld das Höchste ist im Leben, Starke und Fleiß ist ihr Brot, wenn sie nicht 3,4-3,4 sind. Das Ganze I, 2, 3, 4 gibt es überall, in »Nen Häusern, Familien, großen und kleinen Schulen, Aemtern und Anstalten. Es ist eine Gattung menschlichen Ungeziefers, welches sich »on Verdruß und Galle nährt, und gerade das verkehrt thut, was i und 2 thu«, nämlich das sagen, was wir nicht sagen wollen. Moschus. Feuilleton des Mannigfaltigen. (Die Erfindung einer Milchmasse.) Herr Vau wer, Chemiker in Klagenfurt, hat unter strenger Beobachtung der Sa­nitätsrücksichten eine compaktc Milchmasse erfunden, welche sich Jahre lang hält und durch bloße.Vermischung mit Wasser augen­blicklich wieder in eine flüssige, wohlschmeckende Milch verwandelt werden kann. (Wettsucht der Engländer.) Ein Mensch war in die Themse gefallen. Sogleich wetteten Mehrere, die gerade am Ufer gingen, ob er ertrinken werde, oder nicht. Ein Boot stieß vom Lande, ihm zu Hilfe zu eilen. »Halt, halt!« riefen diejenigen, die für die erste Meinung gewettet hatten, »das ist kein ehrlich Spiel, ihr werdet uns ja unsere Wette verderben«! — (I n London) soll ein Bazar errichtet werden, in welchem man Lebensmittel und andere Bedürfnisse gegen Waren austauschen kann. Diese Einrichtung wird besonders den Landleuten gut zu Statten kommen. (I n den nordamerikanische« Freistaaten) gibt es 16 Städte des Namens Manchester, 10 Verlins, 10 Frankfurt's, 5 Hamburg'«, 3 Amsterdam'«, 10 Palmyra's, 4 Rom's, 10 Athen's, 8 Karthago's und 1 Babylon. Es ist zu wundern, daß die Amerikaner nur mit einem Babylon sich begnügen. (Schulden von ganz Europa.) Unser Welttheil hat im Ganzen 9000,000.000 Thaler Schulden. Jemand hat berechnet, daß auf diese Art auf jeden Europäer nur 34 Thaler kommen. Wie Mancher seufzt dabei: »Ach, wenn es doch nur so wäre!« (I n Fulda) wird gegenwärtig die Hinrichtung eines zum Tode verurtheilten Mörders, bloß aus dem Grunde verzögert, weil sich kein Scharfrichter vorfindet. O du unverdorbenes, be­neidenswerthes Fulda! — (Johann Stranß), der Walzerkönig, wird mit seinem zahlreichen Orchester eine Kunstreise nach St. Petersburg, jedoch nicht, wie es in mehreren Journalen zu lesen war, jetzt gleich, son­dern erst Anfangs Mai d. I. antreten. (Der Gesammtschade« des Hamburger Brandes) beträgt nach einer genauen Berechnung, die erst jetzt möglich ge­worden ist, bare 38,442.000 Mark Cour. An Laura. Warum blickt Laura so oft hinein in den glänzenden Spiegel? »Weil ihre Schönheit sie sieht?« — »»Weil ihre Schönheit sie sucht««. Kritische Annoncen. Klagenfurt «m 22. Februar 1844. — Was macht die Kunst? Die Kunst geht nach Brot! — »Ich weiß einem Künstler nur eine einzige Schmeichelei zu machen, und diese besteht darin, daß ich annehme, er sei »on aller eitlen Empfindlichkeit entfernt; die Kunst gehe bei ihm über Alles, er höre gern laut und frei über sich urthcilen, und wolle sich lieber auch dann und wann falsch, «ls selten be­ urtheilt wissen.« Lessing. Von Stunde zu Stunde erkämpft sich die Intelligenz neues Terrain; sichern Schrittes vorwärts schreitend, bannt sie die Theilnahmlossgkeit, »er° drängt sie die stumpfe, starre Gleichgiltigkeit. welche die Unwissenheit früherer Zeiten so sorgfältig nähite. — Durch diese Intelligenz gewinnt namentlich auch das Theater als Nationalbildungsschule stets höheres Interesse, erwirbt sich immer neue Protect»«», immer neue Anhänger, und unter der Zahl der gewöhnlichen Mäccnatcn auch »icle, die die eigentliche, wahre, heilige Kunst, und nicht »Nein die Individualität, die glänzende Außenseite des Künstlers lieben und fordern. — Mag auch der nun leider