117 Scripta Manent XX/1 (2025) DOI: 10.4312/SM.20.1.117-130 Paper received: 01.11.2025 Paper revised: 06.12.2025 Paper accepted: 18.12.2025 Research Paper Doris Höhmann Universität Bologna-Forlì, Italien doris.hoehmann@unibo.it DER „GIARDINO POLIGLOTTA“ DES UNI-CAMPUS IN FORLÌ (BOLOGNA) Abstract Der mehr- bzw. vielsprachige – oder auch polyglotte Garten, eine am Uni-Campus der Universität Bo- logna in Forlì beheimatete kulturpolitische Initiative, lässt sich am ehesten als ein stets im Werden be- griffenes kultur- und sozialpolitisches Projekt in Form locker miteinander verwobener Mikroprojekte beschreiben. Zu seinen Zielsetzungen gehören vornehmlich die Förderung von Sprachkenntnissen, die Beschäftigung mit Fragen der Mehrsprachigkeit und mit Umweltthemen, die populärwissenschaft- liche Vermittlung von wissenschaftlich fundiertem Was- und Wie-Wissen im Rahmen lebenslangen Ler- nens und die Schaffung sozialen Zusammenhalts. Im Beitrag werden nach einer kurzen Darlegung der wichtigsten Zielsetzungen die Hintergründe und Leitideen näher erläutert, die dem Giardino poliglotta zugrunde liegen, und einige der Mikroprojekte knapp umrissen, die bisher in Angriff genommen wur- den. Abgerundet wird der Beitrag durch einen kritischen Blick auf offene Fragen in puncto Informa- tionslandschaft und Mehrsprachigkeit. Schlüsselwörter: Mehrsprachigkeit, Vielsprachigkeit, lebenslanges Lernen, soziale und ökologische Nachhaltigkeit Abstract The “Giardino Poliglotta” Project of the University of Forlì (Bologna) The Giardino Poliglotta (Polyglot Garden), a cultural policy initiative based at the University of Bologna’s Forlì campus, is best described as a constantly evolving cultural and socio-political project comprising loosely interwoven micro-projects. Its primary objectives include: promoting language skills; address- ing issues of multilingualism and plurilingualism, as well as environmental questions; communicating scientifically sound knowledge in a popular science format within the framework of lifelong learning; and fostering social cohesion. After providing an overview of the major key objectives, this article ex- plains the background and guiding principles of the Giardino Poliglotta in more detail, offering a brief outline of some of the micro-projects undertaken thus far. Finally, it concludes with a critical look at open issues concerning information landscapes and multilingualism.  Keywords: multilingualism, plurilingualism, lifelong learning, social and ecological sustainability 118 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 1 Ein polyglotter, mehr- bzw. vielsprachiger Garten? Was hat man sich darunter vorzustellen? Hinter der Bezeichnung verbirgt sich eine kulturpolitische Initiative, die 2019 von der dama- ligen „Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit“ des DIT (Department of Interpretation and Translation)1 ins Leben gerufen wurde und die auf vielfältige Art und Weise zur Lebensqualität im Campus beitragen möchte. Der im Park des Uni-Campus beheimatete polyglotte, mehr- bzw. vielsprachige Garten2 lässt sich am ehesten als ein langfristig angelegtes, stets im Werden begriffenes sprach- und kul- turwissenschaftliches Projekt beschreiben, das sich durch eine starke bildungs- und sozialpo- litische Komponente auszeichnet und durch locker miteinander verwobene kulturelle Events und Lernangebote realisiert wird. Durch vielfältige Kooperationen und die Einbeziehung der verschiedenen AkteurInnen auf dem Campus in die Projektarbeit, von den Studierenden und vom Uni-Personal bis hin zu Gästen und ParkbesucherInnen, ist der mehr- bzw. vielsprachige Garten zugleich ein vielstimmiger Garten. Den gemeinsamen inhaltlichen Nenner der generell inter- bzw. transdisziplinär und sprach- didaktisch ausgerichteten Mikroprojekte bildet der gewählte doppelte inhaltliche Fokus mit seiner Verankerung in der konkreten Umgebung und damit Lebenswelt der sozialen Akteu- rInnen: a) die Thematisierung von Sprache, Kommunikationsgeschehen und Mehrsprachig- keit, allesamt wesentliche Schwerpunkte der Lehre und Forschung am Department, und b) die Auseinandersetzung mit Fragen rund um das Gelände des Parks, in dem sich das Uni-Le- ben abspielt und der als öffentliche Parkanlage der Stadt Forlì allgemein von der Bevölkerung genutzt werden kann. Die Lenkung der Aufmerksamkeit auf die unmittelbare Umgebung im Park, angefangen vom Baumbestand bis hin zu baulichen Maßnahmen, liefert zum einen zahlreiche Beispiele, an- hand derer Wissensbestände veranschaulicht und – je nachdem – aufgefrischt, erworben und vertieft werden können. Zum anderen stellen