Katholische Missionszeitschrift der Missionäre Söhne Stern des hist. Herzens Jesu Heft 4 / April 1939 dtrTO^ Onhalt: Papst Pius XII. S. 49. — Kreuzweglilie, S. 51. — südafrikanische Städtebilder: Johannesburg. S. 55. — Umschau, S. 58. — Auserwählt. Religiöser Bauernroman non Withalm, S. 60. — Abbildungen: 1. Bild des neuen Papstes. — 2. Öfterseier 1938 in Urundi. — 3. Erzbischof Mar Jvanios tauft jakobitische Inder. — 4. Taufe und Erstkommunion in Japan. — 5. Lavastrom in Belgisch-Kongo. — 6. Ein indischer Fakir. — 7. Araucanierin am Webstuhl. — Unser Umschlagbild: Der Rektor des Propagandnkollegs in Rom liest anläßlich der Gedenkfeier zum 50jährigen Jubiläum des Apostel-Petrus-Werkes für den einheimischen Klerus eine heilige Messe am Grab des Apostelfiirsten in Rom. (Fides.) Preis: ganzjährlich Deutsches Reich 2 Mark, Stalten K Lire, Ungarn 2.50 Pengö, TschechoUowakei 12 cK, Jugoslawien 25 Dinar. Schweiz 2.50 Franken, übriges Ausland 2 Goldmark. — Versand durch Missionshaus Jofefstal bei Ellwangen (Sagst) Wiirttbg. Gebetsempfehlungen und =erhörungen. St. B. aus G.: Da unser Vater an einer unheilbaren, schweren Krankheit darniederliegt, bitte ich, recht viel für ihn zu beten, auf daß wir unseren lb. Vater noch recht lange unter uns haben. Vergeltes Gott! I. K. aus B.: Sende zum Dank für beson- dere Gebetserhörung den Bezugspreis und eine Spende. Abonnentin aus Stuttgart bittet ums Gebet für ihre Kinder. J. I. aus U. bittet ums Gebet für seine Familie. (Vergeltes Gott für die Spende!) + TOTENTAFEL + Es starben von unseren Abonnenten: Karl Hug, Salzstetten (Wllrttbg.); Josef Huber, Regensburg; Alois Traunwieser, Neumarkt a. Hausruck (Oberdonau); Anna Krisper, Lichtenegg bei St. Stefan (Steiermark); Hochw. H. Pfarrer Johannes Schwimmer, Pesterskirchen (Obevdonau); Aloisia Streitzhofer, Rettenegg (Steiermark); Aloisia Mandl, Gr.-St.-Florian (Steiermark); Alois Jenger, Berolzheim (Baden); Leo Raiber, Griesingen (Württembg.); Maria Berrer, Taiskirchen (Oberdonau); Regina Hönle, Oberschneidheim (Wttbg.); Marin Hellwcger und Rosa Schisferegger, St. Loren-zen (Italien); Rosa Graus und Johanna Kuent, Bressanone (Italien); Theresia Raben-g ruber, Haag (Oberdonau); Margarete Arnold, Waldstetten (Württ.); Joses Hörburger, Doren (Vorarlberg); Joh. Helletsgruber, Neukirchen a. W. (Oberdonau); Balbina Kärn, Zimmern (Wiirttbg.); H. Bolle, Rinkerode (Westfalen); Witwe Maria Klein, Graz; Johann Mitter-maier, Neumarkt b. ©riest. (Oberüonau); Susanna Kraft, Laa a. Thaya (Rioderdonau); ücaver Sutter, Lochau (Vorarlberg). R. I. P. Gebetsmeinung für Öen Monat April: «Für das ch r I ft I i ch c Indien». Die Völker Indiens ringen und kämpfen unablässig um die Verwirklichung ihrer völkischen Unabhängigkeit und eine starke öffentliche Meinung befürwortet die vollkommene Loslösung der indischen Länder aus dem britischen Weltreich. Solche Bestrebungen tauchten schon geraume Zeit vor dem Weltkrieg auf, aber der Krieg verstärkte sie in ungeheurem Maß. Bevor die Engländer kamen, zerfiel Indien in Groß- und Kleinstaaten, in wilde Stämme, in halbzivilisierte despotische Herrschaften und hochkultivierte Reiche. Die Engländer haben durch ihren kolonialpolitischen Eingriff das Land gewaltsamerweiie geeint und ihrem Imperium einverleibt. Sie brachten den politisch denkenden Menschen in Indien aber auch ihre liberale Weltanschauung. In den Indiern wurde dieser eingeführte Liberalismus zu einem politischen Werkzeug gegen die englische Herrschaft, er wurde das politische Bekenntnis der indischen Nationalisten. Ferner sind in Indien Einflüsse des bolschewistischen Rußland spürbar, suchte doch der Bolschewismus in seinem Kampf gegen die kapitalistischen Weltmächte deren Autorität besonders in ihren asiatischen Kolonien zu erschüttern durch Verbreitung marxistischer Ideen und Schlagwörter und revolutionäre Propaganda. Hält man sich das vor Augen, so wird verständlich, daß die indische Unab-hängigkeitsbewcgung, für die in den größten Städten, wie in den entlegensten Flecken geworben wird, eine antichristliche Haltung zeigt. Sie nennt das Christentum ein europäisches Produkt und ein Machtinstrument, dessen sich die Kolonialmächte bedienten, um ihre Herrschaft zu festigen und zu vermehren; jene Inder, die sich zum Christentum bekehrt haben, gelten ihr als Vaterlandsverräter. — Wir sollen nun beten, daß keinerlei feindselige Machenschaften die vier Millionen indische Christen in ihrem friedlichen Wirken stören und beunruhigen; sollen beten, daß das indische Volk erkenne, daß die Person und die Lehre Jesu Christi der ganzen Welt zum Heile gereicht, daß das Christentum nicht nur für bestimmte Nationen eine Bedeutung besitzt, sondern jeglicher Kreatur gepredigt werden muß, nicht wegen eines irdischen Vorteils, sondern im Hinblick auf die ewigen Güter, die es verheißt. Herausgeber und Verleger: Kongregation der Missionäre Söhne des hriHgiten Herzens 3etu, 3oH'fstnl bei Mlwangen (Sogst) schechkonto München 262 66, Missionsseminar St. Joses, SUitmngen (3ngft) Württemberg. - Drnrb der Schwabenverlag 9t.»®., Zweigniederlassung Ellwangen (Sagst). — Mil kirchlicher Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobern. Stern der Neger Katholische Missions ^Zeitschrift Herausgegeben von der Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu Heft 4 Äpvil 1939 4L. Jahrgang PAPST PIUS XII. (Foto Felici) In den vergangenen Wochen wanderten die Gedanken aller Katholiken gar oft nach der Ewigen Stadt, einmal um des großen Toten zu gedenken, der mit kraftvoller Hand 17 Jahre lang die Kirche regiert hatte, dann aber auch um die Frage zu stellen: Welchen Mann wird die göttliche Vorsehung jetzt auf den päpstlichen Thron berufen? Und die katholische Welt schickte inbrünstige Gebete zu Gott empor, Er möge in seiner väterlichen Güte der Kirche wieder einen Mann nach seinem Herzen senden, der als Stellvertreter Christi die streitende Kirche auf Erden leite. Gott hat diese Gebete gehört und hat am 2. März in der Person des Kardinals Eugen Pacelli, der den Namen Pius XII. angenommen hat, der Kirche ein neues Oberhaupt gegeben. Wir bringen dem neugewählten Papst die innigsten Gefühle kindlicher Liebe und das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue entgegen, und versprechen, ihn in seinem schweren Hirtenamt mit unsern schwachen Gebeten zu unterstützen. Papst Pius XII. wurde in Rom am 2. März 1876 als Kind einer adeligen Familie geboren, die seit mehreren Generationen bedeutende Aemter am päpstlichen Hof versah. Mit viereinhalb Jahren ging Eugen Pacelli schon in die Schule und er begann frühzeitig mit betn Erlernen fremder Sprachen, in denen er es dank seiner großen Begabung zu einer erstaunlichen Vielseitigkeit und Fertigkeit brachte. Im Alter von 17 Jahren absolvierte er das Gymnasium mit Auszeichnung und machte dann seine höheren Studien an der Gregorianischen Universität in Rom und am dortigen Priesterseminar. Im Jahre 1899 empfing er die Priesterweihe und erwarb zwei Jahre später den Doktorgrad in der Theologie und im Kirchenrecht. Der feingebildete junge Priester wurde nun in die Päpstliche Kongregation für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten berufen und wirkte gleichzeitig als Lehrer des Kirchenrechts am römischen Seminar. In den Jahren 1909 bis 1914 war er dann Professor für kirchliche Diplomatie. 1911 wurde Eugen Pacelli Untersekretär und 1914 Sekretär der schon erwähnten Kongregation für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten. Im April 1917 wurde der Sekretär zum Titularerzbischof von Sardes geweiht und als Nuntius nach Bayern gesandt und nahm seit Mai 1920 gleichzeitig die Geschäfte eines Nuntius in Berlin wahr. In beiden Stellungen entfaltete Pacelli in den schweren Jahren des Weltkriegs und der Nachkriegszeit eine umsichtige Wirksamkeit. In der offiziellen Abschiedsaudienz, die Reichs- präsident von Hindenburg am 9. Dezember 1929 dem von Berlin scheidenden Nuntius gewährte, gab er folgende Erklärung ab: „Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen zu versichern, mit welch herzlichem Bedauern wir alle Sie von hier scheiden sehen. Neun Jahre sind vergangen, seitdem mein Vorgänger Eure Exzellenz hier als den ersten bei der Reichsregierung beglaubigten Botschafter willkommen hieß. Ich freue mich, aus Ihren Worten entnommen zu haben, daß Sie sich Ihrer Berliner Amtstätigkeit und Ihrer hiesigen Freunde gerne erinnern werden. In gleicher Weise werden alle, die mit Ihnen in amtliche und gesellschaftliche Beziehungen zu treten, Gelegenheit hatten, mit Genugtuung an die von weiser Sachlichkeit, unbe-irrtem Gerechtigkeitssinn und warmherziger Menschlichkeit getragene Berufsauffassung zurückdenken, mit der Sie Ihr hohes Amt auch als Sprecher des Diplomatischen Korps verwaltet haben." Am 16. Dezember 1929 verlieh Papst Pius XI. dem bisherigen Nuntius Pacelli die Kardinalswürde. Bereits am 7. Februar 1930 wurde der neue Kardinal mit der Führung des Päpstlichen Staatssekretariates betraut. In dieser hohen Stellung war er dem verstorbenen Papst eine ausgezeichnete Hilfe. Nun hat die göttliche Vorsehung Eugen Pacelli als Pius XII. mit der Regierung der katholischen Weltkirche beauftragt. In einer sehr schweren Zeit muß der neugewählte Papst das Schifflein Petri lenken. Seine hohen menschlichen Fähigkeiten lassen ihn als ein treues Werkzeug in der Hand dessen erscheinen, der seine Kirche auf den