Stern Öcr Neger Katholische Missions-Zeitschrift Herausgegeben von Ser Kongregation: Missionäre Söhnt des heiligsten Herzens Jesu Heft 11_____________ November 1938 41. Jahrgang Gebetsmeinung im Monat November: Die Missionen in Korea. Die Gebetsmeinung für November lenkt unsere Aufmerksamkeit und unser Missionsinteresse nach dem Fernen Osten, nach der Halbinsel Korea, die seit 1910 zum Kaiserreich Japan gehört. Der erste Eingang des Christentums nach Korea geschah durch christliche Bücher aus Peking. 1631 trat ein koreanischer Gesandter in Peking mit den dortigen Jesuiten in Verbindung. 1777 vereinigten sich mehrere koreanische Gelehrte in einer Bon-zerei zum Studium der Philosophie, und sie erklärten jene, die in den christlichen Büchern aus Peking aufgezeichnet sei, als die beste. Der Sohn eines dieser Gelehrten ging dann selbst nach Peking und 'wurde 1783 auf den Namen Petrus getauft. Als er nach Korea zurückkehrte, führte er eine Anzahl christlicher chinesischer Bücher mit sich, und es gelang ihm, seine Freunde zu Hause auch zum Empfang der Taufe zu bewegen. Das war der Grundstock des koreanischen Christentums. Dieser kleinen Gemeinde fehlten indessen die übrigen Sakramente, und vor allem fehlten die Führer, die Priester. Sie hatten keine Hierarchie. In dieser Not griffen sie Zur Selbsthilfe. In Nachahmung dessen, was der junge Gelehrte Petrus in Peking gesehen, schuf sich die koreanische Christengemeinde in bester Absicht nun eine eigene Hierarchie, gab sich einen Bischof und erwählte den Petrus und andere zu Priestern. Jetzt hatten sie, was ihnen bisher fehlte. Es wurden alle Sakramente gespendet, man feierte sogar mit einem goldenen Kelch die heilige Messe. In den christlichen Büchern wurde eifrig studiert, und tieferes Studium der christlichen Wahrheiten erregte endlich ernste Zweifel über die Gültigkeit und Rechtmäßigkeit ihres Laienpriestertums. Es ist nun ein beredtes Zeichen für den guten Willen dieser Leute, daß sie jetzt alle Funktionen einstellten und eine Gesandtschaft nach Peking schickren, um sich beim dortigen Bischof Rat und Instruktionen zu holen. In der Zwischenzeit begannen in Korea die ersten Verfolgungen gegen die Christen, die fast während eines ganzen Jahrhunderts nicht aufhören sollten. Im Jahre 1795 endlich sandte der Bischof von Peking einen chinesischen Priester nach Korea. Er fand dort bereits 4000 Getaufte vor, und es gelang ihm, ihre Zahl aus 10.000 zu erhöhen. Die Christenverfolgungen in Korea forderten viele Opfer. So starben zum Beispiel im Jahre 1801 300 Christen als Blutzeugen. Sehr schwer waren die Verfolgungen der Jahre 1815, 1817 und 1825. 1831 wurde das Apostolische Vikariat Korea errichtet. Sein erster Inhaber starb aber schon 1835 in der Mongolei auf der Reise in sein Arbeitsfeld. 1839 brach eine neue Verfolgung aus, welcher der damalige Bischof, seine beiden Priester und zahlreiche Christen zum Opfer fielen. Im Verfolgungsjahr 1846 erlitt der erste einheimische Priester, Andreas Kim, mit einer Anzahl Christen den Martertod. Am meisten Blut forderte das Jahr 186G; der grausame und blutdürstige Herrscher überantwortete gegen 8000 Christen dem Henker, wobei jene nicht eingerechnet sind, die im Gebirge auf der Flucht umkamen. Aus der Zahl all dieser glorreichen Blutzeugen hat die Kirche 79 Koreaner auf ihre Altäre erhoben. Erst das Jahr 1884 brachte den heißersehnten nnd so teuer erkauften religiösen Frieden. Die Christengemeinde von Korea wies damals 13.000 Anhänger auf unter einer Bevölkerung von zehn Millionen. Seitdem hat sich die Zahl der Einwohner verdoppelt, die Zahl der Christen aber verzehnfacht. Es wird jetzt die Zahl 'der Getauften und Katechumenen auf 113.000 geschützt, die sich auf vier Missionsgebiete verteilen. Auswärtige Missionäre sind 108, einheimische 95; im Kleinen Seminar sind 241 Studenten, im Großen Seminar bereiten sich 59 auf das Priestertum vor. — Bitten wir den Herrgott um seinen Schutz und Segen für die stetige Weiterentwicklung der Kirche von Korea, für die so viele mutige Zeugen den Blutpreis erlegten. „Alles aussteigen und den Wagen hinausschieben helfen!" Eines Morgens kommt P. Rektor Ricgler zu mir und fragt: „Wollen Sie mitfahren? Ich mutz in die Autzenschule nach Steelport." — „Selbstverständlich!" — „In einer Viertelstunde geht's los." — „Gut." — Ich schließe meine Zulugrammatik und richte mich her. Was soll ich mitnehmen? Vor allem einmal den Photoapparat mit Zubehör, dann Bildchen für die Schwarzen und als etwas ganz Besonderes einen Kanarienvogel, der hüpft und pickt, wenn man ihn aufzieht. Da werden die Kinder eine Freude haben. Und noch dem ersten Eifer verfallen, lege ich auch meine Zulugrammatik in die Mappe. Selbstverständlich kommt sie unaufgemacht wieder heim. Hinein ins Auto. 70 Kilometer müssen wir fahren. Es wird eine feine Fahrt werden, wenigstens für mich, den Neuling. Es geht in die Berge. Ich bin gespannt. Als wir schon abfahren, kommt noch eines unserer Küchenmädchen und bringt Proviant. Sie gehört zu jenen hochaufgeschossenen Negertypen, die man häufig sieht. In Lhdenburg nehmen wir noch einen Bruder mit. Und nun geht es los. Afrikanische Straßen! Das ist so ein Kapitel für sich. Manche sind gut, manche aber gerade das Gegenteil. Wir verspüren es bald. Es ist nur gut, datz der Wagen fein gepolstert ist, sonst könnte man nachher einige Tage im Bett liegen, was wieder ein neues Problem aufgeworfen hätte: Wie liege ich am besten in diesem Zustand? Auf dem Wege begegnen wir einem Ochsengespann. Es ist ein Hochzeitswagen, gezogen von 10 Paar Ochsen. So fahren Braut und Bräutigam in die Stadt zur Trauung. Die Braut zog sich im Busch nebenan gerade an. Wie wir am nächsten Tag erfuhren, hatte der Hochzeitsschmaus am Abend ein übles Nachspiel. Es kam zu einem Streit, in dessen Verlauf der Vater der Braut sehr schwer gestochen wurde. Zwei der Übeltäter wurden gefesselt über unsere Farm zur Stadt geführt. Da auf dem Weg nach Steelport noch eine andere Schule liegt, wurde dort gleich gehalten. P. Rektor gibt Religionsunterricht in Zulu. Ich sitze still in der Ecke und höre zu. Ob ich schon etwas verstehen kann? Richtig, zwei Wörter: Esel und Hühner. Von was die jetzt reden? Ich denke an die Krippe, da eben erst Weihnachten war. Wollen die Kerle gar Esel und Hühner dem