Oedcbtcbte ber Steiermark $. fö. flbatet eilte der mit tytz. VL EteierniEt Jo OefonbeBt? Mft|t auf bas (Muriefien Don Sr. Trotts Slarfin ^Snyer, Director 6er £aii&es»lDbemaIfdjuU in ©iaj. <ßro3, im. U c 11 a g do n U1 r i * 21i o f e r s B utb l; a ii 61 u n g (3- meVetl,off). chlihlitc üiT iSMeicrnuirf mit (jefonöerer IMliifjt auf bas lutoÜeSeii Pr. franj Parti« Pnijrr ®iredor bei- Scmbc§ = Ct>cvrcaIicf)ute in ©raj. @ia|, 1898. SBertag Don Ulrich 9JtofeiS 93u^t)anbtung (3. 9)ieber^off). 'i ^:u j ^ IXVo „ r Studijski "t" ' iS ODDELEK Š'/' ^ r u <14. ®ruderet „Setjfcmi“, ®raj. Bmiintvf. 3it bem Uorliegenben $ud)c ift ber Sjerftt^ gemadjt, bie @efd)irfe beS jper^ogtf)um§ ©teiermarf unter forgfaltiger $enti|ung ber (šrgebniffc ber ^nfjlreidjen Unterfud)ungen unb ©beciutarbeiten, bie in ben ©djriften beS §iftorifd)en Vereines für ©teiermarf, in anberen Ijiftorifdjen mtb in felbftftänbigeu IBerfen üerbffenttidjt würben, in mäßigem Umfange unb in teidjt tier= ftünbtidjer gönn barjuftelten. 3)ie 2.uirgefd)id)te, baS ift bie 3e't ber Selten unb 9tömer, würbe wie bie 3c't ber Sßölferwanberung bis 5111' Sefi|ergreifung beS SanbeS burd) bie ©lobenen fur§ unb überfidjtlid) beljanbelt; aber and) bie letzten ^a^rje^nte, eine 3e't bolitifdjer, nationaler unb focialer Sämfife, bereu ©rgebniffe nod) in weiter gerne liegen, fanben feine eingeljenbe ©djilbcrung. Sie Sarftetlung biefer Sämpfe tjätte, wenn fie berftanblid) fein füllte, einen Umfang annelimen müffen, ber jur 23el)anblung ber früheren Seiten nidjt gut gepafSt glitte, unb fie wäre,, fo fürdjte Id), audj einfeitig ausgefallen. gaft bie Hälfte beS $ud)eS ift ber 6nlturgefd)id)te gewibmet, alfo bem Seben beS SBoIfeS, wie eS fid) in feiner ÜZBirtfdfaft, in ftaatlidjen @inrid)tungen, in Sitten, ©ewoljnljeiteu unb SenfungSort, in §anbwerf, Snbuftrie, Sunft unb SBiffenfdjaft äußert. Safs ber 3ufantmenl)ang ber in ben einzelnen 3f>iUiumen wedjfelnben 91n= f d) a mm gen unb bie ©infliiffe, ra el d) e biefen 2Bed)fel fjcrßeigefüljrt l)nben, nidjt immer beutlid) gemad)t ift, fommt baf)er, baf§ man bie feinen gaben, bie fid) bon einer 3eit jur anbeten, bon einem Sanbe 511111 anberen fpinnen, feiten genau 511 erfennen bermag. ®ie Hingabe bon ©cfd)id)tSquet(en rombe nnterlaffen, aber im 2e£te rombe neben mandjem gorfdjer ber ©egenroart mitunter and) einer 5eitgenöffifd)en Hluf^eidjnung ba§ SBort gegeben, unb in ben gußnoten rourbe oft auf eine neuere Hlrbeit berroiefen, roaS bem roiHfommen fein roirb, ber fiit) mit bem betreffenben raume notier befaffen roill. $er Umfdjlag biefe§ S3ud)e§ ^eigt bie §roeitältefte in Srud befannt getoorbene Hlnfidjt bon ©ra^, roeldje bon ^Daniel HJt a n affe r im Saljre 1634 als Slitelfubfer für einen Äalenber angefertigt rourbe. $ßir berbanfen biefe Hlbbilbung bem ©utgegenfommen be§ SanbeSardjibbirectorS £)errn SftegierungSratljeS SDr. 3ofef bon 3 a 1) n. ©ra;, im Diobember 1897. $er Serfaffer. $Tor0efd)id)tc. helfen unb Börner. 1. Selten. jPaš Sanb ©teienimr! roar nid)t allen 3eiten timt Seutfcfjen unb ©laben betoo^nt. ®ie 91bftammung ber erften Seroofjner be§ SanbeS, timt betten mir nur fttärlii^e ffunbe ^aben, ift unbefannt. ©te lebten timt ber 3agb, timn gtfdifang, tion ber $ie^ud)t unb beut 9tcferban; fie fdjufen fid) §uerft 2Baffen unb SBerf^euge au§ §irfd)= Ijorn unb Snoven unb ©efä^e mit freier §nnb au§ Zljon. @§ fdjeint, bnf§ fie eS ttac^ unb nad) lernten, bie in ber ($rbe tier^ borgenen ©($)ü|e 511 geroinnen unb ba§ Surfer p ©erätljen unb üßaffen 51t tierarbeiten, ja e§ mit 3i,in äur Sron^e $u tierbinben. 5Da§ tlfütige 3nbuftrte= unb ^mnbelStioIf ber ©trugter, bag vor ben gtömern bag mad)tigfte unb gebilbetfte Stolf in Italien roar, ftanb fd)on mit biefen ülteften iXlbenbetoofjnetn in §anbelgbe= Teilungen. 3m fünften ober felgten 3al)rl)tmbert tiar ©tjrifti ©eburt brangen Selten in bie Oftalpenlänber ein unb unterroarfen ober tierbrüngten bie früheren Setnofjner. ®ie Selten gefiören mit beit ©rieten, Stalifern, ©ermanen, ©laben ü. a. jur großen inbo= germanifdjen SBölterfamilie unb roaren geraume 3e't bie Seroofmer 9JtitteI= unb iffiefteurtibag. Sag ipauptlanb iljrer iOlac^t roar ©allien, bag heutige f^rantreid); fie fajjen aber and) in ©nglanb, tOtntjer, 6« Stciermart. 1 auf bet ptjreniiifdjen ^»alßinfel, in ©übbeutfcfjlanb unb bann in Oberitalien. Oer ©efammtname für bie Selten, roelcfje fict) in ben öftlidjen itllfienlänbern angefiebelt Ratten, roar ^nerft OauriSfer, b. i. tBergbemo^ner, bann Diorifer.1 Oie 9Zorifer finb aus einer Slnjalfl lleinerer feltifdjer (Stämme entftanben, bie fid) 5U einem größeren Staatgganjen aneinanber= fc£)loffen, ba§ and) „Sönigretd) sJtüricum" genannt roirb. iöie biefe ^Bereinigung tior fid) gegangen ift, meiß man nid)t. Oa§ norifdje (Sebiet erftredte fid) norbroärtS bi§ 5111' Oonau, roeftlid) bi§ 511111 3nn unb ben Duellen ber Orau, füblid) bis 51t ben Sararoanfen unb gegen Often bis an bie Seitfia unb bie 91u3läufer ber iKlßen. Oie ^außtftabt I)ie6 91 o reja; man Uermuttjet, bafS fie in ber 9täf)e bon 9teumarft in Oberfteiermarf gelegen geroefen fein mag. 9(ud) 5iir 3eit ber Ütorifer erfd)ienen etmSfifdjc ^mnbelsleute in ben 9(4ientl)ülern unb brad)ten bie @r5eugnif]e i^reS @eroetbe= fleißeS, ilBaffen, ©erättje, ©efäße unb Sd)muüfad)en l)erbei: Oold)e unb Sdjroerter, ifianger unb feinte, 9Jteffer unb Sigeln aus 29ron5e, ©ürtel unb Sfmngen, tftinge unb ©eroanbnabeln (Bibeln) aus $ron5e ober (Selb. Oie ipanbler nahmen bafür Ütaturptobucte in (šmfifang. 911S bann bie (štruSfer gan5 im römifc|e-n 9teid)e auf= gegangen roaren, führten römifd)e Saufleute bie ^nbuftrießrobucte Italiens ben 9torifern 5U; fie famen größtenteils über ülquileja, baS feit 183 bor 6f)rifti ©eburt im Sefitje ber iltömer roar, in bie 01)äler ber Üllßen. Oie 9torifer befd)äftigten fid) 5roar bor^ugSroeife mit 9tcferbau unb $ie^5ud)t, aber fie betrieben aud) SBergbau unb mandferlei ©eroerbe unb liatten ftäbtifd)e ülnfieblungen. Sa$5 geroannen fie nict)t allein für fid), fonbern fie trieben bomit and) fpanbel. 3n ber ©egenb bau 3fd)l, ^möftatt unb üluffee roo^nte ber teltifdje 3SoIfS= ftamm ber ipalauner, b. I). Sn^männer. Oie 9lorifer geroannen 1 9t. D. tDZ u d) a r, ®ef(^id)te be§ §er3ogtf)um§ Stciermarf, I., 1844. — ff ä nt m e I, ®ie Anfänge beutfdien ßeben§ in Öfterreidb. 9)tit ©fiäien 3111 te!tifdj=römi[d)en SSorgefcbicbte. 1879. — 8 — ferner ff up f er, ®tfen unb ©olb, letztere? nt(t)t aßeiu in ©ruku, fon= bern aud) au§ Qßüffen. ®tefe unb nnbere 9tnturprobuctc tiernrbetieten fie and) felbft; aU§ ©djafroolle tierftanben fic jepn üerfdjiebenc ütrten oon ©toffen 51t bereiten; fie gerbten bie Snntm=, 3iegen=, ffatb=, 9ftc^= unb ©emSfeße. 2lu§ neun feilen ffupfer unb einem Streit 3>nn ftcflten fie bie golbglänjenbe Sronje I;er, bie fie ju Seilen, ffeulcn, ©ictjetn unb ©efäfjen tierarbeiteten. Sietleidjt fanb man baS ffupfer in bem nat;en glatfdjad), tuo bis in nufer Safjrfjunbert ein ffupfer» bergroerf beftanb. ®ic ßlorifer gewannen ©ifen in ,'püttenberg im heutigen ffärnten unb tiielleidjt im ©rjberge in Oberfteier unb tierftan= ben e§, aus biefem SMofie nü|lid)c ©erättje ju tierfertigen. 9.M)rcre alte ©d)riftfteßer rühmen bie Sortrefftidjfcit beS norifd)en ©ifenS unb ber aus bemfeiben Bon norifdjen ©djmieben fiergefteßten Söaffen. ©d)on betior bie ßtömer feften gdiß in ben Slpen gefofst Ratten, begannen bie Dtorifer aud), felbftänbig fOtiinjen ju prägen, bie fie mit römifdjen ©djriftjeidien tierfafjen. SHinjen aus ©über unb fold)e auS ©olb, fogenannte 9tegenbogenfd)üffelc^en, finb nodj 0or= fjanben. ßteidje DZorifer roerben rool)I gern bie foftbaren fremben Sßaffen unb ©erätfie mit itirer gefdjmadtioßen Eusftattung er= roorben tfaben, aber ben meiften genügten bie einljeimifdjen @r= äeugniffe. @S ro erben bat)er mandje ber in Hügelgräbern unb Urnen= felbern aufgefunbenen 3$affen unb ©erätlje fremben, ctruStifdjen, tiielleidjt bie meiften aber ein^eimifdjen UrfprungeS fein. Übrigens finb ülltertfiümer biefer 9Irt bisljer nur an DerlfältniSmäjjig wenig Orten aufgefunben roorben. Sei Diegau fanb man eine SInjafjt Sronjeljelme mit 3nfd)riften, in fflein=@lein Harnifdje nebft ©d)ilb= büdeln, ©djroerter unb ©etuaubnabeln. 3m 3al)re 1851 fanb ein Sauer auf feiner Hutroeibe Ijiuter bem Oorfe ©tretroeg nörblid) tion ber ©tabt 3ubenburg unter einer geringen ©rberpljung ein ißägeld)en auS Sronje, baS fid) unter bem Samen 3ubenburger Sagen int ©rajer SanbeSmufeunt befinbet unb bie Sufmertfamteit üieler ©elepten auf fid) gezogen pt. 9Iuf einer mep-fad) burp= brodjenen Sronjeplatte, bie auf tiier Säbern rul)t, ftefjen Figuren, 1* nu§ Sßronje gegoffen, bie toaf)rfd)einli^ einen geftäug barftelten. Sie mittlere größere $igur l)ält ober bem tpaupte eine ©d)ale; red)t§ unb tintS fteßen nadte Öteiter, Dorn unb rüdtoürtS acßt fdßreitenbe Figuren in friegerifdjer Srad)t. Sron^egegenftünbe, ©ieß= Öfen unb tBron^etlumfren finb ^u Ututtenborf bei ©tain^ gefunben roorben. Sei 9Jtaria=9tnft rourbe ein großes Urnenfelb entbedt, baS mehrere ßunbert Urnen Von verfd)iebener ©röße mit ütrmringen, Bibeln, 9tingen aus Sron^e unb geringe ütefte Von eifernen 9Jleffer= ttingen enthielt. Siefe ffunbgegenftänbe roerben im SanbeSmufeum Joanneum in ©ra§ Verroaßrt. ($S ^eigt fid) an ben feltifd)en 3nbuftriegegenftänben eine eigene gormengebung, bie fid) and) naä) ber Setanntfcßaft mit ben ütömern unb felbft nad) ber Eroberung ber Cftalßenlänber burd) biefe tßeitS nod) erljielt, tßeilS jebod) burd) römifdje Sorbilber umgeftaltet rourbe. Sie Gelten roaren ein fdjmudfroßeS Solf, leid)tbeiveglid)en ©eifteS, tvifSbegierig, nadfaijmungSfüdftig, abhängig Von ftarfen Einbrüden, baßer aufgeblafen int ©iege, Vertagt nad) ber 9iieber= läge. Siefe Eigenfdjaften erflären eS, bafS fie fid) rafd) an bie ßößere Eultur anfdjloffen, roetd)e mit ben 9tömern in ißr ßanb fam. 2. Sie Oiönter. Sie 9t ö m e r ßatten lange 3eit frieblid)e Se^ießungen ^u ben ÜZorifern unterßalten; fie ßaiten ben norifcßen Söllern ein §eer 511 §ilfe gefdjidt, als bie germanifcßen Eimbetn unb Seutonen im Saßre 118 Vor Eßr. ©. in ißrem Sanbe erftßienen. SicfcS §ilf§= ßeer erlitt jroar bei 9toreja eine Dtiebertage, aber bie ©ermanen verließen bod) baS norifiße Sanb. ©fiüter ftellte fitß immer meßt bie Dtotßtoenbigteit ßerauS, bie 2ll))cngebiete bem römifdfen 9teiä)e ein^uVerleiben. SiefeS roar bis ^um Saßre 30 vor Eßr.©. eine ütepublit getoefen, bann rourbe eS ein Äaifertßum. Ser erfte Saifer, OctabianuS fKuguftuS, ber fißon früßer baS Sanb an ber ©nöc unb SDalmatien erobert tjatte, gieng bnran, bic ©renjen be§ üteiii)e§ bi§ an bie $onau borpf Rieben unb b ein gern äg aui| bte sltorifer ju unterroerfen. ©eine ©tiefföljne ®rufu§ unb SiberiuS bollbradjten um ba§ Sa^r 15 Bor ©jr. ©. biefeS SBerf, ba§ of)ne ©d)toicugteit gelang. $on großen Sümpfen jwifdien ben ($inge= bornen unb ben ütömern roirb nicf)t berietet. ®ie gtömer tfieilten baS eroberte ©ebiet, bie öftlict)en 9tlpen= unb bie Sarftlänber, ©übbaiern unb Ungarn, moju fpäter ©ieben= bürgen tarn, in mehrere Sprobinjen. ®a§ ©ebiet ber heutigen ©teier= mart gehörte ju ben ^robin^en Utori cum unb Pannonien. Dtoricum umfafste Ober« unb Dtieberöfterreicf) fiiblicg bon ber SDonau, Salzburg, Samten unb ben größten ütgeil bon ©teiermart; ber öftlidje Streifen biefeS ßanbeS gehörte ju Pannonien, fo baf§ alfo ifkttau längere eine pannonifdje ©tabt mar. Oer Ijöljeren geiftigen Silbung ber SRömer, iljrer träftigen 5lrt ätt roirtfdjaften fügten fid) bie ÜZorifer oljne Sßiberfprud). 3n ber heutigen ©teiermart entroidelten fid) pr 3eit ber gtömer au§ feltifdjen 31nfieblungen brei ©täbte: ©eiej a (Sitli), Hßoetobio (ju §aibin, gegenüber beut heutigen 3ßettau) unb ©olba, and) 81 abium ©olbenfe genannt, ba§ auf bem ©ebiete be§ heutigen OorfeS Sffiagna füböftlid) bon Seibnig lag. @§ gab in ©teiermart felbftberftänblidj fdjon bor ben Htömern ©tragen; bie gtömer ber= befferten fie, fdjufen aber and) neue, üllle iljre gßrobinjen burd)= jogen fie mit bauerfjaften HJtilitarftragen, burd) reelle fie eine fidjere SSerbinbung mit Italien unb ber |)auptftabt Stom Ijerftetlten. Oiefe ©tragen naljmen bon 5t g ui leja ipren 51u§gang unb mün= beten in bic groge Oonauftrage. ©ine ©trape lief bon Saibad), ba§ bamal§ 51emona Ijieg, nad) ©illi. 3Son gier liefen megrere ©tragen au§. ©ine gieng nad) ißettau, unb jmar über ©t. Dltnrein bei ©rlacgftein, ipöltfidiaä), ©tubenitj unb 59[taria=9rteuftift; bon Dßettau füprte fie roeiter über Dtoftgganjcn, ©rogfonntag unb ^riebau nad) ©teinamanger (©abaria) in Ungarn unb münbete piept bei ©arnuntum, ber mäcgtigften römifdjen ©renj« feftungSftafot gegen bte fampfluftigen ©ermnuen, in bie 5Donau= firage ein. (šine jroeite lief norbinartS über ©ternftein, SinbecE, 28eitenftein, Sofc^berg, <5t. Seonljnrb in DJlieSling, SDcuže, ©nl(n= Ijofen bei SBinbifctigra^ nad) fiöttelad) in Samten unb bon ba toeiter nad) $irunum in ber Utalje bon Slagenfurt. $nn ißettau lief ferner eine ©tröffe nad) ©irmiunt, bem heutigen IDtitrotoi^.1 $on ber ©tröffe, bie bon Geleja nad) $irunum führte, 5ineigte eine ©trage ab, roeldje bie $erbinbnng jmifdjen Keleja unb Niobium ©olbenfe Ijerftellte. ©ie lief über ©onobi|, 8o§ni|, $ßinbifd)=ffeiftrig unb nal)in bann bie Stiä)tung gegen UJtarburg, bon ba führte fie über ben ißlatfd) nad) @f)renf)aufen unb enblid) nad) ©olba. @§ ift tein Sroeifel, baf§ and) biefe ©trage ^uletjt in bie groge 3)onau= ftrage einlief, bod) ift itir Sauf nod) nittjt erforfd)t. Ilion $irunum gieng eine ©trage norbroärtS, bie bei @inbb ben Soben ber heutigen ©teiermarf betrat, über Dteumarft in§ DJturttinl gelangte, bie DJtur bei ©t. (Seorgen (Ad Pontem) über= fegte, über ben SßöISljalS unb ba§ 3ßöl§tgal einlief, fid) über DJtöberbrucf, ©t. 3ol)ann aut Zauern unb Zrieben (©abatinca) fortfegte unb enblid) über ben SfSgljrnpafž nad) ObilabiS (2ßel§) gelangte. @§ ift felbftberftünblid), bafS bom 9Jiurtl)ale au§ aud) eine ©trage nad) bem ftart bebölferten Aubabunt (©al^burg) führte. 3)ie römifcgen Serfe()r§linien, roeld)e in ber öftlid)en 9Jtittelfteier= mart bon Sebeutung roaren, finb nod) nid)t bcfannt. 91n biefen ©tragen ftanben ©tationen mit ©aftljöfen, iffoft= fallen unb ©taltungen; eine 91njal)l bon gfferben, Od)fen unb @feln fotoie 2Bügen ftanben gier bereit; fie bienten pnüdjft nur ben ©taatsbeamten unb bem Dtilitär, bod) erl)ielten aud) ißribat= berfoncn bon ben ©tattl)altern bie (Srlaubnia, bie ©taatsgoft ^u benugen. Dlud) 9JZeilenfteine roaren §agireid) borl)anben, runbe, meift fd)mudlofe ©äulen, tneld)e genau bie (Sntfernung bon einer ©tation 5ur anbern angaben. 1 SDieS unb ba§ Qolgenbe nad) geris gorfdjungen ($orläufige 9)tit= tbeilungen über baS römi|d)e Etrafeenroeien in Unterfieiermart. ölittl). 41). 5£>er ©t| beS Statthalters bon 9toncum, ber ben Zitet tprocurator führte, roar lange 3eit6eleja, roührenb in Sßoetobio eine Segion ftationiert roar, roelcher ber ©diuh ber ißrobinj anber= traut roar.1 9118 aber in ber ^rociten -fpiilfte beS §roeiten 3ahr= hunberts bie SDonaugren^e bon ben 9Jtartomannen unb Cmaben oft bebrängt roar, tourbe eine Segion nai) bem Orte Sauriacmn bei Sorct) in ber 9tähe beS heutigen @nnS in Oberöfterreich bertegt, unb ber 39efehl§haber biefer Segion rourbe Statthalter ber ifkobinj Dtoricum. (šin^etne 5Eheile biefer Segion rourben in jöt)en ber ©ebirgc unb in ben abgelegenen SEfjälern erhielten fiit) feltifd)e ©prad)e, Sitten unb (SigenSümliSteiten. $‘en ©täbten, benen eine tierl)ültnigmägig roeitgefjenbe ©elbft= verroaltung jugeftanben mürbe, mar bag roeite anliegeube Sanb jur $ermaltung jugemiefen. 3n iljnen entftanben ftattlidje ©ebüube für bie 5Bel)örben, Tempel, X^eater, Silber unb ©anale, ©o feft biefe Sauten auS fein mod)ten, fie ftnb bod) Dom ©rbboben ber= fSmunben, unb nur fümmerliSc iRefte finb f)ie unb ba jum Sorfd)ein gefommen. Sauernb erhalten Ijaben fid) bie römifSen ©anale in ©ilti, roo ber ^auptcanal noS ^eute benütU roirb. ©ine Jßafferleitung führte alg gemauerter, unterirbifdfer ©anal Dom Dftabljange beS $ad)er naS bent römifSen sfßoetotiio. ®enf= miiler, berfSiebenen Saifern unb ©tattfialtern errid)tet, unb ©rab= mčtler finb häufig gefunben worben. Stele bon ben in ber Untge= bung bon äeibnitj gefnnbenen ®enfmälern finben fic^ im ©cfjloffe ©eggan bereinigt. 3n ben glurcn ber SDbrfer Cber= unb Unter= Ija ib in t)at gerf Ausgrabungen borgenommen, bie feit 1891 bom Antifcncabinet beg fteiermnrfi)ct)en ßanbegmnfenmS „Joanneum" in ©raj unter Oberleitung be§ ifkofefforS ©urlitt fortgefetst würben. 1 Oie (Srabmöler finb gcmöljnticl) ©teinblatten mit 0rna= menten, ©ötter=, sDlenfd)en= unb Offiergcftalten in Ütelief unb mit 2mfTriften. Oiefe befagen, wer baS Oenfmal fe|te ober gefetjt erhielt. v 3m berfd)iebenen Ofieileu beS SanbeS finbet man an Äirdjen marmorene römifdje Oenfmäler angebradjt. Htnrmorbrüdje, wcldje bie ©teine für biefe Oentmäler lieferten, finb in ©teier= marf an berfdjiebenen Orten gefunben worben, fo nörblid) non SBeitenftein, bei 21Mnbifd)=§eiftri| unb auf bem Saiijer. Sou anberen ©teinbrüdjen finb bie p Aflenj bei Seibnitj, weldje nod) im Setrieb finb, bie bebcutenbften gcwefen. (Serätl)fd)aften für ben täglichen (Sebraud) unb ©djmucffadjen, bie man ber @rbe wieber abgewonnen ^at, finb woljl and) außer Sanb gebraut worben, aber feljr biele finb je|t in unferen 9Jtufeen gefammelt, im Antifeucabinete in ©raj, int ftäbtifdjeu ff-ert=9Jiufctiin in i^ettau unb int Gillier ©tabtmufeum. ®a fie^t man §ibeln, 01)r= unb Fingerringe, Armbänber, Aabeln aus ©olb unb ©über, ©djalen unb Flaf^en aus ©las, ßantpen aus gutgebranntem 01)on unb in ber Fom non ©djiffc^en, enblid) Stünjen in großer 3a^- Oie Selten tonnten ungeftört ißren ©ottljeiten ßulbigen, beim bie Dtömer jwangen feinem Solfe ißre Aeligion auf. Aeben ben ©öttern ber Selten würben allenthalben bie römifcljen tierehrt, ja felbft orientalifdje, ägt)))tifche unb fhrifche ©otf[)eiten hatten in 1 2 1 Sie in ben letjten Sauren in unb bei Adtou äutage geförberten Ato= nmnente betreibt ©urlitt in ben ülrcbäDlogifib-ebigrapf)i)tf|en Aiiitfieilungen au§ Dfterreid)=ttngarn, 19. Safirgang, 1896. 2 Sr. g. Sßicbler, bie römifcben ©rabitbrifien bc§ norifcb=bammnif(ben ©ebieteš. ffliittfi. 19. ©teiermarf 6ultu§ftätten. 3lm liebftcn üere^rten bie ©olbaten ben perfifäjen Sonnengott 9Jtittjru§, ber an üerfctjiebenen Orten Elitäre t)atte. ©oldje beftanben unter anberen auf beut Oonatiberge bei 9tot)itfti), bei 9Jtaria=9taft unb bei Ötobritfd) in ber iJtütje non Söbel im öfttictien Zweite be§ Sßadjer. Oie leitete GultuSftätte entbecfte 3ßrofef]or ^erf, ber bort and) ©rabungen Oorna^m, wobei 3nfd)riftfteine, ütotiOgegenftanbe unb ein 9tetief gefunben würben, ba§ ben ©ott 90titfira§ barftettt. 5lud) ba§ ßtjriftenttjum fanb in ©teiermart halb Stnfiänger. 2öer bie Sehren ©tjrifti ^ier juerft tierfünbet, wer bie erften c^rift= tiäjen ©emeinben gegrünbet tjat, weift man nid)t. 9U§ im Satire 803 ber römifdje Äaifer Oiodetian eine allgemeine S^riftenOerfolgung anorbnete, erlitt ber 93ifd)of Sictorin Don ißettau ben ötartertob. ©piiter war ©eleja ein 9Mfd)offig, ber watirf(|einüd) bem iftatrU ardjen Don 91quiteja untergeorbnet war. 6§ fdjeint, baf§ 9ioricum im fünften ^a^rbunbert eine auSgebilbete tirdjlidje Organifation batte unb bafs ()etbnifd)e 91nfd)auungen nur nod) int Verborgenen weiter lebten. (Evjler Jeifraum. ©teiermart Bon ber Sölfertoanberung 6i§ jum Seginn ber tgerrjcbaft ber Habsburger. I. (Mcrntnncn unb ©laben. ©eit Sabrbunberten wohnten in bem weiten ©ebiete jwifeben 9tbein, 9torb= unb Oftfee, SBeidffel unb Oonau, fowie ber ffanbi= naDifdjen öalbinfel ftreitbare Völter, welche einanber enge Derwanbt waren unb Don ben Selten unb nadjber Don ben 9tömern ©er= manen genannt würben. Seber Stamm lebte für fid) unb ftanb mit ben Dtacbbarn oft in Stieg; manche Stämme gehorchten Sättigen, anbere wählten nur in SriegS^eiten einen Heerführer ober HerJ°9- ®'e 9tömer Derfud)ten jwar, biefe tapferen Völfer n p unterwerfen, aber bieg gelang nie£)t; bielmeljr begannen bie ©ermanen jnr 3eit beg römifdjen Saiferg SJtarcug ülureliug (161—180) bag römifdje 9teič) anjugreifen: bie -Diorfomannen, bie etwa üon ifJaffau big jur DKarct) ^in wohnten, unb itjre öftlidjen 9tad)bnrn, bie Quaben, brangen über bie ®onau, jagen burct) Dloricum unb bebroljten fogar 31guileja. 91ur mit SDtülfe gelang eg ben Dtömern, bie geinbe über bie $onau äurüdjubrängen. Dtact) unb nad) tierbanben fid) bie Heineren germanifdjen SSölferftämme ju größeren SSöltern. 211g foldje erfdjeinen bie grauten, bie ©adjfen, bie 2tlamannen ober ©weben (©djroaben) unb an ber unteren SDnnau unb am ©diwarjen SWeere bie © o 11) e n, bie fid) in O ft= g o 11) e n unb $ß e ft g o 11) e n feilten. 211g um bag $al)r 375 ein toilber afiatifd)er Sßoltgftamm, bie Ipunnen, bom Ural l)er in (Suropa erfd)ien unb bie )unäd)ft wol)nenben Oftgottjen bcfiegte, entftanb unter ben germanifdfen SSöltern eine langbauernbe Bewegung, weldfe $ölferwanbe= rung genannt wirb. 2tud) 9toricum würbe bon ipr berührt. $urd) bie ©otpen gieng um 380 and) ißoetobio jugrunbe. ®ag römifdje Dleid) war bautalg in bag oft= unb weftrömifdie geteilt; feineg biefer üteidje tonnte fid) bor ben anbringenben Barbaren fd)ü^en. ®ie langwierigen Sümpfe jwifdjen ben '.Römern unb ben ©ermanen fallen l)ier nicpt erjüplt werben. SDie Saifer napmen felbft ©ermanen in ipr -Öeer auf, beim biefe waren treu unb tapfer, ©in güprer folget germanifiper ©olbtruppen im ®ienfte ber weftrömifd)en S'aifer, Cbobafar, fließ im Sapre 476 ben S'aifer iRomulug 21uguftulug bom $pron unb regierte in Italien alg Sönig ber ©ermanen. $ag mar bag ©nbe beg weftrömifcpen IReicpeg. Obobatar beperrfcpte and) 9toricum, füprte aber, wie eg peißt, ben größten Speit ber bort anfaffigen romanifdfen Bebölferung nad) Italien, ©g werben jwar biele romanifcpe Bauern, jpanb= Werfer unb .fianbelgleute, melcpe ipr einft einträglidjeg ©efcpäft nid)t aufgeben, bie ipnen liebgeworbene, fo lange Sapre gepflegte ©cfyotle ni(^t Derlaffen wollten, im Sanbe geblieben fein, aber Noricum, ba§ ja and) burd) Kriege Oiel gelitten fiatte, fnnn gemifS nur bitnn beOöltert geroefen fein. $iefe traurigen ^nftänbe bauerten nod) lange fort. 311§ im f^aljre 568 baS germanifdje SSolf ber Sangobarben, baS in ißannonien anfäffig geworben war, biefeS Sanb oerließ unb nad) Italien jog, rüdte ba§ $olt ber s2Itiaren in ißannonien ein. Unb mit iljnen fam ba§ flabifd)e $ol£ ber $ßinben ober ©lotienen. ©ie brangen im @atie=, S)rau= unb Üturtlfalc bor unb gelangten nbrblid) nad) unb nad) bi§ an bie Sonau unb weftlic^ in ba§ Sßufterttjal Tirols. ®ie ©täbte Seleja unb glaüium ©olbenfe fanben burd) fie i^ren Untergang. ®a§ weite SUbengebiet, in beut fie ifjre Ütnfieblungen grünbeten, erhielt ben 9tamen Kar antanten unb fie felbft nannte man taran= tanifctie ©laben. Siele Mtifdje unb römifc^e Sejeidjnungen ber Serge, f^lüffe unb Orte würben flabifiert, anbere berfd)Wanbert wieber ganj unb mad)ten flobenifdjen Diamen 5ßla|. Die ©lobenen waren bantalS nod) fein einheitliches Solf, fonbern beftanben aus berfdjiebcnen ©tämmen: an ber Stur unb in Oberfarnten ließen fid) bie Duljeben, weftlid) bon Seibni^ wahrfäjeinlid) bie ©ufeler, in Oberfteiermarf (Shorbaten, in Oberöfterreid) ©toboraner nieber. Die ©laben werben als ein friebliebenbeS, gutmütl)ige3 Solf gefd)ilbert. ißribateigentfium fannten fie anfangs nid)t; nur bie gamilie befaß ©runbbefiß, ber gemeinfam bearbeitet würbe. IDtehrere Familien bilbeten eine ©ibpe mit einem ©taroften an ber ©bitte, mehrere ©ibbeu einen ©tamm ober eine Župe, bie ber Župan leitete. 3n allen Župen gab eS SBarten unb Serfd)an= jungen, in benen baS Solf in KriegSjeiten 3uflud)t fuchte. (šine UBarte l)ieß ©traže, eine Serfchanjung ®rab. ©ie waren Reiben; als höcpften ®ott bereljrten fie ben ©ba= rogu, unter beut fie ben Fimmel berftanben; als Urheber beS Donners hieß er fernen, ©ie berel)rten auch ©öttinnen unb böfe (Gottheiten, bon benen -Dtorana, bie ®öttin beS üöinterS ober beS 1 1 firef, ©inleitung in bie ftabifdie Siteraturgefd^iibte. 2. ?tuf(. ©rajl887. 13 — SEobeS, bie luičjtigfte mar. fiebere ©ottf)eiten roaren bie $tlen unb ütuffalfen, bic ©öttinen ber glüffe, SBälber unb Serge. 2)ie ©laben glaubten an bie Unfterblicljfeit ber ©eele; bie guten ge= langten in baS 3ßarabie§, ba§ raj l)ieg, bie Söfen an einen Ort, ber pikle genannt mürbe, mag etroa Ort beg ^euerg bebeutet. 31)re norbroeftlidjen ©renpmd/bnrn mar bag beutfdje Soll ber 23ajubaren ober 23aiern, roat)rfd)einlid) 9tad)fommen ber alten 9Jtarfomannen. Oie 23aiern root)nten etroa feit bem 3'al)re 500 im Oonaugebiete öftlid) bom Sed), breiteten fid) nad) unb nad) öftlid) bis §ur @nng aug unb brangen and) in bie 2tlpent^äler ein. ©ie ftanbcn unter .Sper^ogcn, roeldje jebod) jeitroeilig ben Königen ber graulen im heutigen granfreid) unb am Dtfyein untertänig roaren. 21ud) fie toaren Reiben, big im 3al)re 690 ber 23ifd)of ütupert bon 2Bormg ^u il)nen fam unb bag 6^riften= tum prebigte. 2(uf bem Soben ber alten ©tabt gubabum, bie faft gan; in Orümmern lag unb nur roenig Seroolpicr fjatte, erbauten feine Segleiter unb bic fpärlid)en alten Setoot)ner eine Sirdje unb ^roei Slöfter, eineg für Siänner unb eineg für grauen. Um biefe ^ird)e unb biefe ülöfter l)erum entftanb bie ©tabt Salzburg, ülnbere Säffionüre boHenbeten bie Gljriftianifierung ber Saiern, unb ber ^eil. Sonifaciug erI)ob ©aljburg 31t einem Sigtume. Son ben ©al^burger Sifdjöfen unb bem fperjoge bon Saiern Oaffilo gieng and) bie Seleljrung ber Ä'arantanen aug. Oiefe toaren anfangg Untertanen ber 21baren in ißonnonien geroefen, Ijatten eg aber berftanben, fid) unabhängig 311 madjen unb ftanben unter ^er^ogen. 911g fid) jebod) bie 21baren bie ©lobenen roieber bienftbar 31t madjen berfudjten, roanbte fid) il)r fjter^og Sorutt) an ben bairifdjen ^er^og Oaffilo um ipitfe unb berfprad), fid) il)m 311 untertoerfen. Oiefe Serbinbung mit Saiern mad)te bie Starantanen bem 6f)tiftentum geneigt; ber Sifä)of Sirgiliug bon ©a^burg fd)idte Shffionüre in il)r ßanb, roeldje prebigten, tauften unb ä’irdjen errichteten. 3uglei(h tourben bie filbfter gnnid)en unb ÄrcmSmünfter gegrünbet, rocM)e gleichfalls für bie ^Belehrung ber Slotienen tlfätig waren. ®a iper^og SEafftlo von ben Uranien unabhängig werben wollte, Oerßanb er fid) mit bem SBolte ber Ülvaren gegen bie fjranfen. 51 ber biefe hntkn bamals einen gewaltigen §errfd)er, Sari ben ©rojjen, ber ben ,§eqog abfe|te unb Saiern mit bem fränfifdjen ilteiche Vereinigte. Darauf nahm er ben Sampf mit ben 9tbaren auf. 'JJtehrmalS jogen frünfifche §eere gegen fie unb befiegten fie; ja bie fronten brangen fogar bis jur $he'B vor. Um baS 3ahr 800 waren bie Dinaren faft vernidjtet ober gebemüthigt unb ein Dheil ihres (Gebietes würbe bem fränfifchen üteidje einverleibt. 3u9le'^ würben aber auch bie Sarantanen Llnterthanen beS mächtigen SönigS ber grauten. Sari ber ©rojje theilte baS ganje füböftliche ©renjgebiet feines lüeicheS, Von ber Donau bis ans UJieer, in jwei große @ren^ver= waltungSgebicte ober DJtarfen, bie Von DJtarlgrafen Verwaltet würben; bie [übliche war bie DJČart $riaul, ju ber auä) Sftrien unb baS ©ebiet ber ©lovenen bis jur Drau gehörte, bie nörblid)e war bie Oftmarl Von ber Drau bis jur Donau. Die DJtarf Von ffriaul würbe aber halb get()eilt unb baS Sanb Sarantanien mit 33aiern verbunben, baS ber 9?achfolcjer Saris beS ©roßen, Subwig ber fromme, 817 feinem Sohn Subwig bem Deutfdjen juwieS. Die ^Belehrung ber noch hcibttifd)en ^Bewohner biefer ©renj= länber fegten ber 58ifd)of unb fpätere @r§bifd)of 51 r n o von ©alj* bürg, ber SBifcgof Von 5ßaffau unb ber 9ßatriarcb von 5tquileja fort, ©inen Streit jwifd)en Salzburg unb 5(quileja bezüglich ber ©renjen ihrer Diöcefen fchlichtete noch Sari ber ©rojje im Sagte 811 baburd), bafS er bie Drau als ©renje beiber Diöcefen feftfegte. Sarantanien mar infolge vieler Stiege unb 51ufftänbe gewifs nicht biegt von Stäben bewohnt. Die jpogen unb 51bl)ünge ber ©ebirge waren noch mit Urwalb bebedt, bie 9?ieberungen an ben fflüffen waren nod) öielfad) Sümpfe. 51UeS unbebaute unb hetren= leje Santo gehörte nact) her toamaligen 9ted|tSanf(|auung toem Könige.1 ®iefer fdjenfte Steile toabon an Strd)cn, Älbfter ober einzelne 9(belige, imb groar entroetoer al§ bollcg @igent()um ober and) als Selben, gab aber feinen Untertunnelt and) toie (Erlaubnis, otjne feine auStortid= lid)e ©cne^mignng bon berlaffenen ©ebieten 33efüt ergreifen. (Se= fdjenft würbe nad) SbnigS^uben (SbnigSmanfen). ®er 39efd)entte mnfSte bie 9tuSmeffung beS 39obenS felbft bornetjmen unb tonnte, wenn er bie 3nI)t ber in ber ©djentungSurfunbe beftimmten 3nf)l ber gilben in ber be^eic^neten ©egenb nid)t auSfinbig ju madjen imftnnbe mar, fie in einer anberen ©egenb berbotlftänbigen. 9Jtan meint, bafS eine Ä'bnigS^ube etwa 48 ipeftar betragen tjnbe. ©e= fe£)enft mürben ^mei, groan^ig, aber and) fünfzig unb ^unbert föniglidje Öianfen, alfo große ©ebicte. Offenbar waren bie erften bcutfdjen 9tnfiebler meift ©roßgrunbbefißer, bie über biele 9trbeitS= fräfte geboten unb benen eS wenig ©orge mad)te, bafS bie er= morbenen Sanbftreden längere 3e't feine Diente ab warfen, ©ie übernahmen bie bereits anfaffigen ©laben als .Spörige unb fh^idten it)re Seute, fpimge unß (geloben, meldje an fixeren ©teilen $lod= häufer errichteten unb ben SSoben jti bebauen begannen. Sei ber ©ä)Wierigfeit ber Urbarmachung gieng bie Sefieblung nur langfam bor fid), aber nach nncf) fiel manches ©tüd ber Döälber, mancher ©umbf würbe troden gelegt, Dktfdjan^ungen als 3uflud)t5= orte, (Sbelhöfe, burd) SBaö, ©raben unb einen hölzernen DBartthurm gefd)ü|t, mürben erbaut, Sürchen erhoben fich- Oiefe Dlnfiebler tauten größtentheilS aus bem benachbarten Saiern. 3ueeft würbe baS ©e= bict längs ber Oonatt um baS Sulnerfelb, bie norbweftlid)en 9tb= hänge beS Semmering, baS ^lügettanb in ber heutigen öftlid)en ©teiermart unb int weftlichen Ungarn unb bie ©bene um Älagenfurt befiebelt. 3n ber norböftlichen ©teiermart, um ^artberg, an ber Saf= ni|, p Dieftelbaä) öftlid) tion ©ra^ hotte ba§ ©r^bisthum ©aljburg großen $efiß erworben unb begann bort zahlreiche ftirdjen zu erbauen. i ©traiof^ = ©raf§mann, @efcf|itf)te ber ®eutf(ben irt Öfterreidj: Ungarn, I., Dßien 1895. 2Biele biefer 9tnfieblungen giengen roieber jugrunbe, al§ fid) an ber 2()eip unb ®onau cin neue§, roilbeS $otl, bie 911 n g t) a r e n ober Ungarn, nieberließ unb burč) feine gtaub^üge Italien, bem roeft= unb oftfriinfifcfjen 9ieid)e unb befonberS bem heutigen $aiern mit ber Oftmarf unb Sarantanien furd)t6ar unb gefüfjrüd) mürbe. 3n berfelben im Satire 911, ftarb im oftfränfif^en 3icii|e ba§ Vtegenten^auS ber Karolinger au§, unb bei ben beuifd)en (Stammen, roeläie ba§ oftfränlifdie üteid) au§mad)ten, geroannen in biefer 3eü b61 9ioti) einzelne reidje unb angefe^ene 9Jiänner bie iperjogSmürbe. 5Dod) füllten fiel) biefe Stämme fdjon fo pfammen= geljörig, bafS fie fid), roenn and) nid)t immer alle, ein gemeinfameS Ober!)äugt, einen König mahlten, ffür biefeS 2Baf)lfönigreid) tarn nun ber 9tame „3)eutfä)e§ 9teid)" auf. @rft bem brüten 2Baf)tfönig, Otto L, gelang e§, ben Ungarn, bie im Sa^re 955 bi§ 91ug§burg in ©djroaben norgebrungen roaren, eine fo entfdieibenbe 9Ueberlage bei^ubringen, baf§ fie leine @in= fälle in ba§ Dteid) me^r roagten unb fid) nad) unb nad) an eine fefšlinfte ßebenäroeife geroö^nten. SDamit mürben aud) bie $etl)ält= niffe in ber Oftmart unb in Karantanien einigermaßen fixerer. Oie beutfdjen Könige ließen fid) ben ©d)uß ber ©rennen gegen bie räuberifäien Ungarn befonberS angelegen fein. Oie Oftmarf, bamals ein ©tüd be§ heutigen Dtieberöfterreid), baS tiberfc^roemmt roorben mar, mürbe roiebertjergeftellt unb im Sa^re 976 bem ©efd)led)te ber SBabenberger im ^ranfenlanbe übergeben. 91ud) in ber Ifeutigen ©teiermarf, an ber 91tur, mürbe ein 9Jlartgraf als £>üter ber 9Rarf ober ©ren^e eingefeßt; er ßieß 99t a r 1 m a r t. Oie $i5= tfjümer, Klöfter unb abeligen öerren, roeldfe ißre Sßefißungen uer= loren ßatten, naßmen fie roieber in Dlnfgrud) unb erroarben burd) ©djenfung ober SBeleßnung bon ©eite ber Könige neue, geroößnlicß unbebaute Sanbftreden, in benen fie mit öilfe beutfeßer Säuern neue 91nficblungen grünbeten. 2Bie früßer roaren aueß jeßt bie 9teiiiß§lanbe, bie in 99tarfen ausliefen, ber Soben, mo 9tußm, Güßre unb reießer ©üterbefiß er= worben werben formte. „SEßir finben ba^er nic£)t bloR bie öftere reit^tfcfje fötarf, fonbern and) tonten unb BefonberS beffen ©ren^= gebiete gegen Often unb ©üboften burcf) bie 9tamen einer großen 3aßl Don Familien be§ bairifcßen unb fränfifdjen ^ocßabelS be= lebt, biefe felbft non ber oberen 90tur bi§ tief und) ,9min ßinein begütert, begütert au§ ben üteid)§bomänen, weldje bie Saifer an fie Oergabten, unb biefe ©djenfungen ßatten nid)t allein ben ©inn, beutfdje Kolonifation 51t förbern, fonbern and) bie friegerifdjen $er= bienfte 511 belohnen." 1 3n bem gebirgigen Cberlanbe mufS man fidi bie flatiifdje ffieoölferung nur bünn gefüet benfen, fo bafS bort genug 9taum für beutfdje ülnfiebler war. ©0 füllten fid) nacß unb nad) früher unbewohnte ©ebirg§tl)äter mit ©ef)öften. ülber and) in ben ftaOifd)en Crtfdjaften ber breiteren SEhafungen unb in ihrer 9tühe ließen fid) Seutfcße nieber; in foldjen Orten würbe bie beutfdje Diationaütat bie überwiegenbe, fie nahm bie flaoifdje in fid) auf ober brängte fie äurüd, beim bie ©lobenen erhielten feinen 9taä)= fihub. Oßne Sweifel mar bie Sage ber beutfdien Sebölfetung, bie mit ben neuen ©runblferren in baS Sanb fam, eine günftigere al§ bie ber ffotienifihen Sanbešbemohner, bie Dielfad) al§ Seibeigene behanbelt würben. Oie beutfd)en Semohner bet ©teiermarf finb bemnach bairifd)er 9(bftammung. |)ier mag man bie f^rage aufmerfen: was ift übrig geblieben au§ ber feltifd)=rönüfd)en 3eit, Wa§ au§ ber 3cit, ba and) Ober= unb ötittelfteiermarf flabifd) mar? 91u§ ber feltifd)=römifd)en 3e'i ^ai mannigfache Erinnerungen bewahrt unb fwrouSgegeben, bie jeßt ^umeift in nuferen DJtufeen gefammelt finb. ©onft ha&en fid) auch Manien tion Orten, bie ^erftort mürben, aber nachher mieber erftanben, er= halten, wie Eilli unb Sßettau; and) bie 9tamen ber ^auptflüffe be§ fianbeS, ber Oran, 9)tur, ütaab unb @nn§ gehen auf bie feltifch= 1 $. ö. Saljn, gefifcbrift 3ur (Erinnerung an bie @rf)e6ung ber @teier= motf gum ^erjogtfjume. ©rag 1880, @. 8. (Dlaijer, ®efügel, ifMcfd) Don pleš faßt, Semmering üon smrk gicßte, ©djödel Don sokol $alfe, ©tarißen Don stari alt, ©tober Don stodor Mt, unroirtlid) ab. Unh and) Ortsnamen ßaben iß re flaDifcße Benennung beibeßalten. Sn ©djlahming liegt ba§ flabifcße slap Strömung, in Siegen, ba§ früßer Suogen ßieß, luh, h. i. feucßte 9(u, in 9tfteng jablo 91pfei, in Hrieben drevo ,f)olg, in ©edau ha§ SBort sekati, h. i. rohen, in Sßeggnu peka ^elSroanh, in Seoben, haS urtunhlicß Siubona ober Sinbina lautet, haS SBort ljub, h. i. lieb. Hie Stauten ©rag unh ©ratroein ftammen Don hem flaoifcßen grad 39urg; als fid) SBai'ern in ©rag neben ben ©loOenen anfiebelten, beßielten fie hen flaDifdjen Ort§= namen bei unh nannten hen Ort 93airifiß = ©ra| ober ©räß.1 ©o roaren alfo infolge her Slölferroanberung hie alten 93e= tDoßner, Selten unh ütömer, aus hem Sanhe oerfßrounben, unh groci neue $ölter, ©loDenen unh 93aiern, ßatten 93eft| üon hen öftlißen Sllpenlänhern genommen. 1 g. ti. ßrnneS, 3ur ÖSe^iibte ber älteften, insbefonbere beutftifjcn 9tn= fieblung be§ fteiermärfifcben DberlanbeS. IDIittb. 27. — g. o. ßrone§, ®ie beutfibe SSefieblung ber bftlidjen llpenlänber, Stuttgart 1889. — fironeS, '^anbbucb ber ©efcbiibte ÖfterreidjS, I., $erlin 1876. II. QmfjMjmtti ber Sfebrmatb.1 L Kärnten mtb bic Sörntucr 3JZnrf. St'arantanicn ober Stärnten roar nucf) in biefen 3eiten größten« tbeilS mit SBaiern bereinigt, tourbe jebnct) um ba§ 3aßr 1000 bon biefem getrennt unb erhielt einen eigenen ^)er^og. (S§ ronr aber and) für ficß ein feljr großes ©einet, benn e§ umfafSte auf ßeute öfterreicßifcßcm Soben and) ©teiermarf, ßrain unb Jjftrien, ent= fprad) alfo bem, toa§ man fßüter 3nneröfterreii| nannte. S93ie bie übrigen ßünber beS früntifdjen ilteidjeg, tourbe aud) Sarantanien in ©raffcßaften getßeitt, bie bon ©rafen bemaltet mürben. 9tuf bem Soben ber heutigen ©teiermart beftanben, roie mir auS Urtunben ffiüterer 3e't crfeßen, folgenbe ©raffctjaften: Sie im ©nnStßal mit bem üßaltengau; fic tourbe bom 9teid)e bem ©r^biStfjum ©al^burg berließeu unb bon biefem toeiterbergabt; bic atteften Pfarren biefeS ©ebieteS toaren §au§ unb ülbmont; bie ©raffdjaft Unb rima ober 3n gering, b. i. baS ©ebiet beS 3ngeringbad)e§ unb ber Sanbftrid) ^toifäjen Subenbnrg unb Snittel« felb mit ben älteften Pfarren §u goßnSborf unb tpöIS; bie @raf= fäjaft S e o b e n fübtoürtS bis in bie ©egenb bon Stijmiß mit ben atteften Ußfatren ©t. Stidjael an ber Sicfing unb ©t. 9tupred)t bei Srud; bie ©raffdjaft Sttir^t^al mit Sflen^, ©t. ßoren^en unb Stür^ufdjlag; bic ©raffdjaft §engift, ber fid) ettoa bon ©öfting bis §n ben SBinbifößbüßeln ^nifdjen Stur unb ®rau erftredte; in ißr lagen bic |)engiftburg (toaßtfdjeinlid) Sffiilbon), ©raä, ©traßgang, ^engftberg, Siki; unb ^artberg; bie ©raffdjaft beS © r en; g eb i e t e S ober bie Start an ber ®rau; fie tourbe im SolfSmunbe getoöfmlitl) „Start" genannt unb enthielt außer ber Startburg (Starburg) Sßettau, ©onobiß unb ßabamünb; 1 ti. Satin, $ßann Stciermart entftanb. 3n „@tt)riaca. @ebruite§ unb UngebmctteS jur fteiermärfifdien @ej(bi(bte unb Kulturgefibic^te". 2 Sänbe. @ra3 1894, 1896. I„ S. 1—16. — S. ». ßro ne§ = »t ar1 anb , $er= faffung unb $ertoattung tion Steiennart. I. ©rng 1897. bie ©raffdjnft an ber ©ann, geitroeiüg and) 9Jiarf genannt, mit Oberburg, ©ačjfenfetb unb SLiiffer. Oa§ ©ebiet an bem 9Jtittettaufe ber DJtur ^roifdjen 9Jti$ni| unb ber 5£f)alenge bon ©öfting, ba§ feiner ©raffd)aft guget^eilt erfdjeint unb ben Eingriffen ber ftet§ feinblidjen Ungarn am meiften au§gefe|t fä)ien, rourbe, roie in 9Iieberöfterreid) ba§ ©ebiet öfttiä) Don ber @nn§, einer 9)tarf eingeridjtet, roeld)e Saran= tanifd)e ober ßärntner 99tarf genannt roirb. Unter einer 9Jtarf berftanb man ein ©ren^gebiet, ba§ einem 9Jtarfgrafen unterftettt mar, bem and) eine ober mehrere ©raf= fdmften Derlie^en rourben, fo baf§ er als §üter ber ©ren^e eine größere ©eroalt ^atte als ein geroötfnlidier ©raf. fötit ber SMrntner 9Jtarf mar immer bie ©raffdjaft im ^jengiftgau Derbunben, beffen 9lame ba^er halb Derfäjtoanb. 2, 9Jiar!grafen auž t)crf($icbcnen Käufern. 5)ie 9tad)rid)ten, bie mir au§ biefer 3eit über bie ©ebiete ^aben, roeldje tjeute ©teiermarf auSmadjen, finb bürftig unb un= fidjer, fo baf§ bie Oarfteller ber ©efd)id)te biefer 3eit in ifiren 9Infd)auungen Don einanber abmeidjen. Um 970 Derroattete, mie mir fd)on roiffen, bie Kärntner 9)tarf ber 9)?arfgraf 9)tarfmart, beffen ißater ©üter an ber oberen 9Jtur erhalten fiatte, mo bie tßurg @f)f)enftein erbaut rourbe. Oatfer nennt man feine 9Iad)fommen, bie nidjt allein in ber 9Jfarf, fonbern aud) in ben oberfteirifdjen ©raffdjaften einen ungeroö^nlid) großen 39efiß fjatten, bie @f)f)enfteinrr. fDiarfmart Dermaltete aud) ben §engiftgau. ©ein 9lad)foIger in ber 9Jtarf unb im ipen= giftgau rourbe fein ©olfn Etbalbero, ber Dom ©rjftifte ©algburg aud) mit ber ©raffdiaft im @nnStt)ot belehnt erfdjeint unb auch bie ©raffdjaft ^ngering Derroaltete. 3m 3al)re 1012 rourbe er überbieS aud) §eräog bon Kärnten. 5Dod) im 3a^re 1035 fiel er bei bem beutfdjen Kaifer Konrab II. aus unbefannter Urfadje in Ungnabe unb tierlor ba§ jper^ogtfium unb bte 2)iarf, befielt aber o^nc 3roeifeI fe'ne @igengüter. Die SJiarf roitrbe nun bon bent £)erjogtfjume getrennt unb tiom Staifer bem ©rafen 9trnotb bon Sambact) in Dberöfterreid) übertragen. tKrnotb ließ roafyrfdjeinliä) mit 3uftimbiung be§ %aifer§ feinen ©otjn ©attfrieb an ben 35erroaltungggefii£)äften t()eilne^men, ber ba^er and) ÜJtarfgraf genannt roirb. @r roar and) ©raf im ©nnStfiat. SDa fomit bie ‘Dtarfgrafen and) mit ©raffdjaften im heutigen Oberfteier au§= geftattet rourben, fo fieng man an, aud) biefeS als jur ÜJtart gehörig git be^eidjnen. ©o lag im 3a^re 1048 iftottenmann in ber 'Jltart ©ottfriebs im ißaltengau. 9Jiartgraf ©attfrieb erroieS fict) als ein tüd)tiger Organifator; er befiebelte bie Sanbfdfaft bon Semmering bis Dteunfirdjen, bie ©ebiete an ber ißinta, Safnitj unb ©afen unb gewann fomit einen Sanbftrid) ber ©ultur, welche ©raffd)aft ober mand)mal felbft DJtart Ritten genannt mürbe. @ben in biefer ©egenb brad)te er ben Ungarn, bie im Salfre 1042 fein ©ebiet überfielen, eine Däeberlage bei, würbe aber 1050 meudjlingS erfdjlagen. @r Unterließ nur eine Sodjter 9Jtatf)übe, meldje feine ©igengüter in ber ©raffd)aft Ritten erbte, ©ein ißater 91rnolb ftarb nad) i[)in im I^aljre 1055; bie meiften feiner 2löobe fielen an feinen $er= Wanbten, ben ©rafen C11ofar im Üraungau, beffen ©iß bie $urg ©teier an ber 9Jtünbung ber ©teier in bie ©nnS war. liefen Sraungauer ernannte ber kaufet §einrid) III. aud) ^um ÜRarfgrafen ber Kärntner DJtart; außerbem mar er and) ©raf in ber ©raffdjaft Ritten. Cttofar bürfte bie 9)Zarf nur oon 1055 bis etwa 1060 öermaltet haben; benn tDtarfmart, ber ©otjn jenes 2Ibalbero oon ©bßenftein, ber 1036 feines ^er^ogiljuinS Kärnten unb ber 9Jtarf entfetjt worben mar, Würbe Oom Saifer .'peinrid) III. in ©naben aufgenommen. $ßat)rfd)einlid) nahm er aud) bie $ermal= tung ber DJtarf, b. i. Dber= unb iölittelfteierS, in Ülnfbrud); jeben= falls faß fid) Cttofar aus ber 9Jtarf Oerbrängt unb auf feine ©raffdjaft im Straungau befdiränft. $ro|bem befielt er ben 9Jiarf= grafentitel bei unb nannte fidf Start graf Don ©teier. (Sr tiatte jraei ©ölfne, Ottorar unb Slbatbero, unb foH öor 1082 geftorben fein. 3m 3>a|re 1076 begann in ®eutfct)tanb ber Snbeftiturftreit, ein fiampf jroifdjen ßaifer unb ißabft, ber ba§ ganje 9teid) in jroei Parteien fbaltete. ipnbft ©reger VII. erneuerte halb nad) feiner 2Ba^l 3um Obertfaupte ber ^ir(|e ba§ Sßerbot ber $ere^e= lidjung ber ißriefter, ba§ fdjroer burdjgefü^rt werben tonnte, unb unterfagte bie Skfetjung geifttidjer hinter burd) welttidje Herren ober bie SnDeftitur mit 9ting unb ©tab, ben Seiten geifttidjer üöürbe. 3m beutfdjen 9teiäje waren bie 2M§t!)ümer unb bie Slöfter burd) bie Saifer mit großem ßanbbefi| unb tierfdjiebenen 9teä)ten au§= geftattet worben, unb $ifd)öfe unb 9tbte tjatten bat)er aud) großen (SinflufS in politifdjen s2tngelegenf)eiten. $a^er mufste ben Saifern baran gelegen fein, an ber ©pifie ber $istt)ümer unb Slbteien Stänner ju fetjen, wetdje itjnen treu unb ergeben waren. (5§ gab unter ben tjofjen ©eifttidjen ®eutfd)lanb§ eine üteifje auSge^eidjneter Stünner, aber e§ gelangten bod) and) nidjt fetten ju ben fiotjen geift= ticken SBürben fotdje, wetdje berfetben unwürbig waren, ©djmeidjter unb ©ünfttinge ber Saifer; ja eS tarn aud) twr, baf§ reietje Stänner einträglid)e ißfrünben mit ©elb erfauften. ©otdje Sifäjöfe unb Ebte erregten burdj itjr unfirä)tid)eS Seben tiielfadje§ Ärgernis ; führten fie bod) lieber ©cfjwert unb ©peer als ben .fbirtenftab, unb bie ßetjre ©^rifti ju berfünben unb auSjutegen war itjnen befdjwertiger, als bie 3agb unb bie politifdjen |)änbel. ©regor VII. berbot alfo aufser ber 3nüeftitur audj bie ©imonie, b. tj. ben $ erlauf firc^lidjer ©teilen, unb berlangte, bafS bie Sifdjöfe unb 9tbte bon ben ®omcapiteIn unb ben ©onbentualen gewäfjlt würben. Inifer ^einridj IV. aber liefj fid) baS Ptedjt ber 3nbeftitur nidjt neljmen, unb fo entftanb ein fjeftiger ©treit. ^einrid) IV. liefj burd) bie ifpn ergebenen 39ifdjöfe 9tbfe|ung beS ißapfteS befdfliepen, unb biefer fprad) über §)einridj bie s2tuS= fcfjüeßung «u§ ber R'irdje au§. Unb nun trat allenthalben große SSerwirtung ein. ®ie bem Äaifer mifSgünftigen dürften rotttjlten einen ©egenlönig, .'peinrid) IV. bagegen [teilte einen ©egenbapft auf, bertrieb, wo er bie IDtadjt hatte, bie bem Sßabfte ©regor ergebenen Rirdjenfürften unb [e^te [eine Anhänger an ihre ©teile. Ser ©rjbifchof © e b h a r b tion Salzburg, ju be[[en ©prengel aud) bie Dltarl gehörte, hielt jum ißabfte unb mufSte baher fein ©rjbigthum tierlaffen; bagegen ftanb ber ^atriard) © i g e 1) a r b tion Dlquileja, §u beffen ®iöce[e bie heutige Unterfteiermart gehörte, auf ber ©eite beS ÄaiferS. SDiefer er!)ob im 3al)re 1076 Suitolb, ben ©ohn beS 6bpen[teiner§ HDZarttoart, juin |)er^og Don Samten unb halb nachher SuitolbS $ ruber Heinrich jum Utarfgrafeu tion Sftrien. lud) in ber Familie ber SLraungauer trat eine ©Haltung ein. ®ie $ rüber D11 o 1 a r unblbalbero gehörten tierfdjiebenen Parteien an: Ottofar, ber im 3ahre 1082 ©raf im 5Eraungau geworben war, trat als ©egner be§ SaiferS auf, Ibalbero bagegen war ein lnl)änger be§ SaiferS unb bemnad) ein ©egner be§ @räbifd)of§ tion ©aljburg. Diefer Ibalbero, ber Utarlgraf ber Särntner Dltart unb aud) ©raf im ©nnggau war, geriet!) mit feinem 23ruber Ottofar in Stieg unb foK im Sahre 1088 erfd)lagen Worben fein. Oer genauere 3n[ammenhang biefer ©reigniffe läfSt [ich nid)t erfennen. Ottofar tierheiratete fid) mit ©lifabetf), einer $od)ter beS ötarfgrafen Seobolb II. tion Öfterreid) au§ bem Öaufe ber Babenberger. 3im 3al)re 1090 ftarb ^eqog Suitolb tion Samten, worauf fein Bruber ^einrid) tion Sftrien baS Iperjogthum erhielt. Oiefer War ber leßte ©bbenfteiner. 3. 2)ic 9Jfnrfgrafen nng bem ^mnfc ber Ommignucr. §erjog ^einrid) tion Särnten gehörte 5war ber Familie ber ©bbenfteiner an, bie tiom Saifer fo nngewöhnlith begünftigt worben war, er trat aber in ben politifdjen Sümpfen nid)t ftarf in ben ŠBorbergrunb, tiielleictjt »eil er mit beit Babenbergern unb 2:rann= ganem, bie ©egner bes SaiferS »aren, in ßerroanbtfc()aftM)er Berbinbung ftanb. @r roar bistjer jineimal tierheiratet gcroefen, hntte aber feine S'inber. Um 1110 Dermäl)lte er [ich, obgleich fd)011 bejahrt, mit ber jugenblichen tßrinjefjin ©obhie, ber Jochter beS Btarfgrafen Seopolb II. bon Öfterreich. 3'hre Schroefter ©ifabetl) »ar, roic eben gefagt, bie ©emahlin be§ SEraunganerS Ottofar, ber 1082 feinem Bater gefolgt roar. ©o ftanben bie benac()barten mäd)tigen ©efihlechter ber ($bbcnffeiner, Zranngauer unb Baben= berget- in berronnbtfd)aftlid)en Beziehungen. $a Heinrich bon Samten and) bon feiner brüten ©emahlin feine Sinbet hnfte» f° cr OttofarS ©ohn S e o b o 1 b jum @rben feiner reichen IHllobe ein. ©r bermachte ihm einen wahrhaft fürftlidjen Sanbbefih in ber heutigen ©teiermarf. ,,©o ba§ 21)01 Ütcumarft bon griefach bis an bie 9Jtur; im oberen Bturthale alle feine Siegenfd)aften bon DJturau angefangen big gegen Sraubat, fein ©igen in Seoben, ba§ gefammte Biiirjthal bon ben Quellen ber iötiirz unb ben §öf)en beg ©emmering big Brud a. b. 9Jt. unb enblid) all feinen Befi| bon Brud big ©öfting, forooljl an ber Btur al§ in ben ©citentljalern." Ipeinrich unb Ottofar ftarben faft ju gleicher 3eif/ im SSahre 1122, roorauf S e o b o 1 b I. mit bem Beinamen ber ©tarfe (1122—1129) nidjt nur bie Berroa© tung feiner auggcbehnten 9111 obe antrat, fonbern and) Blarfgraf ber Kärntner Btarf rourbe. ©ein ©ebiet hiefl bag beg Btarfgrafen bon ©teier ober bie ©teiermarf. Öerjog bon Kärnten rourbe yeinrid) bon ©bonhcim=Snoant, bem fchon nad) einem 3a!)re fein Bruber ©ngelbert folgte. Seobolb I. roar mit ©obhie, ber 5Eod)ter beg tperjogg Ipeinrid) bon Baiern bermählt unb erhielt bon biefem ben öanbftrid) ftiblid) bon ber ©leinalbe big in bag Kainachthai als Sehen. @r begann bie ©rünbung be§ ©iftercienferftifteg Bein, welche nad) feinem 2obe feine BMtroe boßenbete. Oie ©inroeihung fanb im 3ahre 1138 ftatt. SeopolbS ©o^n Otto far I. (1129—1164) macfjte neue @rmerbungen. 3U feiner 3eit berroaltete fein iticrroanbter Sernffarb bon Krisen, ein töruber be§ ^ergogS bon tarnten, bie ©raffctjaft ober 9Jlarf an ber Oran, in ber er einen großen @igenbefi| tfatte: ba§ ©ebiet §roifd)en 9Jtur unb Oran, foroic ba§ bon ©onobitj, Sei^ unb Stüffer. ©raf Sern^arb nafjm mit anberen (šblen auš ©teiermarf tf)cil an bem Sreug^uge, ben Štaifer Sonrab III. unter= nafjm, unb fanb im Sambfe mit ben ©ara^enen im 3af)re 1148 feinen Zob. ©ein (Srbe mar Ottofar L, ber and) bie ©raffdjaft mit 9Jfarburg als 9J?ittelpunft erhielt, ©in anberer $erroanbter, ©raf ©dbert bon 3:ormba(f)=Sßitten, fiel im 3af)re 1158 in Italien in ben Kämpfen, roeld^e Saifer ^riebric^ SRotpart mit 9Jfailanb 5U beftepn tjatte, roorauf Ottofar bie ©raffd)aft Ritten in Sefiß nafjm. 9fm ©iibabfjange be§ ©emmeting griinbete er fefjon 1160 ba§ ^ofpitaf mn ©er ero alb. OiefeS Sffiort roitb roaf)rfd)einlid) bon 3?™, 3irm, ber biafectifdjen f$orm bon b. i. 3ibbeffiefer, ab^ufeiten fein. On Ottofar a ud) bie ©raffdjaft im ©nnStpfe innc ffatte, fo roar fein ©ebiet cin fcfjr nnfef)nlid)e§, aber e§ f)ntte nod) niip bie ©eftalt ber fjeutigen ©teiermarf; beim e§ gehörten nod) nid)t ba^u bie ©raffdjaften an ber ©ann unb bie Se^irfc bon $ßinbifd)= graj, Uiurnu unb ©roßfonntag bei griebau. Oafür aber reichte bie ©teiermarf OttofarS I. über bie jetzigen ©renjeu f)inau§, in= bem bie 9J(arf 3ßitten unb ber Oraungau in Oberöfterreid) bamit bcrbunben toaren. 9(ufeerbem ift ju bemerfen, baf§ in bem ©ebiete OttofnrS jaf)treid)e 39efitjungen ber Sir^enfürften bon ©afjburg, 9tquiteja, ©urf, SSamberg, greifing unb $ri$en lagen, bie erft in ipäterer 3('it ber lanbeSfürftlicfjen ©eroalt untcrroorfen rourben. © a 1 j b u r g ptte nu§gebef)nten Sefiß in ber norböftfidjen ©teier= ntarf, im ©nngtple unb auf bem oberen Öfutboben; e§ befaß bie ©egenb bon Seibnitj mit bem Sanbftridje jtoifdjen ©ufm unb Saßniß, ben auggebepten SBalb ©aufal, roo früpeitig ber Ort ©t. 9fifolai entftnnb, ein ©tücf Snnb bei 9trnfef§, auf bem Oroufetbe unb an ber (Satie. ©eine ^auptburgen mären 8eibni|, ißettau unb 9teid)en= bürg. 3ur Ausübung ifjrer ütedite befteßten bie (šr^bifdjbfe 35ice= bomini (33i|tl)um, Oberbertoalter) ßeibni|, bie geroö^nlict) (Seift= lidje roaren ltnb ein Pfarramt befleibeten. 5)n§ Matriarchat 9tquileja mar im ©annttjalgebiete begütert, baS bamal§ nod) nidjt ©teier= marf gehörte. ®a§ 58i§tt)um © u r f ßatte biete Sefijjungen in Unter= fteier, nümlict) im SBeitenftein unb Sembetg, ^roifdjen ©attta unb ©abe, iRotjitfä), 2Binbifdj=Sanb§berg, Me^enftein imb ®rad)enburg. S)a§ $i§tt)um gr ei fing befaß an ber aberen $)hir Satfd) unb in ben ©eitenttfätern Ober= unb ittiebertoel^ unb Sinb. 2)a§ $i§tf)um Samberg befaß ütottenmann, ba§ Sistßum Sri$en ©nmbftüde §u Sanbfcßa bei Seibniß, in ber ©egenb ban ßßitbon unb um Stein. Sud) auStoärtige Slöfter ßatten ©runb unb Soben in ber ©teiermarf geroonnen, fo ©arften unb ©teinf, ba§ ©t. Meterftofter in ©al^burg, ©bttroeit), ©t. Mout u. a. @nblid) ift nod) ßerbor^ußeben, baf§ Ottofar nod) nid)t ein reid)§umnittetbarer üteid)§fürft mar, ba er Seßen bom ^er^oge bon Saiern inne ßatte unb fomit beffen ^oftage §u befugen ge= nötßigt mar. ©iefeS Sanb ber ütbßiingigfeit bon Saiern mürbe §ur 3eit feines ©oßneS Ottofar II. gelöst, ber bor 1164—1192 bie 'JJŽarf ©teicr berroattete. 21t§ ber ^terjog bon Saiern, ^einrid) ber Söme, bem Saifer griebrid) üfotßbart untreu mürbe, erflürte ißn ber St'aifer feiner §roei ^erjogfßüiner Saiern unb ©aeßfen berluftig, berringerte ißren Umfang unb übergab fie auberen dürften. Sott Saiern, baS Otto bon äöittelsbacß erßielt, mürbe ©teiermarf im Saßre 1180 abgelöst unb 511 einem per^ogtßum erßoben. @0 trat Ottofar II. als -^er^og in bie Seiße ber beutfeßen SReicßSfürften ein. ®aS ^erjogtßum ßieß anfangs ©teier (©tßria); erft in fttäterer 3cit rourbe ber Same „yeräogfßum ©teiermarf" üblid). III. Ste SHnifterialen mtb bte Beetrintnmg ber Steiermacfi mit Be(!erretri$. 1. 2)ie 3fiiniftcriiilcn. Anfangs roaren bie 9Jiarfgrafen nur Seninte beg Sontgg. 31)re Hauptaufgabe toar bie Sanbegtiertpeibigung, toegfjalb fie felbftünbig ben Heer6ann t161 ^Jtarf aufbieten tonnten. 9Iuf;erbent Ratten fie bag offenttičje @erid)t ^u palten mtb bie $öniglid)en (šinfiinfte ein= §upeben. 9llg Sntlopnung für ipre ®ienfte erpietten fie fbnigličpe ©üter alg (Sefd)enfe ober alg Sep en mit betu 9'iutjgenufg, unb aucp ülntpeil an töniglicpen ©efätlen roie an ©ericptSgelbern, @rtrüg= niffen ber 9Jiärtte, 3ööe, unb stauten u. f. lo. 9ta(p unb nacp ünbertc fiep bie (Stellung bet iütarfgrafen. Sie erpoben Ülnfprud) auf bie @rblicpfeit ber 9tcd)te, bie fie früper nur al§ Beamte augübten, erlangten fie aucp, unb fo mürben aug ben Serroaltern tion ßanbgebieten eigenberecptigte Herren biefer ©e= biete ober Sanbegperren. ®ieg mirtte aucp auf bie Stellung beg in iprem Sanbe begüterten freien Ülbelg prüd, ber, fomeit er nicpt feine unmittelbare Sßerbinbung mit bem Dteicpe aufreipt erpalten tonnte, lanbfaffig mürbe, b. p. in iÄbpüngigfeit bom Sanbegperrn gerietp. gaft immer napm biefer ülbel bom Sanbegperrn ßepengüter an unb trat fomit 51t ipm in bag SSerpültnig ber 23 a fallt tat. Dieben biefem freien lanbfäffigen 9tbel tarn mit ber 3«* ber ©tanb ber DJi i n i ft e r i a 1 e n ober 3) i e n ft m a n n e n empor.1 $ie urfprünglicpe 23ebeutung beg Söorteg DJtinifterial ift SQeamter ober Wiener, unb in biefem Sinne gab eg DJiinifterialen beg Sönigg, eineg geiftlicpen ober roeltlicpen Herrn. ®iefe iülinifterialen ent= ftammten botroiegenb bem Staube ber Unfreien; fie berricpteten Sienfte am Hofe ipreg nerrn oboo mürben alg 23emaffnete in fein ®efolge aufgenommen. Sie fliegen an Dlnfepcn über bie DJtenge 1 ö. Sufcbin O. @6engreut(), Öfterreicf)i]d)e IRci(b§ge|i^icbte. I. $f|eit. Samberg 1895. ber übrigen Unfreien empor, jumal fie ber Srieggbienft ben freien ÜBafaHen ober ße^enSmannen be§ |)errn näherte, ber i^nen jur ©icf)erftet(ung it)re§ Unterf)nlte§ ®üier ober 9iu|ungen an foictjen in (efienša^nlič)er SBeife einräumte. 2tnfang§ waren biefe ®ienftgüter, bie man fpüter Dienftlefien nannte, niä)t Oererblic^er Sefitj ber 9)ZinifteriaIen, fie tonnten nidjt opne 3uftimmung be§ §errn Oerüufjert werben unb oerfielen im f^aHe ber Untreue. 2I6er wenn ein UZann feine SienftpfUdjt rebtid) getarnt unb einen ©ot)n ^atte, ber ebenfo treu unb tüd)tig §u werben Oer= fpract), fo jog ber Zperr beim 2tbleben feine§ ®ienftmannen beffen (Botin einem gremben oor. SDaburd) würbe bie SBilbung eines erb= tilgen BtanbeS ber ÜJZinifteriaten mögtid). ®ie SJZinifteriaten, weletje am §ofe ®ienfte oerridjteten, waren SSerwattungSbeamte; bie 2tmter, wetctje fie befleibcten, waren Dor= wiegenb bie bier Jpofttmtcr beS Zrudifeffen, Sommerer§, 9JZarfd)altS unb Bcpenten, unb eS beftanb urfprünglid) bie ©epftogen^eit, jebem biefer 2tmter eine 2tnäaf)t 9Jiinifteriaten jujumeifcn, aus welken ber |)err nait) S3ebarf feine SSebienung pfammenfteöte. ®aburcp, baf§ biefe ^ofämter einzelnen 9JZinifterialenfamilien als erbliche ße^en öertiepen würben, bilbeten ficf) im ßaufe be§ breijepnten 3aprt)unbett§ bie ßanbeSerbämter au§. 9tt§ SSertrauenSperfonen würben biefe 'JJŽinifteriaten and) als Organe ber ^Regierung oer= wenbet, inbem ipnen beifpielsweife bie Btefie beS oberften ßanb= ricfjterS übertragen würbe. 9tber fie erfreuten nicf)t blop als 23eamte beS ßanbeSfierrn, fonbern fie bilbeten mit ber 3e't aud) ben midftigften 23cftanbtl)eil feiner SriegSmacf)t. Oa ber ßanbeSfierr Don feinen öänifterialen Sriegsbienfte in größerem Umfange Oerlangen tonnte als bon ben freien $afaöen, fo begnabete er fie rcidjlidfer mit ©ütern, um fie in Btanb ju fe^cn, burct) Sßeitergabe eines 2^eilS berfelben an trieg§tüd)tige Unfreie bem §errn eine größere 21njaf)I bewaffneter DZannen pjufüfiren. 21nS ben eigenen ßeuten ber DZinifterialen bilbete fid) fo ber 3titterftanb aus, ber bon ben ytinifterialen in berfelben 2ßeife ab^ieng, wie biefe bon iljrcm §errn. 2)er letite SEnumgauer Ottofar toäre beredjtigt geroefen, über feine IDtinifterialen unb beren ätitter als tljr §err frei äu tierfügen, fie alfo and) nad) belieben 5U tiererben ober 511 tierfd)enfen; als er aber, ba er finberloS mar, baran gieng, feinen Söefitj bent -^eqog tion Öfterreid) 511 tiererben, erfdjien eS il)m boä) als ein (Sebot ber Sluglfeit, ben Übergang feines ÜigenS an einen anberen |)errn in einer Süeife eintreten fru laffen, roeldje and) bie DJtinifterialen 511= frieben ftellte, unb baljer erfolgte bie 9lufjeidfnung il)rer 9ted)te. 2. ycrbhtbmtg bcr ©tcicrntnrl mit Deftcrrcid). 2)er erfte -fper^og tion ©teiermarf litt am tMuSfalje unb Ijatte, roie fdjon gefagt, feine Äinbet. @r befcfilofS ba^er, fein ^ergogt^um bem §>erjog Seo^olb tion Öfterreid) jujutoenben, unb ^roar beSljalb, meil er fein fyreunb unb IBerroanbter mar unb roeil Öfterreid) unb ©teiermarf als 9tad)barlänber beffer tion einem dürften regiert mürben. 3m ittuguft 1186 fam er mit -öer^og Seobolb tion Öfterreid) auf bem ©t. ©eorgenberge bei @nn§ pfammen. £)ier beftimmte Ottofar ben §er5og Seofmlb ^u feinem @rben unb übergab if)m feine DJänifterialen, beren Diente feftgefe|t mürben. 2)amit feiner ber 9tad)folger SeoüolbS, l)eißt e§ in ber llrfunbe, gegen unfere DJtinifterialen unb Sanbleute gemiffenloS unb graufam 5U Ifanbeln unternehme, fo haben mir befd)loffen, bie 9ted)te ber Unfrigen in einer fd)rifttid)en llrfunbe jufammenjufaffen unb feft^uftellen. 3t)re Sehen fallen, roenn nur SEöchter tiorljanben finb, nid)t an ben SanbeSl)errn ^urüd, fonbcrn tiererben auf bie 5Eöd)ter. ©tirbt ein ©teirer ohne SEeftament, fo beerbt ihn ber nachfte $lutS= tiermanbte. (Sin ©teirer fann einem anberen ©teirer fein Sehen tierfaufen, umfonft übertragen ober einem filofter ^uroenben. 3nt 9ted)tStierfahren roirb bas SeroeiSmittel be§ gtiHnünnpfeS tier= boten unb burch bie ÜluSfage glaubroürbiger 3eu9en erfe|t. ©ollte ein Sanbešherr tt)rannifd) regieren, fo fönnen fid) bie ©teirer an ben Saifer menben unb it)r 9ted)t tior einem ffürftengericht fudjen. @§ ift nict)t leicht, fiel) in bie 9tett)tSanfd)mmngen einer fo fernen 3eit flineinjubenfen. 9iid)t bnS ,?)eqogt[)mn, bie 2Biirbe unb bie 9ted)te be§ ^er^ogS, tiererbte Ottofar feinem $erroanbten, benn bie $erleif)ung be§ ^erjogSamteš ftefjt nur bem Rnifer ^u. @r tier= erbte bem Sinbenbergcr feinen ganjen Sefitj, feine grunbl)errlid)en iRedjte, feine SSurgen, ©runbftiide unb feine ÜJiinifterialen; benn biefe roaren it)m erbeigen, eigenttjümtid), unfrei. 3d)re Unfreiheit ^eigt fidf barin, bnf§ fie über it)re ©üter nicht frei tierfügen unb i^re fiinbet nicht ohne 3uftimmun9 i168 ßanbeSfürften tierheiraten burften. Unb biefer unfreie 9tbet erfdjeint als bet SSertreter beS ßanbeS bem §eqoge gegenüber. $)er S9ürger= unb ber SSauernftanb roirb nicht ermähnt; benn ber erftere mar erft im ©ntftehen, unb ber leistete beS $Öaffenred)te§ bar unb balfer politifch rechtlos. $68= halb tonnten bie Dtedjte ober „Freiheiten", bie hier ber 21bel er= hielt, als 9ted)te beS SanbeS felbft angefe()en roerben unb bie ©eorgenberger Urfunbe hat ftaatSrechtlidje 23ebeutung. ©ic bilbet mit ben Urfunben, burd) melčhe ffiätere SanbeSherren fie betätigten, unb mit anberen lanbeSfürftliäjen ©ntfeheibungen unb ©efetjen bie fteirifdje „S anb 1) anb f eft e",1 bie fomit bie Sßerfaffung beS §ei-l09= thumS enthält. fftur nod) roenige SebenSjahre roaren bem erften fteirifd)en ijer^og befdjieben. @r fiatb in jungen fahren im 9Jtai 1192 unb rourbe in ber ßarthaufe @ei§ an ber ©eite feiner (Sltern beigefeht. 3e|t ru()en bie ©ebeine ber beiben leisten Süraungauer in ber ©ruft beS ©tifteS 9tein. IV. tlerprge aus trem 1§aitfe trei* Bahenlrergcv. 1. Seofiolb II. 21ud) Öfterreiih toar §uerft eine sJDlart geroefen unb im 3ahre 1156 ^u einem tpeqogthum erhoben roorben. $er ^cite 1 2trnolb ». Suftbtn = @bengreutf), Sie fteirifitjen ßanbt)anbfeften. SBeiträge 9. .^erjog mar Seopolb V. ($r würbe nad) bem Zobe CttafarS im Hlai 1192 auf bem §oftage 511 SBormS bom Haifer ipeinrid) VI. mit bem tperjogtfjum ©teiermarf bcleljnt (Seopolb II.) unb begab fid) bann nad) ©ra§, wo er bcn lütinifteriafen if)re 9ted)te beftätigte unb bie .öulbigung entgegenna^m. hierauf I)iett er bor ber 9tgibi= tiri|e, bem jetzigen S)om, öffentlich ©erid)t. 3m 3a()re 1189 mar Saifer griebrid) Sarbaroffa mit einem ftatttidjen 9{ittert)eere burd) Öfterreich unb Ungarn in ba§ 9Jiorgen= tanb gezogen, um bcn slJto()anuuebnnern bie heiligen Orte 5U ent= reigen. Oer alte Saifer hatte unerwartet feinen SEob in ben SBeöen eines ffluffeS in Sleinafien gefunben, uub ba§ ßreujheer belagerte bie ©eeftabt 9Iflon. §icr traf auch Seo)mlb bon Öfterreid) ein, ber erft im $luguft 1190 bie Steife nad) Slfien angetreten l)aite. ißei ber ©rftürinung ber Stabt gerieth ber öer^og mit bem ftol^en Sönig Stiiharb Sömenl)er^ in Streit, unb er lehrte nad) Öfterreich äurüd. Stad) einiger berlief; auch 9tid)arb Sömenher^ 3ßaläftina; er wollte ben 2öeg nad) (Snglanb bon ber Stifte bc§ abriatifd)en SJteereS aus ;u Sanbe nehmen unb reiste burd) Samten unb Oberfteier nad) SBien, wo er erfannt unb gefangen genommen mürbe. $a and) ber beutfd)e Saifer tpeinridj VI., ber Sohn ^riebrith $atbaroffaS, fein §einb mar, lieferte $er^og Seopolb feinen ©efangcnen bem Saifer auS; ber ipapft aber belegte ben Iterjog mit bem Sitdjenbanne, weil er fid) an einem Sreu§fal)rer bergriffen hatte. ®iefe Strafe traf ben iperjog fel)r hart, unb er hatte ben Sßunfti), mieber in bie Sirdje aufgenommen ^u werben.1 @r meinte, bafs ber @r$bifd)of bon Salzburg fein SSermittler beim Spabfte fein fönnte unb begab fid) gegen $ßeif)nad)ten 1194 nad) ©ra;, benn ber (Šrjbifchof hielt fid) bamalS in 8eibni| auf. 911S ber -‘per^og am 26. Oecember nachmittags bor bie Stabt geritten mar, wo er fid) an Steiterübungen ergötzen wollte, fttir^te er mit 1 3. ». Sa^n, Über ba§ angeBIid^e Sburnier bom Sabrc 1194 unb ben $ummel)jlatj in ©ra). 9JHttt|. 34. feinem Stoffe fo ungtüdticE), baf§ er ein Sein brad). (£r felbft, fo ^eipt e§, tjabe ba§ 33ein abgetanen. ®er Pfarrer Utrid) Don jpartberg leiftete iljm geiftlidjen 23eiftanb, bi§ ber (Sqbifdjof erfd)ien, um ben man fofort gefdjidt f)atte. ®er Sirdjenfürft fprad) i[)n Dom Sanne lo§, nadjbem ber .^er^og Derfbrodjen I)atte, ba§ bereits empfangene Söfegelb ^uriid^ugeben. 21m 31. ®ecember 1194 ftarb er. ^Herauf übernaljm fein ältefter ©ofjn griebrid) bie Ser= roaltung ÖfterreidfS, roä^renb ber jüngere, Seopolb, il)in in Steiermart nadjfotgte. 9tad) bem Zobe griebridjS int Qatjre 1198 Dereinigte Seopolb beibe ^eqogtpümer. 2. Seopolb III. ßeopolb III. (jatte im Satire 1199 einen Stieg mit Ungarn 5» beftetjen. 2Baf)rfd)einüd) fielen ungarifdie ütaub^orben and) in Unterfteier ein, too iljnen ffriebrid) Don 3ßettau mit träftiger Epanb entgegentrat. @r Dertrieb fie au§ ber ©egenb, too l)eute @rop= fonntag unb griebau liegen, unb geroann biefeS ©ebiet, baS bamalS roenig betoo^nt mar. 3uerft entftanb l)ier ber Ort ©roß= fonntag. ©einen (šigenbefit) unb bie Hälfte ber 3^ente übergab griebrid) Don ißettau bem Orben ber beutfdjen Stüter, bie eine Gommenbe grünbeten unb bie ©ren^e beroad)ten. Sm Sotlto 1212 unternahm Seopolb einen Sreu^ug nac^ Spanien, too ©Triften unb SOtotiammebaner miteinanber tümpftenj unb 1217 50g er in ba§ Storgenlanb. Sn feinem ©efolgc befanben fiep and) ^at)lreid)e Steirer, fo Ulridj Don ©tubenberg, Ulrid) Don Sßeggau, Xietmar Don Siei^tenftein, Steinbert Don Sltured u. a. Snfolge feiner Zapferfeit unb feines fingen StuftretenS ftanb er bei allen Sreu^faprern in popcm Slnfepen. Sei ber Selagerung Don Zamiette in Šlgppten ^eiipnete er fiip Dor alten aus. Zod) rourbe auf biefem Sreu^uge toenig auSgerid)tet, unb Seopolb üer= ließ Štgppten in Stai 1219. 3u feiner 3eit perrfäiten in Zeutfiplanb Dielfadie ©treitig= feiten; Seopolb ftanb ftetS auf ber ©eite ber Saifer aus bem ,'paufe ^oljenftaufcn. S^aifer griebrid) II. erfannte ben 2Bert be§ ^er^ogš unb Dermiitjlte feinen eigenen ©o()n ,§eintid) mit SeobotbS So d) ter SOZargareta. s2lt§ ber Saifer oom sf3apfte mit bem ßirc^enbann belegt roorben roar, begab fid) Seo^olb nad) Italien, um bie $erfö()nung ber beiben Oberhäupter ber 6t)riften= l)eit herbeigufiihren. Sort ftarb er im Stili 1230; feine ©ebeine mürben in bem von it)m geftifteten fttofter Silienfelb in 9Zieber= öfterreich beigefctjt. 3u feiner 3eit (1218) grünbete (£rjbifd)of @berl)arb II. Don Salzburg baš Sisthum ©ccfau. 3um bifd)öftict)en ©itce rourbe ba§ Dluguftiner=(4t)orherren=©tift ©edan au§erfe()en, beffen Sirdje ^ur ßathebrnlfird)e erhoben rourbe. Ser erfte $ifd)of oon ©edau roar ber ißropft Sari oon ffriefad) in Sürnten; feine sJZad)foIger oerlegten halb ihren ©ii) Oon ©ecfau in Oberfteier nach Schlöffe ©eggau bei Seibnih, ba§ bem neuen SBiSthume pgetoenbet roorben roar; unb fdfon 1268 ertoarb ba§ 23i§tf)um ein $)au§ in ©ra§ ba, too jetft ber $ifd)oft)of ftet)t. Sm Snl)re 1228 grünbete berfelbe ©r^bifchof bas Sigthum Sabant, bem and) in ©teier= matt einige Pfarren ^ugeroiefen tourben. §er^og Scopolb lief) ^ur Sicherung beg Sanbeg mehrere Orte, toie ffriebbetg unb $oitgberg, befeftigen unb über bie SaOe eine 33rücfe erbauen, um ben .fpanbel mit Stalien über ©raj unb Srain 511 leiten. 3. ^ricbriilj ber Streitbare. Seopolbs ©ol)n unb Dlachfolger griebrid) ber ©treit= bare (1230—1246) roar ein hodhfahrenber, §ur ©eroaltthütigfeit unb ©raufamfeit geneigter ffürft, ber mit allen feinen 9Zad)barn, ben Ungarn, 33öt)men unb Saiern unb felbft mit bem Saifer unb feinen eigenen llntertl)anen in 3toift unb Unfrieben lebte. Ser Sönig oon $öl)men, ber .^er^og Oon Skiern unb bie Sirchen= fürften, roeldje in Öfterreich unb ©teiermart 39efi|ungen hatten, 3 mal) et, ®e[(t)i(C)le bet Steiermatt. erhoben eine Slnflnge gegen i^n beim Inifer ^riebrici) II., bet ifjn tiorlub. 2)a er nieijt erfc^ien, würbe über if)n bie 9Ieic£)§iid)t nuSgefbroc^en unb bie 9tnHäger aufgeforbert, ben ^erjog jn befriegen. SDiefer erprefSte je|t burcf) (Seronltmaßregein ©elb Don ben ßlöftern unb feinen Untertanen, bie fdjon burd) bie häufigen DJtünjerneuerungen gegen iffn aufgebracht waren. 3e|t erhoben fid) bie öfterreiä)ifd)en unb fteirifdjen 9tbeligen gegen il)n, unb auch ber Saifer erfd)ien in ©teiermarf. @t feierte im lyahre 1236 in ©raj baS 2Beihnaerrfd)er erhalten, ber and) über Öfterreid), Söt)men unb 9M£)ren gebot unb ju biefen Säubern fjiäter and) nod) tarnten unb Ärain ertoarb. ©teiermarf mar fomit jwar mteber mit Öfterreid) bereinigt, aber e§ mar mit biefem ber 2fjeil eine§ größeren ©taat§ganjen gemorben. 2)iefe Seränberung ber ©teHung ißre§ 8anbe§ foftete bie Sintoofyner be§ Sanbež biel. 3)ie ßaufigen Äriege riefen Unfidierßeit be§ Scfitie§, i^arteiftreitigfeiten, ©emalttßatigfeiten, SRoßeit ber ©efinnung unb felbft Sntfittlidjiing be§ religiöfen SebcnS ßerbor. Saju tarnen 9JiifSernten. ®a§ 3aßr 1255 mar fo troden, bof§ roeber gelb= nod) Saumfruäjt gebieß; and) in ben folgenben Saßren traten geßlernten ein, meldje in Serbinbung mit Sießfeucfjen bie Sienfdjen jur Serjtoeiflung bradjten. ©o!d)e Soll) ßerrfdjte aber and) in anberen Säubern, roie beifpielStoeife in Italien, unb bon biefem Sanbe giengen bie fogenannten ©eißlerfaßrten au§. „Sine Slenge ®ienfd)en", berid)tet ein fteirifdjer Sefdjidjtfdjreiber, „arme unb reiche, Slinifterialen, ifiitter, Säuern, ©reife unb Jünglinge giengen über bem ©ürtel na dt einher, ben Äopf bloß mit einem Seinen^ tud) bebedt, mit ^aßnen, brennenben Äerjen unb ©eißeln in ber Jpanb, mit benen fid) einige bi§ auf§ Slut fcßlugen. @ie fangen bemütßige Sieber unb jogen bon Sanb ju Sanb, bon ©labt ju ©labt, bon Äirdje ju Äirdfe. Siele, bie baS faßen, mürben erfd)üttert unb meinten, roarfen fid) and) mit bem ganjen Äörper nadt auf bie Srbe, in ben ©cßnce fogut roie in ben Äotß, unb jeber be= ßarrte in biefer Süße breiunbbreißig Sage, jroeimal bež Sage», am Slorgen unb am Sbenb." Sa§ roar ungefäßr in ber 3eit/ öa Ottofar au§ bem ©treite um ©teiermarf als ©ieger ßeröorgieng. Cb er bon bem Slenbe, baS über bem Sanbe tag, etroaS faß, als er nocß bor bem Snbe beS SaßteS 1260 in Segleitung vieler borneßmer sperren aus Söfjmen unb Öfterreid) mid) ©raj fant, ift roo()l anjune^men, beim feine Regierung nafnn einen guten Anfang, ittutje unb ©icf)er()eit teerten nadf unb noc^ jurüd. 2. fßfetntfgl Dttofar. 