Felsen Petri gegründet hat und ihr seinen Beistand für alle Zeiten zugesichert hat. In dieser Zuversicht, die dem bangenden Herzen Kraft und Stärke verleiht, blicken wir ruhig und gefaßt der Zukunft entgegen. Gott hat seiner Kirche wieder einen Papst gegeben, die Herde Christi hat wieder einen Hirten. Wir Katholiken wollen auf seine Stimme hören und ihr bereitwillig folgen. Möge der Herrgott Papst Pius XII. eine reichgesegnete Wirksamkeit und den christlichen Völkern Frieden und Einigkeit schenken! S. L- Kreuzroeglüte* Erzählt von Grote S ch ö p p l. Es war ein wundervoller Frühlingstag, der 5. April 1912, als ein kleines, liebes Mädchen, Maria Filippetto, in Padua das Licht der Welt erblickte. Ein Frühlingstag, just ein Karfreitag ... Und wollte auch Marias Kindheit voll Sonne und Fröhlichkeit fein, wie die anderer Kinder auch, so sollte der Karfreitag, an dem sie geboren, nicht ohne Vorbedeutung für sie bleiben. AIs Kreuzesbraut des leidenden Heilandes sollte Maria im Frühling ihres Lebens den Flug zum Himmel antreten! Glückliche Weisheit der Vorsehung, die sich hinter Geschehen verbirgt, die die Unabwendbarkeit der Bestimmung nicht einmal ahnen läßt! Wer hätte in dem leicht erregbaren, aufbrausenden Wesen des kleinen Mädchens die Stufe erkannt, die es Gott näher bringen sollte? Kleine Mädchen sind ja so oft überempfindsam und störrisch, besonders wenn sie als einziges Mädchen in der Familie verzärtelt und verwöhnt werden und so wie Maria Brüder haben, die gerne necken und übermütige Jungenstreiche vollbringen?! — Doch mehr noch als Klein-Maria aufbrausend war, liebte sie Jesus. AIs ganz kleines Kind, da sie kaum stammeln konnte, hatte ihre Mutter sie Jesus lieben gelehrt, und Maria versäumte nicht, sich in allen kindlichen Sorgen und Nöten an Ihn zu wenden. Ueberhaupt besaß sie vorzügliche Charakteranlagen, zu denen ihre Heftigkeit in krassem Widerspruch stand. Ihre Mutter betete inbrünstig zu Unserer Lieben Frau, daß sie ihr helfen möge, i):es köstliche Juwel zu läutern, alle harten Ecken und Kanten abzuschleifen. Unter der liebevollen Führung ihrer guten Mutter sah die kleine Maria, die ja ein Herz voll zarter Liebe hatte, ihren Fehler ein und bemühte sich, in beständigem Kampfe gegen ihr Temperament, diesen abzulegen. Aber es sollte eine Prüfung kommen, die sie noch besser als all ihre Bemühungen und die Leitung ihrer Mutter läutern sollte! AIs Maria sechs Jahre alt war, kam sie in die Schule. Infolge ihrer Geweckt- heit und ihrer reichen Begabung war sie sofort die Erste in ihrer Klasse. Alles, was andern Schwierigkeiten machte, gelang ihr mühelos und wie von selbst. Das Lernen gehörte bald zu ihrer höchsten Lust und Freude. Ein einziges Mal nur geschah es, daß sie eine Aufgabe falsch gelöst hatte. Ihre Betrübnis darüber war so groß, daß sie ' vor heftigem Schluchzen kaum erzählen konnte, was sich in der Schule zugetragen. Die gute Führung der Mutter lehrte sie indes, nicht betrübt zu sein, weil es ihre Mitschülerinnen besser als sie gemacht hätten; denn das wäre Neid und vor dieser Schlange solle man sich beizeiten hüten. Wenn sie sich aber darüber gräme, ihrem Lehrer und der Klasse mißfallen zu haben, dann sei ihre Trauer ganz am Platze, ja sogar lobenswert. Gern schenkte Maria auf Aufforderung ihrer Mutter dies Kreuz dem Heilande und gewann vor seinem Bilde ihren Frohsinn wieder. Mit Puppen und Spielzeug hatte Maria nicht so viel Freude, wie andere Mädchen ihres Alters. Ihr machte es mehr Vergnügen, flink wie ein Eichkätzchen unter Singen und Pfeifen auf die Bäume zu klettern und nach Bubenart im Garten umherzutollen. So wild sie sich aber auch dabei gebärden konnte, so still und andächtig vermochte sie in der von ihrem älteren Bruder, Piero, improvisierten Kapelle zu knien, wenn Piero zelebrierte und Mario, der jüngere Bruder, das Rauchfaß schwang. Nur wenn Piero, der niemals eine Messe ohne Predigt hielt, mit seinen Vorträgen kein Ende finden konnte, flüchtete die kleine Maria zur Mutter. Sieben Jahre alt, erkrankte sie an den Masern. Kaum genesen, suchte sie eine Nierenentzündung heim, die zwar nur leicht a"ftrat, aber die zarte Geiundbeit des Mädchens doch recht schwächte. Die Aerzte aber meinten, es liege durchaus kein Grund zu ernstlicher Besorgnis vor. Maria wuchs denn auch zu einem lieblichen jungen Mädchen heran, und niemand ahnte die verderbende, unbedingt todbringende Krankheit, die sich der kleinen Frühlingsblume so bald schon nahen sollte. Maria besaß für alle Armen, Kranken und Notleidenden ein gutes Herz. Lieber verzichtete sie auf Spielzeug und Näschereien, ehe sie einen Armen von sich ohne Almosen hätte gehen lassen. Aber nicht nur den Armen ihrer Heimat galt ihr helfendes Mitgefühl, ihr Herz schlug in brennender Liebe für die Heiden. Auf alle mögliche Weise erbat sie sich von daheim, von Freunden, Verwandten und Bekannten Almosen für die Missionen und war überglücklich, wenn sie für diesen Zweck immer wieder ein nettes Sümmchen zusammenbekam. Selbst in ihrer schweren Krankheit opferte sie noch für die Missionen. Keinen Tag ließ sie, ohne ein Missionsalmosen gegeben zu haben, vorübergehen und täglich des Morgens galt ihr erstes Gebet den geliebten Missionen. „Heut hab ich wieder Missionstag!" pflegte sie in ihrer Krankheit zu sagen. Ihre Mutter wußte, daß Maria damit meinte, den heutigen Tag ganz den Heidenmissionen aufgeopfert zu haben. Und Maria wählte dazu immer ihre schmerzerfülltesten Tage. Sogar einige Tage vor ihrem Tode vergaß Maria ihre Missionen nicht. Sie tröstete das Dienstmädchen, das den Tod ihres zweijährigen Neffen beklagte, damit, daß sie zum Andenken an den kleinen Knaben ein Heidenkind kaufen und es auf den Namen des verstorbenen Kindes taufen solle. Und es machte Maria eine große Freude, als sie ihren Vorschlag ausgeführt sehen durfte. Mit neun Jahren befiel sie im Winter eine arge Influenza. Das Mädchen wurde sehr mager, so daß die Eltern in erneuter Sorge eine gründliche ärztliche Untersuchung ihres Lieblings vornehmen ließen. Der Christbaum stand schon halb geschmückt bereit, Geschenke und Ueber-raschungen lagen wohlverwahrt. Im ganzen Haus roch es nach Backwerk und Kuchen; denn morgen war ja Christabend ... Da stellte der Arzt zum Entsetzen der Eltern fest, daß die kleine Maria die Zuckerkrankheit habe, und zwar in höchstem Grade. Vor dieser furchtbarsten Ueberraschung war es wohl mit aller Weihnachtsfreude vorbei. Die Eltern — sonst so fromm — meinten zeitweise, diesen harten Schlag nicht ertragen zu können und fühlten zuweilen etwas, wie Auflehnung gegen Gott. Verschiedene Aerzte, die man zu Rate zog, sagten alle dasselbe. Die Eltern versuchten alle möglichen Mittel und Kuren, um das unabwendbare Schicksal doch von ihrem Liebling fernzuhalten. Maria durfte natürlich die Schule nicht mehr besuchen. Sie fand sich mit großer Liebe umgeben und angesichts dieser konnte wohl sie auch nur Sanftmut zeigen. So hatte sie sich mehr noch als früher in der Gewalt. Und entfuhr ihr unbedachterweise noch irgend ein hartes Wort, änderte sie sofort den Ton und fuhr in sanftester Weise zu sprechen fort. Die schwere Krankheit, die sie betroffen, schien nur deshalb über sie gekommen, um diese zarte Blume Gott immer wohlgefälliger zu machen, sie so zu formen und zu bilden, daß er sie als auserwählte Lilie in seinen Himmelsgarten verpflanzen würde, bald, o so bald...! Sehnsüchtig erwartete Maria den Tag ihrer ersten heiligen Kommunion. Nicht ohne dem lieben Heiland einen reichen Strauß kleiner, duftender Opferblumen zu reichen, sollte sich diese höchste irdische Seligkeit ihr nahen! Opfer gab es ja so viel nun zu bringen: kein Obst, keine Leckereien, keinen Schulbesuch! Und Maria verzichtete auf alles, so schwer es ihr auch fiel, lächelnd, aus Liebe zu Jesus. Ja, sie half mit, Bäckereien zu bereiten, von denen sie nicht das Geringste verkosten durfte, und behielt sich vor, die Platte mit Obst stets selbst auf den Tisch zu stellen, um so ihre Opfer zu vergrößern. Ein unendliches Glück strahlte aus ihren Augen, als Maria, in ihrem schneeweißen Kleidchen, weiß verschleiert, einem Engel vergleichbar, vor dem Altare zum erstenmal die Himmelsspeile empfing. — Opfer auf Opfer verlangte Jesus von seiner kleinen Braut; denn Stufe für Ostern 1938 in Urundi (Ostafrika). Unser $itö zeigt eine große schwarze Christengemeinde, die im Freien vor der Kirche in Mugera dem festlichen Pontifikalamt am Auserstöhungstage beiwohnt. (Sibce.