380*6 WASSERVERSORGUNG IM KARSTGEBIETE REFERAT, GEHALTEN AM VIII. INTERNATIONALEN LAND- VVIRTSCHAFTLICHEN KONGRESS IN WIEN 1907 VON E. HE1NRICH SCHOLLMAYER~LICHTENBERG Laibach 1907. — Sonderabdruck aus den Mitteilungen des Musealvereines flir Krain, Jahrgang XX, Heft IV, V, VI. — Buchdruckerei von Ig. v. Kleinmayr c 5 I Fed. Bamberg. Wasserversorgung im Karstgebiete. Referat, gehalten am VIII. Internationalen landwirtschaftlichen Kongrefi in Wien 1907 von E. Heinrich Schollmayer-Lichtenberg. Sonderabdruclc aus den Mitteilungen des Musealvereines fiir Krain 1907 , Jahrgang XX, Heft IV, V, VI. Laibach 1907. Buchdruckerei Ig. v. Kleinmayr 1905 » 3 » > nach den Beobachtungen im Laasertale. » » 1906 »5 » ’ Dieselbe Regenmenge in 48 Stunden war gefallen: im Jahre 1904 zwolfmal » » > 1905 » 1906 siebenmal Laasertale. 27 Unter der Voraussetzung der eben beschriebenen Lei- stungsfahigkeit der Quelle kann die VergroBerung des Re- servoirs getrost bis 600 Kubikmeter und selbst noch etwas dariiber hinaus vorgenommen werden. Solche Wasserverhaltnisse, doch von verschiedener In- tensitat findet man im Musterkarst sehr haufig und mancbmal hat die Bevolkerung seit langem schon versucht, solche Quellen zu fassen, sie auch gefaBt, der Effekt war jedoch ein geringerer, da auch die gefaBten Quellen in der Trocken- heit versiegen. Das Hauptgewicht ist auf die Reservoirs zu legen, welche den UberfluB dieser Quellen aufnehmen und fur die Diirre aufspeichern sollen. In diesem Punkte hat die Wasserversor- gungsfrage anzusetzen, wenn 'es sich um schnelle Hilfe fiir kleine Ortschaften auf moglichst billigem Wege handelt.* Diese Entwicklung aus der Lokva, dem Kal mit der Hungerquelle bis zum Reservoir fiihrt direkt zu den schon in< uraltester Zeit bekannten und beniitzten Wasseraufspei- cherungsanstalten, den Zisternen. Ballif (55) sagt in seinem hervorragend interessanten Werke „Die Wasserbauten in Bosnien und der Herze- gowina“: „Die Uferlander des Mittelmeeres sind der klassi- sche Boden der Zisternenbauten". Je mehr man sich jedoch von diesem Ufer entfernt, desto seltener werden diese Bauten. * Diesen Weg hat auch die schweizerische Regierung eingeschlagen, um die Almen mit Wasser zu versehen, z. B. auf den Genossenschafts- alpen Oberkamor, Kamm, in der Alp, auf den St. Gallischen Alpen, hohe Kasten und Kamor, wo im Jahre 1880 Zisternen mit rund 600 Hekto¬ liter Fassungsraum, mit einem Kostenaufwande von rund 7000 Franken fur jede, ausgebaut wurden. (Vergl.: Alpenwirtschaftliche Skizzen aus der Schweiz, von Dr. Hein. Leithe, Agrar. Halbmonatshefte 1907, Nr. 6.) Der Karst selbst ist jedoch nichts anderes als ein «in die Ebene versetztes Hochgebirge« und die jetzt inaugurierte Aktion zur Hebung der Vieh- und Alpwirtschaft wird auch auf das Karstgebiet, und zwar vorerst in der Frage der Wasserversorgung hiniiberzugreifen haben. 