UDK 830 Ransmayr C. 7 Die letzte Welt .06 EINIGE ASPEKTE DER METAPHORIK IM ROMAN »DIE LETZTE WELT« VON CHRISTOPH RANSMAYR Bus an Gorse Alles begann irgendwann in der Mitte der achtziger Jahre, als Hans Magnus Enzensberger, Erfinder und Herausgeber der »Anderen Bibliothek«, den jungen Schriftsteller Christoph Ransmayr gebeten hatte, die berühmten Metamorphosen von Ovid zu bearbeiten, so daß dieses klassische Werk der Antike wieder belebt wäre. Ransmayr war damals mit seinem Erstling Die Schrecken des Eisens und der Finsternis ein unbekannter Autor, den aber jetzt Die letzte Welt zum Kultautor gemacht hat. Er mußte bald einsehen, daß er mit einer Nachdichtung nicht weiterkam, und so traf er die Entscheidung, einen eigenen Metamorphosenroman zu schreiben, in dem der ehemalige Dichter Ovid selber zu einem, zwar abwesenden, Protagonist gemacht wurde. Es geht also um Ovid, der aus unbekannten Gründen mit einer kleinen Handbewegung des Imperators Augustus aus Rom verbannt wird. »Aus den Augen des Imperators aber hieß, ans Ende der Welt.« Und das Ende der Welt war Tomi, »die eiserne Stadt am Schwarzen Meer« (S. 73). Als das Gerücht von des Dichters Tod Rom erreicht, macht sich sein Freund Cotta aus reiner Langeweile, wie ihm später bewußt wird, auf den Weg, um Naso und sein verschollenes und angeblich von ihm selber verbranntes Hauptwerk die Metamorphosen zu finden. Mit Cotta reist nach Tomi auch der Leser, beide auf der Spurensuche des Buches, das in der entzauberten Welt der Wirklichkeit zwar fast vergessen existiert, aber in der verzauberten Welt des Romans verschollen ist. Als er an Bord des Schoners Trivia an der barbarischen Küste landet, stellt der Leser bald fest, daß er in die Welt der Metamorphosen eingetreten ist. Die Einwohner, die Ovidische poetische Erzählungen bruchstückhaft weiter verwandeln, tragen Namen aus der antiken Geschichte und Mythologie. Die Weberin Arachne webt Teppiche mit Bildern aus Ovidischen Mythen. Cyparis, der Filmvorführer, führt die melodramatischen Verfilmungen der Verwandlungsmythen vor. Echo, die Nymphe und Cottas Geliebte, verschwindet eines Tages wie ein Nachhall. Fama, die einen Kolonialwarenladen führt, ist als die Göttin des Gerüchtes die erste, von der Cotta etwas Greifbares über Ovids Schicksal erfährt. Alle andere zucken nur mit den Schultern. Wenn sich Cotta zum erstenmal nach Trachilla, einer zerstörten Siedlung in den Bergen, begibt, trifft er dort Pythagoras, den Knecht Ovids, der nur fragmentarische Auskünfte über seinen Herrn geben kann. Doch sind die Spuren von Ovids Werk überall sichtbar. Stoffähnchen, Fetzen in allen Farben, selbst Steine sind mit Schriftzeichen beschrieben. Die erste 75 von Cotta gelesene Schrift lautet: »Keinem bleibt seine Gestalt.« (S. 15) Das ist auch der Leitsatz des Romans, denn selbst Rom, die ewige Stadt mit ihrem Anspruch auf Zeitlosigkeit, ist den Verwandlungen unterworfen. Nur »... nichts bleibt, wie es war.« (S. ) So ist der Deucalionmythos aus Ovids Metamorphosen, wo Menschen aus Steinen entstehen, zurückgekehrt. Der Prozeß von Verwandlungen kündigt sich nämlich mit der Versteinerung von Famas Sohn an und ihm folgen die anderen. Der Seiler Lycaon kehrt zu seiner wölfischen Natur zurück. Procne, die Frau des Schlachters Tereus, der ein Wiedehopf wird, verwandelt sich in eine Nachtigall und ihre Schwester Philomela in eine Schwalbe. Cotta kommt zu der Erkenntnis, daß »der Dichter die Metamorphosen am Schwarzen Meer zu Ende erzählt« (S. 287) hat, und zieht, während die Welt ihn für verrückt hält, wie Büchners Lenz ins Gebirge, um dort die einzige Schrift, »die noch zu entdecken blieb« (S. 287), zu finden. Doch bleibt das Ende rätselhaft. Was soll denn eigentlich »sein eigener Name« (S. 288) bedeuten, der als Nachhall zu ihm zurückkommt? Hat er sich, der schon besessen von seiner Suche nach Ovid und seinen Metamorphosen