Christkind schenken? Wieder eine Frage. Ein Kleines steht auf. Noch ehe eine Antwort kommt, ertönt's: „Das ist auch eine Schwester von der Langhaxigen von heute morgen!" Ich lache hinaus. Das war P. Rektors Stimme. Er meinte mit der Langhaxigen das Küchenmädchen von der Aus der Fahrt nach Stcelport gegangen wir ins Wasserfalltal. Ein Kandelabcroaum steht Verführerisch schön am Weg. (Photo: P. Zeifang.) Wir blieben im Schlamm stecken. „Alles aussteigen und den Wagen 'n-aus-schieben!" (Photo: P- Zersang.) Frühe. Den Satz hatte ich am besten verstanden. Das war nicht Zulu, aber echt Deutsch! Weiter geht's. Langsam steigt die Straße an. Bald sind wir mitten in den Bergen. Der Weg schlängelt sich in vielen Windungen hin und her. Links von der Straße geht es steil in die Höhe, rechts in die Tiefe. So kommen wir wieder an die Stelle, wo unser Hochwürdigster Apostolischer Präfekt mit P. Riegler im Jahre 1929 aus der Bahn und in den Abgrund geworfen wurde. Während wir vorbeifahren, erzählt P. Rektor die ganze Geschichte. Eigentlich sollte man nachträglich noch eine Gedenktafel anbringen mit folgenden Worten: Wanderer, kommst du hieher, so stehe stille und staune: Stürzten doch zwei hier hinab, ohne zu brechen den Hals! Kaum die Höhe erklommen, geht es drüben wieder hinab ins Wasserfalltal. Ist sehr fruchtbar. Viele Farmer haben sich hier angesiedelt. Wo wir hinschauen, überall ist angebaut, bis hin zum Steilhang der Berge, an dem nur mehr kümmerlicher Busch gedeiht. Hier in diesem Tale machen wir eine Aufnahme. Denn zwei sogenannte Kandelaberbäume stehen so verführerisch schön da, daß wir an ihnen nicht vorüberkommen. Damit das Bild ein wenig belebter erscheine, setzten sich P. Rektor und der Bruder auf zwei Fenzpfosten. In der Schule nahm alles seinen normalen Gang. Bald wußten die Kerle etwas, bald standen sie stumm da und zeigten verlegen ihre blendend weißen Zähne. Sie waren sehr aufgeweckt, besonders die Kleinen mit sechs bis acht Jahren. Noch keines der Kinder ist katholisch, wurde die Schule ja erst voriges Jahr ausgemacht. Nachher zeigte ich ihnen den Kanarienvogel. War das ein Hallo! Sie sind eben noch nicht so mit Spielzeug überfüttert wie viele weiße Kinder. Nach dem Unterricht besuchen wir noch den Farmer, auf dessen Boden die Schule steht. Er ist Katholik. Wir trinken bei ihm Tee, und dann geht es heim. Wir nehmen einen andern Weg. Fragen noch zur Vorsicht, ob dieser Weg auch gut sei. „O hes". — Ja, er ist gut. Bald beginnt eine richtige Berg- und Talfahrt. Der Bruder wollte sich ein Pfeiflein stopfen. Aber klagend mußte er eingestehen, daß es unmöglich sei. Das Auto hopste auf und ab. Endlich wurde es besser. Mehr Tempo. Lange dauert es nicht. Ein Ochsenwagen holpert langsam vor uns dahin. Er kann nicht ausweichen, weil wir in einem Hohlweg sind. Müssen hinter ihm her, bis die Straße breiter wird. Doch da müssen wir auch schon abzweigen. Anfangs geht es noch gut. Bald aber merkt man, daß hier kein Straßenwart angestellt ist. Es ist ein richtiger Feldweg mit tiefen Räderspuren. Vor kurzem erst hat es hier geregnet. Immer noch ist es uns gelungen, glücklich durch das nasse Zeug zu kommen. Nun aber kommt ein Stück, das aus einer einzigen glitschrigen, klebrigen Breimasse besteht. Wird es uns gelingen. Lurchzufahren? Ich sage noch schnell zu P. Rektor: „Wenn wir da steckenbleiben, dann wird zuerst ein Photo gemacht und nachher wird geschoben." Dann surrt der Motor mächtig. Ein Hoffnungsstrahl blitzt in den drei Gehirnen auf. Der meine war aber sicher nicht der gleiche wie bei den andern zwei. Schon wegen des Photos. Also, wir blieben doch glücklich stek-ken, kaum daß wir ein Stück in der Schlammmasse waren. „Alles aussteigen und den Wagen helfen 'nausschieben!" Zuerst schauen wir einander an: Jetzt Hemma da Dr...! Aber schon greife ich zum Apparat und die erste Aufnahme ist fertig. Jetzt haben wir den Dr ... auch auf dem Bild zum Entsetzen meiner beiden Mitbrüder, die darunter fürchterlich leiden mußten, da ihnen auf dem Bild der Körper mitten entzwei geschnitten wurde. Aber das mußte so sein. Der Wagen steckte bis zum Trittbrett im aufgeweichten Boden. Ich dachte, das Übel würde bald behoben sein, aber da sollte ich mich schwer perschauen. So fingen wir also an. P. Rektor am Steuer, wir zwei hinten am Wagen. „Zuerst ein wenig vor, dann zurück!" Es geht nicht. Die Räder greifen nicht an. Wir reißen Gras aus und legen es unter. Es geht nicht. Nun kommt der Kittel herunter und das Kollar, die Hemdärmel zurück. Wir werden wie- der zu Kindern, die gern im Dreck spielen. Greifen hinab „in die grausige Tiefe" und schaffen und wühlen. Probieren wieder. Es will nicht gehen. So habe ich mir die Sache nicht vorgestellt. Wir haben keine Schaufeln und Spaten, die uns die Arbeit erleichtern könnten. Lastautos fahren in der Nähe an uns vorüber. Kommen von der Mine. Haben selbst schwer zu kämpfen. Die Leute schauen herüber und fahren vorbei. Wiederum holen wir Gras. Da kommt ein Schwarzer aus dem Njassaland leichtbeschwingt seines Weges. Leichtbeschwingt, denn er hat nicht schwer zu tragen. Barfuß, in Lodenhöschen und Hemd, so schreitet er daher. Der em= zige tragbare Gegenstand, ein Taschenmesser, baumelt an seinem Handgelenk. Wir bitten ihn, zu helfen. Aber das Auto ist noch zu schwer. So wühlen wir zu dritt noch mehr Erde weg. Doch die Räder stehen so tief in den Rinnen, so daß der Wagen in der Mitte aufsitzt. Da ist schwer wegzukommen. Wieder naht Hilfe. Fünf Schwarze auf einmal. Nun muß es ja gehen. Zuerst wird nochmals Gras geholt. Ein Schwarzer hat gleich einen Strauch mit sehr dichten Blättern entdeckt, den wir gar nicht gesehen hatten. Das alles wird untergelegt. Und nun ziehen neun Menschenkräfte, vereint mit dem Motor. „Vor — zurück! Vor — zurück!" Da — ein Ruck — der Wagen hebt sich, geht zurück. Einer der Neger, ein älterer Mann, springt Ein einsames Farmhaus liegt an der Straße. Es ist -umgeben oon hohen Enkalyptusbäumen. (Photo: P. Zeifang.) Auf der Heimfahrt müssen wir noch eine Wasserfurt durchqueren. (Photo: P. Zeifang.) entsetzt weg, als es so blitzschnell geht. Und ich darf nicht mal lachen, um ihn nicht zu beleidigen. Wir lassen nicht mehr los, bis wir glücklich auf festem Boden sind. Eineinhalb Stunden hatten wir Arbeit! Wer hätte das gedacht? Ich