28 Das hier in Rede stehende Gebiet des Karstes zeigt Zisternenanlagen verhaltnismafiig selten, man wiirde solche Anlagen in Ortschaften haufiger vermuten, im freien Felde findet man sie iiberhaupt sparlich. In den letzten Jahrzehnten ist es diesbeziiglich besser geworden; in manchen Ortschaften hat sich eine fast fleberhafte Zisternenbautatigkeit unter den Dorfbewohnern entwickelt; freilich gab zu soleh einer Tatig- keit oft erst eine Feuersbrunst, welche das ganze Dorf ein- geaschert hatte, die Veranlassung. Anderseits muh aber anerkannt werden, daB sich die Dorfler in vielen Fallen nur anf sich selbst angewiesen sahen und solche immerhin teure Bauten aus eigener Tasche, ohne fremde Beihilfe, bezahlten, sich infolgedessen nur schwer zu diesen Auslagen entschlieften konnten. Die meisten (vorwiegend die alteren) Zisternen zeigen einen runden Querschnitt des Innenraumes und der Maue- rung, oft sind sie flaschenformig mit nach oben verengter Offnung, auf welcher der SchluBstein aufliegt, der den Brunnenkranz tragt; in diesen Fallen ist der SchluBstein meist ein Monolith; auch der Brunnenkranz ist oft ein soleher. Der Fassungsraum der flaschenformigen Zisternen ist gering, 20 Kubikmeter kann als Medium gelten. Einzelne zylindrische, oben abgewolbte Zisternen zeigen Kapazitaten bis zu 300 Kubikmeter und gelten mit als die groBten. B a 11 i f (55) sagt, dafi in der Herzegowina selbst bei den altesten, aus altchristlicher Zeit und aus noch friiheren Jahr- hunderten stammenden Zisternen die Grundform immer das Prisma darstellt; diese Form findet man hier selten (vor- wiegend nur bei den neueren Bauten dieser Art), woraus sich schlieBen laBt, dafi nicht die mediterrane Zisterne, son- dern der nordische Brunnen das Vorbild fiir die hierlandi- schen Zisternen gab. Von der Bauausfiihrung der alteren Zisternen ist zu erwahnen, daB die Wolbung sehr oft aus Kalktuffstein (lahki 29 kamen) ausgefiihrt ist, welcher zu diesen Zwecken oft weit herbeigeholt wurde. Die so interessante Bauart in „Crvenica- mortel", wie sie B a 11 i f ( 55 ) aus der Herzegowina schildert, ist bei den alteren Zisternen nicht zu konstatieren, obgleich zur Hinterfiillung dieser oft Terrarossa-Lehme vervvendet wurden. Die modernen Zisternen werden alle mit Anwendung von Portland- und Roman-Zementen gebaut. Die Sammelflachen fiir die alteren Zisternen, jedoch auch fiir einen Bruchteil dieser, sind wie fiir die Lokve die um- liegenden Hange, auch Wege und StraBen. Der GroBteil der Zisternen wird heute durch Traufenwasser gespeist; alle Neubauten dieser Art sind nur fiir diese Wasserzufiihrung eingerichtet und auch die meisten der alteren wurden in diesem Sinne umgearbeitet, was eben nur in der Nahe der Baulichkeiten moglich war. Auf freiem Felde findet man leider selten Zisternen, hier miissen Lokve als Viehtranke dienen. Fiir die Beschaffung des Trink- und Nutzwassers in den Ortschaften der Karstgebiete sind die Zisternen von bedeu- tungsvollstem Werte und werden es auch in Zukunft bleiben, da vielerorts Wasserleitungsanlagen der zu grofien Kosten wegen von vornherein ausgeschlossen erscheinen. Die offenen Zisternen (nach Ballif „Tranken“, in Monte- negro ,,Ubli“ genannt) wiirden in vielen Fallen die Lokve als Viehtranken auf das vorteilhafteste ersetzen. Wie fiir die Lokve, sind auch fiir die Zisternen die be- deutendsten Erbauer im Kiistenkarste die Kastuaner; sie haben sich gewisse empirische Regeln zurechtgeschnitten und bauen nach diesen die flaschenformigen und zylindrischen Zisternen. 