=yoio.) Stufe ging es nun in steiler Bahn aufwärts. Auf Anraten des Arztes mußte Maria fünf Monate getrennt von ihren Lieben in den Bergen weilen. Im Herbst 1922 verließ der nunmehr 15jährige Piero die Heimat, um in das Noviziat der Jesuiten einzutreten. Maria empfand die Trennung von ihrem geliebten Bruder überaus schmerzlich. „Aber wenn Jesus ihn ruft", sagte sie sogleich, „können wir dann nein sagen? Wir sollen vielmehr für ihn beten." Maria hatte sich nun so weit erholt, daß sie wieder die Schule besuchen konnte. Die Vorsehung spielte ihr die Selbstbiographie der heiligen Theresia von Li-sieux in die Hände, auf daß die kleine Blume noch fruchtbareres Erdre'ch fände, ihrem göttlichen Meister immer wohlgefälliger sich zu entfalten. Maria las denn auch dieses Buch mit größtem Eifer, schrieb sich viele Gedanken heraus und wachte mehr denn je über sich selbst. Sie bezwang sich immer mehr, vergrößerte ihre Opfer und es gelang ihr auch, ihre natürliche Liebe zu schönen Kleidern gänzlich zurückzudrängen. Sie wollte nicht den Menschen, einzig und allein aber Jesus gefallen. Was immer ihr begegnete, jede Arbeit, jedes Lob vertraute sie Jesus an. Und als sie bei einem Wettbewerb der höheren Klassen, an dem sich mehr als 2000 Kinder beteiligten, den ersten Preis erhielt, trübte kein Schatten von Stolz die Heiterkeit ihrer Seele. Indessen stand Maria eine neue Prüfung bevor. Eine Krise zwang ihre Eltern, sich an einen andern Arzt zu wenden, der zu einer Insulinkur — damals ein ganz neues Verfahren — riet. Dieselbe konnte nur in einem Krankenhaus vorgenommen werden. Das war nun kein leichtes Opfer für die kleine Maria, von zu Hause fortzugehen und ins Spital zu ziehen. Dort aber harrte ihrer eine große Freude: Jeden Tag durfte sie Jesus in der heiligen Kommunion emvfangen — und als sie nach etwa drei Wochen das Krankenhaus wieder verließ, fühlte sie sich imstande, die Schule wieder besuchen zu können. Der Pater Superior des Krankenhauses, der Gottes Absichten mit Marias Seele erkannte, wurde ihr ein vortrefflicher Seelenführer. Am 15. Februar 1925 weihte sich die ganze Familie dem heiligsten Herzen Jesu. Bevor nun Maria zur Schule ging oder mitten irrt Lernen und int Spielen, eilte sie zur Herz-Iesu-Statue, um ein kurzes Gebet zu verrichten. Als Vorzugs-schiilerin mit einem glänzenden Zeugnis begann Maria froh ihre Ferien, aber ein neues Opfer harrte ihrer. Durch die vielen Einspritzungen war ein Geschwür entstanden, dessen Eiterherd sich tückisch weiter entwickelte, so daß hohes Fieber auftrat. Maria mußte wieder ins Krankenhaus, sich einer überaus schmerzhaften Operation zu unterziehen. Aber die kleine Dulderin litt alles lächelnd, den Blick auf den sterbenden Heiland geheftet: „Jesus, tu mit mir, was du willst; gib mir aber die Kraft, aus Liebe zu dir jeden Schmerz gut zu ertragen!" Nach einer vorübergehenden Besserung, warf Maria eine neue Krise aufs Krankenlager. Der Heiland aber gab ihr einen wundervollen Trost. P. Spilim-bergo, ihr Seelenführer, feierte in ihrem weißen Zimmer, das ganz mit weißen Blumen geschmückt war, das hl. Meßopfer. Maria betete nicht mehr um Genesung. Sie wußte, daß sie bald sterben müsse und war bereit, aus Liebe zu Jesus und um Seelen zu gewinnen, das Opfer ihres jungen Lebens zu bringen. Der göttliche Heiland, der sie ganz für sich haben wollte, sandte ihr in der für sie sehr schmerzlichen Versetzung des Paters Spilimbergo in eine andere Stadt eine neue Prüfung. Monatelang ließ der göttliche Meister seine kleine Leidensbraut ohne geistlichen Führer. Sie wartete und betete indessen IIII>I>>I>I!>I>I!>I>>>>I>I>>I>>!>I>>I>I>>>>I>>I>>>>I>>!>I>>I>I>I>>I>II>I!>>>I!>I!I!lI»!II!I!»»»II»!»II»!»!I i—isis—\ (Es ist schon stolzer, daß wir /////|_|\\\\\ Deutsche heute entschlossen unsere ,W Probleme selbst lösen und uns auch selbst helfen. 26 Adolf Hitler. Bei der (Eröffnungsfeier des N)hll). (938/39- voll Vertrauen und Hoffnung und hatte in diesen von Kreuz und Leid erfüllten Tagen Gelegenheit, viele Opferblümlein für Jesus zu pflücken. Nach einem längeren Aufenthalt in den Bergen scheinbar gekräftigt, mußte bald eine neue Operation an der kleinen Dulderin vorgenommen werden. Aber sie litt alles gern und freudig für Jesus. Sie betete unablässig um die Gnade der völligen Hingabe in seinen Willen. P. Rosi, 8. J., Leiter des Antonia-nums in Padua, wurde nun ihr Seelenführer. — Nach einer kurzen Zeit der Ruhe waren neue Operationen notwendig. Die kleine Maria war nicht nur eine willige Dulderin, sie liebte das Leid, sie freute sich förmlich auf das Leiden. „Ich sage Jesus, er könne mit mir tun, was Ihm gefällt." Die kleine Kreuzweglilie war nach dem Wunsche ihres Schöpfers geformt, er betrachtete sie mit Wohlgefallen und der Tag war nicht mehr fern, da sie in den Himmelsgarten versetzt werden sollte. An einem Karfreitag geboren, sollte der letzte Karfreitag, den sie auf Erden erlebte, ein Tag der Leiden und Schmerzen für sie sein. Angst quälte sie und für kurze Zeit war sogar ihr Geist verwirrt und umdüstert. Mehr als vierzig Tage verbrachte Maria schon im Bette, ihre Krankheit machte immer größere Fortschritte. Aber nicht sie war es, die ihren baldigen Heimgang voraussetzen ließ, sondern die Höhe der Liebe, welche Maria erreicht hatte. Am Herz-Jesu-Freitag, den 3. Juni 1927, einige Minuten nach neun Uhr abends brach Jesus feine teilte, weiße Lilie, die an einem Karfreitag zu blühen begonnen und deren Wurzeln in fruchtbares Kreuzweg-Erdreich gepflanzt gewesen waren. Nun holte Jesus die kleine Blume heim, die ihn auf Erden schon so sehr, so über alles geliebt hatte! — Mögen wir an Maria Filippettos Beispiel lernen, w i e wir Krankheit und Leiden überstehen sollen! — Einer zweiten heiligen Theresia von Lisieux gleich wird sie, die den „kleinen Weg", den Weg der Liebe und völligen Hingabe gegangen ist, uns eine mächtige Fürsprecherin im Himmel sein. — Zurück zur Mutterkirche. E>zbisehofMarIva-nios, bet' ehemalige 3itli0biti|Clie Metropolit im Jüdindischen SDMobar,nimmt SMn,> ber unb Eiwachsene burd) bie laufe in bie Mutterkirche auf, zu ber er wie seine Mit-bt über, Mar Theo-philos imb Mar Se-uerios, zurückgekehrt ist. (Fidcs-Foio.) Südafrikanische Städte bild er, 4. Johannesburg. Von Br. August Saget. (Schluß.) Johannesburg ist eine Stabt voll Leben, ist das Herz eines ailsgedehnten Laubes, ist bie eigentliche Hauptstadt von Südafrika; mögen auch bas Volkshaus uni) ber Senat in ber fernen Mutterstabt Kapstadt Gesetze auf Gesetze schmieden unb im nahen Pretoria bie Zügel ber Landesverwaltung gehandhabt werden, in Johannesburg pulsiert der Herzschlag bes Landes. Hier wird mit Hochdruck geschafft, hier wird oUcrbings auch wie nirgendwo sonst der Tanz ums goldene Kalb aufgeführt. Johannesburg bezaubert unb stößt ab. Diese Stadt scheint ein Treffpunkt aller Gegensätze zu sein, baulich, gesellschaftlich, rassisch, geldlich. Sie hat etwas Amerikanisches an sich. Auf hügeligem Gelände weithin ausgebreitet, zeigt sie dem Beschauer ein verschiedenes Gesicht, je nach ber Oertlichkeit, in der er sich gerabe befindet. In der inneren Stadt, dem Geschäftsviertel, das bas einstige Randjes-laagte abgelöst, finden wir Wolkenkratzer bis zu zwölf Stockwerk Höhe, weltstädtische Geschäftshäuser, reichausgestattete Läden, Banken, Hotels, die vornehmsten öffentlichen Gebäude, Rathaus, Hauptpostamt, Stadtbibliothek, Gerichtsgebäude, Kunsthalle. Auf den Bürgersteigen drängt sich eine weltbürgerliche Menge aneinander vorbei, in den Straßen fahren fast ununterbrochene Reihen von Automobilen, gelegentlich aufgehalten durch ein vorsintflutlich anmutendes Ochsen- oder Maultierfuhrwerk, an den Straßenkreuzungen durch die Lichtzeichen der „Robots" geregelt; auf breiten Schienen verkehren doppelstöckige, elektrisch betriebene Straßenbahnen, die den Reisenden infolge des dichten Verkehrs und der vielen Straßenkrümmungen nur langsam voran bringen; schnelle Omnibusse stellen den Verkehr mit den Vorstädten und mit den Hauptorten der Nachbarschaft her. Ueber allem liegt das Hasten und Drängen einer Weltstadt. In einzelnen Vorstädten befinden sich die reizendsten Villenviertel mit prächtigen Gärten, die Wohnstätten der Besitzenden. In anderen Vorstädten wohnen schön kleinbürgerlich die Angestellten bei Reichen, die sich jeden Morgen zu ihrem Tageswerk in die „City" begeben. Dann wieder kann der Besucher in Hintergassenviertel geraten, wo Armut, Elend, Laster und Verbrechen scheue, dürftige und verborgene Unterkunft gesunden haben, die trübe Kehrseite des glanzvollen Johannesburg. Die Goldstadt liegt mit 1770 Meter Seehöhe auf der Wasserscheide zwischen Daal und Limpopo und ist kalten südlichen Winden ausgesetzt. Anderseits erfreut sie sich einer reinen, trockenen Luft unb viel Sonnenscheins. Auch im Winter ist die Luft tagsüber fast immer warm, obwohl es von 9Jiai bis September nachts oft gefriert, empfindlich kalt wird und in manchen Jahren einen oder zwei Zoll Schnee hat. Im allgemeinen ist das Klima gesund, wegen der hohen Lage aber Herz-leidenden weniger zusagend. Innerhalb fünfzig Jahren ist auf einsamem, windigen Weideland wie durch Zauber eine volkreiche Stadt entstanden, bie drittgrößte des afrikanischen Erdteils*). Das Stadtgebiet bedeckt einen Flächenraum von 220 Quadratkilometer und schließt 121 Einzelgemeinden ein. Das Straßennetz ist 1300 Kilometer lang. Das Stadtbild ist gekennzeichnet durch die Fördertürme der Goldbergwerke unb die Hügel des zu Staub zerriebenen, seines Gol- *) Rur von Kairo und Alexandrien übertroffen. des beraubten Gesteins aus dem Innern der Erde, die im Sonnenschein wie blaßgoldene Pyramiden glänzen, bei windigem Wetter aber die Stadt verstauben. In der Baukunst zahlt Johannesburg seinen Beitrag an moderne Geradlinigkeit, bedingt durch die Bauweise mit Stahl und Beton. Ein Kennzeichen dieser höchst modernen Stadt sind seine „Flats", Riesenhäuser mit kleinen Einzelwohnungen, oft nur aus zwei Zimmern und einem Baderaum bestehend, in denen den Mietern um hohe Zahlung ungefähr alles geboten wird, was sie sich wünschen, selbst Bedienung durch Eingeborene, die vom Hausbesitzer angestellt und bezahlt sind. Diese Flats sind ein trauriges Zeichen der Zeit; denn sie beherbergen viele kinderlose Ehepaare, von denen Alaun und Frau dem Erwerb obliegen, sich am Abend treffen und das Möglichste an Vergnügen aus ihrem Leben