imp S® MMWW ■pr MMW.' der Söhne des heiligsten Herzens Jesu °Organ des Marien-Veremes für Afrika und des Theologen-Misfions-Verbandes Österreichs Erscheint inonatlichrkinmal und kostet jährlich mit Post a K — 2 Mk. S Franken Redaktion und Administration: flÜHionshaus Hlilland bei Brixen, Cirol. Inhaltsverzeichnis: Helfet den Missionen in der Not des Krieges, 217. - Die Mission unter den Nuba-Negern, 220. — Kairos bedeutendste Moscheen, 251. — Nachrichten des Th. M.-V.-Oest.: Die Dreiküniqs Predigt. 254: Missionspredigten, 255; Rezension, 260. Abbildungen. Unsere gefangenen Missionäre in Sidi-Blschr, 221. — Nubamädchen aus Billing, 225. — Alabastermoschee in Kairo, 229. — Inneres der Lultan-Hassnn-Mojchee mit Gebetsnische und Kanzel, 233. — Minarett der Sultan-Hasjan-Mvschee, 237. — Inneres der Amru-Moschee, 24. — Kapellen' und Minaretts der Azhar-Moschce, 245. ... , ...Viirt Briefkasten. An die verehrten Stern-Leser! Vor kurzem traf die Nachricht ein, daß unsere gefangenen Mitbrüder drüben in Afrika, die bisher in der Hafenfestung Nas-cl-Tin bei Alexandrien untergebracht waren, seit einiger Zeit ein anderes Lager — Sjdi-Bischr — gleichfalls bei Alexandrien bezogen haben. Ihre Lage ist hier insofern eine bessere, als ihnen jetzt ein eigener Priesterkainp angewiesen wurde, wahrend in Ras-el-Tin alle Gefangenen ohne Unterschied des Alters und des Standes in einem gemeinsamen Kamp leben mußten. Gebe Gott, daß der Tag nicht mehr ferne ist, wo unseren Gefangenen die volle Freiheit wieder zuteil wird und sie wieder auf ihre verlassenen und einst unter Müh und Schweiß erstandenen Stationen zurückkehren können. Diesmal finden unsere P. T. Abonnenten zwecks Erneuerung des Bezuges einen Scheck beigelegt. — Wir unserseits haben bisher alles aufgeboten und uns die grössten Opfer auferlegt, um den „Stern der Reger" in seinem gewohnten Nmfange von 24, resp. 48 Seilen erscheinen zn lassen, wiewohl die Auslagen, welche mit seiner Herstellung verbunden sind, fast unerschwinglich waren nicht nur. da» die Arbeitslöhne um ein Bedeutendes gestiegen sind, ist es namentlich auch die Druckerschwärze sowie das Papier, deren Preise in gar keinem Verhältnisse mehr stehen; hat doch letsteres eine Preissteigerung von über 240 % erfahren. Wir rechnen deshalb auch fest darauf, das; uns unsere geehrten Freunde und Gönner nicht im Stiche lassen, sondern ihre bis- herige Treue uns auch im kommenden Jahre 1918 weiter bewahren werden. Wo in aller Welt erhält man in der gegenwärtigen teuren Zeit um den lächerlichen Preis von 2 K, resp. 2 Mark ein reich illustriertes Buch von zirka 300 Seiten, das so viel des Interessanten und Schönen bringt?! — Wir hoffen int» i > warten, dass alle unsere Lscr gerne in, > void ; en iiii steift Mijo ft en Betrag entrichten werden, und sollte der eine oder andere sich bewogen fühlen, etwas mehr zu senden, so sei er versichert, jede, auch die kleinste Gabe wird mit innigem Danke angenommen, und sagen wir dem edlen Spender schon im vorhinein ein recht herzliches, tausendfaches „Vergelts Gott! — Leider ist diesmal der Redakteur wegen Ar-britsiiberbuiduiig. sind bock! w it ober30Per ioitcv uoui Klafter n re den affen, nicht imstande, einem jeden einzelnen Wohltäter eine eigene Empfangsbestätigung zu übermitteln und ihn! so seine Dankbarkeit zu bekunden, wie er dies in Fricdenszeitett zu tun pflegte. Darum bittet er, den Scheckabschnitt, den jeder beim Einzahlen auf der Post erhält, als hinreichende Quittung zu betrachten; überdies wird in jedem Hefte die Abviinementsnnmmcr jener erscheinen, deren Betrag hier eingelangt ist. — Bei eventuellen Mitteilungen auf der Rückseite des Erlagscheines übersehe man nicht eine 10 b-Marke beizukleben, da die Unterlassung hievon eine Strafzahlung nach sich zieht. Letztere Bemerkung gilt nur für unsere P. T. Leser aus Lsterreich-Ungarn. Gabenverzeidmis vom 1. August bis 14. September 1917. Opferstock: Abtei, K. D. 10,—; Afers, Ung. 2, —; Daran, I. B. 6,—; Feldpost, C. S, 10,—; Freising, Ak. M. B. ; Glisting, Koop. K. 20,—; Gsies, Pfr. 11. 10,—; Hopfgarten, Koop. K 30,—; Hohenems. R. R. 2,40; Jmmenstadt, A. P. 75,— ; Kärlich, I. H. 72,— ; Lechaschau, I. K. 3, —; Milland, M. S. 30,—; Mühlwald, 500,— ; Münstereifel, Sr. C. 16,—; Otz, B. Sch. 5,— ; Pfitsch, ti. M. 38,—; Pfunders, K. L. 2,—; M. H., 40,— ; Pfr., 20,—; Pfunds, N. N. 20,—; Rain-bach, Pft. 6,—; Ried, J, T. 25,—; St. Lorenzen, Kapl. P. 8,50; St. Ulrich, D. H. 10,—; Sölden, H. R. 18,— ; Saalfelden, J. R. 5,— ; St. Maram, M. M. 10,—; Trient. V. Fr. 5,—; Villnöß, Ung. 100,—; Wien, B. M. 3,—. Für hl. Messen: Abtei, K. D. 10,—; Afers. Ung. 34,—; Brohl, Pf. L. 600,—; Eggenberg, Echlschw. 18,—; Feldpost, K. Z. 30,—; Gsies, Ung. 38,— ; Hopfkarten, Koop. K. 30,—; Kraut-heim, St. 7,59; Milland, M. St. 10,—; Mühlwald, Ung. 14,—; Münstereifel, Sch. C. 345,—; Pfitsch. Ung. 28.—; Pfunders, N. N. 11,—; N. N. 30,—; M. H. 20,—; Neichraming, A. H. 2,50; . Rech. M. W. 4,50; Schidlberg, J. St. 8,— ; St. Ulrich, D. H. 10,—; Sölden, H. R. 40,—; Trient, V. Fr. 100,— ; Ullersdorf, P. J. H. 70,— ; Vill-I nöß, N. N. 20. : Pst. 20u,-; Maaten, f.-b. S. 80,—; Waldauerbach, M. T. 39,—. Für Bischof Geyer: Bozen, I. Sch. 100.— (Kriegsanleihe); Jmmenstadt, A. P. 75,—; Lan-dek, K. H. 20,—; Rein, P. A. W. 20,— (Einlage-buch); Salzbg., Br. C. 100,—; Wien, Br. C. 2000,—. Zur Taufe von Heidenkindern: Enneberg, Ung. 20,— (Ursula); Hohenems, Pf. S. M. 38,24 (Josef); Otz, B. Sch. 25,— (Pius Thaddäus) p Sölden, H. R. 40,— (Wilhelm und Valentin); Schwendon, N. 60,— (Thaddäus); Villaniders, S3. Sch. 50,— (Anton und Thaddäus); Wer-merichshausen, Kpl. L. F. 31,50. Für das Werk des Erlösers: 99,80. Briefmarken liefen ein aus Brixen, Franzens-feste, Innsbruck, Melk, Rein und Serajewo. M-erHeM lilltholischeMswwAitschnst äerLöhne ües heiligstenherrens Jesu. (Organ des Marim-Verems für Afrikas Dient vornehmlich der Unterstützung und Ausbreitung der missionstütigkeit der Söhne des heiligsten Berzens Jesu und sucht Verständnis und werktätige hiebe des Missionswerkes in Wort und Schrift zu fördern. Das Arbeitsfeld dieser ITlissionäre iss der Sudan (Zenfral-Hfrika). Der „Stern der Reger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus Milland bei Brixen (Südtirol) herausgegeben. Sbonnementsprels ganzjährig mit Postversendung 2 K — 2 Mk. — 3 Frc. Der Heilige Vater Papst Plus X. hat der Redaktion, den Hbonnenfen und Wohltätern den apostolischen Segen erteilt. Für die Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, tieitmeriij tiinz, Otrnütz, Marburg, Orient, Triest und Wien. Heft 11/12 Ilovember/Dezember 1017. XX. Jahrgang. lllllllllllllllllllllllllINlIlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllM || Heises den Missionen in der Rot des Krieges!* !| liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiTiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiä ie sönnen wir in diesen bedrängten Zeiten, wo wir mit allen Kräften und Mitteln an der Linderung der Kriegs-uot in der Heimat arbeiten müssen, wie können wir da noch an die Bedürfnisse und Nöten fremder Länder denken, um ihnen abzuhelfen? so denkt und spricht vielleicht mancher, wenn er dieses Heft in die Hand bekommt und er empfindet es fast als eine gelinde Unbescheidenheit, wenn die Missionäre und deren treue Gönner auch jetzt noch um Unterstützung bitten. Und dach, die Unterstützung der Missio- * Siehe Briefkasten. neu darf auch in der Kriegszeit nicht aufhören, und zwar jetzt erst recht nicht. Oder soll man gerade dann die gewohnte Hilfeleistung einstellen, wenn die Not am größten, wenn die Bedürfnisse am schreiendsten sind? Es greift einem wirklich ans Herz, wenn man den letzten Bericht des hochwürdigsten Herrn Missionsbischofs Fr. X. Geyer liest. Aus Mangel an Mitteln mußte er fast alle so vielversprechenden und mit soviel Mühe und Arbeit ins Leben gerufenen Werke und Unternehmungen eines nach dem anderen aufgeben. „Kein schwereres Leid gibt es für das Herz eines Missionsbischofs," so schreibt er wörtlich, „als seine hoffnungsvolle Mission ver- 218 Stern der Neger Heft 11/12 kümmern, die Werke zusammenschrumpfen, die Waisen und Armen herumirren und die Missionsstationen eingehen zu sehen. O bitte, helfen Sie miä retten, was noch zu retten ist in unserem Vikariat! Rasche Hilfe tut not; je eher, desto besser." Und da wollten wir unsere Unterstützung einstellen! O lassen wir doch einen so flehentlichen Hilferuf nicht fruchtlos verhallen! Helfen wir, so gut und so schnell wir können! Es tut ja schnelle und ausgiebige Hilfe so not. Es gilt, das ins Stocken Geratene wieder fortzusetzen, das Eingegangene neu erstehen zu lassen. Die Protestanten, namentlich die Nordamerikaner, werden die Zeit, da unsere katholischen Missionäre zur Untätigkeit verurteilt waren, nicht müßig gewesen sein und mit den ihnen reichlich zur Verfügung stehenden Mitteln die Notlage unserer Mission gut ausgenutzt haben; da heißt es, das Verlorene wieder zurückerobern. Ja, es erwarten uns, besonders nach dem Kriege, Nie-senaufgaben, die alle bewältigt werden müssen, und da braucht es Mittel, reichliche Mittel aus der Heimat. Aber heißt das nicht dem eigenen Vaterland die ihm jetzt so notwendige Hilfe entziehen, wenn man in einer solchen Zeit die Missionen noch unterstützt? O nein! Wer so denkt, der verkennt das Gesetz des rückwirkenden Segens. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Was unser bedrängtes Vaterland jetzt vor allem braucht, das ist Gottes Segen. „An Gottes Segen ist alles gelegen!" Diese alte Wahrheit hat uns gerade der Krieg wieder neu eingeschärft und uns dieselbe oft zum Bewußtsein gebracht. Nun denn, wenn wir unsere Pflicht den Missionen gegenüber getreu erfüllen, so werden wir diesen Segen in reichstem Maße auf unser geliebtes Vaterland herabziehen. „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit," sagt uns die ewige Wahrheit, „alles übrige wird euch daun beigegeben werden." Wenn wir daher durch reichliche Unterstützung des göttlichen Werkes der Missionen für die Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden Sorge tragen, so wird Gott selbst die Sorge für unser Reich, für unser teures Vaterland, auf sich nehmen. Wenn wir Gottes Interessen zu den uns-rigen machen, so wird auch er unsere Interessen zu den {einigen machen. Und wenn Gott mit uns ist, wer ist daun gegen uns? Mit Gott werden wir siegreich aus diesem gigantischen Ringen hervorgehen; mit Gott wird die gewaltige Prüfung, wie sie ein solcher Krieg ist, zum Segen für uns werden; mit Gott wird unser Volk geläutert, edel, groß daraus hervorgehen, groß genug für die großen Aufgaben, wie sie Gott jederzeit einem großen Volke gestellt hat. „In dem Augenblick, wo ein Volk sich ein großes Ziel gesetzt und diese Aufgabe voll erfaßt hat, ist die Lebenskraft dieses Volkes, seine Lebensenergie, sein Wachstum für Jahrhunderte gesichert," so sagt ein geistreicher Mann unserer Tage. In der Tat, ein hohes Ziel, eine große Ausgabe ist imstande, ein Volk selbst edel und groß zu machen. Und nun frage ich: Gibt es ein erhabeneres Ziel, eine größere Aufgabe als die Ausbreitung des Reiches Gottes aus Erden, die Errichtung dieses Reiches in den Herzen der Menschen, besonders jener, die noch in der Nacht des Heidentums begraben liegen? Wo ist eine Aufgabe», die eines Volkes würdiger wäre, too ist eine Ausgabe, die ein Volk mehr ehrte? Ist'doch die Rettung auch nur einer einzigen Seele eine weit größere Tat als die Eroberung eines ganzen Weltteils. O möchte sich unser katholisches Volk nur recht durchdringen lassen von dem hehren Ge- danken der Ausbreitung des Reiches Christi! Wie würde es da mit der Größe dieser Ausgabe wachsen, wie würde'es edel, hochherzig, groß, wahrhaft katholisch, d. >h. weltumspannend toerfoen, minib wie würde damit zugleich auch der Katholizismus in der Heimat an Macht und Ansehen gewinnen! Darum auf, katholisches deutsches Volk, mutig ans Werk! Es ist eine äußerst ehrenvolle Aufgabe, die Gott uns stellt, eine edle, eine ungemein dankbare Aufgabe, voll der segensreichsten Rückwirkungen für die Heimat. Ja, Gott scheint uns in diesem erhabenen Werke sogar eine führende Rolle zuweisen zu wollen, und der Krieg hat wesentlich dazu beigetragen, uns diese Rolle zu sichern. Die gläuzeiideu Wsaffenerfolge unserer Heere habeu die Augen der ganzen Welk aus uns gelenkt. 'Überall, selbst im Lager der Feinde, ist man überrascht und erstaunt über unsere Leistungsfähigkeit und sittliche Kraft. Dieses anfängliche Erstaunen wird nach dem Kriege, wenn man unserer Sache mehr gerecht wird, in Bewunderung und Hochachtung übergehen, ein Umstand, der auch dem Missionswerk vorzüglich zustatten kommt. Unsere Missionäre werden nach dem Kriege ein viel höheres Ansehen genießen, und dementsprechend auch weit mehr leisten können. Unter allen Missionsländern aber war es vor allem eines, das von jeher die besondere Aufmerksamkeit aus sich zog: Afrika, der dunkle Erdteil, das Land mit den undurchdringlichen Urwäldern und ausgedehnten Wüsten, das Land der Geheimnisse und Wunder, jenes Land, das in so vieler Beziehung noch einem verschlossenen Buche gleicht, das von selbst zur Ent-siegelung einladet. Afrika ist ein reiches Land für den, der es versteht, seine Schätze auszubeuten; Afrika ist aber auch in vieler Hinsicht ein geradezu ideales Mis- sionsland. Die zahlreichen Negerstämme, so wild und roh sie auch sein mögen, sie sind dem Christentum in mancher Beziehung zugänglicher als die auf ihre alte Kultur stolzen Völker be§ Ostens. Was ist doch in der so kurzen Zeit, seit der man ernstlich daran ging, dieses Land zu missionieren, was ist da schon Großes geschehen; und was könnte erst geschehen, wenn genügende Mittel vorhanden wären. Ja, stünden nur hinreichende Mittel und Missionäre zu Gebote, man könnte hier wahre Wunder erleben. Es gibt nicht leicht einen Erdteil, der bei genügender Bebauung eine ausgiebigere Ernte für die Ehre Gottes und die Ausbreitung seines Reiches verspricht, als das vielfach so verkannte Afrika. Darum nochmals: Auf, katholisches Volk, mutig die Hand ans Werk! Schon einmal hat germanischer Geist, namentlich im Mittelalter, so begeistert die christlichen Ideen ausgebreitet, vielleicht ist es diesem germanischen Geiste auch beschieden, das moderne Missionswerk zu ungeahuter Blüte zu entfalten. Es ist ein großer, ein herrlicher Beruf, den Gott uns zugedacht hat. Umfassen wir ihn mit jener Liebe und Begeisterung, die eines solchen Berufes würdig sind. Jeder soll nach seinen Kräften an der Erfüllung dieses hehren Berufes mitarbeiten. Keiner bleibe zurück! Aus jeden kommt es an. Alle können Großes leisten, und zwar auch in der Heimat, ohne daß sie deshalb in Mex Mission gehen müßten. Sie können soviel leisten, daß ohne ihre tätige Mithilfe, ohne ihr Interesse, ohne ihr Gebet der Missionär im Hei-denland eigentlich wenig ausrichten kann; ja manche können in der Heimat sogar mehr für die Mission wirken als selbst der Missionär auf seinem Posten. O, daß wir Katholiken doch diese unsere herrliche Aufgabe recht erfassen und dieselbe getreu erfüllen wollten! Wie gar bald würde durch unsere kräftige Initiative das Antlitz der Erde erneuert, welchen Segen würde das auf uns und unser teures Vaterland herabziehen; wie würden wir dadurch selbst edler, hochherziger, gewissermaßen katholischer werden. Denn es gibt nicht leicht ein Werk, in dem die Interessen Gottes, unseres Vaterlandes und unsere eigenen In- teressen so innig miteinander verbunden sind, als im hl. Missionswerk, und nirgends vielleicht erfüllt sich schöner und segensreicher das Wort des Herrn: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, alles übrige wird euch dann beigegeben werden!" P. I. E. F. 8. C. Illll!lllllillllllllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllll!!lllllllllllllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Die mission unser den lluba-Uegern. (Schluß.) Bei oberflächlicher Beobachtung hätte man nun annehmen können, das Verhältnis der Nuba zu den Arabern sei lediglich das von Kunden zu Kaufleuten, und es wäre somit Aussicht vorhanden, dasselbe durch ein Gegengewicht von der Mission aus wenigstens teilweise aufzuheben, nämlich durch Errichtung esnes mäßigen Tauschhandels, tote ihn die Regierung feen Missionen im Sudan gestattet. Ein Vorrat von solchen Artikeln, welche die Nuba am meisten begehren, wie Kleifeerstoffe, Salz, Zucker, Schmucksachen, Eisenwaren, wäre leicht zu beschaffen gewesen; man hätte die Waren um entsprechende Mengen von Korn, Öl, Milche Butter, Eiern und Hühnern abgeben können, und die Händler mit ihren Wucherpveisen hätten gar bald ihre Kundschart verloren, während die Mission stark besucht worden toure. Ein derartiger Plan wurde erwogen, allein es war nur zu klar, daß das Verhältnis feer Nuba zu den Arabern ein weit innigeres sei. Man brauchte dieselben nur in ihrem gegenseitigen Verkehr zu beobachten. Während der Araber alle Schwarzen -als minderwertig, als -Sklaven betrachtet, sieht er in den- Nub-a seine ebenbürtigen Brüder. Dieselben förmlichen und umständlichen Begrüßun- gen, wie er sie feinen Landsleuten gegenüber beobachtet, übt er auch -gegen die Nuba v-on Dilling. Er wohnt auch als Gast bei i-hn-en in feer -gleichen Hütte, und ißt mit ihnen von derselben Speise und aus der nämlichen Schüssel, was er bei anderen Stämmen nie tut. Di-e Nuba ihrerseits betrachten die Araber nicht als -Fremde oder gar als Eittdringlinge und Feinde, sondern als gute Nachbarn und Freunde. Wie und itoa-nn sich dieses freundschaftliche Verhältnis zwischen den Nuba und Arabern ausbildete, ist schwer zu bestimmen; zur Zeit der ersten Gründung- der Missionsstation im Jahre 1875 bestand es schon. Auch die Ebenbürtigkeit der Nuba mit den Arabern ist durch gegenseitiges Heiraten schon seit langer Zeit besiegelt, denn -es -gibt weitverzweigte Verwandtschaften zwischen beiden Völkern, feie bis ins dritte und vierte Glied gehen. Zur gänzlichen Vermischung der Rassen ist es allerdings nicht gekommen-, feia meistens nur Nuba-Mädchen von Arabern als Frauen heimgeführt wevd-en, während der umgekehrte Fall selten ist; eine Araberin würde -sich nämlich wegen d-er Unkenntnis der nu-bischen Sprache unter den Nubanerinnen, auf die sie bei der zurückgezogenen Lebens- P. Jos. Pasqu. Br. Joh. Bapt. P. Alois P. Jakob P. Samuel Br. Isidor P. Wilhelm Crazzolara Maccani Mohn Lehr Fabbro Kronsieiner Hofmayr (Tirol) (Tirol) (Oftpreufscn) (Baden) (Tirol) (Oberösterr.) (N-- Bayern) liniere Gefangenen in Sidi Bifcfir (Ägypten) Br. Anton P. Josef P. Bernard Franziskaner P. Isidor Unbekannter P. Josef Müller Welller Kohnen P. Norbert ©tang Franziskaner Angerer (Ungarn) (Nh.