3urn Sanbestjnufitmann ernannte ber neue §errfd)er ben 6ö£imifd)en ©beimann SBof Don ütofenberg unb nac^ beffen 2obe int 3nt)re 1262 ben 23ifd)of 33runo bon OImiiS)iefer in jeber 33ejiel)ung tüd)tige unb i^aratterbolle ilJlann ließ burdf ben Dtotar ^eltoig aus Üßtiringen eine 3bfainiuenfteIIung aller Sammer= güter unb itjrer ©rtragniffe matten, toeldje al§ §ub= ober 9t a i t-bucf), lateinifd) Rationarium, bejeidjnet roirb. Sie llrfadje biefer 3ufainmenfteltung mar ber SBunfd), eine genaue Kenntnis bon ben ©intünften be§ SanbeSfürften ju getuinnen unb bamit bie Crbnung im lanbe§fürftüd)en ^auS^alte ßer^uftellen. @§ mürben and) ©iiter namhaft gemalt, bie burd) ©belteute beut lanbeSfürfttidjen ©ute entfrembet roorben mären unb bie nunmefjr, tote man anneßuten borf, jurüdgefbrbert mürben. @S ift nict)t unmaßrfdjeintid), baf§ biefeS tßorge^en eine Urfadfe ber DtbelStierfcßmörung mar, bie fid) nad) einiger 3e^ bitbete. Ottotar begünftigte and) in ©teiermarf bie ©täbte unb ba§ Sürgertßum fotoie bie %ird)e. Sa er bie günftige Sage bes OrteS 39 r u d erfannt ßatte, fo ließ er ißn im Saßre 1263 ertoeitern, mit neuen unb fefteren DJlauern umgeben unb ben 33emot)iiern urbaren 33oben unb gelber in ber Umgebung jumeifen. Sa biefe aber beut ©tifte ülbmont gehörte, fo mürbe biefeS bafür burd) anbere ©iiter entfdjäbigt. Sa Ottotar ben ülbel, ber in ber 3e't beä 3nterregnum§ fel)r übermiitßig geroorben mar, mit fefter ,panb im 3aume t)mlt, entfrembete ©iiter jurtidforberte, überbieS für feine ineßrfacßen ^riegSjüge bobe ©teuern auSfd)rieb, fo entftanb Unjufriebenbeit, la e§ bilbete fid) fogar eine DlbelSOerfdjmörung. Dttlein bie ge= plante (Strebung fant nufjt jur 5lu§fü^rnng, offenbar, weil ber 2fnf)ang ber SSerfAmoretten ju gering blieb. 5DamaI§ — im Sßinter non 1267 auf 1268 — unternahm Ottofar einen ÄriegSjug in ba§ Sanb ber Ijeibnifdjcn ipreugen an ber Oftfee, an bent and) öfter« reid)ifd)e ttnb fteirifdje Sitter unter bem Sefefjle be§ Otto non Siebten ft ein t^eilnatnnen. Oer ^elbjug mifggliidte. Seim Süd« ^uge über bie $ßeid)fel barft ba§ @i§ unb niele Sitter ttnb tötannen ertranfcn. Oem ^eimfefirenben Sönig eilte griebrid) non 5ßettau entgegen unb tlfeilte il)iu bie üßläne ber Serfdimorenen mit. Oie§ waren bie ©rafen SSern^arb unb §einrid) non üßfannberg, §artnib non Sßilbon, Söulfing non ©tubenberg unb Ulrid) non Sied)tenftein. Sie würben norgelaben unb erfd)ienen üor bem Honig, wobei ber tpettauer feine Slnflage wieberfwlte. Oie 33efd)ulbtgten forberten ben Snfläger jum 3rocifampfe unb erflärten fid) für unfdjulbig, bod) ber Honig lief; fie gefangennefimen unb auf oerfdfiebene Surgen in tßöfimen unb Starren bringen. Sb er and) ber Snfläger f^riebrid) non ifßettau würbe eingeferfert. Oie §aft ber fteirifdjen Sbetleute foll fe^Sunbjwanjig SÖodjen gebauert galten. 3iw Srlangung ifjrer 9reit)eit mufSten fie bem Sßettauer Urfe^be fd)wären, b. geloben, fid) an ilpn nid)t ju rücken, unb einige if)rer Surgen auSliefern, bie ber Honig bredjen lief;. So öerloren bie ißfannberger Sftfann« beug, tpeggau, ©t. ißeter, Haifergberg, ber Siecf)tenfteincr Hturau, Sied)tenftein unb bie grauenburg, bie ©tubenberger ©tubenberg, Hapfenberg, Hatfd) unb Sßulfingfteiu, ber Sßilbonier ifjremaregburg bei Höflad) unb ©leidjenberg unb ber Sßettauer SBurmberg unb Sd)wanberg. Oiefe Surgen würben ju Suinen. Sl§ ber Honig bie ©efangenen Perabfdpebete, fprad) er, wenn wir ber ©rjafjlung beg fteirifdjen Seimdjroniften Ottofar ©tauben fd)enfen bürfen, ju i()nen : „Oljut eucf) gütlid), ba id) eud) burd) meine ©nabe reid) madjen unb ben ©djaben nergüten will, ben id) angerid)tet. $ßer fid) aber non mir mit böfem ©ebneren entfernt, ber wiffe, bafg er nid)t wieber beffen fid) erfreuen wirb, wag er einbüffte." Oann fcfjcnfte er if)nen Hleinobe, ©über unb ©ewanb unb entließ fie. sMu§ biefer ©rjä^Iung fönnte man fcfyüejjen, bafg ber %bnig feine ^anbiungSroeife als eine Übereilung bebauerte, unb bafS bie @betf)erren unfctjulbig berfolgt mürben, jumal and) ber fttnfläger geftraft mürbe. 91ber es ift bocf) and) roieber anjune^men, bafS gerabe bamalS baS lRed)t beS 9lbeIS, Surgen ju bauen, eingefdjrünft mürbe. Sie fteirifdjen Herren trugen übrigens bem Könige feinen (Sroll nad); fie leifteten i^rn 3uäu3r «iS er halb barauf bie 9Zad)= barlänber Zürnten unb Ürain in 93efi^ naf)in. 3n biefen Säubern regierte §erjog Ulrid) III., beffen DJZutter eine Iflßrinjeffin nu§ bem bb^mifdjeu ßönigS^aufe gemefen mar. @r mar jmeimal berljeiratet, fjatte aber feine fiinber. 3ront fjntk er uod) einen SSruber ^l)itipp, ber jum @qbifd)of bon ©aljburg geroäfilt merben mar, fid) jebad) in biefer SBürbe nidjt f>atte be= flausten fönnen unb auf feinen Sarntner ©ütern lebte. Siefer märe bet rechtmäßige @rbe ber Sigengüter UlridjS unb beS tperjagtljumS tarnten gemefen, aber Cttofar berebete ben §erjog Ulrid), ifjm, feinem tßermanbten, fein §eqogt()um teftamentarifet) ju bermaetjen. Ulrichs SSruber Ißh'IÜb aber berfd)affte er baS Sßatriarihat Slguileja. sphilibb mar aber bamit nicht jufrieben. 911s iperjag Ulrich 'nt Satire 1269 ftarb, nahm er fofart ben Sitel eines iperjugS bau Äärnten an unb hoffte, burd) bie Unterftü|ung ber ^einbe OttotarS baS ^er^agthum ju erringen. ($S gab nämlich © ©teiermarf unb in Harnten Slbelige, meld)e baS ftarfe 9lnroad)fen ber 9JZad)t OttafarS ungern fat)en. 3U biefen ffeinben gehörte auch bie alte fperjugin ©ertrub, meldje ihren Stufenthalt in SßnitSberg hatte, baS ihr nebft anberen ©ütern jugemiefen mürben mar. Sie hatte ihre SEnäiter StgneS bem Iperjnge Ulrid) bau Kärnten bermät)lt. Kaum mar aber Ulrich geftorben, als Cttofar in Krain erfd)ien, bie ^lerrfchaft über biefeS Sanb antrat unb bon ba nad) Kärnten jog, baS er eben« falls in SSefit) nahm. Stud) bie ,'perrfchaft 2öinbifd)graj, mcld)e bem 'fSatriardjate bon Stquiteja gehörte, befetjte er unb ließ fid) bamit belehnen, ©r beließ bafelbft ben bisherigen Sßfleger Crtolf, ber fid) bon SBinbifihgraj benannte. 3um SanbeShaußtmann non Kärnten jeijte er ben ©rafen lllrid) bon ^eunburg ein, beffen auSgebefynte 3Befi|ungen in ßärnten unb ©teiermar! lagen, unb ^roang bie neunjel)n}iif)rige ©erjoggtoihoe s2Igne§, biefem 9Jinnne i^re ^anb jn reifen. ®er ©roli, ber im Merjen ©ertrubenS gegen Ottofar lebte, fteigerte [ii^ baburd) n o d) me^r. Ottofar ^atte iljr bie |>erjogtf)iimer Öfterreid) unb ©teiermarf entriffen, auf bie fie ein 9lnred)t ju fabelt glaubte, unb jet}t gewann er and) Siirnten, beffen .'perjog mit ifjrcr 5Eod)ter bermäfilt gernefen mar, ja er jroang biefe, bie ©emafilin cineš 9Jtanne§ ju werben, ber ifjr nič^t ebenbürtig unb it)r Unter= tfjan war. 3U ben 3lnf)üngern ber tief gefränften ^)erjogin ©ertrub gel) orte aud) ©iegf rieb bon sJ0t a b r e n b e r g, ber in Itnterfteier unb in Sfärnten reid) begütert mar. fiönig Ottofar befahl, biefen dJtann gefangen ju nefjmen. Ortolf bon SBinbifdjgraj Inb if)n ju fid) auf fein ©djlofS. 911§ Ortolf mit feinem ©afte beim Htnl)Ie faß, ftürjten fid) einige ^Bewaffnete auf ©iegfrieb unb überwältigten il)n. ©efeffelt mürbe er nad) 9ßrag geführt. Oort füllte i^in bie ffolter ein ©eftänbniS bejüglid) feiner unb feiner SSerbünbeten ißläne erbreffen, aber ber ©ebeinigte erbulbete bie größten Dualen, oljne etwas auSjufagen. 3uletst würbe er erfdjlagen. Oie§ gefd)al) ju Ülnfang be§ SaljreS 1272. Oie ^erjogin ©ertrub aber Oerbannte Ottofar ju berfeiben 3eit auS feinen Sänbern; fie begab fid) nad) Steißen im heutigen föönigreicß ©ad)fen, wo fie Serwanbte ßatte unb wo fie in einem Slofter au§ bem Seben fdjieb. So ßatte alfo Ottofar ein großes üteiif) begrünbet, ba§ fid) bom (Srjgebirge bi§ jum abriatiftßen Steere erftredte, unb beffen Semoßner Oeutfdje, ©laben unb iRomanen waren. Oie Segrünbung biefeS 9tei(^eS war ißm gelungen, weil feit bem Oobe Saifcr ^riebricßS II. fdjmadje §errfd)er in Deutfdjlanb regierten, meldje nicßt imftanbe waren, bie Crbnung aufredjt ju ßalten, fo baf§ man ein 9ted)t ßat, biefe bie „faiferlofe, bie fcßredlidje" ober ba§ Interregnum (3wifd)enreid)) ju nennen. 3m SBolIgefüßle feiner Stad)t fd)ien e§ ißm unmöglid), baf§ ein Städ)tigerer ißm ben Sefiß feiner Sänber ftreitig madjen fönnte. 3. Ottotor unb 9?ubolf bou §ob§bnrg. (šnblid) fa^en bie beutfdjen dürften ein, baf§ ba§ zerrüttete $)eutf(be 9teič) einen tüchtigen ^errfc^er nöt^ig ba^e- berbor« ragenbften geiftlid)en unb meltiicfjen dürften, für rodctje je|t bie Sezeictjnung 2Bat)tfürften üblict) rourbe, traten bat)er jufammen unb roäblten am 1. October 1273 ben fd)roäbifd)en ©rafen 91 ubotf Don ^abSburg zum Könige.1 ifiod) ergeben fid) auf einem freiftetjenben §ügel am rcdjten Ufer bcr 9tar im ©djroeizer ©anton ülargau bie 9tuinen ber £>abicf)t§burg ober §abSburg, bie einft @raf 9tabbot unb Sifc^of 2Berner öon ©traf;burg, 9tt)ncn 9tubolf§, Jütten erbauen taffen, ©raf 9tubolf, bamats ein fötann bon fünfunbfünfzig Sauren, toar im @tfaf§, in ©djroaben unb in. ber ©djroeiz reid) begütert unb roegen feiner SEapferfeit unb feines frommen unb bieberen ©inneS roeit unb breit befannt unb geadjtet. ©eine tjoffe ©eftalt, feine bli^enben 9Iugen, feine ittbternafe madjten i^n unter Zaufen= ben leid)t ertennttict). (Sinft ^atte er bem @rzbifd)of SBerner bon DJtainz, bcr nad) 9toin reifen mufSte, über ba§ ©ebirge baS ©eleite gegeben, unb biefer tjatte babei ben trefftidjen UJtann genau tennen gelernt, ©r empfahl i^n ben anberen gürften unb bradfte baburd) feine ©r^cbung zum St'önig zuftanbe. Cttofar, ber fid) am liebften felbft mit ber beutfd)en Höuig§= trone gefdjmüdt l)ättc, erfannte ben neuen §errfd)er IBeutfdjlanbS nid)t an, aber ber iflabft toar mit ber 9Ba^l zufrieben. 911 § Cttofar ein boIIeS Saljr oerftreid)en ließ, ol)ne baf§ er fid) bei Sbnig 9tubolf eingefunben unb bie 39elel)nung mit feinen Säubern nad)= gefud)t bütte, rourbe er für ben Januar 1275 nad) SBützburg vor= gelaben, unb ba er nicht erfdjien, aufgeforbert, im 9Jiai zu 91ug§= bürg oor bem neuen $önig zu erfäjeinen. Cttofar gelforibte nid)t, bod) fd)idte er nad) 9lugSburg al§ feinen ©efanbtcn ben S9ifd)of 1 D. Soren 3, $eut)(be ©efibiibte im 13. unb 14. Safufronbert, 2 93iinbe, ®ien 1863, 1866.— 5. ö. er fteirifdie 9tbelige üübert ©tud)§ bon $rauttman§borff ftanb, wie bie ©nge roifl, mit bier^cfin ©bt)nen unb Settern auf Dtubalfš ©eite, unb bre^eljn bon it)nen foDen in bicfet ©d)lad)t ge= blieben fein. Sie ©teirer, fagt ein Siebter, fämbften fo tapfer, bafs ber Surggraf bon Nürnberg 511111 Könige SRubolf äußerte: ,,3d) 5roeifelte fd)on am ©iege; als id) aber bie fteirifdjen ütitter fo f)elbenmütt)ig fämpfen fat), ba bertrieb bie Hoffnung bie ?furd)t au§ meinem $|er5eit." 4. Sic Sclc^umiß ber Habsburger. Surdj ben ©ieg 3tubolfš bon Habsburg auf bem Sruterfelbe mürben bie füboftbeutfdien Sauber bor ber SbSrcißung bont Seutfdjen Slteidje beibat)rt. 9tnd)bem ber ffriebe ge)d)Ioffen roorben mar, tarn Sönig iltubolf im October 1279 nad) ©ra; unb begab fid) bon ba über Subenburg, 3eiring, roo er bie ©ilberbergtoerfe befidjtigte, unb Dtottenmann nai| Sin5. 3m Sabre 1281 roeiltc ber S'önig nod) einmal in ©teiermarf; er tarn über Hartberg nad) @ra5; auf bem ütücfroege bcfud)te er Subenburg unb ütbmont unb berließ über ben 5ßt)f)rnpaf§ baS Sanb. 9tuboIf mar bemütit, bie neuerroorbenen Ütlpenlänber für fein Hau§ 5U gemiunen, beim er batte fie bauptfädjlid) mit feinen eigenen Mitteln erobert. @r batte bie Sirdjenfürften bon ©a^burg, iß aff au, '«Regensburg, ffreifing unb Samberg beroogen, feinen ©ebnen alle ihre Sefi (jungen 51t übertragen, roeldje bie früheren Herzoge bon Ofterreid), ©teiermarf, Särnten unb Srain bon ihnen 511 Sehen batten. Saburd) erhielten bie Habsburger in biefen Säubern einen 1° großen Sefiß, bafs eS unmöglich mar, einen Herä°Ü 'n biefen Sanben ein5itfe|en, ber nicht bem habsburgifdjen «Haufe angeljörte. 3u 2Bci^ntut)t 1282 belehnte er auf bem 9teid)Stnge ju 2Iug§butg, an bem au cf) Sbelleute au§ ©teiermarf tfjeilnaljmen, feine ©öl)ne 9Ubre($)t unb 9tnboIf gemeinfam mit Öfterreict), ©teiermarf, Samten unb Srain. Jpier ift ju bemerfen, baf§ Sßinbifctjgraj roieber an ba§ tpatriarc^at jurüctgefatlen roar. ®iefe S3ele^nung mürbe jebod) in jmeifadjer Söeife abgeitnbert. ®a nämlict) bie Öfterreicfjer unb bie ©teirer fürchteten, bie 9tegierung jmeier Herren fönnte 3roiftig= feiten herOorrufen, fo begaben fiel) öfterreicf)ifct)e unb fteirifetje 9tbelige, unter festeren Otto tion Siei^tenftein, Ulrich Üün Safiefien u. a. als ülbgefanbte ber ©tänbe p 9tubolf unb richteten an iljn bie Sitte, er möge ihnen 9llbrecht allein pm §errn geben, ba e§ f chm er fei, jmei Herren ju bienen. 9tuboIf gemährte biefeS 91nfucf)en unb be= ftimmte p 9the'nTe^en i" ber ©chmeij mit ber Urfunbe üom 1. Suni 1283, baf§ Albrecht unb feine männlichen @rben bie öfterreiihifchen ^erpgttpmer allein befi^en füllen. Sine tlnberung mürbe auch mit Samten öorgenommen. 3m 3ahre 1286 berlieh nämlich Sönig 9tuboIf biefeS §erpgthum feinem getreuen SunbeSgenoffen Steinharb bon 24rol, bem er fetjon früher Srain überlaffen holte. 3m 3ahre 1282 alfo trat ba§ §au§ tpabSburg bie Dtegierung be§ |)erpgthum§ ©teiermarf an. VI. innere mtb QMtuqnftänbe. 1. S)cr Ebel. OieSübenberger beriefen, roie fetjon bie Smungauer, bie Stini= fterialen p Serfammlungen, in benen §mar pnächft gerichtliche Sntfcheibungen getroffen mürben, bie fid) aber bod) über 9(uffor= berung be§ SanbeSherren auch mit SanbeSangelegenheiten befafsten.1 3m 3«hre 1192 leifteten bie Stinifterialen als Sörberfdpft bem 1 9. o. Ärone§, Seiträge jur Oueltenfunbe unb ©efebiebte be§ fteir. Sanbtag§toefen§. Beiträge 2, 3, 4, 6, 16. — 51. ßu fdjin bon @B en= greutl), Öfterveicbiftfie DleiiiSgefibiibte I. — ßujdjin von Gtbengreutl), $ie Anfänge ber Sanbftänbe. @bbel§ fiiffor. 3eitfib. 42. 93b. neuen iperjoge Seo^olb bie ,f)ulbtgui%, wobei btefer bie ^reifieiten bet SJtinifterialen anerfannte. ®a§ war ber erfte @rbl)ulbigung§= lanbtag. ©eit ber Stufjeidjnung ber 9ted)te ber [temfdjen 9)tini= fterialen war, wie fcfwn erwähnt, ba§ 9lnfe!)en berfelben fe^r geftiegen, unb biefeS Ülnfe^en lief; ifyre perfönlidje Unfreiheit tier= geffen. Sa!)er weigerten fid) bie freien ütbeligen nid)t mehr, in eheliche SSerbinbungen mit unfreien Utinifteriaten 511 treten. Slber „nod) mufSten eS bie tiornehmften sJJtinifterialen=@efd)lcd)ter bulben, wenn bei beabfitijtigter SBermählnng ihrer SUnber untereinanber ober mit fremben Ötinifterialen bie §anb beS SanbeSherrn rüd= fid)t§lo§ eingriff, hier eine SSraut beftimmte, bort einen SSräutigam äitrüdwieS. Ültlein man trug e§ mit Unwillen als bie Unbill eines tieralteten §erlommenS unb wartete nur ber ©elegenheit, biefe brüdenbe ffeffel p fprengen". 5Diefe ©elegenheit bot fid) pr 3eit beS §erpg§ ^riebrid) II. ®iefer ffürft, ber eigentlich ben ©influfS, ben bie 9Jiinifterialen auSübten, herabbrüden wollte, mufSte pr Seit feines SwifteS mit bem Saifer pfehen, wie bie 9ted)te beS 9lbeIS tiermehrt würben. SDamalS halten fich, wie eben angebeutet, bie wenigen ®rafen= unb §reiherren=@efti)led)ter ben 93tinifterialen bereits angefdjloffen unb bilbeten mit biefen ben hohen SanbeSabet ober bie sperren, währenb ihre SehenStnannen, bie ütitter, als nieberer Slbel bezeichnet würben. ®ie Dtitter bilbeten bamalS noch leinen gefd)lof= fcnen ©taub; SSürger= unb Sauernföhne, welche Sn ft jum $ßaffen= hnnbwerf hatten, tonnten fid) ihnen anfd)liehen. 9Iach bem SluSfterben ber Sabenberger fühlte fich ber hohe 'Ilbel ganz als ber Vertreter beS SanbeS; er trat häufig zu $er= fammlungen zufammen, um bie SanbeSangelegenheiten zuberathen. inwieweit fid) an biefen Serathungen ber geiftlidje ©rof;grunb= befi| als foldfer betheiligt hat, ift nicht flar. Schon zur Seit ber lebten Sabenberger waren bie ©rafen, Freiherren unb ßanbeSminifterialen im Sefitw ber nieberen ®erichtS= barteit auf ihren ©ütern. üion ben freien @efc^Ied)tern ronreu bte ^erborragenbften bie freien tion ©annecf im ©üben be§ SanbeS, bie fpäter ®rafen Oon 6itli mürben unb bon benen nod) bie 9iebe fein toirb, unb bie Herren bon ißeggau. 3fn bet s)iä()e beS DtarfteS ißeggau liegen auf einem Reifen bie krümmer ber Snrg e g g a n unb eine ©tunbe roeiter auf= roärts bie Ruinen oon'^fannberg. 58efi|er biefer SBurgen roaren im jmolften 3af)tf)nnbert bie Herren bon ißeggau Ofkcfof) ober SßecEau), bie fiel) bann ©rafen bon ißfannberg nannten, ©ie roaren nafje SSerroanbte ber färntifdjen ©rafen bon 3eltfi|a($) unb befaßen and) ©üter in Zürnten unb Öfterreid). ©ie nahmen am politifd)eu Seben regen 'Knt^eil, ftarben aber im 9Jtann§ftamm fdjon 1363 auS. ®ie Zodjter beS legten SßfannbergerS poganu, namens 911 ar= gareta, heiratete in erfter @()e ben ©rafen 3ot)ann bon ßiHi unb nad) beffen Zobe ben ©rafen ^)ugo VIL bon 9Jt o n t f o r t= 39 re gen ber nun feinen Ziteln ben eines Öerrn bon 9ßfann= berg beifügte. ition ben lanbeSfürftlidjen 9JtinifteriaIen=©efd)led)tern gaben megrere in ben ütngelegengeiten beS SanbeS eine entfegeibenbe Stolle gefpielt. $ie Herren bon ©tubenberg traten juerft im jroölften Sagrgunbert auf, igre ©tammburg ©tubenberg an ber ffeiftrig liegt in Stuinen. 3gr ^auptbefig lag aber im 9Jtür^tgale um Kapfenberg; fie erwarben mit ber 3eit ungeroognlid) biele ©üter, barunter Söieben unb Sturecf. ©ine ©age biefeS IpaufeS erjiiglt: ulfing bon ©tubenberg fegrtc nad) acgtjägriger Slbroefengeit naeg Kapfenberg jutüd, um feine Verlobte eignes bon ^abSburg, bereit blonben tpaarjopf er ftetS in fübernem SSerfcgluffe am §elnt getragen, als 2Beib geimjufiigreu. ©r fanb fie als 39raut StübigerS bon Kuenring unb töbtete biefen auf ber |)öge beS StennfelbeS nätijft 33rud. SieS füll im 3agre 1009 gef (gegen fein. ®ie ©tubenberg traten mit ben bornegmften @efd)led)tern in tßerbinbung. Itlriig II., ber im Sagre 1291 ftarb, war buug feine ©emaglin ©lifabetg bon Ottenburg mit ben ©rnfcn bon ©ör; = $irot berfctiroagert; fein ©ot)n griebrict) fämbfte im 3af)re 1278 in ber ©ä)Iact)t bei Oürntrut für Dtubolf bon JpnbSburg, trat aber nadftfer gegen beffen ©o^n 9ttbred)t, feinen SanbeSfürften, auf. ©eit bem 3af)re 1320 betteiben bie ©tubenberg baS Sanbešfi^enfenamt. Oie Familie © a n r a u, beren ©tammburg in ber 9Zi% bon Un^martt ftanb, tüfst fiti) bis in ben Anfang beS ^roötften 3at)r= fjunbertS ^urüctberfotgen. 3n biefem 3at)rt)unbert roerben 2trnolb unb ©eifrieb ©aurau ermähnt. OiefeS ©efct)lect)t betteibete feit 1625 bie tSrbmarfctjatlioürbe in ©teiermarf unb ertofct) 1846 im tDZannSftamme. Oie ©iiter ^remftiitten unb Sigift, foroie ba§ fßataiS in ber ©borgaffe jn ©ta; giengen an bie gräftict) ©oeß’fdje Familie über. Oie iedjtenftein traten ^u Anfang beS ^mölften 3a^r= t)uubert§ im heutigen 9tieberöfterreid) auf; ein Ottmar bon tiied)ten= ftein erfdjeint mit fteirifd)en unb fat^burgifdien ©bien als 3eutte in einer Urtunbe, bie im ^alfre 1140 in ffriefucf) auSgefteltt rourbe; fein Sruber ^ief; Otto. Oie ©tammburg ber Siedjtenftcin mar $ i e d) t e n ft e i n, bie fid) auf einem felftgen Serge natje bei 3ubenburg ertjob unb je|t in Orümmern liegt; ben ßiecf)ten= ftein gehörte and) bie ^rauenburg, beren Dtuinen auf einem fteiten Seifen gegenüber oon Un^nartt 511 feljen finb, ferner ber 9JZarft SZurau. Ottmar, ber crfte ©rbtammerer oon ©teiermart, |atte brei ©öfjne, bon benen ber eine, Ulrid), als DJZinnefäuger 6erül)mt getoorben ift. UlrictfS ©otjn Otto rourbe Sanbe§lfau))t= mann unb tampfte für iRubolf bon §abSburg in ber ©ä)lad)t bei Oürnfrut. @r ift ber ©rbauer ber fdjönen got£)ifd)en 3ßfarrfitd)e in Shiran. 3m fünfzehnten 3ahrf)unberte roar sJZi$laS bon 8ied)ten= ftein ein angefeffener, mäd)tiger §err; bann aber fant biefeS ®efd)led)t an SZBürben unb 9teid)tf)um, bie ©üter mufSten bertauft 'Derben, bis im 3aflre 1619 bie Samilie Sied)tenftein im sJJZannS= ftamme erlofd). ©ine gemcinfame sjtbftammung beS jetzigen fürft= lictjen Kaufes Sieditenftein mit ben altfteirifdjen Siedjtenftein 4* lüf§t ftc^ nii|t erroetfen. ®ie fürfttictje Familie öiedjtenftetit ettmirf) feit bem tiorigen 3at)r£)unbert ©üter in ©teiermatf unb befi|t je^t öotlenegg unb gtouent^al bei 5Deutfc£) = SnnbSbcrg, sJtieger§burg, @d|toanberg unb Siectjtenftein bei ^ubenburg. ®ie Sßübonier tauctjen im 3at)re 1178 mit ^ortnib Don $ÖUbon auf, halb batauf roirb auc^ ein ^ertaub öon SBilbon genannt, ber ^er^agtidjer Slručtjfefš unb beim tperjog Dttotar unb bann bei ben ^Babenbergern fe^r angefetjen mar unb einen Sruber 3tid)er tjatte. ^erranb mar ber ©i^roiegerfoljn beS Sbten Seuttjolb öon (Sutenberg ober SBalbftein. Siefer ^atte jmei $öct)ter, bie üom §erranb öon SBilbon unb Söilfielm öon ^eunburg geraubt mürben. 9lad)bem Seutljolb Don SBatbftein in ritterii^cr f^e^be übermunben mar, gab er feine (SinmiUigung jur Beirat, unb fo tonnte §erranb feine Staut ©ertrüb, bie er einer Sermanbten übergeben tjatte, als (Sattin fjeimfüfiren. @r erhielt mit i^r Stöalbftein bei ®eutfct)= ^eiftrig, 3Beij unb ba§ unraeit baöon gelegene (Sutenberg. §erranb Ijatte nietjt allein öon bem SanbeSfürften, fonbern au cf) öon ben Slöftern Slbmont, ©t, Sambre^t unb ©t. ipaul in Samten, fomie auct) öon ben ©rafen öon Sßleien ©üter ju Selben, ©r befaß and) iRiegerSburg unb in Oberöfterreid) bas ©c^lofs ©teieregg. ©ein älterer ©oljn Seutfiolb grünbete im 3a^re 1230 baS ©f)otfferten= ftift ju ©tainj unb öer^eiratete feine jroei 2;öd)ter mit DJtitgliebern angefebener ©efd)led)ter: ©ertrub üermäf)Ite fid) mit 511bero öon Suenring=®ürnftein unb 51gneS mit Otto II. öon Siedjtenftein, bem ©offne beS sMnnefänger§ Ulrii^. Seut^olbS SBruber lllrid) unb feine ©ölfne § er raub II. unb § artnib nahmen an ben politifcfyen ©reigniffen nad) bem UluSfterben ber Sabenberger leb= haften SIntljeil; .fterranb II., bet bie ©djlöffer ©üßenftein, ißre= mareSburg bei Söfladf unb ©leidjenberg befaß, fjat fid) and) als 3)iä)ter bemertbar gemaäft unb mar mit Sert^a, ber jüngeren Zoster beS DJIinnefängers lllrid) öon ßiedjtenftein, öerfieiratet. Oie Stüber Iperranb II. unb §artnib arbeiteten am ©turje ber tperrfdjaft OttofarS unb gelten ju Dfubolf öon ^absburg, ber bem jpartnib ba§ 5Jiarfč)allaint 0erlief); bod) emfiörte fid) §artnib nad)mal§ gegen 2tl6red)t I. unb mufSte bie $urg unb fperrfdjaft SBifbon auMiefern, roofür er ($ibi§roafb erhielt. Ser legte SBifbonier, lUricfy, ftarb im Sagte 1315. Sie größeren (Süter ber SBifbonier giengen in ben $efi| ber Herren öon SBafffee über. 3u ben ültejten Familien be§ Snnbe§ gegoren aucg bie @Saf(er, bie au§ „ber ©aif" bei ©edan in Oberfteier flammen, bie ber ft ein, ^ ran dg auf ißng in Cberfteier, Scuffenbacg, SrauttmanSborff, SEßinbifcggräg unb Söurmbranb. $on einigen biefer Familien roirb in einem anberen 3ufnnmten= gange ^u reben fein. 9fod) im elften, bor^ugStneife aber im ^roölften unb brei= ^egnten Sagrgunbert rourben in ©teiermürf ^aglreicge 33urgen erbaut; beim jebcr ©runbgerr, ob er ein freier ober ein ßegen§= mann roar, erricgtete feinem unb feiner Untertganeü ©cguge unb mit §iffe feiner ßeibeigenen, ©runbgofben unb Untertganen SurgftaKe unb 23urgen. Siefe äfteften $urgen finb geute ber= fcgrounben, liegen in Srümmetn ober finb burčg fgätere Um= unb 3iibauten beränbert roorben. 3U ^en äfteften 23urgen gegörten ©trecgqu im ©ericgtsbejirfe ittottenmann, ©aurau in ber 9täge bon Un^marft, bie grauenburg unb ßiedjtenftein, Offenburg im sfßöl§tgale, (špbenftein, ba§ ben Übergang bom 9)tur= in§ ßabant= tgat betoad)te; an ber mittleren 91 tut ftanben 9tabenftein unb '•Jßeggau, ©öfting unb ©ra;, im fyeiftrigtgafe $ßalbftein. Sn ber öftfidjen ©teiermarf entftanben ©utenberg, iftabmannsborf, Sßei§, 9tabed unb ©tubed; auf einem gegen 33afaltfelfen ergob fieg bie 9tieger§burg unb auf einem mäßigen £mgel Sgalberg bei SecgantS= ürtgen. Sm Unterlanbe entftanben SBifbon, ßeibnig (©eggau), 'fßettau, 9fft=2Beitenftein bei ©onobiß unb Königsberg ob 'Jtann.1 Sm brei^eguten Sngrgunbert rourbe aucg in ©teiermarf ber ^urgenbau eingefigränft; niemanb füllte ogne beš ßanbeSgerrn 1 3. 8. Satju. Surgen unb Edjlöfier. ®ie öfterr.mngarifctje 9)tonar^ie in $öort unb $ilb: ©teiermarf. @rlau6ni§ eine fefte SSutg bauen bütfen, aber in ber 3roif|i)e”= berrfdjaft beachtete man biefe ®a|ung nid)t. 3m Saufe be§ brei= ^e^nten 3a^rt)imbert§ entftanben ^ordjtenftein 511 9teumorft unb SBafferberg 311 ©aal bei S'nittelfeib, Sifdjof Sruno tion OImü| errid)tete Sanbsfron in $rnd, unb ba§ ©tift idbmant erbaute ©t. ©allen. $)ie alten SBurgen ftanben auf fteilabfallenben Reifen, bie nur roenig Staunt boten, fo baf§ eine ©ntroidelung in bie ißreite unmöglich mar. ®ie einfadjften SBurgen beftanben au§ einem SHfurm, ber bon ©raben unb DJtauer eingefäjloffen mar. ($in Seifbiel einer folgen Einlage fiat fid) erlfalten, e§ ift ber $^urm $u SBaierborf nnroeit SDturau. ©inen Rolfen, maffitien 24)urm ^atte faft jebe größere 33urg, er Ijieg Sergfrieb unb biente als Söarte unb le|te 3uflu^t8ftütte. ®er ©ingang mar nidft $u ebener ©rbe, fonbern in ber £)öffe eines ©todroerfeS angebracht, fo bafS man auf Settern hinauf gelangte. 3m Untergefdfoffe befanb fid) baS $erlie§, ba§ als $orratl)§fammer ober auch fli§ ©efüngniS biente. 3n unruhigen 3eiten mürben roohl auch gefangene f^einbe ober felbft Saufleute, bie man auf ber ©trage überfallen hnt*ef im $ erliefe öermat)rt. 5)a§ Ipauptgebäube mar baS Herrenhaus ober berSßalaS; ben größten Staum in bemfelben nahm ber Stüter)aal ein. Sie fyenfter ber ©emad)er roaren Heine bieredige Öffnungen, fgäter tarnen runbbogige Sohhelfenfter auf. 33erfä)loffen roaren fie mit feinen $nrmf)öuten, HornbHitten, Ölhaftier, Sßergament ober Seintoanb. ©las rourbe erft im fünfzehnten 3ahrhim^ert allgemeiner oerroenbet. 3n ben ffenfternifdien ftanben fteinerne Sänte. Ser HauSrath rourbe in Sruhen aus SSudienhoIj aufberoahrt, bie roie bie tßettftütten in ben Surgen iReicherer mit ©chnihroerf oerfehen roaren. 3m ©emad) ber Hausfrau fehlte nie ber ©ßiegel, runb unb öon gefdjliffenem SOtetall; ©laSfhiegel roaren feiten. 3m SßalaS befanb fid) aud) bie Saftelle; ber Surgfahlan roar eine angefehene Sßerfönlichteit. ©r unterrichtete bie Sinber in ber Steligion, beforgte bie ©orrefponbenj beS SBurgherrn unb roar in ber Ülrzneifunbe beronnbert. 'Sie Hausfrau leitete bie gauje §au§^altung, beauf= fid)tigte bie ©artenroirtfdiaft, ben $au be§ $lad)fe§ unb feine $emrbeitung, bie 3ll4t ^er 39ienen, roeldje ba§ für bie IMdjter nötige 2Bad)S unb ben iponig lieferten, ber ftarf Uerbrnudjt tourbe, ba man 3udcr nid)t ()ntte. Sie (šr^ieljung ber ■JJtäbdjen toar i^re ©nd)c. Riebet rourbe groar $unäd)ft auf tüdftige Sennt= niffe im -■pausroefen gefelfen; aber bie DJtäbdjen würben amt) 511 twfifdjem Seneljmen angeljalten, ba§ fid) in ber ipaltung bes Sörf)er§, im fragen ber Hieiber unb im 3teben seigte. ®ie Hunft beS SefenS unb be§ ©djreibenS rourbe ben DJtübdjen in ber iltegel beigebradft, and) gehörte e§ ^ur guten @r§iel)ung, baf§ fie fingen unb ein Snftrument fielen lernten; in biefen Häuften roaren bie Samen be§ 9Jtittelalter§ ben Herren überlegen. mangelte nid)t an Südfern aus pergament, toeldie entroeber ©ebete aber 9titter= gebid)te unb Ityrifdfe Stiftungen enthielten. Sie ÜtuSbilbung ber ^unfferren, Hnafifien, ber ©oljne anberer ülbeliger, bie in ba§ ©efolge eines SBurgferrn eintraten, um ben 9titterbienft 511 erlernen, beforgte biefer felbft, ober roenn er rcid) toar, ein von ifm beftellier Sefrineifter.1 3n aufierorbentlidjem ötaffe rourbe bie ©aftfreunbfdjaft geübt, ©itte unb ©efe| befahlen, feinen ffremben, ber um Verberge bat, ab^utoeifen. 91uf;er SSerroanbten, Sßefannten unb greunben erfdjiencn oft 9titter, bie in ber SCßelt Ijerum^ogen, um Abenteuer beftetjen, sfMlger, fafrenbe ©cfüler, £)aufierer, bie itjre $ßaren feilboten unb ©bielleute. 9111e rourben gern gefefen, man Ijordjte iljren @rjül)= lungen, erfuljr oou ihnen, roa§ in ber $ßelt gefifeljen toar, larfjte über ihre ©fiüffe. 91m liebften nahm man bie ritterbürtigen Sidjter nuf, bie ihre eigenen Sieber ober bie anberer 9)tinnebid)ter fangen, toährenb ein ©enoffe ben ©efang auf ber ffiebel begleitete, ober flud) epifdje ©ebidjte Dortrugen. 2 greubig betoillfommt rourbe amf 1 6ori, $au unb @iniid)tung ber beutfeben Surgen im iDZittelnlter. 2. ttufl. 1897. 2 tt. ©c^ßnbaeh, 3BaItber uon ber Sogelroeibe. ®re§bcn 1889. — 56 — bn§ luftige SSolt ber ©fiielleute, bie ^11 Zünden auffpieiten, 3ßoffen unb ißubbenfbiete auffütjrten, allerlei (Bautlertünfte Oorfüfirten, meift lodere ©efeHen, bie an ernfte Ülrbeit nidjt gerob^nt toaren. 5Durd) foldje $efuc£)e rourbe ba§ Seben auf ber 23urg, ba§ einförmig unb nad) unferen tßegriffen roenig befjaglid) mar, ange= netim unterbrodjen. ©onft faff man in ben ©tunben, bie von ber Arbeit frei roaren, in ber Kemenate ober im Sommer auf bem luftigen SBalfon, tion mo man über bie fpölfen ^inroeg, auf ba§ grüne Z^al unb bie ferne ßanbftra^e blicfen tonnte. Ober man unterhielt fid) im Saumgarten, ber gerobljnlid) forgfaltig gepflegt mar. Stan fpielte ©d)ad) in ber Saube, „lagerte im ©rünen, um ber Stufit ober bem Sortrage ber Sieber unb ben @r§äl)lungen p^ul)ören; man plauberte Ijier, §u ^roeien gefeilt ober in ©ruppen oereinigt, man tankte im ©äjatten ber Säume auf grünem Dtafen; hier fpieltc man Slinbefuh, fd)lug ben Sali unb roarf ben 3üng. Oie Spiele mürben oft mit ©efang unb allerlei Sdjer^ begleitet, unb bie Oamen metteiferten barin mit ben Stännern. Herren unb Oamen giengen fpajieren, pflüdten Slumen, lagerten fid), manben buftige Srän^e unb festen fid) biefelben gegenfeitig auf ba§ fpaupt. Oiefe Sd)ilberung ift nid)t übertrieben. Oa§ Stittelalter mar in feiner tpäu§lict)teit nidjt fo inbolent unb be§ feineren @efd)madeS bar, al§ man e§ fid) fo häufig bentt." ltnterbrod)en rourbe bie 3teil)e ber Arbeitstage aud) burd) oerfd)iebene ffefte, an benen e§ an gefellfd)aftlid)en Unterhaltungen roie Oan^en, ritterlichen Übungen, furnieren, Sagben unb langen Stahl^eiten nid)t mangelte. Oer Oifd) mar mit roeijfen Sinnen gebedt, bie Oeller beftanben in ber älteren 3eü au§ §04, fpater aus 3inn. Oie Steffer hotten betriebene formen, mandje hotten an ber Spitje ein Heines tpätdjen, mit bem man baS ffleifd) aus ber Schüffel holte. Oie ©abel tarn erft fpät in ©ebraud); fie nahm ihren Urfprung bon ben ticinen Sratfpiepen, mit benen man Sögel briet unb §um Stunbe führte. Oie erften ©abein roaren einjintig. ©eroö()nlid) führten bie ©äfte ihr ©fsbefted mit fid). ©erßietten waren wenig üblid), aber es würben üor unb nad) bem @ffen Jßaffer unb jpanbtüdjer |erumgereid)t. ®a§ @ffen war einfad) unb beftanb meift au§ ^ieifd). ®lan liebte ba§ ($ffen ftart gewürgt. ®a§ ©ebadene tarn tjäufig in üer= fd)iebenen Figuren auf ben SEifd). 9Jtan tränt SScin, 9)iet^ unb ißicr. Sie feurigen ©übweine würben gern getrauten; man fod)te fie and) mit ©ewürjen unb ßräutern unb nannte fie bann SBurj= meine, pigment, ft'taret ober Sautertranf. gür ba§ Sßer^atten bei Siifdie bilbcten fid) nad) unb nad) Siegeln IjerauS, bie jeber ©ebilbete befolgen fotlte. 9Jtan ßerlangte, baf§ man mit fauberen ipänben, mo()lgefd)nittcnen 9tageln bei$ifd)e erfd)eine, bie oberfte ©teile nur mit ©trüuben anne^me, bie 3ä^ne nid)t mit bem 99ieffer ftodjere, ©al^ nid)t mit ben Ringern, fonbern mit bem 90ieffer ne^me. ®er $on ber Unterhaltung mar im zwölften unb brcijefinten 3ahrt)imbert anftänbig, aber er öermilberte in ber folgenben ©d)on im breijet)nten ^ahrhunbcrt {lagen bie ®id)ter über ben Siicbergang ber f)öfifd)eu ©itte. Itnfaubere hoffen, t)ofie ©f)iele unb SErinfgelagc waren an ber SEageSorbnung. @8 tarnen bie Seiten, wo ein Siitter großen 28ert barauf legte, ein großer Printer ju fein; unb auch bie grauen fbradjen ben ftart gewürgten Seinen mit Vorliebe ju. 2. J'tc (Sciftlichfcit. 2>ic iiltcftctt ®Iöftcr. ©eit bem breijehnten Sfahrhunbert hatten fünf 33i8thümer Slntheil an ©teiermarf. 25a§ ©ebiet füblich üon ber $rau gehörte üum Patriarchate 9Iquileja, bie ©egenb öon Sluffee jum SiSthume s^ciffau. SD er meftlidje XI) eil beS SanbeS Don ber pad bi§ jur ®Mu mit ben Orten ©t. glorian, Oeutfch=Sanb§berg, ©d)Wan= berg, ©leinftütten, ^)ohenmautl)en unb 9Jtfil)renberg mar ber SDiöcefe ^a°ant jugewiefen. Oie übrige ©teiermarf gehörte jur @rä= biöjefe ©aljburg unb pt $tbcefe ©ecfnu. Dem ©ecfauer $ifc£)of jur ©eite ftanb ber tßrobft be§ ÄatljebratcnbitelS in ©ecfnu, bet nud) als 9trct)ibiacon bie unmittelbare 9tuffi(^t über ben aber= fteirifct)en Dtjeil ber Diöcefe führte, roü^renb ber übrige D^eit unter einem 9trnbeftiturftreiteS finb in ©teiermart mehrere ftlöfter gegrünbet worben. $orl)er beftanb nur ba§ ßlofter ber töenebictinerinnen p @öf; bei Seoben, ba§ bor 1020 non ber in ber ßeobner ©raffdjaft reicf) begüterten, mit bem Äaifer^aufe berwanbten ffamilie ber Dltibone gegrünbet worben war. $on größerer $Bid)tigfeit würbe baS SSenebictinerftift 31 b m o n t, ba§ ber ©rjbife^of ©eb^arb bon «Salzburg im 3n^re 1074, alfo jur 3eit, ba Saifer mtb s^abft noč^ im ^rieben lebten, ins S eben rief unb jtoar auf ©ütern, melct)e bie ©riifin §emma bon griefacl)^ 3eltfd)ad) bem @rjbi§tf)ume junt 3roe(^e einer ßloftergrünbung überlaffen l)atte. ©§ mürbe ber Jungfrau Sütaria unb bem f)eit. 391afiu§ gemeint unb erhielt feine erften DJlönctje aus bem ©tifte ©t. Sßeter in ©aljburg. sDiit ©ütern, .'puben, §öfen, 3tlmen, 3e^enien, Steingärten, SBälbern unb ©aljpfannen mürbe Slbmont reief) auSgeftattet. 3)iefe ©djenfungeu bilbeten ben ©runbftod ber nachmaligen Sßrobfteien unb ^errfct)nften Slbmont, ©allnftein, ©ftabt, 3eiring, <3t. lötartin, 3iaf)ringl)of, ber Srucfer ©ült, ber Slmter f^riß, Ärem§ u. a. unb liegen in ©teiermarf, Ober= unb Dtieberöfterreid), 33aiern, Kärnten, ©aljburg unb SLiroI.1 Sin ber heutigen ©renje bon ©teiermarf unb Kärnten grünbete im ^ahre 1103 ber Kärntner tperjog ipeinrid) au§ bem §aufe ©Öfenftein ba§ SSenebictinerftift ©t. Sambred)t, baS er unge= möhnlid) reich auSftattete. Sie ©d)enfungen, bie in brei Urfunben aufgejählt roerben, gab er bem SUtare beS he't- Sambert „ju einem ©eelgerätlfe für fid) unb feine ©emahlin Seucfart, für feine ©Hern SJtarfroart unb Seutbirg, für feine SSrüber unb SSorfalfren unb überhaupt für alte berftorbenen ©htiftflldubigen". ©efchenft mürben acht Kirchen, nümlid) bie ju SJtariahof, Sinb bei Knittel= felb, Sßeißfirchen, Slflenj, ©t. Sitarein im SJtürjthnle, Slbriad), Sßiber unb ©t. Sltargarethen bei ÜloitSberg, hörige Seute unb ©üter an ©runb unb Soben, bie au§ bem Slflenjthnle. mit allen Stiefen, Steiben unb SBälbern, mit 3agb= unb $ifchgered)tigfeit, au§ berfdjiebenen Dörfern, Stirnen u. bgl. beftanben; baju tarnen bie ÖJtaut unb bie ©rträgniffe beS $urd)gang§jolle§ im Sltarfte Subenburg. Die ©egenb bon ©eeroiefen, ©otlrab unb 9Jtaria=3eÖ 1 S- SBii^ner, ©efcbictite bc§ SBenebictinerftifteS Slbmont. 4 SSänbe. ©taj 1874—1880. 60 — mar alfo in biefer ©djenlung inbegriffen, aber biefe Črte beftanben bamalS noä) nid)t. @rft al§ baš Älofter begann, auf ©al§ unb @ifen graben ju laffen, entroidelten fid) biefe Ortfd)aften inmitten ber großen halber, roeld)e bie §b^en unb SE^iiler bebedten. Cer Crt 3čil mit einer $ird)e ber IjeiL Jungfrau taudjt um 1250 auf, unb halb nad)ffer begannen bie SBaKfa^rten ju biefer Birdie unb bie ©penben unb SBibmungen, roomit baš ©otteštjauš immer reid)lid)er bebaut rourbe. ffdir bie Sßilger, bie nad) DJtaria = 3.ell roanberten unb in ©eeroiefen einjufetjren pflegten, rourbe aud) in biefem Orte eine fiapelle erbaut, unb 3Jtaria=3ell felbft, roo fid) 0erfd)iebenc §anbel§leute nieberliepen, rourbe 1342 bon Iperjog slllbred)t II. ju einem ötartt erhoben. 1 9Za^e ber ©renje bon Srain entftanb im 3af)re 1140 an einem S3ad)e, roeld)er ber ©ann jufliept, burd) ben ©blen Ciepolb bon Äager unb ben iflatriardjen ißeregtin bon 2lquileja ba§ $ene= bictinerftift Oberburg. Cie bisher genannten SHöfter roaren nad) ber Dtegel beš l)eil. 39enebict eingerid)tet. Cent Senebictinerorben berroanbt roat ber © i ft er c i en f er= orben, ber im heutigen granfreid) entftanb. ©eine DJiitglieber trugen ein graueš Orbenštleib unb roerben baffer bon bem Hlolfe im ©egenfage ju ben fcgroarj gefleibetcn SBenebictinern bie grauen 9Jtönd)e genannt, ©in foldjeS Slofter ift 9tein, 91ud) bie ©ifter= cienfer roanbten ber Sobencultur igre iftufmerffamteit ju unb ber= pflanjten eble Obftforten aus granfreicg in alle Sauber, in benen fie fid) nieberlieffen. ©in Älofter für s2tuguftiner=Gl)orfferren grünbete ber ©beimann Ülbelram bon SZBalbed im Sagte 1140 ju ©t. Sltarein bei Snittel= felb; er erbaute bann auf ber bon SBülbetn umgebenen £)od)flad)e ©edau ein neues ©tift, toogin baS ganje s2tnroefen bon ©t. 99tarein 1143 übertragen rourbe. ©in ebenfoldfeS ©tift erricgtete DOtarfgraf 1 9)1. Sßangerl, ©tubien 3111 ©cfd^ic^te be§ ß(ofter§ ©t. Sambretbt. SBeiträge 3; 9JZ. Sßangerl, 9)lana=3en. IDliitf). 18. Ottofnt im Safjre 1163 ju SSorau, unb 1229 entftanb ba§ ©tift ©tainj burct) ßeutljolb bon, Sßiibon unb feine (Sattin ülgneS üon ßiedjtenftein. iDtartgraf Ottotar üerfctjaffte and) bem ftrengften Orben, bem ber ßartfiäufer, Eingang in ©teiennarf. $en 9)titgliebern biefeS Orben§ roar fogar ba§ iJteben unterfagt, itjre Reibung mufSte auS fd)ted)ten unb groben ©toffen tierfertigt fein, [für fie erbaute Ottotar ju © e i j in einem einfamen (SebirgSt^ale bei (Sonobitj eine Sart^aufe, ineldje bie erfte in ®eutfd)(anb mar. (Sine jmeite entftanb 1173 in bem abgelegenen (Sairad) im SSejirfe SLüffer burd) ben 93ifd)of §einrid) tion ©urt. Sind) ber ^oljanniterorbeu unb ber beutfdje Dtitterorben erhielten früljjeitig S3efi|ungen in ©teiennarf. ®ie Stitterorben ftetlten an bie ©pitjen itjrer lliebertaffungett ober (Sommenben Komture; mehrere (Sommenben bilbetcn eine töallei. (Sine (Sommenbe beS ^oljanniterorbcnS beftanb in [fürften= felb, p meldjer ber (Srjbifdfof 5lbalbert tion ©aljburg int Satjre 1197 ben ©runb legte, als er bem Orben bie Sirdje ju ÜberSbad) bei ffürftenfelb fdjenfte. (Sine peite (Sommenbe ber ^oljanniter, bie nadjmalS and) ÜJMtefer Ijie^en, entftanb in 3)telling= berg bei Sitarburg. Oer beutfdje 9titterorben, ber fd)on eine ©om= menbe in ©rofifonntag befaf;, erhielt eine peitc in ber Itä^e tion ©raj. Öftlid) tion biefer ©tabt, bie bamals 33airifd)=©raj genannt mürbe, er!)ob fidj auf einem ß el), b. §ügel, ein fleineS Sird)lein, baS ber ^eiligen Sunigunbe gemeint roar. |)erpg [frieb= rid) II. fdfenfte im ^a^re 1233 biefe Birdie, bie tion feinen $or= fahren errietet roorben roar, fammt ben bapgeprigen ©ütern bem beutfdjen Orben. 3ugleid) napt er alle Sefipmgen beS OrbenS in ©teiennarf in feinen ©djuti, tierlief) ipt eigene ©eridjtsbarfeit, mit SluSnapte tobeSroürbiger 9Serbred)en unb geroäp'te ipt enblid) 91taut= unb y^Hfreipit für ßebenSmittel p eigenem SBebarf. (52 3. Sirffnmfcit unb @iurtc()timg bcr älteren tlöftcr. 2)ic grnuciei: coner unb bie Dominicaner. Die ßlöfter t)aben ftd) um ©teiermart große $erbienfte er= toorbert; fie roaren ötitteltmnfte ber materiellen unb geiftigen 6ultur. ffebeS ßtofter roar eine SBelt für fict) unb roirtte bod) in roeite fernen; jebe§ ßtofter löste brattifdje unb geiftige Aufgaben. Die sFtönd)e nmd)ten ben Soben urbar, bebauten ißn unb grünbeten neue Ülnfiebtungen; in ben ßlofterräumen gebieten bie ^)anbroerte. Die ßtöfter unterhielten ben SBelttierfehr, benn fie legten ©tragen unb .'pofni^e an unb nahmen ben äöanberer gaftlid) auf. Soten giengen ^roifdjen ben ßlöftern hin unb her. Die Stöndje ertheilten Unter= ridjt unb betrieben ©tubien; bie ©d)reibfunft mürbe oon ihnen auSgebilbet; fie machten ©üterber$eid)niffe, zeichneten bie (Sreigniffe auf unb fd)rieben Süd)er geiftlid)en unb toeltlichen Inhalts ab. ©ie betrieben baS Dtedjnen, roobei fie fid) eines mit feinem ©anb bebedten '.Rechenbrettes bebienten, bie Ülftronomie, hielten ben ßalenbet in Orbnung, befd)äftigten fid) mit ber Ülrzneilunbe unb pflegten bie ßunft. 9Jtand)e 9Jtönd)e Oerftanben bie Saufunft, anbere roibmeten fid) ber Silblfauerei unb ber ÜRülerei. Sor allem aber forgten fie für bie türmen, fie fpenbeten reid)lid) 911mofen unb grünbeten in ber 9iäl)c ihrer ßlöfter ©bitiiter unb Verbergen für ßranfe unb arme SReifenbe. Den Giftercienfern roar oorgefd)rieben, alte Sauroerf'c in einfachfter SBeife her^uftellen. CftroartS bon ber ßirche mufste baS ©djlafhauS unb baS Ga$)itelhauS, gegen ©üben baS iRefectorium unb bie ßüdje, gegen SBeften baS tübthauS unb bie 'Jßförtnerftube unb in einiger Gmtfernung baS §oft)izhflu§ erridjtet roerben. Die ßlöfter rourben (Sroßgrunbbefiher. ©d)on bei ihrer ©rünbung rourben fie mit bebeutenbem Sefitje auSgeftattet, unb aud) fpäter rourben ihnen ©üter zugetoenbet; hrrborragenbe sübelSgefd)led)ter mahlten fich ein ßlofter als Segräbnisftütte unb machten bafür allerlei ©ßenben. @s tarn nidjt feiten vor, bafS (Sbelleute, roeldje ein ßlofter gefchäbigt hatten, tion 9teue ergriffen, biefen ©(haben burd) Eingabe tfjrer ©üter toieber gutmnd)ten, bie fie bann ge= toö^nlid) al§ fielen jurücferfjielten. ©o traten fie gleidffam in bie 3)ienfte be§ ßlofterS. 9Jianc^er erinnerte fid; erft auf bem ©terbe= bette, im 9lngefid)te be§ SobeS, feiner Unikaten unb berföfinte fid) bnrd) eine ©abe mit ber gefd)übigten Äird)e ober berbflid)tete feine ©rben, ba§ Unrecht gut^umadjen. ötandje ©fienbe ronrbc gemadjt, bamit am ^id)re§tage be§ $obe§ ein ©otteSbienft oeranftaltet roerbe, ober jur ©rtjaltung eines „ewigen Sict)teS". ©o befaßen bie Stifter .gtife, §uben, 9Jiü()ten, Steingärten, Käufer unb ©iilten, oft in entlegenen Crten unb in anberen Sänbern. Slbmont !)atte, wie erwähnt, 3Befi|ungen and) in Öfter= reid), ©aljburg, 33aiern, Sirot unb Särnten. 2)ieS erfctjwcrte jwar bie Verwaltung, war beu Stiftern aber nidjt unangenehm; benn wenn ©lementarereigniffe ober Sricge ben Vefit; in ber einen ©egenb trafen, fo war baS Stifter bod) nur tlfeilweife gefi^äbigt unb eS bejog ©elb unb Vaturfirobucte tion ben anberen Vefitjungen. Sind; üerfdjiebene Vegünftigungcn würben ihnen jugewenbet, wie SJtautfreiheit bei §erbeifd)affuug Don SebenSmitteln unb Sauf= mannswaren unb ber gebürenfreie Vejug bon ©alj auS ben ©alinen. Sie Stifter berjeidjneten bie burd) ©tiftungen, Sauf ober Saufd) erworbenen ©üter in ©tiftungS=, SrabitionS= ober ©aal b ü d) e r n, um fo ihren Vefiijftanb feftjuftellen, ju fidjern unb jene ;u branbmarfen, Weldje fid) ungered)terweife Stiftergüter aneigneten; fie fdjrieben in Siefrolo gien ober Sobtenbüd) ern bie 9tamen ber 2tohl= tl)äter auf, für bereu ©eelenheil am jährlichen ©ebad)tniStage gebetet Würbe, ©ic legten Veryid)niffe ber 3eher>te unb Slbgaben ber Unter= tljanen unb ©runbholben an; folche Ver§eichniffe nennt man Urbare. Sie jerftreut liegenben ©üter eines Stifters waren in Vinter ge= t()eilt, bie bon Vmtleuten ober SDteicrn berwaltet würben. Siefe nahmen bie Slbgaben ber Untertf)anen entgegen unb lieferten ben iiberfd)ufs an baS Stifter ab. Vn ber ©fiihe eines Stifters ftanb ber Sibt, if)m jur ©eite ber Sßrior, bem bie eigentliche 91ufred)tf)altung ber CrbenS= bifciplin anbertraut roar. 5)er 2lbt führte ben Sruminftab, einen üting unb trug auf ber SBruft ein Sreu^. 9Jtani^em 2l6te rourbe erlaubt, auct) bie 3nful ju tragen, unb it)ren Sßrofeffen bic nieberen SBeitjen ju ertfieilen. ®er (Santor intonierte beim ßtjorgebete, ber ßufto» ober (Sufter beforgte afteš für bie Sirä)c unb ben @otte§bienft 9tot[)= roenbige unb ad)tete auf bie toürbige @rl)altung ber ©rabftätten ber SBo^tttjäter beS ©tiftcS. ®er gelterer nat)m bie ©etbabgaben ber jpolben in Sntpfang, bie Oon ben Amtleuten abgeliefert mürben, fd)lid)tete ©treitigfeiten unter ben Kolben unb ^alf ifmen mit Statt) unb STfjat bei UnglüdSfällen. 2)er ß a ft n e r beforgte bie @infamm= hing ber 3el)entgetreibe in bem Saften, einem großen fteinernen ©ebäube, unb bie Sßertoertung. Unter feiner 2luffid)t ftanb gemöljn= nlid) bie Sßfifterei ober SBäderei. ®er Sämmerer forgte für bie tpauSötonomie; er roar Süd)en= unb ©ßeifemeifter. Sem ©ßitaler roar bie SIuffid)t über baS ©fittat anbertraut, unb in einem ©emadje an ber Stofterpforte rootmte ber Pförtner, bei bem fid) bie gtem= ben melbeten unb ber bie Sinnen mit Skoten bett)eilte, bie er ftets oorrätfjig tjatte. Saienbtüber unb ^anbroerfer Oerfertigten im Slrbeit§= l)aufe alle Sleiber, 2Bo!)nung§einrid)tungen unb 2Birtfd)nft§gemit)e; e§ gab in mand)em Slofter ein eigenes ©d)u^t)au§, in roeldjem alles ©ctju^loerf angefertigt rourbe. 9Jtit sJtad)tfd)ul)en mad)te ba§ ©tift Stein feinen ©önnern unb fyreunben ©efttjente. 3m 3ot)re 1450 erhielten ber SSifdjof Oon ©edau, ber SanbeStjaufitmann, ber SanbeS= oerroefer foroie anbere Slbelige unb einflufSreidje ißerfonen je ein Sßaar fctjöne ©d)laffd)ulje. Stiele Slöfter fd)(offen unter fid) Vereine, um für einanber §u beten. Sind) roeltlidje ^erfonen traten folgen itiereinen bei unb würben oon ben SJtöndjen als Srüber aufgenommen. Sie Stauten ber fo SBerbünbeten fielen in ben 3SerbrüberungS= b tigern, ©rfolgte ber Sob einer befonberS üerbienten Sßerfönlid)= feit, fo erließ man Srauerrunbfd)reiben, Sobtenroteln genannt, roelä)e bie gönn oon langen Iftergamentftreifen ßatten unb oon einem (Boten in alle Derbrüberten Älöfter gebracht würben. Ser oberste ©d)u|!)err ober ©t^irmtiogt ber ßtöfter roar ber SanbeSfjerr, an beffen ©teile Unter=, %aften= ober Singtiögte befteöt tourben. Siefe mufsten bie Sirdje gegen ©eroalttljätigfeiten fd)ü^en, iljre 9ted)te Dcrt()eibigen, gegen roibcrfpenftige Untertanen einfdjreiten, t)ted)t treten, nnb and) ben S3lutbann, b. I). bie ©erid)tsbarfeit über Seben unb Sob, roenn fie bem ßlofter tier= liefen roorben roar, auSüben. Safür befaf; ber $ogt Von ber Sirene Se^en unb Selige an ©elb unb ütaturalien, fo $. §afet (ben itiogtfjnfer). Sie 9Sögte toufSten if)r 9tmt erblid) 511 madjen unb fud)ten tüter unb ©ülten ber %ird)e an fid) 511 reifen; fie roaren fetjr oft nidjt 58efd)ütjer, fonbern SBebrüder ber S’irdje. @§ roar im 50tittelalter ©ebftogentjeit, in ber 9täl)e ber Diänner= tlöfter ttöfter für grauen beSfelben OrbenS (ii errichten. ©0 ent= ftanb um 1120 am Unten Ufer beS 91bmontbad)e§ ba§ 91onnen= f Io ft er Stbmont. tarn halb ^u ülnfeljen, unb bie bornetfmften 9Ibeügen fal)en e§ gern, roenn eine ifirer Söd)ter ober Angehörigen in biefem Slofter ben ©äjleier nahm. Sie Tonnen roaren ber= bf(id)tet, fid) bie nötige tleibung felbft 511 fbinnen unb 51t roeben, baher rourben ihnen auf;er ben 3tnten nut ©t^f^- unb Stimmer= toolle ^ugetoenbet. 3n biefeš Slofter trat and) bie ungarifdfe sflrin= ^effin © o b I)'e r bie Sodjter be§ StönigS Sein II. unb ©djroefter be§ StönigS ©eifa II., ein. ©ie roar mit tpeinrid), bem ©ohn beS beutften StaiferS St'onrab II., tierlobt unb mit reidjer iDiitgift nad) ^Regensburg gebracht roorben. AIS aber bie Verlobung aufgehoben roorben roar, begab fie fid) 1146 in baS Aonnenflofter Abmont, roo fie unter Setoiöigung ihrer Acrroanbten bie ©elübbe ablegte unb bis ^u ihrem SebenSenbe blieb. 23alb nad) ihrer ©rünbung tourben aud) ber 9)tinoriten= unb ber Sominicanerorben in ©teiermarf heimifd). Siefe Orben roaren uid)t beftimmt, in einem entlegenen ShfiIe e'n einfameS Seben ^u führen unb bie 9Jtenfd)en ^u meiben; fie füllten tiielmehr mit ben fÖtenften tierfehren unb auf fie roirfen. Salfer fud)ten fie bie ©ttibte auf, bie allmählich aut ln ©teiermarf bie 58rennf)unfte beS $olfS= 5 9)2 n 9 er, ©efdjidjte ber ©teiermarf. 66 — lebe n § würben. Sin Sominicanertlofter beftnnb feit 1230 in $ettau; bie ©rünbetin war iDiet^tüb, bie Söitwe griebrid)§ tion ißetiau. 1280 entftanb ein SDominicanerflofter in Seoben. ^tir $omini= canerinnen ftiftete ©eiftieb bon 91t a fi r e n b e r g 1251 in biefem Orte ein Stofter, unb ein anbereS entftanb ju © t u b e n i | bei (Sitti. Oie lltinoriten Ratten Slnfieblungen in ©raj, 3uben= bürg, üßettau unb 33rud. Sin Hlofter beS OrbenS ber Slariffiniten, ber bon ber ^eiligen Klara bon Slffifi in Italien ge= grünbet worben war, entftanb um 1250 in Snbenburg burct) einen reichen 33ürger Jpeinrid) unb feine ©attin ©ifela. 4. fUKft.1 Oie erften Kirdjen beS SanbeS waren aus |)oIj erbaut; erft jur 3e>t be§ 3'nbeftiturftreiteg entftanben würbige fteinerne ©ultu§= ftätten. ©ie würben in bem bamalS üblietjen 33auftit, bem roma= nifetjen, aufgefü^rt. Oer ©runbrifS ift oblong unb ba§ ©d)iff urfbrünglict) ftaci) gebeett, Oljore unb genfter finb runbbogig, im Innern großer Kirchen wirb bie Trennung ber ©cfjiffe burd) pfeiler-ober ©üulen bewertftelligt; ber Knauf ber ©aulen wirb burdf einen unten abgefdjrügtcn SBürfel ober einen Keld) mit Pflanzen ober b^antaftifd) gehaltene 91tcnfd)en= ober Oljiergcftalten gebilbet. Oa§ bebeutenbfte 33auwerf ber ©teiermarf au§ biefet 3eit ift bie Kirche be§ S^ort)errenftifte§ ©edau in ber 9tä()e tion Knittelfelb. pegt beftegt bort ein 33enebictinerftift, beffen 9Jtutterflofter 33euron in ©übbeutfdjlanb ift. 9Iuä) bie Pfarrtirdjen tion pettau, 9Jtarburg, pölS finb romnnifd), ebenfo einige Oorffirdjen. 91tanä)e finb grunbe gegangen unb an itfrer ©teile ergeben fid) fegt 33auten in einem auberen ©tile; mitunter gat ber 33aumeifter einzelne Ogeile be§ alten 33aue§ bei bem neuen tierwenbet. 91tan finb et mitunter aud) tleine, runbe Kapellen, bie als 9teben= ober Oauftirtgen bejeid)net würben, ©ie ftegen auf 1 $on großer SBidjtigfeit ift bie tunfttiiftonfibe Seitfdirift Sirenen» frčnmtd"/ rebig. Don % @rau§; 6i§ jeljt 28 Sotjvgänge. — (57 — §riebf)öfen, ^aben unten eine ©ruft jur Stufbetrm^rung ber SEobten= gebeine unb werben b alp er and). Sanier, b. t. $einl)öufer genannt. ®te einfactjfte gönn jeigt ber Karner ju ©t. 3b n f) r e ct) t bei Srud Slbandjmal tritt ber 3IItarraum al§ tpatbfreisförmigc 3SorIage f)erau§, fo bei bem Karner ju ©t. Sßeter am Kammersberg, ju ©t. SRarein bei 9teumarft, ju ©t. ©eorgen ob ÜJJurau, 3ßbl§, 3 at) ring, ©t. Sambrecfpt unb § artberg. $ie Karner ju ©t. Sambredpt unb §artberg jeigen eine tiiel funfbollere 9IuS= fütprung als bie früher genannten. ®ie Sffiänbe ber romanifäien Kirdpen waren juweüen bemalt. 3n ber 3e't/ ba bie 3n^l ber SSüdper gering unb ber ©dpulunterridpt btirftig war, lafen unfere ißorfalpren fpaufiger als wir in ben Silbern ber Kirdpe bie Offenbarungen ©otteS, bie Serben ber Slutjeugen unb bie Stfpaten ber ^eiligen, ©o ffiradp bie Malerei ber ÜBänbe eine allgemein öerftänblicfpe ©pradpe, jumal wenn bie Ußrebigt an biefe Silber antnübfte. Sud) bie Sufjenfciten ber Kirdpen waren nidpt olpne Semalung; mitunter jeigte fiel) fpier bie überlebensgroße ©cftalt beS Ipeil. ßlpriftoblp, ber bie Slpcnbeltmlpner bor iiberfdpwemmung unb ©rbrutfdpen ju bewahren [patte, ©rßalten ift auS romanifefper 3eit nur ein foIdpeS Silb, baS fidp am ©d)Iof§= tlpurm ju Saierborf nörblidp üon 9Jiurau befinbet. Sn unferen Klöftern werben nodp üerfdpiebene äßerfe ber ©oIbfdpmiebeinnft aus romanifdper 3e’t aufbewalprt, bie wolpl in ben Klöftern felbft entftanben finb, beim fdpon im jwölften Salprlpunbert werben in Klofterurtunben ©olbfdpmiebe erwälpnt. @S finben fidp Krummftäbe, üteliquienfäpreine, ©cfäße; tunftboKe © t i= der eien lieferten bie Sewofpnerinnen ber 9tonnentIöfter. Sn @öß ftctlte in ber jweiten Hälfte beS breijelpnten SoßripunbertS bie Sbtiffin Kunigunbe einen Stefpornnt [per, weläper nodp erhalten ift. ®aS Snteßenbium jeigt bie bon ben Sßeifen beS 9JtorgenlanbeS berefprte 9Jtabonna, @ngel mit SBeißrauäpgefäßen unb bie Sbtiffin beS. KlofterS, weldpe fnienb betet, ©onft bewalprt bie Kirdpe bon ©öß nodp mefptere feßöne Arbeiten ber tejtilen Kunft. ÜJlidjt unertoä^nt barf bie Suc^materei bleiben, bie befon= ber§ in SSorou eifrige pflege fanb. ®er funftfertige 9)ibnd) §eič)= nete bie Figuren tior, bann legte er mit färben aus. ©o entftanb ber reijenbe töilberfdjmmf ber mittelalterlichen §)anbfc()riften, bie Initialen unb DJäniaturen, bie wir heute noch berounbern. 2tuct) ber Sinbanb ber .fpanbfäjriften würbe häufig auf lunftboHe SBeife hergeftellt; felbft roertboKe (Sbelfteine unb (Solbplatten würben pr würbigen SluSftattung ber Ginbünbe berwenbet. 5. Schule unb Sičhtfunft. 3n allen Slöftern gab eS Schulen, bie jeboch nur ber 91uS= bilbung ber ©eiftlichen bienten. 23on anberen Schulen hört man wenig; bod) ift eS fidjer, baf§ in ben größeren Orten tßfarrfd)ulen beftanben. gür ben religiöfen SlnfchauungSunterridjt beS SSolteS biente baS ganje TOttelalter hiuburch bie 2trmenbibel, ein au§ oier^ig einfeitig bemalten ^oljtafeln beftehenbeS $üd)lein. $ßeld)er 51rt bie Sdjule war, bie beim CrbcnSljaufe ber beutfd)en gtitter am Sedi in ©raj entftanben war, weiß man nicht. Dtubolf Don ipabSburg räumte biefen OrbenSbrübern 1278 baS Stecht ein, an ihrer Sird)e eine Sdple p haHen unb ben oberften Sehrer p ernennen. 3ugleich nahm er bie Schüler in feinen Sd)u| unb ertlärte, bafS fie nur unter ber richterlichen (Bemalt ihres ßom= thurS flehen folten. Die SBiffenfdjaften würben nur in ben ßlöftern betrieben. Dabon zeugen u. a. and) bie Dielen ^anbfchriften, welche in fteirifchen Stiftern gefdjrieben ober Don ihnen erworben worben finb. Die größten jpanbfdjriftenfammlungen befitjen Slbmont, SSorau, Stein unb St. Sambrecht. Die Slbmonter Šlbte ®ottfrieb, Srimbert unb 3'fenrit, meld)e theoloijifche SBerte in Iatei= nifcher Sßradje gefchrieben ha6en, werben p ben gelehrteren Sltännern beS zwölften SahrhunbertS-gerechnet. 3n Stbmont fä)rieb man auch Slnnalen. Sltan pg aus anberen htftortfd)en SBerten auS, maš man barin ÜBiffenSWertes borfanb, unb fdpieb bann alljährlich bie wichtigften (Sreigntffe auf, p bereu SenntniS bie ä'Iofterbrüber gelangten. 3)tefc 3a^rbütt)er mürben bi§ pm Satire 1250 fortgefe^t. 3U bebnuern ift bie geringe 21u8füfjtM)feit ber sllu^eict)nungen. ®o roirb bcifbielSroeife beim 3al)re 1246 nur gefügt: „tper^og grtebricf) roirb getöbtet. $n bemfelben 3a|re nat)m Sönig Sonrab @üfabet£), bie Zoster beg .§er^og§ Otto Don Saiern, §ur ©emablin." 9Iuf ben SBurgen erteilte rooljt, roie fc^on ermähnt, ber SBurgtapIan Unterridjt im Sefen unb Schreiben, boct) nahmen faft nur bie grauen unb il)re 3roct)ter baran tljeil, bie Knaben rourben nic()t bagu ungehalten. 2)ie Sichtet, roeld)e anfangs bem geifttictjen ©tanbe ange= hörten, pflegten bor^ugSroeife bie geiftlidje ®ict)tung. ©olthe @e= bidjte enthält beifpielSroeife eine ,^)nnbfchrift im Älofter SSorau au§ bem brei^ehnten Sahrhunbert, in ber auch bie fogenannte ßa i f er d) r o n i f enthalten ift. $iefe trägt bie Überfdjrift „(£ro= nifen bon ber Saifer unb pebften tjeptten unb bil mer anber materi", ©ie führt bie ©ef'i)id)te ber römifd)en unb beutfdfen Äaifer Don tRomulus unb SuliuS ($äfat bis ßothar 1139 unb bietet Diele ©agen unb Segenben. aSolfSthümliche Siebeslieber hat eS and) in biefer 3eit gegeben, aber fie finb nid)t aufgefdjrieben roorben. 3)ie 3reilbe an ben alten tpelbenfagen bes beutfd)en aiolfeS roar nod) road), unb bie fahrenben ©ünger, roeld)c er^ählenbe ®id)tungen Dortrugen unb lt)tifd)e ©ebid)te fangen, fanben ftetS banfbare 3uhäter. $ielleid)t finb bie epifdjen Sieber in ©teiermarf 511 größeren Dichtungen ^ufammengefafst roorben. ttlriä) Don Siechten ft ein, beffen ülntheilnahme am politifd)en Seben roir fd)on fennen gelernt haben, ift ber berühmtefte fteirifd)e Dichter beS 9JtittelnlterS. (Sr fdjricb juerft ben „ffrauenbienft", in roelchem er fein bem Dienfte ber ff rauen geroibmeteS Seben befchreibt. ©eine 'Dtinnelieber finb ber (Stählung eingefügt. aiuSführlid) beridjtet er Don feiner Steife, bie er im Satire 1227 als ff rau ttienuS Derfleibet Don 9Jteftre im $enetianifd)en aus unternahm, ©r 50g mit feiner Dienerfdjaft, feinen ©pielleuten, roelchc ihre ffiebetn, fflöten unb aßofaunen oft ertönen liefen, nnb Don einem 3uiW nnberer 'Jtitter begteitet, über SEarDiš, yittac^, Subenburg, ßeoben, 9)iür^ufd)lng unb ben Semmering nacij SBien unb bon ba bi§ gegen bie mäijrifciie @ren§e. Sie Ütitter roaren aufgeforbert roorben, mit üjm einen Strauß äu befteijen; fie eilten fjerbei, mit iijm turnieren unb erhielten, roenn jte Sieger blieben, einen (Solbring. SßDfaunenblafer tiertünbeten ben Seginn be§ StambffbieleS. Sei Sdjeifüng [telite fidj ber Ütitter 3'lfung bon Sdjeifiing ein, ber 500 Scijeüen an fici) trug, bei Sinbberg Otto bon Sucijaue, ber ein ininbi[dje§ äßeiberfieib anfiatte, [o baf§ bie SenuS mit einem roinbifdjen 2Beibe fampfte. (Sin großes SEurnier, ba§ Älofterneuburg abge= fjalten mürbe, be[i|lof§ biefe abenteucrlidje ^atjrt. 3mölf 3'aijre [pater trat Ulrid) bon feiner Surg Siedjtenfteiu einen ^roeiten 3U9 nn, bieSntal als Sönig üirtuS berfteibet. @r trug einen [djarladjrotijen $ßappenrod, ben ein grünbortiger ©ürtei ^ufammenijieit; an ber Sruft ijatte er ein ^üftiein bon (Solb. Sein ütofS mar mit einer langen, [dßariadjrotßen Seife berfeljen. So ritt er burdj baS Sanb. Ütußer bem „grauenb ienft" [djrieb Ulrici) ba§ „grauen« budj", in roeidjem er in ber gönn eines ©e[präd)e§ jroifdjen einem Ütitter unb einer Same ben Serfati ber [einen ritteriidjen Sitten unb ber Sidjffunft beflogt. (Sr [tarb bor 1275. Sein ©rabftein befinbet [icß je|t in ber ßiräje St. 3afob auf bem grauenberge nädjft ber grauenburg. Sie 3n[d)ri[t beS ©rabfteineS ift bie ältefte beutfdje ©rabfdjrift unb lautet: „f)ier liegt Ulrid), biefeS Kaufes redjter (Srbe." üiudj Jp e r r a n b bon $ß i 1 b o n, einem ©e[d)led)te ange= ijörig, baS am politifdjen Seben ebenfalls regen Üintijeil naljm, bidjtete Ültinnelieber unb außerbem hier poetifdje (Srjäljlungen. (Sr mar mit Sertlja, ber jüngeren Sodjter UlridjS bon Siedjtenftein, berfjeiratet, roafjrenb UiridjS Sotjn Otto $)erranb3 Safe ÜigneS jur ©ema^iin Ijatte. Sieber ijaben mir audj bon Üt u b o I [ non Stabed, beffen Surg bei üinbri|=Urfprung [tanb, unb bon einem ©amieder. 3» einem ungemein umfangreichen, in Werfen gefdjriebenen ffßerfe, einer 9teimd)ronif, [teilt Ottofor, ein $ienft= mann Ottos non Siectjtenftein, bie ®efcf)id)te ber Satire 1246—1309 bar. (Sr Bel)anbelt jtrnir noqugStneife bie (Sreigniffe, bie fid) in ©teiernmrf unb Öfterreid) abffnelten; ober and) bon nnberen Sön= bern, non Ungarn, grantreid) unb Italien gibt er oft fetjr auS= füfirlid)e 9tad)rid)ten. 9lud) er beflogt baS Einbringen neuer Sitten. SBoIlte ©ott, ruft er einmal auS, bie Steirer wären nod) wie öor wenig fahren! 3d) habe oft gehört, bafS 9titter unb Runter non ben grauen gebriefen würben, wenn fie nom tparnifd) S(hmu|= fteden an fid) hQtien. 3e|t tragen fie am §alfe eine ©ugel (tabuje), um fid) it)n weiß ju holten unb jum Schutie gegen ben Sonnenbranb. Oaher werben euch t’ic ftömifd)en 9iitter nid)t mehr fo fürchten, als ba ben grauen bie fd)inui)ige (Sifenfarbe nod) ritterlich unb als ein 3eid)en ber Üabferfeit erfd)ien. 9lud) gieren fegt manche ihr fpaar wie fonft bie grauen, wä'hrenb früher bie 9titter, bie weiblichen Sitten hnlbigten, nerfbottet würben. Sffiotlte ©ott, ihr Steirer, bie Sitte eurer Stüter wäre eud) nod) lieb. 6. tBcrghmi, Stäbtc unb ^anbel. 3)utd) ben Sergbau gewann man öorjugSweife Saig unb (Sifen; bod) gab es auch Slrfenifgruben, ©olbmäfdjereien, fiubfer= unb Silberbergwerfe. $aS Rlofter St. ßambred)t hatte baS 9tcd)t gum Bergbau auf Saig unb (Srge unb im s4tiber= unb Sainadjthale auf bie ©ewinnung bon Shibfer. Sin ber 3eiring beftanb ein Silberberg= wert, bon bem leib er nur bürftige unb unfichere 91nd)rid)ten auf uns gefommen finb. Es l)eipt, bafS im Saf)« 1159 alle Sd)ad)te bon ©emäffern, bie ploglid) auf unterirbifd)en SBegen hevbeifluteten, angefüllt würben, wobei 1400 Snobgen if)r Seben berloren. SSor allem wiihtig mar bie ©ewinnung bon Eifen, bon bem finiter bie Siebe fein wirb, unb bon Saig.1 i i Snama = @ terne gg, $ie Sterfajfung ber ©alitten im 9Jlittetalter 9Biener @iljuiig§ber. 1886. @S ift einleudjtenb, baf§ ben grofjen geiftlidjcn unb roettlidjen -Öerrfdjaften, rodd)e für eine 9Jženge iDienfdfen 51t forgen fjatten unb bie 3Sie^ud)t fiarf betrieben, am 33efi|e einer Salzquelle ober am gefilterten Sezuge tion ©alz überhaupt fetjr nie! gelegen roar. ßöuig §einrid) II. fdjentte im Sn^re 1016 bem ©rafen äöillfelm bon 3ettfdfud) in Samten ben brüten üEtjeil feiner ©aline im 9tbmontt!)ale. TDiefer Ztieil tarn bann nebft ztoei ©alz= Pfannen zu 9Ieid)ent)an an bo§ Slofter Ülbmont. $iel ©alz bietet bie ©egenb bon 91uffee. 3)ie Salzquellen gehörten mit bem ©runbe unb $oben bem SanbeSfürften. Sie ©oole rourbe zu mehreren HluSlaufftellen (SBrunnen) geleitet, bon roo fie in bie Öfen ober ©iebefiäufer gelangte; bieS roaren ff)olzt)ütten, in beiten fid) eine ober mehrere Salzpfannen befanben, bie mit §eizbor= ridjtungen berfetjen roaren. Sie ©alzarbeiter roaren 1)orige Seute, bie fammt bem ©runb unb $oben berünpert roerbeu tonnten. (Sine Salzquelle z» 91uffee roar bem Slofter 9tein Oerliel)cu tuorben, ba§ and) anbete ©utšbefitjer roat)rfd)einlid) bertragSmäpig am ©alzgetoinne tl)eilnef)men liep. Siefe patten alfo roie ba§ Slofter ©ubpäufer ober Salzpfannen unb roaprfd)einlid) einen Speit beS 2Balbe§ ober roenigftenS ba§ 9ted)t be§ ^lolzbezngeš. 9118 bie Dteiner Saline erfipöpft roar, eröffnete ba§ Slofter eine neue, aber aucp Seofblb liep um 1210 in bemfelben ©alz= berge eine Saline anlegen; ber Streit, bet barüber entftanb, rourbe burcp einen tßergleicp beigelegt. 91u8 ben perzoglicpen Salinen bezogen ©utsbefiper, Stabte unb DJiürfte, bie feine Salzquelle patten, ipr Salz, baS in pölzernen Salzfufen auf Sßägen ober Saumroffen berfracptet rourbe. Sic Zaplreid)en Salzarbeiter, bie, roie gefagt, anfangs leibeigen roaren unb in flehten ©epöften in ber Otäpe tprer Salinen toopnten, gelangten natp unb nacp felbft in ben 33efip bon Subpäufern, roofür fie bem SanbeSfürften als fperrn ber Salinen einen feften 3inS in ©elb ober Naturalien ablieferten; ipr sJted)t an bie ©ub= päufer ober Salzpfannen (baS ißfannenrecpt) rourbe erblicp, fie werben (šrbfuljer, gerabe fo, wie bie leibeigenen Säuern bom jeljnten bi§ jum jroölften 3a^rf)unbert @rb;in§leute würben. 3a bie ©aljfieber Dem 9Iuffee, bie bem ©alinen^errn wie ben Sejug§= berechtigten unb .'pänblern gegenüber baS gleiche 3ntereffe hotten, uerbnnben fiel) ju einer 3nnung unb erfdjeinen als gefreite ©alj= lieber ober „^atlinger". 3hre würben jum Ötnrtte 9t u f f e e. Über bie Sntftehung unb erfte Sntwicfetung ber 9Jtartte unb Stabte in Steiermarf läfSt fid) aus iDtangel an urfunb= liehern Wtateriat wenig Sicheres jagen. 1 ®ie SanbeSfürften unb großen ©runbbefißer forberten bie tteinen Ortfdjaften, bie am guße einer Surg ober an einer lebhaften Straße ober an einem glufje entftanben waren, inbem fie ben 91nfieblern ©runbftücte gegen einen jährlichen 3'n§ überließen, ber für ben ©runbbefißer ein ficßereS ©intommen mar. 3» ben erften 9tnfieblern gehörten aud) unfreie, höi'ige Seute, bie mit ©rlaubnis ihrer sperren in ben Utarft überfiebelten, um bort ßanbmirtfd)aft ober ©ewerbc ju treiben. Siefe ipörigteit Derlor fid) mit ber 3e>t, fo bafS porige mit ber 9tufnahme in eine Stabt bie perfönliche Freiheit gewannen unb ber ©runbfatj „Stabtluft madjt frei" jur ©eltung tarn. $en Sern ber StabtbeDölferung bilbeten bie Sürger; außerbem gab eS 3nmol)ner, welche baS $ürgerred)t nid)t gen offen, @äfte, b. h- $rembe, bie fid) üorübergehenb aufhielten unb häufig and) 3uben, bie eine eigene ©emeinbe bilbeten, wenn fie in größerer 3aht Dorhanben waren. 3n ben auf lanbeSfürftlid)em ©runbe entftanbenen Stabten unb tötärtten feßte woßl ber SanbeSfürft felbft ein Cberhaußt, einen tßräfecten, ein, ber für bie Sicherheit beS OrteS §u forgen hatte unb and) rid)terlid)e ©ewalt befaß. 3m Saufe ber Seiten erhielten bie Sürger baS tRecßt, fieß felbft ein Oberhaupt, ben 9t i d) t e r, ju wäßlen, bod) mufste biefer bom SanbeSßerrn beftätigt 1 Ißeintidb, 3)ie ädere Drtmung unb Sßerfalfung ber Stäbte in ©teier= mar! ©raä 1879. 1. Sufrfiin »on ©bengreutf), Öfterr. 9?eicf)Bgefc£|ic!)tc. 91. §uber, 9teidb§gef(bidb(e. werben unb i()m ben @ib ber $reue teiften. 3n ben Orten, roeld)e auf bem ©runbe eines ©ut§befi|er§ entftanben, fam bie 23eftüti= gung bež 9tičt)ter§ biefem §u- 9ll6 alfo lanbeSfürftlidje unb nicfitlanbešftirftlictje ©täbte unb DJtärtte. Um bie ©täbte unb DJtärfte empor^ubtingen, gab ihnen ber SanbeSfürft ober ber ©runbljerr Verfdjiebenc 9ted)te ober 5ßribilegien. 3u biefen gehört baS@tapel= ober 9tieb erlagSre i$)t, nach welchem frembe Saufleute gezwungen waren, ihre SBaren in bem betreffenben Orte nieberjulegen unb brei 5Eage lang ben ^Bürgern äum IBerfaufe an^ubieten. Oie SSürger ber ht'iö'legierten ©tobt hatten benmad) baS $orfaufSred)t. IDZit bem ©tahelredjt Oerbanb fidi ber ©traßengwang, ber ben Saufleuten gebot, gewiffe ©tragen einphalten. Oamit war fowohl ben brioilegierten ©tobten gebient, weldje bie Saufleute berühren mufsten, als auch ^ent ßanbe§herrn, ber bort feine 99tautftätten hatte. 9Iud) baS Verbot, auf beut flachen Sanbe fntnbel $u treiben ober bcftimmte ©enterbe auS^uüben, trug jur ipebung ber ©tobte bei, bie bemnad) auf Unfoften anberer Orte emftorfamen. Oie ŽBermaltung ber ftitbtifdfen Ülngelegenheiten fam eigentlid) bet gefammten Sürgerfdjaft ^u, bie in ben älteren 3eiten roohl auch ält 3SerhanbIungen ^ufammenberufen würbe. ,£)atte fid) eine ©tobt berart üergrößert, baf§ $erhanblungen aller 39ürger un= thunlid) fdfienen, fo wählte man 33ürgerauSfd)üffe. ©o ftanb neben bem Stichler, ber alle 3ahre gewählt würbe, ber innere, gefdjworene ober Heinere 9t a t h , and) 9tath§gefd)Worenen genannt, gewöhnlich ätDälf „frumme, ehrbare, wohlgelernte unb oernünftige Seute", bie au§ ben wohlhabenberen ©emeinbemttgliebern gewählt würben, unb bann auch ber äußere 9t a t f, beffen SJtitglieber gewöhnlid) bem weniger bemittelten ©ewerbeftanbe angehörten. Oiefer äußere 9tath tierfdjwanb im Saufe beS fedj^ehnten 3ahr= hunbertS, fftüter aud) bie fogenannten „Sierer" (fälfchlid) „Rührer" genannt), b. f. tiier au§ ber ©emeinbe gewählteiOtünuer, welche biefe beim ütathe tiertraten, ben 9tath§fi|ungen beiwohnten, jtoar ü^ne ©tinunen, bod) mit bem Dtcd)te, gegen 33efi|lüffe $er= ro at) run g einjulegen. 2Begcn ber jii^rlid)en (šrneuetung ober $er= iinbcrung be§ Dtat^eS unb ber $icrer tam e§ mnnnigfad)en ©treitigfeiten. $>ie ©efdjäfte be§ ütat^eS öerme^rten [id) mit ber tiorfdfreitenben ©ntroidelung ber ©tabt; er beforgtc bic SSermattung be§ [tübtifdjen Vermögens, bie Socalpoli^ei, führte bie 2Iuf[id)t über ben sHlarft, bie ©bitiiler, ba§ 3unfttoefen/ bie ©djute unb baš ©ert)ab=, b. £). $ormunb[d)nft§mefen. ®er ipanbel blühte jur y^it ber Sreujjüge mädjtig embor, beim bie beutfdjen 3teid)§[täbte unb 2Bien traten in SSerte^r mit tßenebig, unb bie midjtigften ^)anbelšftraRen giengen burd) bie Sllbentanber. 5)ie obero[terreid)ifd)en ©tübte führten itjre SBaren burd) Dberfteier über geiring, bie SBiener ^aufleute braud)ten bie Straße über ben Semmering, Stud, Seoben, gubenburg nad) Zürnten. 9Iu§ ©teiermart giengen @i[en unb (Sifenroaren, Seinen= unb Sßoltmaren unb ^etjmert, ©peif, ^ed) jur (šrjeugung mm Serpentin nad) SScnebig; auž biefer ©tabt führte man merttiotte geuge, Žebbidte, ©efdjmeibe, (Sbetfteine, nenetiani[d)c ©eife, @üb= friid)te unb ©eroiirje ßerbei. Sn großen ötcngen mürbe Pfeffer ein= unb burtijgefüßrt, ber aus gnbien tarn. Safran fant auS Spanien unb mürbe in 3fquileja, bem ^außtmarftfilaße für ®eutfd)Ianb unb Öfterreid), angefauft. ffiebeutenb mar ber Serbnunf) Don 9tofinen ober gibeben, SJtanbetn, 9fei§ unb gucfer. 3)od) gebrauste man ftatt be§ guderS, ber feßr tfjeuer mar, lieber ben einßeimifd)en ^onig. ®a§ gaßtunggmittet mar Silber in ungemünjtem guftanbe als tgarren, ober gemünjt als Pfenning (ober Senat, $). ©eßragt mürbe nur ber Pfenning unb feine §alfte, ber fpiilbling ober geller. 91m Derbreitetften mären bie ^ rief ad) er Pfenninge, bie Don ben ©aljburger (srjbifdjöfen in ffriefacß gefcßlagen mürben, unb bie 91 gl ai er, bie auS ber ÜMnjftätte ber iflatriarcfjen Don 91quileja ftammten. ©fjäter üerbreiteten fid) bie ©rajer Pfenninge, bie Don ben ßanbeSfjetren in ©raj unb maßrfdfeinlicß audj ju 3eiring au§ bem bort gewonnenen ©über geprägt mürben. Über bie meiften biefer 2Jtünjen gewannen mit ber 3eit bte SBiener Pfenninge ba§ Übergemiä)t.1 30 Pfenninge machten einen ©Rüting (©olibu§, ß) unb 240 ein ipfunb (fi) au§. 5t^t ©üjitlinge giengen batjer auf ein üßfunb. (Sin Pfenning tjatte in ber ^weiten |)älfte be§ 13. 3apr= ^unbertS ben SBert twn etwa fieben Steufreujern. Sei fleinen 3af)Iungen würbe ber betrag in Pfenningen jugejätilt, bei größeren 51tgewogen; beim bie einzelnen ©tüde waren tion ungleicher ©dimere. (Sine tierberblidie IDtafsregel war bie häufige 3Jtünjerneuerung, mclct)e bem SanbeSfürften unb ben $8ed)§lern großen 51u|en brachte. SBenn bie DJUinje erneuert war, würbe bie alte nur noch tur^e 3e't angenommen, aber ju einem geringeren SÖerte, unb fpäter würbe bie alte sJJtünje bem Sefi^er fogar confiSciert. Sie ©teirer, welche über bie häufigen 9Jiün§erncuerungen beS lebten iöabenbergerS ju (lagen hatten, ermirften beim auch, w'e fd)on berichtet, im Satire 1237 bei R'aifer fSriebtid) II. bie Sßeftimmung, bafS bie (Srneuerung ber 95Iünje, bie au§ ^abfucht be§ ßanbeSfürften 511 offenfunbigem ©(haben ber Sewohner be§ SanbeS oftmals erfolgte, in 3u(unft Don ber 3uftimmung ber angefef)enften Utinifterialen abhängig fein fülle. 91ber biefeS 9tccht tonnten bie DJtinifterialen nid)t behaupten; beim and) in ben folgenben 3e^en unb auch unter Cttofar II. fanben häufige SJtiinjerneuerungen ftatt, bereit (SrlöS fogar als jährliche ©innahmen in ipelmigS tRentenbud) aufgenommen mürbe. 