ist, in Ovid verwandelt oder ist er nur noch an seinem eigenen Schicksal interessiert und sucht er den Fetzen mit seinem Namen? So wie einer platten Deutung, entzieht sich Die letzte Welt auch der Einordnung in eines der literarischen Genres. Trotz des scheinbaren Eindrucks, den die Handlung evoziert, ist es kein Kriminalroman, am ehesten könnte man von einer Suchaktion sprechen. Ebensowenig kommt die Bezeichnung eines historischen oder biographischen Romans in Frage. Es ist ein Roman über die vergangene und gegenwärtige Welt, über Fiktionalität und Wirklichkeit. Diese Gegenüberstellung wird mit dem Ovidschen Repertoire am Ende des Buches, wo die Gestalten der letzten Welt mit den entsprechenden Zitaten aus Ovids Metamorphosen konfrontiert werden, nur noch stärker betont. Die Zeitlosigkeit wird durch die eklektische Mischung von verrösteten Busen, Mikrophonen, Filmprojektoren, Dampfkriegsschiffen, Episkopen, Telephonen, per Schiffpost geschicktem Geld ausgedrückt, was aber keine Anachronismen in der Welt der Alten sind, denn sie wirken in unserer Zeit der Computer, Astronauten, Kernkraftwerken schon fast wie betäubte Antiquitäten. Am überraschendsten sind noch die Hellebardenfische und das Purpurmoos, die es nie gegeben hat. Ovids Metamorphosen, die einst die Kosmogonie der antiken Welt darstellten, werden zur Kosmogonie Der letzten Welt vergegenwärtigt. Ransmayrs Roman hatte sofort nach seinem Erscheinen einen kaum erwarteten und unerhofften Erfolg, der seine Kulmination auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst 1988 erreichte. Innerhalb von nur drei Monaten wurden mehr als 75000 Exemplare verkauft, wobei diese Wallfahrt über den Ladentisch noch mit Lobpreisen von allen Seiten begleitet wurde. Das Ganze wirkte wie eine Kritikerverschwörung, die ein neues Genie entdeckt und ihn auf die höchste Stelle des deutschen Parnas gesetzt hatte. Fast alle Kritiker waren sich einig, daß Ransmayr ein außerordentliches Sprachtalent besitze, daß sein Werk sprachgewaltig sei, daß es in einer herrlich rhythmischen Sprache erzählt ist. Wie verschieden die Meinung der Kritiker auch war, in einem herrschte also völlige Übereinstimmung: Ransmayr ist ein Meister der Sprache. Wenn man dazu noch weiß, nach dem Geständnis des Autors selbst, daß jeder Manuskriptseite 40 bis 50 Entwürfe vorausgingen, gibt es keinen Zweifel mehr: die Sprache stellt den Schlüssel zur Interpretation des Romans dar. Dasselbe gilt zwar einigermaßen für jedes literarische Kunst- 76 werk, die Rolle der Sprache scheint aber in diesem Fall noch stärker potenziert. Poetische Wirkung und Überzeugungskraft einer Sprache hängen gerade von den rhetorischen Mitteln ab, die durch dieselbe Sprache angewendet werden. Deswegen wäre es sinnvoll die Sprache dieses Romans der rhetorischen Analyse unterzuziehen, was zu einem fruchtbaren Ergebnis führen könnte. Schon auf den ersten Blick zeigt sich, daß der Text mit Metaphern und Vergleichen geladen ist, was sogar irritierend und kitschig wirken könnte; doch dieser Eindruck täuscht: man kann behaupten, daß Metaphorik eines der wichtigsten Kennzeichen der Sprache Ransmayrs ist, nicht nur Zierrat zu einer Wirkung zweiter Klasse. In seiner Studie aus dem Jahre 1967 teilte Jean Cohen poetische Vergleiche in vier Gruppen ein, wo jede Gruppe aus drei Typen besteht. Sein Postulat war, daß die poetische Funktion eines Vergleichs von seiner strukturellen Unregelmäßigkeit abhängt und zwar von folgenden: — Ellipse — Impertinenz — innere Redundanz — äußere Redundanz Ellipse bedeutet hier die Auslassung eines von drei Vergleichsgliedern: das Verglichene (A), das Vergleichende (C) und das Ter dum comparationis (B). Demzufolge gibt es drei Typen der Ellipse: ABO, AOC und OBC. Impertinenz bezeichnet das Spannungsverhältnis zwischen zwei Vergleichsgliedern, das aus einer ungewöhnlichen Zusammensetzung entsteht, z. B.: »Die Erde ist rund wie ein Quadrat.