verblichene große Scydel» mann in krankhaftem Unmuthe über seine beschränkte Stellung in letzterer Zeit die gewichtigen Worte: »Es ist überhaupt mit dem deutschen Theater vorbei, wir können nichts anderes thun, als uns auf ein »llmähligcs Vc» schwinden und Hinsiechen ohne Hoffnung »uf eine Rcaction vorbereiten«, «u«< gerufen haben, — mag auch immer ein großer, seinem Wirken nach mehr der Vergangenheit, als der Gegenwart »«gehöriger Kritiker in der Emoncipation der Schauspieler, in der Errichtung stabiler Bühnen (seiner Meinung nach: Pensionsinstitute der Kunst, Invalidenhotcls der Künstler) den Rückschritt, die baldige Vernichtung, den Untergang des Theaters erblicken; — so lange noch -Männer wie: Saphir, Meynert, Holbcin, Kästner dasselbe überw». che», so lange noch Männer wie Devrient, Döring, Löwe, Rott und L» Roche dasselbe zieren, so lange die Theilnahme der Herrscher, dieTheil« nähme jedes Gebildeten ihm bleibt; so lange noch die besten, reifsten Köpfe ihre ganze geistige Thätigkeit ihm widmen, so lange wir d und kann dem Theater, dem Brennpunkte des socialen Lebens, vor keinem dauernden Rück, schritte, vor keinem Zerfalle bangen. Jener kritischen Autorität und ihren «8 Vernichtungiideen gegenüber spricht Rötscher, die pestartigen Geschwüre und Auswüchse »er modernen Bühne berührend, von seiner kritischen Macht getragen, mit Recht seine Hoffnung »uf eine Regeneration der Kunst im Sinne der Gegenwart, der Bedürfnisse de« wissenschaftlichen Bewußtsein«, und selbst der breilen Masse des gebildeten Publikums au«! — Die Intelligenz wird ohne Zweifel jene Unzahl »on verächtlichen Erbärmlichkeiten, jene rohen, au« der nackten Wirklichkeit aufgegriffene» Bilder, jene Sccnenreihen voll Zoten und Gemeinheiten, die sich jetzt manchmal auf unserer Bühne so breit machen, bannen und ausrotten; jene Dünste, die über de« Verhältnissen unserer Bühne «och znwcilen verfinsternd lagern, zertheilen, und da« Theater wieder zu dem schönen und edlen Berufe zurückführen, die nationale Poesie in die Herzen Tausender einzuimpfen, und dadurch veredelnd, ausbildend zu wirken. Diese Reaction muß von Oben hcralkommen, und der Moment ist vielleicht nicht mehr so ferne, denn: »Reif.scin ist Alles!« Eben jetzt ist die Zeit einge­treten, wo gegenüber den industriellen, materiellen Interessen des Jahrhunderts der innere echte Kern, die Vorzüglichkcit der Schaubühne sich bewähren muß. Warum sollte ein Kunstinstitut den Culminationspunkt bereit« hinter sich haben, der doch nur im Ideale denkbar ist. — Die Sache der Kritik ist es aber, den geistigen Fortschritt zu fördern , edles Bestreben im Gebiete der Hunst anzuerkennen, Abirrungen aber hemmend entgegen zu treten. Und dies gilt nicht allein »on der Kritik, die einer Hofbühnc, die einem höhern Kunstinstitutc gegenüber steht, denn hier wachen Dramaturgen, Intendan« ten, hier wacht oft ein Publikum, dem Bildung der Zweck des Lebens, geistige Nahrung Bedürfnis ist. Prouinzbühnen, sogenannte Theater zweiten, dritten Ranges sind die Pflanzschulc der Kunst (wie viele wahre Künstler gibt e«, die da« Glück hatten, ihre dramatische Laufbahn »uf Hoftheatcrn zu beginnen?), theilen aber natürlich nicht mit jenen ein« solide Grundlage, stehen manchmal unter einer Leitung, deren einzige Fähigkeit in einer durch jahrelange« Schauspielern ersparten Praxis, in Geldsucht, Spekulation und Wucher besteht. Hier ist esAufgabe derKritik, zu verhindern, daß da« fügsame, bildungs­fähige Publikum nicht »I« eine blinde, launenhafte Masse genommen werde, die nur d» ist, um ausgebeutet zu werden (ohne rigor»« zu werden, können wir auf