lillsnlln» in unlverlitntnii jcnjiinim v l.M!Mi 139317 />/ r f/s, i/< '/tf ?W/ ' slffz/.f/Z'//,, ss/ ' AJr ^///s/,s/. Länder- u n d Völkcr-Merkwürdigkciten l' e s Von V/^ ^ 5i Dr. Franz Sartori. sf^^r°'t er Theil. Mit z w cy Kupfern. Wien, 1809. Im Verlage bey Anton Doll. O^V2 139317 Länder- und Völker Merkwürdigkeiten deS österreichischen KaiserthumeS. Vierter Theil. H ' Das kaiserliche tustschloß LaxeBurg O ""b seine Sehenswürdigkeiten bey Wien in Oesterreich unter der E«s» ^"^ltten ln elner großen und volkreichen Ebene liegt kaxenburg, dessen Park durch den Relch, thum an Sehensnjürdlgkelten, und den Aufwand für s«lne Umstattung glelch bemerkenswerth wird. Beynahe «ln halbes Jahrtausend alt verewigt er > das Ehrwürdige elnes HMgen Haines mlt dem lieblich«« neuangelegter Pflänzlingen, und ble höheren Vlndrücke elner kraftvollen Natur mlt den sanften Bezauberungen der Künste, dersn A 5 -" 4 — (Schöpfungen er alle hieher zu bannen, unb zu «lnem Ganzen ohne Gleichen zu verbinden wußte. ^- Er erfüllt, was die meisten englischen Gar^ ten kaum zu versprechen wagen. Schon vom Marktplätze aus gewahrt baS hohe Spm,gwas-ser, und die schön« Halbrunde der Bäume, die »mm elnen Landbusen nennen möchte, eine holde einladende Anficht. Den Vorberchell des Parkes bilden hohe, wajeMische Gchattengange, im Mittelpunkte, von dem sie auslaufen, imponlrt die sogenannte töwenbrücke durch ihre llber^e Bauart. Gleich linker Hand leiten stille, einsame Pfade zu elner Einsledeley. Zwey Einsiedler auf elnem Felsen gelagert, von einem Strohdach« leicht gebeckt, rufen dem Wanderer dle Zelten zurück, wo Stadt« und Dörfer leer, und bl« Einöden bevölkert waren. Der «ine in knieender Stellung scheint zu denken, waS auf einer nahen Tafel sieht: Iehova! du bist unermessen. Und waS du thust, ist wohl gethan. Du hast nicht deines Knechts vergessen, Hl« knltt er, und bethet an. Der andere blättert sitzend ly der Geschichte der Menschheit. In der Hütte selbst, welche ble Aufschrift: Leitta saluuäo trägt, ruht ein dritter Eremite auf einem Sitze, erhebt sich aber beym Eintritt tints Fremdlings plötzlich, lhn zu bewillkommen, Seinein ehrwürdigen Gesichte, und seinem Sil« berbarte sollte man es nicht zutrauen, daß er arglosen Wanderern Streiche spielt. Allein seine Stühle heulen und quacken, wenn man sich nie« verseht, und sein Ruhebette bricht unter dem zu« sammen l der sich desselhen bedient. Noch mehr muss man über die nalve Offen« helt erstaunen, mit welcher er Andächtige ln die Geheimnisse des Eremitenlebens blicken läßt. Wenn man auf den Bethschämmel nlederknlet, der vor dem Bilde des heiligen Franzlskus an» gehracht ist, so springt has Bild w zwey Flügel auseinander, und eine holde, weibliche Figur, der Freude gleich mit Rosen lm Haar, erscheint dem überraschten Auge. Wähnt der Einsiedler l'iber jeden Verdacht sich erhaben, oder rechnet «r auch jetzt noch auf den arglosen Glauben der Vorwelt? Freylich führt sie den Nahmen Eon« ststntla *) e GUMM zmn Gebethe ruft. Eine klein« «D. ll «N Treppe führt durch ewe offene, auf zwey Va'u» len ruhende Vorhalle zur Pforte, über welcher «ine türkische Inschrift sseht. Die Flügel rauschen auf, und man erblickt—ein Ringelspiel*). Eo eilt der Moslemin andachtsvoll in seine» Tempel, und sieht statt Lehrern der Tugend und Wahrheit — rasende Derwische sich w mä'anbi« schen Taumel drehen. In geringer Entfernung bemerkt man eine» Holzstoß, . d«r ln selnem Innern ein stilles trauliches Ge-mach enthält, ganz geschaffen zum verborgnen Sitze beglückter Liebe. Die Farbe der Freude, Blau, an den Wanden, und die Medaillons mlt ihrem Allerley von T^ndeleyen stimmen damit sehr gut iibereln. Eelbsi die geschmackvolle Stk lkerey auf Eoffa und Stühlen erhöht den El»« druck des Ganzen durch ihre B zlehung auf Haus« l!chk,l« und weibliche Beschäftigung. Dlt MahA lerey ist von Herrn GeMgs Erfindung. *) Der Türkenkops, her, wenn «r auf die Slirne getroffen wird, sicü öffuet, ist rin Wnk -" 12 «WM Allmählich zleht der lmmer mehr sich «rhes bende, wett ausgedehnte Wasserspiegel des Sees an sich. Zunächst am Turnierplatze, der ganz nach altdeutscher Ast mit Balkons, Schranken« und erHöhlen Sltzen für die Kampfrichter ver» ztert ist, tritt man aus dem Dunkel des Wal, des ins Freye, an die freundlichen Ufer des in» selreichen Sees. Ueberaus anziehend sind die, jungen Baumpflanzunge» rings um ihn herum, Gemische von beynahe allen inländischen und vielen fremden Artet?. Ver Abstich mit den Rie« senbäumtn deS alten Parkes, die Helle, ln die man plötzlich aus seinen» heiligen Schatten schritt, die mäandrisch gewundenen Gänge der neuen An, ll»^t, die lmmer nur eine kurze Anficht des We« ges gewähren, und lmmer eine neue entwickeln; die manntchfachen Parthten, welche dle Ansicht der Burgen und das Wasser ln der Landschaft hervorbringt — Alles, Alles vereinigt sich zu «wem entzückenden Ganzen! In der obern Hälfte, des Sees steht ein Felsen, 48 Klafter hoch, durch dessen finstere Schlünbe und Krümmen man. sich in «ine erst entstehende Burg hlnaufwinden wlrd, die das Ebenbild der so berühmt gewp^ "" »3 ^^ Habsburg werden, und auch diesen Nahmen führen sokt. Die reihenden Ansichten der Urburg von Rahn'b Pinsel werden die S.Ue der Enkelin schmücken, und ln der majestätischen Grotte des Felsens, ble durch den Schloßhof Llcht erhält, komme« die Aüstcn aller Habsburgischen Kaiser zn siehen. Wenn einst der lange Wald von Tannen und Fichten, der die schon vollendete Franzensburg umglebt, sich wölben wird, wenn die alle Tä'u« schung störenden, mlt Kanonen besetzten Aussen«' werke beseitiget, und die Wassergräben abgelas« sen seyn werden, wie eS lm Antrage ist; so wird das Acusserllche dieser Ritterfeste, die ganz nach «inen» wirklichen, ln Tyrol gelegenen Lieblings« schlösse Kaiser Maximilian des I. erbauet wurde , ungemein gewinnen. Und da jedes Schloß ln erhöhter Lage sich »effer ausnlmmt, so ware zu wünschen, daß man die Schanzen ntcht abtrage:!, dle Wassergräben-nicht ausfüllen, sondern durch Kunst zu tauschen-, den, mit Bäumen besetzten Hügeln, Thälern z»nd Hohlwegen umstalten möchte, M d«r Bur« »», «4 »» ldas Ansehen elner waldichten, höhern kage z» zzeben. Man sieht vnr der qroßen Elsenpforte des Schlosses, und zieht erwartungsvoll dte Glocke. ;ver Pförtner erschelnr, und öffnet fast mltten tll liem tnnern Flügel ein Thürchen, durch welches «nan nur mic Beschwerde htnelnsielgen kann. Noch «mter der Einfahrt wird man entwaffnet, dann aber mlt aller Gefälligkeit herumgeführt. S» empfing den Fremdling das Mißtrauen a»f der <3chwelle; aber lm Hause selbst wartet« dle Gast,. jreyheit seiner. Der finstere, Vlelwltlktlchte Hof ist mlt go, nächer der Burg macht die Kapelle mit einer kleinen Sakiistcy. Das ganze marmorne Gewölbe wurde aus dem Domt pon Ksosternendurg hiehergebracht, und im Iah^ re 180» «ingewccht. Der hohe Tabernakel von Hvthischer Urvelt ist sammt oen Figuren darauf — «3 >" Rus elnem einzigen Steine. Uiter dem rltterll« chen Oratorium sieht man eint Abbildung der feyerlichen Legung des Grundsteines zu dieser Kapelle durch selue Majestät den Kaiser am 2/. July »8Qi im Beyseyn seines G^neralabjutan-t?n, und Feldmarschall? Lieutenants Grafen Ca-millo von Lamberti , und des Schloßhauptmanns und Prloukasslers Sr. Majestät Michael Riedes AuS den Mauern der Burg, bes Musäums altdeutscher Denkmähler, dieser modernen Pyra» wide führt eine Bmcke ins Vorwerk. Hier sind die Wohnung des Burgwärtels, eine Etallung, Sattelkammer, ein Bad unter der Rotunde nM dem Adler, eine Küche und eine Waffenkammer für die Knappen im Kreise angelegt, und mit allem Nöthigen eingerichtet. Rechts von der Burg föhrt eln Pfad zum burgherrllchen Voqtey Zeichen einer S^ule, die zwischen zwey lolossalischen Löwen ruht, und einen Geharnischten tragt, der sich auf dtn österreichischen Waffenschild stützt. Das Gewölbe des Postaments enthält H alabasterne Büsten. Ill dieser Gegend, nahe am See dem Schloße Habsburg gegenüber, wurde ei» Schwelzermayer« Hof angelegt. In kleiner Entfernung sieht eine ?apellenar« tlge Ruhestätte für wandernde Pilger, dchangen «tt eilf Gemählden im altdeutschen Geschmacke, -. 24 — und von anziehender Ausführung. Das mittelst« lst aus Glasstücken zusammengesetzt, und stellt s>le Geburt Chrlfil vor. Haus der Laune. Vom Geblethe der Burg führt der Weg da« bln, die Fahrtstraße hinab, dann rechts. Ein« Wachhütte, gleich dem Argus mit 120 Augen bemahlt, tragt eine weibliche Figur mit Sternen bescietem Kleide und einem Gelßbocks Kopfe, die in der Linken einen Besen, ln der Rechten aber hin Hlrtenrohr zum Munde hält, an dem ein Schild mit der Aufschrift hangt: Weg zum Haus der Laune^ In einem Zirkel phantastisch - grupplrter Bäume erblickt man endlich das launichte Gebäude selbst mit auswärts gesenkten Hellebarden umgeben, *) Es ist von Holz erbaut, und von Außen verschieden bemahlt. Zu unterst sind Fel» fen, das mittlere Stockwerk scheint aus Garben «ufgethürmt. Das Ganze ist mit Honlgfiaden und Wachs gedeckt, und mlt Zuckerhüten statt ") Es ist wie die Einsltdeley, ein Werk des f. e. Hosarchitecte» von Hohenberg. Die Anlage« des Parts selbst aber s,nd von Eanaoel. — 25 — Statuen, und mlt Ballons statt Windfahnen befttzt. Ringsherum lauft ein Ring von Hunds» und Katzenköpfen. Auf den vier Selten sind Thurmchen ange» bracht, wovon der ewe ein Vogelhaus, der andere den Paradeplatz auf der Burgbastey, der vrltte «ln Taubenhaus, und der letzte eine Fe» ftung verstellt. Ein runder Thurm, der die Treppe enthält, lst unten mit Urnen und Hieroglyphen; ln der Mitte mit halbgeöffneten Fen« stern von Mönchszellen, und oben mlt bekränzten Köpfen von Opferthieren verziert. Am Eingänge erblickt man als bedeutendes Sinnbild eine ausgelöschte Fackel. Das unter« Stockwerk bildet einen Saal mlt vier Seltenge» mächern. Der Saal enthalt ein Billard , und lst, wie die ganze Einrichtung, mit einer gemahl« ten Einfassung von Karten und verschiedenem Epielgeräthe verziert. Von den vier Gemächern stellt das erste eine Küche vor, wo elnige Teufel auf dem Heerde sitzen, und Karten spielen, wahrend andere durch den Schornstein ausfahren. Im zweyten sieht man ein Badezimmer, wo ein vermuthlich antib»ownlanlscher Arzt, eine Kammerfrau, ein Kind mit seiner Wärterin, und ein Abbate, der die Zeitung liest, alle ln Lebensgröße, aber mlt verzerrten Gtsichtern aus Wachs , die DaM im Bade iu bedienen und zu ^ Hl» — unterhalten bestimmt scheinen. Im dritten, dem Ankleide-Cablnette, sind verschiedene ausgestopfte Thiere versammelt, welche als Repräsentanten Verdienenden Welt, mit den verschiedenen Gerathen der Toillelte sich beschäftigen. Pudel und Spitze zum Aufwarten abgerichtet, und berühmt wegen ihrer Iählgkeit z»m apportion, und sich hudeln zu lassen, stehen metamorphosirt als Haar« kräusler mit Pubermantel, Kamm und Puder« sackcken da; der Kammerdiener zum Bären tra« vestist, tragt den Spiegel, und zwey Kammer, Mädchen müssen sich ,efa?en lassen, als demas-tlrte Affen dle Puffert zu halten. Auf ähnliche Art ist der erste Stock abgetheilt. Der mlttelste Vaal stellt den Tempel der Tonkunst vor. Wände und Boden sind mit Notenblättern belegt; Hängeleuchter, Tisch und Stühle aus Musikinstrumenten zusammengesetzt. Das ein« Seltenzlmmer stellt eine Bibliothek vor, wo Wände und Boden mit hunderterley Vroschürentilcln, und Brief, ^kizen bemahlt sind, wo ein Globus ais kuster, und die Tinten-und Stteugefäße zu Sesseln dienen. Das zweyte enthält «ine wirtlich kostbare Kupferstichjammlung, und das dritte ist ganz mit Stroh tapeziert, wor« unter sich vorzüglich das niedliche Hängeförbche« ^«.szelchnet. Das oberste Htockwert oder der ^. 27 -, Boden enthält einen vollstandlg eingerlckieeteu Keller mlt emer Welnpr.sse und nehreren Fässern, Was das ganze Gebäude Wr eine Vedeu« tun^ , für enten geheimen Stnn habe? -^ I4 glaube keinen andern, als 5en der Nahme an« zeigt. Sei«, treffendstes Motto lst ein gemahlter Herobes, der bioß durch vecschledene Gruppe« und Stellungen kleiner Kinder gebildet wlrd, und den man aus dem Stifte zum heiligen Kreuz nach kaxenburg übersetzte. W^s hter der Mahler im Kiemen that, that lm Gebäude der Baumeister lm Großen, er folgte seiner Laune, nur war letzterer bedacht, nicht bloß dle Phantasie, son^ Hern auch den Geschmack zu beschäftigen. Laune »st des Wttzes Halbschwester, unb beyde sind mir der Phantasie verwandt. Eie theilen slch »n das holde Geschäft, dem Sterblichen sein Daseyn zu verschönern, und dle Kullssen unb Scene», zwischen denen er die tragisch komische F^ce, kcoen genannt, aufzuführen gezwun« g«n ist, mlt täulckenden Ausftchten, spanischen Schlössern und artadUchen Gefilden zu bemahlen! Mag auch immer Mchts dahinter seyn, ste zau« bern in die kalte Gegenwart warm» Ahnungen, erhöhen jeden Genuß, und sind ja oft das Gn« zig«, was den Schauspieler an dle kahlen Bret« ter fesselt. Wie glücklich ist der Mensch, so lange stt seinen Ho;m Rosenkränze fi«chttl^ so lang« — 28 — sie nur durch lhren maglschen Schleyer, mlt des Regenbogens Farben bemahlt, lbm jeden Gegen« siwd erscheinen lassen! — Tritt aber die Vst. In kleiner Entfernung endlich liegt bieBall-bahn, auf der Joseph sich oft unterhielt, eine Kugel ln drey Würfen an das Ende der tausend und zwey Schritte langen Bahn zu bangen. Auf dieler Seite wird die Zauberwelt des Parkes von der alten Burg begrenzt, dle Albert der III. mit dem Zopfe im Jahre «577 erbaute, und mit den marmornen Statuen ausschmückte, die er von dem altherzoglichen Residenzschloße auf dem Kahlenberge hlcher bringen ließ. In dem Sckloßgraben, der einst voll Wasser war, jetzt aber blühende Gärten enthält, stand noch vor «inem halben Iahthunbert ein Denkmahl aus je-nen Zeiten, ein Thurm ganz aus Quadersteinen ln Form eines Trichters oder Kelches erbauf. ge» gen die Grundfeste nähmlich an Dichte verlierend. In der Mitte, wo er am breitesten, und mit elner Gallerle umgeben war, bildete er einen von allen Selten offenen Speisesaal, über den sich eln gespitztes Dach emporthürmte Er wurde aber abgebrochen , weil er an der Aussicht hinderte. — IT ^. Der Vurq romantische Ansicht erinnert, lb-rer übertünchten Ausstnselte ungeachtet, lebhaft "n die Rittelzelten. Der lnnere Hof enthält den Wahlspruch Friedrich des III.: Rerum irrectiperabiltum summa, felicius est oblivio* w Marmor gehauen. Clne MaMe, hle als philosophischer und politischer Trostgrunb dem Staatsmanne sowohl als dem Bürger nützlich seyn kann, heut zu Tage aber überfiüßig ist, da man leichtsinniger zu seyn gelernt hat. Auch liest sie Niemand mehr, dafür vergisjt man aber nicht das gsoßmächtigt Rlesenbeln, und das Wunderbare Rlesensckwert mit der Iabrszahl ,529 unter dem Hauptthore der alten Burg ln Augenschein zu nehmen. -- 32 — Dle Festung Sternberg i« Böhmen. v^ternberg, —> zum Unterschied von an« bern Oerter» gleiches Nahmens Böhmlsch-Stern« berg (Czesky-Sternberg) benannt — liegt im Kaurllmer Kreise, zwischen den zwey kleinen Städten Diwlschau und Rattay, sieben Meilen von Prag, südöstlich am diesseitigen Ufer der Sa, zawa, und zwar das Schloß selbst auf einem ohngefähr «so bis ioa F«ß liber die Wasserhöhe erhobenen Felsen — der glelchnahmlge, aus elnl« gen 5a Häusern bestehende Flecken, aber lmThalt an des Felsens nordwestlicher Seite. Wenige Schlöser in Böhmen, — fa selbst ln ganz Deutschland, mit Einschluß der göttlichen Gegenden, am Rheln und der Donaul »- verein nen -» 33 — nen in ihrer äußern Form so vlel Spuren des noch erhaltn«!! Alterthumes mlt einer ft roman« tischen kaqe. Wenn man in kleinen Fahrzeugelt auf der Sazawa, zumahl im Strahl der Abendsonne, herabfährt, und nun nach einem ziemlich langen, auf beyden Seiten beschranktem Thale, über den: Tannengebüsche das hochllegende, weit« gestreckte, an mehrern Stellen vier Stockwerk habende Schloß hervortritt; — mit seiner zwar alles neuere Ebenmaß in Fenstern u^lb Verblndun« gen verschmähenden, aber doch durch mannlch« faltige Tragsteine, durch vielfache Vorsprünge, durch oft thurmähnliche Bedachung, kurz durch jede Spur des Alters ehrwürdigen Bauart — Mlt seiner einem wirklichen Festungswerke ähnll« chen Terrasse, mit seinen drey Warten , wovoll die nieberste, nahefern vom Rande des herab« laufenden Berges, der Burg erste Vertheidigung auszumachen scheint; die andern beyden oberhalb derselben schweben, und die mitteiste und größte mlt einem ganzen, kleinen Wald auf ihr gewachsenem Baume prangt; wenn man dieses ganze, auch bey mäßiger Beleuchtung ohnvergletchlich schöne Bild betrachtet, dann gehört nur ein kleiner An, theil von sehr verzeihlicher Schwärmers») dazu, um sich auf ein Weilchen völlig in die Zeiten vo« riger Jahrhunderte zu perseyen, -- um des Horg Merkw. iv. Theil, C - 34 - ms gtw^rt^ zu seyn, das die Ankunft melden, eder der Zugbrücke, die sich herablassen soll. Gleichwohl, wenn man aus der Einbildung in die Wirklichkeit zurückkehrt, und auf 240 Etliffen das Schloß erstiegen hat, wird man sehr ungelöst, ob die Aussicht von demselben he^ab mckt ncch schöner, als die Ansicht vom Tbale herauf sey. Die Sazawa, die ln der Ett^ernurg von einer halben Stunde durch die Blan5cze verstärkt worden, und «in ziemlich breites Bette füllt, fil«ßt hler ln einem weit ausge-höhlten, einwärts gekrümmten Bogen, und um» fM eine beträchtliche Strecke Landes. Ihre jen'twgen Ufer sind fiach und fieißlg aligebaut, doch diesseits dem Schloße zur rechler Hand lm»ft e ü Gebirgsrücken fort, dessen Abhang fast bis zun Rand des Flußcs cln schönes Tannen-und Ilch^ngebölze bekleidet, und an dessen Schlüsse das Dorf Czegfcwltz sich darstellt. Das Gefilde grade aus, wie wohl es endlich auch zu ziemlich beträchtlichen Anhöhen emporsieht, scheint dem Blick von der Höhe herab eine weite, anmuthlge Ebene zu seyn. Ein neuangelegter, großer, in 16 Felder abgetheilter, herrschaftlicher Garten — wiewohl mehr im französischen, als jeyt herrschenden Geschmack angelegt — gibt dem Ganzen eine hervorstehende Abwechslung. Zur Lln-km ll«gt der Flecken Sternberg. Das Schloß — Z5 ^ selbst umflattern von dieser Gelte immer eine fast unglaubliche Menge von Vögeln der vielfachste!, Gattung. Selbst eine kleine Art von Habichten nistet in den alten Tramlöchern der Burg und in den Felsenritzen. Noch