mal sicher nicht. Aber man sieht, daß selbst die geheimsten Wünsche bestraft werden können. Von den Helfern ans der Not bekam jeder eine Anzahl Zigaretten, die sie mit Vorliebe nehmen. Nur der Mann aus dem Njassaland will Geld. Er raucht nicht. — So kamen wir also glücklich heraus. Wie wäre es da so praktisch gewesen, wenn man ein Dutzend Assen mit ihren Schwänzen hätte hinten an das Auto binden können. Die hätten nach Münchhausens Art im Schwung die Sache gemeistert! Aber die Kerle ließen sich nicht blicken. Dafür halfen uns Neger und die sollen ja von den Affen abstammen, wie manche sagen. (Manche sagen das auch von den Weißen!) Bei einem Ausflug erzählte uns einmal ein Schwarzer selber die Entstehung des Negers folgendermaßen: AIs die Weißen ins Land kamen, wollten sie nichts arbeiten. Da gingen sie in die Urwälder und fingen Affen, rissen ihnen die Schwänze aus, drückten ihnen eine Hacke in die Hand und der Neger war fertig! Wie sollen wir nun weiterkommen? Vor uns lag der Busch mit unbekannten Wegen. Der Mann aus dem Njassaland erbot sich, uns durchzuführen. Er setzte sich neben P. Rektor und dann ging es weiter. Gut, daß wir ihn hatten. Bald geht es nach rechts, bald nach links. Vergebliche Mühe ist es, nach einem Wegweiser zu schauen. Hin und wieder kommen wir an Stellen vorüber, wo andere Autos schon harte Arbeit gehabt hatten, wo das Einwerfen von Gras und Gesträuch deutlich zu sehen war. Lange dauerte diese Fahrt durch den Busch. Führt uns der Neger auch richtig, oder läßt er sich in die . Nähe seiner Schlafstätte fahren, wie es auch vorkommt? Doch nein, der unsere ist nicht so. Endlich kommen wir aus dem Busch, wir sehen die Straße, die nach Glen Cowie führt. Nun ist's gewonnen. AIs Dank bekommt unser Führer nochmals Geld, das er beglückt annimmt. Dann macht er kehrt. Er muß den gleichen Weg zurück bis zur Unglücksstätte. War das nicht fein von ihm, daß er uns führte? Kaum war er fort, fing es zu regnen an. Wahrscheinlich waren es Freudentränen des Himmels über unser glückliches Entkommen aus Morast und Busch und über die Bereitwilligkeit des Mitmenschen. Oder waren es Reuetränen von St. Christophorus, weil er uns solche Wege geführt hatte? Gar zu gern hätte ich das letzte angenommen. Doch als ich mich träumend darin vertiefen wollte, störte mich Bruder Schickhofer auf durch seine Bemerkung: eine Wolke lasse was fallen. Ich war geschlagen. Immer noch sitzen wir zwei hemdärmelig r 1 Kleidung aus Palm-fasern. Zwei Neger aus dem Stamm der Baluiba im Apost. Vikariat Nord-Katanga in Welgisch-Kongo -sind daran, aus den Fasern der Raphia-palme ein Gewebe herzustellen, das zur Fertigung von Hüten, Kleidern usw. dient. Nord-Katanga, das unter der Obhut der Hl.-Eeist-Väter steht, hat 29.000 Katholiken und 21.000 Kate-chumenen zu verzeichnen. 180.000 Heiden sind noch zu bekehren. (Fides^Photo.) hinten im Auto. Können uns nicht anziehen. Sind zwar nicht blutüberströmt, aber doch so etwas ähnliches. An der nächsten Wasserstelle wird große Reinigung sein. Prompt hält auch P. Rektor und fragt ganz unschuldig: „Wollt ihr euch fetzt waschen?" Bei dem strömenden Regen! Nein, danke! Wir verzichten. Also geht es weiter. Wir können ja auch in diesem Zustand die Gegend anschauen, und die ist fein trotz des Regens. Es geht steil bergauf. Für Augenblicke ist man wieder in Tirol. Alles finde ich hier wieder: die Steilhänge, den Bach in der Tiefe, elende Hütten. Nur die Neger fehlten in Tirol. — Langsam kommen wir aus der Regenzone heraus. P. Rektor sagt plötzlich: „Schaut mal, ob ihr nirgends eine Blechbüchse findet, ich muß Wasser in den Kühler schütten." Angestrengt schauen wir hinaus, bis dem Bruder einfällt, daß sein Hut wasserdicht ist. Nun haben wir aber kein Wasser mehr. Zum Glück kommen wir an ein Farmhaus, wo uns aus der Not geholfen wird. Es geht jetzt eine Zeitlang auf der Hochebene dahin, wo kein Haus, keine Hütte zu sehen ist. Dann geht's bergab. Wir kommen wieder in bewohnte Gegenden, wo hie Jugend noch im Adamskostüm umherspringt. Hei, wie so ein Kerl vor unserem Auto in den Busch sprang! Endlich winkt auch uns Rettung. Schon längst hat sich auf unseren Händen und Armen eine Kruste gebildet. Hart war darum die Arbeit. Ein Auto kommt uns entgegen. Der Fahrer lächelt uns mitleidig an, als er uns und unseren beschmutzten Wagen sieht. Wir tun das gleiche und denken dabei: Wenn du wüßtest, was ich weiß! Wenn du diesen Weg fahren mußt, den wir gefahren, dann.. .1 Wir sind fertig und es geht weiter. Zur Abwechslung beten wir unseren Rosenkranz. Kaum sind wir fertig, sagt P. Rektor: „Nun kommt eine andere Überraschung — das Benzin geht aus. Am Unglücksort haben wir zuviel gebraucht. Vielleicht kommen wir noch heim..." Wird es jetzt nochmals heißen: Alles aussteigen und den Wagen vollends heimschieben!? Ich habe kein Verlangen mehr. Fahren wir halt mal, solange es noch geht. Nochmals mache ich ein Bild, als unser Wagen in einer Wasserfurt steht, die wir in Ermangelung einer Brücke durchfahren müssen. Dann kommen wir zum letzten Berg, den es noch zu erschnaufen gilt. Schon sind wir zur Hälfte oben, als wir zwei Autos begegnen; einer der Lenker winkt uns zu. Wir halten. „Das Benzin ist uns ausgegangen, könnten wir nicht etwas haben? Das andere Auto hat uns bis hieher gebracht, jetzt wollen sie heim." Auch das noch! Wir führen ihn zu unserem Auto und zeigen den leeren Tank. — Was eigentlich mit dem Auto passiert war konnten wir nicht recht herausfinden. Der Mann redete etwas vom „in den Bach gefahren usw." Vielleicht war er ein wenig betrunken gewesen. Er hatte noch seine Frau und ein kleines Kind bei sich. Im Auto lag alles durcheinander: Teller, gelbe Rüben, Weißkohl, Körbe. Sie kamen von Pietersburg und wollten nach Barberton. Was also tun? Stehen lassen kann man ihn doch nicht, jetzt am Abend, wo ein kalter Wind in den Bergen weht. Die zwei Buren, die bisher geholfen, wollen heim. So hängen wir das fremde Auto an das unsrige an und kommen glücklich den Berg hinauf. Freilich geht es langsam und immer wieder muß umgeschaltet werden. Aber es gelingt. In der Ferne sieht man Lpden-burg im Tal liegen. Abwärts kann das Auto allein fahren, nur an den Kurven muß der Lenker aufpassen, da auch seine Hupe beharrlich versagt. In der Nähe ist ein Farmhaus, wo er Benzin haben