Nordamerika und die dortigen Umtriebe der fahrenden Künstler deuten); es ist die Pflicht der Kritik, reifende Talente z» überwachen, vor Ab­wegen zu bewahren, die erreichbare Vollkommenheit ihnen zu veranschauliche«, jeden Dünkel, jede Überschreitung der Decenz strenge, aber mit ehrlichen Waffen zurückzuweisen und zu bekämpfen. Hier darf die Direktion im Vereine mit derKritik sich nicht zur Masse herablassen,sie müssen diese zustck erheben. Nur st ist ein geistiger, reger Fortschritt denkbar, nur so wird man es dahin bringen, daß die Menge mehr von einem Theater »erlangt, als augenblickliche Tödtung der Langweile, die sich unmerklich im gastlichen Familicncirkel eingeschlichen, »l« momentane Befriedigung der leicht erregte» Sinne. Und nun, geehrter Herr Redakteur, nach diesem Vorausgeschickten zum Referate über unsere Bühne genau im Sinne de« Vorstehenden: Herr Rol l hatte nach einjährigem, nicht uerdienstlosen, von dem ihm ge­wogenen Publikum aber auch über Gebühr begünstigten Wirken die Direktion ««die Herren Ebcll und Rosenschön übergeben. Hr. Rosenschön führ« die Regie des Schauspiels und Vaudcvilles und ging nach Laibach bis zum be­dingten Wechsel; Herr Ebel l übernahm die Direktion der Oper, der Posse und des diese unterstützenden Schauspiel«. — Man sieht, daß es am Wil­len nicht fehlte, unsere» Anforderungen und Erwartungen zu entsprechen. Nur hatte man hiebei die Verhältnisse der beiden Bühnen nicht berücksichtigt, und außer Acht gelassen, daß die Hälfte de« Jahres, im Sommer nämlich, keine Vorstellungen gegeben werden können, auf Weilen sich kein Sommerthcater, keine Arena befände, (Italien, das der Augen- und Ohrendc«potie, eitlem Tand und Kitzel huldigende Italien bleibt stumm unserer Literatur gegenüber, wie könnte es Sinn für ein deutsches Schauspiel zweiten Ranges »der gar für eine deutsche Oper haben?); nicht beachtet, daß in Deutschland wohl ein gutes Schauspiel neben dem Vaudeuille, nie aber die Oper blo« in Begleitung der Parodie bestehen könne. Hiczu noch die Eile, mit der die Engagements ohne «orhergegllngene Prüfung abgeschlossen werden mußten, da die Saison be­ reits begonnen, dann die unverschuldete Krankheit des ersten Tenoristen und der Umstand, daß, obwohl Herr Ebell Musikdirektor, er doch ohne Regie- und Bühnenkenntnisse ist, und keinen fähigen Regisseur an der Seite hatte. Das Unternehmen, in der Anlage schon verfehlt, mußte, d» es noch gegen da« Norurthcil de« Publikums anzukämpfen hatte, mißlingen. — Zum Schlüsse des Referats werden wir »uf die Leistungen dieser Gesellschaft, diesich jetzt in Laibach befindet, zurückkommen. Herr Rosenschön eröffnete »m 28, Dezember ». I , die zweite Hälfte der Saison mit der »Tochter de« Regiments«. Wir h»tlen seit mehrere» I»hrcn recht verwendbare, mitunter sogar treffliche Mitglieder im recitirenden Schauspiele, seit Herrn Funk aber nie eine Direktion, die ihrer Aufgabe voll­kommen sich bewußt, und mit Wahrung ihre« eigenen Vortheilc« zugleich den edleren Regungen de« Zeitgeiste« zu entsprechen im Stande gewesen wäre. — Die gegenwärtige Regie besitzt diese seltenen Fähigkeiten, die« bewies ihr Wirken in Laibach, und daher rechtfertigen sich größere Anforderungen, strengere Be° urtheilungcn von selbst. Die Stärke der Gesellschaft, deren weiblicher Thcil an Vortrcfflichkcit den männlichen weit überragt, besteht in einem trefflichen Ensemble, in einem ge­rundeten Zusammenspiel, in welchem stets die erfahrene Leitung sich sichtbar macht. Unbegreiflich ist es aber, warum die Direktion, im Besitze so bedeuten, der Kräfte, sowohl diese, als da« Publikum, welches dem