30 Die Sammelflachen fiir die Zisternen sind die Dacher der Wohn- und Wirtschaftsgebaude, welche vorwiegend mit den bekannten italienischen Hohlziegeln gedeckt sind. In neuerer Zeit werden diese vielfach durch die modernen Parallelstrangfalzziegel verdrangt, was fiir die Giite und Dichte der Auffangflache von grofiem Vorteile ist. Die Dachauffangflache eines Gehoftes kann im Mittel mit 200 Quadratmeter angenommen werden. Der monatliche Durchschnitt der Regenmenge betragt rund ioo Millimeter. Bei 20 Prozent Verlust leitet diese Auffangflache monatlich 16 Kubikmeter oder 160 Hektoliter in die Zisterne ab. Der Wasserverbrauch eines Gehoftes betragt rund 250 Liter taglich oder 70 Hektoliter im Monat, es bleiben somit rund 90 Hektoliter Wasser in Vorrat fiir eine einmonatliche bis vierzigtagige Dtirre. Die Kastuaner Zisternenbauer trugen und tragen diesen Verhaltnissen Rechnung, indem sie die Zisternen gewohnlich mit zwei Meter Durchmesser und sechs bis acht Meter Tiefe im Lichten anlegen, einen Fas- sungsraum von 18 bis 24 Kubikmeter schaffen. Das Wasser halt sich in gut angelegten Zisternen, und eine moglichst reinliche Auffangflache vorausgesetzt, sehr gut, klar und frisch. Die Temperatur des Wassers in solchen Zisternen iibersteigt gewohnlich nicht um vieles die Jahres- mitteltemperatur des betreffenden Ortes, bleibt sehr oft noch unter dieser. Wie eingangs bemerkt, fehlen noch in manchen Ort- schaften Zisternen. Eine Forderung der Anlage solcher Wasserversorgungsanstalten erscheint sehr notwendig, doch ist es nicht ratlich, grofle gemeinschaftliche Zisternen (Dorf- zisternen) anzulegen. Ein geeigneterer Weg scheint es zu sein, dem einzelnen Besitzer zu einer „Gehoftzisterne“ durch Subventionierung zu verhelfen, da der einzelne an einem Objekte, welches sein Eigentum ist, mit Liebe hangt, wah- 31 rend er gemeinsamen Anlagen, selbst wenn sie auch sehr dringenden Bediirfnissen abhelfen, mehr oder weniger in- teresselos gegeniibersteht.* Zu den Gehoftzisternen tragt der betreffende Interessent lieber etwas bei, da die Beitragssumme verhaltnismaBig klein ist und in erster Reihe ihm selbst zugute kommt; auch die zukiinftige Erhaltung fallt ihm zu und belastet ihn nur unmerklich. GroBe Zisternen sind an und ftir sich schwer dicht zu erhalten und wird eine solche gemeinsame Anlage leck, ist nicht nur die Bewohnerschaft ohne Wasser, auch die Re- paratur ist ungleich schwerer durchzufiihren und die Geld- mittel hiezu sind oft nur im Zwangswege zusammenzu- bringen. Ein besonderes Augenmerk ware auf „Feldzisternen“ zu richten, cliese fehlen nahezu uberall. Auf den ausgedehn- ten Weide- und Waldflachen der Karstgebiete werden solche Anlagen nachgerade zur Notwendigkeit, nicht nur in volks- wirtschaftlicher, auch in militarischer Hinsicht und sie werden mit zu den Hauptaufgaben des Meliorationswesens zu zahlen sein.