herausschlagen. Kindergeschrei ist in diesen vornehmen Flats ungehört, ja unerhört, ein überwundener Standpunkt. Johannesburg ist ohne Zweifel eine vergnügungssüchtige Stadt, in der die zahlreichen Lichtspielhäuser und Theater nicht über schlechten Besuch zu klagen haben und wo Musik und Sport fleißig gepflegt werden, wo aber auch die Polizei ständig nach Spielhöllen fahnden muß. Neben bitterer Armut des vom Unglück Verfolgten macht sich uneingeschränkte Genußsucht des Emporkömmlings breit, eine Mode des Verfalles und geistlose Körperoerhätschelung. Für die Bequemlichkeitsliebe der Bewohner spricht der Umstand, daß auf joden 10. weißen Bewohner ein Auto kommen soll. Johannesburg ist der Sitz der großen Wit-watersrand-Universität. In ihrem „Allgemeinen Krankenhaus" besitzt die Stadt das zweitgrößte Spital der Welt. Johannesburg hat zwei Rundfunksender, gibt zwei Tageszeitungen, vier Wochenblätter und eine Anzahl monatlicher Zeitschriften heraus, unter letzteren die seit 19 Jahren von den Oblaten der Unbefleckten Jungfrau geleitete katholische Zeitschrift „Catholic Times". Ein Großteil der Tagespresse und der Theater, desgleichen der Rundfunk werden von dem Juden Schlesinger kontrolliert. Johannesburg besitzt eine Sternwarte mit einem 67-Zentimeter-Teleskop,, sowie einen Flughafen. Die Stadtverwaltung betreibt ein eigenes Elektrizitätswerk und eine Gasfabrik. Die Stadt, die nicht an einem Flusse liegt, bezieht ihren gewaltigen Wasserbedarf aus einer Entfernung von 24 Kilometer, sowie aus dem 56 Kilometer entfernten Vaalflusse. Sie besitzt ein Dutzend Schwimmbäder. Sechs Parkanlagen bilden die „Lungen" der Stadt. Im Eckstein-Park befindet sich der großartig angelegte Tiergarten mit vorzüglichen Sammlungen, vorwiegend aus der afrikanischen Tierwelt. Johannesburg ist wie ein Magnet, es zieht an. Von den Provinzstädten, von den Dörfern und Farmen, von allen Teilen des Landes und darüber hinaus zieht es die Menschen nach der Goldstadt. Gold ist das Lockmittel, Gold ist die Triebfeder dieses menschlichen Ameisenhaufens, Gold ist vielfach auch die Quelle des Elendes in dieser Stadt. Die Goldminen werden betrieben mit auswärtigem, vorwiegend englischem und jüdischem Gelde und zu Großbritanniens und Judas Bereicherung und Machtstärkung. Die Menschen, die in diesen Bergwerken arbeiten, setzen Gesundheit und Leben aufs Spiel für einen Lohn, der solchem Wagnis nicht entspricht. Die Gefahren, die den Bergmann in diesen Gruben bedrohen, sind: Herabfallen von Gestein, Ueberflntung der Minenschächte durch einstürzendes Wasser und Bergmanns-Schwindsucht infolge der ständigen Ein-atmung des Gesteinsstaubes. Letzterer Krankheit entgeht wohl kein Bergmann, der eine Reihe von Jahren in diesen Goldgruben arbeitet. Wen wird es wundernehmen, wenn der weiße Bergmann unzufrieden mit seinem Lose ist und gelegentlich seiner Unzufriedenheit Luft macht, z. B. in den Spalten der Tagesblätter, die es doch mehr mit den Minenherren halten? Wen wird es wundern, wenn er seiner Unzufriedenheit durch Taten Luft macht? Johannesburg hatte in den Jahren 1913, 1914, 1920 und 1922 seine Bergmannsstreike. 1913 setzten die Unzufriedenen ein Zeitungsamt und einen Bahnhof in Brand, und die Polizei schoß eine Anzahl von ihnen nieder. 1914 wurde der Streik dadurch unterdrückt, daß die Regierung den Kriegszustand erklärte und die neun Rädelsführer des Landes verwies. 1920 legten 71 000 schwarze Bergknappen die Arbeit nieder; sie hatten ihren weißen Mitarbeitern diese neue Art der Kriegsfllhvung abgeguckt. Der Streik von 1922 stellte alle früheren in Schatten; er artete in Umsturz und Bürgerkrieg aus. Die Regierung griff rücksichtslos ein, und Maschinengewehre, Feldgeschütze und Flugzeuge führten ein schnelles Ende herbei, und Aerzte und Totengräber fanden reichlich Beschäftigung. Die Bergleute hatten wieder verloren; die willigen aus ihnen konnten die Arbeit unter den alten Bedingungen wieder aufnehmen. Am Witwatersrand wohnt etwa ein Sechstel der gesamten weißen Bevölkerung der Union und fast die Hälfte aller Weißen im Transvaal. Die Gesamtbevölkerung von Johannesburg beträgt 461500 Einwohner, davon 253 000 Weiße, 178 000 Schwarze, 10 200 Asiaten und 20 300 Mischlinge. Die größten Städte am Rand sind außer Johannesburg: Springs (87 000 Einwohner), Beno ui 184 000 Einw.), Eermiston (78 000 Einw.), Brakpan (54 500 Einwohner), Krugersdorp (54 000 Einwohner), Boksburg (50 000 Einw.), Roodepoort (41 000 Einwohner), Randfontein (29 500 Einw.), Nigel (21 500 Einwohner). Kurz nach 1860 hatten sich die ersten Juden im Transvaal niedergelassen. Als 1886 der Witwatersrand als Minengebiet erklärt wurde, waren Juden von Pretoria, Barberton und Kimberley unter den ersten Ankömmlingen. 1888 wurde mit dem Bau der ersten Synagoge begonnen; heute besitzt Johannesburg deren fünfzehn. Die größte, die „Park Synagoge", die 1914 mit einem Kostenauf- Taufe und Erstkommunion in Japan. (5it>cs»5oto.) Eine Szene aus freist Apost. Vikariat Sapporo, wo einige Schulkinder ihre Taufe und Erstkommunion feiern. Die frort wirkenden deutschen Franziskaner haben sich immer bemüht, einheimische Kräfte heranzuziehen: auf frem Bild sind sowohl frer Pater als die Schwester Japaner. roanfr von 35 000 Pfund Sterling gebaut wurde, gilt als eine der größten der Welt. Die Juden sind im Bergbau und im Handel stark beteiligt, ferner in der Heilkunst und in der Rechtspflege. Sie üben großen Einfluß auf Presse, Theater, Rundfunk, Börse und die fünf Freimaurerlogen Johannesburgs aus. Im Parlament des Landes sind zehn und im Senat zwei Juden. In der Johannesburger Stadtverwaltung mar frer wichtige Posten des Bürgermeisters etliche Male von einem Inden besetzt. Der erste Bürgermeister von Johannesburg war ein Katholik, William St. John Karr, der später den Baronstitel erhielt. Er starb vor wenigen Jahren im hohen Alter von achtzig Jahren; ein Musterchrist. Die südafrikanischen Städte sind reich an Kirchen und Kapellen verschiedener Religionen und Sekten. Johannesburg zählt fast 200 Kult-stätten. Die Anglikaner nennen sich hier „Kirche der Provinz von Südafrika" mit dem Metropoliten zn Kapstadt. In ihrer Kathedrale St. Mary besitzen sie zu Johannesburg den größten Kirchenraum von 63 Meter Länge. Die Presbyterianer sind mit 7 Kultusstätten vertreten, die Methodisten haben 14, die Heilsarmee 8, die Baotisten 2 Kirchen, frie deutschen Lutheraner ein Gotteshaus. Außer einer Reihe von Kirchen und Bethäusern verschiedener protestantischer Sekten und den 15 Synagogen finden wir auch eine Moschee mohammedanischer Indier. Die Katholiken besitzen 16 Kirchen und Kapellen in zwölf Pfarreien. Als an drei verschiedenen Orten im Transvaal, nämlich zu Pilgrims-Rest, zu Lyfrenburg und im De Kaap-Tale, Gold gefunden worden war und schließlich noch die Goldfelder am Witwatersranfr entdeckt worden waren, wurde das gesamte Gebiet des Transvaal vom Vikariat Natal abgetrennt und kir-blich als eigene Avostolische Präfektur errichtet. Als erster Miffionsvorstand wurde P. Ofrilo Monginoux aus frer Gesellschaft der Oblaten von frer Unbefleckten Jungfrau bestellt, der sich zu jener Zeit (1886) auf einem Besuche in Europa befand. Zu Pretoria mar ein anderer Oblate, P. de ßacp, tätig, der im Juli 1886 frem neuen Infrustrieort einen Besuch abstattete, um zu sehen, wieviele Katholiken sich dort anfbi'lten. Ihm folgte nach sieben Monaten sein Gefährte P. Traband, O. M. I., der am 19. Februar 1887 die erste heilige Messe im jungen Johannesburg las, in Gegenwart von '33 Katholiken. Am selben Tage taufte er drei Peine Kinder. 3in April 1887 traf der Apostolische Präfekt P. Monginoux zu Johannesburg ein und brachte mit sich die beiden Neupriester Dupays und Chamard, von denen frer erstere noch heute in Johannesburg tätig ist und kürzlich sein goldenes Priesterjubiläum feierte. Sein Gefährte starb bereits 1898, der erste in Johannesburg begrabene Priester. P. Monginoux kaufte mehrere Grundstücke an und errichtete eine kleine, niedere Kirche, die auch als Schulraum dienen muhte. Ende August 1887 traf P. Hammer, 0. M. L, zu Johannesburg ein und übernahm die Verwaltung der heranwachsenden Goldgraberpfarrei. Ende September 1887 langte Bischof Jolivet non Natal in Johannesburg an, begleitet non vier Schwestern non der heiligen Familie, die die erste katholische Schule übernahmen, die bald 47 Kinder zählte. P. Monginoux erlangte die Hilfe der Ma-risten-Schulbrüder, die im Oktober 1889 die erste katholische Knabenschule zu Johannesburg eröffneten. Dann dachte er an die Errichtung eines Krankenhauses. Der Katholik John Carr erlangte non der Regierung eine zinsfreie Anleihe non 6000 Pfund Sterling für diesen Zweck, und bald nersahen die Schwestern non der heiligen Familie ihren Pflegedienst im neuen Spital, dem Grundstock eines der größten Krankenhäuser der Welt. Im Jahre 1915 wurden die katholischen Ordensfranen non weltlichen Pflegerinnen abgelöst, doch führen sie heute ein eigenes Krankenhaus, das katholische Sanatorium im Vororte Kensington. Im Jahre 1892 wurde P. Schoch, O. M. I., Apostolischer Präfekt non Transnaal. Er errichtete eine kleine Kirche im Vorort Fords-bnrg und schloß ihr eine Schule an, deren Leitung er den Schwestern übergab. Im Jahre 1894 begannen die Nazareth-Schwestern ihre Tätigkeit in Johannesburg, die seither 2850 arme Kinder und 548 alte Leute betreut haben. Die Notwendigkeit einer größeren Hauptkirche stellte sich heraus. 