kann. So machen wir uns frei, geben dem Auto einen kräftigen Stoß. Glück auf! Wir überholen ihn rasch, kommen auf der Straße unten schnell voran und zu unser aller Freude reicht das Benzin, bis wir glücklich daheim angelangt sind. Wer von den Lesern möchte nicht auch einmal eine solche Fahrt mitmachen? War sie nicht fein trotz allem? Und alle diese Hinder- nisse müssen auf sich genommen werden, um eine Schule zu besuchen, um schwarze Kinder für das Christentum zu gewinnen. Indessen war dieser Weg noch lange nicht der schlechteste. P. Rektor erzählte mir, daß sie mal zu einer Strecke über «die Berge nach Hause, die sie bei gutem Wetter in zweieinhalb Stunden fahren, von halb drei nachmittags bis halb zwölf Uhr nachts brauchten. Blieben immer und immer wieder stecken. Doch wird durch all die Kommandos: „Alles aussteigen und den Wagen helfen 'nausschieben!" der Missionär nicht mutlos gemacht. Mutlos könnte und möchte er aber fast manchmal werden, wenn er sieht, daß der Wagen des Christentums (um bei diesem Vergleich zu bleiben) immer wieder so tief im Sumpf des Heidentums und der Irrlehre steckenbleibt und nicht weiterkommt. Da braucht es viele, die helfen, den Weg zu ebnen und den Wagen herauszuziehen. Da können alle, alle helfen. Und mit vereinten Kräften wird man dann auch einst ans Ziel gelangen. P. Pius Z eis ang, Maria-Trost. Plauderei aus Südafrika. Br. A. Cagol. Gleichgewichtskünstler. Die Bantu wissen ihren Kopf zu gebrauchen, nicht oder nicht nur im gewöhnlich verstandenen Sinne, sondern auch in einer mehr turnerischen Be- tätigung. Sie tragen auf dem Kopfe nicht etwa Modehüte, sondern Lasten, leichte und schwere. Die Frauen tragen die großen, rundlichen Tonkrüge mit Wasser auf dem Haupte. Die Gewerbefleiß in Missionsländern. Auf unserem Bild sind junge, schwarze Mädchen unter Anleitung der Schwestern im Apostolischen Vikariat Mariann-Hill beschäftigt, aus Aloefasern Fußteppiche herzustellen. (Fides-Photo.) If Schwarze Pfadfinder. Die Consola-ta-Missionäre von Turin haben in Nyeri (lKenM-Ostafrbkal die ersten Pfadfinder-gruppen gegründet. Wir sehen hier einige dieser schwarzen Scout Boys, wie sie sich auf der Schaukel vergnügen. (Fides-Photo.) Männer tragen Lasten bis zu 50 Kilo auf dem Scheitel. Es ist erstaunlich, mit welcher Anmut diese Leute ihre Lasten tragen. Die Wung von Kindheit an hat in ihnen ein feines Gleichgewichtsgefühl entwickelt. Eine Last auf dem Kopfe erfordert aber und fördert eine gute Haltung des ganzen Körpers, und der Mensch ist bekanntlich nie weniger dem Affen ähnlich, als wenn er wirklich aufrecht geht. Schon die Kinder tragen ihre Sachen auf dem Haupte, das ja auch weiter.nichts zu tun hat. Ich sah ein Mädchen eine hohe, mit einer Flüssigkeit gefüllte Flasche ohne sichtliche Anstrengung auf dem Kopfe tragen und dabei das Haupt in natürlicher Weise nach Belieben nach beiden Seiten drehen. Dieser Tage sah ich ein anderes Mädchen mit einer lächerlich kleinen „Last" auf dem Kopfe; es war ein winziges Olkänn-chen, wie es zum Ölen von Maschinen verwendet wird. So sehr wird den Kindern das Kopftragen zur Gewohnheit. Erwachsene bringen es in dieser „Kopfarbeit" zu Musterleistungen. Ein Schwarzer trug eine doppelte Matratze auf dem Platze, wo andere Leute den Sut tragen. Ein radfahrender Eingeborener hatte ein großes Auftragbrett mit Gebäck auf dem Kopfe und ein anderes Auftragbrett mit Gebäck auf dem Arme. Eine st r e i t e n d e Kirche. In einer Eingeborenenkirche, die einer Sekte gehörte, wurde eine -„Tee-Versammlung" abgehalten. die offenbar die Stelle eines „Liebesmahles" der ersten christlichen Zeit vertreten sollte. Das Gotteshaus war dicht gefüllt, weil auch viele Frauen und Kinder anwesend waren. Einige Männer weigerten sich, die Eintrittsgebühr zu erlegen, weshalb sie hinausgewor—, wollte sagen, abgewiesen wurden. Sie aber hörten nicht auf, nach evangelischer Weisung an die Tür zu klopfen, und zwar waren ihre Knotenstöcke so eindringlich, daß die neue Tür in Stücke ging. Nachdem dieses Hindernis ihres Verlangens nach Innerlichkeit aus dem Wege geräumt war, gerieten sie offenbar in eine Stimmung, in der sie sich mit dem tempelreinigenden Heiland verglichen, kurz, ihre Knüppel sausten nun links und rechts auf die Köpfe der erschrockenen Gläubigen. Frauen und Kinder schrien aus vollen Bantukehlen, liefen verängstigt hierhin und dorthin und erklommen selbst die Kanzel. Zum Glück waren die Fenster der eben erst erbauten Kirche nicht eingeglast, und durch diese fanden die schwächeren Mitglieder der Gemeinde einen Ausweg. Indessen ging aber der Kampf zwischen den beiderseitigen Vertretern des starken Geschlechts gewissenhaft fort. Bausteine wurden geworfen und Stühle wurden als handliche Waffen geschwungen mit) gingen in Brüche, und selbst die Kanzel wurde kurz und klein geschlagen. Trotz der Litze des Gefechtes gab es indessen keine schweren Verwundungen. Umschau. Eine buddhistische Schwesterngemeinde in Tsi-nmtfti getauft. Tsinanfu (Schau tung, China). Die dreizehn Schwestern, die seit Jahren im Kinderheim der Stobt Tsinanfu dienen, wurden kürzlich in Hungkialow — der Franziskanersicdlung vor den Toren der Stadt — getauft. Das Heim wurde von einem der größten Wohltäter der Provinz Schantung, Herrn Lhow Pei-peng, gegründet und mit Hilfe von Schwestern, die in einer Art buddhistischer Gemeinschafl zusammengeschlossen waren, unterhalten. Zumeist waren an die 100 Kinder im Heim. Außer dem Kinderheim hatte Herr Lhow noch andere Wohltätigkeitsanftalten gegründet und unterhalten, darunter ein Altersheim, eine Armenapotheke und eine Fachschule, vereinigt mit Waisenheim. Auf Herrn Chows Veranlassung besorgen die Schwestern vom Josefsspital die ärztliche Arbeit in der Armenapotheke, die täglich von etwa 200 Patienten aufgesucht wird, die nötigen Heilmittel aber bezahlt Herr Lhow. Beim Ausbruch der Feindseligkeiten int Gebiete von Tsinanfu suchte die ganze Gruppe mit Herrn Lhow Zuflucht in Hungkialow; durch das enge Zusammenleben mit Katholiken und katholischen Missionären begannen sie, sich näher mit der Lehre zu befassen. Die Nonnen wurden alle zusammen mit ihrer Oberin getauft urtb wünschten sogar, wenn nröglich, ihre Arbeit als katholische Schwesternschaft weiterzuführen. Herr Dhow, der vor einigen Jahren von dem verstorbenen Lo