Der S. und S. Jahrgang tst noch vorrätig und kann nachbestellt werden. Jtaff)0(iscDe-Tnissioiis- Tcifscörift Der SöPjne Des f)(gst. .generis Jesu. O rt) an ScsäTlarifn -Herein fürüfriftn Lrscbetnc monatlich einmal und kostet jährlich mit ff>ost3usenöung 2 K — 2 ähk. = 3 franken. rrnsslonahaus älMllanb bei Briten, Tirol. Ein ganzer Jahrgang, etnfacb gebunden, kostet Ikr. 2.30. Inhalt: Khartum.................................169 Tagebuch des hochw. P. Stephan Claudius M. Vockenhuber F. S. C. . . . . . 177 Kayaugo vor dreieinhalb Jahren und jetzt 183 Verschiedenes: Unsere Schule in Khartum 187 Aus unserem Missionshaus .... 190 Abreise in die Mission .................190 Zu unseren Bildern .....................190 ; Rundschau in den Missionen .... 191 Gcbetserhörungcn und -Empfehlungen . 192 Memento..............................192 Abbildungen: Knabenschule in Khartum. — Teilansicht von Khartum mit Moschee. — Negerbeamter im Ruhestand. — Die Sykomorc (Feigenbaum). — Karawanenlager unter einer Sykomore. — Arabischer Markt in Khartum. mm HZriefk ersten der Mederktion. ■ Frl. C. A. in A. Zur Aufnahme Ihrer Zeilen ist nichts zu entrichten. Vcrgelt's Gott für den eingesandten Betrag. Nach Graz. Kam zu spät für Juli-Heft. Die Ausführung Ihres Vorsatzes wird mich ungemein freuen. Also nur tapfer weiter Abonnenten werben. „ P. K. in A. Besten Dank für Brief. Vielleich t könnten Sie bald durch die neue Musikbande den „Stern"-Lescrn ein Ständchen zum besten geben. Herzliche Grüße an H. Chef. W. F. in G. Bisher noch nichts erhalten. Warte mit Sehnsucht darauf. Was ist mit Ihrem Vorhaben in den Ferien? Redaktionsschluß 13. Juli. Kcrhen-WerzeicHnrs vorn 15. Juni örs 18. Juli 1907. -----------In Kronen.----------- Opferstock: Albeins A. 1.—; Aubing N. W. 11.70; St. 10.29; Brixen N. N. 13.— ; I. Z. 1. —; Prof. W. 10.—; Dr. St. 3.—; durch B. H. 100.—; Bruneck A. P. K. 19.—; Corvara R. K. 2.—; Enns von mehreren 100.—; Kirmstein N. W. 1.17; Klein-Steinichschlag A. H. 6.—; Landeck R. N. 20.—; Lappach F. C. 10.— ; Lech-Aschau I. K. 1,—; Linz N. N. 100.—; Luggau M. G. 20.—; Milland I. L. 2. —; München B. L. 1.17; Ried au K. M. 25.—; St. Florian von mehreren 100.—; A. P. 10.— (für den Marienverein); Schnaitsee 58.50; Trins N. 91. 10.—; aus Binstgau 1000.—, 2000.— ; Vomp B. v. B. 10.—; Warmbrunn G. Sch. 1175.—, 70.— ; Billanders 91 97. 2.— ; Wels 9t. N. 94.—. Für „Levitcnklcidcr" : Hermagor G. K. 2.—; Obcrriet 1.90. Zur Pcrsolvicrnng von heiligen Messen sandten ein: Aug. Müller 4.66 ; Knoflach 12.—; v. Gelb 6.—; Raphael Neuner 40,—; Pfr. Sanier, 104.31; Elise Fröhlich 24.68; Steigcn-bcrger 1.40; Fam. Ketterer 2.33; Graf Schaff-gotsch 1057.81; aus Ried 80.—. Für die Mission: Joh. Peril 20.— ; I. Knieps 39.—. Für Mons. Geher: Prof. Wolf, Binzent., 10.—. Effekten: Pfarrer F. Badik (Ungarn) alte Meßklcider; Frl. K. Brixen Altarblumen; Earns H. H. A. P. Bücher. * * -t- „O Herr, verleihe allen unsere» Wohltätern um deines Namens willen das ewige Leben!" Ifnrnge Kitte. Indem wir nochmals auf den Bau der katholischen Jesus Christus-Kirche in Khartum verweisen, richten wir an alle, die es vermögen, die herzliche Bitte, beizusteuern zum Bau eines würdigen Gotteshauses in der Hauptstadt des Sudan. Gaben jeder Größe kann man unter dem Schlagwort: „Für Khartum" an das Missionshaus zu Milland bei Brixen senden. Allen Wohltätern und Spendern (von wenigstens Kr. 1 oder einer Mark) übersenden wir die Broschüre: „Khartum, ein Zentrum der Kultur im Innern Afrikas" (reich illustriert) gratis und franko. jtotöoiisröt •'missions • TellsiOrlst Wi 53Qn» C» yl-zl. Q/nins lesu. O tim tmnarlnvTXTtltiftfafMj Der „Stern der Neger" ÄSm-ÄÄ« flIMfrionetätiglielt Ser „Sobne des beiligsten Derzcns Jesu" und sucht Wer« ständnls und werhtättge liebe des nölsslonswerftce ln TOHort und Schrift zu fördern. — Das Arbeitsfeld dieser ffiMjfionäve ist der Sudan (gentralafrllta). „Mie rcbön sind die Luve derer, die den Frieden, die trobe ^Botschaft des Deiies verkünden"! (IRöm. 10,15.) Der „Stern der Neger" ÄÄrÄ< 3Brtxen (Sfiotirol) herausgegeben. Abonnement ganzjährig mit postvcrsenbung 2 K = 2 slDfc. — 3Fr. Mit Empfehlung vieler bocbvvürdigsler Jßiscböte. Ibeft 8. August 1907. X. Zadrg. Khartum. Von L. $av. Sever, Eitularbifcbof von Trocinadä, Apostolischer Vikar von Lentrai-Atrika. n folgendem bringen wir den Abdruck der Broschüre „Khartum" — die im Original sehr viele Bilder hat und ein vollständiges Bild über die neue, aufstrebende Hauptstadt des Sudan entwirft. Zweck dieser Schrift ist, recht viele edle Gönner und Wohltäter zu sammeln, die mithelfen zum Bau einer würdigen Kathedrale in Khartum. Der Verfasser dieser Schrift, unser hochwst. Herr Bischof Franz Laver Geyer, begeht im Herbst dieses Jahres sein 25jähriges Priester-jubiläum und wir können ihm gewiß keine größere Freude bereiten, als eifrig beizusteuern, daß er recht bald in den Stand gesetzt werde, den Bau der katholischen Jesus Christus-Kirche in Khartum in Angriff zu nehmen. Alle jene, die mindestens 1 Krone oder 1 Mark zu diesem Zweck einsenden, erhalten die schöne, reich illustrierte Broschüre „Khartum" gratis und franko zugesendet. 1. Geschickte von IRbartum. Khartum, oder nach der englischen Schreibweise Khartoum, die Hauptstadt des anglo- ägyptischen Sudan, liegt an der Vereinigung des Weißen und Blauen Nil unter dem 15° 36' nördlicher Breite und dem 32° 32' östlicher Länge und 378 Meter über dem Meeresspiegel. Dies ist altchristlicher Boden; hier nur einige Andeutungen darüber. Etwa vier Stunden ostwärts von Khartum liegen noch jetzt Trümmer einer christlichen Kirche. Der Ort heißt Soba und wird von manchen identifiziert mit dem antiken Saba, dessen Fürstin, die Königin von Saba, in der Heiligen Schrift (3. Kön. X., 1, 4, 10, 13) Erwähnung findet. Josephus Flavius berichtet, daß die Fürstin, welche den König Salomon besuchte, Königin von Aegypten und Aethiopien war, daß ihre Residenz Saba geheißen und daß Kambyses dieser Stadt den Namen seiner Schwester Meroe gegeben habe. Plinius berichtet, daß den Thron von Meroe Jahrhunderte hindurch Königinnen innehatten, die den Namen Candaee führten, wie in Aegypten die Könige den Namen Pharao. So erzählt auch der hl. Lukas in der Apostelgeschichte (VIII., 26, 27) von einem Kümmerer der Königin Candace von Aethiopien, welcher vom hl. Philippus die Taufe empfing. Er soll nachher das Evangelium in den Provinzen am Roten Meer verkündet und in Aethiopien eine Menge Ungläubiger zur christlichen Religion bekehrt haben. Nach Ansicht des hl. Hieronymus, Cyrillus