für Vaterland, Künste Wijfenjrhaft und geselliges Leben. M 4V, 8tt»»Ztt,3 ÄSN 17 Funi. R 848. Dio Tanfe an der Saviza. Nachdem Kraimschcn dcs Dr. Prcshcrn, uc»n Georg Icnko. Es war an einem schönen Sommermorgcn, als ich mir meinem Reisegefährten M^*, einem begeisterten Naturfreunde, durch ein anmuthiges Thal Oberkrains nach Veldes — der krainischen Schweif — wandelte. Ans den blanen Fluchen des Savestromes stiegen leichte Nebel weich zerstießend auf; vom nahen Gebirge her tönie leise verhallend das Geläure der Heerden und das seelenricfe slavische Lied der Hirten. — Die Sonne schien so mild — wir schritten gedankenvoll weiter. Ein freundliches Dörfchen nahm uns auf, von zahllosen Obstbämnen beschattet. Jene Nuhe, die am liebsten die Wohnung des Landmannes heimsucht, herrschte darin und nur herüber vom See tönte es uns entgegen, wie ein heiliges Lied , wie ein Plätschern der Wellen. Wir langten bei der letzten Hütte an — eine neue Welt offnere sich dem staunenden Blicke! — Ein weithin ausgegossener See bespülte einen Felsen, auf dem sich ein Schloß gleich einem stummen Wächter erhob. Viele Kähne, angefüllt mit der frommen Pilgerschaar, von deren Lippen Lieder der Andacht erschollen, gleiteten auf den Wellen hin zu der Insel, die inmitten des Sees emporragt. Hier errichtete der fromme Sinn der Bewohner des Landes der heiligen Jungfrau einen Altar, auf dem der fromme Pilger seine Opfer niederlegt. — Von fernher winkten uns schneebedeckte Berge, die ewigen Granzwächter des Thales Wochein. Wir folgten ihrer Einladung. Von rührender Andacht erfüllt, schieden wir von Veldes, um in das Wocheinerrhal, oder wie ein gelehrter Sprachforscher will, Gottcsthal zu gelangen. Hoch anfgethürmte Felsenwande empfingen uns gleich am Eingänge und blieben anf lange Zeit unsere treuen Begleiter. Von ihnen begranzt fließt die Saviza, die später zu dem so gewaltigen Savestrome anwachst, im munteren Wellentanz krystallrein über Kieselsteine dahin. An ihren Ufern, umgeben von den Symbolen des Erhabenen, zogen wir fort. Die Seitengebirge rückten allmalich auseinander, nur noch eine kleine Anhöhe erstiegen — und ein geräumiges Thal lag vor- uns ausgebreitet, allenthalben von himmelanstrebendcn Bergen umringt. Heiliges Glockengeläute verkündete vom nahen Kirchthurme, daß Hieher sich ein Völklein vor den, Welt-getümmcl geflüchter, dem das Thal die ganze Welr ist. Bald harten wir Dorf und Kirche hinter uns; immer enger ward das Thal, still und stiller die Gegend, erhabener die Schöpfung. Wir standen am Ufer des zweiten herrlichen Sees Oberkrains. Ein Fischer, der sich in dieser Einsamkeit eine Hüte gebaut, kam herbei, hieß uns in einen Kahn steigen und mit seinem kräftigen Arme führre er das Ruder. Jetzt war es uns gegönnt, ganz der Betrachtung der Natur uns hinzugeben. In geringer Entfernung halt ein mächtiger Riese, der den äußersten Theil des Thales bewacht, seine brei schneebedeckten Häupter— daher der Name Triglav — kühn in die Lüfte. Majestätisch thront er über dem Lande, stolz blickt er auf Italiens Ebenen herab und reicht seinen gewaltigen Arm den Tiroleralpen. Einem seiner Haupter entstürzt, weithin erbrausend, die Saviza, welche gleich beim Ursprünge einen prächtigen Wasscrfall bildet und dem nicht wcir davon ausgedehnten Wochcinersec Nahrung zuführt. Sanfter als der Triglav erhebt sich neben ihm der Berg Versac, geheiligt durch den Zauber der Poesie eines vaterländischen Sängers. — In diese Abgeschiedenheit zog sich die schöne Natur Krams bescheiden, gleich einer schamhaften Jungfrau, vor den lärmenden Siraßen zurück, um gleichsam nur den Eingeweihten zur Bewunderung ihrer Pracht und stillen Majestät einzuladen. Mein Gefährte saß in ernste