romantischer und weit umfassender ist die Aussicht von der dritten, auf den höchsten Gipfel des Bergrückens stehenden Warte. Man kann in solcher aus clner noch ziemlich erhaltenen Treppe bis auf die obere Gallerte stetgen. Fest genug, ihrer ehemahligen Bestimmung nach, hat sie noch Ueberbleibsel einer besonders sie umgeben« den Mauer, und clne seltsame, vlelecttgteForm. Von lhr herab übersteht man eine Gegend von wenigstens 3 Meiien im Durchschnitt, und die Ortschaften Czeyto.oltz, Sobieschin, Tollny, Neuhof, Wotrup, Gternhof, »praherhof, — alle zur Herrschaft gehörig, bieten fich in müßiger Entfernung dem Auge dar. Auf des Schloßes nördlicher Seite gibt eS außer den angelegten Alleen eine große Anzahl halbrauher, größtencheils der Nacur überlaßner, und doch höchst angenehmer Spaziergänge. Unter «noern bildet der Abfluß «tnes Teiches, in dem er durch überwachsene Schluchten läuft, verschiedene Wasserfalle, venen die Kunst nur ein wenig nachzuhelfen brauchte, um die wirksamM Ansichten d zustellen. C2 — Z6 ^- Daß übrigens diese Burg mehr als einmahl Überbaut worden, würde man auch ohne Anlel« tuna der Geschichte, gleich beym ersten Blick wahrnehmen. Eie bestand anfangs gewiß aus wehrern, nicht ganz zusammenhängenden Gebäuden, und zwischen denselben standen ein Paar, setzt mit dem Huuptbau selbst verbundn«, runde Thürme. Elnem derselben lst noch jetzt die halbrunde, vorspringende äußere Form gelassen wor» den. Vor 6 Jahren war auch des Schlosses Inneres noch sehr nach altem Zuschnitt. Ritter« säle, verschiedene, mit Wapen und Bildern er« Mte große Gemächer, unregelmäßige Elnthellung der Zimmer und Gänge, verfallende Stiegen, und so mehr fand man in demselben. Doch dieß hat unter seinem jetzigen Besitzer sich ganz geändert. Ohngefähr eine starke Stunde von Sternberg lteat der schon erwähnte, zur Herrschüft ge« hörlqe Marktflecken Dlwischau, ln welchem vordem das Erbbegräbniß der Grafen von Stern, berg sich befand. Mit unbezwelfeltem Rechte wird Gternberg zu Böhmens ältesten, schon in frübern Zeiten durch Lage und Festigkeit achtungs-würdigsten Echlößern gerechnet, doch eben so unbezwelfelt lst es, daß diese Burg anfangs — nicht Sternberg hleß. — 37 -" Europa sah sich damahls von elnem Felnb« bedroht, der an Furchtbarkeit noch keinen über sich, jawohl kaum elnen sich glelch gehabt hatte. Aus Asiens Mitte war an der Spitze von6oa,ooo Kriegern — so rechnete wenigstens der allgemel» ne Ruf — Vathus, ein Enkel des berühmten Gengls Chans, hervorgebrochen, des festen Vorsatzes, alle Abendländer seiner Bothmäßigkeit zu unterwerfen. Ein banges Schrecken überfiel die Bedrohten, und wahrlich nicht ohne Grund. Es schien nlcht ihre Unterjochung allein, sondern lhrer aller Untergang zu gelten. Nie war noch ein so ungeschlachtster, verderblicher Schwärm über die Grenzen unsers Welttheils geschritten. Jene Schaaren des Atttla, wiewohl Königreiche vor ihnen dahin sanken, und Nationen flohen, konnten gegen diese Mongolen für ein Häuflein wohlgesitteter Höftinge gelten. Mord, Raub, Brand, eine mehr als viehische Wollust waren überall ihre Begleiter. Sie metzelten, verödeten, zerstörten alles, was sich wehrte sowohl, als was sich gutwillig ihnen überlieferte. Sie zer« spalteten das Haupt der Männer, spießten das unmündige Kind, schändeten die Jungfrau und — mordeten sie dennoch. Jeden überfallen«« Flecken, jede überstiegene Stadt verliessen ste -^-in Flammen. Alle Länder hinter ihnen glichen elner versengten Steppe. Nie begehrten sie im — 3» ^ Kamvfe mit ikrem Feinde Versckonung, nle ers theilten sie solche dem Bittenden. An kö'rperll-cher Häßlichkeit, ä'ckte Bm^er der jeftigen Kal^ muken und Ba^'kiren, waren sie doch in Sitte« und Denkart nc^ch unendlich h-, selnerUebermacht schon gtwiff,spaltefe sich hier in zwey Ströme. Ba thus selbst gie'-.g mit der größeren Halbscheld gegen Unqarn, «einem Feldherrn Petha, ihn gleich an Kriegserfah« rung und Grausamkeit, übertrug er die B>zwingung der westwärts gelegnen Länder. — D.,ß K. Wenzel der t. (der damahls auf dem böhmischen Throne saß, und erst kurz vorher elnm langwlerlgenKrleg mit Herzog Friedrich von Oeste» reich glücklich geendet hatte) bey Erwartung ei> neS solchen Feindes heimlich bebte, war wohl sehr verzeihlich; doch traf er Maßreqetn, die von. einem entschloßnen, auf jede Möglichkeit scho« gerüsteten Geiste zeugten. Große Verhaue ln Böh« mens dichten Wäldern machten von nördlicher Gelte b«r tartarlschen Reiterey — und;in Rel, terey bestand die Hauptkraft des Feindes! — das Eindringen unmöglich. Prag und mehrere Städte Böhmens erhielten so schleunig als es sich nur thun ließ, verbesserte Befestigung. Alle Stände, alle Alter— sogar die Geistlichkeit selbst mußten zur CchantzatbettHand mit anlegen. Ge« gen Glaz wurde Wilhelm von Skala mit einen, mäßigen Heere, und nach Mähren mit einem etwas stäckern, Iaroslav vou Sternoerg abgeord« net. Die Mannschaft die er theils mitbrachte, theils hler erst sammele, belief sich auf ungefihr zwölf Tausend Btrekcr, Wahrlich »och cmschc — 42 — kleines Ha'llsseln, gegen jene gewaltige Menge, die bereits über die mährischen Gränzen daher rauschte, und abermahls jeden ihrer Fortschritte mlt Blut und Flamme zeichnete! Doch Slernbergs Absicht war auch nicht das Wagnlß eines Kam» pfes im freyen Felde, sondern Einschließung in 'den Festungswerken von Ollmüh! Jene Barbaren, hoste er, würden die Kunst noch nicht verstehen, feste, regelmäßig vertheidigte Städte zu bezwin, gen, und seine Erwartung sah sich balo bestätigt. Zwar umringten d»e Feinde Ollmütz von allen Sei» ten, verödeten die Gegend weit umher, foder-ten die Städter zum Kampfe heraus, wiesen ih, nen spottend die geraubten Güter, und dle abgeschlagnen Häupter lhrer Landsleute. Doch da diese unverrü'kt in ihren Mauern blieben, verachteten sie solche bald als einen feigen Trupp; überließen sich gcmz einer sorglosen Anordnung und dem schwelgenden Genuß ihrer Beute. Dieß hatte Iaroslaw gewünscht und erwartet. Mühsam vermochte er bis je.tzt den rachgierigen Muth der Seintgen zurückzuhalten. Iezt ermunterte er ihn noch 'ourch eine feurige Rede, und unternahm dann einen raschen nächtlichen Ausfall. Geschrey, Schrecken, und Bestürzung verbreiteten sich Pfeilschnell durchs ganze feindliche Lagichtung. Vtter Holiczky von Sfernberg ein Sohn des schon erwähnten Albreckks, war vernMlt mit Anna MarkqrMn von Mahren, die man lmmer ftlsckllck zur Tochter der bembmten Marqaretha Maultasch, macht, da ihre ältern doch Johann Helnrlck, Markgraf von Mahren, und Marga-retha von Troppau waren, er gehörte lm Anfange des Taborlten Krieges zu dm eifrigsten Anhäll» gern Kaiser SiglsmundS. das ihm ebenfalls zu» siebende Schloss Konopißt überläßt «r 1420. dee beßern Verth'it>lgung wegen seinem Vetter Dio-nyß von Sternherg, und als die Taborlttn die - 44 -' Stadt Beneschau einäscherten, zog er lhnen mit Wenzel von Leßino entgegen, undgrlffieamSa« z lwa Fluß oberhalb Proztcz an. Aber cr mußte ^ch mit Verlust zurückzlehn, ja, als SiMmund bald darauf selbst zum Entsatz des hart belagerten Wißehrad herbeyeilte, und dle bisher von lhm nur als Bauern betrachteten, und geringgeschätzten Hussiten ein blutiges Treffen ihm lieferten, war Peter vsn Sternberg einer der ersten, der seine Treue mit dem Tode versiegelte. Er hinterließ auch einen Sohn Peter mit Nahmcn, und eine Tochter Elißka, erzeugt mlt seiner zweyten Gemahlm Pertchta von Krawarz, unb die Mutter wußte zur Sicherheit ihrer unmündigen Kinder bey so gefährlichen Zeitläuften keinen bessern Rath, als dieSchlößer Sternberg und Konopist nebst allen dazu gehörigen Gütern an der Verwaisten nächsten Blutsverwandten Aleß von Stecnberg mit dem Beding einstweilen abzutreten; daß er alle darauf haftende Gchul-den übernehme, sie zum Besten seiner Neffen verwalte, und gegen allen feindlichen Angriff schütze. Bekantermassen war dieser Aleß von Stern» berg wirklich einer der tapfersten Ritter seiner Zelt, und einer von den wichtigsten Gegnern der Taboriren. Seinen Muth und seine Kraft scheuten selbst dle Felnde so sehr, daß sie öftrer Verthei-dlgungs als Angriffswelle gegen ihn verfuhren. Nährend des ganzen Hussitenkrieges scheint ble Burg Sternberg, wenn auch nicht elner vollkommenen Ruhe, (denn diese war in damahligen Zeiten undenkbar) doch elner solchen Achtung sich erfreut zu haben, duß keiner von den man-nlchfachen Taborltenanführern fie zu belagern wagte, und da Peter, der eigentliche Bcsstzer dieses Schlosses, ziemlich jung mit Tobe abging, so erbte Aleß von Eternberg die bisher nur ver-waltnngsweise beseßne Burg ganzlich, und setzte sie in so ehrfurchtswerthm Vertheidlgungsstalid, daß sie damahls unter Böhmens allererste Festen gerechnet wurde. Aleß Holiczky von Steruberg starb ,455 den ,Z. März zu Krziwoklob, und seine hinterlassene Gemahlin scheint Sternberg, wenigstens auf cine Welle zu ihrem Wlttwensitz gewählt zu haben. Aber bald nachher brach über diese Burg tln Ungewltter aus, das gewaltig gegen ihre bisherige Ruhe abstach, ja, welches sie auf eine beträchtliche Zeit ganz ln Oede und Trümmer versenkte. — Nach Aleß Holiczky Tobe war ol,n» streitig als Haupt des ganzen zahlreichen Sternbergischen Geschlechts Zdenko Konopistty von Sternberg zu betrachten, eln Mann, ausgezeich, net unter Böhmens Adel durch Güter und Eh-rmstellen. Ihm gehörten theils eigenthümlich, thells unlerpfcmdllch die Schlösser Kcnop^t, -< 46 - Kosteletz, an der Eazawa, Raudnltz, Lesslio, (oder Llchna.) und andere mchr. Durch seine« Schwager, den bemhmttn George Podiebrad, war er, als dieser Meinharden von Neuhaus verhaftete, mit der Prager Ooerst- Burggrafen« Würde bekleidet, und bann, nicht nur während der Statthalterschaft, sondern auch noch tn den ersteren Jahren von Georgs königlicher Regierung stets zu den wichtigsten Staats- und Krlegsge-schäften gebraucht, in allen wichtigen Vorfällen um Rath beftaat, und oft an fremde Hofe als Gesandter velschlclt worpen. Und dennoch ward eben dieser Zdenko bald nachher Konig Georgs furchtbarster, einheimischer Feind! — Hierteme genaue Untersuchung: warum er das ward! Ob es wirtlicher Eifer für seine Religion, oder bloß ein gehofft« Privat« Vortheil war, was lhn reizte, den Aufforderungen Pabsts Pauls des II Gehör zu geben, und lhn bewog, sich ge^ll einen König aufzulehnen, den er als «einen Verwandten lieben, als seine« Wahlherrn cwen sollte; gegen «inen König, der gewiß des Tbrones würdtger war, als alle da« mahlS in Europa herrschende Monarchen, und der, nachdem er seinem Volke Ruhe, seinem Zepter Achtung, seinem Nahmen unvergänglichen Ruhm erworben hatte, mchts wetter begehrte, als bey elner HmubeilSsreMt gelassen zu wee- - 47 - ötn, ble — «ach der Billigung eines ganzen Conciliums, und nach der Bestätigung des päbst-llchen Stuhls — unmöglich für eine strafbare Abweichung, und noch minder für eine entthronende Ketzerey gellen konnte. Genug! Zdellto stellte sich an ble Spitze ber Mißvergnügten, sagte öffentlich seinem Kon», ge ab, und nannte fich einen Oberhauptmann böhmischer Prälaten, Herren, Ritterschaft, und Stände. Lange noch versuchte König Georg ihn durch gütliche Vorschläge wieder an sich zu zie, hen, doch als der Bannstrahl von Rom aus in,-wer strenger und ernstlicher blitzte, als schon ein. Heer sogenannter Kreuzsoldaten in Böhmen eingedrungen, doch auch mit blutigen Köpfen wieder heimgeschickt worden war, als die meisten unruhigen Barone, und unter andern der mächtige Johann von Rosenberg, wieder zu ihrer Pflicht n'ickkehrtcn, und eigentlich nur noch Zdinko von Sternberg ln Bünbniß mit bcm Bi, schof von Brlslau, die Fehde fortsetzte, da glaubte endlich der Monarch, längere Schonung könne für saumselige Schwäche gelten, und schick' te seine beyden Cöhm; Heinrich und Viktorin, nebst andern Kriegsoberstc» auS, um ble Schlösser des Zdenlo und seiner Anhänger zu erobern, und zu zerstören. Es geschah. Raubnlz, KoS-telecz, Chwatxrub, kesötns, Miessic«, Ah«, — 48 — bicze, Mladlegowlce, Frimburg und anbcre mehr wurden angegriffen, und blnnen weulgen Wochen eingenommen. Endlich traf auch unser Sternberg die Nelhe. Der von Rosenberg übernahm die Belagerung, Zach von Opvakowltz, und Rufs von Wien vertheidigten dasselbe. Ihr Widerstand war mannhaft. Die Belagerung verzog sich mehrere Wochen lang, verschiedene Angriffe der Belagerer wurden abgeschlagen, auch das Geschütze derselben — wahrscheinlich nach da« mahllgec Art laßig bedient, und unzweckmäßig gerichtet — that der Festung nur wenigen Scha» den. Aber endlich begann ein weit wirksamerer Feind, der Mangel an Lebensmitteln, elnzubre» chen. Die Befehlshaber schickten daher elnen zuverläßigen Mann, Chwal mit Nahmen, an Zbenko ab, der mit einigen Truppen bey Neuhaus stand, und ihm dk Nachricht lhrer Noth und die Bitte um Entsatz zu überbringen. ES gelang dem Bothen auf den Hinweg unentbeckt zu bleiben, doch bey der Rückkehr fiel er tn die Hände seiner Gegner, und die Bedrohung mit der Folter zwang ihn zu einem aufrichtigen Ge» standniß alles dessen, was er wußte. „Cr sey, sagte er, abgeschickt worden, tlnen Arzt zu hohlen, der vielen Verwundeten halber, die lm Schloß hilflos jammerten. Es sey - 49 " sey bott große Noth an Wasser, wöchentlich kau-.l ein B",m,e.'l voll, tndcm das ^asi'n k.iwn zoey K^.'ttr Zehe, alle?! übrige siy trüoe, roth, und u.aögcsotten nicht zu g?brm-ch?.i. Än Vits w sondern bey folgender Gelegenheit verscharrt: Gner von den reichern Besitzern des Schloft fes hatte eine andere von feinen Herrschaften, hald sa^t man, für 8->, -» bald für »oo.ooo fl. verkauft, nal.m die Halbschelb dieser Summe, und reiste damit, der Himmel wclß in welcher Absicht, nach Nlzll. Die andere Hälfte übergab er in GeHelm seinem getnuesien Diener, »md einstweiligen Schlößverwzlter mit dem gemessen« sien Befehl, sie wohl zu verwahren. Kaum war er fort, so rührte jenen Diener der Schlag. Man fand ihn in seinem Gemache, zwar noch lebend, doch der Sprache schon beraubt. In seinen letz-ten Augenblicken gab er sich alle nur mögliche Mühe etwas, das auf seinem Herzen zu liegen schien, durch Mienen auszubuhen. Man verstand ihn nlcht, und konnte ihn um so weniger verstehen, da niemand von den Anwesenden auf hie Beschaffenheit seines Geheimnisses muthmaßte. Er starb, und sein Gebieter, als er Helm kam, und als er es seine e.ste Sorgfalt seyn ließ, die denz Gestorbenen anveruame Kasse zu untersuchen, fand sie — ker. — 57 — Aus alten Umständen schloß man: Der alte Diener habe, aus einem Uebermaß von Behutsamkeit, das Geld irgendwo im Schloße —denn ausserhalb desselben war er seit seines Herrn Abwesenheit gar nicht gekommen! — vergraben. Nur das wohin, das der arme sterbende Greis so gern angeben wollen, ließ sich nicht errathen. We mögliche Oerter wurden durchsucht, fast alle Keller durchgraben, doch vergebens! Diese be« trü'chtltche Baarschaft (der erste Erzähler mag für die Wahrheit der ganzen Geschichte haften) liegt noch in Sternberg unauferwcckt. Glück dem, der sie findet! ^ 53 "- Kunstuhr am Rathhause zu Ollmütz in Mahren. "dieses Kunstuhrwerk ist am Fuße des sehr schönen und hohen RathhauS Thurms in einer Höhe von sieben Klaftern angebracht, dasselbe wurde lm Jahre 1422. angelegt. Im Jahre 1574. vermehrte es de, bekannte Gelehrte, kaiserliche Mathematiker, gekrönte Poet und öffentliche Ahrer der Arzneykunde an der Wiener hohen Schule Paulus Fabrlclus LaubensiS mlt einem Astrolabium. Im Jahre 1575 brachte dem Künstler nichts übrig ließ, alS sie zu benutzen , (und das ist ja der höchste Gipfel dieser Kunst,) yb nicht diese Parthie so viele fürstlichen Anlagen hinter stch zurückläßt, die Millionen gekostet h'.ben, und uns im Grunde nichts lehren, als den großen Grundsatz, daß man bey schönen Anlagen die Natur aufsuchen, und wo man sie findet, ihre Winke verstehen und benutzen, nicht aber sich der Gefahr aussetzen müsse, an einer eigenen Schöpfung zu scheitern. Gehen Sie nun mit mir über ble vor uns liegende Brücke, durch den fruchtbaren Obstgarten, d«r ln selner Blüthe im Frühjahr so reltzenb -. 74 " seyn muß; und bann durch das dichtere Gebüsch t'iber eine oder mehrere Brücken, und ln mäandrischen Krümmungen zu dem Eingänge zurück, zu dessen linker Seite ein kleines Gebäude im hMndls^n Geschmack das Ganze beschließt. w> 75 Die Klementiner in Syr mien. 