1895 erwarb der Präfekt einen Bauplatz und errichtete darauf eine geräumige Kirche, die heute noch als Pro-Kathedrale dient. Sie wurde am 15. November 1896 von Bischof Anton Gaughran von Kimberley eingeweiht. Nach und nach wurden weitere Kirchen-bauten in den Vororten notwendig, so zu Braamfontein, zu Belgravia, zu Bezuidenhout-Vallcy, zu La Rochelle, zu Mayfair und zu Poeville. Das heutige Apostolische Vikariat Transvaal hat einen Flächeninhalt von nur 64 700 Quadratkilometer, allein es schließt den dichtest bevölkerten und darum wichtigsten Teil der Union ein. Es zählt etwa 40 000 Katholiken. Hier sind 65 Priester tätig, in erster Linie Oblaten der Unbefleckten Jungfrau, denen Dominikaner, Redemptoristen, Serviten und Weltpriester Hilfe leisten. Der gegenwärtige Apostolische Vikar ist Bischof David O'Leary, ein Südafrikaner irischer Abstammung. Er hat sich die Aufgabe gesetzt, eine würdige Kathedrale zu erbauen. Vor einigen Jahren führte der Oberhirte die Karmelitin-neu ein, die er im Norden von Johannesburg ansiedelte, der erste Karmel in Südafrika. Der Abbau der Iohannesburger Goldfelder wird einmal ein Ende nehmen. Es entsteht die Frage, wann dieser Fall eintreten wird und was alsdann das Schicksal der großen Goldstadt sein wird. Bei der Beantwortung der ersten Frage sind die Fachleute nicht einig. Einige sprechen den Goldminen eine längere, andere erkennen ihnen eine kürzere Lebensdauer zu. Was die zweite Frage anbelangt, so kann man ruhig annehmen, daß mit dem Aufhören der Ergiebigkeit der Goldbergwerke noch nicht die Stadt Johannesburg aufhören wird. Zu viel ist hier angelegt worden, um nicht auch später einen Lebenszweck darzustellen. Johannesburg mag zum Stillstand kommen, selbst zurückgehen, allein es wird der Mittelpunkt des Lebens im Transvaal bleiben. Umschau* Eine kleine Enttäuschung. Ans Ermelo (Transvaal) schreibt uns Pater Alois Höfer: „Bei einem Besuch unserer Schule in Ermelo sahen wir einen Haufen Kinder beisammen stehen, schwätzen und lärmen. Als wir näher kamen, klärte sich das Bild: in der Mitte war eine schwarze Lehrerin, auf einem Steinblock saß ein kleines Mädchen, vor ihm saß ein Knabe und zog mit seinen Händen an den Zehen des Mädchens. Wer kann sich so was erklären? Wir ließen der Sache ihren Lauf und fragten hernach die Lehrerin, was das zu bedeuten habe. Sie erklärte, daß der Knabe das Mädchen auf den Fuß getreten habe und darum vor den andern Kindern auf diese Weise es wieder gutmachen müsse. Man kann sich vorstellen, wie mich das freute. Gleich dachte ich mir, die Schwarzen sind eben doch nicht so wild, wie man immer sagt. Sie haben halt ihre eigenen Höflichkeitsformen und dazu noch sinnvollere als viele der unseren, wo man sagt: „Es tut mir leid", und dabei grinst. — Die Enttäuschung ließ aber nicht lange auf sich warten. Ich hatte nur die Hälfte gehört. Die Kinder handelten so, weil ein alter Aberglaube besagt, daß eine Wunde nicht heilt, wenn der Täter nicht am verletzten Glied zieht. Als ich sie darüber zur Rede stellte, bewiesen sie mir sogleich an einer Menge von Beispielen, daß es sich wirklich so verhalte. Auch noch so kleine Wunden wären wochen-und monatelang nicht geheilt, weil diese Zere-monie unterlassen worden sei. — Der Vorfall zeigt wieder das halberleuchtete Negerland. Die Leute wollen christlich sein, hängen aber doch noch zäh am alten Aberglauben. Möge ihnen bald das volle Glaubenslicht lenchten!" Japanische Militärbehörde über die katholische Kirche und ihre Missionare. Nagoya (Japan). Die in Tokio erscheinende Zeitung „Katari k n S h i n b u n" weiß in ihrer Nummer vom 6. November 1938 von einem Urteil der japanischen Militärbehörde in Nordchina über die katholische Kirche und ihre Missionare zu berichten, das verdient festgehalten und in weiteren Kreisen bekannt zn werden. Die japanischen Zeitungskorrespondenten Nordchinas hatten an die dortige Militärbehörde die Frage gestellt, warum sic gegenüber den katholischen Missionaren eine wohlwollende Stellung einnehme. Die Behörde gab ihre Antwort in fünf Punkten: 1. Wir können nicht umhin, der außerordentlichen Kraft der katholischen Kirche unsere Anerkennung zu zollen, einer Kirche, die ihre Gläubigen bei Verfolgungen zum Martyrium befähigt. 2. Die katholischen Missionsgesellschaftcn und Missionäre stehen über jeder Politik und haben nur das Wohl des Landes und Volkes, unter dem sie leben, im Auge. 8. Die katholische Kirche ist eine Weltreligion. Der Buddhismus ist auf den Osten beschränkt, der Mohammedanismus steht bei den Weißen nicht in Ansehen. 4. Die katholische Kirche hat mit dem Papst an der Spitze eine klare Abwehrstellung gegenüber dem Kommunismus eingenommen. 5. Die katholischen Missionäre sind vermöge ihres langen Aufenthaltes im fernen Osten in den Angelegenheiten dieser Länder beschlagen. Sie leben ehelos und sind von Opfergeist beseelt. Sie gehen auch Gefahren mutig entgegen und lassen ihre Gläubigen nicht im Stich. — Dieser klaren Aussage einer Behörde, die ständig mit katholischen Missionären in Fühlung lebt und die andererseits der Kirche ohne Voreingenommenheit, also neutral gegenübersteht, haben wir nichts hinzuzufügen. (Fides.) Ein Lavastrom ist unterwegs. K abgayi (Ruanda, Afrika). Am 28. Januar 1938 entstand am Fuß des Vulkan Nyamulagira (3052 Meter) im Nord-westen von Ruanda ein Nebenkrater, der seitdem unaufhörlich Lava ausströmen läßt. Der so gebildete Lavastrom, an manchen Stellen über 500 Meter breit, hat sich über alle entgegenstehenden Hindernisse hinweg- gesetzt, ganze Täler ausgefüllt und alle Bäume auf seinem Weg verbrannt. An manchen Punkten haben die übereinander geschobenen Schichten eine Höhe von 15 Meter erreicht. Bereits hat der unaufhörlich vorandringende Strom 21 Kilometer zurückgelegt und ist mit einer Stundengeschwindigkeit von 15 Meter bis zum Kivu-See vorgedrungen. Die glühenden Blöcke entwickeln bei ihrem Sturz in den See große Dampfwolken und lassen überall mächtige Wassergarben aufspritzen. Die so zutage geförderte Laoamasse hat an Umfang die Hälfte der bei den stärksten Ausbrüchen des Popocatepetl in Mexiko herausströmenden Lava erreicht. Die erstarrte Lava des Nyamulagira steht ihrer Form nach in merkwürdigem Gegensatz zu dem durch den Ausbruch des Katerust im Jahre 1912 entstandenen Lavagebilde, das das Aussehen eines wildbewegten Meeres hat, das wie durch Zauberwort in diesem Zustand in Bann geschlagen wurde. Die große Kap-Kairo-Straße mußte infolge des Vulkanausbruches vom Westufer an das Ostufer des Sees verlegt werden. Zum Glück haben die blühenden Missionen der Weißen Väter in Ruanda und Kivu nicht gelitten. Zuletzt hat sich allerdings auch der 10 Kilometer vom Nyamulagira entfernt liegende Nyiragonge, der mit seinen 3391 Metern die Ebene mit der Stadt Kisenyi und der Mission Nyundo überragt, gerührt. Die flüssige Lava im Innern des Kraters soll bereits um 300 Meter gestiegen sein. Doch liegt vorerst kein Grund zur Beunruhigung vor. (Fides.) Wie Der alte chinesische Christ Lin mit Dein Tobe bedroht und von einer Heiöin gerettet wird. Jcha ng (Hupeh, China). Der 72 Jahre alte Liu von Tuchenwan ist seit etwa dreißig Jahren Christ. Kam da vor kurzem eine Bande roter Lrup-pen in sein Dorf. Alle, die sich ihren Wünschen Ein Lavastrom in Belgisch-Kongo (Afrika). Der Vulkan Nynmw lagira in Ruanda hal durch einen Rebcn-htoter [eit einem Jahr einen bereits 21 Kilometer langen Lava-strom entweichrn lassen. Blick auf den Strom der Lava-blöcke. (Fides-Foto.) MMR widersetzten, wurden schonungslos hingemor-det! Eines ihrer Opfer war Lins Sohn, der sich geweigert hatte, seinen Glauben abzuschwören und in die Reihen der Roten einzutreten. Jetzt sollte die Reihe an den alten Vater kommen. „Schwöre deinen Ehristcnglanben ab oder wir bringen dich um!" drängten die Roten. „Ich bin Christ und bleibe es", antwortete Lin entsch eden. Je mehr sie ihre Drohungen häuften, umso fester blieb er bei seiner Beteuerung. Als seine Stimme weithin hörbar wurde, erschien seine Nachbarin, eine Heidin, auf dem Plan. Sie erfaßte rasch die gefährliche Lage, in der ihr Nachbar schwebte, und mitleidig redete sie ihm zu, doch wenigstens äußerlich zuzustimmen, um sein Leben zu retten. Aber der alte Mann blieb bei seiner Erklärung, [unter und lauter wurden seine Beteuerungen. Rasend vor Wut schickten sich die Roten an. ihre Drohungen wahrzumachen. Aber die Frau trat dazwischen: „Er ist verrückt, erklärte sie, er weiß nicht, was er sagt." „Ich weiß sehr gut, um was es sich dreht und ich bin durchaus nicht verrückt. Ich bin Christkind bleibe es!" Lauter als zuvor hallte feine Stimme über den Platz. Die Roten traten näher, um ihn zu binden. Wieder legte sich die tapfere Frau ins Mittel. Mit der einen Hand stieß sie die Roten auf die Seite, mit der andern schlug sie dem alten Mann auf den Mund und führte ihn gewaltsam fort, während aus ihrem Mund eine Flut von Verwünschungen auf die verdutzten Banditen niederprasselte. Das war vor Wochen. Jetzt, da die Gefahr vorüber ist, erzählt der alte Liu die Geschichte mit viel Humor. Er dankt Gott, daß er ihm das Leben geschenkt, mehr noch, daß er unerschütterlich seinen Glauben bekennen durfte. (Fides.) 