£>t- X - l > * Ordensleute und Zöglinge des „Josefinums" (x Hochw. F. M. Raffeiner, F. S. C.). Heft 3 Stern der Neger 40 Stern der Neger Heft 3 heit an seine Umgebung richtete. Er war sich dabei bewußt und gab dieser Überzeugung auch Ausdruck, daß er von der ganzen Christenheit gehört würde. Seine Worte kamen aus einem Apostelherzen, waren eingegeben und getragen von Missionsbegeisterung, deshalb sind sie auch so warm und dringen ins Herz. Die Rede ganz zum Abdruck zu bringen, erlaubt uns nicht der gedrängte Raum dieser Zeitschrift. Möge aber der Auszug derselben unseren werten Lesern die Begeisterung für die Missionsarbeit zu neuer Glut entfachen, sie aufmuntern, ihr Missionsinteresse noch mehr wie bisher durch Unterstützung der Missionen in Gebet und Almosen zu betätigen. „. . . Nächst der Ehre Gottes haben wir diese Ausstellung gewollt aus Liebe zu den Missionären, zur Ehrung jener Helden, die in so großer Anzahl, an so schwierigen und arbeitsreichen Posten Tag für Tag den schönsten, verdienstreichsten und heiligsten der Kämpfe ausfechten. Zu ihnen eilen in diesem Augenblicke unsere Gedanken. Mögen die Schutzengel der Missionen, so bitten und beten wir, mögen die Schutzengel der Missionäre, wo es auch immer sei und wo immer auch für Glauben und Religion gearbeitet wird, sie das Erhabene dieses Augenblickes empfinden, sie fühlen lassen, daß unser Vaterherz mit ihnen schlägt, daß sie in unserer Mitte sind und daß ihnen in besond erer Weise dieser schöne und erhabene Augenblick gilt. Wir haben diese Missionsausstellung gewollt, weil wir beabsichtigten, in heiliger Weise die herrliche Gelegenheit nutzbar zu machen, die das Heilige Jahr und das Jubiläum bieten. Diese werden aus allen Weltteilen zahlreiche Scharen unserer treuen Söhne an unser Vaterherz führen. Wir wollten ihnen nicht nur dieses Fest für Auge und Herz, für Glaube und Vernunft bereiten, sondern ihnen auch einen Gegenstand tiefer Erwägung vorlegen. Sehen sollen sie alle, wie in einem großen Gesicht, dies unermeßliche Werk, diese große Sache, die heilige Missionsarbeit sehen, den ganzen Umfang dieses Werkes und seine volle Bedeutung vor Gott und den Völkern. Und bei diesem Anblicke sollen sich dann ihre Herzen und Gemüter entzünden in einer immer größeren und tatkräftigeren Liebe zur Unterstützung dieses großen Werkes. Das, was die Gläubigen für die Missionen tun, und die Missionsunterstützung, die von überall herkommt, sind derart, daß wir dafür Gott nicht genug danken können; aber, wie sich das Missionswerk immer weiter entfaltet und ausdehnt und wie mit der Missionsverkündigung sich immer weiter ausdehnen die Räume der Wahrheit, so müssen auch wachsen die Räume der Liebe, dieser notwendigen und unersetzlichen Mithelferin und Mitarbeiterin. Ja, wir bitten um die Unterstützung der Missionen. Vor allem und über alles die Unterstützung durch das Gebet, denn das Missionswerk ist kein Menschenwerk, und um es zu vollbringen, kann aller Reichtum rein menschlicher und irdischer Mittel nicht genügen. Es ist ein übernatürliches, himmlisches, göttliches Werk und die Hauptkraft, die vollwertige Hilfe kann nur von Gott kommen. Deshalb legte unser Heiland Jesus Christus auf die Lippen aller das Gebet: ,Zu uns komme dein Reich/ Das ist das Motto, der Wahlspruch aller Missionäre. Das ist das Gebet, das alles umfaßt, was die Kirche erstrebt hat und erstreben will: ,Zu uns komme dein Reich!" Ferner erbitten wir die Missionshilfe des Geistes, der Tat