'Älsber unter dem Nahmen Vkanberbeg bekannte Held Georg Kastrlot, sein väterliches Reich gan» zer zwanzig Jahre mit eben so großer Tapferkeit, als Klugheit wider die Türken vertheidiget hatte, mußte er endlich der überlegenen Macht des Sultan Murab, oder Amurab des Zweyten in» Jahre 1447 unterliegen, sein Land der Wuth der Feinde Preis geben, und sich mit der Flucht ret» ten. Da nun die Albanler lmmer mit der ausnehmendsten Tapferkett gefochten, und ihre Fein« be so oft mit blutigen Köpfen zurückgewiesen hatten, so wurden fie auch unter ihrer Herrschaft so sehr gedrückt, dqß viele derselben, ihr Schicksal zu erleichtern, dm Muhamedanlschtn Glaube« annahmen. Lange duldeten die noch übrig gebliebene« Christen alle nur ersinnllchen Drangsalen, und da sie schon jede Hoffnung davon bcfreyt zu werden, aufgegeben hatten, ja, ihren gänzlichen Untergang befürchteten, stand ein Mann unter ih» n«n auf, der sie zu retten beschloß. Einem Hel« den, der unter den berühmten Kastriot gedient hatte, viel Muth und Klugheit besaß, und bey ftinen kandsleuten in sehr großen Ansehen stand, diesem konnte eln solches Unternehmen nicht mißlingen. Klemeut, so hieß dieser Patriot, offenbarte seinen Anschlag einigen seiner Mltbür« ger, und dlese versammelten gar bald eine An« zahl von beynahe zwey tausend standhaft geblje-benen und bewasslielen Albanern, die er im Jahre ,465 m!t ihren Familien und allen Habseligkelten in die unbewohnten und fast unzugänglichen Gebirge, welche Albanien uud Serwien scheiden, glücklich führte. -^ Hier schlugen sie ihre Wohnungen auf, verschanzten und verhackten alle Zugänge, und richteten einen kleinen Freystaat auf, zu dessen Oberhaupt ste ihren Anführer, den ta-pfern Klement wählten. Und daher entstand del Nahme der Klementiner, welchen ihnen dl« ln ihrem Vaterlande zurückgebliebenen kandsleU" N beylegten, und sie noch bls diese Stunde ftlh- ^ ?7 - 7tn. — Die Türken, dle ihre Auswanderung zu hindern, zu schwach waren, berichteten sol« ches an dle Pforte, und blese schickte eine Anzahl ihrer Völker ab, sie in ihren neuen Wohnungen anzugreifen. Aber sie vertheidigten sich nicht nur dazumahl, sondern auch ln der Folge mle der größten Tapferkeit, und vereitelten alle Angriffe ihrer Feinde. Als aber nach der unglücklichen Schlacht bey Mohatsch, welche im Jahre 1526 vorfiel, die Christen fast alle lllyrischen Lander verloren hatten, wurden auch sie gezwungen, den Türken einen jcihrllchen Tribut von vier tausend Ducaten anzubiethen. — Und so blieben sie ganz ruhig auf ihren Gebirgen, trieben die Viehzucht; und vermehrten sich z>, einem an» sehnlichen Volke. Endlich wurden sie im Jahre 1757 nebst sehr vielen bosnischen, bulgarischen und albanischen Familien, durch den griechischen Patriarchen zu Belgrad, Arsnlus I^anowltsch, zur Auswanderung nach Serwlen berebes. Bis lwanzigtausend dieser keute versammelten sich auf den für sie bestimmten OrtVailowa an dem Flüßchen Kolubma, sie wurden aber von den Türken überfallen, und bis auf beyläufig tausend Mann niedergehauen. Unter denen, die sich durch ble Flucht retten tonnten, befanden sich auch ben drey hundert Klementiner, nebst ihrem Weisern und Kindern, welche sich nach Belgrad — 7s — wendeten, unb hernach unter der Anführung el« nes ihrer Gelstllchen, Nahmens Suma inSyr« mien ihren Sitz aufschlugen, wo sie in der Gegend vonMitrowltz, die Dörfer Herkofzeund Nlkinze, beyde nicht weit vom Sawastrome, anlegten. Beyde dteser Dörfer find ganz hübsch, und gut gebaut, auch mit Kirchen versehen, ill welchen dte Franciscanermönche den Gottesdienst verrichten; und da sie alle der Römischkatholi' schen Rellglon zugethan sind, auch die Messe i« der lateinischen Sprache hallen. Die Klementlner bestehen auS sechs Familien, (V'ili) wovon tn jedem besagter Dörfer, drey derselben wohnen. Ihre Sitten sind zwar, so wie der Morgenländer, ziemlich roh, abec doch nicht wild. Ihr Gemüths-Character tst Ehrlichkeit, Treue, Verschwiegenheit, nnd Neigung zum Kriege; ihre Fehler aber sind Rachgierde und Gcihzon:. Sie verheurathen sich sehr jung, die Mä'n» ner meist schon lm zwanzigsten, die Mädchen aber im »I. bis »4. Jahre. Aber nie hcurathet eill Klementiner eine andere, als eine seiner Nation, und eben so wenig ist es ihren Weibspersonen erlaubt, einen Fremden zum Manne zu nehme«. Und daher sind sie noch bis diese Stunde un« vermischt geblieben. Ihr Wuchs ist ansehnlich unb schlank, mehr groß als mittelmäßig, u»> - 53 -- lhre Gestchtsblldung sehr reg elmäßlg UNb an« genehm, so daß man elnen Klementlner von «is «em Illyrer sehr lelcl^t unterscheiden kann. Die Weibspersonen sind in lhrer Jugend ausnehmend schön und reltzenb: und daher sind dle Männer auf ihren Besitz auch sehr stolz, und bis zur Raserey eifersüchtig. Es ist daher nicht rathsam, selbst am hellen Tage mit einer Klementlnerinn ohne Zeugen zu sprechen, denn, wenn der Mann dazu käme, wurde man Gefahr laufen, besteht aus viele« Schnüren von Korallen, oder Glasperlen; der Vo:dlll«ib aber vom Halse bis zum Gürtel ist mit Geld behängen, wobey sie sich in Ansehung der Münzen nach einer gewissen Symmetrie z" richten pftcgen. Der Namms (Ling), aus feinem rothen Tuche, reicht bis an die Schenkel, und wird nur beym Nabel mit einem Knöpft zugemacht. Er lst rund herum mit Fransen beseht , und dle Aermcl daran reiche,» nur bis z»" Ellenbogen; von 0a aber bis zur Hand sind ihr« - 83 -- Aerme eben so, wle dle Füße, mlt buntem wollenen Zeuge umwunden. Dle Fransen dieses Wamms sind zugleich mlt jenen klelnen Meermu-scheln besetzt, die man tn Deutschland Nate» köpfe nennet, und mlt welchen man ln Ungern dle Reltzeuge auszleret. Zwischen den Schultern und dem Ellenbogen sind überdleß viele Schällen angenäht, so, daß, wenn eln Paar Klementl« nerlnnen mlt einander gehen, ein Geläute, wle beym Schlittenfahren, entstehet. Vielleicht ge-schicht dieß ln der Absicht, die Mannsbilder auf lhre Gegenwart aufmerksam zu machen. «- Ue-brigens ist der ganze Wamms überall mlt gelben, rothen und grünen Glassteinchen ausgeschmücket, äwlschen welchen hln und wieder weiße Glasperlen ln der Gestalt eines Rädchens (Rueta) zusammengesetzt erscheinen; besonders aber sind ble Aermel mit dergleichen Rädchen, und ausser die« sen mit silbernen Tressen (Tschlrip) und vlelen scheckichten seidenen Quasten qezleret. Sie era, gen einen doppelten Gurt, einen breitem nahm» llch (?u52tät) vom rothen Tuche, und auf diesem einen schmälern (Brenz) von Leder, mit vle, len aufgenähten eisernen Knöpfen, und einer herabhangenden dünnen eisernen Kette. Statt des Rockes haben sie vorne eine Schürze (Pokolna), ble aus einer dichten Relhe von gelben und rothen wollene« Stückchen, die bis an dle Schte,i- F5 - «4 -V beine reichet, besteht; hinten aber eln berübhan-ger.deS scideneS Tuch (F,mtl«ng). Die Beine umwickeln sie com so, wie die Männer, und an den Füßen tragen sie gleichfalls vorbeschriebene Opanken. Ihr Hemd (Kcmisch), welches bis an die Waden reicht, ist sehr eng, und unter demselben haben sie noch einen groben Untenvck von wollenem Zeuge an. — Ihre Tänze sind ebenfalls ganz sonderbar. Ehe sie angehen, stellen sich Männer und Weiber ln zwo Reiben gegenüber. Jede der Weibspersonen legt den linken Arm auf die rechte Schulter der ihr ain nächsten stehenden, und sogleich fangen sie auch an, mit hellerund durchdringen, der Stimme, und in lauter monotonlschen Triller« zu singen. Bald darauf treten zwey Männer ml: entblößten Säbeln in der Hand, und zwey Pistolen in dem Gurte, hervor. Wenn diese mm eine ziemliche Welle die possierlichen Sprünge ge< macht haben, kommt eine Weibsperson auS der Neihe der übrigcn hervor, die in jeder Hand ein seidenes Schnupftuch empor hält, sich aber nicht 5«?m Flecke bewegt, sundern sich beständig, und mit den wunderlichsten Gebärden bald gegen einen, bald gegen den andern Tänzer kehret, und um sie springen diese ohne Tact und ohne alle Regel wie Unsinnige heruin. — Und dieses alles ohne Wife, Dudelsack oder andere Instrumente, - 85 - die fie gar nlcht kennen, sondern sich alleln beS Gesanges bcdlenen, deren Inhalt dle tapferen Thaten einiger alten Helden ihrer Nation, besonders aber des unter dem Nahmen Ckanderbeg bekannten Fürsten Georg Kastrlot sind. Ihre Sprache ist die Albanische, welche lnlt keiner der orientalischen, oder alendländlschen «inen Zusammenhang hat. Ihre Buchstaben aber llnb die lateinischen, worüber sie jedoch viele Tonzeichen schen. Besonders aber kann der Buchstabe 2 in keiner der europäischen Sprachen durch elnen gleichlautenden Ton ausgedrückt werden. Er hat mit dem ungrischen 2 etwas Aehnliches, "ber nle können es Fremde so weit bringen, den «lgentllchen Klang dieses Buchstaben auszusprechen. — 86 — Dle Fogarascher - Brücke in Siebenbürgen. D. leseS große und kostbare Werk hat selne Ueberfahrtslage gegen Mittag und Mitternacht, selne Fronte aber gegen Morgen und Abend. Cln wohl angelegter Damm, der zwey Brusts mauern zu beyden Selten hat, führt auf das erste mittägige Ufer. Dieses lst mlt einer unlett klafterblcken Mauer befestiget, ble zum Grunde «215 Cubikschuhe Quadersteine, zur Einfassung und Abweisung des Eises, eichene, in Form eli nes Kastens zusammengesetzte Stämme unb aus« wärts ihre dammmäßlge Ausfüllung hat. Ä" elner Entfernung von etwa 29 Klaftern, steigt «ln massiver gelntlner Pfeiler aus dem Wsscs. Etwa 14 Klafter von diesem sieht ein zweyter, nur von Maucrwerk aufge» führter Pfeiler, der in seiner Größe und Gestalt dem ersten beynahe gleich ist, nur hat er seine ganze Einfassung von eichenen Stammen, und steht nicht im Wasser, wenn anders der Strom Nicht durch zu iroßi6 Ansch vellen aus seinem ge-gewöhnlichen Fluß herausgetrieben wird. Eln großes Spreng verk, das a»lf dem er« sten Ufer den einen Ruhepnnct hat, steigt in vier Bögen von eichenem Holz über den eigentlichen Ctrom, und spreltzt sich mit seinem zweyten Cndpunct, auf den ersten steinten Pfeiler, seine Länge mißet 30 Klafter. Eln zweytes, kleines Gprengwerk hat seln Wlederlager gegen Mittac, auf dem aMde^steinernen, gegen der witternächtllchen Seite oben auf dem gemauerten Pkeller, besteht ebenfalls »n vier Hauptbögen, und ist za Klafter lang. Von bleiem zweyte« Sprenget geht eine geschlagene Bri'icke, dle auf 7 Joch ruht, und 50 Klafter lang lst, bis -- 88 — «uf elne aufgeführte Bntstmlluer. Dl:fe Vriicke hä„gt mlt dttn mitternächtlichen Ufer zusammen, welches auf «8 Klafter welt seinen Damm hat. So mißtt diese ganze Brücke in ihrer Lange mlt Inbegriff bcr zwey Ufer, oder soginannten Däm» me 144 Klafter. In die Brelte des vordem Ufers y, ln der Mitte durchaus 2, und am Ende « Klafter. Am obttn Th«lle btr Brücke, über die Einfahrt, ist das Mauthzimmer, und die Wohnung des Mauchners mlt allen nöthigen Bequemllch, ketten angebracht. Auf der Brücke selbst fiidet man drey Fallthüren, durch welche man sich über eine Stiege hinab, bis auf einen Stand lassen, «nd nachsehen kann, ob unttn am Sprengwerk Verbesserungen nöthig sind; dann stellen sich die zwey Seitenwl'i'nbe des ersten Cprengwerks dem Auge dar, wo sich zwey aufgespannt« Bogen, welche sich mit den Wandruthen verbinden, und auf beyden E^en drey, in der Mitte aber fünf Baum hoch auf einander verzahnet sind, voran« dern bewundern lassen. Das Dach hat feinen Nuhepmm tiarauf. Mitten auf diesem, dreyßig Klafter langen Sprengwerk befindet sich Rechts und Links ein Erker von Holz, deren jeder in der Mitte ein Ialougltter, von beyden Seite« aber zwey doppelte Fensterladen hat. Auf bett zwey Spitzen des steinernen Pfeilers stehen zwey — 89 -. al»fgemau^ ble der Erzherzog Carl 1587 hat gleßen lassen. Diese Glocke pflegt man — lck welß nicht ob zur Erinnerung der elnst hier gewesenen Türken oder der Pest — schon seit alten Ieittn täglich Morgens und Abcnbs jederzeit um 7 Uhr zu läuten. Kaiser Joseph II. ließ das unnütze Geläute »784, zur größten Betrübniß vieler Grätzer> ein« stellen. Bey dem Elegesfest nach der Ercber, Ung Belgrads erhielt man endlich wieder ble Er-laubnlß, sie nach einem Mfjährtgen Stillstand ln Bewegung zu bringen, und dann täglich zwey Mahl ihren Schal! zu hören. Die Freude war ^ber zu groß, man muß entweder bey der ersten Feyerllchkelt zu stark daran gezogen baben, oder bas Holz war morsch; genug, es brach etwas daran, und die Reparation dauerte ganzer 4 Mynathe. Als sie endlich ganz zu Stande kam. - 94 - frohlockte ganz Grä'h, und alles freute sich auf dle erste 7. Stunde. Man glng sogar so welt, daß m- Doch sieh , warum durchgleltet hl« Ein Thränchen meine Wange? Ich war so froh! Warum wird mir So schaudrig und so bange? Ach! Glocke, schön und freudiger Dein hehrer Ton erklänge, Ach I stöhnt er bald nlcht nebenher Än Josephs Grabgesänge! , > H. A. v. U. Auch b'findet ssch auf dem Schloßberge eln ^runn den ble türkischen Gefangenen im vorigen Jahrhunderte durch die Felsen gehauen haben, so daß das Wasser unmittelbar von demMurssuß hineinkommt. Er ist sebeilslvü'rdig. Das sehenswürdigste aber find da jene unglücklichen Geschöpfe, welche verwahrloste Erziehung und schlechte Beyspiele, oder unbändige keidcnschaften in den tiefsten Abgrund des menschlichen Elends gestürzt haben. Aus ganz Innerösterreich, und manchmahl auch aus anderenProvln-zen, werden die Verbrecl^ hier bewahrt, wel« He auf längere Zelt zur Strafe vermtheilt worden find. Es müßte ei:: sehr intressantes Werk seyn, wenn man die Biographien von den Bö-bwichtern erster Gross- hätte, die schon auf die' ^ y5 - sein Schtoßberge gesessen find. Einige darunter waren verschmitzt und schlau, trotz einem Karton? He; andere hattea so gräßliche, unmenschliche Mordthat«,, begangen> daß sich die Kanibalen derselben nicht schämen dürften. Unter der vorigen Regierung warbasSchlck« sal derjenigen, die zum langwierig?!» Gefmig-Ni5 verurtheilt waren, so elend, daß man bey aller ihrer Bosheit doch Mitleiden mit !hli:n haben mußte. Die meisten waren Tag und Nacht angeschmiedet, die Füsse waren mit schwer:n El-sen beschwert, um die Mitte bts Leibes licf ein eiserner Gürtel, von dem cine Kette durch eine Mauer gezogen, und an einer Stange angenie, tet war; der Hals wa? mit Eisen beschwert. Nur dle Hände waren zum Spinnen frey. Hiezu kam die immer gleiche Kost bey Wasser und Brod, die nur einige Mahl ln der Woche durch eine warme Speise unterbrochen wurde. Mancher bekam noch, zu gewissen Zeiten des Jahrs Stock-schlage. Gegenwärtig ist ihnen vieles erleichtert worden. Bey btr vorletzten Anwesenheit deS itzigen Monarchen auf dem hiesigen Bergschlosse verbarg sich ein aiter Verbrecher aus Kärnten, der eines Vlehdiebstahls wegen auf einige Jahre zur Arbeit hleher verurtheilt ward und dessen Strafzelt nun schon zu Ende geht, sehr sorgfältig, um nur nicht — 97 — nlcht vom Kaiser gefthen zu werben. Man fragt« lhn um die Ursache seiner Furcht vor demLandeS» fürsten. Es geht mlr hier fo gut, gab « zur Antwort, daß es «lr noch nie so gut gegangen ist. Ich fürchte nun, daß mich der Kaiser begnä" bigen, und wieder nach Hause schicken möchte, wenn er mich sieht, und dleUrsachemelneS Hier« seyns erfährt. — Die Anekdote ist wahr. Ve Mtrtw. IV.THM. V V8 - Der Pallast des Fürstbischofes vou Gurk zu Klagenfurt in Kärnthen. ^lnem collossallschen flammenden Vesuve von Wutky hängt in dem Empfangssaale des Fürstbischofs zu Gurk nach höherem Style der Glockner mlt seinen Gletschern und eisigen Glpfeln an der Salmshöhe gegenüber. Die Cascade« des Anlo rauschten a-n beyden Seiten dieser Pracht» aenMlde ihre Felsi herab. Mich fesselten diese Meisterwerke jl'sebr, als daß ich noch Slnnge-nug hätte behalten können für die übrigen Seltenheiten dieser kostbaren Gallerle. Aus dleseM Saale traten wir in «in Naturaltencablnet> das nicht bloß Prachtstücke, sondern auch "^eltenhel-ten aller Art enthält. Eo lst unttr Hsrrn v. -> 99 "" Hohenwart's Aufsicht errichtet, bereichert, erhalten worden: mehr darf man dem Natmhlsto« riker nlcht sagen, um ihm den Werth dieser Sammlung, die fast alle Schätze Kärnthens enrhält, z!< schildern. Eln Antiken - Saal empfing uns als wlr zögernd die Schränke des Natlnallencabl-nets verließen. Mehrere hundert Büsten, bieder Fürstbischof selbst ln Italien sammelte, sind hier für junge Künstler aufgestellt. Aus diesem Saale der Denkmahler des sckö» n«n Alterthums kommen wlr in einen anderen, der der Geschichte des Mittelalters und bes B'sthu« Mes von Gurk gewethet ist. Die Porträte b«r Bischöfe von Gurk, theils von gleichzeitigen Künstlern, theils von Coplen nach gleichzeitigen Gemählden, zieren hier ln goldenen Rahmen die Wände. Kurze historische Notizen unter jede« Gemählde, oft noch ln dem Jahre geschrieben, von welchem sie Nachrichten liefern, geben dieser Sammlung von Porträten einen seltenen historl» schen Werth. In einem vierten Saale , der der Etlquecte gewidmet ist, dem goldenen Solegel« saale, vermählte sich Prackt mit Geschmack, um leben Fremdling, der ln demselben t,itt, es zu verkünden, daß er w dem Haufe eines reickm Kirsten ist. Auf Tischen von dem kost, baren Salzburger Marmor verdopptln sich ln colossallschen Spiegelt', Vasen von Lava G 2 Mb Alabaster, und Säulen von dem prächtig« sien afrikanischen und orientalischen Marmor. Wir kamen durch einigt Nebensäle, deren Wände «nit kostbaren Gemählden geschmückt waren, ln den einfach gezierten Spelscsaal. Eine Zuckermelone von 36 Pfunden, die im Treibhaus« zu Klagenfurt gezogen ward, wird den Liebhabern der Kartenkunde ln eMele servlrr. Nach der Tafel gingen wir in dle Haus-Kapelle. Ein Christus Leichnam unter dem Kreuze ln Erz, eine Kopie des Orglnals von dem be« lMntten Donner, welches ble Kathedral - K!r< «he zu Gurk ziert, bildet den Altar dieser Capel-te. Der Fü'rstblschof verschönerte die Gruppe des Hrglnals durch die Statue einer Magdalene, ble nichts zu wünschen übrig läßt. Der Plafond und Hie Wände sind mit Arabesken ln Bister von et-5iem Künstler Kärnthtns, Herrn Pichler, geziert^ Die Lampe, dte das heilige Dunkel dieses Oltes der Andacht erhellet, ist eben so geschmackvoll als kostbar. In der Halle des Pallasies des Fürstbischofes fanden wir einige Alterthümer, die zu Maria Saal ausgegraben wurden, bey dem MfganKt übn die Treppe aufgestellt. I0l Die Gothscheer in Kraim ^^lefe alten Gothen ober deutsches Volk, w'els ches einig« Geschichtschreiber schon gegen 700 Iahs re unter diesen Wenden ober Dclenzern wohnen lassen, aber nach vielen andern noch viel älter seyn, und von den Ostgothen, als s« ganz Illl-rlen überschwemmten, abstammen soll, ist nicht mehr eine ganz eigene Nation, sondern schon halb Wenden; man M sie auch fränkisch« Herkunft, allein dle Etymologie des Worts zelgt mehr« daß sie atte Gothen sind. Ich habe in ihrer altdeutsch windischen Sprache wenig Aehnllch« keit mit der frcmllschen gefunden, aber viele Worte sind den gothischem oder dänischen glelchO lautend. Heut zu Tage lst die ursprüngliche Redensart ganz verschwunden, denn es ist alles mit t>5m Wendischen corrumplrt. Wenn der Gothsbeer f- agt: bist du auf dem Berge gewc, sen? so sagt er: b?st na Hrible gewescht? Das erste und letzte Wort ist deutsch, ,md die zwey mittlern sind wendisch, denn na hetstt auf, und Hrib helßt Berg, und baß er noch das über fiüßlge lc dazu setzt, welches der österreichische Dialect mit sich bringt, den er, wie welter gesagt werden mehr heraus kann. In einer solchen Tonne wer^ den zu Zo, 50 unh mehr auf einmahl gefangen. Aber bey allem dem, daß man so viele lausen-de des Jahrs hindurch auf diese Art bekommt, werden doch noch ptcl mehr durch R^mbthiere, als Iltis, Marder u. dgl., aber am mehresien von der Eule vertilgt, und besonders von dem Buhu (3tlix bubo ^.iuny) oder der großen g<-hörnten Eule. Da hte Billlche äußerst furchtsam sind, so fliehen sie bey jedem Geräusche davon, und da diese Eule dle Gewohnheit hat, bey der Nacht mlt dem Schnabel zu schnalzen, so hat dieß in den preßhaften Zelten des vorigen Jahrhunderts Gelegenheit gegeben, zu glauben, daß die Billiche von «intm Waldteufel verfoigt wür/ «^ to? "" den. Valvasor erzählt lm M. Buch S. 43F die Gespenstermährchen auf Aussagen von abergläu« bischen Bauern ganz in ble Länge nnd Breite, ja sogar hat er den armen Teufel mit der Patsche W der Hand ln Kupfer stechen lassen, wie er diese Thiere