und Eusebius gewann dieser christliche Kämmerer die Königin und durch sie das ganze Land dem Christen-tume. Nach einer alten vatikanischen Handschrift aus dem Jahre 1188 war es der erwähnte Kämmerer der Candace, der den hl. Matthäus aufnahm, als er an der Nordwestgrenze des heutigen Abessinien das Evangelium predigte. Die Wirksamkeit des hl. Matthäus in Aethiopien wird vielfach berichtet. Nach dem römischen Brevier predigte der heilige Apostel in Aethiopien und wirkte viele Wunder. Durch die Erweckung der Tochter des Königs vom Tode bekehrte er den König und dessen Gemahlin mit der ganzen Provinz. Nach dem Tode des Königs begehrte dessen Nachfolger die Königstochter Iphigenie zur Frau und da dieselbe auf den Rat des Apostels Gott das Gelübde der Jungfräulichkeit gemacht hatte und demselben treu blieb, ließ er den Apostel während der Feier des heiligen Geheimnisses am Altar töten. Seine heiligen Ueberreste wurden später in den Okzident gebracht und aus einem Briefe des Papstes Gregor VII. im Jahre 1080 an den Bischof von Salerno erhellt, daß sie in einer Kirche dieser Stadt waren, welche zu Ehren des heiligen Evangelisten geweiht war. Ein Studium der betreffenden Quellen und eine möglichst genaue Feststellung der Predigt und des Martertodes des heiligen Apostels und Evangelisten Matthäus wäre Sache eines Geschichtsforschers. Eine solche Arbeit auf kritisch-wissenschaftlicher Basis wäre höchst wünschenswert auch im Interesse unserer Mission. Bis in die Hälfte des 5. Jahrhunderts erhielt sich das Christentum in Nubien und und Aethiopien in seiner Reinheit: heilige Könige, Fürsten, Bekenner und Märtyrer waren die Früchte der nubisch-äthiopischen Kirche. Leider wurde sie in die Wirren der alexan-drinischen Kirche hineingezogen und ging dadurch ihrem unausbleiblichen Verfall entgegen. In Aegypten entstand die große Spaltung zwischen den Melchiten und den Jakobiten, welch letztere sich auch Kopten nannten. Um die Mitte des 8. Jahrhunderts wurde auch Nubien gänzlich jakobitisch oder koptisch und die monophysitische Irrlehre drang immer weiter nach Süden vor bis nach Sennaar, damals Aloa, und tief nach Abessinien hinein. Während von Norden her der Islam immer mehr um sich griff und um 1350 die nubische Dynastie in Dongola selbst sich zu ihm bekannte, blühte im Süden oder im Reiche Aloa mit der Hauptstadt Soba das jakobitische Christentum noch eine Zeitlang fort, bis es sich mit jüdischen und von Arabien herübergekommenen moslemitischen Gebräuchen mengte.. Dazu kamen noch einheimische heidnische Ueber-bleibsel, welche ganz besonders dann hervortraten und die Oberhand gewannen, als zu Ende des 15. Jahrhunderts aus Süd westen die durch Schilluk verstärkten Funds hervorbrachen, den Staat Aloa mit seiner schönen Hauptstadt Soba zerstörten und den festgegliederten heidnischen Staat Sennaar oder Dar-Fundj gründeten. Aus den Ruinen der herrlichen Kirchen Sobas wurden der Palast der Fundjkönige und, als diese sich zum Islam bekannten, auch die Moschee von Sennaar erbaut. Der Halbmond hatte das Kreuz aus ganz Nubien vollständig verdrängt. — Die Entstehung Khartums fällt in die Jahre 1821 bis 1824. Den Vizekönig Mohammed Ali von Aegypten gelüstete es nach den Goldschätzen des Sudan. Er schickte im Jahre 1820 unter dem Oberbefehl seines Sohnes Ismail Pascha eine Armee zur Eroberung desselben aus. Nach Unterwerfung der Stämme Nubiens und Sennaars trat Ismail im Siegesräusche 1821 den Rückzug an. Sein Schwager A hmed Bey war indessen als Defterdar oder Statthalter der eroberten Provinzen mit neuen Truppen herangekommen und in Kordofan eingefallen. In Sch end i auf der Heimkehr ereilte den übermütigen Prinzen die Rache der Unterdrückten. Nair-cl-Nimr, der „Tigerfürst", das Hmrpt der Djaalin, verbrannte ihn mit seinen Offizieren lebendig zur Nachtzeit, da er neue, unerschwingliche Steuern gefordert und den Fürsten persönlich beleidigt hatte. Als der Defterdar Ahmed von diesem grauenhaften Ereignis Kunde erhielt, kam er aus Kordofan herbeigeeilt und übte fürchterliche Rache. Hunderte wurden hingeschlachtet und Schendi und der größte Teil seiner Einwohner verbrannt. — In die Zeit dieses Feldzuges fällt der Ursprung Khartums. Zwischen den beiden Flüssen sahen sich die Feldherren vor einem etwaigen Landsturm gesichert und schlugen auf der Spitze der Halbinsel ihr Lager auf. Die Bewohner der Umgegend, welche Schafe, Milch und Getreide zum Verkaufe ins Lager brachten, bauten sich zur größeren Bequemlichkeit für ihren Handel Hütten in der Nähe und so entstand allmählich eine Stadt, der man nach der Form der langgestreckten Halbinsel den Namen Chartum (sprich: chartüm, das ch wie im deutschen Worte „Bach"), das heißt Elefantenrüssel, gab. Der Handel zwischen den Negerländern, Kordofan und Abessinien einerseits und Aegypten und dem Roten Meere andererseits, konzentrierte sich nach dem Untergänge der wichtigen Handelsstadt Schendi bald am äußerst günstigen Vereinigungspunkte der beiden schiffbaren Flüsse. Khartum wurde 1825 Residenz des Statthalters und Hauptstadt des ganzen Sudan; hiedurch war die weitere Entwicklung der Stadt gesichert. Churschid Pascha, von 1826—1839 Statthalter des Sudan, hielt die Einwohner an, ihre Strohhütten aufzugeben und sich Wohnungen aus Erdziegeln zu bauen. Die Lage von Alt-Khartum in einer unfruchtbaren, sandigen Ebene war nicht die lieblichste. Das Stadtbild selbst, ein planloses Durcheinander niedriger Erdhütten, untermischt mit einigen öffentlichen Gebäuden aus gebrannten Ziegeln, der Moschee mit einem einfachen, konischen Minarett und einigen Gruppen schöner Dattelpalmen, bot dem Auge wenig Erfreuliches. Von Anfang an ohne Plan und ohne Symmetrie und ganz nach Willkür angelegt, kam zur größeren Verunstaltung der Stadt noch der Umstand, daß das Material zu den geschmacklosen, meist nur einstöckigen Lehmgebäuden nahe am Banplatze selbst aufgegraben wurde, wodurch halsbrecherische Gruben und Gräben entstanden, in denen das Regenwasser monatelang stand und im Vereine mit dem in die Erdlöcher geworfenen Unrate die Luft verpestete und bösartige Fieber erzeugte, welche der Stadt das unheimliche Prädikat „Grab der Europäer" eintrugen. Ein ungefähres Bild des damaligen Khartum bietet das heutige Omdurman, nur daß dieses viel reinlicher und, weil auf höherem und trockenerem Grunde gelegen, viel gesünder ist. Das solideste Gebäude war das der katholischen Mission. Dasselbe wurde in den fünfziger Jahren ans Mitteln des Marien-Vereines erbaut. Die Mission begann zuerst im Sudan den Ban mit gebrannten