7. Sic $nuent. Sie SSiSthümer, Rlöfter unb abeligen Familien, welche in ben öftlid)en 9llpenlänbern Don Rar! bem ©roßen unb feinen 9iad)= folgern, fowie Don ben beutftiicn Röntgen ßanbftrecten erhielten, unb 1 31. »on Shifdjin = Gbengreutl), ®ie Söicner ipferminge, SSien 1877. — 6. Steinberj, ®ie 6inf|e6ung be§ Sboner Sehnten im ©rjbiSthum Saljburg (1282—1285). lölitth. be§ 2tnftitut§ 14. tue 9lmt§t>erfonen, alfo tior allen bie ©raten, bie mit ©ütern auS= geftattet mürben, waren beftrcbt, ifjren 23cfi^ ertragSfii^ig §u nuutjen. SCßer einen grofjen Sanbbefi^ fyatte, befielt gemöl)nlict) nur ben ^erren^of mit einem 2f)eile bcr sä(ter unb Söiefen, beS $ßeibe= unb SBalblanbeS in eigener ülcrmaltung. ®ie nöttjigen Arbeiten berric^teten geroö^nliä) perfönlid) unfreie Seute, porige ober Seibeigene. ©oldje Seute burften iljren 2öof)nort nidjt roedjfeln, fid) nur mit Erlaubnis il)re§ Jperrn nerljeiraten unb tonnten oljne ober mit bem ©runb unb Soben oertauft, Oerfdjenft unb oertaufdjt werben, galten alfo al§ ©adjen. ©o Dertaufdjte im $alfre 870 ber Sifdjof 9lnno oon greifing feine ÜJtagb ÜBalbburg mit iljren jmei ©ö^nen einem 5lbte ötegilo, ber bafür ben Snedjt SBoIfram, jmei Odjfen unb einen Salten Sud) gab. 3m 3al)rc 932 taufdjte @qbifd)of Sbalbert 106 Seibeigene im ©aljburggau gegen ebenfoüiele in einem anbern ©au ein. 3nt 3al)re 1020 fdjentte ber Haifer ^einrid) II. feinem Kaplan unb Serroanbtcn 9lribo elf porige mit iljren Familien unter ber Sebingung, baf§ fie nad) Sribos Sobe an ba§ filofter ©bjj fallen füllten. 3ur £,e'T(d braudjten biefe Seibeigenen bie SemiHigung iljrer §errfi^aft. Sßenn @igen= leute Oerfdjiebener §errfd)aften heirateten, fo würbe bie 2lrt ber Sfjeilung ber äinber bertragSmägig feftgefe^t. 3m 3al)re 1279 fd)Iof§ Sifdjof Ä'onrab II. Oon ffreifing mit bem 2lbte ^einrid) Oon Slbmont bejüglid) ber @jcn ihrer Seibeigenen folgenben Sertrag: Sie Slinber fallen gleich geheilt werben, unb wenn auS ber @hc nur ein ßinb heroorgienge ober bie 3^1 i>er finaben eine ungleidje wäre, foll ba§ einzige Kinb ober ber überzählige ftnabe jenem ©otteShaufe jufaKen, bem bie fötutter angel)ört. Söenn ein Seib= eigener wiberrechtlid) Ijanbelte, fo haftete fein .fberr für ben baraug entftanbenen ©djaben. Seibeigene betrieben auf ben jperrenljöfen unb in ben Älöftern auch ^)anbwerte, fie waren alfo ©djneiber, ©djufter, ©djmiebe, 3immerer, SBagner, SUiller, Sürfdjner. 2öa§ bie Sefi|er großer Sanbgebiete nidjt felbft bewirtfdjafteten, theilten fie einzelnen Seibeigenen zur Sewirtfdjaftung mit ber Ser= pflitfyhmg ju, aus bem @rträgniffc ber 2ßirtfd)nft beftimmte togaben ju entrichten unb and) perfönliche ®ienfte ju leiften. 2ßo bie 3ahl ber porigen unb Unfreien geringer mar, tourben fold)e SBirtfdjaften auch freien überlaffen, toobei bie Sauer ber Sßeroirtfd)aftung unb bie Seiftungen feftgefegt mürben, ©ie tonnten ben @runb unb Soben nur für ihre sf3erfon auf einige 3ahre ober auf SebenSjeit (al§ ffreiftift) ober auch mit bem 3ted)te ber Sererbung ober be§ Serfaufeg (ju @rb=, ju Saufreiht) erhalten. 3inifd)en bem Sefi| ber @rofigrunbbefi|er gab eg roohl aud) freie Säuern, bie fid) aber nid)t behaupten tonnten unb nach unb nach jur Seiftung oon Abgaben an bie @rof;grunbbefitjer ber= ftehen mufgten. Sie bäuerlid)en Sanbroirtfchaften hiehen C>uben ober ^)öfe; bie $oltg=§ube, auch bairifche §ube genannt, mar urfprünglich ein agrarifdjeg IDiaf; Oon roeit geringerer @röf;e alg bie Sönigghube, mit ber fie alfo nicht bermeä)felt roerben barf; fpüter öerftanb man unter einer fmbe einen ©nmbbefitj, ber für ben ltnter= halt einer Familie augreid)te. Sie §ube umfafgte bie Jpofftütte mit SBohnhaug unb SMrtfihaftggebäuben, ©arten unb Iderlanb, gemöhn= lieh 30 Sagmerte grofi. Unter einem Sagroerfe öerftanb man fo viel Sanb, alg man an einem Sage mit bem 3ßfinge bauen tonnte. @g ift fein 3roeifel, bafg bie ältere Sefieblung beg ßanbeg oorjuggroeife burd) ben ©injelhof ober ©injelhofgruppen gefchal). Sie planmäßige Anlegung eineg Sorfeg, roie fie in Söhnten unb Stühren geroöhnliif) mar, erfolgte in ©teiermart nid)t. 3U einem §ofe 'gehörte urfprüngliih cin auggebelfnter, jufammenhängenber ©runbbefi|, Oon bem ein Sheil p s2(cfer= unb Sßiefenlanb gemadjt mürbe, roährenb ber anbere $ßalb blieb ober alg 9Beibe Serroenbung fanb. Sät ber geil jerfiel biefer ganje fpof ober bie ungetheilte |)ube in Sheilfföfe, Oon betten jeber eine befonbere ^offtatt unb oerfdjiebene, nid)t jufammenhängenbe ©runbftücfe hotte, fo bafg attg einem §ofe ein ganjeg Sorf entftanb. Sie Sage ber oon bem ©roßgruubbefipe abhängigen, ju 91bgaben unb Sienften oerpfliihteten Seoölfenmg mar alfo fefjr tierfč£)ieben. 3n Oberfteier gab e§ me()r freien %Ieingrunb= befitj alg im Unterlanbe, wo bie 3a^ ber Seibeigenen größer ge= roefen fein mag. 9)ian barf fief) aber bie Sage ber Seibeigenen, roeld)e Don i()rem §errn ein ©tücf Saab jur Bebauung erhalten Ratten, nid)t als fd)led)t Dorftellen; fie burften fid) freilid) Don bem anbertrauten ©rnnbe nidjt entfernen, nnb roenn fie flotjen, tonnte ifmen baS mitgenommene ©nt auf offener ©trage Don jebermann ftrafloS roeggenommen roerben; and) ftanb itjnen bie ä'ßat)! ber (Stjegenoffin nid)t frei; aber fie befaßen ipab nnb ©nt, ba§ in it)rer Familie forterbte, nnb Ratten fclbft roieber Seibeigene, bie fie and) freilaffen tonnten. Überhaupt üerloren fid) bie gärten ber Seibeigenf^aft nad) nnb nad), befonber§ in ben feiten ber Sreu^üge; biefe leibeigenen Säuern bermengten fid) mit ber 3eit mit ben urfprüngliti) freien Seutcn nnb e§ bilbete fid) ber ©tanb ber @rbjin§Ieute, bereu So§ Diel gefieberter mar al§ ba§ ber freien Sleingrnnbbcfißer. ©ben be§l)alb begaben fid) biefe immer häufiger in ben ©d)uts eines ©roßgrunbbefißcrS nnb mürben binglid) unfrei. StnberfeitS ftüd)teten fid) Seibeigene in bie ©tobte, nahmen einen SDienft an ober betrieben ein ^anbmerf nnb mürben fo freie Seute; bie ©tabtluft machte fie frei. Sie ©tiibte nahmen fotd)e Seutc gerne auf, aber 9tubolf I. orbnete 1277 an, baf§ „@igen= teilte ber Stinifterialen ober Sanbftänbe ober and) anbere £mlben, bie auf bereit ©ütern in irgenb einer Sffieife behaust finb nnb ohne ©rtaubniS in eine ©tabt ober einen DJiartt gezogen mären, um bie in ber ©tabt ober bem ffftarft jutommenbe Freiheit für fid) §u er= langen, fammt allem Jpab unb ©ut ihren Herren ausgeliefert merben foöten". 3n ben älteften übermog roohl bie Siehjudjt, burd) bie man gleifd), öiild), Ääfe, Stöolle unb -|)äute geroann, ben 3lderbau. 91ud) bie Sagb, bie fyifdjerci unb bie 33ienen§ud)t mürben ftart betrieben. ®ejinžt rourben Pfenninge, gtoggen, ©erfte, |)afer, Öopfen, %Iač£)§, Sungfččiroeine, Söcfc, 3'e3enf |)ü^ner, @ier, 23rot= unb ÄaSlaibe, 3nšlii$)t, ^oljfo^Ie, SßoKe. Sienfte waren oerfct)iebene f^u^ren ju Sanbe, bte Überfuhr über einen giufg unb bie @r= nä^rung unb pflege uon Sagb^unben. 8. Scrtoaltuug. ©eit bem 3>üifct)enreict)e erfctjeint als ©tellbertreter be§ 8anbe3= fürften ein SanbeS^auptinann. Diefer flirrt ben ütorfig in ben allgemeinen ®erid)t§tagen ober Sanbtaibingen, tierlautbart bie 9tecl)tSfbi'üä)e unb ©trafen unb beforgt baS SanbeSaufgebot. Dieben biefem Statthalter beforgt ber S a n b f d) r e i b e r baS lanbeSfürftli^e ginangtoefen unb bie ßon$leiangelegenl)eiten ber Verwaltung. 5)er oberfte S a n b e S r i d) t e r ift 3tid)ter im ßanbtaibing. 3)aS ßanb war in eine Dlnjaffl ßanbgerid)te unb ©tabtgerid)te getljeilt; bie ßanbgeridjte waren wie bie DJtauten in Veftanb gegeben ober tier= baä)tet. DaS DJterfmol ber fianbgerid)te ift ber 93lutbann, b. 1). baS 3ted)t, über tobeSWürbige Verbrecher ju richten; alfo gehörten tior baS ßanbgerid)t Vlutwunben, Diebftahl, ©tragenraub, Dtoth= jucht, §auSeinbrud) unb foldje Vergehen, bejüglid) bereu ber ©runbherr beS Dlngeflagtcn bem Kläger and) nach britter DJlalfnung ba§ Dtecht tierweigerte.1 Doch unterftanben bem ßanbgeridjte nur bie unfreien, hörigen Unterthanen ber ©runbherren, ba bie DJtit= gtieber beS Herren = unb ütitterftanbeS im allgemeinen ©eridjte beS ßanbeS, im ßanbtaibing, abgeurtheilt würben. 3ebcr ©runbherr hatte ein grunbherrlid)eS ©eridft; tior biefeS gehörten Verlegungen ohne VlutergufS, DJtifShanblungen, @d)iua= hungen, © (halben, $efi|ftörungen, wie j. 93. ber Überfang, b. h-baS pflügen über ben ffelbrain hinaus. 3m ßaufe ber Seiten er= hielten titele ©runbherren fowie and) @tabt= unb DJtarttgeridjte ben 931utbann, fo bafS bie 3ahl ber ©eridite, bie DobeSurtheile füllen tonnten, fehr grog würbe. 1 ßroneS, Serfaffung unb 93erroaltung D. ©t. I., 401. 3)ie (Sinfünfte beg |)erjog§ floffen au§ bet ®tiinje, ben ©e= ridjteit, ben 'JJiauten, ben ©olinen (Sluffee) unb ben Sergroerfen in ©ifcnerj, SSorbernberg unb 3eil''n9 > baju famcn bie ©elbjinfe unb iRaturatien bon ben lanbegfürftüdjen (Sütern, bie in Sinter eingekeilt waren. Sine befonbere Sinnatjmc war ba§ sJDiard)futter (ißferbefutter, alfo |)afer), bag tion 14 ^farrbejirfen ber 5Jiittet= ftciermart geliefert würbe. 9tad) Ipelwigg Dteitbud) betrugen bie ©elbeinnabmen runb 7600 IDiarf, wiil)renb bie Ituggabcn ungefähr 1960 DJiart augmadjtcn. s2tufierbcm würben bem ßönig Cttofar nod) gelingt 384 öiutt)1 Sßeijen, körn unb §ülfenfrüd)te, 828 DJtutf) $afer, @d)weine im 2Berte tion 1000 DJiart, ferner Sümmer, ©djafe unb SBibber, enbliä) SBein. Siefe 3infc finb burdjwegg geringer als in Öfterreid), nur ber HßeinjinS ift bebeutenber, ein 3e^)enr bafS ber Söeinbau auf ben lanbeSfürftlidfen ©ütern in ©teiermar! ftarfer betrieben würbe als in Öfterreid). Jiucittr $eitramn> $ie Habsburger bis jum SCobe 5riebri(b§ III. 1493. 1. Sltirckt I. 3IIbred)t I. ftanb bei feinemütegierungSantritte int fräftigften 9JtanneSalter; er war perfönlid) tafjfer unb ein gefdjidter gelb^err, fcl)r eifrig in ber Srfütlung feiner 9tegcnten))flid)ten unb ftrengc barauf bebadjt, feine ^errfäierredjte ju wafiren. Sr tjielt ben Sanb= frieben fräftig aufred)t unb trug nie Siebenten, and) gegen räuberifdje Stbelige ftrafenb einjufdjreiten. ©ein ©tefitiertreter in ©teiermarf war ber Slbt |)einrid) tion 91 bntont. Ser 9lbt flammte aus ©t. SBalburg bei ©t. DJiidjael ob Seoben unb war tion niebriger iperfunft. 9113 ötitglieb beS SontientS tion Slbmont würbe er jum Verwalter beS gefammten 93efi|eS ge= wiklt, unb feiner 21)atfraft unb Sinfidjt gelang eS, bie zerrütteten 1 6in DIhitb betrug 30 SJZdjen ober adjt Viertel. ült aSer, <8e[d)ii)te ber ©teiermarf. 6 öfonomifdjcn Serf)ältniffe in Crbnung ju bringen, worauf ber bet= biente Stann jum 2tbt be§ @tifte§ gewählt würbe, fiönig ütubolf ernannte if)n 1279 jum Sanbfctjreiber tion ©teiermart; al§ folcfjer fjatte er bor allem bie lanbe§fürftlid)en ^inanjen }u berwalten, au^erbem ftanben i^m and) rid)terlid)e Sefugmffe 511. 3m Vereine mit bem Sanbridjter Otto bon Siedjtenftein [teilte er bie Orbnung im Sanbe l)er. SGßie bei Diubolf, ftanb er and) bei 3(lbred)t in t)o^er ©unft unb 1286 würbe if)m bie SBürbe eines SanbeSljauptmanneS übertragen. 3n weldjer 2ßeife er gegen Übeltl)äter ju berfa^ren pflegte, jeigt folgenbeS Seifpiel: 3n biefen 3e'*en würbe in allen 511)eilen 3)eutfd)lanb§ ein gelfent aller geiftlidjen (Sinlünfte einge= forbert, ber jur Söiebergewinnung be§ ^eiligen ßanbeS beftimmt war. 3e^entfrtnimler im Srjbistljum ©aljburg war ber Oomljerr iÄliton bon Slenebig, ber ben 91bt griebrid) bon DJtofad) in ^riaul mit ber Sinfammlung be§ 3e^ent§ in einem SSIfeil be8 @rjbi§tl)umS betraute. 911§ fpüter ber 91 bt mit ber 91blieferung be§ gefammelten ©elbeS jögerte, würbe er bon 9tliron mit bem ^irctjenbanne be= legt, ©rbittert barüber, überfiel Otto bon ißernegg (in ber 9tal)e bon 93rucf), ein SBermanbter be§ gebannten 916te§, im 3at)re 1284 ben burd) ©teiermnrf reifenben 9Iliron, beraubte it)n unb feine 33egleiter unb terferte fie ein. ©oldje unb ä^nlidje ©ewaltt^aten fielen bamalS in ©teiermarf öfter bor, aber ber ßanbfdjreiber Sleinrid) bon 9lbmont berftanb e§, bie Übeltäter $ur 9te^enfä)aft ju jie^en. @r 50g mit bewaffneter ÜJtadft gegen bie f^efte iflernegg, liefe fie berennen unb erftürmen unb gwang Otto bon 9ßernegg, ©enugtfeuung ju leiften. ®a biefer mit feinem ^rcunbe SDuring bon ©teier an bem 9Ibte 9tad)e ju nefjmen beabfiä)tigte, fo würben bie beiben ©belleute bei bem ^er^og 911bred)t berllagt, ber fie nad) %riefac^ in Hörnten, wo er fiel) eben anffeielt, borlub. $ori mufSten bie 91nge!Iagten Urfefebe gegen ben 91bt unb ba§ ©tift 91bmont fefewören, b. 1). fie mufSten eiblid) berfpreefeen, fid) an bem 91bte unb feinem ©tifte nidjt 511 rödjen. S)a ber 9161 feine ißflidjten fo genau erfüllte unb rütffict)t§loS gegen alle ßetfu^r, toeldje ungefe|üct) l)anbeiten, mit ©elbftrafen unb ©efängniS gegen jeben Übeltäter borgieng, mochte er abelig fein ober nid)t, fo rourbe er balb bielen, befonberS aber bem 9tbel, berljafgt. 9Jtan nannte il)n einen graufamen ©teuereintreiber, einen Scannen unb ÜDtenfdjenquäler, unb tiiele 9Ibelige fugten ilfm unb bem Slofter 91bmont ©dfaben ^u^ufiigen, roeSljalb ber §er§og im 3a^re 1284 folgenbe %unbmad)ung im Sanbe berbreiten ließ: „Söir 911brecf)t bon ©otteS ©naben fper§og bon Öfterreicf) unb ©teier betennen öffentlid), baf§ alle ©efaugenfetjungen, ©injieljungen bon 3ßerfonen unb ©ütern, bon SBurgen, $errfd)aften unb anberen Sefifsungen, roeldje bnrd) ^einrii^, 91bt ^u 9tbmont, oont 9(nfange feiner SSertoaltung be§ ©d)reiberamteS bi§ je^t bollfüfjrt toorben finb, bon unferm unb bem SOßiHen unfereS $ater§ 9tuboIf, römifd)en ÄbnigS, ausgegangen finb, unb mir erfliiren beinnad) ben 91bt ^teinrid) an allen biefen Verfügungen gän^tid) fdjulbfrei." 3n biefer 3eit roaren bie ©ren^gebiete gegen Ungarn häufigen Ütanb^ügen be§ ungarifdjen ©rafen 3ban von ©üffing au§= gefefd, beffen @d)aren mit geroo^nter ©raufamfeit bie Dörfer über= fielen, bliinberten unb ^erftörten. 9Jiit geringer 9Jtannfd)aft §og ber SanbeSlfaubtmann an bie ©renje unb f)ielt fic^ in DtabferSburg, aber er erlitt ^iet eine 9tieberlage unb muf§te fliefien. ©rft al§ 91lbred)t ben öfterreid)ifd)en unb fteirifdjen Heerbann aufbot, rourbe ber ©üffinger gefdjlagen unb fein ©ebiet erobert. Von größerer Vebeutung roar ber Stieg 9116red)t§ mit ©al^burg. 9tnd) bem 5Eobe be§ @qbifd)of§ ffriebrid) im 3al)re 1284 roar Dtubolf Oon ^o^ened auf ben ©tut)! be§ beil'3en gtupert erhoben toorben. 9(Ibred)t oerlangte, bafS if)nt ber @r§= 6ifd)of bie faljburgifdjen ©djlöffer 9Bei^ened unb ©tottened im @nn§t^ale als fielen überlaffe, roeil fie ^u ben ©ütern gehörten, roel(|e bie früheren ^er^oge Oon ©teiermart unb Öfterreid) Don Salzburg er!)alten Ratten; aber ber ©qbifdjof roollte bie§ nidft tf)im. ferner beflagte fid) 911bred)t, baf§ ber ©r^bifdiof in ütabftatt 6* auf bem ©raube bes Älöfters Stbmout, beffen ©c^irm^err ber tperjog mar, Sefeftiguugen angelegt ^atte, unb lieg junt ©d)u|e gegen ©a4= bürg am ©influffe beS DJtanblingbactieS in bie ©nnS eine fyefte erbauen, roeli^e bcn Dtamen ©nnSburg erhielt. 2)a ber ©rjbifd)of ber Meinung mar, bafS ber 21bmonter 21bt ben ^erjog gegen itjn aufreije, fo Derfammclte er in Salzburg einen Äird)enratlf unb lieg burd) iljn bcfc£)liegen, bafS fein ©eiftlidjer ein meltlid)eS 21mt annefjmen unb Oermalten bürfe. liefern 23efcf)Iuffe infolge follte ber 21bt ba§ 21mt eines SanbeS^aufitmanneS niebertegen, moju er fid) jebod) nid)t ber= ftanb. ©S ift flar, bafS biefeS $orgel)en beS ©rjbifdjofS bie feinb= felige Stimmung beS ^terjogS oerfdjarfte. 3)er ©rjbifdtof mufste einen Angriff erroarten, bem er jebod) babutd) juüorfam, bafS er ein §eer in Steiermarf einrücfen lieg, meldjeS bie SnnSburg eroberte, bie 21bmontifd)en S9efi|ungen Dermüftete unb bis Srbning üorbrang. SDie ©qbifdjöflidien Ijatten eS auf baS Stift 21bmont felbft abge= feljen, aber ber Iter^og rüdte mit einer anfel)nlid)en ^riegSmactjt nod) pr teilten 3eit über ben ip^rnbafS fieran, fo bafS fid) bie Salzburger zurüdgie^en mufsten. sJtun branbfd)atjten bie Iperjog* tiiien bie ©üter beS ©rjbifdjofS; fie eroberten ^oljnSborf bei 3uben= bürg unb bie Stabt griefad) in tarnten. 3)er ©rjbifdiof gab fegt nadj unb gelobte, fid) bem Sd)iebS= fgrudie beS HönigS Dhtbolf ju unterroerfen. @r begab fid) nad) ©rfurt, rool)in and) ber 21bt $)einricb reiste. Sort berblidj ber ©rzbifä)of 'Jtubolf im 21uguft 1290 eines filögiiiien SobeS; in Salzburg mürbe hierauf ber Sifdjof fionrab Don Sabant auf ben erzbifd)öflid)en Stu^l erhoben. 2tlbred)t aber befahl feinem fteirifdjen ßanbeSfgiugtmann, fofort bie falzburgifctje 23urg DZeufgruS im oberen ©nnStgate zu erftürmen unb zu zerftören, roaS and) gefdjalj. Sie Unzufriebenfieit beS fteirifd)en 2lbeIS mit ber Regierung 21(bred)tS mürbe immer gröger, ba er bie auS Si^maben mitge= brauten ©bedeute, befonberS ^ermann bon ßanbenberg unb Ulrid) bon Sßaltfee, alfo grembe, zu fefir begünftigte unb bie ^reifieiten beS fteirifdien 2lbeIS trog bielmaliger Sitten nod) nid)t beftütigt fynttc. @r Ijatte aber bisfjer bic Seftätigung nod) nidjt borgenommen, meil er nidjt and) bic SSeftimnmng anerfennen rooflte, meldje bem SanbeSfürften bie SOttin^erneuerung nur mit guftimmung ber ®ienft= ()erren erlaubte. @r Ijatte bielmetir bie SÜHinje fel)r häufig erneuert, um feinen ^inanjen anfjubelfen; e^e bie neue DMnje ganj au§= gegeben mar, mürbe fie fd)on roieber au§ bem Sßerte^re gezogen, rooburd) alle SBeroo^ncr, reidje unb arme, felfr fjart betroffen mürben. $ie Sanblferren Oerlangten, baf§ bie iDtiinje rocnigftenS burd) fünf 3a^re unberf^lagen bleibe. 911S 9(Ibrecf)t im öerbftc 1291 nad) bem Jobe feines $aterS unb nad) einem gelbjuge in Ungarn nadf ®rag tarn unb <3elb= forberungen an bie ©tänbe ftellte, oerlangten biefe bie 33eftätigung i^rer ^reiljeitcn unb baten, er möge and) ©teirer in feinen 'Jtatff aufnefjmen unb erlauben, baf§ bie Se^en im ^alle beS 9tu§fterben§ beS 9JiannSftamme§ auf bie meiblidfen 9tad)tommen forterben tonnten. Ser .'perjog antroortetc auSloeidjenb. Sa rief griebtid) o o n ©tubenberg: „§ättc fid) ber Sö^mertönig Ottofar nid)t fooiel ©emalttbaten gegen uns erlaubt, malfrlid), er tonnte noc^ ^eute §err biefeS SanbeS fein." (Srregt fragte 911bred)t: „©oll baS eine SlriegSerflärung fein?" roorauf ber Sifctjof Seopolb oon ©edau antroortetc: „Solange 3f)r faumt, (Sure 9ßflid)t gegen uns ju erfüllen, roirb feiner (Surer 58efc()lc befolgt, fein Sriegš^ug für (Sud) unternommen roerben." ©o fd)iebcn bie ©tänbe in $einbfd)aft oon bem ^erjoge, ber nad) 2ßien jurüdfefirte. Sie fteirifdjen ßanb^erren tjatten in ber S^at ihrem ^erjoge ben Krieg erflart. 9111c rüfteten, unb bie ©rafen Ulrid) oon §eun= bürg, Ulrid) Oon ißfannberg, beffen ©djroiegerfohn griebrid) oon ©tubenberg unb §artnib oon SBilbon traten an bie ©bi|e ber ©emegung. ©ie tarnen am 1. garnier 1292 auf bem ©dfloffe Seutfd) = 8anbSberg mit bem ©aljburger (Srjbifchof 511= fammen unb fdjloffen ein ©ünbniS. 9UIe Oerpflidjtetcn fid), 511111 ©chu|c ber Freiheiten beS SanbeS jufammenjumirfen unb baS (SrjbiSthum ju bcfcljütien. 91ud) ber ÖerjogOtto Oon 9?ieber= bciiern fčjlofS ficč) ben Stufftünbifdjen an; er mod)te molji bie Hoffnung ^egen, ba[§ ifjm baž ^erjogtfium jufatten mürbe, rocnn ber Slufftanb bon @rfoIg begleitet märe. ©<$)on anfangs februar fiel ein faIjburgifct)=bairifct)eS §eer in baš SnnStljal ein, eroberte 3tottenmann im ißnltentljale unb ülünberte 3lbmont. ®er 5Ibt mar mit ben Slofterbrübern in bie ffefte ©at(en= ftein gefloljen, bie er Ijatte erbauen la ff en, unb fanb Ijinter itjren ftarlen Stauern fixere 3uftuct)t. 2)ie ffeinbe aber, burd) ©teirer ber= ftärtt, brangen burd) bas galten« unb Siefingttjal an bie Stur bor, eroberten S e ob e n unb belagerten $ r u d. 2Bcnn biefer Ort fiel, fo fonnte fid) ber 9Iufftanb im ganjen Sanbe auSbreiten. 3lber ber Starfdjaft Jerman n bon Sanbenberg, ber Srucf ber= tljeibigte, tjielt fid) fo lange, bis ber .fperjog mit einem Sntfa^Ijeere ^eranlam. ©edjStjunbert Säuern muf Sten itjm ben 2Beg über ben Semmering auSfdjaufeln, bod) er tam n o d) [jur redjten 3eit-©djon auf bie sJtac£)rid)t bon feinem 9Inmarfd)c Ijoben §erjog Otto unb ber ©rjbifdjof bie Selagerung auf unb traten ben SücEjug an. Oie §erjogtid)en folgten rafdj nact); ber ßanbenberger traf bei ilraubat ob Seoben auf bie Stannfdjaft ffriebriäjS bon Stuben» bcrg unb natjm if)n mit bem größten Zweite feiner Seute gefangen. Oer §erjog jog hierauf in Subenburg ein unb roanbte fid) nad) Äärnten, roo ffriefad) abermals genommen unb berbnmnt mürbe, i'bier gemüljrte er ben Steirern, roaS fic burd) SBaffengematt nidjt batten erringen tonnen; junääjft beftätigte er ihre Diedjte, freilid) mit ber Ülbänberung, bafS bie Stünjerneuerung bom Seiratlje ein» jelner (nidjt aller) bornefjmer Sanbtjerren abhängig fein fülle. Sud) entließ er ben berbafsten Sbt §einrid) feines StmteS; §artnib bon ©tabed mürbe jum SanbeSljaubtiuann ernannt; bod) blieb ber Sbt auch jeßt nodj ein feljr einflufSreidjer Dtatljgeber beS IperjogS. Oer leßte, ber fid) untermarf, mar fpartnib bon Sßilbon, ber bie Stammburg feines f)aufeS abtreten mufSte, roofür er (SibiS» roalb erhielt. ÜDZit (Salzburg bnuerte ber Krieg mit einer längeren Unterbrechung bis §um Sa^re 1297 fort. Sn bemfetbcn Sat)re Derbtict) ber ?tbt Heinrich eines getnaltfnmen StobeS. @r hatte feine DZichte mit $ n r i n g © r i e p e r Verheiratet unb biefen ÜJZann nicht allein pm ©aftellan Von ©allenftein gemacht, fonbern ihn auch 5U wichtigen ©enbungen unb ©efchaften verroenbet. $a er fid) jebvd; untreu er= ivieS, fo ließ 'hn ber 5lbt in ber herzoglichen f^efte ©tred)au in ©ewahrfam bringen. sJlaä) einiger 3eit naljm er it)n wieber ju ©naben auf, bod) ©riejjer fann auf 9tad)e. 911§ ber 3lbt im 'UZai 1297 über ben üDietmannSberg bei ilbmont ritt, fdjvfs ihn ©rieger mit einem Pfeile Vom ißferbe, worauf it)n jwei ©enoffeu beS SßerbretherS erfdjlugen. §erjog 9llbred)t hotte fid) nach t>em ’$obe feines itiaterS Hoffnung auf bie beutfdfe Königsfrone gemacht, bod) war nid)t er, fonbern ber ©raf 31b olf von 9t aff au gewählt worben. Sie Kurfnrften festen biefen aber nad) einigen Sahrcn wieber ab unb wählten 5llbred)t jum Könige. 9US König belehnte er feine ©ohne mit Öfterreich unb ©teiermarf. 3113 im Sah« 1306 baS böl)mifd)e §errfd)erl)au3 ber ^reingsliben auSftarb, wählten bie ©tünbe 3tlbred)tS ülteften ©ol)n Dtubolf ju ihrem Könige, ja fie gelobten, bei bem jpaufe ^abSburg ju verbleiben, and) wenn Dtubolf finbertoS ftürbe. Siefer galt trat fchon im Sahte 1307 ein. Srotj ihres 3ierfbrechenS wählten je|t bie 33öl)men ben § erzog e i n r i d) Von Kärnten, ben ©ot)n 9JteinharbS, za il)rem Könige. Siefe 3ßal)l führte einen Krieg herbei. König 5tlbrecht unb fein ©vljn ^riebrid) griffen 33öl)men an, währenb ber fteirifd)c SanbeShaubtmann Ulrich bvn SBalfee im herein mit bem ©rzbifd)of von Salzburg Kärnten eroberte. 9Zod) war ber Krieg nicht beenbet, als 311bred)t baS Opfer eines grauenvollen $er= bred)enS würbe. 31m ^)ofe 311bred)tS lebte audj fein 9teffe S o 1) a n n, ber Sohn feines SBruberS Dfubolf. Sol)ann glaubte fid) von feinem Oheim in feinen 9ted)ten oerfürzt unb lieg fid) von einigen ©bel= leuten beteben, feinen Oheim za erworben. 3tlbred)t hatte fid) auf feine $efi|ungen in ber heutigen Scfjroei^ begeben. 9tm l.üJlat 1308 ritt er von Selben gegen Srucf, feiner ©ematjtin entgegen. 9U§ er in Segteitnng feines ffieffen nnb ber anberen Serfctironrenen bie iReuji überf^ritten t)ntte, mnrbe er Von biefen überfallen nnb erfdflagen. (Sr fyinterliefi fünf ©öffne, Von benen brei, ^riebrief), ßeopolb nnb 2tlbrecl|t, fcf)on erroactjfen, ^tnei, £)einricf) nnb Cito, minberjälfrig roaren. Son feinen 5Eöd)tern l)atte er eine, Slnna, mit bem fDiarfgrafen Hermann von Sranbenburg Vermählt. Cie fpoct^eit, bie un§ von einem ©leicfjjeitigen anSfüljrlicl) gefct)il= bert tvirb, mar im 3a^re 1295 in ©ra; gefeiert roorben. 2. griebritf) ber Scpne. 3m 91a men feiner Srüber übernahm § rieb rief) mit bem Seinamen ber ®cf)öne bie ^Regierung feiner Sänber. 91odf im 3a()re 1308 traf er mit ^einrief) Von R'ärnten, ber nnnmeljr Äönig Von Sölfmen mar, ein ülblommen, naef) bem er auf Sö^mcn nnb ÜRälfren ver;id)tete, nnb im 3a|re 1311 Verföljnte er fid) mit if)m Vollftänbig; er gab ilfm alles ;nrüd, roaS bie Habsburger in Äürnten erobert Ifatten, nnb erhielt baftit baS © a n n t ^ a 1 nnb ben Ort $B i n b i f d) = e i ft r i |, roelcp ©ebiete bisher ;u Kärnten gefjört (jatten nnb nun mit ©teiermart Vereinigt rourben. Cer beutfdie König Heintid) VIL, ber im Sape 1308 getoälflt roorben toar, ftarb fcljon 1313, roorauf eine Cobpelroalfl ftattfanb. ©in Cpil ber Kurfürften roafflte ^hriebrid) ben 5 d) ö n e n, ein anberer S u b ro i g bon S a i e r n ;um Könige. Cer Kampf ber ©egenfönige um bie Krone ;og fid) in bie Sänge, erft im Sape 1322 fam es ;ur ©ntfcpibungšfdfladft. ffriebtid) ;og mit ben ©teirern über Sbmont unb ©al;burg gegen ben Snn. Sn Sbmont lebte bamalS ber 9Ragifter SartplomäuS aus Serona, berüpnt als 9faturfunbiger unb Sftrolog. Ciefer fagte bem Her5°9 naä) bem ©tanbe ber ©eftirne Unglüd voraus, unb nud) bet gelehrte 9(bt (šngelbert rooKte if)n bon feinem Unter= nehmen obwalten. $ocf) bet Jperjog artete biefet Sffiarnungen nid)t, fonbetn riidte gegen ben getnb. 28. September fant e§ bei fDi ü f) I b o t f in Satern jur ©d)lad)t. 9Iuf ber Seite SubroigS ftnnb and) ber Sö^menfönig Sodann. Die Steirer bilbeten unter bem 93efef)Ie Utricf)§ unb |)einrid)§ bon Jßaflfec ben erften yeerfjttufen unb roarfen bie ungeftüm angreifenben Söpmen jtoeimal jurüd. So geftaltete fid) bie Scf)tnd)t ju (fünften ^riebrid)S. 9tber bie SSbpmen fammelten fid) neuerbingS unb giengen ju neuem Kampfe bor; unb jugleid) erfd)ien unbermuföet ber S3urg= graf bon fftürnberg in ber plante ber Öfterreicper unb berbreitete Verwirrung unter ipneu. So gieng bie Sd)fad)t für $riebricf) berioren; er felbft unb fein Vruber ^einrid) würben gefangen; and) biete Steirer ttfeitten biefeg Scpidfat. ©enannt werben Ver= tretet ber Familien Stubenberg, Saurau, Samberg, U n g n a b., gerber ft ein, ,f) o H e n e d, S d) r a 11 e n 6 e r g u. a. $n biefer Sdjlacpt foll auf ber Seite $riebricp§ and) ber acpt= jigjäprige 3llbrečpt S t u cp § bon DrauttmanSborff mit breiunbjwanjig fÖfitgliebern feine§ ©efd)ted)te§ gefämpft paben. sJfur brei bon ipnen blieben am Seben, einer, .pector, würbe gefangen genommen unb mar ber ©enoffe König ^riebridjS auf DrauSnip. Unb bon bem Pfitter ,p c i 1 m i g bon 2B u r m b r a n b peif;t e§, er pabe unter feinem getöbteten ißferbe noep mit feinem Scproerte um fid) gepauen, unb, bon ben geinben aufgeforbert, fiep ju ergeben, ba er für feine Spre genug getpan pabe, au§= gerufen: „3cp mein’5". DiefeS SBort ift nod) peute bie Deoife ber Familie SKurmbranb. SBaprenb ^riebritpS ©efangenfepaft bermaltete fein $ ruber Hbreipt II. ber Sapme ober SBeife Öfterreid) unb Steiermarf. SII1§ ^riebriep feine $reipeit roteber erlangt patte, napm er an ber Regierung wenig Slntpeü; er pielt fiep meprmalS in Steiermarf, gröptentpeifS aber auf feinem Scptoffe ©utenftein im Söienermalbe auf, wo er im Sapre 1330 ftarb. 3wei feiner Vrüber, Seopotb unb £)einnd), waren int Zobe borangegangen; e§ überlebten ifm alfo 211bred)t unb Otto. 3. Ebrcrfit II. 9Ubrec^t II. unb fein Sruber Otto führten gemeinfam bie ^Regierung. Wibrecht erhielt im $af)re 1330 in einer ©beife ©ift, roa§ feine bauernbe Sät)mung an Rauben unb f^üßen jur f^olge hatte, ©eitbem hieß er ber Sahnte; and) ber SBeife würbe er genannt. Zroß feines ®ebred)enS war er unermüblid) in ber Erfüllung feiner £)errfd)etbflid)ten. @r bereiste feine Sänber mehr= malS; faß gern 511 (Bericht unb ließ jebermann, ben SSornehmften wie ben ©eringften, bor fid). gelang ihm, im Saf)re 1335 körnten mit Ärain für fein £mu3 ^u erwerben; bie alther= gebradjte £)ulbigung auf bcm 3bltfelbe nahm öer^og Otto entgegen. 3u Wnfang beS 3ahre§ 1339 ertranfte §er^og Otto in @ra§ unb ftarb halb hierauf. @r würbe in bem Siftercienferflofter Dteuberg beftattet, baS er im Salfre 1327 nad) ber ©eburt feines alteften ©ol)neS gegrünbet unb baS feine erften sUiönd)e auS bem ©tifte ^eiligenfreu^ in Wieberöfterreid) erhalten hatte. 3n bem= felben 3ahre baten bie ©tänbe ben Iper^og Wibrecht, ber jeßt allein regierte, bie Urfunbe, weld)e ihre Freiheiten enthielt, ins SDeutfdie überfeinen ^u laffen, bamit fie allgemein berftänblid) fei. OieS ge= fdjah auch- Oie frieblid)e Regierung würbe burd) einige große unglüdlidje (šreigniffe unterbrochen. 3m ^ahte 1338 jogen ^eufdhredenfčhwärme, bie auS Wfien gefommen waren, burd) bie Wlbenlänber unb richteten and) in ©teiermarf großen Schaben an. Sie erfdjienen in folcher Dlienge, bafS fie im Fluge bie ©onne berfinfterten unb wenn fie fid) nieberließen, meilenweit ben Soben bebedten. Oer Wbt 3o()ann bon SSictring erfühlt: „Oie .lpeufd)reden fuhren burd) bie Sufträume wie Äriegerfdjaren in georbneten Weihen, unb, auf ben ©rbbobeu niebergefd)lagen, fdilugen fie ©tanblager auf. ©tets giengen bie .öeetfüfjrer eine Zagereife toeit norau», al§ wollten |'ie einen paffenben Ort jur 9Ziebertaffung auffuctjen. $a§ 2Botfen()eer biefer SLtjiere nerlieg ben eingenommenen Ort erft am nadjften Sage, nadjbem bie mit $eud)tigfeit unb St)au befctjwerten Seiber burcf) bie @onnenftraf)Ien erleichtert worben waren, unb bann be= wegten jte fid) rottenweife borwärtS, fo bafg man unter biefen tteinen Spieren eine förmliche ©olbatenjucht bemerfen tonnte. Sie fragen alte Saaten, fpeu, ©rag, §irfe unb bergleidfen big auf ben lebten Stumpf ab. Sie hotten bier §lüget, unb ihre Seibe»= rüftung glich teudjtenben ©belfteinen, wie bergleidjen, in grauen* fteiber eingewebt, für augge^eidjnet gehalten werben. 3hrc junge S3rut liegen fie in bem Dtafen unb in (Srbfrüdjten jurüd; in einigen ©egenben würben fie mit geuer in ©ruben bernid)tet." 3m 3anner 1848 würben bie Stlpenlänber bon einem furdjt* baren ©rbbeben heimgefudjt, burd) bag Oörfer unb Sd)Iöffer jer= ftört würben unb biete ÖZenfdjen bag Seben berloren. 3n bemfelben 3ahre fanb eine ißeft au§ 3lfien her ihren Sßeg nad) Steiermart, wo fie biete Seute bafiinrnffte. ©anje Ortfchaften ftarbcn au§, unb jebc menfdjlidje Shotigleit, ber Stderbau, bag ©ewerbe, ber fpanbet, geriett) ing Stoden. Sag Sott fat) biefe llngtüdgfittte atg eine Strafe beg §immetg an unb fudjte, wie fdjon um bag 3ahr 1260, burch ungewöhntidje töugübungen bie ©nabe ©otteg wieber 56 er* langen. Scharen bon UZünnern unb SBeibern jogen in tßroceffionen bon Ort ^u Ort unb jerfleifdjten itjre halb entblögten Jlörger mit ©eigetn , big bag ©tut herborquott. Oiefe © ei gterf ährten jogen fid) faft burd) ganj Europa. Qur 3eit sJtlbred)tg II. ftrebte bag fübfteirifd)e ©efd)ted)t ber greien bon Sann e d mächtig empor. Oie 39urg Sanned, nad) ber fie fid) nannten, ftanb auf einem Serge bei gragtau im fihönen Sannthate. 3tuger Stttoben befugen bie Sanneder and) Sehengüter bon bem Sigt()ume ©url, bon bem ißatriarchat Squileja unb bem ^erjoge bon tarnten; fie berftanben eg and), ihren Sefig burd) ©üter ber ßtöfter Oberburg unb Seij ju bergrögern. 9todj mächtiger würben fie buril) tf)te $erbinbung mit bem ©efct)tect)te ber ^eunburger. Uiti d) ti on ©anned heiratete Satfiartna, bie SEoi^ter Utridiš tion .£)eun6urg unb ber tiertoitroeten iper^ogin 9tgne§ timt Samten. 3It§ im 3at)re 1322 ber te|te §eunburger, ber Sruber Sat()arina8, o^ne @rben ftarb, fiel ein $^eil ber .Speunburgifdjen 33efi|ungen, toie ©ctjönftein, 3ßrnf§berg, ©ctjaltccf unb ©djmierenberg bei Sentfijad), an UlridjS ©o^n, f^ricbriä) tion Sanned, ber im Saljte 1335 nad) Ijarten Sümpfen and) bie §errfč)aft 6illi erhielt. ÜberbieS tierpfdnbeten it)m bie fteirifdjen .Sper^oge für feine SriegSbienfte and) anberen $efi|, n. a. ©iiter bet SEtiffer. ©o rourbe griebrid) tion ©anned ber ©rünber ber @röf;e feines Kaufes. sKber baS 3iet feines S^rgei^eS mar bie ©rafenfrone, bie er and) erlangte. Srn 3al)re 1341 erlfob it)n Saifer Subroig auf Sitten beš §eqogS SIbred)t II. mit bem SEitel eineš ©rafen tion (Stili in ben ®rafen= ftnnb beS bentfi^en 'JteidjeS. Sm 3af)re 1355 erließ slübred)t II. eine fogenannte §au§= orbnung, b. i. ein ©efe^, in bem er tierfügte, bafS feine tiier ©öl)ne gtubolf, griebric^, 9IIbred)t unb Seopolb immer il)re Sauber gerneinfd)aftlid) regieren füllten. Sm Suli 1358 fdjieb ber frieb= liebenbe, gered)te unb tnofjlwollenbe gürft aus bem Seben. $a aber tion feinen ©öl)nen nur ber erfte, ütubolf, tiot(jat)rig roar, fo über= nal)m biefer junüdjft bie Regierung. 4. Üiltbolf IV.1 IRubolf IV. (1358—1365), ber fpäter ben Seinamen ber ©tifter erhielt, empfieng in ©ra§ im Sal)re 1360 bie Öulbigung ber fteirifdjen ©tünbe. @r ^atte bie sIlbfid)t, feine Sänber gan§ tion Seutfdflanb unabfiängig ;u machen, roaS il)tn jebod) nid)t gelang, dagegen tiermelfrte er ben l)abSburgifd)en Sefip. Sn einem Stiege mit bem sfktriard)en tion ülquileja erroarb er (1362) bie 1 11. §u6er, ©ejdiicljtc bcS §er3og§ Siubotf IV. oon Öfterreiib. 3nn§= brucf 1865. 93 — £>errfcf)aft 2B i n 6 i f ct) g v a 5, metctje tf)m ber ^atriard) ju S el) en gab. 3m 3nl)re 1363 erwarb er bnS Sanb Sirol. 2Bien be= gann er ben $au be§ <5tefan§bome§; a ud) grünbete er bort eine Uniuerfitüt, bie jweitc in beutfdjen ßanben. §erjog gtubolf war beftrebt, bie ©teuertraft feiner Untertbanen 311 beben unb forgte befonberS für bas ©ebedjen be§ $ürgerftanbe§. 3M§()er batten bie .^erjage baS lRed)t gehabt, alles in Umlauf befinblidje ©elb öfter außer @ur§ 311 fetjen unb gegen neu geprägtes einjulöfen, was bem Sefi^er immer SSerluft bradjte. iRubolf entfagte 1359 biefem Utcdjte, führte aber bafür baS Ungelb ein, b. i. eine $er= jehrnngSfteucr Don allen in ben ©afthaufern auSgefdjcnften ©e= tränten. Sie SefihDerhättniffe in ben ©tübten waren bamalS fehr berwidelt. Sürger befaßen außerhalb ber ©tabt ^Bauerngüter, Steingärten u. bgl. unb mufSten bafür bem ©runbherrn Sienfte unb 3ahlungen leiftcn; auch abelige ©üter tonnten fie erwerben. Sn ben ©tübten wieber befaßen Slbelige, S'löfter unb IßiSthümer größere ©runbftüdc, Don benen fie Sh6^6 Bürgern gegen einen ©runbjinS Derliehen. Ober SMirger nahmen ©elbfummen auf, wofür fie bem ©elbberleiher eine jährliche Diente jufidjerten. ©oldjc 3iafe unb Dienten tonnten nicht abgelöst werben, fo bafS alfo and) ein wotjlhabenb geworbener SBürger nicht imftanbe war, fein jpauS Don folcben Saften, bie man and) ewige Dienten nannte, ju befreien. Siefe 3infen unb Saften würben alfo Dererbt, an ßlöfter unb ßirchen Derfchenft, ju ©tiftungen üerwenbet ober Derfauft. DJlancher gelbtrüftige SDlann taufte 3infen unb Dienten jufammen unb tonnte baüon gemächlich leben, wie heutzutage ©elbbefißer Don ben Snter= effen leben, welche bie ©parcaffen unb bie ©taatS= unb Snbuftrie= Papiere gewähren. Sen .fjatiptübelftanb befeitigte Dlubolf IV. burd) baS ©efe|, in bem er anorbnete, bafS alle auf ftäbtifdfen Käufern liegenben Stbgaben unb Seiftungen bur'h 3ahlung beS Sld)tfachen ber jül)rlid)en Slbgnbe abgelöst werben tonnten. ©0 würbe 1363 ben ^Bürgern Don DJtarburg geftattet, bafS fie „je ain Sßfunb ©elbeS (biefer gtnfen unb Stenten) mit ncf)t ißfunben lebiijcn unb löfen mügen unb füllen ober ein ^nlb 3ßfunb ©etbeg mit titer üßfunben ober breißig Pfenning ©elbe§ mit einem 3ßfunb". ©ottten bie= jenigen, roeld)e bie 3'nfen unb Stenten bejietjen, bamit nictjt ein= tierftnnben fein, „fo füllen bie Surger Don SJtnrburg be§ ®ienfte§ unb 3infe§ gün^lid) von ilfnen lebig fein". $iefe SJtobilifierung ber funbierten ipäuferrente trug jur SluSbeffnung be§ StenlcrebiteS unb bamit jur ,V)e(ning ber ©eraerbe roefentlid) bei. Sie ©teuer= freif)eit ber ®eiftlid)en unb Slbeligen bejüglid) ifirer Käufer in ber ©tabt mar ben SBtirgern ein ©djaben; benn je metir ,V)äufer in einer ©tabt an fiirdjen unb It'Iöfter tarnen ober Don Slbeligen erworben mürben unb infolge beffen ©teuerfreiljeit ge= noffen, befto größer mürben bie ©teuern, bie Don ben übrigen .yäufern eingeforbert mürben. Sie Sürger verlangten, baf§ nadj bem ©runbfnt) vorgegangen werbe: „2ßer bie ©tabt mitgenießt, foll and) mit if)r fteuern unb bienen." Unb iper^og SRubolf l)ob bie ©teuer= Befreiung auf; ben Stabten © r a j unb 33 r u d a. b. 9Dt. mürbe fie befonberS gerodfjrt. gür 33rud orbnete ber ^erjog in ber Ur= funbe vom 18. Jänner 1365 an, baf§ „mag Raufer finb bafelbg in ber ©tabt, bie unferen ßanbljerren, Stittern ober Snedjten, Slbten, Sßröbften ober anberen ißrelaten angeboren, biefelben von iljren Käufern bienen unb ©teuer geben füllen emiglid) alleg, mag unfer SBurger bafelbft ju 33rud Don ißren Raufern" geben, bamit bie SSürger umfo beffer bie „33urgerfteuer jäljrlid) tragen unb erleiben mugen." Stubolf IV. ftarb nad) einer turnen Stegierung im 3a^re 1365 ju SJtailanb unb mürbe in ber Sirdje §u ©t. ©tefan in Sßien beftattet. 5. Seofjolb III. unb Sie Siirfen. Stad) Stubolfg Sobe übernahmen feine jroei 33rüber Sübrei^t III. unb Seoßolb III. bie Stegierung. ©ntgegen ber £>augorbnung 31tbred)tg II. theilten fie im Saljre 1379 ifjre Sänber: 3Ilbred)t erhielt Ober= unb ^ieberöfterreid), Seo^olb nlle übrigen Sünbcr. ©o entftanben jtnei Stnten ber Habsburger: bie aibertinif cf) e unb bie 1 e o b o 1 b i n i f d) e. ®ie ^olge biefer Steilung ronren eine <5č)todcč)ung ber ®tad)t beS fjabSburgifdjen HtiufeS, 3ro'ctrad)t unb nielfad)e ißarteifämbfe. Seobolb, ber ben Seinmnen ber „SSiebere" erhielt unb and) $lume ber Dfitterfdjaft genannt mürbe, mar ein tapferer, e^r= geiziger §ürft. 3f)m unterroarfen fid) im Saljre 1382 freiroiöig bie Semobner ber ©tabt Zrieft, bn eš bon itjnt t)ie6, baf§ er feine Untertljanen gut bebanble unb fie in ifjren 9ted)ten unb ^reif)eiten nid)t tränte. 2tud) taufte er einige Herrfdjaften im beutigcn Vorarlberg. s2tt§ er aber im 3'at)re 1386 einen Sriegš^ug gegen bie ©d)roei§er unternahm, mürbe er bei bem ©täbtcpen ©empad) be= fiegt unb erfd)tngen. @r pinterliep tiier ©ötme, $ßitf)elm, ßeopolb IV., @rnft unb griebrid) IV., tion benen ber ältefte, 2B i It) e t in, fed)= jepn Satjre alt unb nad) ben bamalS gettenben Veftimmungen bofijäf)rig mar. ®ennod) bat er feinen Cb eint, ütlbredjt III., bie Stegierung and) in ben Säubern ber bier Vrttber 511 übernet)men, roa§ biefer and) tbat. 3nt Satire 1382 mar in Ungarn König Subroig ber ©rope geftorbcn, ber and) baS Königreid) bßoten ct= roorben unb nur ^mei 5Eöd)ter pinterlaffen Ijatte. @r patte ben Herzog SBilpelm, als er nod) ein Knabe mar, mit feiner 2:od)ter Hebroig bertobt unb ben Springen an feinem Hofe erlogen, roäprenb bie tprin^effin ant H°fe $Ubred)tS III. lebte. 9tad) SubmigS 5Eobe fiel ber üßrin^effin ne^ro'3 Königreid) späten ^u unb fie mürbe int Sapre 1385 in Kratau getränt, aber jugleid) forberten bie polnifcpen 9Jtagnaten bon ipr, bafS fie ben neräD8 Sttgeöo bon Sitpauen peirate. ©ie motite aber lieber iprent ritterlicpen Verlobten bie Hanb reidjen, als bem bier^igjaprigen peibnifdjcn Sitpauer, unb HerB03 SBilpelm eilte nad) Kratau, um bort eine Vraut unb ein Königreicp 51t erringen; er berteprte im ^ranciScanertlofter unb in ber KöttigSburg mit ber Königin. 9ÜS bieS rttd)bar mürbe, mufste er entfliepen, unb aučp He^toig motite baS Sanb berlaffen, würbe ober mit (Seroalt baran gef)inbert. 8§ blieb i()t nid)t§ übrig, als ben SBillen ber irotmfcfien (Sroßen 51t erfüllen. Utacl) bem 5£obe 911bred)t§ III. int Snl)te 1395 regierte $Öil()elnt bie Sänber ber leobolbtnifcfjen Sinie, bod) überließ er im folgenben 3af)re feinem Sruber Seobolb Sirol unb bie öorber= öfterreid)ifd)en Sanbe. @r Dermaljlte fid) mit 3ot)anna non Dtcabel. 2Bil()elm ftarb im 2sal)te 1406, roorauf feine SBitroe nad) Uteapel prücffe^rte, roo fie fpäter Königin rourbe. 3U feiner S6'* rourbe ©teiermarf pm erftenmat non einem neuen, furchtbaren geinbe bebroht, ber nachher nod) oftmals ber Schreien beS SanbeS rourbe. $ie§ roaren bie dürfen ober OSmanen. 2iür$ifd)e 9tomaben= horben hatten 5111" 3eit/ ^ie erften Habsburger in Seutfchlanb regierten, unter Slnführung beS HäubtlingS OSman in Klein= afien ein iEeid) gegrünbet; OSmanS Dtachfolger führten bie Gürten nad) Europa, roo fie bie Sallanljalbinfel 5U erobern begannen. Sie glaubten fich bered)tigt, alle d)rifttid)en üteitlje an^ugreifen unb alle ($hriften, bie fie „Ghriftenhunbe" nannten, ^u nernid)ten. Sie plünberten bie ^Dörfer auS, ^ünbeten fie an, unb erfd)lugen fd)onung§loS alle 3Beroohner ober fä)leppten fie als ScIaPen fort. Dltid) bie ^Bulgaren mufsten fid) ihnen unterroerfen. 3nt 3at)re 1377 geroann ber König Subtoig ber @rof;e non Ungarn einen Sieg über bie non ben dürfen unterftütjten ^Bulgaren unb hemmte fo für einige 3e't ^cn i?ortf($)ritt beS räuberifdjen $olteS. 3UL' ®r-innerung an biefen Sieg lief) König Subtoig bie 2BallfahrtSfird)e non DJtaria^ell burd) einen anfehniiehen 3ubau nergröfiem unb be= fd)enftc fie mit einem Silbe ber Jungfrau DJiaria unb anberen Kofibarleiten. Sb er nicht lange roaljrte ber Stiöftanb ber dürfen. 3m 3ahre 1389 ftief; baS türtifdje Heer auf bem fogenannten 91 m f e 1 f e I b e, einer Hochebene am nörblid)cn 9tbt)ange beS Sd)ar= ®agh, auf baS Heer t161' ©erben unb befiegte biefeS nollftünbig. Sie oSntanifchen Sultane Oerbanften ihre großen Erfolge größten« theils bem ^ußbolfe ber 3oni tf d)ar en. Sie entriffen ber d)rift= liehen SeOölferung bie fräftigften unb fähigften Knaben unb ließen fie in ber iürfi)d)en @brnčt)e unb ber tietjre 9J?ül)ammebS unter= rieten. äBenn fie migyebilbet moren, erhielten fie ©teilen im §of= bienfte, in ber ©tootSberroaltung, ober fie rourben. ©olbaten auSgebilbet, bie al§ ^anitfdfaren ben Sem ber tnrfifdfen tttrmeen ou§mai$)ten. ®iefe Sanitfdjoren moren longe 3eit bie fefteftc ©tiitje beS Sdfroneš ber ©ultone. 9II§ ber Suito n 33 o j e f i b o n d) Ungarn bebroljte, riidte Stonig Siegnumb, ber Sd)roiegerfol|n unb Dladffolger Submigš beS ©roßen, im 3al)re 1396 mit einem ftarfen ßeere, in bem fid) aud) Diele fron^bfifi^e unb beutfdje Dtitter befonben, gegen bie ft-eftung 91 i f o g o I i S mn redeten Ufer ber unteren ®onou. 33ojefib eilte mit einem überlegenen §eete Ijerbei, unb e§ entroidelte fid) ein heftiger Samfif. $)aS djriftlidje ,^>eer unterlag; mn litngften Ijielt fid) bie 9)titte be§ djriftlidjcn §eereS, mo and) bie fteirifdjen Stieger unter 3lnfül)rung be§ ©rofen ^ermann II. o on Billi ftonben. Siegnumb rettete fid) mit ^)ilfe be§ ©rofen tmn Billi auf ein Sd)iff, gelangte nad) Bonftantinofml unb teerte über ®almatien nad) Ungarn ^uriid. 3)er Sultan roanbte fic^ hierauf nad) Ungarn, eine Streife fctiar 50g bie SDrau aufmärtg unb fiel in Steiermarf ein. iflettau mürbe erftürmt unb ange^ünbet unb bie Umgebung fd)redlid) t)er= l)eert. l)eif;t, baf§ bie ffeinbe 16.000 93erool)ner mit fid) in bie ©efangenfdjaft geführt Jütten. Sie Sürfeneinfätle, bie üon jeßt an immer Ijüufiger rourben, brauten biel Ungtüd über baS Sanb.1 läfst fid) nid)t ab= fd)ätjen, roiebiet 33erool)ner ber ©rmifmnfeit ber DSmanen 511m ■Dpfer fielen, roie bicle aus bem Sanbe geführt unb 51t Sclaben gemadjt, loie bicle Rinber ihren Bltern entriffen unb ihrer Sieligion unb ihrer 9jlutterfbrad)e entfrembet rourben. 9Jtand)eS Sorf mürbe in 9lfd)e gelegt, felbft einzeln ftehenbe 33ehaufungen im ©ebirge rourben heimgefud)t, ba§ $iel) gefd)lad)tet ober roeggetricben, ©e= treibe unb 2Bein berührt ober bernid)tet. Sie alte ©inridjtung 1 Slroof, ®ie (SinfäKe ber OSmanen in ©teiernmrf. 9)Zittb. 9, 10, 11, 15, 32. — Sofef »on 3afm, ßreibfeuer. Styriaca, I. 9JZnQer, (Sefdjidfote ber ©tcicmorf. 7 ber ftreibfeuer trnu je|t roieber läufiger jur ©eltung. 9Iuf gut gelegenen $erge§l)ö|en rourbe .'polj unb @tro() ju einem •Spoufen gefd)M)tct unb biefer angejünbet, wenn man tion ber iännäl)ernng ber $einbe prte. ®ie Semoper ber Umgebung tonnten fiel) unb tpe §abe in ©id)erl)eit bringen ober ju ben Sßaffen greifen. $a§ 2Bort ftammt Don krien, baS in bet alten Sfradje |,|reienf lärmen bebeutet; Ureibfeuer roar bentnod) ein f^euer, baS bie Seute auf eine ©efap aufmertfam nmd)en follte. töeffer auSgeftattete A'reibfeuerpoften Ratten fpäter and) SRörfer ober .'paubipn jur ©eite, fo baf§ bie Söirfnng be§ Reiters burd) ben ft'nall biefer ©efdjoffe ergänjt mürbe. Sin biefe ofitifdjen unb afuftifd)en 3eiä)en fd)Iof§ fid) bann ba§ ©turmläuten tion ben %ird)tprmen. Sin nmndjen Orten mürben bie ppr gelegenen Hirdjen mit SJtauern, Stürmen unb ©rüben umgeben. 3n biefe ßirdjencafteHe jog fid) bie S3efa|ung jurüd, wenn ber Ort, über meinem bie Stirctje ftanb, tiom geinbe genommen mar. SJtitunter fanb barin bie ganje Setiöltemng mit ip-en ipabfeligteiten ©dpt). Überrefte fold)er 2tertt)eibigung§tirčf)en finben fiel) in gelbbad), geping, $ßeijr ©adffenfelb. ®ie ©t. OSmalbtirdje DonSifenerj läf§t fid) nod) beutlid) als Rirctjencaftcll erfennen. Oie Slnlage ber SSertpibigungS^ roerfe erfolgte unter gerbinanb I. im 16. ^appnbert. 6. ©rnft ber (gtfcrnc. Oie (Brnfcn Don (Eilü. Shn 3ape 1406 mürbe SBilpImS tßruber ©ruft, ber roegen feiner trafttiollen ©eftalt unb feines pd)ftrebenben ©inneS mit bem Sßeinamen ber „©iferne" anSgejeidjnet mürbe, ipetjogtion ©teiermarf.1 ©r ptte fid) im Sllter tion feepep gapen mit SJtargareta, einer $oc£)ter beS JperjogS ffiogtSlaü tion Sßommern, tiermäpt unb tier= lor feine @emal)lin 1410 burd) ben 5Eob. pn ©pätprbft beS-folgenben $apeS begab fid) ber §erjog als ©raf tion Slflenj nad) 1 fiümtnel, Sur ©efebiebte @rnft§ b. @. Skittb- 25. — 99 — Ärnfau, roo er |"id) in ben ^a]i^ing§tagen 1412 mit (SimburgiS, ber Žodjer beä ^eqogS tion iUtafobien, verheiratete. Sieben fjofyex ©i^önheit rourbe biefer jungen ^ürftin and) groge ßeibeSftürfe nachgerühmt, ©ie tonnte, fo roirb berichtet, mit ber f)anb einen belabenen SBagen fort^iehen unb Öufeijen ^erbredjen. 91itch jur 3ett ErnftS mangelte e§ in ©teiermarf nicht an vet= fd)icbenen Sümpfen ber 2lbeligen, unb 1418 foflen bie dürfen pm ^rocitenmat in ©teiermarf eingefallen fein. @§ hc'fit ferner, baf§ fie vom ^er^og @rnft bei 9tabferSburg gefditagen roorben feien. 3)er fperjog ftarb 1424 511 ®rucf a. 9Jt. unb rourbe im ©tifte Stein an ber ©eite feiner erften ©ematjlin beigefetit. 3)n feine ©ohne ffriebrid) V. unb Sttbredjt VI. nod) miuberjährig roaren, fo übernahm ihr Oheim fftiebrid) Uon Siirol bie tßormunbfdhaft. @rft 1435 trat ffriebrid) V. felbftänbig bie Stegierung ber innerbfter= reid)ifd)en ßanber an. 3mmer mäd)tiger ftrebte auch in biefen 3eiten ba§ (Siltier ©rafengcfd)led)t empor.1 ffriebrich, bet erfte ©raf Von ©itli, hotte ^roci ©ohne. Ulrich, ber ältere, roar ein tapferer Segen, ber viel in ber 2ßelt herumfam: an ber ©tfcf), in ber SOtarf Sranbenburg, in 3ßreußen unb Sithauen, in Italien, Sftrien, Salmatien, $05= nien unb Bulgarien hotte er fid) umgefehen, unb ein gleichzeitiger Sid)ter hot in einem Siebe feine ^ährten verherrlicht. fftiebtict)5 jüngerer ©o[)n Ipermann I. vermählte fich mit Satharina, einer bognifchen ffürftentodjter. Hermanns I. ©ohn ^ermann II. unb Ulrichs ©ohn SBilhelm zoejen im 3ahre 1377 an ber ©eite beS Slltgrafen .Spermami I. mit bem öfterreid)ifd)en Aperzog SUbredjt III. in ba§ Sanb ber heibnifdjen Spreugen an ber Oftfee unb famen glüdlid) roieber heim. Söilhelm Vermählte fid) mit 21nna, einer ißrinzeffin au§ bem polnifdjen SönigShoufe ber i a ft e n , §er= mann II. mit ber Sachter be§ reid)en ©rafen ©djaumberg. ^nbem fid) ©raf § e r m a n n II. enge an ben Sönig ©ieg= munb Von Ungarn, ber im Saljre 1410 auch beutfdier Saifer 1 3. fironcS, ®raf §ermann II. Don dilti. SDtittt). 31. rourbe, anfc^lofS, erlangte er groge SBortljeile. ©iegmunb ernannte Hermann II., feinen getreuen ^Begleiter auf feiner §luä)t bon DtitoboliS, jum ©rafen bon 3eglia=91tobrufd) bermählt, unb biefer hotte einen ©o()n Ulrid). gaft fünfzig Sahre alt, fafSte ©raf griebridh eine 9teigung ju bem fchönen croatifd)en ©belfräulein feiner ©emahlin, Sßeronifa bon $ e f d) e n i tj, unb bie ©atten entfrembeten fid). 3toar führten bie beiberfeitigen $er= manbten nach einiger 3ett eine Serföhnung herbei, aber fie war nur fd)einbar; am SEage nach ber 9luSföhnung fanb man bie ©räfin bon ©iHi tobt in ihrem Sette. 3m Solfe berbreitctc fid) baS ©erüd)t, ©raf griebrid) höbe feine ©emalin ermorbet, unb bieS fanb immer fefteren ©lauben, feit man mufSte, bafS ©raf griebrid) fid) heimlich mit Seronifa berheiratet höbe. Ser 9lltgraf § ermann II. tonnte feinem ©ohne bie Beirat mit einer ffrau auS einer armen croatifdien Familie nicht berjethen; ber ©ohn mufSte feine ffrau bor ben Singen beS SaterS bcrbergen unb begab fid) an ben fpof feines ©dfrnagerS ©iegmunb nad) Ungarn. Siefer aber liefe ihn gefangen nehmen unb lieferte it>n bem Slltgrafen auS, ber ihn in ber ffefte 0ber=6illi einferfern liefe. Sann brachte ber ‘ÜÜtgraf bie ©räfin SSetonifa in feine ©emait unb ilagte fie ßor bem ©tabtgcricijte Don Gilii als §e$e an; benn fie fjabe mit 3au6erlift feinen ©o^n bettjbrt. 2)oct) bie 9iictiter tonnten feine ©cf)ulb an i^r finben; ba lieg bet SUtgraf bie Ungtücftictje auf bie $urg Ofterroits itn ©annt|ate bringen, roo fie auf feinen 33e= fe()I int 23abe erftieft mürbe. ®ie§ gefefjat) um 1427. 2Jlit feinem ©ofjne Derfölfnte fief) ber ütltgraf halb barauf, unb im 3af)re 1435 ftarb er. 9iun roaren ffriebrii^ II. unb fein ©o^n lltrief) bie einzigen Vertreter be§ jpaufeS Gitli. VII. 3m>ttrid$ V. (Katfer 3fmiirid| III.) 1. Sriebrtdj unb bie (Mrofen boit Kiüt. ilöet ba§ Seben be§ ÄaiferS g rieb rief) III. fefjreiben ober lefen roilt, fagt ber Gfjronift llnreft, ber „mue§ unberbroffen fein, mann ju feinen 3eiten grof; ©aef) gefefje^en finbt". 9tiS iperjog griebrict) V. unternahm er im 'Ituguft 1436 in Begleitung Don 80 Gbelteuten eine Pilgerfahrt na et) 3erufatem. 9(m t)eil. ©rabe lieg er fief) non einem feiner Begleiter jum Bitter beS heü- ®tabe§ fct)lagen, roorauf er bie Bücffafjrt antrat. 2ßaf)renb feiner 9tbmefen= t)eit hntte König ©iegmunb ju prag mit llrfunbe Dom 30. 9to= Dember bie beiben Gittier ©rafen griebrief) II. unb Itlrief) ju beutfcfien Beict)§fürften erhoben. $amit mürben fie, bie bi§her ltnterthanen ber Habsburger geroefen roaren, reichsunmittelbare, nur Dom Kaifer abhängige Herren unb roaren bafjer ben Hn68= bürgern nicht mehr unterttjan, fonbern ihnen gleiehgeftellt. ©ie tonnten in ihrem ©ebiete tanbe3f)etrlicf)e ©eroalt üben, roaren oberfte ©erict)t§hetren, tonnten eigene Btünjen fchlagen unb Berg= roerfe antegen. ©ie nannten fief) baffer „Don ©otteS ©naben". ©egen biefe Berletjung feiner lnnbeSherrlid)en ©eroalt erhob ffriebrich giDar Ginfprache, aber fie blieb ohne Grfolg. Sie §einb= feligfeiten jroifdfen ben Gitliern unb bem Herzog ffriebritt) begannen erft im paf)re 1439. Sie Sruppen ber Gtflier, roeMje Don bem ^elbljcmptmann San 2Bitome|, einem Böljtmfäjen (Sbelmanne, be= fe^ligt mürben, eroberten unb jerftörten mehrere 33urgen ber 9ln= ganger be§ ^er^ogS. @rft im 3al)rc 1443 fam ein Triebe juftanbe, in bem ^erjog ^riebrict), ber im 3al)re 1440 pm beutfc^en ßönig geroüljlt roorben mar, bic üteicfysfürftenroürbe ber ßillier anerfannte, roogegen biefe mit Öfterreid) einen ßrbDertrag nbfd)loffen: roenn ifjr 9Jtann§ftomm auSftürbe, füllten itjre $efi|ungen an bie §ab§= burger falten; roenn ba§ §au§ fjabSburg aušftiirbe, füllten bie Gillier einen 5£l)eil i^rer ©ebiete in ^rain nnb Sftrien erben. 2. $nebrid) als $ormunb beS SnbiSlauS fßoftfiuimtS. Saifer ©iegmunb Ijatte üon feiner ©ema^lin Sarbara tion (fifli nur eine 5£od)ter ßlifabctl), roeldje mit bem §erjog 311 b r e d) t V. au§ ber atberiinifdjen ßinie ber Habsburger bermä^lt roorben roar. 31act) bem 5Eobe ©iegmunbS im Saljre 1437 rourbe 311 b r e d) t V. als ßbnig üon Ungarn unb 33öl)men anertannt, unb bie beutfdfen dürften roäljlten iljn and) pm beutfdjen Könige. (Sr ftarb jebod) fdjon 1439; erft nad) feinem Zobe brachte feine 3Bitroe einen ©o^n pr 3Belt, meid)er ben Dtamen S a b i S1 a u S erlfielt unb getoöfplid) CabiSlauS o ft f| u m u S, b. 1). ber 3tad)geborene, genannt roirb. SiefeS ftinb roar redjtmägigerroeife Honig üon Ungarn unb Söffmen unb |)erpg üon 91ieber= unb Oberöfterreid). 3um beutfdjen Honig aber rourbe 1440 Herpg fSriebricf) V. ge= roäfilt. 3)ie IRedjte beS HinbeS, beffen 33ormunb ber eben genannte beutfdje Honig unb nadjmalige Haifer ffriebrid) (III.) roar, rourben aber pnäd)ft Weber in 33öl)men nod) in Ungarn anertannt, fo fetjr fid) aud) feine Ututter ©ifabetl), bereu 9tatl)geber i()r Sßerroanbter Ulrid) üon (Silli roar, batum bemühte. 3n Ungarn roar üon großem (Sinfluffe Solfann H u n t) a b ß, ber fid) in ben Hämpfen mit ben dürfen 9Iu()m erworben Ifatte, aber ein ffeinb ber ©liier roar. (Sr fiel im Sabre 1446 über 31nfenftem in ©übfteiermarf ein, ttüinberte bte (Segenb um ^ettau unb marfč)iette nad) $ßmbifd)= 9eiftn|, ba§ er, jebod) bergebenS, belagerte; benn 2Bitoroe| ber= tljeibigte bie ©tabt mit großer Saßferfeit. (šine Ebtßeilung feiner Srieger fdjidte öunßabt) gegen <$iHi; ba febod) in biefer ©egenb bie (Strafen ^riebrid) unb Utrid) mit ifjren ©treitfräften ftanben, riäjtete fie nid)t§ aus unb ^og fid) roieber guriid, tnorauf ^untjabt) ba§ Sanb berlief;, bem er fo biel ©cfjabcn gugefügt ßatte. ®amat§ tuaren bie 9ted)te be§ jungen SabiSlaug tßoftßumuS in SBößmen unb Ungarn bereits anertannt; bis gu feiner $d11= jätjrigfeit fällten in beiben Säubern Statthalter bie ^Regierung fül)ren, in Ungarn Johann tpunljabt) unb in Söhnten ©eorg bon Spobiebrab, ber jebod) erft 1452 311 biefer 2Mrbe erhoben rottrbe. 2>n 'Jtieberöfterreid) geroann ber (šbelmann U1 r i d) (Sisinger bcn größten GsinflufS. — ®ie Ungarn, bie Söhnten unb bie Öftcrreidjer berlangten bom S'önig ffriebrid) bie Verausgabe feines SiünbelS SabiSlauS, ihres red)tmäßigen Verra- ®er Uönig aber behielt feinen Stünbel bei fid), ja er nahm ißn mit fid), als er äu @nbe 1451 nad) Italien 50g, mo er fid) mit ber tprin^effin Eleonore bon ^Portugal bermählte unb in 9tom bie Saiferfrone emßfieng. pminer größer rourbe bie Unpfriebenheit ber öfterreid)i= fd)ett 9tbeligen mit bem Uaifer, bett fie nicht mehr als Sormunb ihres jungen Ven"n anfahen unb bem fie alfo feinen ©ehorfam fdjulbig p fein borgaben. 91ud) ©raf Ulrich 0011 ber niidjfte Smoanbte beS jungen SabiSlauS, ftanb mit biefen ©egnern beS fiaiferS int Sunbe; ebenfo Vunhflbh unb einige 91belige aus Söhnten. 9IQe tuaren entfd)loffen, bem Staifer beit U'önig SabiSlauS mit ÜBaffengeroalt 51t entreißen. ÜtlS ber Saifer aus Italien prüdgefehrt toar, begab er fid) (tube Suni 1452 in baS fefte 2Biener=9teuftabt. peßt rücfte unber= muthet ein Veer hemn - baS bie Öfterreidjer ^ufammengebrad)* hatten. @s griff bie Hatferlid)en, toeld)e bie Zugänge pr Stabt tiertheibigten, ungeftüm an, brängte fie prücf unb märe mit ihnen burdj bas SBienerthor in bie Stabt eingebrungen, luettn nid)t 21 n b r e a S 23 a u m f i r d) e r, etn (teirif^er Sitter bon rieftgem Körperbau unb ungeroö^nüctier ©tärte, mit einigen anberen fid) bcn geinben entgegengeftellt unb fie fo lange aufgepalten pätte, 6i§ baS ©tabtt^or gefdjtoffen mar. Sad) einigem 3bi?ern gab ber )4aifer nad); er lieferte SabiStauS bent lltrid) bon Gilli auš. 9)tit groffem 3ubel übernahmen bie Öfterrcidjer ihren §errn; fie brachten ihn junächft in ein 23ab, um ihm „alles ©teirifche abjuraafchen", unb führten ihn bann nad) 2ßien. 3. 2)cr SitSgong ber (Srnftit timt Killi. 5)ie Segierung ÖfterreidjS lag nun ganj in ben §anben Ulrid)S bon Gilli, bcm fid) SabiStauS botlftänbig uuterorbnete. 9(ber ber Ghr9e'3 beS miüenSftarfen StanneS ftrebte noch hbher-9ÜS Johann ^untjabh im Satire 1456 geftorben mar, begab fid) ßabiSlauS nach Ungarn, beffen ©renje bon ben dürfen bebro|t mar. 3)ort ernannte er ben Strafen bon Gilli jum Hauptmann feines §eereS. Hiit ltnroitten nahm bieS ber ältere ©oljn beS Sohann ^unpabp, ßabiSlauS, auf, benn er fürchtete, bon betn berfjafSten Gillier ganj Oerbrängt ju raerben. Gr begab fid) nach bent bebrot)ten 23el grab, roohin ihm ber ßönig mit bem ©rafett Ulrich folgte. 2Bährenb bie Stannfchaft in ber ©tabt jttrüdblieb, ritt ber Stönig mit feinem fleinen ©efolge in bie 23urg, bereit 2f)ore gefchloffen mürben. Sn ber Sacht tarn ein Ungar jtt bem ©rafcn bon Gilli unb marate ipn bor .'punpabp, ber einen 2tnfd)Iag auf it)n borhabe; er berfprad), ben ©rafen heil attS ber 23urg ju führen, ber Heutig aber ntüffe barin oerbleiben. ®a rief Ulrich : „Stir gefdjehe, roie ©ott roitl, bon meinem Honige taffe ich nid)t!" 2lm frühen 9Sorgen lieft ßabiSlauS ^unpabp ben ©rafen um eine Unterrebung bitten; als Ulrich in baS ©emad) trat, fuhr ihn ßabiSlauS an: „2ÖaS führt Glich nach Ungarn ? SBollt Shr hier nod) ntehr @ut unb Gt)ren hoben?" ®er ©raf entgegnete: „Sch tarn als 23egleiter meines HönigS jum ©djuhe beS d)riftlid)en ©(außen»; (Surov ©üter beßarf id) nid)t." ©cßon ßrang ipunßabQ auf Ulrid) ein, ßod) ßiefer Gerrounbete ißn am Raupte. $a brangen Seroaffnete be§ ipunljabl) in ba§ ©emad) erfcfjlugen, ben ©rafen unb trennten bann ba§ ^außt bom ütumßfe. Ulrid) bon ©illi roar ber letUe ©ßroffe eines @efd)(ed)te§, ba§ burct) 2()atfraft unb rüdfid)t§(ofe üluSbeutung günftiger Um= ftänbe in tur^er 3eit emßorgeftiegen roar. Über ficbjig .fperrfc^aften gebot ber letjte O'illicr, ber im fremben Sanbe ben 5Ebbe§ftreid) emßfieng. ®a^u gehörten in ©teiermart außer Gidi and) 0fter= miß, ©anned mit bem iötarfte ^raßlau, ißrafSberg, ©d)önftein, ©djallegg, 9ieut)au§, ßemberg, ©onobi|, ©albentfofen, GibiStnalb, ißfannberg, sJJtured, sltoßitfd), Sßöltfdiad), Üiabfersburg u. a. 2Iußer= bem roar ein reicher ©ctjaß borßanben, ber au» „©olb, ©über, föfttidjem Sleinobt, töarnifd), ba§ niemanb mit ber 3nt)l fugen mag", beftanb. Unerhört, ßeißt e§, roar baS 3ßet)flagen be§ $blfe§, al§ ber tieidjnam beš legten Gülier ©rafen in bie ©ruft ber ÜJtinoritenfirdje 511 Giöt gefenft rourbe unb ber ^)erolb ben $ßaßßen= fd)üb be» -üanfeS äei'6mcf) mit bem breimaligen Dtufe: „.§eut ©raf Gilli unb nimmermeßr!" ßbnig SabiSlauS rüd)te bie ©rmorbung feines Cffeims, inbem er und) einiger 3eit ben ßabiSlauS ^)unt)abt) l)inrid)ten ließ. SDeffen $ruber 9Jtattl)ia§ (GorbinuS) naßm er mit fid) nad) 2Bien. ©0 lote ©raf Ulrid) im ßeben biel 3ro'ft erregt gatte, fo fegte and) fein Zob bie üllßenlänber in Aufregung unb Unruße. 5)aS Grbe ber Gillier beanfprucßte ber Slaifer auf ©runb be§ 9Ser= tragcS bom Sialjre 1443, bod) and) anbere Grben traten auf: fo ßabiSlauS ißoftgumuS, ©raf poganu bon ©öq, ©raf ^)anS bon 9)toutfort=9ßfannberg, beffen Butter eine 33afe beS ©rafen Ulrid) bon Gilli roar; ba fie nad) bem Zobe ißreS ©emaglS ben ^)cr^og ffilabiSlaro bon Zefcgen=©logau gegeiratet gatte, fo beanfgrucgte aucg biefer baš Grbe. 91nbere Grben roaren ber tperjog SBilgelm bon ©acgfen = iJJtagbeburg, bie ©rafen bon Sßegtia = TOobrufd), ber ©raf oon ©cgaumberg in Cberöfterreicg unb iüticßael bon sJ)iaib= Burg, (Sraf bon 9te^. Unb UIric£)§ ißittoe Katharina, 5£oä)ter be§ ferbifcčjen dürften @ e o r g $ r a n f o to i t f d), beanfprui^te ben (Sefammtbefil.1 9Jtit 9tcd)t fann alfo bie ©Hier ($f)ronif fagen: „®er more bit, bie folcf) berlaffen ©raffctjafft unb ©efdilofš er= forbertm unb ©erei^tigfeit bermeinten btiqu -ju fjaben." ®er $aifer geroann nnc£) unb nad) burd) bebeutenbe 95er= fbredjungen bie Surggrafen unb Pfleger ber (štllier £)err)d)aften unb §og mit 200 ffteifigen über DJtarburg nad) 2Binbifd)=8:eiftri| unb bon ba nad) 6i(li. Jpier geroann er ben Gillier §elbf)aubtmann 3 o!) a n n 2B i t o to e |, ber bisher §ur gräflichen SBitroe unb p Itönig SabialauS gehalten hatte; ber Saifer überließ U)m ©d)lof§ ©ternberg in Samten unb madfte ihn 511 feinem §auf)tmann mit einem ©olbe bon 500 s.pfunb jährlich, hierauf befehle ber Saifer bie 39urg Ober=©illi. Allein Söitoroeh erroieS fid) untreu; er 50g fdöhlich bon Gilli ab, toanbte fid) toieber bem ä'önig Sabi§Iau§ 311 unb erfd)ien in einer 9tad)t mit 800 ilteitern bor ber ©tabt Gilli, um ben Saifer gefangen 3U nehmen. sJtad) turnem Äamfife ergab fid) bie tSefaijung; äßitoroeh nahm bie Dtüthe be§ Saifers gefangen, belagerte biefen in ber 33 ur g 0ber=GiHi, 50g aber nad) acht Sagen mit (befangenen unb reich belabenen Srngtt)ieren ab. Sie Stämbfe bauerten nod) längere 3e't fort. @§ „befdjahen bon beiben Shetten in ber ©raffd)aft umb Gilli unb in bem ©ann= tljcile allenthalben unb jebem DJtann grof) 33efd)ebigung unb ©djaben an GSut unb an tieuten". DJtittlerioeile trat ein folgenreiches GreigniS ein. Ser junge Stbuig SabiSlauS hotte fid) bon 2ßien nach stßrag begeben, roo er fid) mit einer franjöfifdjen ijkinjeffin 51t bermählen gebachte. Sort trat unerroartet ber Sob an ihn heran; er ftarb im Dtobember 1437. iDtit ihm erlofdj bie albertinifdje Sinie beS ÖaufeS .öabSburg, unb bie Don it)m beherrfd)ten ßänber ftrebten roieber auSeinanber: Dtieberöfterrcid) fiel an Ä'aifer ffriebrich, Oberäfterreid) an feinen K. @ubo, Ser Sitlier Gvbftreit. ©va) 1893. Stüber E(6rect)t VI. 3n Ungarn würbe 9Jiattf)iaS 6orbinu§, in Söfjnten ©eorg Oon ^obiebrab auf ben Stlfron ertjoben. 3e|t bergli cf) fid) Saifer grtebrid) mit ber bertoitrocten ©rafin bon 6illi, unb and) S-ofjann SBitoroe| trat roieber in feine Sienfte. IIS fein geMjauptmann jog er gegen ben ©rafen |)an§ bon @0r§ ju gelbe unb jmang ifm, feine 5tnff)rüd)e auf ba§ ©iftier ($rbe aufjugeben. «So gelangte ber Saifer in ben Sefi^ ber mciften 6iHier ©üter. ®ie Sürger ber ©tabt ßiHi, bie in biefen Kämpfen biel gelitten Ratten, erhielten neue greiljeiten, unb bie ©tabtmauer, bie ©raf griebrid) II. 1450 begonnen Ijatte, rourbe 1473 boöenbet. 4. 9titbrea5 Sanntfirtfjcr.1 t)ie troftlofe Sage 9tieberöfterreid)§, ba§ bon fftaubrittern, unbezahlten ©ölbnern, gefilünbert rourbe, erregte große llnzufrieben= heit mit beut Saifer. sltl§ er im iÄuguft 1462 nad) Söien ge= tommen roar, belagerten iljn bie Serooljner in feiner Surg, unb felbft fein Sruber Sllbredjt eilte herbei, bie 2Biener ju unterftüfsen. 2)er ßaifer bad)te an feine Ergebung. @her „müfste ba§ ©eflo§ fern greitl)of fein" fagte er. tapfer bertheibigte fid) bie Heine Sefa|ung, bei ber fid) and) einige ©teirer befanben, fo Sorg bon Sainaä), @rf)atb unb ^)einrid) bon §erberftein, griebrid) unb SBilhelm bon ©aurau, aber bie SebenSmittel nahmen rafd) ab. ©elbft bie jpunbe unb Saßen waren aufgezehrt worben, ba enblid) tarn Inlfe. ®ie 9tiitl)e be§ SaiferS, bie fid) in 2Biener=9Zeuftabt befanben, befd)loffen, ben Sbnig ©eorg bon Söhmen um ipilfe zu bitten, unb ber Ütitter 2Inbrea§ Saumfirdjer, ber bcm Sönig biefe Sitte borbringen füllte, ritt mit foldjer ($ile, baf§ er nad) faum brei Sagen in üßrag anfam. Son bierzig Settern, bie er mitge= nommen, hutten nur brei an feiner ©eite zu bleiben oermodjt. Sönig ©eorg fd)iifte fofort einige hunbert Seiter nad) 2Bien unb 1 S- »• ÄroneS, 3eugenüerf|ör über 58aumfin^er§ 5£fiatenle6ert. ®t)tn= nafialjeitfdjrift 22. folgte mit einem Jgeere nad); bn auef) bie Steirer, Kärntner unb Äraincr jur. Befreiung be§ SaiferS ^ernnrütften, fo ^oben bie SBiener bie SeUigerung auf unb unterroarfen fief). SDer Saifer fd)lof§ mit feinem $ruber ^rieben, inbem er iffm and) 9iieberijfterreid| auf ac^t 3al)re überließ. 35od) ftarb ^terjog llbredjt VI. fdjon im 3aßre 1463. $en ©rajer ^Bürgern fdjidte ber fiaifer non 2Biener= Dteuftabt au§ ein Schreiben, in bem er ißnen für bie on ben aufgebotenen Säuern mufsten je jroanjig einen feften 5)eid)felroagen mit Hier ifjferben, foroie .Sjaden, Ärampen unb eine lange eiferne Sette ljubem ©raj ftellte 32 Pleiter, 12 ffuf;= ganger unb 4 SBägen, 3ubenburg 34 Pleiter, 16 gujjfolbaten unb 2 äöägen, Ißettau 24 Pleiter, 12 §ußgünger unb 2 PÖagen. 3n ben Saljren 1469 unb 1471 plünberten Zürtenfdjaren bie Sillier ©egenb. Ptud) im jMjre 1473 tarnen bie dürfen, bie Samten ü er rauftet batten, au§ biefem Sanbe nad) Steiermart; fie plünberten nun Söinbifdjgraj, bon roo eine Plbtbeilung gegen ®onobi|, eine anbere gegen bie ©tobt Silli marfdjierte, an ber fie mit 8000 ©e= fangenen Porbeijogen. 3m Plugnft 1475 tourbe bas 3)raufelb non ißettau unb Pleuftift bi§ Sembad) Oerbeert; bie Ošmanen jagen fid) bann in bie ©egenb Don Ptann, loo fie einen d)riftlid)en yeer= baufen, ber au§ Steirern, Särntnern unb Stainern beftanb unb Don ©iegmunb Don ifl o11) ei m , Hauptmann Don Plabfer§= bürg, befehligt mürbe, auSeinanberfprengten. Plud) in ben fahren 1476, 1478 unb 1479 mürbe Unterfteier Don bem fdjredtidjen ffeinbe bcitngefudjt. ©djugloS mären bie Säuern bem ffeinbe prei§= gegeben, benn üon ©eite ber Sanbftänbe gefcbal) nid)ts ju ihrem ©d)u§e; unb baljer ift e§ erflärlid), bafs fid) unter ber Sanb= bePölterung bie PJleinung Perbreiten tonnte, bie .Sperren ftünben mit ben OSmanen in geheimer Serbinbung. 3n biefer 3eil ber Plot!) gefd)ah eS, bafs bie Sürger Don ©raj im 3ahre 1478 eines Zage» an uerfdjiebenen Raufern eine Slagefdjrift angefdjlagen fanben, in meid)er bem Saifer Dorgehalten mürbe, bafS er feine bebrängten Untertljanen nid)t gegen bie Sürteu befd)ü|e, 3roan9fleuern erhebe unb bamit alle llnterthanen quäle, ©r roirb ermahnt, bie gute PJlünje nid)t ju Derfd)led)tern, PJlaut unb 3oll nid)t ju erhöhen, bie Pluffdjläge auf SBein, ©alj unb (Eifen nidjt ju erneuern, bie pflege ber ©ered)tigfeit nid)t ju ber= fitumen. 9?id)t gegen feine Untertanen, fonbern gegen ben getnb falle er fid) toenben. „©te^e auf Dan beut ©d)lnf, barin bu lang gelegen bift." 911)er and) biefe§ 9Jta^nftreiben, ba§ ein 93arfüfier= luänd) DerfafSt (jatte, ünberte an ben Qnftänben nid)t§. ©leid) ba3 folgenbe 3a^r (1479) führte einen jrociten fEeinb, bie Ungarn, ins Sanb, bie an Dtoljeit unb ©raufnmfeit ben OSmanen nid)t nad)= ftanben. ®er (5rjbifd)af Soljann Don ©ran roar mit Dielen ©djatjen auS Ungarn entflogen unb ju Saifer griebrid) gefommen, bem er grojje ©elbfummcn Dorftredte. $er Saifer roallte itjm bafür baS (Srjbi3tl)um ©aljburg Derfdfaffen unb beroog ben ©rjbiftof S9ern= Ijarb, ber nad) ©raj gefommen roar, jur 9tbbantung. 9tber biefen reute fein @ntfd)luf§, roa§ ben UJaifer Deranlafste, bie faljburgifdjen ©üter in feinen Sanben ju befetgm. 'Ihm rief ©rjbifd)of S3crnf)arb, ju bem and) ber ©edauer Sßifdjof ß^riftop^ Don 5£raut= mannSborff Ifielt, bie |)ilfe be§ Königs tötattljiaS Don Ungarn an unb fdjlofS mit il)m ein SSünbniS. 3U @nbe beS 3a^re§ 1479 befehlen bie Ungarn Sßettau, Sidjtenroalb, Sanbsberg unb Seibni|; im folgcnben 3at"e eroberten fie infolge einer KriegSlift in einer 9iad)t baS ©djlofS Don DtabferSburg, roorauf fid) and) bie Stabt ergab. (Sin fjarteS SoS traf ffürftenfelb. Siefe ©tabt gieng roiiprenb ber ^Belagerung in ff lammen auf unb bie (Bürger fallen nnd) ber Eroberung nad) Ofen geführt roorben fein. Sie Ungarn belagerten and) (Marburg, bas fid) tapfer Dertlfeibigte, roorauf bie ffeinbe abjogen. 9tud) in Oberfteier erfdfienen bamalS fdjon ungarifdje Sruppen. 3n bemfelben (fapre (1480) Prangen and) Süden Don Kärnten ber über Meumarft unb Seufenbad) in§ obere (Diurtbal ein unb lagerten auf bem ©icbfelb bei Subenburg; Don t)kx jog ein Sbe't über |)obentauern nad) iRottenmann unb bann über bie 5öalberl)öbe nad) ßeoben, SBrud unb eine ©tredc in ba§ Oltürjtal pinein; ein jtoeiter .fpaufe jog im föZurtpale nad) Srud unb Don pier gelangten 8 9Jt a t) e r, ©ef(^id)le ber ©teiermarf. beibe 316t^etlungen bereinigt nad) ©ra§. Sic belagerten bie Stabt nid)t; benn biefe türfifd)en ,^)eere beftanben nur aus leid)t be= roaffneten Zrubben, bie fein t8etagerung§gefd)ü| mitfüfjrten. Sie .perrenfitje unb Sauernpfe bmn gtofenberg unb ©raben bi§ nad> lltaria Sroft unb bis St. ißeter fielen bem ^einbe junt C'bfet, unb Saifer ^riebrid), ber fid) bamafg in ©ra§ aufpelt, tonnten non ben Rinnen beg ©ra^er Sdjloffeg ber SSerroüftung jufeljen. So roaren alfo in biefem 3ape faft alle Spile beg SanbeS bon f^einben pimgefud)t; aber and) eine s^3eft roütpte im Sanbe unb überbieg erfdienen einige 3al)re pnburd) in ber ötitte beg SDtonatg üluguft ,§eufd)redenfd)roänne, toeld)e bie gelber unb SBiefen taf)l fraßen, ©in tßilb an ber füblidjen Ytußenfeite beg @ra§er Someg ftellt bie Selben, bie „©otaplagen", bon benen bamalg bag Sanb berroüftet rourbe, alg göttlidjeg Strafgeridjt bar. @g trägt bie iluffäjrift: „1480 Umb unfer grauntag ber Sd)iebung finb t)ie ©raß ©oigfitag brel) getoefn, Ipaberfcßrefff, Sürfen unb peftilen^ unb jebe fo groß, bafg bem iötenfcfjen unerprlid) ift, ©ott fei ung gnübi." Sie Sümpfe mit ben Ungarn bauerten aud) im folgenben .jaßrc fort; bamalg belagerten bie Ungarn bie Stabt SDtarburg, ließen fid) aber bon bem püpftticßen Segaten ^um ülbpge betoegen. 3n berfelben 3^t fudjte ber mädjtige 9tiftag bon Sied) teuft ein auf ÜJturau feinen Sefiß baburd) bor ben Ungarn 511 retten, bafg er mit ißnen einen tßertrag fdjlofg unb ißnen feine Scßlöffer ein= räumte. So rourbe er ein 23unbeggenoffe ber Ungarn. Sönig Utattßiag griff Öfterreid) felbft an unb eroberte 1485 SGßien, roo er feinen Sig auffcßlug. SZBäßrenb er im 3al)te 1487 2Bienet= Dteuftabt belagerte, eroberten feine Sruppen bag gan^e Diür^tßal big Kapfenberg. So bauerten bie Kämpfe fort, big DJiattpiag im 3af)re 1490 in 2Bien aug bem Seben fi^ieb. 6. 2>ie letate« $ngc S'itifcv 8riebrid)§ III. 2)ic ©ggeiikrgcr. 3n bet 3eit, bn bie öfterreicf)tfci)en Sauber balb von beit Jütten, balb von ben Ungarn tjemigefucl)! mürben, fo bafS es fcfjien, al§ ob fie bem ^laufe ipabSburg ganj Verloren gel)en mürben, Ijattc biefeS eine neue Gürroerbung gemadjt. ÜKajtmilian, ber ©of)n be§ ßaiferS griebrid), Ijatte fid) im 3ol)te 1477 mit ber 3ßrinjeffin DJtaria, bem einzigen fiinbe beS ^er^ogS Sari von 39urgunb, Vermüljlt unb bamit blübenbe unb reidje Sänber erroorben. 