verfolgt, um das Dlng recht sinnlich zu machen. Cr sagt ferner: da viele Billiche ein Zeichen oder Risse ln hen Ohren haben, fo sey dieß nur bey den alten, die der böse Geist schon einmahl auf dle Welde getrieben habe, bey den jungen aber fände man dieß niemahls, allein das ganze Mähr-chen reduclrt sich darauf, daß die allen Bllliche bissiger als die jungen sind, und öfters einander ln den Haaren liegen. Der gang dieser Thle-re ist von zweyfachem Nutzen,, erstens wegen des Balges, der ein feines, leüchtes Winterflitter für Frauenzimmer ist. Nu? lst bey nicht sseißt, ger Bearbeitung dieser Felle zu befürchten, daß sie wegen ihres noch lnhabenden Fettes gern die seidenen Ueberzüge oeftccken. Im Jahre 1765 konnte man sü? fünf Ducaten ein ganzes Unter, futter für ein langes Kleid haben. Ferner sind die Billiche im Herbste sehr fett und wohlschmeckend, besonders im Reiße gekocht besser als ge» braten. Es pflegen auch vlele der dortigen Einwohner solche quj den Winter in Fässern elnzu« salzen, und sy zur täglichen Nahrung auf« zube,rahren. Von so vielen TlMen, M es leittS, bas ei« so fettes Nch wieberBlllich hätte. Der Gothscheer ist heut zu Tage mlt Aber-glauben nicht sehr geplagt, aber dennoch sieht «r, «ssle alle vochergehtnoen Wenden, in dem Wahne, baff man Gewitter mlt Gebethen, Rau« chen eines geweihten Heues, kauten mit Schel» len Verehelichten zuerst sterbe, noch Statt. Wenn ncihmllch der geworfene Schuh mit der ^Pltze gegen ble Wand deS Schlafgemachs sieht, so trifft die Reihe zuerst ihn, im Gegenthelle aber das Weib, wenn er die Richtung gegen das Bttte hat. Dte Nildung des Gotlscheers ist bonder des Dolenzers wenlg verschieden, doch zeichnet sich das weibliche Geschlecht gar nlcht aus. Der Mann, wie es scheint, hat selnen alten Kostüm der Kleidung beybehalten; ble Haare auf dem Kopfe trögt er kurz abgeschnitten, und h'ut zu Tage außer Landes den ganzen Vart nur noch wenig mehr. Das Haupt deckt er mit einem runden schwarzen Fllzhuthe; Hals und Brust sind meistens entblößt. Seln langes Hemd, das «bieler Gefahr den» noch so geschickt gefl'ihret wurde, baß nach zwey Jahren die ganze lange Oeffnung vollendet war, die völlige Beendigung des Ganzen aber geschah erst im Jahre 1774; dieß Unternehmen hat mehr als zc,c>,dl)o fl. gekostet, ble kundgemachte Ur< sache hierzu war, alle schwere Fuhrwaqen, die bey dem Clausenthor passtren mußten , durch das neue Thor fahren zumachen, well man besorgte, durch die Erschütterung der schweren Wagen möchten Sti'icke des Monchsberges wieder ein-stürzen, wie es schon geschehen. Es war vo« dein verewigten, und von seinen Unterthanen sehr geliebten Erzbtschof Slglsmunb den Großen im» mer ein löbliches Unternehmen, dieses wundervolle Thor zu bauen, welches in der Geschichte ihn unsterblich macht, und vo» Kennern in der lebenden Welt stets bewundert wird. Auch eine andere aus Felsen gehauene Merk« Würdigkeit ist die Sommerreltschule, die ein aus dem Felsen gehauenes Amphitheater hat; es be* steht aus drey Gallerten übereinander, deren die mittlere 125 Fuß lang ist. Rechter Hand ist dle W'nterreltschule, die über 20c» Fuß lang tst, und an diesen Felsen und die Gallerte anstößt, auch eine Seite derselben ausmacht. Die entgegengesetzte Seite ist wegen Mangel der fortlaufenden i- 123 — Felsen nlcht qanz, die schönste M dl« mlttlere Seite, dieses Werk ist mkt seinen Treppen, Gän, gen, Kolonaden. Bänken und Verzierungen der Archltectur, aus F?lscn geHaue«. Des Sommers werden hier alle Vormittage Pferde zunerlttcn, auch wurden vormahls hier Thlerhetzen gebalten. Ueber der Sommerrelt» schule an dem Möncksberg steht ew Pavillon, der zum Kloster St. Peter gehört. Unweit diesen zwo Reitschulen sieht der Hofstatt, eln schönes und langes Gebäude, ln wel» chen die erzblschcfilchfn szu viele Pferde) standen, die Futtertröge der Pferde sind vom weißen Marmor und für das Heu eiserne Körbe. Vey demselben ist ein großes Bassin mit fließendem Wasser , und einem kleinen Wasserfall, ln dessen Mitte ein Mann mtt «lnem springenden Pferde sieht, dlese Statuen sind ln mehr als Lebensgröße »mt» aus ^ der hatte für müßige Stunden irgend eine be- filmn,- siimmtt, selbst gewählte Arbelt. Wle vkl Tausende, dle Begierde nach Glanz ober Thaten w ein Labyrinth von Kämpfen und Gefahren stürzt, erringen ihres ganzes Leben hindurch nicht, was diese genügsamen Brüder hler in stiller Einsamkeit fanden! Hatten sie auch mit unter Langewelle, j< nu, die Gewohnheit da zu seyn, weiche stets, zwar mit denselben Genüßen, aber doch ohne Leldeu wieder kehrte, entlchädigte sie bHflir. Waren s« auch d«m Vaterland unnütz — ach, Wle Manchen, der Kraft und Willen, lhm zu nützen besäße, zwinqt mcht ein mlnoer erträgli« Hes Loos, ungenützt und uaZekannt, wie sie, v«m Schauplätze zu treten. Joseph II. hob tm Iavre 17»« bl<ß Kloster t Paoii« lon, und noch vteleS, was oea Geschmack des Besitzers velrätk. Die Zchl dcr H'nlser, welche sich rings u«n ble Kirche ^^^ und vermahlen ein eigenes Dorf mit einer Volkszabl von etwa z«' Mensche« bild««, beläuft sich aus 57. Unter ihnen lji das Verkw. IV. Theil. I 'tleue Casino, Welches dle ehemaligen Hof» und Kaiserzlmmer enthält, das bedeutendste. Meh« rere, zum Theile sehr hübsche Zimmer, zwey große Säle mit elnem Orchester, ein Billard, ein Garten, kurz was zu elnem Gasthofe nur lmmer gehört, treffliche Bedienung für mcißlge Preise, die Lage selbst — Alles dieß vereiniget sich, «S jedem Fremden zu empfehlen. Die übrigen Häuser find melst unbedeutend. Ein Hr. v. Iernaub kaufte mehrere davon sammt den wüsten Grundstücken zusammen und hatte hier sonst elne beträchtliche Wirthschaft. Grundherrschaft des Dor» fes ist die Frau von Traunwleser. ^ Die Kirche hat elnen eigenen Pfarrer, ble-tet aber weder von Außen noch von Innen etwas Interessantes dar. Nur der Brunnen zwl-schen ihr und dem Cafino ist durch selne Ttefe und das herrliche Wasser merkwürdig. Ungleich mehr als die Reste des Kalmaldu-lenserklosters z'ehen ble wechselnden Aussichten des Berges an. Ueber den Rücken desselben läuft eln Fahrweg durch Waldbunkel und lichte Par-thlen blS an den Gipfel hin, welche die Kirche Mit ihren Umgebungen krönt. In rechender Fülle drängt bald der welnrelche Bisamberg, bald die Hauptstadt, bald die Donau mit ihren Brücken und Auen, bald cine weite Ebene voll gr"" ßm »MM L«bms, bald eln Ms 3ha) mll buschumssorien Hütten sich hervor. Herrlich thürmen sich ln grauer Ferne dle Karpathen und dämmern durch die lichten Puncte des Hains. In der Nahe verschwinden Rebenhügel und gn'ic ue Wiesen von Bäumen begrenzt. So irrt man beschäftigt durch die verschlungenen Gänge dieses Naturgartens hin; und weicht man hle und da vvm Wege ab> so locken freundliche Dryaden in hellgrüne Tempel den Fuß, wo ein buntes Gerege von Thieren in Aufruhr geräth. Von der Norbseite des Berges zelgt sich dle Stadt Klosterneuburg, die Donau und die vräch» tige Ebene jenseits, wo einst Rudolph den länä dersüchtlgen Ottocar schlug, und j«tzt blühende Städte und Märkte und Dörfer ein Diadem für des schönsten Gottes, des Friedens, Schläfe winden. Mit Entzücken schaut man von der Höhe des Welnlandes über den Fluß, der beyde trennet, in das reiche Getreideland hin und freut sich des Segens, der die vaterländische Erde schwellt ^ehrt man aus den Walbgängen ins Dorf zurück und gedenkt der ehemahligen Bestimmung dieser Gebäude, so erhebet der erfreuliche Contrast das Gemüth. Wo sonst Schwermuth ünb Unthätigkeit, Gram und Langeweile dem Laufe der Zelt ein träges Stillstehen geboth, giebt nun Frohsinn und Betriebsamkeit, Lebenslust unb tege Freude ihr dje gerauhten Flügel wiebtt. Is Die Meuge der Städter, welche sich hler an schonen Tagen versammeln, die gesunde kust, der Wohlstand des Ortes, das fröhliche Gedeihen im Feld und Garten schafft den Wohnsitz frommer Abgeschiedenheit in einen Aufenthalt heiterer Jugend um. Gerne genießet man mit den Fröh^ lichen und das trübe Bild der Vergangenheit giebt der Gegenwart noch höhern Reltz. '33 -^ Das Kaiserliche Mmeralien-Kabiltet zu Wien in Oesterreich unter der Ens. >»s ist in der Burg, auf dem Augusttnergang > und besteht bloß aus Mineralien, Muscheln und Seegewä'chsen, worin es aber eines der vollstän« dlgsten ist. Diese Sammlung ist in vler Zimmer vertheilt: im ersten befinden sich Muscheln, Zoo« phyten, Versteinerungen und Fossilien; im zwey^ l«n die Erdo und Steinarten; ewe sehr vollstän? bige Sammlung aller Gattungen von Marmor, ^e Stelnarten vom Sandkorn bis zum Diamant z ^Nter diesen ist der große Opal merkwürdig, wel, ^>er Z4 Loth wiegt, und der größte bekannte ist; lttner isi hier eine Sammlung von Tabacksdosm don ben seltensten und ausgesuchtesten Steinen. Im dritten Zimmer sind dle Salze, Pyriten, Metalle, Halbmetalle, Harze, vulkanische Pro-bucte und Versteinerungen, Im vierten Zimmer sind gegen 60 Stücke von der sogenannten floren-tinlschen Marketterie-Arbeit, worunter sich besonders einige Perspectiv-Stücke auszeichnen. Auch lst hier ein Blumenstrauß von allen Edelsteinen, aus denen dle mit ihrem natürllchen Farben übereinstimmenden Blumen geschnitten sind; auf den Viumen kriechen einige Insecten, ebenfalls aus Edelsteinen in ihrer natürlichen Gestalt dargestellt. Maria Theresia beschenkte einst ihren Gemahl Kaiser Franz I. an seinem Nahmenstag mit diesem Strauß, und dieser gab ihn in das Naturalien - Cabinet, welches er auch eigentlich angelegt hat. Dieses Cabinet lst an jedem Diensitage Vor? Wlttags für jedermann offen. — ZZ5 "^ Das Bergschloß Karlstein und seine Merkwürdigkeiten in Böhme n. ^)as Schloß Karl st ein liegt im BeraunerA Kreise, zwey eine halbe Meile Süd-Südwestlich von Prag, umringt von vier ansehnlichen Bergen. Der Grundberg des Schlosses selbst ist ein steiler, großentheils aus Jaspis Massen, und aus einem, leberfarbnen, gelo und grau gesprengten, auch mit weißen Adern, burchzognen Marmor bestehen» der Felsen. Der Hauptgrundrlß der Feste stellt nicht undeutlich einen halben Mond vor. Elk einziger, durch die Kunst gesprengter Weg führt gegen Norden am obern Horn des Halbmonds ln die Burg. Ihr Umfang betrügt 628 geomss trlsche Schritte. — IZ6 " Dle Feste Karlsiein selbst , und die Dlcke feiner Mauern 13 Fuß beträgt, ertheilt — je nachdem er bald die iibrlgen Gebände verdeckt, bald mtt einigen l» fortlaufender Verbindung erscheint — diesen» Scklosse e!ne Mannichfaltigkelt des Anblicks, wie man sie in dem Grade bey äußerst wenigen Btrg< festen findet. Daher find auch Von Karlstein so manche Darstellungen vorhanden, ble alle an sich richtig seyn können, und doch höchlich von einander ab-wetten. Da sie sämmtlich nur den Felsen, worauf Karlsitln selbst stehet, ja zum Thell nur jbch '37 sen Gipfel vorstellen, so hat man hler elne An. sicht gewählt, ble zugleich von der umliegenden Gegend, und dem Verhältniß des Schlosses ge-gen dte dasselbe einschließenden Berge «ine Vor< steüung glebt. Dle Ausficht vom Thurme herab ist nicht Mlnder vortrefflich. Dle Berge rlngS umher sind mit vorzüglich schönen Walbungen bedeckt. Ueberall öffnen sich dazwischen ziemlich weite Thaler. Der Boden in denselblgen lst fruchtbar und angebaut, Felder und Wiesen wechseln überall. Am weitesten trägt das Auge nordöstlich. Pauznik, Klupna, Litten, und mehrere Ortschaften bitten sich hler dem Blick in mäßiger Entfernung dar. Die weitere Gegend läuft hler cln Paar Meilen frrt. Geschloßener lst der Gesichtskreis gegen Prag hin. Doch erhöht auch von dieser Seite eln ziemlich breiter, von ansehnlicher Höhe sich herabsentender Weg das Romantische des Anblicks. Gern verseht sich der Böhme mlt seinen Gedanken in die Zeiten Kaiser Karl des IV., denn ts waren Zeiten, wo sein Vaterland das Haupt ^or vielen, wo nicht vor allen nachbarlichen «ändern hoch erhob, wo es nach tausendfachen Stikmen von Innen und Aussen, endlich wieder Elcherhell, Eintracht, Selb Mild igW, Er? welterung Mb Wohlstand gewann, wo ^Monarch, der seine Unterthanen lnnlg liebte, innig von ihnen wieder geliebt warb , wenn auch nicht unausgesetzt, doch größtenthells ln Böhmens Mitte thronte, und dann fast jeden Tag mit ei, ner milden oder nützlichen Handlung bezeichnete! Es waren Zeiten, wo zc> Jahr und länger noch kein fremdes Kriegsheer über Böhmens Grenzen drang, keine innere Empörung aufloderte, wohl aber die böhmische Kriegsmacht manchen auswär« eigen Kampf siegreich entschied; — Zelten end-llch, wo die Bergwerke ihre Metalle, die Aecker lhre Saaten, die neugepfianzten Weinberge ihre Reben gleichsam zweyfach lieferten, wo dle Volksmenge unabläßig wuchs, dle Zahl der Flt-cken und Dörfer alljährlich sich mehrte, der UM" fang der Städte sich vergrößerte, ja selbst der Gllst des Volkes sich veredelte. Alle dies« Veränderungen auf Karl des 1^ Rechnung zu schreiben, würde Thorheit sey«. Er hätte bann als eln Halbgott, nicht als «i" Regent handeln müssen ! Ein glückliches Verhalft nlß der Umstände bewirkte manches auch ohne M Zuthun, und ein günstiges Geschick ließ sei»« Regierung ln einen Zeltpunct fallen, wo kein kühner Gregor die Thronen der Fürsten «rschü^ terte, kein ehrsüchtiger Volksbezwinger Europa schr«ckte, und keln Zwiespalt über Glaubensnttt- nun«, und Gtaatsgrundsiitze dle innere Ruhe fei, ner Länder verscheuchte. Aber das war doch al, lerdings sein Verdienst, daß er jeden Vortheil seines Jahrhunderts uZd seines Staates zu benutzen wußte! Durch seine Gesetze begünstigt, durch selne Unterstützung ermuntert, erhob sich Böhmens Ackerbau, Gewerbsfietß und Handlung. Er verwandte weislich erworbene Schätze zu noch welslichern, größtenthells friedlichen Endzwecken, er führte die Wissenschaften als ein Vater in sein Land ein. Verschönert^ Städte, prächtige Tempel, marmorne Palläsie, neugebahnte Strassen, und unverwüstliche Brücken wurden für späte Jahrhunderte dle Denkmahle, die er sich selbst errichtete. Jede seiner Tugenden war für Böhmen thätig, ja selbst diejenigen Maßregeln, die Deutschlands Geschichtschreiber — vielleicht ganz grundlos! an ihm tadeln, selbst die augebliche Schwächung der kaiserlichen Gerechtsame war wenigstens seinen Erblanden nicht schädlich, sons dern geschah wohl gar auS Vorliebe zu diese» kehtern. Nicht ohne Vorbedacht mag daher Karl-steln ln diesem Werke stehen! Sein Anblick versetzt wenigstens auf Augenblicke in jene schon Mahnte Zelten, und sehe Feste war einer von ben dielen, aber a«ch einer von den vorzüglichsten Bauen Karl des IV. Ckne zweyfache Absicht leitete den Monar« chen bey Anlegung derselben. Er wollte zuvörderst hler eine Burg erbauen, dle nach der Kriegs» kmist damahliger Zelten für unüberwindlich gelten, eln sicherer Aufbewahrungsort der Krone, der übrigen Relchskleinodlen, des Landes wich« tigster Urkunden und Privilegien, aller ähnlichen, dem Regenten und dem Staate gleich theuern Schätze werden könne; und dann fürs zweyte, wünscht' er auch in einer mäßigen Entfernung von seinem Königs- Sitze sich eine Freystätte zu errichten, wohin er alljährlich auf einige Wochen, wenigstens auf einige Tage sich zurückzuziehen, den Monarchen gleichsam am Thor abzulegen, den bloßen Menschen beyzubehalten, und nur entüveder Rcllglonsübungen, oder einem stlllen> einsamen Nachdenken sich zu widmen vermöge. Deßhalb wählt' er sich eine Gegend, voll Prag einige Meilen abwärts entlegen, an und für sich schon durch ihre Lage romantisch, durch lhre Gebirge und Wälder zu düstern Empfind«,« gen anreihend, und doch auch manchem heitern Gefühle durch Anbau und Aussicht empfänglich; deßhalb erkohr er sich einen Felsen, der zwar von Tausenden noch an Höbe übertroffen ward, doch dessen Zugang die Kunsi leicht zu erschweren ver- wockte, und der ln der F^he eines betrclchtltchell Flußes auf die Erlangung u «versiegender Brunnen hoffen ließ! Deßhalb häuft' er hi«r auf einem mäßigen Platze zwey Kirchen, und zwey Kapellen über einander, erfüllte sie mit elner fast unglaublichen Menge sogenannter heiliger. Reliquien, verband Kunst mit Pracht, Anbackt mit Schimmer. Deßhalb umgab er den ganzen Bau wlt zweyfachen Bollwerken, schützte ihn mlt doppelten Thoren, «lt äußerst starken, zwey - auch dreyfachen, an mehrern Orten 8—<) Schuhe dicken Mauern, vertheidigte denjenigen Platz, wo die meiste Gefahr zu drohen schien, mit einem fünf Stockwerke hohen Thurme, unterstützte diesen wieder durch mehrere zum Schutz dienende, kleinere Vorderkasielle und — kurz, erschuf eine Burg, dle noch jetzt in ihrem Verfall für ein Muster alter Befestlgung gilt. Mathias von Arras der bekannte Raumelster der Präger Schlußkirche, erhielt auch hier die Oberaufsicht, und bedürfte fast ganzerneun Jahre, um den Plan seines Gebieters auszuführen. Denn schon lm Jahre ,348, d. i. im zwey, len Ialne seiner Regierung hatte Karl durch Ar« ^est, ErMchof von Prag, den Grundstein le« gen lassen, und erst ,357 (d gebrochenes Licht die Seele zu einer gewlßen düstern Art von Andacht aufforderte. Dreyzehn hundert, dreyßig Kerzen erleuchteten von innen den Raum. An der obern Halste der Wand erstreckten sich rund herum in zwey — auch dreyfachen Reihen 533 Bilder, die berühmtesten Heiligen der Kirche vorstellend, alle von der Hand der vorzüglichsten Künstler an Karls Hofe, auf starken Goldgrund gemahlt. Unttr denselben hingen im Vordenhe»l der Kirche die Schilde der heiligen Ritter, sämmtlich von gediegenem Gold oder Silber, das el« ferne Gegitter in der Mitte der Kapelle — denn im wnern Theil einzutreten stand nur Geistlichen frey — war reich vergoldet, und ebenfalls mit köstlichen Steinen geschmückt» Auf dem Hochaltar ward in einer Vertiefung mit stark vergoldeten Gitter unter dreyfachen Schlössern die Reichskrone aufbewahrt. Nur Blschöffe und der Dechant zu Karlsteln durften an diesem Hochaltar Messe lesen. Unter demselben stieg man durch eine schmale Stiege in ein verborgenes Gewölbe, wo dle übrigen Kleinodien, — l44 — uud Privilegien des Königreichs aufbewahret wurden. Ueberhaupt nicht für den Glanz allein, son-dern auch für den Schuh seines Schlosses sorgte Karl dcr vierte. Elne ansehnliche Besatzung warb selbst ln Frledenszeiten, zu dessen Bedeckung ge-ordnet. An den beyden eisernen Thoren mußten Tag und Nacht zwey Me uebst b«r gewöhnlichen Formel auszurufen: 2)ale 06 ltrallu, sale! (Welter, weiter vom Schloße)! DaS Amt eines Burggrafen zu Karlsteln ward von nun an zu den wichtigsten Aemtern lm ganzen Königreiche Böhmen gerechnet, und nur sehr bewährten königlichen Dienern, nur Man« nern vom ersten Rang« anvertraut. Die Gegend rund umher «rhlelr den sorgfältigsten Anbau, mehrere Weinberge wurden auf den benachbart lichen Anhöhen zumahl gegen Plesswecz angelegt/ Am Fuße des Berges ward statt der alten bau« fälligen Kirche dem helligen Palmatlus eine neu« prächtige ausgebaut. Alles, was Karl hier an-, legte, hatte das Gepräge ächter Größe, s.,^ ^.q Elne einzige kleine Ausnahme macht' er durch dl« seltsame Verordnung: daß ln Karlstein kein FrqutnzlMMr. übeMHtfN soltel ^ Er gak dle» - ,45 - Heses freylich weder zur Sicherheit, noch zur Verschönerung lelnes Schlosses etwas bcylraim- de Gesch, wie er sagte: aus Ehrfurcht gegen dle helilqen hier aufbewahrten Reliquien. Gan; Karlsteiil schien ihm durch solche eln Tempel ge? Worden zu seyn. Auch litt diese Verordnung ft wenig irgend eineAllsnah'ue: daß sogar dieKal» serln selbst barunter begriffen w.ir. Fiir sie und lhren weiblichen Hofstaat ward das Schlos Karllk, ohngefahr eine halbe Meile von Karl» stein entlsgen, gebaut; und noch jetzt haben sich von demselben einige wiewohl sparsame Trümmer erhalten. 