Die Musik am Anfang des 20. Jahrhunderts in den Kirchen Ljubljanas Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Ljubljana, Hauptstadt des Herzogtums Krain, zur Zeit der habsburgischen Monarchie ca. 50000 Einwohner. Nach der Zerstörung durch das große Erd-beben von 1895 entstand eine neue, größere und moderne Stadt. Ljubljana war schon seit 1461 Sitz eines Bistums und bildete ein Stadtdechanat mit 5 Stadtpfarrern: im Zentrum der Stadt beim Dom (St. Nicolai) die Kirchen St. Jakob und Mariae Verkündi-gung mit dem Franziskanerkloster sowie die Pfarren St. Peter und St. Johannes in Trnovo. Neben den katholischen Pfarren existierte seit 1851 in Ljubljana eine protestantische Gemeinde. Hier wirkte von 1852 bis 1869 Pastor Theodor Elze. Sein Vetter, der auch Theodor Elze (eigentlich aber: Carl Friedrich Clemens Theodor) hieß, wirkte ebenfalls in Ljubljana und hinterließ zahlreiche Kompositionen. Sich selbst bezeichnete er als „Organist und Musiklehrer in Laibach“. In der National- und Universitätsbibliothek Ljubljana sind Responsorien für Männerchor in einer Handschrift aus dem Jahre 1881 für die evangelische Kirche in Ljubljana erhalten. Besonders die 3 erstgenannten Pfarrkirchen wurden für die kirchliche Musik wichtig, da hier bekannte Musiker wirkten. Der Komponist und Organist Anton Foerster war Regens Chori an der Domkirche. An St. Jakob wirkte der Komponist und Dirigent Fran Gerbiè und am Franziskanerkloster der Komponist P. Hugolin Sattner. Alle 3 Musiker nehmen einen ehrenvollen Platz in der Musikgeschichte Sloweniens ein. Anton Foerster und Hugolin Sattner waren überzeugte Cäcilianer, die auch in diesem Sinn ihre kirchlichen Kompositionen schrieben. I Anton Foerster war der zweite Sohn des ebenfalls bekannten Kantors Joseph (1804-1892) aus dem nordböhmischen Dorf Osenice. Es wurde berichtet, dass zu seinen Aufführungen in Osenice auch auswärtige Besucher kamen. Als er sich 1877 in Prag in den Ruhestand begab, veranstaltete die Dorfgemeinschaft eine rührende Abschiedsfeier mit einem Zug von 40 weiß gekleideten jungen Mädchen, die ihm einen Lorbeerkranz mit slawischer Trikolore überreichten, mit Festreden – und natürlich mit Musik. Sein Sohn Joseph („Prager“ Joseph) war der berühmte Komponist und Theoretiker, der als Organist am St.-Veits-Dom wirkte. Dessen Sohn Joseph Bohuslav, der bekannteste Vertreter der Familie, schrieb Opern, Symphonien und Chöre. Als Freund Gustav Mahlers hinterließ er wertvolle Erinnerungen an diesen. Anton(in) Foerster, „der Ljubljanaer“, wurde 1837 in Osenice geboren. Entsprechend der Familientraclition war der Musikerberuf gleichsam Verpflichtung. Als ehemaliger Schüler Smetanas kam er 1865 zunächst nach Senj und 2 Jahre später nach Ljubljana.1 Er hatte in Prag seine musikalischen Grundlagen erhalten und wurde von Bedrich Smetana, bei welchem er sich in Komposition und Klavierspiel fortbildete, maßgeblich beeinflusst. In Ljubljana war Foerster zuerst Chorleiter im Leseverein und Kapellmeister beim Dramatischen Verein. Später unterrichtete er am 219 Die Musik am Anfang des 20. Jahrhunderts in den Kirchen Ljubljanas 1 Vgl. Vladimir Karbusicky, „Gorenjski slavèek (Krainer Nachtigall): Der Zwist, zwischen Heimat und Fremde“, in: Kunstgespräche – musikalische Begegnungen zwischen Ost und West. Festschrift für Primo Kuret, hg. Von Peter Andraschke und Edelgard Spaude, Freiburg 1998. Priester-seminar, an