-Preuß.) (Bosnien) Sardegna (Baden) (?) (Oberösterr.) (Tirol) Heft 11/12 Stern der Neger 221 weise der Frauen hauptsächlich angewiesen wäre, nicht heimisch fühlen. Es gibt bei den Nuba eine allgemein' bekannte Sage, nach welcher ver Stammvater der Leute des Kudjur (uri turen iri), der als der erste Kudjur gilt, sieben Söhne und eine blinde Tochter gehabt, welch letztere von einem Felata-Araber zum Weibe wo fast jede Familie in ihrem Stammbanm Araber oder Araberinnen ausweist; daraus würde sich auch die hellere Farbe dieser Leute erklären. Mehrere Familien heißen sogar „Leute ohne Kudjur" oder Bedren-iri, d. i. Leute von Bedra, weil ihre beiden Stammeltern den Bedra-Arabern angehört haben. genommen worden sei. Dieser sei bei ihrem Volke geblieben, und ein Teil der Leute des Kudjur stamme von ihm ab. Tatsächlich bezeichnen sich viele Familien als Felata und sagen, reine Nuba seien nur toenige, darunter die Familie des Kudjur. Noch verworrener scheinen die Stammverhält-nisse unter den Leuten des Königs zu sein. Diese Verbindung beider Völker durch gegenseitiges Heiraten, die seit unvordenklichen Zeiten besteht, wird der Grund gewesen sein, weshalb die Araber bei ihren Sklavenjagden und Brandschatzungen in den 1 Nubabergen Billing verschonten. In ihren ungezählten Sagen und geschichtlichen Erzählungen wissen die Nuba von Dilling nichts von Feindseligkeiten der Araber gegen sie zu berichten. Als ihre einzigen Feinde gelten die Türken. Diese kamen zum ersten Male tint Anfang des 19. Jahrhunderts ins Nubaland und unterwarfen es, und Zwar nach Türkenart, nämlich mit Plünderung und Verheerung. Die Alten erinnern sich, in ihrer Jugend noch zahl-, lose Mauerreste von Hütten in der Ebene gesehen zu haben. „Unser Volk," fo sagen sie, „war früher sehr groß; unsere Vorfahren bewohnten das ganze Land rultni die Berge herum und nicht nur, tote jetzt, die Abhänge derselben; aber der Türke hat uns gefressen." Unter der Türkenherrschaft mutzten die Nubia von DCliug alljährlich hohe Mga-ben an Sklaven, Korn und Vieh liefern. Um diese zu beschaffen, beteiligten sie sich an den Raubzügen, welche die Araber ins Nubaland unternahmen, so daß Dilling ein Stütz- nnb Ausgangspunkt für die Skla-■bmjagben wurde. Daher kommt es auch, daß noch jetzt so viele Sklaven in Dilling vorhanden sind; sie machen etwa ein Zehntel der Bevölkerung aus. Der Prozentsatz ist eigentlich noch größer, aber viele geraubte Mädchen wurden zu Frauen genommen- und die Nachkommen gelten als freie Nuba. Da unter der Türkenherrschaft auch Me Araber viel zu leiden hatten, so war der Türke bei den einen wie bei den anbem verhaßt. Dieser gemeinsame Haß wurde auch auf die gegenwärtige Regierung übertragen; die Beamten werden von Arabern und Nuba itoch immer Türken genannt, und die Regierung selbst als die zweite Türkenherchchaft bezeichnet. Als daher im Jähre 1882 der Maihdiaufstand ausbrach, welcher der 11:^1^=019^11 ^£11 Regierung im Sudan ein Ende bereitete, waren Ava-(Bcc und Nuba über die Abschüttelung des Tüvkenjoches in gleicher Weise froh. Nun begann für die Leute von Dilling eine goldene Zeit. Sie durften ungehindert die Nachbarstämme ausrauben und konnten sich grofre Reichtümer an Sklaven und Bich verschaffen. Dabei wurden sie von bett Arabern mit Pferden und Gewehren versorgt, wodurch sie unbesiegbar wurden. Sie waren der Schrecken der Umgegend, ganz ihrem Volksnamen entsprechend. Sie nennen sich nämlich W a r k i *, was soviel wie grower Schmerz oder Plage bedeutet. Sie erzählen, Gott habe bei der Erschaffung der Menschen zu ihrem Stammvater gesagt: „Du und deine Leute, ihr sollt „Plag" (iWarki) heißen; eine Plage sollt ihr sein für die übrigen Menschen; alle sollen euch! fürchten." Damit entschuldigen sie denn auch ihre ehemalige Beutelust, die sie auch jetzt oti§it®en würden, trenn nicht die Regierung sie daran hinderte. Die Nuba wurden allerdings auch zu allen Zeiten, bald mehr, bald weniger, von räuberischen Araberstämmen belästigt, besonders während des Bestandes des Mahdi-reiches, ba alle Ordnung aufgelöst war, -affier die Dillinger wußten, daß es nur vereinzelte Räuberbanden waren, und nie haben sie bestiegen Haß und Abneigung ge= gen die Mohammedaner als solche oder (gegen die Araber im allgemeinen getragen. Auch die Regierung des Mahdi ließ die Nuba von Dilling nicht ganz unbehelligt. Als sie wiederholt den Tribut verweigerten, * Warki oder Wark-i ist eine Verkürzung von Wark-iri, d. i. Mark-Leute. Die Einzahl lautet Wark-id, d. i. Wark-Mauu. Das 9Bort Wark besteht aus dem transitiven Verbalsstamm war, d. i. jemand wehe tun und der im Nnbischen häufig vorkommenden Stammerweiterung k, welche der Wurzel eine iterative ober intensive Bedeutung gibt. Von dem Stamme war wird ein Verbalsubstantiv gebildet, nämlich wark-ed, d, i. heftiger Schmerz, Heft 11/12 Stern der Neger 223 Wurde im Jahre 1892 ein starkes Heer $u ihrer Züchtigung hingeschickt. Die Männer setzten sich zur Wehr und hielten der Übermacht bis zum Einbruch der Nacht stand, indem sie von den Höhlen ihrer Berge ans ein lebhaftes Gewchrfeuer unterhielten. In der Dunkelheit aber flohen sie mit Weib und Kind und der notwendigsten Habe in die benachbarten, unzugänglichen Berge von Njuma, von wo sie bis zum Untergang des Mahdireiches im Jahre 1898 nicht mchr zurückzukehren wagten. Wer selbst diese Vertreibung aus ihrer Heimat tour nicht imstande, das freundschaftliche Verhältnis Zwischen ihnen und -ben Arabern zu erschüttern. AIs Beweis, genüge die Tatsache, daß während dieser Verbannungszeit die Nubajünalinge sich alljährlich zu Den nächsten Arab er-Ansied elnngen begaben, mm sich dort beschneiden zu lassen. So also war das Volk beschaffen, unter dem die MissionHstation nun schon seit über einem h!alb>en Jähre bestand. In dieser Zeit waren den Missionären bic obigen Tatsachen bezüglich des Verhältnisses der Nüba zu den Mohammedlanern nach und nach immer deutlicher zum Bewußtsein gekommen, besonders aber während des Rham--mädan, da man, vor allem aus Antrieb des Neuangekommenen P. Schumann, der von Anfang an die Lage pessimistisch auffaßte, eine Mölglichkeit der Bekehrung des Volkes ernstlich studierte. So gering auch lgute Aussichten wareir, so- mußte -b-odji irgend etw>as getan und versucht werden. Übrigens hatte man noch zweieinhalb Jahre in Tilling zn verbleiben, bis eiiroe Missionsnickerlassung unter einem anderen nubischen Stamme von der Regierung lgestattet worden wäre, und diese lange Zeit konnte und ^wollte man selbstverständlich nicht untätig verbringen. Wie aber unter den to-otlianbcnen Verhältnissen ein Bekchrnngsversuch an- zustellen sei, das -war die Frage, auf He keiner eine rechte Antwort wußte, und die immer unklarer wurde, je klarer man die Lage erkannte. Da schienen bie europäischen Ereignisse den Knoten mit einem Schwertstreich lösen zu sollen. Es war Mitte August. Seit März befand sich Dilling im Kriegszustand!, -denn die Expedition gegen die Mandat und Sobni war noch zu keinem befriedigenden Wschluß gelBo-mmen, und die kriegerischen Operationen waren während der Regenzeit abgeflaut. Das Negerbataillon, d-as die llnterwerfunig jener Bergvölker hätte vollenden sollen, saß müßig in Dilling. Nur von Zeit zu Zeit rückte es zu einem Streif-zug aus, um die nichtsahnenden- Rebellen bei den Feldarbeiten zu überraschem kehrte aber stets mit Verwundeten heim, ohne etwas ausgerichtet zu haben. Ein Missionsbruder mußte täglich mit seinem Medizin-kästen einen Besuch in her Garnison machen, da noch immer kein Arzt da toar. Am 16. August, einem Sonntag, war er wicker wie gewöhnlich dort, als gerade ein berittener Eilbote von El-Obeid ankam, der die Nachricht vom Ausbruch des europäischen Krieges brachte. Der Bruder fyaite nichts Eiligeres zu tun, als die Schrek-kenskunde seinen Mitbrüdern zu bringen. Die Überraschung war groß. Glücklicherweise war der folgende Montag ein- Posttag, an dem bestimmtere Nachrichten kommen mußten. Inzwischen wurde vor allem beschlossen, den Negern gegenüber nichts vom Kviege verlauten zu lassen. Die Post brachte zwei Telegramme vvm deutschen Konsularagenten in Khartoum und einen -Brief von Bischof Geyer. Im ersten Telegramm hieß es: „Krieg gegen Frankreich und Rußland. Landsturm aus- 224 Stern der Neger Heft 11/12 geboten. Sofort abreisen." Das zweite lautete: „Nicht abreisen. Keine Schiffahrtsge-legeuheit." Der Bischof schrieb, er sehe sich gezwungen, die Station Dilling aufzuheben, bä von den fünf Missionären mit Ausnahme d>es P. Schiumann alle in den Krieg ziehen müßten. Die Stationen unter ben Schilluk, besonders die in' Lull, wolle er um jeden Preis hallten; dazu aber brauche er das toemige Personal, das ihm übrig bleibe. Dilling selbst werde, sobald es die Umstände erlauben würden, wieder besetzt werden. Man solle daher alle Gerätschaften dort lassen, sie und die Hütten unter die öBfyitt eines Vertrauensmannes stellen und dann abreisen, jedoch so unauffällig als möglich, um die Eingeborenen nicht in Unruhe zu bringen. Auf diese einander widersprechenden Anweisungen hin beschloß der Obere, mit einem Bruder nach! El-Obeid zu reisen, um von dort aus telegraphisch mit dem Bischof zu verhandeln. Da aber gerade damals ein Pater einer dringenden Zahn-operation bedurfte, wurde er statt des Bruders für die Reise bestimmt. Der einzige Regieruugsbeamte, der zu dieser Zeit in Dilling die Geschäfte führte, war der Moa-jwen, ein ägyptischer Oberleutnant, zugleich Mohammedaner und der Mission von jeher feindlich gesinnt; die beiden höheren Be-aniteu, nämlich der Mnsattisch, ein englischer Major, und der Mamur, ein ägyptischer Hauptmanu und gutmütiger Kopte, waren in ihrer respektiven Heimat ans Sommerurlaub. Der Moawen wendete ge-gen die Reise der beiden Missionäre nichts ein. gab ihnen aber auch weder mündlich noch schriftlich Anweisungen mit, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Diese Unterlassung sollte ncd)1 bittere Folgen für die Station nach sich ziehen. Am 24. August kamen die zwei in El- Obeid an und nahmen bei einem syrischen Kaufmann, einem chemaligen Schüler der Mission von Omdurman, Quartier. Die erste Nachricht, mit der sie dort überrascht wurden, war, der Papst sei gestorben. Aus den Zeitungen, die sie vorsaudeu, erführen sie zu ihrer Freude imib Genugtuung den siegreichen Vormarsch bei* Deutschen in Belgien und Frankreich. Am folgenden Tage begab sich der eine ins Regiernngsspital und bei* andere aus die Post, too er sein Telegramm au Bischofs Geyer in Khartoum aufgab. Dort «wurde il]im auch ein eingeschriebener Brief aus Seiten übergeben, der erst Anfangs August abgeschickt worden war, und von der Krieasbegeisteruug in Österreich und Deutschland berichtete. Der Brief war infolge des allgemeinen Wirrwarrs unbean-ftönbet und ungeöffnet durchgekommen; es war dies aber auch die letzte, direkte Nachricht itiuS der Heimat, welche die Missionäre von Dilling bis zu ihrer Jnteruie-ruug im April 1916 erhielten. Der Bischof antwortete noch am glei-chen Tage; er befahl, nach Dilling zurückzukehren und die Mission ruhig weiter zu führen; weitere WerhaltungDMaHiregeln werde er schriftlich folgen lassen. Beide Patres wären denn auch sofort toiieber abgereist, aber 6er Obere erkr>ankte und fand sich erst am 30. August stark ge-nu>g, die beschwerliche Reise anzutreten. So verließen sie Gl-Obeid, ohne sich bei den englischen Behörden angemeldet zu!haben. Sie waren sich noch, gar nicht recht bewußt, daß sie bereits als Feinde in Feindesland reiften. Es waren antes) noch keine diesbe-! züglichen Verordnungen von der Regierung erlassen worden. In SMEing, -angekammen, fanden sie die Eingeborenen in einer nicht geringen Erregung vor. Auf dem Markte und in der Heft 11/12 Stern Der Neger 225 Garnison waren sie mit Kriegsnachrichten reichlich versorgt worden. Araber und- Soldaten, besonders ein ägyptischer Offizier, waren deutschfreundlich bis zum Äußersten. Die Araiber Beteten: „Allah jinsur Allemansa! Gott verhelfe Deutschland zum Siege!" Die Nuba sagten zu den Missionären: „Die Deutschen sind 'gut, beim auch ihr seid gut; die Engländer aber bedrücken uns und machen uns arm; darum soll unser Land den Deutschen igdfjören." Sie 6e= übertreffen sie an Weisheit und Macht. Ihre Kanonen sind viel größer, und das Kind der Kanone (Geschoß) gcht schr weit." Sogar Don. Luftschiffen wußten sie etwas; nur die Deutschen hätten solche Maschinen, mit denen sie wie Vögel in bet Lust fliegen und ans die Engländer herabschießen. Immer wieder fragten sie: „Wann werden eure Leute kommen?" Einer hätte von einem durchziehenden Fakt erfahren, wenn der 'Mond sich zum dritten Male erneuerte, Rubamädcfien aus Rilling lästigten bald bert einen, bald den andern von den Missionären mit Fragen, ohne Antwort zu erhalten. Da sagten sie: „Ich weiß, warum du darüber nicht redest; Du hast Furcht vor bem Türken (Regierungs--beamten), daß er dich auch! einsperre, wie neulich ben arabischen Schmied. Mer wir wissen es doch; di>e Deutschen sind zwar nicht so viele wie die Engländer, denn mit diesen sind noch andere Völker, die Franzosen und Moskowiten, aber die Deutschen dann würden die Deutschen kommen. Sogar die Kinder freuten sich aus diese Zeit; dann toivriben sie die Läden der Kaufleute plündern und viel Kleiber und Zucker hladen. '3Mb hieß es, die Deutschen' seien schon in Ägypten eingedrungen, und die Engländer seien nachts in Weiberkleidern entflohen. Araber, die von El-Obeid kamen, sagten aus, dort sei keine Regierung me!hr, und jdbet könne tun, was er wolle. Die Kudjnre kamen häufiger als früher in Be-- sessenheit, und fast jede Nacht hörte man ißtitb da, bald dort einen brüllen. Inzwischen kam der erwartete Brief vom Bischof. Darin war unter anderem den Missionären aufgetragen, auf den Krieg weiter keine Rücksicht zu nehmen, sondern die Missionstätigkeit mit allem Nachdruck wieder aufzunehmen. Nur sollten alle irgendwie entbehrlichen Kosten in bezug aus Bauten, Einrichtungen und Lebensunterhalt vermieden werden; die Station sollte sich nach Möglichkeit selbst erhalten. So mußte mancher Plan, mit dem man die Missionierung des Volkes einigermaßen in Gang zu bringen gehofft hatte, fallen gelassen werden. Der Bau einer geräumigen Hütte für die Schule, einer Halle, die gegen Sonne und Regen Schutz geboten und den Erwachsenen als Versammlungsort gedient hätte, sowie einer Hütte für die Behandlung der Kranken mußte unterbleiben. Tie Station wurde so dürftig gelassen, wie sie errichtet worden war, nämlich mit dem Kirchlein, dem Küchenhause und fünf kleinen Hütten, die gerade für einen Mann Platz boten. Selbst an eine Erneuerung der Strohdächer dachte man nicht mehr, obwohl das Stroh so schlecht und von den weißen Ameisen so durchwühlt und zerfressen war, daß der Regen nicht nur hineintröpfelte, sondern tatsächlich hineinströmte, so daß man bei starkem Regen im Kirchlein mit seinem Blechdach Unterkunft suchen mußte. Man half sich damit, daß man die schadhaftesten Stellen mit Stroh verstopfte. Unter diesen Verhältnissen könnte auch trotz täglichen Gebrauchs von Chinin nicht verhindert werden, daß alle mit Ausnahme des P. Schumann wiederholt von Fieber erfaßt wurden. Letzterer erfreute sich einer dauerhaft guten Gesundheit, worauf er nicht wenig stolz war, ohne zu ahnen, daß der Tod be- reits drohend seine Hippe über ihn schwang. Er nahm nie Chinin, obwohl mtan ihn warnte, und mutete seinem durchaus nicht starken Körper manche Strap'azen zu. Die in dem letzten Briefe des Bischofs enthaltene Mahnung, die Missionsarbeit ernstlich in Angriff zu nehmen, wurde befolgt. Da nur mit der Jugend etwas anzufangen war, so nahin man drei Knaben ständig in die Mission aanf; sie sollten gleichsam den Grundstock für die künftige Schülerschaft bilden u'nd womöglich später selbst beim Unterricht behilflich sein. Freilich mußten sie bezahlt werden; jeder erhielt 12 bis 15 Piaster monatlich; allein wenn irgend etwas erreicht werden sollte, so konnte man dergleichen Ausgaben nicht vermeiden. Der eine wurde zum Kochgehilfen bestimmt, die beiden anderen hatten die Aufgabe, die zwei Esel Iber Mission zu besorgen, ihnen täglich das Futter aus dem Walde zu holen und mit ihnen das nötige Wasser aus dem Brunnen zur Station zu schlepped. Tagsüber hatten^ sie noch allerhand kleinere Arbeiten zu verrichten. Daneben sollten sie bald etwas Unterricht im Lesen und 'Schreiben ebbalten. Sie und andere Knaben in irgendeinem Handwerk zu unterrichten, war nicht möglich; es hätte nur das Tischlerhandwerk in Betracht kommen können, wozu zwar Meister und Werkzeuge in der Mission vorhanden waren, dagegen im Nubaland geeignetes Holz fehlt. Die geraden und starken Baumstämme, aus denen sich Bretter schneiden ließen, sind zu wenig zahlreich, als bas? sich die Anlage eines Sägewerkes lohnte. Endlich hat gerade dieses edle Handwerk für die Nuba keinen Zweck; die wenigen Gegenstände, welche sie brauchen, verfertigen sie sich selbst mit den einfachen Werkzeugen, die ihnen der Schmied liefert. Einzig die Handwerke des Schmiedes und Schneid ders nähren dort ihren Mann; auch zeigen hie Neger Neigung zu denselben. An ihre Einführung war aber während der Kriegs-zeit nicht mehr zu denken. Trotz des starken Widerhalles, den die kriegerischen Ereignisse in Europa selbst in jenem ßarobe fanden, ließen sich die Nuba in ihren Lebensgewohnheiten nicht stören. Am 12. September, einem Samstag, feierten sie ihr zweites 'großes Jahres-sest; sie nennen es in ihrer Sprache ukud. auf arabisch warag el Inbia, id. i. Bohnen-blwtt. Im Gegensatz den anderen lärmenden Festen, die von Tanz und Zechgelagen begleitet find und mehrere Da'ge hindurch fortgesetzt werden, besteht dieses in einer stillen, idyllischen Festlichkeit in den einzelnen Familien. Es geht ihm, wie dem Saatfest, eine zweiwöchige Vorbereitungs-zeit voraus, welche am ersten Freitag beginnt, sobald die Sonne am Mittag senkrecht gestanden ist, was dort am 22. August der Fall ist. Auch die Gebräuche während dieser Borbereitungszeit sind die gleichen Me beim Saatsest. Am dritten Freitag jedoch versammeln sich der Häuptling, ein Untepkudjur und einige Kedjad, welch letztere in Amt und Mürbe den Diakonen der ersten christlichen Zeit entsprechen, im Hause des Großkudjur. Einer der Kedjad bringt eine hölzerne Schüssel mit Blättern von allen eßbaren Kräutern, hauptsächliche Bohnen; auch Kürbisse und geröstete Heuschrecken sind darin. Darauf begibt man sich! in die Hütte des Geistes, wo die beiden Kudjure über die Kräuter Segenstzebete sprechen. Nun genießt der Großkudjur ein Blatt, ein Stück von einem Kürbis und eine Heuschrecke, worauf die Anwesenden der Reihe nach das gleiche