und auch des Almosens. Wir sprechen von diesen Hilfsmitteln in der festen Zuversicht, von allen gehört zu werden. Wir würden uns verfehlen gegen eine elementare Dankespflicht dem barmherzigen Gott gegenüber und gegenüber so vielen Menschen, die guten Willens sind, wenn wir diese Zuversicht nicht nährten und bekundeten. Wir sprechen so, weil uns die Pflicht drängt, ein Wort des Dankes zu sagen für die großmütige Unterstützung, die wir fortgesetzt von allen erhalten. So wie die Bedürfnisse in Zahl und Größe wachsen, so strömt auch immer großmütiger und reichlicher das Almosen der Liebe. Mit diesen Gefühlen gehen wir an die Eröffnung der Ausstellung. Aber zuvor wollen wir aus der Fülle des Herzens den Segen spenden, den das Werk und der Augenblick von uns erheischen. Ja, wir segnen diese Ausstellung, das Gemeingut so vieler Hände, so vieler Herzen, so vieler Hingabe, so vieler Großmut. Unser Segen gelte in besonderer Weise allen und jedem einzelnen der Söhne und Töchter unserer Vorliebe, den Ordensmännern und Ordensfrauen. Unser Segen steige herab auf alle, die herbeieilen werden, um das zu schauen, was so viele Opfer und so viele Hingabe ihnen bereitet hat; er steige auf sie herab, damit sie im Schauen erkennen, im Erkennen bewundern, im Erkennen und Bewundern immer mehr als Mitarbeiter Gottes selbst das Werk unterstützen, das die göttliche Gnade, die göttliche Vorsehung, die göttliche Wunderkraft immer lebendiger und segensreicher in Gottes Kirche erhält und erhalten wird." rtgonalcL Eine Erzählung aus dem Missionsleben. (Schluß.) it Üjinige Stunden später war dunkle Nacht und unheimliche Stille _____j lagerte über den Hütten. Da schreckte Troinmelschlag alle aus kurzem Schlaf. Es war das Zeichen, daß Molo sich anschickte, den Übeltäter ausfindig zu machen, der die Seele der alten Adud „verschluckt" hatte. Der Zauberer ging von Hütte zu Hütte und schlug mit seinem Stabe an jede Tür, daß es innen widerhallte. Die Hütte des Den war die letzte. Der Alte lag auf seiner Strohmatte und horchte erregt nach jedem Laut, der von außen kam. Deutlich vernahm er die Schritte des Zauberers. Immer näher und näher kamen sie seiner Hütte und jetzt ertönte im Innern der Schlag des Zauberstabes — einmal — zweimal — und dann rief der schreckliche Molo einen Namen in die Stille der Nacht hinaus: „Ngonala!" Und dieser Name preßte dem armen Knaben das Herz zusammen vor Angst und Entsetzen. Hilfesuchend blickte er bald auf den Vater, bald auf die Mutter. Doch auch diese hatte der Schrecken erfaßt, aber nur einen Augenblick. Dann stürzten sie sich in blinder Wut wie wilde Tiere auf ihr armes Kind, das sein Gesicht schützend in den Händen barg und unter den grausamen Schlägen weinend nur das eine Wort stammelte: „Mutter!" Kaum graute der Morgen, so versammelten sich die Dorfbewohner vor der Hütte des Häuptlings. In ihrer Mitte lag Ngonala, das arme Opfer heidnischen Aberglaubens. Sein kleiner Körper zeigte unzählige Spuren der grausamen Mißhandlung von seiten seiner Eltern. Vom Rat der Alten wurde das Urteil gesprochen: es lautete auf Tod im Wasser. Und nun fielen sie von neuem über den Kleinen her, schlugen und traten ihn mit Füßen. Da ging eine Bewegung durch die erregte Menge, man ließ ab vom Knaben und schaute neugierig auf den Missionär, der sich schnell dem Platze näherte. Der Häuptling trat ihm grüßend entgegen. „Warum dieser Lärm und diese Erregung?" fragte ernst der Pater. „Abuna, Ngonala hat die Seele meiner