die Ge- und Begebenheiten, Beobachtun- gen und Feststellungen den Ausgangspunkt für Feldforschungen und für die Beschäftigung mit weiterführenden Fragestellungen dar und zeigen auf, wie vielschichtig sprachlich und kulturell vermittelte Wissens- und Handlungsrahmen miteinander verknüpft sind. Trägermedien sind bislang künstlerisch gestaltete Kärtchen („Lesezeichen“) aus farbigem Karton, über die mittels eines QR-Codes der jeweilige Content auf der Website des Projekts (https://site.unibo.it/giardino-poliglotta/it) aufgerufen werden kann (s. Abb. 1).3 Die Webseite, die vorrangig als Archiv dient, bietet zudem eine kurze Einführung in die Ziel- und Schwer- punktsetzungen des Projekts. 1 Namentlich zu nennen sind außer der Verfasserin des vorliegenden Beitrags Amalia Amato, Alice Capitani, Piero Conficoni, María Enriqueta Pérez Vázquez, Sandro Raffoni, Simona Sangiorgi und Elisabetta Tassinari. Die Umsetzung des Vorhabens wäre aber weder ohne die Zusammenarbeit mit der Mehrsprachigkeitsbe- auftragen der Universität Bologna, Maria Chiara Russo, noch ohne die tatkräftige Unterstützung maßgeb- licher EntscheidungsträgerInnen, verschiedener Hochschulbüros und KollegInnen möglich gewesen. Allen sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. 2 Zum Gebrauch der Adjektive polyglott, mehr- und vielsprachig siehe Fn. 8. 3 Die künstlerische Gestaltung stammt von dem italienischen Comicautor und -zeichner Matteo Mazzacurati (https://matteomazzacurati.com/2019/04/03/). 119 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 Vor dem Hintergrund der bildungs- und sozialpolitischen Ziele – wesentliche Stichworte sind hier: lebenslanges Lernen, Medienkompetenz, Umweltbewusstsein und soziale Nachhaltigkeit – werden die Förderung von Sprachkenntnissen und Kommunikationskompetenzen, ein größe- res Verständnis innerer und äußerer Mehrsprachigkeit und die populärwissenschaftliche, zum Teil spielerische Vermittlung von Was- und Wie-Wissen, das Wecken von Interesse, im Idealfall von Interesse an Forschungsfragen, sowie schließlich die Schaffung sozialen Zusammenhalts angestrebt. Dadurch dass sich die Zielgruppen der Initiativen nicht auf die Studierenden und das Uni-Personal beschränken, sondern sich maßgeblich auch an die Bevölkerung richten, reiht sich der mehrsprachige Garten in die Public-Engagement-Initiativen der Universität Bologna ein. Im Folgenden wird das Projekt zunächst anhand der Erläuterung der Leitideen und Prin- zipien, die seiner Entstehung und Gestaltung zugrunde liegen, erläutert (Abschnitt 2). An- schließend wird eine Auswahl der bereits erstellten Lehr- und Lernmaterialien vorgestellt (Abschnitt 3). Abgerundet wird der Beitrag durch einen kritischen Blick auf offene Fragen in puncto Informationslandschaft und Mehrsprachigkeit. 2 Vom Zeitgeist geprägt Die Leitideen und Prinzipien, die dem Giardino poliglotta zugrunde liegen, sind zweifellos vom Zeitgeist geprägt. Sie sind als Teilantworten auf die Fragen zu verstehen, die aktuelle, alte oder neu entstehende Bedarfslagen aufwerfen. Dass der Giardino poliglotta seiner Zeit verpflichtet ist, gilt zum einen bereits für die oben er- wähnten Stichworte, die wie das lebenslange Lernen aus heutigen bildungspolitischen Initia- tiven kaum wegzudenken sind, oder etwa für den heutigen Museumsbegriff. Dass der mehr- sprachige Garten sich zu einem nicht unbedeutenden Teil in den kulturellen Mainstream unserer Zeit einfügt, ist aber auch daran abzulesen, dass es eine ganze Reihe von Kulturini- tiativen und Projektideen gibt, die ihm von Anfang an als Inspirationsquelle dienten oder vom Abbildung 1 Die ersten veröffentlichten Kärtchen („Lesezeichen“), Juni 2024 120 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 Konzept her mit ihm verwandt sind, auch wenn sie seine Gestaltung erst ab einem späteren Zeitpunkt auf die eine oder andere Weise beeinflusst haben oder weiterhin beeinflussen. Dabei liegt es in der Natur der Dinge, dass im Laufe der Zeit durch weitere Lektüren oder in Gesprächen immer mehr Wissen über eine immer größere Anzahl von verwandten oder ähn- lichen Initiativen zusammengetragen wird.4 2.1 Virtuelle Museen, Mitmachmuseen, Erlebniswelten Laut der 2022 vom internationalen Museumsrat ICOM neugefassten Begriffsbestimmung ist ein Museum a not-for-profit, permanent institution in the service of society that researches, col- lects, conserves, interprets and exhibits tangible and intangible heritage. Open to the public, accessible and inclusive, museums foster diversity and sustainability. They operate and communicate ethically, professionally and with the participation of