tun. Man nennt diese Zeremonie „das Verkosten der Bohnen". Am nächsten Tage, also dem eigentlichen Festtag, wird dieselbe Zeremonie vom Volke wiederholt, doch so, daß sich alle Verwandten ihrer väterlichen Abstammung nach zusammenfinden. Der Stammesälteste, in seiner Abwesenheit aber bet Jüngste, beginnt mit dem Verkosten und reicht die Schüssel dem Nächsten hin und so fort, bis alle gekostet haben. Von nun an ist der Genuß 'aller Gaben der Erde, die in dem neuen Jahre seit Beginn der Regenzeit gewachsen sind, mit Ausnahme des Getreides, erlaubt; vor diesem Feste ist der Genuß b er seiften ein iri er, d. i. eine Sünde. Wenn man bedenkt, daß das Gemüse einen Hauptbestandteil der täglichen Nahrung für die Nuba bildet, so begreift man, wie sehr sich die Leute auf dieses Fest freuen. Um den Sinn desselben gefragt, geben sie durchwegs diese oder eine ähnliche Antwort: „Ist nicht die Erde beim Saatfest 'gesegnet wopden? Nun hat sie uns die ersten Früchte gebracht, die Bohnen und Kürbisse; >aber man darf sie nicht berühren, denn was Gott den Menschen neu schenkt, muß erst vom Kudjur gesegnet werden, damit es die Menschen für sich gebrauchen können." Diese Feier dient auch sehr zur Erhaltung des Familiensinnes und zur Festigung der Stammesangehörigkeit. Manche Feindschaft zwischen Verwandten ist bei dieser Gelegenheit beseitigt worden. In einer Familie z. B., war der Vater, zugleich der Stammesälteste, gestorben. Sein nächstältester 'Bruder beanspruchte gewisse, ihm zukommende Erbrechte, die ihm von den Neffen verweigert wurden. Die Folge war gegenseitige Feindschaft. Es nahte das Fest des „Verkostens". Die Kinder des Verstorbenen wollten es 'allein für sich begehen, aber die Alten des Dorfes warnten sie vor dieser Übertretung der Volksbräuche. So mußten sie sich zu einem Vergleich mit ihrem Onkel herbeilassen. Dieser zeigte sich entgegenEommerib und- verzichtete, auf die >Evmahnung ariderer hin, auf einen Teil seiner Ansprüche, worauf die Feier stattfinden konnte. Der allgemeinen Freude geben vor allem die Jünglinge Ausdruck durch häufiges Flötenspiel, fect§ nun wieder erlaubt ist, während es seit dem Saatfest verboten war. Sie verfertigen ihre Flöte, indem sie die Rinde von einem mitteldicken Aste eines gewissen Baumes abziehen, sie trocknen -lassen, etwaige Risse -mit Pech verbleiben und eini-ge Löcher in -gut berechneten Abständen anbringen. Manche Burschen verstehen sie meisterhaft zu spielen; sie bringen damit gern den Mädchen ein Ständ-chen dar. Wenn diese im Gänsemarsch zum Brunnen ziehen, sieht man bald hier, bald- dort aus einem hohen Felsen in der Nähe des -Weges einen Minnespieler. Besonders des Wends erfüllt der schmachtende Flötenklang von verschiedenen. Bergen her die Luft. Die Knaben ergötzen sich in dieser Zeit mit der Heus-chreckenjagd. Mit einem kleinen Bogen und Pfeil, an dessen Ende ein langer Dorn- befestigt ist, stellen sie den Tieren nach, olhne sie -mit d-er Hand zu sangen. Dabei h-at noch so mancher Junge sein kleines Brüderchen oder Schwesterchen zu hüten. Das Geschöpf hängt an seinem Rük-ken mit schmerzlichem Gesichtsausdruck, während er selbst da und dort hin springt. Verzieht sich das kleine Gesichtchen gar zum Weinen, so wird ihm der tröstende Leckerbissen -gereicht, die rohe Heuschrecke. Von d-en Heuschrecken wird -ein igroßer Vorrat gesammelt, um sie entweder am Feuer zu rösten oder noch lieber tu der Wanne mit Fett oder dl zu braten; nur die Flügel Werdenweggeworfen; der Hinterleib gilt als besonders schmackh-aft. In der Mission herrschte in dieser Zeit nicht dasselbe fröhliche Leben wi-e beim Nubavolk. Ein schwerer Sturm war hereingebrochen. Die Behörden in El-Qbeid hatten durch ihre Spione von der Ankunft und dem Aufenthalt der zwei Patres Kunde erhalten und den Generalgouverneur in Khartoum davon benachrichtigt, mit dem Bemerken, die beiden Deuts-chen könnten Bei ihrer Reise zu dieser Zeit keine andere Absicht -gehabt haben, als die wankelmütigen Eingeboren-en gegen die Regierung aufzustacheln-; ebenso still und heimlich, wie sie gekommen, seien sie wieder verschwunden; dazu habe der eine von ihnen ganz d-as Benehmen eines preußischen Reserveoffiziers! Der Generalgouverneur beschied den Bischof zu sich und wünschte von ihm Aufklärung über das verdächtige Gehaben seiner Untergebenen; er sagte ihm auch, daß die „österreichische" Mission es nur seiner (des Bischofs) loyalen Gesinnung zu verdaUken habe, wenn sie noch weiter bestehen könne. Natürlich schrieb der Bischof sogleich an die Dillinger Missionäre; sein Brief ivar dort keine angenehme Überraschung. -Man rechtfertigte sich so gut es ging. Es kamen denn auch beruhigende Nachrichten; der Generalgouverneur selbst bestätigte beim Bischof, es liege nach genaueren Erkundigungen keine weitere Schuld d-er Mission v-ou Dilliug vor, -als nur jene -unangemeldete Reise. Trotzdem war ein leichter Schatten des Mißtrauens nicht mehr wegzubringen, umso mchr, als feile unsinnigen Gerüchte, welche die Araber verbreiteten, auch zu den Ohren der Regierung kommen -mußten. Mer die Missionäre ergaben sich schließlich gleichgültig und kaltblütig in ihre Lage; -eine Katastrophe war ja doch kaum zu vermeiden, wenn d-er Krieg noch längere Zeit dauern sollte. Sie taten ihre Pflicht und gaben Me 'Sorgen und Befürchtungen auf. Sie ließen sich nicht einmal dazu herbei, die Anstifter gewisser Gerüchte, die ihnen wohlbekannt waren, der Regierung anzuzeigen, obwohl vorauszusehen war, daß feie Mission wegen derselben in Verdacht foirmnen würde. Man ließ den Dingen- einfach ihren Lauf. Ende September kehrte der englische Inspektor von seinem Urlaub nach Sitting zurück. Da unterdessen Verordnungen bezüglich der feindlichen Untertanen erlassen worden waren, lud er die Missionäre vor, nahm ihre Nationale zu Protokoll und ließ sie ein Formular unterschreiben, in welchem sie sich verpflichteten, nichts gegen die englisch-ägyptische Regierung zu unternehmen und ihren Wohnsitz ohne amtliche Bewilligung nicht zu verlassen. Kaum war man aus dem Sturme ein wenig zur Ruhe gekommen, da traf die Mission ein anderer schwerer Schlag. Anfangs Oktober meldeten sich bei P. Schumann die ersten Anzeichen einer beginnenden Krankheit. Sein altes Magenleiden, das durch wiederholte Operationen in Europa als beseitigt gegolten hatte, schien wieder zu erwachen. Er fühlte sich öfter bei Disch unwohl und konnte an mancher Mahlzeit nicht teilnchmeni. Vielleicht stand es schon schlimmer um ihn, als er es merken ließ. Am 10. Oktober wurde er nach dem Mittagessen von d-en heftigsten Schmerzen im Magen, verbunden mit Krämpfen an allen Gliedern, befallen. Erst gegen Mend fühlte er sich besser und verbrächte auch die folgende Nacht gut. Am nächsten Tage aber, einem Sonntag, traten die Schmerzen und Krämpfe mit erhöhter Heftigkeit toidber auf und verließen ihn nicht mehr während d-er ganzen zehn Tage, die er noch lebte. Er konnte keinen Augenblick allein gelassen werden; stets mußte man mit heißen Umschlägen bereit Hlabaltermofchee in Kairo stehen, um die Krämpfe ein wenig zu mildern. Er schlief und- aß fast nichts mehr, nur Flüssiges konnte er in geringen Mengen zu sich nehmen; aber auch das verursachte ihm- Schmerzen und- -Erbrechen. Am Dienstag verlangte er selbst die HI. Sterbe- ©tern 4>er Neger Heft H/J 2 230 fofmmente. Ein Arzt toar nicht in der Nähe, doch versicherte der Inspektor, es werde täglich die Ankunft eines Kamel-Korps erwartet, bei dem sich auch ein Arzt befinde. Es war nämlich eine neue Expedition igegert die noch immer nicht unterworfenen Mandat im Zuge. Aber es verging ein Tag nach dem andern, und der Arzt kam nicht. Auf den dringenden Wunsch des Kranken wurden ihm an drei aufeinander folgenden Abenden Einspritzungen gegeben, so daß er für einige Stunden, jedesmal etwa bis Mitternacht, in -einen halbwegs ruhigen Halbschlummer kam. -©eit diesen Einspritzungen stellte sich auch von Zeit zu Zeit Delirium ein, doch blieb der Kranke im (ganzen bis zur letzten Nacht vor seinem Tode bei klarem Bewußtsein. In den ersten Tagen hatte er noch an ein Anskomm(en (geglaubt, später war er von dem tödlichen Ausgang der Krankheit überzeugt. Er war vollkommen ergeben und wünschte nur, es möchte das Ende bald kommen, nicht so sehr seinetwegen, als vielmehr wegen seiner Mitbrüder. Selbst während seiner -größten Qual zeigte er sich rücksichtsvoll gegen dieselben und dankte für die ihm erwiesenen Dienste. Am 19. abends zeigte sich bei ihm der Todeskamps, begleitet von Erstickungsanfäl-len, indem die Krämpfe auch die Kchle und die Zunge ergriffen. 'Man verrichtete die Sterbegebete, after nach etwa einer Stunde ließen die Krämpfe nach. Es wurden dem Sterbenden Stoßgebete vorgesagt, die er nachsprach. Während der Nacht lag er völlig ermattet da, und nur zeitweilig kam das Bewußtsein und mit ihm das Gefühl der Schmätzen. Am Morgen kam endlich der Arzt; der Inspektor hatte ihm einen berittenen Polizisten .entgegemge= schickt. Mer er konnte nur noch feststellen, daß eine Rettung nicht mehr möglich sei. Der Sterbende lag, im Geigensatz zu den vergangenen Tagen, ruhig und mit verklärtem Gesicht d-a; in seinen Phantasien war er schpn im Himmel, und er, der schlechteste Sänger auf Gottes Erdboden, saug wiederholt die Präfati-ou und verschiedene Antiphonen. Am Nachmittag des 20. Oktober um 2 Uhr verschied er sanft und still. Zum Begräbnis, das am selben Mend um 5 Uhr stattfand, erschienen außer den Nüba der zwei benachbarten Dörfer der Inspektor, der Mamur der Mauon, die Offiziere der Garnison und feie syrischen Kaufleute. Das Grab' war von den Eingeborenen dicht neben dem Kirchlein ge= macht worden. Da kein Sarg vorhanden war, wurde am Grmide des Grab(es noch eine engere Vertiefung ausgehoben, der Leichnam in dieselbe hineingelegt und die Vertiefung mit Kistenbrettern und Ziegeln überdeckt, worauf die Erde eingefüllt 'wurde. Ein Holzkrenz mit der Inschrift tourlbe später auf das Grab -gefetzt. Die zum Begräbnis erschienenen Nuba tourlben reichlich mit Tee bewirtet. An den folgenden Tagen erstatteten sie, wie es unter ihnen ber Brauch ist, einem jeden der Missionäre Besuche, um ihr Beileid zu bezeigen. Eine feststehende Phrase dabei ist: „Iri on tidigo: so sterben eben die Leute." Die Zähl ber beim Begräbnis anwesenden Eingeborenen dürfte hundert gewesen sein; sie -wären toiel zahlreicher gekommen, aber die meisten von ihnen weilten noch aus ihren entlegenere Feldern,, von wo sie oft monatelang nicht heimkehren. Allein gerade in der ans das Begräbnis folgenden Woche sammelten sie sich alle wieder in ihren Dörfern, denn es sollte ihr drittes und (größtes Jahresfest gefeiert werden, nämlich das Erntefest, das sie urmalce nennen, d. i. wörtlich „Herausgehen des Geistes." * In jenem Jahre (1914) fiel es auf den 31. Oktober, also gleich den beiden anderen Jahvessesten auf einen Samstag. Während das Saatfest Iben Beginn der Regenzeit Bebautet, gilt das Erntefest als der Schluß desfelben, und fein Datum wird ebenfalls aus ibem ©tanbe des Siebengestirns ermittelt. Es ist nämlich der erste Samstag, an dom dasselbe zugleich mit oder unmittelbar vor Anbruch der Dunkelheit aufgeht, während es vor diesem Tage erst in der Nacht aufgeht, nachher aber schon am Himmel steht, wenn die Nacht Beginnt. Wie genau die Nuba ihre Beobachtungen am Sternenhimmel machen, zeigt die Tatsache, daß die drei Hauptfeste, Saat-, Bohnen- und Erntefeste, welche 1914 an den drei Samstagen 9. Mai, 12. September und 31. Oktober gefeiert wurden, im folgenden Jähre aulf den 8. Mai, den 11. Septenäber und den 30. Oktober fielen. Es ist in erster Linie der Großkudjur, der diese Beobachtungen anstellt. Sein Wohnort, hoch aus einem der Berge, mit freier Aussicht nach allen Himmelsrichtungen, ist vortrefflich dazu geeignet. Fast jeden Mend findet man ihn dort im Kreise seiner Frauen oder der Dorfältesten auf einem Felsen sitzen nnd fleißig zum Himmel blik-ken, bis es Nacht wird. Leider hatte keiner von den Missionären Gelegenheit, die Zeremonien zu sehen, welche der Kudjur in der Hütte des Geistes am Erntefest vornimmt; großartig aber ist die äußere Feierlichkeit an diesem Feste. Am vorhergehenden Abend! Bei Sonnenuntergang zieht alt und jung ans die Gipfel der Berge. Sobald ba§ Siebengestirn * Das Wort ist zusammengezogen aus „urin bal sehe“, ö. i. des Geistes Hinausgehen. aufgeht, also gegen 7 Uhr, erdröhnen im Hofe des Kudjur drei !große Trommeln; auf dieses Zeichen hin erhebt das ganze Volk ringsum ein Jubelgeschrei, das wohl eine halbe ©tunbe lang dauert. Um den Grund Befragt, antworten die Nuba: „uri bal holm", d. i. der Geist ist herausgekom-men. Was dies eigentlich zu bedeuten hat, konnte nicht ermittelt werden. Am nächsten Tage in aller Früh!e werden toi eben die Trommeln geschlagen; das Volk Beginnt zu jauchzen!, und viele Berittene zu Roß und Esel versammeln sich am Fuße des Berges, den der Großkudjur bewohnt. In Begleitung des Häuptlings uwd anderer Kudjure, alle in bunten Pracht-gewändern, steigt der GroWudjur herab; die Witwen, welche keine Heirat mehr zu erwarten haben, bilden sein '©efolge; singend- und tanzend ziehen sie hinter ihm her, Ihteti er ihr väterlicher Versorger und Beschützer ist. In der Ebene angelangt, salbt der Großkudjur die Pferde und Esel mit Butter, Besteigt dann sein Reittier und /zieht mit seiner zahlreichen Begleiterschar hinaus, um die Ernte zu beginnen. Von allen Getreidefeldern, an denen der Zug vorbeikommt, werden einige Ähren gesammelt. Gleichzeitig sprengen die Reiter mit ihren gesalbten Pferdlen nach allen Richtungen aus und brechen im vollen Galopp bald bin, bald dort eine Ähre ab. Sie kehren jedoch schnell wieder zurück und erwar-ten den Kudjur an einer Stelle, wo er auf seinem Rückweg vorbeikommen muß, um gemeinsam mit ihm mit den Erstlingen der Ernte ins Dorf einzuziehen. Dieser Einzug gleicht einem Triumph; an der Spitze der Großkudjur, hinter ihm die Reiterei und zuletzt die Ijüpfenlben Witwen, alle ein Ähreirbüschel in der Hand', so nähern sie sich bien Bergen, und nun erreicht das Jubelgeschrei, ber Wirbel der Trommeln und der Klang der Homer seilten Höhepunkt. Die Nuba sagen. Ißet diesem Schauspiel geraten selbst uTimünlbige Kinder und altersschwache Greise in Begeisterung. Die Ahrenbüschel werden in der Hütte des Geistes niedergelegt. Die Reiter, die art dem Festzug teilgenommen, vevanstalten nach ihrer Rückkehr ein Pserfeeweittrennen, das mit einer Art Spießrutenlaufen schließt. Es stellen sich nämlich die Burschen 'tm verschiedenen Wegen zu beiden Seiten auf und erwarten die einzelnen Reiter mit dicken, knotigen Durrastengeln, die sie gegen Roß und Mann schleudern. Am Nachmittag be§ Erntefestes wevden dis spät in feile Nacht hinein Tänze abgehlalten. Diese habm nichts Kriegerisches, lbiebei anderen Negerstämmen. Die Hauptsache bei feen Nubatänzen scheint der brausende, manchmal sehr wohlklingenlde und mchrstimmilge Gesang zu fein, begleitet von Tromm elklang und Hörnerschall, während die Tänzerschar, von weitem gesehen, einen großen, dichten Menschenknäuel bildet, ohne auffaöenbe Entwicklung ltnfe Bewegung. Auch von der Nähe betrachtet, bietet der Tanz schwerlich einen ästhetischen Anblick, der eine Beschreibung verdiente. Von diesem Tage an ist es den Nuba erlaubt, die Erntearbeit zu beginnen. Das am meisten angebaute Getreide ist die Durra, eine Kornart, welche an der Spitze eines gegen 2 Meter hohen Stengels einen Kolben trägt. Diese Kolben werden mit dem Messer abgeschnitten, die Stengel aber bleiben stehen; nur die längsten und stärksten finden Verwendung zu Dächern, Zäunen und bei kleineren Hütten zu Wänden anstatt der Mauern aus Lehm. Stengel, die nicht zur Reife gelangt und grün geblieben sind, werden als beliebtes Eselfutter gesammelt. Es ist bei diesem Volke ein alter Brauch, daß die abgeschnittenen Durrakolben nicht heimgebracht und zu beliebiger Zeit ausgedroschen, sondern in der Nähe des Feldes in einer Zeriba zusammengetragen werden, wo sie bis zur Zeit des allgemeinen Drusches, welche der Kudjur angibt, liegen bleiben. Eine solche Zeriba (Umzäunung) wird nicht von den einzelnen, sondern stets von mehreren, deren Felder eine Gruppe bilden, gemeinsam angelegt. Der Boden derselben wird zum Schutze gegen die weißen Ameisen mit Asche bestreut, und dann errichtet sich jeder Besitzer eines Feldes ein niedriges Holzgerüst, auf welchem die Durrakolben aufgeschichtet werden. So entsteht ein Kornhausen neben dem anderen; mancher erreicht eine beträchtliche Hohe und darnach läßt sich der Fleiß und der Reichtum des Volkes bemessen. Es ist wirklich merkwürdig, wie die Nuba es wagen können, ihr ganzes Besitztum für längere Zeit gemeinsam im Freien zu lassen, ohne Aufsicht und ohne einen anderen Schutz als nur gegen Vögel und andere Tiere, indem sie die Kornhausen mit Sträuchern bedecken und ringsum mit Dornbüschen umgeben. Es verrät einen ausgeprägten Rechtlichkeitssinn, wenn die Leute ein solches Vertrauen zneinanfeler tragen und nicht im geringsten fürchten, daß einer dem anderen etwas entwenden könne. Tatsächlich kommen mutwillige Beschädigungen, Diebstahl und Raub unter dem Volke selbst nicht vor; die Nuba* be- * So oft von den Nuba im allgemeinen die Rede ist. sind immer nur die Warki von Dilling gemeint nebst ihren stamm- und sprachverwandten Brüdern, nämlich den Unči von (Molfan, den Kodin-iri von Kadaro, den Quaschi von Kudnr und den Karki von Karko. Nur diese betrachten sich als trachten sich als eine Familie, und alles, was der einzelne gemäß den Volksüberlieferungen besitzen und erwerben darf, gilt als heilig; eine Übertretung der Volksbräuche aber, also des Sittengesetzes, wäre ein iri er. Dieses religiöse Rechtsgefühl bezieht sich jedoch nur aus das Eigentum der Volksgenossen; vor dem Besitztum anderer Stämme haben die Nuba diese Achtung nicht; da gilt nur das Recht des Stärkeren. Doch zeichnet sie auch dabei eine gewisse 'rq'"v i 1 • •• \- j l- ’Wr.