Pa-hong hoch gepriesen urtb von diesem auch zur Annahme des Christentums aufgemuntert worden war, studiert nun ebenfalls die christliche Glaubenslehre. Er ist ein hervorragender Mensch nicht nur wegen seiner menschenfreundlichen Arbeit, sondern auch wegen seines demütigen Wesens; hat er doch erklärt, daß er bedauere, noch nichts Gutes geschaffen zu haben, obgleich er bereits in vorgerücktem Alter sei. (Fides.) Ein afrikanischer Priester findet nach zwanzig Jahren die Mutter wieder. Mugerero (Urundi, Ostafrika). Von den li3 einheimischen Priestern Urundis haben vier die Seelsorge über eine Gemeinde von 19.000 Gläubigen. Einer von diesen, der Priester Stanislaus Munoni, hatte das große Glück, nach 20 Jahren seine totgeglaubte Mutter wiederzufinden. Munoni war als elfjähriger Knabe während des Weltkrieges in das Seminar von Ruanda eingetreten. Dort brachte ihm eines Tages der Rektor die Tvauernachricht vom Tode seines Vaters und kurz darawf kam ein Brief aus'bet Ortschaft Muyaga, der besagte, die Mutter des jungen Seminaristen sei plötzlich verschwunden, ohne daß man Näheres in Erfahrung bringen konnte. Später hieß es, sie sei von einem heidnischen Verwandten als Sklavin verkauft worden. Arbeiter aus dem Stamm der Burundi, die nach Uganda kamen, wußten schon letztes Jahr zu berichten, sie hätten die verschwundene Frau bei Bukoba am Viktoria-Nyanza gesehen. Die Sache böstätigte sich zunächst nicht. Aber Balt) darauf kam ein Freund des Priesters nach Buha, um Salz zu taufen; er hörte sich plötzlich von eiltet älteren, schlechtgekleideten Frau angesprochen, die ihn fragte: „Bist du nicht der £., Sohn des . . .? Leben Urban Nkwara (Onkel des Priesters) und mein Sohn Munoni noch, der im Seminar war, oder ist er tot? Ich bin Jujube, feine Mutter! Man hat mir die Freiheit gegeben, und ich wäre schon nach Burundi zurückgekehrt, aber die Furcht vor dem 100 Jahre Missionsarbeil im Stillen Ozean. Wallis und Futuna, zwei völlig katholische Inseln des Stillen Ozeans, feierten das hundertjährige Jubiläum ihrer Bekehrung zum Evangelium. Wallis wurde in fünf Jahren durch seinen ersten Apostel, P. Bataillon, für den Glauben gewonnen; Futuna wurde durch das Blut des P. Chanel bekehrt. Unser Bild zeigt den Gouverneur von Neukalödonien, der als Vertreter Frankreichs in Begleitung eines Maristenmisfionärs und der Ei n geb or ne n sich zum Fest einfand. (Fides-Photo.) Wald, den wilden Tieren und den Strapazen der Reise hielt mich ab . . Der Freund unseres Stanislaus holte sofort zwei weitere Personen aus dem Dorf und führte so binnen kurzem die arme Frau in die Arme ihres prie-sterlichen Sohnes. So hat jetzt auch weiter nordwärts von unserem Schauplatz P. Raux die alte, noch heidnische Mutter eines der Uganda-Märtyrer entdeckt. Die beiden alten Frauen bereiten sich jetzt gemeinsam auf die Taufe vor. (Fides.) Das Gebetbuch der Mutter. Von Maria Pohl. An einem wunderschönen Frühlingstag war auf einem Gang durch die heimatliche Flur eine eigenartige Besinnlichkeit über Heinz Landers gekommen. Ob das steinalte Weibchen, die Bufchengrit, sie ihm angewünscht hatte? Er war ihr an der Wegscheide begegnet und sie grüßte ihn mit ihrer dünnen Greisinnenstimme: „Gelobt sei Jesus Christus!" Er war unter dem forschenden Blick der Alten unsicher geworden und er hatte sehr zu seinem Ärger gestammelt: „In Ewigkeit. Amen." Seine Freunde und Bekannten von der Hochschule würden sich ohne Zweifel schön gewundert haben, wenn sie den seltsamen Auftritt beobachtet hätten. Die sogenannten Freunde des jungen Mannes hatten es freilich nicht gesehen und gehört. Aber die weißhaarige Grit aus dem fchmalgiebeligen Armenhäuschen, die mit dem Herzen besser hörte als mit den Ohren, die war kopfschüttelnd weitergegangen. Und in sich hinein hatte sie geraunt: „Das war kein rechter Ton. So sagt man nicht: ,Jn Ewigkeit. Amen.' Da stimmt etwas nicht mit dem Landersbuben. Und war doch noch ein so lieber, braver Junge, als er zum Begräbnis seiner frommen Mutter — Gott hab' sie selig — hier war." Kopfschüttelnd ging das verwitterte Weib-lein seiner Wohnung zu. Mühselig stieg es in der schiefwinkeligen Kammer auf den abgetretenen Schemel und zündete neben der Statue des hl. Joseph für die Dauer eines andächtigen Vaterunsers die geweihte Wetterkerze an. Hingen doch auch über der Seele des jungen Studenten vom Landershofe schwere, schwarze Wetterwolken.---------- Die Glocken waren von ihrer Romreise zurückgekommen. Vom Gründonnerstag vis zum Gloria des Karsamstags hatten sie sich dem frommen Kinderglauben nach dort in der Ewigen Stadt aufgehalten. Das ganze Dörflein prangte in schmucker Sauberkeit. Die greise Grit sammelte die ersten Veilchen zu einem Sträußlein. „So, das ist mein Feiergvuß für den lieben Ostertag. Es ist mir immer, als hätten gerade solche 'blaue Veilchen still und demütig und duftend neben dem Grabe des lieben Heilandes geblüht, als er in lichtweisten Gewändern, die purpurne Siegesfahne in der Hand, von den Toten auferstand", meinte die alte Frau im herzlicher Freude. Das Bild, das die Grit so farbenfroh beschrieb, hatte sie einmal in einer alten Abteikirche gesehen. Vor langer Zeit war es gewesen, als sie noch ein junges, rotwangiges Mägdlein vorstellte. Da brauchte sie noch keinen Krückstock und keine Hornbrille.---- In dem alten Bauernhof gab es am Nachmittag vor dem Osterfeste noch allerhand zu ordnen und zu richten. Freilich galt dies hauptsächlich nur mehr den nächsten Vorbereitungen auf die festlichen Tage. Heinz saß an der Seite des Vaters in der Ecke der geräumigen Wohnstube, dem traulichen „Herrgottswinkel". Der war heute zu Ehren der kommenden Feiertage besonders schön hergerichtet, und ein geweihter Buchsbaumzweig vom Palmsonntag prangte hinter dem dunklen Kruzifix. • Es war eigentlich ein mühsames Reden zwischen Vater und Sohn. Der im heiligen Glauben seiner Väter festgewurzelte Bauer hatte es bald herausgefunden, wie es um das Glaubenslehen seines Jüngsten stand. Aber er wußte auch, daß hier ein hartes Zugreifen und ein ungeschicktes Zureden nur schaden konnte. Er wollte den lieben Gott pflügen lassen. Der würde den Pflug schon zu stellen wissen. M ^ . fl i . " J 91 T In s I fjfcT I ■ 1;^ Apostolat im chinesischen Krieg. Wir sehen einen Missionar von Tungchow in der chinesischen Provinz Shensi, den