** Die technische Ausfiihrung begegnet keinen Schwierigkeiten; ein Abdichten der Regenwasserauffang- flache erscheint bei den groBen Niederschlagsmengen in den Karstgebieten nicht notwendig, selbst wenn man einen Ver- lustkoeffizienten von 60 Prozent in Rechnung stellt. * In Bosnien und in der Herzegovina wurden vorwiegend nur kleine Zisternen mit 30 bis 150 Kubikmeter Fassungsraum, dafiir aber sehr viele angelegt. ** Wie notwendig und segensreich Zisternen auf dem Karste sind, sieht man in der Herzegowina; in altchristlicher Zeit war diese ein bliihendes Land mit reicher Viehzucht, welche nur durch viele Zisternen moglich war. Bis nun sind liber 700 Ruinen der Zisternen aus jener Zeit aufgedeckt worden. Die jetzige Regierung verfolgt nun den gleichen Weg; vom Jahre 1885 bis 1896 sind 202 neue Zisternen mit einem Fassungsraume von 20,378.000 Liter ausgebaut und 53 Que!len nutzbar gemacht worden. 32 Feldzisternen waren notwendigerweise unter gesetz- lichen Schutz und Strafsanktion zu stellen. Einige wenige Orte im Bereiche des Karstes sind so gliicklich, Brunnen anlegen zu konnen; es diirfen jedoch zu dieser Kategorie niclit auch jene gezahlt werden, welche so tief oder iiberhaupt so liegen, dafl der Grundwasserspiegel leicht erreicht werden kann. Bei solcher Lage ist die Mog- lichkeit, Brunnen anlegen zu konnen, selbstverstandlich, solche fallen nicht in den Rahmen dieses Referates, ihre Pramissen, Anlage und Erhaltung sind die gleichen wie in sonstigen Gebieten aufierhalb des Karstes. Es handelt sich vielmehr um Brunnenanlagen in solchen Hohen, aus welchen das Erreichen des Grundwasserspiegels von vornherein ausgeschlossen erscheint. Um in dieser Frage eine gewisse Klarheit und Prazi- sierung zu finden, ist es notwendig, auf die Karstgrund- wasserfrage naher einzugehen, da in der Literatur gerade hierin Meinungsverschiedenheiten aufgetaucht sind, welche nicht geeignet erscheinen, die Arbeiten des Hydrotechnikers zu erleichtern, ihn in seinen Voruntersuchungen eher ver- wirren konnen und leider wirklich schon vielfach verwirrt haben. Mit vollstem Rechte sagt S u p a n (47), daB „der Begriff ,Grundwasser‘ zu denjenigen gehort, iiber die in der Literatur die groBte Verwirrung herrscht". Daubree (n) nennt die oberste Grundwasseretage die „phreatische Schichte“, um die Bezeichnung „Grundwasser“ nur fiir die unterste, auf einer undurchdringlichen Gesteinsschichte aufliegende Etage reserviert zu wissen. G r u n d (46) fiihrt die Bezeichnung „Karstwasser“ fiir die Wasser der phreatischen Schichte oder das „Kluftwasser“ Supans (47) ein, rechnet dieses jedoch auch mit zu dem Grundwasser des Karstes. Diese Bereiche- rung der Nomenklatur durch Grund hat bei den Hydro- technikern des Karstes sowohl in den Entwasserungs- als auch Wasserversorgungsfragen sehr verwirrend gewirkt. — 33 Das Grundwasser in Karstgebi,eten ist n u r j e n e W a s s e r s c h i c h t e , w e 1 c h e dem H a n - gen d e n der impermeablen U n t e r 1 a g e d er d u r c h 1 a s s i g e n Kal k e aufliegt. Dies ware fest- zuhalten; denn alles Wasser in den durchlassigen Kalken selbst ist zirkulierendes Kluftwasser, welches sich von den Gewassern der oberirdischen Horizontalentwasserung nur dadurch unterscheidet, dafi es in unterirdischen geschlossenen Raumen verschiedenster GroBe und Ausdehnung horizontal und vertikal, perennierend und periodisch fliefit, bis es end- lich den Horizont des Grundwassers erreicht und in dieses iibergeht. Fiir den adriatischen Karst liegt dieser Horizont ge- wohnlich sehr tief und ist nur ausnahmsweise zu erreichen. Das zirkulierende Kluftwasser ist jedoch in allen Hori- zonten verteilt, bildet Fliisse, Bache, Quellen und Wasser- ansammlungen jeder Art, vom kleinsten Tiimpel bis zu den grofiten seeartigen Reservoirs von vielen tausend Kubikmeter Wasservorrat.