21 ber bie ©diicffale ber ö(terreid)ifd)en Sänber jum Seffern ju tvenben, mar er nidjt imftanbe. Sind) ber Saifer, ber fid) lange Seit in ©raj aufget)alten ^alle^ üerlief; nad) bem gälte SSien§ feine ßrblanbe unb begab fid) nad) ®eutfd)lanb, um bie ipilfe ber gürften anjurufen; al§ er jurüdgetef)rt mar, Ijielt er fid) meiftenS in SnnSbrud unb in Sinj auf. 91ad) bem Jobe be§ ungarifdien Königs erfd)ien ber junge König 9Jta$imilian in ©raj, roo er ein ftattlidjeS @ölbnert)eer jufammenbrac^te, benn and) jene ©ölbner §ogen iljm ju, bie bisfier in ben Sienften be§ Königs 9)tattt)iaS geftanben roaren. Son ©ras manbte er fid) über ben Semmering gegen 2öienet= 9teuftabt. Jie ungarifdien Sefa|ungen sogen aus einseinen Orten ab ; ber ungarifdje gelbl)aut)tmann rgafob ©seMf)- ber in 3nner= öfterreid) befehligte, behielt sroar nod) bie von it)m befetsten Orte Stabferšburg, ißettau, 2Binbifd)gras, 2öinbifd)=geiftril) u. a., bod) Verfprad) er, fid) aller geinbfeligfeiten su enthalten. 991a$imilian brang and) in Ungarn ein, fd)lofS aber 1491 mit bem neuen ungarifd)en König SßlabiSlam ben grieben von ^ßrefSburg, in bem ausgemacht mürbe, bafS, falls SÖIabiSlaro ohne Söhne ober biefe ohne männliche 9tadjtommen ftürben, Ungarn an 9JtajimiIian unb beffen @rben fallen füllte. 9118 bie Ungarn aus Steiermart absogen, befehlen bie Kaifer= lid)en alle ©üter beS 9litIaS von Sied)tenftein, ba er fid) mit ben Ungarn Verbünbet hatte. ($r flüchtete fid) unb molite oiel(eid)t 8* nad) Italien gelangen, würbe aber an ber (Stfdj in SEtroI gefangen unb auf ber 83urg Ztrol eingeferfert. $od) erlangte er nad) etwa jwei 2,at)ren bie ©nabe beS SaiferS wieber unb erhielt feine ©titer §urüd. ßaifer griebrid) ftarb im 51uguft 1493 ju Sinj unb würbe in 2Biener=9Zeuftabt beftattet. @r t)atte 69 3al)re über ©tciermart regiert. Sn feinen Sanben Ijatte er jwei neue SiSt^ümer gegrünbet, ßan benen ba§ eine, Saibad), ba§ er 1462 ins Sebcn rief, im Umfange be§ S3enebictiner=@tifte§ Oberburg gelegen war. @r erlitt Diel Ungemad); aber niemals Derlief; il)n ber ©laube, bafS Öfter= reid) einer großen 3utunft entgegengelje. Oiefe 3uberfid)t brüdt fid) in ben fünf 33udjftaben A, E, I, O, U aus, bie er an feinen Saumerten anpbringen bflegte. ©ie bebeuten ben ©aß: 9llleS ©rbreid) ift Öfterreid) untertßan.1 Sn ©teiermarf l)ielt fid) ber Inifer gerne auf; it)m Derbantt ©raj neue Sefcftigungen unb ben SDom, im „gemalten" jpaufe in ber Herren gaffe füll er bie Seßen nergeben fjaben. 3tuf bem ©djloffe ju ©raj, berid)tete ber ffteifenbe tieo Don gtožmital im Saljre 1465, ßalt fid) ber Saifer Ijäufig auf, bod) nimmt er baßin gemößnlid) nur wenig $ienerfd)aft mit unb täfSt bie übrige in ber ©tabt. ©ben auf bem ©cßloffe finb and) bie ©eßäße beS SaiferS Derwaßrt; man jeigte fie uns aber nid)t, außer einem Dtantel Don rotßem $amaft, beffen ©aum l)anb= breit mit ©olbßaften unb ©belfteinen befeßt ift. Sie ÜZätße beS KaiferS fagten uns, wenn berfelbe ©elb nötßig ßatte, brauchte er bloß ben SJZantel ju Derpfänben unb er betame leid)t 500.000 Sucaten bafür.1 2 3ur 3e't beS KaiferS griebrid) III. arbeitete fid) bie ffamilie ber Gfggenberger ju Dteicßtßum unb Ülnfeßen empor. ©d)on 1 'älter ©f)«n ift Öfterreid) uolt. Austria erit in orbe ultima. Austrise est imperare orbi universo. Austria extendetur in orbem Universum. Aquila electa juste omnia vincit. 2 Sof. ». 3af)n, 3Ba§ man fid) non ©teiermarf im iDtittelalter erjäbtte. Styriaca II 33. Ulričf) (šggenberger, Sürger ju 91abferSburg unb ©raj, befafgtc [id) mit umfangreidjen §anbel§= unb 2Bed)[elgefc£)äften unb fiatte felbft in Stgram unb Ofen Filialen, ©r gehörte ju jenen jroölf iölünjern (ober ,jpnu§gcnoffen), benen griebrid) III. 1436 ba§ 9ted)t erteilte, bie SanbeSmünje in ©rnj ju [djlagen unb ben ©elbtoedifel au§= juüben. $on feinen ©ö^ncn blieb $an§ in iftabterSburg; er mürbe geabelt unb grünbete bie freil)errlid)e ober tRabferSburgcr tiinie; 3B a 111) a [ a r fütjrte ba§ Oüterlid)e ©efdjäft in ©raj unb mürbe ber ©rünber ber [päter in ben ^ürftenftanb erhobenen Sink ber ©ggenberger. @r mar ©rofdjänbter unb tjanbelte mit [teirifdjen ütaturbrobucten, bie jur 9Iu§fut)r tarnen, unb mit allerlei 3nbuftrie= unb Sunftprobucten, roeld)e ©teicrmart au§ ®eut[d)lanb unb Italien, befonberS SSenebig, bejog. ülud) ungarifdje 9ßrobucte führte er ein unb nu§. ©o lieferte er einmal bem ipfaljgrafen bei SRI)ein ad)t= jetm ßentner -Raufen für bie ^aftenjeit. Sind) ber ©clbrocdifel bradjtc il)m grofjen ©eminn, nod) größeren jebod) bie ©teile eines lanbe§fürftlid)en 9JZünjmeifter§ in ©rag, bie Ujm griebrid) III. allein übertrug. 911§ SOtünjmeifter l)atte er ba§ 9ted)t unb bie ißflidjt, bie lanbläufige SRünje ju prägen unb bnfür ba§ nötige DJtetall ^erbetjufd)affen; jubent Ijatte er bie neue DJtünje in 3Sertel)r ju bringen, roorauS ebenfalls ©eminn ju jieljen mar. $aS 9Rünj= red)t öerliet) ber Äaifer nod) einigen sperren, benen er ©elb fi^ulbig mar, fo bem iBaumfirdjer. ®a mürben bie „slRünjl)erren, 9Rünj= meifter unb DJiünjer ju grofjen Sperren" fagt ber ©fjronift llnreft. 3n ©raj mürben nur Sleinmünjen gefdjlagen, Pfenninge unb geller; im Satire 1458 gab ber SMfer bem ©ggenberger and) baS Stecht, Sreujer ju fd)lagen, Don benen einer Dier Pfenningen gleidjfam. Unter Sl'aifer ^riebrid) mürben in ©raj foroie in anberen 'Utünjftatten feljr geringhaltige Sütünjen gefdjlagen, roaS bem S’aifer mie feinem Ötünjmeifter grofjen ©eminn brad)te. 3)ie ausgegebenen fdjmarjen 9Jiünjen beftanben faft nur aus Tupfer unb l)iefsen fpott= meife „©djiuberlinge". „$ßer bamalS Diele alte tupferne Sleffel hatte," meinte ber ©jronift llnreft, „bem gieng e§ gut." ©in ©utben mürbe einem üßfunb Pfenningen gleidjgeftetit, aber man Oerlangte, roeit bie ©äietbemünge fd)lect)t mar, für ein ©ulbenftücf inetjr al§ ein pfunb Pfenninge, fogar jmei big adft pfunb. ®a bie Säuern bie SBaren ben ©eroerbgleuten um bag jmei= big adjtfadje t^eurer bejahten mufgten, fdjlugen and) fie mit itfren ©rjeugniffen auf. ©o entftanb im Safjre 1460 eine grofje Steuerung. 2ttg ber Äaifer an ber i)teblic§teit feineg tDtüngmeifterg jmeifelte unb itjn jur ©träfe jietien molite, folt biefer mit feinem Vermögen nac§ Senebig entflogen fein, roo er ©efdjüftgfreunbe pitte. Son ba teerte er erft jurüd, at§ ipn ber Inifer ©traffreilfeit pgefidjert pitte. 5)er Slaifer tonnte eben ben reidjen Dltann, ber if)m oft ©elb Oorftredtc, nidjt entbehren unb ertjob itm in ben Ütitterftanb. Sönig 9Jtattt)iag bon Ungarn fiatte ipn fpon 1467 ben ungarifdfen 3tbet unb Oerfdjiebene 9ied)te berlietjen. ©d)on um 1450 erbaute Sattprfar jmifctjen bem Shirttjore unb bem 3lbmontert)ofe ein ©pital, b. i. ein pfrünbnerpmg, für arme 9tbetige unb Sürger. ®abei befanb fid) aud) eine Sapefle. 31i"1 Sau unb Unterhalte biefeg „föggenberger ©tifteg" hatte aud) ber ©bie ©iegmunb 9togenborfer mehrere ©üter gemibmet. Salthafar taufte bag ©d)lofg unb ®ut üögergborf bei ©raj, mo fpater bag jepge ©d)lofg ©ggenberg entftanb, bann mehrere Raufer, ©tünbe unb 9ted)te. 91m 91benb feineg Sebeng erregte ber reiche Staun aug irgenbeinem ©rnnbe neuerlich bag Siifgtrauen beg Äaiferg, ber ipn auf bem ©tiflofgberge in bag ©efängnig merfen liep SDort ftarb er in ber erften §älfte beg Sahreg 1493. ®ag Sol! roufgte ju erzählen, bafg er int heimlichen ®erid)te burd) bie fogenannte eiferne Sungfrau umgefommen fei. ©emifg ift nur, bafg er im ©efängniffe bem Haifer 34.000 ©olbgulben leihen mufgte. Salthafar mar jroeimal oerheiratet; juerft mit Ütabegunbe ©eibenater, ber Uodjter eineg ©rajer 9tath§bürgerg, bann mit Sarbara Oon pain. ®cr ©olfn erfter anbel treiben. Sie Äinbberger Söffet bagegen batten ba§ 9tei|t, mit ihren ©efdjirren überall 511 bnnbeln; bie§ roar eine ©ntfcbäbigung für bie itierbflidjtung, bem frofe, roenn er ;u Sinbberg ober SBrucf roeilte, 2Baren tnnb SBebarf 511 liefern. jpetjog ütubotf IV. ()attc angeorbnet, bafs bie auf bcn Raufern liegenben 3'nfcn unb 'Jtenten abgelöst rocrben tonnten, aber nicfjt jeber §aušbefi|er tonnte bieS, unb mer bie auf feinem .fpaufe liegenben Saften nietjt mef)r tragen tonnte, liejf baS pau» oerfallen; auef) @belleute ließen häufig i^re fttibtifdjen Käufer beröben, ent= roeber, roeil fie biefelben nid)t berooljnten ober roeil biefe burcl) §euer§= briinfte befefjübigt roaren. ©o tarn e§, baf§ e§ in alten Stabten tieröbete Raufer gab. ffür ©raj orbnete §erš°S ^riebric^ im Saljre 1435 an, bafS foldje Raufet innerhalb ^roei Saljren auf= gebaut roerben mufsten, loibrigenfalls fie bon ber Stabt einge^ogen unb juin Sau beräußert roerben feilten. 3m Saljre 1478 erhielten bic tßrälaten unb 9(beligen in Silli unb anberen Stabten ben Auftrag, iljre öbliegenben Käufer binnen 3al)re§frift auSjubauen unb bon i^nen Steuer 511 entriclften, ba fonft biefe Raufer ber= tauft mürben. §eqog Dtubolf IV. ^atte aud) bie Steuerfreiheit ber Herren unb Prälaten bezüglich ihrer ftäbtifdjen ,Staufer aufgehoben; aber fie roufsten fid) bod) ber Steuerzahlung roieber entziehen; roenigftenä mürbe in bem ber Stabt DJtarburg 1378 berliehenen ißribilegium betannt gegeben, baf§ bie Herren unb bie 3uben, bie bort anfäffig finb, roie bie Sürger Steuer z“ zahlen hoben. $et= fd)iebene Umftünbe roirften zufammen, baf§ aud) in ben folgenben 3ahrl)nnberten in oielen Stübten unb iDtürften Käufer baufällig roaren ober leer ftanben. Sud) in Steiermarf traten bie Sürger, roelchc baS gleiche ober ein oermanbteS .fpanbroert betrieben, roie fd)on ermähnt mürbe, Zit 3ünften ober Innungen zufammen; bod) finb Sa|ungen foldjcr SSereinigungen, fogenannte 3unftorbnungen, auS bem 91tittel= alter nur in geringer 30hl oorljanben unb roerben baher fßäter befßrochen roerben. ®a§ aber foll fdjon hier gefagt fein, bafs bnrd) ben familienhaften 3ufammenfd)luf§ tion DJteiftern, ©efellen unb Se()r= lingen ein fittlidjeS SerhältniS gefchaffen rourbe, bafs unferer 3cü ganz abl)anben getommen ift; bafS bie Hßrobucenten, benen bnrd) öie 3unfttierfu[jung ein glcidjinü^iger Arbeitsertrag gefidjert war, fid) in bie Sage tierfe|t fatjen, be^agliä) §u leben, unb ben Säufern bie ©id)er^eit geboten mar, gute SBare erhalten. $er midjtigfte auswärtige tpanbelsplatj war nod) immer žtienebig. ißenetianifdjeS ©laS, ©ammt unb ©eibenftoffe, farbige Züctjer, bie in ber Sombarbei erzeugt mürben, Arzneimittel mürben in DJtcnge tierbeigefü^rt, wäljrenb Dom Aorben fier bie äBollftoffe fflanbernS unb gefalzene ^iftlje ins Sanb tarnen. § anbei zu treiben mar nur ben Sürgern geftattet unb mandfeS Sürger^auS ift in ben beften 3e'ten ^eS 93titteIalterS burdf ,f)anbelSgefd)üfte 511 großem gteid)tt)um gelangt. 3m 1377 mürbe angeorbnet, bafS „nie= manb mef)r, roeber Prälaten, nod) anbere Pfaffen, nod) ©bedeut, Herren, Ütitter ober Snedjt, nod) itjre §olben unb Seute, nod) bie 3uben feine Saufmannfdjaft treiben feilen in unferen ©ttibten, 9Jtärften ober Dörfern in ©teier, nod) auf ben ©untogmärften, nod) geiertagmärften". 3m 3af)re 1476 mürbe angeorbnet, bafS Prälaten unb bie Ab eit gen nur iljren $au= unb 3mSroein in ihren geroöl)nlid)en SLafernen auSfiljenfen unb bafS bie „|)anbroerfer, fo bie Prälaten, ©rafen, sperren, Dtitter unb Sned)te auf bem Sanbe bei fid) haben, feine Saufmannfdfafi treiben, nod) biefelben Prälaten, nod) bie ihren, nod) fein 3ub feinerlei Saufmannfd)aft mit $ene= bifd)er 2Bar, nod) 21ud), Aief), ©ifen, nod) SBein treiben follen". 5Die 33ürger trad)teten überhaupt naä) bem §anbefSmouobol, 100= buril eS fam, bafS bie greife fliegen, ©ie tauften ben Säuern ©etreibe, SB ein unb anbere Söaren billig ab unb Oerfauften fie mit bebeutenbem ©eroinn. 3)ie ©alzarbeiter bon Auffee beflagten fid) im 3af)te 1497, bafS fie gezwungen mürben, bie SebenSmittel oon ben Sürgern zu faufen „unb nit Don ben Säuern" unb fügten hinzu: „SBo bie Sürger umb ein Sßfenning bon ben Säuern taufen, bie trad)ten, bafS fie es umb hier Pfenning roieber au§ ber ©ematt geben." 3)ie Aufficht über ben lpanbelSberfel)r führte ber Dom SanbeS= fürften ernannte ^auSgraf. @r hatte barauf zu felfen, bafS bie erlaubten Straßen eingefallen, tierbotene Sßaren niift eingefüfrt, riiftigeS 9Jtaß unb ©eroicft angcroenbet rourbe. 3m 3afre 1435 mürbe ber ©ra^er Sürger $)an§ iDtutten pm §au§gtafen ernannt; im Safte 1489 betteibete ipanS SEuflinger bicfeš 4tmt. 3)oct) ift man über biefe§ 9tmt nicft genau unterrieftet; eS f cf eint unter Äart II. in ber §roeiten Hälfte be§ feef^efnten SafrfunbertS ein= gegangen p fein. 3um Sau ber ©tübte unb Stärfte mürbe im 9JZittetalter tiiel tiermenbet. Unb ba bie ©trafen eng mären unb 8euermefr= einrieftungen nur feiten beftanben, fo nafm eine §euer§brunft geroöfnücf einen großen Umfang an. Um folcfe $tngelegenfeiten flimmerte fiel) bie ^Regierung roafrenb be§ 9RittelaIter§ nicft, beim ba bermalteten bie ©täbte fiel) OoKftanbig felbft. 9Iber am Seginne ber 9teu§eit griff fie auef fier ein. „9US biSfer", fagt ein 9tuf= trag ber ütegierung an bie ©tabt Seoben tiom Safre 1523, „in biel ©täbten unb 9Rärften mit Srunft tüglicfen großer unb mert= liefet ©cfaben befefefen, aus ber meiften Urfacf, bafS bie Käufer mit fofen guljen unb ©efinbetbaefern auef biel holperten nafent ineinanber gebaut bub bie Rtamffüng nur unter unb nicft über bie Säcfer gefüfrt" finb, fo foö jeber, ber ein ipauž baut, „bie SRauern p allen ©eiten, beggleicfen bie iRaucffang über baS 3)ad) bermaffen" maifen, bafS man „in einer 9totf ober $ tun ft barauf fin unb mieber gefen unb iRettung tfun möge". Sie „ungefefidt forglicf ©efüu bon holpert" füllen befeitigt unb eine £feuerroefr= orbnung gematft roerben, bamit jeber roiffe, roa§ er bei einer §euer§= brunft 31t tfun fabe.1 ©olange Sanbmirtfcfaft, ©eroerbe unb Jpanbel in ifrer @nt= roirflung gleicfen ©cfritt ficlten, tonnten biefe ©rroerbspeige gleicf= mäßig gebeifen. Sn Seutfdjlanb geroann aber in ben leften Safr= funberten be§ 9RitteIalter§ ber ^anbel ba§ Übergemicft; e§ bilbeten fiif öanbelSgefellfcfaften, melcfe burcf ütuffauf ber ÜBaren unb 1 ©djineljer, Sie tDtaijcnburg. 3at)re§beriibt be§ S®. Seoben 1894. beren ^reišfteigerung 6 n Ib einen f cf) ra eten ®ruc! auf bcn Stirgcv unb ben Sauer auSübten, ben Sblein^anbel 6ef)err|cl)ten unb in Serbinbung mit ber fjie unb ba entftanbenen ©roffinbuftrie grofse ßafjitalien an^auften. ®ie§ führte fociale ©ctjiiben f)erbei, roeldje im fedj^eljnten ^aljrfiunbert Snlafž 5n geraaltigen Scroegungcn gaben. 3n ©teiermarf finb foldje roirtfcljaftlidje unb fociale 2ßanb= hingen, raie fie fid) in ®eutfd)lanb oom bierjefinten bi§ ^um fed)= iSetjntcn Safjrfjunbert Doll^ogen, nur in geringem ©rabe bemerfbat; von ber Sffociation be§ ©afiitalS im ©omf)agniegefd)äft fjört man nidjtS. s2Iber toir roiffen bod), baf§ ba§ Siirgerljauš ber ©ggen= berget" eben burd) ,§anbel§= unb 2Bed)feIgefd)iifte 511 bebeutenbem sJ{eid)tI)um tam, unb bon ber ©rofjinbuftrie berißögt roirb ffiater nod) bie Stiebe fein. 3. 2)te (šifcngetoiniuntg. Siele Setoot)ner ber ©teiermarf fanben ifjre Sflafjrung mit ber ©eroinmmg unb Serarbeitung be§ @ifen§. ($š gab berfdfiebene Črte, roo ©ifen gerammen rourbe, fo 511 SBalbftcin, in ber ©otlrab, 51t Suirrad), aber eine unerfdjöfiflidje Quelle guten @ifen§ roar unb ift ber ©r^berg bei ©ifene^. Ipier roar bic (Sifengeroinnung feit ben 3e'ten ber Stiömer nie unterbrochen, bod) genauere sliad)= rid)ten finb erft auS ffiateren 3'ahrl)imbertcn 0orf)anben. ®aS S)ied)t auf bic ©djütje, roeld)e bie Serge enthalten, ftanb bent tianbeSfürften §11, ber e§ berfchiebenen Unternehmern Ief)enroeife ober erblid) überließ, roofür er ba§ Serggefätle be^og. ®ie ©ifeneqe raurben mit ©rubenhunben au§ ben ©tollen gum Sbftur^filah unb tion ba in ©chroeinghüuten auf „©chlaififen" ober ©d)litten ^ur ©djmeläftätte gebracht; anfangs raurben fie in gemauerten ©ruben mit Ipoljtolflen gefčhmol^en, bann legte man Öfen an, 9Jiaß= ober ©tucföfen, enblid) §od)bfen. eie beburften 511111 ftärteren ©ebläfe aud) beS SBafferrabeS unb beS SBaffergefätleS, raurben alfo an Süchen angelegt, unb feitbem nannte man alle ©fenfdjmeljftiitten, bie man aud) nl§ 3M«f)äufer, Slači Raufer be= §eid)nete, Dlabmerče, unb t()re Sefi^er gtabgeroerfen ober sJi ab m elfter; ju einem 'Jtabroerč Ijattc ein SRabmeifter gemb^nlid) mefirere ©ruben ober ©d) a d) te am (šrjberge; bod) licfj. er gleid)= jeitig nur in brci ober titer arbeiten. $a§ @rjeugni§ bež ©d)melj= proceffež f)iej; 9t a u t| e i f e n. 5)ie (šifenflumbcn, bie man erhielt, čliefeen Dtajie, oom lateinifdien massa, b. f). Slenge. 2tm ©rjbcrg cntftanben jroei Drtfdjaftcn: ^nnerberg bež ©fenerjež ober ^nnerež (šifenerj, je|t ($ i f e n e r j, unb ©fenerj nor bem Serg ober Sorbernberg. 3)ie weite Umgebung bež (Srjbcrgcž mar mit Sffialbern bcbcdt, toeldje tčjeilž lanbežfiirftlid) waren, tt|cilž ^rioatbefi|ern gehörten, wie ben ©tiften Sžlbmont unb ©öf§. ©t. ©allen im ffialbe war ber gröfite ijßfarrort. Siefe SBälber lieferten bie für bie £)erfteHung bež Dtaufieifenž nötigen Sotjlen. 21 n ben Säcken lagen §ammer= ft litten, wo baž iltauljeifen ju „gefdjlagenem Qeug" ober ©taČ)l= ftangen aužgefčjmiebet würbe. 3tan|eifen unb gefč)lagenež 3eug gieng mittelž fylöfien auf ber @nnž nac^ ©teier, bon Sorbernberg unb bon ben jammern in ber Umgebung biefež Crtež nacf) Seoben. 3m 3al)re 1314 gebot fperjog ffricbrid) ber ©d)bne, baž in Sorbcrnberg erjeugte @ifen nidjt über ben ißritbülfel ober nad) gtottenmann ju fiiljren, fonbern nad) Seoben ju bringen, mo ež weiter berfauft werben feilte. Ungefüllt čiunbert Satire fbliter (1415) erhielten bie Seobner bom .'per jo g ©ruft bem ©fernen bie ©laubniž, aud) baž in ©ifenerj erjeugte ©ifen nad) Seoben ju bringen. Sie Sürger tonnten allcž fRau^eifen gemein)am taufen unb bettaufen, j eher Sürger tonnte fein ©clb einlegen unb ©eminn jie^en; bod) blieb ben 9tabmeiftern in Snnerberg bie greil)eit, if)r ©ifen and) nad) Öftcrreid) ju bertaufen. ©o cntftanb in Seoben eine ©efeflfdjaft bon Sürgern, bie fid) mit bem ©ifen^anbel be= fd)äftigte, unb baž ©fen gieng alž Seobner ©ifen in bie weite 2ßelt. 5)er ©eminn mürbe nad) bem Serfjaltniž ber ©eibeinlagen ber Sürger bcrtlpeilt. 21!ž bie Sürger bon Sorbernbcrg neue jpümmer errichteten unb bas @ifen fetbft in ben anbei brachten, mufsten fie fid) Dar §erä09 Sriebrid) 1436 tierantroorten. Snt 3čahre 1492 rourbe ber $er)d)Ieih Don (šifener^ ber ©tabt ©teier jugeluiefen. tßei biefer Orbnung blieb e§ lange 3eit; roa8 Seoben für ba§ @ifen bon $orbernberg roar, rourbe ©teier für ba§ @ifen= er^cr (Sifen. 5Die 31uffid)t über ba§ gefammte (šifenroefen führte ein lanbeS= fürftücher 21mtmann. @r hatte barauf feljen, baf§ bie 9tab= geroerfen gut arbeiten, mufšte bie ©djinel^ofen unterfud)en, bie ridjtige Ebroägung be§ @ifen§, bie Dltaut unb bie $Bege beauf= fidftigen. üluch hatte er bafür §u forgen, baf§ bie 2Bülber nicht „beröbet", fonbern roieber „gebügelt" mürben. Sie Abwägung be§ (šifenš auf ber lanbeSfürftlidjen 2Bage beforgte ein St a u h = eifentoäger, ber ba§ ©eroitht bem SJtautner unb beffen ©e g en f ch r e ib er an^ufagen hatte. 4. 2)tc $nncnt.1 ©eit ben erften §ab§burgern befaßen bicle ©rafen, greie unb SDienftmannen ober ®ienftherren auf ihren ©ütern neben ber nieberen ©eridjtsbarfeit auch bie t)°t)e ober Sanbe§gerid)t§barfeit, fo baf§ fie auch ®obe§urtheile fällen tonnten, ©üter, mit benen bie hohe ©eridjtsbarteit berbunben roar, hießen boqugStoeife ,lperrfd)aftcn. Sluherbem hatten bie ^errfdjaftsbefißer aud) bie ^if^erei unb bie niebere 3agb, ba§ fogenannte „Heine SBilbbret" ober ba§ „3teiß= gejaib" unb mitunter ba§ $afernred)t, b. i. ba§ 3ted)t, 5Eafernen ober ©afthäufer 5U errieten unb ^u erhalten. StlS bie Stitter größeren ©runbbefijj erroarben unb ©timme auf ben Sanbtagen erlangt hatten, genoffen auch fie bie $orred)te bc§ hohen Slbelš. ®ie Säuern erfdjeinen unter ber Se^eichnung UrbarSleute, Unterthanen, (šrbholben, Öofftätter, 9tüd= ober pinterfaffen, arme Seute. ®ie bäuerlichen Sefihungeu roaren oft fchon getheilt toorben, 1 SÄ. DJiell, ^Beiträge 3ur ®ei^id)te be§ UntertbantoefenS in Steietmarf. TOttt). 40. 41. fo bufs e§ neben ganjen §uben and) ^albe unb 3>iertetf)uben gab. Sine §mbe, bie üon einem §interfa|"fen niä)t allein beroirtfdjaftet, fonbern and) bewohnt mürbe, tjieß eine behauste §ube, ober eine §)ube, „barin ber Stand) aufgetit". ®ie berfdjiebenen 33e[i|red)te ber Säuern an i^rem ©rnnb unb Soben Ratten fii^ im Saufe ber 3ät ju jroei §nuf)tbefi|formen umgeftaltet, jum @rb= unb Ä'aufred)t unb jum ^reiftift.1 3)ie ju „Saufred)t" ben "^Untertunnelt anfieimgegebenen ©rünbe blieben im erblidjcn Sefi| ber Untertfianenfamilie, fo lange biefe bie ©rünbe nid)t „tieröben" lief), b. f). orbentlid) bemirt= fdjaftete. $er Sertanf ber §ube ober be§ §ofe§ tonnte nur mit SrlaubniS ber ^errfdjaft erfolgen; bn§ @ut muf§te junüdjft ben Serroanbten unb Sadjbarn „angefailt" roerben unb erft bann burfte e§ ütuSmürtigen, b. I). nidjt im §errfd)aft§gebiete anfaffigen Untertanen, jum Saufe angeboten roerben. ©orooljl ber Säufer al§ aud) ber Sertäufer mufSte ben brüten, je^nten ober jroanjigften Pfenning ber SertaufSfumme, foroie gemiffe SeränberungSgebüren als ©d)reib= ober ©iegelgelb (Saubemium) entriäjten. ®er Snfiaber eines SaufredjtSguteS tonnte alfo ju ©unften einer nidjt erbberechtigten ^erfon über fein ©nt oerfügen; ©rbredjtSgüter ba= gegen blieben einer Untertanenfamilie unb bereit Stadjtommen fo lange erhalten, bis tein Srbe mehr Oorljanbcn mar, morauf ber §errftaft§befi|er baS ©nt als ihm heim gefallen einjog. 3)en ju „^teireäjt", „^reijinS" ober „fyreiftift" verliehenen UnterthanSgrünben mangelt baS Srbredjt, roenn auch bie §err= fchaften bie Erbfolge bulbeten, raaS ja and) ju ihrem Sorlljeile mar. Seim Slbjuge ober $obe beS Inhabers eines ju greiredjt Verliehenen ©uteS ftanben ber Jperrfäjafi größere Stedjte ju, als bei beut ju Srb= unb Saufredjt anheimgegebenen ©runbe. ©S ift felbftverftänblid), bafS ber Sntjaber eines Srb= ober Saufred)tguteS b eff er roirtfd)üftete als ein greiftifter; beim alles, roaS er im i i 'JI. SJiell, $ie Sage tie§ fteierif^en Untertf)anenftaiibe§ feit SBeginn ber neueren 3£iü SBeimar 1896. Saufe her Satire am ©nie befferte, fei eg an ben $aulic£)feiten aber fei eg an ben ©runbftücfen, tarn ifjm unb feiner ffamilie §u= gute; ber ffreiftifter tonnte bag ©efii^t ber Unfict)er^eit niematg logroerben. ($r roirtfc£)aftete bafier geroöfjnlid) nur fo tiiet, alg eg §ur Sefriebigung feiner Sebengbebürfniffe unb §ur Seiftung ber mannigfachen Abgaben unb Sienfte unbebingt nöttfig roar. ittte biefe Untertt)anen roaren ber @runbt)errfd)aft 511 unb ®ienften öerpftichtet. Unter berftanb man alte s2tb= gaben, ob fie in ©etb ober in fftaturalien teiften roaren. ©ie erfdieinen in ben Urbaren unter fetjr t)erfd)iebenen dtamen. ®a gab eg oor alten Sleinbienfte, aud) Sud)elbienfte genannt, b. f. Abgaben non Sebengmitteln unb ©augbebtirfniffen, roie @ier, §uhner, ^adjg ober ipaär, ©d)ma4 u. bgt. Sergredjt roar ber 3in§r 1)6,1 ein $ergt)otb tion feinem SBeingarten entrichtete. ($g gab ferner tiiele Sßfenningbienfte, bie and) alg 9tblöfung ßon Dtaturalteiftungen gezahlt mürben. ©olc|e roaren $erg=, §)aar= (^Iad)g), Sücf)en=, sJJtat)t=, $ßeinf)fenninge. ®er 3in§ rourbe auch bon alten f^etbfrüdjten unb bem ganzen iBiehftnnbe gegeben. @g tourben alfo Abgaben geteiftet tion SBeijen, 'Jtoggen, ©crfte, $)afer, Stöhnen, Ütüben, §eu, foroie tion jeber Stiehart. ©ehr häufig rourben „8ammg= unb ©d)afbiiud)e" geforbert. $on bearbeiteten Sßrobucten mufgten abgeliefert roerben Srücfenbielen, Streiter, f^afgreifen, SJtoft, Stier, tpomQ/ Sßaihg, Stutter, $täfe, Seinroanb u. bgt. @g ift felbfttierftftnblich, bafg fid) biefe Seiftungen nad) ber Ortgbefchaffenheit richteten unb bafg einzelne Untertf)anen nur bie eine ober anbere ißetpflidftung traf. ®iefe Stbgaben fteltten feine übermäßige Stelaftung bar. @g gab aber and) Seiftungen, bie in ben Urbaren nid)t bezeichnet roaren, bie fogenannten @hrungen-®ie tonnten atterbingg bem ©utgherrn Stnlafg 511 roeitgehenben ^orberungen geben, bie §ur Stebrüdung beg Unterttfanen führten, ©iebclbfenninge entrichtete ber Unterthan beim 3Befi|egan= tritt feiner ipube. 9)tand)e j'ierrfchaften nahmen auch 1)0,1 i361 §irtteriaffenfä)aft eines berftorbenen Unterttjanen baS ©terbrec^t (baS 9Jiortuni), b. i. ein ©tücf 9.Uet), ba§ als 33 e [t i) au.pt über ©terbod)fe be^eidjnet würbe. Sie 2Baf)I ftanb bem ©utsljerrn ju. (5S fam eben faft alles auf bie ®infid)t beS §errfd)aftSbefi^erS an. einzelne, nad) mef)t aber bie Verwalter unb jene, weldje 4")errfd|aften als ißfanb iunetjatten, forberten meljr, als in ben Urbaren berpidjnet ober ©ewo^n^eit war, unb riefen baburd) Un= jufrieben^eit fjerbor. Ser ebelmann SBolf bon ©tubenberg er= mahnte um 1500 feine ©oljne mit ben S'ßorten: „galtet eure armen Seute gut; waS fie eud) fdjulbig finb, baS nefimt unb l)ütet fie bar ©teuer unb nefjmt feine ©terbodjfen, barum bitte id) eud)." Unb aud) fonft würben bie Herren ju „33efdieibenl)eit unb 9Jtaß" ermoljnt. 91m beften gieng eS ben Untertanen ber geiftlidjen ,§errfd)aften, fo bafS baS Söort galt: „Unterm firummftab ift gut leben." ®tit ber 3eit crfä)eint and) ber 3cf)ent. 6r war urffn'üng= (id) eine 9tbgabe, bie Sird)en ju leiften war, gieng aber mit ber 3eit burd) ©djenfung, Sauf ober Sauft auf weltlidje ©runbljerrn über. Ser 91u§brud „3et)cnt" würbe für Abgaben überffaufit üblid). 9tuper ben genannten 91bgaben waren aber aud) §ron= bienfte, b. t). ^)errenbienfte ober 9tobot, ju leiften. Sarunter üerftanb man Sienfte, weldje ber Untertan mit feiner 9ßerfon leiften mufSte. Sie (Robot mar gemeffen ober ungemeffen. Ser Untertan mufSte bei ber 3agb als Sreiber bienen, fifdjen, alle gelbbienfte leiften, alfo adern, büngen, ben ©amen entmcber aus ber eigenen gedjfung ober auS bem ljerrfd)aftlid)en Saften auf ben ben 9tder führen, fäcn, ernten. Sagu famen 9lrbeiten auf ben äßiefen, im Srautgarten, in ben Sßeingärten unb im SBalbe. 93e= fdjwerlid) waren bie (Robotfuhren, bie ©fmnnrobot, bie ber Untertan mit feinem (ßief) berritten mufSte. Ser Untertan, beffen ipube mit einen gemeffenen (Robot belaftet mar, mufSte eine beftimmte Olngal)! bon 9trbeitStagen feiner §errfd)aft gur Verfügung ftellen. SieS tonnte nidjt als eine (Bebrüdung beS (Bauern erfteinen. 2)te jeitličt) ungemeffene 9fo6ot ttmrbe jur $emirtfcf)aftung einjetner im ©igcnbctriebe ber ©runbtjerrfdjaft rüctbeljultencn ©iitercomplejt geforbert. $a tam es freiltcf) bor, baf§ ber Untert^an bie 3eit, bie er jur Sebuung ber eigenen Jpubengrünbe nött)ig ^ntte, ber §errfd)aft roibmen muf§te. ©o blieb bie 3eit ber ^edjfung be§ §eue§ ober be§ ©etrcibeS für bie §errfč£)aft unb ben Untertan bie gleicfje, unb „ber Sauer, beffen Sefi^ mit ungemeffenem 9tobot belaftet mar, ^atte in erfter Sinie ben fierrfdjaftlictjen iffiiefen unb liefern feine Sßerfon unb in ben meiften füllen and) fein ‘žtrbcitSjeug roie bie Sefpannung jur Verfügung ju ftetlen, ob er aud) bei ber Anbringung ber Ante feines ©runbfjerru bie feiner eigenen oernad)läffigen mufste, unb bei @Iementarju= fällen, toie Stegen unb prüften, feine ipffidjttreue mit einem tt)eil= roeifen ober böüigen Sertuft feiner eigenen Ante ju bejahten fjattc. folgte ber Sauer aber bem Stufe beS SlmtmanneS jur Stobot nic^t, fo ttmrbe er mit bebeutenben ©elbftrafen belegt, Ijatte baS Ser= fäumte nad)julfolen, unb oerfiel fdjließlid) als Stobotrenitenter fogar ber ©efa^r, bon feiner fpube abgeftiftet ju roerben." 3n Sejug auf bie ungemeffene Stobot Ijieng alfo baS Slo^l unb SMje ber untertänigen Setiölferung ganj befonberS bon ber ©üte ober iparie ber ©utS^errfdjaft ab. 3n mandfen Urbaren war bie Saft ber Stoboten einigermaßen gemilbert, infofern für fie eine SW @nt= fdjäbigung feftgefteHt mar. Sie ^mngerSbadjer in ber §errfd)aft ißfannberg roaren ber= pflidjtet, ben „Sßein in bie Seiler auf bie ©anten ju legen, babon gibt man ilfnen bon jebem gafS jroei Siertel Sßein unb ein ©upbt'n". 3’n ber Pfarre ©t. 3)iont)fen ob Srmf gab man jebem ,'pubmann „ju bem ^rütjftücf ein Srot, ein Siertel SDienfttäS, ju bem SJtittentag Sraut unb jebem ein ©tuet g'leifd) barinnen unb ein üßrein, ju ber Saufen jebem ein Srot, ein Siertel SDienfttäS". SDie Stobot mürbe gembl)nli(^ bom Slmtmann ber §errfd)aft, ber in ben flobenifdjen ©egenben Župan fjiejj, angefagt, oft aud) bon ber Sanjel bertünbigt. Sie 9teti)tc unb 5ßf(id)ten ber Jpenjdjaften unb ber Unter» tturnen tonten in ben Sorfrcd)ten, tßantaibingen, Saibingen ober Sßeigttjümern1 anfgejeidjnet unb mürben in ben regelmäßig iibgeßaltenen 3Sertjanblungen ber Untertanen oertünbet. Siefe $er= fammlungen, in benen Vertreter ber §errfd)aft, 51nmalt ober 2tmt= mann ben tßorfiß führten, roerben and) Snibinge genannt. 2Ber ju fingen ßatte, tonnte ßicr auftreten. ©eboten mar ben Untertanen, bie Sienfte jur rechten žu Uiften, ju ©eorgi, St. ©ilgen unb ©t. 5tifla§. 28er ba§ Sienftgetreibe nidjt in ben Saften ab» lieferte, fonbern berfaufte, mufstc fünf 3ßfunb 60 Pfenninge Strafe gafften. ÜJtan finbet mandjcn, ßeißt es in ben ©nßungen bon Ob» bad), ber baS fdjledjte ©etreibe in ben Saften abliefert, unb „ba§ gute fütjrt er auf ben SBodfenmarft ober ocrfaufts fünft ßeimlid)"; ein foldjer mufSte bie gleiche Strafe galten. Siebftaßl mürbe feljr fjart beftraft unb ber „Zauberei unb DJtörberei" gleicfjgeftetlt. SSranblegung bebroßte baS §oftaibing bon ©fdjaib bei SBirffelb mit bcm ^euertobe „o()nc alle ©nabe", tßerboten mar, fd)äblid)e Cente gu beherbergen, in ben Obftgärten unb fierrftoftlid)en SÖälbern Säume gu fallen ober gu jagen. 28 er Obftbüume aus 2teib ober §af§ alta dt, ber „ift ber» fallen 32 Sßfunb Ußfenninge ober bie redjte §anb auf bem ©tod gu einer Strafe berfaöen abgutjaden". Unbefugte 3agb unb ber giftfang in bem Ijerrftaftliten 28 aff er mürbe mit ber 3eit immer ftrenger beftraft. ©in foldjer grebler roirb nat bem Saibing bon gteitenau unb in ber ißrein auS bem 16. Sahtunbert mit Serfer beftraft. „2ßiH er lebig roerben, fo gebe er gu 2ßanbl fcd)§ ijßfunb Senate ober beibe Ülugen; begreift man ifjn aber bei ber Dtad)t fo tue man it)m beSgleitcn; mill er lebig roerben, fo gebe er gehn Ußfunb Senate ober bie Singen". Slit ©rlaubniS ber fpetr» ftaft tonnten ftäblite Shiei'e gejagt roerben. „28er aud) mit ©rlaubniS guj, 9Jtäber, Cu$, Sä$ ober Hßiber gu Rauben brädjt, ber foll bie SSälg ber §errftaft gubringen, bem foll eS 1 ©teirifebe unb iarntifdjc SEaibiuge, I)etau§gcgc6en »on §. $ij(boff unb St. ©ebönbaeb, SBien 1881. nad) 33üügfeit bejafjtt werben". Verboten war bie 93er= le|ung ber 3dune, ba§ $erfe^en ber ütainfteine, baS Sdjunpfen unb Staufen. 3m SBolfenfteiner Jaibing l)eißt e§: „2ßeld)er bie 9Jtar!= ober Stainfteine berfelfrte ober auSgrübe, ben foll man an ber ©teile, ba ber SJtartftein geftanben ift, mit bem jpaupte bi§ an ben ©ürtel eingraben unb bie ffiiße auSfeljren. ®e§gleid)en, wer einen SJtarfbaum abfdjlägt, ben fall man mit bem §al§ auf ben ©torf nageln". ©el)t ftrenge würbe bie tßerle^ung be8 §au§red)te§ beftraft. „SBer ber ift, ber mit grebel einem in fein £)au§ lauft, itjm ba§ öffnet unb mit merljafter ipanb frebentlid) wirft ober fd)lägt, ber ift ber ^errfdjaft berfatlen fünf Sßfunb unb bem ütidjter ein ifßfunb Pfenninge." ©elbft ber Saufdjer am genfter ober an ber Siljür wirb beftraft, benn er ift ein fd)ablid)er SJtenfd), unb ber §au§^err, ber il)n tobtet, gef)t oljne ©träfe aus, wenn er babei o^ne Übereilung borgegangen ift. SSerboten war, bei guben ©elb aufjune^men, bie üinber oljne $orwiffen ber ^errfdjaft ju ber= Ijeiraten „funberlid) au§ ber ifperrfdjaft", enblidj großer Slufwunb bei ^jodjjeiten. „@§ foll fid) feiner überlaben mit foftbarlidjer ^jodjjeit jur SSermeibung fünftiger ©elbfdjulb unb Slrmut; ungefaßt hier $ifdj erlaubt bie ^errfdjaft bei ber Sßen (©träfe); als oft einer mefjr $ifd) ßat über baS (Urlauben, als oft ein ißfunb Pfenning jur SBuße." Siefe SBeftimmung würbe wenig beadjtet. (Sin SBericßterftatter bom @nbe beS SJiittelalterS erjafjlt bon einem (Bauern in ©teier= marf, ber jur |)odjjeit feiner einzigen Sodjter jmeißunbert ©afte einlaben fonnte. SMljtenb aber bie (Brautleute unb bie ©elfte fidj in ber etwas entfernten .üiriße befanben, überfielen SanbSfnedjte baS (BauernßauS, berjeljrten baS IpodjjeitSmaljl unb trauten ben Seiler leer, fo bafS bie bon ber Sirdje §eimfeßrenbcn nidjtS ©enieß= bareS borfanben. Über t)iebftaljl, OJtorb unb (Branb, überljaupt „umb foldje ©adjen, bie ben 'Hob berühren", Ijatte nur ber Sanbridjter 51t urttjeilen, ber ben (Blutbann Ijatte. Sqügltcf) ber 9lb(üftung ift in beut Jaibing bei §erifci)aft <5t. 6allen, bie bem ©tifte 5lbmont gehörte, fefigefe|t: (Sin §inter= faffe, bei fein ©ut tieinndiläffigt, roitb tiom ülmtmann ätoeimal an feine ißflidft gemahnt. SBenn ei fic^ nič)t beffert unb fein ©nt and) nidjt beifauft, fo tietfauft e§ bei Slmtmann einem, bei if)m gefällt, bod) fo, „baf§ bemfeiben 9)iann, bei ba abfa^ten muf§, ba§ ©elb eingefje, barumb e§ tieilauft roitb, boibefjalten, roa§ btanf gangen ift". ütnfiei ben 3'nfungen, roeldje bet -|)eiifd)aft geleiftet roetben mufsten, tonten bie Sauein Don ted)tsroegen ju feinet @teuet= leiftung Deibfüdjtct; beim bie ©teucipflid)t iu()te auf ben ©tunb= I) eiten unb ©üteibefitjem unb fällte nic^t auf bie Säuern über= roaljt roetben. 21ber ntan^mal würben bod) and) Don ben Säuern «Steuern für ben SnnbeSfjerrn bewilligt unb eingefjoben. 21uf bem Sölfermnrfter Sanbtag int fällte 1470 rombe befdjloffen, eine allgemeine ©teuer einju^eben. (S§ Ratten ju jaulen „ein Sauer, bet auf einem ganjen §of fi^t, 24 Pfenninge, bei auf einer (puben ober fielen fi|t, jtoölf, ber in einer §erberg ober ^)offtatt fi|t, ad)t Pfenninge unb ein jebe§ 2öeib ben (falben J^eil Don il)re§ 9Jtann§ 2ln§lag, ein Änab, eine Jungfrau, and) ein Sinb Dier Pfenninge, ein J) ienftbot, %ned)t unb Jim, Jagtoerfer ober Jagroerferin fieben Pfenninge". 5. SJJüuje. greife mtb Kölfne. gür ba§ ©elbtoefen toar bie Stünjorbnung be§ §erjog§ 9llbrecf)t II. Dom 10. Jecember 1339 Don grofjer 2Bid)tigfeit.1 Jarin werben jroei Siünjftütten genannt, bie ju ©raj unb bie ju 3eiring, bie bem Sanbfdjreiber unb bem Siünjmeifter unterftanben. Unter biefen ftanben aud) bie 9JZünjl)au§genoffen, Weld)e ber SZünj= tedmif funbig fein mufšten. Jrei Don ifmeu Ratten baS 9Imt ber 1 ?l. Sufi^in, $a§ iDHtnjtoefen in ©teiermarf tuäfirenb bež 9)tittel= fllietž. 3eitfi^rift für beut)dje Eulturgeji^idite, 1874. total)er, ®efm man gerne bie böpmifd)en ©rofepen, bie feit 1300 ju Suttenberg ge= prägt würben, unb nod) lieber bie ju glorenj, ©enua unb Senebig in Italien unb bie in Ungarn gef erlogenen ©olbgulben auf. 3n Öfterreiti) würben unter Slbrečpt II. unb ütubolf IV. ebenfalls ©olbgulben geprägt, aber nad) fftuboIfS $obe tjörte bie Prägung Don ©olbmünjen für lange 3eit wieber auf. $ie Einbürgerung ber ©olbmünjen führte um 1830 einen ©turj beS ©ilberpreife» perbei, ber and) in ©teiermart oerffeerenb getoirlt ju paben fdjeint; bod) bauerte biefe ©elbtrifiS niept lange unb e§ ftellte fid) für bie golgejeit ba§ SerpältniS be§ ®oIbe§ jum ©über wie 1:11. SIS im fünfjepnten Saprpunbert bie §erjoge Don Saiern faft ganj wertlofe Pfenninge prägten, Don benen Diele nad) Öfter= reiip gelangten, würben and) in ben SZünjftätten beS SaiferS ^riebrid) III. unb in benen feiner ©läubiger, bie baS Sed)t ber fDZünjenprägung erpalten patten, gepaltlofe Pfenninge geprägt, bie, wie ffpon erwöpnt würbe, tanin ntepr eine ©pur Don ©über ent= tjielten. ®er |)anbel ftocfte, bie greife ber Sebcngmittel unb bie Söl)tte giengen in bie ^)öt)e unb bie SOtiin^^Sctitei' unb ©peculanten bereič)erten fid). ®ie ©djinberünge molite niemanb nehmen, beim fie „moren nur htbferne". SBenn aber einer „be^aimifd) ©rofct)en ober alt Üßfenning Ijatt, ber fanb ju taufen, roa§ iljnt noti) mar, fo gab man cin |guett ÜJtaljl ober ein 3ßaar ©diued) umb ein befjaimifd) ©rofd)en". ®af§ mit bem Verfalle ber SOtünje ber ©rajer tßürger S3altt)afar ©ggenberger in 3uflimmenl)ang fteljt, ift fdjon beridjtet roorben. ®er 9ßrei§ ber SBaren unb bie Söljne ber Arbeiter mürben im Dtittelalter öfter feftgefegt. 2Bir gaben beifgielSmeife einen $arif au§ bem Sagre 1460.1 3n ©raj mürbe oon 3eü ju 3eit eine tßrottafel Ueröffentlicgt, „fo bann aöentgalben in ©tat unb DJtärtgt gefdjidt fol roerben". 9tad) bicfer 5Eafel gatten fid) bie IBäder ju ricgten, bod) tonnten fie and) ben „gemeinen Kauf be§ $raib§, nemlicg angefegen bie 9Jtag, fo bann atlentgatben ift" berüdfid)tigen. ©ine geroögnlicge SOtagljeit im ©aftgaufe bejaglte man mit ad)t Pfenningen. 5Da§ pfunb Dtinbfleifrg toftete jmei Pfenninge bis fünf geller; ein Kalb toftete bierjig, ein Samm jroanjig, ein gemäfteter Kapaun roie ein §afe jegn, ein pfunb ©igmalj fed)S Pfenninge. ©in paar ©dguge jaglte man mit fecgjegn, ein paar rotge ©tiefet mit fünfzig Pfenningen. Ser ©dfneiber betam für bie §er= fteöung eines einfacgen StodeS jmeiunbbreifjig, für ein paar $ein= tleiber ad)t bis jegn Pfenninge; ein DOtaurer ober ein 3inrmerer betam Saglogn im ©ommer 18, im SSHnter 14, ein ©tein= ober 9Jtörtel= träger acgt Pfenninge, ^iebei beaigte man, bafS ein Stierte! Korn Dierjig, eine „gelbganS" acgt, eine gemäftcte ©ans fedjjegn, jegn große 9iüben einen Pfenning tofteten. ©in SBeingartgauer mürbe täglicg mit fed)S bis ad)t Pfenningen entlognt. f^ür fie mufSte 1 „Eatjung ber sPfenroert in ber ©tepnnatf." Steiermärfifibe ©efi^iibtS5 Blatter II (1881), @. 65. 148 feftgefe^t toerben: „@§ füllen ber Sanbfdjreiber, Surgennnifter, SRid)ter unb iHntf) in (Stätten unb Dtärften bnrob fein, bamit bie §auer ju rediter 3eit, nl§ beS ÜÖZorgenS umb fed)§, in bent 2öein= garten fein unb 5um 3tbenb umb fieben roieber barauS getjen." SDie Steuerung beranlafste im 3a^re 1497 bie „Sergleut, Sßfann^aufer unb ^ol^teut", alfo bie Arbeiter ju Stuffee, beim äaifer um (Srfiö^ung it)re§ 5Eaglot)ne§ ju bitten, ber fecf)§ bis actjt Pfenninge betrug, ©ie erjä^Ien, bafS baS (betreibe, überbaut)! „alte Sßfenutoert, Steifet), ©tfjmatj, %f)äS, auct) alte ^anbtoerf erpfjt" mürben, fo bafS, roenn ifjr Sot)n nid)t erf)öt)t mürbe, bie „'Arbeiter ber obbenennten SJtängt tjatben ba nit bleiben" tonnten. @ie betlagen eS, bafS gange 2Boct)en nic^t gearbeitet roerben tonne, roeit je|t Kärnten mit ©alg bon ^mtt unb mit SJteerfalg uerforgt roerbe, bafS in Stottenmann auf betreibe eine DZaut gefegt fei, bafS fie gegmungen roerben, SOSein, (Setreibe unb anbere 8eben§= mittet bon ben ©tobten gu taufen, roägrenb fie eS boef) bon ben Säuern billiger betonten, bafS iffnen enblicf) baS Sifdten unb Sagen berboten roerbe. Ob biefe Sognberoegung @rfolg gatte, toeig man uiegt. 6. SBiffenftgaft unb Sunft. ittoef) immer ftanben bie tgeologifcgen Sßiffenfcgaften im $orber= grunbe. @in fruchtbarer ©etetfrter roar ber Stbt Engelbert bon Stbmont. @r betrieb feine ©tubien in Sßrag unb Sßabua unb mürbe im Sühre 1297 gum SIbt beS ÄtofterS Stbmont gewählt, ©ein Sor= gänger in biefer Jßürbe, Heinrich, roar ein herborragenber @taatS= mann geroefen, (Sngetbert bagegen roibmete fid) gang ber 3Serroat= tung feines ©tifteS unb ben SBiffenfigaften. @r figrieb in tateinifeger ©brache eine große 3nh^ theotogifcher SEßerfe unb baneben auch einige anberer Strt, fo „über bie SZatur ber 5Ehiere" unb „über bie Urfadjen unb 3ei(hen beS SßedifelS ber Cuft unb ber 3eiten", bie jebod), mie cin [)iftorifct)eg Slßerf über 9tiibolf Don ^abžburg, nid)t me^r erhalten finb. @troa fcit bcn 3e'tfn 9tubolfg bon £)nbgburg begann man, bie Itrfunben in beutfčjcr @brnct)c $u tierfaffen. $ie 3ll^l ber ©Rillen in ben ©tabten, Dliärften nnb Dörfern mehrten fid), roenn bie 9iad)rii$)ten Ijierüber and) nur berein^elt auftreten.1 'Kug bent fünfzehnten 3ahrf)unbert befitren mir eine in beutfd)er ©brnihe gefctjriebene 6hrDni^ beg ©efit)ied)teg unb ber ©tabt 6iIIi, bie roat)r= fdjcinlid) um 1435 ein fötinorit beg Slofierg in ©ifli begonnen unb bann big gum @rlbfd)en beg berühmten ©efchled)teg fortgefeht h^t.1 2 3m breizehnten Qahrhunbert Oerbreitete fich muh in ©teier= marf eine neue Sautoeife, roelche man ben gotbifd)en Stil nennt. Sie gothifd)en Sird)en finb äußerlich fenntlich burd) ben ©t)i|= bogen bei ©croölben, Xhüren unb genftern, unb burch bie Sd)lantheit unb größere 3ierlid)teit ber $hüitne unb beg gefammten s21ufbaueg. Siefe neue Sauroeife rourbe zuerft in f^ranfreid) geübt, unb ber in ^ranfreid) entftanbene Sarthäuferorben brachte fie nad) Steiermarf. Sag Äarthäuferflofter S e i z rourbe mit iütöndjen aug bem ötutterflofter ©hnrtrcufe befetit unb fo zeigt bag Sird)lein zu Spitalitfet), beg $)ofßitalg beg Älofterg ©eiz, bie Anfänge ber gothifd)en Sunft. 9(udi bie Sircße beg „tpoffntalg am ©ereroalb" (©ßital am ©emmering), helfen Serroaltung bie ßarifiäufer 1259 übernahmen, Zei9en ^ie formen beg gothifd)en ©tilg, ebenfo bie Seethfirche 'n ©ru8, roelche ber beutfd)e Orben zu @nbe beg 13. 3ahrhunbertg erbaute, lußerbem ffut ©teiermart noch eine geoße 3aht gothifcher ft'irchen aufzuroeifen. @g mad)te fid) mit ber Seit bag ißebürfnig geltenb, bie ifßfarrlirchen zu tiergrößern; ba ober bie DJtittel zu üteubauten nid)t überall üorhanben waren, fo begnügte man fich m't (Šrroeiterunggbauten, bie in bem neuen ©tile 1 8. ti. čtrone§, 3ur ©cidjitßte bc§ @d)uIrocfenS in Siciermatf bi§ 1570, iffiittt). 34. 2 8- ti. firorteS, ®ie 8reitn tion ©arted unb itjre ^bronif al§ ©rafen »on ©Ki. ©raj 1883. auSgefüijrt würben. 3U ben älteften unb fdjonften got^ifctjen Sinken gehört bie ©tnbtbfarrlirdje Don SDturnu, bte butd) Otto Oon Sieä)tenftein 1300 entftanben ift. OnS ötittetfctjiff ift bebeutenb übertjötjt unb Strebebögen fpannen [id) bon ben Strebepfeilern 5U ben 2Bünben be§ 9JtitteIfč)iffeš. $er Ztjurm, unten bier=, oben flä)tecftg, rutit auf ben bier Pfeilern ber SSierung; ber Steinljelm ift nod) unburä)broct)en unb fdjmer laftenb. Bon bem 6iftercienfer= Slofter in üteuberg im UJtiir^tpale, gegrünbct im Salfre 1327, finb noct) ber fä)öne Sreu^gang unb bie Stitäje, je^t s^farrfird)e, er^nlten. 3u ben fc^önften Sirdjen gehört bie $ßallfal)rt§tit^e ^u Straßengel, bereu füfm beranlagter Stlfurm bie Bufmerffnmfeit ber ßunftfenner erregt. Sein oberfteš ©efi^ofS ift burdjbrodfen, über bie ^enfter erljeben fiä) burd)brocpene ©iebel, ^roifdjen benen (šrjftatuen fielen. Ser ,§elin fteigt in nd)t fi|lnnfen, gegen einanber geneigten ißfoften auf. Sen Bau biefet Äirdje begann ber 91bt ,|)artroig bon 9tein um 1340, bie Büttel ba^u gemährten ba§ Stift, bie Stiinbe unb Sammlungen im Sanbe.| Sie größte Sirdje be§ ßanbe§ ift bie be§ BenebictinerftifteS St. Sambred)t, beren Sdjiffe bon ^oeiunb^man^ig Pfeilern getrennt werben. Ser gotl)ifd)c Bau würbe im 14. unb 15. 3apr= fiunbert in biefe ^orm gebracht. Bnbere gotl)ifä)e Sirä)en finb 511 St. ($rl)arb 511 Breitenau, St. Btaria am Sßö$fouberge, Btaria = 9teuftift bei ifjettau. Sie altefte gotpifd)e Äirdje in ©ra^ ift bie ß ee d)f ir el) e; außerbem ftammen and) bie Stabtpfarrtirdie ^um peil. Blut, bie ^ranci§caner= tirčje, bie 511 St. ßeonfjatb unb ber Som au§ gotßifdjer 3eit-3in ber Büße ber Burg ftanb fcßon im zwölften Saßrßunbert bie 9igibiu§=Sßfarrfird)e, bom Äird)ßofe umgeben, wo and) ßanb= unb @erid)t§tage abgeßalten würben. 9tn ißrer Stelle ließ Staifer griebrid) III. in ben Saßren 1449 bi§ 1456 einen Som erbauen, beffen Baumeifter nur bem Ipaupttßore einigen Sdjnmd angebeißen ließ unb int Innern feine Sunft befonberS in ber Sonftruction ber ©etoölfie jeicjte.1 (Sin jieirtfdjer Saumei[ter mar §an§ 3' e r 8= leben (1430), beffen $ilb in her fdjonen ©bitalsfir^e bon Obermolj angebradjt ift; einen anberen lernt man an ber Äircfie ju ©t. 3Jtarein bei Snittelfelb fennen, bie cine fef)r fdjöne, ja prunf= bolle Sßor^aHe aufroeist. 3In einer 2öanb ift ein Hopf bargefteüt mit ber 3nfd)rift int ©prudjbanbe: 9tifla§ bon ülbmonb, DJtaiftcr ber Hird)cn 1445. DtiflaS Sßelbac^er erfdjeint in ber erften ipälfte be§ fünfzehnten 3'al)i'himbert§ öfters in Urtunben bc§ ©tifteS Dlbmont. ÜtuS ber gott)ifd)en 23au§eit tjat fid) ein cinjigeS ^ribatgebäube erhalten, ber fogenannte ffürftenhof in 33rud, ber aber eigentlid) Hornmefferhof genannt roerben follte.2 @S hat gegen ben ^aupt= plat? ju eine offene Saube, bie aus feä)§ bon ©aulen getragenen Slrcabenbögen beftept; barüber befinbet fid) im erften ©tod eine (Snüerie nach ^Irt ber benetianifd)en Soggien. ®ie Srüftung biefer ©aöerie, bie nur theilroeifc erhalten ift, ift feljr fcpön gearbeitet, unb baS 9Jtafiroert zeigt grofje ötannigfaltigfeit in ben SJfotiben. tiefes fepöne fpauS mürbe bon einem Sötitgliebe ber reichen, mit ber tfamilie üßögl berfdjroügerten 33ürgerfamilie H o r n m e f f er, ißangraz Hornmeffer, um 1505 erbaut. SDie Hornmeffer befaßen freie §of= ftätten, ©ägen, @ifcnfd)mieben unb ©üter in ber Umgebung bon 33rucf ober in meiterer Entfernung; üßangraj erhielt für eine bem Haifer ÜDtojimilian geliehene ©elbfumme bie über ber ©tabt gelegene tßurg SanbSfron unb baS Srucfer ©tabt= unb Sanbgericht fammt ber iötaui bnfelbft als iftfanb unb in sf3flegfd)aft. ®ie Familie Horn= meffer ftarb halb aus, unb bie ffamile sJßögel trat in baS Erbe ein. Sie gothifdjen Hirchen roaren oft mit ffreSfen gefd)müdt, aber bie meiften finb fpätcr übertündjt roorben. Saš $ilb, baS fid) an ber füblichen Stußenfeite beS ©rajer SomS befinbet, ift fd)on turj ermähnt roorben.3 Sie Eompofition unb bie Ausführung bicfeS 1 S. @rau§, ®er StgibiuSbom ju ©raj. „Sirdjenfdjmucf" V (1874). 2 5S. u. 3 at) n, Über ben fogenannten gürftenbof 311 SSrucf. tDiitib- 35, 3 ff. S8gl. auch ti- 8at)n§ Styriaca I 114. 3 © 4) tu o d), DaS grope Sßanbgcmalbe an ber ©übtuanb ber $om= tirc()e ju ©raj int „fiirit)enfc{)imicf" II (1871). 23ilbe§ wirb auperorbentüä) gerühmt. (š§ fdjeibet fici) in ;mei §au)Dt= tijeile, bie burcf) ein erflärenbe§ S^riftbanb getrennt werben. $er obere Xfieit enthält bie Sarftelinng be§ Rimmels nnb ber (Srbe, ber untere Z^eil in brei Silbern bie ©trafen: tpeufdfrecfennotf), Ä'rieg nnb sfßeft. 3m oberen 2:t)ei[ ift bie ^eilige Srcifaltigfeit bnrgeftellt, bei welcher bie ^eilige DJiaria nnb Soljann ber Käufer Fürbitte für bie fünbige 9)ienfct)t)eit einlegen; hinter biefen finb bie 3ßatriardt)en, bie (Sbangeliften nnb bie ^eiligen tierfammelt. ®ie irbifct)e Sßett ift bnret) ben 9ßafift, bem ^unitctift bie .^eiligen §ran^ nnb $ominit bargeftedt finb, bie geiftlic^en Sßtirbentrüger nnb bie Saicn tiom Äaifer bi§ §um Spanbwerfer l)erab üeranfcijaulictjt. SefonberS großartig, fo urttjeilt ein Senner,1 unb in 3)eutfct)lanb ot)ne Seifbiel, ift bie obere (Sompofition. $ie gülle oon Sbeen, ber 9teic£)= tfjum ber tppift^en ©eftalten, bie ülbgewogen^eit ber (Sompofition fu^en wir pergeblicf) an gleichzeitigen beutfctien äßerten, man muf§ nad) Italien gelfen, um ü£)nlid)e§ zu entbeefen. 91ur ein beutfäier 'Jlžeifter, ber in Italien bie ftunft ftubierte, tann biefeS hettlidK SBerf gefd)affen hoben. Son biefem Silbe ift noch ä11 bewerfen, bafS es bie ältefte Ülnficht ber ©tabt ©raz enthält, ©ie befinbet fid) in bem mittleren ber brei unteren Silber, ber Sarftellung ber Serheerung burd) bie dürfen. $ßir fehen ba§ eiferne 3ihD1"- bie ©tabtmauer non ba bi§ zuni Thurm am ©rillbüd)el, wo fpäter bie ®ietrid)ftein’fd)e Saftei erbaut würbe. Sinn ficht aud) ben ©chlofsberg mit ber ©trage, bie auf benfelben führt; an ber ©teile, wo jept ein ftreuz ftel)t, ftanb ein $ßnrttf)urm; man fiel)t weiter ben 2;hln'm, ber h611*0 Uhrthurm heißt, mit bem Ühote, ba§ fpäter baS erfte ©d)lof§thor genannt würbe, nad)bem ber 2Bartthurm niebergeriffen war. 91uf bem ißlateau ftanb baS alte ©d)lof§, umgeben Von einer ütingmauer mit $hüi'inen.'j 1 2 1 3. 36 aft ler, ®a§ ßunftlcben am foofe zu ©raj unter ben ©rjljerzogen ßart unb fferbinanb. ©eite 5. 2 3$ a ft ler, $ie älteften Knficfjtcn bon ©raj. Sittb. 40. S. 280. ©taj beflißt fl uš bem fünfzehnten 3n[)r()unbert ami) fdjbne gotl)ifd)C Zafelbilber; in ber Seedifirctje befinbet fict) etn IBotitibitb beš '«Ritters von ©tudjtoitj, ©omttjurš be§ beutfctjen CrbenS: bie 'IRrtbonmt im ülofenting mit bem heiligen ©htiftfbh unb bem fnienben donator. $tu§ bem §ahre 1457 ftnmmt ba§ fogennnnte „©rtizer Tombilb", boš einft ^ochaltarbilb geroefen zu fein fcheint. @š ftellt bie Kreuzigung @hr'fti bor unb ift ausgezeichnet burd) bie ©hntofteriftif ber zahlreichen Figuren. Ungefähr auš berfclbcn 3eit ftnmmen ber glügetnltar in ber ©fntalfirche zu Ütuffce unb bie fünf Flügel beš 'Ultarroerteš zu fettem. @igenthümlid)e RBertc ber © t e i n f c u 1 f) 111 r zeigen bie $rag= fteine (©onfolcn) bet ©eroölbriftben im «Kreuzgange zn 'Jteuberg. ©o finb tiorhanben Some, 31bter, O d) S unb @ngel, bie fii^ alš ©hmbole ber tiier (štmngeliften leidjt erftären taffen. 9Ran finbet ba unter anberen and) einen Sötoen, ber mit offenem '«Rachen bor feinen jungen ftel)t. ®iefe Snrftettung bebeutet bie 'Kuferftehung ©hrifti auš bem ©rabe; benn bon bem Sötoen glaubt man, bafš er boš tobt zur SGßett gebrachte 3unge am britten 'Zage nad) ber ©eburt burd) feinen 'Rnhaud) zum Seben bringe. 'Rud) ber 'fküfan ift bargefteltt, ber fid) bie $ruft öffnet, um mit feinem iBtute feine jungen inš Seben zu rufen; er ift baš ©innbitb beš «^teitanbS, ber für bie 4Renfd)heit fein Slut hingegeben hot. Stunftbott gearbeitete Kitd)engefähe auš ben lebten zmei Sohrhunberten beš 9RittelaIterš, befonberš Kelche unb IRonftranzcn, bertnahren nufere Klöfter in größerer 3nhl ein auš SSronze gearbeiteter Stifter auš bem fünfzehnten ^ahrhunbert befinbet fich in ber ©tabt= bfarrfird)c bon DJiurau; fchöne ©d)löffer, 58efd)lüge, Siinber, ©itter unb ©etünber auš @ifen zeigen, bafš bie 6ifenfd)micbeted)iüf bielfad) geübt mürbe. Ruch bie § o t z f d) u ißerei mürbe fünftlerifd) be= trieben. Rlš SBerfe ber figuralen fmlzfculbtur feien ermähnt bie iflügelaltüre bon ©röbming, bon ©t. Sombredjt unb bon ©t. IRartha Zu ötarein bei Knittelfelb. Zie ©horftühle ber ©tabtßfarrtirche zu 'fkttau bom 3ahre 1446 finb eine tüchtige Rrbeit, unb baš Sanbeš= ntufeum berroatjvt nodt) ben fogenannten StronimgSroagen be§ SatferS griebricf) III. 33on biefem 9(ItcrtI)um i[t nur ber SFSngenfotb mit bet Überroölbung erhalten; jmei toitbe ötänncr fialten ber eine ben gefrönten ©cfjilb Portugals, be§ .'geimatlnnbeš ber Saiferin Eleonore, ber nnbere ben öfterreicfjifcfyen 35inbenfčt)ilb. Sn ber Dliitte befinbet [ict) ba§ iReidjSablertoabben unb über bemfelben finb bie Suetjftaben A, E, 1, 0, U unb bie Hrone angebracht. Stud) © 1 a § g e m ä t b e fann ©teiermarf au§ alter 3dt aufroeifen, fo in ber Sirene in ber Sßorftabt SBafen bon Seoben, unb in ber ^u 58rei= tenau, in ber ju ©tragengel, in ber 9JtagbaIenenfird)e ju 3uben= burg foroie in ber Seečhfirdje in ©raj. 3U Sreitenau befinbet fid) hinter betu tpočhaltare ein fyenfter mit fünfjehn ©arftellungen, barunter ber §erjog s2trbred)t III. mit feinen grauen. $er £>erjog ift fnienb bargefteöt, in notier ütüftung unb mit einem 3°bfe/ ber in einer berjierten Sab fei über ben ütüden hängt. 3n ben Dtonnenfloftern mürbe auch in biefer 3e'* noch bie ©eibenftiderei eifrig betrieben, roenn and) bon Sunftroerfen biefer sItrt nur roenig erhalten ift. 2)a§ Slofter ülbmont befitit eine in ted)nifd)er ®ejiel;ung hoch gefchätjte Ötitra, bie auf glanjenbem ©olbgrunbe .^eilige be§ ®enebectinerorben§ jeigt. 7. ©ittcn. ®ie 9iad)rid)ten über Sitten unb ©emohnheiten finb bürftig. 2öie e§ in höheren Steifen bei feftlidjen ülnläffen jugieng, fann man nu§ ber ©diilberung ber f)ochjeit§feierlid)feiten erfehen, roeld)e int 3ahre 1295 in ©raj ftattfanben. $antal§ mürbe nämlich hier bie 5Eod)ter be§ |)erjog§ Sllbrecht I., s21nna, mit bem öiarfgrafen ^ermann bon Sranbenburg bermählt. ©er 9JIarf= graf mürbe natürlich mit großem ©eprange empfangen. Sn feine iperberge fanbte man ihm foftbare Sleiber, unb and) bie bierunb= jroanjig Sned)te, bie er mitgebradjt hotte, mürben mit neuen Sleibern berfehen. ©ine 91njaf)l Snappen mürbe ju Diittern ge= fchlagen, unb ein glänjenbe§ ©urnier gab ihnen ©elegenheit, ihre ©erocmbtljeit in ber SOßaffenfü^rung bor einem Greife auSerlefener ©ä[te ju jeigen. bem furnier Heibeten fit!) bie Dlitter in leiste Kleiber nnb giengen jur SEafel, worauf fie ju §of ritten. 9Jtan fanb bie ^erjogin mit ilfrer SEodjter nnb ifjren grauen im Saumgarten, nnb ba Ijatte jeber ©elegcntjeit, bie minniglic£)e Sraut ju berounbern. darauf fegnete ber Sifdjof tion «Sedan bie ®^e be§ Startgrafen mit ber ^erpgštočfjter ein. 31m anbern 2age erft tarn ber ©rofjbater ber Sraut, ber ©raf 9Jieinf)arb tion ©orj, bem man im üßruntjuge entgegenritt. 9?oct) fec^S 2age bauerte ba§ geft. 9titterfpiele roedifeiten mit 2anj nnb ben greuben ber 2afel, im ©arten ber Surg ertönten bie Warfen, giebeln, glötcn, pfeifen, ißofaunen, 2romfieten, ©djalmeien nnb ,'pörner. 9Jiit frei= gebiger Öanb fpenbete ^er^og Sllbrectjt ben ©äften allerlei ©e= fd)en!e, Silber, 9tof§ unb ©eroanb. SBie bie Sürger ber Stabt ©raj bie Ijeqoglictje gnmilie nnb bie fremben ©üfte geehrt nnb in meiner 2Beifc fie an bem gefte tlfeügenommen Ijaben, bation beridjtet ber üteimd)ronift Ottofar, ber biefe geftlidjteiten befdjrieben f)at, nid)t§. 3m au§gel)enben 9JtitteIalter madjte fid) in allen Stauben ein Serfafl ber 3u^t, ein §ang ju übermäßiger ©enufsfudjt unb ju ©eroalttßätigteiten bemertbar. ®a§ Seben be§ ©leruS entfürad) im tiierjefinten unb befonberS im fünfzehnten 3af)rf)unbert nii^t immer ben tird)Iid)en Sorfdjriften. @§ roar ein 91ad)tl)eil, baf§ Ijoße geiftlidje SÖürbenträger oft mehrere ißfrünben befaßen, bafs Pfarrer ihre Pfarrei tierließen unb einen Stelltiertreter einfeßten, ber nur einen 2heil ber ßfarrliäien ©intünfte bezog, baf§ e§ häufig 511 Streitig^ leiten ztoifdien ©eiftlidjen unb 2BeItlid)en fam. Sie KriegSnöthen fügten Kirdjen unb Klöftern großen Sd)aben zu' nnb roenn ein Klofter an einer befahrenen Straße lag, fo würbe e§ tion ©äften — sperren, ütittern unb Seamten — nie leer. Sarunter litt bie SMrtfdjaft ber Klöfter unb ba§ fittlidje Seben ihrer Sewoßner. 91uf ben sf3rotiinzialconcilien, weldje bie Salzburger ©rzbifdjöfe häufig abhielten, würben bie alten firengen Sorfdjriften über ba§ fird)ltč)e Seben erneuert unb neue erlaffen, aber fie nu|ten nur roenig. 2)te ©ecte ber ÜBalbenfer, rocldje §uerft gegen 9Jtif§= bräune, bie fiel) in bie Siräje eingefdjlicljen Ratten, bann aber and) gegen (3tnubenSlel)ren auftraten, fanben il)ten 2Beg and) nad) Öfterrcid), tou bie ©tabt ©teier i^r ^ouptfit) rourbe. 1 91ud) in ©teiermarf geigten fid) foldje 9Infid)ten. 3m 3at)re 1312 gebot ber 3ßatriard) OttobonuS bon 'llquileja bem sfßrior ©ottfrieb bon ©eij, mit Strenge gegen bie Se|er in ltnterfteicr boqugefjen. 3n ©teier erbten fid) biefe 3rrlef)ren fort; in ben 3a()ren 1365 bi§ 1380 unb fpäter rourbe gegen fie mit fdiarfen Diagregeln ein= gefd)ritten. 3n ©teiermarf rourben SBalbenfer in ber Umgebung bon ipartberg borgefunben. 3n biefen 3etten rourben I)äufig SBallfafjrten unternommen unb 5roar auä) in roeite Seme, roie nac^ 9tom, nad) 9Iad)en, roo man biele tpeiltffümer aufberoaljrte, nad) Äöln unb SErier. ©in reicher $itrger bon ©teier orbnete in feinem SEeftamente 1479 an, bafS „feiner Seel ^u §ilf unb SEroft" bon feinen @rben ober beren ©teHbertretern eine iRomfa^rt, eine 91ad)fa[)rt, eine §a^rt nad) 9)iaria = 3en, eine nad) ©t. SBolfgang, eine ^ur Seon£)arb§fird)e unb eine nad) 5Eam§roeg gemadjt roerbe. $ie $ßallfa!)rer beid)teten unb communicierten bor SBeginn ber ffafjrt, emgfiengen aus ben fanben beS slßriefterS ©tab unb Zafdje unb einen s-f3af§, ber iljnen bie 91nronrtfd)aft auf ein auSgiebigeS itümofen eröffnete. Sange 3eit toar 9lad)en ber beliebtefte 2Batlfat)rtSort. ®af)in ä°gen biele s-f3ilger aus 3nneröfterreid) unb Ungarn, befonberS ©lobenen, bie aber als „tpungarn" ober „SBiener" bejeidfnet rourben. 'Ulan t)at fid) am ütfiein bie fragen aufgefäirieben, bie man an biefe §remb= lingc ftellte, um iljre Heimat $u erfunben. $ßer bie fragen: Ste vi Slovenci? ©eib 3^r ©lobenen? Od köth ste vi? 2Bof)er fommt 31)r? Kam greste vi? 2Öof)in ^ie^t 31)t? ber= ftnnb unb 91ntroort gab, gefförte bem flobenifdjen lllolfc an. 3m 3alfrc 1454 roar in üladjen ein fold)er ülnbrang bon ißilgern, 1 Sltoof, ®ie üödbenfer in Öftcrrcicb. Öfterr.=ungarif(f|e 9!coue 1871. unter betten ftd) niete 2Binbtfc£)e unb Ungarn befanben, baf§ aus ätorforge bie Stabttt)ore gef Stoffen unb jeber Station ein befonberer Staunt angeroiefen rourbe, bon bem au§ fie bie ^eilttjünter fetjen tonnte. 3m 3a^re 1524 bradjten etlictje Ungarn, bie aber niefteidjt ©übftanen tnaren, grofte SBaren non 3ßferbe§lange mit, bie fiiib aufrictjteten unb nact) ber DJtufif tankten. „$iefe 33ären blieben nact) ber £)eütf)um§fnf)rt tange 3eit 5U üöln unb in ber Umgebung, bi§ bafS bie Seute gule^t mit bcn Suren it)re SJtörberei im Sanbe antrieben unb alfo bie Suren bertilgt mürben". ®ie 31ad)enfa£)rten roieberljolten fiel) jebeS fiebente 3af)r unb bauerten bis in bie Staria SL^erefiaS, roelctje fie unterfagte.1 $ie ben Seiten ber fatlfolifctien Slirdje unb ifiren Sertretern feinblid)e Stimmung, bie fiel) ^ur 3eit ber SBalbenfer and) in Steiermarf jeigte, ift nidjt nte[)r gan$ nerfdirounben. Son 3e't §u 3eit mürbe ba§ Solt bon ber Sankel aus auf bie gciftlidjen Strafen aufmertfam gemadjt, betten bie Oerfielen, bie fid) getoiffer Serbreäjett unb Sergetjen fdiulbig mad)ten. $)ie Se|er unb foldje, bie „bütiftlidje 21uffa|ung (Serorbnung) roiberreben unb roiber= flaffen mit grebel" mürben mit bem ttäpftlidjen Sanne belegt, ötinber f)art mürben bie beftraft, toeldje nid)t roenigftenS einmal int 3alfre beichteten ober ihre Seichte tljeilten, b. h- e'nen ihrer Süttben einem (Seiftlidjen, ben attbern $heil einem ^raeiten ©eiftliihen offenbarten, fold)e, bie baS Saterunfer unb ben ©lauben nid)t tannten unb „nidjt lernen rooöen", bie ihrem Pfarrer niiht geljorfam roaren, bie „(Sott unb fein §eiltgfdjaft oerfftotten", bie miber bie ißrebigt unb baS 2öort ©otteS ^u reben roagten. 3n Unterfteiermarf gab eS aud) foldje, bie bem huffitifdjen ©runbfatse hulbigten, bafS eS niiht gleidjgiltig fei, ob ein guter ober fitjlechter ^ßriefter baš Slbenbutaljl fttenbe.2 1 3t. uon Sujcfjitt-Sbcngreuttj, ®ie roinbifetje aBaitfatjrt an ben Dtieberrtiein. üttjeinijibe a)tonat§iibrift IV. 2 Sdjonbad), llntcrfteirif^e tBannbeftimmungen. SBeiträgc 3. ffiunbe fteir. ®ejc^ii^t§quellen 13. Sou 3eit ju 3£it ertönten Stagen über großen 'jtufroanb in her Sleibung. 3um Sntjre 1336 roirb in einer ßfironit berichtet: „Einige Seute ließen fid) ben Unten Erntet bon einem anbern Saul) oerfertigen, al§ ba§ roar, aus meinem ber 3tod gemalt mar. Einige Ratten beibe drittel üon gteidjer 2ßeite, anbere Oer^ierten ben Unten auf mandjertei ÜBeife tf)eil§ mit Säubern bon oerfdjiebenen ffarben, ttjcilg mit fitbernen Ütöfirtein an feibenen ©d)nüren. (Sinige trugen auf ber Sruft ein SEudjftücf Don oerfdjiebener garbe, mit fitbernen unb feibenen Sudjftaben gegiert". Salb trug man bie Steiber fo eng, baf§ man fie nur mit tpitfe anberer ober mittels ütuftöfung einer Stenge Heiner Snößfdjen auS^ietjen tonnte, halb roieber fo roeit, bafS man ba^u eine unglaublid) große Stenge Zud) benötigte. Sange roaren bie ©djlebbfteiber beliebt. Stan trug aud) gern Sleiber, bie aus Oerfdjiebenfarbigen ©tofftbeiten ^ufammen« gefeßt roaren, unb befjüngte fie mit tlingenben ©(betten. Stau fd)mintte fid), trug fatfä)eS §>aar unb ett)öbte bie ßobfbebedung, ben ©tur^, fo baf§ ein ®raf)tgetüfte ben Sau ^ufammentialten mufste. 3)ie 5d)uf)e enbeten in fßißige unb aufwärts gebogene ©djnäbet. ®em in bürgertid)en Steifen eingeriffenen Supš fudften bie Sürger ber fteirifdjen ©tübte unb Stärtte felbft im Qabre 1439 burd) einige ©aßungen p fteuern. 5)ieS ift aud) in ben beutfdjen 9teid)Sftübten roieberbott gefdjeljen, aber biefe Sorfdjriftcn ßaben roeber bort nod) tjier biet genußt. Siemanb in ben ©tabtcn unb Stürtten fotlte auf bem 9tode eine tßetperbrünmng tragen bürfen, nur ein 5Eud)befaß unb ein ©ilbergürtet unter brei Start ©itber roert roar ertaubt. 3)en grauen rourben bie ©djlebßen berboten; ein gtauenrocf burfte nur fo lang fein, bafS „er auf bie ($rbe ftöfS"; ißr ©ürtet burfte nur einen SBert bon ^roei Start ©itber haben. 3um SinbtauffdjmauS fotlten nur ßödjftenS ^robtf grauen getaben roerben; bei einer burfte man nur fctßS SEifcße prüften unb an jebem $ifä)e nur für ad)t hßerfonen beden. 3®er über Sanb heiratete, fotlte feine tpabe nur mit bier^eßn Üßferben beförbern; roer meßr berroenben mürbe, fotlte p einer ©träfe Dort trier spfunb bemalten werben, Don bencn jwei bem yeimntSorte be§ Seftraften jufallen, jwei in Ökaj hinterlegt werben füllten, „511 aller ©tat unb Dtarft 9?otburft". ©omit war eine allgemeine fteirifctje ©täbtecoffe Beabfič£)tigt gewefen, Don beren 3uftmbefommen man aber nichts weip. Stllgemein war bic Unfitte, fid) felbft 9ied)t ju Derfdjaffen, bie jugefügte Unbill felbft jn ftrafen. ©benfo allgemein waren ba§ §lud)en unb bie Srrnntfudjt. 3m 3nflre 1517 rief ber ßanbeS= hauptmann ©iegmunb Don $ietrid)ftein bie ©t. ©hrUl°t,^= ® r ii b e r f d) a f t in§ ßeben ; bie ÜJtitglieber wollten fid) beS f^Iu^enS unb beS übermäßigen 3utrinten§ enthalten unb anbere jur 9Jtäßig= feit bewegen. Sein SHitglieb füllte „bei (SotteS ßeidjnam, fötarter, 2?Iut noch feinen heiligen ßeiben fdfwören, beim eS hat einer fonft Diel anbei- böfer §Iüd) genug" für feinen 33ebarf übrig. 2ßer fedjšmal in einem DJZonat fluchte, würbe auS bem SSerein auSgefdiloffen. 3)ie IDZitglieber wählten ben heiligen ©hrift0hh äu ihl'e'D öefdjüßer, beffen $ilb fie am $ute, am ipalfe ober fonft auf fid)fbare 2Beife trugen. (Stwa ad)tjig ©belleute Don Snneröfterreid) Derfiflidjteten fid) mit Unterfdjrift unb ©iegel jur @inf)altung ber SunbeSfaßungen. „Dille bie im ßanb ©teier in ber ©efellfdjnft fein", wollten einige beftimmte Sage im 3cthre jufammen fommen, ben ©ottcSbienft befudjen, bann aber „alle bei einanber in einem §auS effen". ©inen ©rfolg hotte biefe SSerbinbung nid)t, bie fid) fd)on nad) bem $obe beS ©rünberS auflöste. Sie ©rjiehung ber abeligen Sugenb war Don ber in früheren 3a'hrhunberten nidjt merflid) Derfdjieben. 9iod) immer würbe auf bie DluSbilbung ber förderlichen Srafte unb ^ertigfeiten baS ^)auf)t= gewidjt gelegt, unb bie SenntniS be§ ßefenS unb ©djreibenS war Wenig Derbreitet. $ßar ein abeliger finabe jwölf 3af)te alt, fo brachte man iljn in bie Sienfte eines ,,^)errn"; er mufste nun Stoffe warten unb bie $ßaffen in ©taub holten ober nad)tragen. Sie 33eifd)rift eines alten 33iIbeS, meines einen „©fnepjungen" ju Dßferbe barfteüt, läfst ihn fagen: — 160 — 3d) matt bet 9tof§ unb bien ju Sifct), gjieim 3unfetn ttjue tc^ aufblafen; 3u atlet ©c^alftjeit bin idj frifd), ®a(§ mit oft btut 9)taiit unb 9tajen. @§ fdfabt mit nid)t§, ic§ bfeif itjm bran, 3uroeil mitb mit ba§ 9}eiten fauet, ®ut ft'oft unb ßteib baoon id) ^an, ©od) t)ab’§ id) beffer bann cin Sauet. ©tößer gern o rb en, gelangte er roo!)I and) in ben ®tenft be§ SaiferS ober einer fürftüctjen ^erföntid)feit, unb ronrbe and) at§ $otfä)nfter mit ÜRanbaten unb Briefen ju dürften, ©rafen unb in ©tübte gefdjidt, roobur^ er Sanb unb Seute fennen lernte, ober er naffm Srieg§bienfte bei irgenb einem berühmten gelb^errn über and) im ©ren^gebiete gegen bie Snirfen.1 @S gab freitid) and) ©Itern, roeldie iffren ©ö()nen eine tiefere geiftige Silbung pt^eil merben Reffen; biefe jungen iDZänner füllten nidjt „mit bem ©pief; iffrc sJtaf)riing gewinnen", fonbern „mit ber ffeber", aber fie würben wegen if>re§ tiielen 2Biffen§ bon i^ren ©tanbcSgenoffen ^äufig berfpottet. Sejüglic^ ber im fünfzehnten 3a()rl)unberte in ©teiermarf l)err= fd)enben 91ed)t§anfcl)auungen fei bemerft, baf§ man bei Zobtf(flögen bemüht toar, ben ©äiulbigen mit ber $erwnnbtfd)aft beS ©etöbteten'zu bergleichen. tßerwanbte beiber 2ihe'le ober gute ffreunbe festen feft, wa§ ber Shäter an frommen 2Berten für bie ©eele be§ ©rfihlagenen, an ©ntfd)äbigung für beffen fyamilie unb an Sußwerten leiften fodte. @S würbe ihm alfo bie gahlung einer @ntf(|öbigunggfumme auferlegt; er mufste „©eelümter", öleffen für ben @rfd)lagenen lefen laffen unb benfelben in fnienber ©teHung unb na dt bis jum ©ürtel beiwohnen, in Begleitung mehrerer Btünner, bie, wie er, brennenbe $erje trugen, auf bem ©rabe beS ©rfdjlngenen beten, ©elb opfern unb enblid) aud) SßaHfahrten nad) Stom, 9Jtaria=3eö unb Slaihen unternehmen. 1 $t. 8ufd)in ti. ©bengreuth, ©tubicn m1' ©efdjiihte be§ fteirifdjcn 9tbet§ im fedjjehnten 3ahrf)unbcrt. Stitth. 23. dritter Jdtraum. SC er ÜBergang jur Dleujcit. 9J2a$imilian I. Stud) in ben erften 3al)ren ber Regierung 'JJlaritnilianS I. mürbe Unterfteiermarf oon Sürfen^orben Ijcimgefml)!; boif) fyaben fict) biefe $rangfale unter feiner Ütegierung nicf)t roieberfjolt. Öiapmiünn fetjuf für bie ^Regierung feiner (šrblanber eine neue @inrid)tung. ©djon int 3nl)re 1493 fe|te er für bie fperjog^ tf)ümer Ober= unb Stieberöfterreidf, ©teiermarf, Zürnten unb Srnin ein „gtegiment", b. t). eine Regierung ein, bie nu§ einem mann unb mehreren Statthaltern unb 9tätf)en beftanb, unb juerft in 2Bien ihren Si| h«tte. SluRerbcut mürbe in Söien eine t)t e d) n u n g 3 f a m nt e r, b. t). eine ffinanjbehbrbe unb in $ßiener= Sleuftabt ein o b er ft e§ ©eridjt eingefe|t. So ftanben jefet bie fünf fperjogthiimer unter brei oberften töehörben für bie politifche SSemaltung, ba§ ^inanjroefen unb bie Suftij, rooburd) eine engere tüerbinbung jmifdjett ihnen hergefteHt mürbe. SJtit btefen @inriä)tungcn roaren jmar bie Steirer nidjt jufrieben, meil fie für bie Selbftänbig= feit ihres SanbeS fürchteten, aber eine Štnberung mürbe nicht tiorgenomnten. 9IuS ber iRegieruugSjeit DlajiutUianS finb jmei Sreigniffe bon SSebeutung herborjuheben. 1. S)tc Vertreibung ber 3ubeit. Stile Völfer, bie mirtfdjaftlid) roenig entroidclt finb, habett eine grofje Stbneigung gegen ben ßahitaljinS, ber ihnen als ein haffenStoerter ©eroinn be§ SJiüfjigen auf Soften beS Slrbeitenben erfcheint. Sa bie fatholifdje Sirčhe baS 3in§nebmen berbot, baS fiä) immer mehr entmidelnbe 2Birtfd)aftSleben aber ber SarlehenS= gefdlüfte nicht entbehren tonnte, fo traten bie Silben als ©elbleitjer auf. Sie Unfidjerheit biefeS ©efihafteS aber bradjte e§ mit fid), bafS fie holje 3mfeu, felbft mehr als achtzig procent, forberten, unb bieS machte fie überall berl)afSt. 3Dio^er, @efd)id)te ber Steiermatf. 11 1(32 9tud) in ©tciernmrf moren feit alten 3e'tat gube n anfaffig. Ste ]lnb rootyt fd)tm in ben ütomer^eiten tion Italien l)er in nnfcran Sanbe erfctjienen. SBefonberS ftarf ronr Subenbnrg, ein n)ict)tiger yanbetSoet, tion Suben betiolfert; fie wo'fjnten ^afitreid) in Suben= borf bei ©ra;, roo fie äöeinffanbet betrieben, unb in ©ra5 felbft Ratten fie ein ©t)etto ^toifdien ber ®ärgergaffe, bie jetjt §erren= gaffe Ijei^t, unb ber @ct)iniebgaffe. Sie tonnten ^roar Käufer er= roerben, aber ba§ $iirgerrecf)t rourbc itinen nirgenbš ^ucrfannt; fie roaren roie überall, fo and) in ©teiermarf „lanbeSfiirftlidje ftainmer= fnedjte", b. fie roaren tierf)ftid)tet, Steuern in bie Ianbe§ftirfttict)e Kammer 511 ^atflen. $erad)tung unb tpaf§ rourben if)ucn reidjtid) entgegengebrad)t, aber ber SBerfefjr mit i()nen tonnte nictjt tiottftiinbig tiert)inbert roerben. 9tuf ber St)nobe, bie im Saf)re 1267 in äßien beifammen roar unb an ber and) bie ßir^enfürften Don ittquileja unb Salzburg tt)eitnat)men, rourben be^iigtid) ber 3uben folgenbe Seftiminungen getroffen: 9tlte 3uben fotten roie in früheren 3eiten einen getjörnten .£)ut tragen; ber $ube, ber offne einen fotctjen ,§)ut getroffen roirb, foK 511 einer ©etbftrafe tierurttjcitt roerben. Sie 3uben finb tierüfüctjtet, ben Pfarrern it)rer $0of)nfihe benfelben 9tu|en ^u teiften, roetdjen jene tion ben ©tjriften bezögen, toenn biefe bie SBotjnftatten ber 3uben inne^atten; batier ift jeber 3ube äur Seiftung be§ 3et)nten tier))flicf)tet. Sabftuben unb $ßeinfd)en$en ber ©firiftcn bürfen 3uben nidjt befud)en, fie bürfen teilten djrifttidjen Wiener Ratten unb and) nid)t ^ur (5innat)me tion stauten unb 51t öffent= tidjen Ämtern ^ugetaffen roerben. ÜBatjrenb ber tiier^igtagigen haften bürfen bie Suben tein steifet) offen nad) §attfe tragen. ®iefe $e= fc£)lüffe feilten tion ben Sandeln alter 5ßfarrfird)en uertefen roerben. 