Franziskanerpater Baldoni, wie er den Flüchtlingen und Soldaten die Heilswahrheiten verkündet. (Fides-Foto.) Bedächtig blätterte er in einem Sonntagsblatt und blickte auf einmal verwundert auf. „Ei, sich da! Der Gregor Lambrecht ist vor einigen Tagen von Bremen abgefahren in die Mission hinein. Er ist ja noch, wenn auch weitläufig, mit uns verwandt. Ich hoffte immer, er würde nach seiner Primiz einmal hicher kommen. Fest versprochen hat er es mir ja nicht, da es noch vielerlei für ihn zu tun gab. Gottes Segen möge mit ihm sein. Er ist ein prächtiger Mensch, aufrecht und stark. Und ich glaube bestimmt, daß er so den richtigen ^Apostelgeist in fitf)1 hat. Weiß Gott, — wer so wie ich als alter Bauer jedesStückchen Urlanb in fruchtbaren Boden zu verwandeln sucht, der hat Verständnis dafür, wenn die berufenen Missionäre immer neues Gottesland zu gewinnen suchen. — Um jeden ehrlichen Preis, und wenn es Schweiß imb Lebenskraft, ja, das Leben selbst kostet." Der Bauer stützte den Kopf in die schwielige Hand und blickte nachdenklich durch das Fenster in die Weite hinaus. Wie schmerzlich hatte sein Sohn, der Heinz, ihn enttäuscht! Immer hatte er von dem gehofft, er werde ganz sicher einmal ein Sendbote des heiligen Glaubens werden. Und wie hatte seine selige Frau, er wußte es, diese sehnsuchtsvolle Hoffnung fest und leuchtend in ihr Herz geschlossen! Den besten seiner Äcker gäbe er darum, wenn der Junge nicht, erst vor kurzem, umgesattelt hätte. Wenn er nicht, statt andere später einmal auf den Weg des Glaubens zu führen, selbst bedenklich ins Schwanken geraten wäre. Es war nach karger Bauernart nicht viel darüber geredet worden, aber der Vater wußte doch Bescheid und fühlte in seinem Herzen den Stachel. Von einem nahen Gehöft klang das melodische Tönen klarer Kinderstimmen herüber, die schöne Weise des alten Osterliedes: „Das Grab ist leer, der Held erwacht, Der Heiland ist erstanden; Da sieht man seiner Gottheit Macht, Sie macht den Tod zuschanden."---------- „Du kannst mir Eier färben helfen", lachte die jüngste Schwester, die blonde Gretel, in die Stube hinein. „Das Stubenhocken magst du auf der hohen Schule besorgen. Wir müssen jetzt blaue, rote, grüne und buntgespren- kelte Eier für die Kinder unserer ganzen vevwandten Dorfsippe haben. Also marsch, mein gelehrtes Brüderchen! Du wirst dich hoffentlich nicht drücken wollen." Nicht ungern folgte Heinz dem fröhlichen Zuspruch. Er war froh, den forschenden Blik-ken und den Reden des Vaters zu entgehen. Denn er fühlte Wohl den leisen Grundton derselben — die Wehmut und den bohrenden Schmerz um eine zerbrochene Hoffnung. Die Lichter in den Bauernstuben erloschen allmählich. Nur durch das Altarfenster der alten Dorskirche zitterte noch matter Licht-glanz der Ewigen Lampe hinaus auf die Gräber, die sich um das schlichte Gotteshaus scharten. Dem ewigen Ostermorgen schlummerten die stillen Schläfer entgegen. Auch auf das Grab der Heimgegangenen Frau aus dem Landershof siel der seine Schimmer. Er machte die Worte auf dem Grabkreuz leuchten: „Requiescat in pace.“ Aber wer kann sich vorstellen, daß ein Mutterherz ganz in Frieden ist, wenn sein Kind friedlos auf Emmauswegen wandelt und den Heiland noch nicht als Weggefährten hat! Gin Veilchenstrauß liegt am Sockel des Kreuzes. Den hat die Grit in ihrem Veilchenwinkel gepflückt und hierhin getragen. Er sollte wohl ein Trost für die arme Mutter sein. Denn einen Trost konnte diese naify der Meinung der guten Alten gebrauchen, selbst in der himmlischen Glückseligkeit, weil ihr jüngster Sohn nicht recht froh und hell antworten konnte: „In Ewigkeit. Amen." Und doch hatte die Grit so deutlich gesagt: „Gelobt sei Jesus Christus!" Heinz weilte schon über eine Stunde in seinem Stübchen. Wie oft hatte er sich hier in den früheren Ferienzeiten ausgehalten! Mit den Finken draußen hatte er gesungen in unschuldiger Herzensfreude. Und von den im Frühling hereinnickenden Apfelblüten hatte er einmal ein rosiges Zweiglein abgebrochen und vor das schöngeschnitzte Kruzifix auf dem Bücherständer gelegt. Eben in dem Augenblick war der Felix aus dem Forsthause hereingekommen. Beim Anblick der Blüten hatte er lachend gerufen: „Ei, das hätte Apfel gegeben", und die Antwort war gewesen: „Und nun gibt es Gnaden." Sinnend ließ Heinz sich in den alten Sessel fallen. War es der Zauber der Heimat, war Flüchtlingslager in China. Über 15.000 Flüchtlinge suchten in der Station der Steyler Missionäre in Penchawfu .(chinesische Provinz Shantung) Schutz und Unterstand. Die Zentrale Taikia-chwang nahm gär 30.000 dieser Unglücklichen auf. Schließlich errichtete man eine Art Zeltlager mit Unterständen, um niemand abweisen zu müssen. Die Liöbestätigkeii der Missionäre macht nachhaltigen Eindruck vor allem auch auf die besseren Schichten der Chinesen, die sich bis jetzt von der Mission fernhielten, nun aber massenweise Unterricht begehren. es die Klarheit des Elternhauses, die in ihm alte, herrliche Gedanken wieder wachriefen? 'Studj er hatte vor gar. nicht langer Zeit noch ein hohes Ideal in seiner Seele getra-gen, wie der Gregor Lambrecht. Zum heiligen Gral der Evangelischen Räte hatte er emporsteigen wollen, den geistigen Pflug hatte er führen wollen in Ländern, die noch unfruchtbar lagen in der Nacht des Heidentums und im Schatten des Todes, über die Meere hatte er fahren wollen unter dem Königswimpel des Kreuzes, um geweihtes Feuer zu entzünden, um geweihte Glocken zu gießen. Vorbei, vorbei! Unmutig sprang er auf. Wie kam er heute nur auf solche längst überwunden geglaubte Torheiten? Wie konnte die mühsam zurückgedrängte Gedankenwelt sich ihm wieder so greifbar nahe stellen? „Wenn es nicht zum Lachen wäre, könnte man sich darüber ärgern", brummte er vor sich hin. „Bin ich darum durch das quälende Gewirr von Zweifeln, Beklemmungen und Hineinrennen in die Jugendtollheiten gegangen, von meinem erstgestellten Ziele abgewichen, um mich nun durch Qsterglockenklang, durch Osterliedersang und srühlingshaste Heimatluft rühren zu lassen wie ein Kind?" Um der drängenden Gedanken sich zu erwehren, öffnete der junge Student einen Schrank, der in einer Kammernische stand. Gleichgültig, nur um etwas Ablenkendes zu tun, kramte er in den vergilbten Papieren und Heften, in den abgegriffenen Kalendern und Büchern. Ganz am