communities, offering varied experiences for education, enjoyment, reflection and knowledge sharing. (ICOM, 2022)5 Diese Begriffsbestimmung trägt dem Wandel Rechnung, der die Museumskultur unterliegt: Zu nennen sind in diesem Zusammenhang u.a. die fortschreitende Loslösung von der Vor- stellung, dass die Unterbringung von Sammlungen und Ausstellungen an ein bestimmtes Gebäude gebunden ist, die zunehmende Bedeutung museumsdidaktischer Konzepte und des Museums als Lernort, die weitreichende Einbindung internet-gestützter Kommunikation sowie die Tendenz zur Eventisierung (s. dazu u. a. Walz, 2016; Franken-Wendelstorf et al., 2019; Hünnekens, 2022). Wesentliche Anregungen erhielt und erhält der Giardino poliglotta in diesem Zusammen- hang insbesondere von der documenta6, deren Ausstellungskonzepte vielfach an die Ein- beziehung des öffentlichen Raums geknüpft sind und die Rolle widerspiegeln, die künst- lerisch-kulturelle Projekte als neue Form der Stadtentwicklung zunehmend spielen (vgl. Oswalt & Ebert, 2009, S. 4). Vorbildcharakter hatten und haben aber auch namentlich das SMA (Sistema museale di Ateneo), der Verbund der verschiedenen Museen und Sammlungen der Universität Bologna, der sich durch eine besondere thematische und mediale Vielfältig- keit auszeichnet, die Sardegna Digital Library, ein umfangreiches multimediales Archiv zur Geschichte und Kultur, Flora und Fauna Sardiniens, die Grimmwelt in Kassel, die sich als „Kultur-, Freizeit- und Bildungseinrichtung sowie Eventlocation“ (Grimmwelt, o. D.) versteht und zum Teil dem sprachwissenschaftlichen Schaffen der Brüder Grimm gewidmet ist, und 4 Bereits an dieser Stelle sei stellvertretend die Wissens- und Erlebniswelt für Sprache und Kommunikation wort- reich in Bad Hersfeld genannt. Nähere Informationen zur Konzeption des wortreichs, das sich als Erlebnis- oder Mitmachmuseum versteht, sind abrufbar unter https://www.wortreich-badhersfeld.de/ (zuletzt: 1.9.2025). 5 In der offiziellen einheitlichen deutschen Fassung, auf die sich die ICOM-Nationalkomitees Belgiens, Deutschlands, Österreichs und der Schweiz im Sommer 2023 geeinigt haben, lautet die Definition wie folgt: Ein Museum ist eine nicht gewinnorientierte, dauerhafte Institution im Dienst der Gesellschaft, die mate- rielles und immaterielles Erbe erforscht, sammelt, bewahrt, interpretiert und ausstellt. Öffentlich zugäng- lich, barrierefrei und inklusiv, fördern Museen Diversität und Nachhaltigkeit. Sie arbeiten und kommuni- zieren ethisch, professionell und partizipativ mit Communities. Museen ermöglichen vielfältige Erfahrun- gen hinsichtlich Bildung, Freude, Reflexion und Wissensaustausch. (ICOM Deutschland, 2023) 6 Die documenta, die seit ihrer Gründung 1955 alle vier bis fünf Jahre in Kassel stattfindet, gilt als eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. 121 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 schließlich das Mathematikum in Gießen, das durch seine didaktische Konzeption als „Mit- mach-Museum“ für „Besucher jeden Alters und jeder Vorbildung“ (Mathematikum, o. D.) besticht.7 Beeinflusst wurde die Entstehung des Giardino poliglotta aber auch durch die Möglichkeit, nicht nur Botanische Museen im engeren Sinne, sondern auch Botanische Gär- ten als „Living Museum“ (u. a. Sizykh & Kuzevanov, 2007) im Freien, zu begreifen. Das Bei- wort poliglotta im Namen wurde hingegen von dem museo poliglotta (Carobbio & Lombardi, 2024) inspiriert, einem Forschungsprojekt der Universitäten Bergamo und Brescia, bei dem in Kooperation mit lokalen Museen Mehrsprachigkeitskonzepte näher untersucht und aus- gelotet werden. Berührungspunkte ergeben sich dabei bereits aus der Bedeutung, die der Mehr- bzw. Vielsprachigkeit in der Museums- bzw. Tourismuskommunikation beigemessen wird (s. dazu weiter unten). 2.2 Das kommunikative Geschehen als Grundpfeiler menschlichen bzw. gesellschaftlichen Zusammenlebens Einen besonderen Stellenwert nimmt im Giardino poliglotta, wie es sein Name schon andeu- tet, die Auseinandersetzung mit Sprache und Kommunikation ein. Das kommunikative Geschehen in seiner inneren und äußeren Mehr- bzw. Vielsprachigkeit8 bleibt einer der Grundpfeiler menschlichen bzw. gesellschaftlichen Zusammenlebens – bei allem tiefgreifendem Wandel, dem es aufgrund neuer technischer und kulturpolitischer 7 Die Webauftritte des SMA, der Sardegna Digital Library, der Grimmwelt und des Mathematikums in Gießen sind abrufbar unter den folgenden Internetadressen: https://sma.unibo.it/en; https://www.sardegnadigi- tallibrary.it/; https://www.grimmwelt.de/de/; https://www.mathematikum.de/ (zuletzt am 1.9.2025). 