« Da ein Quadrat nicht rund ist, kommt es hier zur Spannung zwischen dem Terdum comparadonis (B) und dem Vergleichendem (C), was unter die Impertinenz B^C eingeordnet wird. Die anderen zwei Typen sind: A^C und A^B. Innere Redundanz bedeutet die Überflüssigkeit eines Vergleichsgliedes, der keinen Informationswert hat und deswegen weggelassen werden könnte, z. B.: »Die Erde ist rund wie eine Kugel.« Offensichtlich kann man hier entweder das Terdum comparationis »rund« oder das Vergleichende »Kugel« weglassen, ohne den Informationwert des Vergleichs zu reduzieren. Neben diesem Typ B = C gibt es noch innere Redundanz des Typs A = C und A=B. Äußere Redundanz ist vielleicht der komplizierteste Begriff des Cohen-schen Systems. Der erste Typ C = A bedeutet die Redundanz des Vergleichenden im Bezug auf den Kontext, wobei das Vergleichende an sich, falls der Vergleich isoliert betrachtet wird, keinen Informationswert besitzt. Der zweite Typ A > C umfaßt alle Vergleiche, in denen das Verglichene begreiflicher als das Vergleichende ist, was eigentlich die noetische Funktion des Vergleichs negiert. Der dritte Typ der äußeren Redundanz C = 0 bedeutet die Unverständlichkeit des Vergleichenden. Diese strukturalistische Typologie scheint sehr geeignet zur Anwendung auf den vorliegenden Text, weil die Unterscheidung auf der formalen Ebene die Unterscheidung auf der inhaltlichen Ebene ermöglicht; d. h., jeder von den verschiedenen Vergleichstypen kann seine eigene Geschichte erzählen. Eine genauere Analyse anderer Aspekte der Metaphorik, wie Metaphern und Symbole, werden nur in solchem Maße behandelt, wie es zur Erleuchtung der Rolle von Vergleichen beitragen könnte. 77 Mit dem klassischem Modell des Vergleichs »A ist B wie C« als Grundlage und durch Untersuchung der Beziehungen zwischen den einzelnen Grundgliedern etwickelte also Jean Cohen ein Klassifikationsystem, das aus zwölf in vier Gruppen geteilten Typen besteht, und deren Ausgangspunkt die axiomatische Voraussetzung ist, daß die poetische Funktion eines Vergleichs in seiner Abweichung vom klassischen Modell liegt. Man darf nicht vergessen, daß es sich ausschließlich um poetische Vergleiche handelt. In diesem Sinne erhebt das Cohensche System keinen Anspruch auf eine allgemeine Gültigkeit, die alles umfasse, sowohl poetische wie sogenannte nichtpoetische Vergleiche. Diese Typologie ist zwar abgerundet, symmetrisch und in sich logisch gebaut, hat aber aus rein theoretisch-spekulativen Aspekten auch einige Mängel. Man könnte ihr die Auslassung folgender Möglichkeiten vorwerfen: — dreifache innere Redundanz: A = B = C. — Unverständlichkeit des Tertium comparationis: B = 0. Da solche Beispiele praktisch sehr selten auftauchen, ist ihre Auslassung nur von geringer Bedeutung für die tatsächliche Anwendung dieser Klassifikation an einem konkreten Text. Jede Einteilung ins Cohensche System ist subjektiv bedingt, weil es natürlich keine fest determinierten Regeln gibt. Infolgedessen wäre es sinnvoll, den methodologischen Beitritt zu erklären, der die Einteilung bei einigen Grenzfällen genauer bestimmt: — es werden nur diejenigen Vergleiche berücksichtigt, die neben der noetischen auch die poetische Funktion besitzen. — es wird versucht, möglichst viele Vergleiche ins Cohensche System einzuorden, obwohl das bei einigen Beispielen gewollt erscheint; für die wenigen Ausnahmen wird eine Sonderkategorie »Nicht-einzuorden« gebildet. — der entscheidende Faktor in Grenzfällen, wenn ein Vergleich seiner Struktur nach gleichzeitig unter zwei verschiedene Typen eingeordnet werden könnte, war der überwiegende Beitrag der einzelnen Anomalie zur poetischen Funktion des Vergleichs. — alle Vergleiche werden im Kontext behandelt, in dem sie sich befinden, und nicht isoliert vom Text. — das Cohensche System wird auf fünf von fünfzehn