3'vanzlg Jahre hindurch, nach jener EinO Welhung herrschte Karl dcr vierte über Böhmen, und dlese ganze Zelt hielt er fest an seinem Vor-satz, brachte alljährlich einen nicht u:beträchtltÄ chen Theil der Sommer- Monate in Karlstein zu. Eine große Menge Urkunden hl« ausgesertlgt, find Zeuge davon; gewöhnlich widmete er dana das ist, fast drey Meilen welt, zum Grabe des helllgeu Slegmünds. Auch erschien sie nicht mit leeren Händen. Denn sie brachte zur Auszierung dieses Grabes acht goldene Schlüsseln mit, d!« über 25 Mark des feinsten Goldes hielten. Ihr Gebeth fand Erhbrung. Als sie gleichfalls wie, der zu Fuß nach Karlsteln rückkehrte, war tie Krankheit schon gebrochen. Karl warb fewer Gemahlin, und seinen Staaten noch fünf Jahre lang aegönnt. König Wenzel IV. Karls Vohn und Nachfolger betrachtete das Schloß Karlsteln schon nicht mehr mlt der ausgezeichneten Kunst > wie sein Vater gethan hatte, und konnt' es auch kaum so betrachten. Andacht und eln stilles abgezogenes Leben behagten ihm wenlg ob« gar nicht. Jene Reliquien, die ln Karls Augen r oft lm bedenklichsten Verhältniß gegen seine Unterthanen sich befand, so vernachlässigte er diese Feste keineswegs gänzlich, sondern wählte sie, theils der nahen, wttbrelchen Waldüngen, theils seiner eigenen Sicherheit halber, oft genug zu seinem Aufenthalte. Ja, während seiner Regie-tllllg lm Jahre 1397 ward Kirlstew der Schau« Play eines nur allzuernsten, nur allzu merrwur-dig en Auftritts. Kon lg Wenze l war 1394 belannterwelse zum erstenmähle von elnlgen seiner mächtigsten Barone gefangen genommen, und nur unter zltmlich harten Bedingungen wieder entlassen worden. Von nun an glimmte zwischen ihm, und el-"em großen Theil seines Adels eln stöter, zwar "ft verborgen gehaltner, doch auch oft genug ausbrechender Argwohn fort. Wenzel wußte nur aNzugut, baß viele von selnen Vasallen noch belm» liche Waffen berelt hielten; diese hlngegen fürchteten Strafe für ehemals. Er achtete ihren Haß, Und sie stlne Rache für unaussöhnllch! — Au K 2^ »erdächtlgsten schleneu lhme damals vler selner obersten Rlühe, Gttnab vonIanowiß, Stephaa von Opvjna, Stephan von Podußka, vo» Mar« tlnltz, und Markold von Womtlz mit Nahmen. Sie hatten alle viere Theil an jenes ersten Ver» Haftung gehabt, ,md waren mächtig durch Güter lllld Anhang. Sie förmlich zu greifen, und ets nem Gerichte vorstellen zu lassen, trug der Könlg Bedenken, auch gewaltsam ln elgner Person gegen sie zu verfahren, schien ihm gefährlich. Durch einen dritten Mann sich ihrer zu entledigen, moch» -.' nach, und soll auf dem Todtbette noch die Ver, fchwörung gegen seinen König eingestanden haben. Dle Thäter warfen sich alsbald auf ihre Pferde, eilten nach Königshof zu dem Monarchen , fielen jhm zu Füßen, und berichteten ihm daS Geschehene. König Wenzel vernahm dlese Nachricht gern. Dem Herzog verlieh er zum Lohn die Güter, die der ermordere Strnad ln Schlesien besessen hatte, Schwambergen ernannt' er zum Burggrafen von Prag, in einem offnen Briefe an alle Relchsstänbe erlassen, versicherte er: „Daß die Getödteten an Ehre und Leib ihn verrathen wollen, und daß solchen Recht geschehen ,ey, wie sie verschuldet hätten." Doch war freylich der Ruf dieser That, als er pfeilschnell durch ganz Böhmen und Deutschland erscholl, nicht geeignet, Wenzels Achtung fester zu gründen, oder seinen Nahmen, zmnah-l«n bey seinen Baronen beliebter zu machen. Eine Gesandtschaft deutscher Fürsten, die eben ihren König zu sich laben wollte, und schon bis Eger g,kommen wyr, eilte aufs erste Gerücht bestürzt zurück. Spuren.vom Blute der Getöbteten wurden nach vielen Jahren noch lm Gemach zu Karlstei" als ein« halbe Reliquie gezeigt. Herzog Johann empfieng und behlelt den Spottnahmen Meister Ianusch. Fast alle gleichzeitige oder bald nachfolgende Geschichtschreiber sprechen von dieser Hand, lung mit offenbarer Mißbilligung. Uebechaupt, wenn auch der Ausdruck «wts neuern Topographen: „Wenzel habe ssarlstel», diesen ehedem ehrfurchtsvolleren, und erhabnem Absichten bestimmten Ort in einen finstern Kerker verwandelt;" etwaS übertrieben seyn dürfte, wennauch Beyspiele, die Wenzels vorzüglichster Biograph anführt, unwiderleglich beweisen, baß der Monarch hier oft fremde Gesandte zu em» Pfaygen, auswärtige Fürsten mit prächtigen Fasten zu beehren pflegte, sy bleibt es doch deßhalb Nicht minder wahrscheinlich, daß unter ihm die» ses Schloß manchem Staatsgefangenen zum un-^»genehmsten Aufenthalt gedient haben dürfte, und verschiedene unterirdische Kerker, die ma« jetzt noch zeigt, und wovon der eine Czerwenka (das Rothkelchen) genannt wird, scheinen auS diesen Atttn herzustammen. Könlg Wenzel der IV. starb 1419. Schon hatten gegen den Schluß seiner Regierung jene allbekannten Hussitischen Unruhen ihren Anfang genommen, doch erst nach seinem Tode brachen sie in ewe helle, bald ganz Böhmen, und oft auch die nachbarlichen Staaten ergreifende Bahn aus. Jener unselige Zwist begann, wo sich Brü> der gegen ihre Brüder, Söhne gegen ihreMter, Unterthanen gegen ihre Ertherren bewaffneten/ wo di« Bchmen zwar lhre Tapferkeit siegrelch gegen alle Angreifer bewahrten, aber noch öfter verderblich gegen sich selbst wütheten, wo man auf beyden Selten nickt damlt zufrieden war, in der Schlacht blostwle Tiger ohne Vertonung zu kcimpfen, ober ln ersil'irmten Etädten 1>os knleenb« Melb und ihren Sciugllng so gut wie lhren bewehrten Gatten zu metzeln, sondern nach dem Treffen noö' gegen die Gefangenen mlt Un-melschsichkelt tobte, sie jehf zu ganzen Hunder-» ten w d»e Ss all-ten warf, He jetzt Pechfackeln olrllch anzündete, oder mit eisernen Keulen todlscklug. In diesen schrecklichen Zelten, wo Prag »lttd Böhmens größere Halste sick nur all« zu offenbar gegen ^legmnnd erklärten, blieb doch «ln bettöcktücker Theil des böhmischen Adels, blieben p-rschlcd,m nichtige Etäbt«, nnd alle königliche Festen standbaft aus seiner Selte; und «ine der vorzüglichsten unter diesen lehtern war Ka^sieln. Daher kam Slegmuno auch fast nle nach Böhmen, ohne sich hter -- und sollt' es «uck, nur auf tlnlg« Stunden geschehn! -- tln-zufinben. Eo zum Beyspiel, als er (1420) den belagerten Wischehrad zu Hülfe eilte, rltt er zuerst nach Karlsitin, und dann l'ibcr dle gegenseltlge« Bergt, von wanntl, zu Prag, und ward mit Jubel empfangen. Stadt und Rath legten ihm den Eid der Treue und beS Gehorsams ab. Die Haupter der Taborlten, selbst der allgewaltige Zlska erkannten lhn als Verweser des König» reichs, und da er, um die Herzen des Volks zu gewinnen, beym Genuß des Abendmahls aus dem Kelche trank, so war eine Altlang der größte Theil der Hussiten ihm aufrichtig zugethan. In diesem ersten Taumel der Freude beschlossen die Prager sofort Hand an eine wichtige Unternehmung zu legen, und diese sollte ^-' d e Eroberung von Karlsteln seyn. Fast alle böhmische Geschichtschreiber oeS vorigen und jetzigen Jahrh undertS suchen den eigentlichen Grund dieses Entwurfs in der zu Karlsieln verwahrte« böhmischen Krone. Die Prager, sagen sie, wollten den Prinzen Korib lit als ihren König krönen, dazu bedurften sie der Relchsklelnoblen, und da sie wußten, daß solche zu Karlstein verwahrt würden, wollten sie dieselbe mit Gewalt nachhohlen. -^ Koributs Krönung fallt zwar — 155 -" durch das, was bisher von ihm gesagt worden, von stlbsi hinweg. Er erschien jetzt ncch bloß als Stellvertreter scints Oheims, nicht als Thronwcrbcr. A^lch war Karlsteln als ble stark« si« königliche Festung in Pcags Nähe, an und für sich selbst schon eines Zuges gar wohl werth. Dock ist wohl möglich, daß sie durch den Besitz der Re'ichslltitiodien einen Relz mehr in den Au« gen der Husslten erhielt, und in Karlsteln selbst, als man Nachricht von der bevorstehenden Gefahr empfing, war Rettung der Krone der erste, angelegentlichste Gedanke des treuen, damahligen Burggrafen Fluka Wrabsky von Burzenlcz. Durch einige tapfere, Slegmunde« festergebene Ritter ließ er solche ln Geheim aufs Schloß Welhartitz bringen, wo sie mehrere Jahre hindurch verblieb. Er selbst bereitete sich zur tapfersten Gegenwehr. Deren er nöthig hatte! Die Feinde halte« nlchts gespart, nicht Mannschaft, nlcht Geschütze, nicht Vorbereitungen jeder Art, um in furchtbarster Gestalt zu erscheinen. Zlpar hyrte der schlaue Zlska, — entweder well er denAuSgang vorh«rs4 Tage Waffenstillstand machten, erhielte« sie aus den Prager Apotheken Arzneyen, die ihre Zähne wieder befestigten. Nach Ablauf des Stillstandes sehte man ih, ncn wacker zu, und sie wehrten sich noch wackerer. Elner von den Prager Bürgern ward von ben Belagerten gefangen, den hlengen sie sofort «m großen Thurm, wohin am heftigsten geschossen warb, an einen Strick hinauS, und gaben hm in dle Hand einen langen Stab, woran ein Fuchsschwanz sich befand, daß er die Stückku-geln bawlt, wie mit einem Fliegenwedel abweht. Solches geschah ben Pragery zum Spvlt», - »58 - sollte aber auch vielleicht machen, baß sie sich sek n« erbarmten, und gemacher schössen; so hing l sich doch gegen die Prager, daß sie reichlichen Mundvorrath an Brod, Fleisch, frischem Wild-pret und Fischen hätten, so> daß sie wohl drey Jahr auszulangen gedächten. Einige aus den Städtern gaben ihnen Glauben und wurden ver-drcssen gegen den Winter hier auszubaucrn. Nach geendeten Gastmahl dankten die Belagerten für genoßne Vewlrthung, und kehrten aufs Schloß zurück. Im Kriegslager entstand nun eln gewal« tiger Zwiespalt. Die Meisten weigerten stch fer« ner eine Burg zu belagern, die an aller Noth« durft solchen Ueberfluß habe. Viele glaubten, die im Schloße müßten durch die Berge heimlich^ Stellen und Gänge haben, wodurch sie Lebens^ mittet erhielten. Endlich beschloß man bis aus Martini auszuharren. Dann möge sie belagern/ «ver da wolle! Den Belagerten war alles dies — 159 — unverborZen, und sie hotten es gern. Am Tage Allerheiligen machten sie einen abermahligen Stillstand, daß weder hinein noch heraus gescho-ßen würde. Den Tac, vor der Octave Allerheiligen begehrten die Belagerten ein Gespräch, und da eS ihnen gewährt wurde, baten sie noch auf den andern Tag um Stillstand, well eine statt«» liche Hochzeit bey ihnen begangen werden solle, Als der Taq erschien, ließen sie zum Tanz auf« spielen, pfeifen, und trommeln, wiewohl sie we« der Braut noch Bräutigam, weder Vrod, Wew, Fleisch, und Fisch und noch minder Lust zum Tanzen hatten. Die im Lager, als sie es hör, ten, sprachen unmuthig: Jene d«rt find lustig Und guter Dinge! Wir dagegen leiben Frost und verabsäumen daheim unsere Nahrung. Wer mag ferner hier bleiben? Wir spüren ja doch wohl/ daß sie im Schloße keine Noth leiden." Die Karlstelner hatten indessen nichts mehr zu essen, als einen einzigen Bock, der im Scblo? 6« herumgleng. Diesen stachen sie ab, vlercheil-ltn ihn, nahmen ein Hinterviertheil, machten es absichtlich brav blutig, zogen aus einem Sattel '"tthhaare, streuten einige oben darauf, und sandten es dem Anführer im Lager, der seines Handwerks ein Schneider war, und I all Hebwika hleF. Der Bote der es brachte, bwkte im Nahmen deö Schloßhauptmanns, der — l6o —- Ritter und Wilber, bag man sie das Fest so ru« l,»g habe feyern lassen. Hler sende man als Ze!» clen d«s Danks das Vierlhell «ineS erst gestern erlegten Rehes. Der Hauptmann wunderte sich gewaltlg, wo sie das frische Wllo hergenommen hätten. Dle Umstehenden sagten: uns« Bela« gern ist fruchtlos. Gl« rühmten sich schon voc< dem Ueberfiuß an frischen Wlldpret und Fischen zuhaben. Jetzt beleben sie «»mit der That. Ein klarer Beweis, daß fie aus der Feste geheime Ausginge haben, und wir fie nte gewinnt« werben! Gle fiengen sogleich noch am Tage Martin! an lhre Lager adzuorechen, und die Belagerten freuten sich nicht wenig, daß ihr letzter Bock lh-nen so glücklich aus aller Gefahr geholfen, und viele taufend Feinde zurückgeschlagen habt. So w die mit Hm ve^ü.ideten Städte ihre ganze Kraft gegen Karlstein verwendeten, ihr Haupt an mehrern Orten ziemlich glücklich wieder e«n-por. Hanuß ron Kollowrat hatte in Gemel«^ schaft fi»lt Gleß vo« Stttnverz, Przlbray, ^^ Feste Hrädeck, Rakonlh, und mehrere Städte erobert. Jetzt wagte eben derselbe auch die Belagerer anzugreifen. Eiltt große Zufuhr von Le-bensmlttelll und Kriegsbedürfnissen, worunter ü2 Bleiben, oder Schleuder- Maschinen gewesen seyn sollen, — allerdings eine furchtbare Artll, lerie, wenn diese noch vor Karlstein angelangt wcire! — fiel in seine Hände. Zu eben der Zeit begannen die Hussiten unter sich selbst zwl'espal» tlg zu werden. Den Taborlten schien Koribut und seine Staats-Verwesenheit nicht zu behagen. Bzdinka einer ihrer Hauptleute hatte sogar schon den Versuch gemacht. Prag zu überraschen. Er war ihm zwar mißlungen, doch be, sorgte man Wiederholung ähnlicher Unternehmung gen. Setze man nur noch hinzu, daß der Win-? ter sich nahte; daß in einer rauhen, geblrgich-ten, überdleß noch vom Krieg verwüsteten Gegend allerdings ein Winterlager sehr beschwerlich gewesen wäre, und man kann sich diesen Rückzug auch ohne jenes Ziegenbocks - Geschlchtchen leicht "klären. Bewunderungswürdiger bleibt in jeder Rücksicht der Muth, und die Ausdaurung der Besatzung, die fast sechs Monate hindurch einer solchen Uebermacht und so furchtbaren Angriffen zu widerstehen vermochte. In den ganzen Hussitlschen Unruhen wagte sich nun keln Feind mehr an dicse Feste. Nur Merkw. iv. Thell. 8 — «52 - «ln elnzfgesmahl noch kömmt der bravt Karlstti-ner Burggraf Adeslaw von Nurzenlh — aber nlcht als angegriffner Theil, sondern als Angre^ fer selbst vor. Friedrich Kolowrat von LlebsteiN/ Besitzer von verschtednen nachbarlichen Schlösser« war eln Todfeind von Zdeslaw, unb überhaupt o«o macht?> Gulden. Eme Snmmr, die freylich Balbin ltizt. 3. Wlollüz ^uct^n. 1. S. 2. mit dem Nepwert: »»„ »m» p!iu«» begleitet. — i6z — FreyUch versprach er, nach wieder hergestelltem Frieden, dieß alles reichlich zu vergüten. Aber wie oft schon geschahen Zusagen dieser Art, und wie äußerst selten glngen sie in dle Erfüllung/ ja, auch beym besten Willen — vorausgefetzt, er hätt' lhn besessen! — kam Siegmund nie in Stand, auch nur den Hundertsien Thell von dem« jenigen wieder zu ersetzen, was Kcleg, und Ke« tzerelfer verwüstet hatten. Ueberhaupt lag es wohl in der Natur der Zeitläufte selbst, daß Karlsteln jetzt allgemach unendlich viel von seiner anfänglichen Wichtigkeit verlieren mußte! Je mehr dle Ausbildung der neuern Kriegskunst wuchs, fe mehr der Gebrauch des Pulvers, der Mörser und Kanonen über Hand nahm, je weniger konnte Karlsteln noch fernerhin für eine unüberwindliche Festung gelten. Bald dürfte man nicht mehr hoffen, daß wiederum das Zerspringen eines schlecht geladenen Gesck'litzes zur Rettung der Burg etwas beytragen werde, bald ergab es sich von selbst, daß dieser feste Thurm, trotz seiner lZ Schuh dickey Mauer, in Trümmern zusammen stürzen müsse, wenn man auf die nachbarlichen, ihn beherrschenden Berge, ein Paar Feuerschlündl gegen ihn aufpflanze. Indeß gnügte sie doch im-mer noch zur Schutzwehr gegen den regellosen Angriff einer zusammengerotttten Menge, gniigte — i6; — zur Vertheidigung wider einen jeglichen Heer« Haufen, der — ohne Kanonen anrückte, und da die böhmlschett Stande seit Slegmunds Zeir ten diese Burg nicht mehr als ein bloßes königliches Schloß, sondern als ein Landeselgenthum betrachteten; da sie fortfuhren, solche zum Auf« bewahrungsort der böhmischen Reichskleinodleft und ihrer eignen vorzüglichsten Urkunden zu widmen , so blieb das Burggrafenthum zu Karlsteln eine Würbe, die an Achtung eher zu-als abnahm. Die tiefe Ehrfurcht, mlt welcher man damahls noch die bloßen Insignien der königll« chen Hoheit zu betrachten pfiegte, und nicht sel-ten das Zeichen mlt dem Bezeichneten selbst verwechselte, gab demjenigen, unter dessen Obhut die Relchskrone sich befand, bey streitigen Wahlen, ober bey innern bürgerlichen Unruhen, in den Augen der übrigen keimn geringen Vorzug. Meinhard von Neuhaus, der berühmte Ob-sieger der Taborlten, und der große Gegner des noch größern Georg von Podiebrad, wußten damahls davon Gebrauch zu machen. Georg selbst, als er bekanntermassen seines Nebenbuhlers Meister ward, verwaltete wahrend seiner Verhaftung dlese Würde eine geraume Zelt, und ertheilte si« nachher seinem Liebling, Albrecht Kostka von Postuplcz. — ,6s — Nach Georgens Thronbesteigung, und Mla-blSlaws des II., und tubwigs, schweigt eine beträchtliche Frlst bindurch die böhmische Geschichte ganz von dieser Burg. Erst wleder unter sser-dlnanb dem I. — unter elner Regierung, wo so gewaltig viel in Böhmen fich veränderte! — s'ngen auch mit Karlsteln ewige nicht unbeträchtliche Veränderungen vor. Denn als 154, in dem fürchterlichen Brande, der den ganzen Hradzin, das königliche Schloß, dle Hälfte der Domkir« che, und einen Tkell der Prager Klelnselte verzehrte, zu unersetzlichem Gchaden der vaterländischen Geschichte, auch die kanbtafel lm Rauch mit aufqwg; als, wle billig, des VNonarchm und seiner l?!t, den man für Karlsteln bestimmte, Vnlaff, auch auf dessen