Unternehmen freund­lich zur Seite steht, durch ein wahrhaft erbärmliche« Repcrtoir, ge­schmückt mit allem Schofel, den das Krankhcitssymptom des Zeitalters erzeugt, ermüdet und foltert, Die angenehmen Eindrücke, welche die Neuheit des frivol­luftigen Vaudevillei hinterläßt, wie schnell, wie beinahe absichtlich werden sie getödtcl durch all' die Lappalien, welche die Ucbersetzungswuth und eine krank, hafte Zcitrichtung zu Tage fördern. Möge die Folge c« bessern! (Beschluß folgt.) Erklärung. Ich sehe mich veranlaßt, das in Nr, 14 der »Carniolia« l, I. unter der Überschrift: »Gedankensplitter« erschienene, mit »Fr. A. Werner» unterzeichnete Gedicht »l« mein Eigenthum anzusprechen, thcil« um dieser literarischen Gaunerei die verdiente Zurechtweisung zu geben, theil« um meine Ehre in den Augen derjenigen Redaktion zu sichern, der ich obiges Gedicht bereit« vor Jahren zur Veröffentlichung übergab.*) Klagenfurt am 21. Februar 1844. Paul Nenn. Goneert-Anzeige. Die ungemein traurige Lage, in welche die meisten der dies­jährigen Mitglieder des hiesigen ständischen Theaters durch die Insolvenz des Unternehmers E., und die deshalb erfolgte vorzeitige Auflösung der Gesellschaft sich versetzt sehen, hat sich bei Dlle. Marie Gängler unstreitig zu einer der erbarmungswürdigsten gestaltet, da sie rücksichtlich der Brotlosigkeit nicht nur das gleiche Loos mit den übrigen Theatermitgliedern theilt, sondern noch überdies — wie es hier allgemein bekannt ist — den durch Unred­lichkeit des Schuldners erlittenen Verlust eines bedeutenden Ka­pitals, ihres einzigen Vermögens, zu beklagen hat. Nunmehr — nachdem sie bereits die werthvollern Effecten veräußert und ver­pfändet — von allen Subsistenzmitteln entblößt und nicht im Stande, zur Rettung ihres ehrlichen Namens einige pecuniäre Verpflichtungen zu erfüllen und ihre Weiterreise anzutreten, ist sie genöthiget, das Mitleid guter, wohlthätiger Menschen anzuflehen und um Milderung ihres wirklich alle Begriffe übersteigenden, unverschuldeten Nothstandes inständigst zu bitten. Die hiesige löbliche philharmonische Gesellschaft hat in gerech­ter Würdigung so großen Unglückes der Dlle. Mari e Gängle r die Abhaltung eines Vocal- und Instrumental-Concertes, verbunden mit Deklamation , im Saale des deutschen Ordens­hauses und unter Mitwirkung dieser hochachtbaren Gesellschaft am nächsten Mittwoch den 28. d. M . gestattet. Indem dieses vorläufig zur Kenntniß gebracht und zugleich beigefügt wird, daß es durch die warme Thcilnahme und gütige Einleitung der löbl. philh. Gesellschafts-Direktion, so wie durch die gefällige Uebernahme der Soloparthien uon Seite mehrer verehr­licher Gesellschafts-Mitglieder an einer schönen, Genuß verspre­chenden Ausstattung dieses Concertes nicht fehlen soll, wird die von Noth und Unglück schwer gebeugte Concertgeberin, da auch ein unbescholtener Lebenswandel ihr das Wort führt, dem geneig­ten Wohlwollen und der milden Unterstützung des hiesigen, im Spenden der Wohlthätigkeit stets so ausgezeichneten, Publikums dringend empfohlen. Leopold Ledenig. ») Das in Redestehende Gcdichtchen wurde uns uon Hrn. Fr, A. Werner nebst noch einigen Kleinigkeiten unter I. Februar d, I, mit seinem Namen bezeichnet, aus Gray direkt eingesandt. D« schon Gedichte uon Schiller in neuester Zeit unter fremder Chiffre abgedruckt worden sind, so ist eine Redaktion bei der Fluth von eingesandten Gedichten in solch' einem Falle um so eher zu entschuldigen; darum auch unser Institut über einer erbärmlichen Mystifikation eine« obscuren F.A. Werner erhaben ist. — Die Redaktion. Laibach. Druck und Verlag des Josef Nlasnik.