Ende der oberen Reihe lag ein ziemlich großes Gebetbuch. Das Buch siel ihm auf. Wenn er sich nicht täuschte, war es das Gebetbuch der Mutter, das mit der altsilbernen Schließe. Sie hatte ihm oft, als er noch ein Kind war, das Titelbild gezeigt. Es stellte den Heiland mit erhobener Rechte dar. Darunter standen die Worte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Eigentümlich ergriffen setzte er sich mit dem Buch an den Tisch und fand beim Durchblättern ein zusammengefaltetes mattweißes Papierböglein. Es war dicht beschrieben. Und die etwas steifen Schriftzüge waren die seiner Mutter. Was mochte die Mutter geschrieben haben? Welche Aufzeichnungen hielt das Gebetbuch wie ein Heiligtum geborgen, um sie in der Osternacht darzubieten? Er beugte sich über das ausgebreitete, vergilbte Papier und las: „Es geht schon in die Nacht hinein. Alles im Hause schläft in tiefer Ruhe. Große Einsamkeit ist um mich. Ich muß, was ich jetzt empfinde, niederschreiben wie ein Gebet. Ein heiliger Tag war heute. Unser Jüngster, der Heinz, feierte den seligsten Tag seines Lebens, die erste heilige Kommunion. Das weiße Blütensträußlein schmückte seine Brust. Die weiße Kerze brannte in seiner Hand. Ich hörte mit der Kraft der Mutterliebe aus all den anderen Stimmen heraus, lute er seinem Gott und Heiland die Treue versprach. Unter Tränen habe ich ihn gesegnet, unter Freudentränen. In seinen unschuldigen Augen glänzten Glück und Frieden, als er mir vor wenigen Stunden ,Gute Nacht' wünschte. Göttlicher Heiland, Freund der Kinder, Du hast heute Einkehr gehalten in der Seele meines Sohnes. Bleibe dort his zu der Stunde, da ihm die Sterne der Ewigkeit leuchten. Eine Mutter bittet Dich. An Dein göttliches Herz lege ich aber noch eine ganz heimliche Bitte: Wenn es Deinem heiligen Willen entspricht und wir der Gnade nicht unwert sind, so ruse mein Kind einmal in Dein Heiligtum. Laß meinen Sohn als Priester am Altare stehen. Und laß ihn, wenn ich heimgegangen bin, auch für meine arme Seele das heilige Opfer darbringen. Und dann — noch mehr möchte ich. Bei Dir, 0' Herr, darf man ja getrost selbst um Höchstes flehen... Wie unbeschreiblich glücklich würde ich sein, wenn der Heinz, wie einstmals Deine Apostel, hinauszöge, um die frohe Botschaft des Glaubens in ferne Heiden-länder zu tragen! Noch in die Ewigkeit hinein würde mir ein solches Glück als Stern strahlen. Beten will ich und opfern, daß meinem Kinde ein solches Heil widerfahre. Maria, Königin der Apostel, hilf meinem Sohn auch in dunklen Stunden, die niemandem ausbleiben! Erhalte ihm den heiligen Glauben. Erbitte ihm Apostelgeist."------------ Verwirrt schaute Heinz auf die Zeilen. Der Geist der Ewigkeit schien ihn aus denselben anzuwehen. Ein Windhauch drang durch die Spalte des angelehnten Fensters und bewegte lautlos die weißen Gardinen. Ihm war, als sei die Mutter neben ihn getreten, bittend, mahnend. Das Gleiten der Rosenkranzperlen glaubte er zu vernehmen. Wie ein Stich ging es ihm durchs Herz, wenn er daran dachte, wie enttäuscht die Mutter jetzt auf ihn blicken würde, wie bitter und schmerzlich enttäuscht. Aber wie war es denn auch nur möglich gewesen, daß er seinen frommen Vorsätzen und heiligen Zukunftsplänen untreu geworden? War es nicht unfaßbar, daß er all das Schöne, Große, Erhabene weggeworfen hatte wie welkes Laub? Wenn er so in der feierlichen Stille der fternstrahlenden Osternacht, den Blick in die Ewigkeit gerichtet, nachsann, dann kam ihm alles, was zwischen ihn und sein ursprüngliches Ziel getreten war, vor wie eine flitterhaft aufgeputzte Schaubühne neben einem himmelanstreibenden Felsendom. Langsam zwang ihn ein unbeschreibliches Gefühl der Beschämung, des Besinnens auf Höhenwege, aus die Knie. Wie ein Heiligtum sah er das Gebetbuch der Mutter vor sich liegen. Und da kam es, aus tiefsten, verschüttet gewesenen Schächten seines Herzens emporsteigend, über seine Lippen: „Mutter, du sollst dich wicht in mir getäuscht haben." — Am Abend des Ostertages saß Heinz dem greisen Seelsorger in dessen Studierzimmer gegenüber. Die grünverschleierte Lampe warf einen milden Schein auf die trotz des Alters noch lebhaften Züge des Priesters. In gespannter Aufmerksamkeit lauschte er den schlichten Worten seines Pfarrkindes, dessen Seelenleben ihm in der letzten Zeit so manche schwere Sorge gemacht hatte. Ein feines Lächeln umspielte den Mund des Pfarrers, als er beim Abschied den Arm um seines jungen Freundes Schultern legte, liebevoll bittend: „Heinz, bleibe stavk und bleibe demütig. Denn nicht deine Kraft hat dich zurückgeholt, sondern das fürbittende Gebet deiner lieben, seligen Mutter. Ihr Segen sei auch ferner mit dir, besonders dann, wenn du, wie es nun wieder dein heiliger, herrlicher Vorsatz ist, auf steilen Missionswegen hinansteigst zu einem unbeschreiblich erhabenen Ziele. Ihr Segen ruhe auf dem Missionskreuz, das, so hoffe und bete ich, einmal dein Weggeleite im Neuland des Reiches Christi sein wird." — Am Weißen Sonntag empfing Heinz Landers aus der Hand seines Pfarrers die heilige Osterkommunion. Ihm war zumute wie den Jüngern von Emmaus, als der Herr ihr Tischgenosse war und mit ihnen das Brot brach. Auch in ihm brannte das Herz. Daheim drückte er fest des Vaters Hand und iah ihm wortlos in die Augen. Da wußte der Bauer vom Landershof, daß sein Sohn wieder bergan stieg zum Lichte. Und auch die alte Grit wußte es. Einige Tage nach dem Weißen Sonntag suchte Heinz die gute Alte in ihrem sauberen Stübchen auf, um ihr ein kleines Ostergeschenk zu bringen. In ihrer Der Sarg eines Missions-bifchofs. Für den Chinesen ist seine letzte Wohnstätte von allergrößter Vedeu-tnng. Je höher in Würden der Verstorbene stand und je wohlhabender er war, um so kostbarer und dicker mutz das Holz seines Sarges sein. Bei hochgestellten Persönlichkeiten erreichen die Sargbretter auch 10 Zentimeter Dicke. Die Missionäre haben es verstanden, die örtlichen Gebräuche dem christlichen Glauben anzupassen und den Kult in kindlichen Respekt zu überführen. Auf dem Bild sieht man die Seminaristen von Tatung beim Verzieren des Sarges mit christlichen Symbolen für Msgr. den verstorbenen Apostol, ir. grebenj. (Fides-Photo.) Vikar von Kansou und Ninghia, Armut freute sie sich natürlich- über die blitzenden Silberstücke. Aber sie freute sich noch viel