3*1 S 5^1 Weltkarte der Azimute und der Entfer- nungen filr Laibach. Mit e i n e r Kartenskizze. V on Giulio Grablowitz Direktor der Haupt-Erdbebenwarte in Ischia. Sonderabdruck aus der Monatsschrift «Die Erdbebenwarte» 1904/5, Nr. 10—-12, IV. Jahrgang. Laibach 1905. Buchdruckerei Ig. v. Kleinmayr & Fed. Bamberg. Sonderabdrucl žv?V ObooH&e>£, Sft «Die Erdbebenwarte», Nr. 10 bis 12, IV. Jahrg., 1904/5 VVeltkarte der Azimute und der Entfernungen fiir Laibach. Vor drei Jahren veroffentlichte der Verfasser im VIII. Bande des «Bollettino della Societa Sismologica Italiana* eine Karte zum Gebrauche der Erdbebenwarten, mit den Entfernungen und azimutalen Richtungen in bezug auf Rom, um mit Hilfe derselben auf einfache und leichte Art die Entfernung und die Richtung eines mutmaClichen Erdbebenherdes feststellen zu konnen. Das Material der heutigen Erdbebenaufzeichnungen erlaubt uns ohne Zweifel nicht nur mit Riicksicht auf den Zeitraum zwischen dem deutlichen ersten Impulse und dem Hauptausschlage der langsameren Bewegung einen ausreichenden Anhaltspunkt, um die Entfernung eines Erdbebenherdes zu bestimmen, vielmehr gibt es noch eine Reihe weiterer Einzelheiten, welche bei einer Erdbebenaufzeichnung die gleichen Dienste leisten. Bei einer Bebenaufzeichnung, z. B. aus Japan kommend, beobachtet man bei den ersten Impulsen ungemein kurze und kleine Bewegungen. Nach einem Zeitraum von etwa io Minuten folgt dann eine zweite Gruppe von Ausschlagen, welche aus langsameren und scharfer ausgepragten Bewe- gungen besteht; nach 25 Minuten treten sehr langsame Schwingungen mit sehr maBiger Ausschlagsweite auf, mit einer Periode von einer vollen Minute, welche rasch abnimmt auf 25 bis 20 Sekunden, bis zum Auftreten der grofien Bewegungsgruppe mit einer Periode von 1 6 Sekunden. Der Beginn dieser letzteren tritt gegen die 30. Minute (gerechnet vom Beginne der Aufzeichnung) auf und die Hauptausschlage erscheinen im allgemeinen ungefahr in der achten Minute auf dem Bebenbilde, die dann mit Unter- brechungen abnehmen, um auf einigen Apparaten nach etwa einer Stunde ganz aufzuhoren. Auf sehr empfindlichen Instrumenten, welche moglichst frei sind von den Reibungen des vergroflernden Hebelwerkes, dauern hingegen die Aufzeichnungen noch einige Stunden fort. Ahnliche Bewegungsgruppen, wenn auch nicht vollkommen gleiche, beobachtet man auch, wenn die Erdwellen aus anderen sehr fernen Gegenden kommen und es scheint im allgemeinen zuzutreffen, daO die Dauer der einzelnen Bewegungsgruppen abhangig ist von der Entfernung des Herdes und daB sie zu diesen etwa proportional ist. Von Giulio Grablowitz, Direktor der Haupt-Erdbebenwarte in Ischia. 2 Hier in groGen Ziigen die Einzelheiten, welche diesem Gesetze unter- worfen zu sein scheinen: 1. ) Der Zeitraum zwischen dem Anfang der ersten und der zweiten Bewegungsgruppe; 2. ) der Zeitraum zwischen dem ersten Impuls und der dritten Gruppe von sehr langsamen Bewegungen; 3. ) der Zeitraum wie oben bis zum Anfang der vierten Gruppe von stark en und langsamen Bewegungen; 4. ) Dauer der ganzen Storung bis zum Maximum der vierten Gruppe von Bewegungen; 5. ) Dauer der Storung bis zu den ersten Unterbrechungen; 6. ) die ganze Dauer bis zu den letzten Ablenkungen auf den