\ I Inneres der SuIfcinßciHan=meIchee mH Gebefsnilche und Kanzel eine Familie mit ähnlicher Sprache, Religion und Sitte. Sie allein verdienen übrigens den Namen Nuba, weil sie mit den Nubiern oder Barabra im nubischeu Niltal verwandt sind, wie die Geschichte ihrer Einwanderung in ihre jetzigen Wohnsitze und ihre Sprache beweisen. Erst die Araber und die gegenwärtige Regierung haben die Bezeichnung Nuba auch auf die übrigen, im südlichen Kordosgn wohnenden, nicktarabischen Stämme ausgedehnt. Doch zeigen letztere in Sprache, Körperbau und Sitten eher eine Verwandtschaft mit den nilotischen Negerstämmen der Schilluk und Dinka. Ritterlichkeit aus. Hinterlist und Heimlichkeit sind ihnen fremd; sie kennen nur den offenen Kampf. Aber auch bezüglich des Eigentums der Volksgenossen hat dieses Rechtsgefühl seine Grenzen, indem es sich nur auf jenes Besitztum erstreckt, das zu den Volksüberlie-serungen gehört. So wird außer der Durra und einigen anderen Feldfrüchten, die von jeher von den Nuba angebaut wurden, auch Mais gesät; derselbe gilt jedoch als ein fremdes Getreide und steht somit nicht unter dem Schutze der heiligen Überlieferungen. Ebenso genießen dieses Vorrecht nicht europäische Waren und Gegenstände, welche die Leute von' den Arabern am Markte erwebben. Allerdings wird ein Erwachsener kaum einen mit Vorbedacht ausgeführten Diebstahl begehen, weil ein echter Nuba jede Heimlichkeit von Natur aus verabscheut; aber eine ungerechte Aneignung dieser Gegenstände gilt nicht als iri er; wer sie daher z. B. im Freien findet, wird sie ohne Bedenken mit sich nehmen. Aus demselben Grunde wird der Mais nicht wie das Durrakorn weit auf den Feldern, sondern nur in der Nähe der Wohnungen gesät, wo er leichter bewacht werden kann. Man hat zwar nicht zu befürchten, daß Diebe im großen und etwa bei Nacht in einem Maisseld stehlen, aber wer an solchen Pflanzungen vorbeigeht, wird sich einige Kolben mitnehmen; besonders Kinder pflegen sich gern darin aufzuhalten und die unreifen, noch milchigen Körner zu essen. Ein Mittel, um solche Felder unter den Schutz der heiligen Überlieferungen zu stellen, besteht darin, daß man sie mit einem vom Kudjnr gesegneten Zeichen oder Gegenstand versieht. Aus alldem läßt sich erkennen, worin bei bc;i 9Mxt das Movalprinzip zu suchen ist, d. h. die ethische Norm, nach welcher eine Handlung sittlich gut oder für sittlich schlecht gehalten wird. Sittlich schlecht und darum unerlaubt ist jede Handlung oder Unterlassung, die sie als iri er, das ist etwas, was man fürchten muß, bezeichnen. Dieser Name gibt den äußeren Grund an, weshalb eine Handlung sittlich schlecht ist, nämlich wegen ihrer Folgen im Diesseits und Jenseits. Der innere Grund aber, der eine Handlung zu einer schlechten macht, besteht darin, daß sie eine Übertre- tung gewisser Volksgebräuche ist; diese bilden also das nubauische Sittengesetz. Es wird nicht uninteressant sein, auch den Umfang und die Natur jener Volksbräuche, welche das nubauische Sittengesetz ausmachen, genauer zu untersuchen. Man braucht zu diesem Zwecke nur jeden Brauch, dessen Übertretung als iri er gilt, nach seinem sittlichen Gehalt und Ursprung zu prüfen. Da ergeben sich denn hauptsächlich zwei Klassen von Bräuchen oder Geboten des Sittengesetzes. Die Bräuche der ersten Klasse sind derart, wie sie im engen Kreise einer Familie zu finden sind, die sich aber gewöhnlich und naturgemäß verlieren, sobald sich die Familie weiter verzweigt; bei den Nuba jedoch haben sie sich erhalten. In einer wohlgeordneten Familie hat der Vater als das Oberhaupt das Recht zu befehlen, und seinem Worte wird gefolgt. Seine Herrschaft ist eine väterliche und vertrauliche. Er hat auch für die Seinen zu sorgen, besonders für die Erwerbsunfähigen und Unmündigen. Unter den Familiengliedern werden körperliche Verletzung oder gar Tötung und unerlaubter Verkehr fllrvnaturwidrig gehalten. Vorkommende Zwistigkeiten schlichtet der Vater. Astes Besitztum der einzelnen Familienglieder gilt unbeschadet ihrer Rechte als Familiengut und wird nach dem Willen oder der Gutheißung des Vaters erworben und veräußert. Alle Verträge erhalten durch das Familienoberhaupt Gültigkeit und Kraft. Die größeren Arbeiten werden gemeinsam verrichtet und man hilft sich gegenseitig; die Festtage werden aber auch gemeinschaftlich gefeiert und werden zu Familienfesten. Dieses Familienleben führen die Nuba von Billing. Sie bilden zwei getrennte Familien; zur ersteren gehören die Leute des Kudjur, zur zweiten die Leute des Stern ib er Neger 235 Heft 11/12 Häuptlings. Beide Oberhäupter üben eine milde Gewalt aus, indem sie ihre Entschei-dungen nur nach gemütlichen Beratungen mit den Greisen fällen. Ihren Anordnungen oder Ermahnungen zuwiderzuhandeln ist ein iri er. Beiden liegt auch die Sorge für die Waisen und Witwen ob, die keinen Ernährer haben; solchen ein Leid anzutun ist ein iri er, denn sie stehen unter dem Schutze des Kudjur. Unter den Leuten der einen wie der anderen Volksgruppe ist jede Verwundung ein iri er, denn „es ist", erklärte ein Alter, „Bruderblut und kommt auf den Frevler zurück". Entstehen Streitigkeiten, so begibt sich der eine Teil zum Kudjur, oder dieser ruft beide zu sich, besprengt sie mit Wasser und söhnt sie aus; seiner Einladung nicht Folge zu leisten oder weiter im Zwiste zu leben, ist ein iri er. Heiraten und gewisse Sittlichkeitsvergehen innerhalb der Leute des Kudjur oder innerhalb derjenigen des Häuptlings sind sämtlich iri er; die.eine Volksgruppe muß ihre FrauenEvrm der anderen oder von anderswo hernehmen, obwohl jede Gruppe groß genug wäre, um Ehen außerhalb aller Verwandtschaftsgrade zu ermöglichen. Wie das Eigentum des Einzelnen durch das iri er geschützt ist, wurde bereits dargetan. Allen größeren Verträgen unter den Nuba selbst, soweit sie nicht durch Geld oder ausländische Waren abgeschlossen werden, verleiht der Kudjur die unverletzliche Kraft. Endlich sind es die allgemeinen Arbeiten am Felde, bei denen sich das ganze Volk als eine Familie fühlt und äußert. Niemand beginnt die Aussaat, die Ernte, das Dreschen und den Genuß der neuen Früchte, bevor nicht der Kuiöjur selbst dazu den Anfang gemacht hat, es wäre sonst ein iri er. Die großen Jahresfeste endlich sind, wenigstens der äußeren Feierlichkeit nach, Familienfeste, in denen das Volk von seinem Oberhaupt den Auftrag und Segen für die der Jahreszeit entsprechende Arbeit erhält. Bei allen Arbeiten, die der einzelne nicht vollbringen kann, leisten sich die Nuba gegenseitig Hilfe. Es wäre ein iri er, unter den Volksgenossen Arbeiter um Lohn zu dingen; wer Hilfe braucht, pflegt seine, Nachbarn als Gäste einzuladen; dies ist der nubanische Ausdruck für diesen Brauch, und es ist ein iri er, der Einladung nicht zu folgen; nach Vollendung der Arbeit werden die Gäste mit Kornbier bewirtet; die Reicheren schlachten auch ein Schaf oder einen Ochsen. Solche Gastarbeit geschieht z. B. beim Anlegen eines neuen Feldes, wobei eine größere Fläche im Walde ausgerodet und gereinigt werden muß, dann beim Reinigen ausgedehnter Kornpflanzungen vom Unkraut, bei der Ernte, beim Dreschen des Kornes und beim Bau von Hütten, selten dagegen bei der Aussaat, denn es hängt vom Fleiße des Einzelnen ab, ob er mehr sät, als er für seinen Haushalt braucht. Alle diese Gebräuche machen das Volk der Nuba zu einer patriarchalischen Familie und sind darum so heilig, weil sie die Erhaltung des ursprünglichen Familienlebens bezwecken. So führt dieser Teil des nubanischen Sittengesetzes zu dem gleichen Ergebnis wie ihre Geschichte und Sage, daß nämlich mehrere nahestehende Familien in dieses Land eingewandert und da allmählich zu einem großen Volke angewachsen sind. In ähnlicher Weise erweist sich der zweite Teil des nubanischen Sittengesetzes als Rest der Zugehörigkeit dieser Familien zu einem religiös - weltlichen Staate. Schon die große Macht, welche die Kudjure durch den uri ausüben, läßt schließen, daß die Stammväter entweder mehr als bloße Familienhäupter waren, oder daß sie Beim Untergang jenes Staates und bei ihrer Trennung von demselben das 236 ©tern ib er Neger Heft 11/12 Amt der geistlichen und weltlichen Würdenträger übernommen haben. Sie allein stehen durch den uri mit Gott in Verbindung; dem Volke ist es nicht erlaubt, einzeln oder gemeinsam zu beten. So antworteten die Knaben, als die Missionäre sie später' bei ihrem Abzug ermahnten, die in der Schule erlernten Gebete fleißig allein und gemeinsam zu verrichten: „Das dürfen die Nuba nicht tun; es ist ein iri er". So eigentümlich dies klingt, so findet dieser Brauch doch seine Erklärung in der Geschichte dieses Volkes. Als nämlich in dem ehemaligen nubischen Reiche das Priestertum ausgestorben war, hörte auch der Gottesdienst auf und es blieben nur die äußeren Feierlichkeiten, als Volksfeste, deren Leitung und Veranstaltung den Kud-juren obliegt, aus welche die Würde der Bischöfe und Priester in Gestalt des uri überging. Davon stammen alle die Gebräuche, mit denen die Nuba ihre außergewöhnliche Ehrfurcht vor dem Kudjur zeigen. Wer ihm begegnet, legt das Messer, das alle Nuba am linken Arm tragen, ab, entblößt die linke Schulter und neigt sie ihm hin; der Kudjur legt seine Hand darauf und spricht: „bil ildji a urkindie al an ata“, d. h-„Gott erhalte dich gesund, mein Sohn!" In einer Hütte, in welcher sich gerade ein Kudjur befindet, darf man nur barfuß eintreten. Es ist verboten, mit ihm auf derselben Bank oder auf demselben Felsen oder gleichzeitig mit'ihm auf dem Boden zu sitzen; im letzteren Falle holt man für ihn einen Stein oder ein Stück Holz, damit er sich darauf setze. Niemand darf in seiner Gegenwart und noch weniger zugleich mit ihm essen. Bunte Kleider, welche denen ähnlich sind, mit welchen er sich bei seinen Amtsverrichtungen zeigt, darf niemand tragen. Die Tauben sind sein besonderes Abzeichen und Eigentum; nur er darf sie halten. Ganz auffallend aber sind die Zeremonien, die er bei neugeborenen Kindern vornimmt; er bespritzt sie nämlich mit Wasser und salbt sie darauf mit Sesamöl, was an die Taufe und Firmung erinnert, womit auch der nubanische Ausdruck für diese Zeremonie stimmen bürste.* Noch deutlicher erscheint dieser Zusammenhang mit einer kirchlichen Gemeinschaft bei gewissen Gebräuchen, welche kerte heißen und eine Ähnlichkeit mit den alt-testamentlichen Reinigungsgesetzen haben. Es ist ja bekannt, daß bei den orientalischen Neubekehrten und Sekten der ersten Zeit sich neben dem Christentum vielfach-jüdische Gebräuche erhalten haben. Wenn z. B. jemandem ein Unfall zustößt, indem *) Das Bespritzen mit Wasser heißt ept (eptere — ich bespritze); das Salben heißt Kersch (kerschere — ich salbe). Letzteres Wort wird noch gebraucht in der Bedeutung: bezeichnen, mit farbigen Zeichen versehen. So pflegen sich die Jünglinge bei Festlichkeiten zu bemalen, um dadurch die mangelnde Kampfrüstung anzudeuten. Das erste Wort nun scheint mit ßmra£, das Oveite xpl% zusammenzuhängen. Bezüglich des ersten ist zu bemerken, daß im Nubischen zwei gleichartige Konsonanten nicht aufeinander folgen dürfen, sondern einer davon --wird elidiert, wie in diesem Falle das anlautende „6". Zu dem zweiten ist zu bemerken, daß kein nubisches Wort zwei Konsonanten im Anlaut zeigt; darum tritt auch bei Lehnwörtern aus dem Arabischen eine ähnliche Laulumstellung ein, wie sie hier zn beobachten ist; ferner kennt die Nubasprache weder ein noch ein scharfes oder weiches „f", sondern nur ein „sch". Da der nubische Name für den Sonntag, nämlich kirege, ganz offensichtlich ans dem griechischen >.vp:«-/ch stammt und somit eine ehemalige griechische Liturgie verrät, so liegt die Vermutung nahe, daß auch andere nubische Ausdrücke, besonders aus dem religiösen Leben, griechischen Ursprungs seien. So dürfte das „iri er" mit iep(o;) identisch sein, umso mehr, als „iri er" wie ein Namen behandelt und dekliniert wird. Ter Himmel heißt aren, bergt. oi>pav(oc); der Häuptling heißt schil, bergt. ßaciXeu;; verfluchen heißt ant, vergl. &vo>rjp.ce. Eine genaue Prüfung des nubischen Sprachschatzes dürfte in dieser Beziehung manches interessante Ergebnis liefern er sich etwa den Arm bricht und dergleichen, so muß er eine bestimmte Zeitlang Buße tun; er darf sich nicht waschen unb scheren, dars mit niemand zusammen essen, muß bei der Unterhaltung stets abseits sitzen, darf sich von niemand berühren lassen, muß in einer Hütte allein auf einer alten Strohmatte auf dem Boden schlafen, darf nur ein altes, ungewaschenes Tuch als Kleid tragen und muß sich sein Essen von irgendeiner alten Frau bereiten und bringen lassen. Stirbt einem Ehepaar das erstgeborene und einzige Kind, so dauert diese Bußzeit für Vater und Mutter, die während derselben getrennt leben müssen, zehn oder sieben Wochen, je nachdem das Kind ein Knabe oder ein Mädchen war Beim Tode einesFamilienvaters dürfen die Hinterbliebenen einige Tage lang das Haus nicht verlassen und die weiblichen Angehörigen müssen ein Jahr lang das Haar kurzgeschoren tragen. Ein Mann, dessen Frau in der Hoffnung ist, darf sich weder rasieren noch scheren. Unternimmt endlich jemand zum erstenmal eine längere Reise, so muß, wenn er verheiratet ist, seine Frau, sonst seine Mutter, eine ähnliche, jedoch leichtereBuße üben bis zu seiner Rückkehr. Auch die nubauischen Jahresfeste, die sämtlich ein iri er sind insoweit die damit verbundenen, Gebräuche nicht geändert und unterlassen werden dürfen, tragen einen alttestamentlichen Anstrich, vermengt mit christlichen Resten, besonders Bohnen- und Erntefest. Der Zeitraum zwischen diesen beiden Festen beträgt genau sieben Wochen oder 50 Tage, wie zwischen Ostern und Pfingsten. Das Fest der Bohnen heißt iikud, d. h. das Laub der Bohnen und aller verwandten Arten. Es ist eigentlich die erste Frucht, nämlich der Kräuter und Gemüsefrüchte, die von den versammelten Familiengliedern der Reihe nach in rohem Zustand verkostet und gegessen werden, so wie es beim jüdischen Osterfest mit den Kräutern geschah. Während der Vorbereitungszeit auf das Bohnenlanibfest ist Tanz, Gesang und Musik verboten, so wie es von jeher vor dem christlichen Osterfest der Minarett der Sultan«HaIIan=Ulo[chee in Kairo 238 Stern «der Neger Heft 11/12 Brauch war. Das andere Fest heißt urmalče, d. h. Ausgehen des Geistes. Ob nicht dieser Name gleichbedeutend ist mit der Aussendung oder Herabkunft d>es Heiligen Geistes? Einer der Beinamen des uri lautet uti ken, d. h. guter und heiliger Hauch, und sein Abzeichen ist die -Taube. Beide Feste fallen bei den Nuba allerdings in eine spätere Jahreszeit, doch ist diese der Bedeutung nach die gleiche wie beim Oster- und Pfingstfest, denn bei den Juden war das Osterfest zugleich das Fest der neuen» Früchte, bei den Christen ist es das Pfingstfest. Man lese nur Levit. 23, und die Episteln der Pfingstvigilmesse. So ist bei dem Pfingstfest der Nuba, dem urmalče, nur die äußere Feier eines Erntefestes geblieben. Den Israeliten war befohlen: „Ihr sollt weder Brot, noch Geröstetes, noch Brei vor der Ernte essen bis an den Tag, da ihr davon dargebracht eurem Gott!" Das.gleiche Verbot gehört zu den iri er der Nuba; erst vom Erntefest an dürfen sie das neue Korn zur Speise verwenden, vorher dürfen sie es nur roh essen. Am Tage vor dem Erntefest bereitet ein Kedjad (AmtsdienLr des Kud-jur) das erste Brot vom neuen Korn, das dann in der Hütte des Geistes geopfert wird. Ferner hatten die Israeliten das Gebot: „Ihr sollt Garben von Ähren, die Erstlinge eurer Ernte, zum Priester bringen; dieser soll^die Garbe heben vor dem Herrn und sie heiligen." Auch das wird von den Nuba, wie es oben beschrieben wurde, in feierlichster Weise durchgeführt. Schließlich werden sämtliche Feste an Samstagen gefeiert, ein Brauch, der sicher seinen Grund und Ursprung in der Religion der ehemaligen nubanischen Heimat hat, ebenso wie der Umstand, daß jedes bet= selben eine volle Oktav besitzt, während der die Feierlichkeiten in beschränkterem Maße fortgesetzt werden, wie es auch schon den Israeliten vorgeschrieben war. Beim Saatfest dagegen ist dieser Zusammenhang, wenn er überhaupt besteht, nicht so leicht zu erkennen; es müßte folgerechtlich eine Anlehnung an das dritte israelitische Jahresfest, nämlich das Laubhüttenfest, zeigen. Es wurde sechs Monate nach dem Osterfest, und zwar nachdenr die Früchte von der Tenne und der Kelter eingesammelt worden waren, gefeiert, und sollte eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten und die Wanderschaft in der Wüste sein. Damit stimmen die Umstände des Saatfestes der Nuba einigermaßen überein. Das allgemeine Dreschen des Kornes beginnen sie erst Ende Jänner und werden im März damit fertig, das,Fest fällt auf den ersten oder zweiten Samstag im Mai. Dieser kleine Aufschub erklärt sich einfach damit, daß das Fest, entsprechend den Verhältnissen der neuen Heimat des Volkes, den Charakter eines Saatfestes erhielt. Die Feier selbst macht den Eindruck, als ob das ganze Volk sich zu einem gemeinsamen Auszug rüste oder auf einer Wanderschaft begriffen sei. Alt und jung versammelt sich in der Ebene; jedes Roß und jeder Esel trägt seinen Reiter; auf den Eseln sitzen die kleineren, auf den Pferden die größeren Knaiben, als wenn sie eine lange Reise zu machen hätten; alle Herden sind aus den Wäldern heimgetrieben; sämtliche Jünglinge und kampffähige Männer aber stehen wie zum Streite gerüstet da und ziehen, sobald der Kudjur erscheint, in Marschordnung an ihm vorüber, um seinen Segen zu erhalten und dann nach allen Richtungen in den Wald hinaus zu eilen, wo sie Jagd auf wilde Hühner und andere Tiere machen, die sie dem Kudjur bringen. Diese Jagd wird an den nächsten Tagen fortgesetzt und der Kudjur teilt die Beute mit den Alten, was den Anschein hervorbringt, als ob das Volk fern von seiner Heimat wäre und von der Jagd leben müßte. Missionäre, welche längere Zeit bei anderen Negervölkern gewirkt haben, bekannten, daß die nubanischen Feste etwas so Ehrwürdiges und Erhabenes an sich haben, wie man es sonst nirgends mehr beobachten könne. Auffallend ist noch, daß bei aßen festlichen Gebräuchen nicht die geringste Beimischung von arabischer Sprache oder Sitte zu entdecken ist. Das sind also die beiden Hauptteile des nubanischen Sittengesetzes in seinem Ursprung und in seiner Bedeutung. Außerdem gibt es allerdings noch eine große Anzahl von Gebräuchen, die gleichfalls als iri er gelten, deren Entstehung aber schwer zu erklären ist. Man müßte zu diesem Zwecke genau über die Zustände jenes Reiches und Volkes, zu welchem die Nuba einst gehört haben, unterrichtet sein. Eigentümlich sind diesem Volke vor allem jene Gebräuche, unter denen die Gründung einer Familie zustande kommt, und die gleichfalls als iri er gelten. Im Alter von nicht unter 20 Jahren beginnt der Jüngling sich um die Braut umzusehen; der Ausdruck dafür ist: tero tu, er beginnt das Freien. Hat er eine Wahl getroffen, so muß er längere Zeit hindurch seinen künftigen Schwiegereltern öfter Besuche machen, damit sich die Parteien kennen lernen; man sagt: tere bin, er hat eine Braut; eine eigentliche Verlobung findet aber nicht statt. Darauf entsendet er zwei Alte aus seiner Verwandtschaft zum-Vater der Braut, damit sie mit ihm wegen der Ehe verhandeln. Der -Heiratspreis, der in sechs bis zehn Kühen und einer gewissen Menge von Korn besteht, darf dabei von keiner Seite erwähnt werden; der Vater jedoch hat