Kapiteln agewen-det, die der Roman umfaßt, und zwar auf das 1., 5., 8., 12. und 15. Kapitel, wobei man mit dieser gleichmäßigen Auswahl einen der Wirklichkeit entsprechenden Querschnitt zu erzielen hofft. Bei Anwendung der vorher beschriebenen Methode wurden in den fünf Kapiteln 115 Vergleiche gefunden, davon 43 nicht-poetische, die so automatisch ausgelassen wurden. Ihr relativer Anteil beläuft sich auf 37 % und ist verhältnismäßig klein in Anbetracht dessen, daß es sich um einen Prosatext handelt. In der Poesie würde man selbstverständlich einen kleineren Anteil erwarten. Von den übrigen 72 Vergleichen wurden 69 ins Cohensche System eingeordnet, während die drei Ausnahmen ihrer sonderbaren strukturellen Anomalien wegen der Sonderkategorie angehörten. Die repräsentativsten Beispiele der einzelnen Typen sind hier aufgezählt und mit einer Chiffre versehen, 78 wobei die ersten zwei Nummern das Kapitel, die nächsten drei, die Seite und die letzten zwei die laufende Zahl der Komparation bezeichnen. Bedauerlicherweise ist es aus Platzgründen nicht möglich, das gesamte Verzeichnis auf dieser Stelle anzuführen, so daß sich hier die Angaben des Autors nicht überprüfen lassen. Ellipse des Vergleichenden ABO: 0510401 »... erschien ihm die einserne Stadt weniger kalt und öde ...« Ellipse des Tertium comparationis AOC: 0511314 »Es war, als würde sich aller Staub dieser Küste gegen die eiserne Stadt erheben, um ihr den letzten Blick auf den Auszug des Filmvorführers zu verwehren.« 0511315 »Wie die Insassen eines Straflagers,... machte sich Cyparis Publikum dann auf den Rückweg in die innere Stadt...« 0819622 »... dann strichen Rosehmöwen... dahin, als steigere die Gewalt der Flut nur ihre eigene Lust an der Leichtigkeit.« 1223625 »Ein halber Torbogen ragte noch wie der Arm eines Ertrinkenden aus dem Schutt...« Impertinenz A^B. 1528035 »Das Schlachterhaus blieb so dunkel und atemlos wie die Stadt...« Impertinenz A^C: 1223837 »Pythagoras Hand aber flog über das blaube Tuch, als müßte er in rasender Eile die Worte festhalten...« 1528241 »Wie die Wildnis teilnahmlos aus hundert Augen ein Raubtier seine Beute jagen sieht, sah Tomi den Schlachter auf der Spur einer Frau.« Innere Redundanz A = C: 0818951 »... das ausgesprochen nur ein Geräusch ergab, nicht bedeutsamer und klingender als das Geräusch eines auffliegenden Vogels.« 0819252 »Das unruhige, tiefe Blau dort draußen glich der Farbe jener See...« Äußere Redundanz C = A: 0511557 »...auch glichen Ecos Antworten stets dem, was Cotta schon wußte ...« 0819359 »... die Schönheit... war mit keinem Garten und keiner blühenden Halde dieser Küste vergleichbar.« Äußere Redundanz A > C: 0101163 »Das Gerücht hatte sich dann ausgebreitet wie das Rinnsal auf der abfallenden Straße zur Mole ...« 0102064 »Die Verbrennung blieb über allen Mutmaßungen so rätselhaft wie der Grund für Verbannung.« Nicht-einzuordnen: 0819771 »... sah Cotta zwei graue Schwingen wie die Arme eines Ertrinkenden im Wasser verschwinden, hochgereckt, hilflos ...« Einige Vergleichstypen bedürfen noch zusätzlichen Kommentars. Die Forderung nach Behandlung im Kontext eliminierte sehr wahrscheinlich alle potenziellen Beispiele von der Ellipse des Verglichenen OBC und vergrößerte die Zahl der inneren Redundanzen des Typs A > C. So war das Verglichene in Sätzen wie: »es war« und »es schien«; implizit bestimmt durch den vorhergehenden Text. Wenn man einerseits einen solchen Vergleich isoliert, beziehungsweise nur im Satz betrachtete, der sie enthält, müßte er unter die Ellipse des Verglichenen eingeordnet sein. Anderseits wäre dann die Mehrzahl der Vergleiche, die dem Typ A > C gehören, auf dem Satzniveau ganz gewöhnlich, also nicht-poetisch, was wieder ein Beweis dafür ist, wie relativ und subjektiv jede Klassifizierung sein kann. Doch ist in solchen Fällen das Verglichene A im Kontext ziemlich genau