2lu6Bvraäl)lt. Sin religiöser 2Sauemroman von Bertholt» Ich. Mithalrn. (3. Fortsetzung.) So teilte sich, ehe man über den jungen Kooperator in der Wirtsstube urteilte, das Lager: hier die Bauern, die in der Erde wurzelten, welche bei ihrem Einzug heidnisch war; dort die kleinen Bürger, denen ein streng gerichteter Sinn den freien Atem der Erde nahm. Zu dem allen aber lachte die Maiensonne. Und die feinen Weihrauchwölkchen kräuselten sich in silbernen Fäden um den Kohler-Sohn, daß er unter Sonnenlicht und Duft einem jener farbenfrohen Heiligen glich, die in der Kirche seit Jahrhunderten neben den Altären stehen. Statt der Engel fangen die Schwalben, Finken und Meisen ihre Liebeslieder und auch der ungezogene Kuckuck aus dem Brandler-Wald wollte nicht verstummen. Leise säuselte es durch Blüten und Zweige, Bienen und Mücken summten freudetrunken dem Frühling zu und ein Zitronenfalter naschte keck an den Blumen, die den Altar schmückten. Es war ein wundervoller, lieber Maientag. Franz, dessen Ohr trotz der zwölfjährigen strengen Zucht wohlabgestimmt auf diese erdigen Töne blieb, hörte mit ergriffenem Herzen während seiner heiligen Handlungen in das geheime Raunen hinein. Und er fühlte die Hingabe und Liebe, die ihm von den Menschen, die ihn verstanden, zuströmte. Er war innerlich verbunden mit den Seinen. So überkam ihn, als er den Kelch des Herrn emporhob, ein unsägliches Glücksempfinden: Da hast du Gewalt, dem Höch- sten zu dienen; und hier der Scholle. Bleibe beiden treu! rief es in ihm. Dem Gott, der dich an diese Stufen führte, und der Erde, die dich geboren hat. Er hob das Allerheiligste zu seinem ersten Segen über seine Heimatkinder. Ein seltsames Licht erfüllte seine Seele. Er wußte, in diesem Lichte ruhte die Gewalt, die die Erde mit dem Herrgott verbindet. * Die Köhler-Mutter saß während der Primiz an den Stufen des Altares. Viele Mütter beneideten sie ob ihres Ehrenplatzes. Sie kauerte in ihrem Sessel. Die faltigen, knochigen Hände hielt sie gefaltet um ihr kleines Gebetbuch. Der Rosenkranz pendelte daran und sein silbernes Kreuzchen glitzerte in der Sonne. Die Augen hielt die Bäuerin gesenkt, als wage sie nicht, diesem unsäglich tiefen Glück ins Antlitz zu blicken. Sie hatte bis zu dieser Stunde zu viele Zweifel erleiden müssen: Aus bem Herzen ihres Franz, ihres Verlöbniskindes, schlugen durch den schwarzen Rock immer wieder die Flämmchen der Freiheit auf. Sie fürchtete bis in die letzten Wochen, der junge werdende Priester könnte sich das schöne Kleid vom Leibe reißen, nach der kniefreien, ledernen Hose greifen, die Büchse umwerfen und in die wilde Berglandschaft enteilen. Sie wagte nicht mehr, ihn zu belehren. Aber sie beobachtete ihn und schüttelte oft ihr dünnsträhniges Haupt, wenn der Junge unbekümmert seinen Rock abwarf und wie ein Knecht bei der Bauernarbeit zugriff; oder wenn er stundenlang durch die Wälder streifte; oder gar nach dem Stutzen griff. Da sandte die Kohlerin viele Stoßgebete zum Himmel. „Herrgott, verlaß mi net! Laß ihn nimmer zruck!" Er ließ ihn nimmer zurück. Die Mutter empfing den Segen durch die Hand ihres Sohnes. Das Haupt fiel ihr tief auf die Brust. * Nach der Messe eilte Franz auf seine Mutter zu. Sie hob ihren Kopf, humpelte ihm entgegen und hatte tausend Worte des Dankes auf der Zunge. Aber sie konnte nicht mehr hauchen als: „Mei Franz!" Das andere sprachen ihre Hände, die in den seinen ruhten. Franz streichelte über die Höcker der Gelenke, über die zähen Falten und sprach: „Mutter, dir dank td)’s." Da wehrte sie ab: „Naa, Franzl, du haft's gschaffen. Net i. I woaß's guot, mei hochwürdiger Herr!" Das Wort, von seiner Mutter gesprock)en, tat ihin weh. Er drückte ihr kräftiger die Hände und lachte kurz auf, um fick) zu befreien. „Mutter, für bid) bleib id) dein Bub! Hochwürden kann ich vor dir nur sein, wenn ich da oben steh." Er wies auf den Altar. „Aber da, auf unsrer Erden, bin ich dein Bub. Und darin ruht schon aller Segen." Diese Worte hörte der Dekan, der eben hinzutrat. Er räusperte sid). Die Kohlerin erschrak. Sie spürte das strenge Wesen, das aus dem hohen Priester atmete. Sie duckte sich darunter und wollte Franzens Worte wieder gutnmdjen, als Birnbacher frohgemut einhergestampft kam und seinem jungen Kollegen zurief: „So, Herr Amtsbruder, nun nehmen Sie Ihre Mutter unterm Arm und führen Sie uns zum Festsaal!" Es war unterdessen elf Uhr geworden. Und Birnbacher war gewohnt, um sieben Uhr zu frühstücken. Franz folgte seiner Einladung gerne. Die harrende, neugierige Menge teilte sich, vor ihnen, und durch die sdzmale Gasse, die entstand, fdjritt dies seltene Paar: Ein königlicher Priester mit leuchtenden Augen und frohen Lippen und eine Mutter, in Demut versunken. Und aus den Augen der Bauern blinkten ihm Grüße der inneren Verbundenheit zu. Sie freuten fick) des Bildes, das Menschentum und Priesterwiirde verband. Ihr feiner Sinn erkannte, daß dieser Kooperator der Kohler-Sohn blieb. Dem Grießenböck und seinen Nachbarn war es nidjt recht. Er meinte, als sid) hinter den beiden die Gaffe wieder schloß, zu seinem Freunde, dem Sd)uster Fleintl: „Die Alte hätt hinter ihm auch gehen können." „Haben Sie nid)t gesehen, wie er sie selbst unterm Arm nahm?" Grießenböck sd)ielte den Entschwindenden nach): „Scheint's ein etwas noch weltlicher Herr, der Herr Kooperator." „Er liebäugelt halt mit den Bauern." „Er wird uns Bürger nid)t übersehen können. Und wenn..." Den Rest versd)luckte er und flüsterte nur nock): „Na, wir werden ja sehen." Die beiden waren als Mitglieder des Gemeinderates zum Festmahle eingeladen. Darum preßten sie sich durch) den Menschenknäuel. Grießenböck sd)rie dazu von Zeit zu Zeit: „Bitte, Platz! Ich muß zum Festmahl." Ein indischer Fakir (Assam). Der indische Fakir, der mit seinen aufsehen-errogenden Leistungen als Wahrsager, Geischr-beschwörer, seiner Unempfindlichkeit gegen Nägel, Sonne, Feuer einen großen Einfluß ans das Volk ausübt, ist im Grunde ein ungebildeter, meist kastenloser Bettler. ,F>.-Fo i Aber plötzlich stand er hinter einer Mauer breiter Rücken. Er wollte durch und versuchte zwei von ihnen mit den Händen auseinanderzuschieben, während er mit greller Stimme rief: „Platz, bitte Platz!" Doch die zwei Rücken verwuchsen zu einem Stück und quetschten die Arme des Kaufmannes wie in einem Schraubstock. Dazu reckten die beiden Burschen die Hälse in die Höhe, so als wüßten sic aus lauter Neugierde gar nicht, was sie taten. Grießenböck befreite mit einem Ruck seine Arme und schimpfte: „Ihr Lümmeln, laßt ihr mich wohl durch?" In demselben Augenblick blitzten zwei Augenpaare knapp vor dem seinen auf und die zwei Burschen fuhren ihn an: „Sie, wir zoagn Eahner an Lümmel!" Der Kaufmann zog vor, seitwärts auszuweichen. Er hatte wieder einmal erfahren, daß ihn die Bauern nicht liebten. Er schnaubte zornig entlang der Rücken und fand mit einem kleinen Umweg in den Festsaal des Postwirtes. Lebhaftes, frohes Geschnatter empfing ihn. Er blieb in der Türe stehen und ärgerte sich: „Das geht ja zu wie vor einer Hochzeit!" „Ja, unsre Bauern", stimmte ihm Fleintl bei. Der Bürgermeister von Bärnmoos, der Lugauf von Dickcngfchwend, rief gerade unter Beifallsnicken anderer Bauern dem Primizianten zu: „Hochwürden, mir fan in der Emoand fei richtig stolz auf Eahner. Gel, Manner", wandte er sich den Umstehenden zu, „dös söll derf ma ohne weiteres sagen. Richtig stolz. Js fei schoo lang her, daß aus inserer Gmoand ocmer Geischtli worn is. Und gar-aus a Bauernsohn. Dös gfreut ins narrisch, Hochwürden, und i moan. Sie werdn Eahner über die Gmoand net zum beklagen haben." „So wenig wie ich", schmunzelte Birn-bacher. „Die Bärnmooser sind mir die richtigen Leut! Gell, Herr Grießenböck", .rief er diesen an, der eben mit neugierig offenen Ohren hinzutrat, „schön ift’s in Bärnmoos." Der Kaufmann machte einen Kratzfuß vor Birnbacher. Dann sah er mit zwinkernden Augen an ihm vorbei und meinte begeistert: „Ganz sicher, hochwürdiger Herr Geistlicher Rat!" Birnbacher mußte jedesmal einen Gähner unterdrücken, wenn er mit dem langatmigen Titel angesprochen wurde. Herr Pfarrer, wie die Bauern einfach sagten, hörte er lieber. „Es ist ein großes Glück, in diesem stillen Bergwinkel wohnen zu dürfen", schwätzte Grießenböck in gewundener Weise weiter. „Ein großes Glück, und wie sehr weiß ich es zu schätzen! Wie schätze ich es nun noch viel mehr, da wir solch einen Priester in unserem Winkel sehen dürfen, da solch ein Priester sich der Schafe dieses Bergwinkels annehmen wird wie unser hochgeschätzter hochwürdiger Herr Primiziant. Es ist ein großes Glück!" Der Lugauf schnullte kräftig an seiner Zigarre und biß damit das hinunter, was er gern sagen wollte: „Sprüchmacher, damischer." Birnbacher war höflicher. Er nickte dem Kaufmann zu, aber die sonderbare Betonung „solch" klang ihm verdächtig im Ohre nach. Er kannte seinen Freund Grießenböck. Eine breite Hand berührte die Schulter des Kaufmanns. Er wandte sich jählings um, schnappte zusammen und dienerte: „Oh, Herr Dekan! Ihr ergebenster Diener!" Während die Bauern wieder mit dem Primizianten plauschten, ging der Dekan wie unabsichtlich ein paar Schritte zurück. Grießenböck verstand und folgte ihm. ' „Es wäre mir recht", begann der Priester, als sie abwärts standen, „wenn Sie zusehen würden, daß Sie mit der nächsten Wahl in den Kirchenrat kommen. Das Bürgertum nimmt in Bärnmoos zu, und da wäre es recht, wenn ein Herr aus diesen Kreisen auch mitzustimmen hätte. Ich denke, es wird Ihnen nicht schwerfallen." „Hochwürdigster Herr Dekan, versicherte Grießenböck, „Ihr Wunsch entspricht meiner Absicht. Ich werde bemüht sein, in meinen Freundeskreisen