sich schon unter der Hand nach den Vermögensverhältnissen des Freiers erkundigt und fällt darnach seine Entscheidung. Gibt er seine Zustimmung, so begibt sich der Jüngling in Begleitung einiger Altersgenossen als Zeugen mit einer zusammengerollten und mit sechs Schnüren zusammengebundenen Strohmatte, die als Lager dient, zu seiner Braut. Drei von den Bändern löst er selbst, sie darauf die beiden folgenden, einer der Zeugen endlich das letzte und damit ist die Ehe geschlossen. Man nennt diese Zeremonie birschi dwanjanga, sie haben die Matte gelöst. Nun aber darf der Mann seine Frau noch nicht heimführen; er muß ihr im Gehöft ihrer Eltern eine Hütte bauen, wo sie wenigstens bis zur Erstgeburt verbleibt, während er daheim wohnt. Jetzt erst bestimmt der Schwiegervater den Preis, und von der Zahlung desselben hängt es ab, wann die Tochter endgültig das Vaterhaus verlassen darf. Dieser Umstand, nämlich das Verbleiben der neuvermählten Frau bei ihren Eltern, erinnert an die ähnliche altjüdische Sitte. Daß die nubanischen Gebräuche im allgemeinen mehr jüdisches als christliches Gepräge zeigen, erklärt sich daraus, daß die jüdischen Religionsgebräuche mehr äußerlich und volkstümlich, die christlichen dagegen mehr innerlich waren und wesentlich von der Priesterschaft verrichtet wurden und darum auch leichter verloren gehen konnten. Daß sich endlich bei diesem Volke seit der Zeit seiner Auswanderung viel Aberglauben ausgebildet hat, braucht nicht wunderzunehmen; es wird davon auch in seiner ehemaligen Heimat nicht frei gewesen sein. So sind neben den erwähnten Gebräuchen noch allerhand nichtssagende Dinge geboten und verboten. Ein iri er ist zum Beispiel, ein Kind zu loben, denn das Lob könnte ihm schaden, den Namen eines Verstorbenen zu nennen, denn er könnte bctmii unzufrieden sein, gewissen Vögeln und Tieren ein Leid zufügen, denn sie könnten üblen Einfluß auf Wind und Wetter ausüben, Vögel zu stören, denn sie sind Gäste, die geschorenen oder rasierten Haare wegzuwerfen, denn sie gelten als Mittel zur Verwünschung und müssen daher vergraben werden; die Frauen dürfen kein Hühnerfleisch genießen und sich beim Essen und Trinken von Männern nicht sehen lassen usw. Trotzdem ist aus dem Gesagten zu ersehen, daß das nubanische Sittengesetz einen guten, moralischen Kern besitzt. Es enthält die wichtigsten Forderungen des natürlichen und Reste des positiven göttlichen Gesetzes. Freilich erreicht es nicht den ganzen Umfang des ersteren, indem mehrere Gebote und Verbote desselben nicht als iri er gelten. Das bedeutet jedoch nicht, daß die Nuba keine Scheu tragen, sie zu übertreten; ihr gesunder Sinn lehrt sie auch hierin vielfach das Richtige finden und tun. So gilt das Lügen bei ihnen als verabscheuungswürdig; sie kennen nicht einmal Scherzlügen und man muß im Verkehr mit ihnen sehr vorsichtig sein in bezug aus Anwendung gewisser verblümter Redensarten, die bei Europäern nicht als Lügen gelten. Eltern- und Kindesliebe stehen in hoher Achtung. Den Kleinen erweist man sogar eine gewisse Ehrfurcht und niemand schlägt ein Kind, das noch nicht zur Arbeit verwendet wird. Ungeratene Kinder werden verachtet und kommen schwer zu einer ebenbürtigen Heirat. Die Alten können einen ruhigen Lebensabend genießen; sie erhalten von ihren Angehörigen die sorgfältigste Pflege bis zu ihrem Tode. In ibegfuig, amis die Sittlichkeit sind die Nuba zwar nicht besonders' zart, stehen aber hierin doch höher als manches Kulturvolk. Die Polygamie, wie überhaupt viel Verderbnis, scheint erst durch die Araber eingeführt worden zu sein. Abgesehen von den Kindern aus solchen Ehen sind uneheliche Geburten eine Seltenheit. Prostitution besteht im Nubavolk selbst nicht; sie wird nur (Bei den Arabern und bei diesen auch torn Nuba ausgeübt. Die Kinder aber mit ihrem für das Gute empfängliche Gemüt zeigten deutlich, daß sie auch für die Sittlichkeit Sinn haben und dazu erzogen werden können. So ist in foetm icpngien moralischen Leben der Nuba nieben den schrillen Mißtönen der richtige Akkord, den Iber Finger Gottes im Menschenherz en angeschlagen und durch seine Offenbarung noch besser gestimmt hat, tganz deutlich herauszufühlen. Aber es kostet Mühe, Zeit und Geduld und braucht auch Wohlwollen, • um das Gute, bias in den Sitten eimeS fremden Volkes liegt, zu erkennen, zu schätzen und bei der Arbeit an Ib'effen Heile zu verwerten. Geschieht es doch so leicht, daß man, besonders in der ersten Zeit des Wirkens, von der Fülle der Albernheiten ganz ü6er= wältigt wird und meint, man müsse vor allem die Axt am die Wurzel des Baumes legen, um freien Boden für die neue Saat zu schaffen. Erst nach und Nach erkennt mietn, daß die Wurzel doch zu stark ist und zu tief liegt, und daß man bei dieser wohlgemeinten Zerstörungsarbeit nicht nur nicht totitoärt§ kommt, sondern sich auch jede Aussicht auf Erfolg verschließt, infoem das Volk, das sich mißverstanden und in seinem teuersten Gute mißachtet sieht, tauch seinerseits sich zurückzieht und immer -härteren Widerstand leistet. Wenn man hingegen sich die Mühe nimmt, zu untersuchen, ob der Baum der Sitten und Gebräuche des Volkes vielleicht doch nicht so grmrdschlecht sei, daß Man ihm nicht nach vorsichtiger Beschneidung der wilden Triebe Heft 11/12 241 Stern der Neger das Ale Reis des Christentums einpfrop-fen könne, so wird matt, je tiefer man in d!as innere Leben des Volkes eindringt, ibefto sicherere Hoffnung auf GMittgen dieser Beredlungsarbeit erlangen, falls nicht ein unüberwindliches Hindernis alle DAihe vereitelt. * * * Während das ganze Volk von den Erntearbeiten in Anspruch genommen war, die bis in den Dezember hinein dauerten, hatte man in der Mission Zeit, darüber nachzudenken, was in diesem Winter und in den folgenden Monaten bis zur nächsten Regenzeit für die Bekehrung der Nnba versucht werden könne; diese Zeit, in der alt und jung daheim und ohne nennenswerte Beschäftigung ist, war die geeignetste. Die Aussichten auf Erfolg waren freilich gering, einerseits, weil wegen der europäischen Ereignisse die Aufhebung der Missionsstation zu gewärtigen war, anderseits, weil nach den gemachten Erfahrungen mit den Erwachsenen schwer etwas anzufangen war. Immerhin sollte ein kräftiger Versuch, besonders mit der Jugend, gemacht werden. Ende November brachte die Post einen Brief vom Bischof, in welchem er die Missionäre beauftragte, sobald als möglich die Knäben zu sammeln und eine regelrechte Schule zu beginnen. Ferner sollten die Patres eine kleine Fibel at der Nubasprache abfassen und nach Khartoum einsenden; der Bischof würde sie in seiner kleinen Druckerei druk-ken lassen. Inzwischen sollten die Patres auch einen Katechismus nnlb eine Biblische Geschichte auf Nuba in Angriff nehmen. Dieser Auftrag wurde unverzüglich ausgeführt. Im Dezember war das Lese-büchlein fertig und wurde zum Drucke abgeschickt. So neigte sich das weltgeschichtliche Jahr 1914 auch für Tilling seinem Ende zu. Am 6. Dezember war es ein volles Jahr gewesen, seitdem die Station begrüitdet worden war. In dieser Zeit hatte man wenigstens die Sprache des BofieS hin- Inneres der Hmru-Illoldiee 242 Stern der Neger Heft 11/12 länglich erlernt, um ohne Schwierigkeit mit den Leuten Verkehren zu können. Das war imimerhin etwas und bot die Möglichkeit, im folgenden Jialhre gründlich mit der eigentlichen Missionsarbeit Beginnen zu können. Die politische Lage im Distrikt •Sifling hatte sich inAvischen insoweit geändert, als der seit dem Frühjalhr geführte Krieg gegen die aufständischen Mandat und So-bai glücklich beendet war, nicht zwar durch Gewalt, sondern mehr infolge einer List, die zu deren freiwilligen Unterwerfung geführt hatte. In Dilling lebte nämlich ein Mann vom Stamme der Mandat mit feiner Familie. Diesen hatte der britische Inspektor zn sich rufen lassen und' ihm einen Brief übergeben mit dem Auftrag, denselben dem Großhäuptling seines Volkes zu überbringen umfe ihm zu sagen: „Diesen Brief schickt dir die Regierung; darin ist dir befohlen, nach Dilling zu einer Unterredung zu kommen; zugleich ist dir damit verbürgt, daß dir nichts geschehen wird." Der Erfolg war der gewünschte. Als aber der Häuptling erschien, sagte ihm der Inspektor, die Unterhandlung werde in Khartoum stattfinden; er werde hin-mto darauf wieder zurückgeführt werden, ohne daß er ein Leid zu befurchten hätte. In Khartoum wurde der schwarze Machthaber von den Behörden herablafseUd behandelt; der Generalgonvernenr bewirtete ihn und zeigte ihm das zahlreiche Militär ! und ermahnte ihn väterlich, sein Volk zur Unterwerfung zu bewegen und den Forderungen der Regierung Folge zu leisten; man verlange ja weiter nichts, als d!aß die Mandat ihren Tribut zahlten, Ordnung j und Ruhe bewahrten imb alle ihre Gewehre ablieferten. Würde er sich nicht fugen, so sähe sich die Regierung gezwungen, alle diese Soldaten und noch mehr ans Ägypten mit vielen Kanonen hinzusenden und den ganzen Stamm zn vernichten. Der Häuptling toter gerührt und versprach, seinen ganzen Einfluß in diesem Sinne zu verwenden, woraus man ihn reich beschenkt in seine Bergheimat ziehen ließ. Seine Leute hörten ans ihn und brachten den rückständigen Tribut und einige hundert Gewehre nach Dilling. Als der Inspektor noch -mehr Gewehre verlangte, erklärten sie, die Regierung möge zuvor auch den gefürchteten Njnma alle Gewehre abnehmen, sonst seien die Mandat beständig in Gefahr, von diesen überfallen zn werden, ohne sich wehren zu können; denn die Regierung habe ja. keine Macht, sie genügend zu schützen oder komme mit ihren Soldaten zu spät, wie es schon oft vorgekommen sei. Der Inspektor mußte sich damit zufrieden geben. Tatsächlich brachen bald darauf Streitigkeiten zwischen den Mandat und Njuma ans, wobei es viele Tote und Verwundete gab. Deswegen zur Rechenschaft gezogen, sagte jener Groß-häuptling: „Du, Inspektor, kümmere dich nicht darum, was wir unter uns tun; wenn wir uns auch alle gegenseitig töten, und es bleibt nur ein Mann übrig, so komm und hole von ihm Settern Tribut; das ist alles, was du bei uns zu suchen hast; dieser gehört dir, wir tiertoeigiern ihn nicht." In der Dillinger Garnison fBefantib sich endlich seit November ein Arzt. Es war' ein junger, katholischer Syrer, der auf der Universität in Beyrvnt studiert hatte. Im Sudan steht eine grosse Anzahl syrischer Ärzte im Dienste der Regierung. Nach der Kriegserklärung von fei torti der Tür kei wurde ihnen die Wahl 'gestellt, im Dienste zu verbleiben oder nicht. Alle erklärten sich als ententefreundlich und bchielten so ihre Freiheit, ihren Posten und ihren Gehalt. Heft 11/12 Stern der Neger 243 Jener Arzt m Billing zeigte sich von Ansang an als Wien Freund der Mission. Jeden Sonn- und Feiertag erschien er pünktlich W ber hl. Messe und bewv-g a>uch d-en Koptischen Mamnr in Billing zum Besrich be§ Gottesdienstes; die katholischen syrischen Kaufleute d-agegen ließ dies Beispiel kalt. Kurz vor Weihnachten hielt sich der Statthalter der Nuba-Provinz in Billing ccuif. Der Missivnsstatiion stattete er in Begleitung des Inspektors einen Besuch ab, wobei er sich recht väterlich und freundlich b'encchm. Am Abend vor seiner Abreise lud er biie beiden. Patres znm Essen ein. Währenld des Essens, das zwei StundM dauerte, wurde mit keinem Porte der welterschütternden Ereignissegedacht. Die Nuba | aber waren von nun an sest überzeugt, daß zwischen den Missionären -nnlb den beiden Engländern ein inniges Verwandt-schaftsverhMnis bestehen müsse. Ohne Sang und Klang zog boš neue Jähr 1915 ins Land ein. Das Dreikönigsfest war zugleich Patrozinium der Missionsstation in Dilling. Dieser Dag wurde -baruirn. für den Beginn der frisch einzusetzenden Missimrsardeit giewählii. Nachdem am Morgen das ganze Volk und besonders die Jugend unter Iben Schutz der HI. drei Könige -gestellt worden war, wurde am Nachmittag eine Art Schulfest veranstaltet. In den vorhergehenden Taigen hatten die $ naben, die häufig die Mission besuchten, den Auftrag erhalten, die Nachricht von dem Feste überall hin zu verbreiten und alle ihre Altersgenossen ton den fünf Bergen einzuladen, @ö- zogen sie denn schon in den ersten Nachmittag-sstunden von allen Seiten scharenweise d-aher; auch Burschen und Männer fanden sich zahlreich ein, und während sich der Missionsplatz zu füllen begann, tri dB die Neugierde sogar eine Menge Weiber herbei, die sich außerhalb der Misstonsumfriedung aufstellten. Der Arzt und der Mamur hatten nach Idem Frühgvttesdienst von dem beabsichtigten Schulfest -erfahren und erschienen gleichfalls, letzterer mit seinen vier Kindern. Sobald Ibi'e größte Hitze nachgelassen hatte, begannen die Spiele: Wettrennen, Writspringen, Seilzichen, Sacklaufen, Klettern, Blindekuh ui dgl., wie sie in Europa üblich sind. Das war für die Nuba etwas 1 unerhört Neues und -entfesselte bisweilen solchen Jubel und solche Heiterkeitsstürme, daß noch die letzten Dorfleute, die daheim geblieben waren, neugierig herbei eilten. Auch die Burschen und Männer ließen es sich nicht nehmen, bei den Spielen mitzuhalten. Ein riesenhaft -gebauter Mann legte Lanze und ©ambalen weg, trat rote ein Goliath heran und rief: „Zehn größere Knaben sotten an dem Seile ziehen, -und ich werde sie mit solcher Leichtilgkeit fortschleppen, tote -eine Kuh ihren Schwanz hinter sich trägt." Allein mit derselben Leichtigkeit wurde er fortgerissen. Die Knaben schrien und die Mädchen draußen klatschten in di-e Hände vor unbändiger Freude. Gegen Abend wurd-en Geschenke unter -die Knaben verteilt, nämlich Kleider, Tücher, Zucker und Datteln. Der Bischof hatte eine Kiste Kleider, die Hm von Wohltätern -aus Europa -geschickt toonben waren, -eigens für dieses Fest gesandt; die anderen Waren h-a-ttett znm großen Teile bie syrischen Kaufleute in Dilling geliefert, die w-enigstens bei dieser Gelegenheit ihre Freigebigkeit zeigten. Den überglücklichen Knab-en wurde nun mitgeteilt, daß vom nächsten Tage an bie Schule beginnen werde; an drei bestimmten Tagen in der Woche sollten sie nachmittags so zahlreich als möglich kommen. 244 Stern 'b e r Neger Heft 11/12: Tags baroatif kamen sie denn auch, etwa j 50 an der Zahl. Da bie drei in der Mission beschäftigten Knaben schon vorher ein wenig im Lesen unterrichtet worben waren, konnten sie als Hilfslehrer verweirdet werben. Sie erhielten jeder eine Schar der kleinen Knaben zugeteilt, setzten sich auf einen Stein im Hofe, ließen ihre Schüler im Kreise herum lagern und begannen den Unterricht, inb-eim sie auf ihren Knien ein Brett hielten, worauf bas Alphabet gemalt war. Ein Pater aber sammelte öle größeren Knaben, heftete bog Brett mit dem Alphabet an einen Baum und erklärte innen bie Zeichen. Die meisten der erschienenen Knaben waren aus den Dörfern, welche rings um den südlichsten Berg lagen, also Nachbarn der Mission. Von den übrigen gehörte der größere Teil zu den Dörfern um den Kudjursberg herum und nur ein kleiner Rest stammte von den beiden nördlicheren Bergen, gehörte also zu den Leuten des Häuptlings. Die Zahl dieser letzteren schrumpfte schon nach einigen Tagen bis auf einen zehnjährigen Knaben namens Harin zusammen. Dieser war der Enkel jenes Jschueri und wurde gleich seinem G«oßvater so anhänglich an die Mission, daß er nicht mehr heimgehen wollte. Er bat, man möge ihn als Diener aufnehmen; er verlange keinen Lohn, sondern nur ein Kleid und das tägliche Essen. So wurde er denn behalten, und er zeigte sich nicht nur sehr anstellig für alle kleineren Arbeiten, sondern auch gut talentiert, so daß man auch ihn als Hilfslehrer zu verwenden gedachte. Doch hatte er dazu nicht die nötige Ruhe und Geduld. Dagegen verstand er es ausgezeichnet, seine kleinen Kameraden um sich zu scharen. Er war unermüdlich in der Erfindung neuer Spiele; das Völklein seiner Altersgenossen beherrschte er wie ihr Hauptmann und unterhielt ein fröhliches Treiben auf der Station. . Aber auch die Knaben vom Kudjursberg fanden bald den öfteren Weg zur Mission zu weit. Sie hatten nämlich erwartet, e§-würde ihnen dort außer dem Unterricht auch Speise und Trank gegeben werden. Darum kamen sie einige Tage hindurch schon am Vormittag und lagerten sich während der Essenszeit um die Küche herum. Als sie sich in ihrer Erwartung getäuscht sahen, blieben sie aus und waren nicht mehr zum Schulbesuch zu bewegen. Man hätte freilich Schüler genug haben können, und sie wären sehr pünktlich erschienen, wenn ihre Verköstigung möglich gewesen wäre. Aber schon damals mußten die Missionäre zur Streckung ihrer Vorräte täglich Brei aus Negerkorn genießen. Aus demselben Grunde war die Schule für den Nachmittag festgesetzt worden. So blieben 20 bis 30 Knaben, auf deren Schulbesuch man rechnen konnte. Aber auch diese kamen nicht regelmäßig und vollzählig an den bestimmten Tagen, denn die kleinen müssen die Ziegen, Schafe und Kälber, die größeren dagegen die Kühe hüten. Sie wechseln allerdings dabei ab, aber auch an den freien Tagen finden sie so manche Beschäftigung, die ihnen mehr zusagt als der Schulunterricht. Von einer genauen Einhaltung der festgesetzten Schultage war keine Rede; so oft mehrere Knaben in der Mission beisammen waren, wurde ihnen Unterricht erteilt. Aber wie oft kam es vor, daß tagelang kein Knabe sich sehen ließ! Stunde auf Stunde wartet der Pater; endlich greift er zu Hut und Stock, um seine Schüler zu suchen. Die Dörfer sind leer; nur die Alten sonnen sich vor ihren Hütten. Er geht weiter, in die Stopfte hinein; da findet er einige Ziegenhirten. „Wo sind denn all die anderen Knaben?" fragt er sie. „Sie sind auf die Jagd gegangen," lautet die Antwort. „Auf was für eine Jagd?" „Auf Hafenjagd;' sie haben alle Hunde mitgenommen; auch einige Burfchen mit Gewehren sind dabei." Dieser Tag ist also verloren; da hätte auch der hl. Franz Saber mit seinem Glöckleiu wenig ausgerichtet. Ein anderesmal wieder geht der Pater aus, um feine Schäf-lein zu sammeln. Im Wald sieht er Rauch aufsteigen und lenkt dorthin seine Schritte. Richtig, eine Gruppe kleiner, schwarzer Gestalten hockt um ein Feuer herum. Kaum haben site den Missionär bemerkt, so rufen sie ihm schon ihre Grüße zu. „Was treibt ihr hier?" „Wir haben Vögel in Schlingen gefangen und rösten sie zum Essen, denn wir haben Hunger." „Wo sind eure Kameraden?" „Das wissen wir nicht; sie werden auch irgendwo im Walde sein." So findet man sie bald da, bald dort zerstreut. Heute suchen sie Honig oder Waldfrüchte, morgen graben sie nach Mäusen, die jfie als Leckerbissen verzehren, dann spielen sie in den trockenen Bachbetten oder trommeln in den Berghöhleu; es kommen nämlich dort Felsplatten vor, die zwischen zwei Blöcken eingezwängt sind, sonst aber frei schweben und beim Anschlagen einen Ton wie