der Oberstufe des Gymnasiums und der Realschule. Außerdem erteilte er Privatunterricht. Im Jahre 1868 wurde er Regens Chori und Organist am Dom von Ljubljana, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1909 tätig war. 1877 wurde er Leiter und Lehrer an der im Jahre 1877 gegründeten Orgelschule. Von 1872 bis zu seiner Pensionierung hatte er die Redaktion der Musikbeilagen der kirchenmusikalischen Zeitschrift „Cerkveni glasbenik“ inne. Foerster starb im Jahre 1926. Als Komponist ist er noch immer populär, besonders mit seiner Oper Gorenjski slavèek (Krainer Nachtigall) aus dem Jahre 1872. Als Kirchen- musiker und Regens Chori begründete er die Erneuerung der Kirchenmusik am Dom. Sein Interesse galt vor allem den Komponisten, die sich dafür einsetzten. Seine Bemühungen stießen oft auf Widerstand. Das Repertoire aus den 1880er Jahren zeigt das Überwiegen von caecilianisch geprägten Kompositionen. Die caecilianische Bewegung stand im Gegensatz zu dem sich in dieser Zeit entwickelnden nationalen Bewusstsein. So benutzte Foerster in der Mehrzahl seiner kirchlichen Werke lateinische Texte. Das gilt für 10 lateinische Messen. Er schrieb zahlreiche instrumental-begleitete Messteile wie Offertorien, 60 Gradualien, 5 Tedeums, Motetten und viele andere kürzere lateinische Kompositionen. Nebenbei schuf er aber auch zahlreiche slowenische Kompositionen, u. a. auch Messen.2 Als Regens Chori verfügte Foerster über ca. 70 lateinische Messen. Es handelt sich sowohl um A-cappella- als auch durch Orgel oder Orchester begleitete Werke von überwiegend deutschen sowie einigen wenigen slowenischen Komponisten. Besonders für die Jahre 1900 und 1901 liegen genaue Aufführungslisten vor. Lateinische Messen Bauer (?) Benz, J. B. Broer, Ernst Brosig, Moritz Cannicciari, Pompeo Ett, Kaspar Foerster, Anton Foerster, Josef Gallus, Iacobus Greith, Karl Gruber, Josef Hahn, Theodor Haller, Michael Hasler Hladnik, Ignacij Horak, Emanuel Hribar, Angelik Joos (?) Kaim, Adolf Kempter, Karl Koenen, Friedrich Kravuèke (?) Mettenleiter, J. Georg 220 PRIMO KURET (1935) 2 Vgl. Foersterjev zbornik [Foersters Sammelband], hg. von Edo Škulj, Ljubljana 1998. Mitterer, Ignaz Martin Nešvera, Josef Palestrina, Pierluigi Rampis, Pankracij Santner, Carl Schaller (?) Schöpf (?) Schweitzer, Johann Skuhersky Franz Zdenko Stehle, G. Eduard Stein, Carl Škroup, Joh. Nep. Uhl, Edmund Witt, Franz Zangl, Josef Gregor Requiems Bauer Bibl, Rudolf Foerster, Anton Greith, Karl Gruber, Josef Haller, Michael Hladnik, Ignacij Hribar, Angelik Mettenleiter, Joh. Mich. Obersteiner (?) Panny, Josef Renner, Joseph Santner, Carl Schenk, Johann Stein, Jos. Tedeums Foerster, Anton Gruber, Josef Kempter, Karl Molitor, Joh. Bapt. Witt, Franz Unter den übrigen Werken befanden sich über 200 Gradualien, Offertorien und Motetten, mehr als 90 Tantum ergo. Ich erwähne hier auch einige Liederbücher, wie „Lauda Sion“ von Emil Nikel, 47 Gradualien de tempore und 60 De communi, die von Anton Foerster herausgegeben wurden. Slowenische Lieder sang man in den Stillenmessen u. a. aus der Sammlung „Cerkveni glasbenik“.3 Ein besonderer Höhepunkt war das Fest zum 25. Jubiläum des Papstes Leo XIII. in der Domkirche mit folgendem 221 Die Musik am Anfang des 20. Jahrhunderts in den Kirchen Ljubljanas 3 Cerkveni glasbenik [Der Kirchenmusiker] 1901, S. 38. Programm: H. Oberhoffer, Festpräludium für