Ziegeln, die in drei Oefen bei Soba am Blauen Flusse gebrannt wurden. Der Palast des Generalstatthalters folgte derselben Bauart; im italienischen Stile des 16. Jahrhunderts erbaut, imponierte er durch seine kolossalen Formen. Die Moschee und die koptische Kirche waren auch aus gebrannten Ziegeln. Im Mittelpunkte der Stadt befand sich der Basar mit Handelshäusern der Griechen und Levantiner. Die Bevölkerung bestand aus Europäern und Eingeborenen, Arabern und Negern. Die Europäer gruppierten sich um die Konsulate und die katholische Mission. Das älteste Konsulat war das österreichisch-ungarische, das am 30. März 1841 feierlich eröffnet wurde, hauptsächlich für die Interessen der Mission. Italien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Persien und die Bereinigten Staaten hatten in letzter Zeit ihre Konsularagenten in Khartum. Der Hauptteil der Bevölkerung war arabisch. Die Araber stammten von den verschiedensten Stämmen und aus den verschiedensten Gegenden. Auch die Neger der Stadt gehörten verschiedenen Stämmen an und bildeten jenen Teil der Bevölkerung, der arbeiten und leiden mußte, kurz, es waren die Sklaven. Bis zum Jahre 1882 befand sich die Entwicklung Khartums in aufsteigender Linie. Die Einwohnerzahl erreichte 60.000 und der großartige Handel mit den Rohprodukten Jnnerafrikas brachte einerelative Wohlhabenheit. 2. Die katholische /üMslion in Bit=1Rbartum. Die Wichtigkeit der Hauptstadt Khartum erkannten auch die ersten katholischen Missionäre, die im Jahre 1847 in diese Gegenden kamen und die erste und wichtigste Missionsstation daselbst gründeten. Die ersten Glaubensboten kamen am 12. Februar 1848 unter Führung des P. Max Ryllo S. J., Provikars des nen-errichteten Apostolischen Vikariats von Zenträl-Afrika, in Khartum an. Ein edler Türke verschaffte ihnen Schutz, Hilfe und Unterkunft. P. Ryllo kaufte ein Grundstück und bereits zu Pfingsten (am 11. Juni) 1848 konnte eine Kapelle eröffnet werden. Nebenbei wurden kleine, losgekaufte Neger in Erziehung ge- 172 Stern der Neger. Heft 8. 1 sä ---^ pp| l' |J Tettanstcbt von Iftbartum mit ^ßoscbee. *<1 09 Heft 8. Stern der Neger. nommen. Ryllo erlag schon am 17. Juni 1848 dem Klima; sterbend hatte er seine Vollmachten an seinen Begleiter Dr. Ignaz Knoblecher, einen gebürtigen Kramer, übertragen. Knoblecher dehnte die Missionstätigkeit bis weit nach Süden aus und gründete die beiden Stationen Heiligenkreuz bei den Dinka und Gondokoro bei den Bari. Für die damalige Zeit mit ihren armen Verkehrsmitteln waren diese entfernten Gründungen staunenswerte Leistungen. Am 29. März 1852 kehrte Knoblecher mit dem Titel und den Vollmachten eines Provikars von einer Europareise zurück, auf der es ihm gelungen war, das Protektorat Kaiser Franz Josefs I., seines Landesherrn, über die Mission von Zentral-Afrika und das Zustandekommen des österreichischen Marien-Vereines für Afrika zu erlangen. Die Knabenschule der Missionäre zählte damals bereits 40 Schüler. Der Missionsgarten wurde durch Ankauf eines entsprechenden Grundstückes bedeutend vergrößert und zwei Drittel dieser Gesamtfläche mit etwa 1200 Bäumen bepflanzt. An Stelle der Erdhütten wurde mit dem Bau eines Steinhauses begonnen. Die Steine dazu wurden bei Omdurman gebrochen und der Kalk am Blauen Fluß, eine Tagreise von Khartum entfernt, gebrannt. Im Jänner 1854 wurde der Grundstein gelegt und am 20. Juli 1856 der erste Teil des Baues eingeweiht. Im Jahre 1857 war er schon über 100 Meter lang und hatte eine Kapelle mit drei schönen Altären. Der Bau bedurfte nie einer Reparatur und war ganz aus Stein mit Ausnahme der Fußböden und Gewölbe, wozu man eigens Ziegel brannte. Gegen Ende des Jahres 1857 trat Knoblecher eine Reise nach Europa an und starb am 13. April 1858 in Neapel an den Folgen seiner ausgestandenen Strapazen. Als sein Nachfolger wurde der Missionär Matthäus Kirchner aus Bamberg zum apostolischen Provikar ernannt. Doch die Sterblichkeit unter den Missionären war sowohl in den beiden südlichen Stationen als in Khartum eine derartige, daß Provikar Kirchner im Jahre 1861 nur mehr über fünf Priester verfügte, weshalb er beschloß, zur Sicherung der Zukunft der Mission dieselbe demOrden des hl. Franziskus zu übergeben. Sein Vorschlag wurde angenommen und P. JohannReinthalerO.L.Pr. zum apostolischen Provikar ernannt. Der seraphische Orden entsandte eine beträchtliche Anzahl Mitglieder in die Mission und das Missionspersonal belief sich im Jahre 1862 auf 51 Köpfe. Doch trat abermals große Sterblichkeit ein und P. Reinthaler selbst verschied auf der Reise zu Berber am 30. April 1862. Fast alle Ueberlebenden kehrten nun zurück und dieMissionwurdedemjeweiligen apostolischen Delegaten von Aegypten unterstellt. In Khartum blieb nur P. Fabian Pfeifer aus Tirol mit einigen Laien und mehrere Jahre sogar als alleiniger Priester zurück. Später kamen P. Dismas Stadelmayr aus Innsbruck und P. Bonaventura Habeschi, ein schwarzer Missionszögling aus Khartum. Als 1870 P. Fabian nach Tirol zurückkehrte, blieb P. Dismas in Khartum bis zum Jahre 1873. Daniel Comboni aus Limone in der Diözese Brescia, welcher bereits unter Knoblecher kurze Zeit am oberen Nil gewesen, hatte mittlerweile in Verona ein Missionsseminar gegründet, dem er auch die neue Schwesternkongregation „Fromme Mütter der Negerländer", ebenfalls in Verona, an die Seite stellte. Außer bei dem Marien-Verein in Wien fand Comboni Unterstützung bei dem 1853 in Köln a. Rh. gegründeten Vereine zur Unterstützung der armen Negerkinder sowie bei dem Ludwig-Missionsverein in München. Als apostolischer Provikar übernahm Comboni die Mission in Khartum im genannten Jahre. An das Missionshaus wurde ein Neubau angefügt und darin am 9. Juni 1874 die Mädchenerziehungsanstalt unter Leitung von Ordensschwestern untergebracht. Die Baukosten bestritt wieder Oesterreich. Während früher die Missionäre nach Süden vorgedrungen waren, wandte sich Comboni von Khartum aus nach Südwesteu und gründete zwei Stationen in Kordofan und zwar in der Hauptstadl El Obeid und bei den Nuba-negern in Delen. Am 11. April 1878 hielt Comboni als apostolischer Vikar und Titularbischof von Claudiopolis seinen Einzug in Khartum. Er starb ebenda am 10. Oktober 1881. Gott nahm ihn zu sich und ersparte ihm so den Anblick der gänzlichen Verwüstung, die über die Mission bald darauf hereinbrach. 