8 Die Begriffe äußere und innere (oder innersprachliche) Mehr- bzw. Vielsprachigkeit beziehen sich zum einen auf das Neben- und Miteinander verschiedener Sprachen und Sprachvarietäten, zum anderen auf ihre weitere Binnendifferenzierung in diatopische, diachronische, diastratische, diamesische und diapha- sische Varietäten; s. dazu u.a. die Überblicksdarstellungen in Becker (2013) und Roelcke (2022). Weitere begriffliche Unterscheidungen betreffen Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Aneignung von Erst-, Zweit- und Fremdsprachen und die gesellschaftliche Mehr- bzw. Vielsprachigkeit im Unterschied zur indi- viduellen Mehrsprachigkeit, die auf die Fähigkeit einer Person, sich mehrerer Sprachen zu bedienen (vgl. Rolcke, 2022). Letztere Unterscheidung spielt insbesondere in den sprachpolitischen Ansätzen der EU und des Europa- rats eine wesentliche Rolle, da hier Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität (Blell & Doff, 2014) als Ressour- ce sprachlich-kommunikativen Handelns begriffen werden. Das Gewicht, das dieser Unterscheidung bei- gemessen wird, spiegelt sich in den Bestrebungen wider, die voneinander unterschiedenen Begriffe durch ein jeweils eigenes Fachwort (u. a. engl. multilinguism vs. plurilinguism; fr. multilinguisme vs. plurilinguisme, it. multilinguismo vs. plurilinguismo, dt. Sprachenvielfalt vs. Mehrsprachigkeit) voneinander abzuheben. Doch konnte sich diese sprachliche Regelung, die hauptsächlich durch ihre Befolgung im Gemeinsamen europäi- schen Referenzrahmen für Sprachen Verbreitung gefunden hat, bisher nicht durchgehend durchsetzen. Dass ihr nur bedingt Erfolg beschieden ist, dürfte u.a. daran liegen, dass in der vielzitierten Begriffsbestimmung der Europäischen Kommission multilinguism (und entsprechend dt. Mehrsprachigkeit, fr. multilinguisme, it. multilinguismo, nl. meertaligheid), nicht als Unter-, sondern als Oberbegriff verwendet wird. Dort heißt es in der deutschen Fassung: „Unter Mehrsprachigkeit versteht man sowohl die Fähigkeit einer Person, mehrere Sprachen zu be- nutzen, als auch die Koexistenz verschiedener Sprachgemeinschaften in einem geografischen Raum.“ (Europäische Kommission 2005, 1.2) Folglich haben beide Ausdrucksvarianten ihre Berechtigung. Mit der Verwendung des Ausdrucks polyglott, der ebenfalls als Oberbegriff fungieren kann, wird – entsprechend der Breite der behandelten Themen – von dieser begrifflichen Unterscheidung zunächst abgesehen. Zudem werden durch diese Wortwahl Dis- kussionen zum korrekten Sprachgebrauch zurückgestellt. Dies ist besonders im italienischen Kontext des Giardino poliglotta relevant, da sich in italienischen Fachkreisen der Gebrauch von multilingue und polilingue als Gegensatzpaar weitgehend durchgesetzt hat. 122 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 Entwicklungen immer wieder unterzogen wurde und wird. Man denke allein an die einschnei- denden Veränderungen, die derzeit durch die automatische Generierung von Content ange- stoßen werden oder zu früheren Zeiten durch die Entwicklung von Schriftsystemen und die Erfindung des Buchdrucks bewirkt wurden. Eine entsprechend große Bedeutung kommt der Kommunikation als Wissensgebiet sowie der Vermittlung bzw. Aneignung der Kompetenzen zu, die für die Entwicklung und den Erwerb neuer Kulturtechniken und für einen ‚kompeten- ten‘ Umgang mit veränderten Gegebenheiten erforderlich sind. Zu den aktuellen gesellschaftlich relevanten Aufgaben der Sprach- und Kommunikations- wissenschaften zählen dabei zweifellos die Auslotung der Potentiale und Fallstricke KI-ge- stützter Kommunikation in verschiedenen lebensweltlichen Bereichen. In Bezug auf das hier vorgestellte Projekt ist, um nur ein Beispiel zu nennen, für die mehrsprachige Gestaltung der Webseite die Möglichkeit relevant, Content nicht nur in verschiedenen Sprachen zu ge- nerieren bzw. abzurufen oder anzuzeigen, sondern darüber hinaus die sprachliche und in- haltliche Komplexitätsstufe jeweils an die Kompetenzen und Bedürfnisse der NutzerInnen anzupassen. 