* * Die Konstatierung des Kluftwassers in irgend einem Horizonte verleitete oft zur Annahme, dafi dies Grundwasser sei, weil nicht weiter beachtet wurde, wie und in welchen Horizonten das Wasser der Um- gebung verteilt ist. So kommt es auch, dafi die Uberschwemmungen in den Kesseltalern Krains dem Uberfluten des Grundwassers zugeschrieben vverden, was jedoch nicht zutreffen kann, weil die Hohlraume unter den Kesseltalern zu gleicher Zeit leer sind oder einen geringeren Wasser- stand zeigen, wie z. B. im Laasertale, wo sehr oft der Wasserspiegel in der Golobinagrotte 5 bis 6 Meter tiefer steht oder iiberhaupt nicht mehr zu erreichen ist, wahrend das Tal selbst ganz unter Wasser steht. Anderseits gibt aber z. B. der Brunnen im Dorfe Bač im oberen Poik- laufe selbst in der grofiten Trockenheit noch immer Wasser, obgleich er in 580 Meter Seehohe liegt, vvahrend die Poik selbst bei Zagorje in 550 Meter und bei Parje in 540 Meter Seehohe ganz trocken ist. Das gleiche Verhaltnis zeigt sich auch im Laasertale, vvo unterirdische Re- servoire 8 bis 9 Meter hoher liegen als der oberirdische Flufilauf und dieser sowie seine unterirdischen Hohlungen ganz trocken liegen, wahrend 3 34 Durch das Anfahren solcher Kluftwasseradern und Be- halter ist eine ausgiebige Wasserversorgung ermoglicht. Hieher gehoren auch die „Grundwasserdolinen“ Cvijič’ (12) (l.c., P. 21). Ballif (55) ( 1 . c. 3 P. 82, I.T.) erwahnt mehrere Wasserversorgungsanlagen, vvelche durch Beniit- zung des Kluftwassers in Betrieb gesetzt wurden und sagt, daB nur durch genaue Beobachtungen und Forschungen, nicht aber durch aufs Geratewohl unternommene Bohrungen oder das Abteufen von Schachten zum Ziele, das heiBt zur genauen Feststellung der unterirdischen Wasserlaufe gelangt werden lcann. Hierin liegt der Schwerpunkt der ganzen Frage. Die Hohlenforschung in den Karstgebieten, welche vor Jahren einen so guten Anlauf genommen und schone Resultate gezeitigt hat, ist merklich abgeflaut und nur mehr dem PrivatfleiBe uberlassenA' Nicht zum letzten haben die falschen Auffassungen in der Grundwasserfrage diesen Rtickgang mitverschuldet. Die Hohlenforschung — nicht nur als ein Teil der geo- graphischen Wissenschaft, sondern als ein integrierendes erstervvahnte Reservoire voli Wasser sind. Das Gleiche gilt von dem friiher ervvahnten «See Tiberias* * in der Kreuzberghohle. Der Grund- wasserspiegel kann allerdings auch in mehreren Horizonten auftreten, gleichsam »gebrochen* sein, wie z. B. im Osten von Schlesvvig-Holstein. Der dortige undurchlassigeUntergrund, ein Geschiebemergel, erscheint durch Drift und Inlandseis sehr gefaltet und in verschiedene Horizonte gehoben, der Grundwasserspiegel ist dieser Faltung angepafit und es ist echtes Grundwasser, weil die darunterliegende Schichte undurchlassig und unter dieser Schichte uberhaUpt kein Wasser mehr ist. (Vergl. Haas, Quellenkunde, Leipzig, J. J. Weber, 1895.) * Vergl. «Globus», Bd. 89, Nr. 10; »Jahrbuch der VVeltreisen und geogr. Forschungen*, VI. Jahrg., 1907; «Laibacher Zeitung» verschiedene Jahrgiinge; die Publikationen der Sektion Kvistenland des D. u. O. Alpen- vereines, des Triester Tourenklubs, des Vereines «Hades» in Triest, des Vereines deutscher Touristen in Brunn und vieler Einzelforscher in der Tagesliteratur. 