die Orgel (A. Foerster) M. Haller, Tu es Petrus, Männerchor mit der Orgel Slowenische Festrede J. Haydn, Du bist’s, dem Ruhm und Ehre gebührt, gemischter Chor Deutsche Festrede A. Foerster, Lobgesang an Leo XIII., gemischter Chor mit Tenorsolo und Orgel Tantum Ergo (Choral), einstimmig mit Orgel Jos. Modlmayer, Christkirche für einstimmigen Chor, Männerquartett und Orgel Bei dieser Gelegenheit vereinigten sich 4 Kirchenchöre aus Ljubljana mit mehr als 100 Sängern. Am 22. und 23. April 1903 hat der Komponist und Dirigent Paul Eugen Hartmann sein Oratorium Franciscus aus dem Jahre 1901 in der Domkirche mit dem gemischten Chor Glasbena matica (Chorleiter Matej Hubad), der Militärkapelle des k. k. Infanterieregiments Nr. 27 und den Solisten H. Kury aus Wien (Sopran), H. Holeczek aus Wien (Alt), Ernst Camarotta aus Zagreb (Tenor) und Alois Stejskal aus Wien (Bass) aufgeführt. Der Erfolg war groß und es gab für alle Aufführenden lobende Kritiken. Das Oratorium hat P. Hugolin Sattner zur Komposition eigener Oratorien (z.B. Assumptio) angeregt. Bei allen vokal-instrumentalen Konzerten wirkte die Militärkapelle. Ohne sie konnte man in Ljubljana in dieser Zeit keine vokal-instrumentalen Werke aufführen. Die Philharmonische Gesellschaft musste deshalb für fast jede Saison einen Vertrag mit der Militärbehörde abschließen. II Die zweitgrößte Kirche im Zentrum der Stadt war die Franziskanerkirche, wo P. Hugolin Sattner als Pfarrer und Chorleiter und P. Angelik Hribar als Organist wirkten. Sattner wurde in Novo mesto im Jahre 1851 als erstes Kind der Familie des österrei-chischen Postbeamten Franz Sattner und der Slowenin Alojzija Jutras geboren. Er nahm Unterricht in Klavier und Violine bei den Franziskanern in Novo mesto. Nach dem Besuch des Gym-nasiums trat er in den Franziskanerorden ein. Das Theologiestudium beendete er in Ljubljana. Dann wurde er nach Novo mesto zurückgeschickt, wo er als Organist, Lehrer an der Volksschule und Gesanglehrer am Gymnasium tätig wurde. 1890 erfolgte die Versetzung nach Ljubljana, hier wirkte er als Pfarrer und Guardian. Trotzdem entschloss er sich, bei Matej Hubad noch zusätzlich Musik zu studieren. Er bildete sich in einem Kurs bei Peter Griesbacher in Innsbruck weiter und durch das Studium der Instrumentation mithilfe seines ehemaligen Schülers in Novo mesto, Emil Hochreiter in Wien. Das versetzte ihn in die Lage, auch größere Werke wie die Oratorien Jiftachs Eid oder Assumptio, die Kantaten (meist mit Texten von Simon Gregorèiè) An den Ölbaum und An die Soèa zu komponieren. Erst in späten Jahren schrieb er die Oper Tajda und die Kantate In der Aschermittwochnacht. Er starb am 20. April 1934 in seiner Zelle des Franziskanerklosters zu Ljubljana.4 P. Angelik Hribar (1843-1907), obwohl weitgehend Autodi-dakt, war musikalisch gut gebildet. Er wirkte als Lehrer, Organist und Komponist an der Orgelschule. 