lnnern Verfall Rücksicht zu nehmen. Denn balo darauf, im I. ««45-wc»-b «us dem ?anbtaie zur Wleberher^ellung beS Schlosses, die für damahlige Zeltttl btträchft - ,67 - blche Summe von 1200 Gchock bohmlscker Vrs« schen angewiesen, und 1556 mlt 500 Schock wiederhohlt. Etwss sonderbar klingt es, wenn man Nest: daß «s damahls Stalldespersanen, ja sogar Prln^ zen vom königlichen Hause nicht vergönnt war, ln Karlsteln sich umzusehen, wenn es nicht vor» her dle Landstande bewilligt hatten. Wenigstens erhlelt im Jahr 1553 der Erzherzog Ferdinand, und 1561 ble Erzherzogin auf dem Landtage erst vom Herrn - und Rltterstanb ble ausdrückliche Erlaubniß hinzufahren, und ble Krone «bst de» iibrlgen Kleinodien sich zeigen zu lassen. Beyde Mahl wurden ihnen sechs vom Herrn - und sechs vom Rltterstande als B gleltung zugeordnet. Das ganze bisherige Bauwesen lu Karlsteln hatte selt mchr als «52 Jahren ln bloßem Stück, und Fttckwerk bestanden; doch thätiger, als alle sllne Vorfahren, nahm sich Rudolph der II. dieses Schlosses an. Nicht zufrieden mit de» 3000 Schock, die 1579 von den lanbfiände« abermahls ausgeworfen wurden, verwandt' » die damahligen Schriftsteller oft als Karlstein« zweyten Erbauer prel'en. Noch jetzt erblickt ms« s Staatelllg war dieses Betragen gewiß nicht, denn es reizte einen ohnedem reizbaren Mann noch mehr, und die Utraquistische Parthey verbarg ihre Empfindlichkeit deßhalb so wenig, daß sie im nächsten Jahre, als sie an eben diesem Martiniz, und den von Slawata den berufenen Fenstersturz vollstreckte, wenige Minuten vorher, ehe dieses tumultuarlsche Gericht erging, jenem erstern noch über diesen Punct Vorwürfe Machte, die er umsonst abzulehnen suchte. An des Herabgestürzten Stelle ernannten die protestantischen Stände nunHelnrlchen Otto von Loß zum Burggrafen zu Karlstein. Doch auch ihm gereichte diese W^be nur eine kurze Zeit hindurch zur Zier, und dann — zum Un» tergange. Bey der großen Hinrichtung zu Prag (,621 den 2i. Imn)) war er der Siebente, der sein Haupt dem Schwerte darbieten mußte. Auch Karlsteln selbst erwarb sich ln diesem, für Böhmen auf alle Folgezeiten so traurigen Kriege keinen neuen Ruhm, sondern verlor vielmehr seilten alten, Es wurden !n oassell>lge62o Mann von den englischen Hilfsvölkern als Besahung gclcgt. Doch als nach der Schlacht auf dem weissen BergeB»cquol einen Theil seines Heeres unter Lichtensieins Anführung abschickte, um den Feind auch hinaus zu vertreiben, waren die Britten gleich bey der ersten Aufforderung bttelt, chren Posten zu räumen, und erkaufte« sich hierdurch einen freyen, doch wahrlich nicht rühmlichen Abzug. Auffallend sticht blese rasche Uebergabe gege« tie helbenmüthlge Vertheidigung vor zwey Jahrhunderten ab, und doch war fie die letzte Gele, genh/lt, wo das Schloß Karlstein wenigstens dem Anschein nach von einer Feste behauptete. Bald darauf verschwand sogar der bloße Nahme davon. Denn 1622 hob Ferdinand der II. das ganze Burggrafen amt auf, und übergab die Herrschaft Karlsteln seiner Gemahlin und allen künftigen Königinnen von Böhmen als ein ketb-gedlng« und Tafelgut. — Jetzt wurde« daher b!e Relchsk-lelnodlen, die Krone, und alle hier auf« bewahrte Landesurkunden weg, und in die Prager Schloßkirche gebracht. Jetzt blieb der Burg Karl-stein von allen ihren bisherigen Auszeichnungen nichts mehr übrig, alS — jene helligen Reliquien. Doch neln l selbst diese wurden wenige Jahre nachher ihr entzogen. Denn da dies« trotz ihres höchsten Verfalls landtnfiich noch auf 78,722 st» geschätzte Herrschaft tm Jahre »626 an Johann Kawka Rzlczansky von Rciczan gegen eln Darlehn von 50,000 ft verpfändet ward, und 0« bald baraufwleder baS Kciegsfeuer fürchterlicher «ls jemahls in Böhmen um sich griff, so besorg« der PfaMnhaber ulcht ohm Grund: diese H er es schon geschrieben, und nur eln unglücklicher Zufall vernichtete dessen erste Abschrift, so wie des Verfassers früh« zeitiger Tod die Erneuerung hinderte. — Dieser Verlust lst ohne Zweifel zu bedauern; doch be« währte sich wenigstens bey jener Untersuchung das höhere Alter der Oehlmahlerey in hiesigen Ländern unwidersprechllch, und die schon eln paarmahl angeführte Abhandlung: über dle ältesten Mahler Böhmens voll wichtiger, und zum Thelt ganz neuer Bemerkungen, lst ebenfalls eine Frucht der damahls angewandten Sorgfalt, — »73 -» Ueber das Reisen in Galizien. 5^ ^Hn Oesierrelch, ln Steyermark, ln Salzburg sowohl wie ln Tyrol finden Sie mitten unter Wäldern und Felsgeblrgen, mitten unter Alpen und Gletschern gutmüthige und leutselige Men» schen, welche sich ein Vergnügen daraus machen, Sie ln lhren Hütten zu beherbergen, und mit Ihnen den letzten Bissen Brotes zu theilen; Sie finden da überall Brot, Milch und Kose, Sie finden ein herrliches Wasser, oft sehr guteS Bier, oder guten trinkbaren Wein, um Ihre erschöpften Kräfte wieber zu stärken; ln Gallzlen lernt man dagegen diese kleinen Lebensbedürfnisse als Dtnge von der gvößten Nichtigkeit kennen, Und ein Reisender, welcher gern von seiner We-NlMt spricht, könnte leicht einen Band mit Anet- — ,74 — boten von seinen Verlegenheiten und EalanM-ten, die er hler erfuhr, indem er nur von einem Orte zum andern gleng, anfüllen. Kommen Sie Abends auf etner Relje ln GallM,, ich will nicht sagen »n ein Dorf, oder in einen Flecken, son« dern selbst in eine Stadt, so sind6le nlcht sicher, einen Stsohhalm zufinoen, um sich darauf zu legen. Durchstreifen Gle Flächen, so finden Sie Nlcht elneu Tropfen reinen und trinkbaren Was« sersj das Bier, wenn Sie eines treffe,,, ist trüber Ess»g, welcher an Saure selnes Gleiche» nlcht findet; ein Glas Wein, wenn Sle hier welchen bekommen, kostet Eiucn Gulden und noch darüber. Hler giebt es nichts, als Branntwein (e^u cie Vle^, ben man l ever e«u 6e mart 6e t'alogns heitzen soll, wett dieses Getränk in Pohlen schon "wchr Verwüstungen gemacht hal, als alle Ueber-slywemmungen. Wenn Slt in Berghöhlen ge^ hen, so finden Sie zwar wohl reines Wasser, «der es fehlt ihnen das Hauptbedürfnlß des L" benS: Brot. Treibt Sle der Hunger an, ei» unverdaultches Gebäcke von Mehl, Hafer, g<* mischt mit Kleyen und auf Asche gevacken, zll verschlingen, so sind Ihre Kräfte durch ble M-sirenguugen, die Ihr Magen zur Veraauung ote^ sell Sauerteiges aufzubiethen gezwungen war, dahin. Wenn Sie bey Ihrer Enltraftung eine« Umweg, um elne. Stadt zu ecretchen, zu mache« «. '75 — im Stande sind, so erhalten Sie nlcht immer in einer Herberge, wo man Ihnen nrchts giebt, die Erlaubniß zu kochen, vorausgesetzt, baß Ste so glücklich sind, ein Stückchen Fleisch oder Eyer um übermäßigen Prels zu bekommen, wobey Sie genöthiget sind, mit dem Gelde in der Hand von «wem Hause zum andern zu wandern. Begehren Sie von Ihrem Wirthe Spetse und Trank, so wirb er Ihnen ganz gutmüthig sagen: Reisenden gebe er nichts ztt essen. Machen Sie in Galizlen einige Tagreistn von der Hauptstadt, so finden Sie alles, was Man braucht, um Ihnen eine« Begriff von dem zugeben, was ein reisender Na-wsforscher mit aller Resignation auf einer Reiss Nach Slberlen oder Kanada auszustehen hat. — K^6 — Die Bergstadt Topschau in Ungern. "^opschau liegt an der nördlichen Gränze der Gömörer Gespanschaft gegen die ZlPs, wo bet Fluß Göllnltz dieses von jener scheidet, in einem tiefen Thale, welches ein mittelmäßiger, heller Bach wässert, der der Länge nach gegen Morgen hlnab durch ble Stadt fließt, und eine Stunde unter der Stadt, stch mit dem Fluß Sajo vereiniget. An den beyden Selten dieses Thales zieht sich eine doppelte Rcthe von hohen Bergen, von Morgen gegen Abend hinauf, bis an den sogenannten Treßlnk, wo der Bach Dobschina entspringt, und diese Gebirgsrelhe sich zusammen schließt. Verschiedene Einschnitte und kleinere aber - l77 " aber tieft Thäler, die von beyden Selten der Berge, htnab ln das Hauptthal des Baches ihre Richtung nehmen, und von den Einwohnern Gründl, Greppen, oder Seufen genannt werden, bilden verschiedene Bergrücken und Hügel von mancherley Form und Größe, die alle ihre «igene Benennungen haben. Gegen Morgen z. B. hängt mit dem hohen Berg Bablna, derZi-nopelkamm zusammen, tn dessen Gegend ehedem vlel Zinnober gegraben wurde. Weiter hinauf au der mitternächtlichen Seite liegt der Orber und Langenberg, wo heut zu Tage die meisten Eisen-und Kobalt-Gruben vorhanden sind, und Mit vielem Vortheile gebauet werben. Ueber den langenberg geht ln verschiedenen Krümmungen «ine Strasse von Rosenau nack Aps, von der Man die Stadt am besten überschauen kann. Gegen Mitternacht erbebt der Schwarzenberg sein hohes Haupt, dem seine schwarzen Waldungen den Nahmen gaben und eine reiche Kupfergrube, die zu Anfang deS 18. Jahrhunderts blühte, berühmt machte. Gegen Abend, wo das Thal immer enger wird, liegen die Berqe Tresienlk, Tsuntava, Buchwald, Sllberzeck und andere. Jene geben Hol, zu den Ellberwerkem der Stadt, und auf diesen sollen vor Zelten reiche Eilberbergwerke geblüht haben. Gegen Mlttaq endlich liegt die Stürz, die Bir-Merkw. IV. Theil. M ken, dee splhe Hügel und der BeckenberZ. Elnl^ gc dieser Berge sind kahl und dienen zur Viehweide, andere sind ganz ober zum Theil mit Nadelholz, Laubholz oder mit Buschwald bedeckt. Auf dem Langenberge besonders wachsen viele Klrschen und Haselnüsse. Der Eingang ins Haupt» thal ist bloß von der Morgenfeite offen; sonst kann man in die Stadt nlcht hinein kommen ohne die Gebirge zu übersteigen. D>e Nachbarn dieser Bergstadt die mit ihren Hattert gränzen, sind: Gegen Nordost die königliche Apser Bergstabt Iglo, gegen Norden die gräfliche Csalische Herrschaft Kabsdorf; gegen Westen die graftlch Koharlsche Herrschaft Telgarth; gegen Süden die beyden Dorfschaften Rhebova und Ober- Slana (Felfö Sajo') zum Csetneker Domlnium gehörig; und endlich gegen Osten das gräflich Andrlasslsche Dorf Vlachov, welches dle Topschauer Lampersdvrf nennen. Di< Einwohner aller dieser benachbarten Ortschaften, Iqlo ausgenommen, sind Slaven, und ts bleibt immer merkwürdig, daß Topschau der ein« zige Ort im Gömörer Comltate lst, dessen Ein» wohiler ganz deutsch geblieben sind. Der Nahmen der Stadt lst in allen in M< gern üblichen Sprachen fast eben derselbe. Deutsch spricht und schreibt man ihn gewöhnlich, Topschau oder HobsHqu, auch die Tobsch, lateinisch — «79 — ^obsciiÄ, Vod8cwna, T'ab^cnmum; ungai risch und slovaklsch Oobssna. Die Einwohner aber heißen Tobschauer, oder nach ihrer Mund» art Tobscher, und waren ursprünglich lautet Bergleute. Ueber den Ursprung dieses Nahmens giebt es verschiedene Muthmassungcn. Die älteste und unter den Einwohnern bekannteste, gründet sich auf eine fabelhafte Erzählung der Vorzelt. AlS die Bergleute, welche diese waldlgtt und bergig-te Gegend zuerst wahcscheillllchcr Weise nur in zerstreuten Berghütten (Bergkram genannt), bewohnten, sich an einem Ort zusammen zu ziehen und das Städtchen anzulegen gedachten, sol», len sie sich unter einander über seine Benennung berathschlagt haben. Der einhellig« Ochluß fiel dahin aus, daß die neue Etadt von jenen Wor-ten den Nahmen erhalten sollte, die der erste aus derGrube kommende Bergmann aussprechen w:'ir« de. Bald erschien einer ihrer Kameraden, der von der Berathschlagung nichts wußte, vor dent Feuerheerde, und sagte: er müßte zu seinen» Topf schauen. Entschieden war also hindurch der Nahme der Stadt Topschau. Die ganze Er« zählung ist ohne Zweifel nichts anderS als eine Erdichtung eines wiyigen Einwohners, um da» Mtt Fremde, die nach dem Ursprünge des Nahs Mens Topschau fragten, zu unterhalten. Dicj^ nigiM, welche dieser Erzählung glauben, berufen sich auf das Siegel der Stadt, welches aus zwey kreuzwelßgelegten Nergschlägeln über elnem offe» nen Topfe besteht; aber sie gewinnen und entscheiden dadurch nichts. Denn dieses alte Siegel, vom Jahre 158F, ist um mehr als 200 Jahre jünger als die Stadt, und beweiset höchstens so viel, daß um diese Zeit jenes Mährchen schon allgemein bekannt war. Eine andere Veranlassung des Nahmens Topschau erzählt Franz Ernst Brückner, im Tuche: Maßnalia Vsi ia loci» »ubtorraneig etc. Braunschweig 1727 Fol. Seite 260. Dleß sind seine eigenen Worte: „Tobschln, Tobschau, Dobschina elne Bergstadt, liegt in elnem Thale, zwischen zwey hohen Bergen und soll den Nah, men bekommen haben, daß wenn man von den Bergen herab in den Grund nach der Stadt zu-siehet, die Stadt wie ein Topf anzuschauen seyn soll, wie wir solches selbst in der Kirche an der Orgel observlrt haben." Brückner war in Topschau, und sah an der A. ,656 verfertigte« Orgel, den Bergmann abgebildet, der nach der Tradition ln seinen Topf schauet. Ich habe Topschau oft von verschiedenen Selten, von seinen Bergen herab betrachtet, aber ich hab« nle elne Aehnlichkeit mit einem Topf gefunden. — I8l — Die Ableitung des Herrn Samuel Kleln, Predigers in GöÄnitz, in seinen Nachrichten von den Lebensumständen und Schriften evangelischer Prediger, Ofen 1789. l. Theil. Seite 262, ln der Anmerkung von einem gewissen Toblas und Au, als ob Topschau so viel heiße, als: Tobls-Au, ist ganz wllltührlich und ohne allen Grund, fie verdient daher kaum eine Widerlegung. In der ganzen Geschichte der Bergstadt Topschau, so welt sie bekannt ist, kommt keine Per. son dleseS Nahmens vor, und da Topschau mitten in elnem dichten Walde angelegt wurde, so konnte bey seinem Ursprünge noch keine Au, und also auch keine Au des Toblas vorhanden seyn. Cben so willkührllch ist die Nomenclatur des Christoph Daniel Klesch, des Herausgebers der lateinischen Schrift des Caspar Piltzlus von der Plünderung Topschau's durch die Türken, im Jahre ^584, gedruckt zu Wittenberg in 4to 1671, we auf dem Titel dieser Schrift der Nahme Topschau durch die hübsche Au zwischen den Gebürgen erklärt, oder umschrieben wird. Siehe ble deutsche Uebersetzung dieser Schrift vom Jahre «795-Kaschau bey Landerer, lm Leben des Piltzlus. Die allerwahrscheinllchste Herleltung ist wahrscheinlich folgende: der Bach, an welchem die Stadt Topschau seit dem Jahre 1326 nach und nach «baut wurde, hleß schon vor der Erbauung berfelben Dobssna. Das bezeugt nlcht nur das Impopulatlons Prtblleglum der Stadt Topschau, sondern auch mehrer« alte vorhandene Urkunde« an dergleichen elenden Figuren Schuld sind? -— Was hat die Gesellschaft für einen Nuken. wenn eln Krippcl von Natur aus — tin Wahnwitziger — ein Halhnärrtfcker ^- «lnS^rrbli-'der-« eln Hecktischer ^- ein mit der aMgm Seuche behafteter Vater mlt dem schönsten Weibe ein halb Dutzend wahnwitzige, närrische, blmdc, krippllchte E ö'hne erzeugt? Was hat sie für Nutzen , ^- wenn ein anderer Bastard, eln anderer Krankler mlt einer andern gefunden Frau, die Welt mlt andern Krantlern — mlt andern Bastarden vermehrt? Was hat die Gesellschaft für Nutzen, wenn ein« dumme, von Nawr aus ein« faltige, verrückte, schwache, ungesunde Mutter zehn nürriiche Töchter gebührt? — Keinen, als daß die Welt mit Narren, mlt Bastacden, mit Kranllern bereichert wirb! — Gewiß! es ist für einelluge,verst^ndige,wohlelngerlchteteOmg,wenn die Ehen nur fruchtbar sll'd; ln dlesein Fall? hat sie von dem große« Endzweck erst einen tlelnen Theil erreicht; oft würde es im großen »- im ailgcmün^n BttraM — 188 — welt besser, welt nützlicher seyn, wlttn gewisse Ehen unfruchtbar gerieben wären. ' Wer ewige schreckliche Anekdoten, die sich mit einigen sogenannten Troteln ln Grätz zuge^ tragen haben, weiß, der wird diese scheinbare Ausschweifung hier nicht ü'berftüßlg halten, und herzlich mit mir selnen Wunsch vereinigen, daß man die Erzeugung solcher elenden Geschöpfe wenigstens dort zu verhindern sich bestreben mochte/ wo sie nach dem Lauf der physischen Gesetze unvermeidlich, oder wenigstens höchst wahrscheinlich seyn muß. Es schleichen sich ohnehin, auch ln die besten Ehen, oft Monstra ein, wie erst, wtnn MO» «^ »>» "- "» ,89 Dle Vuchberger- Bauern in Oesterreich unter der Ens. ^ie Einwohner sind Köhler, Scigemütter, Zim« '"erleute, Faßbinder, dle von Verfertigung allergy hölzerner Geräthe leben. Nur wenige Bauern leben hier bloß von der Landwirthschaft, oder Besorgung der Bedürfnisse der übrigen als Handwerker. Kleidung, Sitten und Gebräuche und Rubeln verrathen dte Nachbarschaft Steyer« Warts. Die Bauern dieser Gegend, welche nlcht wö's Hentllch nach Wien zu Ma^te fahren, haben den allgemeinen Character der Gebirgsbewohner: sie sind rauh wie ihr«, swge, aber streng, ehrlich, «ufrlchtlg, M, und vergessen nie empfangene — l90 -^ Wohlchaten. Diejenlgen unter ihnen abe'', die nach Wien handeln, smd, wle alle Laidleute, die oft in große Städte kommen, physisch und moralisch verdorben, sie sind falsch und höhnisch, und wenn sie bemerken, baß man ihre Tücke kennt> boshaft und schadenfroh. Grobe Unwissenheit und Trägheit ist indessen beyden gemein. Die Mmmer sind größten Theils gut ge-wachsen, nervig, und elnlge unter ihncn haben sogar eine sehr edle Wirung: doch ist im Ganzen genommen, der Schlag von Mannern hier nicht so groß, nicht so stark und nicht so schön, wie tiefer im Gebirge in Steyermark und Ober-östcrreich. Die Nelbele^e sint) beynahe turch-aus haßlich, und der braune Teint ihrer Kalmu-clengesichttr wird durch die weißen Kopftücher beynahe bls zur Gesichtsfarbe der mongolischen Nace erhöht. Noch «ine Aehnlichkelt der Schnee-berger- Nymphen mit den Weibern der HalbwU-den besteht in den langen hängenden Brüsten, deren Zitzen bey mehreren bis unter das Vortuch-band l)lnab reichen, wo sie auf b«m Bauche aufliegen. Kröpfe am Halse sind o»< Halszlerde von beynahe 4 derselben: bey den Männern sind diese Kröple seltner, wahrscheinlich well sie weniger Wasser trinken. Obschon der Anzug der Buchberger Bauern den Lesern in Men uno in Oesterreich ziemlich b«- ^» 191 "> kannt lsi, so will ich denselben doch für be» Aus» Under, und Sammler der Costume, so gut es ohne Zeichnung geschehen kann, hler beschreiben. Den Kopf bedeckt bey Mannern in und außer lh« rem Hause eiu ungeheurer runder schwarzer Hut wie sehr flachem Kopfe und sehr breiter Krempe ^- ein Regen - und Sonnenschirm ohne Stiel. Bey kaltem Wetter sitzt unter dem Hute noch ei» ne grüne Pelzmütze, und an Festtagen zlert eln farbiges Blind von der Dirne und eln Strauß von künstlichen Blumen den Hut der Iunggesel, len, und goldne Schnüre und Schnallen mlt böhmischen Krystallen besetzt