9tact) ben unterfteirifdjen Sannbeftimmungen, bie tion 3eit 511 3eit tion ber Sankel Ijerab bem ®otte cingefdjarft rourben, roaren bem bift^öftidjen Sann tierfatten „alte, bie ben 3uben bienen, bei itinen roofinen ober oljne jroingenben ©runb mit it)nen reben, effen ober trinten". Ütber bie Sttbett rourben and) in Steiermart feljr gelbträftig unb arbeiteten amt) ^ier mit eigenem roie mit frembem ©elbe; benn — 163 — nnuufjc ß()i'tften übergaben ben Suben ©elbfummen, rocldje biefc gegen 3'nfen berüe^en unb nötigenfalls and) mit Älage unb @jecution roieber f)ereinbrnd)ten. $a§ Salzburger ißrotimcialconctl vom Saljrc 1300 gebot ber ©eiftUdjteit, foldje Stiften anjujeigen, bannt fie beftraft werben tonnten. Unb im fünfzehnten 3af)rl)unbert würbe jebem mit bem Sanne gebroljt, ber ben Silben ©elb gab, um burd) fie zu ÜBudjerzinfen zu gelangen. ®a in bem genannten Sahr= Ijunbert ber 2öol)lftanb infolge ber Dielen UnglüdSfolle, weldje ba§ Sanb trafen, fef)r gefunfen mar, finben mir Diele Slbelige, Sürgcr unb f elb ft Säuern ben Suben ftart Derfd)ulbet. Snt Sol)re 1478 Wirb erwähnt, bafS bie Stabt Subenburg „an Raufern unb Sürgern faft in Slbnehmen" gefommen fei „burd) bie Sübifd)ljeit". @ben bamalS üertünbete ßaifer griebrid) III., baf§ er auf bie „Sübifd)= l)eit" in Steiermart, Samten unb Srain 3000 ißfunb Pfenninge als Steuer gelegt unb bie ©intreibung biefer Summe bem „langen Sram" unb 9)hifd)el, 9Jierd)lein§ Sohn, auf getragen höbe. gab im 9JZittelalter", fugt ein fjorfdjer,1 „fein Slofter, ba§ nicht irgenb welche Serbinblid)feitcn gegen bie Suben gehabt, feinen ©beimann, ber nicht mehr ober minber ben Suben in ber SLafd)e gelegen hätte, ja felbft ber hörige Sauernftanb war ihnen met)r Derhflichtet, als ber mirtfd)aftlid)c Sortljeil ber ©runb()erren e§ gut()eißen tonnte." $on zu 3eü machte man fid) ber 3ubenfd)ulben lebig. So miffen wir, baf§ ber ©bie 9Jioriz SßiHmer im Scihre 1427 in ber Synagoge zu Subenburg bie Sufforberung erließ, baf§ alle, weld)e Schulbfd)eine Don ihm befäßen, fid) binnen breißig Zagen melben foHten, ba er biefe Sd)eine einlöfen wolle; wer bie§ nid)t thue, Derliere fein sJted)t unb feinen Snfbrud). SIS fid) nach breißig Zagen niemanb gemelbet hatte, ftellte bie Sßnagoge bem genannten ©beimann eine Urfunbe auS, in ber e§ he'ht/ bafS alle 1 1 Satjn, Über eine jübtfebe Urfunbe bc§ fiinfjebnien 3nf)rf|unbcrt§. 9)tittl)cilungen 11. @$ulbfi$)eme šffiiHmerš, bie etron nocf) tiorgetoiefen mürben, „null unb nichtig, oljne äBert unb oljne (Siltigfeit üor ®erid)t" feien. iltictit fo leicht tonnte fit!) ber ben 3'uben oerfctjulbete Sauer roieber auffjelfen; man trachtete baljer, biefe Serfdjulbung 511 ber= Ijinbern, fanb aber baju fein anbereš Sättel al§ baS Serbot. Utact) bem fteirifdjeu Sanbredjte burfte ein 3ube einem Sauer nur auf eine bemeglidje ißfanbfadje ©elb leiden, auf ©runb unb Soben nur mit Erlaubnis be§ ©utgljerrn. ®en Untertljanen be§ (Stiftes St. Sambred)t mürbe auSbrüdlid) unterfagt, „Oon ben 3uben (Selb auf ©runb ober Srief" ^u nehmen, aber biefeS Serbot mürbe inenig beadjtet. 91m ftürfften mären bie Untertanen beS Stifte» Sein ben Hubert Derfäfulbet. 3m „3ubenbuä)e" biefeS SlofterS finb alle Älofterbauern angemerft, roeldje mit treu ©ütern ben 3uben Oerfallen maren, unb ebenfo bie Sergleiäje, burd) meldje baS Slofter fid) bie ©rünbe unb beren Senten erljielt. 3m 3ol)Te 1478 befaljl Äaifer gtiebrid) III. ben 3uben, bie Sauernfdjulben auf bie 91nf= forberung beS SbteS Oon Sein biefent 51t melben, roorauf fie oon bem £)ab unb @ut ber Säuern innerhalb SaljreSfrift be^afitt roerbeu foKten. Sielet)er 3ube bie Sufforberung be§ SbteS ^u einem $er= gleidje nid)t beadjten mürbe, fotlte fein Sedjt Oertieren, baS iljm feine geridjtlidje Stage mieber oerfdjaffen tonnte. Son blutigen Serfotgungen ber Suben in Steiermarf tjört man roenig. 3m 3ot)re 1312 foll in ^-ürftenfelb unb 3ubenburg ba§ Sott über bie 3uben ^ergefallen fein. Säe anberroürtS er^a^lte man fid) aud) in Steiermarf, bie 3uben fiätten bie §oftie gefdjänbet. 3mn 3at)re 1338 er^äljlen bie Snnalen beS ©iftercienferftifteS Seuberg: „Sie 3uben mürben in Oerfdjiebenen ©egenben Oon ben ©tjriften erfd)lagen, unb fie töbteten fit gegenfeitig, fobalb fie nidjt Ijoffen tonnten, baoon^ufommen." Stammen Sdjriftftellern beS 9Jättel= alters ift eS nid)t reä)t, bafS bie 3uben Don ben dürften befd)ü|t mürben. Sßeit Slbrett I. bie 3uben befd)ü|te, meint einer, ließ ©ott feine ©rmorbung ^u. 3n ben Srtifeln, über roeldje fid) bie Stabte unb Stärfte um 1439 einigten, erfteint aud) einer, nat meinem ben 3ubcn „aöerlet) ßnufmannfi^aft (b. 1). bcr £)nnbel) in ©tobten unb in tOtärften, auf beut Sonbe unb auf alten 3at)nnarften" tierboten merben foDte. ©onberbar ift bie tßeftimmung in bem= felßen DlrtiM, baf§ bie 3uben tgleict) ben ©Triften tion atlem, roa§ fie über Sanb führten, Dtaut unb geben müfSten; nur „tobte 3uben" feilten mautfrei fein. 3n berfelben 3eit feilen bie 3uben auS ©rag tiertrieben roorben fein; tiielleičljt mufSten fie bamal§ if)re Käufer in ber innern ©tobt (int' untern SLIjeile ber §erren= gaffe, gegen ba§ eiferne 2^tir gu) tierlaffen, beim nact)I)er er= fcf)eincn fie in ber ©egenb ber heutigen Äarlau angefiebelt. 3m allgemeinen fdfentte Saifer ^riebrict) ben Klagen ber tierfdiulbeten ©Triften roenig ©efför, ba er bie ©elbtraft ber 3uben gut gu fd)ä^eu roufste, aber fein 9tad)foIger 9Jta$imilian beadjtete fie me^r. ®a bie ©taube fid) bereit erflärten, bem Saifer für bie entfallenbc ©teuer feiner allgeit bienftfertigen ,Jiammerfned)te" bie ©untme tion 38.000 ©ulben gu gafflen, fo erließ er int föiärg 1496 ben $efe()l, baf5 bie 3uben ba§ Sanb ©teiermarf für immer tierlaffen fällten. 911s Urfacljen biefer Dltaffregel gibt bie Urfunbe be§ SaiferS bie llnttjaten ber 3uben unb ifir betrügerifd)e§ 2Ber= fahren gegen bie ©Triften an. @§ finb un§, i^eißt e§ barin, me^r= mal§ „mcrtlid) unb fdjroer Uneljre, Safter unb ©djmad) tion ttnfer 3übifd)I)eit" gu O^ren gefontmen, ferner, baf§ bie 3uben „junge d)riftlid)e Sinbcr jämmerlid) gemartert, getobt, tiertilgt, iljr $lut tion ifmen genommen unb gu iljrem tierftodten, tierbammlidien $6efen gebraucht". ÜberbieS mar bem ßaifer unb ben Prälaten, Herren, 3tittern, ©tobten uub fDiärften mitgettieilt roorben, baf§ „bifelb 3tibifd)^eit iljr 3Sorforbern unb fie mit falfdjen Sriefen, 3nfigleu unb in anberem 2ßege, in unb außerhalb 9led)tenS in mannigfaltig 3Beife betrogen unb tiiel müdjtiger unb anber ©efdjledjt bamit in gang $ erb erben unb Dtrmut geftürgt 1) litten". Dtidjt bie religiöfe Abneigung ber ©eiftlic^feit, noef) ba§ 3ö^lung§toiberftreben be§ DlbelS allein tiertrieben bie 3uben, fonbern tior allem ber fd)äblid)e nationalöfonomifdjc @influf§, ben fie aušiibtcn. 29t§ jum SDreifönigStage 1497 follten bie Suben ba§ Sanb tierlaffen fyaben, unb fein 3ube follte fid) inef)t barin anfiebeln unb ^anbel treiben bürfen. 3)oct) jog ficf) bie ütuStoanberung ber 3uben bis pm Satire 1510 t)in. @§ ficipt toobl, bafs Steiermarf mit ber SubenauStreibung feine Steuerfreiheit einbüfjte. @S ift richtig, bafs bie SanbeSperren, bie and) früher bie ßanber p Steuerleiftungen herangepgen, bod) in ihren Hammerfnechten, ben Suben, ihre ^auptgelbgueKe fat)en. ®a biefe berfiegte, nmfsten bie ßanbtage regetmäpiger al§ fonft Steuern beroittigen. 91 (lein wie bie Sterfiältniffe ftd) entwidelt hatten, wäre eS aud) opne bie ißertreibung ber Suben p regeltnäpigen Steuern gefommen. Smmerhin aber mag ber SSauernaufftanb bom Sapre 1515 mit ber ötapregel ber Subenbertreibnng int 3ufantmcn= pange ftehen. @tmaS SlupergewbhnlicheS war bie Vertreibung ber Silben aus Steiermarf nicht; im Saufe beS fünfzehnten SafjtpunbertS war it)re VuSwcifung auch mehreren anberen Sänbern bar fid) gegangen. 2. 2)cr iSaucruaufftniib. Sm Sat)re 1515 wüthcte in Unterfteier unb tpeilmeife amp in (Dtittelfteier ein Vauernaufftanb.1 Sie Urfatpen biefer (Bewegung waren mirtfdiaftlidjer Otatur. Snfalge ber häufigen Kriege waren in Unterfteier, Srain unb Samten biele bäuerliche Vefipungen berwüftet worben; biele (Bauern patten ipr Seben eingebüpt, mand)e hatten fid) berlaufen unb bie, weldje it)re gelber wieber befteKten, waren berarmt. @§ gab genug ^errfipaften, bie ipren Untertpanen burcp ben 9taiplaf§ ber ©iebig= feiten unb burd) Unterftütpngen wieber aufjupeffen fudjten, aber biele tpaten e§ nicpt, ober fonnten eS nicpt tpun; bcnn and) baS 1 5. tut. 9Jt a t) e r, ®er SBauernaufftanti be§ 3at)re§ 1515. (Wien 1883. — tt(. tUt eil, ®ie Sage be§ fteinfeben UntertbanenftanbeS feit (Beginn ber «eueren Seit u. f. tu. SBeimar 1896. (Erträgnis ber §errfct)ciften war burcf) bie jEürfeneinfäüe unb bie firiege mit ben Ungarn ftart gef remitiert worben. ÜberbieS waren bie SÖebürfniffe beS ülbelS größer geworben, unb bie ©elbtraft ber 3uben tonnte nictjt mef)r in s2tnfbrud) genommen werben. SDa^u tarn, bafS bie ©etbforberungen ber ßanbeSfürften immer häufiger würben; bie ^errfctjaften aber Ijoben bie Steuern, bie auf itire ©üter gefc£)lagen würben, tion ifjren Untertanen ein. Sic fuctiten bat)er ifire ©obenrente, bie fid) in 3'nfen unb $ienftleiftungen barftetlte, 511 er()öt)en unb tierlangten tion itjren Untertanen größere Seiftungen an 3e^enten unb [Roboten, nu|ten itfre Otedjte, baS [)ted)t auf 3agb, giftetet, @crid)t§gebüren, auf ben DtadjlafS ber tierftorbenen Untertanen ftrenger auS unb legten felbft neue DJZautftütten an. Sie f)ielten fit «Ifo nitt an baS, was in ben Urbaren tierjeitnet ftanb, nidjt an ba§ Ülltergebratte, fonbern tierlangten mel)r. 3)ieS war and) in anberen öanbern ber galt. Um 1500 fagt |)an§ [Rofenplüt in Dtürnberg: „Stile 3a^re er= l)öl)en bie ©runb^erren ben Säuern bie ©iilt." SefonberS taten bieS jene, weite lanbeSfürftlidje ©üter im tßfanbbefifw tjatten; biefe tümmerten fit am wenigften um baS ©ebeifien ber Säuern, fie forgten tiielmefir nur bafür, in turjer 3e'i teäjt viel Otutjen aus bem 'ftfanbe 511 gewinnen. ®afS biefe Steuerungen, weite ben Säuern baS 8eben er= ftwerten, als Stugerungen ber SBiHtür, beS Übermutes unb ber |)abfud)t an gef et) en mürben, ift begreifüd). Sie erzeugten bemnad) allenttjalben Unwillen unb .S'bafS gegen bie Obrigfeiten unb führten enblid) jur offenen (Srnpörung. Sie Säuern verlangten bie Sefei= tigung ber „neuen günbtein" unb 2Biebert)erftellung ber stara pravda ober ber alten ©erettigfeit, baS will fagen, fie forberten, bafS bie ©runbtjerren mit ben feit alten 3eü >n ben Urbaren tier= jeitneten ©iebigteitcn jufrieben fein unb alle gorberungen, bie barüber t)inauS giengen, abftetlen fällten. Ser Stuf ftanb brad) im grüljjaljr 1515 in Ärain auS, wo ber gewalttätige, bei feinen ©enoffen wie bei ben Säuern al(ge= — 168 — mein üetijafste (SuiS^err ©corg tion $f)urn bon ben Säuern er= fd)offen mürbe. ®n§ §euer ber ©mbörung mar bamit angefadjt unb griff rnfcf) um fid), ba genug 3üubftoff borijanben mnr. $er Ülufftanb berbreiietc fid) nud) nad) Unterfteier; an ber ©otlla, an ber Sann unb bis gegen ©raj unb ©teisburf famen bic Säuern in Semcgung; aud) nad) Samten berbfianjte fid) bie ©mbörung. $ie Säuern belagerten unb erftürmten Stabt unb ©d)lbfs 3tann unb erfd)lugeu fünfzig Sßerfanen, barunter neun ©beüeute. 3m Sriumptie trugen fie bie Sobfc ber ©rfdjlagenen ctlid)e 2age um^cr. ©ine graf;e Sauernberfammlung fanb etroa im 3uni bei ©onobi^ ftatt. „3)er gonje Sunb ban ßrain bis gen ißettau" ftellte liier feine Sefdfmerben jufammen unb übergab biefeS S«|rift= ftüd ben Dlbgeorbneten, roetdje ber SanbeS^aubtmann Sieg m u n b ban 2) i c t r i d) ft c i n ^ur Serljanblung mit ben Säuern entfanbt Ijatte; bie Slbgearbneten faßten bie Slagefd)rift bem Saifer über= mittein, bamit bicfer erfahre, „maš grupe UngeredjtigMt unb Sefdjmarung allenthalben bon nufer Cbrigfeit befd)ef)eu ift". ®ie .bmupttlage betraf bie Steuern, bie ihnen in einem 3abre oft jroei=, ja breimal abgeforbert mürben unb „roomit man uns ganj er= fd)5pft unb in Ülrinut gebradjt hot". ®ie Säuern roaren ber ltber= jeugung, bafs biefc großen ©elbfummen nid)t in bie faiferlid)e Sammet gcfloffen finb, fonbern non ben ©utsherren be()alten mürben. Sie tlagten ferner über bie Sermehrung ber ßtobotcn unb ba§ Sorgehen bei SEobeSfällen. „SBann unfer einer ftirbt unb mit 2ob abgeht, fo ift unfer ,b)errfd)aft ba unb greift uns in nufere Raufer, nimmt Sieh, ©etrcib, ffleifd) unb roaS fie finbet"; roa§ fie beim •V)aufe lüfst, „müffen mir mit ©elb ablbfen, baburd) oft unerroaihfene Heine Sinber (bie ©rben) ins ©lenb tommen unb bienen müffen". Sie ®erid)tSroanbeI (Strafgelber), hoißl eS roeiter, finb übermäßig gefteigert roorben; beim 3eßen* mürbe baS SQtaß roiber altes .pertommen „höher gerüdt", ftatt ÜJtoft bedangen bie fperrfd)aften lautern Sffiein, ben 3d)ent fthäßt jeßt nid)t mehr bie ©emeinbe, roelcfje batet nidjt immer fiteng oorgieng, fonbern ber Pfleger ober feine &neci)te unb ber Pfarrer, ©eflagt rourbe ferner über bie neuen ÜJianten, bie in oielen Dörfern unb bei etlictjcn ftirc£)en aufgericijtet roorben, fotoie barüber, baf§ bie ipfleger unb Amtleute ben Sreu^er nid)t mei)r 311 tiier, fonbern nur 51t brei Pfenningen annepuen; enblici) mürben nod) bie S3efd)räniung ber freien 3agb unb §ifci)erei, be§ ipol5= unb 2Beibered)te§ fotoie bie fd)ied)t gcl)anb= fjabte @cred)tigfeit§f)f[ege als Urfadje ber Itn^ufriebenljeit angegeben. 3)er Saifer mar roeit entfernt — er befanb fid) in HtugSburg - unb tonnte junäd)ft nid)t Reifen. 'Utan oerbreitete bie 'Jiadjridjt, er fei mit bem tßorge^en ber Säuern einüerftanben; biefe über= fielen baljer bie ©djlöffer unb Slöfter. ©0 fielen u. a. plantenftein bei ©onobip .‘pbrberg, SBifeB unb baS §rauenflofter ©tubenilt in bie ©emalt ber 91ufftönbifd)en. ®iefe nahmen überall bie oor= gefunbenen Stßaffen roeg, benutzen ober oergruben ba§ pulber, oert()eilten baS ©etreibe unb Siel), leerten bie SBeinfeller unb ftedten bie ©ebäitbe in Sranb. SIS fid) alle Serfudje, bie Unruhen auf frieblidjem $ßege 511 bämbfen, als erfolglos ermiefen Ratten, mahlten bie ©taube ber brei Sauber ©teiermarf, Harnten unb ftrain ben @ e o r g O 0 n £) e r b e r ft c i n gum ^elbljaubtmann. @r l)ielt fid) bantalS 51t §erberftein bei pifdjelsborf auf unb eilte fofort in bie Don ben Säuern beunruhigten ©egenben. SIS er fid) in 2Bilbon befanb, erhoben fith and) bie Säuern in feinem Süden. @r lehrte um unb jerfürengte mit ber geringen Stannfdjaft, über bie er berfügte, biefe Sauernljaufen, bann befiegte er in Unterfteier betriebene Sb= theilungen ber Sufftünbifdjen, enblid) fd)lug er bie $auptfd)ar, meldje baS ©djlofS Cbercilli inne l)11!*6 unb einen Sngriff auf bie ©tabt 6 i 11 i berfud)te. ®ieS gefdjah in ber erften ^älfte beš 3,uli. Son ba 50g Jpcrberftein und) Hrain, roo eS ihm ebenfalls gelang, ben Sufftanb nieber^ufdjlagen. 3n Hörnten mar bie Suhe fd)on früher hergeftellt roorben. 3n ©teiermarf feheinen bie lebten Kämpfe bet 9tann ftnttgefunben ju fjaben, roo ber SonbeSpauptmann ©iegmunb bon 3>ietricč)ftein mit feinen toofjlgeriifteten gteitern bte fct)leč)tberoaffneten SBauern überfiel unb jerfprengte. 5)ie §aupt= riibelSfii^rer, bie in bie ©etoalt ber ©ieger gelangt waren, mürben in ©raj ^ingerit^tet. Der .ffaifer Ijätte e§ gern gefe^en, roenn bie ©tünbe bie 33efct)merben ber Säuern unterfudit unb ©efe|e ge= fcfjaffen hätten, meldje bte SBieber^olung folcfjer Unruhen unmöglict) machten. Eber jtt folgen Reformen, roeld)e bie Sage ber Säuern ßerbeffert Ijatten, ift e§ nid)t gefommen. 3a, bie Sanbftänbe er= roirften int Sabre 1518 bei bem ßaifer bie ©rlaubniS, bie ©teucrn, bie fie erlegen fällten, tlfeilroeife auf bie Säuern jtt übermäljen, ma§ übrigens fdjon früher gefdjeben mar. 3. Sur (£[)arnftcriftif SJfaftiutHnnö I. Stajimilian I. hielt ficb mehrmals in ©teiermaf auf unb gieng bann immer jtt feiner Srholnug bem Sagböergnügen nad). ©r berfafSte felbft ein Sagbbud), in bem er mit ©tolj bie 3agb= rebiere befdfrieb, bie fid) in feinem Sanbe befanbett, unb Serhal= tungSmnp,regeln beim Sogen unb $ifd)en anmerttc; beim and) ber ffifthfang utadjte ihm Sergnügen, unb er orbnete fogar an, bafS bei 2Bilban Siber gehegt roerben fällten, ©r ift, roie ein gleid)= jeitiger Seridjt fugt, „um nid)tS jorniger morben, als allein um SMlbbratS SCßillen", unb jum 3Drn hl^te er and) in ©teiermarf oft Urfaäie, benn bie Seute waren überall fel)r „jagerifd)"; bie bielen Serorbnungen gegen bie unbefugten Säger waren butt geringem ©rfalge.1 9Jtit groper ©orgfalt rüftete fich ber Saifer jur Sagb aus. Den R'apf bebcdte in ber Siegel ein grauer £mt mit ()erabge= fdjlagcner ßrempe jum ©djuhe ber Eugen, im ÜBinter eine wollene Sappe, bie bis über bie Ohren reichte, ©ein SöamS ober Seibrod war 1 3. 9)1. 9)1 a t) cr, 3ur ©ejibi^tc be§ Sitgb= unb SorftroefenS in @teier= marf. 9)littt). 28. Don grauer unb grüner $arbe. „©rau unb grün jottft bu bte Kleiber tjaben", fagt ber Kaifer felber; „fie finb bte bcften färben für §irfd)e unb ©emfen." ©r trug tpanbfcfjufie, bte tiorn an ben Ringern abgefctinitten waren unb ftarf gefohlte .©t^ttlje, oben mit 9tönbern üerfcljen, bamit teilte ©teinctjen t)ineinfat(en fönnen, unten mit ftarfem (Sifen befctjtagen. 9II§ Sßaffen bienten ba§ Sagbft^wert, ober ein breiter, fttrjer SDegett, eine 91rmbruft, ein ©tatjlbogen unb bor allem ber ©djaft mit einer gut geftütjltcn ©pitje, ©in |)orn mit gellem Klange ^ieng iljtn an ber ©eite. 3m' ÜluMiftung ge= fl orte aber and) eine Heine Sütte mit ^leifct), grüdjten, Küfe, $rot unb äöein. „2Bie fiat Dltap feine ©emfen, §irft|e unb 9tel)e gefannt, ipre ©ewofnljeiten, iljre ßieblingSplütse unb Sieb= ling§nal)rung, bie tßeränberungen, betten fie unterworfen finb burcf) ba§ Ausfallen ber §aare unb ba§ 'llbwcrfen ber ©ewei^e, nad) iljren Urfadien unb ben berfdjiebenen fie begleitenben @rfMeinungen; wie ergreift eS il)n, wenn er ein eble§ ÜBilb wie bie ©teinböde bor ber lötorbluft be» 9)tenfd)en bapinfdjwinbett fiept! Unb bod) fann er bie eigene ßeibenfd)aft für bie 3agb niä)t jügeln." 1 3tt ©teiermart würben bicle |)irfd)e auf ber §errfd)aft tßafolbsberg bei ©raj, um ©illi unb ganj befonberS in ber weiten Umgebung bon Gif euer j gepegt, wo fie mitunter felbft in ben SJtartt pineinliefen. 3n ütottenmann patte ber K'aifer int „3eug= tpurme" einen Kaften mit Sagbfdjäften, wie er fie für feine 3agben nötpig patte; benn faft nur foldje 2Burffpcere berwenbete ber Kaifer bei ber $agb, ©cpiepgeweprc gebraucpte er nod) nicpt. 2)ie gtabmer, wo fiip attcp jetjt nod) ein faiferlitpeS $agbfd)lof§ befinbet, nannte DJtajimilian bie „9Jhitter be§ SBilbbannS", unb bie laple ^öljmauer bei ©ifenerg warb als bie „DlZutter ber ©emfen" angefepen. Ipier burfte nie gejagt werben, ba§ ©ebirge war „gefreit", unb beSpalb ließ ber Kaifer an einer ©teile einen golbenen ©djilb mit feinem SBappen anbringen; baper peifit ber pötpfte Üpeil biefeS 1 Rivtblecfjner, Übet 9Jla$imilian al§ Säger. Sinj 1885. ©ebirgeS noč) Ijeutc bet Slnifcrfdjilb. 9(uf bet gölj fa^en bie gorftfnedjte and) oft big taufenb ©entfett beifamnten. 31m meiften SSergnügen madjte bem Staifer bet Seeftein beim ßeoftolbfteiner ©ee. ®enn bort, fagt ein 33erid)t, tarnt ein „f)ett an einem Stag ©emfen am ©eeftein, ^itfdjen in bet ©eeau unb gute f^ifdje im ©ee miteinanber jagen unb fatjen, roic benn bie taifer= lidje yjtajeftät fetbft gefe^en unb probiert fjat:" ©et)r luftig mar and) bie 2>ogb auf bem fogenannten -pon^art, benn ba tarnen bie ©emfen fogar auf bie ©bene unb ba tonnte „and) ein ipert fie jagen, betsen, ausroetfen (mit bem ©djaft roerfen) unb in ben 9tetjen fatjen ober fd)ief;en fetjen unb bebarff nid)t fteigen. ®ie faifertietje DJtajeftät ift auf her ©enft barju gefahren unb fjat eg alteg gefehen". 31ud) auf bem oberen 'JJturboben, Don Subenburg nad) SJturau unb gegen ©ctjeifling unb ©t. Sambrecht mar bie 3agb fetjr ergiebig, mürbe aber noti) mct)r burd) SOßilbbiebe beeinträchtigt alg um ©ifenetj. $ort berfchminben, flogt ber Seridjt, bie prädjtigften ^irfdje, unb nur ihre f^elle fommen nachher roieber jum $orfd)ein, nämlich bei ben ©erbern Don Subenburg. 3Jta$imilian h°tte Diele Kriege ju führen. 3U feiner 3eit machte bag ^ufibolf ben ^auptbeftanbtheil ber |)eere aug, unb ber St’aifer üerftanb eg, feine beutfehen ^upfolbaten an 3ucht unb Orbnung ju gemöhnen, fo bafg er ber Setter ber Sanbgfnedjte ge= nannt roirb. Such für bie Srtillerie hutte er h0he§ Sntereffe. ©r lieg Diele Ranonen gießen unb gab feinen „Jpauptftüden" Samen, roie bie faule ©rete, Salbauf, Sßedauf Don Öfterreich, ©nab bir ©ott, Sad)tigall. ®ic fd)meren „SDonnerbiichfen" tonnten nur mit Dielen ißferben fortgefchafft roerben; eine, bie eiferne Äugeln Don 100 3ßfuttb fchofg, brauchte 33, eine anbere 25 ißferbe. ©efchüße fteinerer Sri hießen galfaunen, ffelbfdjlangen, Äartaunen; bie ^>aubi|en unb bie Störfer hatten furje unb bide Söhre. 1 1 Sltoof, *tcitijc^c§ @ifcn ju SEBetir unb Staffen in ben Seiten 9)ta$i= mitianS I. unb gerbinanbS I. tDtittf). 34. 3)er fttüfer ließ, luk fein 91acf)folget gerbtnnnb, in ©teier= marf oft SBaffen, befonbetš 23iid)fen nnb ©pießc unfertigen, n ni meiften in (Sifenerj nnb Sßorbernberg, am SEtjorl bei $t\ibfcnberg, in Utiir^nfctjlag nnb Gilli. ®ie größte 2Baffenfct)miebe roar bie am 5E ^ ö r 1 jtuifctjen Kapfenberg nnb Slflenj, bie ber gamitie ißögl gehörte. Um 1460 lieferte sßeter sßögl bem ßaifer griebrid) III. bie erften Jpafenbüäjfen fotuie Gifenfngetn, ©ebalb ißögl erroeiterte ba§ ©efdjäft unb mürbe ©roßinbuftrieller. Gr befaß fünf Gifenßmnnter unb brei Ütobluerte nnb ßatte für DJiarimilian L unb fferbinanb I. immer ju arbeiten. Dlad) bem Vertrage bon 1502 füllte er nditjig ©efellen für bie Sebürfniffe beS KaiferS befcßüftigen. 3m ßaßre 1508 ßatte er fecßsßunbert eiferne $üd)fen unb fitnfunbjronnjig Kammerferlangen für ba§ 3eu9^au§ fomie taufenb Kugeln für berfdüebene ©efdjiitie ju liefern, ©o tarn biel (Selb in bie entlegenen Sünder ber oberen ©teiernmrf. SD er Kaifer bebadjte feinen SBaffenfdjmieb and) mit mancherlei ©naben; fo gab er ißm im Saßre 1500 bie Grlaubnig, in jebem ber fed)§ folgenben Saßre breißig ffafS SBein unb etroaS ©etreibe maut= unb zollfrei in ©teiermarf einäufüßren, unb 1508 bereßrte er ber grau sßögl§, einer geborenen $ietricß= ftein, bierjeßn Glien SDamaft ju einem ^ofeßrenfleibe. ®ie @roß= inbuftrie berßalf ber gamitie ißögl ju großem IReidjtßuni; bie ißögl mürben al§ greißerren bon Dteifenftein unb Dlrberg in ben sllbel§= ftanb erßoben. ©o rote bem Segrünber be§ üteicßtßumS ber Gggenberg Un= reblicßteit uorgeroorfen mürbe, fo aueß bem ©roßinbuftriellen sßögl. „Unter Dlnmaßung bon ißribilegien unb Sürgerrecßten ju Seoben, 33rud unb Slorbernberg entlebigte er fid) aller lnnbe§fürftlid)en 9Jtaut= gebüren, umgieng mit feinen Gifenerjeugniffen alle für biefeiben bejeidjneten ©tragen, mifSadjtete bie greißeiten ber ©tabt Seoben beim SSerleßr mit feinem Ütoßeifen unb beeintraißtigte auf alle SBeife bie lanbeSfürftlidßen Kammergefälle." Gnblid) mürbe er jur $erantroortung muß JBien berufen, roo e§ 311 einem Ikrgleidje — 174 {am. (Sx jafjlte an btc Kammer einen ($rfa| tum 38.000 (Bulben, mufgte feine brei gtabroerfe innerhalb eines unb bie fünf .fpämmer na cf) biefer 3e't tiertaufen. Diefer ißergleiä) war ber 2ln= fang Dom (šnbe ber tpögl’fdjen ©feninbuftrie. 5U§ (šrben biefer Familie erfefjeinen nad)mal§ bie ©tubenberg. Db fDlajcimilian in ©teiermarf and) Kanonen gießen lief;, weiß man nietft. ©ein 9tai$)foIger fyerbinanb L ließ in ßiHi eine (Bießfjütte erbauen, wo fein (Befdfüjjgießer §an§ ®uring Kanonen gofS, unb jwar ttjeilS aus alten cr Sauernnnfftnnb. Dlnjimtltan Ijatte nur einen ©oljn, ben ©cfjönen, meid)er ber @rbe ber sJtieberIonbc mar. @r bermä^Ite fid) mit ber Snfnntin So^nnna, roelcfye in ber S°lge bie @rbin tion ©pcinien mürbe. 3ßt)ilibi) ftarB fdjon 150G unb ^interliejj' jmei ©öffne, Sari unb gerbinanb. SDer ältere Hßrinj Sari mar fomit Krbe tum ©Manien unb feinen Dtebenlänbern fomic ber Siieberlanbe, unb beibe ^vinjen mären @rben ber öfierreidjifdjen Sänber. 3m Satire 1515 fanb in ÜBien eine 3ufammenlEunft be§ Saiferg fDZa$imilian mit bem Sönig $ßlabi§lati tion Sbljmen unb Ungarn ftatt; ba mürbe auSgemadjt, baf§ 9Jtajimilian§ @nM gerbinanb mit 21 n n a, ber Smdjter 2ölabi§lab§, unb 91tajimilian§ Sntelin 911 aria mit Subroi g, bem ©ol)ne 2BIabi§lati§, bcrljeiratet roerben füllten, roaS nadjmals aud) gefdjeljen ift. 91ad) bem Zobe 9Wajimilian§ begab fid) eine ©efanbtfdjaft ber öfterreid)ifd)cn Sanbe über tßenebig unb Dtum nad) ©Manien, um bie Srben ber Sänber ju begrüben, ©teiermart mar burd) ©iegmunb b on gerber ft ei n unb § a n § tpofmann b o n ©rünbü^l bertreten. Sönig Sari bon ©Manien, ber injmifdjen and) jum beutfdien Saifer gcroät)lt roorben mar, tjattc aber bereits Gommiffionen jur @ntgegennat)me ber $ulbigung ernannt; in ©teiermart erfd)ien bie ßommiffion im Sänner 1520; fie befdjmor im 91amen be§ SanbeS^errn bie ffrei^eiten beS SanbeS unb natjm bie ^mlbigung entgegen. Sari überließ bie 2Serroaltung ber öfter= tei(^ifd)en Sänber feinem ffiruber ^erbinanb, ber in Sinj feine £>od)äeii mit ber 3ßrinjeffin 9tnna feierte. 3m 3änner 1522 fdjloffen bie Stüber ^u Srüffel einen Sertrag, bemjufolge bie öfterracfjtfdjen Sänber beut (Sr^erjog getbimmb jufielen. So entftanben jraet t)ab§burgifd)e ßinien: eine öfterreit^ifc^e unb eine fbanifčie. 3n ©übbeutfcfjlanb mar bie Sage ber Säuern eine fo ^arte, baf§ bie Unjufrieben^eit unter ber bäuertidjcn Setiolferung tägüd) romf)§, befonberS feitbem fid) bie Seljren ßuttjerS tierbreitet Ratten. sDaf§ eine Sotfsbetoegung fiil) borbereitete, modjte mandjer tiomu§= fet)en, pmat aut| fonberbare Sorjeiidien §u fetjen waren: Srät)en unb Stäben fämbften fo tyeftig in ber Suft, bafS ifirer tiiele tobt jur @rbc fielen. 3m 3a^re 1524 brad) enblid) in ©djtoaben ein Sanernaufftanb au§, ber and) nadj $irol unb in§ ©aljburgifdje unb tion ba enblid) 1525 and) nadj Oberöfterreid) unb Oberfteier Übergriff, ©o folgte §el)n 3at)re nad) ber Sauernbctoegung in Unterfteier eine fold)e in Oberfteier. Oie leidjt beioeglidjen Serg= tnabpen unb ^oljtnedjte nnb, tion i()nen beeinflufSt, bie Säuern in ber ©egenb tion © d) I a b m i n g, Stuffee, Stbmont, ©fenerj unb Sorbernberg ertjoben bie SSaffen gegen II)re Obrigteiten, um eine Štnberung ber beftefienben botitifd)en, fociaten unb religiöfen Ser()ältniffe Ijerbciptfü^ren. Oie einzelnen $auernt)aufen wählten fidj it)re Stnfü^rer, bann überfielen fie bie @belfi|e unb bie Slöfter unb nafiinen, roa§ fie ba tiorfanben; and) Stbmont tarn in i^re (Seroalt. Oie ^auptleute ber Säuern forberten bie 'Übte unb (Übelleute auf, §u erflären, ob fie greunbe ober ffeinbe ber Säuern feien; barnad) rooüten fie if)r Ser^alten gegen fie einrid)ten. @§ mufS aber t)ertiorgef)oben werben, baf§ tiiele Obrfer nur ge= jroungen ben Stufftünbifdjen ©efolgfäjaft leifteten. Stud) bie ©tabt Sturau mufste fid) bcm Sauetnbunbe anfdjliefjen unb würbe t)er= nad) tion it)rem (Srunbtierrn, bem Siedjtenfteiner, mit 400 ipfunb Sßfenningen beftraft. 3tur mit 9Jtüt)e tonnte ber SanbeSljauptmann ©iegmunb tion O i e t r i d) ft e i n, roetd)er tränt war, tiom Sr^erjog fferbinanb bewogen werben, ben Oberbefehl über bie SDtannfdjaft ^u über= nehmen, bie tion ben Sanbftünben jufammengebradjt würbe. @§ waren einige Ijunbert §ufaren, beutfdje unb 6ö|mifd)e ©ölbner 31t 9tof§ unb 311 @r 30g junädift nacf) ßeoben unb öon ba in§ Siefing= unb SßaltentfyaL 3ronr erlitt er bei © a i § I) 0 r n große SSerlufte, unb ein 2f)eit ber ©ölbner, bie in ber (£ile ange= worben worben waren, erwies fi<$) untreu, aber e§ gelang i()m boct), bie ©egenb um ütottenmann unb $rbnin g 311111 ©e= 1) orfant 311 bringen. 3n Srbning erhielt er öon ben ^Bürgern ber tßergftabt ©djlabming einen $rief, in bem fie i^n um §ilfe gegen bie ©a^burger Ülufftünbifdien baten, bie uom 9ßa]'fe DJianbling !)er ifjre ©tabt 311 überfallen bie 91bfidjt hätten. 3)ietrielftem tarn ber Sitte nad), 30g gegen ©djlabming unb rtiefte in bie ©tobt ein. §ier fd)lofS er mit ben Säuern einen Sßaffenftillftanb. ($§ öer= breitete fid) aber baS ©erüäjt, er wolle in ©djlabming auf ben ©rafen DtiflaS von ©alm warten, ben ber ($r3^er3og $erbinanb mit „einem grofien Solf 31t 9tof§ unb ju guf;, and) etlidjem ©e= fd)ii^" in§ Sanb gefe^idt Ijatte. 3)ic beiben ÄriegS^auptleute wollten bann in§ ©al3burgifd)e 5ief)en unb bem @r3bifd)of §ilfe bringen. 31uf bicfe§ ©erüd)t l)in brangen Sauernljattfen öon ©aljburg über ben 9JtanbIingfmf§ gegen ©djlabming bor, um 2) ietrid)ftcin bor feiner Sereintgung mit ©alm 311 überfallen. 5Die§ gelang iljnen bollfommen; in ber 9tad)t bom 3Weiten auf ben brüten 2fuli brangen fie unge^inbert in bie ©tobt ein, benn merf= würbigerweife waren bie SEljore ber ©tabt offen gelaffen worben. SDietrid)ftein mar eines folgen Überfalles nid)t gewärtig unb lag ruljig in feiner Verberge im Sette; benn bie ©id)t plagte ipn über bie Stoßen unb eines feiner Seine war ftarf angefdjwollen. ®a bradjten ißm feine Wiener bie 9tad)rid)t, bafS bie geinbe in ber ©tabt feien. @r ftanb auf, unb mäßrenb ifjm ber ^arnifcf) angefdjnatlt würbe, befaßt er einem Knappen, auS bem ^enfter 31t lugen. 3)er tßat’S, aber rafd) 30g er ben Äopf roieber 3uriid, benn er fpürte baS @ifen einer ^ellebarbe an feinem 6alfe. ®ie 9tufftänbifd)en waren alfo mirflid) in ber ©tabt unb ßätten ben ßanbeSßauptmann faft im Sette gefangen genommen. Siefer griff 9H a 9 er, @c;d)id)te ber Eteiennart. 12 ju feinem „Sratfpiefi", Uefi fiil) auf§ 9tofS fe|en unb fprengte gegen ben £)emnbrängenben SBauern£)cutfen, aber feine eigenen ftnecijte lehrten fid) gegen ii)n, fein.^engft tourbe nicbcrgeftodjen, unb er felbft ertjielt einen ©djlag auf ben Sobf, baf§ er ftiirjte. s)hm rourbe er gefangen unb mit it)m bie abeligen Herren, bie fid) in feinem (befolge befanben, unb einige ©ölbner. „jperr!" rief if)in einer ber ütufftänbifctjen ju, „ ($ure ©egenmetjr ift umfonft, euer $otf ift babon, mir tjnben @uer @efd)ütj, rücft nur t)inein in ben ^reitfjof, mir rootten an @ud) ttjun roie fromme, reblidje ©e= fetten!" $ietrid)ftein unb feine ©etreucn mufsten fid) auf ben ffriebt)of begeben, roo fie im Stird)tt)urm feftgef)altcn mürben; t)ernad) bradjte man ben SanbeS^auf)tmann in bie iperberge beS Cbetanfütjret§ ber ütufftänbifctjen, Öiit^l ©ruber, bod) Ocrfbrad) man itjm, if)n auf rittertid)e üßeife ju galten. Salb barauf bitbeten bie 9lufftünbifdjen auf bem 9Jtarftbla|e einen StreiS, in ben man ben SanbeSljauptmann führte, ©in Snabfie trat at§ fein ütntläger auf; er roarf i()iu oerfctjiebene Unikaten Vor, bie er im Sauerntriege vom 3at)re 1515 unb bei feinem 3uge nad) ©d)labining anbefotften |abe unb ftetlte ben Antrag, i()n ju fliegen. ®ieS roufsten bie ©ülbner, bie jum geinbe tiber= gegangen roaren, ju bertiinbern; bie bö()mifd)en ©ötbner aber, bie mit it)m gefangen roorben roaren, rourben fdjonnngStos entlaubtet. ■Pierauf rourbe 5)ietrid)ftein gefeffett unb mit vielen ©efangeuen ins 3atjburgifd)e"geftit)rt. ©ine ©tjronif erja()lt: „®ie Säuern tractirten ben ütbel fo übet, bafS fie fetbe bar unb barroeiS rüdtingS jufam= mengebunbtner, tt)eit§ auf itiren ©urnen (üßferben), tt)eit§ aber auf iffiügen unter großem ©bvtt unb ©etäd)ter in ba§ Von benen Säuern eroberte Sifd)of=©d)lof§ ©otting gefangener geführt tjaben." Sn ©d)Iabming fanben bie Säuern „bie Sranbfd)atjung alte, fo fie juvor bem iperrn von $ietrid)ftein gegeben" fotvie „viel bat)in geftüd)te ©iiter beS Sb eis, bieS alles fjaben fie unter fid) geteilt, unb finb bie Säuern all ebel roorben unb bie Sbeligen Säuern. Sil ein biefe Sauernt)offal)rt rodßrte nidjt lang." @§ rücfte nämlid) ®rnf Piflas Salm mit ftünbifdjen Gruppen unb Sölbuem f) erb ei unb ftrafte bie nuf|'tänbifct)cn ©cgeu= ben in furchtbarer üßeifc, am l)ürteften aber bie Stabt Sctflabming, obroohl nicht alle Bürger fich bem ülufftanbe angefdfloffen hatten. @r erftürmte fie unb ließ fie ooUftänbig jerftören. Sie Bewohner würben ergingen, aufgehängt ober in bie $lud)t getrieben. Schlnbming oerlor feine Siechte nl§ Stabt unb burfte nur als iltarft weiter befteheu. Sluch anbere Orte würben verbrannt wie ^ohnSbad), ober gebranbfd)a|t wie ©ifenerj. So würbe bie ($m= pörung niebcrgefihlagen. ©ine ber Strafen, bie ben Bauern auf= erlegt würben, beftanb in bem Berlufte ihrer Ü’irdjengloden. Sie Bauern, bie ihre ©loden gern behielten, erlegten bafür lieber Strafgelber. 2. Sic Sürfcmtotf). ©S war hohe 3eü, bafS in ben Sllpenlanben Siuhe eintrat, beim baS Sahr 1526 brachte bem ©rjherjog gerbinanb eine fd)Were Stufgabe. SamalS erfchien ber Sultan Solim an II., ber ©rofje §u= benannt, mit einem gewaltigen .fpeere in Ungarn unb befiegte ben jungen König Subwig II. 1526 auf bem $elbe bei BiohacS, verließ aber hierauf baS Sanb wieber. Sa König Subwig, ber auf ber 5-lud)t gefallen mar, feine ©rben hinterließ, fo erhob, früheren Berträgen gemäß, ©rjhetjog fferbinanb, ber SdjWager beS ©c= faHenen, SInfprüdje auf bie ungarifdje Krone; aber nur eine Sßartei wählte iljn 5um König, eine anbere erhob ben Slbeligen Johann 3 a p 01 p a auf ben Shron. Sagegen würbe fferbinanb in Böhmen einftimmig jum König gewühlt. König fferbinanb gelang eS, Sofolpn aus Ungarn 511 Ver= treiben; aber ju beffen Sd)u|e brang Sultan Soliman im 3ahre 1529 in Ungarn ein; er hotte bieSmnl aud) bie Stbficht, bis SOßien Vor^ubringen unb biefe Stabt bem ipnlbmonbe ju unter« 12* werfen. Sie SBiener ^Bürger nertfieibigten ftd) jebod) fo tapfer, bnfš ber ©ultan oljne Srfolg nbjieljen nmfSte. ©treiffdjnren ber Sürfen, '«Renner unb ffircnner, rote man fie nannte, erfcfjienen and) in ©teiennarf, im @alja= unb @nn§t^al, foroic in bcn öftlidjen ©renjgelneten, bei gürftcnfelb, §artberg, Neubau unb Sßurgau. 3m Satire 1582 gebad)te ber ©uttan ben $erfud), SBten ju erobern, ju erneuern, aber bieSmal gelangte er nur bi§ jum ©täbti^en ©ün§, ba§ il)m einen fo fräftigen SBiberftanb entgegen fe^te, baf§ er feinen $orfatj aufgab unb ben '«Riidjng antrat. Sief er gieng burd) ©teiermarf. 1 Unter furd)tbaren SSer^eerungen jogen bie Sürfen über § artberg, 3ßif i|el§borf unb ©leiSborf gegen bie ^auptftabt © r a 5. Sie ©leisborfer jünbeten bie Raufer, roeldje in ber 9täl)e be§ SüberS ftanben, felbft an unb hielten fid) in biefent, roütirenb bie Sürfen bie übrigen Käufer bernict)teten. 21m 11. ©efttember näherten fie fid) ber ©tobt ©rabfdjaS, wie fie bie ^aufttftabt tion ©teiermarf nannten. 2U§ ber bidjte 9tebel, ber bie ©egenb eintjüllte, roid), fd)of§ man Dom ^>auf)tf(|loffe auf fie unb tl)at i^nen großen ©djaben. Sie erften ©djaren gegen über ben iRuderlberg gegen ©and 'fleter; al§ ber ©ultan crfd)ien, befal)! er feinen Sanitfdjaren, tior ber ©tabt bie fjanbroßre auf einmal abgufdjießen, unb gugleid) mufsten bie ^eerfmufer unb Pfeifer ißre Snftrumente ertönen laffen. Sie üteiterei umfäitoürmte bie Stabt unb berfudjte fie burd) einen ipanbftreid) gu neumen, aber eine ^Belagerung rourbe nid)t unternommen. 21m anberen Sage überfd)ritt eine ©d)ar nat)e ber ©tabt bie 'JJtur unb rooKte bie ÜRurDorftabt in SSranb fteden, rourbe aber Dom ©d)tof§berge au§ burd) @efd)üßfeuer baran geßinbert. Sa§ .£>aufttf)eer fd)toamm bei gerniß über ben ©trom unb lagerte fid) bei Salsborf. ©0 rourbe, roie ein türlifdfer 23erid)t fagt, ber große glufš 9Jtur, ber bi§l)er nod) nie offne SBrüde überfeßt worben war, mit ©otteS ©nabe Don bem fiegreießen -§eere oßne 23rüde überfeßt. 2tud) auf bem Seibnißer 1 S. ti. 93ci$f| = 2Bibmanitetter, ®ie angebltd^c tgclagenmg oon ®raj unb bie ©ciilarbt bei getnitj u. f. m. ®raj, 1887. $dbc würbe gelagert unb ein $erfud) gemalt, ©d)lof§ ©eggau jn nehmen, roa§ jebod) nic^t gelang. $er ^elb^auptmann § a n § ®a|t aner, greifen: Don Sa|en(tein, ber in biefer 3e^ mit bret= taufenb 9Jtann Don Sßien t)er in ©raj crfdjien, 50g 3war ben dürfen nad), erreidjte fie aber nidjt. 3lml6. ©eptember ftanb ber ©ultan uor Marburg. ®ie ttcine 33efa|ung unb bie Siirger öert^eibigten unter ber Seitung beS ©tabtrid)ter§ SBitlenrainer bie ©tabt mit großer Siapferteit, jo bof§ ber ©ultan gcnötl)igt mar, unter= fjatb ber ©tabt jmifdjen 2ßilbfjau§ am linfen unb Semberg am rechten Ufer eine $rüde ju fdjlagen, auf ber bie feinbüdfe ^)au))t= madjt mit bau ©ultan am 20. September ben $luf§ überfdjritt. 3'in weiten Sraufetbe unb an ben tpängen be§ $ad)cr giengen bie Dörfer in glommen auf, ja bie Dienner unb Srenner fanben i^ren SB eg fetbft bis nad) ©onobitj, Uidi unb in ba§ ©anntljal hinein. Sind) ba§ Sßettauer gelb würbe fdjredlid) mit= genommen. Sin Sßettau tiorbei 50g ber ©ultan nad) Kroatien. (Sine tttr!ifd)e Stad)rid)t beridjtet in grofifpred)erifc^cr SBeife: „Sion allen mit ©loden unb Kreuzen gegierten Sird)en unb filöftern beS SanbeS blieb feine ©pur übrig als ein jlanger Streifen oon Stand), ber fid) als ©üule in bie ßuft ^ob; ber Qualm beS geuerS ber Ütedjtgläubigen öerfinfterte mit Sßolfen bie ©onne." 3n fpiiterer 3e't fwben fid) jmei ©agen über biefen 2nirfen= jug gebilbet. Sa|ianer foll bie dürfen bei gerni§ ereilt unb ifjrer ad)ttaufenb erfd)lagcn ^aben. Sin biefe ©djredenSjeit erinnert and) baS aus §o!j gefdjnitjte S3ilb eines dürfen, meldjeS aus einer flehten Öffnung unter bem Sadigefimfe beS grüflid) ©aurau’fd)en ÜßalafteS in ber oberen ©porgaffe fierauSragt. 2)ie dürfen, fo wirb erjagt, lieferten bie ©tabt unb belagerten ben befeftigten ©djlofsberg, mo^in fid) bie ©tabtbemoljner jurüdgejogen fiatten. 3bral)im ifiafdja, ber ©roptiejier unb ©d)wager beS Sultans, moljnte in bem erwähnten Sßalafte. (Sine tiom ©djlofSberg fommenbe Äanonenfugel warf i^m einmal ben Skaten aus ber ©d)üffel. darauf jog er ab. (Sinige 9öoc£)en fpäter, im Cctoßer, 50g ein eil ber d)rift= lidjen Srußpen, meldje bot Söien geftnnben moren, meift Italiener unb ©ßnnier, burd) ba§ iDtiirgt^al imb baS obere 9Jlurtf)aI nad) Samten unb roeiter nad) Italien. Sie SSerroüftungen, mctdie biefe befreunbeten Srup^en auf biefem SBcge anrii^teten, tarnen betten ber OSmanen gleid). 9Jiür^ufd)tng, llnjmarft, ©djcifting unb anbere Orte giengen in flammen auf. 3roin' berfftrad)en bie güijrer ber juerft burd)jief)enben Sruptten Sega^lung ber SebenSmittel, aber ba§ $erfftred)en gieng nid)t in Erfüllung; bielnte^r ftlünberten bie Solbaten bie Ortfdjaften au§, naftmcn fogar Steiber unb Sd)uf)e roeg, tiernidjteten, roa§ fie nid)t mitnetimen tonnten unb fronten fetbft bie Sirdjen unb Saftelten nidjt, fo baf§ bie tßauern meinten, bie Surdjjieljenben mären Sürten ober „taufenb Seufel". 9tudi ber Saifer Sari V. unb fein Srttber, Sönig $erbinanb, jogen burd); fie fa^en bie SSermüftung, ber Saifer erflartc, ba§ fei il)in „nit lieb", aber meber er nod) fein $ ruber ttermoäjte beu gequälten 58emol)nern p Reifen.1 Sie Sürfengefaljr erneuerte ftd) roieber im ^aljre 1537. SamalS forberte Sönig $erbinanb eine neue, feljr ^ol)e ©teuer unb umfaffenbe Dtüftungen; fugleid) befahl er, bie ißefeftigungen bon tpettau, 9Jtarburg unb Derfdjiebener ©dflöffer ju berftärten, 2Öaffen unb Sütunition mürbe überall angefiäuft unb bie 9HuSfuljr bež ©aliterž üerboten. Ser ^elb^aufttmann Sa^ianer fammelte bie if)m tton Seutfd)lanb, beu 211ftenlänbern unb Söf)inen juftrömenben 9Jlannfä)aften unb rüdte bis (šffef bor. SaS fteirifdje Aufgebot befefiiigte ber grei^err .£) a n S 11 n gn ab bon ©onnecf, bon betn nod) bie Diebe fein roirb. Sa aber 9)Zaugel an SebenSmitteln eintrat, im .fjeerc feine Sifciftlin {)errfd)te unb unabläffige Dtegengüffe ben Soben in ein Sotl)tneer bermanbelten, t)atte baS Unternehmen feinen Erfolg. Sie OSmanen nahmen feine ©djladft an, unb jur Selagerung fühlte fid) Saftianer fu fchtuad); baher trat er ben l)iüd= 1 'tl. ö. 8 u f el) i n, @in Sbnmpenbttrdtjug itn fedßelintcn !3a()rl)unbcrt. Seiifdjrift für bcutfd)e Gulturgefdjidjtc 1874. jug an, bet fid) infolge beS 9Jiangel§ an SebenSmitteln unb bet fortroaljtenbcn Angriffe bet ifeinbe fo berluftretct) geftaltctc, bafš er einer Dhcberlage gleidjlam. St'a|ianer entflog, oljne fid) mn ba§ rcn, gleiß, Arbeit unb ÜRülje sJJ(etjrere§, ba§ rattje id) (Sud) treulid)." II. Sie Hefnvmaftmt. 1. Anfang unb gortfdjritt ber 9icformation unter gerbiimub I. ®a§ fed)5ef)nte Sa^rtjunbert ift tion l)aufigen unb erbitterten religiöfen Sümbfen erfüllt. 3m 3at)re 1517 war ju 2Bittenberg an ber (Stbe im Äur= fürftenttjum ©adjfen ber iflrofeffor DJtartin ßuttjer gegen bie Sei) re ber fatijolifdjen äirdje Dom 9tblaffe auf getreten, Ijatte bann and) anbere fattjolifdje Setjrcn angegriffen unb fid) Dom ^apfte ganjtid) loSgefagt. (Sr teerte, burd) bie (Srbfünbe fjabe ber DJienfdi feinen freien SBitlen üertoren, fo baf§ er nur buri^ ben ©tauben an bie SBerbienfte (Stjrifti, ber burd) fein Seben unb Sterben für bie ©ünben ber SBett genug getfjan tjat, gereäjtfertigt werben fönne; als Sacramente erfannte er nur bie SEaufe unb baS iÄbenbmaljt; er tierroarf bie tDteffe, bie gürbitte ber § eiligen, ben ütbtafS, bie 18eid)t unb bie ©etübbe, roeStjatb er bie 91uffjebung ber Stöfter embfat)!. 3)ie Setjren, bie er nad) unb nad) entwidelte, fanben in ben beutfdjen Sanbcn tiiet Seifall unb tierbreiteten fid) feljr fc^nell. Stau nennt feine 51nl)iinger ©tiangelifd)e ober tproteftanten. ®tefe rafctje itierbreitiing märe nicijt möglict) geroefen, roenn nid)t in ber fatf)oli)cf)en fiitd)e Oiele 9JiifSbniud)e tmrfjnnbcn geroefcn moren, roeldje bie ©emittier ber ©laubigen ber teügiöfen Neuerung geneigt madjten. SBir fd)ilbern bie 3uftänbe in ber fatl)oli|"d)en Sirdje ber bamaligen 3eit foft gan^ mit ben SBorten eineš fatt|olifd)en Se^r= budjeg ber 2Beltgefd)id)te.1 „®en übelften (šinflufS auf baS SSolf", ()eif;t e§ bort, „übten bie sitrgerni|fe, roeldje ein großer 3Ü)eil bes ßlerug in ßetjre unb Seben gab. SGßirften and) eine ÜDtenge eifriger ©eelenfjirten i)flid)tgetreu in ifirem $erufe, fo erregten anbere Pfaffen (b. t). SBeltgeiftlidje) unb DJZbndje, burd) iljren SebenSroanbel, burd) §abfud)t, @ei§ ober ltnroi|"|enl)cit großen ütnftoß. 9Zeben roirflidien ©tütten ftrenger 3ud)t unb l)eiligmä|3ißer ^römmigfeit glichen umndje, befonberS abelige Slofter, eßer Käufern ber SBeltluft al§ ber SBeltentfagung. Der 9teid)tl)um ber beutfdjen S'irdje tierfü^rte nidjt allein bie 3n= Ijaber ber 5ßfrünben, alfo namentlid) ben f)öderen 61eru§, 511 2öot|l= leben unb ©ittenlofigfeit, fonbern reifte and) 511 9Zeib unb medte oielfad) ben ©ebanfen an ©äcularifation be§ äirdienguteS. Die Serleifjung ber einträglidjen $ifd)offi|e, Abteien unb ©anonicate an Unmünbige, Ungebilbete, Unmürbige, bie burd) iljrc ffamilie 9Inff)rud) auf foldje ©teilen befaßen, bie Häufung Don ißfrünben auf einen 9Zu|nießer, auf ber anberen ©eite bie 'lirnmt be§ nur auf 3cl)uten unb ©tolgebüren angeroiefenen niebeten ©leruS bilbeten einen ßrebS= fdjaben bet Sitd)c. DaS uiryiftüdje Seben an bem Ip0!6 mandjer 'Jßäßfte gelangte allerbingS roeniger §ur Kenntnis beS HiolfeS; befto= metjr Erbitterung erzeugten aber bie häufigen ©elberljebttngen be§ römifd)en ©tu|leS, bie fogenannten 91nuaten,1 2 üteferbationen,3 * 1 $r. Sobann SBuinüIlerS Sefftbiab ber SBeltgefibiibte, fiebente 'duflagc, tion ®r. ©. SBibmann, II. SEljeiL grciburg im 58rei§gau. fgerber'fr()e 3krlag§butf)l)anblung 1896, S. 369 ff. 2 Unter önnntcn tierftetit man bie ©elbfummen, roelrbc ber 3Bcfitjer einer üßfrünbe beim Stmt§antritte nad) IRom 31t jablen $)atte. 3 Sie ißäpfte beljietten fid) (refereierten fid|) bie 33efetiung ocn $ifcbof= fitjcn, ülbtcien unb Heineren geiftlidbcn ©feiten oor. 11)1 Sßaüiengelber,1 aud) bie garten fird)üd)cn ©trafen, bie $er()änguiuj beS SBanneS ober be§ Unterbiete» bei nict)t tird)lid)en ober unbebeu= tenben $eranta]')ungen, bie geroinnfüd)tige 91u§nü|ung beS ^eiligen. Setrüger bettelten unter bem ©djeinc frommer Ißilger unb betörten bie 2eid)tglüubigen. Sie Sirdje fat) fid) roieberljolt genötigt, roiber ben fdjroärmerifdjen $ßunbcrglauben ein^ufdjreiten; bie über= tjanbnetjmcnbcn äßallfaljrten tonnten bn§ Sebenten gut fird)lid) ©efinnter erroeden; bie ©ud)t, [Reliquien 511 befi|en, gab 51t männern Setruge 91nlaf§. Sen Unfircl)lid)en boten alle berartigen 9Rif§= braudje roillfommene 3ielfd)eiben 51t if)ten Eingriffen in Spott unb Gruft. Cbrool)! noč) im ISaljre 1500 Saufenbe 51a Grlangung be§ SubiläumSablaffes nad) Ütom pilgerten, fo rief bod) bie t)üufige Sertünbigung bon Eibläffen, bei tueldjcn roürbiger Gmpfang ber beiben ©acramente, ber Seidjt unb Gommunion, paupterforbernis, $errid)tung beftimmter ©ebete unb Etlmofen EZebcnbebingungen roaren, rcligiöfe ©teidjgiltigteit gegen biefeS ©nabenmittel Ijetbor. Sei ben in allen Serfjältniffen (jerrfdjenben ©egenfä|en, ben politifdjen, fo.cialen, roiffenfd)aftlid)en unb religiöfen, ftanb eine gewaltige Umwäljung 511 ertoarten. Siefe nal)m eben mit EJtartin ßutfierg Etufireten i^ren Einfang." Elud) nad) ©teiermarf fanben bie Setjrcn 2utl)er§ halb ihren EBeg. §ier Ratten im Saufe beS fünfzehnten 3ahrl)iinbert5 bie Ginfälle ber Sürfen, bie Stiege mit ben Ungarn-,- bie häufigen ffeljben unb Sümpfe ber Elbeligen bie ©Uten üielfad) Uerfd)Ied)tert; Unglaube roar eingeriffen, unb rohe ©efinnung, Srunf= unb ©pielfudjt foroie anbere Softer hotten weit um fid) gegriffen. Elud) bie ©eiftlid)= feit mar in biefen Seiten nicht mehr bon bem ftrengen [Pflichteifer erfüllt wie früher; tiicle ©eifilidje roanbten fid) einem roeltlid)en Seben zu unb bernadjläffigten ihre Seruf§pflid)ten; wenig junge EJZänner mibmeten fid) bem ©tubium ber Sljeologie, fo baf§ halb 1 (Selber, toelcf)e bie ©rjbifcfibfc für bie 58erleil)ung be§ 'PalliumS, einev toollencn 33inbe, nacl) 9tom äablten. cin großer Džnngel an gebilbeten, ehrbaren (Seiftlictjen eintrat, llnb boč) mar bet geiftüctje ®cfi| ungemein angeroad)fen. 3m 3at)re 1513 berbot Saifer 9Jia$imiltan ben ©eifttii^en, liegenbe ©üter bon einem Saien oljne Ianbe§fürftlidje Setnittigung anjutaufen unb jroar beStjatb, bamit ber Sefitjftanb ber melttidjen ©igentljümer nidjt no^ mefjr gefdjmälert roerbe, ba ber geiftüdje ©taub bereits bie Öälfte alter ©ülten innetjabe. ®ie 3'1:)iftigteiten, bie in mandjem ©tiftc f|ertfd)ten, beein= ftufgten bielfad) bie ©efinnung ber ©laubigen. 3n ülbmont mürben 1501 §roei 91bte gemailt, bie gleidj^eitig einige 3a^re äbtlidjc iRedjte auSübten. ®ie§ gab bem ßaifer 9)ia$imilinn ©elegenljeit, ben Sifdjof bon Saibadj ©Ijriftofit) 91aüber, ber and) 33erroalter be§ 3Mfd)of§ bon ©edau mürbe, jum 91bt bon 9Ibmont ju ernennen. 91ber 31anber lonnte roenig für ba§ ßlofter mirlen, beim bie fi'aifcr 9Jla$i= mitian, Sari V. unb fyerbinanb I. bermenbeten i()n unabläffig ju mistigen ©taatSgefd)iiften. § erborge^ oben muf§ noč) merben, baf§ bie religiöfe SBilbung bei 91bei unb 33ol! feljr gering unb bie ©eelfotge roie ber 91eli= gion§unterrid)t überall bernadjläffigt roaren. Unter foldjen 3Ser= Ijaltniffen mar e§ fein üßunber, baf§ and) in ©teiermarf biele Itnjufriebene gerabe in ber Sefire Suff)cr§ ein Heilmittel faljcn für bie ©ebredjen ber 3eti- Saju fam, bafs ntandje fteirifd)e ©tabt, roie beifpielsmeife Seoben, in reger HanbelSberbinbung mit 5Deutf(|lanb ftanb, baf§ in bie oberfteirifdjen SSergmerfSorte fjäufig Snaf)pen au§ $eutfd)= lanb famen, bie mit ben Seljren 2ut^er§ fdjon bertrout roaren, unb baf§ Ijeruntjieljenbe SSudjfüljrer, ba§ fieißt 23ud)l)anblcr, bie ©djriften SutfierS weithin berbreiteten. Sönig $erbinnnb I. trat anfangs ftreng gegen bie 91nl)iinger SufljerS auf; er ber= bot ben ®rud, SSerfauf unb baS Sefen lut^erifdjer 93üd)er; aber biefe unb anbere SSerorbnungen nutzten nidjtS; bie Sni)! bet 9ßroteftanten napm überall ju. SBir erfahren, bafs in ©traß= gang ein ©eiftlidjer unb in Seibni| ein ©djulleljrer bie neue Sef)re ptebigten. Diefe jtttet fDfünner mürben bon bem Sr^riefter in bcr unteren ©teiernmrf 3«fob 9tab f er§)) urger mit bem ßircfjenbann belegt. 9113 im Safyre 1528 eine allgemeine Stiu^euOifitation borge= nommen mürbe, geigte e§ fid), bafS e5 in ©ra^, ötarburg, 9tabfer3= bürg, Sidi, 2Binbifd)grag unb befonberS in Oberfteiermarf ©eiftlidje gab, bie int lut^erifdjen (Sinne prebigten unb berl)eiratet roaren unb baf§ fie niele 91nf)ünger geroonnen patten.1 3n SBinbifcpgra^ traten einige SürgerSfrauen als 3ßrebigerinnen auf. 91u3 Sei^ unb 9tein roaren Htöncpe ausgetreten, brei 9Ibmonter Dtonnen patten fiep tierpeiratet. 3n ©ra; prebigte ein Äaplan unb fein ©enoffe in bcr Stabtpfarrfinpe, bem jetjigen 5)om, unb als ipnen ber Stabtpfarrer bieS tierbot, in ifkioatpünfern. 3m Sacf roopnte ein alter Sdjnlmeifter, ber bie fiinber lutperifepe ©efänge leprte, bie Silber tron ^eiligen tierbrannte unb bie ©eiftlicpen bei ber DJteffe ftörte. ©in anberer ©cpulmeifter leprte öffenfliep ben „neuen ©lauben" unb ein britter, namens 1)3 ica, gab eine Sammlung tion Dßrebigten als „etiangelifdper llnterricpt" perauS. Ser 8anbeS= pauptmann S i e g m u n b tion S i e t r i cp ft e i n, ber Stirgermeifter Simon 9trbeiter unb anbere angefepene Stänner roaren ber Steuerung geneigt unb fepüpten unb förberten bie Ißrebiger. Slönig fferbinanb bebropte im 3apre 1527 mit ffeuer unb Stptoert alle, bie tion ben Sepren unb ©inrieptungen bet Äircpe abtoidpen, er befapl im 3uli 1528, alle Srucfer unb Sucpfüprer, bie mit leperiftpen Scpriften §anbel trieben, ^u erfäufen unb ipre 2Baren 31t tierbrennen, unb im Dtotiember beSfelben QapreS gebot er ein ftrengeS Sorgepen gegen abtrünnige l)3riefter unb ßeprer tion Äepe= i'eien; aber alles tuar umfonft. So gab eS alfo auep in Steiermarf „Sircpentierbefferer" genug. 9(ber roeitauS ärger roar eS in Seutfiplanb, unb felbft Sutper inufs barüber flagen: „Überall treibt jept ber Seufel fein Sptel 1 Dt o bittet), ©efdjicljte bc§ 5)$roteftanti§mu§ in ber ©teiermarf. 2. DtuS^ Sabe. ©raj 1865. mit iRumpelgeiftern unb ütumorern. ®iefer mit! feine Zaufe fjaben, jener leugnet bn§ ©acrament, ein anberer fetjt eine Söelt ^mifcfjen fid) unb bem lebten Singe. @tlicf)e lehren, 6hr'ftu» fei ®ott, etliche jagen bie§, eflidje ba§, unb finb fcl)iet fo viel ©ecten unb (Slauben als ßöbfe. Äein iftiilje ift je|t fo grob, roenn it)m etmaS träumt ober bünfet, fo mufs ber 1)1. ®eift e§ i^m eingegeben haben unb roill ein sJßrot>het fein." Ition ben ©ecten, auf bie Sutfjer hlnroci§lr h0!'611 SBiebertäufer am meiften bon fiel) reben gemacht. Sie 8inber= taufe hcitte für fie feinen $ßert, baher tauften fie bie @rroacf)fenen. ©ie fagten, „Dlteffe halten roäre 3auberei, baS hod)toürbige ©acra= ment roär nit, man betrüge bie ßeut; ($hriftuS roäre für niemanb geftorben, benn für 21bam unb @roa; niemanb foU Obrigfeit fein". Sie SBiebertäufer nannten einnnber Ißruber unb ©djroefter unb ihre IBerbinbung bie „(Semeinbe ©ottes". $Bo fie in größerer 3nhl beifammen roohnten, führten fie bie ©emeinfetjaft ber ©üter ein; ©runb unb 58oben, Raufer unb $ßirtfd)aften gehörten ber ©emeinbe; ber ©rtrag ber Qlrbeit flofS in eine allgemeine ©affe. Sie Säufer bilbeten alfo nicht nur eine )MigionS=, fonbern auch etne ®r= roerbSgenoffenfdjaft. 21ud) in ©teiermarf tauchten fie frühzeitig auf. Schon bie allgemeine SSifitation tion 1528 zeigte, bafS es in einzelnen Orten 2Biebertäufer gab. Slönig gerbinanb gab bem SanbeShaubtmann ©iegnumb bon Sietrid)ftein ben 33efehl, „bie SBiebertäufer au§= Zurotten unb hierin niemanb, er fei hohen ober nieberen ©tanbeS, Zu fdjonen". 3n $rud fanb man neun $rüber unb brei ©djroeftern. Sie Srüber mürben gebunben auf ben 9fid)tf)la| geführt, ©ie ronren in ihr ©djidfal ergeben unb fagten: „,£)eut roollen mir auf biefem 2ßla| um beS SßorteS ©otteS toiHen leiben unb ihm unfer Opfer leiften". Sarauf mürben fie auf einem „grünen Singer enthauptet", bie brei ©chmeftern aber mürben ertränft. 3ur SluSfunbfdjaftung ber Sßiebertäufer beftellte man eigene Spione. 3n ©raz famen bie SBiebertäufer im §aufe eines DJtalerS jufammen; tiiefer crflärtc bei ber ©efattgennafyme, baf§ er titm einem ißriefter getauft roarben, nact)t)er aber bon feinem 3rrtf|um abgeftanben fei unb offenen Sßiberruf geleiftet tfabe. ©ein ,£)au§ rourbe niebergeriffen, von einer anberen Seftrofung tjört man aber nict)t§. 3m 3nfire 1534 mürben in (Sra^ brei Srüber mit bem ©djtoerte gcridjtet unb vier ©cf)roeftern ertranft. ©ie verroarfen bie $ßaffer= nnb Sinbertoufe, fagten vom 9tbenbmat)l, baf§ ©)riftu§ barin figürlid) ^ugegen fei, unb fügten ^in^u: „iffiie ber 2tntiä)rift, ber sfßabft, mit feinem 9ln£)ang ba§ 9tad)tma^l ß^rifti verroüftet t)at unb ben fleifctjlictjen ßffriftum in baS $rot ^u bannen ber= meint, ba§ glauben mir nit." ©o Ijaben fie, fagt bie 2ßieber= tdufer=(£^ronif, „alle fieben bie Ijimmlifclje 2Ba^rl)eit beftänbiglid) bi§ in ben Stob bezeugt." Sie ©trenge, bie man gegen bie Sßiebertäufer entfaltete, bemirfte, bafg fie fiel) auS ©teiermarf Verloren unb malfrfdjemlid) naä) Starren ^ogen, roo fie ffreibeit genoffen.1 Sagegen geroann ba§ Sutljertbum eine roeite Sßerbreitung. 3m le|ten Sotirbu^ert be§ 9Jtittelalter§ unb im Dlnfange ber 'Jieu^eit ift, roie fd)on angebeutet, ba§ (Smporfommen mancfier 3Bütgerfamilie bemerfbar, bie burct) ©fmrfamfeit, fyleig unb burd) £)anbel§gefd)äfte §u 3fteid)tl)um gelangte. Dütam^e reidie SSürger ließen ißre ©ößne ftubieren; biefe fanben Sienfte am ipofe unb mürben ^uletd in ben UlbelSftanb erhoben, ©o bilbeten fid) neben bem alten ©eburtSobel ein jüngerer 33riefabel au§, beffen sUtit= glieber bem reidjeren 23ürgerftanb entftammten. 91ber aud) ber ©eburtSabel fieng an, feinen ©ößnen eine höhere geiftige 91uäbilbung SU oerfdjaffen nnb fie an §od)fd)ulen §u fdjiden. ©ie hatten ben ©runbfah: „Senn yab unb ©net mag verrinnen, ro er Sun ft hat, mag fie leid)t geminnen." Sa bie 28iener UniVerfität um 1525 gan$ herabgefommen mar, fo begaben fid) bie jungen ©belleute nach $ßittenberg, ßeih^ig, Sübingen, felbft nad) Dtoftod. ©ie nahmen hier bie Sehre Sutljerš auf unb tarnen in Segleitung 1 tiofertf), äBiebcrtäufer in ©teiermarf. 93tittf|. 42, 118 ff. 13* lutfyerifcfyer ©eiftlidjer, ^rabicanten genannt, jurücf, bie junadift al§ ^auSfapläne ober Sekret Ißeitoenbung fanben. 2)er Übertritt jur etiangelifdien Se^re erfolgte banmlS niiijt etroa burd) eine öffentliche Srtlärung; man befugte nid)t mel)r bie Äird)e, emfjfieng nid)t mehr bie ©acramente unb hielt fiih an ben Sßräbicanten. 9iid)t alle Slbeligen, bie fid) mit ben neuen Sehren befreunbeten unb fid) ihnen jumanbten, tljaten bie§ au§ innerer Überzeugung, fonbern oft genug beSfmlb, tu eil fie baburd) ©elegen= heit fanben, geiftlidje 9ted)te unb ©üter in Sefih 5U nehmen, ©ie uerroeigerten ber Sirdje ben 3tn§ uon süad)t= ober Sehengütern, toeil bieS ber neuen Sehre jutniber mar, hielten aber biefe ©üter feft. ©ie entzogen ihren ißatronatSbfarren ©tiftungen unb 3ehent unb tierboten aud) ihren Unterthanen, ben ©eiftlidjen unb ben ftirdien 3in§ unb 3ehent Zu reidjen. 3)ie Älöfter, bie tion ihren Sorfalfren gegrünbet roorben, fahen fie als „©fiitäler beS gemeinen ÜlbelS" an, bie zur Serforgung ihrer Stinber bienen müfSten. füftandier Dlbelige fudjte alfo burd) Stird)engüter ben entfd)munbenen ©lanz feines Kaufes zu erneuern, unb felbft König fferbinanb mar gejmungen, ben fReiihtljuin ber Kird)e in tžlnffirud) zu nehmen. 3ur 3eit ber SEürfennoth im Satire 1525 tierlangte er nämlich mit f)äpftlid)er SemiHigung ben tiierten 2:heit beS ä'ßerteS ber ©üter, ber Kirchen unb geiftlid)en ißfrünben. DJtan nannte biefeS ffinanzgefd)äft bie Quart. $aS s2lnlet)en fotlte freilid) zurüd= erftattet roerben, aber es ift nie bazu gelommen. 3)a Kirchen unb Klöfter bie aboerlangten ©ummen im ffiaren nid)t aufbringen tonnten, mufSten fie ©üter tierfaufen ober tierfifanben unb tarnen nachher nicht mehr in bie Sage, fie einzulöfen. Qiefe ©elegenheit benüt)ten bie ©bedeute, fatholifche unb proteftantifche, ihren Sefih auf billige SBeife zu mehren. SDaburd) tierarmte manche Kirche unb mar bann umfomehr auf bie ©unft beS ©utsherrn ange= miefen, ber an ©teile eines tatljolifchen ©eiftlidjen einen 'f3räbi= canten einfehte. ©o tierbreitete fid) bie tutl)erifd)e Sehre auch unter ber Sanbbetiölferung immer mehr. Durch bie Quart hüben be= fonberg bie Hiitglieber ber ^nmtlie § o f m n n n in Oberfteicr t^ren Sefifs üergröpert. ®iefc ffmntlic f)aite ben ©runb p i^rem üteid)= tbum unb ülnfeffen jur 3e't ?fricbrid)§ III. butef) bie Sßertoaltung ber (anbe§fürftltcf)en iüiaut p 9hittenmonn unb bie 9ßf(ege be§ ßanb= gerid)te§ SßoIIenftein gelegt, ^riebrid) §ofmann, ber ©nt auf ©nt unb ©ült auf ©ült fjaufte, war pbem mit ÜDtargareta aus ber reidjen Familie 3ß ü d) 1 e r tierheiratet, bie unter anberem and) ba§ ©i|Iof§ ®riinbücf)el bei iftottenmann befaß. 2tud) biefeS (BdilofS gieng auf $riebrich .^ofmann über, beffen ©oßn §an§ 9titter unb ^reitferr genannt mürbe unb in ben 9ßfanbbefi| beS Ianbe§fürftüc£)en ©d)Ioffe§ unb ber |)errfchaft ©treeßau gelangte, bie nad) einigen Satiren in fein oolleS ©igent^um Übergiengen, tiefer S o h a n n Ipofmann greitjerr p ©rünbüdicl unb ©tredjau gelangte burd) bie Quart in ben 33efiß tion ©ütern ber Slöfter ßremSmünfter, ütottenmann, 9tein, ©edau unb ber ®omi= nicanerinnen in ©raj. ©r ftanb bei Äönig fferbinanb in großem Dlnfeßen unb roanbte fid) in feinem fpaten 2111er bem Sutt)ertl|um p. QafS and) auf anbere SBeife filoftergüter in ben S3efiß be§ 21bel§ gelangten, jeigt bie ©efd)id)te beS an§ Ungnab, ^rei= berrn non ©onned.1 ©r ftammte auS ber Familie 2öeißen= Wolf, weldje au§ ffranten in tonten eingeroanbert unb ba p 2lnfefien getommen war. Sie war mit ber tperrfdjaft ©onned im Saunt!)ale SärntenS beleßnt, erwarb Sefißungen in tarnten, Strain, Kroatien unb ©teiermarf, ßier ißlanfenwart, §irftt)ed, sf8ad u. a. §an§ Ungnab mar in ßrain geboren unb bei Sönig fferbinanb feßr beliebt; er mürbe $icebom in Gilli unb 1530 ßanbeSfjaufitmann bon ©teiermarf. Sn ben Kriegen mit ben dürfen erwarb er fid) mancßeS Serbienft; er fünpfte unter Kaßianer in ©labonien unb würbe 1540 oberfter ^elbbauptmann ber nieberöfterreid)ifd)en, winbifdjen unb croatifdjen Sanbe. Sn biefer ©teile oblag il)in befonbcrS bie SSertßeibigung ber roinbifcf)=croatifd)en ©renje gegen bie Eingriffe ber dürfen. 1 ©ašparit), .§an§ Ungnab unb ba§ Stift Dlcun. fölittf). 36. Sief er jpcmš Ungnab mar e§, ber fict) ber ©üter be§ Stiftes Stein bemädjtigen molite. 3n biefem Stifte, in bem fidf nur fect)§ OrbenSbrüber be= fanben, Ifatte ber Ibt ^ o | a n n 3 011 n e r, ein ißermanbter be§ S3efi^er§ ßon 9Jtaffenberg bei Seoben unb StmtmanneS bon $orbern= berg SSeit 3°öner, fd)led)t geroirtfdiaftet; als eine SBifitation oor= genommen merben foKte, Ijatte er auf feine SBürbe Oer^icljtet unb mar 1533 nai^ StegenSburg entflogen. Ser Gonoent miiljlte hierauf ben Sßeltpriefter unb 93icar tion ©ratroein, ^uetenfteiner, ^um Slbte, ließ fid) aber bon §anS Ungnab beroegen, feinen Solfn Submig, ber nod) ein Ä’nabe mar, ^um Goabjutor beS 91bteS mit bem 9ted)te ber 9tad)folge unb einem Sa^reSgefialte non 300 ijßfunb Pfenninge anptne^men. 911S «fbuetenfteiner nad) einigen Salfren ftarb, be= tradjtete fid) ipanS Ungnab als ben rechtmäßigen £)ettn beS erlebigten Stiftes, übernahm bie itiermaltung ber StiftSgüter unb führte fie ^u feinem itiorilfeile, bis enblid) ä'önig gerbinanb im Satire 1549 bie $er^id)tleiftung beS jungen Ungnab auf feine ÜÜürbe unb bie SBahl eines neuen 91bteS anbefahl. 3uin 9tbte mürbe nunmehr ber Stabtßfarrer bon Gitii 9Jtartin Sur lad) er gemählt, ber jeßt erft Giftercienfer mürbe. 9tber and) ber neue 91bt mar ein f^reunb beS fianbeShaußtmannS Ungnab, ber auch jeßt noch biele 9!ortf)eile bon bem Stifte 50g unb ben 9tbt bemog^ einen bon feinen anberen Söhnen, ber ebenfalls nod) unmiinbig mar, juni Goabjutor mit bem 9ted)ie ber Dtadjfolge als 91bt 011511= nehmen. 911S ^önig fyerbinanb im ^ahre 1555 bon bicfen 91b= machungen erfuhr, feßte er ber 91uSnüßung beS Stiftes burd) Ungnab ein Gnbe. 39alb barauf manberte £)anS Ungnab, ber einftmeilen ben ebangelifchen ©lauben angenommen hatte, aus Steiermart aus unb begab fid) nad) SBittenberg, ließ fid) aber bann im §er5ogtl)uin äßürttemberg niebet. 91bt Surlacßer aber mar jcßt eifrig bemüht, fein Stift in einen guten 3uftanb 5U bringen, unb Sönig fyetbinanb, ber burd) SBieberbelebung ber alten Slöfter bem roeiteren Umfich= greifen bei' (ut[)erifd)en Sefjre einen $>amm entgegenfeben molite, unterfttibte fein ©treben unb ÜBirfen in fräftiger SBeife. ®ie i361-" Ißroteftnnten nntjm alfo immer mef)r §u unb mar um bie DJiitte be§ 3al)r[)unbert§ in @ra^ fo grof;, bafS feit 1552 feine 9ro()nteict)nam§=iflroceffion me()r beranftattet merben tonnte. Ser gebilbetfte unb reic^fte SlolfeS gehörte bem tJkoteftantiSmuS an, bon abetigen gamilien bor altem bie ©djarfen« Berg, SSMnbifdfgrät;, öofnmnn, ißraunfalf, ©tnbenBerg, $ban^aufen-Seuffenbad), Sietridjftein, ^erberftein, ©lei^fiad), Sriebenegg, ©rab= mein u. a. 3m 3at)re 1549 trat bie- fteirifd)e Sanbfdjart in SBer= lianblungen 511111 erftenmale als eine gefdjloffene firoteftantifdje 6ort)o= ration auf. ^erbinanö tjoffte immer roieber, bafS bie Knigfeit ber Äirdje burd) 3ugeftänbniffe, bie beu ißroteftanten gemadjt mürben, t)erbei= geführt merben tonnte, unb beS^alb mad)te er burd) beu Sifc^of Dtonmu bon ©urt bem bamalS in $ r i e n t in ©übtirol ber= fammelten Gon eil beu $orfd)lag, bie Saftengebote ab^ufdjaffen unb bie Gommunion unter beiben ©eftalten foroie bie Sßriefterelfe 511 geftatten. Dtber feine $orfd)liige fanben feinen Seifatl. 3m 3af)re 1555 tarn in Seutfdjlanb 511 ülugSburg bet IReligionSfriebe ^uftanbe. Gr gemäfirte ben firoteftantifdjen ©tünben KugSburger Gonfeffion üteligion§frei^eit unbf)olitifd)e9ted)t§= gleidj^eit mit ben fat^olifä)en ©tünben. Sie Sanbe§()erren erbielten ba§ 3ted)t, bie Vteligion i^rer Untertanen 511 beftimmen; bod) follten jene Untertanen,, bie fid) bem ffteligionš^mange niä)t fügen mollten, ba§ iltedjt ber 9lu§roanberung l)aben. 3n ber lebten DtegierungS^eit Serbinanbg I. erfolgte in ©teier= ntarf bie Anlegung ber Sanbmannfdjafts = ötatrifet. Ser neue töriefabel, bon bem fdjon bie IRebe mar, berlangte in biefer 3eit and) Sljeilnaijme an ber ^Beratung unb iöerroaltung ber SanbeSangelegenl)eiten. $iele iötitglieber be§ alten erbgefeffenen 91bel§ bagegen roaren burd) 91tif§mirtfvt)aft unb bie oerünberte Seitlage arg Ijernntergefommen. ©0 bot beifpielsmeife 2ßolf @ngel= brecf)t Bon Auersperg im 3a()re 1554 feinem ©djronger SBolfgang Bon ©tubenberg feine in ©teiermarf gelegenen ©ütev 5um fiaufe an, „bann icf) mir bie nit getrau 51t erhalten auS Bielen beroeglid)en Urfaäien, nemblicf) baf§ ict) Bon beibcn Käufern (nämlid) @tatten= berg unb $Bilb^au§) gar feinen ©enufs ^ab, fonbern bei 510eien Sauren fjer ja^rlic^ in bie 1000 ©ulben einbuepen mueS, fonberlid) Bon wegen ber überfd)menglid)en großen ©feuern, meld)e§ in bie Sang feinen Seftanb fiaben fann fambt bcm, baf§ ber Pfleger aigener sJiuß unb Unflciß oberbanb genommen". 3)er alte erbgefeffene 91bel fudjtc nidjtabeligc ^erfonen, mcldje bürgerliche ©eroerbe betrieben batten unb unter bürgerlicher 3uri§= biction ftanben, bie aber in ben tßefih Bon ©ütern gelangt waren, ihren Greifen fern 511 ha^en unb ließ im Sahre 1563 bie „Sanbmannfd)aftš = sHtatritel" anlegen. 2ln ben Sanbtagen burfte Bon ba an nur theilnehmen, wer in biefer Diatrifel ein= getragen war; bie Aufnahme in biefeS $etyid)ni3 hien9 oon ber SSemilligung ber „Herren unb Sanbleute" ab. gerbinanb theilte bie öfterreidjifdhen Sanbe unter feine brei ©ohne: bcm alteften, 591 aji mili an, gab er Öfterreid), SBöfimen unb Ungarn, bem ^weiten, gerbinanb, $iroI unb ä>orberöfter= reich, bem brüten, Äarl, bie inneröfterreid)ifd)en Sänber, alfo ©teiermarf, Samten unb Srain mit ©örj, trieft unb Sftrien. 2lm 25. 3uli 1564 fd)ieb gerbinanb au§ bem Seben. 2. SZBcitcrc gwrtfchrittc ber fReformatiou miter Sari II. Sari, ber jeßt bie ^Regierung in ©teiermarf übernahm, war bamalS Bierunbjmanjig 3af)re alt. @r war ein fittenftrenger 99lann, ber feine Senntniffe and) burd) '.Reifen in fremben Sänbern erweitert hatte. ®ie ©tanbe, welche ber 9Rehrf)eit nach 5ßroteftanten waren, hatten ihm fdhon am 20. ÜRärj 1564, alfo noch ä11 Sebjeiten feines SSaterS, gehulbigt. ©ie hatten eS burd)gefeßt, bafS hiebet in ber ©ibeSformel ftatt ber äBorte „unb alle ^eiligen" ber 9luS= brud „baS heilige ©Bangelium" gebraucht würbe. — 201 Äönig ^erbirmnb ^atte einmal nnberc ißläne mit feinem ©oljne Sari geljabt. (Sr nntertjnnbcltc mit bem englifdjen «fpofe inegen einer Öeirnt Sarl§ mit ber Sönigin (Slifabetl) bon @nglanb, bie jeboct) bem angticanifi|en OtlaubenSbefenntniffe angeljörte. 511S im Safjte 1560 9Jiaria ©tuart bon ©djottlanb, roeldje mit bem Sönige ^ran^ II. bon ^rnnfreid) bertjeiratet roar, äBitroe tonrbe, trug iljr 3Bruber, ber (Snrbinal Sari bon Sottjringen, bem Saifer bie ipanb ber bermitroetcn Sönigin für feinen ©oljn Sari an. fferbinanb ftimmte p; bie (Simoifligung ber ©tanbe ©d)ott= lanbs glaubte man getoinnen §u tonnen, bon ffranfreid) fürdjtete man feinen äBiberfbrud), unb ber ifiapft roar bet ©adje gemogen. Saifer fferbinanb lief; fid) Ijerbei, über ben Ertrag ber Sänber, bie er feinem ©oljne Sari beftimmt Ijatte, (jinauS beffen fünftiger ©cmaljlin nocf) ja^rlidj 100.000 ©ulben gu^ufidjern. SDie Sönigin DJIaria ©tuart fällte bann roicber ižlnf^didje auf (Snglanb ergeben unb biefeS Sanb ber Sönigin (Slifabetlj ftreitig madjen. ©o fcfjien eine 33erbinbung ber fat^olifdjen sJJtad)te gegen baS anglicanifdje (Snglanb in üluSfidjt 511 fteljen. 51ber eS ift nidjt ba^u gefommen, biclmeljr rourbe ber 5ßlan einer Beirat jroifdjen Sari unb ©lifabetlj nodj einmal aufgenommen unb nad) bem SEobe fferbi= nnnbS audj bon beffen ©oljn, bem Saifer 2Ra$imilian II., roeiter berfolgt. ®er Saifer tjofftc, roenn fein SBruber Sari Sönig von (Snglanb mürbe, beffen öfterreiäjifdjc Sänber 311 erroerben. 51udj ein (Sarbinal forberte Sari auf, biefe 51ngelegentjeit mit @nt= fdjiebenfjeit §11 betreiben; (Slifabetfj fei jung unb fdjön, unb roenn ifjr als ©lan^unft iljrer Zugenben ber fatffolifdje ©laube fefjle, fo fei eben ber ©r^ljcqog berufen, biefen DJtnngel 511 befeitigen unb bie Sönigin in bie 5Irme ber fattjolifdjen Sirdjc ^uriid^ufiiljren. 516er bie 51ngelegenfjeit fam bodj roieber ins ©toden. 3m 3'aljre 1570 beroarb fidj (Sr^ergog Sari um bie fpanb 9JIariaS, ber Zodjter beS Iper^ogS 511brecl)t von Saiern. 3U berfelben 3e't eröffnete bie Sönigin Von (Snglanb nodj einmal in ÜBien iljren SBunfd), in llnterljanblungen roegen einer Beirat mit bem ©rgtjer^og cin^utretcn. 51ber man lieg fic^ nidjt meljr barauf ein. Sie Trauung Ä'arlS mit 9Jtaria fanb am 1. ©e^tembcr 1571 in 2Bien ftatt; Bon bort begab fict) ba§ neuBermät)ite ißaar nad) ©teiermarf. Über biefe .^ocfjjeit ()aben mir Bon bem bamatigen SKegiftrator ber Sanbfd)aft SBenjel ©ponrib eine „roa^r^afte $efd)reibnng, tna§ Bon ber fürftiidjen ®urd)laud)t ©r^eqogen ÄartS jn Öfterreid) I)od)5eittid)en öeimfürung in ber ipauptftabt ©raj in ©te^er Bom 17. Ütngnft bis auf ben 8. ©eptember beS SatjreS 1571 fid) ereignet". 3)iefeS 2Bert erfdjien 1572 bei 3nd)nriaS SBartfc^. $on SSrud an ber sJJtur an fu|r baS er^er^aglidje @t)ebaar mit feinem ©efotge jn ©djiffe bis jur üöeinjettelbrüde. Soppet» trafen unb Äanonen, bie man auf bem ©djloffe ©ofting aufgefteöt batte, bonnerten ben 3lnfommenben entgegen. 5tn ber Sriide ftanb ber SanbeSbBubtmann fpanS Bon ©djitrffenberg mit Prälaten unb ©belteuten, benen ficb aucb abetige Samen ju sJßferbe angefd)loffen batten, jum ©mbfange be§ jperrfd)ertmareš bereit. Ser 3ug bemegte fid) Bon I)ier langfam gegen bie ©tabt; ber ©rjberjog ritt, bie ©rjberjogin faf; in einem mit ©otbftoff überzogenen SBagen, ber Bon fed)5 ©djimmeln gezogen mürbe. Siefem SBagcn folgten Biele anbere foroie and) eine fdjroarzfammtene Sänfte, bie Bon z'uei sJJŽaultl)ieren getragen marb. Seim eifernen Sljore, auf einer meiten SBiefe, ftanb bie Sürgerfdjaft in SBaffen; bür begrüßte ber Sürger= meifter 9Jticbael Straßburger an ber ©biße be§ 9Jtagiftrat§ baS .Öerrfdjerpaar. Ser 3ll9 bemegte fid) bann burd) bie reicbgefibnüidte Jperrengaffe nnb über ben ^aubtblaß in bie ©borgaffe. 91m @in= gange ber ©adftraße mar ein fünftlicber Srunnen „mit bem SacdfuS unb feiner ganzen ©efellfcbaft" aufgeridjtet; ber Stunnen fbrubelte Sßaffer berbor, ba§ ficb a6er in bem 91ugenblide, in bem fid) baS Jperrfd)erbaar nabte, in roeißen unb rotifen 2Bein Berroanbelte, „barumb bann bie Seut fid) faft zerriffen unb ein groß ©etimmel gemad)t". ©nbtid) gelangte ber 3i*g Zur Somtirdje; burd) fieben Sriumbbbforten, bie mit äBabben, ©brüten unb Serfen nerfeben roaren, mar er burcbgegangen. (Sieben Singe bauerten bie $eftlid)feiten. ®ie Stäube gaben jum ^)od)5eit§gefil)enfe 25.000 ©ulben unb eine „©rebenj", bie au§ filbernen Slafetauffä^en, Sdjüffeln, Sleöern, fatalen u. bgt. beftanb unb einen 2Bert tion 15000 ©ulben tjatte. SDie @t)e Äarl§ mit ber baierifdjen ißrinjeffin mürbe eine roa()re ÜJtuftere^e. ©r^eqog Stari fe|te für feine Sauber mehrere ©entralbefiörben ein. jur Seite ftanb ber geheime 9ta11) mit bem jpof = fanaler; bie §oftammer bertoaltete fämmtlidie lanbeSfürftlic^e ©intünfte. $ap tarn feit 1578 ber .fp o f f r i e g § r a 11). Staunt roaren bie |)od)äeit§feftIid)Ieiten ju @nbe, als ber ©rj= ^erjog bie Saft ber 9tegierung ju füllen begann. OI)ne Steifet märe er gern ben proteftantifdjen Stäuben mit Strenge entgegen^ getreten, ba fie fiti) immer mefir als öerren beS SanbeS betrad)teten unb iffrem ©Inuben eine immer größere Verbreitung ju Derfd)affen fudjten. Sa er aber jur Vertfieibigung ber füböftlidjcn SanbeS= grenje gegen bie Sürten fortmä^renb große ©elbfummen nötßig I)atte, meldje ißm bie Stänbe bemiKigen mufsten, fo faß er fid) genötßigt, gegen bie ßroteftantifdjen ülbeligen milbe ju oerfoßren. SieS ftärfte baS ©efüßl iß rer iötacßt unb Vebeutung, unb baburcß tarn eS ßu einem Stamßfe jroifdjen ber lanbeSfürftlicßen ©eroalt unb ben Stänben, ber ebenforooßt religiöfer roie ßolitifcßer Dtatur mar. Ser ftamßf gieng fort, aucß roenn bie Sanbtage nicßt Oer= fammelt roaren. Seit ber 3eit 9JtariiniIianS I. mürbe als bleibenber ©efcßäftsfüßrer beS SanbeS ein 91uSfcßufS ber „Verorbneten" ge= roäßlt, ber etma bie Stellung ßatte, roeldße ßeute ben SanbeSauS= fißüffen julommt. Sie Verorbneten mufsten bie SanbtagSbefdjlüffe auSfüßren unb baS SBirtfdjaftsroefen beS SanbeS oermalten. 