222 PRIMO KURET (1935) 4 Vgl. Sattnerjev zbornik [Sattners Sammelband], hg. von Edo Škulj, Ljubljana 1995. Die Franziskaner verfügten über eine Fülle an Kompositionen. Für 1902 sind nachzuweisen: Lateinische Messen Archangeli (?), Missa in hon. S. Ambrosii; Missa in hon. S. Luciae; Missa Salve Regina; Missa in hon. S. Michaelis Archangeli Angelik Hribar, Missa Tota pulchra; Missa in hon. S. Josephi Ebner (?), Missa in hon. St. Joseph Filke, Max, Missa hrevis Foerster, Anton, Missa in hon. S. Caeciliae; Missa in hon. S. Francisci Seraph Haller, Michael, Missa septima Kaim, Adolf, Missa Jesu Redemptor; Missa in hon. S. Caeciliae Könen, Friedrich, Missa in hon. Trium Regum Lotti, Anton, Missa Mitterer, Ignaz, Missa Dominicalis Prima Palestrina, Pierluigi, Missa Papae Marcelli; Missa brevis Perosi, Lorenzo, Missa Patriarchalis Piel, Peter Paul, Missa amabilis Rampis, Pankracij, Missa Cunibert Schöpf, Fr., 1. und 2. Messe Schweitzer, Johann, Schutzengelmesse; Missa in hon. S. Aloisii Singenberger, Johann Baptist, Missa Stabat Mater; Missa in hon. S. Aloisii; Kind-Jesu Messe Stehle, J.G. Eduard, Preismesse Uhl, Felix. Lateinische Messe Fr. Witt, Missa XI. Toni; Missa in hon. S. Francisci Xav.; Missa in hon. S. Raphaelis Zangl, Jos. Gregor, Missa in hon. A. Antonii Requiems Brunner, Christian Traugott (?), Missa da requiem 3 Hribar, Angelik, Missa de Requiem i und 5 In den Messen sang man auch slowenische Kirchenlieder. Hugolin Sattner hat einen gemischten Chor mit Frauen- und Knabenstimmen – zusammen 36 Sänger und Sängerinnen – gegründet, der 2-mal wöchentlich probte. Dieser Chor hatte in der Kirche viel zu tun. Jeden Sonntag und Feiertag musste er 3-mal singen, im Mai jeden Tag nachmittags zum Maiglöckchen, außerdem bei den kirchlichen Ritualen im Advent, beim Fest von S. Franciscus usw. Allein im Jahr 1902 sang der Chor 48 liturgische Messen, u. a. von Josef Gruber (3), Friedrich Koenen, Ignaz M. Mitterer (2), Johann Singenberger, Eduard Stehle, Franz Witt und Jos. Gregor Zangl. 5-mal im Jahr trat er auch mit Orchester in Erscheinung. 1904 bestand der Franziskanerchor aus 7 Sopranen, 6 Alte, 3 Tenören und 8 Bässen. Neben den schon erwähnten Werken hat der Chor noch folgende lateinische Kompositionen gesungen: Ebner, Missa in hon. S. Joseph; Max Filke, Missa brevis; Josef Gruber, Missa Dominicalis; Michael Haller, Missa septima; Palestrina-Mitterer, Missa Papae Marcelli; Franz Witt, Missa XI. Toni, Missa S. Ambrosii und Te Deum mit Orchester. In den Messen wurden auch slowenische Kirchenlieder gesungen, meistens von Hugolin Sattner. 223 Die Musik am Anfang des 20. Jahrhunderts in den Kirchen Ljubljanas III Die dritte Pfarrkirche in der Stadt war St. Jakob, in der die Kir-chenmusik von 1899 bis Oktober 1910 von Fran Gerbiè geleitet wurde. Gerbic war ein außerordentliches Musiktalent, er hatte am Konservatorium in Prag Komposition und Operngesang stu-diert. Nach erfolgreicher Beendigung des Studiums begann seine große Karriere als Operntenor. Er war zunächst in Prag, Zagreb, Ulm und Lvov engagiert; in Lvov wurde er 1883 Professor am Konservatorium. Hier erhielt er das Angebot, in Ljubljana eine bedeutende Stelle im Musikleben der Stadt einzunehmen. Obwohl die Lebensverhältnisse in Ljubljana schlechter waren als in Lvov, ging er als professionell gebildeter Musiker nach Ljubljana, um seine Kräfte für die slowenische Musik auf verschiedenen Gebieten einzusetzen. Mit eigenen Werken konnte er die slowenische Musikliteratur bereichern. 