3. Zerstörung von IRbartum und Derntcbtung I der RatboUfcbe» /Ibisston. Die Mißwirtschaft der ägyptischen Regierung im Sudan hatte schon lange die Unzufriedenheit der Sndanbevölkerung wachgerufen. Ta erhob sich ein Derwisch aus Dongola namens Mohammed Ahmed, der, diese allgemeine Unzufriedenheit geschickt benützend, sich als den „Mahdi" oder Gesandten Gottes ausgab, der den Auftrag habe, die rechtgläubigen Anhänger Mohammeds vom Joche der „ketzerischen Türken" zu befreien. Mohammed Ahmed fand in dem religiösem Fanatismus leicht zugänglichen Volk einen gewaltigen Anhang. Die Behörden unterschätzten von Anfang an seinen Einfluß und so kam es, daß der Mahdi in mehreren Gefechten über die Regierungstruppen Sieger blieb, El Obeid und das ganze Kordofan sich unterwarf, am 5. November 1883 die Armee des Generals Hicks, auf deren erfolgreiche Operationen man auf seiten der Regierung die größten und letzten Hoffnungen gesetzt hatte, gänzlich vernichtete und nun eine Gefahr für Khartum selbst wurde. In dieser schweren Zeit wurde General Gordon, der bereits von 1877 bis 1879 t^eneralstatthalter des Sudan gewesen war und sich einer großen Beliebtheit beim Volk erfreute, für den einzig geeigneten, Mann gehalten, den verlorenen Posten zu retten. Er kam am 18. Februar 1881 in Khartum an und wurde mit Begeisterung von der Bevölkerung empfangen. Auf allen Seiten dehnte sich die Rebellion aus und die Vorhut der Truppen des Mahdi schloß bereits im März die Stadt von Süden ein. Am 16. März 1884 erlitten Gordons Truppen, deren Anführer von Gordon wegen Verrat hingerichtet wurde, bei einem Ausfall eine Niederlage. Doch Gordon verlor den Mut nicht; er war es auch, der in den Einwohnern Khartums die Hoffnung aufrecht erhielt. Der Geist der Empörung griff auch im Norden um sich. Die Djaalin von Matamma und die Ababda von Abu-Hamed nahmen Berber nach achttägiger Belagerung im Sturm ein. So war Gordon vom Verkehr mit dem Norden abgeschlossen. Am 2. Mai machte er einen Ausfall und erfocht einen glänzenden Sieg. Gordon leistete Erstaunliches und führte alles aus, was die Kriegskunst in solchen Fällen eingeben kann. Am 23. Oktober 1884 kam der Mahdi I selbst mit dem Kern seiner Anhänger vor Khartum an; 200.000 Feinde umschlossen die bedrängte Stadt von allen Seiten, die selbst voll loar von Verrätern. Gordon war sozusagen allein inmitten der Feinde. Die Soldaten hungerten und waren mutlos; Gordon leistete Uebermenschliches, um ihren Mut zu beleben. In der Nacht auf den 26. Jänner 1885 näherten sich die Scharen des Mahdi der Stadt von Süden her und nahmen dieselbe nicht ohne Verrat ein. Einem das Bett durchbrechenden Strom ähnlich ergossen sich die fanatischen Horden, über 50.000 Mann zählend, über das verzweifelte Khartum und richteten ein fürchterliches Blutbad unter den wehrlosen, aus dem Schlafe geschreckten Bewohnern an. Eines der ersten Opfer ihres Blutdurstes war Gordon selbst, der auf der Treppe seines Palastes, von mehreren Lanzen durchbohrt, zusammenbrach. Man hieb ihm den Kopf ab und schickte ihn als Siegestrophäe dem Mahdi nach Omdurman. Der österreichische Konsul Hansa! wurde enthauptet, seine Leiche mit der seines Hundes mit Spiritus begossen, angezündet und dann halbverkohlt in den Fluß geworfen. Dem griechischen Konsul Leondidi schnitt man zuerst die Hände ab und enthauptete ihn dann. Der amerikanische Konsul Äser sank tot nieder beim Anblick des unter seinen Augen enthaupteten Bruders. Dem Schneider Klein schnitt man vor den Augen seiner entsetzten Frau und Kinder mit einem Messer die Gurgel durch, ganz so, wie man ein Tier schlachtet. Damit nicht zufrieden, ergriff man den achtzehnjährigen Sohn des Gemordeten, durchbohrte ihn mit Lanzen und streckte ihn tot zu Füßen der Mutter nieder. Alsdann wollte man sich auch an die Ermordung des anderen, fünfjährigen Sohnes machen; da faßte wahnsinnige Verzweiflung die Mutter; sie ergriff mit der einen Hand den fünfjährigen Sohn, während sie in der anderen einen halbjährigen Säugling hielt, und kämpfte wie eine Tigerin gegen die Mordgesellen mit solcher Wut, daß es ihnen nicht gelang, der Mutter die Kinder zu entreißen. Der Schwiegersohn des Arztes Giorgi Bey, durch den Lärm aus dem Schlaf aufgeschreckt, hatte sich mit dem Kreuzzeichen bezeichnet und war an das Fenster geeilt, als ihm eine Kngel in die Stirn drang und ihn zn den Füßen seiner jungen Gattin niederstreckte. Die Wüteriche drangen in das Haus ein, zerschlugen die Tür des Zimmers, in dem der Tote lag, ermordeten einen Griechen und zerschmetterten mit einem Beile den Kopf eines zwölfjährigen Knaben, so daß das Gehirn auf die daneben stehende Mutter spritzte. Von vielen Familien rettete nur das weibliche Geschlecht das Leben, während die Männer sämtlich nicdergeschlachtet wurden. Aber auch vieler Weiber und Kinder wurde nicht geschont. Als bereits alle Straßen mit Leichen bedeckt waren, durchzogen Rotten die Stadt und spürten überall nach zufällig noch ^Lebenden, um ihnen den Garaus zu machen. Stundenlang dauerte das Morden. Mit dem Weinen und Jammern der Unglücklichen mischte sich das eigentümliche Geräusch, welches das Kopfabschlagen verursachte. Es war die entfesselte Wut Wilder, welche durch die Stadt raste und nach Menschenblut lechzte. Zehntausend Menschen waren hingeschlachtet worden und noch war der Blutdurst der Horden nicht gestillt. Endlich gab der Mahdi selbst Befehl, das Gemetzel IRegerbeamtev im IRnbestanö. einzustellen und der Ueberlebenden zu schonen. — Ausgesucht waren die Qualen, mit denen man die Ueberlebenden zur Herausgabe ihres Geldes zwingen wollte; die Nilpferdpeitsche sauste tagelang auf die Rücken der wimmernden Hinterbliebenen. Man dachte vorerst nicht an Beerdigung der Leichen, sondern an Verteilung der Beute. Ganz Khartum wurde unter die Hunderte von Emiren verteilt. Die freien Weiber und die Sklavinnen wurden in das „Bet-el-Mäl" (Schatzkammer) gebracht. Man denke sich den Schmerz dieser Unglücklichen, die, wie das Vieh in einem Hofe zusammengesperrt, vielfach noch mit schönen Kleidern angetan waren, an denen das Blut ihrer ermordeten Gatten und Söhne klebte. Ein grausames Los wartete ihrer: Sie sollten die Mörder ihrer Männer,, grausame, schmutzige Barbaren, heiraten. Die erste Auswahl geschah für den Mahdi selbst, der auch viele Mädchen von fünf itnb-mehr Jahren für sich nahm, um sie später zu seinen Frauen zu machen. Hierauf kam die Reihe an die drei Kalifen, dann an die Emire; was noch übrig blieb, wurde unter bie-gewöhnlichen „Glaubensstreiter" verteilt. Grausame Szenen, die Steine erweichen könnten, kamen da vor. Das Weinen und Flehen den weißen Frauen beantworteten die Barbaren mit rohem Lachen und abscheulichen Redensarten. Viele Frauen unb Mädchen erlagen dein Schmerze, dem