3m Kampfe mit ber Ütegierung jeigten fie fid) ebenfo mutßig als auS= bauernb. ^erbinanb I. ßatte in ©roatien, baS bie Vormauer StrainS unb ber Steiermart mar, eine Ülu^aßt üon Orten befeftigt unb mit Vefaßungen Derfeßen unb bie Stänbe ber inneröfterreitßiftßen Sänber, befonberš ber ©ietermar!, Ratten baju ©elbbeitrüge geliefert unb felbft Stubben gefteüt. 3n biefen ©ren^Iänbern ffatte fjerbinonb and) UStoten b. f. ©laben, bie bor ben Stiften ou§ ber $altan= balbinfel über .bie ©abe geflogen waren, angefiebelt unb iljnen bie ©renjbertlieibigung jur ißflict)t gemalt, ©a waren borjug§= weife jwei ©renjgebiete entftanben : bie c r a a t i f d) e unb bie winbifdje ©renje. Sie winbifdje (Sßaragbiner) ©renje reifte bon ber ©abe bi§ jur Srau, unb an fie fdjlofš fid) bie 9Jtur= ober 3bint)infel, baS Sreied jwifd)en Stau unb 3Jtur mit bem wo^lbefeftigten Kfafatljurn. ütörblid) bon ber 9Jiur begann bie ungarifdje ©rcnje. Stud) auf fteirifd)em ©ebiete felbft waren USfotemmfieblungen entftanben, fo am öftlidjen Stb^ange be§ $ad)er, auf bem Sßettauer gelbe unb ju SBernfee an ber 9)tur. Stud) fiarl II. muf Ste biefen ©renjgebieten feine ©orge ju= menben unb ju iljrem ©d)u^e jä^rlid) mefir als 250.000 ©ulben aufwenben. Stuf ben Sanbtagen, bie Stari berfammelte, fjanbelte eS fid) faft immer nur um ©elbforberungen jum ©djutse ber ©renje, bie aber ftetS mit ben religiöfen Angelegenheiten in $erbinbung ge= bradjt würben, fo bafS eigentlich biefe ben ^auptgegenftanb ber CanbtagSberlfanbtungen auSmadjten. Sie ißroteftanten fpra^en bie Hoffnung au§, ber @rjf)erjog werbe fie bei ihrer ©onfeffion ungeftört laffen, ba ba§ ©ewiffen unb ber rechte ©laube feiner Kreatur, fonbern allein beut allmächtigen ©ott unterworfen fei; er werbe lutlferifche ©eiftlidje and) in ben ©täbten unb auf bem Sanbe julaffen. 2hnmer wieber tierlangten bie ©tänbe eine gefet)= liehe Anerfennung ihrer Aeligion. 3m Sahre 1572 gab ber Krjherjog auf bem Sanbtage ju ©raj eine Krflärung ab, welihe bie 'fßroteftanten nur einigermaßen befriebigte.1 Kr tierfidjerte, bafS er „bie Dom |)erren= unb 9titter= ftanb fammt ihren Söeib, Äinb, ©efinb unb ungehörigen 5Religion§= 1 3- Sofertt), $ie fteirifcfjc tRcligionSpacification 1572 — 1578. ©raj 1896. tiertocmbten, niemnnb auSgefc^Ioffen, in 9teügionSfnd)en m ib er ü)r (Seroiffen nit befummern, ßefdjroeren ober tiergeroaltigen, voraus aber i^re ißräbicanten unangefodt)ten unb imverjagt, alfo and) i^re Rirdfen unb ©djulen uneingefteöt taffen" ivolle. @r fteöte nur bie Sebingung, baf§ aud) bie sperren unb bie 9titter i^n unb feine 9teli= gionSgenoffen in ber 9teligion, in ©iitern unb 9ted)ten „ungefä)ioäd)t, unbetrübt, unangefochten unb unabpracticiert bleiben laffen". $er (Sr^eqog hatte alfo ben ©tauben 9teligion§freif)eit ge= toat)rt. 91ber biefc roaren mit biefer 9t eli gi o n S ß a c t f ic a t i o n nicht ganj §ufrieben; fie roünfdjten, bafg ber Sr^heiiog bie $er= fidjerung nid)t für fid) allein, fonbern and) für feine (šrben unb 9tad)tommen gebe, unb feljten felbft eine fdjriftlichc itierfidjerung mit biefem 3ufat}e auf. 91 ber ber ©r^her^og ftrid), untoiHig über biefe @igenmäd)tigfeit, ben 3ufnh »Stben unb 9tad)fommen" au§. ®en ^Bürgern in ben lanbeSfürftliäjen ©täbten unb iütärtten machte ber (šr^her^og lein foId)eS 3uSeftdnbnt§, fonbern er behielt fiih bie Verfügung über bie Dteligion feiner Sürger vor. 5)er 91bel roar §roar für bie ^Bürger eingetreten, iveil biefe aud) einen Sheil ber Sanbfdjaft au§mad)ten unb von biefer nid)t abgefonbert tverben tonnten, unb bie ^Bürger hQtkn ertlärt, bafS fie fid) in 9teligionSfad)en vom 91bel nidjt trennen mürben. 9lber Sari II. berroeigerte e§ ftanbhaft, ben ^Bürgern, „feinen Sammerleuten", §u geroähren, roa§ er bem 9(bel pgefagt hntte. ®al)er hvnbelte e§ fid) auf ben folgenben ßanbtagen barum, auch bem Sürgerftanbe DteligionSfreiheit 511 erringen. 2)a e§ in ©teiermart teine guten 9ßrebiger gab, fo berief Sari einige ötitglieber be§ 3iefuitenorben§ nach ©ra§. ®iefer Orben, and) ©efellfdjaft 3efu genannt, roar um 1540 cntftanben unb hatte fid) in turjer 3eit groge SSerbienfte um bie fatt)olifche Sirdje erroorben. 33efonberS zeichneten fid) feine DJtitglieber als gute ifirebiger au§. Sari hatte fchon längere 3ett mit bem 9tector be§ SefuitencollegiumS in ätiien unterhanbelt, unb im October 1572 trafen einige S'efuiten Von 2Bien in ©rag ein. @r hatte neben ber tmmaligen ©tabtpfarrtir(|e ©t. s)tgibi ein geräumiges ^)au§ für bn§ Kollegium unb bie 51t errict)tenbe ©djule 511 bauen begonnen, roo^u and) bie Prälaten beS tianbeS Seiträge lieferten. ®ie ^efniten erhielten bie ©tabtbfarrfirdje ©t. sÜgibi mit bem stßfarrt)aufe ;um @igentt)um; bafür rourbe bie Satfjarinenfirdje, roeld)e an ber ©teile beS je|igen DJtaufoleumS ftanb, ^ur ©tabtt)farrfird)e erflart. Kine silnberung trat im 3ol)re 1586 ein. Sari II. übertrug bamals bie ©tabtfjfarre in bie $)ominicanerfird)e „^um ^eiligen $lut" unb beftimmte baš ®ominicanerflofter ^um ©tabtbfarrl)ofe. Sem Kon= oente ber Sominicaner mürbe bafür bie 3ßfarrtird)e gum I)eil. 'JlnbreaS in ber fDžurOorftabt fammt bem 3ßfarrl)of eingeräumt, roo fie in ben 3a^ren 1624—1627 eine neue ftird)e unb ein neues Slo ft er erbauten. ©t^on im Sa^re 1573 eröffneten bie ^efuiten unter bem Stertor £) e i n r i d) $ 1 g f f e m eine Se^ranftalt, bie einen ftarfen 3ulauf fanb unb auS ber ba§ je|ige erfte ©taatSggmnafinm l)er= oorgegangen ift. 3m 3nt)re 1574 errid)tete ber Kr^et^og in ber gärbergaffe ein Ko nutet für arme talenttiotle Sinber, baS tion feinem ©o^n gerbinanb erroeitert rourbe unb baffet gerbi= n a n b e u m genannt toarb. Sari II. grünbete nod) ein ^roeiteS Konoict, baS für ©tubierenbe ber Geologie unb ©öl)ne ber Slbe= ligen beftimmt roar. 3uQle'df fal) er barauf, bafS bie Sßräbicanten aus feinen ©täbten unb SJtärtten entfernt rourben. ©0 gab er im 3af)re 1576 feinem Hauptmann unb SSicebom in Killi, §anš bon ■pelfenberg, ben Stuftrag, bie Sßräbicanten aus Killi auSjuroeifeu. Sind) ber Slrdjibiacon unb Sßfarrer ;u Süffer, ißolgboruS tion DJt 0 n= t a g n a n a, befahl ben Killiern im Dtamen beS Kr^ljer^ogS unb beS ijßatriarc^en tion Stquileja, bie Sßräbicanten 511 entfernen. SllS ber Kr^er^og im 3nhre 1576 burd) bie ©tabt Seoben reiste, lieg er bie gefammte Slürgerfdjaft tior fid) tommen unb befahl ihnen, bafS „3ht meine ttiefeld) mehrerS tior Slugen ha6t unb euren fectifd)en tiermeinten Sßräbicanten alsbalb roegthuet unb fein feines gleichen roeber inner nod) anher ber ©tabt roeiter aufnehmet, euch auch in 9tetigion=@ai$)en an unfer Sanbfcfjaft nit Ränget", (šine (šnt= gegnung ber ^Bürger prte er nicfjt an. rourbe perauf gtoar ein fat()DÜ|d)er Pfarrer eingefetjt, aber bie Stirger forberten biefen auf, „fie unbetrübt 51t taffen", unb nahmen an ber ^roprteictjnainS^ broceffion nidjt tpit. Unter foldjen Umftünben ptte bie Zptigfeit be§ tatfiolifdjen 3ßfarrer§ feinen Erfolg, unb er roottte jtoeimat feine ©teile aufgeben, roa§ jebod) roeber ber Sirdjenbatran, ber s2tbt bon 2tbmont, nad) ber (šrpjer^og ptiepn. (šrft im ^ape 1599 gaben bie Seobner ipen SBiberftanb gegen bie Perfügungen be§ SanbeSfürften auf. 3n aptlicpr Sieife gieng e§ in ben meiften ©tabten unb DJUirften §u. 3n ben fiebriger 3apen moren bie brateftantifcpn ©tänbe mit ber JperfteKnng einer ppren ©djttle befcpftigt. 3'in 3ape 1541 ptte man erfannt, baf§ „bie alten sperren unb ßanbleut, fo in einer epfamen Sanbfdjaft ©atpn erfapen geroeSt", in großer 3aP bom Zobe bapngeraftt roorben, ope baf§ man bafür geforgt ptte, bie „jungen bom 9fbl roiberumb in tpftanpng ber Zugenb, ©itten unb fonberlid) toa§ ^u ber ©eel ©eligfeit bient, 511 lernen unb ftubieren ^u taffen". 5)ie ©opre auf auSroärtige tpodifcpilen 511 ftpcfen, pafste and) nidjt jebein, fdjon ber großen Soften roegen; e§ erfdjien bapr ^medmäßiger, „bie Sinber ber ÜJtitglieber unb Pefreunbten ber Sperren unb Sanbleute (Sanbftänbe) biel lieber mit geringen Unfoften atlpe ^u unter= roeifen unb 511 lernen, at§ bafs fie e§ mit tierbobtmttem großen (Seit in frembbe Sanbe fdjicfen unb bennod), mann fie gteid) eine guete 3eit auSgeroefen, roenig ober gar niipS erlernt pben." @S pnbelte fid) alfo ben ©tünben um eine Sirdje unb eine ppre ©d)ttle. SDie ©tänbe prtten feit 1494 in ber ^errengaffe ein §au§, „San^lei" genannt, ju bem and) eine Sapelle mit einem geftif= teten (SotteSbienfte geprte. 91u§ biefem §aufe unb ba^u getauften anberen ©ebäuben entftanb ba§ SanbpuS, in bem attd) eine Safielle erricl)tet rourbe. pr biefer Safielle ripteten bie ©tänbe h en eöangelifdjen @otte§bienft ein, fo bafS [te bie erfte eOangeltfdje Äird)e tourbe; and) eine ©d)uie rourbe im Sanbijaufe unterhalten. ®a aber bie Sitiume für eine größere $erfammlung flein maren, fo erfüllten bie lanbfdjaftlidjen $erorbneten ben ©tabtftfarrer 2lnbrea§ ©igler, ihren Sanbfd)nft§laf)lan in ber ©tabtgfarrfirche brebigen p laffen. ®ie§ rourbe nidjt geftattct; baher roanbten fie fith an ©eifrieb bon (Sggenberg, ben (šnfel be§ ttialthafar (šggenberg, mit ber $itte um Uberlaffung be§ (šggenberger ©tifteS. ©eifrieb lieh ntd)t allein bie ©tiftgtirihe, fonbern aud) ba§ an= ftoßenbe ©todroert unb bie §um ©ottešbienft notlfigen Sleiber unb ©erathe bereitroillig her. 3n biefer ©tift§fird)e hielt ber lanbfdjaftlidje 'tßrebiger ©d)elhin für ben 9lbel ben ©ottešbienft, and) prebigte er für eine größere 3at)l bon 3ui)örern unter bem großen ßinbenbaume, ber bor ber Sirdje gegen ba§ DJturthor unb bie DJturgaffe hin ftanb. ®a aber bie ©tanbe eine Äirdje al§ ©igenthum haben rooHten, fo ertauften fie im Sahre 1568 troß ber ©infßradje ber ütegierung ba§ gan^e (šggenberger ©tift, alfo foroohl bie Tabelle roie and) ba§ ©ßital um 4500 ißfunb Pfenninge unb hunbert Sucaten in ©olb.1 ©ie bergrößerten bie Sird)e unb tauften im Salfre 1589 bon bem Bürger unb Crgelmadjer ©affiar ©türm p UInt eine Orgel um 800 ©ulben, an roeldjer ber fDleifter mit brei ©elfilfen anberthalb 3'ahbe gearbeitet halte, ©ie ließen burd) ben Saumeifter §ran§ DJlarmoro (DJtarbl) ein roeitläufigeS ©dfulgebäube mit SBohnungen für bie Sehrer unb ©d)laf= unb ©beife^immern für bie abelige Sugenb, bie hier unterrichtet roerben füllte, aufführen. 3ur @tn= ridjtung ber ©chule berief man ben berühmten 5ßrofeffor Saüib ©hßträuS au§ Stoftod, ber 1573 nad) ©ra^ tarn unb eine ©djulorbnung berfafSte. 3um erften Stector rourbe tp i e r o n ß m u S OfiuS au§ ßeib^ig berufen, ber bie ©chule am 1. Suni 1574 eröffnete. 1 Sßeinlid). „®ie egfcnnßerger ©tifft 3u ©raj", 1875. ©. 43, ff.— IßeinUtb, 8ur ®e)düc|te be§ ®bmna^tim§ 3U @ra3. 1866. 9teicf)lict) gef^enbete Segate ermöglic£)ten ben unentgeltlidjen Unterhalt bon ©tibenbtaten, beren auf 32 feftgefe^t mar unb a uš benen man ben 9tai$)ttmd)§ für ben tanbfdiaftlidjen erfiä)erung ihrer fffefigion ober beren gefegfiche üfnerfennung, unb oor allem bie s21uSbehnung ber 2lffecuration auf ben Sürgerftanb. Sür ben 1. Sünner 1578 berief ber Gfrjherjog bie bebolU mäd)tigten s2lnSfd)üffe feiner Sänber Steiermarf, Starnten, Ärain unb ber ©raffdjaft ©örj naä) 33 r u d a. b. DJhir. Sie faßten über bie DJiittel ber SanbeSbertheibigung berathen, aber ber ($rj= herjog fal) OorauS, bafS bie proteftantifdjen Staube oor allem roieber bie Ulffecuration berlangen mürben. Vielleicht mar eS bamalS, bafS 21 angefehene Vürger berfdjiebenet Stabte unb IDfürfte jn= fammentraten unb eine S3ittfd)rift an bie sperren unb Dfitter auf= fe|ten, in ber fie biefe baten, baljin ju roirfen, bafS fie in 3feligionS= fachen nidjt bon ihnen getrennt mürben. Sie erjafjten barin, bafS fd)on ihre Voreltern in ben Sahren 1541, 1542 unb 1556 biefe Vitte an Äönig gerbtnanb gerichtet hülfen, unb jroar burd) Simon 'Arbeiter, Sürgermeifter bon ©raj, 6l)l'iftobh ®aud)er, 9?M)tcr ju Srucf, ^oloman ipoljmann, 31id)tet ju Hinrburg, 9)iid)el @inpac^er, „aucf) ©ttrgermeifter ju ©rnj", unb 11 Iti d) Surj, 9tid)ter ju 9tabfer§burg. gerbinanb fjnbc bic Siirget tiom 5tbel nid)t abge= fonbcrt unb i^neu „fein §arl gcfriimmt". ®ie ©taube baten, bet (Srjtjerjog wolle bie „9tffecuration geben, bafS menigtid) in Sanben, fiocf) unb nieber ©tanb§, alfo and) in ©t übten, 9J? ä r f t e n unb auf bem ©äu, bie fid) ju biefer d)tiftlid)en Gonfeffion unbejroungen befennen, unbetriibt unb unangefochten gelaffen, niemanbem miber fein ©eroiffen nid)t§ $efd)märlid)§ auferlegt, fonbern weil ein jebet feines 2t)unS unb SaffenS oor bem ftrengcn @erid)t ©ottcS für feine ißerfon unb tein anbeter an feiner ftatt 9ted)enfd)aft wirb geben tnüffen, bafS ein 21)eil fowot)! als bcr anbere bei feiner DJteinung bleibe, if3re= biger unb ©djulen uneingefteHt bleiben, bic Pfarrer bie armen Seut mit ben Segräbniffen nit ffierren unb alles in Stulje tier= bleibe bis ju einer allgemeinen cf)riftlid)en SSergleid)ung in beutfdjem öanb". 2)er Sanbmarfebaü -fpanS griebnd) §ofmann hielt bei Über= rcictjung biefer ©djrift „eine ausführliche, fehr bewegliche" IKebe. 9tad) langen SSerhanblungen, welche ben SanbeSfürften belehr= ten, bafS bie ©tänbe nicht nachgeben unb nichts bewilligen würben, wenn fie nicht bie üteligionSaffecuration erhielten, gab ber @rj= herjog am 9. februar münblid) bie (Srflürung ab, bafS er an ber StetigionSpacification bom Sahrc 1572 fefthalten wolle unter ber SSebingung, bafS bie ebangelifchen ißrebiger baS ©chmatjen unb Säftern einftellen. Sann fügte er ffinju: „both behalte id) mir beüor bie Sispofition bcjüglid) ber üteligion in meinen ©täbten, SOtürften unb cigentprnublichen ©ütern, bod) nit ber ÜDteinung, bafS ich bie ipräbicanten unb ©djulen ju ©ra|, Saibach, filagenfurt unb Subenburg will oertreiben. 9tuti) will id) bie Sßürger nit befchweren in ihren ©ewiffen, wie ich ihnen bisher oon wegen ber 9teIigion nit ein §arl gefrümmt, baS will id) hwrfüro aud) nit tl)un; aber bafS fie ihres ©efallenS in bie ©täbt unb DJtürft Sßräbicanten aufnehmen follen, baS fann ich aud) nit leiben. 91ber id) totrt [te in iljren ©eroiffen unbefummert loffen. SDatauf tönneu fie [id) roo^t tierla[[en". Siefe ©rtlarunij gab ber SanbeSfürft, roie gefugt, nmnblic§. 5Die btoteftantifdjen ©tdnbe fdjrieben fie auf unb festen inSgefammt it)te 9tamen barunter. Der itierfm^, ben (Srjfierjog ju bemegen, bafš er feine (šrtlarung and) für feine 9iad)foinmen tierbinbti^ mad)e, würbe bieSmat nid)t unternommen. [für bie ifkoteftanten mar e§ auct) oon žtiortlfeit, baf§ fic^ bie Vertreter ber tiier Sanbe in mandjen fünften einigten, in benen $erfd)ieben^eiten beftanben Ratten. Bie Ijatten beft^toffen, baf§ „man fid) einbettig oergleidjen folle, bamit in biefen Sanbett unter unb bei benen, roetdie ber 5tug§burgifd)en ßonfeffion juge= tt)an, ein @inträd)tigfeit nit allein in ben ^aufjtfDuntten djriftlic^er Sel)r, fonbern auct) in ben Geremoniis unb anberen ©otteS= unb Sirc^enbienften fid) erhalte". Die ißroteftanten aller tiier ßänber wollten an ber Slugsburger ßonfeffion feft§alten unb feine ber tiielen Beeten, bie int Saufe ber 3eit entftanben waren, anerfennen, bie gotte§bienftlid)en ^anblungen in gleid)er Slrt tiornel)tnen unb fird)lid)e Oberbe^örbett (fDtinifterien) beftellen. 3n allen firdjlidjen [fragen bilbeten fomit biefe Sauber ein ein£)eitlid)e3 ©anjeS. @nb= lief) würbe befdjloffen, in ©raj eine Sudibruderei ju grünbett. Das ift bie berühmte ffteligionSfjacification tiom Saljre 1578. 2Ba§ Ijatten bie 'fkoteftanten erreicht? Der Slbel befielt bie freie DteligionSübung auf feinen Bd)löffern unb ©ütern wie bisher; ber ©rjfierjog bagegen befielt fic^ bie DiSpofition über bie DMigion feiner S9ürger tior, weldje alfo nicf)t bered)tigt waren, ißräbicanten ju beftellen. Bie tonnten ber t>roteftantifd)en äteligion angefiören, aber biefe [Religion auSjuüben tonnte ber (Srj^erjog tierbieten. (Sr tierftmtef) nur, bie ißräbicanten in ©raj unb 3uben= bürg ju beiaffen, weil in biefen lanbeSfürftlidfen Stabten tiiele Slbelige wohnten. @S wären bemnac^ bie 3ufaäen beS @rjt)erjogS tiom Safire 1578 oon benen, bie er im 2>af)re 1572 gemad)t ^atte, ničf)t fe^r titrfd)ieben getoefen. ($§ fctjeint aber, al§ wenn man im Saljre 1578 bte SJleinung gehabt l)ätte, bafš aucč) ben Bürgern freie üteIigion§= Übung geftattet worben fei. SDenn ba§ ftrebte ber Ibel jahrelang an; e§ bebanften fit!) „neben ben gefforfamften Sanbleuten bie Don ©labten nnb 9JZ a r11 e n gar bemütljig biefer ©naben unb Düterlid)en (Srläuterung, bafS fie unb ifire 9JZittierwanbten nit weniger als anbere in ifjrem ©ewiffen befriebet unb oerfidjert feien". Sie ^roteftanten gaben iljrer greube über bie 3ufid)erung be§ ©r^berjogs raufdjenben 9lu§brud unb nannten bie 'flacification if)r „böcbftes ißrioilegium unb ebelftes Sleinob". Sie Bürger waren alfo ber DJZeinung, bafS fie nid)t allein bie broteftantifdjen Ä'irdicrt in ©raj unb ^ubenburg, fonbern and) bie übrigen Äirdjen beS eoangelifiitien ittbelS ftrafloS befudjen bürften, unb and) bie Prälaten glaubten, bafS bieS bewilligt worben fei. Ser Auslegung beS ©a|eS: „3cb will fie in ihrem ©ewiffen unbefümmert taffen" burd) bie Bürger würbe int 3al)re 1578 nicht wiberfbrodjen. 91ber gewifS ift, bafS er, befonberS int ^ufammenbange mit ben üorber= gebenben ©ä|en, anberS auSgelegt werben tonnte. Sßon großer 2Bid)tigteit tonnte ber Itmftanb werben, bafS bte 3ugeftünbniffe Dom 3abre 1578 nicht bloß für ©teiermarf, fonbern and) für Zürnten, Ärain unb ©örj galten. SieS üor allem rief am biibftlidjen fpofe ungewöbnlidje iöeftürpng bet'Dor. Ser iflabft ©regor XIII. mufSte fürchten, bafš SutiferS Sehren, wenn fie in ben öfterreiibifdjen 911f)en= unb Sarftlanbern fefte äßuryln gefafst haben würben, auch nach Italien Vorbringen tonnten. @r befdjlofS baher, ben ©r^berjog junt Söiberrufe feiner 3ngeftänbniffe ju bewegen. 3. Anfänge ber Gegenreformation. Ser ^abft machte bent ©rjberjoge ernfte SBorwürfe barüber, bafS er bent 91bel unb ben ©täbten freie DteligionSübung nad) bent 9tugSburger Sefenntniffe jugefagt bnbe, unb fd)idte einen 9?untiu3, Selicimt 9?ingunrb(t, nad) ©raj, bei üjn jum Sßiberruf bei 3U9C= ftänbniffe beroegen follte. $er 9lmttiu§ fam feiner ^flid)t in frnft= öolier $ßcife nad); er fagte, ber @r§l)er§og fei int SBanne, bent alle tierfielen, roeldje ben JR'e^ern ifjre Unterftü^ung geroä()rten. 9luf ben ©r^erjog roirtten and) feine ©enmfjlin 9JZaria, bie Sifd)öfe tion ®ednu unb ©urt foroic ber §of!anjIer ür. SSoIfgang Sdjranj ein; er erflärte fid) jum 3ßiberrufe geneigt, bod) roolltc tx tiortjer and) bie SEeinung feineg 39ruber§ gerbinanb tion 5EiroZ unb bie feineg ©djtrmgerg, beg ^erjogg Don Saiern, einljolen. ®er ^erjog tion Saiern mar ber SJteinung, bafg ber ©rjfierjog bie bent 91bel geroä()rten Sugeftänbniffe je|t nid)t ^uriicfnetjmen fönne, oljne grofje ©efa^ren f)eraufjtif>efd)ttibren, bafg er aber alle übrigen 2onbeg= berool)iter tion ber proteftantifdjen Sei)re fernljalten muffe. (Sr legte fogar ben ©nttonrf eincg ®ecreteg Dor, bag an bie ©tobte unb ÜJtärfte gefd)idt merben follte. ^erbinanb tion SEirol mar nngefäljr ber gleichen iDteinnng. ©ein Sruber müffe feinem $erfpred)en treu bleiben, aber teilten fdjonen, ber bie an bie ßugeftünbniffe getnüf)f= ten Sebingungen nict)t (falte; bie ißrübicanten müffen aus ben ©täbten unb IDtärftcn, bie fid) ber ©rjlferjog tiorbefjalten, entfernt merben; überhaupt bürfe biefer über bie gemährten gugeftänbniffe nid)t l)inauggel)en. ©er ©rj^erjog, ber fid) in feinem ©emiffen fefir beunruhigt fühlte, roünfchte nod) eine miinblid)e $efpred)ung mit fatholifdjen dürften, ©aher fanben im October 1579 ju Ötündjen Serathungen ftatt, an betten gerbinanb unb ber ^erjog tion Saiern theilnahmen. §ier mürbe auggefprodjen, bafg bie 3iigeftünbniffe tion 1572 unb 1578 miberrufen merben feilten, ba ber ©rjherjog gar nicht bag Sltcd)t gehabt, fie ju maä)en. ©in öffentlidjer Sßiberruf fei aber roegett ber ©ürfengefahr nicht möglich, baher müffe langfainer tior= gegangen unb gegen bie ^roteftanten folche Sättel angeroenbet merben, tueld)c geeignet feien, ihre Stacht nach unb nad) ju unter» graben. Sor allem müffen bie ©eiftlidjfeit, bie ©täbte unb Stärfte foroic bie tpfanbinhaber tion ben .^errett unb (Rittern tiollftänbig getrennt werben, um biefe ju fctjroncfien unb allgemein tier^afšt ju macf)en. ®ie Übung ber Dteligion fei nur bem 'llbel unb beffen Angehörigen jugeftanben worben, unb bie ifMbicanten beS Abel§ btirften be§halb ihre Sßirffamleit nid)t auf bie ^Bürger au§bef)nen. $om pofe feien alle Sflroteftanten, au§ ben ©täbten unb DJiärften fämmtlicfic ifiräbicanten ju entfernen; ben Bürgern nttiffe ftreng oerboten werben, fwoteftantifdje Kirchen unb ©i^ulen p benü|en; gegen ijßräbicanten, welche auf ber Sanjel „ffalieren", fei einju= fd)reiten, bie- „Ufurpation pfarrlidjer 9ter()te", ber Sau neuer protcftantifiher Kirchen fei hintan^uhalten. 3roÜlben bem Kaifer, 2irol, Saiern unb ^nncröfterreid) foll ein fefteS SünbniS gefcl)loffen werben, ber ifßadft werbe feine DJtithüfe nicht oerfagen. ©egen bie '.Rebellen fei unnachfichtig borjugehen; feiner werbe belehnt, bie Sehen confiSciert. Sie lanbeäfürftlicf)en ©infünfte füllen burch @r= höhung ber ©aljpreife bermehrt, bie Seibwadje berftärft, bie Se= feftigung beS ©chlofSbergcS ju ©raj in gutem ©taub erhalten, 'JJiunition angehäuft werben. Karl II. gewann au§ ben 'Minchener Serathungen Stärfe unb Kraft; muh ben in Öfünchen aufgefteHten ©runbfähen ber= fuchte er nunmehr ju hnnbeln, er blieb ihnen treu, auch Wenn ber ©tfolg feines SorgehenS für ihn nicht immer tröftlich war. Senn aud) bie 'fkotcftanteu hanbelten jielbewufst. ©ie geftalteten infolge feiner 3ufa9cn ihre Kirchenberorbnung immer fefter; nact) unb nad) würben neue Kirchen, Settfäufer, griebhöfe unb ©dfulen theilS auf Koften ber Sanbfchaft, theilS burd) einzelne ©belleute errichtet ober geplant, unb jwar nicht in ben ©täbten, wo 1)1 aber bei ihnen, fo bei tRottenmann auf bem ©runbe beS ipofmann bon ©rünbüchel, bei Siarburg 511 SMnbcnau, bei Gilli 511 ©d)arfenan unb bei Seibnip ju ©rottenhof. „Kein ©tabt unb 9Jlnrft", heißt es in einem Seridjtc, „ift nit halb in ©tepr gewefen, neben welchem bie lutherifchen Sanblferren nit hetten ißräbicanten, entroeber bei ben neuerbauten Kirchen, ober in ihren ©chlöffern gehalten, burd) welchen unchriftlichen ©ifer fie berhofft, ben fntholifd)cn ©tauben ju üertilgen". Unb biefe Sircfjen waren aucf) fef)r gut befuctit. @in broteftantifdjer $erid)t melbet, baf§ jum ©ottežbienfte in ber ©rajer ©tiftšfirdie oft 7000 9JZenfd)en jufammenfamen, bon benen bie metften bot bem 5B^ore fielen mufSten: Bürger, ^)of= lente unb Sanbbewofmer. 5lud) bie f)toteftantifd)e Äirdje ju 3uben= bürg fei gut 6efud)t, roäfirenb bie fatfiolifdje leer bleibe, unb bie $ird)e im ©nnStlfale werbe and) bon bielen Seuten auS bem ©alj--. burgifdjen anfgefnctjt. 5Die ©rrungenfdjaften fpornten bie ©bangelifdjen ju neuem @ifer an. 3e^t würbe in ben lanbe§fürftlid)en ©tübten feiten mefjr ein Sat^olif in ben ÜZatI) gewählt; bie ^)anbmerf§jünfte in ©raj gelobten, feinen fatljolifdjen ©efetlen langer als bierjefm Sage ju bemalten, unb ber ©tabtratl) berfügte, baf§ fein Sürger einem 3efuitenfd)iUer Verberge geben bürfe. Sie yfagregeln, bie ber (šrjt)erjag feit 1580 ben 9)fünd;ener 9(bmaä)ungen geinüg traf, Ratten nid)t immer ©rfolg unb mad)ten il)n mitunter wieber jagfiaft; eS Hingt faft wie eine '«Rechtfertigung feines ißorgel)enS, wenn er einmal geftanb, er l)abe burd) feine 'JZadjgiebigfeit ben 3ßapft, ben Satfer unb bie faffjolifdjen dürften beleibigt; er höbe beSf)aIb „burd) fdjarfe tßrebia unb Srohungen, auch eigene 'JZuntioS unb in anber 2Beg allerlei bon biefem unb jenem Ort anhören müffen", ja er fei in ben Verbucht gefommen, als fei er feibft bon ber fatljolifchen Širclje abgefallen. 'DZit ©chmerj fah er, wie gering fein 9lnfef)en bei bem broteftantifdjen ülbel war, wie wenig feine befehle beachtet würben. @r fagte eS ben ©tänben einmal ins ©efid)t, bafS eS fid) ihnen nicht um bie ^Religion hanble, fonbern barum, bafS „fie baS Sanb nach ihren Effecten regieren, gubernieten unb feibft SanbeSfürften fein" wollen. @ie berffiotten feine 'änorbnungen, rief er in feiner bitteren ©timmung aus, als ob er „ein gemalter ober futpierner Sanbtsfürft märe". Siefe Erfahrungen machte ber Erjljerjog im Saufe ber nädjften 3>ahre. ©ie beftärften ihn in feinem Entfd)uffe, an ben 9Riindjner Sefchlüffen fefijuljalten, mit beren Ausführung er int Saljre 1580 begonnen Ijatte. slll§ nämlict) in btefem 3a^re bet ŠRector DJinrbad) ©raj tierließ, beriefen bie Serorbneten an feine ©teile ben Dtagifter ©affmr S r a | e r; ber ©r^er^og oerbot jebod) feine 2tnftettung, toeit er ein aus bem ^efuitencoüegimn in Söien ausgetretener ©diolaftifer mar, unb erjttang and) feine ©ntfernung. dagegen ^atte ber ©r^erjog mit einer jmeiten 9Jtaf;reget fein ©lüd. @r erließ am 10. december 1580 ben 23efe^l, bafS in allen ©tobten, 9JZärften, Dörfern nur bie fat^olifdje Dieligion auSgeübt, unb nur ben sperren unb Sanbleuten, bie in ©raj moljnen, einen ober jmei ißräbicanten ju galten geftattet fein foHe. ®en ißrebigten biefer sfßrübicanten in ber ©tiftSfir^e füllen nur bie sperren unb Sanbleuie beimolpnen bürfen. ©egen biefeS SDecret legte bie ßanb= fc^aft $erroal)rung ein. ®er Sanbmarfdjall PpanS ffricbrid) Von |)ofmann fagte in feiner ütnfpradje an ben ©rj^erjog: „®te Krone nuferer grei^eiten unb unfer Ifödffter ©d)a^ ift unfere i}teli= gion, fie befennen unb auSüben ju bürfen. 2Ba§ füllen uns bie anberen greifieiten, roenn einer unS biefe nimmt?" S)ie ©taube erflärten, bafS fie fid) gegen jeben Eingriff auf ifyre Kirdje unb ©djule mehren roerben. @3 blieb bem ©rjfjerjog nichts übrig, als nai^5U= geben: am 1. februar 1581 jog er baS SDecret jurüd unb crflürte, bafS in 9teligionSfad)en alles im alten ©taube verbleiben falle. ütnbere SDtafsregeln fjatten bagegen ©rfotg. 21uS feinem 9tatl)e unb feinem -£)offtaate entlief? ber ©rj^erjog alle ©Vangelifdpen. 911s ber iflrebiger Ur. S^riftof)^ Sr ei einmal bie Katljolifen DJZaullfelben, ÖZamelufen, ©acramentSljalbierer unb 9tbgbtterer nannte, bie 95eref|rung ber ^eiligen Verfbvttete unb behauptete, bie „Sßapiften" giengen mit bem ißlane um, unter ben ©Vangelifdpen ein allgemeines Slutbab anjuri^ten, forberte ber ©rjfierjog fo ent= fcfjieben feine 9tuSroeifung, bafS ihn bie SSerorbneten aus ©raj entfernen unb als ifkebiger nach-Subenburg Verfemen mufsten. ©d)on int 3ahre 1580 hotte bie Ulegierung ben ©rajer 93ür= gern befohlen, ihre ©ohne nicht in bie ©tiftsfdjule, fonbern in bie ©djule im SefmtcncoKeg 511 fččjicfen, unb fognr ftaiiftifc^e @t^c= Bungen nngeorbnet, um erfahren, roie uide S9ürger§fö^ne on fremben Črten unb in broteftnntifctjen Sctjulen ftubierten. 9(m 9. 1582 erfct)ien ein SDecret, ba§ bem §erren= unb gtitterftonbe bie 9teIigion§iibung in ber ©tift§tirc()e ^u ©ro^, in ber IJtartinSfirije p Subenburg foroie in itjren ©ctjlbffern, Raufern unb Širjen beließ, bagegen betonte, baf§ in allen lanbe§= fürftlid)en ©tobten, DJtärtten unb Dörfern nur bie fattjolif^e 'Jteligion auSgeübt roerbcn bürfe. Unb ein peite§ @bict bom 23. 'Äßril gebot ben Bürgern bon ®ra§, „bc§ ©tifteS ber Sanb= teilt unb itjreg 9tdigion§crercitium§ müßig 511 ge^en". Übrigena fofie niemanb in feinem ©eroiffen befdjroert roerbcn. Ca tjieburd) ben ßroteftantifdjen Sürgern bie 9(u§iibung ißrer Religion unmög= tid) gemacht loar, berfudften e§ bie $ürgcr, mit einem Sittgefudjc ben ©r^ljer^og umpftimmen. @§ erfd)ienen ber Sürgermeifter bon ©rag, 5Dticf)el ©tra§= bürg er, ber Stabtridjter 9Jtehl)ior §olpr unb ber ©tabt= fdjreiber 91iartin iflangrießer bor bem ©r^fierpg unb baten fußföltig um 3urüctna^me be§ 9Serbote§ beS 33efuct)e§ ber @tift§= tird)e. 9Jtan roeiß nict)t, roie e§ bei biefer 9lubien5 pgieng, aber ba§ (Ergebnis roar, baf§ biefe brei ißürger fäjließlict) bem &xi= t)er§oge „mit 9Jiunb unb §anb" pfagten, „djeberülfrter Herren unb Sanbleut ©tifft alliier fid) 511 enthalten". 9(1§ fie nad) ber 91ubien§ fanben, baf§ fie hierin „pbiel gef)anbelt ^aben", roiber= riefen fie iljre ßufbge, roaS neue SBerbote be§ Sanbe§f)errn l)erbor= rief. 55m §erbft rourben bann Straßburger, Solper unb ißangrießer auf bem ©ctjlofSberge gefangen gefeßt unb mit einer ©elbftrafe belegt, ja ber SanbeSfürft bebroßte fie mit ber 9lu§toeifung, roenn fie nid)t fatßolifd) mürben. 3n bemfelben Satire legten bie ifkoteftanten ber brei Sänber ©teiermarf, Särntcn unb Strain auf bem 9teid)§tag 511 9tug§burg i()rc Sefdjroerben unb itßtinfeße ben 9teid)§fürften bor. Einige 9teid)§fürften, fo beifßielgroeife ber ißfalpraf Subroig in .'peibelberg wanbten fiel) infolge beffen bittlid) an ben (št^ljer^og, oljne aber etroaS ;u erreidjen. Sebe ^Berufung auf ben 9tug3burger Dteligiong-frteben rourbe bamit abgeroiefen, bafs eben nacij biefent ^rieben „jeber 9ieid)§fürft in feinem ^ürftentljum, Sanb unb öerrfc^aften entroeber bie alte fatljolifdje ober bie neue ^Religion, fo man bie EugSburgifdje ©onfeffion nennt, anguorbnen bie böllige ©eroalt unb 9Jtad)t Ijat. ©o ^abe aud) fein §ürft ein Dtedjt, fid) in bie religiöfen 9tngelegenf)eiten eines anberen SanbeS ober dürften gu mengen ober frembe Unterfljanen in feinen ©d)it| unb ©diirm gu nehmen, fonbern jebem Untertfianen, ber niä)t ber ^Religion feines iperrn unb SanbeSfürften gugetljan fein roifl, fann au§ bem Sanbe gu giefjen geboten roerben". Sn biefer 3e't ungefähr naljm ber (itgfjergog and) ba§ s,Red)t in s21nfbrud), bie Sanbmannfdjaft gu berieten, um DJtannern, auf bie er fid) berlaffen fonnte, bie Sltjeilnaljme an ben Seratljungen ber Sanbtage gu ermöglidien. ©o tfjeilte er im Safjre 1585 ber ßanbfdjaft einfad) mit, bafS er feinen ipaufdiuann gu gürftenfelb, 6aff)ar ÄebinSft), unb ben gu Söanitfdj, §an§ ipanoroitfd), gu „einem Sanbtmann unb ÜRitglieb be§ geliebten SSaterlanbS an= unb aufgenomben f>abe". geft unb entfdjieben geigte er fid) aud), als es fid) um bie (Sinfüljtung beS neuen SalenberS Ijanbelte.1 Sn ber gefammten d)riftlid)en SBelt galt bis gegen baS @nbe beS fedjgeljnten Saf)rl)unbertS ber römifdje, bon SuliuS Gitfar georbnete Salenber. 3)aS ©onnenjaljr rourbe auf 365 Zage unb fed)S ©tunben feftgefteltt, unb barnadj ridjtete fii^ aud) baS bürger= lidje Sal)t. Zie fedjš ©tunben ergaben im bierten Satyr einen Zag, ber als ber 366. Zag eingefdjattet rourbe. Za aber baS ©onnenjatyr in SBirftutyfeit nictyt gang 365 Zage unb fed)S ©tunben, fonbern um eilf fDtinuten unb gtoölf ©ecunben toeniger götylt, roeldje nictyt in üfeitynung gegogen rourben, fo ent= ftanb im Saufe ber Satyrtyunberte bod) roieber $erroirrung im 1 3at)n, $er fialentietftreit in Steiermart. DJiittlj. 13. Salenber, roeldje ©re gor XIII. ju befeitigen 6cfcf)Iofg. 3n ber sMtte oom 24. februar 1582 würbe befoljlen, nact) bem 4. October glctcf) ben 15. folgen ju laffen. ®ic Sat^oliten nahmen ben tierbefferten ßnlenber an, bic Ißroteftanten aber weigerten fid) eS ju tfjun, ba er oom 3ßabft auSgieng. ®ie fteirifct)e SRegternng erlief am 25. ©ef)tembet 1583 ba§ patent, na cf) welchem ber neue Halenber am 5. October beginnen follte. über bie ßanbcSämter fümmerten fid) um biefen SSefe^I nid)t, ja ba§ eben jufammentretenbe „Sanb= unb ^)ofred)t", weld)e§ eine ünjal)! ©tiinbe^erren in ©raj oerfammelte, erflärtc bie $alenber= frage für eine überaus midjtige ©ad)e, weldje Dom ßanbtage be= l)anbelt werben müfSte. Oer ©rjfjer^og ließ fid) nid)t abfdjreden. ©ine§ OageS fanben bie ©rajer an Oerfd)iebenen Orten ein patent angefdjlagen, weld)eS ben ©ebrand) be§ neuen ÄalenberS Don 1. dünner 1584 an energifd) forberte. Sißer nad) altem ©tile feiere ober arbeite, Oerfalle ber ©träfe, jebc Urtunbe, nad) altem ©til batiert, werbe Don ben ©eridjtcn jurüd= gewiefen werben. Oie SSerorbneten wanbten fid) bamalS an ba§ Äirct)enminifterium um if)r ©utaditen, „wie weit man foKidjen ^alenbcr oljne $erle|ung be§ ©ewiffenS nndjfummen muge". OiefeS ©utaditen, welches aber eines ber 'Dtitglieber beS IDtinifteriumS, OaDib Oanner, nic^t gut^iefe, macf)t einen traurigen ©inbrud. Oer neue Äalenber fei Dom 3ßaf)fte auSgegangen, weldjcr ber üntidjrift fei, Don bem OanielS SBort fage, bafS er 3eit unb ©efe| berfe^ren werbe. Oer üntidjrift fei aber ber f^einb ber d)riftlid)en Sirdje, ba^er bürfe man nidjtS Don ibm anneljmen. Oer ^ßaßft grünbe feine §errfd)aft auf Sann, üblafS unb Slut; bie beiben erfteren nerfangen nicf)t me^r, ba^er Derfudje er eS mit legerem, benn er babe ben Salenber nur in bie SBelt gefi^leubert, um ein Slutbab anjurid)ten. Jßenn alfo aud) ßaifer unb ©r^etiog mit bem neuen Ä'alenber einberftanben feien, fo bürfe man if)n bod) nid)t annefimen, benn it)m ber politifdjen Obrigteit bolber folgen, mürbe beißen, auS bem gleidjen ©runbe „bie ganj babftifcb ©onfufio" anneljmen. y'iur batin fönne man nacfigeben, baf§ man bie ©Triften naä) bem alten unb bem neuen Änlcnber jugleict) batierc, aber e§ bürfe niemanb Derroe^rt fein, nact) bem alten Äalenber ju arbeiten unb ju feiern. 9tud) baS (Sutac^ten beS ®tat^ematifer§ ber SanbfäjaftSfdfule, ©eorg ©tabiuS, mact)t einen unangenehmen Sinbrucf. @r muf§te roiffen unb roufSte e§ auef), baf§ bie Neuerung gut fei, aber bie§ roagtc er nid)t ^u fagen, unb fo fprad) er beim biel bon ber §inter= lift, roeldje bamit berbunben fei, fogar babon, bafS man gleid) um jefjn läge bem Untergänge ber Ißelt näher rüde. ®ie SBerorbneten befd)loffen nun, bie ©adje bor ben ßonbtag ju bringen, aber eben bie§ roar bem @rjherjog unangenehm, unb er ertlärte in einem SDecrete, er ermatte, baf§ auf bem näd)ften ßanbtage niemanb in Sffiort unb ©djrift gegen bie neue Datierung tjanbeln roerbe, bei ©träfe bon 1000 Sucotcn. 31m 18. Secember (neuen ©til§) 1583 trat ber Sanbtag jufammen. 3Die Sanbherren fügten fid); fie fbradjen bie§ in ber 31breffe au3, roelche fie bem Srjhcrjog berfönlich übergaben. §arte Sßorte fielen nur roiber ben ItuntiuS unb beffen 3tnhang unb roegen ber ©trafanbrohung; bie s3tebe fei auf ben Sanbtagen immer [frei gemefen unb roerbe fid) auch in gutunft jeber ju moberieten roiffen. ®er ßanbeSfürft entgegnete in ernften 3Borten; roeil er aber bie ©trafanbrohung nicht jurüdnahm, berlangten bie ©tänbe bie§ in ihrer Entgegnung, worauf e§ gefd)at). 3toch nm 4. Jänner 1584 erflarten fie, fie hätten ben SMenber au§ ©ehorfam, unb nicht ber ©trafanbrohung roegen angenommen, worauf ber Erjherjog ben „^alenberftritt" für abgethan ertlärte. ©o würbe in ©teiermart ber neue ftalenber etwa Oon 2Beih= nachten 1483 an üblich- sJtur ber fmupthaftor 3eremia§ $ om= berget, ein leibenfdjaftlidjer, rüdfidjtslofer 9Jtann, roiberftrebte ber Dteuerung, er roollte ba§ Sanb oerlaffen, al§ ein Gutachten ber theologifdjen ffacultät in Tübingen eintraf (sDtärj 1584), mclä)e§ bte 3lnna^me be§ ÄalenberS, toie e§ auct) in Stiirnten unb Ärain gefd)e^en, empfahl. ©etabe in biefen Sorten waren bie Ausfälle ber ißräbicanten überaus ^eftig, ja jie befdjimpften jid) fogar gegenfeitig, jo bafS felbft ein Serorbneter einmal jagen fonnte: „®ie Sßrebiger wollen gar feine Obrigfeit Ijaben.- 9iid)t bie 3ßapi|"tifd)en werben unj'ere Äirdje ftoren, fonbern bie ijkebiger j'elbj't." Unb ber Innbfdjaftlidje Oberfecretär DJi a 111 ä u § 31 nt man jagte: ®a§ „33enel)men ber ißrebiger fiat uns meljr 31n!)änger üerlieren gemadjt, als bie 3Inftrengungen ber Sßapiften". SejonberS erregte ber 3ßoftor Jeremias Hornberger ifjren Itnmutl). SErotj beS SßerboteS ber 33er= orbncten fuljr er fort, tior ber ijlrebigt bie 9tamen ber ißerjonen §u üerlefen, welche tton ber eöangelij^en ftirdje abgefallen waren, ober fid) etwas Ungebürlit^eS erlaubt Ijatten. 2ßieberl)olt patte er gegen baS gropnleidjnamSfeft in roper Sßeije geprebigt, benn bie fatpolifcpe jReligion pflegte er „purlautere Abgötterei" unb „©reue! vor ©ott", bie Äatpolifen „Abgötterer", bie 33ifdjöfe „©dpelme" unb „SSöfewicpter" ju nennen, ©elbft bie 3ßetfon beS ©rjperjogS patte er in unflätiger SBeife angegriffen. Sa tierlangte bie Regierung enblicp feine AuSweifung. Sie 33erorbneten traten jmar für ipn ein, inbem fie als Urfacpe feiner berben Ausfälle feinen (šifer an gab en, aber enblid) ließen fie ipn bocß fallen. Unb fo 50g benn Hornberger im Aotiember 1585 ab unb begab fiep nadp AegenSburg. 3ur ©tärfung ber fatpolifepen Äirdje trug ganj befonberS bie Unitierfität bei, bie Äarl II. mit ber Itrfunbe tiom 1. Sännet 1585 inS Seben rief.1 $Bie an ber proteftantifepen ©tiftsfdjule, reiepte auep an bem ^efuitengpmnajtum ber Unterricpt über ben an ©pmnafien übliepen pinauS, inbem auep einige tpeologifdje unb ppilofoppifepe ffücper geleprt würben. Aber ber (šrjperjog unb bie Sefuiten wünfepteu eine wirfliepe Unitierfität, unb ber erftere bat ben Stapft, bafS er baS ©rajer 2iefuiten=6olIegium „ju einem allgemeinen ©tubium 1 S. j$rone§ 91. ti.Atardjlanb, ©cjibiibte ber Unmerfität in ©raj. 1886. unb tiöütg ju einer Uniberfitüt geftalten" möge. S)ie§ gefdjat). ®ie t)üt)ftlid)e Seftätigung ift ebenfalls bom 1. Sännet 1485 batiert. Ser ©rünber roieS ber ünftalt außer ben fdjon bcm ©oHegtum Bereinigten 2200 ©ulben nod) 2000 ju, fdjenfte ißr feinen ©arten, ber mit bem beS ©ollegiumS berbunben roar, fidjerte il)r jäfirlid) bierjig $uber ©alj auS ben ©alinen ban Sluffee unb bötlige $reil)eit ban allen Steuern ju unb erflärte, baf§ ba§ ©allegium unb alle Angehörigen bar feine reeltlidje OBrigfcit gejagen werben bürfen. Sa§ ©tiftungSfeft fanb am 14. April 1586 ftatt. Aad) ber firdjlidjen freier begab fid) ber ©rjherjng mit feiner ©emaljlin, äiaci Södjtern unb bem erftgebornen ©aljne gerbinanb in bie §alle bcg ©aHegiumg, reo ein ©nftmat)! aufgetifdjt roar, baS burd) lOtufif unb ad)tjelfn 9teben geroürjt rourbe. An ben folgenben Sagen fanben öffentliche afabemifdje SiSputationen ftatt, an benen ber ©rjherjog unb ebangelifdje ißrebiger unb Setjrer theilnahmcn. „Aach bem Schluffe ber leßten Sisputation rourbe ber Ianbfd)aftlid)e ©d)ul= infpector Dr. Abam iBenebiger mit ßehtern unb Schülern auf feinen ÜBnufd) im ganjen Kollegium umhergeführt unb ihm ein Srunf borgefetjt, roorauf er fid) mit bem SSerfpredfen berabfdjiebete, foldje SiSputationen and) weiterhin gern befuchen ju wollen." Sag erfte UniberfitätSjahr begann ben 4. Aobember 1.586; ber erfte ütector ber Uniberfitüt roar P. © e o r g Oenbrugger. Unterbeffen war bie Atatrifel fertig geworben, unb ber ©rbprinj gerbinanb fd)rieb als erfter feinen Aamen in biefeS Sud). Sie Uniberfitüt beftanb lange 3e't nur aus jwei gacultüten, ber theologifchen unb ber artiftifdjen ober philofophtfchen. 3m Saßre 1587 berbot ber ©rjherjog ben ©inwohnern ber ©tübte unb Atürfte, ihre Söhne auf auSlänbifd)e gelehrte Sdjulcn ju fchiden ober in ber ©rajer ©tiftsfdjule ftubieren ju laffen. 3n berfeiben 3e'f befahl er abermals ben lanbegfürftlidjen ©tübten, il)re tprübicanten fofort ju entfernen, unb fanbte ßommiffionen in berfd)iebene Orte, wo fie bie sfßrübicanten bertreiben unb fatl)o= Hfd)e ©eiftlidje einfetjen füllten. Sie fanben nicht überall ©ehorfam, 15 9)1 a t) er, ©cfd)id)te ber ©teiermnrf. bcifjet tam eS aud) bor, baf§ einzelne ^Bürger gefangen genommen unb auf bem ©d)lofgberge p ©raj eingeferfert mürben. ®er $ifcf)of p ^rcifing tief? in feinen Orten Oberrod^ unb ©t. iß eter am StammerSberge bie ^ßräbicanten bertreiben unb fe|te fatfjolifdje ©eelforger ein, roeldje bie Seute jroangen, ben tatffolifdjen ©tauben anpne^men. Oer Pfarrer, Sagten bie Obermeiser im Satire 1590, berfetjanje fid) in feinem $farrt)ofe, er tjabe bierje^n $üd)fen, tßulber unb SStei, er brotie t^nen mit Unmettern, unb mirSid) fei ein ^agetroettcr getommen. Sn ©t. tpeter mürbe angeorbnet, baf§ jeber „oon §)au§ unb ^)of geurtaubt" roerben feilte, ber nid)t jur öftertidjen 3eit beim fattiolifcticn Pfarrer ba§ Ijcilige ©acrament neffme; ber 'Pfleger mürbe beauftragt, feinen als Untertlfanen auf= Sune()men, feinem bie ©rbgüter auSjufoIgen, „beim allein, er roolle fid) Oerloben feines ©InubenS ju fein". 3iu' IDtifäfinnblung fatt)o= lifcfier ©eiftlidjcr, 3ufnmiuenrottung unb ©törung beS ©otteS= bienfteS ift cS in biefen 3e^en nn bielen Orten getommen. 91ud) in ©ras waren öffentlidie ©treitigfeiten unb Laufereien häufiger als fonft. Oer ©rsljersog orbnete an, bafS ber ©tabtridjter immer ber fat^olifdien Leligion angeboren unb fi|toören müffe, ftetS babei su berbleiben. Oie ©rbitterung ber Parteien bermeprte fid). Huf ben Sanbfageu mürbe immer roieber fyerborgelfoben, bafS aud) ben Bürgern freie LeligionSübung geftattet toorben fei, roaS je|t ge= leugnet roerbe. 9Jtit bitteren SBorten mürbe bie Auslegung ber 3ufagen, bie „©(offen unb ©ofi£)iftereien" getabelt, unb einmal tonnte man bie Sßorte pöten: „Oie ©emiffen finb niept fiammer= güter ©einer Ourcplaucpt." Sn ben ©aftpäufern gieng e§ aöabenblid) toll unb lärmenb SU/ Satpolifen mürben auf offener ©trape ber= pöpnt, mäprenb anbererfeitS protcftantifdje ©eiftličpe bon §)of= cabalieren befd)impft mürben unb Sefnitenfcpüler in bie Läume ber ©tiftsfd)ule einbtangen unb bie Lupe unb Orbnung ftörtem 51uS biefer 3eS (1588) ftammt bie am Sanbpaufe in ©ras angebraepte „Lumortafel", raeld)e jebermann mit „Strafe an. Seib unb Seben" bebrobit, ber ftd) unterftunbe, in „biefent 1)0$)= befreiten Sanbtfaufe ju rumoren, bie $ße^r, ®olct) ober ißrotmeffer ju jucfcn, 511 balgen unb ju fctjtagen, gteicEjfaliS mit anberen Sßetjren Ungebür ju üben ober iötaulftreid) auš^ugeben". Slad) bie Geologen überhäuften einanber bamals mit ben ärgften ©ct)imbf= roorten. 311 ben ftreitbarften fattjolifihen ©djriftftellern gehörte 3ßeter 9Jt n d) i t f d) au§ (šiiti, ber ifßrofeffor ber griechifdjen ©hrad)e an ber SSiener Uniüerfität, bann ©tabthfarrcr in ©raj getoefen roar unb cnblid) üßrohft ju ißöttau mürbe. 9II§ ber Stübinger fßrofeffor tpeerbranb eine feiner ©djriften unb baS Stßert be§ be= rühmten Sßeltarmin über baS Srienter ©oncil in roher SBeife angriff, fdjrieb 9Jiud)itfd) ein 23ud) mit bem Üitet: „Pasdagogia ober ©d)ut= führung ber roürttembergifd)en Theologen", in bem er ber „Steuer ©robheit unb UnhöflichWt nidjt gelinbe behanbelte". ^Darauf antmortcte tpolber, ©tifigprebiger in ©tuttgart, mit bem Suche: „Seridjt timt bem überfunftreidjen Sud) beS roahuroifligen ifkopft ju fetten in ©teiermart", roorin er biefen mit ben ärgften ©chimhfnamen benannte. 9Jtud)itfch tiefj hici'uuf (1589) ein neues Sßerf erfd)eineu: „Snberer Stheil Psedagogia", roorin audj fonberlid) ber roürttembergifd)en Theologen unb ingemain aller lutherifdjcn üßräbicanten abfdjeulidfc ©ottlofigfeit, 9iarrf)eit, Setrug unb ffalfch= heit entbedt werben." 9tid)t SDeutfdje allein, auch ©lotienen hatkn fid) ber Hehre SutherS jugeroaubt. $er Srainer 9ßrimu§ 5t r 11 b e r, ber im Sah re 1530 bie Safdanei ©t. DJiajimilian in (šiHi erlangt hatte unb and) Pfarrer in SLüffer geworben roar, hatte als Anhänger SutherS feine Heimat ticrlaffen muffen unb in SBürttemberg eine gufludft gcfnnben. @r roünfdjtc, bafS bie neue Sehre auä) im roinbifdjen Sötte eine weite Serbrcitung finbe unb wollte bie baju nötl)igen Sücher tierfaffen. ©in fdjroierigeS Unternehmen, beim bamalS gab es, roic Zruber felbft fagt, fein Sud) in roinbifd)er ©prache, unb man glaubte, bie roinbifdje unb bie unggrifche ©hrad)e feien fo grob unb barbarifd), bafS man fie roeber fchreiben nod) lefen fönne. 15* S£to|bem gieng er an ine Arbeit, unb fo fonnte er, unterftü|t bau bem §eräoge ßfjriftoplj bon Sßürttemberg, halb einen „®ated)i§inn§ in ber SBinbifdjen ©brad)" erfd)einen laffen. 3tngeeifert bon 33ergering, bem ehemaligen Sifdiofe bon Eabobiftria, überfeine SLruber ba§ (Sbangelium 9Jlattf)äi in ba§ ©lobenifihe. Siefe Überfe|ung erfdjien im ^a^re 1555 in 3)rud. 3mei 3a()re fpüter erf^ien bie Überfe|ung ber @bangelien unb ber 3IbofteIgefd)id)te. Ser naih bem [Iobenifd)en Sitel ]'te!)enbe beutfdje lautet: „Ser erft hn®er Sheil be§ neuen SeftamentS, barin feinb bie hier Sbangeliften unb ber Slpoftel ©efihid)t . . . in bie gemeine SHMnbifdje ©brach jehunb jum erftenmal fleißig ber= bolmetfd)t ic. Subingae. 2Inno 1557." Ser anbere hnlbe She^ beg neuen Sejtamentg erfihien im 3ahte 1560 unb mar bem König üütajimüian gemibmet, ber 1564 feinem 23ater gerbinanb auf bem Kaiferthron folgte. Säumig mar ber iftrianifdje 5)3riefter ©tebhnn 6 o n f u t mit ber ttberfe|ung ber ©bangelien aug ber roinbifchen ©bradje in bie croatifdie befdjäftigt; ba biefe @brad)e Oon ben Salmatinern, Kroaten unb ©erben gebrochen mürbe, fo hoffte man, bafg „ber ©amen beg (Sbangeliumg burch ©roatien, Salmatien, 23ognien, ©erbten unb bie Sürfei big ©onftantinopel gef)flankt roerbe". ©in ©önner biefeg Unternehmeng mar ,f)ang Ungnab Freiherr bon ©onned, ber ©teiermarf berlaffen hotte unb ebenfallg in 2öürttem= berg, ju Urad), lebte. 9llg Überfeher mürbe aud) ber ^rieftet 2lnton Salmata geroonnen. Sem neuen Unternehmen floffen bon nieten ©eiten (Mbfummen ju; eg mürben glagolitifdie unb chril= lifdje Settern gegoffen unb in Tübingen eine croatifd)=glagoütifche unb in Urad) eine ctyrillifche Sruderei eingeridjtet. ©d)on 1561 erfdjien ein KatechiSmug in croatifäjer ©pradje, bem anbere ©chriften nachfolgten. Sie ganje 23ibel mürbe ing ©lobenifdje überfefit bon ©eorg Salmatin aug ©urtfelb. Siefe ilberfe^ung follte in Saibacf) gebrudt roerben, mag jeboch bom (šr^her^og Karl berhinbert mürbe. Sag e v bef<$)loffen bie Krainer ©tänbe, ben Sni d in SBittenberg tiornef)men ju laffen. Sa§ Sßerf führte ben Sitel: „Biblia, Tu je, vse svetu Pismu, Stariga inu Noviga Testamenta, Slovenski, tolmazhena skusi Juiia Dalmatina. 33ibel, b. i. bie ganje ^eilige ©cfjrift SBinbifii), ©ebrucft in ber curfiirftlicijen ©iicf)fifcf)en ©tabt SBittenberg bntcti §ann§ SrafftS Srben. 9tnna 1584." Sn§ $ud) ift mit tiielen §oIjfd)nitten gefdjmiicft. 3u biefent itßerfe trugen and) bie fteirifdjen ©tänbe bei. ©ie bewilligten 1000 ©ulben, bie mit 33ibeln nbgejatjlt werben fällten, unb gaben n o d) ein S artet) en bon metir at§ 2000 ©ulben. Sie genaue $erred)nung biefer ©ummen ift nod) tior^anben. Sie ($in= fut)r ber 9Mid)er war mit großen ©djwicrigfeiten oerbunben. Tkan ßatte 1500 (Sjjembtare in 27 Raffern uergadt, bie auf berfd)ie= benen SBegen gliidtid) in bie Stlpentänber gebradjt würben, ob= gleid) ein erjt)erjoglid)er 33efet)I ergangen war, fie aufju^alten unb wegjuneßmen. Stm 1. Suni 1584 richteten bie Krainer 3Serorb= neten an bie fteirifdjen bie Anfrage, ob fie nid)t eine größere 5tnjaf)I Sjemblare, „at§ umb bie erften 1000 ©utben werben gebüren, in 2tbfd)Iag be§ SarletjenS annembcn wollten; benn un= jweiffentid) barfiir ju Ratten, baf§ berfelben im SSiertt Sifli in Unbterfteger umb tpettau, 9tabf(jer§tmrg unb giirftenfelbt, ja and) in 2Binbifd)tanbt mit ©eminnung bitter ©tjriftenfeeten nit wenig an= jubringen fein werben." Sie fteirifd)en ©tänbe bejogen im ©anjen 330 ©tiid, bon benen 113 an ©eorg ©eifrieb bon Sri eben egg auf ©cßmarjenftein int SSiertet ©itli gefanbt würben. Sen Uberfeßer ©eorg Satmatin, bem fie eine ©abe bon 200 ©utben bereiten, wünfcßten fie wenigftenS auf jwei Satire in if)re Sienfte ju neßmen, unb jwar jur „9tnri(ßtung ber winbifcßen Sirißengebräudje bei ber neuen Äirdje in ber ©raffcßaft ©itti", benn ba§ Sßotf ftede bort nod) in erfdjredlidjer 33tinbßeit. Satmatin würbe bann Pfarrer in ©t. Sanjian bei 9tuer§ßerg in Ärain unb ftarb im Saß re 1589. Äart II., ber nie baju gebracßt werben tonnte, mit botter ©ernalt gegen bie ißroteftanten aufjutreten, faß ein, baf§ e§ ißm mit ben frizer angeroenbeten 9)iitteln nicf)t möglid) fein werbe, bte ebnngeüfdje Setjre mieber au§ feinen Sänbern 51t Derbrängen, unb be§()nl6 rietf) er in feinem SEeftamente feinen @r6en unb 9Jnd)fominen, nur bie MIfolifäje 9ieIigion ju bulben, bn fie an bie Don ifym „ben 8anb= leuten gegebene ©onceffton in 9teIigion§fad)en" in feiner äßeife gebunben feien. @r glaubte aber, baf§ fein ältefter ©of)tt ^er= binanb ber großen Aufgabe, ben ißroteftanti§mu§ ju unterbrücfen, nur bann gewacfjfen fein werbe, wenn er bei 3eiten Oor jeber SBerüljrung mit bem fteirififjen Slbel unb ben (Stauer ^Bürgern ferngebalten würbe; er f(f)i(fte ilfn bat)er im Jänner 1590 nad) 3ngolftabt in tßaiern, wo eine Don ben Sefuiten geleitete Uniber= fität beftanb unb wo er pnädfft an bem mit ber ItniDerfität Der= bunbenen ©ßmnafium ftubieren feilte, ütls ^raceßtor würbe ifim ber ©eiftlidie Sodann SBagenring unb als ^ofmeifter ber $reifferr 93 a 111) a f a r Don © cti r a 11 e n b a d) beigegeben. (Sinige 2Bod)en nat^ ber 91breife beS Vrinjen begab fid) 6rj= fierjog Sari mit feiner Familie in ba§ 93ab 9JtannerSborf bei ßajenburg in Utieberöfterreid), wo er feine gefäßüädjte ©efunbfjeit wiebertferjufteflen ^offte. 93alb bnrauf entftanb in ©raj ein SEmnult; ein lutljerifdjer gafsbinber fanbte — bem erjfierjoglidjen 93efe£)le jum Zrotj — feinen ©o^n in bie ©tiftSfäjule unb weigerte fid), if)n Don biefer 9Inftalt wegjunefimen. 3)er ©tabtridjter ©ßicgel Der^aftete ben 93inber unb Derurtfieilte if)n ju einer ©elbftrafe. 2)er 93inber felbft befiauptete, er fei wie eine 93talefijperfon in Setten geworfen worben. ®a er troßbem nidjt geljordjte, würbe er beS SanbeS üerwiefen. 91m 4. Suni rüdte ber ©tnbtridjter mit bewaffneter ÜRncfjt Dor baS -ÖauS be§ 93inberS, nmfSte fid) aber Dar ber Dtenge ßeute, bie fid) jufammenfanben, jurüdjießen. 911s er am folgenben $age ben ©ol)n be§ 93inberS Derljaftete, fammelte fid) mieber eine große ötenfcßemnenge auf bem gmuptplaße Dor bem 9tatßßaufe. $ie ßeute jogen burd) bie Straßen ber ©tabt, wo= bei eS an Störungen gegen bie Satßoliten nidjt fetjlte. @S beftanb bie 91bfid)t, baS Sefuitencollegium 51t überfallen; man ßörte, eS werbe „eine tmbere ißariftanifii)e blutige §od)^eit" erfolgen. @rft in ber 9tad)t mnctjte cin fcljroereš (Beroiiter ber 91nfmmulung ein (šnbe. Sie ©adje tont ^roar tion feiner großen Sebeutung, aber ber (Sqfieqog feierte bod), nacfjbem if)m barüber berichtet worben war, nad) ©raj ^uriid. 9fuf bem 9tüdwege befud)te er bcn 2Ba(l= fabrtSort 9Jtaria=3eH; tion 29ru(f an, wo er in fefjr gefdjwadjtem 3uftanbe anfam, gieng bte ilteife auf ber DJtur tior fid). Sie 91n= funft in ©rag erfolgte am 7. 3>uli, nnb fd)on brei Sage fpüter tierfdjieb er. 4. «Borge für bic Bid)crl)cit bcd SottbeS. Sunftbeftrebiutgcu. Ä a r 1 II. war feine gange 9tegierung§geit I)inburd) eifrig für bie ©idjertjeit feiner Sauber beforgt. Ser Staifer ütubolf II. Ijatte il)m mit 3uftinmnmg be§ ungarifd)en unb be§ croatifi|en SanbtageS im Satire 1578 ba§ fogenannte ewige ©eneralat über bie winbifdjc unb croatifdie ©renge, b. 1). iljrc SSeri^eibigung übertragen; bie Soften be§ @d|u|e§ ber winbifdjen (SBaraSbiner) ©renge fielen ©teiermarf, bie ber croatifdien Särnten unb Srain gu. ©teiermarf lieferte bie winbifdfe ©renge mit 650 ifteitern unb 2100 guß= fnedjteu. Sari II. ließ an ber Sulßa, einem 9tebenfluffe ber ©atie, mit ben fDlitteln, bie ißm bie ©tünbe feiner Sauber bewilligten, eine ftarfe ffeftung erbauen, bie nad) il)tn S a r 1 ft a b t genannt Würbe. Sen Soben erfaufte er tiom ©rafen tion 3rint) unb im Suli 1578 begannen italicnifd)e Saumeifter ben Sau ber ffefte, bereu erfter Sefeßlstjaber Soßann ffernberger würbe. Sud) feßte er in ©rag einen fpoffriegšratt) ein, beffen erfter Sflräfibent S t a n g tion i)5 o b b e n b o r f mar. Sn bie Seubefeftigung be§ ©čjlofebergeš tion ©rag bereits unter tferbiuanb I. burdjgeführt mar, fo fonnte er fid) auf bie ^erftellung tion SZBofjngebauben für bie Stannfdjaften befcßrünfen. Sod) ließ er 1578 baS alte, auf bem ißlateau fteßenbe ©d)lof§ abtragen unb 1588 neben ber alten ©t. St)omaSfird)e ben ©lodentßurm IjerfteKen, beffen untere unb untertrbifcfje Xtjeite ©efängniffe für bolitiftfje 2Serbred)er enthielten. „®er cnhtectige, mit einer 23er= jüngung auffteigenbe, 34 Öteter ffolje 5E()imn ift tiom imijeftntifdfer Sßirfung. @r 6eft|t oier ©tocfroerfe; bie unteren brei hoben, bein Ghnrnfter ber (Sefnngniffe entfbred)enb, Heine, Oierecfige fyenfter, bn§ oberfte ©efcfjofS ober, in welchem bie grojfe ©lode hängt, hot fd)ön geglieberte ©chotlöffnungen, welche bie in ber Schule $e SolioS übliche gttmtheilung burd) ein unterbunbeneS Säulchen jeigen. ®ie grofie ©lode, im SßollSmunb ,bie SieSt' genannt, ift 833/4 (Zentner fdjwer unb würbe 15871 tion bem „5ßi$engieger" Start in Öilger gegoffen." $ie fdjönen SReliefbarftellungen an biefer ©lode Ijot ber SSilbhouer 3 e r e m i a § graut in ©roj für Pilger in 2öad)§ mobeKiert. 3)en „eifern Stlädjl" boju lieferte ©iegmunb Seujenborf, ^Bürger tion Seoben. 311§ bie groge ©lode aufgezogen war, tonnte fie nicht in Bewegung gefeilt werben. Sa holfen ber Stedjoniter St a j SOßen in g unb ber 3euüflhnueb ©offior Dtciffid) mit einer Vorrichtung, bafS „nit allein am Seuthen ferner gor tein Stongl, funber auch olfo zuegeridjt ift, bofS jwo ißerfonen fo!d)e ©loden ungeachtet ihrer ©rög unb @d)Wäre ein ziemblidje 2Beil onjiehen unb notturftiglid) leuten tonnen". 3tn ben geftungSwerten ber ©tobt würbe fortgearbeitet, bod) waren bie ©tönbe wegen ber 9teligion§wirren nunmehr nicht fo freigebig wie früher, ©eorbeitet würbe an ben Safteten beim eifernen Sl)01'/ om ©ritlbüchl (bei ber heutigen 9tormolfd)ulgoffe), bei ber Surg unb bem IfkuIuSthore. 3m 3ohte 1571 würbe bo§ eiferne 21)or fertiggcftetlt. Sn ober feit bem Sobe be Salioš feine (Sinheit int Saue herrfd)te, berief ber ©rgherjog ben faiferlidjen .s^ofbnumeifter garoboSco au§ $ßien, unb ber Inifer fonbte einmal auch ben florentinifdjen Soumeifter ©imon ©engo jur Seurtheilung ber Sauten. 1 äßaftler in bcu 9)tittt)eitungen ber t. !. ®entrat=®ommiffion. 91. g. 13, CCIX. 9lu§ beut erftcn Ütegieruinjsjnljrc Snrtš II. ift eine sjlnfid)t bcv Stabt ©wj tior^anben, roctdje als bie jroeitältefte ju bejeid)neit ift. 9(18 fid) ^ranceSco be OJtebici, ber Solin be§ regierenben ©rofüferjogS ©ofimo tum SoScana, mit Soljanna, einer 5Eod)ter bcS SaiferS gerbinanb L, Oerlobte, ocrfdjaffte er fid) bon fiinfjefin öftcrreidjifdjen Stabten 91nfnn^men, bie ber berühmte 9Jtalcr ©iorgio Safari mit feinem Sdiüler (Barbiere als 2Banb= gemälbe im ebenerbigen ©orribor beS (ßala^o Secdjio §u glorenj auSfiiljrte. 3)ie Olufnaljmc ber Stabt ©raj mnd)te ber (Dinier ©äfar (pam6ftI. Sie in Sogelperffiectibe bargeftefltc $tnfid)t tum ©raj gibt ein fümmerlidjeS Silb ber Stabt, ©in Senner 1 befdjreibt fie fo: „91m beften ift nod) ber Sdjlofsberg bargeftellt. Sa feljcn mir bie bamalS eben fertig gemorbenen neuen Sefefti= gungen: bie Sürgerbaftci mit bem Sljurm (l)entc Uljrtljurm), bie Stallbatterie, baneben bie ,Salj', bie ^ernbergerbaftei unb baS auf ber tjödjften |)öl)e beS SergeS befinblidje SdflofS, meines 1565 nod) aufredjt ftanb. Sntereffant, roeil auf feiner ffuiteren 91bbilbnng me()r erfid)tlid), ift ber alte SdjlofSjug, eine 9(rt Seil= bal)it gegen ben Snd ffernb, auf meld)er beim Sau bie Siaterialien aufgezogen mürben. Son ben Stabtbefeftigungen finben mir bie um 1560 fertiggeftellten Sßerle: bie Surgbnftei, bie Saftei am ©ri(lbüd)el (ffiäter Sietridjfteinbaftei genannt), unb bie Siirger» baftci am ©nbe beS Sälbernen SiertelS; zmifd)eu benfelben befielen nod) bie alten Stabtmauern, ba bie betreffenbeit ©ourtinen erft ffmter erbaut mürben. 91tt Stnbttl)oren felfen mir baS innere sDhirtl)or, baS innere Sadtljor, baS eiferne Sljor unb baS alte (innere) (ßautuStlfor." Sie Sirdjen finb nid)t ju erfennen. Sie SiebliitgSunter()altuitg beS ©rj^erjogS roaren bie DJtufil unb bie 3agb. @r l)ielt eine ifpoffapeKe, bereit SZitglieber gröjften^ t()eils Italiener roaren, unb lief) bttrd) ben italienifdien Saumeifter Sionifio Sabai baS 3agb= unb Suftfd)lofS Sarlatt erbauen. 3n ben funftgefdimiidten Utäumen biefeS SdiloffeS rociltc ber ©rjlierjog 1 äßaftler, Sie älteften 9lnfit^ten Bon ©ra). $Rittf). 40. oft mit feinen fröijlictjen Sagbgenoffen, ^ier tierbrachte bie @13= fiexjogin SOtaria mit iffren Stinbern manctjen Sommer. Unter ÜJtaria $t)erefia mürbe ba§ @ct)lof§ 311 einem 2trbeit§I)nu§ umgeronnbett, t)eute ftef)t bort ein Straf^auS. ®a§ 3agbgebiet be§ @r3^er3og§ erftreifte fict) bon Sartnu bis SalSborf unb bis 311m ©jaibljof, b. i. ^agbtjof in SEobel, ben er burcf) 5Eabei umbauen lief?. 3n ©1-03 beftanb ein er3f)er3ogiiä)er $f)iergarten; er be^nte fict) über ben nörblictjen 9tbf)ang beS ©ifjtofSbergeS, ben ©raben, bie 3öicfenburg= unb SBartingergaffe aus unb reifte bis 3ur Uiur. @r mar bon einer t)öt3ernen ißlanfe uinfdjloffen unb enthielt tiiet ©betmitb. ©in anberer Tiergarten beftanb auf bem Stofenberge, roo and) auf SBilbfdjmeine gejagt roerben tonnte.1 3ur 3eit feines SßaterS gerbinanb I. mar 311 S t p i 3 a in Ärain ein ©eftüt angelegt roorben, roofjin man fbanifdje ijßferbe gebradjt Ijatte. Unter Äarl II. blühte baS ©eftüt empor; um bie in Sip^a ge3ogenen ijßferbe in ©ras einftelten unb 3iireiten 311 tonnen, lieg ber ©Te^og ben unter ber 33urg im füböfttidjen Sßintet ber Stabtbaftion liegenben alten ipofftafl bergröpern, ein Ulebengebäube unb ein SBoljnljnuS auffüfiren; ber Sßla| baneben, 3mifd)en ber alten ©tabtmauer unb ber neuen töaftionSmauer Ijatte früher fdjon ber Saumeifter Sa In ft io ijß e r u 3 3 i geebnet, fo bafS er 3um 3ul"citen ber i^ferbe unb and) 311 Surnierübungen paffenb mar. ©0 entftanb ber SEummelpl a^.1 2 ©eine le|te Dtuljeftätte fanb ©r3^er3og Äarl II. in jenem fdjönen, reid) auSgefd)mücften 331 auf oleum, baS er für fidj unb feine Familie bon italienififjcn Äünftlern im ®ome 311 ©edau fiatte erbauen laffen. 1 SB a ft 1 e r in ben Sulturbiibern au» ©teiermart. ®raj 1890. 6. 210. 2 9. SB a ft tet, ®et Stummelplatj 311 ©rnj. Sliittt). 43. — 3t. SB a ft I et, ba§ ßunftleben am §ofe 3« @1-03. ®ta3 1897. 2 85 5. 2>ie Seit ber liorinmtbirfjnfttttfjcn Regierung. ®et teftnmentarifdjen Slnorbnung be§ Sr^erjogS Sari gemäß übernahmen bte SSornumbfdjaft über bie Sinber bie SBitme 6rj= her^ogin 901arie ber Saifcr ütubolf II., ©rjherjog gerbimmb bon Srirol unb §er§og $8ill)elm bon SBaiern, ber S9rnber ber UBitroe. S)er Saifer ernannte im Suljre 1591 feinen SBruber Sr^erjog @rnft j um Statthalter Snneröfterreich§. 9tuf bem Sanbtage, ber im februar 1591 jnfammentrat, berlangten bie broteftantifdjen SIbeligen, baf§ bie SteligionSbacification unter bie SanbeSfreiheiten aufgenommen unb befd)iuoren roerben fofie. 2)a bie§ foroie a ubere fforberungen nidjt bemilligt würben, gieng ber Sanbtag oljne Ergebnis aušeinanber; aber bie ißroteftanten ber brei Sänber ©teiermarf, Särnten unb Srnin fdjidten hierauf fedjS 91bgeorbnete an ben Satfer in iprng, bem fie ihre SBiinfdje bortrugen. Dlubolf II. berfgrnif), ben Er^ljerjog Ernft ju bewegen, bafS er eS bejüglidj ber Üteligion unb nnberer ®inge bei bem üer= bleiben laffe, roaž jwifdjen Erjljerjog Sari unb ben Stauben ber= cinbart worben war. Sluf einem jweiten Sanbtage (1592) forberten bie Stiinbe, bafS bie Stabte unb ÜRarlte biefelben IRethte geniefjen foHten wie ber 91bel. Sie erreidjten baS nidjt, als aber ber Satfer burcf) ben Erjfjerjog ertlären ließ, eS follte bis jum ÜIegierungS= antritte gerbinanbS bei bem Oerbleiben, rnnS Erjljerjog Sari be= willigt hotte, leifteten bie Stäube bie ^ntlbigung. 3m Saljre 1593 trat an bie Stelle beS ErjherjogS Ernft fein SBruber ÜJIajimilian, ^odjmeiftcr beS beütfchen OrbenS. 3n ber croatifdjen unb winbifdjen ©renje bauerte ber SriegS= juftanb fort; beim obgleich jroifihen bem Satfer unb bem Sultan Triebe gefdjloffen worben war, fo unternahmen bod) bie türtifdjen SBefeljlahober einjelncr ©ebiete unb Crte häufig SfMünberungSjüge. Erjljerjog Ernft gewann auf turje 3c't für bie ©reuje einen tüchtigen SriegSmann, 9tubredjt bon Eggenberg.1 Er flammte 1 §an§ oo n 3 to i e b i n e cf = @ ii b e n 1) o r ft, 9{u|)vccf)t Oort (Jggenberg. SRittf). 26. aus ber ütabferSburger Sinie ber @ggenberger unb toar bet britte So^n be§ Bbirifttan tion ($ggenbetg, ber bte ^errfdjaft (£I)ren= Raufen füuflid) ertcorben ^atte. 9iubred)t fjatte bie ÄriegSfunft im fbanifdjen §eere in ben 9tieberlanben erlernt unb roar üom Išrg^er^og Sari ^um erften ^aubtmann beš „§aut)tfi$)loffe§ ©raj" ernannt roorben; bm| §atte er bie (Erlaubnis erhalten, ^ugleict) aucti eine Cberftenftefle in ftmnifi|en Sienften ^u betleiben. 3m 3a^re 1593 rourbe ©ggenberg mit ber Seitung beS ÄriegSroefenS in ben ©rennen betraut. slllS nun im 3uni biefeS 3nt)Te§ ber ^afct)a oon 93oSnien bie 9eftung ©iffet belagerte, griff ©ggenberg im ißerein mit EnbreaS tion ÜluerSperg, bem ©ommanbanten tion Harlftabt, ba§ SelagerungS^eer an unb bractjte itim eine Dtieberlage bei. SDaS ftrategifctje 5£alent ©ggenbergS unb bie unge= ftüme 5Eabferteit üluerSpergS unb aller 5Eruf)ben Ratten ben frönen Sieg t)erbeigefül)rt. $lber bie folgen biefeš ©iegeS marcu ni<$)t groß; beim e§ mangelte an ßebenSmitteln unb bie einzelnen @ren;= oberften ^ogen roieber in il)re ©tanbyläße ab, fo baf§ bem 3lubred)t tion ©ggenberg nur ein Heines Häuflein übrig blieb. $en dürfen gelang eS fdjließlict) bod), ©iffef 511 erobern, unb ilfre Ütaub^üge in bie ©renjgebiete bauerten fort. äßaljrenb ber ganzen 3eit ber tiormunbfd)aftlid)en '.Regierung gab e§ überall religiöfe «Streitigfeiten. Sie broteftantifdien Stäube festen eS enblid) burd), bafS ber Sandlet Dr. RBolfgang Sd)ran§, ber iffnen tion allen 9tütf)en ber '.Regierung am meiften tietlfafst mar, entlaffen rourbe. 91ad) il)m rourbe ©eorg SSictor $ßagenring .^oftan^ler. Sie 33efet)le ber ^Regierung fanben feinen ©el)orfam. ©r^ljer^og ©ruft befatjl 1592 ben ÜRarburgerrt bei einer Strafe tion 200 Sucaten, bie ißräbicanten unb Sdjulmeifter ;u entfernen, baS „'RuSlaufen" und) SBinbenau ein^uftellen, ben Slfurm mit bem „berühmten ©elaute", ber baufällig geroorben, auSgubeffern unb bie Üßroteftanten au§ bem iRat^e §11 entfernen. @§ gefdjaf) uidjtS, obgleid) bie Strafe auf 500 Sucaten erpljt rourbe. StBenn in Orten, roeldje bns s^rtütlegium bet $81utgerid)t§= Barfett fjatten, ein ^roteftant junt 9tidjter gemäfjlt würbe, erlangte er bie tanbeSfürfttidje Seftätigmtg nid)t. ©o ergieng e§ u. a. 1596 and) ben Bürgern timt 9JtarBurg, bie Behaupteten, bafg ber tion ifjnen ©eroühlte tiom SanbeSfürften „unroaigerlid) unb ohne alles fernerS Oifficultieren mit Sann unb $(d)t" Belehnt roerben mü]je, unb be§hdl6 roteberholt bei ben Sßerorbneten um ihre Serroenbttng anfud)ten. Oiefe riett)en jur ©ebttlb, unb bie SDtarBurger befolgten biefen „tieffinnigen unb rooh^eitigen 9tath", hn^en aber bation feinen Ututsen. ©ie roufSten fich nidjt ju helfen unb ffagten, bie Verfolgung rocrbe ©diritt für ©ihritt weiter gehen, tion bem 9tid)ter auf bie 9tath§freunbe, bann auf bie gemeinen Sürger, bie man tion Ämtern unb ©hren auSfdjlieffen werbe; fie faffen OorauS, baf§ eS „wo nit gar auf Dtemung SeibS unb SebenS, bmh aufs wenigift jum @$il unb jur 'Jßrofcription fontmen wirb, berowegett an jeijo bie Odjfen an bem Serge flehen". 3m februar 1597 bat fpanS SBeibinger, ifJrcbiger im Viertel Gilli bie Verorbneten, fie möchten ihn au§ ber „gefährlichen @infd)td)t" tierfe|en, ba er feines SebenS nicht fidjer fei, benn foroold ber tßatriard) tion 9Ic|ttileja, als and) bie tpfarrer ber Umgebung unb ber 91bt tion ©ittid) tierfolgten ihn. $er letitere fei am 17. 3änner mit acht Soffen, „barunter ein fdfnefleS leeres §anbrofS mit ©attef unb aller ^ugeljor geweft", abenbS tior feiner Sehaufung erfdjienen, mit ©eroalt eingebrungen unb „wo mich fonberlidjen nid)t ber liebe ©ott tior ihnte bewahrt, weift nicht, WaS mit mir angefangen hätte". ®ie 91nhänger beiber Seligionen befdfimpften einanber tion ber Ransel herab, wie auf ben ©tragen. Oer 9ßräbicant Salthafar ffifdier nannte in einer ißrebigt bie Verehrung ber ^eiligen eine „heibnifche Abgötterei ber '-fkpiften", be^eidjnete ben ißapft „fammt feinem ©dftoarm unb alle, bie ihm anhangen", als ben „rotffen Srachen ber Apofalhbfe, ber ©hTiftum unb fein ©tiangelittm tier= fchlingen wolle", unb nannte bie fatf)oIifd)en Zeremonien „Rinber= unb Affenfpiel". @r behauptete ferner, bie Seute hätten wegen ber ^aftengebote „|)eu freffen" müffen, roüljmib fiel) ninjefeljenc unb reiche Seute üom 5ßa)>ft um ©elb @rlaubnt§briefe unb Serjetbung ber ©iinben erfaufen. 3n itljulictjer ŽBeife brebigte auct) ber ^aftor 3Bil()etm ^ititmermann. ©r^erjog getbinanb Mjrte anfangs fDiarj 1595 nad) ©raj juritd. 3Da er nad) ber Slnorbnung feines SßaterS erft nad) DDÜenbetem ad)tjel)nten $aljre bie bfegierung felbftänbig übernehmen fällte, fo übertrug fie if)m ber Saifer probiforifeh mit bent 31uf= trage, in allen roidjtigen Angelegenheiten feine ©ntfdjeibung ein= jutjolen. Als er bolljat)rig geworben war, erflärten fid) bie Staube jur §ulbtgung bereit, Oerlangten aber, ber ©rjtjerjog möge ifjnen bie $erfid)erung geben, bafS er fie in ihrer bisherigen 9teIigionS= Übung belaffen to o fie. ®er ©rjherjog antwortete, eS Imnble fid) um bie ©rbljnlbigung, weld)e ju ber 9ieligionSOerfid)erung in feiner $ejiel)ung fiel)e. hierauf erfolgte ant 12. ©ecember 1596 bie Ipulbigung. ®er SanbeSfürft Oerfbrad), bie „Sanbleute, Aitter unb Kned)te, bereu (šrben unb 9Zad)fommen bei allen Siechten, Freiheiten unb ©ewohnheiten, als fie Oon Alters hwfominen finb, unb wie ber IBortiorbern Briefe beweifen, bleiben ju laffen". ®ie ßanbfd)aft bagegen gelobte, bem ©rjherjog, ihrem „red)ten, natür= liehen ©rblanbsfürften getreu unb gehorfam ju fein, wie bas oon Alters I)er mit 9ted)t herfommen fei". 3n ben erften DJionaten beS folgenbeu 3al)reS würbe auch bie ,V)ulbigung in Kärnten unb Krain fowie in ber ©raffd)aft ©örj geleiftet. Für ©teiermarf hübet ber 12. SDecember 1596 bie ©renje jweier Zeitalter. III. Ste (Begenrefimitafimt. 3ferbtnanb II. L 5)urd)fii()nmg bcr ©cgcurcformotion in bcn ©ttibtcu mib SDtiirften. ®en fortbfluentben ©treitigfciten gebaute ber (Sr^etgog binanb, ber neue Sanbe§[)err, etn @nbe machen. ©d)on in ^ngolfiabt ^atte er fid) feinem O^eim, bem ^er5°g bon Skiern, gegenüber geäußert: „Sieber mürbe id) Sanb unb Seute fahren taffen unb im bloßen £)embe babon^ieljen, at§ §u SSeroitligungen mid) ber^ fielen, bie ber Stetigion nadjttjeilig merben fbunten." @o jung er mar, fo feft ftanb in ifjm ber @ntfd)luf§, bie ßroteftantifdje 3teli= gion in feinen Sanben auggurotten unb fo nid)t nur bie tatt)o= tifdjc Dteligion roieber ^ur attein^errfdienben §u mad)en, fonbern bamit and) bie ßotitifdje 33ebeutung ber ©tünbe ju Oerriugern unb bie IanbeSfürfttid)e 9Jtad)t p (jeben. 3U ben ötaßregetn, bie er. halb hierauf ergriff, bemog ja unb „nötigte ben ©rjljerjog bie 9Jtad)t unb ber Übermut^ ber Abtrünnigen; benn in ben Rauben ber irrgläubigen mar bie gan§e sJted)t§Oerronltung unb alte ßrieg§= madjt, fomit bie pdjften Ämter in biefen tßtobin^en, alfo baf§ altes ©emeinroefen ißrer SßiKfür an^eimgefteltt fd)ien". ©o berid)= tete fßäter ber SMfc£)of ©toböuS bem ijküfte. 3unäd)ft unternahm bcr (šr^ljer^og eine üteife nad) 3ßrag, um fid) bem ßaifer ooquftetten; bie übrige 3oü beS ia|re§ 1597 oerroenbete er auf bie @id)etung ber ©rennen gegen bie dürfen, benn ber Saifer l)atte itjn §um ©enerat bcr roinbifd)en unb croa= tifd)en ©rennen ernannt. Am ^außtfdjloffe p ©rag mürben neue SefeftigungSarbeiten tiorgenommen, unb ba§ ©t|IofS mit altem 9tötl)igen nerfe^en. ©r erroirfte hierauf, baf§ ber 9teid)§tag tion AegenSburg eine 9teicl)§l)ilfc für ben SEürtenfrieg gemährte, unb ridjtete feine $ofl)altung in fßarfamerer $ßeife ein. im ial)re 1598 unternahm ber @i^t)eqog eine Aeife nad> italien. 2Bie bamalS bei allen jungen DJiannern au§ gutem -^utufe, folttc and) beim ©r^erpg eine Üieifc bie AuSbilbung pm Abfdjluffe bringen. $n bet Begleitung be§ ©r^er^ogS, ber ben 9imnen „f)err von Sarinu" führte, befanben fič) u. a. bie grei^erren Baltl)afar unb ^riebrid) üon ©djrattenbad), Bernljarb non ^)erberftein, bie Herren ^ermann üon 9Ittcm§, §an§ Ulrid) bon @ggenberg, (S^riftobt) tßarabeifer unb ber ^oftnieifter iftubolf üon ißaar. Sie üteife luurbe am 22. 2ty>ril angetreten unb gieng über 6iIIi, Saibač^, ($ormon§ und) Benebig, roo bie ©laSfabriten (51t Bturano) befid)tigt mürben; bann gelangte ber ($t5[)eräog über tßabua nad) Ferrara, roo er mit bem ^abfte §ufammentraf. 3n bem berühmten SBnllfa^rtSorte Soretto opferte er eine filberne Sambe. Dtadjbem er sJtom befud)t Ijatte, febirte er über ^loren^, Biantua unb Dtoüereto in feine Sänber ^uriid. 