1892 wurde er der erste Dirigent des neu erbauten Theaters in Ljubljana. Die ersten sakralen Werke hatte Gerbic schon als junger Student in Prag geschrieben, weitere folgten während seiner Tätigkeit als Regens Chori bei S. Jakob. Sein Bemühen um breiteres Wirken zeigen seine orchesterbegleiteten Werke.5 Er selbst nennt in der Zeitschrift „Cerkveni glasbenik“6 für den Zeitraum von 1899 Iris 1902 die Aufführung folgender lateinischer Messen: Messen Benz, J. B., Missa in honorem sanctae Caeciliae in B-Dur, op. 15 Brosig, Moritz, Missa quarta in f-Moll, op. 31 Foerster, Anton, Missa in honorem sanctae Caeciliae in D-Dur, op. 15 Gerbic, Fran, Missa in honorem Resurrectionis D.N.J. Chr. in G-Dur und e-Moll mit Orchesterbegleitung Gerbiè, Fran, Missa in honorem Beatae Mariae Virginis in C-Dur Haller, Michael, Missa duodecima in F-Dur, op. 27 Hladnik, Ignacij, Missa solemnis in G-Dur mit Orchesterbegleitung Ilorak, W. E., Missa sexta in d-Moll mit Orchesterbegleitung Hribar, Angelik, Missa „Tota pulchra es Maria“ in F-Dur Kaim, Adolf, Missa sancta Caecilia in F-Dur, op. 1 Kempter, Karl, Instrumentale Messe in D-Dur Molitor, Joh. Bapt., Missa in honorem St. Angelorum Custodum in H-Dur, op. 13 Perosi, Lorenzo, Missa „Patriarchalis“ in C-Dur, op. 11 Rampis, Pankracij, Missa Cuniberti in d-Moll Roth, Gothart, Missa in hon. Immaculatae Beatae Mariae Virginis in C-Dur Singenberger, Joh. Bapt., Missa in hon. Ss. Angelorum Custodum in e-Moll Stehle, J.G.E., Missa „Salve Regina“ in D-Dur (Presi-Messe) J.G.E. Stehle, Missa brevis in hon. B.M.V. in C-Dur, op. 50 Schöpf, Fr., Missa brevis in D-Dur, op. 45 Schweitzer, Joh., Missa in hon. B.M.V. in g-Moll. op. 14 Uhl, Fel., Missa in hon. S. Antoni Pad. in a-Moll, op. 51 Gradualien Anton Foerster, Gradualia, tractus et sequentiae op. 54 u. 60 Anton Foerster, Gradualia op. 60 224 PRIMO KURET (1935) 5 Vgl. Gerbièev zbornik [Gerbics Sammelband], hg. von Edo Škulj, Ljubljana 2000. 6 Cerkveni glasbenik [Der Kirchenmusiker] 1902, S. 79. Sammelband Lauda Sion (M. Brosig, Fr. Ferjanèiè, Jos. Geiger, K. Leitner, Emil Nikel, Jos. Gr. Zangl) Offertorien J. B. Tresch, Enchiridion; Lauda Sion; Musica ecclesiastica (Brixen); Moritz Brosig. Neben anderen Autoren sind auch die slowenischen Komponisten Leopold Belar, Fr. Ferjanèiè, Fr. Gerbiè, Ign. Hladnik und Ant. Nedvfd vertreten. An besonderen Feiertagen wirkte bei den lateinischen Messen ein großes Orchester mit. An den üblichen Sonntagmorgen sang man slowenische Messen von Leopold Belar, Fr. Gerbiè, Angelik Hribar, Hugolin Sattner, Gregor Rihar, Andrej Vavken usw. Gerbiè verfügte über 14 bis IG Chorsänger/innen, an Feiertagen erhöhte sich deren Zahl auf 40 bis 50. IV Die Kirchenmusik in der Pfarrkirche St. Peter leitete der Lehrer und Organist Augustin Adamiè, Vater des bekannten slowenischen Komponisten Emil Adamiè. Auch im Repertoire dieser Kirche waren die Komponisten vertreten, die wir schon von der Domkirche und der Franziskanerkirche kennen: J. B. Benz, Moritz Brosig, Anton Foerster, Karl Greith, Theodor Hahn, Wenzel E. Horak, Angelik Hribar, Adolf Kaim, Karl Kempter, Pierluigi Palestrina (Missa brevis), Schaller, Gottfried Preyer, Schmid, Fr. Schöpf, Joh. Schweitzer, Joh. Singenberger, J. G. E. Stehle, Franz Witt, Wittberger, Jos. Gregor Zangl; neu ist die Messe von Anton Nedvfd, dem ehemaligen Musikdirektor der Philharmonischen Gesellschaft in Ljubljana. V Zum Schluss möchte ich noch kurz die Kirchenmusik in der Ursulinenkirclie erwähnen. Ein begeisterter Zuhörer hat seine Erlebnisse in einer Kirchenzeitschrift beschrieben.7 Auf dem Programm standen Festliche Ouvertüre von Moritz Brosig op. 46, Nr. 7, mit Orgel. Danach haben die Nonnen Witts Preismesse in a-Moll gesungen. Introitus und Offertorium erklangen unter Begleitung der Orgel, während