Großmutter gegessen. Molo, der große Zauberer, hat es gesagt, darum muß er im Wasser sterben." Da drang auch schon die schwache und rührende Stimme des Opfers aus der Menge: „Abuna, rette mich, man will mich töten." Und nun sah ihn der Pater, wie er blutend am Boden lag und bittend seine Hände ihm entgegenstreckte. Hier hieß es schnell handeln, wenn er überhaupt noch helfen konnte. Zum Häuptling gewandt, bat er: „Führe mich in deine Hütte, ich muß mit dir sprechen", der lärmenden Menge aber rief er drohend zu, sie sollte es nicht wagen, das arme Kind noch länger zu quälen. „Was kann dieses Kind getan haben?" fragte er den Häuptling, als er mit ihm allein war. „Abuna, du kennst den Knaben nicht, so klein, wie er ist, ein so großer Bösewicht ist er. Wer weiß, wie viele Seelen er bis zu dieser Stunde schon gegessen hat. Jetzt haben wir ihn endlich gefangen und nun muß er sterben." — „Gib mir das Kind, ich gebe dir die Ver- sicherung, daß es keine Seele mehr essen wird." — „Nein, Abuna, du bist gut, erwirb dich täuschen. Er muß sterben." Es half kein'Bitten und es half kein Drohen: „Abuna, wenn du ihn etwa forttragen willst, werde ich ihn noch in deinen Armen töten." Da war alles vergebens. Aber wenigstens sprechen wollte er das Kind. Das gewährte ihm der Häuptling, doch warnte er ihn: „Abuna, halte dich nicht lange bei ihm auf, sonst kann ich dich nicht vor der Rache meiner Leute schützen, du siehst, alles ist bereit." In der Tat, es war höchste Zeit. Die Unmenschen umringten lärmend das kleine Opfer, stürmisch seinen Tod fordernd. Selbst Den und seine Frau, die unnatürlichen Eltern, schmähten und schlugen es. Da trat der Pater aus der Hütte und man machte ihn: Platz. Er setzte sich an die Seite des Unglücklichen, während die anderen ungeduldig um ihn herum standen. Mit einem unsagbaren Ausdruck der Dankbarkeit schaute der Kleine dem Priester ins milde Auge. Als er aber hörte, daß auch der Abuna sein trauriges Los nicht abwenden könne, machte sich sein Schmerz in herzzerreißendem Schluchzen Luft und seine kleine Brust hob und senkte sich in siebernder Hast. Das blutige Köpfchen barg er traurig an der Brust des Missionärs, der ihm vom Heiland und seiner Liebe erzählte. Das war süßer Tau, der sich kühlend auf das heiße, wunde Herz des Knaben niederlegte, und immer mehr wuchs sein Sehnen, mit dem Heiland durch die Taufe verbunden zu werden. „Willst du getauft werden, Ngonala?" — „Abuna!" Das war die einzige Antwort,-aber in dem Ausdruck, mit dem er das Wort sprach, lag seine ganze Seele mit ihrem heißen Verlangen nach Liebe und Glück. „Alois, Maria, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." Der Kleine war selig, glücklich, trotz der Schmerzen, trotz konnte den Satz nicht mehr vollenden. Die mühsam zurückgehaltene Wut und Mordlust der Neger brach plötzlich durch, gewaltsam drängten sie den Pater zur Unser Missionshaus in Brixen. SB Diü DO DO BB DO SB □o des nahen Todes. Der Missionär wischte ! Seite, warfen sich auf den Knaben, banden ihm mit einem weißen Tüchlein die nassen ihm Hände und Füße und schleppten ihn und blutigen Augen aus und fragte ihn: | dein nahen Flusse zu. Noch einmal gelang „Alois, willst du, wenn du jetzt in den es dem Pater, sich zu dem Neugetauften Himmel kommst, für mich . . .?", doch er Bahn zu brechen: „Mut, mein Sohn!" rief er ihm zu. „Abuna, ich werde für dich im Himmel beten!" Traurig, daß er gegen die Unmenschen machtlos war, blieb der Pater zurück. Die Menge war