2.3 Mehrsprachigkeit als Normalfall und als Ressource Angesichts der heutigen Möglichkeiten, die die automatische Übersetzung, die Generie- rung oder die Abrufbarkeit von Content in verschiedenen Sprachen eröffnen (siehe dazu u.  a. Höhmann, im Ersch.) ist zwar der Stellenwert von Fremdsprachenkenntnissen und insbesondere die Rolle des schulischen und universitären Fremdsprachenunterrichts neu zu bestimmen, doch dürfte schon aufgrund des Gebrauchs „diverser sozialer, funktiona- ler und medialer Varietäten bzw. Register wie Standard- und Umgangssprache, geschrie- bener und gesprochener Sprache, Jugendsprachen sowie wissenschaftlicher, technischer und institutioneller Fachsprachen“ (Roelcke, 2022, S. 10), die Bedeutung der Mehr- bzw. Vielsprachigkeit als solcher und entsprechender Objekt- und Metakenntnisse davon unbe- rührt bleiben: Auch ohne die Bezugnahme auf andere Sprachen erscheinen die individuelle und gesellschaftliche Mehr- bzw. Vielsprachigkeit als Normalfall. Zudem besteht ein breiter Konsens darüber, dass • sich Fremdsprachenkenntnisse und kommunikative Fähigkeiten in allen Lebensphasen positiv auswirken, etwa in Hinblick auf die kognitive Entwicklung des Kindes, auf die geistige Beweglichkeit im Alter oder auf größere Berufschancen auf dem Arbeitsmarkt (s. dazu u. a. den Überblick in Fox et al., 2019, S. 699) • die gesellschaftliche Anerkennung des Wertes von Familien- bzw. Herkunftssprachen (Dialekte, Regional- und Minderheitensprachen) eine positive psychosoziale Wirkung auf das Selbstwertgefühl hat und so dem individuellen Wohlbefinden9 förderlich ist.10 9 In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass der Gesundheitsbegriff der Weltgesundheitsorga- nisation, der sich bereits in der WHO-Satzung aus dem Jahr 1946 findet, nicht nur das körperliche, sondern auch das seelisch-geistige und soziale Wohlergehen mitumschließt: “Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.” (WHO 2020). Zur weiteren Vertiefung s. u. a. Kickbusch (1999); Franzkowiak & Hurrelmann (2025). 10 Zur Stigmatisierungsproblematik s. u. a. Busch (2022); Daussà & Roviró (2024). 123 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 Des Weiteren ist auf die Bedeutung fachkommunikativer Mehrsprachigkeit hinzuweisen, die u. a. einen wesentlichen Beitrag zu „einer Intensivierung wissenschaftlicher, technischer und institutioneller Kommunikationsprozesse und somit auch zu einer Intensivierung der Genese und des Transfers von Wissen und Fähigkeiten selbst“ (Roelcke, 2024, S. 220) leistet. Dringend geboten scheint die Förderung der individuellen und gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit in den Wissenschaften jedoch vor allem vor dem Hintergrund der Tendenzen zur Monolingua- lisierung der Wissenschaftskommunikation, durch die mit Ehlich eine wissenschaftssprach- liche Verarmung droht. Er führt dazu aus: Die Bindung der Wissenschaftskommunikation an Alltagssprachen bedeutet nicht zuletzt, dass diese ein Reservoir für die Weiterentwicklung auch der Wissenschafts- sprachen sind. Dieses Reservoir steht dem native speaker ziemlich problemlos zur Verfügung. […] Die Einführung von Innovation erfordert nicht unerhebliche sprach- liche Kompetenzen […] Solche Befähigung bedarf eines meisterlichen Umgangs mit der Sprache, in der die Kommunikation erfolgt. Die monolingualisierte Wissenschaftskommunikation hingegen bedeutet weithin eine faktische sprachliche Deprivation der an ihr Beteiligten, soweit sie nicht native speakers sind. (Ehlich, 2006, S. 33-34) Der Abkoppelung der Wissenschafts- und Fachkommunikation von der Allgemeinsprache bzw. von den Allgemeinsprachen entgegenzuwirken heißt darüber hinaus, die Austauschpro- zesse zwischen Gesellschaft und Wissenschaft sowie eine größere gesellschaftliche Teilhabe zu fördern (s. dazu ebenfalls Ehlich, 2006; Roelcke, 2022; 2024). 2.4 Bildung und Wissensbestände als wertvolles Gut bzw. Kapital Die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Bildung (Kompetenzen, Literacies) in schulischen und außerschulischen Zusammenhängen steht außer Frage: als Voraussetzung für die Ent- faltung des Einzelnen, für ein selbstbestimmtes Leben, für die soziale Teilhabe und für den kulturellen und wirtschaftlichen Wohlstand der Gesellschaft.11 Angesichts der sich durch die technische Entwicklung rasant schnell verändernden lebensweltlichen Szenarien erklärt sich der zentrale Stellenwert des lebenslangen Lernens „in unterschiedlichen Bildungsfor- men (formal, non-formal, informell) und in allen Lebensphasen (von der Kindheit bis ins Al- ter)“ (Netzwerk Stiftungen und Bildung, o. D.).12 Bevorzugt kommen reformpädagogisch geprägte, ganzheitliche und spielerische Bildungs- ansätze zum Einsatz, die nicht nur auf die kognitive, sondern auch auf die soziale, emotionale und kreative Entwicklung und Entfaltung des Individuums abheben (s. dazu u. a. den Über- blick in Ullrich, 2023). Angestrebt wird einerseits die Auffrischung und Festigung bereits erworbener Kenntnisse, andererseits eine Horizonterweiterung für alle beteiligten AkteurInnen durch erfahrbares, erfahrungsbasiertes und forschend-entdeckendes Lernen und Lehren. Ein Beispiel dafür ist die an das Projekt andockende Caccia al tesoro multilingue alla scoperta del Campus e del 11 Für einen ersten Überblick s. u. a. das Dossier Bildung der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB, 2019-2025). 