Hunger und der Külte; andere erblindeten infolge des fortgesetzten Weinens. Zahlreiche Säuglinge verhungerten. Noch lange nachher sah man auf dem Markte von Onidurmaii die jiingen Frauen ermordeter Männer hernm-betteln nnd schutzlos auf offener Straße gebären, welche zumeist das Sterbelager für Mutter nnd Kind wurde. — Weiterhin erging ein Befehl, alles Wertvolle, wie Gold, Silber, Ringe, Edelsteine und Wertsachen, in die Schatzkammer abzuliefern. Vieles verschwand in den Taschen der Emire und Krieger und obgleich der Mahdi für die geringste Unterschlagung mit dem Hvllenfeuer drohte, so riskierten die Krieger doch die Hölle und behielten für sich, was sie erworben hatten. Trotzdem liefen große Schätze ein. Die schonen Gürten Khartums verteilten die Großen unter sich. Kalif Abdullahi nahm den Garten Gordons, Kalif esch Scherif den großen Garten der Mission. ?eber Emir wählte sich ein schönes Haus und richtete sich dort mit Weibern und Sklaven ein. Stets aber wurde Omdurman als Hauptstadt des neuen Reiches betrachtet und die Großen nahmen in Khartum, der Stadt der „Ungläubigen", nur vorübergehenden Aufenthalt. Schreckliche Fügung! Zwei Tage nach dem Falle Khartums, am 28. Jänner 1885, kamen von Norden her zwei Dampfer in Sicht. Es waren die Engländer, die Gordon Hilfe bringen sollten. Sic kamen zu spät, zu spät um zwei Tage! Als sie die angerichtete Ver-wüstuug sahen, blieb ihnen nichts anderes übrig, als umzukehren, wobei ihnen die Mahdisten in ohnmächtiger Wut eine Menge Kugeln nachschickten. Obwohl der Zweck nicht mehr erreicht wurde, wird das Vordringen dieser kleinen Anzahl von Engländern bis nach Khartum zur Zeit, da die Brandung fanatischer Wut den Höhepunkt erreicht hatte, stets als eine Tat bewundernswerter Kühnheit dastehen. (Fortsetzung folgt.) n XTagebucb des boclm P. Stephan Claubius sll\ IDochenbuber F. S. C. <«OT„cti 3. Weiter nach Lüden. 21. Jänner 1904: Donnerstag. Tag der Abreise von Khartum. In aller Frühe sind die Teilnehmer der Expedition an Bord des Missionsdampfers „Redemptor". Es sind dies außer dem hochwst. Herrn Bischof Geyer vier Patres und drei Brüder. P. Maggio ist für Lul bestimmt und darum unter die obigen nicht mitgerechnet. Punkt 6 Uhr früh wird abgefahren. Am Ufer grüßen uns noch die Patres und Brüder. Bald biegen wir in den Weißen Nil ein. Auf dem flachen Ufer tummelt sich eine unzählige Menge von Sumpfvögeln und Strandläufern. Auf den lueiten Ebenen zu beiden Seiten des Stromes weiden Rinderherden und da und dort erheben sich Hütten ans Stroh, die wahrscheinlich den Hirten zur Unterkunft und als Zufluchtsstätte gegen die heißen Sonnenstrahlen dienen. Gegen Mittag bemerken wir ganz in der Nähe einige Nilpferde aus dem Wasser wie schwarze Felsenklippen hervorragen. Zur selben Zeit kommen wir am Gebe! Auli, einem spitzen Bergkegel, vorüber. Er ist niedrig nnd das Gestein, besonders au den Abhängen, ganz geschwärzt. Um 7,6 Uhr abends kommen wir vor dem Dorfe El Getena an. Nach (S etena tritt die Steppenlandschaft auf. Um 9'/4 Uhr geraten wir auf eine versteckte Sandbank und der Dampfer bleibt sitzen. Allein in weniger als 5 Minuten ist er schon wieder freigelegt. Nach einer halben Stunde wird an das Ufer gefahren, der Anker geworfen und auf dieser Stelle die Nacht zugebracht. 22. Jänner: Freitag. Morgens ft,6 Uhr wird die Fahrt fortgesetzt. Ich stehe auf dem Oberteile des Schiffes. Es ist noch finster und ein rauher Nordwind pfeift um die Ohren. Herrlich hebt sich am gestirnten Himmel das „Sternkreuz des Südens" ab. Um 7l/4 Uhr bemerken wir zum erstenmal ein ganzes Dorf mit Hütten aus Stroh in Kegelform. Unzählige Nilgänse beleben in dichten Scharen den Strom. Es werden deren mehrere geschossen. Sie schmecken, wenn gehörig zubereitet, nicht schlecht. In der Naturgeschichte sind sie unter dem Namen Chena lopea Aegyptiacus bekannt. Später tauchen in kleiner Entfernung mehrere Krokodile aus dem Wasser auf. Das rechte Ufer ist hier öde und trübselig, während auf dem linken sich bebaute Felder ausdehnen. Auf einer Sandbank, dem rechten Ufer gegenüber, sonnen sich sieben Krokodile. P. Vignato feuert einen Schuß mit der Kugelflinte auf sie ab. Eines scheint getroffen, verschwindet aber sofort im Wasser. Auf dem linken Ufer wird in der Ferne ein Gebirgszug mit einer kleinen, runden Spitze sichtbar; es ist der Gebet Araschkol. Das Ufer ist hier auf eine lange Strecke von Menschen, Kamel- und Ziegenherden wie übersät. Das Ganze sieht von ferne wie ein großes Heerlager aus. Es sind aber nichts als Araber, die, aus dem Innern Kordofans kommend, ihre Tiere an den Fluß zur Tränke treiben. Das rechte Ufer bietet noch immer das wenig ergötzende Bild einer Steppenlandschaft, während auf dem linken bebaute Felder mit Wiesen und Wäldern von Suntbüumen abwechseln. Nach etwa einer Viertelstunde wird auch das rechte Ufer belebter. Nachmittags um l/,24 Uhr fahren wir an Duem am linken Ufer vorüber. Dieses Dorf mit seinen sauberen, von kleinen Mauern umgebenen Häusern inacht einen ungewohnten, günstigen Eindruck. Reges Leben herrschtlam Ufer. Nach mehrmals zweistündiger Fahrt werden einige^Balearenkraniche (Balearica pavonina), von den Arabern Garnü genannt, geschossen. Sie sind etwa 1 Meter lang und die Flügelweite beträgt T25 Meter. Körper und Hals sind schwarz. Sie haben rote Ohrenläppchen und auf dem Kopfe einen 6 cm langen, gelben Schopf. Die Flügel sind weiß, die Schwungfedern braun. Um 5 Uhr abends fahren wir an einer mit Suntwaldungen bedeckten Insel entlang. Später begegnen wir einer zweiten. Unter den Sunt-bäumen versteckt, erheben sich anspruchslose, kleine Hütten aus Stroh. Die Besitzer lagern um ein helloderndes Feuer im Freien, sich ihr karges Abendmahl bereitend. Es ist 7;V4 Uhr, als wir in Kawa landen. Wir hoffen, hier Holz zur Kesselfeuerung bekommen zu können, allein es ist keines vorrätig und so müssen wir bis zu einer bewaldeten Stelle weiterfahren, um daselbst Holz zu hauen. Nach einer Stundeschalten wir an der bewaldeten Insel Anabra. 