am Fluffe angelangt. Aus der Ferne hörte der Missionär erneuten Wutausbruch. Und jetzt schnitt der Todesschrei des armen kleinen Opfers ihm ins Herz; er hörte den Aufschlag des Körpers auf die Wellen, der ihm sagte, daß sein kleiner Freund im nassen Grabe mit dem Tode rang. Ein inniges Gebet um Hilfe für ihn entrang sich seiner gepreßten Brust und ein noch heißeres Flehen, daß der Herr diesem armen Volke die Augen öffne und es befreie aus der furchtbaren Gewalt des Aberglaubens und seiner ärgsten Feinde, der Zauberer. fr * Flus der Ndissionsgeschichte Japans. ^ * ¥ W (Fortsetzung.) J ^as Auftreten des heiligen Missionärs und sein wunderbarer Erfolg wirkten in den Kreisen der Götzenpriester wie eine gewaltige Bombe. Wie einst zur Zeit Christi die Pharisäer sich um so mehr erregten, je mehr das Volk sich um den Heiland drängte, so geschah es auch hier. Es war wohl weniger der Schmerz über den Abfall von der Lehre, als vielmehr die Verminderung des vom Volke ihnen dargebrachten Almosens, was sie in Harnisch brachte. Der Umstand, daß auch der Landesfürst, wenngleich kein Christ, so doch ein Gönner Franz Xavers wurde, schlug dem Faß vollends den Boden aus. Indes war es den Bonzen nicht entgangen, daß der Fürst dem Missionär soviel Spielraum ließ, nur weil er aus dem Handel der portugiesischen Kaufleute beträchtlichen Gewinn zog. Sie sandten also eine Deputation zu ihm, die sich anmaßte, int Namen aller japanischen Götter zu reden: „Die Götter der Heimat sind erzürnt. Sie wollen, daß wir den Staub von unseren Füßen schütteln. Wohin sollen wir nun gehen? Unsere Götter verlangen nach Tempeln, wo sie ungestört thronen und ihre Huld den Menschen er- weisen können. In diesem Lande, dem sie bei ihrem Auszuge fluchen werden, ist für sie kein Platz. Ein fremder Abgott will sich ja hier auf den Thron setzen und keinen andern neben sich dulden. Wie sollen da die einheimischen Götter nicht zürnen, zumal auch der Fürst selbst den fremden Sonderling liebt! Werden die Untertanen nicht dem Regenten die Schuld beimessen, wenn die Rache der Götter über dieses Land hereinbricht? Werden sie sich nicht erheben und die Treue vergessen gegen den, der sie den Göttern nicht gehalten? Wie wird die Zukunft über einen solchen Fürsten urteilen?" Diese Reden waren geschickt gewählt und verfehlten nicht, Eindruck auf den Fürsten zu machen. Allein der Handelsvorteil war zu wichtig für ihn; er wußte ja ganz gut, daß eine Kampfansage an die portugiesischen Missionäre auch eine Kriegserklärung an die portugiesischen Kausleute zur Folge haben würde. Er hielt es also für klug, mit den portugiesischen Kaufleuten auf gutem Fuße zu stehen und die Missionäre gewähren zu lassen, ohne aber das frühere Interesse für sie zu zeigen. Nun hatten die Portugiesen hundert Meilen nördlich einen günstigeren Handelsplatz entdeckt und eilten dorthin, Geschäfte zu machen. Als der Fürst sah, daß ihm sein Vorteil entgangen, warf er die Maske ab. Die Missionäre wurden auf alle Weise bedrückt und den Untertanen bei Todesstrafe verboten, dem Christentume sich zuzuwenden. Alle Versöhnungsversuche blieben erfolglos. 