12 Zur weiteren Vertiefung sei u. a. verwiesen auf Schäfer (2021). 124 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 Giardino poliglotta, eine mehrsprachig gestaltete Schnitzeljagd zum Mitmachen, die auf spie- lerische Weise rezeptive Mehrsprachigkeit als Ressource erfahrbar werden lässt und dabei in die Interkomprehensionsforschung einführt (s. Abb. 2).13 Abbildung 2 Ankündigung der Schnitzeljagd auf den Social Media des Campus 2.5 Nachhaltigkeit als Leitmotiv Das Projekt des mehrsprachigen Gartens wurde, wie eingangs erwähnt, von der damaligen AG Nachhaltigkeit entwickelt. Im Vordergrund standen und stehen dabei nicht nur Umwelt- themen, sondern auch psychosoziale Belange wie das Bedürfnis nach Achtsamkeit und Ent- schleunigung, sozialer Einbindung und Wertschätzung, sowie die Stärkung des sozialen Zu- sammenhalts als Präventionsmaßnahme gegen Gewalt. Vor diesem Hintergrund wird be- wusst darauf geachtet, dass die verschiedenen am Campus-Leben beteiligten Akteure und Akteurinnen in die Projekt-Aktivitäten konkret einbezogen werden (Stichwort Vielstimmigkeit), Networking betrieben wird und vor allem Gesprächsanlässe geschaffen werden, die dazu an- getan sind, soziale Netze zu verdichten und den Alltag in vielerlei Hinsicht zu bereichern. 13 Die „Mehrsprachige Schatzsuche: eine Entdeckungstour durch den Uni-Campus und den mehrsprachigen Garten“ ist seit 2024 fester Bestandteil des Programms der europaweiten Europäischen Nacht der Forsche- rInnen. Die Schnitzeljagd wurde in interdisziplinärer Zusammenarbeit zunächst von Emanuela Paone, No- vella Tedesco und Sarah Mantegna, unter Mitwirkung von Cristiana Cervini und der Schreibenden entwor- fen. Inzwischen hat sich daraus ein eigenständiges Forschungsprojekt entwickelt, dessen erste Ergebnisse auf der 10. Fachtagung der Italienischen Gesellschaft für Sprachendidaktik und Spracherziehung DILLE (Società Italiana di Didattica delle lingue e Linguistica educativa, Tirana 2025) vorgestellt werden konnten. 125 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 Erwähnenswert ist nicht zuletzt, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit nicht nur das Projekt des mehrsprachigen Gartens in verschiedener Hinsicht durchdringt, sondern auch in der Ge- staltung des Campus-Parks eine grundlegende Rolle spielt,14 wodurch sich nicht unwesent- liche Synergien ergeben.15 3 Sprachliche und kulturwissenschaftliche Streifzüge Die Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Umgebung und ihrer Versprachlichung sind der Ausgangspunkt zahlreicher Beobachtungen, die nicht nur für anregenden Gesprächs- stoff sorgen und geistige Nahrung bieten, sondern auch Ideen für weitere wissenschaftliche Arbeiten entstehen lassen, wie abschließend anhand ausgewählter Beispiele veranschaulicht werden soll. 3.1 Das Attribut poliglotta Bereits das Attribut poliglotta im Namen des „mehrsprachigen Gartens“ bietet einiges an Ge- sprächs- und Lernstoff, und zwar gleichermaßen für SprecherInnen bzw. Lernende des Italie- nischen als Erst-, Zweit- oder Fremdsprache: Hinsichtlich des Einflusses des Altgriechischen auf die italienische Sprache, der Übernahme von Wortbildungstypen und anderen Sprach- kontaktphänomenen, aber auch in Bezug auf den gehobenen Sprachgebrauch als Status- symbol und damit im Zusammenhang auf die Frage, ob auch die männlich gebeugte Wort- form poliglotto als korrekt gelten kann16 oder im Hinblick auf ihre bewusste Verwendung als Oberbegriff für it. multilingue vs. plurilingue, die geradezu dazu einlädt, die begriffliche Unter- scheidung zwischen individueller und gesellschaftlicher Mehr- bzw. Vielsprachigkeit17 zu the- matisieren und das Verhältnis von Synonymen in fach- und allgemeinsprachlichen Kommu- nikationszusammenhängen näher zu beleuchten. 3.2 Der Baum als Metapher Als Ordnungsprinzip ist der Baum ähnlich der Pyramide, der Spirale und der Welle allgegen- wärtig. Abgesehen von der Beliebtheit seiner Form (Wurzeln, Stamm, Baumkrone, Verzwei- gung und Verästelung) in Mindmaps ist an die Baummetapher in der religiösen und schön- geistigen Literatur und Kunst sowie in Sachzusammenhängen und Fachsprachen zu denken, vom Lebensbaum über das Baumdiagramm bis hin zum Stammbaum zur Darstellung der 14 Die an sozial-ökologischen Nachhaltigkeitsprinzipien ausgerichtete Neugestaltung der Grünflächen des heutigen Uni-Campus nach Entwürfen von Gian Luca Laghi, Giovanni Milanesi, Dario Pinzarrone und Chia- ra Semprini wurde 2019 von der Jury des italienischen Städtebaupreises La Città per il verde mit einer be- sonderen Erwähnung (Special Mention) ausgezeichnet. 