23. Jänner: Samstag. Schon in aller Frühe beginnt das Holzhauen. Die Insel ist nur während der trockenen Jahreszeit von Hirten und Fischern bewohnt. Einer der letzteren kommt mit einem Nachen aus Rohr [auf dem Kopfe daher. Nachdem wir uns mit dem nötigen Holz versehen, wird die Reise fortgesetzt. Auf dem linken Ufer beginnt nun dichtes Schilf und Röhricht. Bald nähern wir uns der großen, ausgedehnten Insel Aba mit schönen Suntwaldungen; sie ist bekannt durch den Aufenthalt des Mahdi. Um ft, 12 Uhr sehen wir die ersten Tamarindenbäume, die sich durch ihre Höhe, das herrliche Grün der Blätter und breite Kronen auszeichnen und wegen ihrer Früchte beliebt sind. Diese haben eine ähnliche Form wie das Johannisbrot. Vor dem linken Ufer zieht sich die mit hohem Gras bewachsene sumpfige Insel „Om Bagar", d. h. „Mutter der Kuh", dahin. Einige Suntbäume und Hütten aus Stroh, in deren Nähe mehrere Kühe weiden, ist das Ganze, das sich hier vorfindet. Zn Mittag 123/4 Uhr halten wir am Ufer, um Holz zu kaufen. Die Gegend ist ob derfthier vorherrschenden Sümpfe und Moraste höchst ungesund. Nach zwei Stunden fahren wir wieder weiter. Um 6 Uhr abends erreichen wir das Endender Insel Aba, die 28 Meilen lang ist. Bell dem Dorfe Abu Gum eh, das beinUAnsgange derselben am rechten Ufer liegt, machen wir halt und nehmen einen neugebauten Kahn, der für Lul bestimmt ist, in Empfang. Hierauf wird die Fahrt bis 11 Uhr nachts fortgesetzt. 24. Jänner: Sonntag. Fest der heiligen Familie. Die Ufer sind mit Schilf gesäumt. Nach 6 Uhr morgens teilt sich der Fluß in zwei große Arme; wir folgen dem rechten. Die Insel dazwischen ist ganz mit Gras und Schilf bewachsen, aus dem sich bei unserem Vorüberkommen Vögelscharen erheben. Nach einer Viertelstunde vereinigt sich wieder der Fluß. In der Ferne zeigt sich vor uns der Djebel Ain. Um 10 Uhr vormittags bekommen wir die ersten Neger zu Gesicht; es find zwei Denka, die in einem ausgehöhlten, vorne und hinten spitz zulaufenden Baumstämme dem rechten Ufer entlang fahren. Der Fluß wird vom Röhricht immer mehr eingeengt. Auch Ambasch (Herminiera Ela-phroxilon) tritt hier schon häufig auf und die goldgelben. Blüten hängen oft bis in das Schiff herein. Das Holz ist noch leichter wie Kork und wird zur Verfertigung jener Kähne verwendet, von denen ich einen gestern auf der Insel Anabra zu sehen Gelegenheit hatte. Diese Kähne sind hinten breit und laufen vorne in eine nach rückwärts gebogene Spitze zu. Um 11?Z Uhr fahren wir am Djebel Ain vorüber. Es find zwei große Hügel und daher vielleicht der Name Ain (Auge). In der Nähe liegt ein Denkadorf. Die Fahrt wird bis 11 Uhr nachts fortgesetzt. 25. Jänner: Montag. Morgens 5 Uhr wird weiter gefahren. Um 7 Uhr halten wir in Renk, um uns mit Holz zu versehen; aus dem hohen Grase erheben sich abseits einige Hütten. Auf der Weiterfahrt kommen wir an mehreren Denkadörfern vorüber. Am Ufer stehen ein Dampfer und mehrere Dahabien. Die Dörfer sind von Mauern umgeben, die Hütten hoch und kegelförmig. Am Üfer stehen einige Wilde mit den Lanzen in der Hand. Spät abends bietet sich uns das Schauspiel eines großartigen Steppcnbrandes dar. Die Flammen züngeln fast bis zum schwarzen Himmel empor. Die ganze Gegend hinter uns ist rot beleuchtet. Es macht den Eindruck, als sehe man von ferne eine große Stadt in voller elektrischer Beleuchtung. Es wird die ganze Nacht hindurch gefahren. 26. Jänner: Dienstag. Früh morgens kommen wir an Kaka vorüber. Auf dem linken Ufer ist das dürre Gras niedergebrannt, sv daß die verschiedenen, in der weiten Ebene wie hingesäten Schillukdörfer gut sichtbar sind. Während das linke Ufer von Schilluknegern bewohnt ist, haben auf dem rechten die Denka ihr Heim. Wir fahren an einem Denkadvrf vorüber, das ganz verlassen steht. Die Einwohner haben sich wahrscheinlich zurückgezogen, um dann zur Zeit der Aussaat, d. h. wenn der Fluß gesunken ist, zurückzukehren; denn jetzt war der Fluß noch verhältnismäßig hoch. Gegen Mittag wird bei einer Holzstation gehalten und Holz gekauft, welches die hier beschäftigten Araber, gewöhnlich hiehergebrachte, einstige Mahdisten, auf den Dampfer bringen. In der Nähe liegt das Negerdorf Melnt. Während wir uns mit den Negern beschäftigen und ihren verschiedenartigenHaarputzbeobachten, kommt der Mamur, ein arabischer Offizier, der uns in sein Hans einladet und seinen sorgfältig angelegten Garten zeigt. Es ist hier auch eine Telegraphenstation. Leiter derselben ist ein junger Kopte, der ebenfalls herbeikommt, um mit uns Bekanntschaft zu machen. Im Dorfe stolzieren auch zwei zahme Strauße herum. Auf dem Rückwege treffen wir mit zwei Negern zusammen; der eine, ein sehr sympathisch aussehender Junge, trägt in einem Fetzen etwas Tamarinde. Er überläßt uns diese käuflich. Dem Zucker zieht er das Salz vor. Auf dem Kopfe und um den Hals trägt er einen Kranz aus weißen kleinen Knöpfen. 27. Jänner: Mittwoch. In der Nacht geht die Fahrt an Faschoda vorüber und um 2 Uhr morgens ungefähr landen wir vor Lul. P. Beduschi und P. Kohnen finden sich auch bald auf dem Dampfer ein. Dem hochwst. Herrn Bischof wird im Dorfe selbst ein lebhafter Empfang zuteil. Von allen Seiten stürzen die Krieger, mit Lanzen und Schild bewaffnet, unter gellendem Geschrei auf uns zu. Zwei erfassen den anfangs erschreckten hochwürdigsten Bischof und tragen ihn wie im Triumphe zum Missionskirchlein, wo Hochderselbe mit dem Allerheiligsten den Segen erteilt. Nachher sehen wir uns die Missionsstation etwas an. 28. Jänner: Donnerstag. Um 11 Uhr mittags kommt der Mak oder Ret, König der Schilluk, mit großem Gefolge zum Besuche des hochwst. Bischofes an. Die Krieger führen inzwischen Tänze und Scheinangriffe auf. Zum Festschmause erhalten sie Merissa und zwei Stiere, die sie außerhalb des Dorfes mit ihren Lanzen töten. Nachmittags 3 Uhr kehrt der Ret zurück. Vor seinem Scheiden halten er sowie einige Häuptlinge eine kurze Ansprache. Alle Krieger hören, schweigend auf den Boden niedergekauert, ihre Worte. Nur die Hornisten stehen ausrecht. Der Ret war sehr zufrieden und versprach sogar, seinen Sohn zur Mission in die Schule zu schicken. Abends nehmen wir Abschied von den Patres. P. Maggio, der hier bleibt, war vom Fieber ergriffen worden und wir umarmen ihn auf seinem Lager. Bruder Alexander kommt von Lul mit uns. 29. Jänner: Freitag. Um 6 Uhr morgens verlassen wir das traute Lul. Am Landungsplätze hatten sich noch die Patres und Brüder wie auch die ehrwürdigen Schwestern ein-gefunden. Um 10 Uhr vormittags holen wir die Barke mit unseren Eseln ein. Sie war schon gestern abgereist, hatte aber wegen Windmangel nur eine sehr kurze Strecke zurückgelegt. Nun wird sie angehängt und so haben wir denn bei 20 Esel zu Reisegefährten. Nachmittags 3 Uhr sind wir in Taufikya. Hier ist die letzte Telegraphenstation.') Nach zwei Stunden sehen wir uns an der Mündung des ans Abessinien kommenden Sobat in den Weißen Nil. Am linken Ufer bemerkt man noch einige Ueberreste des einstigen Fort Sobat. Die Hitze ist hier sehr empfindlich. Abends fahren wir in einen Chor ein, um uns mit Holz zu versehen. Es wird sodann die ganze Nacht hindurch gefahren. 