dahin zu wirken, daß meine Wahl gesichert ist." Das helle Lachen des Kohler-Sohnes klang — fast schien es als Antwort — in ihr Gespräch. Der Dekan warf den Kopf auf und meinte streng: „Na, euer junger Kooperator! Der kann lachen!" ' Grießenböck schmeichelte, um die richtige Stimmung des Dekans zu erforschen: „Wie schön ift’s doch, noch jung zu sein, ein froher Priester zu sein!" „Ja, ja, sehr jung", nahm er mit wissendem Schmunzeln die brummige Antwort entgegen. Nun wußte er Bescheid. Da lachte es wieder herüber, herzlich froh! Der Bürgermeister erinnerte an einige lustige Streiche des nun geweihten Kohler-Sohnes: „Und dös selbigemal, hochwürdiger Herr Primiziant, wissen 6’ es noo, wie ös Buam insern alten Gmoanddiener a Katzenmusi gmacht habts, daß eahm Hörn und Sehgn vergangen is, dem alten Krauterer?" „Aber dafür hat er am nächsten Tag jeden einzelnen mit seinem Stecken erwischt", erinnerte sich Franz voll Vergnügen. „Jetzt ruht auch er in Frieden und braucht sich nimmer zu ärgern." „Noo, heunt taut er's gwiß net und hätt enk allsam verziehn." Da trat der Forstmann und Jäger Vinzenz Sponhauer in den Kreis der Erinnerungsfrohen. Sein bärtiger, breiter Schädel ragte über all die schweren Bauern hinweg. Unter den buschigen Brauen lachten Franz zwei Augen entgegen, in denen sich der Wald und die Freiheit spiegelten. Franz hatte den Sponhauer von seiner frühesten Kindheit an lieb. Drum ging er dem Alten frohbewegt entgegen: „Ja, Vinzenz! Noch immer gut beim Zeug!" „Feit nix, Hochwürden!" rief der laut zurück. „Ach geh", frohlockte Franz, „laß doch! Wir sind doch immer gute Kameraden und du und du gewesen." Der Sponhauer schaukelte wie ein Bär hin und her: „Freili sau ma dös gwen... Aber jetza", er stockte, denn am liebsten hätte er doch „Servus, Franzl" gesagt", „aber jetzt sän 6’ halt doo der hochwürdige..." Birnbachcr trat zwischen die beiden. Er fühlte, wie Franz Sponhauers Anrede weh tat. Drum warf er geschwind in das Peinliche dieses Augenblicks hinein: „Na, Sponhauer, haben S' jetzt Ihren Hirsch?" Das hackte bei dem Alten richtig ein: „Aber woher denn", rief er ärgerlich, „wann er nimmer umawechselt, der malefix Häuter der! Kimmt er nimmer, der...", und er unterdrückte in Gegenwart des jungen Priesters einen schlimmeren Fluch. Dann wandte er sich an diesen: „Ja, für Enk waar der was. Hochwürden. A so a Kapitalbock, und wi der aufhat! Und dös wißts doo allsam, daß der auf infer Gmoandjagd ghört." „Wegn was hast'n nacha eahm koa Taferl ümghängt?" spottete der Bürgermeister. „Weil i zerst dir oans umhänga müaßt, daß du der Gmoand net verloren gehst, Burgermoaster", antwortete der Jäger schlagfertig. Die Lacher hatte er nun auf seiner Seite. Der Dickengschwendner aber freute sich am meisten Uber den harmlosen Spott. „Dös waar halt für Eahner a Schuß, Hochwürden", wiederholte Sponhauer zu Franz. „Sponhauer, i werd auf kei Jagd mehr gehen", antwortete er. Der Kreis um ihn verstummte. Als hätte jemand eine Trauerbotschaft mitgeteilt. Die Bauern sahen zögernd auf ihren Kooperator. Dem Sponhauer aber blieb der Mund offen: „Ah geh, Hochwürden! Dös können Sie doo net lassen." „Kann schon." Der Jäger sah seinen jungen Freund prüfend von unten nach oben an. Dann wußte er: Der kann es lassen. Unb weil er Heimindustrie in Araucani-m. 3m Lnnterland von Chile hat sich der In-dinnerNammd.Arau-cnnier erhalten.Lange haben sie mit Eifolg jebcm europäischen Eniflnß widerstanden: noch heule erfreuen sie sich einer bemerkenswerten lliv avhnngigkeit. Bayerische Kapuzinermissionare u. Rotkreuzschwesternwirkendort mit Hingebung und Erfolg.Wir sehen eine alte Indianerin mit Webarveiten beschäftigt. (Fides-Foto.) dem Kohler-Sohn nicht weh tun wollte, sagte er brummend: „Der Bock kommt seiner Lebtag nimmer auf infer Jagd." * Nun war es gerade recht, daß die molligen Kellnerinnen die Suppenschüsseln auftrugen. Sie brachten sie mit schlinkernden Bewegungen, und hinter jeder zog eine kleine Dampfwolke. Zog in die Nasen, und damit beeilte man sich, an seinen Platz zu kommen. Nach dem frommen Tischgebet hub das Schmausen und Schlürfen an und die Blicke waren tief in die Teller gerichtet. AIs nach dem ersten Fleischgericht die Mägen einigermaßen ihre Ruhe hatten, begannen die Empfangs- und Wunschreden an den Primizianten, zwitscherten die kleinsten ABC-Schützen das Freudengedicht, an dem ihr Lehrer schuld war. Die Köhler-Mutter saß zwischen ihrem Sohn und Birnbacher. Still, in sich gekehrt und voll des Lichtes und der Freude. Um drei hob der Dekan die Tafel auf. Die Aeltesten der Gemeinde geleiteten den jungen Priester in sein neues Heim, in den Pfarrhof. Und der Alltag der Pflicht begann. Der Dekan leitete ihn, als er mit Birnbacher und Franz allein war, mit Worten des Zuspruches und der Ermahnung ein: „Mein lieber, junger Freund! Nun ist das hohe Ziel erreicht, das Ihre gesegnete Mutter so heiß ersehnte. Sie haben es erreicht, und ich freue mich mit Ihnen. Sie find nun Priester. Das Höchste, das Beste, was einem armen Menschenkind beschieden werden kann. Die höchste Gnade haben Sie erreicht. Seien Sie immer dessen eingedenk: Die höchste Gnade! Der gegenüber versinkt alles andre: Heimat, Verwandte, Freunde und was Sie alles um sich sehen mögen, woran Ihr junges Herz noch hängt. Haben Sie doch jetzt nur mehr eine Heimat, mein lieber, junger Freund: die Heimat in Gott! Haben Sie jetzt doch nur mehr einen Verwandten, eine Mutter, einen Freund, mein lieber, junger Freund: unsere heilige Mutter Kirche! Nicht wahr, wir verstehen uns, mein lieber, junger Amtsbruder?!" Der Kohler-Sohn sah in der Pfarrerstube irgendwohin ins Leere. Die Worte des Dekans rieselten an ihm wie glühendes Feuer herunter. Er verstand ihn. Aber er hätte sich aufbäumen mögen gegen jedes einzelne Wort. Doch die Pflicht gebot ihm zu schweigen, die Pflicht gebot ihm, zu sagen: „Ja, Herr - Dekan." Aber in seinem Herzen meinte er dazu nicht ja und nicht nein! Und er meinte auch nicht „Amen" zu den väterlichen Ermahnungen seines Obern. III. Der erste Gang. Am nächsten Morgen faß Franz mit seinem Pfarrherrn nach der Morgenmesse beim Frühstücktisch. Die Fenster standen offen. Der Frühling lachte herein, strich über die alten Möbel, über Birnbachers mollige Gestalt und über den sehnigen Jungen hinweg. Während sie an den Butterbroten knabberten und den guten Kaffee der Babett schlürften, klärte der alte Herr Franz über die Pflichten auf, die nun seiner warteten: Gottesdienstordnung, Matrikelführung und was es eben alles in einem Pfarrhof gibt. Nach dem Frühstück trat Birnbacher in die Zimmerecke, wo er aus einem Bündel langer Pfeifen die des Tages wählte. Dies Aussuchen war eine stumme Andacht für sich. Er blieb, als erlausche er etwas Schönes, vor seinen geliebten Röhren und buntbemalten oder holzgeschnitzten Köpfen stehen, tippte bald den einen, bald den anderen an, bis er mit einem lächelnden Zunicken die richtige Pfeife — eben die dieses Tages — erfaßte. Mit der schritt er dann — gleichwie mit einer Siegesfahne — ans Fenster, schnupperte in die Maienluft, blinzelte den Schwalben nach, nickte den Hellen Giebeln seines Pfarrdorfers zu. Und gleichzeitig füllte er seine Pfeife. Das Anzünden des süßen Tabakes und die erste Kostprobe gehörte noch ganz ihm allein. Dann aber wandte er sich zu seinem Kooperator zurück, setzte sich dem bescheiden Harrenden gegenüber, sah ihn lang und voll an und begann endlich wieder: „Wenn ich's so recht betracht, ist's ein großes Wunder, daß der Kohler-Sohn jetzt mit mir Arbeit und Pflichten teilen wird. Und eh wir damit anfangen, hab ich noch einiges am Herzen für uns zwei." Er machte ein paar kräftige Züge und blickte den Rauchkringeln nach. „Bis hieher haben Sie es geschafft", setzte er mit seiner guten, lieben Stimme fort, „und ich weiß, daß es da drin bei Ihnen manchmal anders wollte. Und manch ein Ruckerl hat's gebraucht, daß Sie Ihren Weg weitergelaufen sind. Und doch kommt 's eigentliche Bergerl jetzt erst. Auf den Berg müssen Sie nauf." (Fortsetzung folgt.) NEUE BÜCHER Verlag Herber & Co., Freiburg i. ßr. Abendgebete der Pfarrgemeinde und anderer Gebetsgemeinschaften. Von Otto Brei-t e r, Stadtpfarrer. Buchschmuck von Alfred Riedel. 12°. (230 Seiten und 10 leere Seiten zur Eintragung ortsüblicher Lieder). Kart. RM. 1.50. In Seinen RM. 2.20. — Freiburg i. Br. 1938. Das Büchlein ist aus der Praxis hervorgegangen und will wieder dem Leben dienen. Bereits vier Jahre lang werden diese Abendgebete in der Pfarrei St. Sebastian in München von den Pfarrangehörigen verrichtet und erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit. — Ueber den kleinen Kreis der Münchener Pfarrgemeinde hinaus will das Gebetbuch nun auch anderen Pfarrgemeinden Anregung zu einem gemeinschaftlichen Beten am Abend geben. Und das Buch hat es in sich, solche Anregungen zu erteilen. Cs schöpft aus dem Vollen; denn es schließt sich an das Gebet der Kirche an, und hat sich doch wieder eigene Ausdrucksformen geschaffen, stellt etwas Neues dar. Das bemerkt man besonders in der Gewissenserforschung mit ihren Gebeten vorher und nachher, und auch in dem Gebet, das sich an die kurze Schriftlesung anschließt. Das Buch enthält Abendgebete für vier Wochentage: Sonntag, Dienstag, Donnerstag und earns-tag; für die Hauptfeste des Herrn; für die Dorfasten- und Fastenzeit und die Passionswoche; für Muttergottesfeste, zum Schutzengel und für Allerseelen. Den Beschluß bildet ein Gebet für die Pfarrgemeinde. Die Sprache ist kraftvoll und markig. Neben Pfarreien können auch Seminarien und Exerzitienkurse das Büchlein gut verwenden. Man kann diese Gebete auch im Familienkreise benützen, oder eventuell auch die abendliche Segensandacht daraus gestalten. Peter Lippert 8. J. Der Mann und sein Werk. Eine Ilmrißzeichnung von Josef Kreit-maier 8. J. Mit Bildnis Pater Lipperts und Handschriftenprobe. 