von Glocken geben. Es wäre vergebliche Mühe, die Knaben von ihrem Spiele abbringen zu wollen. Sie versprechen, am nächsten Tag ganz gewiß zur Schule zu kommen, oder aber sie antworten auf die Einladung: „Was gibst du uns, wenn wir kommen?" Für diese Naturkinder sind Wald und Steppe der Ort, wo sie sich wohlfühlen; der öde, sandige Platz der Mission bietet ihnen nichts, was sie fesseln könnte. Unter diesen Umständen vergingen ein paar Wochen, bis auch nur das Alphabet gelernt war. Nun wurden die Bretter abgerieben und mit einer Reihe von Lautverbindungen bemalt. Mittlerweile waren von Khartoum Schiefertafeln angekommen, und so konnte auch der Unterricht im Schreiben beginnen. Das regte die Leru- begierde der Knaben mehr an. Fast mit Ehrfurcht nahmen sie Tafel und Griffel in Empfang; sie kamen sich fast wie höhere Wesen vor mit diesen Werkzeugen der erhabenen Schreibkunst. Aber das Werk ging mühsam vonstatten. Da feine Wandtafel vorhanden war, mußte jedem Schüler eim zeln Buchstabe für Buchstabe vorgeschrie- Kapellen und ITlmaretts der flzhcir=IHoIchee 246 S t etn bet Nege r Heft 11/12 Ben toerben. Den Knaben Wat das sotg-fslltige Nachzeichnen zn langweilig; kaum hatte bet Lehtet den Rücken gewendet, so konnten sie dem Stange nicht widetstehen, die ganze Tafel mit allethand Sttichen zu füllen. Alsdann zeigten sie auch noch voll Stolz dem Patet die Tafel und fragten ihn, ob er wisse, was dies ihr vermeintliches Geschreibsel bedeute. Blickte man sie dann verständnislos an, so erklärten sie: „Das bedeutet: Ich habe Hunger; gib mir Brot zum Essen" und Ähnliches, Es vergingen wiederum einige Wochen, bis die Knaben die leichteren Buchstaben einigermaßen schreiben konnten. Leichter ging es mit den Zahlen; die begabteren und fleißigeren Schüler lasen und schrieben bald richtig jede Zahl von 1 bis 100. Inzwischen wurde auch mit dem Religionsunterricht begonnen, der ja die Hauptsache war. Bevor aber ein kleiner Katechismus abgefaßt und gedruckt sein konnte, sollten den Knaben die notwendigeren Gebete beigebracht und damit kurze Erklärungen der wichtigeren Glaubenswahrheiten verbunden werden. Nun ist den Nuba der Begriff Gottes, als des Schöpfers der Menschen und des Weltalls, sehr geläufig. Derselbe stammt schwerlich vom Islam, denn für das Erschaffene haben die Leute einen echt nubanischen Ausdruck, nämlich ebir; davon ist auch der Name ibti,* d. i. Schöpfer, abgeleitet, den sie gewöhnlich in Verbindung mit dem Na- * Ibti ist entstanden aus ebirti; die Alten kürzen es noch mehr, indem sie es wie eti oder iti aussprechen. Durch die Endung ti, welche dem Verbalstamm unter gewissen Regeln angefügt wird, entsteht das Verbalnomen, gewöhnlich ein abstraktes; z. B. kug zählen, kuti die Zahl; duj nähen, duti das Nähen. Ibti hat gleichfalls abstrakte Bedeutung, d. i. die Erschaffung, zugleich aber auch eine konkrete, d. i. der Schöpfer. Bil ibti wird richtig ausgesprochen: be(i)I e(i)bti; e(i) ist ein gedehnter Laut, der halb e und halb i ist. men bil, d. i. Gott, gebrauchen, indem sie sagen bil ibti. An diese allgemein bekannte Wahrheit knüpfte der Pater seinen ersten Religionsunterricht an. Er erklärte den Knaben, daß Gott nach der Erschaffung sich nicht zurückgezogen habe, sondern wie ein Vater über den Menschen walte. Obwohl wir ihn nicht sehen, so sehe doch er uns, obwohl wir ihn nicht hören, so höre er uns, obwohl wir ihn nicht fühlen, so sei er uns doch stets nahe; darum können wir auch mit ihm verkehren und zu ihm sprechen. Die Kleinen hörten mit offenem Munde zu. Der Pater aber fuhr fort: „Ihr habt aber gewiß noch nie etwas zu Gott gesagt; jetzt will ich euch lehren, was ihr zu Gott sprechen sollt." Der Ausdruck der kleinen, schwarzen Gesichter bei diesen Worten bleibt unvergeßlich; Freude und spannende Erwartung dessen, was da kommen sollte, war darauf zu lesen. Nun sagte der Pater: „So müßt ihr zu Gott sprechen: al am baga,* aren dweri schwäro, Vater unser, der du bist im Himmel." Lautlose Stille folgte diesen Worten; als wenn Gott selbst vor ihnen stände, so starrten die Knaben den Pater voll Verwunderung an. Die Worte wurden ihnen wiederholt, und nun wagten sie, dieselben nachzusprechen; zuerst zaghaft, dann aber aus vollen Kehlen riefen die Nubialkinder zuim erfienmiail zu ihrem Vater im Himmel. Ihre Freude war groß; als sie aber dieselbe zu stark äußerten, wurde ihnen bedeutet, daß sie zu Gott rede- * Al am baga heißt wörtlich: unseres Herzens Vater. In dieser Bedeutung wird das Wort al = Herz stets bei Begrüßungen zwischen Verwandten und zwischen Alten und Jungen gebraucht, so al an ata — meines Herzens Enkel, al an undu = meines Herzens Kind usw. In einer nubanischen Erschaffungssage tritt ein Engel vor Gott hin und spricht: „al an iran“ — unseres Herzens Herr. Darum ist dieser Ausdruck auch ins nubanische Vaterunser aufgenommen worden. ten, der sie höre und sehe; darum müßten sie die Worte mit Andacht sprechen und sich dabei ehrfürchtig benehmen. Diese Ermahnung tat sofort ihre Wirkung und mit einer gewissen Feierlichkeit sprachen sie auch die ersten drei Bitten des Vaterunsers nach. Als dieselben halbwegs ihrem Gedächtnis eingeprägt waren, wurden sie entlassen. Nun aber kannte ihre Freude keine Grenzen mehr; jubelnd sprangen sie aus der Hütte, in welcher der Unterricht gehalten worden war, und verkündeten allen, die ihnen begegneten, daß sie gelernt hätten, zu Gott zu sprechen. Auch die gründliche Einübung des Vaterunsers nahm mehrere Wochen in Anspruch. Es kamen eben jede Woche wieder Knaben, die noch nichts davon gelernt hatten, und jene, die es einigermaßen wußten, fehlten dann wieder längere Zeit beim Unterricht und vergaßen das Gelernte. Da der Religionsunterricht vorläufig nur für die Kinder berechnet war, weil man den Erwachsenen nicht recht trauen konnte, so versammelte der Pater die Knaben stets in seiner Wohnhütte zu diesem Zwecke. Aber der Schall der jugendlichen Chöre drang hinaus und lockte auch manchen Erwachsenen hinein. Ein Bursche, der wie ein Riese gebaut war und sich kaum tief genug bücken konnte, um durch die niedere Tür in die Hütte zu gelangen, blieb einige Zeit voll Staunen über das Schauspiel schweigend stehen; als er aber in der Pause hörte, um was es sich handelte, setzte er sich demütig mitten unter die Schar der Kleinen auf den Lehmboden nieder und begann mit seinem Basse ihre hellen Stimmen zu begleiten. Von da an kam er öfter, manchmal auch in Begleitung seiner Kameraden, und so lernten auch sie das Vaterunser. Man könnte nun meinen, der Religionsunterricht bei diesen Negerkindern müsse sehr einfach und gemütlich sein; sie wür- den ebenso wie ihre Weißen Brüder, und noch mehr als diese, alles als selbstverständlich hinnehmen, was ihnen der Lehrer sagt, und sein größeres Wissen ohne-weiters anerkennen. Allein es war nicht so. Schon in der Kenntnis der Sprache waren sie ja dem Lehrer überlegen und mußten ihm nicht selten helfen, die richtigen Worte zu finden. Aber auch sonst glaubten sie mehr oder manches besser zu wissen als er. Wenn er ihnen die Glaubenswahrheiten erklärte und über Gott und seine Eigenschaften erzählte, so bekam er häufig diese und ähnliche Fragen zu hören: „Woher weißt du das? Hast du Gott gesehen?" Und wenn er vom Himmel und der Hölle sprach, so hieß es: „Bist du dort gewesen, daß du es weißt?" Bezüglich des jenseitigen Lebens äußerte sich ein dreizehnjähriger Knabe: „Gott hat uns ohne unser Wissen erschaffen, er wird uns auch ohne unser Wissen und ohne unseren Willen sterben lassen; so ist es auch seine Sache, was er mit uns nach unserem Tode macht." Immerhin konnte man mit diesem Anfang, den die Schule nahm, recht wohl zufrieden sein. So vergingen rasch die ersten Monate des Jahres 1915, und die Regenzeit nahte wieder heran. Aber mit den ersten Wolken, die sich im April am Himmel zeigten, machten sich auch die ersten Enttäuschungen bemerkbar. Die Knaben hatten im Lesen und Schreiben so viele Fortschritte gemacht, daß man auf das Alphabet und die einfachen Lautverbindungen ganze Wörter und kurze Sätze folgen ließ. Als das erste Wort, dann das zweite und endlich der ganze Satz mühsam entziffert war, da blickten sie verwundert auf. „Das ist ja unsere Sprache," sagten sie. Aber es war nicht etwa eine freudige Überraschung, die sie dabei zeigten, sondern mehr ein Gefühl der Enttäuschung. Sie hatten gehofft, sie würden mit der Schrift zugleich die Sprache der Weißen verstehen. Seit dieser Zeit besuchten viele der Schüler, darunter «gerade die talentiertesten, den Unterricht nicht mehr. An dieser Tatsache änderten auch die gedruckten Fibeln nichts mehr, die im April von Khartoum kamen. Nachdem im Religionsunterricht das Vaterunser dem Gedächtnis eingeprägt worden war, kam der Englische Gruß an die Reihe. Dabei bot sich Gelegenheit, die eigentlichen christlichen Wahrheiten zu erklären, nämlich von der Dreifaltigkeit und der Menschwerdung der zweiten göttlichen Person. Schon konnten zahlreiche Knaben den Englischen Gruß fehlerlos aufsagen, als den Missionären zu Gehör kam, daß die unsinnigsten Fabeln über die seligste Jungfrau im Volke herumgingen. Sei es, daß einige der Knaben das Gelernte den Arabern mitgeteilt, sei es, daß die Erwachsenen davon gehört und es auf dem Markte oder bei den Faki erzählt hatten, kurz, die Araber hatten nichts Eiligeres zu tun, als mit ihrer gehässigen Gegenarbeit einzusetzen und die Nulba auf ihre Weise über den Ursprung und die Geschichte des Christentums aufzuklären. Ob sie die diesbezüglichen Fabeln in dieser Form erst bei dieser Gelegenheit erfunden haben, ist nicht weiter bekannt; eine davon lehnt sich offenbar an die Erzählung der Heiligen Schrift von Sara und Hagar, von Isaak und Ismail, den Stammvater der Araber, an. Diese Fabel lautet kurz folgendermaßen: Ein Mann hatte zwei Frauen, die erste hieß Mariam, die zweite Eva. Der Erstgeborene der Mariam war der Nazarener, von dem die Christen (nasara) stammen, jener der zweiten war Mohammed, der Stammvater der Araber. Mohammed wurde schon in seiner Kindheit von Gott zum Propheten auserwählt und mit der Wundergabe ausgestattet. Deswegen haßte ihn Mariam und stachelte ihren Sohn gegen ihn auf. Mohammed mußte fliehen und rettete sich nur dadurch, daß die iÖff= nung der Höhle, in welcher er verborgen war, in einem Augenblick von einem Spinnengewebe verschlossen wurde, usw. Seit dieser Zeit hassen die Christen die Mohammedaner und v euchren Maria, weil sie ihre Stammutter ist. Da nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Knaben von der Wahrheit dieser Fabeln überzeugt waren, was man aus einigen ihrer Fragen deutlich ersehen konnte, durfte man es nicht wagen, sie weiter mit den Lehren des Christentums bekanntzumachen; man hätte nur die Perle deck Schweinen vorgeworfen. An eine erfolgreiche Gegenwirkung war nicht zu denken, das Gift stak schon zu tief, und die Faki arbeiteten rühriger als je. Allerdings wurde die Schule nicht aufgehoben. Man unterrichtete die Knaben, welche noch kamen, weiter im Lesen und Schreiben, ließ sie das Vaterunser beten und erklärte ihnen die allgemeinen Glaubenswahrheiten, ohne die eigentlich christlichen zu berühren. Ferner wurde den Kindern ein kurzes Reuegebet beigebracht, damit sie allenfalls ein Mittel zu ihrem Heile hätten. -i- * * Die noch übrige Geschichte der Dillinger Missionsstation läßt sich kurz zusammenfassen. Die Missionäre, die ungewiß waren, ab und wie lange sie auf ihrem Posten belassen werden würden, mußten vor allem auf ihren Unterhalt bedacht sein und verlegten sich darum energisch auf den Garten- und Feldbau. Daneben beschäftigte man sich mit Sprachstudien und suchte sich in dieser überaus formenreichen und entwickelten Sprache gründlicher auszubilden. So wurde im Laufe des Jahres 1915 eine Grammatik und ein Wörterbuch der Nuba- spräche fertiggestellt. Einer der beiden Brüder bot sich der Regierung für Tischlerarbeiten an. Er erhielt auch reichlich Beschäftigung und verdiente eine gute Summe. Aber im August erkrankte er an Dysenterie, die selbst der Arzt in Billing nicht beheben konnte. Nachdem er einen vollen Monat daran gelitten und immer mehr an Kräften abgenommen hatte, ersuchte man die Regierung um die Bewilligung zu seiner Abreise nach Khartoum. Mitte September verließ er Billing. Die Nuba sagten: „Seht, andere hat er heilen können, sich selbst kann er nicht heilen!" Im Spital zu Khartoum erholte er sich Balb; als er darauf nach Billing zurückreisen wollte, verweigerte ihm die Regierung die Erlaubnis dazu. Auf die Nachricht davon erkannten die drei in Billing Zurückgebliebenen, daß die Aufhebung der Missionsstation nur noch eine Frage der Zeit sei. Es war überhaupt zu verwundern, daß der Ausweisungsbefehl nicht schon erfolgt war, denn das Nubaland befand sich seit Juni wieder in hellem Aufruhr. Drei Tagreisen südlich Von Billing hatte sich ein mächtiger Araberhäuptling, namens Faki Ali, gegen die Regierung erhoben. Da der Aufstand einen großen Umfang anzunehmen drohte, wurden mehrere starke Expeditionen gegen jenen Stamm von Khartoum aus abgesendet. Zahlreiche Kavallerie zu Pferde unb' zu Kamel, Infanterie und Artillerie zogen Tag für Tag teils durch Billing, teils auf einem anderen Wege dahin. Der Erfolg aber blieb aus. Der Häuptling mit einigen hundert seiner Streiter befand sich überall und war doch nirgends zu finden. Die Nubaner waren für den Mann begeistert. Sie waren überzeugt, daß es der Regierung nie gelingen werde, ihn zu töten, weil er ein Faki sei. Während das Heer die Berge, wo man ihn wähnte, belagert hielt, befand er sich auf dem Wege nach Khartoum, um sich dem Generalgouverneur persönlich zu stellen und seine Handlungsweise zu rechtfertigen. Aber durch Verrat fiel er in der Nähe von El-Obeid in die Gewalt der Behörden. Zum Tode durch den Strang verurteilt, gelang e§. ihm, in seine Berge zu entkommen. Eine neue Expedition wurde hingeschickt. Endlich wurde der Häuptling selbst des Treibens müde und sandte an den Befehlshaber die Botschaft, er werde sich freiwillig dem Generalgouverneur in Khartoum stellen, wenn man ihm Amnestie zusichere. Das geschah, und kurze Zeit daraus zog er auf seiner Reise nach Khartoum durch Billing hindurch. Die Nuba fanden sich zahlreich bei ihm ein, um ihn zu sehen und zu begrüßen. Unter diesen Ereignissen zog das Jahr 1916 ins Land ein. Der erste Monat verlief ruhig. Am 21. Jänner wurde ein großartiges Fest zu Ehren des englischen Königs gefeiert, zum Andenken an seinen Besuch im Sudan im Jahre 1911. Am Vorabend desselben lud der Statthalter der Nuba-Provinz, der gerade in Dil-ling anwesend war, die beiden Patres zum Essen ein, während der Gadi, der Vorsteher der mohammedanischen Gemeinde, sämtliche Beamten, Offiziere und Honoratioren des Ortes, auch die syrischen Kaufleute, bewirtete. Am Festtag selbst nahm der Gouverneur die Parade der Garnison und der Polizisten ab; darauf folgten Pferderennen und allerlei Spiele; am Nachmittag «hielten Araber und Nuba ihre Tänze. Der Statthalter behandelte die Missionäre sehr freundlich und nahm bei seiner Abreise herzlichen Abschied von ihnen; nichts deutete auf einen bevorstehenden Sturm hin. Da drangen im Feber die ersten Gerüchte von der Erhebung des Sul- tans von Darfur, Ali Dinar, auch ins Nubaland. Das Volk geriet in Erregung und die Kudjure prophezeiten schwere Ereignisse. Bald wußten die Nuba, daß eine große Expedition über El-Obeid gegen Ali Dinar ziehe. Vom Norden her kamen keine Karawanen mehr, denn die Regierung hatte alle Kamele beschlagnahmt; die vom Süden heraufziehenden Karawanen aber verlangsamten ihren Weg, um nicht zur Teilnahme an der Expedition gezwungen zu werden. Alles redete nur noch von Ali Dinar. Da ließ am 16. März, einem Donnerstag, der Inspektor den Obern der Missionsstation zu sich kommen und teilte ihm mit, es sei von Khartoum der Befehl gekommen, daß die Missionäre binnen 4 bis 5 Tagen Dilling verlassen und nach Khartoum ziehen sollten. Obwohl längst erwartet, drang diese Nachricht doch einem jetten der drei Missionäre lief ins Herz. Erst am Abend wurde den Nuba Mitteilung davon gemacht; einige begannen zu weinen, andere schimpften aus die Regierung. Gleich am folgenden Tage wurden die Anstalten zur Reise getroffen. Die syrischen Kaufleute und einige der Beamten boten sich an, die Gegenstände, die nicht mitgenommen werden konnten, zu kaufen oder deren Verkauf zu besorgen. Für den Transport des mitzunehmenden Gepäcks wurden von der Regierung sieben Kamele zur Verfügung gestellt. Die Nuba hielten von morgens früh bis abends spät die Station besetzt. Was an Kleidern und anderen Sachen wenig Wert hatte, wurde an sie verschenkt oder um niedrigen Preis verkauft. Über die Regierung sagten sie kein gutes Wort. „Was haben doch diese guten Leute getan, daß der „Türke" sie von uns vertreibt?" sprachen sie. Am Josefsfest nachmittags fand die Abreise statt. Das Mittagessen war beim Inspektor eingenommen worden. Als er beim letzten Abschied einem jeden die Hand drückte, konnte er'seine Rührung kaum verbergen. Er hatte sich gegen die Missionäre stets freundlich und zuvorkommend benommen. Da die Aufhebung der Missionsstation gemäß der Regierungsverfügung nur eine vorläufige sein sollte, so blieben der Platz und die darauf befindlichen Bauten im Besitze der Mission. Als Wächter wurde der alte Jschueri bestellt, der mit seiner Familie die Hütten bewohnen und zugleich in gutem Zustande erhalten sollte. Im Kirchlein blieben der Altar und einige Gerätschaften hinter Schloß und Riegel verwahrt. So verließ die kleine Karawane in Begleitung von drei schwarzen Polizisten den Missionsplatz. Viele Nuba zu Esel gaben den Missionären eine Strecke weit das Geleite und verabschiedeten sich auf rührende Weise. Als die Berge von Dilling, welche die letzten des Nubalandes gegen Norden hin sind, aus dem Gesichtskreis zu schwinden begannen, sandten ihnen die drei Ausgewiesenen noch einmal ihre Grüße zu. Dem sie bewohnenden Volke werden sie ein gutes Andenken bewahren. Wer mit ihm längere Zeit verkehrt hat, der muß es liebgewonnen haben. Natürliche Offenheit, Ehrlichkeit und Zutrauen gegen alle, die es als gute Menschen betrachtet, sind die Vorzüge, die es auszeichnen und den Verkehr mit ihm angenehm machen. In seiner Religion und in seinem Sittengesetze steht es weit erhaben über anderen Negervölkern da, und indem es diese kärglichen Reste seines verlorenen Christentums so treu und eifersüchtig hütet, verdient es Bewunderung und Mitleid zugleich. Leider hat der Islam, der es umgibt, seine Augen getrübt, Heft 11/12 251 Stern der Neger so daß es die Wahrheit nicht mehr recht unterscheiden kann. Möge es Gott auf dem Wege,,den er als den besten kennt, in sein Reich gelangen lassen; das ist das tägliche Gebet derer, die bisher ohne Erfolg an seinem Heile gearbeitet haben. Es erübrigt noch, kurz das Schicksal der fünf Missionsglieder, die in Billing gelebt und gewirkt haben, zu schildern. Ein Priester liegt dort neben dem Kirchlein begraben, und die Nuba werden einst am Auferstehungstage die Ersten sein, die er Wiedersehen wird. Einer der beiden Brüder verließ die Station krankheitshalber im Herbst 1915 und lebt nun in Khartoum, wo der Bischof mit den dortigen Missionären bisher unbehelligt gelassen wurde. Die anderen drei wurden, zusammen mit den übrigen deutschen und österreichischen Missionären im Sudan, im Gefangenenlager zu Ras-el-Tin bei Alexandrien in Ägypten interniert. Dort gelang es einem der beiden Patres, nach vier Monaten seine Befreiung zu erwirken; am 10. August 1916 verließ er Afrika und landete über Italien und die Schweiz glücklich im Missionshaus in Messendorf bei Graz. Der zweite Pater wollte abwarten, ob sein Mitbruder auch glücklich in Europa ankommen werde, um dann seinem Beispiel zu folgen; da aber war es zu spät; alle seine Bemühungen schlugen fehl. Dagegen wurde der zweite. Bruder wegen seines vorgerückten Alters (59 Jahre) auf Regierungskosten in sein Vaterland befördert. Im Jänner dieses Jahres kam auch er in Messendorf an, und so konnten die beiden ein fröhliches Wiedersehen und Wiederfinden feiern. P._ Dr. Daniel K a u c z o r P. 8. 