21m 28. Suni traf bie Dteifegefellfdfaft roieber in ©raj ein. Sie Soften ber üteife betrugen 12.400 ©ulben. ÜJtit fdjroerem Jper^en fallen bie 3ßroteftanten ber £>eimtel)r be§ @r^er§og§ entgegen. Solfann Segler fč^rieb bamal§ einem fffreunbe: „EHe§ gittert üor ber ütüdfe^r be§ SanbeSfürften. ÜJian fbrič^t baüon, bnf§ er italienifdie ^ilfstrubben fierangielfe." Oljne lange gu gögern, fdiritt ber ©rgljergog gur Surdjfüfirung ber foge= nannten ©egenreformation, bie man aber bamalS ütefor= mation nannte. Riebet ftanben if)m groei Bifctjöfe mit ütat| unb Stjat gur Seite, bie au§ ber ffrembe flammten unb gu gleicher 3eit, nämlid) im Saljre 1585, gu tljrer fielen ÜBürbe gelangt roaren: ©eorgStobäuS üon aIntburg, Bifdjof üon Saüant, unb Btartin Brenner, Bifcfiof üon ©edau. ©tobauS, geboren gu BraunSberg in ißreufjen, roar feit 1597 ©tattljalter üon Snner= öfterreid). S^n fragte ber ©tglfergog um ÜtatI), ob unb toie er gegen bie Sßroteftanten üorge^en foße. ©tobauS meinte, ber Santftf mit ben tßroteftanten fei nid)t gu fürd)ten; man bürfe nur nid)t mit bem ülbel, ben Bürgern unb Bauern beginnen, fonbern mit ben tßrübicanten, „ben Sarmblafern", unb groar mit benen üon ©rag, roeil fid) bie anbeten nad) biefen riäjteten. Sie tflräbicanten üon ©rag mtiffe man guerft üerjagen unb fo ber §erbe bie öirten nehmen, bann mürben bie Bürger gur Befinnung lommen. 93 renn er war non ©efiurt ein ©djroabe. 6r ^atte feine 91u§bilbung an mehreren |)od)fč£)nIen genoffen unb war^ann fürfterj= bifctjöflicfjer 9tntl) unb Pfarrer non (Salzburg geworben. 21I§ 93ifc£)of Ijatte er eifrig an ber fittlidjen 93efferung feines (Sterns gearbeitet. 3m Kampfe gegen bie i|3roteftanten wirfte er jumeift burct) bie Straft feiner 9tebe, mit ber er biefe gleictifam nieberjufd)Iagen bet= fudjte; batjer wirb er ber 8 e ts erlf a mm e r genannt, ©onft be= tfieiligten fid) and) bie 91bte ©eorg ^reiSeifen non 9tein unb Sodann §ofmann non 91bmont unb ber ©rajer ©tabtpfarrer Soren; ©unabenber, ber früfier in £)artberg gewirlt Ijatte, an bem SBerfe ber 93efel)rung ber ©nangelifdjen. 91I§ ©djriftfteHer trat ber tropft 3afob 9t o f o 1 e n; non ©tain; auf. @t ner= fafste gegen bie ©dirift be§ ißrotcftanten S)anib 9tungiuS „93erid)t unb (Srwiberung non ber tt)rannifd)en 93ät)ftifd)en 93erfolgung be§ 1). ©nangelii in ©tetjermarft, ßärnbten unb Sratm" einen ,,©rünb= lidjen ©egenberidjt", in bem er au§fül)rlid) ben Verlauf ber ©egen= reformation barftellt unb ber im Satire 1607 ;u ©ra; in Srucf erfdjien. knjižnica Ruj $er ©r;t|er;og befürdftete, bafS feine 9Jtaßregeln auf 2öiber= ftanb ftoften unb ba§ 93olf fid) für feine ©eiftlid)en unb Set)rer ergeben werbe; bat)er oerftürfte er bie 93efa|ung beS ©d)lofSberge§ non @ra; unb natjm ©ölbner ßuf, bie in bie Raufer unruhiger 93ürger unb Herren gelegt werben tonnten. 91ber and) bie ©taube rüfteten fid); fie Ratten bie 23aftei ober bem ©ifenttwr inne, wo fie aßulber unb anbere ötunition nerwalfrten, unb hielten im Sanb= IjauS eine fleine ©treitmad)t, eine „©uarbi". 93ergeben§ tierlangte ber @r;^er;og im October 1598, bafS bie SBerorbneten bie „fonberbare ©uarbi ftraggS abfd)affe" unb bie 33aftei räume; in biefer wolle er feine eigene „©tabtguarbi" unter= bringen, bamit bie 93ürger nid)t ;u fetjr burd) „©inlofierung" befd)Wert würben. Sie Sßerorbneten erflarten, bie Sanbfdjaft werbe je|t „unbillig moleftiert unb fpötttid) tradiert" unb müffe ba§ Sanbl)auS unb bie barin befinblidjen 9tmter gegen ben iflöbel mit IG 9K a i) e r, ©efd)id)te ber ©teiermorf. ifjren eigenen Seiden fd)ütien, auf bie erj^erjogdc^e ©tabtguarbi tönne fie fidfnicfd tierlaffen. 3n biefer 3e't waren bie entfdjeibenben Sßerorbnungen fd)on erlaffen. ®er erfolgreichen $urd)ftthrung ber (Segenreformation hatte ■StobäuS mährenb ber italienifčjen Dteife be§ (Sr^hcrjogS in beffen Stuftrage baburct) borgearbeitet, baf§ er bie f)roteftantifä)en ©tabt= räthe in ©ra^ jur Stbbantung bewog unb burd) fathotifd)e erfe^te. Sann trat ber Sdabtpfarrer bon ©raj auf ben ^amf)ff)Ia|. @r ftettte am 13. Stuguft 1598 an bie Sßräbicanten bie Stnfrage, mit welchem 9ted)te fie in feinem üßfarrfprengel taufen, @hen einfegnen unb SSerftorbene beerbigen tonnten. Stl§ fie fid) barauf beriefen, baf§ fie bon ben ftänbifdjen SSerorbneten in ihr Stmt eingefe^t worben feien, erhob er gegen fie Stage beim Sanbredfte, würbe aber bamit abgewiefen. 9tun griff ber ©rjtferjog ein. Stm 13. September befahl er ben ebangetifdfen ©tünben, ihre ißräbicanten unb ihr ganzes Sird)en= unb ©d)iitmefen in ©raj unb Subenburg fowie in alten tanbeSfürfttidfen Stabten unb SJtärtten binnen bier§et)n Sagen abjufchaffen. Sßeber biefem nod) einem ^weiten SSefet)! würbe ©ehorfam geleiftet. Sa folgte am 28. September bie SBeifung, baf§ bie ißrübicanten „fid) nod) bei fdjeinenber Sonne auS ber Stabt ©raj" entfernen unb innerhalb ad)t Sagen ba§ Sanb räumen fotlten. Sie Srieg§mad)t, bi^ Shore unb Straffen befetd hielt, bewirfte, baf§ biefer brüte SBefeht ©ehorfam fanb; beim and) bie tßerorbneten tonnten jept bie ißräbicanten nicht mehr jurüdhatten. Dteunjehn proteftantifche ©eiftlidie unb Set)rer Oertieffen ©raj, hielten fid) in ben nädjften Sagen auf ben Sd)löffern eüangetifd)er @bel= leide auf unb begaben fid) bann nad) Ungarn, wo fie bei bem befreunbeten Stbet Unterfunft fanben. Stoch immer waren fie ber Sltcinung, baf§ baS ©ewitter rafch borüber jiehen werbe. StlS fid) aber biefe Hoffnung nid)t erfüllte, würbe ba§ Sirdjenminifterium für Steiermart $u 9ßetani|a, einem Sd)loffc auf ungarifdjem Soben (in ber Stahe bon 9tabter§burg) eingerichtet. '®nS mar baS @nbe ber ©tiftgfcfjule. Cbgleicf) bie Sinri^tung gut unb reici)tii$) 9J?ittet norfianben ronren, ift fie bo d) nie ^ur $liite gefommen. (šine Urfačie babon mar ber oftmalige $Bed)fel ber gtcetoren, beren bie Inftnlt bon 1574—1598 fünf Ijatte: jpicroiujmuš Ofiu8, ^ilibb 9Jtar6ad), £)ieront)muš ißerifteriuS, Slofiann ißaf)iuS unb ^oljarni ütegiuS. (šine anbere Urfadje mar bie Ütibalität ber Uniberfitüt. 2)iefe ,t)od)fd)iile, fo flagte ber iRector ißapiuS einmal, „ift mir unb anberen nid)t menig jeber 3e't fü1" geftoßen roorben", unb eS mürbe beraubtet, baf§ „mir gegen ifinen (ben gefuiten) fo gar nidjts feien. 9tun tjat tein Dtector fold)e $erad)tung ber ©d) ul e fo lang al§ id) nunmehr in ba§ neunte ^a^r mögen au§ftel)en, fonbern Ijaben i^rer @elegenl)eit beffer al§ id) matirgenommen unb bei Seiten fid) babon gemadjt". Oft rourbe gelingt, bnf§ bie Sugenb in ber ©tift§fd)ule menig lerne, roeil bie Sefirer nadjläffig feien; ftatt 511 lehren, fteHen fie 23u6en ba§u auf, um ^ed)en, raufen unb argerlid) leben p fbnnen. 5)ie ©d)teter ftammten nid)t allein nu§ ©teiermarf, fonbern and) au§ Kärnten, Srnin, Ungarn, ja felbft au§ ©djlefien unb @ad)fen; aber and) über biefe ©d)üler rourbe gelingt: fie leben übfng, feien unfleißig, unge()orfam, äänlifd) unb laufen biel in ber ©tabt ßerum. 3m 3aßre 1589 berid)tcten bie Snfpedoren ben $erorbneten: „baf§ biSmeiten auS heftigem OiSputieren ober nud) au§ übrigem 2Bein unter ben ^ßraceptoren ein UnroiKen fid) ergebt, ift eS fo gar 51t berfjüten nit müglid), bodj mufSten mir nud), baf§ e§ gar feiten unb ot)nc fonberlidje (šrgernufS befd)iel)t, meines bann nud) al§= halb ber ©ebüer nad) bon un§ unb bem Ütectore geftraft unb geriet mirb". 91ud) gefiel nid)t, bafS öffentlidje Prüfungen unregeU mäßig beranftaltet roerben, für bie man eigene „©djnubfenninge" fdjneiben ließ, bie ben ißantßer unb bie 93ictoria geigten. @in Ubelftanb mar ferner, bafS nud) bie Seßrer ßäufig roedifelten. 9Ber juribifdie ©tubien gemadjt ßatte, 50g e§ bor, beim ©cßrannen« gerid)te eine Enftellung §u erhalten, bie Ideologen tradjteten und) bem beffer befolbeten ißrebigeramte; anbere giengen als tpäbagogen 16* junger 2ti>eliger an bie Itnioerfitäten, um itjre eigenen ©tubien ju tiottenben. $er häufige 2Bed)fel ber ße^rer unb bie oftmalige Štnberung ber @inrid)tungen bringt feiner ©cf)ule SSortfieit. fil)eint, bafS man and) mit bem Unterrid)t in ber 9Jiufit unb mit ber Sirdjenmufif nid)t jufrieben mar. 3m Satire 1586 fam bem lanbfcfyafttidjen Trompeter ©raf§ bie Stufforberung ju, $orfd)Iäge §u madjen, roie „bie SDiufif in ber ©tift orbenttid) möd)te beftetft roerben". 3m folgenben Snljre mürbe ^annibat ißerin als Organift berufen, ber aber, roie eS in einem S3erid)te ber ©d)ut= unb Äirdjeninfbectoren ^eif)t, ein $er= rät^er nidjt allein ber ebangelifdjen, fonbern aller ^Religionen mar, ungeroöl)nlid)e Snftrumente unb mäHifdie ©efänge einfüljrte unb fo mel)r jur @rgö|ung, als jur (Srbauung ber 3ul)örer beitrug. „@S märe ju beflagen, fagten bie 3nff)ectoren, roenn bie djriftlidjen ©e= fange ber Oortrefflidjen alten beutfä)en funftreid)en ÜReifter burd) bie neuen mällifd)en, gröfjtentljeilS übrigen (Sefünge tierbrangt mürben." ißerin trat nad) einigen 3n^ren in ben Sienft beS ßanbeSfürften. Sur§ nac^ bem Slbjuge ber fßräbicanten erl)ielten bie S3ürger= meifter unb gtätlje ber lanbeSfürftlidjen ©tübte ben SBefe^l, barauf ju feilen, bafS alle Sßürger bem (SotteSbienfte beS orbentlidjen fatI)oIifd)en Pfarrers beirooljnten. liefet Üluftrag mürbe anfangs roeber in ©ra^, noč) in anberen Orten befolgt. Obgleid) in ®raj je^t nur fatfiolifdjer ©otteSbienft gehalten mürbe unb tOtitte October ber §auf)tmann S^riftof)^ ißarabeifer mit einem neuen ffä^nlein ©olbaten in bie ©tabt einrüäte unb bie Käufer ber unrutjigen SBürger befehle, mürbe ber fatfmlifdje ©otteSbienft bod) nid)t befudjt. $er iRatf) bon IRabferSburg berfammelte jmar alle Bürger auf bem 9tatl)l)aufe, erflärte aber, bafS er ber ülugSburger ©oufeffion treu bleiben roerbe, roorauf jeber einzelne Sürger biefelbe ©rflärung abgab. „@S tjaben and)", fo berichtet ein ütabferSburger Sürger in einem Briefe, „einfeltige, mällifdier unb roinbifdjer 9tation juget^ane (^Bürger) bermaffen folidje SefanntnuS getljan, bafS fii^ mein §erj im ßeibe erfreuet." 'Ser proteftcmttjcfje 5lbel nal)m biefe SSerorbnungen feineSroegS rul)tg !)in. 9tuf bcm Sanbtag, ber im Sännet 1599 jufammentrat, überreizten |ie bem ©rj^erjog burZ ben SanbmarfZciö SfirenreiZ tmn ©aurnu eine ©Zrift, roorin fie bie 2tuffie6ung ber $er= orbnungen tierlangten, roibrigenfnüS fie bie ti erlangte Hürfenfjüfe niZt leiften mürben. Ser (šr^etjog entgegnete, er roerbe bei feinem tßorbiaben auSt)arten, unb forberte bie ©tanbe auf, als „treue Unter« tfjancn" in bie 23eratfjung ber gtegierungStiorlagen einjugefien. Sie ©tanbe anttoortetcn, fie feien feine Untertanen, fonbern SSafaöen, roelZe bie $reilfeit fjätten, gegen einen fjeinb Seiftanb ju leiften ober niZt. Ser ©rterjog tiertagte hierauf ben Sanbtag, ber erft am 19. Stpril roieber jufammentrat. 9IuZ fegt roieS er alle gorberungen ber ©tanbe jurücf; er Ifielt ifjneu alle SSebrüdungeu tior, bie fie fiZ gegen iffre fatfjolifZen Untertanen erlaubt, bie fie jum SefuZe be§ proteftantifZen ©otteSbienfteS, an ©onn= unb gefttagen jum Soboten, an Safttagen pm gleifZeffen gelungen, unb erflärte fZliegliZ/ baf§ er bei feinem $orf)aben „bis in bie ©rube tietarten" roerbe. Sa fomit bie Hoffnung auf bie ÜBiebererriZtung ber ©tiftS« fZule tierfZroanb, fünbigte bie SanbfZaft ben Selfrern bie $e« ftallung auf. Siefe blieben entroeber in Ungarn ober fcljrten naZ SeutfZlanb prücf. SoZ im Sote 1599 fe|te ber (Srjfjerpg bie ©egenrefor« mation fort. @r ^atte ben ©tauben aufgetragen, bie ©tiftSfirZe in ©raj einem fatlfolifZen ©eiftliZen p ticrieten unb forberte, ba bieS niZt gef Zeljen war, im October 1599 bie ©Zlüffel ber SirZe ab. Sa biefe niZt übergeben routben, erfZien am 14. October abenbS eine lanbeSfürftliZe ©ommiffion, begleitet tion ber ©tabtroaZe, tior ber Äit'Ze, ließ baS Sfjor mit ©eroalt öffnen unb burZ ein neues ©ZlofS roieber pfperren. Sa bie Iutf)erifZe ©tiftSfZnle aufgehoben roar, fafsten bie ©Stäube ben ©ntfZlufS, in ©Zmanberg eine fleine ©Zule für bie abelige 3ugenb ju errieten. ©eorg ©aller, ^>err auf @ä)toanberg unb 2Baltfcl)a(|, faufte ben fogenannten ^Imtljof in ©djtoanberg, ridjtete i^n ju einem ©olleginm ein unb übernahm felbft baS 9lmt ber ©djulinfbection; jroei 3ßräceptoren rourben auš ®eutfd)lanb berufen unb erhielten iljre Seftattung burd) bie 8anb= fč)aft. s2lber ber ©rj^erjog tierljinberte bie Eröffnung biefer ©d)ule. (šrft im §erbft 1599 fanbte ber ©rjljerjog eine Gommiffion au§ mit bem Aufträge, bie lanbeSfürftüdjen Stabte unb 'Uiiirfte ju befudjen, bie Üßrübicanten ju tiertreiben, fatfjotifdje ©eiftlidje einjufe^en, bie lutl)erifd)en Settjünfer für ben tatljolifd)en @ötte§= bienft einjuridjten ober ju jerftören, bie lutlferifdfen 58iid)er ju fammeln unb ju tierbrennen unb ben tßetoo|nern ben @ib abju= nehmen, bafS fie tion nun an mieber ber fatt)olifd)en 9teligion ju= getfian unb ben 5SefeI)len bež Sanbežftirften gefjorfam fein tooßten. 3)ie DJiitglieber biefer ©ommiffion roaren ber 'Kbt tion 9lbmont, ber ißropft 3oI)ann tion iRottenmann, ber ^reifierr 9lnbrea§ tion §erberž= borf, ber Sammerratf) 9Uban tion 9Jtogt)eim unb ber Sanbežpoftmeifter ^)anž ^riebrid) tion 3ßaar, ber ein galfnlein beroaffneter ftnect)te befestigte, raeld)e bie Arbeit ber ©omntiffäre unterftü|en füllten. 3)ie ©ornmiffäre tierfammelten fid) am 14. Dtotiember in Seoben, um tion tjier nad) ©ifenerj ju jiel)en. 3Sre ÄriegSmudjt roar tioraužgejogen unb Satte auf bem ißräbidft ein Säger auf= gefcSlagen; in iSrer ^Begleitung jogen bie ©ommiffäre in @ifen= erj ein. Sie fanben ben Ort in großer Aufregung; Bürger, Knappen, StoSler unb §oljtned)te roaren mit „ißügen, ^elleparten, Spießen unb .fpoljSaden" beroaffnet unb Selten ben freien bie Sird)e, ben griebSof unb ben SiSid)ttSurm befeßt. HUelleidjt roare e§ jum Kampfe gefommen, roenn nidjt bie tiom ©rjßerjog in Iteuberg unb im 9lflenjtSale getoorbenen 200 Sct)üßen unb 116 .fbetlebarbenträger nod) ju redjter 3eit i>n Orte angefommen roären. Oie ©ommiffäre tuben 9tid)ter unb iRatt) in baS 91mt§Sau§ unb tierlangten bie DluSüefetung ber Kird)enfd)lüffel, erSielten aber jur ülntroort, ba§ biefe fid) in ber ©eroatt beS $olfeS befänben. 9ܧ bie ©ommiffäre erflürten, baf§ fie bie 'Sctjlüffel Don 9iid)ter unb Statt), nii|t aber bon bcm „unnü|en ©efinbet, fo albercit auf ben 9tbenb meiftent^eilS bon SBein boli unb toH toar", in ©mpfang nehmen rooöten, mürben fie übergeben. ®ie äierneijmung ber Knappen unb 331ät)au§leute, bie an ben folgettben Sagen borgenommen mürbe, bracf)te ben (Sommiffaren bie Überzeugung, bnf§ „biefer rebellifct)e Slufftanb nit burd) ben gemeinen DZann, fonbern burcf) bie bon ©ifenerz Ütabmeifter unb SBürgerfi^aft feibft, roelc^e ba§ gemeine ©efinbel nur als ein SEBerijeug barjue gebraud)t, erregt roorben". SDaljer mürben ben SSürgern bie ißribilegien abgenommen, roorauf „bie Stabmeifter unb ganze S3ürgerfd)nft in fid) felbS gegangen unb fambt billen i()ren SEöeib unb Älfinbern bor uns ©ommiffarien ein ^ufifall mit aufgerecften £)änben unb tßergiepung ber 3öf)er ge= t()an" unb um SBerzeiffung gebeten. ®ie ganze $emot)nerfd)aft mürbe entroaffnet, bie 33üd)er berbrannt, ber tat!)olifc^e ©otteS= bienft eingeridftet. Sie reiferen ^Bürger mufsten ©trafgelber er= legen, zroci StöbelSfü^rer mürben an ben pranget geftellt unb geftäubt, fünf nad) ©raz gefdjidt. 3ur 2Barnung ließen bie @om= miffäre zroei ©algen aufridjten, ben einen bor bem Statfjßaufe, ben unbern neben bem ©d)id)ttl)urm. Um bie Orbnung aufred)t zu galten, blieben fünfzig ©olbfnedjte zuröd, für roeld)e ber SOtarft roodjentlidß tjunbert ©ulben znflkn mufste. hierauf reiste bie ©ommiffion nai| Üluffee. 91ud) bie ^Bürger bon Sluffee unb ©röbming fügten fid) ben Sinorbnungen ber ©ommiffion ziemlid) bereitroillig. 3n <5cßlab= ming roaren bie ^Bürger unb Knappen roiberfpenftiger; als aber bie ©ommiffion roie in ©ifenerz „ein ©uarbi ober 21nzat)l ÄtiegS= bolf" auf Soften beS ÖZarfteS einlegen molite, berpflidjteten fii^ bie SBemotmer fit)riftlii|, ben ©eboten beS SanbeSfürften zu ge= bordjen, feinen ißrabicanten meßr zu bulben unb bem @otteS= bienfte beS fatf)olifd)en Pfarrers, ben bie ©ommiffüre einfeßten, beizurooßnen. Ülud) Stottenmann unb Salroang mürben ber fatf)o= lifdjen Sei)re gemonnen. ©o tiatte bie ©ommiffion i^re Aufgabe jur 3ufrieben|eit be§ SnnbeSfürften gelöst. 9tur einige ÜtübelSfü^rer ronren an ben Sßranger gestellt unb mit Stützen gepcitfct)t, einige anbere be§ SanbeS tierroiefen, eine Heine 3at)I gefangen nad) ©raj gefctjicft worben. Überall würben, um baS $olf in ©djrecfen ju üerfetsen, ©algen errietet, im ©nnStfjale warben brei ftirdjen in 33ranb geftecft unb bie gefdjwarjten Ötauern non ©olbaten unb ülrbeitern niebergeriffen. 3m SDecember fammelte fid) eine ©ommiffion im bifd)öflid)en ©cfjloffe ©eggau ob Seibniti, an il)re ©f)i^e trat ber Sifdjof IDtartin törenner. 31)re St'riegSmad)t beftanb au§ [junbertfiinfjig geworbenen DJtuStetieren, ^unbertfiebjig bifdjöflidjcn Untertljanen unb etwas Dteiterei. 9Jiit biefer Sebedung jog bie ©ommiffion am 18. December über 9Jtured nad) ütablerSburg. 31m [bäten 31benb würbe bie ©tabt faft wie ein feinblidjer Ort überfallen unb befetit. 3ur gröberen ©iä)erl)eit ber ©ommiffion trafen Ijier nod) fünffiunbert bewaffnete llsfofen ein. 3lud) in DtablerSburg warben bie SB affen unb bie Südjer abgeforbert, ber 91a t^, weldjer auS 9ßroteftanten beftanb, aufgelöst unb einige SBürger bewogen, einen neuen Statt) ju bilben; ber Pfarrer ©ociuS würbe junt lanbeSfürftlid)en ©ommiffär ernannt unb mufste als foldjer allen 91att)Sfi^ungen beiwohnen unb 33efd)lüffe üert)inbern, weldje gegen bie latl)olifd)e Religion unb gegen ben SanbeSfürften geridjtet waren. Sind) bie Slmter beS ©tabtrid)terS unb beS ©tabtfdjreiberS warben mit Sat^olifen befejst, bem 9tid)ter in feierlidier SBeife unb in ©egenwart ber ©ommiffüre baS ©erid)tSfd)Wert, baS ©tabt= fiegel unb bie ©dflüffel beS 9tatf)f)aufeS übergeben, ©inige ^Bürger würben mit l)o^en ©elbftrafen belegt, einige anbere aujjerbem and) nod) aus ber ©tabt gewiefen. $on StabterSburg auS warben §albenrain unb Älöd) lattfolifd) gemalt; bann begab fid) bie ©ommiffion nad) ©t. Seoutjarb, DÜlarburg, e 11 a u, SBinbifd)=^eiftri|, ©onobitj unb ©illi unb oerfuhr in biefen Orten in ä^nlidjer SBeife. s)žič)t weit bon © t. S e o n t) a r b in ben roinbifdjen iBiifieln trieb feit Satiren bie metfroürbige ©ecte ber Springer i()r Un= roefen.1 ©ie würben fo genannt, weil fie „fonber 3toe9fet burdt) bie Clülff beS böfen ©eifteS feltfam gauflen, wunberbarlict) fpringen nnb fict) au§ ber $Bei§, and) gleidffam über bie natürliche ^rafften Überwerfen". (Srmübet Oerfanten fie gewöhnlid) in einen tiefen ©djlaf nnb erwadjt erzählten fie nnglaublidhe Singe: „wie fie ©ott auf feinem Sljron fambt bem l)immlifä)en §eer gefepen, wie ihnen ©hriftuS fambt feiner werthen DJtutter nnb ütpofteln erfdjiencn unb befohlen, wie fie ber $ßelt fällten prebigen unb ben Untergang unb alles ünglücf tiertünbigen, wenn fie nit an bem Ort, an weldjem fie pflegen 51t fpringen, eine Äird)e bauen; benn ba foldjeS wirb gefdjepen, fo werben bie hciligen @ngel ©otteS baS heilige ©rab aus bem jübifdjen Sanb äu bemelter Kirchen bringen." Surd) folche ©r^ahlungen hatten fie bie Seute bewogen, „Seit, ©etraib, üöein, Siitje, Ochfen, gladiš unb anbereS, waS fie gehabt, IfauffenweiS" 511 opfern unb eine %ird)e 511 bauen, weldje 5UIU heil, ©rab genannt würbe. SergebenS hatten fie ben Sifdjof bon ©ecfau eingelaben, biefe fiird)e ein^uweihen; bie ©ommiffäre, bie fetst in ber ©egenb erfdjienen, „haben folche Kirchen ^erftört unb Oerbrennet". 9tuä) bei Seutfdjach würbe eine foldfe Kirche in Sranb geftedt. 3u SBinbenau bei ÜJiarburg ließen bie ©ommiffüre bie lutherifdje Kirdje, bie Schule unb ben griebhof in bie Suft fptengen unb „an beten ftatt ein §od)gerid)t auffteHeu, unb als foldjeS nächtlicher 2Beil umbgehadt worben, folgenben SEagS anftatt beffen einen brepfadfen ©algen aufricl)ten". 3m §aufe beS ißtäbicanten, ber entflohen mar, fanben bie ©olbaten feine anbere Seute als feinen IpeiratSbrief. 3u ©charfenau bei ©achfenfelb hatten bie ©taube eine luthetifcf)e Kirche erbaut, bie ein „überaus fd)ön, föftlid) unb ftattlid) ©ebau bon ^roan^ig Pfeilern" war. Dlod) finb bie Saurechnungen 1 3afo6 SRofoleng, ©cgenberidbt. erhalten, roeldje jetgen, baf§ bie ©tänbe.fäiroere ©elbobfer gebracht Ratten, um ein roürbigeS ©otteSfiauS ju errichten. 3)te Gommiffion befaßt, bie ©locfen Ijerobjuite^men, unb überließ bann bie SHttfie bem aus Gifli, ©adifenfelb unb anberen Orten ^erbeigeftrömten Sßolfe jur i^Iünberung. ®ie Sanjel, bie S?irä)enftüf)te, bie ©rab= benfmäler mürben jerfc^Iagen. „@§ ift", fagt ein .gleidijeitiger 23erici)t, „ ein [oldjeS Srüöen, SBüt^en, ©cijreien unb ©ebräfd) au§ ber ^ird)e erfdjollen, bafS fein 9Jienfd) toeber glauben nod) au§= fagcn mag." 9Jiit (Sturmböden mürben bie Stauern unb Stürme erfd)üttert unb 5um Sturze gebradjt unb in ber 9tad)t bie SBo^nung be§ ißräbicanten unb baS StefSner^äuSdjen angejünbet. 3n ber folgenben 9tad)t nerfudjte man ben 9teft ber Sird)e mit sJßulOer in bie Suft ju fprengen, aber eS gelang nicl)t ganj; gefdjmärjte krümmer blieben fielen, ^erbinanb 2 ei ff er erbot fiel), ben ©runb tion ben Sßerorbneten ju laufen. ®ie 2eute, fdjrieb er i^nen, roerben baS gute ©teinmerf roegfüljren, fo bafS auf bem §riebl)ofe bie „tobten Färber Oor 2eut unb Siet^ nic^t fidjer fein ro erben". £)eute ift tion biefer £?irä)e nid)t§ mel)r tior^anben. Sn Gilli mürbe bie llnterfud)img in ber gemöf)nlicf)en äöeife oorgenommen. Oie Sürger mufsten fid) auf bem Dtatl/ffaufe ber= fammein, mo fie ber 23ifc|of ausfragte. Sene, roeldje bei ber lut^erifdjen 2elfre bleiben ju rooHen erflärten, „ mürben auf bie linfe ©eiten als bie ftinfenben $öd hinter bie 5El)ür gefteHt mit $er= melbung: ,0u lofer lut^erifdjer 35ub, id) fic^ fdjon rooljl, roa§ bu in ©djilb füljrft'". 9Jtand)e fd)muren bem 2utl)ertl)ume ab, mancf)e erbaten fid) SBebenf^eit. Oie Gommiffion befudjte nod) SBinbifc^graj, 99taf)renberg unb gelangte bann nad) 2eibni|. Sn ber 9täf)e biefeS Ortes befug ber lanbfd)aftlid)e Oberfecretär 9Jtatl)eS 9lmman oon ülmmanSed, ber aus ber in Ungarn ftammte unb 1578 in bie fteirifdje 2anbmannfd)aft aufgenommen roorben mar, ein ©d)lofS, ©rotten= tj 0 f genannt, bei roeldjem er eine „ftarfe fdjöne Sirenen" erbaut batte, „bielleicbt nicht aus feinem, fonbern auS einem größeren $eutet®iefe§ tönutoerf tiefen bie Gommiffüre am 28. Jänner 1600 burct) ettid)e Sonnen ^ultier jerftören. 3n einem ©aale be§ foge= nannten ^reinerifctjen 91tallert)ofeS Beim SDorfe Sang Befanben fiil) „unflätige unb roiber ötunnid) unb Tonnen abfdjeulidje ©emälbe" mit ocrfdjiebenen Serfen. ®ie Gommiffion fdjidte ©otbaten bat;in, toeläje biefe „leid)tfertige Sottrifdje 3ßoffen unb 3°ien wie aud) bie gefdjriebene famo§ gtetjme auSgetöfi^t fiaben". sJtad)bem nod) 2BiIbon unb ©djroanberg befudjt worben war, fetjrte bie Gommiffion nad) ©raj jurüd. 3m DJtärj 1600 fe^te eine anbcre Gommiffion baS SBerf int 91hirtt)ate fort; fie 6efud)te gro^nteiten, Sßrud, SeoBen, Ä'nittetfetb unb begab fid) bann nad) 3 u b e n b u r g, wot;in ju tommen ben ^Bürgern Oon Obbad), tffieipirdjen unb 3eiring befotjten worben war. 3)a in 3ubenburg Diele ütbetige wohnten, ^atte bie Gommiffion itjre ©d)u|mad)t burd) eine 9tn^at)I ©otbaten Derftarft, bie Don Stuffee tjerbeigerufen worben waren. 9iad)bein man bie ©tabt= ttjore gefdjtoffen tjatte, würbe ber „33ürgerfä)afft it)re in Diel SBeg geübte Snfotenjen, Ungetjorfam unb iDtuetwittigfeit erje^It, für bie Singen geftettt unb ftart Derwiefen", worauf ber SMfdjof feine Gr= mat)nungen, ben eDangelifdjen ©tauben aufpgeben, begann. Stenn SMirger lernten biefe ^umut^ung ab; batjer würbe itjnen befohlen, binnen fed)§ SBodjen unb Brei Sagen mit §intertaffung be§ jebuten SßfenningS bie Grblanbe ju Dertaffen. 3» üfjnlidjer SBeife arbeitete bie Gommiffion and) in It n j m a r 11, Steumarft, Sreffenbacb, 9Jt u t a u, worauf fie nad) 3ubenburg jurudtefirte unb Don ba fammt bem ÄriegSDott über bie ©tubatfie nad) SSoitSberg jog. Gnbe SJtai begab fid) bie Gommiffion in ba§ Söorauer Stiertet unb hierauf nad) Gifenerj, wo bie meiften SBewolfner nod) „t)al§= ftarrig unb ber tntt)olifi|en Stetigion halber eines befferen 33erid)teS bebürfftig waren". G§ würbe aud) bieSmat fein Dotlftänbiger Grfotg gewonnen, aber bod) fo Diel erreicht, bafS bie Gommiffion ba§ S'riegSDotf, baS früher im Orte einquartiert worben war, ent= fernen unb auch bie aufgerichteten ©atgen befeitigen tonnte. ®ie gomtmffion befmfjte banu bie Črte be§ @nn§t^ale§ unb roanbte fict) hierauf in ba§ 9)t ü r ^ t ^ a L 2tm 22. 3uli traf fie roteber in ©ra§ etn. 3in ©nngen ttmrben tutfierifctje 33etf)äufer unb gegen fect^ig griebpfe ^erftört. Sie 3af)i ber tierbrannten 3Büct)er lafst fict) nict)t angeben. ®ie ©tanbe Ratten ^roar ben Saifer Ütubolf II. in Sßrag um feine Fürbitte bei itirem Sanbešfttrften erfucf)t, mit i^rer Sitte feboct) feinen (šrfotg gehabt. 9tid)t buri^ ©ommiffionen allein mar ber SanbeSftirft t^atig; er fanbte and) Diete ©in^elbefetfle au§. 9Im 1. februar 1599 ttjeitte er bem §an§ 9tbam @i|rott, Sefiger bon Cberfinbberg, mit, er ^abe tiernommen, baf§ man bon Sangenroang, Srieglad) unb 9Jtür^uf($)Iag biete „fectifctje Seidjen ober tobte Sörfter bitrd) ben tDtarft Sinbberg pr SegräbniS in beinern neuen fectifdjen griebfioff trage" unb fie in bie Sürgertfäufer einlege, roenn man ben griebtjof bei Zage nid)t erreid)e. Cie§ unterfage er, pmal baburd) bie brei Pfarrer beeinträd)tigt mürben. 2Biif)renb bie Gommiffionen im Sanbe tt)ätig roaren, feierte ber Gr^erpg in ©ra; feine ,?)od)jeit. Cie Sraut, bie bairifdje tprin^effin iDIaria 9tnna, traf am 21. Stpril 1600, begleitet bon 3000 üteitern, in ©ra; ein. Cie proteftantifäjen 9tbetigen gelten fid) par größtent^eitS ben ffeftlictjfeiten fern, aber bie 2anbfd)aft geigte if>re Sotjalität baburd), baf§ fie pm .£)od)^eit§= gefetjenfe ©otb= unb ©itbergefdfirr fpenbete, ba§ in hier Zrušen untergebradjt mar, unb and) bie ©täbte Srud, ^ubenbutg unb Seoben roibmeten ©efdfenfe, nur bon ©rag erfährt man nic^t§. Cie broteftantifdjen Ginmofiner ber ^auptftabt lebten gerabe bamatS in beftünbiger @orge. ©egen ©nbe 3uli mürbe in ben ©affen öffentliä) ber Sefel)! be§ ©r^erpgS funbgemadjt, bie Sürger unb Seamten, fatljolifdie unb proteftantifdje, Ratten fid) am 31. 3uli frül) fedjg Ut)r in ber ©tabtpfarrfirc^e einpfinben; roer ol)ne triftigen ©runb fernbleibe, mürbe p einer ©träfe bon fpnbert ©olbgulben berurt()eilt roerben. 21ußer ben Sürgern unb Seamten erfdjien am bejeic^neten Sage in ber ftinlje and) bie 9teformation§= ßommiffion. 9iad)bem bie Spüren gefdjloffen roorben roaren, ijielt ber Sifdjof 9JŽartin Srenner eine ißrebigt, in loeldjer er von ben Seiten ßutfjerS unb ber fatfjolifdjen Ä'ird)c Ijanbelte unb 511= leid bie Siebe unb 99iiibe be§ (Šr^et^ogg feinen Untertfianen gegenüber fjetvorfjob. 9iad) biefer sfßrebigt mürben bie 9tnroefenben einzeln Vor bie ßommiffion gerufen unb um iijren 9?amen, Stanb unb i[)r gteligionSbefenntniS gefragt. $6er fid) nid)t ^ur fatt)vli= fd)en ^irdje befannte, mürbe aufgeforbert, Äatfjotif gu roerben ober ba§ Sanb 511 verlaffen. 9Jtand)er entfd)lof§ fid) fofort, feinen ©tauben 511 ünbern, manä)er bat fid) $ebenf§eit au§; aber e§ gab and) fvtdje, roetd)e bie (Srftürung abgaben, baf§ fie itjrer 9teligion treu bleiben mürben, möge man mit itfnen Verfahren, roie man motte. Über fotdie mürbe bie ütuSroeifung Verlangt, bvä) erhielt jeber §ur Orbnung feiner $ert)ültniffe eine längere ober tüqere ffrift. 3)iefe§ „@$amen" mürbe an ben fotgenben Sagen fortgefe^t. 9tm 1. $tuguft roaren unter anberen bie früher abgefetjten 9?att)š= mitglieber unb ber tanbfdjafttidje ©djrannenfdjreiber unb Soctor ber 9ted)te 9tbam Senebiger Vorgeforbert roorben. „@§ §at fid)", berictjtet ber 9tegiment§ratt) 9tngetu§ Goftebe bem Gr^er^og, „aus ben alten gemcften 9tatf)Sfreunben nod) anberen niemanbtS allein ber Sigmunb Saltljafar, ©olbfd)mieb unb sf3etfd)ierfted)er, fo in gebaä)ter Kraft roo()l Verfiert unb jetjiger 9Jtün^0erroalter ift, eroig fat^olifd) p verbleiben erflürt." $enebiger, ber feit langer 3ät Kird)en= unb ©d)ulinff)ector ber Gcbangelifdjen geroefen unb in großem 91nfet)en geftanben mar, antroortete auf bie ffmage nad) feinem ©tauben, er fei nid)t lutt)erifd), aber and) nidjt bagftifd), fonbern Effrift. Satjer gefdja^ e§, bafS er „Vor aubern alsbalb bei fdieinenber ©onnen aus ber ©tabt gefdjafft roorben unb innerhalb Vier^eljn Sagen ilfme ba§ Sanb 51t rnumben bei $erlierung SeibS unb SebenS auferlegt". Ein ^Bürger mufSte innerhalb brei Sagen auSroanbern; eine rfrift von ad)t Sagen erfiielten ^mei, eine Von vier^eljn Sagen vier, eine non btei 2Bod)en elf, unb eine Oon fecl)S SBoc^en nnb brei Zagen 63 $ürget unb lanbfcfjaftlicfje Seamte. 3ugleic^ roar allen Seroo^nern- bcr ©labt befohlen roorben, alle nič)tfatf)olifdf)en Südjer auS^uliefern. @§ ift erftannlid), roeld)e Stenge $üd)et bie ßeute auf baS 9tat^au§ brachten, roo fie öet= roaljrt mürben. „®a§ 9tat^fiauS ift faft tioll ber fectifcfjen $i'u|er. Stau roirb fie notlfroenbig tierbrennen unb ba§ $au§ leeren müffen, bamit bie übrigen and) l)ineingebrad)t merben mögen." ©t^liefilid) batte man etwa 10.000 $üd)er beifammen; biefe mürben am 8. üluguft tion ber ©tabtroadje auf SBägen gelaben unb auf ben freien 9ß!ats tiar bem sJßaulugtbore geftbafft. DJtan madjte au§. ihnen einen ©djeiterbaufen, ber abenbS in $ranb geftedt mürbe, fo baf§ bie Süd)er 51t ülfdje tierbrannten. 3roei Zage frater mürbe an biefer ©teile ber (Srunb 511 einem Sab u ^ in er f 10 ft er gelegt, bag im erb ft 1602 fertig baftanb. ®ie Sirdje mürbe bem heil. 'Union tion üßabua geroeibt. ®ie tiermitroete Sr^ber^ogin St a r i a molite ebenfatlg in ©ra^ ein Slofter grünben unb gu biefem 3toecfe bag ©ebäube ber ©tiftg= fcbule tion ber Sanbfdjaft burd) Sauf erroerben. ®a fafgte ber fatbolifdje Zbeil ber ©tanbe anfangg Stär^ 1602 ben 29efd)lufg, biefeg ©ebäube, bag ihnen 60.000'©ulben gefoftet, im Samen „einer allgemeinen Sanbfä)afi" ber ©r^her^ogin 311 fdjenten „mit allen 9ted)ten unb @hrenr m'e bagfelbe mit 9tain, Zattjträff, Sid)t, @in= unb ülugfahrt umbfangen unb tion alter fperthumen mit aim Ort an bie Sbird)en unb Schingerifdje Sehaufung, mit bem anbern an beg §errn 91bt tion Ülbmont §aug, mit bem brüten gegen ber Stur unb mit bem tiierten in bem Sabgüffel gelegen unb ftoffenb" roar. ®ie ©rjhetjogin grünbete in biefem ©ebäube ein ©larif finnen= f 10 ft e r. ®ie ©lariffinnen pflegten ihre Slöfter ißarabeig jjit nennen, unb biefer Same hot fich heute nod) an ber ©tätte ber proteftan= tifchen ©iiftgfchule erhalten. ®er ©r^her^og fferbinanb aber foll, roie man tiermuthet, ber ßanbfdjaft alg ©egengefäient aug feinem ©cfyaije einen Sßrunffcedjer tiere^rt Mafien, ber, ein ^leinob erfien 9tange§, unter bem Flamen „8anbfct|abenbunb6ec^er" befannt ift unb fid) tjeute im ©rajer SOtufeum befinbet. Unter ben SJtännern, melctie im 1600 ©rag unb Steicrmarf tiertie^en, ift feiner berühmter geroorben al§ S o f) a n n Ä e t> 1 e r.1 ©r flammte au§ SBürttemberg unb rourbe im Satjre 1594 tion ben fteirifdjen ©tänben al§ Sanbfd)aftSmatf)ematifer berufen. $ie fteirifdic Sanbfdjaft fjatte nämtid) fdjon bamalS ein gat)l= reid)e§ SBeamtenperfonale; außer ©ecretären, 58ud)f)attern unb anberen Skmgleibeamten gab e§ ianbfdjaftüdje ißfigfifer, b. i. Birgte, einen tanbfd)aftlid)en 9Ibot^efer, Sudjbruder, $ud)f)ünbler, Trompeter, unb fogar einen lanbfd)aftlid)en Sautenfdjläger. ®er Ianbfd)üft= Iid)e Sütat^ematifer toar ber ßaienbermacfyer; er mufšte ben ba§ betreffenbe 3at)r tegierenben planeten beftimmen, bie ©onnen= unb 9Jtonbe§finftcrniffe angeben unb ba§ Sßrognoftifon fteöen, b. f). an= geben, roeldjen ©inffufg bie ©eftirne auf bie ©rbe, auf bie ßuft, bie gelber unb ffmdjte, auf bie 9Jtenfcf)en unb it)re ©efunbfieit üben roerben. ä5or Feßler gab e§ groei ÜJiat^ematifer, roeldje Stalenber Verausgaben, ©o Vatte ©rag bereits git einer 3eit einen eigenen Salenber, ba fid) roeiüge ©täbte eines folgen SSorgugeS rühmen tonnten. Sie groei 9)tattiematifcr, roeldje tior Segler Sa= tenber gufammcnftetlten, roaren nidjt mefir gang bon ber ©inroirfung ber ©eftirne auf bie menfd)Iid)en 9Serf)ältniffe übergeugt; ber eine, ßauterbad), beVauptete, bie itrfa^e ber Sfjeuerung liege nii^t in ben ©lernen, fonbern im ©eige ber SBudjeret, bie ba§ ©etreibe auffaufen unb einfperren, bis fie eS fepr' tpeuer tierfaufen fönnen, unb ber grocite, © t a b i u S , meint, über ifMitif unb Srieg fönne man aus ben ©lernen nii|tS perauSlefen, aber er roar übergeugt, bafs böfe ©eftirne unb „boSpaftige" ÜJtonbeSfinfterniffe Äranfpeiten ergeugen. 1 ©(fiufter, 3. ßcpler unb bie großen ünpliipen Streitfragen feiner Seit, ©rag 1888. 9lud) Segler mufste an ber ©tiftSfdiule 9)iatf)ematif lehren unb au^erbem jü^riict) ben Salenber tierfaffen, ber ^ßro^qeiungen über ba§ SBetter unb anbere mistige SDinge enthalten mufste. 2lber er roar hierin nod) borfid)tiger als feine Sßorgünger. feinen freien ©tunben befdjaftigte er fid) mit aftronomifdjen ©tubien, unb im Satire 1596 etfd)ien fein erfteS grbjfereS 2$erf „®et)eimniS bcS 2Bettbaue§". Sm fotgenben Sa^re berlfeirntete er fid) mit ber jungen 2Bittoe Sarbara iDtütter bon $)tüf)led. Dllit ben Sefuiten, roeldje ben gelefirten jungen ifftann t)od)fd)ü|ten, ftanb er in freunblidien $e§iet)ungen. Sm Satire 1598 begab er fid) in= folge beS 9tuSroeifungSbefet)leS mit nnberen ißräbicanten unb ißro= fefforen nad) Ungarn, fet)rte aber fdjon nad) titrier 3eit ba er altein bon ber 3tuSraeifung nid)t betroffen roar. @in SDecret beS ßanbeSfürften gelotterte i^m @id)ert)eit, fotange er fid) „ge= büertidier 33efd)eibeneeit gebrautee". $ielteid)t t)offte man, bafS er boi^ äur ftttljotifdjen Sird)e übertreten roerbe, roo^u er and) eine 3eit lang entfd)loffen roar; aber im Sa^16 1600 bertieß er ba§ Sanb abermals unb begab fid) und) 9ß r a g, roo er ein neues j^elb für feine Slt)ütigteit fanb. Kepler roar bom ©r^er^og mitbe unb rüdfid)tSOolt bet)anbelt roorben. ®ie Slb^ietjenben mufsten innerealb ber it)nen gefegten grift iere ©üter berlaufen, roaS ^ur ffolge eatte, bafS bie Siegen= fčeaften pm ©djaben ber Serlüufer im greife faulen. Seglet bat um bie (Erlaubnis, feine ©üter bergad)ten 51t bürfen, unb bieS tourbe ilm erlaubt. @0 rettete er fein ganzes SSermögen. 31ud) bie Sßerlängerung ber ÜluSroanberungSfrift tourbe it)m geroüt)tt; er reiste am 30. ©egtember ab. $)ie ÜluStoanberer mufsten ^egn procent bon bem mitgenommenen Vermögen als „91bfal)rtSgelb" bem ßanbeSfürften entfilzten; Segler erhielt bie SBegünftigung, nur fünf procent §al)len 511 bürfen, unb and) biefe füllten ifjm nad) einem fgäteren $efet)le beS ©r^erSDgS ^urüderftattet roerben. @S ift felbftberftttnblid), bafS bie 31uSroanberung fo bieler rooljlfjnbenber @inrool)ner bem ©r^ergog unangenehm roar. @t felbft fd)rieb bntb nai| bem SJegtnn ber ©egenrefonnation feinem Setter Stajimilian bon Sniern: „$ie 9tu§roonberung ift metjr nn§ al§ ben Sbgejogenen nadjttjeilig, beim fie waren faft bie Ser= möglidiften nnb nahmen biet ©elb IjinauS." ©o fc£)ien alfo bie ©egenrefonnation burdjgefiilfrt ju fein. ^Diejenigen Ißroteftanten, toeld)e bie SuSroanberung gefdjent Ratten nnb im ßanbe jurttdgeblieben waren, befannten fid) wenigftenS äußerlid) jum SatfjoliciSmuS. Sie tjofften, bafS üjnen bie 3u^unft beffere Sage bringen werbe nnb redjneten auf bie ipilfe beS ebangelifdjen SbelS, ber bon bem ©turnte ber ©egenrefonnation nid)t betroffen worben war. Sn ben bon ©raj weiter entfernten Orten gab eS mitunter and) foldje, weldje fid) nod) als Sfkoteftanten befannten, nnb batjer würben and) uad) 1600 nod) Heine ©ommiffionen auSgefanbt, nnb öfter nod) Serbäd)tige nad) ©raj berufen, wo fie fid) berant= Worten feilten, llnfere 9tad)rid)ten über bie Saljre 1600—1610 finb bürftig, nur über bie Serljättniffe in ijßettau finb wir genauer unterrid)tet.1 Sn iflettau war bie Saul)eit in firdjlidjen Gingen ebenfo gro^ wie bie Stifsbräudje in ben ftabtifdjen Angelegenheiten. „Oie $eiihtftüt)Ic ftanben leer, bagegen waren bie gdeifdjbänfe an Sorfaften nnb Safttagen boll; ber ^irdjenbefud) an Feiertagen tonnte faum geringer fein, beim bie ©laubigen trieben fid) mit Sorliebe jwifd)en ben Suben herum, meldje juwanbernbe Krämer tior ben ©tabt= thoren aufgefihlagen. ©ine Serljerrlidiung ber ißroceffionen burd) fünfte gab eS nicht, jum tiefen Seib ber 5jkiefterfd)nft. Oer fRatf) f elb er badjte nicht baran, ber Sirdje burd) jwedma^ige Anorb= nungen in biefen O in gen ju §ilfe ju fommen; eS gieng and) fd)Wer an, bie ©emeinbe ju Seiftungen ju tierhalten, rooju man felber mit gutem Seiffiiele nid)t tiorangel)en wollte." 1 3. u. 3 a t) n, Sur ®cf(bi(btc uon Ißcttau in ber Seit ber ®egenrefov= mation. Atittf). 32. n t) e t, ©efdjidjte bet ©teiermarf. 17 @ine ©omntiffion, welche 1610 in fettem erfetiten, foQte fjdfenb einffreiten, ©ie belegte bie täffigen Änttjolifen mit @etb= [trafen, roobei jebe§ 3afir, in bem bie tßeidjte üerfäumt roorben mar, auf fünf Später, jebet ffaftenbrud) auf einen Zfjaler tier= anfctjlngt mürbe, unb roie§ bie ^roteftanten au§. Die ütegierung mitberte nactjtjer bie ftrengen ©trafen, §umat bie ßommiffäre fetbft fagten, bafg ber gröpte Df)eit ber Seftraften bie ©elbftrafen nict)t erlegen fönnte. 9fuf biefe 2öeife gelang e§ mit ber 3eit/ bie eoangelifdje ße^re in ben ©tobten tioöftiinbig augjurotten. 21ber in mandjem $lt)3enroinfel, mie in ber ütamfau, einer §od)ebene an ben 91b= fangen beg Dad)ftein, roofjin feine 9teligion8commiffion gefommen mar, um ©djlabming, in sfßid)l unb fpaug erhielt fie fid), bflan^te fid) tum ben Eltern auf bie Sinber fort, unb nad) bem breifjig* jährigen Stiege ftörten roeber bie ^Regierung uod) bie fatfjotifdjen (Seiftlidjen biefe ©ebirggbemofjner in ber füllen, t)üugüd)en Übung i^rer gteligion. ©egen bie broteftantifdjen ülbeligen Ijatte ber Eqtjer^og nad) feinen 2Iu§roeifung§befeljl erlaffen, aber i()re sfßrübicanten tjatten fie entlaffen muffen. SZÖenn ein ifkäbicant prüdfblieb unb im 5ßer= borgenen roirfte, mürbe er aufgefpürt unb mit ©eroalt entfernt. Diefeg ©d)idfal traf and) ben Ußrebiget Sßaul Dbontiug. Er ftammte aug DJteipen unb mar 1595 nad) @ra§ gefommen. Die ff rau £) i}) po 11) t a, SBitme beg ffreil)errn sf3anfratj tum i n= bifd)grä|, eine geborene ©räfin ©d)lid, nafjm ifm alg üßrebiger auf ifir ©djlofg 3Ö alb ft ein ^toifdjen Deutfd)=ffeiftri| unb Übel= baä); bann begleitete er fie auf einer Steife nad) öfterreid), roo fie ftarb; bieg mar, mie Obontiug berietet, „eben 311 ber 3eit, ba bie ifkebiger beg ^eil. Eöangelii aug ©rae| tierjagt mürben". Die $ormünber ber jungen Herren 2Binbifd)grä| riefen ifm nad) SBalbftein gurüd, roo er feinem Ernte alg Ußrebiget mit Eifer oblag. Eineg 9tad)tg im Epril beg 3o^reg 1602 erfä)ien tior $ßnlbftein eine ©djar ©olbaten unter ffüljrung eineg §auf)tmanngz roeldje bag ©d)lofg berannten. unb CbontiuS nnit) ©raj führten, roo er in ber $urg eingeferfert würbe. Vergebens waren alle Sßcmüfyungen, il)n ber fat^olifdjen Rir(|e ju gewinnen; er würbe Dom ©tabtgerid)te jum Sobe Der= urteilt, bann aber tiom ©rjfjerjoge jur ©aleerenftrafe begnabigt, bie er ju Srieft abbüfjen füllte. 9Jtit ßifen an ben ^tiffen würbe er bon vtd)t ©olbaten in einer Sutfdje nad) Oberlaibaä) gebradjt; ba bon bort an bie Steife jn SBagen unmöglid) war, würbe er ber Ueffeln entlebigt unb ju Sßferbe nad) ©enofetfd) geführt. $ort entwid) er, unb e§ gelang il)m enblid) in feine Heimat 9Jteigen 511 fontmen. CbontiuS ber= öffentlid)te einen 5Berict)t über fein Sßirfen, feine ©efangcnfdjaft unb feine gludjt, weld)e er als ein SBunber be§eicf)net. „ 8ben ber ®ott", fo berietet er, „ber ben Sipo fiel petnim bon einem @ngel aus bem ©efängniS burd) bie berfd)Ioffene eiferne S^üre führen lieft, ba ^etruS nimmermehr foldjS berhofft hatte, eben in ber leiten ©tunb unb Stacht, ba er be§ 9Jtorgen§ für ^erobern geftellt unb bont Seben jum Sobe fallt gebracht werben, berfelbe ©ott erwies unb erneuert aud) an mir bieSmal fold) SBunberwerf reid)= li(h unb flarlich. Senn ba ich gleich beS morgenben SageS ben bebftifdjen fe|erbrennerif(f)en stališ foHte übergeben unb aufs 9Jteer gefe|et werben, ba fam ©ott eben mit feinem heiligen Sngel beS 9tnd)tS jubor, ba itf) nimmermehr foldješ hdtt hoffen nod) faft glauben fönnen, unb führte mich wie Sßetrum burd) alle berfd)lof= feiten Sljitren unb Stiegel." 2, Sic (Srjhcraogin-'Sitlöc fOtnria. Sie Söitwe ÄarlS II., bie SDtutter gerbinanbS, lebte nod) bis pm Qahre 1608. ©ie war eine fromme $rau, eine eifrige Äatholifin, eine forgfame 9Jtutter, unermüblid) thätig unb nu5= bauernb in ber Slrbeit. Slllwöihentlid) gieng fie pr 33eid)te, an jeber Sßroccffion nahm fie theil; ©onntagS befugte fie gewöhnlich bic SBallfafirtSfirche ju ©traggang, im Sommer gieng fie mit 17* iljten ßinbern nm| 51t $ub baljin; auf ben Sergen fübroeftüd) Don ©raj ließ fie Tabellen erbauen, tote © t. Sodann unb ^ a ul unb ©t. Florian. DJfit grogem (šifer fammelte fie ^Reliquien, beren fie eine groge 3^1 jufammenbradite. Sebermann gatte Zutritt ju iffr. DJfütterlidi forgte fie auti) für ilfre Untergebenen unb $ienft= leute. Sgre Söogitgötigleit war olfne ©rennen; fie gab jebem, toaS igm roogittfat: Kleiber, ©fteife unb üEranf, Dlr^neimittel, ©ebet= büclfer unb iRofenfranje. ©ie befi^enfte oiele Streifen mit roert= Dollen ©efägen unb ©eroünbern, trug ju ben Saufoften neuer Streifen bei, felbft in fernen Säubern, in Seutfdftanb, Sölftnen, Ungarn, Italien einftfiengen §rauentlöfter ©efdfeitle üon iffr. ©elfr oft befueffte fie^bie ©ftitäler, unb audf niebrige SDienfte berridftete fie bafelbft. „Unfer Sebett gtenieben ift DJtülfe unb Slrbeit, bi§ tuir einft jur ewigen Dfulfe tommen", fagte fie. ©er liebfte $lufentgalt in ber Surg war tgr bas 'JlrbeitSjimmer, wo igre ©ödfter unb bie Sammer= fronen nagten, ftietten unb Hoppelten, ©ie tierfertigte felbft bie Sleiber für igre Sinber. Unb tro| biefer ©infadflfeit liebte fie ©dfinudfadfen unb Softbarfeiten, ©eiben= unb ©olbftoffe, bie fie tion DJfabrib, Senebig, DJfailanb unb DJfündfen gerbeifegaffen lieg. 9ll§ eifrige Satgolifin gatte fie auf igren ©emaffl unb fpüter auf igren ©ogn gerbinanb großen ©influfS. ©ie DJtagregeln, bie gegen bie Hßroteftanten ergriffen würben, finb tion itfr befürwortet worben. ©r^erjogin DJtaria tradftete, ilfre ©ötgter glänjenb ju tier= forgen, bodf ift tifr baS nidft immer gelungen. 3m Salfre 1592 begleitete fie igre ältefte ©odfter 3tnna, toeldfe mit bem Sbttig ©iegmunb tion Idolen tiettobt worben war, nadf Srafau. 3lm 4. JJtai würbe in ber Dtuguftinerfircge ju Sßien bie Sraut bem |taupte ber polnifdfen ©efanbtfdfaft angetraut; in Srafau fanben ©rauung unb Srönung am 1. Suni ftatt. ©ie politifdfen unb gefellfd)aftliä)en Serffültniffe beS ißülenreicgeS, wo Weber ber Sürgcr noeg ber Sauer etwas galt, tonnten felbfttierftünblid) ber orbnung= liebenbett ©r^gerjogin nidgt gefallen. Sföoffl ftaunten fie unb ilfre ^Begleiter über bie Sßractit, welche btc polntfc^en ©ropen entroiifelten; aber fie merften halb, baf§ biefer ©(anj faule 3uftänbe berbeefe. ®te junge Königin trug bie Krone nur wenige S'afjre; benn fie ftarb fč)on 1598. 5)er Söitwer Oer^eiratete fid) 1605 mit ß o n= ftantia, ber ©djroefter feiner tierftorbenen ©ema^Iin, roeldje eben= falls bon ber 9Jiutter nai| Krafau geleitet würbe. 2Iud) eine brüte $od)ter, iDlaria ß^rifti er na, mürbe in bie f^erne berfieiratct.1 ®amal§ war Siebenbürgen ein eigenes ffürftentljum, bod) ftanb es unter türüfdjer Oberljerrfdjaft. ®er ffürft ©iegntunb tßatfiori wollte fid) bon ber Stürfei loSmadjen unb fd)IofS fid) ba^er an ßaifer ütubolf II. an. 3)od) berlangte er eine fiabSburgifd)e ißrin^effin jur ©emaljlin, unb ber fiaifer bewog bie ©rjljerjogin ®tnria, bem dürften i^re $od)ter ifftaria ß^riftierna jugufagen. ®ie 91iutter führte and) biefe Slodjter iljrem SSräutigam ju. ßs war eine befdjmerlidie, ja gefafirbolle Oteife, roeldje bie grauen am 15. 3>uni 1595 antraten; fie gieng über üßrefsburg, Kafč^au unb ©jatljmar. ÜJtancfjmal mufSten bie 9teifenben in ber 9taf)e ber feinblidjen dürfen übernadjten. 3n üßeipenburg fanb bie $ermä^lungrftatt. 5)ie 9Infunft ber fteirifdjen aßrin^effin er= regte am meiften greube bei ben Siebenbürger Sadjfen; benn biefe treuen 9tnf)änger ber Habsburger erfeljnten bie Herrfctjaft ÖfterreidjS unb fatjen fie bitrd) bie tBerbinbung ibreS gürften mit einem SpröfS= ling beS Hnufe§ Habsburg näfiergerüdt. 91ber ber jungen grau blüljte in Siebenbürgen fein ©lüd. 3b1' @emal)l war fe()r roanfelmütbig. Sdjon furje 3eit nad) ber Heirat wollte er fein Snnb bem Kaifer abtreten, fitb bon feiner grau fdjeiben laffen unb in ben geiftlidjen Stanb eintreten. 9tad) langen SBerijanblungen, roabrenb roeldel fiepen unb ber bag grope ©d)lo[§ |)ainfelb befaß, geftiftet. Sn ©raj mürben ferner gegrünbet, Slöfter ber Sluguftiner (in ber ©porgaffe unb im /Jltiin^graben), ber Sarmeliter unb Sarmeliterinnen, ber barmperjigen 33rüber, ber Urfulinerinnen unb @lifabetl)inerinnen. Sn bem Euguftinerflofter im DJtünjgraben, beffen 33au 1682 bollenbet mürbe, roirtte einige geit ber berühmte Dlebner Qlbrapam a. ©ancta 61ara. Slofter ber 3ßauliner entftanben in Ulimie im gilliertreife unb 1708 ju 9Jtaria=5ErDft bei ©raj, ber 21uguftiner ju ©t. Seonparb in Unterfteier unb in ©t. Sotmnn bei öerberftein, leptereg gegrünbet 1654 Don bem ©rafen Sopann 9Jtajimilian ^erberftein. Söleftinerinnen mürben in IDlarburg unb ©erßiten in grotjnleiten angefiebelt. 4. Sauten. — Sirfmtgen beg breiptgjäprtgeu Sricgcs. Sn ben 3e'ten gerbinanbS II. mar bie Oftgrenje be§ Canbeg meprmalg burcf) türtifdje unb ungarifdje ütaubporben geüngftigt. Gürten brangen im Snpre 1600 fogar big in bie ©egenb Don Stured oor, mag fid) nad) brci Sagten mieberpolte. Sm Saljre 1605 mären gürftenfelb, gelbbad), Dtabfergburg bebropt, bie Umgebung biefer Orte, bag i)taab= unb S^tljnl mürben geplünbert. 2tn ben 33efeftignngcn ber ©renjorte mürbe nad) Sari II. nur menig gebaut, and) am ©djlofgberge bon ©raj mürben nur neue (Safematten [jergeftcllt. DJlit SBaffen unb ißrobiant mar bie geftnng gut berfepen. Oie Sanonen trugen und) ifjrer ©rofse berfdjiebene Samen, bie größten (ließen Sartaunen, bon benen eine ungefähr 65 ßentner ferner mar; benen folgten 9tot^fd)tangen, ©ingerinnen, $etbfc()iangen, gnknunen, ®of)f)elfaIconete unb galconete. Dtnct) einer 9iufjeid)nung bon 1609 befanben fid) in ber Heftung auf bcm ©d)Iof§berge fünf ßartaunen, jtoei ©ingerinnen, neun 9iot^= ferlangen, brei gelbfdjlangen, ad)t§el)n galconete, jroei §au6i|en, neunje^n ®of)bel=$alconete, hier einfache ^alconete, §mei §euer= mörfer, 300 SDobbeltjafen; bie nötigen H'ugeln unb ipulber, ©aliter, if3ed), Seinroanb, Öl, ferner 2000 iUtugfetcn, 1000 lange ©piepe, 500 ^)eHebarben. Din ifkobiant waren borpanben 575 §afg fiept, 2000 guber ©als, 500 ©tartin SBein. „gleifcf) mödjten in bie 200 Od)fen aufgefelcpt unb eingefallen worben unb ben Snecpten nad) unb naep gegeben unb wieber frifcpeS in SSorratp gef (pafft werben." 1 DJiepr würbe an ben geftunggwerten ber ©tabt ©raj ge= arbeitet, befonberg an ben Saftionen bei bem äuperen ißaulugtpore, bag 1614 boüenbet würbe, unb bem äußeren ©adtßor, bag fiep ba befanb, wo noip üor turjem bag ©efftngntg beg Unterfucpungg= geridjteg ftanb. $om breißigjäprigen Stiege würbe ©teiermart unmittelbar niept berüprt, aber bie ^Regierung forberte öiele unb pope Steuern, unb bie ©elbnotp mar überall fepr groß. Sie gute DJUinje mürbe eingeweipfelt, eingefčpmoljen unb ing Dluglanb gefüprt, bafür tarnen fd)lecpte DJiünjen ing Sanb, unb bag gute alte ©elb mürbe immer tpeurer. Sie Sucaten, bie ju Dlnfang beg großen Sriegeg 2 ©ulben 45 Sreujer galten, fliegen big auf 20 ©ulben ber neuen SBiun^e, welcpe bie „lange" genannt mürbe. 9iacp einigen Sapren tarn eg ju einem ©elbfturje, jur „DRün^calaba", woburep ber DBert beg „langen" ©elbeg auf ein Dtdjtel beg Diennwerteg perabgefeßt mürbe. Spiele Seute tarnen fo ju großem ©cpnben. „§at oft einer tiermeint", fagt ein ©leiipjeitiger, „im langen ©elb reiip ju fein, pernaip ift ipm bag ©elb unter ben tpänben tierfepmunben." Unb aug ©raj würbe im Sapre 1624 beruptet: .f)ier perrfept äußerfter IDtangel 1 SB a ft I e r in ben aJtittp. ber Kentraüßbntnuffion 91. ff. 13, CCXII. an (Mb, beim bte lange sDiünj in 2lbfd)lag ju neunten mit! i'id) niemanb Überreben taffen, ... ift fein 93rot, fyleifd) ober anbere Sßictualien ju befommen. ®ie großen Herren müffen je^t ©djroar^ brot effen, bie Sinnen t)oben gar fein§." $ie fteirifd)e ßanbfd)aft tiertor bamatS an ifjrem baren ©elbe 646.666 ©utben.1 Stud) mürbe im Sanbe ßriegSDolf geroorben, roa§ bie ©tänbe ungern falfen unb ben S3eroo^nern biet ju fd)affen madjte. @§ fam in ©ra§ ^mifdjen bem neugeroorbenen faiferlidjen ÄriegSOotf unb bem fteirifdien Sanbaufgebot p „continuiertid)en Ungelegentjeiten unb jpünbeln", ja felbft ju 5Lobtfd)tagen, roe§t)alb angeorbnet mürbe, bie „Skrquartierung ber SSötfer in SSorftäbten atfo fürp= nehmen, baf§ bie faifertidjen unb 3tufbot§=Sne(^te fotiit möglid) fepariert unb abgefonbert bleiben." Stt§ bie Officiere beS faifertid)en ©eneratS Sttbred)t tion äBaftenftcm, rocldje in Snneröfterreid) 9te= crutengetber ergeben fotlten, ftatt ©elb „©töpe" befamen, roufste bie§ ber ©tattfialter 3nneröfterreid)§, §ürft §an§ Utrid) non ©ggenberg, mit ben SBorten ju entfdjulbigen, baf§ „ber fteirifd)e SBein bran mef)r benn ber böfe SBillen fdjutbig fein mbdjte". 3m Sa^re 1634 fjatte bie Stegierung bie Stbfidjt, 50 ^ii^nlein gupoolf nad) Snneröfterreid) ju Oerlegen. SJtan |atte bamatS Urfadje, baS eigene SriegSüott faft roie einen ffeinb ju fünften unb meinte, bafS burd) btefe ©inquartierung „ber oljne baS t)oc^ bebrüngte unb geängftigte Untertan gän^tidjen ruinieret unb Derberbt" roerbe. Sa aber gerabe bamatS ber oberfte ffetbtjerr be§ ßaiferS, §erjog Sllbredjt Don 2ö alten ft ein, SSerratt) übte, fo erfolgte bie Einquartierung nid)t, aber ber Saifer fieltte bafür eine neue @etb= forberung unb erjütjlte babei ben SSerratt) mit fotgenben SBorten: @S ift gef diesen, bafS „unfer gemefter ^elb^auptmann, ber bon ffriebtanb, miber unS unb unfer gefammteS Er^auS einer t)öd)ft abfc^eutid)cn unb greutidjen SSerrüterei fid) oermeffen, inbeme er unfer SriegSbolf mit atter^anb meineibigen, auä) und)rifttid)en 1 ßu)djin ti. EBengreutfi, ®a§ lange (Selb ober bie Sippeiytt in Steiermarf. Sttiitt). 38. Mitteln roiber un§ aufjuroiglen unb an fiä) 511 fangen fid) unter« fangen unb baburct) foroofil un§ als unfere eigene ißerfon als unfer gan§e angeprige 9tacf)fommenfd|aft Don Sanb nnb Sanb 511 Der« treiben, nad) unferer Sron unb 3ebier 511 greiffen, fid) aller unferer (šrbfonigreid) nnb Sänber 511 bemäd)tigen unb unter feiner ©eroalt ^u bringen tradiert unb berfudft Ijat." $)iefe ©ad)e, fagt bcr Änifer, gtoinge il)n, Don Steiermarf 600.000 ©ulben 511 Derlangen. ®a unmittelbar barauf äßaflenftein ermorbet rourbe, fo befdflofS ber Sanbtag, nidjtS ^11 beroiHigen, ba ber Staifer bunt) $Begnnl)nte ber ©iiter SBallenfteinS unb feiner s2(n^anger o^ne^in ©elb genug l)aben müffe. 3)er ßaifer gab in feiner dntroort Dom 16. DJtar^ : „Unb ift ^roar nidjt o^ne, bafS unfer ißolt bie ifkincipalen ber jüngft angemafSten abfd)eulid)en DJteincibigfcit unb iBerrütcrei bereits aus bem $ßeg geräumt unb uns baburd) ftarfe UonfiS« cationSmittel ^ugefatlen", aber bieš teič)e nic^t §u unb er müffe neuerbingS bie erroälfnten (Summen forbern. 9tun gurrte e§ aber bamalS unter bem SanbDolfe in Unterfteiermarf, toorauf bcr ßanbtag aufmerffam madjte. „®ie $auern in Unterfteier", fagten fie, „reben roinbifd), unb and) fonften ift gtoifdfen ®eutfd)en unb 2Binbifd)en gleidjfamb eine angeborne s21ntipatf)ia nnb $ßib er finnigfeit erzeiget", bie burd) ftarfe ©elbforberungen Derroaf)rt roerben fönnte. 91ber ber Sanbtag mufSte bocl) einen Uff eil ber geforberten Summen beroiHigen. 3m Unterlanbe brad) im 3a^i'e 1635 roirflid) ein $auernaufftanb aus.1 SDie Itrfac^e roaren bie ©eroaltfl)ätigfeiten beS ffelip Don Sdirattenbad), ber einft Sammerlferr beS ©r^er^ogS fferbinanb unb bann fteirifdjer ßriegSratf) gcroefen roar unb bie SanbeSgerid)tSperrfd)aft Ofterroi^ unb SLrifail innefiatte. Sie Seroegung ergriff and) bie Säuern anberer ^errfdjaften, fo bafS fid) fcfiliejilid) ber dufftanb über baS gan^e Unterlanb ausbreitete unb nad) Sraiu pinübergriff. Sie Regierung gog 9Jfannfd)aft aus ber roinbifdjen ©ren§e tjerbei, bie unter ifirem Oberften, bem © r a f e n ©eorg Subroig Don S d) to a r § e n b e r g, 1 DJtcII, ®er toinbifdje Sauernoufftanb be§ Sabre« 1635. UJlittb. 44. bcn 9tufftnnb untcrbrüdtc, nid)t oljne felbft ben @imnoljnein großen ©čfjoben jujufiigen. $ie Ä'Iöfter Oberburg, ©eirad), ©etj unb ©tubenitj unb jaljlretcfje §errfd)aften waren Ijart mitgenommen roorben, aber aucf) bie ©tabt Stili, roo bie ©rajer einquartiert waren, Ijatte Diel gelitten. Oie ©trafen, 511 melden bie gefangenen gtebeltenfüfjrer Oerurtfieilt würben, waren tier^ältniSmüfjig milb; ber Sßeranlaffer biefeS 9Iufftanbe§, ^elij: oon ©djrattenbad), tarn aber ofjne ©träfe bation. 2tuc^ in fpütercn Sauren ereigneten fid) in Unterfteicr SBauernunrufjen. 5. $on ftcirifdjcu 9(bd§fmtttlicn. Unter ben ÜJtännern, welchen ber Äaifer großen SinflufS auf feine ©ntfcßließungen gönnte, befanb fid) ein ©teiermärfer, §an§ Ulrid) tion ©ggenberg.1 ©r war ber ©oßn jenes ©eifrieb, ber baS ©ggenberger ©tift ben ©tänben Oerfaufte, unb im etmn= gelifdjen ©lauben erjagen. 9II§ er aber am ipofe beS jungen ©rjfierjogS fferbinanb Oienfte natjm, würbe er tattjolifd). 3m Saljre 1598 erljob ißn $aifer Ütubolf II. in ben ffreitjerrnftanb. @r crßielt fid) bauernb in ber ©unft gerbinanbS unb würbe, al§ biefer ■Saifer geworben war, Oirector bcS ©eßeimen DtattjeS, Oberftf)of= meifter unb 1621 nadj bem $obe ©iegmunbS Don §erberftein aud) SanbeSfiauptmann Don ©teiermarf, mit meid)ent 9Imte ein ©eljalt Don 1800 ©ulben üerbunben war. @r ßalf bem R'aifer fetjr oft au§ ©elbüerlegenf)eiten unb Derftanb e§, fein Vermögen in unge= möfinlid)er Sßeife ju Dermeßren. ©r taufte bie £)errf<|aft 2lbel§berg in Ärain; im Saßre 1622 fdjentte ißm fferbinanb bie bttrd) ben 5£ob 2BotS Don IRofenberg erlebigte §crrfcßaft Ärumau mit ben ©täbten s}kad)ati| unb Diettoliti unb mehreren 9JZärften, im ganjen mit 313 Ortfdjaften, einen SBefiß, ber an 91u§beljnung ba§ ©ebiet mandjeS ÜteidjSfürften übertraf. Äurj barauf mürbe er in ben 1 §an§ oon 3toiebinetf = ©übenf)orft, §an§ Ulrich Siirft Oon Gtggcnberg. Söien 1880. gteidfySftirftenftanb erhoben, unb 1628 würbe mit bem Sefitj bon Snunau bie ^erjoglictie SBürbe berbunben. Sie |)errfct)nften Stjat unb ©öfting bei ©raj, ©ttibing, SBübon, ©trap, 3t«bfer§burg, Meltau unb biete anbere in ©teiermart unb mehrere in Ärain gelangten burd) Äauf in feinen SBefip. 3m Satire 1625 gab itjm ber Äaifer einen neuen 33emei§ feines SSertrauenS, inbem er ifjn wegen feiner „erfannten anfefmlidien unb ftatttictjen SSernunft, gürfid)tigteit unb @rfaf)reuf)eit" jum ©eneralftattpalter bon Snner= öfterreict) ernannte. lt§ fotcfier bejog er bon ben brei Säubern einen SaffreSgepalt bon 12.000 ©utben, bon benen ©teiermart bie fjätfte jafitte. 3m 3nt)« 1633 war bie freit)errličt)e Sinie ber (Sggenberg im ®tanne§ftamme auSgeftorben, aber fdjon bortjer war bem dürften $)an§ lltrict) bie §errfct)aft ©prenpaufen übergeben worben. „Sa§ Slnfetien, weldjeS ber ffürft im Sanbe feiner ©eburt genofS, war ein auperorbenttict)e§; feine greunbe unb Sßerwanbten waren ftotj barauf, bafS ein fo groper |)err auS iprer 9Jiitte perborgegangen war, unb baS ißott mocpte wopt glauben, er fei fo biet als SanbeSfürft, wenn eS erfnpr, bafS ©efanbte bon Äur= fürften unb ^erjagen ju ipm mnp ©raj entfenbet würben, ober wenn eS burcp Äanonenfipläge unb ©eweprfalben bon ber Ülnfunft beS dürften ÄenntniS erpielt." 9Jät beS ÄaiferS ©eneral SBaHenftein ftanb ©ggenberg ftetS in frennbfcpaftlicpen SBejiepungen. SaS ©nbjiel feiner ißolitif, bie Kräftigung ber Kaifergewalt bnrd) ein macptigeS Öfterreid), war aucp baS ber tßolitif UBallenfteinS in feinem erften gelbjuge. Surcp biefe beiben 9Jtänner, welcpe bie ©efdjide ÖftcrreidjS unb SeutfcpIanbS eine turje leiteten, ftieg Kaifer gerbinanb II. p großer DJIacptfülle empor. 916er beibe DJtänner patten geinbe unb Uteiber, unb ©ggenberg war nidpt imftanbe, bie 9tbfe|ung SBaHenfteinS im 3npre 1630 p berpüten. 9I1S nad) ber Sanbung beS ©cpwebentönigS ©uftab 91bolf auf beutfd)em Soben baS 9tnfepen beS ÄaiferS immer mepr fant, war eS ©ggenberg, ber ben groHenben Sßallenftein bewog, für ben Stufet ein §eer ju merben unb nac^fjer auč) ben Oberbefehl ju übernehmen, ©uftab 9IboIf fiel jroar in ber ©thladjt bei Šiiti e n, aber SBatlenftein jog fid) nach Söhnten jurücf, roorauf $ßaöenftein§ jtoeibeutige ^tanblunggroeife ihren Slnfang nahm, bie im Sahre 1634 ju feiner ©rmorbung führte. 3n bemfelben 3ahre mürbe and) ber cinfluf§reid)c Uiinifter feines ®ienfte§ entlaffen; er begab fict) nach ©raj unb bau ba nach Saibačh, tuo er im October 1634, alfo ad)t Siona te nad) ber Gmnorbung 2BaHenftein§, aus bem Seben fdjieb. Smh bei feinen Scbjeiten mar ba§ ©erücht entftanben, er fei in bie SEBaöenftein’fdie Serfchroörung bermidelt geroefen. Oie§ mar eine böSroillige ©rfinbung, ber and) ber fi'aifer entgegentrat. S)em ©ohn be§ erften dürften bon ©ggenbcrg, Johann Sin ton, gelang e§, eine Sßrinjeffin au§ einem alten Üiegentenhaufe al§ ©emahlin heimjuführen unb fo feinem ©efdjledjte einen neuen ©lanj ju berleihen. 5Die§ mar Sin na Slaria, bie lEodjter bež SJiarlgrafen ©ffriftian bon Sranbenburg=33aireuth. ©ic gehörte bem ebangelifcffen ©tauben an unb erhielt ba§ Serfftrechen, baf§ ihr in ber SluSübung ihres ©laubenSbefenntniffeS fein ^inberniS roerbe in bcn SBeg gelegt merben. SllS fie aber nach ®rnj fam, mürbe fie gejmungen, ihr ebangelifiljeS ©efolge ju entlaffen. gür ben dürften Johann Slnton bilbete bie Diegierung gegen eine fel)r hohe ©ntfd)äbigung aus ber |)auf)tmannfchaft ©rabiSca unb bem ©ebiete bon Stquileja eine gefürftete ©raffdjaft unb überließ fie ihm mit boller SanbeShoheit unb ©eridjtSbarfeit auf bie Oauer be§ 9Jiann§= ftammeS. SllS gefürfteter ©raf ju ©rabiSca mürbe Johann Slnton beutfdier 9teid)§ftanb unb unter bie ©tänbe beS erften UreifeS auf genommen. Stach feinem SEobe lebte feine Stiitroe juerft in ©raj, bann begab fie fid) nad) Öbenburg, too e§ biele ißroteftanten gab. Shre ©öl)ne tl)eilten im 3ahre 1665 bcn großen @ggen= berg’fd)en Sefitj unb grünbeten jroei ßinien: bie böhmifdje, roeld)e im 3al)re 1710, unb bie fteirifdje, bie im 3al)re 1717 im 9JtannS= ftamme auSftarb. Oie gefürftete @raffd)aft ©rabiSca fiel an bcn Äaifer heim; ©rbe beS ^erjogthumS ßrumau mürbe §ürft Slbam 18 9R aty er, ©efd)td)te ber ©teiermorf. grnnj ju ©c^trmrjenberg, unb bie ©üter ber fteirifdjen Sinie erbten bie gräflichen ^omitien ^erberftein unb SeSlie. Ste ffamilte ©c£)tonrjenberg, roelthe nnctjnmlS al§ @rbtn ber (šggenberg auftrat, ift eben burct) ben dürften §an§ Ittrid) jur SBebeutung gefommen. Sie§ hängt mit bet merftoürbigen grau 9(nna Neumann Don SBafferleonburg jufammen.1 Sin SJtitglieb ber bäuerlichen gamtlie Neumann, bie betu ©efctjlechte ber Seuffen= bad) in Cberfteier unterthänig mar, ließ fid) in SBeitenšfelb in flarnten nieber, unb anbere erfčhienen bann in ber §auf)tftabt tßiKad). SGBilhelnt Neumann gelangte burd) eine Beirat in ben tßefift bon Slnthcüen an bem eben entbedten Quedfilberbergmert Sbria, ben er Dergröperte, fo baf§ er barauS großen 9tu|en jog. Sr taufte ©ülten, Bauerngüter unb 1522 Don ben brei ©bhnen beS greiherrn bon Ungnab bie tperrfdjaft SBa f f erleonburg am füblichen 9tbhang be§ Sobratfd). Dtacf) feinem Sobe taufte feine SBitme ©üter im ©ailthat, fo baf§ ihre Sodjter 91 n n a eine reid)e Srbin mar. ©ie heiratete 1557 ben greif)errn Johann 3atob Don ShQnn-Ijaufen au§ einem faljburgifdjen ®efd)Ied)tc, ber jebod) fthon nad) brei fahren ftarb. SBährenb biefer turjen @f)e ftorben bie bier Brüber ber jungen grau, bie im Sah re 1565 in jroeiter @he fid) mit ©hriftafh C>errn ju Sieie bötnnifctje Sinie erlangte im 3at)re 1805 ben 91eid)S= fürftentitel. ®ic $ßinbifct)grä^ ergeben ben Slnfprud), tion SBetianb tion ©rag abguftammen, roeldjer ein ©ol)n beS DOlarfgrafen Ulrid) tion Zürnten unb feiner ©emafjün ©oblfie, einer ungarifdjen ißringeffin, mar. lllrii^ flammte au§ ber tljüringifctjen ©betfamilie 9Beimar=Ortamünbe. SBerianb mar IBefi^er ber ,f)errfd)aft S?3inbifd)= grü|, bie er tierlor; fie mar um 1170 im Sefitje ber ©rafen tion ütnbedjS, als beren -Dtinifterialen bie äßinbifd)grüner erfdjeinen, unb gieng 1251 in ben Sefitj beS 3ßatriad)atS tion 3(quileja über. $lud) tiom 9ßntriard)ate Ratten bie „SBinbifdjgrager" Seifen inne unb mären benmacf) Sienftleute, Seamte ber Patriarchen, ©in ^ermann timt 2Binbifchgrag mar im 3ahre 1271 33ürger tion ©rag, ein anberer tierroaltete 1314 baS 2lmt eines ©tabtrid)ter3 in ©rag ein Sonrab tion SBinbifdjgrag mar 1323 ©telltiertreter beS fteirifdjen SanbeS= haubtmanneS Ulrich Don 2Ballfee. 3m Snl)1-'6 1551 mürbe biefeS ©efdfledft in ben ^reifferrn^ ftanb unb 1557 eine Sinie beSfelben in ben ©rafenftanb erhoben. 3m 3af)re 1804 erlangte eS bie ^ürftenfrone. Sie S$inbifihgrä| befleiben feit 1565 baS ©rbftaflmeifteramt unb befitien im Sanbe ©onobits, Cbcrrohitfd), £)f)lotni|, ©eig, ©termoll unb $Bifell. 5Die 5Zöurmbranb erfctjeinen um 1194 al§ freies ©efčč)Ied)t ©tufifmd) bet @ioggni| in ber 2Jlart Ritten. 3m 3öt)re 1400 bermäfilte fid) Soren5 non SBurmbranb mit Sattjarina, ber ^odjter be§ $ruä)fef§ gricbriä) Don (Smerberg, rooburd) ffiäter baS Oberft= ©rblanbfüdjenmeifteramt be§ |)erjogtt)um§ ©teiermarf an bie Familie SBurmbranb fam. SDteldiior ber altere erroarb 1518 ben §rei^errn= ftanb; 9Md)ior§ ©olm 91tattl)ia§ bermül)lte fid) mit ©ibljlle, ber @rbtod)ter be§ fteirifdjen @efd)led)teS ber ^^inger, unb Jerlfielt baburd) bie in Oftfteier gelegenen ©üter biefeS §aufe§. 3mei ©öfine be§ 9JlattI)ia§, ©Ijrenreid) unb Dtubolf, finb bie ©rünber jraeicr ^auptlinien, ber öfterreid)ifd)en unb ber fteirifdjen. @l)ren= reid)§ ©ot)n 3ol)ann ©^renreid) erlangte mit feinen Settern 'bon ber fteirifdjen Sinie ©eorg 91nbrea§ unb 2Bolf griebriä) im 3afire 1682 ben erblidjen ©rafenftanb. Unter ben 9Jtitgliebern ber öfterreidjifdjen Sinie ragen §toei Ijerbor. 9)?etd)ior ber jüngere trat im breifjigjüljrigen Kriege in fdjroebifdje $ienfte, rourbe als f^elboberft ©uftaö 9tbolf§ ©outierneur bon ®onauroörtl) unb Sauingen unb erhielt 3uletta in ©d)loeben, roo er Serfud)e mit einer anberen 91rt ber ©erftetlung bon ©e= fdjü^en anftellte. @r mar and) Sefifser bon Slomberg im ©IfafS unb Ottobeuern in ©djroaben. 3o^nnn SBil^elm bon 2ßurm= branb (1670—1750) roar feit 1697 9teid)Sl)ofratf), 1722 Sice= präfibent, 1728 9ßräfibent biefeS l)öd)ften laiferlidjen ©erid)t§^ofe§, nafim als foldjer unb als 9Jtitglieb beS geheimen ütat^eS and) an ber Seitung ber öfterreid)ifd)en unb 9teid)3 = ißolitif 9tntt)eil unb madjte fid) außerbem als ©enealog burd) baS $ßerf Collectanea genealogico-historica rüfjmüd) betannt. 3u Seginn beS neunzehnten 3cihrl)un'3ei:t§ erroarb bie bfter= reid)ifd)c Sinie, bereu ^aubtbefiß gegentoärtig bie 3abeicommif3= güter ©teßerSberg bei 9teuntird)en unb ©tidelberg int 3Bed)fel= gebiete bilben, mit bem ©d)loffe Ülnfenftein neuen $efi| in ©teier= marf. ®iefeS gehörte zuerft bem SteidjSgrafen ^erbinanb, ber lange 3eit bie ©teile eines DberfthofmeifterS bei bem ©tjljerjog $ranz %arl befleibete, unb gieng bann auf beffen ©o£)n ©unbnfer, ben je^igen SanbeS^aubtmann, über, ber al§ (Staatsmann unb miffen= fctjaftlidjer ^orfctjer feinem ittfinbierrn Sotiann 2Bilt)elm nactjftrebt. IV. Jmtvu' mttr (EitlfniiufTantre. 1. Sittcnjuftmibc. 3in ben 3eiten unb religiöfer Sämbfe nmct)t fid) geroötinlid) eine Sodentng unb iJJtifšačjtung ber fittlidjen Drbnuug bemertbar. 3)a§ fed)^et)nte 3al)rt)iinbert mar eine 3eit beS HampfeS, unb bie gleid)5eitigcn Sc^riftfteller enttoerfen ba!)er ein trauriges $ilb bon ber 9tot)eit unb Unbulbfamfeit ber 9bnge!)brigen aller Stäube, unb berichten biel bon ben loderen 9tnfid)ten über Sitte unb ülnftanb. Iber babei barf man uidjt bergeffen, bafS eben beibe Parteien beftrebt finb, bie ^elfter unb @ebred)en itirer ©egner rcdjt ftarf in ben Sorbergrunb ^u ftellen. 2Ber otjne $orurtl)eil bie 3e'tberid)te f>rüft, mirb bod) erfennen, bafS e§ bei beiben 9te= ligionSbarteien biete etjrenmerte, "glaubensinnige iOiänner bon et|r= barem SBanbel gab, unb bafS and) biefe beroegten 3eiten biele Seifpiele bon ©belmutfi, eäjter üteligiofität unb parter 9tufobferung aufmeifen. Einige boIi^eilid)e Dtnorbnungen haben mir auS bem Satjre 1530. „Ipört unb logt", heißt eS in einer berfelben, „ber funig= lidjen fDiajeftät, unfereS gnübigften tperrn unb SanbeSfürften crnft= liäjer SBefetd) ift, bafS in ißrer funigliäjen ÜJtajeftät Sanben niemanb, roer er fei, bei ©otteS, unferS ©rlöferS unb SetigmadjerS heiligem Dlamen, foroie heiligen unb bitteren Selben, SOtartern nod) ©Hebern futber nit mehr fdimöten noch fluchen, and) feiner bem anbern mehr ^utrinfen, nod) anber bergleidjen bös Safter treiben noch geftatten folle. @S fallen auch ^ie SBirt, Sßurger unb Snmohner in ihren Raufern nicht finden nod) offen S£an§ hüllen taffen, and) bei näd)t= lieber 2ßeit über bie tierboten 3eit niemanb fi|en noch trinfen laffen. @§ foll and) niemonb bei nädjtüdjer $ßeü über bie geroöljniidje 3eit ofjne e^rijafte sJtoi (b. I). oljne begrünbete Urfadje) auf ber ©affen manblen, fid) and) feiner mit ungeftümem ©cfdjrei, unber= fdjambtcn ©efang, ütumor ober 51ufrnl)r pren nod) betreten (affen." Siefe Dlnorbnungen fdjliefjen mit ben SBorten: „®a§ fag einer bem anbern." $on ber Dtanflnft bc§ fedi^e^nten 3al)r^unbert§ melbet bie gtumortafel, bie fdjon emäljnt morben ift. 9toä) gröjjere Unfidjerfieit Ijerrfdjte auf bem fladjen Sanbe, roo bie Säuern oft fd)u|lo§ ange= roorbenen ober abgebanften ßanb§fned)ten unb anberem lieberlidjen Soff preiSgegeben roaren. @S gab Seute, bie mit trommeln unb (pfeifen in ben Dörfern umfier§ogen unb auf Soften ber Säuern lebten. 3m Saljre 1589 ergieng e§ ben Säuern in ber 3'ubenburger ©egenb fdjlimm. ©ie er^iiljlten jammcrnb bem Sanbfirofofen, ber auf foldje Sanbftreidjer gu faljnben Ijatte, roie fie tion ben burd)= äietienben S'nedjten „fdjroerlid) unb fjödjlid) bebrangt mürben. Cb man ifjnen fdjon §ilfgelb gern unb gutroiHig Ijat geben möllen, (jaben fie bodj bamit nit möllen erfättiget fein, fonbern Ijaben iljnen Xljaler unb Sronen geben müffen, barju iljnen all iljr ©elb mit ©emalt genommen, baneben allerlei Stutmillen getrieben, bie Zljür unb fünfter eingeftöjjen, iljnen bie gtappiere unb Südjfen an§ §erj gefetjt". Sud} bem Sanbppofofen umdjten biefe Seute oiel Serbrug, er berfolgte fie, aber fie entroidjen iljm, unb roenn er in einen Ort tarn, roo fie früljer gefjauSt fjatten, Ijat er gcmöljnlidj „feinen meljr erfragen mögen".1 ©in üi'oteftantifdjer (Jßrebiger berietet tabelnb von „bem greulidjen (pradjt unb ©tolj, fo jefjunber nit allein in ©djmang ge^et, fonbern and) von $ag ju 5Lag jimimbt unb müdjSt, bafS man fdjier feinen ©tanb vor bem anbern in ber Steibung erfennen fann. llnb mirb eS nit abgeftellt, fo glaub idj nit, baf§ man ein dürften ober gürftin Von geringeren ©tauben auf bie feljt erfennen 1 tianbeSgenbarineric im jcibjelinten Sabrin S. u. 3aljn§ ©t. ©efdjidjiS--blätter II, 235 ff. — Sanbprofofeii in S. u. 3af)n§ Styriaca II. möd)t, fie giengen bann in lauter fein ©alb unb bem aller töftlidjftcn ©belgeftein baljer. DJian tann fiel) l)eutig§ 5rag§ nit genug muhen unb l)erau§ftreic£)en, eš mufž alles auf baS !öftlid)ift jugeljen, e§ muf§ aintroeber alles übernät unb feltfam üerßrcimbt ober funft jerftüdelt, jerftodien, ger^aut, jerfleifd)! unb fdjiinblid) jerlumbt fein, bafS mannidjeS Sleib meines ©radjtenS Don einem ©djnciber für bie Arbeit fo tiiel ober meljr toftet, man l)ätt tior Seiten rool brei ober öier barumb machen taffen mögen. 3ft and) nit genug baüou ju fagen, maš für unfüglidjer großer Unfoften aufgeljet. ®a mufS alles öon ©eiben, ©ammet, ©über unb ©olb, ^erlern unb ©belgeftein auf baS allerteureft unb foftlidjeft ^ugeridjt fein, unb ift ju beforgen, man roerbe balbt ©djneiber aus fremben Stationen unb Sanben mit ber Sßaar müffen ßerauSbringen, bie |otd)e teure ■Dtoteri auf anberer, ßoffürtiger Sanbart beffer jujuridjten miffen, e§ mufS bod) je|t alles malfd) unb fbanifd) fein." Sind) in ben lafelfreuben mürbe fein IDtaß gehalten. „@S müffen bie $ifd) fo Doller $rad)ten (®erid)te) fteljen, bafS fid) babor niemanb regen fann, unb foll man alfo fortfaljren, fo roerben bie felsigen SEifdf auf bie leßt ju Kein werben, man wirb größere madjen müffen. SJlan läfst fid) an bem ©ffen nit öergnügen, fo man in bem ßanb befumet, eS mufS auS frembben Sanben mit gar ungroßen Unfoften gebradjt unb meiftentßeilS unnüß berjeßret roerben. Stlfo and) mit bem ©etranf. Ser atlmädjtig ©ott ßat biefem Sanb guet ©etranf unb Sßein geben, folt man aber nit allroeg fünf= ober fedjferlei SBein auS frembben Sanben jur $er= fdjrocnbung unb jum SSoHtrinfen ßaben, fo meinet man, eS mitre übel Zugängen. Inner Seute iflracßt roütjret nit lang; man ber= fiijmenbet auf einer ipodjjeit oft fo biel, bafS man lang barnad) bran ju jaßlen ßat." 3m Saßre 1574 .erließ Stari II. ein ®riminaI = ©efet)= bud) mit bem Sitel: „®eS löblichen ^ürftentßumS ©teßer Sanbt= unb f)einlid)c ©erid)tS=Orbnung." @§ ftimmt im mefentließen mit ber ßeinlidjen tpalSgericßtSorbnung StarlS V. (ber ©arolina) über= ein unb beftet)t nuS brei feilen: ber erfte ^anbelt tion bem, toaS ,,malefi§iftt)" ift, b. inoburd) ba§ Seben tierroirft roirb. ®er ^točite SL^etl ift bie ©erid)tSorbmmg, ber brüte fjanbelt non ben $er= getien, bie mit ©etbftrnfen belegt roerben. 