und wehmuthsvolle Gedanken versunken. Eine feierliche Nuhe, die rings herum herrschte, verlieh der Gegend eine heilige Weihe. Nur vor dem Kahne murmelten sanft die Wellen, und von fernher wurde der Saviza. Fall hörbar. Voll von jenen Gefühlen, welche der Zauber einer stillen Gegend in uns weckt, blickte ich bald zu der schwindelnden Höhe der Berge hinauf, bald auf die malerisch schöne Niederung, als plötzlich mein Auge auf einem Haufen hehrer Trümmer, die am östlichen Ufer des Sees dahin-starrten, ruhetc. Froh über diese Entdeckung und voll der Ahnungen, mit denen gewöhnlich solche stumme Zeugen geschichtlicher Thaten die menschliche Seele erfüllen, machteich meinen Gefährten darauf aufmerksam, fragte ihn, ob er sie am Felsen dort bemerke?— Er bemerkte sie wohl und noch mehr; 194 denn statt mir die Frage zu beantworten, erhob er sich und trug voll Begeisterung, die ich früher nie bei ihm wahrgenom-men, ein krainisch-slavisches Heldengedicht vor, und ich erfuhr Folgendes: Dort auf jenem Felsen, den die ehrwürdigen Trümmer decken, stand ein befestigtes Schloß, die letzte Zufluchtsstätte einer kleinen Schaar Slovenen, angeführt von einem wackern Jünglinge, um Namen Certomir. Srolz flatterte von dem-selben die Slavuiza (Heerfahne) geschmückt mit dem Bilde des B e l i b o g (guten Gottes) auf weißem Pferde, der für sie kämpfte. Es galt, ihre Götter und die Sitten der Väter zu retreu, oder im Kampfe eiu ruhmvolles Ende zu finden. Denn Valjhun, Herzog von Kärnten, eröffnete unter dem Vorwande, die christliche Religion zu verbreiten, einen ordentliche» Vertilgungskrieg gegen die noch heidnischen Sloveneu. Schon sind auch Aurelj und Droh, ihre mu-thigeu Anführer, seinem Schwerte erlegen, Ströme vou Blut wurden vergossen; Alles gehorchte ihm, nur Certomir wagte noch, ihm zu trotzen, zu streiten für die Götter über den Wolkeu — das theuerste Angebinde seiner Nation. Des Feindes neunmal stärkere Macht umringte die Burg. Sechs Monate lang widerstanden sie muthig jedem 'Angriffe. Jetzt drohete ein schrecklicherer Feind als Valjhun mit seinen Kriegern — der Hunger — das Thor zu öffnen. — Cerio m i r verschwieg dieß den Seinen nicht. „Brüder!« so redete er sie an, »nicht das Schwert, das Mißgeschick wird uns bezwingen. Nur wenig Mundvor-rarh ist noch^vorhaudeu. Wer mich verlassen will, dem steht es frei. Ihr Anderen, die Ihr verschmäht, den Nacken unter dem Srlavenjoche zu beugen, folget mir. Finster ist die Nacht, durch die Wolken rollt der Donner, der Feind zog sich zurück llnter seine Zelte. Nicht fern von da steht der Wald, diese Nacht können wir ihn leicht erreichen. — Dann aber laßt uns dorthin ziehen, wo unsere Brüder frei die Götter ehren, frei der Sitte ihrer Väter leben!" (Fortsetzung folgt.) Die letzten Augenblicke Louis Philipps in den Tuilerien. (Aus cinlin demnächst erscheinend»!, Wcrke: »llizlnii'L cl« l» I^evolklicin äe I/'livliol l>ur Nu^öiie pcHelun." Mitgetheilt von Tauffert.) Was that der König in den Tuilerien? Er ,'iluügsblatte vom 3. Juni d, I., antwortet der kraiinlch ständische Ausschuß auf den Aufruf «Einiaer Bürger Laibacb's." Warum nennt sich hier der verstärkte Vür» gerausschuß nicht besonders? O?er sind alle Nebligen mit »Einigen Bär« gern" völlig einverstanden? 2. Im Zeitungsdlatte vom 6, Juni ist zu lesen, das, einige Herren zu Jemanden wegen eines Zeitungsartikels ins Haus gekommen sind, um ihn zur Verantwortung zu ziehen. Ist oieß etw,i die neue (constitu-tionelle oder republikanische) Polizei« oder Censurbehörde? 