15 Der Architektin Chiara Semprini (Universität Bologna) ist etwa die Installation einer flexibel veränderba- ren Outdoor-Tischgruppe für Gruppenarbeiten im Rahmen der Projekt-Aktivitäten zu verdanken. Auch soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Bezeichnung giardino del sapere (wörtlich: „Garten des Wissens“), die sich in den Unterlagen der Stadt Forlì für das an die Unigebäude angrenzende Parkgelände findet, den Namen des mehrsprachigen Gartens wesentlich beeinflusst hat. 16 Laut maßgeblicher Standard-Nachschlagewerke für die italienische Sprache wie dem Grande dizionario della lingua italiana (GDLI, o. D.), der Treccani (o. D.) und dem Il nuovo De Mauro (De Mauro, o. D.) gilt die männlich gebeugte Adjektivform als standardsprachlich. 17 S. dazu die Ausführungen in Fn.8. 126 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 Abstammung oder der Familiengeschichte, die in zahlreichen Sprachen zu finden ist. Dabei stellt sich unmittelbar im Anschluss an erste Beobachtungen die Frage nach kulturgebun- denen Gemeinsamkeiten und Unterschieden (etwa in Bezug auf die Bedeutung des „Baum des Lebens“) in verschiedenen Kulturkreisen oder nach der weiten Verbreitung oder gar Uni- versalität der Baummetapher, die anhand konkreter Beispiele gestützt oder – wie im Fall der italienischen Fachausdrücke albero motore, dem im Deutschen ein anderes Bild, Motorwelle, entspricht, – relativiert werden kann. 3.3 Die Vokabeln für Baum und Pflanze im Sprachvergleich Der Vergleich der Vokabeln Baum und Pflanze im Sprachvergleich wirft zudem etwa die Frage auf, aus welchen Gründen die Wörter für Baum in anderen Sprachen sehr unterschiedlich sind (z.B. dt. Baum, engl. tree, lat. arbor, it. albero), während bei den Entsprechungen für Pflanze in verschiedenen Sprachen die etymologische Verwandtschaft aufgrund der gemein- samen Abstammung vom Lateinischen offensichtlich ist. Die Vermutung, dass es sich im ers- teren Fall um altehrwürdige Bezeichnungen handelt, die sich aufgrund des grundlegenden kulturellen Stellenwerts von Bäumen bewahrt haben, greift nur zum Teil. Gibt es doch in der Sprachgeschichte Beispiele für Umbenennungen ureigenster Verhältnisse, etwa der von Verwandtschaftsbeziehungen.18 Unbeantwortet bleibt auch die Frage nach den Gründen für das männliche Geschlecht in den genannten Sprachen, die bei der Übersetzung der Verszeile Buon giorno, signor albero ins Englische spielerisch aufgeworfen wird (dt. Herr Baum, engl. Mister Tree). Anhand der Bezeichnungen dt. Pflanze, engl. plant und it. pianta lassen sich hingegen be- kannte Erscheinungen erklären wie die Entwicklung der lat. Konsonantenverbindung pl, die im Italienischen regelmäßig zu pi wird, die zweite Lautverschiebung und schließlich die Ver- änderung der Silbenstruktur des lateinischen Wortes, namentlich die unterschiedlich ausge- prägte Abschwächung der letzten Silbe. Über die Gründe, weshalb sich das Lexem im Laufe des Mittelalters und in der Neuzeit in den verschiedenen europäischen Sprachen verbreitet hat, schweigen sich die einschlägigen Wörterbücher hingegen aus. 4 Resümee und Ausblick Die fachlich bzw. inhaltlich reflektierte, mehr- bzw. vielsprachig angelegte Auseinanderset- zung mit der unmittelbaren Umgebung im Campuspark dient als Folie für die Realisierung von verschiedenen inter- und transdisziplinären, immer auch sprachdidaktisch ausgerichte- ten Mikroprojekten mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunktsetzungen: angefangen von der Beschäftigung mit terminologischen Fragestellungen zur botanischen Nomenklatur, mit einem besonderen Fokus auf den wissenschaftlichen und gemeinsprachlichen Namen des Baumbestands im Park, über sprach- und kulturvergleichende Untersuchungen zur kul- turellen Bedeutung der im Park anzutreffenden Flora oder ihrer Thematisierung in Kunst und Literatur bis hin zur Auslotung der Möglichkeiten und Grenzen interkomprehensiven 18 Paradebeispiel sind hier die Begriffe Tante und Onkel, die aus dem Französischen übernommen wurden (vgl. die entsprechenden Einträge in Pfeifer et al., o. D.) und selbst in der Nähesprache an die Stelle früherer Bezeichnungen getreten sind. 127 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 Mehrsprachenlernens in domänenspezifischen Text- und Diskursvorkommen anhand aus dem konkreten Umfeld gegriffenen Beispiele. Die Vielzahl der inhaltlichen Bezüge, die erst im Rahmen dieser Auseinandersetzung für den Einzelnen zutage treten, stellt dabei an sich