8°. 154 Seiten. In Leinen RM. 3.—. Freiburg i. Br. 1938. Mit großer Freude und inniger Befriedigung weisen wir auf das kurze Lebensbild hin, das Josef Kreitmaier von seinem Ordensbruder P. Lippert entworfen hat. Das Büchlein gibt ein klares und anschauliches Bild des äußeren Werdegangs von P. Lippert, es zeigt uns den Großstadtseelsorger, der in vielen Vorträgen und Ansprachen den Menschen seine Botschaft kündet; es erzählt von dem begnadeten Schriftsteller, von dem jedes neue Buch als kostbares Geschenk entgegengenommen wird; es berichtet von dem mitfühlenden Freund und Helfer, der sich besonders der seelischen Not seiner Mitmenschen hilfreich und mit gütigem Verstehen annimmt. Die Schrift gewährt aber auch viele wertvolle Einblicke in seine persönliche Eigenart und wird uns dadurch lieb und teuer. Das Letzte freilich über P. Lippert wird nicht gesagt, kaum angedeutet. Dazu ist wohl noch nicht die Zeit gekommen. Wir danken für das Büchlein, das uns an den großen Toten gemahnt, der sein Leben opferte für die Kreuzesträger, der fein eigenes Leid still und verborgen trug und es nur in seinen Büchern zum Himmel hinaufschrie. — Dem Buch ist ein Anhang beigegeben, der eine Uebersicht enthält über die eigenen Veröffentlichungen des Paters und über Würdigungen seines Schaffens. Verlag »Arscacra« Joses Müller, München. Wege und Ziele. Ein Lebensbuch für junge Mädchen. Gr. 8°. 136 Seiten Text und 21 Tiefdruckbilder. In Seinen gebd. RM. 3.20. München 1938. Das Umschlagbild dieses Buches zeigt ein Mädchen in kleidsamer Tracht, das auf der Spitze eines Berges steht, über ihm treiben Wolkenfetzen, unter ihm das steinerne Meer der Gipfel und Täler. Das Mädchen blickt in die Runde, suchend und forschend, fast beklommen. Wo liegen meine Ziele und wie verläuft mein Weg dorthin? — Von Wegen und Zielen für die Mädchen unserer Tage ist in diesem Buch die Rede. Begnadete Künstler, wissende Frauen, kluge Seelenführer haben durch ihre Beiträge das Werk geschaffen. So ist ein feines und gutes Buch entstanden, in dem zu lesen Lust und Leid schafft, das jungfräuliche Reinheit und heilige Weihe atmet, das beseelt ist von Entschlossenheit und Zuversicht. Es enthüllt die Schönheit von heiliger Liebe und edler Zucht, die Liebenswürdigkeit eines vornehmen Charakters, die Macht über Menschen und Dinge, die der Frau und Mutter gegeben ist. Es will Stütze und Halt sein den Einsamen, will Mut und Kraft geben denen, die berufen sind, die Mütter eines neuen Geschlechtes zu werden. Ein überaus empfehlenswertes, beglückendes Buch. Maust. Schreckliche Erlebnisse einer Hausgehilfin mit gutem Ausgang. Von Ida Botz atta-Morpurgo. Gr. 8°. 40 S. mit 367 farbigen Bildern. Halbleinen NM. 2.80. München 1938. „Schreckliche Erlebnisse der Hausgehilfin Maust". In der Tat, aufregend und traurig, dabei voll reizender Komik und nicht ohne freundliche Lichtblicke sind all diese Schicksalswege und -schlüge des tüchtigen Maust-Dienst-mädchens, das Eltern und Geschwister verlassen muß, um sich sein Brot in der Fremde zu verdienen. Die Erzählung dieser Lebensgeschichte wird umrahmt von köstlichen Bildern. Es geht sehr menschlich in dieser Tiergeschichte zu; nach mancherlei Abenteuern winkt Maust zuletzt ein stilles Eheglück in der Heirat mit einem braven Mausemann. Was will man auch mehr! Der verkannte Bimpfi. 26 Seiten. 16°. Zwölf farbige Bilder und Verslein von Ida Bohatta-Morpurzo. In Geschenk-ausstattung RM. 1.30. München 1938. Bimpfi ist ein kleiner, braver Champignon-pilz, Sein Feind ist Knolli, ein Sprößling der bösen, gefährlichen Knollenpilzfamilie. Dieser Tunichtgut haßt und beneidet den fleißigen, tüchtigen Bimpfi und schmiedet gegen ihn finstere Pläne. Als nun eine Frau an Pilzvergiftung stirbt, wird Bimpfi zu Unrecht verdächtigt und muß ins Gefängnis wandern. Aber fein treuer Freund Heinzetmann befreit ihn und entlarvt den wahren Missetäter. Freund Ich. Eine Innengeschichte der Selbsthilfe. Von M a r g a Müller. 8°. 272 6., 16 Tiefdruckbilder. In Seinen RM. 4.80. München 1938. Ein interessantes Bekenntnisbuch, die Schil-berung einer seelischen Entwicklung von einem unfrohen, müden, verwirrten und verkrampften, innerlich unfreien Menschen zur starken, aufrechten, lebensfrohen, christlichen Persönlichkeit. Eine wichtige, eigentlich selbstverständliche Regel, die aber selten beachtet wird, wird dem besinnlichen Leser gegenüber wieder zur Geltung gebracht: der „Kranke" selbst muß in eigener Anstrengung und Bemühung seine Gesundung wirken und sein eigener Arzt sein. Er muß sich selber wieder gut werden, sich in christlicher Weise selber wieder lieben, muß mit sich Geduld haben und verschiedenes andere mehr. Sich selber verstehen und sich selber helfen ist die Voraussetzung dafür, daß man anderen Menschen raten und helfen kann. „Arzt, heile dich selbst!" Hier ist die Geschichte einer solchen Selbstheilung, die uns auffordern mochte, in unsern eigenen Verhältnißen etwas Aehnliches zu versuchen. Zum Freuen und Lachen. Ein lustiges Kinderbuch. Gr. 8°. 112 Seiten mit zahlreichen Textbildern. In Halbleinen gebd. RM. 2.50. München 1938. Ein neues, lustiges Kinderbuch! Man ist überrascht und erfreut ob der Fülle des Schönen und Fröhlichen, das den Kindern darin geboten wird: eine Menge hübscher Erzählungen und Märchen, lustige Fabeln, Geschichten und Scherze von vielerlei Getier allüberall auf Erden. Der Kasperl, der Held des Kinderlandes, fehlt natürlich auch nicht, und es ist recht hübsch, daß sich die lustigen Kasperlszenen vom jungen Volk selber ohne allzuviel Mühe aufführen lasten. Namhafte Schriftsteller und bewährte Künstler sind mit reichen Beiträgen vertreten. Das Buch bietet nicht nur viel, was zur Heiterkeit und zum Frohsinn stimmt, es ist auch reich an erzieherischen Werten. Möge es recht vielen Kinderherzen Freude bereiten. „Gebete von Bischof Sailer". 16°. 40 Seiten. Geheftet 20 4. München 1938. Diese Gebete des großen Bischofs zeigen die Frömmigkeit feines Herzens und die Reinheit seiner Gesinnung, sie zeigen die Erhabenheit und Schönheit des Gebetes und können uns wirklich eine Hilfe fein, recht und fromm das Gebet zu üben. Matthlas=GrüneroalC) «Verlag, Mainz. Freude an Gott. Von Alois Nikoluffi. 132 Seiten. Gebd. RM. 3.50. Mainz 1937. Dem Verfasser geht es darum, zum Mittelpunkt der Religion hinzuführen, hin zum Vatergott. Aus dem Bewußtsein, beim Vater geborgen zu sein, erschließt sich der Seele eine unerschöpfliche Quelle heiliger und starker Freude. Und wer möchte zweifeln, daß wir Menschen diese Freude sehr notwendig brauchen? — Inhaltsangabe: Religion und Freiheit — Der Vatergott — Der Sinn der Vaterschaft Gottes — Das Motiv der Vater-liebe Gottes — Die Not — Die Sünde — Der Tod — Der Himmel. Verlag Laumann, Dülmen (Westfalen). Vom Wort des Lebens. Gedanken zum Iohan-uesevaugelium im Geiste der heiligen Väter Bon P. Bonaventura Rebstock O. S. B. 272 Seiten. 8°. In Leinwand RM. 5.50. Dülmen in Westfalen 1939. Ein Werk höchster Anerkennung wert! Es ist aus einer Arbeitsgemeinschaft mit jungen Theologen herausgewachsen, in der gemeinsam das Iohannesevangelium gelesen und mit Liebe und lebendigem Interesse durchdacht und besprochen wurde. Die Lesung fand ihren Niederschlag in „Johannes-Briefen", die als Manuskript herauskamen. In dieser Form sind dieselben jetzt vergriffen und auf mehrfachen Wunsch ist der Ertrag jener frommen und gelehrten Betrachtungen in Buchform der Oef-fentlichkeit übergeben worden. Dieser erste Band behandelt die Kapitel 1 bis 6 des vierten Evangeliums. Das Werk will keine wissenschaftliche Exegese des Evangeliums bieten, es will vielmehr die Botschaft des Johannes „vom Wort des Lebens" gläubig erfassen und für das Leben ausdeuten, damit unser Leben an der Fülle Christi teilnehme, von Christus geformt und in Christus glücklich werde. Diese Deutung geschieht im engen Anschluß an die Kirchenväter. Also kein Kommentar, sondern ein religiöses Lebensbuch. Die umfangreiche Arbeit ist ein schönes Zeugnis für den Fleiß und noch mehr für den frommen Sinn des Verfassers. Es ist ein wahrhaft religiöses Buch, das eine glückliche Bereicherung unserer Literatur über Jesus Christus und die Evangelien darstellt. Wir wünschen dem großangelegten Werk einen glücklichen und raschen Fortschritt. Lintermann. Ein herzliches Vergelt's Gott! für Anmeldung neuer Abonnenten sagen wir: Hochw. Herrn Pfarrer, Bachmanning (Oberdonau) 7; Hochw. Herrn Pfarrer, Sarleinsbach (Oberdonau) 4; Familie Vaas, Schrezheim (Württbg.) 4; Hochw. Herrn Expofitus Ludwig Settler, Waiting (Bayern) 1; Frl. Iosefiue Bauer, Karlsruhe (Baden) 6; Frau Katharina Bieg, Schwabsberg (Württbg.) 1; Frl. Mario Guttmann, Pfaffenhofen/Jlm (Bayern) 2; Herrn Oskar König, Hard (Vorarlberg) 1; Familie Schulz, Weldingsfelden (Württbg.) 1; Frau Josefa Gödl, Wundschuh-Ponigl (Steiermark) 1. — Diese Neubestellungen des „Stern" haben uns sehr erfreut und wir danken den wackeren Missionsfreunden recht herzlich für ihre wertvolle Mitarbeit.