3£croer zog es daher vor, den Samen des Christentums auf fruchtbareren Boden auszustreuen. Er begab sich nun in das Gebiet des Fürsten von Bungo. Schon nach kurzer Zeit konnte er zahlreiche und schöne Erfolge seiner Bemühungen ernten, die aber auch hier den Neid und Haß der Bonzen erregten. Um seine Wirksamkeit zu unterbinden, wollten sie ihn als ungebildet überweisen und ihn so lächerlich machen. Bei den Japanern begründet nämlich Wissen ein mächtiges Ansehen. Damals lebte in einem der Bonzenklöster ein durch seine Wissenschaft allgeachteter Götzenpriester. Über dreißig Jahre lang hatte er an allen Schulen Japans gelehrt, bevor er sich in die Stille des Klosters zurückgezogen hatte. Er sollte nun den Sturmbock abgeben gegen den Einfluß des fremden Priesters. Mit Freuden nahm er den Auftrag an, denn er war ganz sicher, daß er den verhaßten Ausländer ein für allemal kaltstellen würde. Franz Xaver befand sich gerade beim Fürsten von Bungo, der dem Christentum aufrichtig gewogen war, und wollte sich verabschieden, da er am nächsten Tage nach Indien zurückzufahren gedachte, als der Götzenpriester mit sechs Gefährten ankam. Sie ließen sich sofort beim Fürsten melden und wurden auch in Gegenwart des heiligen Missionärs empfangen. Als sie nach drei tiefen Verbeugungen, mit denen der Japaner ja freigebig ist, um ihr Begehren gefragt wurden, antwortete der Führer mit einer unverkennbaren Miene der Überlegenheit und des Hochmutes: „Allergnädigster Fürst, ich bin hieher gekommen einzig und allein, um diesen ausländischen Priester zu sehen, bevor er von Japan abreist, und aus seinem Munde etwas von der Lehre zu vernehmen, die er aus einer andern Welt hiehergebracht." Dann setzten sich alle nach Landessitte auf den Boden und alsbald kam der geistliche Streit zum Ausbruch. Der Götzenpriester betrachtete Franz Xaver mit großer Aufmerksamkeit und schaute ihn verwundert an, wie man es bei einer Person macht, die man lange nicht mehr gesehen hat, und fragte ihn dann mit geheuchelter Verwunderung, ob er ihn denn gar nicht mehr erkenne. Der Heilige erwiderte ihm: „Deine Gesichtsbildung ist mir völlig unbekannt. Ich erinnere mich nicht, dich je gesehen zu haben!" Da lachte der Bonze hell auf und sprach: „Nun, wer mich nicht kennt, wird in Japan wenig ausrichten." Dann wandte er sich wieder unmittelbar an Franz Xaver und fragte so von oben herab: „Hast du noch Stücke von dem Tuch, von dem du mir damals in Frenajoma verkauft hast?" Der Heilige wußte nicht, was der Götzenpriester eigentlich wollte: „Solch dunkle Worte sind mir unklar. Ich weiß nichts von einem Kaufhandel mit dir, noch habe ich die Stadt Frenajoma je gesehen." Lächelnd versetzte der Japaner: „Du kannst dich dessen nicht mehr erinnern. Du hast offenbar ein sehr schlechtes Gedächtnis." Die Sache wurde immer rätselhafter für Franziskus und so meinte er höflich: „Wenn ich das vergessen haben sollte, so erkläre dich doch näher darüber." Nun begann der Bonze mit wichtiger Miene: „Es sind bereits 1500 Jahre verflossen, seit du mir in der Stadt Frenajoma 100 Stück Seidentuch verkauft und dafür eine große Summe Geldes erhalten hast." Franziskus fragte auf diese überraschende Behauptung hin, wie hoch er denn sein Lebensalter schätze? Der Bonze gab nun die Antwort: „Du wirst wohl 5ü Jahre alt j gangenen Dinge besser unterrichtet als ihr über die Gegenwart. Wisse demnach, daß 1 diese Welt nie einen Ansang gehabt hat und nie ein Ende nehmen wird. Die Seelen der Menschen sind unverweslich, die Macht des Todes erstreckt sich allein auf den Leib. Unter dem Einfluß von Sonne, Mond und Sternen, die einzeln und in ihrer gegenseitigen Stellung immer wechseln, wirken sein." „Wie ist es aber dann möglich, daß du vorgeben kannst, du hättest von mir vor 1500 Jahren Seidentuch gekauft und zwar in einer Stadt Frenajoma, die