bestimmt, wahrend das Vergleichende C zum ersten Mal auftaucht. Das Ergebnis ist, daß im Grunde genommen A eine neue Information über C liefert und nicht umgekehrt, wie üblicherweise der Fall ist, woraus folgt, daß A als das scheinbare Verglichene die Funktion des Vergleichenden übernommen hat und C wird dementsprechend zum Verglichenen. In Bezug zum klassischen Modell »A ist B wie C« ist in diesem Beispiel C als eine Umschreibung von A nicht nötig und dadurch redundant. Ein besonderes und theoretisch nicht leicht auflösbares Problem sind die Beziehungen zwischen einzelnen Satz- und Vergleichsgliedern. Die Frage des Ter dum comparationis ist dabei noch die komplizierteste, denn das so-gennante Dritte des Vergleichs kann entweder auf der formal- strukturellen oder inhaltlichen Ebene bestimmt werden, wobei die beiden nicht unbedingt zum identischen Ergebnis führen. Das folgende Beispiel soll diese Problematik noch genauer beleuchten: 0819019 »Wie der Stein dem Gesetz der Schwerkraft, gehorchte er dem Magnetismus von Nasos Unglück.« Dieser Vergleich wurde unter der Ellipse des Tertium comparationis eingeordnet, obwohl das Prädikat »gehorchte« in einem breiten Sinne hypothetisch die Prädikatsergänzung »unterworfen« umfaßt und man den Vergleich mit geringem Bedeutungsunterschied umschreiben könnte: »Wie der Stein dem Gesetz der Schwerkraft, war er dem Magnetismus von Nasos Unglück unterworfen.« Fast völlige Äquivalenz der beiden Sätze auf dem semantischen Feld zerbricht in der Syntax und die Folge ist, daß man im zweiten Satz »unterworfen« als das formale Tertium comparationis bezeichnen kann, während dasselbe im ursprünglichen Satz nur durch zusätzliche Adverbergänzungen möglich wäre. Da sich im Vergleich keine Adverbergänzung mit der Funktion des Tertium comparationis befindet, wurde es mit ähnlichen Vergleichen unter die Ellipse eingeordnet. Nicht weniger verwickelt ist die Frage cler sogenannten erweiterten Vergleichen, in dessen Gliedern Metaphern und Metonymien, am häufigsten im Verglichenen, auftauchen, der in solchen Fällen gewöhnlicherweise als Nebensatz auftritt. Solche Vergleiche wurden dann unter den Impertinenzen eingeordnet, da die Metapher an sich eine Menge der Impertinenz enthalten muß. Eines der interessanteren Beispiele war auch das folgende: 1528035 »Das 80 Schlachterhaus blieb so dunkel und atemlos wie die Stadt.« Wenn man »das Schlachterhaus« und »die Stadt« wörtlich begreift, wird der Vergleich impertinent durch die Spannung, die zwischen dem Verglichenen und dem Vergleichenden auf einer, und dem Teil des Tertium comparationis »atemlos«, auf anderer Seite geschaffen. Falls man die beiden Wörter als Metonymie, d. h. die Einwohner des Hauses beziehungsweise der Stadt, begreift, dann gibt es wieder eine Art von Spannung in Bezug zum anderen Teil des Tertium comparationis »dunkel«. Die Einordnung dieses Vergleichs ins Co-hensche System scheint zwar teilweise erzwungen, doch wird seine poetische Funktion gerade durch diese Doppeldeutigkeit nur stärker. Auch die Vergleiche, die nicht einzuordnen waren, bedürfen einer Erklärung. In allen drei Fällen tritt das multiplizierte Tertium comparationis mit einer Umstrukturierung des klassischen Modells im Sinne der Inversion hervor, was in der Poesie von keiner besonderen Bedeutung wäre, in der Prosa aber eine poetische Wirkung hat. Solche Vergleiche könnte man mit dem folgenden Modell darstellen: »A wie C ist BBB«. Die Existenz von solchen Vergleichen ist auch ein Beweis dafür, daß Cohens System nicht alle poetische Vergleiche umfassen kann, was einen Ausgangspunkt für die Kritik seiner Typologie darstellen könnte. Die relativen und absoluten Anteile der einzelnen Vergleichstypen kann man an der Tabelle abiessen: Ellipse Impertinenz Innere red. Aüssere red. Nicht einzuordnen ABO 3 4% B^C 1 1% B = C 1 1% C=A 9 13% AOC 29 40 °/o B^A 2 3% B=A 1 1% C