30. Jänner: Samstag. Der nächstfolgende Tag bringt Nebel und große Frische. Allein gegen 9 Uhr heitert sich der Himmel wieder auf. Abends halten wir am Eingänge in den See No, da sich der reisennknndige Reis (Steuermann) zur Nachtzeit nicht mehr zu fahren getraut. 4. Ilm Jßabc=el=(Bba3al.J) 31. Jänner: Sonntag. Früh morgens wird die Fahrt fortgesetzt. Der See No ist groß und reich an großen und kleinen Inseln, die ganz mit Gras und Papyrus bewachsen sind. Er wird durch den Zusammenfluß des Bahr-el-Ghazal (Gazellenfluß) und Bahr- ') Gegenwärtig geht die Telegraphenlinie bedeutend weiter nach Süden. 2) Bahr-cl-Ghazal wird sowohl der Fluß als auch das ganze dortige Flußgebiet genannt. el-Djebel (Bergfluß) gebildet, daher auch sein arabischer Name Mokren-el-Bahur (Bereinigung der Strome). Es ist im allgemeinen eine Sumpflandschaft. Die größte Schwierigkeit, die sich hier dein Schiffahrer bietet, wenn er die Gegend nicht recht gut kennt, ist die Auffindung des Flußbettes des Bahr-el-Ghazal, was wegen der vielen Kanüle und Wasserarme nur einem kundigen Auge möglich ist. Wir verirrten uns beim auch bald in einen unbedeutenden Chor und später in einen zweiten, nach der einzigen Fächer- oder Delebpalme (Borassus flabelli formis), die sich über eine unzählige Menge von Termitenhügeln erhebt, Chor-ei^ Deleb genannt. (Die Fortsetzung dieser Reise bis Wau brachte ausführlich der 7. Jahrgang des „Stern der Neger".) 5. 1sn Mau. 18. Februar: Donnerstag. Wir sind in Wau, der Haupt-Militärstation des Gebietes des Bahr-el-Ghazal und dem Sitze des Statthalters. Gegenwärtig verwaltet dieses Amt W. A. Boulnois Bey, ein englischer Offizier. Er hatte zu unserer Unterkunft bereits drei Zelte aufschlagen lassen, in denen wir uns häuslich einrichteten, da wir voraussichtlich längere Zeit hier verbleiben mußten. Da der Platz, auf dem die Zelte sich erhoben, am Rande des Waldes war, in dem allerlei wilde Tiere hausten, so hatten wir des Nachts oft ein nicht sehr ohrenschmeichelndes Konzert anzuhören. Der hochwst. Herr Bischof reist mit P. Tappt und Br. Johann gegen Norden, um einen geeigneten Ort zur Gründung einer Station aufzufinden. 24. Februar: Mittwoch. In der Nähe ist ein kleines Dorf von Niam-Niam. Heute begeben wiruns dahin. DieBewohnernehmen uns freundlich auf. Ihre Hütten sind lässig gebaut: es ist nämlich dies nicht ihr beständiger Aufenthalt. Sie sind von rotbrauner Hautfarbe, von mittelmäßiger, aber starker Gestalt und wildem Aussehen. Sie haben Lanzen, Bogen und Pfeile. In der Schmiede- und Schlosserarbeit leisten sie mit ihren wenigen, selbst angefertigten Werkzeugen Vorzügliches. Die Wohnung des Häuptlings ist mit einer Einfriedigung aus Stroh umgeben. 27. Februar: Samstag. Fühle mich unwohl: achte aber nicht weiter darauf. 28. Februar: Sonntag. Nachmittags muß ich mich niederlegen. Hade Fieber, Kopf- und Mageilschmerzen. Abends fommt der Arzt; ordnet Chinin an. In den folgenden Tagen erkranken auch die anderen oder fühlen sich unwohl, so daß wir in einem Lazarett zu sein scheinen. 1. März: Dienstag. Vormittags kommt der hochwst. Herr Bischof zurück. Er hatte die Station Kayango unter den Golo gegründet. Die neue Station ist zwei Tagreisen von Wau entfernt und dem hl. Franz Xaver geweiht. 4. März: Freitag. Auf dem Wege der Besserung. 5. März: Samstag. Monsignore reist mit den für die neue Station bestimmten Patres Bignato und Bertola und dem Laienbruder August ab. 15. März: Dienstag. Mittags, während ich mit P. Tappi einen Ausflug mache, kommt Se. Exzellenz von Kayango zurück. 17. März: Donnerstag. Der hochwst. Herr Bischof reist mit P. Tappi gegen Tons ab, um auch in dieser Gegend einen geeigneten Platz zur Gründung einer Missionsstation aufzufinden. 19. März: Samstag. Fest des hl. Josef. Wir suchen diesen Festtag auf das feierlichste zu begehen. In dem geräumigen Wohnhause aus Stroh, welches man uns inzwischen errichtet hatte, machen wir einen schönen Altar zurecht, ans welchem die mir von der Familie Plasser in Traunkirchen (Möslleutc) zum Geschenke gemachte Statue des hl. Josef aufgestellt wird. 21. März: Montag. Am gegenüberliegenden Ufer brannte schon seit zwei Tagen in einiger Entfernung das Gras, heute abends aber wälzte sich das Feuer, von einem Gewitterstnrm angefacht, dicht heran. Ganz Wan ist rot beleuchtet. Feuerfunken werden bis über das Dach unserer Behausung getrieben. Wir halten bereits Wasser in Bereitschaft. Da wird in der Kaserne Alarm geblasen. Balo kommen Soldaten, in großen Behältern aus Blech Wasser herbeischleppend. Einige halten ans dem Dache, die anderen unten Wache. Indessen entfesselt sich ein Ungewitler; bald stürzt ein heftiger Regen vom Himmel, der nach und nach das Feuer in Schranken legt und dann fast gänzlich dämpft. Sobald der Regenschauer vorüber ist, kehren die Soldaten zurück. 27. März: Palmsonntag. Spät abends trifft der hochwst. Herr Bischof ein. Es wurde die zweite Station Mbili unter den Djur gegründet, die dem hl. Petrus Claver geweiht ist. 6. Die neue Station /Ifcbllt. 2. April: Karsamstag. Heute, an welchem Tage die hl. Kirche in der hl. Messe bereits die Auferstehung des Erlösers feiert und ein freudiges Alleluja anstimmt, jubelten auch wir in unseren Herzen, konnten wir ja doch das ungesunde Wau verlassen, das wir bereits als einen Verbannungsort betrachteten. ihn 3 Uhr morgens standen wir auf: um 4 Uhr sollten die Soldaten mit den Lasttieren eintreffen, kamen aber erst gegen 6 Uhr, so daß wir höchst verspätet die Reise antraten. Vorerst geht es durch niederes Gehölz. Um 9 Uhr setzen wir an einer seichten Stelle über den Djur. Mittags 12 Uhr erreichen wir ein größeres Dorf, wo wir Halt machen und einen Imbiß einnehmen. Nach kurzer Rast geht es ivieder vorwärts. Nach einigen Stunden durchschreiten wir zum zweitenmal den Fluß. Dem Bruder Alexander fällt der Esel unter den Füßen und beide liegen im Wasser. Gegen 5 Uhr kommen wir an einem prächtigen Galerienwald vorüber und nach gut anderthalb Stunden sind wir in der neuen Station, einer armseligen Hütte aus Durrahstengeln. Hier empfangen uns P. Tappi, der gleich nach Gründung der Station hier verblieb, sowie Bruder Klemens, der einige Tage vor uns von Wau hieher abgereist war und der statt Bruder Alexander, der für das hiesige Klima vom Arzt in Wan als untauglich erklärt worden war, hier verbleiben wird. 3. April: Sonntag. Wir feiern hier in aller Stille und Einfachheit das hl. Osterfest: Monsignore segnet Kirche und Haus ein. 4. April: Montag. In aller Frühe reist der hvchwst. Herr Bischof mit den Brüdern Alexander und Johann nach Wau ab, von wo er sich nach einigen Tagen nach Meschra-el-Rek begeben wird, um ans dem „Redemptor" nach Khartum zurückzukehren. 