damals noch gar nicht bestanden hat? Sagen nicht eure eigenen Geschichtsbücher, daß Japan vor 1000 Jahren ein unbewohntes Land war?!" Daraufhin ließ der Bonze seine große Gelehrsamkeit vom Stapel: „So höre also, ich will dir über alles einen umfassenden Unterricht erteilen. Wir Japaner sind ja ohnehin über die ver- die Seelen in verschiedener Weise auf den Leib und bewirken so die Ungleichheit der Menschen. Wenn ein Leib zerfällt, so zieht die Seele aus und sogleich in einen andern hinein. Falls nun eine Seele mit einem guten Gedächtnis begabt ist, wie zum Beispiel die Seele, die meinen Leib zum Wohnsitz sich erwählt hat, so wird sie sich an all das erinnern, was sie in den früheren, von ihr bewohnten Leibern und in vergangenen Zeiten erlebt und erfahren hat. Jene Seele hingegen, bei der die Bildungskraft schwach und blöde ist wie die deinige, läßt die ganze Vergangenheit wie Nebel und Schaum zurück." Was der Götzenpriester hier zum besten gab, war somit nichts anderes als die Lehre von der Seelenwanderung, wie sie dem hl. Franz $croer aus den Darstellungen der größten altheidnischen Weltweisen bekannt war, und die er als Lehrer der Philosophie mitschlagenden Beweisen widerlegenkonnte. In der Tat gelang ihm dies so vortrefflich, daß der Fürst und die Höflinge ganz überrascht ihren Beisall ausdrückten. So hatte denn der Bonze das gerade Gegenteil von dem erreicht, wozu er gekommen war. Wie von einer Tarantel gestochen fuhr er auf und schimpfte und schrie gegen Franziskus und die christliche Lehre. Als der Fürst ihn zu besänftigen suchte, spie er Gift und Galle auch gegen ihn, so daß dieser sich genötigt sah, den wütenden Mann aus dem Palaste zu verweisen, indem er ihm noch die Drohung zurief: „Wärest du kein Priester unserer Götter, so würde ich dir den Kopf vor die Füße legen lassen." Die Bonzen betrachteten die Behandlung, die ihrem Oberhaupt zuteil wurde, als eine große Schmach. Wie Unsinnige liefen sie noch in der Nacht durch die Straßen, um das Volk gegen Franz und den König aufzuhetzen. Am nächsten Morgen blieben alle Tempel geschlossen. Anschläge verkündeten den Betern, daß die Götter Rache nähmen und alle Opfer verschmähten, bis ihnen Genugtuung geleistet würde. Das Volk, in seinen tiefsten Gefühlen verletzt, rottete sich zusammen und murrte laut gegen die Begünstigung der Christen durch den Fürsten. Auch hier hatte es bereits den Anschein, als ob die Arbeit des Heiligen vergeblich gewesen wäre. Indes kam es durch Gottes Fügung zu einer segensreichen Wendung. (Fortsetzung folgt.) 01aubensfef)nfud)t in der Fteidenrveli ^jer deutsche Benediktinermissionär P. Bonif. Sauer schreibt aus Söul, der Hauptstadt Koreas: „Viele ganz heidnische Dörfer bitten um katholische Missionäre, die überall ein ganz außerordentliches Vertrauen genießen, und ersuchen sie, bei ihnen eine katholische Schule einzurichten. Man muß sie abweisen, weil keine Lehrkräfte zur Verfügung stehen, obschon sich die Leute bereit erklären, die Lehrer zu bezahlen." Ein sehr dankbares Missionsgebiet ist, laut Aussage des dortigen. Apostolischen Vikars, die Mongolei: „Seit 30 Jahren habe ich Ähnliches nicht gesehen. Es ist ein. wahrhaft reicher Fischfang. Ganze Ortschaften treten zur Fahne Christi über und zeigen ihren ernsten Wil- len, mit dem Heidentum zu brechen, dadurch, daß sie mit eigener Hand ihre Pagoden zerstören und die Götzenbilder ins Feuer werfen. Täglich melden sich neue Katechumenen und bitten uni Priester und Katechisten. Daß es sich nicht bloß um eine vorübergehende Stimmung handelt^ beweist ihr Eifer im Erlernen des Katechismus, int Besuch des Gottesdienstesund ihre Eingewöhnung in ein wirklich, christliches Leben." AusderMissionvonMangalor,derWest-küste Indiens, berichtet ein Missionär: „Die Bewegung zum Christentum wächst mit jedem Tag. Von morgens früh bis abends spät ist der Weg zur Berghöhe, auf dem meine Kapelle und Wohnung stehen, nicht leer. Immerfort kommen Leute zum Unterricht." 