sind der Hutschmuck der Männer. Cln schwarzes Halstuch verbirgt das Hemde am Halse, und ein gruntr Hosenträger halt zu der rothen Weste, an der er herab steigt, eine schwarze kurze lederne Hose hin» auf, die kaum an die Knie reicht, und dort Wie Bändern gebunden ist. Dle Lenden um« sürtet ein grotesk gestickter breiter Gürtel, an dessen linker Seile Löffel, Messer und Gabel i« einem eigenen Etuis im Hosenschlitze steckt. Ci„ "0ck, meist von sehr grobem schwarzbrau'len Tu-He mit kugelförmigen metallenen oder silbernen Knöpfen besetzt, halb im Frack — halb im Ka-putzuschnltte mit sehr kurzer Taille und ohne Kragen, hcmgt nachläßlg an den Schultern. Im Hause, !m Wirthshaus?, bey ber Arbeit tmg< — Il)2 — bcr Bauer entweder einen ahnlichen Rock von Schafpelz oder cine weiße Jacke von Boy. Blaue Strüinpfe und Bandschuhe vollenden den Anzug. Die Weiber und Mädchen verbergen ihre Haare ln weiße Kopftücher. Sie knüpfen blese Tücher auf altdeutsche Art genau so, wie ich sie bey den Stiftsbamen zu Negensburg an festlichen Tagen ln der Kirche sah. Ueber diese Tücher tragen sie an Sonn« unb Feyertagen zum Kirchgange oder zu ihrem Galla- Anzüge große runde flache Hüte von grauem oder schwarzem Filze mlt blauen oder schwarzen seidenen Bändern, die ste unter dem Kinne knüpfen. Die Dirnen, die noch das Feuer weiblicher Jugend fühlen, gehen im Sommer ohne Jäckchen ln Hemdärmeln zur Kirche und zum Besuche, und verstecken ihren oft kaum zu verbergenden Busen unter einem eckigen abgenähten Brustlätze von gedruckter Leinwand mit seidenen Bändchen umsäumt, und mittels derselben kreuzweise über den Rücken befestigt, den bloß das weiße Hemo deckt. Ein kurzer die Waden nur halb bedeckender klcwgefalteter leinener gestreifter Rock oder bey reicheren cin ähnll^ cher Rock von schwarzem Zeuge oder dunkeln« Cottone und ein blaues Vortuch bcdccken die 3en-den; blaue oder b?y ärmeren rothe Sttümpft mit sauber ausgenähtcn Zwickeln dleVeine. Die Schuhe haben keine- Absätze. So — lY3 — So w!e alle Gebirgsbewohner sind auch die Bauern um den Echneeberg passlonlrte Iö» ger, das heißt auf deutsch Wlldpretschü'tzen. Man braucht nur das Wort Gemse oder Rehbock fallen zu lassen, um die Bauern an allen Tischen d«r Schenke zu electrisiren. Um einer Gemse, um eines Rehbockes wlllen versäumt der Bauer die Arbeit elner halben Woche; wagt die Strafe der Herrschaft und besteht alle Mühseligkeiten und Gefahren eines Gemsenjägers. Diese Schleß-wuth mackt auch das Scheibenschießen hier und ln der Gegend umher zur Sonn- und Feyereags-Unterhaltung, uno Schützen gehen und kommen Meilenweit um «ln Bestes von ein Paar Gul« den, die sogleich verpraßt werden, zu gewinnen. Wird kein Bestes gegeben, so versammelt sich die Gemeinde auf dem Kegelplatze, wo alle Sonn- und Feyertage und auch am Montage noch eine Ziege, «m Bock, ein junger Stier und dergleichen als Preis ausgeschoben wird. Wenn die Witterung das Kegelspiel hindert, so Muß dle lelbige Karle die Vücle fülle,,. Mit Wehmuth sahey wir hier oft den armm Bauern den Gewinn von Monathe» auf einem Kegel, auf einem Kartcnbialte vellieren, uno Männer, von deren Würde wir höhere Aegnffe hatten, dle Oekonomle, Industrie, Sittlichkeit unter lh-r«n Bauern verbreiten sollten, hörten wir hier Merkw. IV. Theil. N " ,94 — von nichts als Buchsen, Kegel und Karten sprechen. So etwas sieht man ln der Cchweltz, in Tyrol, und den Göttern sey Dank! auch ln Steyermark und Oberösterreich nicht so oft. Cckelhaften Schmutz trifft nmn hier beynahe ln jeder Hütte. Das Küchenqeschirr schelnt nach dem Gebrauche nie ausgespület und nur zu allen helligen Zelten gescheuert zu werdei. Bett-Tlsch-und Lelbeswäsche, zumahl an den Kindern, wlrb nicht vlel reiner gehalten, und d!e Unsauberkelt in der Wohnstube sieht mlt der Un-relnlichkelt ln der Küche im vollkommenen Etn-klänge. Die Speisen, die hler die tägliche Nahrung derBauern sind, Klöße (Knödel), Stru, del, Nocken, ihr Schafftelsch . sind äußerst schlecht bereitet, und ihre Leckerbissen: Schmalz» koch, Mohnnudeln, Saubohnm und Zwetschken-kuchen sind beynahe ungenießbar und äußerst schwer verdaulich. Sicher haben dlese halbrohen Speisen, die nicht aus Mangel und Noth, son, dern aus Unwissenheit und Ungeschicklichkeit so schlecht bereitet werden, einen ungünstigen Einfluß auf die Gesundheit und den Wuchs dieser Leute, und diesem Uebel, das immerfort an deM physischen Wohle des armen Völkchens nagt,» könnte doch so leicht ln den Schulen abgeholfen werden. Der Mensch lernt nichts leichter, als Kochen. Begreift doch der Wilde hie Kunst d ttr hier und da einer Bäuerin kochen gelernt, und die guten Weiber zeigen mir noch immer, so oft ich hinkomme, die Fortschritte, die sie sett einigen Jahren ln der Kochkunst gemacht haben. Die hier herrschenden Krankheiten sind, außer einigen wenigen acuten Fitbern, vorzüglich Scropheln und Wurmbeschwerden (die hier sehr bald epileptische Zufälle erzeugen) bey den Kindern, bey den Weibern, wegen der schlechten Kost, hysterische Beschwerden; und bey be» Männern, wie bey den stark arbeitenden Weibern, Brustkrankhelten, woran die meisten sterben. Das vlele Bergsteigen, und die unselige Gewohnheit, die hier so tief eingewurzelt ist, das man ausgelacht wird, wenn man dagegen warnt: die unglückliche Gewohnheit ln der «roßten Erhitzung bey jeder kalten Quelle zu trinken, scheinen zugleich mit der in der Jugend erhaltenen scrophulösen Disposition dle Ursache dieses e»tvölk iy8 -" laokoon, die Venus von Gnlb, und die medice-ische, der borghesische und der sterbende Fechter, die Agrlpplna, die Flora, der Merkur, der betrunkene Faun, der Philosoph lc., und noch mehr Büsten und Vasen, welche von den lm Muscium zu Portlci befindlichen Orlginalien sind abgeformt worden; auch zwey schöne Statuen zu Pferde, wovon eine den römischen Konsul Bal-bus, die andere den Feldmarschall Lacy ebenfalls lm römischen Kostüme darstellt. Für die modernen Stücke der Kunst hat der Eigenthümer eine Paste erfunden, welche die menschlichen Fleischfarben höchst tauschend nachahmt; aus dieser Paste sind von demselben sehr ähnlich geformt: Ihre Majestäten der regierende Kaiser und Kaiserinn auf einem Triumphwagen, und hinter ihnen die Kommandanten der drey Leibwachen, die Fürsten Lobkowltz, Auersberg und Esterhazy; ferner der Erzherzog Karl, b der ungestörten Betrachtung der Weisheit öffnet die beseeliMde Wahrheit ihre schwesterlichen Arme. An solchen Stellen — wo der verengte/ äußere Raum durch Mangel der Zerstreuung jeder ebeln Empfindung ihrer Reinheit, jedem Kinde beS fragenden Verstandes seme Unschuld bewahret — an solchen Stellen fühlt man sick der Gottheit näher, stärker an Kraft, entschlossener den kommenden Tagen zu trotzen, und gleichgül* tlger gegen die entfernten Stürme menschlicher Schwäche und Thorheit. Dieses Plätzchen war für den großen Geist der Besitzerin jenes Thales das schönste Bedürfniß. Von hier führt eln schmaler Gang noch tie« fer ln den Wald, der stch dennoch nach einer Weile stets mehr durch dünnere Stämme unb Zweige dem wohlthätigen Einfluße des Tages öffnet, und an etner Bergspitze endet, die nur kleines Gebüsch umkränzt, und die schönste Anficht über die bunten Rücken der nahen und weiteren Gebirge bis tn die fernste Ebene gestattet, wo sich Himmel und Erde ln hellbunkler Mischung vereinen. — Hier im Schatten zweyer einzelnen Bäume ist «in Ruheplatz dem Anblicke der auf« gehenden Sonne gewidmet! — Die Lage der all, grenzenden höheren Berge, bte theils schroffe Felsenwände bilden, theils in sanftere Hügel sich verliehren, dle einzeln und gruppenweise ln der Tiefe zerstreuten Thäler und Teiche, und der weithin geöffnet« Hvrlzont geben jenem einzelnen Schauspiele all den Reiz, den bte glühendste Phantast« des Dichters kaum einzeln ahndet. Ich tibergehe die Beschreibung mehrerer kleineren Parthien, deren jede ihre auszeichnende Schönheit hat, und schließe mit der allgemeinen Btlnerlung, dab icy noch bty keiner Gartenan« läge ble Natur so ungebunden, ble Kunst so gefällig, jede Aufschrift, jede kleinere und grö« ßere Verzierung so ganz an lhrem Platze gefunden habe. -» 20? — Die alte Veste Rauheneck beyVaden in Oesterreich unter der Ens. anft erhebt sich der Berg; man gehe hlnauf ln beständigen Schatten. Wenige Schlösser ge< wahren elnen so mahlerischen Anblick, wie diese herrlichen Rulnen. Wenn man ln den äußem Vorhof getreten ist, so verweile man auf dem freyen Platze des Zwingers, wo zur Rechten die verfallene Kapelle kennbar durch das Kreuz ober dem Eingänge, zur Llnlen die vermuthliche Wehe NUng des Priesters steht. Nichts übertrifft den Anblick, den auf diesem Standpuncte das Thor ln das Innere des SchlosseS gewährt. Kulisse« änlich treten auf beyden Selten die Querwände b«r alten Gebäude hervor, und bilden eine immer wchr sich engende Vertiefung von beträchtliche? Lä'nge. Dle Mauern längs des Thorweges sind zusammengesilirzt, und verschaffen durch den freyen Emfall der Strahlen der Morgensonne el-ne magische Beleuchtung. Ganz im Hintergründe erhebt sich in hoher MajeM, eine Pyramide Aegyptens, der dreyeckichte stumpfe Thurm. Ist durch den Bogen des Thors sein oberes Ende gedeckt, so erscheint er als ein ungeheurer Koloß, dessen Spitze sich in die Wolken bergen muß. Man kann sich nicht losreißen von dem göttlichen Theater, das dle Zeit tm Zerstören erbau« te. Gleich den Riesen der Vorwelt stehen hoch« stämmige Föhren auf der verlassenen Bühne; th-ie Aeste rauschen geheimnißvolle Getstertöne, lh« le Wipfel neigen sich, betrachtend des Schicksals unerklärten Gang. Unaussprechbar ergreifend wird der Anblick, wenn der Mond aufgeht, und durch dle Ruinen links »eine schwankenden Licht« gestalten in das Dunkel der Scenen zaubert« Die Geister der Burgfrauen schweben flüchtig am Men Gemäuer hin durch die luftigen Hallen; ernster und sinnender »chretten die Ritter auf. Aus ihrer Mitte ragt eine hohe Greisengestalt hervor, die mit sehnsuchtsvollem Blick nach der Zinne des Thurms hinauf »lehr, wo leichtsinnig und vermessen eine junge Föhre ?chon das Dorf hat elne romantische Lage, ob die Hütten gleich noch armselig scheinen, so verrathen ' f ^, «'" " ^ "^ Kelmen von M"Nsttt^ ^. > durste eln biubendri Vom Wirthshaus führt eine V^ticke zum freyherrlichtn Mey-'bofe und Schlosse. Auf der Brücke steht ble Statue Johannes von Nepo-muck, mit der sinnreichen Aufschrift: Heilige Verschwlegenhtlt. Von hier aus überblickt man gegen das Gebirge zu elne schöne aulchte Ebene, M^y Joch groß !si ^lic nun auch noch zum Parke geschlagen n^'^'Ewe Köhlerhiitte steht schon vollende! d.. 'md wc ut bloß auf seine Bewohner /, ^ ^i^ ,^f«'"wt. uno auf dlt innere Verzierung '".. " 4.hcll des ParkeS dürfte, da er "c > Naü,- mir begünstigt ist, noch elyst" »-"^ tci!< al' t^f^' liesse-hende, dc^' u^^ß^Ii.» ^. ^h>)fe ist vor att^nc < ..' ?^ ^wölbte un' !),,/nml» ge Meyerstall be,ucl)ens»vürdig, wo eln hundl.pt herrliche Tyroler Kühe ln vler Reihen stehen. Jede ist abgesondert von der andern, hat ewen besondern Born und ihren eigenen Nahme»- Rückwärts der Wlrthschafts-Geb5 schon im Garten selbst steht ein ew»u Kühsiall, und gleich daran «in . ' / h> haus, zum Frühstücken, qn mmetta- gen eingerichtet, und mit k>. c, behängen, die dem Endzwecke besGed"^ v entsprechen. In einiger Entfern'.n; Uegt ein Btberttlch mlt vielen kleinen Insel'l :,ch unterirdischen Wohnungen ftirdttse Thiere. Schade, daß sie in Gefangenschaft von dem Bau Talente, das sie so berühmt macht, keine Proben ablegen wollen. Durch die Wohnung des Obergcirtncrs, und den vorliegenden Küchengarttn gelangte lch ln den ei» gentlichtn Park. Engverschlungene Gange führen zu elnem großen freyen See, der mit Gondeln bedeckt lst, und an dessen Gestade elne durch ihre liberale Bauart bezaubernde Fischerhütte liegt. Wimpel und Ruder, Fischnetze, Schiffs» schnäbel, und große Angelrulhen, an denen FlZ sche hangen, macken die äußern Verzierungen aus. Inwendig erblickt man nichts von jenen Möbeln, die oft ganz vergessen mächen, daß man ln einem ßlscherhause ist. Alles ist der Bestimmung des Hauses angemessen, und veredelt und erhöhet, wie das bey jeder Dichtung der Fall seyn soll. Zusammengebundene Seile bilden ble Stühle, dl '^and scheint von schlicht aufeinander gemachten Brettel« zu s«yn, und gefärbte Fenster wer« fen ein sanft Ncht auf die umher zerstreu» ten Ruder, u chiffs« Geräthschaften. Ueber Alxinger. Trauernd lehnt sich an ihn ble Leyer an, >,!', ^^ daß man vergißt, tn elnem Lustgarten ^ftyti, Hier ein vom Blitz gespaltener, do-t «in vom Sturme gefällter Baum, dtr mit selncn zwcy emporragenden Aesten von weitem das Ansehen eines liegenden Hirsches hat, hier Waldväche, dte sich mühsam durch Geblisch und bemooste Steine durchwinden, da, siatt gezwungener Durchhaue, fr?ye Wasenplätze, die auf benachbarte Schlößer und mahlerische Bergketten Aussichten gewähren. Auf einem dleser Plätze findet man ein artiges Lusihaus, und in seiner Nähe gymnastische Splelcreyen, vermuthlich um jeoem Geschmacke Nahrung zu verschaffen. Mmähllg nähert man sich wieder dem großen herrlichen See, der mit seinem Stlberspicgel in der Ferne hoher Felsen Fuß bespühlt, und ihre mit Fichten besetzten Spitzen, aus dcrer dunkclm Schooße schäumend ein Wtldbach sich stürzt, verklärter zurückwirft. Man besteigt eine Gondel, und gleitet über die glänzende Ebene zu einer Felscnschlucht, durch Pic man ln das Innere des Felsens tritt. — 221 >«l Kcummgewundene Dammerpfade führen in tine Berggrotte/ welche mit den schönsten Tempeln der Natur von dicjer Art sich messen darf. Süß ergriffen von heiligem Staunen betritt man sie. Aus der Hln» terwtinb ihrer hohen majestätischen Wölbung rieselt eine Quelle herab, und ihr sanftes Gemur-mel ist der schönste harmonische Kontrast zu dem brausenden Anschlagen der bewegten Wellen des Sees, und dem Donnern lihnlichen Getöse eines stürzenden Wllbbach es> ber von dem Felsen oberhalb der Grotte über dle ganze Höhe und Breite ihrer Oessnung glelch fließlqem silver herabströ ut. Eine ewig bewegliche Wand, jenseits welcker man das Schloß und dle Gebüsche wie Gestalten eines Hohlspiegels Ungewiß schweben sieht, und deren Glanz daS Auge nicht ertragen kann, wenn dle Sonne lhr Gold darauf streut! — Es lst dle elnzlge Oeffnung, durch die Licht la die Grotte kommt. Mit höherer Stimmung verläßt man dieses HeMgchum, und windct sich durch dunkle Fcl' fengänge, eln Gitterthor, das in den Garttss »- 222 --- führt, vorüber, welter ln ben Berg hinein. Eln Führer mit einer Fackel kommt aus dem Innern dem Fremdling entgegen, gleich einem Abgesandten der Priester oleseö gehelmnlßvollen Tempels. Wie als Vorbereitung zur Einweihung sprechen schwarze marmorne Tafeln zum Wandner. Beym Scheine der Fackel liest man auf der ersten: Dunkel wle der Pfab des Lebens. Bald bergauf, bald beraab dreht sich der Weg durch bemooste Steinklüfte zu einer zweyten mit den Worten: Aufwärts — Abwärts, Stelgen — Fallen, Menschenschlcksal! Eine schwarze Thüre öffnet den Eingang ln e desselben erblickt man eln Dorf, welches stO an bm Abhang der sanfteren östlichen Gebiro»kette lehnt. — 244 — Dle Lehne desselben bildet eine sanfte mit Wäldern besetzte Anhöhe. Das geschmackvolle, große hervorragende Schloß Schön Hof und mancherley schöne Gebäude ziehen den Blick des Se^ Hers sogleich nach jeuer Seite hin. Kaum hat es der Fuß erreicht, so bietet sich dem Auge daS schmälere Ende eines Parts dar, der rechts und Unkst» eine immer zunehmende, unübersehbar wer-denoe Breite ausläuft. Links führt uns tin schlangelnder Gang zu einem herrlichen Gloriett, von da tn eln schauoererweckenoes Thal (Rachel genannt) Einsiedeleyen und Kapellen auf hoch empor gehobenen Anhöhen zögern den Fortschritt des sebbesierigell Wanderers. Sö steigt er Klip-pen herab und Fetten hinan, eln Schauder folgt dem andern, eine Bewunderung verdrängt die andere. Hier sind es nicht aufgeführte Anhöhen, nicht tiefgegrabene Weqengen, welche ssleich den meisten englischen Gartenpartien den Lustwandelnden l» Erstaunen setzen, sondern wirkllcht Berge, Grausen erweckende/ von der Natur selbst angelegte Thäler sind «s, die bald mit schroffen Felsen, bald mit allerley Gehölze, bald ^ der Mannlchfaltigkeit ihrer Formen, bald mll>er Geschlcklichkett, womit man der Natur zu Hir. glommen, den Empfindungen so viele Stärke ^,o Abwechslung geben, daß sich der Wanderer ^ ^n Ellsinm hlngezaubslt z« seyn — 245 — strgwoknen muß. Unter den schönen Ueberra-schunaen, die hier hem Wanderer so zahlreich aufstoßen, nimntt eine achtzig Fuß lange majes statische Gprengbrücke, dle zwey Felsspltzen üb« einer Tieße von 57 Fuß mit einander verbindet, einen der erste Platze «in. Nachdem der Lustwandelnde an scbönen Grotten, und prcichtlg meublir-ten Einsiedeleyn sein Aug< geweidet hat, nachdem er auf unzählige Berggruppen, und noch mehr ln elnex Menge vpn Thalstelgen fast ermüdet worden, giebt ihm das überraschende Staunen ln diesen, Anblick neue Energie. Die Zeichnung dieser Brüsk«, welcke einen hohen Bogen bildet, ist dem Totalelndruck des Ganzen um desto mehr entsprechend, da man sich sehr sorgfältig gehütet hat, durch elnen weißen ober buntfarbigten An« strich, oder auch durch Zierathen von irgend ei, ner Art, eine Dissonanz in hl« schauderhaften Em« pfindungen zu bringen, welche basNertllche die« ses Bezirks in vollem Maaße hervorzaubert. Selbst die treffliche, auf mehrere Meilen sich aus« dehnende Aussicht, welche her Anlage dieser Brücke ihre Vollendung stiebt, hee^trcichtlget die Energie dieser Gefühle nickt. Die Hauptplece dleleS ParkS lst indessen al« lcrblngs ein gothischer Tempel. Nur der allbe« rübmte im besten Geschmack aufgeMrte Tempel zu Mnltz hält mit ihm einen Vergleich aus. -^ «46 — Er liegt auf elner Höhe, von welcher man nicht nur einen Thell beS Parks, sondern auch der Gegend übersieht. Dort hebt er sich mlt sei» nem Spihrhurme und seinen Nebenthürmen auf was den Magen anfüllen kann, der bey Trinkern nle große Förde» rungeN machte Die Fruchtbarkeit seines Bodens kennt er aus Erfahrung, und weiß, daß er ihm, wenn er auch noch so nachlüßig bearbeitet wird, doch so viel einbringen wird, als er braucht, um zur Erntezeit den Brantttweln zu bezahlen, den er lndeß bey dem Juden auf Credit getrunken