35 hervorragendes Hilfsmittel des Meliorationswesens im be- sonderen — wird wieder kraftigst einzusetzen haben, um die vielen Fragen der subterranen Hvdrographie einer Losung naher zu bringen. Kartographische Aufnahmen werden uns die unterirdische Wasserzirkulation vor Augen fiihren und es ermoglichen, auch die Kluftwasser der Wasserversorgung in den Karstgebieten dienstbar zu machen. Von dieser Art der Wasserversorgung wird noch manch schoner Erfolg zu erhoffen sein. Wie schon friiher erwahnt, ist der Dolomit in den Karst¬ gebieten quellenbildend und -fordernd. Tritt dieses Gestein in groBer raumlicher Ausdehnung und Massigkeit auf, so ist die oberirdische Entwasserung oft in einer ganz bedeutenden Machtigkeit entwickelt, es bilden sich sozusagen Oasen mitten in der Karstlandschaft und der Wasserreichtum dieser erlaubt die Anlage groBartiger W asserleitungen zur Versorgung der Ortschaften, oft ganzer Gemeinden, mit dem notigen Wasser sowie die Leitung der notigen Wassermassen auf grofie Entfernungen bis in das Herz der odesten Karst- gebiete. Wo soleh subaerische Wasservorrate in der Natur vor- handen sind, wird die Wasserversorgungsfrage auf dem Karste nur mehr zur Geld- und rein technischen Frage. Die Durchfuhrung soleher Anlagen unterscheidet sich in nichts von den Wasserleitungsanlagen anderer Gebiete; eine Be- sprechung dieser wiirde nicht mehr in den Rahmen dieses Referates fallen. Bedeutende Wasserha-ltigkeit findet man auch oft in den der Kreide schalenformig aufgelagerten Schichten der Tertiarbildungen (Neogen, Eozen usw.)- Auch diese konnen den Grund zur Anlage bedeutenderer Wasserleitungen geben und fiir diese das Urreservoir bilden. Wie schon eingangs erwahnt, ist bei jeder Wasser- leitungsanlage — besonders jedoch bei solehen in den Karst- 3 * 36 gebieten — darauf Bedacht zu nehmen, dafi der Wasser- verbrauch nicht nur relativ mit der Vermehrung der Bevol- kerung, sondern auch absolut, durch den leichteren Wasser- bezug — sehr plotzlich und in oft ungeahnter Weise steigt. Dies mufi nun ganz besonders dann in Betracht gezogen werden, wenn eine der aufgelagerten tertiaren Schichten als Sammelgebiet fiir die Wasserleitungsanlage gefafit werden soli, weil diese auflagernden Schalen sehr oft nur von ge- ringer Flachenausdehnung sind, ein kleines Sammelgebiet darstellen, in welches die Tagwasser der umliegenden Karst- hange einstromen und aufgespeichert werden. Diese natiir- lichen Reservoirs erweisen sich nach Anlage der Leitung oft als zu wenig ergiebig; tritt dann auch noch der Umstand hinzu, dafi die umliegenden Plange durch die Karstauffor- stungsarbeiten in Bestand gebracht und bewaldet werden, so sinkt die Zufuhr der Tagwasser bedeutend, da dem Walde bekanntlich eine ganz eminent wasserhaltende Kraft inne- wohnt und anderseits sein Verdunstungsvermogen ein sehr grofies ist.