das Graduale a cappella gesungen wurde. VI Neben katholischen Pfarren gab es in Ljubljana seit 1851 auch wieder eine protestantische Gemeinde. Die erste protestantische Gemeinde in Ljubljana wurde Ende der 16. Jahrhunderts aufgelöst und ihre Gläubigen wurden vertrieben. Erst 1851 wurde mit Theodor Elze wieder ein Pastor der neuen Gemeinde gewählt. Die feierliche Einführung in sein Amt erfolgte am 6. Januar 1852 nach der Einweihung der neu erbauten evangelischen Christuskirche durch den Superintendanten Franz aus Wein. Wie Luschin Ebengreuth schreibt „hat Elze volle 14 Jahre in der südösterreichischen Diaspora von Laibach aus eine ebenso ausgebreitete wie anstrengende Tätigkeit entfaltet und sich allgemeine Achtung über den Kreis seiner Glaubensgenossen hinaus gesichert.“8 Theodor 225 Die Musik am Anfang des 20. Jahrhunderts in den Kirchen Ljubljanas 7 Cerkveni glasbenik [Der Kirchenmusiker], 1902, S. 29f. 8 Luschin von Ebengreuth, Dr. Theodor Elze. Carniola 1908, lieft. 2, S. 87–96. Elze war ein begeisterter Historiker, Numismatiker und Ethnologe. Besonders interessierte ihn die Reformation. In Ljubljana fand er zahlreiche noch nicht näher erschlossene Archive aus dieser Zeit. Er lernte Slowenisch, um die slowenischen Texte aus dem 16. Jahrhundert zu verstehen. Das Resultat seiner Forschungen bildeten viele Artikel, die in „Mittheilungen des historischen Vereins für Krain“ und anderswo erschienen sind, sowie das Buch „Die Universität Tübingen und die Studenten aus Krain“, das 1877 veröffentlicht wurde. Letzteres brachte ihm den Titel eines „Doctor honoris causa“. Neben ihm hat sein Vetter, auch Theodor Elze, ein sehr erfahrener Musiker, in Ljubljana gewirkt, wie seine zahlreichen Kompositionen zeigen. Er unterzeichnete zumeist als „Organist und Musiklehrer in Laibach“. Der slowenische Historiker Peter von Radics (1836-1912) schrieb über ihn, dass er als Musiklehrer beliebt und als Komponist bekannt war. Von seinen Werken erwähnt er eine große Sonate für Klavier und Violine op. 10 als „besonders bemerkenswert“ und weiter: „Sein Manuscriptvorrath besteht u. a. in Symphonien, Streich- und Man Männerquartetten, Pianoforte-Sonaten, Gesängen“ usw. Es ist bis jetzt ungefähr 60 Werke zumindest den Titeln nach bekannt. Viele davon erschienen n. a. bei Josef Blasnik (Ljubljana), C. A. Spina (Wien) sowie bei L. Fleischer (Prag). Einige Werke wurden auch in Leipzig publiziert.9 An Kammermusik sind eine Sonate für Violine und Klavier op. 16, die Sonate für Violoncello und Klavier op. 37, die Sonate für Orgel op. 47, die Klavierwerke Elfenstück op. 35 sowie zahlreiche Männerchöre aus verschiedenen Sammlungen bekannt. Als selbständige Werke sind Kompositionen für den evangelischen Gottesdienst sowohl als gemischte als auch als Männerchöre mit Orgelbegleitung (op. 4) aus der frühen Ljubljaner Zeit zu nennen. Zahlreiche Werke haben sich in der Musikabteilung der National- und Universitätsbibliothek (NUK) in Ljubljana erhalten. Wie aus diesem Repertoire ersichtlich ist, waren in den katholischen Kirchen in Ljubljana lediglich die caecilianischen Kompositionen vom Anfang des 20. Jahrhunderts vertreten. Es verwundert, dass es so wenig slowenische Werke gab (eine Ausnahme bildet die Pfarrkirche S. Jakob, wo Fran Gerbiè wirkte). P. Hugolin Sattner bemühte sich in seinen Aufsätzen um die Verbreitung der caecilianischen Bewegung. Sattner