hat^ Seine fortwährende Trägheit macht thn taub für die Stimme der hauSväterllchen Wichten ; sein Weib folgt dem Beyspiele ihres Mannes , und gibt dem Kinde Branntwein, statt ihn» dle Brust zu reichen. Er fühlt dle Nothwendig, kett nicht, seln Haus reinlich zu halttn, wett er — 254 — sein« Zelt lm Stuhle schlafend hinbringt; erkennt das Angenehme einer hübschen Kleidung nlcht, weil er gewohnt lst, sich lm Kothe zu wälzen, und um auch seinen Kopfputz allen dem vorigen anzupassen, berührt er setne verwickelten Haare *) nie in seinem Leben; ku^z, er kennt kein anderes Vergnügen, als d!e Bewußtsofigkelt, welche ihm seine ersten Pflichten, wie sein Elend vergessen macht. Von dem unglücklichen Branntweine kommen die bleichen, aufgeblasenen Gestalten mlt verloschenen Augen und unsicheren Schritten, die man beym Durchreisen jedes Dorfes, oder vielmehr jedes Haufens von Häusern antrifft. Wenn Sle Morgens ln einem kleinen Flecken, vder ln einer kleinen Landstadt aufstehen, und Sle sehen die Bauern fich aus ihren Hütten schleppen, die Weiber bloß ln das Bettuch ge< hüllt, das ihnen statt alles andern Putzes dient« *) Diese Unreinllchkeit ist dic Ursache einer grossen Anzahl »o« Weichselzöpfen b«p den Bauern, die ihre Haare nie auskämen. Sie wollen lieber sterben, als einige Svegfalt auf ihre Haarr verwendlN, und verlassen die Spnalir! wenn man ihnen diesen Aufembalt vo« Millionen I„sec«en wegschneloen wlll. Indessen gibt es hier auch elnen Weichselzvpf, d»r elne wirkliche Htrankbeit ist. - 255 — die Männer ln Hemden, wtlcke sie über bleHo^ sen tragen, bleich und abgemattet, gähnend, uud >ie Hände über dem Kopfe, dessen Haare von Unfiatt starren; Sie »vürdeu die Verdammen ln Raphaels Auferstehung lebend zu erblicken glau» ben, denn diese Elenden gleichen mehr Tobten, ble sich aus ihren Gräbern erheben, als Menschen, denen eln erfrischender Schlaf ihre Kräfte wieder gegeben bat. Der Vorder «und Hintergrund dlefes trau-llgen Gemähldes stimmt mit den vorgestellten Fi« guren vollkommen übereln. Eln pohlnlsches Dorf, ln dem Sie beynahe nie ein aus Steinen oder Ziegel» gebautes HauS antreffen, gleicht «i,,em Chaos von Dörfern mit halb v«rmodertem Stroh bedeckt, durch welches noch viel verfaultere Holz» stamme durchblicken. Sle treffen nicht zwey Hüt, ten, dle ln der nähmlichen Linie gebaut wären; dle eine streckt sich ln einem Winkel der Strasse zu, welcher die andere ble Hinterwand zukehrt, während eine drille mit ihrem Vorderthetle ge« »ade dem Miste gegenüber steht. Statt aller Fruchtbäume verbrelten bloß einige Welden einen nielanchollschen und trüben Schimmer über lüese chaotischen Dörfer, deren Plan von Jemanden, P und der unsterbliche Mahler seine Hütte zeichnen wollte, so würde er mit einer poblnischen Bauernwohnung selnem Ideale am nächsten gekonimen seyN. Wenn es wahr lst, daß dte Betrunkenen Taugenichtse sind, wenn Man es nicht bezweifeln kann, baß jene aus blesen Taugenichtsen, die sich dem Branntweine ergeben, bavon am dümmste« Herben, so lst es alsS auch nicht weniger gewtß, t uß der Branntwein die Ursache der Dummheit des pohlnischeu BauerSlst. Aber es ist auch nlcht weni« ger gewiß> daß man Ven Gebrauch oleseS Getränkes in Galizten nicht abliellen, ja nicht einmahl vermindern kann. Wenn Sle wissen, daß das Reckt Branntwein zu brennen, in Gallzlen nur den Güterbesitzern zusteht > wenn Sle wissen, daß ein pohlnischeS Dorf, für das man lll DlutsÄlanb nicht ,ooo ft. geben würde, 2 — Il,oo ss. bloß an Branntwein-Taxe einträgt, daß die großen Herren zv — 50,000 fi. und mehr von dieser Branntwein-Taxe bezlehen, daß dle btttlicktlicksten Einkünfte der Güter in diesem Siechte bestehen; so weiden Sle mit mir voil bet — 257 "- b«r Unmöglichkeit überzeugt seyn, dle Consume tlon des Branntweins zu vermindern. Denn man kann das nle, was man nlchr will, wiewohl man vieles sollte, was man nicht w!ll. Gewlß kann man von einem Gutsbesitzer nicht verlangen, dich er zwey Drltthelle seiner Einkünfte ver^ ltere, aber man sollte ihm sagen, daß nur er sie verliert; daß sein Eohn, ganz gewiß aber sein Enkel, weit entfernt soviel als ihr Vater oder Großvater zu beziehen, vielmehr alles verlieren werden. Die Geschichte Pohlens hat diese trau« rlge Wahrheit erwiesen. Ane Nation, deren größter und also auch mächtigster Theil zu eloeln solchen Grad von Dummheit herabgesunken ist, daß sie, wle der größte Theil der pchl^tscien Bauern keln anderes Bedürfniß und Vergnügen kennt, als das stch zu berauschen, dte ihre ge» brechllche Paschlne kaum durch dieses Gift fortK schleppen können, das sie ohne Unterlaß verscMln« gen, die nicht im Stande sind die geringsten An» sirengungen auszuhalten, elne solche Nation muß das Ende ihres Daseyns sehen. Ale einzelnen Schwünge, welche sich die Nation von Zeit zu 3«it giebt, gleichen den Aufwallungen Betrunle« ner; ste vergehen so gesch'vinv als sie elitjlauden, und stürzen jene, die sich lhnen überließen, w elne vollkommene und töotUche Whenie. Die pohlnlsche Geschichte hat daS Treffende dieser Be» Merkw. IV. Thell. N — 258 " merkungen gezeigt; die Militär« Geschichte Oe^ sterretchs kann dazu dle Beyspiele geben. Oesterreich ziehe viele Neugeworbene aus Gallzien, aber es bekommt kelne Menschen, ja es gewinnt nlcht elnmahl Arme. Der größte ^hell der gall-ztschtn Recruten ist nicht lm Stande, dle Be« schwertxn des Dienstes auszuhalten, und stlrbe !n den Spitälern und auf den Transporten: dle wenigen, welche den Feind sehen, zeichnen sich selten durch Muth aus; denn der Pohle ist gewohnt zu trinken, zu schlafen, aber nlcht zu streltem Sie sehen also, daß in Pohlen das Bedürfniß beS Augenblicks, mit den Forderungen fiir die Zukunft lm geraden Widersprüche steht. Man hat also nur aus zwey Uebeln zu wählen. Ent« weder man must, statt zur Vertheidigung der Monarchie Soldaten aus dieser Provinz zu ziehen, elne Armee dahin schicken, und dort erhalten, wenn man nicht sehen will, daß die Gallier dle Weichsel übersetzen, und die Schthen unsert fruchtbaren Felder überschwemmen, vder man mnß dle verworfenen pohlnischen Bauern das Gluck der Cultur kennen lehren, und aus ihnen Menschen machen, ehe man sie zu Bt'ii-gern und Soldaten bilden will. Aber wie soll man dieß anfangen? Sie verstehen keine andere Sprache, als eine, die seit Jahrhunderten den Wissenschaft ten und Künsten fremd geworden M. Es glebe nicht ein elnzlges ökonomisches, technologisches, naturhlstorlschts, mUhematisches, taktisches oder moralisches Werk, da« tn dieser Spracht ge, schrieben, und auf das Bedürfniß der pohlnt-schen Nation oder die schnellen Fortschritte berech» net wäre, welche die Wissenschaften bey bett Fremden gemacht haben. Die Schulen, worin diese zurückgesunken« Nation elne'Eprache lernet sollte, wodurch sie in den Stand geseht würde, sich zu unterrichten, werden nicht häufig besucht; und die Väter kennen hundert verschiedene Mit» tel *) die Execution unnütz zu machen, welchs R 2 ") Das ist vielleicht hle el»z!a> Theiln« l,me, «veli che die Aelter« a» tem Schlcksalr ihr«r Hln,d?r nehmen. Slc sind überzeugt, daß ihre Söhne Soldalen werden müsse», sobald sie lesen und schreiben können, und versuche» das Unmögli» «be, sie diesen ehrenvollen Stande zu enlz,ehr«. Das ist um sy befremdender, wril der Tod ih« rer Kinder sie gar nicht zu rühren scheint. Aerzte, welche bey der letzten Epidemie in Gä-lizirn thätig waren, versichrrlrn »nich, daß si«l 5 — 4 todte Kinder itt eiNlir Famllie geseben dät-«n, ohne daß die Aellern ihren Tod belvrintenz «den so sah«« sie Söhne und Töchter der Leiche ihrer Arllern ohne Seufzer u,,d Klase, j» selbst — 26o »»» man ihnen zusendet, um fie zu zwingen, lhre Kinder in dle Schul? zu schicken. Die Kinder ln lhrem väterlichen Hause zurückgehalten, sehen nichts als die Betrunkenheit und Brutalität ihrer Aeltern, und müssen von den Lasiern lhrer Väter und den Verbrechen ihrer Mütter lebende soplen werben. So erstaunt man also nicht, junge Trunkenbolde von 12, und geschönbete und angesteckte Mädchen von ,4 Jahren zu erblicken. Cs ist nicht mehr hinreichend ewige Regimenter Schulmeister nach Galizien zu schicken, sondern man muß ein Verbrechen durch ein anderes auf« heben, und diese Kinder, sobald sie sich ernä'h« ren können, von ihren entarteten Aeltern weanch« men, um ihnen eine Erziehung geben zu können, dle sie hindert, eine Schande der Menschheit zu werden. Dieser Gebanke "* nicht aus Platos Re» publlk genommen, es ist das Mittel, wodurch Nordamerika anfieng mit Menschen bevölkert zu werben, und seine barbarischen Horden zu vermindern, durch welches in den barbarischen Jahr, Hunderten des Mlttelalters die Cultur von Ita, llen aus sich in das übrige Europa verbreitete. Gatten l»rm Sarge ihres Gatten obne elne Tbrä« ne folge». Welche l»ol>e Apathie, zu der der Brannlwein führen kam.! — 2<5l — Wenn man bleses Mittel zu barbarisch findet, und nlcht Z — 400,000 Deutsche hat, dle sich aufopfern wollen, um Gallzien gebildeter zu ma« chen, so werden Jahrhunderte vergehen, ehe diese Provinz, ohngeachtet der wahrhaft kalserltchen Kosten, welche die österreichischen Kaiser darauf verwendeten, den entvölkertsten deutschen Gegenden gleichen »lrd4 ^ ?6» — Der Prater zu Wien in Oesterreich unter der Ens. "^lcht bald bezeichnet irgend ein Nahmen so vlel, was zur Freude spornt und Freude giebt, nlcht bald hat ein dem öffentlichen Vergnügen geweihter Lusthaln so viele Celebrltät erlangt, und vtlbtent, als der Prater. Ein Wald, der weit über eine halbe Meile auf dem schönsten, üppig» sten Wlesengrunde sich ausbreitet, von den Armen eines großen Stromes umgeben, die man» nlgfaltiasten Parthlen darbiethet, hier Garten, dort Wllbnlß, bald Stadt, bald Land, bald beydes zugleich lst, solch ein Wald wlrd wohl auf der ganzen Crde nicht wieder zu finden seyn« KaststMnbäulye, Liliden, Puchen, Eschen, und Erlen und Pappeln bilden die schönen Gruppen und Gehege seines Innern. Die «inen hat Kunst ln lange, herrliche Alleen geordnet, zwischen wel« chen die andern in lyrischer Unordnung nach dem Plane der Natur gedeihen. Fasanen in elner eigenen umzäunten Abtheilung, Heerden von Hirschen, die hier beynahe zahm sind, Kühe und das zahllose Heer von Vögeln, Eichhörnchen und andern Haillbewohnern belebt die elnsa-men Gänge, während die besuchten Gegenden von genießenden Menschen wimmeln» Am Ende der Iagerzelle wird ein schönes Wasen« Parterre von schlanken Pappeln im Halb« Clrkel umgeben und bildet, vorne mit Geländern eingeschlossen, dle sogenannte Rondelle. Von lhr aus zjehen sich sechs gerade Alleen durch den Pca» ter und zerschneiden ihn fächerförmig in sechs Ab« thtilungen. Die erste dieser Alleen verbindet ihn mit dem Augarten, und biethet den weitesten Prospect, die bezauberndsten Aussichten dar. In ihrem Hintergründe sieht man das grüne Lusthaus, und rechts durch einen Aushau über die Dona» tief Hinein w das flache Land. Die zweyte führt zur Taborbrücke und steht ebenfalls mit dem Augarten ln Zusammenhang. Sie blent zur Commercial - Strasse; ln fortdauern, dem Zuge ist sie mit Lastwagen bebeckt, die von Norden herab kommen / und sodann durch die ge- «x H64 — genüberliegenbe Allee über die neue Franzens« Brücke ihre Richtung nach dem Hauptzollamte nehmen. Ctn ganz anderer Character bezeichnet die dritte. Sie wirb am wenigsten besucht, gewährt aber durch unqemeln schöne Gegenden, durch die zarteste Mischung des klebllchen und Düstern reichen Genuß. — Solche Gegenden können nicht Von vielen besllcht werden. Göthe's Iphigenie giebt lein volles Haus. Zwischen dieser und der vorigen Allee befin» det sich das sogenannte Stadlgut, eine schöne blchte Waldgegend mit den heitersten Ansichten d«r Donau, des Dammes und, wenn man den Spaziergang über diesen weller fortsehen will, auch der übrigen entfernteren Gegenden des Waldes. Die vierte Allee enthält deu Feuerwerks« platz, auf welchem jährlich von dem Kunstfeuerwerker Stuver vier bls fünf Kunstfeuer abgebrannt werden. Der Platz hiezu, auf welchem das hoke, pyramidenförmige Gerüste in einer beträchtlichen Fronte sich erhebt, ist eine ausgedehnte herrliche Wlcse mit hohen Bäumen umge» ben. Seitwärts unter ihrem Schatten lagern sich elnlae Wirthshäuser und im Hintergrunds befindet sich das Feuerwerk- Laboratorium. — 265 -" Von diesem Platze erhoben sick auch Robertson und Blanckard. E? wlrd gewöhnlich zu sol» chen öffentlichen Spectakeln gewählt, die tlnen großen Raum erheischen. Der lebhafteste, oder vielmehr getümmel-reichst? Theil des Praters liegt zwischen dieser und der folgenden Allee. Eine Stadt von Bier« und Weinschenken Ilegt mlt ihrer wandelbaren, schr starken Bevölkerung unter den friedlichen Bäumen zerstreut. Hier finden sick Kegelbahnen, Ringelspiele, Schaukeln, Musiken aller Art, Scheiben-schießen, Manonettenspiele und viele andere Volksbelustigungen. Die ganze, außcr der schönen, exlsilrenbe und freubebedl'irftlge Welt versammelt sich unter den Schatten dieser Bäume. Da erlustlget sich mlt leuchtenden Augen da5 Volk der Phäaken; immer ist Sonntag, es dreht immer am Heerd sich der Spieß. Die anziehender« Gegenstände dieser Abthel-lung sind: das schöne, ehemahls dem Fürsten Galllzln gehörige Gebäude glelch am Eingänge. Es ist gegenwärtig im Besitz« des kaiserlichen Hofes, welcher einen geschmackvollen Garten dabey anlegen ließ. Der Thurm von Gothenburg, snach dcr beliebten Oper so genannt) auf wel, chem man e-ne überraschende Aussicht genießt, und eine Camera obscura, ein Cabinet zum Hlnaufwlnden und Herablassen, ja sogar eilsi — 266 — Naturalien- Sammlung findet. Mehrere Ca-roussels (Ringelspiele) worunter elnes mit einem künstlichen Flötenwerke. Das Gebäude mit einer Camera ooscura und dem Panorama von Prag, welches wirklich, besonders bey frühem Morgen besehen, nichts zu wünschen übrig läßt; einige physikalische Belustigungen, endlich unter der großen Zahl von Wirthshäusern mehrere von freundlichem Ansehen, wo man wirklich gute Gesellschaft unk Bedienung trifft; so z. B. der wilde Mann, der Einsiedler, der Ba-herl (soll heißen Papagey) und der Eisvogel mit seinem artigen Gärtchen. Die fünfte Allee, auch Haupt - Allee genannt, lst die Favorite der schonen Welt. Sie besteht aus einer vierfachen Reihe von 1134 uralten schattlchten Kasttenbäumen. An sie schließen sich zur Linken drey Kaffehäuser mit niedlichen Nebingebauden und Salons, regelmäßige^ Baumpfianzungen und einer großen Menge von Tischen, Sopha's und Sesseln, wo Damen und Herren sich auf mancherley Art erquicken. ' Zwischen dieser Met und der sechsten, lst eln ungeheuerer Raum mit schönen Wiesen, mah, lerischen Baumgruppen und lieblichen Ufer» Par-thleen an der Donau geschmückt. Hier treiben ble Hirsche sich im Schatten oder auf sonnlgen Stellen herum; Raby, krächzen, Eichhörnchen - .67 - springen von Vaum zu Baum. Elne sehr hübsche Brück« führt über dle Donau zu den Anlagen des Grafen Rasumovsky hinüber, dessen Palals allmählich wie ein Feenschloß aus den Umgebungen aufsteigt. Am südöstlichen Cnde des Praters, dessen Länge in dieser Richtung beynahe zooo Klafter betragt, ist dicht an einem Arme der Donau, deren Auen sich hier in üppiger Fülle znm Auge drängen, das sogenannte grüne Lusthaus gelegen, eln freystchenoer, runder Pavillon mit zwey übereinander liegenden luftigen Sälen, und von Aussen mit Gallerlen umgeben, dle auf Säulen ru» hen. Ehemahls war es eln Jagdhaus, wle es dle an den Ecken angebrachten Hirschgeweihe andeuten. Joseph ll. ließ es aber in selner jetzigen geschmackvollen Form dem Publikum öffnen. Ein Halbzlrkel von fünf mit Alleen besetzten Wasen» Plätzen schließt es von der einen Seite eln, von-der andern begrenzt es die Donau. Man lan» Erfrischungen aller Art hier finden, und die Aus°> sicht auf den Ctrom mit ftlnen Inseln, und den vorsber gleitenden Schiffen ist äußerst angenehm. Eine der gegenüberliegenden Auen enthält eln k. k. Gestütte. Im zehnten Jahrhunderte schon kommt der Prater unter dieser Benennung vor, welche einige von rratum (Mese), andere vo» ?lk,e stets mlt frischem Wasser zu bespritzen, man verwandelte den sonst offenen Rinnsall ln einen gedeckten Canal. Die den Wirthen ertheilte Schi ükgerechtlgkelt lockte sie zahlreich ln den schönen WM, und 1777 brannte Stuwer seln erstes Feuerwerk ab. Immer mehr fühlte baS Publlcum die Vorzüge des reltzenden Aufenthal« tes, und dle Fremden theilten dieses Gefühl mit lhm. Aber dennoch gewährt er lm Maymonb den höchsten Genuß; denn ln diesem haben die Vornehmen und Retchen noch nicht ihre Villa's —' 269 ^ bezogen, die Versammlung ist zahlreicher und glänzender, und d!e Me„ge der Equipagen, oft Mlt man Ihrer Mthr als 1500, die geschnnick-ttn Reiter, und das gallonlrte Gefolge wacht die Scene äußerst frappant. »— «?H — Ztthatt des vierten Theiles. Gelte ^?as k. k. Lustschloß LaMburg und felne Sehenswürdigkelten bey Wien ln Oester» relch unter der Ens ... 3 Die Festung Sternberg ln Böhmen . 3« Dle Ku"stuhr am Rathhause zu Ollmütz inM/ihren ..... 5z Der gräflich Orhische Garten zu Pesth ln Ungern ...... 63 Dle Klementlner ln Syrmlen . . ^5 Die Fogarascher Brücke in Siebenbürgen 86 Der Schloßberg zu Grütz ln Steyermark 9K Selte Der Paltast des Fürstbischofes don Gurt zu Klagenfurt ln Karnthen . . Y3 Die ^ochscheer ln K^aln ... ivi Die Festung Hohensalzburg im Herz?g- thume Salzburg . . . . liz Der Kahlenberg bey Wien jn Olstjrreich unter ber Ens . ... »24 Das k. Mlnerallen-Kabinet zu Wien ln Oesterreich unter der Ens . . 133 Das Bcrgschloß Karlsteln und selne Merk, Würdigkeiten ln Böhmen . < 135 Ueber das Reisen in Galizlen . ^ ,73 Die Bergsiadt Topfchau in Ungern . 176 Die Quasi-Cretlns zu Gray ln Gtcyer, mark . . . < . . ,84 Die Buchberger Bauern ln Oesterreich unter der Ens.....,83 Die k k. priv. Kunstgallerie am Rothen-thurm Thor zu Wien ln Oesterreich un« ter der Ens ..... ,^7 Der Garten bey Gratzen ln Böhmen . 200 Die alte Feste Nauheneck bey Baaden ln Oesterreich unter der EnS . .207 Der Park zu Schönau und selne Sehens« würbigtelten bey Wlen ln Oesterreich unter der EnS .... ?,z Seit» Das Denkmahl Kaiser Ioseps II. zu Mill in Oesterreich lmter der Ens . . 228 Der Park zu Schönhof in Böhmen . 243 Die pohlnlschen Bauern ln Galizieu . 251 Der Prater zu Wlen in Oesterreich unttr der Ens ..... 262