* Das Zusammenwirken solcher Umstande kann verur- sachen, dafi eine Wasserleitung in kurzer Zeit den Anforde- rungen nicht mehr geniigt und die Bewohner des betreffen- den Ortes wenigstens teilweise wieder zu ihren alten Hilfs- mitteln greifen miissen. Die Wasserversorgung auf dem Karste wiirde nach dem Vorhergesagten nachstehende Postulate zu erfiillen oder das schon Begonnene weiter durchzuftihren und auszubauen haben: * In Markirchen im Elsafi beobachtete man, dafi sich im dortigen Stadtwalde die Ergiebigkeit der Quellen nach Aufforstungen mit Fichten bedeutend verminderte. (Vergl. «Čst. Forst- und Jagdzeitung» vom 5. April 1907, Nr. 14 [1266].) Das Gleiche beobachtet man bei dem Dorfe Grafen- brunn auf der Poik nach Aufforstungen mit Schwarzkiefer. Vergl. auch den Artikel «Das Schwinden des Wassers in den oberen Bodenschichten» von Schiller-Tietz in der «Ost. Forst- und Jagdzeitung® vom 30. August 1907, Nr. 36 (1287). 37 1. ) Die Verbesserung, VergroBerung der schon vorhan- denen und die Neuanlage von „Lokven“ (Karstlachen.) als Viehtranke und Dorfteich, zur Wasserentnahme bei Feuers- brunsten, als Nutzwasserreservoir usw. in den Dorfern selbst. Verbesserung oder Neuanlage von „Lokven“ auf den Feld- und Weidefluren, wo solche notwendig. Hiebei handelt es sich in erster Reihe um solche Falle, in welchen schnell und mit geringen Mitteln geholfen werden soli. 2. ) Die Fassung von „Hungerquellen“, Aufspeicherung des Wassers dieser in gebauten Reservoirs und Weiter- fiihrung durch VVasserleitungen oder Pumpen dort, wo die Quelle nicht gar zu armlich ist und es sich vorwiegend nur um kleinere Ortschaften handelt. (Bedacht auf VVasserver- schwendung!) 3. ) Die Anlage von „Zisternen“ in den Dorfern mit Speisung durch Traufemvasser, und zvvar nicht als eine grofie Dorfzisterne, sondern als kleinere „Gehoftzisternen“ in groBerer Zahl. Die Anlage von „Fe!dzisternen“ mit Speisung durch das auf dem naturlichen Boden abfliefiende Tagwasser. Gesetz- licher Schutz mit Strafsanktion; Zisternenordnung. 4. ) Erweiterung der „Hbhlenforschung“ zum Studium der Karsthydrographie unter der Leitung des Staates und mit staatlichen Mitteln. Verarbeitung der Ergebnisse dieser Forschungen zum Zwecke der Wasserversorgung fur grofiere und kleinere Ortschaften. Die Anlagen groBerer "VVasserleitungen mit dem Wasser- bezug aus reichhaltigen naturlichen VVasseransammlungen fallen schon aus dem Rahmen der Karstfragen. Alle diese Meliorationsanlagen sind nicht nur von grofier wirtschaftlicher, sondern audi von erhohter militarischer Bedeutung in der wasserlosen Wuste des Karstes, weswegen sie immer und in erster Reihe unter das besondere Augen- 38 merk der staatlichen Verwaltung gestellt werden und von dieser die werktatigste Unterstiitzung erhalten miissen.* Der Karst selbst bietet so kiimmerliche und armliche Exi- stenzbedingungen, dafi sich seine Bewohner nie und nimmer zu einer grob angelegten Losung der Wasserfrage auf dem Karste aus eigener Kraft werden aufschwingen konnen. Literaturverzeichnis. 1. a) Schmidt, «Untersuchungen liber die silurische Formation von Esth- land, Livland und Oseb. 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