6. —ir-ssi [♦ ' iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHii Kairos bedeutendste ÜMdieen. ■ <§y Mohammed-Ali-Moschee, Kairo. Die Gamia Mohammed Ali oder Alabastermoschee erhebt sich auf dem Zitadellenhügel und beherrscht mit ihrem mächtigen, kuppelüberwölbten Quadratbau und den zwei nadelschlanken, himmelanstrebenden Minaretts die ganze Stadt Kairo. Dieses größte moderne Bauwerk des Islam wurde von Mohammed Ali, dem ersten Vizekönig von Ägypten, begonnen und unter dessen Sohn und Nachfolger Said Pascha 1857 zur Hauptsache vollendet. Der Baumeister war ein Grieche aus Konstantinopel, der dortige byzantinische Vorbilder benützte. Die Säulen sind von gelbem Alabaster, und auch die Mauern sind mit diesem edlen Baustoff überzogen. Den geräumigen Hof, in dessen Mitte sich der kleine, achteckige Kuppelbau der Hanefiye (Brunnen für die religiösen Waschungen) erhebt, umgeben Rundbogengänge. Ostwärts schließt sich der Hauptbau an. Aus der riesigen, quadratischen Grund-anlage steigt die Zentralkuppel mit einem Kranze von vier Halbkuppeln und vier kleinen Eckkuppeln empor, das Ganze flankiert von vier starken Eckpfeilern, von denen zwei in Minaretts und zwei in Zwergtürmchen auswachsen. Der Eindruck des Innern ist großartig. Vier Riesenpfeiler tragen die Hauptkuppel. Die majestätische Weite und Höhe des Raumes wird glücklich ausgefüllt von der Pracht des Schmuckes, den durchbrochenen, gemalten Fenstern, den buntfarbigen Teppichen und den zahllosen kostbaren Lampen. Im Innern befindet sich das Grab Mohammed Alis (gestorben 1849). Sultan-Hasan-Moschee. Die Gamia Sultan Hasan, die „stolze" Moschee, am Fuße des Zitadellenhügels gelegen, ist Wohl das schönste Denkmal byzantinisch-arabischer Architektur. Sie wurde begonnen im Jahre 757 der Hedschra (1356 n. Chr.) und vollendet in drei Jahren von Melik el Nasir Abu el Maali Hasan ibn Kalaun. Das Äußere dieses riesigen Bauwerkes erinnert an die breit und massig angelegten altägyptischen Tempel. Die Moschee hat die Form eines unregelmäßigen Fünfecks, in das die Kreuzesform der ursprünglichen Medresse (Schule) kunstvoll eingekörpert wurde. Kibla (die nach Mekka gerichtete Gebetsnische) und Mimbar (Kanzel) sind sehr schön. Die farbigen Marmormosaiks, das reiche Stalaktitengesims, sowie die gewaltige Kuppel über dem angebauten Mausoleum Sultan Hasans rufen im Verein mit den großartigen Verhältnissen des Gebäudes und der meisterhaften Ausführung der Einzelheiten den Eindruck großer Majestät hervor. Das Minarett auf Ibet Südseite ist mit 85 Meter Höhe das höchste in Kairo; sein Gegenstück an der Nordfront, einst infolge eines Erdbebens eingestürzt, ist in weit be-scheideneren Verhältnissen wieder aufgebaut worden. Die Amru-Moschee. Der eigentliche Name dieser Moschee ist Gamia Amr ibu ei As und geht auf den gleichnamigen General des Kalifen Omar zurück, obgleich von dem von ihm ausgeführtes ursprünglichen Bau feine Spur mehr vorhanden ist. Das Innere ist in genauer Übereinstim- muttg mit der typischen Form der rechteckigen Moschee mit Säulenreihen um einen offenen Hof und macht durch seine Größe (die ganze Anlage überdeckt eine Fläche von etwa 14.000 Quadratmeter) Eindruck. Die Säulen, gegen 260 an Zahl, sind ganz verschieden in Form und Größe. Sie tourben von nah und fern zusammengetragen und ihrer neuen Umgebung angepaßt, indem sie einfach verlängert oder verkürzt wurden. Der Größenunterschied ist zum Teil auch verschleiert, indem viele der Spitzbögen der Arkaden sich dem Rundbogen oder dem Hufeisenbogen nähern. Alle möglichen Kapitele sind da vertreten, und manche dieser Säulen mag einst eine christliche Kirche geziert haben! Die El-Azhar-Moschee, Kairo. Die Moschee El-Azhar, die „blühende", wurde im Jahre 362 der Hedschra (973 n. Chr.) unter dem Fatimiten Muizz von dessen Wesir und Feldherrn Gohar, dem Gründer von Neu-Kairo, begonnen und 15 Jahre später vom Kalifen Aziz Villah in eine Universität umgewandelt. Die nachfolgenden Herrscher Ägyptens haben dieses Institut stets begünstigt, teils aus Liebe zur Wissenschaft, teils aus politischen Gründen. So kam es, daß die Grundanlage im Lause der Zeit durch An- und Zubauten bedeutend erweitert wurde. Die Haupthalle, die von acht Säulenreihen mit 140 Marmorsäulen in neun Schiffe eingeteilt wird und einen Flächenraum von etwa 3000 Quadratmetern überdeckt, und zwei kleinere Nebenhallen dienen dem Unterricht. Durch geländerartige Abtrennungen sind einzelne Räume abgeteilt, Riwaks genannt. Jeder derselben dient den Studenten einer und derselben Landsmannschaft; so gibt es einen Riwak el Turk für die türkischen Studenten, einen Riwak el Schau-toäm für die Syrier, einen Riwak el Bag- Heft 11/12 253 Stern der Neger badlye für Leute von Bagdad, einen Riwak el Hnnud für die Hindu, einen Riwak ei Mekkiyin für Studenten von Mekka, einen Riwak el Magharbeh für Westafrikaner, einen Riwak el Gabart für Ostasrikaner, einen Riwak el Sudaniyln für Sudanesen usw. Die meisten Studenten stammen natürlich aus Ägypten, so daß die ägyptischen Riwaks die größten sind. Die Höchstzahl der Studenten war bisher 7700, die der Professoren 230; die Kairenser ist eben die erste mohammedanische Hochschule der Welt. Die Studenten bleiben gewöhnlich drei, manchmal aber auch von vier zu sechs Jahren in der Moschee. Sie brauchen nichts zu zahlen, sondern jeder Riwak erhält einen Zuschuß aus den Moschee-Einkünften. Die Professoren ihrerseits beziehen keinen Gehalt, weder von der Moschee noch von der Regierung, sondern leben teils vom Privatunterricht, teils vom Abschreiben von Büchern, teils von den Einkünften religiöser Nebenämter; auch empfangen sie gelegentlich Geschenke von wohlhabenden Studenten. Beim Vortrag sitzt so ein Herr Universitätsprofessor mit gekreuzten Beinen auf einer Strohmatte auf dem Boden und liest aus einem Buche vor, indem er jedem Satze seine Erklärung anfügt. Manchmal läßt er auch einen der vorgeschrittensten Hörer lernt vorlesen und flicht von Zeit zu Zeit seine Erläuterungen ein. Die Studenten sitzen im Halbkreis um ihn herum und hören zu oder machen sich Notizen. Die meisten Studenten, besonders jene, deren Muttersprache nicht das Arabische ist, beginnen ihre Studien mit der Erlernung der arabischen Grammatik. Dann folgt islamitische Religionslehre. Die Einführung in dieselbe besteht aus einer Reihe von vorbereitenden Vorlesungen über die Eigenschaften Gottes und des Propheten. Als Hauptattribute Gottes werden die folgenden zwölf genannt: Dasein, Quelle al- les Seins, Ewigkeit, Unabhängigkeit, Einheit, Allmacht, Wille, Allwissenheit, Leben. Allsichtigkeit (auch ohne Licht und ohne Augen), Allhörigkeit (ohne Ohren) und Rede (in einer Sprache, die keinen Anfang und keine Buchstaben und Laute und nichts mit der menschlichen Rede gemein hat). Nach Vollendung dieses Teiles der Studien geht der Student zum Studium des Rechtes über. Die Rechtswissen schalst zerfällt in zwei Zweige: 1. in die Lehre von den hauptsächlichsten religiösen Geboten des Islams: a) Einheit Gottes und Prophetenschaft Mohammeds, b) die Pflicht der Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete im Verein mit den Abwaschungen, c) das Geben von Almosen und die Entrichtung einer religiösen Taxe, d) das Fasten in der Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang während des Monates Ramadan, c) die Pflicht einer Wallfahrt nach Mekka; 2. in die Lehre vom weltlichen Recht, wie es ausdrücklich im Koran niedergelegt ist oder aus demselben gefolgert werden kann. Außer diesen hauptsächlichsten Lehrgegenständen werden Logik, Rhetorik, Dichtkunst, die gehörigeWeise, den Koran vorzulesen und richtigeAussprachevorgetragen. Der Leiter der Universität ist der erste einheimische Gelehrte des Landes. Der seinerzeitige Inhaber dieser hohen Stelle wurde einmal von Lord Cromer, dem früheren britischen Generalkonsul in Ägypten, gefragt, ob seine Professoren lehrten, daß die Sonne sich um die Erde oder die Erde sich um die Sonne bewege. Der weise Mann erwiderte, er wisse das nicht genau' ein Volk nehme das eine an und ein anderes das andere. Er habe im allgemeinen den Eindruck, die Sonne bewege sich um die Erde. Doch habe er der Sache nie viel Aufmerksamkeit geschenkt; sie sei auch zu unwichtig, um eine ernsthafte Erörterung zu verdienen! 254 Stern der Neger Heft 11/12. J ncidiridifen des Theologen=IIMioiis=Verbcmdes 1 J Österreichs. (Th. HI. Vb. Ö.) i 1 Redigiert vom Vorort des Cheologen-IMHonsverbandes Österreichs, derzeit in 1 ■ ßrixen, Südtirol, Priefterseminar. 1 i Il!lllllllllllllllllillllllllllllllll!llllllllllllll!llllllll!lllllllllllllll!llllllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllillllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllll!lllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll B Die DreikönigS’Predigf. Aufforderung zur Haltung von Missivnspredigten am Dreikönigstag. ergangen: Surge, illuminare! Steh' auf. Das Fest der heiligen drei Könige gehört zu den ältesten Festen der Kirche. Besonders im Orient wurde seit den ältesten Zeiten dieses Fest aufs feierlichste begangen. Welcher war wohl der bestimmende Grund, der die junge Kirche zur Feier dieses Tages angetriebeu hat, welcher war der Grundgedanke, der diesem Feste zugrunde gelegen ist? Es war kein anderer als derjenige, der uns auch heute noch in der Festmesse entgegentritt: die dankbare Erinnerung an die Berufung aus der Nacht des Heidentums zum Lichte des wahren Glaubens. An diesem Tage war es, da die Heidenwelt, vertreten durch die drei Weisen aus dem Morgenlande, zum erstenmal zu Füßen des wahren Gottes, des Welterlösers gelegen; dieser Tag war es, der in die Nacht der Heidenwelt wie ein heller Hoffnungs- j stern hineinleuchtete und die Nähe der frohen Botschaft des Heiles, der Erlösung ankündigte. Und dieser Gedanke war es, der die damalige Kirche am Dreikönigstag beherrschte, der die Herzen der Gläubigen zu dankbarer, tätiger Liebe stimmte: die Berufung zum Glücke des wahren Glaubens. Dieser Gedanke soll auch heute die Herzen der Gläubigen am Dreikönigstag beherrschen. Auch wir waren „aliquando tenebrae, nunc autem lux in Domino“, auch an uns ist am Dreikönigstag der Ruf werde licht! Die allumfassende Liebe des Welterlösers, mit der er in unsere Gegenden die Glaubensboten geschickt, damit sie unseren Vorfahren, die noch in der Finsternis und im Todesschatten des Heidentums saßen, die Freudenbotschaft verkünden, diese seine allumfassende Liebe hat sich den heil. drei Königen gegenüber das erstemal gezeigt. — Haben wir da nicht Ursache, an diesem Tage des großen Glücks der Erleuchtung im wahren Glauben dankbar zu gedenken? Ist es nicht ein zeitgemäßer Gedanke, heute, in den Tagen der Glaubenskälte und Glaubensverachtung, die Gläubigen wieder recht lebendig an die große, ganz unverdiente Gnade der Berufung zur Wahrheit zu erinnern? Und wie könnte dies besser geschehen, wie könnten wir dies im christlichen Volke besser erreichen, als wenn wir ihm das Glück des Glaubenslichtes auf dem dunklen, düsteren Hintergrund des Heidentums vormalen? An welchem Tag ergibt sich eine Missionspredigt ungezwungener als am Dreikönigstag? Drum aus z u M i s s i o n s predigten am Dreiköuigsfe st! Es ist wahrlich nicht zu viel, wenn wir einmal im Jahre dem gläubigen Volke über das Elend der Heidenwelt und über die segensreichen Arbeiten der katholischen Missionäre von der Kanzel herab erzählen. Be- Heft 11/12 Stern j)er N pg e r 255 lebung des Glaubensgeistes, Hochschätzung des Glaubens, freudige Mithilfe am Werk der Verbreitung des Glaubens wird die Frucht unserer Worte in den Herzen der Gläubigen sein. Die Missionspredigt am Dreikönigsfest soll zur ständigen Einrichtung in unseren Kirchen werden! Da bietet sich nun für die Theologen-Missionsvereine eine segensreiche Betätigungsmöglichkeit: 1. Machen wir es zum festen Grundsatz, zu einem Hauptprogrammpunkte unserer Missionsvereine, den jedes Mitglied in die Seelsorge mit hinausuehmcu soll: Ich will in meinem künftigen Wirken in der Seelsorge, wenn möglich, jährlich eine M is -f i o u s p r e d i g t halten. 2. Erinnern wir die auswärtigen Mitglieder in der Seelsorge an den Dreikönigstag, ermuntern wir sie zu einer Missionspredigt. Geben wir ihnen Broschüren in die Hand, aus denen sie Gedanken für eine Missionspredigt schöpfen können (z. B. die schönen Missionspredigteu der Claver-Sodalität, Salzburg, Dreifaltigkeitsgasse Nr. 12, in Einzelausgaben zu 10 h), oder machen wir sie wenigstens auf praktische Hilfsbücher aufmerksam (Huonder: „Die Mission auf der Kanzel und im Verein", 3 Bände; Streit: „Missionspredigten"; beide bei Herder, Freiburg). Das auf diese Weise ausgegebene Geld braucht uns gewiß nicht zu reuen, es wird die reichsten Zinsen tragen. 3. Vielleicht ist es dem einen und anderen Verein auch möglich, in bescheidener Weise bei den maßgebenden Persönlichkeiten vorzusprechen und die Abhaltung einer Missionspredigt für den Dreikönigstag für diesen oder jenen Ort zu erbitten und denselben in der Auffindung von hochw. Herren, die zu einer Misfionspredigt bereit und begeistert wären, behilflich zu sein. Auf diese Weise werden wir das Dreikönigsfest in der richtigen Weise verstehen und es auf die nützlichste Weise für das gläubige Volk und für die armen Heiden ausnützen, wir werden das Dreikönigsfest in dem Sinne auffassen, in dem es die ersten Christen aufgefaßt: als Dankfest f ü r d i e B e r u f u n g z u m w a h -r e n Glauben. Franco Josef, Kooperator, St. Jakob, Defreggen (Tirol). ITliHionspredigfen. Von Karl F r a n k, M. V. St. Pölten, Niederösterreich. Es war ein echt apostolisches Hirtenschreiben, das Norddeutschlands Bischöfe im Jahre 1910 am Grabe des Deutschen-Apostels St. Bonifatius an die Pfarr-geistlichkeit erließen. In ihm finde ich die schönen Worte: „Zu den hochwürdigen Pfarrgeistlichen haben wir das Vertrauen, sie werden in ihren Pfarrgemeinden die Organisation des Taverius-Vereines durchführen, und empfehlen ihnen, i m Laufe des Kirchenjahres auf die Wichtigkeit dieses Vereines und die allgemeine Missionspflicht der Katholiken hinzuweisen, wo immer sich Gelegenheit dazu bietet." Und an Gelegenheit fehlt es nicht: Kanzel und Verein, Schule und Beichtstuhl. Aber waren wir nicht vielleicht zu lange „lux sub modio“? Sie kennen alle die ernsten Worte, die Fürst Löwenstein im Jahre 1910 bei der Eröffnung des Kathol.-akadem. Missions- Stern de rNe a e r vest 11/12 256 Vereines in Münster zu den Studierenden der Theologie sprach: „Wie sollen wir Laien u-ys für die Verbreitung des heiligen Glaubens erwärmen, wenn Sie, Hüter des Glaubens, das Feuer nicht entzünden? Wie sollen wir unseren Anteil an der Missionspflicht erkennen, wenn Sie uns nicht unterweisen?" Sind das. nicht genau dieselben Worte, nur auf unseren Fall angewendet, wie sie der große Völker apostel (Röm. X, 14) von den Heiden gebraucht: „Wie werden sie an den glauben, von dem sie Nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören ohne Verkündige r?" Gott Dank, seit 1910 ist viel geschehen ans dem Gebiete der Missionspflege. Die Theologcn-Missionsbewegnng nahm einen ungeahnten Aufschwung. Wir sind tief überzeugt von der Notwendigkeit der Missionspflege, der M i s s i o n s p r e d i g t ganz besonders. Darum dürfte eine Zusammenstellung des Wichtigsten, was uns die heutige Fachliteratur über „Missionspredigt" bietet, sicher willkommen sein. Die Missionspredigt ist die S e e l e d e s p r i e st e r l i ch e n M i s s i o n s w i r -kens. Täuschen wir uns nicht: wie bei uns ohne Missionsstudium kein Interesse, kein Wissen, keine Begeisterung und Betätigung für die Mission, genau dieselbe psychologische Kette beim Volk; nur ein Unterschied: bei uns Missionsstudium, beim Volk Unterricht durch Kanzel und Verein. Das Lesen von Missionszeitschriften allein tut es vielfach nicht, das Volk wartet auf das Wort des Priesters. Niemand hat ja so einzigartige Mittel in der Hand, den Missionsgeist der Gläubigen zu pflegen, als gerade der Seelsorger; nur er allein kann von der Kanzel herab den Gläubigen autoritativ die Missionspflicht ans Herz legen. (Vergl. I. Schmid-lin, Z. M. II, S. 195 f.) Des Volkes Mis- sionspflicht ist des Seelsorgers Pflicht, es zu belehren. Die Frage: W i e o f t soll ich über Mission predigen, entscheidet P. Dr. M. Galm O. 8. B (Kölner M.