empfindlicheren Apparaten; 7. ) Periode der Schwingungen insbesondere der vierten Bewegungsgruppe. Nicht an allen Erdbebenaufzeichnungen treten alle die angefiihrten Bewegungsgruppen auf, aber ein erfahrener Beobachter wird schon von der Verschiedenheit im Habitus der ganzen Aufzeichnung einen Anhaltspunkt haben, aus welcher Gegend die Storung gekommen sein mag. Es ist gewiG, daO der Hauptanhaltspunkt zur Schatzung der Entfernung in den angefiihrten Merkmalen liegt. Hinsichtlich der Herkunft zeigen jene Apparate, welche geeignet sind, die Richtung anzugeben, daG in mancher Bewegungsgruppe dieselbe voll- kommen normal ist und das kann ein Hilfsmittel sein, um die Untersuchung durchzufilhren, wie sich die Erdwellen fortgepflanzt haben. Es ist daher von besonderem Interesse, eine praktische und bequeme Methode zur Feststellung der Richtung eines Bebens aufzustellen und es ist mir angenehm gewesen, der Einladung der Schriftleitung zu folgen, um ahnlich den Karten, die ich fiir die Insel Ischia und fiir Rom hergestellt, eine solche fiir Laibach einzurichten. (Siehe Kartenskizze.) Beigeschlossen wurde auch eine Tafel, welche innerhalb einer Bogen- minute die geographischen Koordinaten angibt, wo sich die Linien, welche von 1000 zu 1000 km auf der Karte gezogen sind, mit den 16 Hauptwelt- richtungen der Stadt Laibach schneiden. Auf der Tafel sind nur die Richtungen von Osten iiber Norden bis Westen aufgenommen worden, hingegen weggelassen jene innerhalb ESE. und WSW., weil die gleichen Werte wiederkehren; es geniigt dann fiir die Breite das Vorzeichen zu andern und fiir die Lange die Werte von 180 0 abzuziehen. Die Tafel ermoglicht es, daG man sehr leicht auf jeder beliebigen Karte, auch in einem groGen MaGstabe ausgefiihrt, dieselben Kurven ziehen kann, um mit einer grofleren Genauigkeit die Entfernungen von Laibach 3 aus nach den verschiedenen Punkten zu messen. Die folgende Karte wird jedoch geniigen in den Fallen, wo es sich um keine groJ 3 e Genauigkeit handelt und ist in erster Linie fiir die Forscher bestimmt, die nicht jederzeit einen Globus zur Hand haben konnen. Der Vorteil einer solchen Karte ist ins Auge springend, wenn man bedenkt, dafi die Schatzung von Entfernungen und Richtungen schon schwierig und umstandlich auf einem Globus ist. Geradezu unmoglich wird die Abschatzung auf einer Weltkarte in der ublichen Projektion, ohne diese zu dem Zwecke eigens gezogenen Kurven. Es kann auch vorkommen, dafi daher ein in diesen Dingen nicht Bewanderter sich falschen Vorstellungen hingibt, indem er etwa, wie es haufig und fast allgemein geschieht (mit Riicksicht auf die Lage des Erdaquators, welche uns nach dem Schulunterrichte die gelaufigere ist), daran festhalt, dafi Japan im aufiersten Osten liegt, wahrend es (mit bezug auf den Horizont von Laibach eigentlich zwischen NE. und NNE. liegt, sowie auch Indien und Australien in SE. sucht, wahrend es mit bezug auf den Horizont in ostlicher Richtung zu treffen ist. Ischia, im April 1905. Klelnmayr & Bamberg, Laibach. 4 Monatsschrift: die Erdbebenwarte IV. Jahrg. 1905, Nr. 10. 11. und 12, Weltkarte der Entfernungen und der Azimute fur Laibach. Von G. Grablowifcz. LiH|.J'JldsniK' s NčichJ^.Laibdch. NARODNA IN UNIVERZITETNA KNJIŽNICA 00000510610 ■ .