schon einen Mehrwert des Projekts dar. Wird dadurch doch die Auseinandersetzung mit der eigenen Umgebung angestoßen und eine be- deutende Horizonterweiterung sowie eine sowohl in die Breite als auch in die Tiefe gehende, nicht nur gedankliche, sondern den ganzen Menschen betreffende Vernetzung mit der ihn umgebenden Umwelt angeregt. Nicht nur die Vernetzung von Was- und Wie-Wissen durch Anschauung ist ein wesentliches Anliegen des Projekts, das Interesse an Fragen, die die Umwelt und ihre Erforschung be- treffen, wecken möchte. Die Schaffung und Stärkung des sozialen Zusammenhalts stellt ein weiteres wesentliches Anliegen des Projekts dar, was sich insbesondere in der Art und Wei- se sowohl in der Erstellung des Contents als auch der gewählten Formen ihrer Verbreitung niederschlägt. Zugleich wird ein Rahmen geschaffen für die empirische Sprach- und Kommunikationsfor- schung. Erfahrbar werden Unterschiede in der Art, Menge und Dichte der zur Verfügung stehenden bzw. im Web abrufbaren Informationen, Unterschiede und Überschneidungen von Wissenstraditionen, Schwerpunktsetzungen und Perspektivierungen (Stichworte Frames bzw. Framing, Informations- und Diskurslandschaften)19 und nicht zuletzt die verschiedenen Fragen, die die heutigen Gestaltungsmöglichkeiten mehrsprachiger Ressourcen aufwerfen. Letztere sollen abschließend ausschnitthaft umrissen werden: • Wie können Informationen in oder zu mehr als 10 verschiedenen Sprachen gleichzeitig übersichtlich angeordnet werden, ohne dass jeweils neue Webseiten aufgerufen wer- den müssen? • Welche Möglichkeiten bestehen, die verschiedenen Sprachen bzw. Sprachvarietäten anzugeben? Was spricht für die Verwendung von ISO-639-Sprachcodes, was für das An- zeigen mit Hilfe von Flaggen? • Es zeigt sich, dass es lexikalische Ressourcen mit Angabe der Lautschrift nur für ver- gleichsweise wenige Sprachen gibt. Wird sie langfristig durch Audio- und Videoaufnah- men ersetzt werden? Welche Funktion kommt ihr in Zukunft zu? Welche Zukunft dem mehrsprachigen Garten beschieden sein wird, ist noch nicht abzusehen. Die bisher erstellten und veröffentlichen Contents dürften aber zunächst noch weiter ausge- baut werden und auch in den kommenden Jahren erhalten und abrufbar bleiben. Wenn sie auch in Zukunft zur Auseinandersetzung mit Fragen rund um Sprachen anregen und Anlass zu Gesprächen geben, bleiben bereits zwei der Hauptanliegen des Projekts auch weiterhin er- füllt. Um Nutzung, Mitwirkung – und warum nicht? – Nachahmung wird wärmstens gebeten. Die in diesem Artikel besprochenen Forschungsdaten sind in diesem veröffentlichten Artikel enthalten. 19 Zur weiteren Vertiefung sei u. a. verwiesen auf Wengeler & Ziem (2018); Knobloch (2020); Schmallenbach (2022); Höhmann (2023; 2024). 128 Höhmann / Scripta Manent XX/1 (2025), 117–130 Literaturhinweise Becker, M. (2013). Einführung in die spanische Sprachwissenschaft. Metzler. Blell, G. & Doff, S. (2014). Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität: Einführung in das Thema. Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 19 (1), 1-7. https://d-nb.info/1290562784/34 BpB [Bundezentrale für politische Bildung] (2019-2025). Dossier Bildung. https://www.bpb.de/themen/ bildung/dossier-bildung/ Busch, Brigitta (2022). 3. Minderheitensprachen. In C. Földes & T. Roelcke (Hrsg.), Handbuch Mehrspra- chigkeit (S. 57-81). De Gruyter. https://doi.org/10.1515/9783110623444-003 Council of Europe (o. D.). 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Forty-ninth edition. Word Health Organization. https://apps.who.int/gb/bd/pdf_files/BD_49th-en.pdf#page=6 Izvleček Projekt Giardino Poliglotta Univerze v Forlìju (Bologna) Kulturnopolitično pobudo Giardino Poliglotta (Poliglotski vrt), ki domuje na podružnici bolonjske uni- verze v Forlìju, najbolje opišemo kot nenehno razvijajoč se kulturni in družbenopolitični projekt, ki ga sestavljajo med seboj ohlapno povezani mikroprojekti. Njegovi cilji so predvsem spodbujanje je- zikovnih veščin, obravnavanje vprašanj večjezičnosti in raznojezičnosti ter okoljskih tem, posredova- nje znanstveno utemeljenega znanja na poljudnoznanstven način v okviru vseživljenjskega učenja ter spodbujanje družbene kohezivnosti. Po kratki predstavitvi osrednjih ciljev avtorica podrobneje pojasni ozadje in vodilna načela, na katerih temelji projekt Giardino Poliglotta, ter na kratko opiše nekatere od doslej izvedenih mikroprojektov. Prispevek zaključuje kritičen pogled na odprta vprašanja v zvezi z informacijskimi krajinami in večjezičnostjo. Ključne besede: večjezičnost, raznojezičnost, vseživljenjsko učenje, družbena in okoljska trajnost