-Kurs, S. 152 ff.) folgenderweise: „I ährlich soll der Seelsorger öfters in der Predigt auf die Mission zu sprechen kommen; wenigstens ei n m a 1 i m J a h r e soll die P f a r r g e i st I i ch k e i t ex professo über Heidenmission eine Predigt halten." Also, so ähnlich wie mit dem 4. Kirchengebote: „wenigstens einmal" . . ., je öfter, desto besser. Die Missionspredigt trägt leider vielfach noch immer den Charakter einer Gelegenheitspredigt anläßlich eines Missionsfestes, -sonntags oder Missionsabends; das genügt nicht. Der Missionsgedanke muß in Predigt und Christenlehre fest gesichertes Heimatsrecht erlangen. (Vergl. auch Pater Schwager, Heidenmission im Schulunterricht.) Gewiß kann und soll ich nicht jeden Sonntag das Missionsthema auf die Kanzel bringen, mehr als einmal aber wird sich leicht Gelegenheit finden. Der bunte Kranz des Kirchenjahres drängt förmlich dazu: denken wir an den Advent, an Weihnachten, an Epiphanie, an das Namen-Jesu-Fest, an den Erlö-fungsgeidanken in der Karwoche, an das herrliche Osterfest, den Weißen Sonntag; was wäre geeigneter als Christi Himmelfahrt (Euntes docete omnes gentes) ? Gelegenheit gibt sich auch zu Pfingsten, am Dreifaltigkeitsfcst, in der Oktav van Fronleichnam, am Herz-Jesu-Fest, zu Allerheiligen, am Kirchweihfest (Js. 56, 7), an den Muttergottes- und Apostelfesten, besonders St. Peter und Paul. „Es sollte doch wohl," schreibt P. Freytag (Missionsfest, S. 19 f.), „im Grunde unmöglich sein, eine rechte und wahre Advents-, Weihnachts-, Drei-königs-, Leidens-, Aufcrstehungs-, Him- Heft 11/12 Stern der Neger 257 melfahrts- und Pfingstpredigt zu halten, ohne bei diesen lichtvollen Bildern auch den dunklen Hintergrund des Heidentums zu zeichnen und die Zuhörer einen zu Herzen gehenden Einblick in die noch heilsbc-dürftige Heidenwelt tun zu lassen, wenn man nicht schon ein- oder das anderemal eine förmliche Predigt über die Heidenmission vorzieht." Noch eine andere Methode! Drängt sich nicht außer obigen Festen oft bei gewöhnlichen Sonntagspredigten der Missionsgedanke auf? (Vergl. Parabel vom Senfkörnlein, Sauerteig, vom großen Gastmahl, vom guten Hirten, vom Acker, verlorenen Sohn, barmherzigen Samaritan; das Evangelium vom reichen Fischfang!) Von Praktikern weiß ich, wie dankbar und mit welch gespannter Aufmerksamkeit die Gläubigen gerade diese neue Auffassung des Evangeliums entgegennehmen. Aus diesen Gedanken heraus sind die Missionspredigten von P. Streit entstanden, der in allen Predigten den Grundsatz verwirklichte: Der Mifsionsgedanke muß naturgemäß aus dem Sonntagsevangelium herauswachsen. Ist es nicht immer möglich, die ganze Predigt von Mission zu sprechen, so kann ich doch oft Predigt, Katechese und Christenlehre durchwürzen mit Beispielen und rührenden Zügen aus der Heidenwelt, dem erbaulichen Leben der Neuchristen, ihren Verfolgungen und Leiden. Das Interesse ist sicher doppelt so groß als bei anderen, oft erdichteten „Exempeln", und wir haben den praktischen Erfolg, daß wir fast.ohne Mühe den Missionsgedanken unter das Volk bringen. Beispiele finden wir genug in P. Huonders Predigten und in der Sammlung: Spieler, Licht und Schatten. Als zweiten Grundsatz stellt Pater Galm auf: Wenigstens einmal i m J a h r e soll in j e d e r Gemeinde die Pfarrgeistlichkeit ex professo über die Heidenmission predigen, also ausschließliche Missionspredigt. Dazu wählen wir als Vorspruch und Leitgedanken einen klaren, unzweideutigen Missionstext aus der Heiligen Schrift oder Liturgie auf diesen Tag. Da vielleicht manche ehrwürdige Konfratres den „Missionswissenschaftlichen Kursus in Köln 1916" nicht besitzen, will ich hier eine Auswahl solcher Texte, die dort P. Galm anführt (S. 153 if.), folgen lassen: Im Advent die Worte des Introitus: Rorate coeli desuper et nubes pluant justum, aperiatur terra et germinet Salvatorem (indem man die Worte den Heiden in den Mund legt)! Oder wir nehmen die herrlichen 0-Antiphonen des Breviers, in denen die Sehnsucht nach einem Erlöser so wunderbar, so ergreifend schön " iszum Ausdruck kommt, ganz oder teilweise, zum Beispiel: Veni ad docendum nos viam prudentiae! Veni ad redimendum nos! Veni ad liberandum nos! Veni et illumina sedentes in tenebris et umbra mortis! Veni et salva hominem, quem de limo formasti! Veni ad salvandum nos, Domine Deus noster! (Vergleiche die herrlichen Ausführungen über die 0-Antiphonen bei Norbert Weber, Menschensorge für Gottes Reich, Freiburg 1913, 1—74.) Am Namen-Jesu-Fest kann als Vorspruch dienen der Introitus: „In nomine Jesu omne genu flectatur“, oder die Stelle der Epistel: „Non est in alio aliquo salus; nec enim aliud nomen est sub coelo datum hominibus, in quo oporteat nos salvos fieri“, oder auch die Communio: „Omnes gentes, quascumque fecisti, venient et adorabunt coram te, Domine, et glorificabunt nomen tuum.“ Zu Christi Himmelfahrt und am Dreifaltigkeitsfeste nimmt man den Vorspruch am besten aus dem Festevangelium, das ja 258 Heft 11/12 Stern der Neger den ausdrücklichen Missionsbefehl des Heilandes enthält (Mk. 16, 15; Matth. 28, 19). — Für das Pfingstfest eignen sich die Worte des Psalmisten: „Emitte spiritum tuum et creabuntur et renovabis faciem terrae“ (Pi. 103, 30). Sende aus, o Gott, deinen Geist, den Geist lebendigen Glaubens, unerschütterlichen Gottvertrauens, heiliger, starker, opferfreudiger Gottes-uud Nächstenliebe 1. in die Herzen der Gläubigen, 2. besonders in die Herzen der Missionäre, 3. in die Herzen der Heiden, und das Angesicht der Erde wird sich erneuern! Die Psalmen bieten überhaupt eine Fülle von Missionsgedanken und -texten. Ich will nur hinweisen auf den Ps. 66, 4: „Contiteantur tibi populi, Deus! Confiteantur tibi populi omnes“, und auf Ps. 116, 1: „Laudate Dominum omnes "gentes, laudate eum omnes populi!“ Vorzüglich lassen sich, wie oben angedeutet, am Kirchweihfest die Worte Jsaias 56, 7 anwenden: „Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker", an einem Marienfeste Lk. 1, 48: „Es werden mich selig preisen alle Geschlechter". ' Viel benützt werden die bekannten, eindringlichen Schristworte: „Die Ernte ist groß, der Arbeiter sind wenige; bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter sende in seinen Weinberg" (Matth. 9, 38), ebenso die Worte des Heilandes: „Gehet auch ihr in meinen Weinberg" (Matth. 20, 7), sowie die Worte des Völkerapostels: „Gott will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen" (1, Tim. 2, 4). Vergleiche auch Ps. 21, 28 und 71, 11. Eine reichliche Fundgrube solcher Texte ist jede Verbal- und Realkonkordanz. Auch das Brevier kommt hier in Betracht. Gestatten Sie mir, hidr auch einen- kleinen Rat: Lassen wir uns schon jetzt und- auch ferner beim Missionsstudium, bei -der Missionslektüre vom Gedanken an unsere Berufstätigkeit leiten! Legen wir uns die Frage vor: Wie kann ich diese Misstonsnachricht, diesen Artikel einmal in Predigt oder Schule verlrerten? Oder, was sagt zu der Predigt, zur Katechese, die ich zu behandeln habe, die Mission? Wir werden reichlich entlohnt werden. Für das Ziel und Iben Zweck Iber Missionspredigt gilt -der iGrundsatz: 1. Wähle dir von' Anfang an ein scharf umri ssenes Ziel, das heute -erreicht werden soll, und richte jeden Satz der Predig-t auf dasselbe ein. Nur was die Erreichung des Zieles fördert, finlbet Gnade. Dann wird die Missionspvedigt -auch mehr Kraft besitzen, -die Leute wissen, was der Geistliche heute von ihnen will, und der Erfolg wird positis supponendis, auch -größer sein. 2. Gehen wir in der Wahl des Zieles systematisch, toom Allgemeinen zum Besonderen vor. Zuerst Grund legen, dann bauen! Die Wahl wird freilich Nach Ort, Zeit umb Zuhörern verschieden sein; aber gerade uns Österreichern fehlt manchmal noch -das Bewußtsein, daß die Mission nicht ausschließliche Sache der Orden und- Missionsgesellschaften ist, sondern d-aß die Missionspflicht eine ganz allgemeine, undis-p-ensierbare Ehrt st e n Pflicht ist, die alle nach Kräften zu erfüllen halben, und daß zweitens der Besitz be§ wahren Glaubens ein -großes, unschätzbares Glück ist. Diese beiden Grundfesten, das Mph-a und Omega jeder -ged-eihlichen Misstonsarbeit, müssen vor allem feststehen. Hier legen wir zuerst Hand ans Werk. Späterhin kann und soll das Pr-cdi-gtziel viel konkreter werden, z. B. Unterstützung der Claversodalität, Haltung von Zeitschriften, Förderung von Mis-sionsberufen, besonders Hinweis auf Unterstützung -durch Gebet, hl. Messe uns hl. Kommunion. „Mit -allen Millionenschätzen Heft 11/12 259 Stern der Welt allem," sagt P. Frey tag, „könnte der Glaubensbote oft nicht soviel ausrichten wie mit der Gnade Gottes, die ein am dächtt ges Vaterunser eines 'frommen alten Mütterchens auf sein apostolisches Wirken herabzieht." Die Durchführung des Missions-geidankens geschieht in seiner inneren Begründung und in seinem wesentlichen Verhältnis zur Glaubens- und Sittenlehre; das Thema sei natürlich, die Disposition klar und übersichtlich, die Ausführung der Dauer einer SonntagApredigt angemessen. Was hier kurz über Missionspredigten gesagt wurde, gilt mutatis mutandis auch von den Vereinsvorträgen über Mission. Ausführlich darüber zu schreiben, geht über Leu Rahmen meiner Arbeit. Nur einiges. Spezielle Vorträge über Missions-Pflicht, MissiünÄelben, Wirken und Erfolge, auch über Mifsiousgeschichte und Geographie dürfen kein Notbichlelf der Vereinsversammluitgen sein, sie .gehören zum ständigen Programm. (Dgl. Kölner M.-Kurs 1916, S. 191/2). Wie oft klagen nicht Vereinsvorstände über Mangel an Vortragsstoff! Grei'sen wir zum Mis-sioitsthema- und. wir stehen vor einer Fttttidgvube lautersten Goldes. Unsere Vereine nennen sich ja „katholische" Vereine, uirib was wäre katholischer, universeller im wahrsten Sinne des Mortes als die Pflege dies Mifsionsgedankens? Unib daß geralde der Missionsvortrag, besonders in Verbindung mit Lichtbildern, interessiert, ist Erfahrungstatsache. Als Richtlinie dabei kann uns dienen, was P. Rob. Streit im Kölner Missionskurs, S. 29, vorschlägt: „Zunächst halte man einen allgemein orientierenden Missionsvortrag. Derselbe kann entweder die zeitliche oder die räumliche Entwicklung der Kirche durch die Mission darstellen; sehr leicht lassen sich der Neger auch beide Montente miteinander verbinden. Nach, der allgemeinen Orientierung, die aber von Zeit zu Zeit in der einen oder andern Form zu wiederholen ist, kann zu den speziellen Missionsvorträgen geschrit-teit werden. Hier ist die Auswahl eine schr große, aber immer wird es ratsam sein, von vornherein einen Plan bei ber Wahl der Gegenstände vor Augen zu haben . . . Welch umfangreicher i&nira.gšftofs bietet sich hier den Leitern von Jünglings-, Gesellen- und Arbeitervereinen, zumal wenn der Vortragende darauf bedacht ist, die Anwendung auf das persönliche religiöse Lebett der Zuhörer zu machen!" Der Verein kann uns ein Spavkassebuch sein, in dem mir unser Missionsstudium und Wissen praktisch und fruchtbringend^ entlegen. Drum hinein mit der Missiouspslege in die Vereine! Wenn wir so ttt Predigt und Vortrag für die Missionsarbeit eintreten, dürfen wir auch auf reichen Segen für das Glaubensleben der Heimat rechnen; wenn tr-ficnitoo. so gilt hier das Heilandswvrt: cenfruphim aceipies. Wollen wir brave, glaubensstarke, sittenreine und überzeugungstreue Katholiken, dann pflanzen wir in ihr Herz Opfermut und Opfer-g e i st für Christus und feine hl. Kirche. Wollen wir Katholiken, die in den großen Schwierigkeiten, welche die kommenden Jahre vielleicht über unsere Kirche brin-gett, nicht versagen, dann Pflanzen wir A p o st e I g e i st in ihr Herz. Den Geist der selbstlosen Nächstenliebe, der gern für seine Mitbrüder in die Schranke tritt. Wissen Sie wohl, verehrte Mitbrüder, ein besseres Mittel, diesen Opfer- und Apostel-geist zu pflegen und zu fördern als tie Mission? „Wer gelernt hat," sagt Msgr. Schweitzer, „mitzuarbeiten durch Persön-Itche Opfer und durch Gebet an der Aus- 260 Stern der Neger Heft 11/12- brr it UM des Reiches Christi ans Erden, wer sich begeistert hat cm den Helden unserer katholischen Missionen, der wird ancs) daun nicht üerfagen, wenn es gilt, aus sich herauszutreten und Opfer zu brin>gen für die Erhialtmrg des kulturellen Besttzstau-des der Kirche Gottes in unserem Vater-lande." Ais kleinen Behelf füge ich eine Zusammenstellung der wichtigsten Predigt- und Vortragslitevatur an: P. H. Fischer, Jesu letzter Willed Steyl, 1912. (Das Hohelied des Missionsge-dankeus!) P. A. Huonder, Die Mission auf der Kanzel und im Verein, 3 Bde. Freiburg 1913/14. P. Ro>b. Streit, Missionspredigten, 3 Bde^ Freiburg 1913/14. Otto Jsele, Vier Predigten über die Heidenmission. Steht, 1912.' Joses Spieler, Licht und Schatten, Beispiele aus der Heidenmission für Kanzel, Schule und Haus, Freiburg 1914. P. A. Freytag, Das kathol. Missionsfest, Steyl, im II. Teil. P. Schwager, Die kath. Heidenmission im Schulunterrichte, Steyl 1912. (Auch für ! Predigt und Vortrag!) Dr. Ditscheid, Die Heidenmission, Köln 1911. I. Schmidlin, Die christliche Welimission im Weltkriege, M.-Gladbach 1915. F. Schwager, Die brennendste Missionsfrage der Gegenwart, Steyl 1914. Derselbe, Fvauemrot und Frauenhilfe in den Missionsländern, Steyl 1914. H. Weber, Im Land der Morgenstzlle. München 1915. Derselbe, Menschensovge für Gottesreich. Freiburg 1913. Serie: „Im Kampf fürs Kreuz", 16 Nummern, Missionsverlag St. Ottilien, 1914/162. Em. Huch, Ein großes Glück um c mc 1)1. Pflicht, Innsbruck, 1909. Dr. K. Meunier, Das Werk der hl. Kindheit Jesu? Für geistliche Vorträge. Köln. Dr. Meinertz, Jesus und die Heidemnis-siou. Münster. Bibl.-theol. Abhandlung, besoNd>ers für Priester. Rezension einer [üiUionsichrift. Vom Missions-Studien-Zirkel in St. Florian, Oberösterreich. Vortragsskizzen für Missionsredner, Heft 3, K i n d er v.o r t r ä g e von I. Franco (Salzburg, St.-Petrus-Cla-ver-Sodalität, 80 h). — Die St.-Petrus-Claver-Sodalität hat mit der Herausgabe der wohlfeilen „Vortragsskizzen" einen sehr guten Griff gemacht. Das 1916 erschienene 3. Heft bringt „Kindervorträge", verfaßt vom letztjährigen Vorsitzeirden bei Vorortes, I. Franco. Die 11 Skizzen sind sehr glücklich entworfen. Die Ausführungen werden durch gerade für die Kinder- Welt berechnete Erzählungen illustriert. Wem etwa speziell die St.-Petrus-Claver-Sodalität zu stark betont ist, der kann ohne weitere Schwierigkeit die Vorträge aus eine allgemeine Form bringen. Das Heft wird dem Seelsorger sicher gute Dienste leisten. Überhaupt eignet sich diese Heftreihe (hoffentlich folgen bald noch weitere!) sehr zur Versendung an die außerordentlichen Mitglieder unserer Vereine. I. Hollnsteiner. Berantwortlicher Schriftleiter Rektor P. $r. ®i. SRafieiner F.S. C. - Buchdruckerei„Carinthia"des St. I.-V. in Klagenfnrt, Kärnten Empfehlenswerte Bücher und Zeitschriften. Claver-Kalender 1918. Herausgegeben von der tol. Petrus Claver-Sodalität. 112 Seiten Groß-. Oktav. Reich illustriert. Preis portofrei 65 h, Be-zugSadrcffc: St. Petrus Claver-Sodalität, Salzburg, Dreifalligkeitsgasse 12, sowie all deren Ab-gabcstellen und alle katholischen Buchhandlungen. Der Claver-Kalender, der bereits in allen katholischen Kreisen Eingang gefunden hat, verdient auch in seiner Ausgabe für das Jahr 1918 die weiteste Verbreitung. Mit all den wichtigen Angaben, die einen Kalender schätzenswert machen, ausgestattet, trägt er das Gepräge eines ausschließlichen Missionskalenders. Interessante wahrheitsgetreue Erzählungen von Missionären aus den verschiedensten Gegenden des dunklen Erdteils zeichnen ein den Leser überraschendes Bild von dem Innenleben der schwarzen Rasse, wie sie sich in ihrer kindlichen Einfalt und Glaubensstärke bis zu den erhabensten Höhen christlicher Weltanschauung erhebt. Ein reicher Bilderschmuck vervollständigt nebst Gedichten und Preisrätseln die würdige Ausstattung des Claver-Kalenders. Durch Verbreitung dieses überdies so preiswerten Kalenders, der sich vorzüglich als Lesestoff für unsere Krieger eignet, erweist man nicht nur den vom Weltkriege.so schwer geschädigten afrikanischen Missionen, sondern auch dem katholischen Volke einen wahren Liebesdienst und kann manchem durch Kriegsleid niedergedrückten Menschenherzen Trost und Freude beretlen. Kinder-Missionskalender 1918. Herausgegeben von der St. Petrus Claver-Sodalität. 64 Seiten Klein-Oktav. Reich illustriert. Preis portofrei 35 h. Bezugsadresse: St. Petrus Claver-Sodalität, Salzburg, Dreifaltigkeitsgasse 12, sowie all deren Abgabestellen und alle katholischen Buchhandlungen. Ter Weg der Vorsehung. Trostgedanken für Zeiten der Heimsuchung von P. Salcsius M. tortici' O. S. M, 40 S. 24". Preis 24 h, 50 Stück K 10,80. Verlag Fel. Rauch, Innsbruck. —. 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Klara, dem leuchtenden Vorbild für jede Ordensfrau. lEsaHssBgaeieseBiaesa Gebetserhörungen und -empfeMungen. Eine brave Tirolerin empfiehlt sich inständig dem Gebete aller in einem großen Anliegen. — Ein Freund unserer Mission empfiehlt dem Gebete ein schweres Seelen- und Körperleiden, baldige Heilung und Schutz vor drohendem Leibes- uud Seelcnunglnck', sodann: Eine unglückliche Ehe, und Geschwisterhaß. Eine edle Seele bittet um Veröffentlichung, daß ihr in. einem schweren Anliegen überraschend geholfen wurde. immim immmmimmitm|mimmiiiiimdimmmmmmmmmmmmimmummnmmmi iiHiimiimmiimmiliitiiiiiiiimiiiiii, AA Stimmn ebrauchte Briefmarken _g und wr jtl -pm werden mit herzlichem „Vergelt's Gott!" von der Verwaltung des Missionshauses in Milland bei Brixen entgegengenommen. immmmmmiitimmmliminimmilmiiimmliiiiiiii Junge Leute Handwerker, wie Schuster, Schneider, Tischler usw. finden als .... Laienbpüdes? .................— Aufnahme im Missionshaus in Milland bei Brixen. lP#tt A b o »I n c »I t c is der ötatiumtctibrcüc tuirh Für Wen, welche Mens- und MWonspriester werden wollen. TöwiMMillMMiMiMmi iiümi i n In unserem imimoE ln Mihi üti Stirn werden brave und talentierte Knaben aufgenommen und zu ■ ■ = Missionspriestern herangebildet. ===== Bedingungen der Ausnahme: 1. Selbständige ,Neigung und , sonstige Zeichen des Berufes zum Ordens- und Missionspriesterstand. 2. Gelehriger, lebhafter, offener Charakter; energischer, standhafter, opferfteudiger Wille; sittliche Unverdorbenheit. 6. Gesundes Urteil und gutes Talent, das befähigt, leicht und ohne Anstand die ganzen Gymnasialstudien durchzumachen. 4. Gute Gesundheit und kräftiger Bau, frei von körperlichen Fehlern. 5. Alter von ungefähr zwölf Jahren. Für die erste Klasse wird ein Alter nicht unter zehn und nicht über zwölf Jahre erfordert. ii. Pensionsbeitrag nach Uebereinkommen mit den Eltern oder deren Stellvertretern. Weitere Aufschlüsse werden bereitwilligst vom Obern des Missionshauses erteilt. Man wendeisich^vertrauensvoll an die Adresse: P. Rektor des Missionshauses nt Milland bei vrixen, Tirol VA' ichtig für Missionsfreunde! Aufstand und Reich des Mahdi im Sudan und meine zehnjährige Gefangenschaft dortselbst. Von P. Jos. Ohrwaldcr. Da von ^verschiedenen Seiten]Nachfragen wegen des Werkes des allzu früh verstorbenen hochw. P. Jos. Ohrwalder^an unsjgerichtet wurden, haben, wir uns bemüht^ die noch erhältlichen wenigen Exemplare zu erwerben. Dank dem Entgegenkommen, das wir gefunden, sind wir in der Lage, eine beschränkte Anzahl dieses höchst interessanten Buches zu ermäßigten Preisen abzugeben. Gebunden in Ganzleinen statt K 6N0 (Mk. 5*50) K 5*— (Mk. 4-30); ungebunden statt K S — (Mk. 4-30) K 3-50 (Mk. 3 —). Erhältlich nur noch im „Missionshaus Milland“ bei Brixen (Tirol).