und Foerster setzten sich mit Begeisterung für die Ideen des Caecilianismus ein. Damit wollten sie das Niveau der slowenischen Kirchenmusik heben. Das ist ihnen nur teilweise gelungen. Die meisten slowenischen Komponisten haben sich in dieser Zeit für die Idee der nationalen Erneuerung entschieden und zwar in einer national musikalischen Ausdrucksweise. Die geistliche Musik blieb dagegen immer sehr orthodox ausgerichtet. Wichtiger waren ihr die glaubensideologischen Ziele im Unterschied zu den nationalen Tendenzen. Auf nationaler Ebene wurde ein sehr scharfer Kampf ausgetragen, in welchem die Caecilianisten sich jedoch kaum Hoffnung auf einen Sieg machen konnten. Die caecilianische Bewegung hat in Slowenien eine sehr scharfe Kritik und Verurteilung erfahren. Auf der anderen Seite ist aber festzustellen, dass einige organisatorische Maßnahmen für die slowenische Musik von Nutzen waren: Als bleibende Erfolge sind die Gründung der Orgelschule und das Erscheinen der Zeitschrift „Cerkveni glasbenik“ (Der Kirchenmusiker) hervorzuheben. Der ästhetische Stil dieser Musik wurde schon zu ihrer Zeit als steril und unzeitgemäß 226 PRIMO KURET (1935) 9 Peter Radics, Frau Musica in Krain. Laibach 1877, S. 42. kritisiert. Die slowenische geistliche Musik blieb jedoch noch lange den caecilianischen Idealen verhaftet, nur im nationalen Sinn haben sich Ihre Ziele den nationalen Bestrebungen genähert.10 Das Repertoire der kirchlichen Chöre in den übrigen slowenischen Städten und Gemeinden konnte kaum anders sein als in Ljubljana. Viele der genannten Komponisten sind längst vergessen und man sucht auch in den ältesten Lexika ihre Namen zumeist vergeblich. Objavljeno v: Musikgeschichte in Mittel- und Osteuropa. Mitteilungen der internationalen Arbeitsgemeinschaft an der Technischen Universität Chemnitz, H. 11. Herausgegeben von Helmut Loos und Eberhard Möller. Chemnitz, Gudrun Schröder, 2006. Str. 10–21. Povzetek Glasba v ljubljanskih cerkvah na zaèetku 20. stoletja Kot je razvidno iz repertoarja ljubljanskih cerkva, so bila na zaèetku 20. stoletja na cerkvenih korih izvajana dela slovenskih cecilijancev. Med privrenci cecilijanskega gibanja sta posebej izstopala p. Hugolin Sattner in Anton Foerster, ki sta si izjemno dejavno prizadevala širiti njegove ideje in jih upoštevati pri glasbenem snovanju in poustvarjalni praksi, s èimer sta hotela dvigniti raven slovenske cerkvene glasbe, vendar jima je to le deloma uspelo. Veèina slovenskih skladateljev se je v tem èasu odloèila za ustvarjanje v nacionalnem duhu, medtem ko je sodobna cerkvena glasba ostala v pravovernih okopih. Pomembnejši kakor nacionalni so ji bili versko ideološki cilji. Na dravni ravni je tako nastala zelo ostra bitka, v kateri so imeli cecilijanci komaj kaj monost za uspeh. Ob tem jim je potrebno priznati, da so nekatere njihove poteze v splošnem koristile slovenski glasbi. Med najveèje doseke cecilijanskega gibanja na Slovenskem smemo šteti ustanovitev Orglarske šole v Ljubljani in izdajanje Cerkvenega glasbenika, ki se je zaèelo z letom 1878. (Edo Škulj) 227 Die Musik am Anfang des 20. Jahrhunderts in den Kirchen Ljubljanas 10 Vgl. Primo Kuret, „Die geistliche Musik und die slowenische National-bewegung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts“, in: Duchovna hudba v 19. storoèi [Geistliche Musik im 19. Jahrhundert], hg. von Jana Lengova, Banská Bystrica 1995.