8. April: Freitag. In die vorderhand vollendeten Dordor jHüttenj eingezogen. Wieder an Fieber krank sowie auch P. Tappi. 13. April: Sonntag. Abends kommen acht Bellanda-Neger — ein Nachbarstamm — zum Hüttenbau, von ihrem Häuptling geschickt. Sie haben eine etwas verschiedene Mundart, obwohl sie mit den Djur verwandt sind. — Wir befinden uns bedeutend besser. 4. Mai: Mittwoch. P. Tappi begibt sich betreffs verschiedener Angelegenheiten nach Wan und Kayango. Vormittags erzählt mir der „Bolis" von einem Schwerkranken, der in der Nähe seine Wohnung haben soll. Ich lade ihn gleich ein, mich dahin zu begleiten. Mehrere Neger schließen sich an. Der wenig betretene Pfad führt uns durch Kleinwald. Nach etwa 15 Minuten erreichten wir einige Hütten, angeblich einem der Weiber des Kranken — der, wie ich später erfuhr, deren drei hatte — gehörig. Einige Schritte vorwärts begegnen wir einer Hyänenfalle und die nebenliegenden Knochen zeigen von der Nützlichkeit dieser Vorrichtung. Nach weiteren 10 Minuten führt der Weg über den Gießbach Niaduk, dessen Ufer mit großen Laubbäumen bewachsen sind. Es herrscht ein Dunkel wie in einem Galerienwald. Trockenen Fußes kommen wir hinüber. Bald sehen wir inmitten geknickter Dnrrahstengel mehrere Hütten in die Höhe ragen. Wir sind an Ort und Stelle. Laut, aufschreiend stieben die Hühner bei unserer Annäherung auseinander und neugierig erheben sich einige Faulenzer, die auf einer Tierhaut ausgestreckt waren, und starren mich wie fragend an. Auch die Weiber, mit Durrahzerstoßen beschäftigt, halten inne, der Dinge harrend, die da kommen sollen. Der „Bolis" fährt mich ohne Federlesens zur Hütte und zeigt mir den Eingang, d. h. ein Loch von etwa einem Meter Höhe und entsprechender Breite. Obwohl gerade kein Goliath, muß ich mich doch auf allen Vieren hindurcharbeiten. Tiefes Dunkel umgibt mich. Nur spärliches Licht dringt beim Türloch herein. Ich kann anfangs nichts unterscheiden und frage kleinlaut den „Polizeimann", wo sich der Kranke befinde. „Hier vor dir," gibt er auf arabisch zur Antwort. Ich beuge mich tief zur Erde und richtig, ein großer Gegenstand liegt vor meinen Augen. Diese hatten sich mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt und so konnte ich, obwohl mit einiger Anstrengung, einen großen, stämmigen Neger bemerken, der, auf einem Tierfell ausgestreckt, unbeweglich auf der Erde lag. Es war der Kranke. Zu beiden Seiten befanden sich in kniender Stellung zwei Frauen, von denen eine die älteste Gattin des Kranken ist. Ich fühle dessen Puls und finde ihn sehr schwach und langsam. Der Kranke ist mehr im Jenseits als auf dieser Welt. Schon seit drei Tagen hat er nichts mehr genossen. Die Djur kennen fast kein Heilmittel und so wurde auch bei diesem Kranken keine einzige Arznei angewendet. Man wartet einfach seine Genesung oder den etwaigen Tod ab, der auch nicht mehr fern sein konnte. Nachdem ich den Kranken untersucht und mich überzeugt hatte, daß Hilfe dringend not tat, entfernte ich mich mit der Versicherung, daß ich heute noch zurückkehren würde. Auf dem Heimwege fragt mich der „Bolis", was ich von dem Kranken halte. Ich gebe keine entscheidende, sondern vielmehr eine ausweichende Antwort und bedauere, daß man mich vom Uebelstande dieses Mannes so spät, ja vielleicht zu spät benachrichtigt hätte. Um 12 Uhr mittags bin ich wieder beim Kranken und stelle Belebungsversuche an, die von gutem Erfolg sind. Ich lege dem Kranken kalte Wasserumschläge an und zeige den Anwesenden, wie sie dies während meiner Abwesenheit anzustellen hätten. 5. Mai: Donnerstag. Finde den Kranken in sehr schlimmem Zustande. Wahrscheinlich wurden meine Anordnungen nicht genau befolgt. Alle Belebungsversuche find fast fruchtlos. Die Augen find halb offen und verdreht, so daß man nur das Weiße steht. Ich flöße ihm mit Mühe etwas Nährstoff ein, den er auch zu sich nimmt. 6. Mai: Freitag. Heute ist mein Patient bedeutend besser. 7. Mai: Samstag. Der Kranke spricht bereits einige Worte. Um die Hütte herum herrscht lauter Jubel. Zwei Trommeln werden fast ohne Unterbrechung geschlagen. Sie sind aus einem hohlen Baumstamme hergestellt, über den an einem Ende das Fell gespannt ist. Um die Trommeln herum wird getanzt. Es ist ein religiöser Reigen, um die völlige Genesung des Kranken zu erflehen. Zu diesem Zwecke werden auch zwei Ziegen getötet und in den nahen Niaduk geworfen. Die Tänzer in den sonderbarsten Kostümen werden mit Fleisch und Merissa von der Familie des Kranken bewirtet. 13. Mai: Freitag. Der Kranke kann außer Gefahr betrachtet werden, doch dürfte die anscheinende Besserung nicht von langem Bestände sein, denn er scheint an der Leber sehr angegriffen zu sein, worauf sowohl seine Aussage von Schmerzen an jener Gegend als auch die gelb unterlaufenen Augen hindeuten. Für eine solche Krankheit haben wir kein Arzneimittel vorrätig, so daß er als unheilbar zu betrachten ist. An diesem Tage wird die erste öffentliche Versammlung in einer unserer Hütten abgehalten. Dazu hatten sich außer unserem Häuptling Tud noch jene von Lio und Rangor eingefunden. Gegenstand der Verhandlung ist eine Anordnung der Statthalterei, derzufolge jeder Häuptling einen oder mehrere Jünglinge nach Wan zu senden hätte, damit sie dort in den verschiedenen Handwerken unterwiesen würden. Davon wollen aber die Häuptlinge nichts wissen. P. Tappi versucht ihnen die Vorzüge dieser Handlungsweise der Regierung begreiflich zu machen. Der Häuptling von Kangor wendet ein, daß auch von der früheren Regierung oft Knaben gefordert und dann zu Sklaven ge- macht worden seien. P. Tappi erwidert, man hätte die frühere Regierung nicht mit der heutigen zu verwechseln, daerstere, einemohammedanische, die Sklaverei unterstützte, während die jetzige von Christen (Engländern) vertreten ist, die ein solches Treiben verpönen. So bekommen die Häuptlinge auch einen richtigen und günstigen Begriff von dem Christennamen. Es wurde nämlich von mohammedanischen Soldaten, die hier vorübergehend weilten, gesagt, daß wir Christen seien, und nicht vielleicht auf die einnehmendste Weise. Der Häuptling glaubte uns deshalb auch eines Tages die Frage stellen zu müssen, ob wir wirklich Christen seien, was wir auch bejahten. Nach Beantwortung einiger Fragen von weniger Bedeutung wurde diese erste öffentliche Versammlung zur größten Zufriedenheit der Häuptlinge geschlossen.