3. D°r slouenische Verein spricht sich in seinen Statuten über seine Zwecke sehr gelind aus, während die Petition an den Kaiser, die noch circulirt, bestimmt und scharf lautet. Ist kein Widerspruch zwischen den Scatuten und oer Petition? Und warum sind die Verwahrungen nur gegen die Deutschen, und nicht auch gegen die Italiener gerichtet, die auch Sloveniens Gränze bedrohen? 5. Im »Illyrischen Vlatl" vom 3. Juni schreibt Jemand, der Cle-rus in Kr,,,,, schone bei o?n gegenwärtigen Zeitereignissen zwar mehr passiv, erwirke aber doch im stillen viel. — Hat der Llerus gegenwärtig nur passiv zu seyn? Oder hat er nur im Stillen thätig zu seyn, wo mit der Umsl'ltung aller Verhältnisse auch die «einigen mit bedroht sind? — P. H. Soncert - Tlukundignng. Montag den 19. d. M. Abends gibt dcr slouenische Verein die zweite „Neldc!»'' (Concert, im ständüchen Theater, wozu die Freunde der vaterländischen Musik hicmit eingeladen werben. Die verehrten Besitzer von Sperrsitzen, welche an di.sem Abende davon keinen Gebrauch zu machen gesonnen sind, werden ersucht, selbe dem Vereine gegen das gewöhnliche Entgeld zur Verfügung zu stellen, und sich diesifalls beim Herrn And. Bruß in der Landwirthschaft-Gesell« schafts-Kanzlei (Balenderaass? Nr. 195, 2. Stock) zu äusjern. Hier werden auch Vormerkungen auf Sperrsitze angenommen, dann Eintritt-und Sperrsitz - Billets ausgegeben. Eintritts - Nilletts können auch in der Handlung des Herrn Joy. Ev. Wut scher nächst der 0er Franzensbrücke gelöst werden. ') Laibach am 15. Juni 1858. Vom Ausschüsse des slov. Vereins- ') Der Gefertigte erlaubt sich. das kunstsinnige Publikum Laibachs auf diese zweite LelLclli, die unter Mitwirkung der philharmonischen Gesellschaft Statt findet, und dem Vernehmen nach »»sorgsamster Aus» wähl die interessantesten Piecen enthalten wird, besonders aufmerksam zu machen und spricht dabei seinen und den Wunsch Vieler gegen die Herren Arrangeurs aus < das, unter den allfälligen Wiederholungen ! einiger Nummern aus der ersten Lesocl-, die liebliche, zu Gemüth sprechende Tondichtung: „^lol-nar" berücksichtigt werden wolle- Den Zuspruch zu diesem slavischen Concerte muß ohne aller '' Zweifel außerordentlich reichlich ausfallen, da bei der ohnehin sehn günstigen Stimmung für derlei nationale Kunstgenüsse auch der an diesem Tage zu eröffnende Landtag sein Zuhörer« Contingent stellen wird. Leopold Kordes Verleger: Ign. Gdl. v. Kleinmayr. — Verantwortlicher Redacteur: Leopold Kordesch. HriedsnS" und HreißeiisUangc. (Als Beilage zum Illyr, Vlatt Nr. 50, vom 20, Juni 1858,) WM^allct frei und ruhig zwischen euern Ufern, Deutschlands stolze Flüsse, edler Völker Born! Mögen Alle, die aus euern Fluchen trinken, In sie senken Hader uud der Zwietracht Dorn; Nimmer soll mehr eure Silberwellen rothen Des Teutonen, Slaven und des Galliers Blut, Nimmer unter wildem, kriegerischem Donner Brücken stürzen, die der Völker gleiches Gut; — Nicht die Bomben mehr den Schlachtenbogen schlagen, Über eurer Ufer grün geschmücktem Rand; Nimmer schau' das Aug' herab von hohen Mauern Wild zerfleischte Leichen schwimmen an das Land, Oder todt geklammert an der Schisse Rand. Wallet frei, und laßt sie in den Flutheu spiegeln Eure alten Thurm' und Burgen, grün umrankt, Die auf hohen Felsen sitzen, gleich dem Aare, Welcher Kreise ziehend hoch in Lüften prangt; Laßt die Schiffe, deren Dampf gibt reges Leben, Gleiten über eure Rücken heiß erglüht, Seht, wie zischt und braust der Schaum auf ihren Radern, Bis zum blauen Himmelsdom der Funke sprüht. Und der Jubel fremder Pilger läßt sich hören, Die sich wagen auf die klare Wasserfluth, Oder die Gewinnsucht treibt in weite Fernen, Oder die, in denen Wißbegierde ruht, Suchen euren Ursprung auf mit Fleiß und Muth. Rollet frei uud friedlich, Gott hat euch erschaffen, Bäche euch gegeben, Quellen ohne End, Um zu einen, nicht zu trennen Deutschlands Söhne