15 Monate nach der ersten Bekehrung in der Telupumission von Haiderabad zählte man fchon 54 katholische Dörfer. „Die Leute selber kommen und bitten um die Taufe. Keine Woche vergeht, ohne daß ein neues Dorf sich meldet. Die Stunde der göttlichen Vorsehung hat für diese armen Heiden geschlagen." Vor einiger Zeit kehrte ein japanischer Universitätsprofessor von einer längeren 'Europareise zurück, deren Zweck war, die verschiedenen Religionen des Westens aus eigener Anschauung kennenzulernen. In mehreren öffentlichen Vorträgen, die er nunmehr in seiner Heimat hielt, zeichnete er die katholische Religion in den herrlichsten Farben. „Die katholische Kirche sei die machtvollste, vollkommenste, großartigste -religiöse Organisation, die die Menschheitsgeschichte kenne." Die Heidenseelen des dunklen Afrika scheinen sich ebenso der ausgehenden Sonne des Christentums öffnen zu wollen. Bischof Augouard, Apostolischer Vikar von Ubangi, schreibt: „Ein mächtiger religiöser Zug geht durch die zahlreichen Stämme des oberen Kongo. Dringend bitten sie um Missionäre. Manche 'Christen bieten sich aus freien Stücken als Katechisten an und die Einwohner mancher noch ganz heidnischer Ortschaften überraschen uns durch die Kenntnis der Gebete und des Katechismus. Angesichts dieser reifenden Frucht macht sich der Mangel -an Missionären doppelt fühlbar." „Der Zug nach der Mission", schreiben Missionäre aus Kamerun, „ist außerordentlich groß. Jeder Häuptling möchte einen Missionär in seinem Dorfe haben. Eine doppelte und dreifache Zahl von Patres fände Arbeit in Hülle und Fülle." Im Süden der Insel Fernando Po an der Westküste Afrikas ist einer der besten und begabtesten Stämme in seiner Gesamtheit zur katholischen Kirche übergetreten. Alle besuchen mit musterhafter Pünktlichkeit die Schule und den Gottesdienst. Sie selber haben aus eigenem Antrieb und aus eigenen Mitteln für den Priester ein Haus gebaut" usw. usw. Gewinnt in Anbetracht dieser Tatsachen nicht das Wort, das der Heilige Vater Pius XI. in seiner bekannten Pfingstpredigt 1922 sprach, noch doppelt und dreifach an Bedeutung: „Daß auch nur eine einzige Seele durch unsere Saumseligkeit, durch unseren Mangel an Edelmut verlorengeht, daß auch nur ein einziger Glaubensbote Halt machen muß, weil ihm die Mittel mangeln, die wir ihm verschaffen können, ist eine große Verantwortung, an die wir im Laufe unseres Lebens wohl nicht oft genug gedacht haben." Wer von meinen jugendlichen Lesern fühlt sich angetrieben, die Glaubenssehnsucht der armen Heiden stillen zu helfen? Wer will Missionär werden? Er wende sich vertrauensvoll an eines unserer Missionskonvikte, deren Adressen er auf der vierten Umschlagsseite findet. -Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Missionshaus der Söhne des heiligsten Herzens Jesu in Graz, Paulustor-.gasse Nr. 10. — Verantwortlicher Schriftleiter: Isidor Kronsteiner, Laienbruder in Graz, Paulustorgasse Nr. 10. — Universttäts-Buchdruckeret „Styria" in Graz.