mehr, als der Heinz ihren Gruß: „Gelobt sei Jesus Christus!" fromm und gläubig vervollständigte mit den Worten: „In Ewigkeit. Amen." Der Mutter trug er am Tage vor dem Ab- schied einen Strauß goldener Schlüsselblumen, die er am Waldhang gepflückt hatte, aufs Grab. Und in feiner Seele war die tiefe Freude, daß der Mutter Gebetbuch für ihn der Schlüssel zu Glauben und Frieden geworden war, der Gnadenschlüssel zum Heiligtum des Herrn. Im Dienste der religiösen Erneuerung. Im Jahre 1919 verstarb in Trier Hieronymus Jaegeu, ein Bankdirektor, im Rufe der Heiligkeit. In der Reihe „Große Männergestalten", Verlag Laumann, Dülmen i. W., ist ein beachtliches Werk von Karl Wild über „Jasgen" erschienen. Wir bringen daraus eine kurze Probe. Jaegen hat sich zeitlebens in den Dienst der religiösen Erneuerung gestellt, wie sie von Papst Leo XIII. in sozialer Hinsicht, von Pius X. und Pius XI. innerkirchlich angestrebt wurde. Welch große Bedeutung für die Kirche und die ganze Menschheit hatten die Rundschreiben Leos XIII. über das christliche Leben, die christliche Staatsordnung, die christliche Ehe, die Arbeiterfrage und die Gefahren des Sozialismus! Von Pius X. seien nur angeführt die Reform des Breviers und des Missale, die Dekret: über die frühe Kommunion der Kinder und die häufige und tägliche Kommunion der Laien, die Erlässe über die Reinerhaltung der katholischen Glaubenslehre. Der Name des Papstes Pius XI. ist untrennbar verbunden mit der Katholischen Aktion, für die er in seinem Rundschreiben vom 23. Dezember 1922 in großzügiger Weise Richtlinien gab. Im Dienste der religiösen Erneuerung stand auch Jaegen durch sein schönes Beispiel und seine tätige Mitwirkung. Er hat dann aber auch in seinem Kampfbuch Anweisungen und Anregungen gegeben für alle, die hier mitarbeiten und sich Betätigen wollen. Die Sendung der Laien. Jaegen hatte ein offenes Auge für die Schäden seiner Zeit und dachte jedenfalls viel darüber nach, wie man wirksam an ihrer Beseitigung und Milderung arbeiten könne. Er gab viel auf die Mitwirkung gutgesinnter Laien. Er ist deswegen nicht für Weltslucht oder für eine gewisse Frömmigkeit, die egoistisch nur an sich selbst denkt und die Welt Welt sein läßt. „Die heutige, mit bösen Beispielen angefüllte Welt macht es wünschenswert, daß die eifrigen Katholiken und Katholikinnen nach Möglichkeit in der Welt bleiben, um die Welt durch ihre guten christlichen Grundsätze und Taten zu beleben." „Du sollst das Böse und die übertriebenen Zerstreuungen, aber nicht die Welt selbst fliehen. Besonders kannst und sollst du dich unter die Weltkinder mischen und die Welt zu bessern suchen, wenn du dich an den inneren Verkehr mit Gott gewöhnt hast." Die Worte Jaegens: „Man regt sich auf und schimpft über die Bosheit der Welt. Aber man tut nichts zu ihrer Besserung", könnte man auch heute noch auf viele anwenden, die oft sehr schroff aburteilen über die Mißstände, wie sie vielerorts herrschen, aber zu keinem Opfer bereit sind, um ihnen abzuhelfen. Als welterfahrener Mann wußte Jaegen genau, was in der Welt zieht, wodurch man Einfluß bekommt, um schließlich auch wirksam an der Förderung der Ehre Gottes und am 'Seelenheil der Menschen mitarbeiten zu können. „Wollen wir mit Erfolg Gottes größere Ehre fördern, so müssen wir versuchen, uns zuerst einen gewissen Einfluß auf die Kinder dieser Welt zu verschaffen. In der Welt hat in der Regel nur derjenige Einfluß, der Bildung und Geld besitzt-und ein hervorragendes Amt bekleidet. Wir müssen daher Gott zuliebe uns diese Dinge auf ehrliche Weise zu verschaffen suchen, wenn wir erkennen, daß Gott uns zu dieser Art Laienapostolat braucht." Man braucht auch nicht immer bescheiden zurückzutreten oder sich für untauglich zu halten. „Wenn wir immer nur an unsere Armseligkeiten dächten, daß wir nichts können und nichts sind, so würden wir schließlich nichts mehr tun und im äußeren christlichen Leben eine Null sein. Das will Gott nicht." Jaegen will recht viele Mitarbeiter haben für den Dienst der religiösen Erneuerung. Die Mahnung, die er hier gibt, richtet sich an alle, die hiefür tauglich sind. „Sorge du für die Interessen Gottes! Denn es gibt außer dir noch viele andere, die für die Belange der Welt genügend sorgen." „Auch bei zahlreichen anderweitigen Beschäftigungen wird jeder immer noch Zeit erübrigen, nach Stand und Kräften für das Seelenheil seiner Mitmenschen zu sorgen." Jaegen stellt hohe Anforderungen an alle Laien, die für das Heil der Seelen apostolisch wirken und in der Seelsorge mitarbeiten wollen. Es ist ein schönes Wort, das Jaegen -ausspricht, ein Wort, das alle recht beherzigen mögen, die im Laienapostolat tätig sind: „Um die herrschenden traurigen Verhältnisse zu bessern, braucht Gott charakterfeste Katholiken. Bemühe dich deshalb, deinen Eharakter zu stählen, damit du ein Fundament wirst, auf dem Gott- sein Gnadenleben ausbaut, ein Werkzeug in seiner Hand zur Besserung der Welt." „Zur Besserung der Welt brauchen wir vor allem charakterfeste Männer." Je tiefer die Religiosität, je intensiver das innerliche Leben ausgestaltet ist, desto besser und segensreicher wird man im Älpostolat der Laien wirken. Denn die Gottesliebe, die in einer solchen Seele brennt, treibt sie mit Macht dazu an, auch am Seelenheil der Mitmenschen eifrig zu arbeiten. „Die Seelen, die im geistlichen Leben fortgeschritten sind, bemühen sich nicht nur, ihre eigene Seligkeit sicherzustellen, sondern sie interessieren sich aus Liebe zu Gott auch sehr für seine übrigen Interessen auf Erden. Für sie beten und wirken und leiden sie." Gerade durch solche gottliebende und innerliche Seelen kommt oft Großes im Reiche Gottes zustande. „Die tief und lebendig gläubigen Seelen waren zu allen Zeiten die starken Geister, die durch höheres Glaubenslicht erleuchtet Großes für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen leisteten." Jaegen gibt auch Mittel an, welche der Laienapostel anwenden muß, um die Seelen seiner Mitmenschen wieder für Gott und die Kirche zu gewinnen. Wie aus den bereits angegebenen Stellen hervorgeht, ist es namentlich das Mittel der persönlichen Einwirkung — der Belehrung, der Mahnung und des guten Beispiels —, die, klug angewandt, Seelen retten und mit neuem Eifer für ein wahrhaft religiöses Löben erfüllen können. (Schluß folgt.)