Har die Tropfen er zu Strömen ausgedehnt; Und wozu uns streiten über Berg' und Thaler? Leicht ist unser Zelt, ein Hauch macht es zur Gruft, Von der vollen Tafel müssen wir ja scheiden, Wenn der Tod bald den, bald jenen Namen ruft. Fällig Alles und vergänglich ist auf Erden, Durch die Schatten dringt kein Strahl von Sonnenlicht, Und die Erde, prangend noch mit gold'nen Ähren, Wird zum Grabe, rafft Geschlechter hin und spricht: Völker! seht, es fehlt am Leichentuche nicht. Majestätisch zwischen Burgen und Ruinen Roller Deutschlands Flüsse segnend forr und fort, Preßr au eure Brust Thuiskos Heldensöhne Liebend und beschirmend als ein starker Hort; Uud warum sich hassen und sich Gränzen setzen Zwischen Brüdern? Gränzen, die der Herr gehaßt, Zeigt am Himmel sich wohl eine Spur von Gränzen? Ist der blaue Dom mit Mauern eingefaßt? Völker! euch Barbaren nicht zu nennen, sprechet: Kennt die Liebe Gränzen, braucht's für sie ein Pfand? Bannt der Haß aus eurer Brust, veroehmr ihn ewig; Selbstsucht, Haß sind an die Scholle festgebannt, Bruderliebe zieher freudig durch das Land. Wälzer frei und mächtig fort, denn eure Fluchen, Und nicht kümmert euch die ganze Bahn entlang, Ob die, so zur Seicc eurer Strömung weilen, Gegen Aufgang schauen, oder Niedergang; Nicht die Meere sind die Marken und nicht Flüsse Zwischen Völkern, auch die höchsten Berge nicht, Länder mögen sie wohl scheiden, unbekümmert, Ob man dießseits deutsch, und jenseits slavisch spricht. Meine Hcimath ist, wo Deutschland's Sonnen strahlen, Wo der Biedersinn, wo treue Sitte wohnt, Unser Inn'res, unser Geist sey uns're Zone, Bürger bin ich, wo die Seele denkt und lohnt. Dort mein Vaterland, wo stets die Wahrheit thront. Rollet frei, führt Segen, Schätze allen Völkern, Die von Euren Armen sind umschlungen, zu, Friedlich rrinke Aar und Stier aus Euren Wellen, Und der Mensch erfreue sich der süßen Ruh. Seh't, o Freunde! Raum für Viele hat die Erde, Halb entvölkert liegt des Morgenlandes Pracht, Durch die todten Wüsten schleicht die Karaoane, Und die Einsamkeit hält dort die Todtenwachr; Langst vergess'ne Völker ließen leer die Starte, Jedes Dörfiein mahnt an ein versunk'nes Reich; Einsam hier und dort steh'n hohe Pyramiden, In der Wüste, die dem sand'gen Meere gleich, Von den Zeiten stürmen fahl und todtenbleich. Rollet frei dein Oceane zu, dem weiten, Schlinget Himmelsadern um den Erdenball, Gebt die Strecken, gebt das Gras den Menschen wieder, Laß't zu einem Volk sie werden überall. Nicht die Trachten, nicht Verschiedenheit der Zungen, Wie der Lebensweise und Religion, Reiße liebelos den Bruder von dem Bruder Aus der großen Kette deutscher Nation. Laßt uns zieh'n, wie Joseph zog mit seinen Brüdern, An des Niles Strand, den Apis einst bebaut, Die, als kärglich sie der Heimath Erde fanden, Einem fremden Boden ihre Saat vertraut. Und zum Lohn' die reichste Ernte dort geschaut. Rollet fesselfrei ihr slavisch-deutschen Flüsse, Silberschleifen gleich in trauter Harmonie, Schlingt ein festes Band um alle Biederstamme, Einigend zur wärmsten, stärksten Sympathie. Auf denn, Brüder! und versenkt die blut'gen Zwiste, In des Lethe tiefen, allertiefsten Grund; Schließt den Neigen, reicht euch brüderlich die Hände, Kräftig, ewig unauflöslich sey der Bund,, Schnell gedeihen werden Körner, Wolle, Seide, Jede Gabe, die Natur uns liebend schenkt, Wir genießen dann der Ruhe, und der Freude; Jede and're Fahne schweigend dann gesenkt, Nur den Friedensbanner hoch empor geschwenkt. Und die Tricolore: „Glaube, Hoffnung, Liebe," Wehe segnend durch das ganze Vaterland; Einigend uns allgesammt in eine Heerde, Unter unserm guten Hirten Ferdinand. Sittich, den 1. Juni 1848. k k-Nezills-Commifsär.