3m 1577 erfd)ien bie „Drbnung guter ipoli^et)".1 3n ber Einleitung tnirb ertlärt, bnf§ „(Sott ber aflmadjtige billig ^od) erzürnt fet) über bie unmäßig überfmnbgenommenen Safter ber ©otteSläfterung, be§ 3utrinfen§, $ölleret); übermäßiger Sleibergracßt u. f. ro. unb oßne alle 3toeifeI beSroegen im gered)ten 3Drne ber gemeinen Eßriftenßeit Erbfeinb ben SLürten mit feinem gräulicfjen SBütßen unb Ügrnnnifieren Oertjüngt ßabe, roie leiber am Sloge Dor ülugen liege". SDiefeS ©efelj enthält and) eine Sleiberorbnun g. „$ic unorbenttidfe Söftlidjfeit ber Sleibung" erzeugt, fo roirb betont, §od)mutl), 9trgerni§ unb $erarmung. ®en Sifcßöfen roirb einge= fdjärft, i()re ©eiftliitjen gu einer ißrem ©taube angemeffencn Sleibung 5U oerßalten. ®en Säuern roirb oerboten, (Selb unb ©über 51t tragen unb ©eibenftoffe unb feineres Sßel^roert §u oerroenben. ®en geroötinlidjen Sürgern finb 5toei Singe mit ober oßne Ebelfteine, jeboct) nidjt über ^eßn ©ulben im $öerte, geftattet. Sie Sürger Dom Satt) unb tion altem ®efd)led)te, Sbtiocaten unb $an§leitier= roanbte bürfen ^u ißren Kleibern Slud) oerroenben, tion bem bie Elle ^toei ©ulben foftet, unb ©djmucf im 2Berte tion breißig ©ulben tragen. SDie Soctoren roerben bem Sbel gleidjgeftellt unb finb roie biefer in Kleibung unb ©d)mutf ^iemlid) unbefeßrünü. SDodj roerben tion ben Sbeligen, bie fieß niä)t tion Senten unb ©ülten ernaßren, jene unterfeßieben, reelcße „fieß KaufmannSßänbel ober burgerlüßen Öanbtirungen gebramßen". Es ift befonberS ßertiorjußeben, bafS alle „gef(ßmeläte Srbeit, barbeß bann großer Setrug", ferner filberneS unb tiergotbeteS ©efäjirr, baS außer SanbeS gemaeßt roirb, ein^ufüßren unb 511 tragen unterfagt roirb. ©onberbar mag e§ erftßeinen, bafS befonberS bie grauen ermaßnt roerben, in ber Kircße nur mit eßrbaren, unb langen 1 ©ebrueft 31t $tug§6urg bei 9)li(bael HJtanger, Kleibern ju erffeinen, butnit jrotfdjen betn „Strd)gang unb anbern roeltliä)en $erfamblungen ein bitüdjer Unterfd)ieb gefefjen roerbe". SDie ©djneiber erhalten bei ber ©träfe ber 91u§roeifung ben $efef)t, bie Sleiber biefer Orbnung entfbtedjenb ju mad)en. ®a§ @efe|6ud) fdirönft and) ben übermütigen ittufroanb bei §od)jeiten, SinbStaufen unb heften ein, tierbietet ben ä'ßirten, bie ©äfte ju übermalten, trifft Dlnorbnungen bejüglid) ber SBaifen unb ber Sßormünber, bejüglid) Serf^toenber unb foldjer, bie ,,fürfe|Iid) fallieren", bejüglid) be§ „^ürfaufg", ber 9trjte, be§ (SefinbeS, ber Settier unb beS „lebigen gemeinen ©efinbelS, fo obne orbentlidje @rlaubnuf§ auf bem Sanbt laufft". @in gerobt)nlid)er §au§balt foftete um bas Safir 1600 in ©raj, baS etroa 12.000 (Sinroo£)ner batte, ungefähr 200 ©ulben; bie tßrofefforen ber ©tift§fd)ule bejogcn einen ©ebalt tion 200 bi§ 300 ©ulben. Sin geroöbnlidien Seben mürbe nad) rbeinifdier 2Bäbnmg gered)net, b. i. nad) ©ulben, ©djiHingen, Pfenningen, fftüter and) nad) Sreujern. ©in ©ulben mar gleid) einem pfuub Pfenningen ober 8 ©d)illingen ober 240 Pfenningen. @r batte 60 Steujer, ein Srenjer 4 Pfenninge, ffür eine einfadje SBobnung jablte man eine SabteSmiete tion 20 ©ulben, ein pfunb 9iinbfleifd) foftete jmei Sreujer; jum fftübmabl aß man um einen Sreujer Staut, jum 9tad)tmabl Staut ober iftüben. 9)?an bebnrfte alle 14 5Eagen eine Slafter 4itilj um einen ©ulben 15 Sreujer, unb alle Sßodjen ein pfunb Serjen ju fed)§ Srenjern. ©in paar ©d)ube bejaljlte man mit 26 Sreujer, aber fie roaten fo fä)led)t, baf§ man monatlid) ein paar nötl)ig batte. Sn Seoben mürbe im Sabre 1548 befdjloffen, ben ^leiftbbadern roöcbentlid) baS ffleifd) ju fdjaßen; baS ©diaffleifd) foftete 4, ba§ Saftrannenfleifäi (^mmmelfleifd)) 5, ba§ gute 9tinbfleifd) 6 Pfenninge per pfunb. 2. Snbuftrie unb Suuft. ®ie mälfdje 91rt, tion ber oben bie 9tebe mar, ftammte oon ber engen Serbinbung be§ §)ofe§ mit Stalien unb ben $Öälfd)en, 284 bie gerabe im fec^je^nten 3a^tl)iinbert in großer 3«^ nad) ©teier= marf tarnen.1 ©ie tarnen al§ Saumeiftcr, $ilbt)auer unb SJtaler, al§ Maurer unb 3ie8e®renner, al§ 9tr§te unb Saufleute, al§ Mufiter unb Sanjle^rer. ©ie erfdjienen nidjt allein in ber ipnut)t= ftabt, fonbern and) in fleinen ©tobten unb Märftcn, erwarben ©runbbefits unb mürben ^Bürger bež ßanbeS ober roanberten mit iljrem (Srrocrb roieber in bie Heimat. @§ tarnen aud) italienifdje Stbelige Ijerbei unb mandje Italiener mürben geabelt. Sie a a r mürben (Srblanbboftmeifter in ©teiermorf, Herren in ^)artberg, unb nad)l)er in ben gürftenftanb erhoben. (Sr^erjog Sari jog ben Satob Šibam Attems als Oberft= fjofmeifter unb ©r^ieljer feines ©ofmeS gerbinanb an feinen ipof/ Sodann SlbamS ©olju ^ermann mürbe mit feinen Settern in ben ^reiljerrenftanb mit bem ißräbicate „Oon |)eiligenfreuj" unb beffen SBitme Urfula, geborene Kretin tion SBreuner, mit itiren ©öljnen 1630 in ben Dteii^Sgrnfenftanb erhoben. S^lreidje ©üter in ©teier= mart erroarb Sgnaj Maria 91ttem§, ber baS ÜßalaiS in ber ©act= ftraße erbaute unb 1732 ftarb. Sie SIttemS waren in alter 3eit auS fronten nad) fyriaul gefommen unb tarnen über ©örj in ein beutfdjeS Sanb prüd; fie betleiben baS ©rbfämmereramt, blülien in mehreren Sinien unb befitsen Sinbberg, ©öfting, ©pielfelb, $ßurm= berg, Surg 2ßinbifcf)=3:eiftrits, 9tann u. a. ©üter. 51ud) bie MoScon flammen aus Italien. Sie meiften Italiener waren fleißige Arbeiter unb belebten ©erocrbe unb Snbuftrie, fbanbet unb SBanbet. Sie Regierung Šariš II. unb fferbinanbS unterftütjte bie ©eroerbc unb begünftigte baS üluffommen neuer Unternehmungen. Sis bal)in mar ©teierinarf oon Senebig mit ©laS berfelfen worben; um Don biefer ütepublit unabhängig ju werben, begann man im Sanbe felbft ©laS ju er= geugen, unb mahrfcheinlid) waren bie erften ©laSmaäjer Italiener. 3m 3al)re 1570 lebte in fiapfenberg ber ©laSmadjer unb ©eifen= fieber ©aleajjo Dteini, ber in ShöU Papiermühlen befaß, unb peter 1 Sigi. ben Ikonen tion S.o. 3 a t) n, „Sffiäljc^e ©äfte" in ©tprinca I. be SR o f| i betoarb fict) um bie Setoittigung, in Steicrmarf eine ©Ia§= Ijiitte anlegen 511 biirfen. 3af)re 1580 errict)tete Valentin SRonter eine fold)e auf bem (Sebiete be§ ©tifteš iReuberg im SIRiit^tfjnle, eine anbere beftanb bei ©pital am ©emmering, unb batb barauf toirb roo^t bie auf ber Soratpe, 51t ©reffenberg in ber §err= fčfiaft ©diroanberg in§ Seben gerufen toorben fein.1 2Ba§ bie SRenaiffance in ©teiermart ©cponeS gefdjaffen fiat, ift burcč) ben 9tbet beranlaf§t roorben, aber bie Saumeifter finb $ßätfct)e geroefen. ®ie ^)auptleiftung bes Somenico be Salio ift ba§ Sanb= t) a n § in ©ra^.1 2 $ie fteirifcpen ©titnbe patten, roie fcpon angebeutet, 1494 mm einem 33ürger ein $au§ in ber -|)errengaffe getauft, ba§ audi eine Sapette entpiett, unb in bem fic ipre ^ufammenftinfte patten unb ipre ©čpreibftube unterbringen tonnten. SDiefeS .£)au§ piep baper bie Sanitet. SOtit ber eroarben fie aucp bie angren§en= ben Raufer. 3lierft tieften bie ©tanbe jenen $peil umbauen, ber feine f^ront gegen bie ©cpmiebgaffe teprt. §ier befinbet ficp ber fogenannte SRitterfaal, ber mit ben SBappen ber bier inneröfter= reicpifčpen Sitnber ©teiermart, Samten, Srain unb ©Dr§, ber $er= orbneten unb be§ gefammten fteirifcpcn SttbelS gefd)miictt roar. 3m 3apre 1558 begann be Satio ben 2ku be§ SanbpaufeS, ben er felbft bis §u feinem $obe im 3apre 1563 ftiprte, roorauf ipn feine ©čpiiler im fotgenben Sapre bottenbeten. ®er üßalaft ift eines ber fd)bnften RBerte ber ütenaiffance in Öfterreidp. SDie f^agabe ift fepr einfad) unb nur burčp bie ©tocfroertSgefimfe unb bie 2trd)iteftur ber gefoppetten SRunbfenfter gcgliebert. $ie ^ofanpiteftur ^eigt brei iibereinanber rupenbe spitafterpatten. 5Die ©äle unb Ratten beš SauroerteS patten bemalte 2)eden, bie Spüren roaren mit SBappen unb ©djnipereien gegiert, bie fünfter beftanbcn au§ Sßutjenfdjeiben 1 Si. o g a t j ib n i g g, SBeiträge gur ©eidjidjte ber fteirifdjen ®ia§inbu|trie. 3n bem 3Berid)te ber t. f. ©etoerbeinfpectoren im Sapre 189B. SBien 1894. (93e= ricpt über ben IV. SluffidjtSbegirt.) 2 SBaftler unb 6. Sapu, ®a§ SžanbpoitS «on ©rag. SBiett 1890. mit ÜZBappen in (Blagmalerei. ®ie großen SE^onöfen roaren emailliert unb felbft bie SBafferflieier fünftleri|d) auSgefü!)rt. $on biefen ütrbeiten, rocl^e beutfäjc ^)anbroerter auSfü^rten, finb mir bie prädjtigen SBafferfpeier ber ®ad)rmnen erhalten. Ulacl) ißollenbung beš Sanb^aufeš trat ber §eftungSbaumei[ter $rancegco 9)1 a r m o r o b e iß o n e unb nact) einigen ^a^ren and) fein 33ruber Entonio in ben ®ienft ber Sanbfd)aft. Slft 9tame lautet in ben ©djriftftüden immer 9J1 a rb 1, unb fo fdjrieben fie fid) fßäter and) felbft. ^ranj 9Jlarbl begann ben Umbau be§ ($ggen= berget ©tifteS ^ur ©tift§fd)ule, unb ülnton ÜJlarbl toar 1577 beim S3au be§ IBabeljaufeä in Zobl unb bann and) bei ber @tiftg= fitdfe befdjäftigt. @inen neuen Auftrag erlfielt 21nton 9)tarbl im 3af)re 1581. Sie ©taube Ifaiten nämlid) bie 91bfid)t, ba§ 8anb= l)auS §u Dergröfsern; fie fauften baS an biefeg gren^enbe §auS in ber .fpetrengaffe, ließen e§ nieberreißen unb burd) 9)larbl einen 33au auffüßren, ber als $ortfe|ung be§ tion be Salio auf= geführten ^auptbaueg erfdieint; er roar 1584 ootlenbet unb geigt liier Soßbelfenfter in ber ^errengaffe unb gtoei Ülrfaben im C')0fe-Sie Saßette mit ber ^oftreßfie entftanb erft im Salfre 1630. 91n bag Sanbljaug fcljlofg fi<| fdjon nact) einigen Sagten bag 3eugl)aug. @g ift felbftberftänblid), bafg in ©rag feit alten Seiten forooffl ber Sanbegfyerr, alg and) bie ^Bürger unb bie ©tänbe 2Baffen= fammlungen, 3eugt)äufer ober 9tüftfammern Ijatten. Sag lanbeg= fürftlidje 3eug^au§ befanb fid) bei ber SBurg, bie üßaffen bet 33ürgerfd)aft mürben an oerfä)iebenen Orten aufberoatjrt: nalje an ben iRingmauertl)ürmen an ber 9)turfcite näd)ft ber grancigcaner« firdje unb unroeit bem 9tatßfiaufe am 9)larfte. (£ine tanbfdjaftlidje 3eugf)üte beftanb liielleidjt in ber ^interen ©djmiebgaffe (feßt Dtaubergaffe) in ber 9läße beg 9tedtl)urmeg unb ber golterfammer beg ©tabtgeriä)teg. ©in Sfjeil ber SBaffen mürbe nactfßer im neuen Sanbßaufe untergebradjt, unb groar in einer 9teif)e tion Kammern im Sad)boben unb and) gu ebener ©rbe; aufjerbem mürbe eine 3mgi)iitte im fogenannten 9tauberl)of an ber 9iing= m cmer erbaut, ©o »aren viele SBaffen in einem engen Ütaum beifammen. Sin Saljre 1632 beridjtet ber 3leifefd)rift(teller SJtartin 3eiller folgenbermafjen: ,,©d faben and) bic !)od)lbblid)en 2anb= ftänbe in bereit nnfdjnlicfy erbautem 2anbl)au§, in ber ^lerrengaffe gelegen, ein 3engl}an§, iveld)e§ mit groben ©tüden, ütüfttmgen nnb ÜJhmition jimblid) Verfemen; aber fd)ab ift e§, bafg alles fo eng bekamen fein unb übereinanber liegen ntuf§." 3m 3at)re 1639 befdfloffen bie ©tünbe ben Sau eines felb= ftänbigen 3engf)aufe8.1 ©ie tauften baS bem Sanbljaufe benachbarte §auS, ließen bunh ben Saufd)reiber (etwa Saubirector) 21bam Sffiunbegger von unb ju SBunbegg einen 3ßlan ober ivie man bamalS fagte, ein Sltobeft ausarbeiten unb it)n burd) ben Sau= meifter Slntouio ©ollar ausführen. Ser Sau tnar 1644 üoHenbet. 3n jmei 9hfd)en neben bem Dlunbbogcnportal finb bie ©eftalten ber SriegSgötter StarS unb Seüona als 2Bäd)ter beS waffenftrotjenben Kaufes aufgefteKt. SaS 3eu9^au§ fd)lofS [ich niä)t an baS ßanbhauS an; baljer führte £)an§ Stamolo im 3ahre 1645 jtvifdjen ben beiben Käufern §toei ©djtvibbogen auS, auf welchen bie Serbinbung beibet Sauwerte hergeftcllt würbe. Sag St)01' ift bem Shore beS 3eughaufeS ähnlich, bie genfter finb benen beS ßanbhaufeS nadjgebilbet. Somit war ber SanbhauSbau abgefchloffen, ber fid) in feiner urfbrünglichen ©eftalt bis auf unfere Sage erhalten hat- 21ud) baS innere beS 3eughnufeS ift geblieben, wie es war; benn mit 21uS= nähme ber ©efchütje, Von benen ein Slfeil nad) 2Bien tarn, ein anberer an bie SRegierung DteapelS Verlauft würbe, finb bie Stoffen unb Lüftungen nod) immer fo aufgefteHt, wie fie um bie SOtitte beS fiebjehnten SahrhunbertS bereitgelegt worben waren, um baS 91uf= gebot beS ßanbeS bewaffnen ju tönnen, wenn ©efahr broftte. ©in berartigeS 3eu9hnu§ befteht fonft nirgenbS in ber Söelt. ©ine Sefchreibung aus bem 3al)re 1782 läfst fich alfo Vernehmen: 1 $a§ ßanbe§;3eugbau§ in ©rag. Seipgig 1880. — ß. Sacher, ®a§£nnbc§= 3eugt)au§ in ©rag. fiunftbeiträge au§ ©teiermarf. II. „$a§ Ianbfi$)afttič)e 3eu9^nu§ 'ft roegen ber fd)önen $ütertf)timer merfroürbig ju fefjen. 3n bem (Sange ju ebener (Srbe ift ba§ große (Sefcßüße unb bie bajti gehörige große SBerfjeuge. 3n ben (Sängen be§ erften, jroetjten unb brüten ©totfmerfeS finb glinten, s^iftoten, Segen, ©übel, Säajonete, Sßifelßauben, ^)arnifd)e unb ^anjerßemben ju feßen; roeiterS roerben ßier bie aufgericßtete ganje ^)arnifcße jener alten Jgelben, bie fuß um ©teßermarf berüßmt gemacßt, tiertoaßret, bie tßeilS au§ blanfem ©taßl nacß alter Ülrt fiinjtlicß gearbeitet, tßeil§ ßeöblau, unb an bet 33ruft ißre 9tamen mit golbenen Sucßftaben eingeäjet ßaben. sJtebji biefen finb Diele türfifcße Söaffen unb enblid) jene nocß Don bem grauen $(Itertßum ju feßen, fo unfere riefenmäßige SSoreltern getragen. £)ier tommen befonberS ju bemerfen bie ©treittolben, bie SQtorgenfterne, bie roegen ißre (Stöße unb ©djroere jebermann in (Srftaunen feßen, bie un= gemein große ©cßlatßtfißroerbter, unb enblid) eine Stenge eiferne langlicßte ©d)ilber. 9111e biefe mertroürbige 2Baffen, fo bie alten mit einer .'panb beroeget ßaben, überfteigen unfere ßeutige 9Jtanns= irüfte, roeil felbe mit aller Stüße unb üußerfter Ülnfbannung mit beßben .£)ünben faum geßoben roerben tonnen." Sag Sanbegjeugßaug entßält etroa 30.000 ©tüde, tßeilS augtoärtige, tßeilS einßeimifdje üLrbcit. 91m meiften lieferten Nürnberg unb 9Iug§burg; bie roicßtigften inlänbiftßen Orte, roelcße §anb= feuerroaffen erjeugten, roaren (Sraj, (Söß, Subenburg, Saßfenberg, Siejen, Stürjjufißlag, SjßöHau, gtottenmann, ©djlabming, ©tainj, 35oit§berg, $eitfcß unb SBeij. 3m ütenaiffauceftile finb bann and) außerßolb (Sraj Sauten aufgefüßrt toorben: bag ©cßlofg ütatmanngborf in 2Beij 1555 Dielleicßt Don be Salio felbft, bie ^ofbartie beg ©cßloffeg Rollen egg, bie ©cßlöffer iß er n egg, Sßannßaufen bei 2Beij, ©treißau, Sturau u. a. 9tuf einen beutfdjen Saumcifter lüf§t ©cßlofg (Sleinftätten fcßließen, bag im Siered erbaut ift unb Dier (Sdtßürme jeigt, üon benen jroei runb unb jroei acßtedig finb. Som Sau beg Suftfcßloffeg Sarlau in (Sraj unb beg 3agbfcßloffeg SEoßel mar fd)on bie SRebe. 3n ©roj entftanb im gnijte 1588 nod) ber ©lodentljurm auf bem ©djlofsberge. 3m Safire 1630 begann bet 9ieubau be§ ©d)Iof]e§ @ggen= berg bei ©raj, beffen SSaumeifter bie Staliener ißietto Salnegto unb 3 o 1) a n n b e 9t o n o roaren. Sie oier Äoloffalfiguren im ©artcnpartetre bot bem ©d)Ioffe, gortuna, 9Jtar§, 33eHona unb £)erfuie§, ftammen bon bem beutfdjen 93iibf)auer 9tnbrea§ 9Jt a r j. 2Bie fd)on ermähnt, lief ©rjljerjag Sari im Som ju ©edatt ein 9Jtaufoleum errieten. Ser Saumeifter roar 911 e $ a n b e r b e $ erb a, bet e§ in einem Sfeile beS nörblidjen ©eitenfdjiffeS anlegte. Ser toloffale ©arfabfag ftamrnt bon bem Silbljauer ©ebaftian ©arlon, bie 2Banb= unb Serfenbilber bon Sfeobor ©fifi. Sa§ SDtaufoleum jeigt nid)t mef)t bie einfachen, reinen gönnen ber Dtenaiffance, fonbern eine Diel größere, an garben reidje gormenfütle, bie burd) weifen, rotfien unb fdjroarjen 99tarmor, bergolbete Sronje unb ©tucco, enblid) burd) greifen erreidjt wirb.1 ©in beutfdjer Öteifter, §an§ SB alt er, errid)tete im Stuftrage DiufiredjtS bon ©ggenberg um 1610 ba§ iütaufoleum in ©frenfiaufen. Sie gagabe flantieren jwei riefige ©teinfiguren, bie römifctje Stieger barftellen. 3n ©raj entftanb um 1610 burd) ben gürften 3of)ann lllrid) bon ©ggenberg bie Sirdje 9Jt a r i a = § i 1 f; ©rjljerjog gerbinanb, ber na damalige Saifer gerbinanb II., lief ba§ SßreSbfterium er= tidjten. Sie Sirdje würbe im hörigen 3iil)tljunbert bergröfert. Serfelbe ©rjferjog lief bon 1614 big 1622 an ber ©teile ber SatfarinenfapeHe, bie abgeriffen würbe, neben bem Som ein 99t auf oleum errichten, ba§ ju ben eigenartigften Sauwerfen ÖfterreidjS gehört, ©ein ©djöffer mar ber 3taliener Sßietro b e dornig, ber im Seifte 1596 bon SnnSbrud, wo er einige 3^it gelebt fatte, naif ©raj überfiebelte unb fier als Saminermaler angeftellt würbe.1 2 ©fater betlcibete er and) baS Stint eines 3n= 1 2t. Söaftler in ben SJHtttieil. ber (EentrabSommiffion u. f. to. 1881. 2 S- Söaftler, ©totianni IMetro be ißomig. Dtebertorium für Sunft= toijfenfibaft VI. unb XIV. genieurg über bie Heftungen ©örj, ©rnbtSca, $rie[t unb gtume unb fjatte als foldjer bie $etpf[id)tung, fie alle 3al)re 511 beficf)= tigen. SDie ^nnenbecoration bc§ lötaufolemnS rourbe unter ßaifer Seopolb I. burd) ben f^äter fo berühmt geworbenen Sernfiarb 8 i f d) e r Don Sri ad), ber in ©raj geboren war, auSgefüljrt; bie Sinweibung fanb erft 1714 ftatt. Um 1600 malte tpomiS ba§ SBotiobilb ber $omfird)e in ©raj. ®ie DJtitte be§ SilbeS nimmt StjriftuS am ßreuje ein; auf ber Unten ©eite tniet ber Srjfjerjog fiarl mit feinen fei^S ©öl)nen, redjts bie Sr^er^ogin ÜJtaria mit ifiren neun 5Eöd)tern. 3'öei Sngel tragen eine $afel, bereit $nfd)rift bie fromme 3llberfict)t ber fürftlid)en gamilie auf ben ©djutj Sbrifti auSffiridjt. SSon be ißomiS ftnmmt and) baS jpod)altarbilb in bet 9(ntonifird)e. ©S fteflt ben Sr^er^og gerbinanb fnienb bar; bie „^Religion" reid)t ibm Seid), ©d)ilb unb ©cbwert unb fd)eint ibn jum Samfife für bie fatbolifdje Sirdje aufjuforbern; ätigleid) beutet fie auf bie SMferfrone, bie mol)! als ißreiS für ben Sambf gebucht ift. ®e SßoiniS malte and) ein 23ilb, weldjeS barftellt, wie bie Sr^berjogin DJtaria im Steibe ber Slariffinnen ben ^imntel betritt. SiefeS 33ilb befinbet ftti) in ber ©allerie 5lttemS. Sr malte ferner ein ©elbftfiortrüt, baS fidj in ber Ianb= fcbaftlid)en ©allerie in ©raj befinbet. ©ein tpaufitwert ift baS §od)aItarbiIb in ber 9JtariabiIferfird)e ju ©raj. Sie ©otteSmutter thront mit bem SbriftuSfinbe auf bem ©d)ofie auf ©ölten; bie Srjberjogiu Dtaria 9Inna tniet auf ben ©tufen eines Unterbaues, bie tpilfeflebenben an bie ©otteSmutter weifenb. ijMlfeftebenb erfcbeinen eine Sefeffene, ein ©efangener unb mehrere Srante; jwifdjen Srbe unb §immet fdjwebt ein Sngel mit einem Sorbdjen am türme, wie um SiebeSgaben für bie Ernten ju holen. SiefeS fd)öne $ilb wirb als baS SSebeutenbfte angefeben, was ber Sünftler in ©raj gefd)affen bat.1 3m ©anjen finb in ©teiermart neunzehn Olgemälbe biefeS SünftlerS üorbanben, ber auch mehrere tDtebaiHen auSgefül)rt bot. Sr ftarb 1633 unb würbe in ber Sirdje 9Raria=§ilf beftattet. 1 SB a ft I er, ®a§ ßunftleben am §ofe ju ©raj. 6. 147. SDie (£ i f e n f d) m i e b e f u n ft behauptete aud) im fedjjehnten 3a()rt)unbert ihren alten 3tuf. Sin fehr f^ön gearbeiteter Srunnen mürbe im 3al)re 1626 in SSrud a. b. 911. aufgeftellt; er trügt bie g-nfchrift: 3cb 5ßra|fer $rinfl) lieber SBein at§ äöaffcr, SEruntt) irf) ba§ SBajjer fo gern al§ SBein, So iunbt id) ein reiferer ißraffer fein. Sin ähnlicher SSrunnen ftanb and) auf bem fDtarttpIatse bau ©raj. Sin anberer 33runnen, ein Uleiftermert her 91tetaHgiejjerei, ftefjt im erften §ofe be§ SanbljaufeS in ©raj. Sie Sun ft be§ SrjguffeS ha^e bamal§ in ©raj tiid)tige Vertreter. Ser Srjhetjog hatte 1576 bafelbft eine §meite ©ießhütte einridjten laffen, unb jmar bar bem fflaulnSthore, unb ben Surftirften üluguft bon ©achfen erfucht, er möge ihm feinen ©tüdgiefjer 911a rt in §ilger auf jehn 3ahre nad) ©raj fenben. ipitger tarn 1577 mit feiner Familie in ber ^auptftabt an unb übernahm beibe ©iefshütten. Sr mar anfserorbentlid) thätig unb gof§ Sanonen aller Hirten, im Sah re 1587 and) bie große ©lode für ben Shlirm be§ ©d)lof§berge§. Sr berftanb e§ ferner, 33ier auf 911eißnifä)e Hirt ju brauen, bas) biel Htnflang fanb; benn er lieferte e§ aud) für ben Sifd) be§ Srjhetjogg. Snt 91lai be§ folgenben Sal)i'e§ §og ber funftfertige Hltann roieber heim. ©ein 91ad)fotger mürbe 9Harj H’ßening, ber au§ 9tegen§= bürg ftmnmte unb in ©raj juerft bie ©ießhütte bor bem ©adtl)ore tüuftid) erroarb. Sr ftanb anfangs in Sienft ber Regierung, trat aber fpater als 33üd)fenmeifter in bie Sienfte ber ßanbftänbe. Snt Sahre 1590 gofS er im SSereine mit bem „3tothfä)mieb" ShomaS Hluer bie fdiöne HBrunnenlaube im erften §ofe beS Sanbf)aufeS, roofür bie öanbfdjaft 860 ©ulben jalflte. Hin ber runben Sin= faffung bon ©tein finb halbfißenbe ffiguren (Sarpatiben) angebracht, auf benen ©äulen ruhen; auf biefen finb Hlleerjungfrauen ange= brad)t, aus bereit ffifd)fchroanj fiep ein reicpeS Ornament entmidelt. 19* 292 ®te§ fpnnnt fict) al§ Salbac£)in über bie Öffnung be§ SrunnenS; ober bem $albacf)m liegt eine Äuget, auf roetdjer ein gctjarnifctjter Bannerträger mit bem Banner tion ©teiermarf fte^t. SDa SBening Sßroteftant war, mufSte er ©teiermarf tiertaffen, obwohl it)m bie ^Regierung 1236 ©utben fdjulbig war, um bie er noef) im Satire 1604 bitten mufSte. ©eine ©iefjlfüfte taufte it)rn bie Regierung wieber ab; erft 1773 gieng fie burcf) Äauf tion ber ^Regierung an einen ©locfengiefjer über. Sie ©iefjljütte oor bem sf3autu§tt)or würbe fbüter ju einem StrtitteriebeRot umge= ftattet unb im erften Bieriel unfereS 3at)rt)unbert§ tion einem Sturme jerftört. ift fc£)on erwähnt worben, baf§ ©rjtierjog Äart ein greunb ber SRufit war. ©eine tpoffafieKe war au§ tüdjtigen Äräften ju= fammengefe|t; i^ren ^aufitbeftanbttjeit bitbete ber ©ängeretjor, ber aus Äafiellfängern unb Ättpettfängerfnaben beftanb,1 auperbem werben §oftrompeter, ein Organift unb anbere Snftrumentiften erwähnt. Ser erfte ^offapettmeifter war Stipanu be ©tetie,- beffen tRacpfolger ■ftannibal ißabuano würbe, einer ber größten Orgetfpieter beS fed)= jepnten SaprpunbertS, berüpmt and) als Sautenfpielcr unb ©omponift. 'tßabuano ftarb fdjon 1575. Um gute ©efangSträfte ju gewinnen, fparte ber ©rjperjog fein ©etb; ben Sänger Safob Berlin fanbte er in bie tRiebertanbe, um bort ^wei Stltiften unb ©ängerfnaben anjuwerben; §annibat ^abitano unb anbere warben DJtufifer in Benebig unb in Ärain an. Ser fwffapettmeifter betam für jeben ber aept Äapettfnaben monatlid) 6 ft. 10 fr. Äoft= unb Unter= pattungSgelb; unterrid)tet würben fie tion einem tpräceptor. 9tad) ber Snftruction tiom Sapre 1570 fottte ben Änaben an f^Ieifcptagen vier gute ©peifen, breimal in ber SBocpe Braten unb ftetS ein ©eitet SBein gereiept werben. SeS IRorgenS erpielten fie eine Suppe unb über Sag ein Brot. $ür jeben Änaben waren afljäprtiip fed)S §emben ju tiierjig Äreujern, ein sjßaar wollene fpofen im SBinter unb jwei 1 9. 9) i f o f f, ^Beiträge gut ©efcfii^te ber tötufifpflege in ©teiermari rot«). 38. Sßöcir leberne im Sommer, ferner jtoei bardientene Sßämfer unb monatlid) ein ißaar ©S)ul)e ju bierjefjn Streunern anjufRaffen. 3tucf) fferbinanb II. mar ein ffrennb unb Senner ber ÜJZufif; oon i()m fjeijft e§, bnf§ er große Sorgfalt auf bie ©eminnung auSerlefener ÜJtufifer gemenbet unb ifinen Diele ©efdjente gemadjt Ijabe. Unter iljm mürbe bie ber fpofmufiter ftart berme^rt, fo bafS bie §oftapelle im 3a^re 1619 au§ faft fecti^ig ißerfonen beftanb. ®ic §ofmufit mirite bei allen $eftM)feiten unb Dlnbaditen in ber §offirc£)e, foroie bei allen ,^)offeften mit. 3m üteifegefolge beS SanbeSfürften befanben fiel) ftets and) §ofmufiter; biefen mar auct) geftattet, auf (Sinlabung Don ißribatfierfonen bei beren heften mit= jumirlen, fo baf§ man alfo auct) außerfjalb ber Širclje gute Htufif tjören tonnte. „iDemnad) roitb bie fünfzig 3nt)re bauernbe 2öirt= famfeit ber ^offafielle für bie ©Übung beS mufifalifdjen @e= fcf)made§ unb Verbreitung nmfifalifdjer S'enntniffe im Sanbe unb inSbefonbere in ©raj nidjt gering anjufdjlagen fein. Unjmeifelljaft märe ber unmittelbare (šinflufš ber §ofmufif größer gemefen, roenn nicf)t ber Slbfall Dom Satl)olici§mu§ ben s)lbel be§ SanbeS unb bie ©ürger Don ©raj junt größten Ußeile bent §ofe entfrembet Ijätte, rote bieS namentlid) in ber erften §älfte jenes fünfzigjährigen 3eii= raumeS ber gall mar; aber ebenfo unzmcifelfiaft bürfte fein, baf» bie gute DJtufif in ber ^offirdje unb bei ben -fpoffeften bie ßanb= ftünbe DeranlafSt Ijat, and) in ber Stiftsfirdje unb bei ben Ianb= ftänbifdjen ffeftlidjfeiten eine möglich ft gute DJtufif ju befdjaffen." iffiie bie anberen Habsburger, mar aui^ Sari II. ein eifriger Sammler Derfdjiebener Sunftroerfe unb 9taturmertroürbigfeiten. ©anj befonberS oermefjrte feine ©emaßlin bie „Sct)aß=, Sunft= unb Sftüftf ammer", beren ©runbftod an§ ber HinUrlaffenfihaft ber Saifer ÜHajimilian I. unb gerbinanb I. ftammte. Sie mar uner= müblid) in ber ©rroerbung Don H‘S§bänbern, Setten, sf3erlenfd)nüren, 9tofenfränjen, Seßfndjen, ©efdjirren, Derfdjiebenen foftbaren 3eu9en unb ©übern. 3ßr Soljn gerbinanb II. taufte für fie auf feiner 9teife in Italien in SSenebig foftbnre 3euÖe un') ©überftoffe, in $aen§a 2Jlajolifa=©ef^irr, in 9tom oerft^iebene Silber. ®er größte Üßeil biefer ©d)a|fammer mürbe in ber ©rajer Surg tierroaßrt, nur bie 2Baffen unb bie ^amiIien^orträt§ befanben fidj im ©cßloffe Sarinu. @rft unter Dtaria Zßerefin mürbe biefc <5ct)a|= unb Sunft= fammer aufgelöst. 3. $crgbim. .finiibct. 31ud) im fecßjeßnten ^aßrßunbert ernährte bie ©eroinnung unb ^Bearbeitung be§ @ifenS biele Semnßner be§ SanbeS. 2)er ©rjberg mar meitßin berütjmt. ($in beutfcßeS E>täbte= bud) be§ fiebjefmten ^nßrßunbertS gibt folgenbe Sefcfjreibung tion il)m: „®iefe3 @t)fenbergroerf foH oßne allen berfpürenben Abgang ober Ermangelung beS @r|e§, nod) meniger Serfbürung, baf§ foldjer Serg abneßme ober Heiner mürbe, fo lange 3eit bearbeitet roerben fein, fallen aud) nod) aus foldjem Serg biel Ijunbert ßentner Erß töglid), t'ßeilS au§ ber Dtiber mit SRofg^ügen, tßeilS aber megen be§ fdjarfiffen ©ebürgeS buri| bie barju tierorbnete ©adjieljer (meldjeS eine blutfiarte Slrbeit ift) bon ber §öße gebrad)t roerben, alfo bafS aud) ganj SLeutfdjlanb baßer mit ©taßl fönne jur ©einige berfeßen roerben." 2)er Serfdjleiß be§ Eifenä naßm bie ßergebraißten SBege: ba§ Sorbernberger ober Seobner Eifen gieng tßeilS über bie 9totten= manner, tßeilS über bie 9tabftätter Säuern ins ©aljburgifiße, bon ba naä) Sirol, Saiern unb ©eßmaben, in bie ©cßroeij unb in ben SreiSgau, e§ gelangte aber amß in bie fübflabifäjen Sänber unb nad) Ungarn. SDaS Eifenerjer ober ©teirifdje Eifen gieng an bie SDonau unb bon ba nad) Saiern unb ©djmaben, ferner nad) 9Jtagbe= bürg, Ipamburg, ©tettin unb SDanjig unb gelangte felbft naä) Snglanb unb ©ßanien; aud) nad) Sößmen, 9J?äßren unb ©tßlefien fanb e3 feinen 2Beg. 2(bev biefer ipnnbel nat)m nnd) unb nnct) ab, ba in üerfcf)iebenen bentfdjen ßänbcrn @ifenroerfe entftanben unb Ungarn ein „ungebauteg ßanb" unb jnm Sl^eit tion ben dürfen befe^t roar, toeg^alb ber §anbel mit ©enfen unb ©ictjeln bat)in nid)t gern gefefjen würbe. 9tuS SLirol, wo man bamalg fetjr biet @ifen be= nötigte, tierbrängte ba§ Seobner (Sifen bag böt)mifd)c, fräntifdje unb oberbairifdje.1 ®ag gange fedjgefjnte 3af)rf)unbert ^inburd) gab eg ©treitig= feiten begiigücf) beg ©fenmefeng, weldje bie Sanbegfürjten burd) ltnterfudjungen unb Sßerorbnungen gu befeitigen tradjtcten. (Šine Steuerung trat 1524 ein; bamalg würbe ber 51mtmanu bciber (šifenerge, § ang § a u g, feineg 51mtcg entfett unb für jebeg (Sifenerg ein eigener tanbegfürftlidjer 51mtmann ernannt. 3)ag gange Sifenwefen beftanb aug brei ©liebem. SDag erfte waren bie 3tabgeroer$en, welche bag iltauljeifen ergeugten; in 5Sorbern= berg beftanben 18, in (Sifenerg 19 53Iabüufer ober Stabwerfe, bie gufammen jäl)rlid) ungefafir 250.000 (Sentner Stauljeifen lieferten. 51rbeit gab eg immer genug, aber eg fdflte niäjt feiten an Sohlen, Sargelb unb 9taf)runggmitteln für bie Slrbeiter. $ag gweite @ifen= glieb waren bie §ammermeifter, bag brüte bie Ipanbelgleute in Seoben unb ©teier. Sagu fant alg oierteg ©lieb bag fogenannte ißroOiantgiieb, weldjeg aug SBaibljofen, ©djeibbg unb anbcren Orten beftanb; biefe mufgtcn bie „(Sifenwurgen" mit ©etreibe unb anberen Sebengmittcln üerforgen unb erhielten bafür Stauheifen. Sen meiften ©ewinn gogen bie ^»anbelgleute, weldje bie gwei anberen ©lieber mit unberginglidjen itiorfdjüffen unterftühen mufgtcn; man nannte fie „SSerleger". Sic Seobner SBürger waren bie SSerleger ber SSorbernberger, bie üon ©teier bie SSerleger ber ©ifenerger Stabgewerfen. 3m fiebgebnten Snhi'hnnbert unb befonberg währenb beg breifiigjähi'igen Sriegeg fdjidtcn bie SSerleger wenig unb fdjlcdjteg ©elb, unb ba and) wenig unb t()eureg ©etreibe in bag Sanb fam, 1 8. SJJ1. 9)? a 1) cr, ®a§ (Eifenrocfen ju (Sifenerg 1570—1625. 33. fo entftanb große ^ot^, unb 1622 brofjte fogar cin 3Iuf(tanb ber Snnppen, bie nid)t§ ju leben Ijatten. Sen fortbauernben ©treitigfeiten rourbe 1626 baburcf) roenigftenS für einige 3e^ ein @nbe gcmacfjt, baf§ bie @ifenerjifct)en 9tnbge= roertcn, bie fteirifdjen unb öfterreictjifdjen ^ammerroerfe unb bie @ifengefeflfd)nft in ber ©tabt ©teier ju einer „.^nufitgeroerffdjnft ber ©tnl)l= unb @ifenl)anblung in ßcinb ©teljr unb Öfterreid)" oereinigt mürben. Sie 3tabgeroerfen unb ,f)nmrnerineifter traten mit i£)rem ganjen SSefiß, bie ©teirer mit ©elb in bie ^muptgetoerffdjaft ein, unb ©eroinn unb SSerluft rourbe Don je|t an nad) ber ©inlage ber DJtitglieber beredjnet. Unter fferbinanb I. unb Stari II. würben bie Sßege längs ber @nn§ Oerbeffert unb jur görberung ber Soljlenerjeugung ju ben fdjon beftefjenben jpoljredjen üon 1567 bis 1572 ein großes -?)oljred)engebäube ju 91 e i f 1 i n g, am 3ufmmnenftuffc ber ©alja unb ber ©nn§ erridjtet. Ser Saumeifter roar §an§ ©afteiger aus Sirol, 93ürger üon 9)iünd)en, ber bnmalS in SEßien lebte unb burd) felbfterfunbene 9)lafd)inen bie Sonau jroifdjen Sßien unb ßremS üon üorragenben ©teinmaffen unb §oljftninmen be= freit Ijatte. Stari II. ßribilegierte im Salfre 1567 ©afteigcrS „Stunft= unb ©djlagroerle mit üßafferrab, Stollen, ©djlofs unb ©ßerre junt $rüden= unb 9ted)enfd)lngen, ©teine ju jertrümmern, große @tein= maffen mit 3itgen miS bem Jßaffer ju Ijeben unb roegjuräumen, bie Staffen beS StauffcifenS auS ben ©djmeljöfen ju jiefjen unb fie ju fdjrotten, baS @rj üom ©rjberge im inncrn Sifenerj auf ©cftängen (©djiencn) unb in großen Srutjen üon ben ©ruben am Serge bis ju ben ©c£)meij= unb Slaljäufern felbft ju förbern unb bagegen alle SergroerfSbebürfniffe in biefcn leer jurütfgelfenben Sruljen ju ben ©ruben Ijinaufjubringen, roeldje Stunft=, 3uß= unb ©dflagroerfe jebeS feine eigene 2lrt ^at, bie efjeüor nod) nie gefeiten tuorben finb". 3m benachbarten Oberöfterreid) hatle furj üorljer ShomaS ©eeauer Sämme, $ßet)ren unb ©d)leußen an ber 5Emun erbaut unb bie §inberniffe ber ©djiffa^rt jmifctjen §aHftatt urtb 3fd}I befeitigt. 91 ud) ba§ ift IjerBorjufjeben, bnf§ bon 1563 an alljä^rtid) ein 5E^eil ber innerbergifcfyen 9tmt§gefiitte bem ©pitale in Sifenerj jugeroenbet rourbe, mo ^od)beja^rte ober bei ber 93erg= unb §ütten= arbeit berunglüdte 91rbciter iljren Unterhalt fanben. 9tuj5er @ifen unb ©alj rourbe in ©teiermart and) ft’upfer unb 931ei gewonnen. ®a§ ergiebigfte Supferbergroerl roar ba§ jn gtabmer an ber .f)afal bei ©ifenerj; anbere beftanben and) ju $BaId)en im ©eriitjtgbejirte ©röbming, jn ^latfd)ad) im ©erid)t§= bewirte Snittelfelb, roo fdjon in oorrömifdjer 3eit Tupfer gewonnen rourbe, ju SMronng unb ju ©djlabming. 23Iei gewann man ju SBalbftein, ©tubegg, geiftrit} bei ißeggau. 9111 e biefe 33ergroer!e würben bon Sßribatperfonen betrieben. 25er .^auptgegenftanb beS § anbei § roar ba§ @ifen, wenn and) nid)t ber alleinige. 3m fedijetjnten 3a^rt)unbert lauten 9M)l)ünbler unb gleifd)= l)auer fogar au§ 35irol nad) Oberfteiermarf, unb „bie Ddjfentriebe, roeldje fie tjeimfdjidten, freujten fid) unterroegS mit langen 3ügen bon ©aumt^ieren, auf bereit Dtiiden ßobenftüde, ^)nnbfd)uf|päde, Ä'örbe mit ©las nnb Supferroöen ruhten. 9Iud) 233ac^§ unb mctallifdje garbftoffe trug bie ©egenftrömung beS 33erfel)re§ au§ 2irol nad) Seobcn ober führte fie roenigftenS ^ier burd)". SDaS fteirifdje ©ifen nü|te ber 33olf§roirtfd)nft aud) in fernen Sanben. 911§ $red)ftange unb @d)lögel batmte e§ menfd)lic^em gleiße bie Sffiege in§ innere ber Serge unb erfä)lof§ beifpielsroeife in 2irol reidje ©ilberabern. Sffienn bie ©ilberauSbeute $iroI§ im fed)jel)nten 3al)rt)unberte meljr ober minber ben 3ßrei§ftanb auf allen europäifdjen ^anbetspläßen beeinflufSte, wenn fie SupuSbebürfniffe roedte, betten bie Stöglidjteit iffrer Sefriebigung jur ©eite gieng, wenn fie unge§ät)lten 91rbeit§!räften eine lotjnenbe unb, roaS ntel)r fagcn will, ben SebenSgang redjtjeitig förbernbe Sefdjäftigung fidjertc, fo barf über all ben ranfdjenben Sßirfungen al§ eine ber Urfadjen ba§ fteiermürfifdie ©tfett nidjt uergeffen werben; unb wenn bie grämtet 5EirolS mit it)ren fcf)Wet belüfteten $ut)rwerfen ber im ©etriebe be§ SBeltnerfe^reS i^nen pgefaflenen 5lufgnbe nadjgiengen, wenn ber bortige Sauer, Ijinter feinem befct)lagenen Sfinge eint)er= fd)reitenb, bie @rbfct)otten wenbete, welche iljn nähren füllten, wenn er, feine ÜBiefen mätjenb, ber Sie^jud)t oblag, bann Ijatte abermals Seobner 8ifen feinen Sntljeil bar an.1 4. 9fitS bcm Sebcn tu ben ©tübten. 3n ber IReformationSjeit t)atte fiel) ber Sürgerftanb bem 21bel angef<$)loffen, beim beibe Ijatten gemeinfame Sntereffen, unb baburct) war in itjm ba§ ©efütjl beS ©elbftOertrauenS unb ©tolles wact)= gerufen worben. 2tber nad) ber ©egenreformation unb unter ben ©inwirfungen beS breiffigjälfrigen Krieges war biefeS ©elbftgefül)! gefd)Wunben unb S'leimnutl) unb Ser^agtljeit an feine ©teile getreten. 2)tand)eS 9ted)t, ba§ bie Sürger im Stittelnlter erworben Ijatten, gieng an bie erftartenbe lanbeSfürftlidje 9Jtad)t Oerloren. 9tuf weldje 2Beife mandje ©tabt an 9ted)ten unb SBotflftanb öerlor, jeigt baS ©djidfal bon a r t b e r g. ®iefe§ ©tiibtdjen tjatte im Stittelalter wie anbere ©tabte unb 9Jtärftc baS 9ted)t, fid) felbft einen 9lid)ter ju wählen, ber mit tpilfe beS 9tatI)eS bie ©treitigfeiten ber Sürger fd)Ii^tete. .f)artberg war aber and) gegen (Erlegung einer jäljrlidjen ©etb= fumme, ber „9temanenj", in ben Sefi| beS Sanbgerid)te§ getommen, baS einen grojjen Umfang Ijatte. 3m fed)jel)nten 3al)rf|unberte Oerfifanbeten bie SanbeSfttrften in il)ten finanziellen Sebriingniffen bie ©tabt; foldje ipfanbbefi|er waren §an§ ©igmunb von ®ietricf)ftein, bann §anS ijßuggl, enbli(| bon 1574 an f)an§ üon iflaar, beffen ©öljne iftubolf unb §an§ ©l)riftobf| Waren. SDiefe DJiitglieber ber au§ 3talien ftammenben gamilie s^aar benahmen fid) ber ©tabt gegenüber wie 1 SBibermann, ®ie 91erfel)r§be3iel)ungen ber ©tabt Seoben 311 ben rocfttirficn Sllpenlänbern 11. f. ro. 9)tittl). 22. bie roirfiičien Herren, unb entzogen t()r ein 3ted)t um ba§ anbere. ®ie Steuern foöten 511 ifjren Rauben cntrid)tet roerben, fie rootlten nur folctje 3tict|ter bulben, bie itjnen geneljm mären, Befdjränften alfo bie SBürger in bem 9ted)te ber freien ütiditerroa^I. 9tatJf§ber= fnmmlungen füllten nur mit Genehmigung ber ,§)errfd)aft ab gehalten roerben, ja fie nahmen and) bie Sßerroaltung be§ 8anbe§gerid)te§ in 2tnft)ruiih. Sie Sürger fällten gleidjfam Seibcigene ber Herren tion s^aar roerben; benn e§ rourbe üon ihnen berlangt, bnf§ fie bei ben Sagben als Sreiber erfchienen unb $orfhannf)ferbe ftellten. m§ fiä) ber 9tid)ter 9)tatthiaS SBelS, ber im Satire 1613 geroühlt rourbe, ben ©ebbten ber §errfd)aft nicht fügte, lieh ihn ütubolf bau ißaar in Setten legen, ben ©erichtsftub, bie ©djlüffel 5um gtathhauS unb bie ftäbtifdjen '^ribilegicn toegnehmen, baS ütathhauS fberren, unb fetjte felbft einen 9tid)ter ein. @ben bamalS lehrte ber Stabtfdireiber §an§ ißreffl, ber aud) gefangen gefegt toorben, aber entflohen roar, nach £>artberg jurüd. Sa liefj ihn gtubolf bon 9ßaar bon Seroaffneten überfallen, bie ihn tobtfd)lugen. äßelS rourbe genötlfigt, fein ©elb auš^uliefern; er füllte feine §abe berfaufen unb ^artberg berlaffen. äßieberholt roanbten fich bie SBürger an bie ^Regierung um Sdjuti unb ©eredjtigfeit, aber fie rourbe ihnen nid)t ptheil, unb fo trugen fie baS ltngemad) bis §um Sobe ber geroaltthätigen Herren. Sie SBürger ber Stabte bergnügten fid) u. a. aud) mit Siheibenfdjiehen. Sm Sahre 1563 roar baS „SSüdjfentragen" ber= boten, halb nachher aber roar erlaubt toorben, SBüdjfen „junt grei= fdjiefren ober roann bie Siachfmrn fid) miteinanber mit ©djiefjen üben rootlten" 511 gebrauchen. Sie SBürger beranftalteten nicht feiten „^reifchiejjen" ober ©djühenfefte, roobei man fid) geroöhnlid) an bie @ifener^ifd)e @chü|enorbnung h'^i- ®ie ,,®d)iehgefeilen" anberer Orte rourben hie^u burd) offene Sdjreiben eingelaben. @S I)errfd)te bie Sitte, als Sßreife berfd)iebene mit loftbarem Sud) bebedte Sl)iere 511 berroenben. SBei einem fold)en Sd)iej;en, baS 1569 51t Slbmont abgehalten rourbe, roaren bie SBefte eine ©eiß mit rotljem ©mnmt überzogen unb ein bairifdjeS @cf)rocin. s2(l§ bie Ibmonter ©c^ießgefellen 1573 ;u einem greifet)iepen nact) @)ro^= Üteifling eingelaben rourben, tonnten fie einen ©itbcrbedjer im StBerte oon 15 ißfunb Pfenning unb einen $oct, „fo mit Zaffaebt bebeett unb ungefaf)rtict)en fünf ober fect)S 9ßfunb Pfenning toert" roar, erfi^ießen. 9Jtan fetjofs auf ^roei „frei fcfjroebenb tjangenbe ©cfieiben" au§ einer (šntfernung Oon 300 e\U freien Orte tarnen, nictft in bie (Stabt ju taffen unb auf öffent= lictjen 5ptä|en tonabitbeeren, roätfdje 9Züffe, geigen, ©ffig, Sfieriat u. bgt. feittjatten ju taffen. Sie inficierten Käufer mürben geffierrt unb am S^ore mit einem roeijjeu Srenj berfetjen. 2in Graj mürbe im Satjre 1570 ein Sajarett), auffertjatb ber Süturborftabt öftlid) bom Grieg, erbaut. 9Irg roütfiete bie sJßeft in ©teiermarf im Satire 1572. Sie ißerorbneten ftotjen nm| iötarburg, ber §of unb bie Sinter nad) Subenburg. Ser tanbfdjafttidje ^tififer Dr. ©dfober fdjrieb ein „©c^atsfemmertein roiber Gifft", morin er bie borjügtidjften |)eil= mittel befdjrieb. Snt So^re 1585 erlief; bie ^Regierung für Graj eine Snfection§orbnung, bie 1615 burd) ben ©tatttfalter bon Snner= öfterreid), gürften Sotjann Utrid) bon Gggenberg, erneuert mürbe. 5tud) 1634 mar ein böfeg üßeftja^r. Sie Suft in Graj mar bamatS fo inficiert, bafg „and) bie $öget babon tobt auf bie Grbe" fielen. Sie erften ©fntaler enftanben in ben Stöftern, nad) unb nad) mürben aud) in ben ©täbten bon ben Bürgern fold)e sltn= ftatten in8 lieben gerufen. Siefe Sürgerffiitäter tjatten it)re eigenen ©tatuten. gaft mit jebent ©pitale mar eine Sapetle uerbunben. Sn Graj, roo feit bem SRittelatter bag SÖürgerfpitat jum tjeit. Geift in ber fRätje ber Sirdje ©t. 5tnbrä bcftanb, grünbete gerbinanb I. im Sat)te 1535 niid)ft ber ©tabtpfarrfirc^e bag taiferlidje ober §off))itnI, roeldjeS jtoolf Dtönuern unb jtoolf SSeibern au3 bem niebern §>offtaate für bie 3eit be§ 9Ilter§ als $trforgung§I)au§ bienen füllte. Diod) ber ©fntalorbnung bom Soljre 1560 foüten ber Sanbe§f)ai4>tmann, ber SStcebom unb ber @tabt= bfnrrer gemeinfntn bie 9tuffid)t führen. (Sin SBnrbier ftellte bie Silber bei unb unterfudjte bie 9ieimuf§unel)menben, benn ißerfonen, bie mit anftedenben Srnnfljeiten behaftet, unb „bie, fo unfinnig fetjn" füllten nidjt aufgenommen werben. 9113 3foliert)au§ Ißeftfranfer jur ber sJßeft biente ba§ fogenannte alte ober große S a j a r e 11), ba§ urfbritnglid) jur 9tufna()me ber mit ber morgenlänbifdjen Sefi ra (bem DluSfaß) Seßaftcten gebient ffatte; eS mar alfo früher ein fogenannteS SeprofenlfauS. Um 1570 begann bie ^Regierung ben Dieubau eines SajaretljeS. 3n feiner Dtadjbarfdjaft entftanb im Saßre 1630 baS flehte tiajaretl) jur Unterbringung armer Sßeiber. ®a§ ©fjhal ber Sarmljerjigen Srüber würbe 1615 bom (Srjßerjog ültajimilian (Srnft, einem Sruber beS ŠMferS ^erbinanb II., gegrünbet. 5)er Orben ber Sarmßerjigen Srüber würbe and) bon ben Sanbftänben unb ben Sürgern reid) bebaeßt unb tonnte halb eine fegenSreidje SEßätigfeit entfalten.1 lüufter Zeitraum. Iß o 1 i t i f d) e S ©tili eben. I. gcrbiwtub III. unb Scoßolb I. Unter Äaifer gerbinanb III. bauerte ber breißigjüßrige Krieg nod) einige ^aljre fort. 911S im gaffte 1645 üöien bon ben ©djwcben bebroßt würbe, fudjte bie faiferlidfe gamilie in ©raj eine 3ilffud)t. gm gaßre 1648 mürbe enblid) ber m e ft f ü 1 i f d) c griebe gefd)loffen; ein ©teirer, ber fdfon ermähnte ©raf 9Jia$i= mili an bon SrauttmanSborff, geboren int 9Jiai 1584 auf bem ©djloffe ju ©leidjenberg, war e§, ber bie bermidelten 1 Toffel, ®e)cbid)te be§ nilgemeinen ßrnnfenl|aufe§ in ©raj. 1889. $erljeinblütigen glüeflid) 511 @nbe führte. $et- fran^öfifdie nnb bei fdjtnebtfc^e $etiütlmüd)tigte beim grteben§congte|'|e festen bntd) il)te übermütigen gotbernngen nnb t()r fjartnädigeS $el)arren bei ben= feiben bie ©ebulb be§ taiferlidjen ©efembten SirnuttmanSborff auf bie fiärtefte ißrobe; biefer aber [teilte ifirem leibenfdjaftlidjen $or= gefien ein ruhiges, ftnnbljafteS, ed)t ]tnat§männifd)e§ Senetjmen entgegen nnb erreiche fo ben 3tuf)m, ba§ roidjtige ©efdjaft be§ §rteben§fd)luffe§ fo gut, al§ eS unter ben bamaligen 33er£|ältniffen möglicl) ronr, burd)geführt ^u liaben. 3m 3nl)te 1657 ftarb Saifer ^erbinanb IIL, rooranf fein ©offn Seoftolb I. bie iftegterung übernafim, bie er bis 1705 fütirte. 21m 9. 3uli 1660 empfieng ber neue ^)etrfd)er in ©ra§ bie üblidje §ulbigung. ©eine lange [Regierung ift mit Sambfen gegen bie dürfen, bie Ungarn, meld)e ber §>errfd)aft ber Habsburger nid)t geneigt roaren, nnb ben gran^ofen auSgefüllt. 'Saš 3tel Unter« nefjmungen ber Surfen roar bie ©roberung 2ßienS nnb bie Unter« roerfung ber itbSburgifdjen Sünber; bie gran^ofen, bereu Hm'fd)er feit 1643 ber e()rgei§ige Subroig XIV. mar, traditeten alle beut« fdjen ©ebiete auf bem linfen Ufer beS [Rheins ^u erobern nnb rooKten überfjaufit in Seutfdflanb 91nfel)en unb ©inftufS geroinnen; roar bod) ber frau§bfifd)c Sönig ber Hoffnung geroefen, bafS il)n bie beutfdjen Surfürften nad) bem Sobe gerbinanbS UL 511111 beutfdjen Inifer roaljlen mürben, fiatte fiel) jeboä) 511 feinem Seib« roefen ffierin getaufd)t gefet)en. 1. Sab 3at)v 1664. Sie troftlofe Sage Ungarns unb Siebenbürgens führte fetjon einige 3aie nad) SeofiolbS I. [Regierungsantritte einen Srieg ^roifdjen bem Saifer unb ben OSmanen Ijerbei. Ser Saifer mufSte in Ungarn brei ütrmeen aufftctlen, eine in Dberungarn, eine an ber Sonau unb eine brüte an ber IDtur. Sen Oberbefehl über bie [Diurarmee, bie aus fed)S faiferlidjen [Regimentern, ben HüfStrufifien, roeldje bie beutfč)en dürften (teilten, unb einem £)ilf§cort>§ befte^en foßte, ba§ infolge ber eigent()ümlict)en $ert)ältni((e in ®eut(d)tnnb ber frnn^öfifdje Honig fdpcfte, iibcrnaljm ber ©raf SRaimunb DZ o n t e c u c u I i.1 Sie Sage ber (ogennnnten DZnrnrmec roar (i|lcct)t, roeil e§ an ßebenSmitteln mangelte. Sie ©efatjr für ©teicrmart roar groß; DZontecuculi gebaute fid) in baS innere biefeS SanbeS iiirüd^u^ie^en, roenn er unterliegen roürbe; in biefem (falle roar ^roeifeilog ber Güinbrud) eineg Sffeileg ber Surfen ^u befürchten, baßer rourben bie Sefeftigungen ber ©tabt ©ra^ auggebeffert unb bic Käufer, bie Oor ben Sßoren erbaut roorben roaren, abgebrochen. Sag fran^öfifiße ^ilfgoolf §og auf brei Stiegen bem (Deere DZontecuculig jit: 4000 DZann ju (fuß ^ogen über Sin§ nact) Stiien unb tion ba über Slfpang in bag ŽBorauer SMertel, 2000 9teiter tarnen von Salzburg ßer unb ebenfotiiel über SBenebig. Ser 6om= miffär (freißerr tion Seuffenbacß ßatte bie tion ©al^burg ßer fommenben (fran§ofen, bie am 10. ffuli 1664 ben DZanblingpafg überfchritten, burd) bag Sanb 511 geleiten, eine Stufgabe, bie ißm tiiele Borgen matßte. ffn einem feiner Skricßte bemerfte er einmal: „Stiie man mit biefen ßeuten mit guter DZanier umgeßen mufš unb gleicßrooßl nießtg ßelfen miß, ift gar nießt 511 fagen; fie maeßen Quartier unb ütofttäg naeß ißrem ^Belieben, bie Officier unb ©bellcut finb fein unb ßöftieß, bie (Reiter unb ©emeinen aber um fo infolenter." 91m 18. ffuli tarnen 1200 (Reiter naeß $rucf, tion roo fie über ©ra; naeß DZurecf ritten. Sort trafen fie mit 1700 (Reitern 511= farnmen, bie aug (Beliebig naeß ©teiermarf gefommen roaren unb in DZarburg auf ißre ßanbgleute geroartet ßatten. Siefe (franjofen alfo §og ber faifcrlicße ©eneral ©raf (DZonte= cuculi an fieß, ber @nbe ffuli naße ber fteirifeßen ©ren^e bei ber Slbtei ©t. ©ottßarb an ber (Raab ftanb; ißm gegenüber, am reißten Ufer biefeg (fluffeg, lagerte bie türfifeße Slrmee unter bem ©roßtie^ier Slcßmeb Hößrili. „Stier bie beiben (Deere an ben Ufern 1 §. »on 3roiebtnect=@übent)orft, ®ie Sdjladfit bei St. (Soiibarb. DJtittl). b. 2Snftitut§ u. f. ro. X (1889). ber gtcmb betmd)tete", Ijeifjt e§ bet einem neueren ©efdjidjtfdjreiber,1 ,J)atte ein $üb beS Orients unb OccibcntS mit alter @igentt)üm= Iid)feit beš $ott§t£)um§, mit allen ©egenftttsen ber (šitiilifation. Orüben lagerten bie ^nnitfdjaren, Ullbanefen, bie fdjtoar^en ©ol= baten auš ben glii^enben (Sefilben 2Ifrifa§, bie fd)euplid)en ©eftalten ber ÜJiongolen unb $ataren, liier bie Oeutfdjen, Ungarn, ©laven, Seteranen aus ©Manien unb Italien, frangöfifdje (šbelleute unb roilbe Ülbenteurer aller 91rt". 2)er ©ropve^ier molite ben iiberfdjreiten unb gegen 3Bien mnrfdjieren. 91m 1. 91uguft griff tl)n fDZontecuculi an unb bradjte iljm eine DUeberlage bei. ©an^ ©tcicrmar! mar in biefen Sagen in banger ©orge. 3Im 2. üluguft verbreitete fid) in ©raj baS ©eriid)t, ba§ d)riftlid)e §eer fei unterlegen unb bie Siirfen mürben bei gürftenfelb in ba§ Sanb einbredjen. ©d)on Verließen ber SanbeStjaußtmann unb Viele reidje Seute bie ^außtftabt, um fid) nad) Subenburg ju begeben, als bie %id)rid)t von ber „glüd= lid)en SSictoria" eintraf unb bie Serooljner mit f^reube erfüllte. Oie Sürger von ©raj Ijatten gelobt, nad) Sefeitigung ber ©efaljr eine Oenffaule jit ©tjren ber unbefledten ©mßfängniS ber DJtutter ©otteS ju errieten. Oiefe ©iiitle mürbe nun auf bem Karmeliter= ßlaße aufgeftellt, Von roo fie im $al)re 1796 auf ben 3afomini= ßlati übertragen mürbe. $aft alle $errounbeten mürben nad) ber ©d)lad)t und) ©teier= marf unb VorjitgSroeife nad) ©raj gefdjafft. @S mären il)rer fo Viele, bafS halb alle ©ßitäler überfüllt roaren unb manä)e in ben ©traßen unb felbft auf ben Reibern liegen bleiben mufSten, IjilfloS unb oljne Sabung. Oie ©rajet Sürger unb befonberS bie abeligen Oamen fomie bie Sefuiten forgten mit unermüblidjem @ifer für biefe Unglüdüdjen. @S ift befannt, bafS in biefen 3eiten bie ^Bürger and) oft genug unter ber SffiiHtür ber eigenen ©olbaten jit leiben Ijatten. 4ior ben §u ermartenben 9teid)SVblfern, bie bod) Reifer in ber 9iot() i TO>. Sffiolf, gürft SZÖeitjel SoMoroiß. SlBien 1869 @. 127. fein füllten, flüchteten int 3üt)re 1664 bie $etool)ner ber Söi'fev in ber Umgebung Don DJZurecf mit ihren ^abfeligteiten in öen DJZarft. ÜZöhere DZadjritljten über Vorgänge bicfer 9Irt befi|en mir über bie Stabt ^ürftenfelb, roo ber Oberft ©raf $ a u n ßommanbant mar. Saun 3mang bie SMirger jur Sieferung timt SebenSmitteln, (Sra§ unb §eu, offne ihnen irgenb eine @ntfct)übi= gung 31t gewähren, unb beftrafte feine ©olbaten nicht, Wenn fie fict) an bem ©igenthum ber ©tabiberooffner tiergriffen. 9Zoch am Sage tior ber ©d)lacht [teilte Saun feine DlZannfctjaft tior bem §aufe be§ ©tabtrid)ter§ 91bam ütcfermann auf, um fiel) biefe§ DJZauneS 311 bemächtigen, tion bem er gehört hotte, baf§ er [ich über ihn in ©1-113 unb bei bem tpoffriegSrathe befd)roert höbe. 9115 ober bie 33ärger bewaffnet erfdfienen, um ihren 'JZičhter 311 tier= theibigen, mufste ber Oberft feine Seute obtreten laffen. ©old)e Vorfälle waren nidjt geeignet, ba§ gute ©intiernehmen 3Wifd)en ben Bürgern unb ben ©olbaten, bie fie tierthobigen fällten, §u förbern. Ser 9Bohlftanb ber gürftenfelber mar auf lange 3e't baljin; bie oielen tBermunbeten, welche in bie ©tabt gebracht mürben, tier= breiteten ba§ „hi|ige lieber", ba§ Diele 93emo()ner bahinraffte; bie Sturen waren tiermüftet, bie ©raser Sorftabt ein ©d)utthaufen, weil fie niebergeriffen werben mufgte, nieten Sninilien ftarb ber ©rnährer. ©0 bot Sürftenfelb ein trauriges 33ilb ber 9trmut. Ser friebliebenbe ßaifer fd)Iof§ und) ber ©d)lacht bei ©t. ©ott= harb mit ben CSmanen einen Stieben. 2. ®rnf @rit8mit§ Sattciihmh. Ser Sailer in dfraj. Sa bie uiujarifä)en DJZagnaten mit biefem wenig tiortheilhaften Stieben nid)t 3ufrieben waren, fo bilbete [ich eine 33erfof= tiicefan^ler SBiir^fmtger unb bem ©ecretär Dr. ©cfyrott beftcmb. 5Der geheime Dtatf) erfannte in feinem Urtfieile $atten6ae£) be§ §od)= unb Sanbesoerrat^eš fcfjulbig unb trug auf SobeSftrafe unb 2Begnal)me feiner ©üter an. 3n 2Bien rourbe biefe Ülngelegenfieit tior einem befonberen @erid)tšfiof tier^anbelt, roeldjer ben SBerratt) al§ beroiefen erflärte. 3)a§ Urtfieil rourbe am 23. SJZotiember 1671 gefüllt; e§ fprad) au§, ©raf 2attenbact) fei mit Seib unb Seben, @f)re unb ©nt in bie ©träfe ©einer Dllajeftat tierfallen; feine ©üter füllen confiSciert, fein ©ebädftniS ausgelöfd)t unb feine ifkrfon bem greimanne iiber= geben roerben, ber i()m 511 ©ra§ ^anb unb Äopf abfdjlagen unb fo tiom Seben ^um $ob bringen roetbe, il)in §ur ©träfe unb anberen ^um ©reuel unb abfdjeulidjen ©rempel. Sie ßommiffare, roeldje beauftragt rourben, bem ©efangenen ba§ llrtljeil 511 tierfünben, traten am 28. Dtotiember abenbS in 5tattenbad)§ ©tube auf bem @d)lof§berge. ©ie festen it)re §üte auf, unb Dr. ©iljrott laS bas Urtfieil „ganj fd)bn, tur^ unb lieblid)" tior. Sattenbad) fiel in Olfnmadft; als er 511 fid) laut, rourbe et in einen 2Bagen getragen, in bem and) ^toei ^efuiten unb ein Officier ber ©djlofsroadje bla|= natjmen. Ser leitete übergab am ^uge be§ ©djlofSbergeS feinen ©efangenen bem ©tabtricfjter, ber ifm in baS ©tabt^auS bradjte. Sie gan^c 9tad)t fdjrieb Sattenbad) an einer SBittfdjrift um $egnabi= gung, beim „ben Sob burd) baS ©diniert fönne er nid)t aueftefien". 9Han tierfidjerte it)m, ber Reifer roerbe 2000 IDteffen für ifin lefen taffen, roorauf er fid) beruhigte. 91m 9tbenb bcS 30. Dlotiember fam ber ©c£)arfrid)ter non DtabferSburg an, roo er mit einigen £ie$en befd)äftigt geroefen roar. 91m 1. Secember rourben bie ©tabttffore unb bie Süben gefdjloffen, unb bie 33ürger ftellten fiel) in $Baffen auf ben ©tragen auf, roeil ba§ $olf über Sattenbad) feljr auf= gebracht roar. Um neun Ufir rourbe er in ben ©aal be§ 9tat^= I)aufeS geführt; ber ©eridjtSfdjreiber las il)m ba§ Urtfieil tior, brad) ben ©tab unb erflärte, bafS ber Saifer baS 91bl)auen ber ipanb erlaffen Ifabe. Sann folgte bie ($nt^au))tung. ©ein Seii)nain rourbe auf bent griebfiofe bei ben Sominicanern begraben. Sine Sefäjretbung ber SSerurtfyeilung unb tpinricfitung 5Eatten= bact)§ unb feiner 9)?itOcrfd)toorencn erfdjien in Sßien 1871. 3n (Sraj fiat ba§ ©d)icffal be§ ©rafen §roei ©djriften ^erborgerufen: ein „Satter Unfer, roeld)eS ©raff Don Sattenbad) niemal)! fiat betten tonnen" unb ein ^roölfftrogfiigeS ©ebidit: „Fortune lusus, b. i. ©lüdf) unb ltnglücf ©biö- bet^auroet oon |)errn ©raffen 3. Oon Sattenbad), el)e er nu§ geredjtem Urtel burd) ba§ Sdfioert 00m ßeben jum Sobt f)ingerid)t roorben." Stile ©iiter be§ ^)ingerid)teten, fein bare§ ©elb unb feine Sleinobien würben eingejogen. Sei ben SßrocefSacten liegt ein langes Serjei^niS oon ®etreibe=* unb SBcinüorräf^en, oon golbenen unb frtjftaHenen Sehern, U^ren, Slrmbftnbern unb Säftdjen mit Düngen unb toftbarem ffrnuenfdjnuicf. Sie §errfd)aft 2Binbifd)= V • ' SanbSberg taufte ©raf 3gnaj ÜJtaria oon SlttemS, ©onobiti baS Sartffäuferftift ©eij. Sattenbad)§ ©ot)n Stnton trat in ba§ ©tift Sein unb ftarb 1718 als Sßrobft Don ©trapengel. ©eine jwei Söc^ter lebten in ©raj unb ftarben unberef)elid)t. Sie ©iiter äßifell, Königsberg unb ber SibIf)of befanben fid) um 1740 im Sefifje eines ©rufen SSa$ oon Sattenbad). 31m 15. October 1673 fanb im Som bie Sermiiljlung bcS KaiferS mit ber ©r^erjogin © I a u b i a $ e 1 i c i t a S oon Sirol ftatt. Ser Kaifer tam juerft nad) ©raj, wo er in ber Surg wohnte; bie Sraut tarn auS Kärnten, reiste über Subenburg, Seoben, Sruct, ffrofjnletten unb traf mit iljrem Sräutigam in ©ratwein jufammen. ©ie roofjnte im ©djloffe ©ggenberg, beffen Sefiger bamalS ber ffürft = iper^og Sodann ©eifrieb war. ©ine Sefdjreibung ber §od)jeitSfeierUd)teiten ließ „Sltidjael ffranefenberger ein brande" bei „benen SBibmanftätterifd)en ©rben" „erfetjeinen. Sic ift turj gehalten unb ol)ne Stbbilbungen; auS einigen ©ätien mag man bie bamalige ©dfreibweife tennen lernen. Ser Staut waren im ©djloffe Gšggenberg jmolf 3'mmer etit= geräumt; bereu Stöänbe waren mit „5ßrunftücf)ern" bebecft, bie ttjeitS ganj bau ©eibe, ttjeits bon „ niebertänbifdjem ©ejeuge waren, in wetctjen ber alten tpetjben ®efd)id)ten mit tßferben unb ßeutljen fo eigentlid) entworfen waren, baf§ iljnen weiter nid)t§ al§ bie $e= wegung abgienge". Ser ülnbrud) be§ ^odj^eitStageS wirb fo be= fctjricben: „Sen 15. be§ beglüdten 2öein= unb SefemonatS Ijatte bie ©onne mit itjren ()erftirbred)enben ©tratjlen bie 9)htt)r ju er= teuften faum begonnen; faum Ijatte fie beffelben ftarl fortraufdjenbe fftutt ju bergulben angefangen, faum §atte fie itfr liebliches 91ntli| über bie ©f)i|en beS ©ratjerifdjen ©i^lofSbergeS erhoben, als ein grofjeS greubengethöne bie gantje ©tabt erfültete. Sie Srompeten worben geblafen, bie Srummeln gerüt)ret, alle ©eiten= unb Sling= ©f)iele geftimmet, ber fntjferlijhc I)ol)e §offtabe würbe rege, bie löblichen ftehermttrfifdjen ©tänbe erhüben fid), bie Sürger fleibeten fid) auf baS hefte an, ftunben oööig in ihren 2Baffen behfammen, ein jeber war auf baS föfttidjfte gelieret, auf baS hrädjtigfte ge= fthmudct". Sie Sraut fuhr bon ©ggenberg in bie ©tabt, worauf bie Stauung ftattfanb. Sa „frieblete unb wibbelte" alles bon ÜJtenfdfen; fie wollten bie ßaiferin fehen unb priefen „ihre für= treffliche überirbifdie ©djäntjeit, bie Sapferfeit unb baS SDtajeftatifdje hohe 91nfehen ihres allerholbfeligften ©efidjte". Sie ^eftlidjfeiten, bie hierauf ftottfanben, bie Saflctte, Somöbien unb ©djaufpiele hnt ber Serfaffer nicht gefd)ilbert, „weiten bon jebem fchon befonbere SSerfel auSgangen". 91m ©djluffe feiner Sarfteöung prieS er baS tpauS ^mbSburg, attS weldiem „nad) bem 'ItuSfpruch ber heiligen ©djrift, nad) ben äBeiffagungen ber ©phillen unb anberer fünfftig ber d)rifttid)e ©pruS unb berjenige grofje §elb her'fürtrcten wirb, ber bem Stirfen unb ülntidjrift ben Sopf jerfdjmettern fall". 3. ^cftjdtcn. 3}m fiebjefinten 3at)rf)unbert (jntte ©teiermarf oiel Con ber s-ß e ft ju leiben, am meiften in ben iSafyren 1646 unb 1679 bis 1684. 3m 3«l)te 1679 rotitfiete bie ^ßeft in SBien, oon wo fie bunt) ba§ ©efolge beS ÄaiferS Seopolb, ber fiit) im Sluguft flüit)= tete unb eine SBaüfnljrt nact) 5Jtaria=3rf[ unternahm, nad) ©teier= marf gelangte. 3n mefireren Orten beS OberlanbeS, aber and) in ßifli trat bie ßranlljeit metjr ober weniger bösartig auf. 3m 5tpril 1680 jeigte fie fid) in ifiettau, im fDZai ju ©t. Seit bei ©raj, unb halb bnrauf in biefer ©tobt felbft unb in Oerfdjiebenen feilen beS SanbeS. Oie ßranfljeit war bie ed)te orientnlifttie Seulenpeft. ©ie begann mit großer ^iße unb Srennen im äeibe; bie Seute würben Oon einem unbefiegbaren Ourft befallen unb Oerloren alle Kraft. Unter ben ?ld)feln traten Seiden auf, mundfe Kraule betamen greifen, anbere bie „.fpirnwutl)", fo bafS fie ju= le|t ftumbffinnig würben ober fid) wie tot! Ijerumwaljten. ©ine 3ufectionScomniiffion mit bem ätegienmgSratße ©eorg ©eifrieb Oon Oietridjftein als Hßeftcommiffär an ber ©fiiße waltete unerfproden i^reS 2ImteS. Oie oon ber 3ßeft ergriffenen ipaufer würben wie in früheren 3^iten mit einem weißen Kreuje oerfefien unb Oerfßerrt, boi| für jebeS ein 3uMger beftellt, ber bie 3nwol)ner mit bem 9töt()igen ju oerfefien l)atte. Oie Ofjore ber ©tabt blieben faft immer gefd)Ioffen, fo bafS and) bie Sorftabtleute nid)t I)iuein= gelangen tonnten. Sajarefffe würben eingerid)tet unb ©ontumaj|ütten an üerfd)icbenert Orten erbaut, fo auf bem SBiefenfilane Oor ber Seed)= tir^e int jeßigen ©tabtßarte, neben bem Kälbernen Siertel längs ber Stur, jwifctien Söaltenborf unb bem Storetlenfelbe. Sille öffentlidjen 3ufammenfünfte in ben SBirtSßtiufern unb Säbern würben Oerboten, aber in ben Kirdfen Derfammelten fid) täglid) üiele Stenfd)en, unb and) an ben Sitiproceffionen befljeiligte fid) eine große SoltSmenge. ©ine foldje ißroceffion fanb am 6. 3uli ftatt. Oie Seßörben, an ißrer ©piße ber inneröfterreießifeße ©tattßalter ©eorg griebrid) ©raf Don DterSperg unb ein großer 01)eil ber SeOölterung naßmen barmt tijeü. ©ie gierig bon ber öoffirdje aus unb machte am @nbe beS ^)aut)tbla|e3 unb am Eingänge in bie ©acfftrafre |alt. §ier fpracf) ber ©tattljalter, umgeben bon ber lautlos Ijordjenben ötenge, ba§ ©elöbnis aus, „jit $erföt)nung beS gered)ten 3Drne§ ©otteS unb Ülbroenbung ber an unterfdjieblidjen Orten beS ßanbeS wie and) in ber §aubtftabt eingeriffenen leibigen ©eudje" 311 ©tjre ber a((erf)eilig[ten Oreifaitigfeit eine Oenffäule 311 erridjten. 3n ber ©tabt @003, bie bamals etiua 17.000 @inrool)ner tjatte, ftarben ungefähr 5000 9Jtenfd)en. 9tad) bem @rlöfd)en ber ©eud)e mürben auf bem ^auptpla^e, auf bem 8enb=, bem ©rieSfitatje, im 9Jfün3gra6en unb ©t. 91nbra Oenffäuten erridjtet; bie leitete mürbe fpäter am ©nbe ber ©traudjergaffe aufgefteHt. 9H§ bie erftere, bie aus Surfer gegoffene, reid) bergotbete OreifattigfeitSfäule auf bem ^aufitblatje, am 93e= ginn ber ©artftrafje, im 3at)re 1685 eingemeiljt mürbe, fiielt ber beriifjmte San3elrebner P. ütbraf) a m a © ancta Star a in ber ©tabtpfarrfiräje bie ^eftfirebigt. @r ftammte aus ©djmaBen, marin Sßien in ben Orben ber 91uguftiner=$arfü^er eingetreten unb mirfte bon 1683 bis 1689 als ©onntagSfirebiger unb bann als tßrior im ©ra3er Üluguftinerflofter 311 ©t. 9tnna im 9Jtün3= graben. SDaS @nbe bet ißeft befdjrieb er in feiner ißrebigt mit biefen SBorten: „9lnno 1680 ift ber mütenbe SEob 311 ®rä§ auf feinem falben i^ferbt butdj alle ©affen geffirengt, bis er enblid) in bie ©ruben gefallen unb ben £)al§ gebroden." Oiefe ©rube aber mar jene, in meid)er „nadjmalenS bie (šljrenfaulen ber 911Ier= l)eiligften Oreifaltigfeit gefteöt roorben, bort in biefcr ©ruben Ijat ber Zob ben üteft betommen". ®aS 9öiitf)en beS ZobeS, ber burd) alle ©affen ritt, fdjilberte ber ißrebiger alfo: ber Zob „ift tommen in bie ©porrgaffe, ba l)at eS geheißen: SDleinem sterbt gib id) bie @borrn, Sd) toiti eud) rool ertauben; 3t)t fct)t l)Dib ober niebec gebobrn, nimm eud) bei ber Sappen. UR a t) e r, ©ef^id)te ber ©teiermarf. 21 @t ift fommen in tue ÜJiu^irgaffen, ba l)at e§ geheißen: lud) 6et) bet SDlufjr füijt ii^ mein @urf SffiiH cud) toot curieren, Šoti, fort, Ido! bereit eud) nur, 3t)t milf§t tion bann marfdiiercn. ($r ift fommen in bie Sdjmibtgaffen, ba fjat eS geheißen: Schlagt toacter mit bem Jammer gue, iötein ißferbt braudjt aud) )gufet)fen, 3m Stab toerbt iljr halb fiaben Üiutje, $a§ toilt id) cud) rocl toeifen, @t ift fommen in bie §ofgaffen, ba |at e§ getjeißen: (Sin tgofmann gib ic^ gar nit ab, S8in ein gar grober @d)Iegel, 3d) toitrf bcn £errn unb ßned)t in§ ®rab, $riff fiönig unb aud) ßcgel. @r ift fommen in ba§ Kälberne tßiertel, ba f)at eS getjeißen: $a§ iätberne Qleiid) ift nit mein Speib, 3d) bin ber 9)tenfd|cnfreffer, Um ein Safttag id) gar nit roeiß, 3d) mac| euc^S aud) nit beffer".1 3fber and) in anberen ©tobten unb in Sörfern erlagen bamalS Diele 9Jtenfd)en ber furäjtbaren firanf^eit. Sie 39ürget Don ÜJtarburg erbauten nad) if)rem @rlöfd)en bie $arbara=%apeöe auf bem ©alDarienberge; fie trugen felbft ba§ Saumaterial Ijer^u unb Derridjteten Sagrocrferbienfte. 3n 6illi rourbe bie ©t. 3}ofef§fird)c erbaut, ©ogenannte ißeftfreu^e erridjteten bie Serooffner banfbaren -fber^enS an Dielen Orten. 1 31roof = ißetet§, ©rag, 6. 209. 4. Sad 3nl)i' 1683.1 Ungarn fjerrfdjte in biefen 3eiten niemals ütu^e. Salb nad) bet Überroältigung bet $erfd)roörung brad) roieber ein 5luf= ftanb auS, an beffen ©b'ije bcr ©raf ©merid) $öföli) ftanb. @r bemühte fid), bic Unterftiitjung ber gran^ofen unb Smrten ge= roinnen, unb fanb beibe ba$u geneigt. 3n ©tciermart lebte man ftetš äroifc|en unb Hoffnung. ©d)on im Üluguft 1682 roufšte man in ©ra;, bafs ber „Siirf fambt benen ungarifdjen lltcbellen gegen Ungarn tjerauftoärtS in ftartem 'Unjug begriffen", bafS bie ©ren^orte Suttenberg, sJtabterSburg, gelbbad), geljting, gür= ftenfelb unbefd)ü|t feien unb fo baS Sanb bem „türtifdjen sJtad)en" offen ftetje. 9Jtan begann, biefen Orten ißultier, Sunten unb 931ei ^ujufenben unb Raufte in ©rag Sßrotiiant an. Sie 3tegierung orbnetc an, bafS baš Sragonerregiment beS Oberften ©rafen Štarl Oon ©aurau unb baS Diecftjeimifdje Infanterieregiment, geführt tiom ©rafen b’9lff)temont, an ber ©ren^e Don Suitenberg bis §art= borg unb bie 9Jtur auftoärtS bis SBübon in ©täbten unb 9J?itrften, in Sörfern unb ©d)löffern oertljcilt roerbe, unb fd)idte bann aud) nod) einige anbere Sruppen in baS Sanb. 3lber biefe ©olbaten roaren nur eine Saft; oljne firenge Sifciplin machten fie grofje sKn= ffirüdfe, fo bafS eS überall 511 9luSfd)reitungen tont. Sßorne^me Ülbelige, bereu ©üter bodg in ben bebrotjten ©egenben lagen, ertjoben ©infjmid) gegen jebe ©inquartierung, unb bie Dtarburger ber= toeigerten ^roei ©ompagnien Süraffieren ben ©inlafS in iljre ©tabt. 3ttt gafd)ing 1683 roaren überall alle „fünften in ©djtoung geljenben Suftbarfeiteu, Ötufiten, 9Jtafd)araben, ©omöbien, and) ©bringen unb Sanken" oerboten, unb ber Sanbprofojj erhielt im guli ben Auftrag, alle „ftarten Settier unb müßigen Seut" an^eigen, bnmit fie bei ben SefeftiguugSarbeiten oerroenbet roctben tonnten; beim bie geftungSroertc ber ©ren^ftäbte unb bie Oon ©rn$ mürben 1 3. 0. Satin, Duellen jur @efcbid)te be§ 3at)re§ 1683 in ©teiermarf. ^Beiträge 20, 21. — 3- n. Sotm, ®a§ 3at)r 1683 in ©teiermarf. SJHttfi. 31. 324 imSgebefjert, bie Ä'reibfeuerftntionen unterfudjt unb auSgerüftet unb an ben ii6ergang§))unften $erl)aue angelegt. ®iefe Arbeiten fällten bunt) ba§ 3ufflmmentoMen ber £)errfä)aft§= unb ©üterbefttier au§= geführt merben. 21m toietjtigften roaren bie $erl)aue am Semmering, mo bie ^Bürger von ÜHür^ufctilag, bie @ct)ärfen6ergifct)en Unter= tränen bon §ol)enroang, bie be§ SloftcrS üleuberg, bie ©tubcn= bergifdjen bau .Sagfenberg u. a. arbeiteten. Gebern 2Jiartt unb jebem ©ut rourbc bie 3n^ ber Seroaffneten borgefiirieben, bie fie al§ 23efa|ung auf ben Semmering fct)icfen feilten. 3m ganzen tarnen 2248 iüiann ^ufammen, bon benen jeboct) immer nur ber bierte SÜjeil burd) hier Zage 2Bad)e f|ielt. 3n ben Stabten mürben bie Sürger gemuftert unb beroaffnet, am$) bie Säuern erhielten 2Baffen. t)od) gieng man nidjt überall mit übermäßiger @ile bar. @nbe 3uni roarb e§ in SoitSberg „für guet angefefjen, roenn fid) bie Surgetfdjaft in etroa§ mit ©eroeljr berfeljen tljete", unb in Seoben Ijielt man nod) ÜOtitte 3uli baS @ine$ercieren ber $ürger= fč^aft für unnütze 3ßulberberfd)menbung. Unb bod) fjatten fd)on biel früher angefe^ene üßerfonen bie Stabt @ra^ berlaffen unb fixere Orte aufgefudjt. Oie Serorbneten flogen mit ben ©elbern unb Sdjriften nad) Subenburg. 3llin Stabtcommanbanten bon @ra§ mürbe 5nbe 3uli ©raf DliclaS bon Straffolbo ernannt. 3n ben ©renäftäbten mürbe aber mit großem (šifer borgegangen. 3n $ürftenfelb mufterte man bie Sürger, befall bie 3eugl)öufer, errichtete tprotiiantmaga^ine unb befferte bie Sefeftigungen aus. Oa fdjlug am 13. 3uni ber $li| in ben 9ßulbertf)urm unb richtete großes Unheil an: Safteten ftüqten ein, bie @efd)ü|e mürben roeit umt)er= gefd)leubert, ba§ Slofter, ba§ 3tatl)hau§ unb biele Sürgerhäufer roaren Zrümmerftätten ober arg befd)äbigt. Oie Stabt befanb fich in einer entfejdichen Sage; beim nicht allein bie Zürten, fonbern and) bie Ungarn roaren ju fürsten, glatte bod) ber nächfte 91ad)bar ber Stabt, ber mächtige ©raf ©hrijtobh Satthianij, fid) für Zöföli) unb bie Zürten erflürt, roa§ er ben „el)renfeften, fürfiäitigen, e()r= famen unb weifen SBürgern tion ffürftenfelb, feinen befonberS freunblid) geliebten 9tad)bnrn" in einem ©^reiben melbete. Salb barauf, am 17. 3'uli, überfdiritt eine ©d)ar „tjungerifdjer 3tc= betten" bie ©renje, bod) tarn bie ©tobt, aus bet eben bie $efa|ung abgewogen mar, gtimbftid) babon. ©otd)e @infalte miebert)oIten fid) öfter, ßaifertidje SErubben, benen fid) fteirifdje Säuern anfdjloffen, brangen bann aud) in Ungarn tiar unb blim^erten auf ben ©ütern be§ ©rafen Sattfiiant). ffürftenfetb befam nadlet jmar toieber eine Sefatjung, aber biefe jog am 24. 2tuguft ab, eben als ein neuer ©inbruä) ber unga= rifc^en Stebetten unb SEürfcn beüorftanb. Sie Sürger feilten fid) mit einer Heilten ©djar beS fteirifd)en 3tufgeboteS üerttjeibigen. Sa erfdjien ju rechter ein ^ilfScerpS aus Ära in unter bem ffreU tjerrn 3oI) a nn Stßeifart Den S a 1 ü af o r. Sie Sürget £>alten aber fein Vertrauen met)r unb üerlieffen bie ©tabt; nur fiebjet)!! ©reife unb etliche Sßeiber blieben jurüd. 2tl§ bie Ungarn t)eran= gefommen waren, oerfudjten fie, bie Sorftabt in Sranb ju fteden, aber SalOafor befdfofS fie aus feinem größten ®efd)ü|e. Sie ab= gezogene Sefatjung berna^m ben Äanonenbonner, fetjrte fofort um unb tiberfiel bie üftiuber, non benen 300 auf bem glatte blieben. Satbafor jog bann feine übrigen Seute, bie er nadj üiabferSburg gelegt t)atte, an fid) unb begab fid) nad) Reutberg. 3n biefer 3eit ber Stufregung traten in ber oberfteirifdien Strbeiterfdjaft Stbfidjten auf ben $efi| ber Sefuiten tjeroor. ©S gab in 2öien Heute, wetdjc alten (SrnfteS aud) bie 3efuiten als Urheber beS SürfenfriegeS bejeidineten; it)re |)abfud)t unb baS ©heben, in ben Sefi| ber ©üter ber ungarifdjen 3tebetlen ju ge= langen, gälten ben SBienern bie OSmanen auf ben fpalS get)etit. Ser gröjjte St)eit ber Sefuiten oerlieg bat)er 2Bien, unb einige bon if)nen gelangten über ©t. iß ölten nad) ßeoben, wo feit 1613 ein Sefuitencottegium beftanb. Stud) oerfdfiebene anbere SBiener tfamitien fanben bantalS 3uflu^t 'n ben Sergen CberfteiermarfS. Sie Sefuiten Ratten eine Sefitjung in ©folt bei ©ifenerj, unb e§ tierbreitete ficfy bn§ ©erüdjt, baf§ fte bat)in „eine grofj= müct)tige «Summa @elt§, nembtidjen bet) brittljalb Startin tiott" gebradjt Ratten. ®a maäjten fid) 9Jtitte Stuguft SBergtnabben tion ©ifenerä unb Sßorbernberg im Vereine mit ipol^nedjten auf, ba§ ©elb in I)oIen. Sie überfielen bie Htüljle unb ben KMerfjof in ©feil, jer= fdjlugen, ba fie fein ©elb fanben, alle genfter, Saften unb Öfen unb trieben bann alles $ielj, baS fid) auf ben Üllmen befanb, auf einer 2ßiefe jufammen. Sie „fdjuffen fünf tapfere Sdftoeine nieber, ftadjen jmei Sülber ab unb fd)lugen einen Cd)fen, roeld)e§ fie alles ftraggS tierfaßten unb tierjefirten". hierauf fd)icften fie ©efanbte nad) @ifen= erj unb boten ben gefammten S3efi| ber Sefuiten jum Saufe aus; benn fie waren ber Meinung, bafS er nun iljnen gelpre, ba „bie Sefuiten biefe ©üttcr aucl) nit mit guettem Sittel befitjen unb an fii^ gebrad)t ^aben". 9Jtan beruhigte bie Seutc einigermaßen baburd), bafS man jebem burcf) ben ®eroerffd)aftScaffier auf Soften ber Sefuiten einen 9teid)StI)aler auSjafjlen ließ. 2lud) baS ©oHegium in Seoben unb baS Stift ©öß wollten fie überfallen, bod) gelang eS enblid), bie 3M)e tioUftänbig ßerjufteHen. Unterbeffen war 2Bien non ben OSntanen jmei 9Jtonate lang belagert worben. ®er Saifer ßatte bie Sßertßeibigung bem ©rafen ©rnft Dt üb iger tion Starßemberg antiertraut. Sie Starßemberger geßören ju ben älteften Familien ÖfterreiißS; fie füßren ißr ©e= fcß!ed)tSregifter bis in bie 9Jtitte beS jeßnten ^aßrßunbcrtS juritcf, iß re Sefißungen liegen in 0ber= unb 9tieberöfterreid). ©ruft ütübiger würbe ju ©raj im Saßre 1638 geboren unb trat früß^eitig in faiferlicße SriegSbienfte. @r naßm an ber Belagerung Stettins tßeil, fümpfte in ber Sißlatßt bei St. ©ottßarb gegen bie Sürfen unb in meßreren Sißlacßten gegen bie ffranjofen. Sen größten Dtußm aber erwarb er fieß burd) feine Bertßeibigung SßienS; er ßielt bie feßwer bebrängte Stabt bis ju ißrer «Rettung burd) baS beutfdje unb polnifd)e ,§eer. SiefeS ©ntfaßßeer braeßte ben Sürfen eine ,9tieberlage bei unb befreite bie Stabt. 91ud) in Steiermarf rief btefer ©teg ber Sfirtften allgemeine Sefrtebigung Verbot unb rourbe allenthalben burd) Sanfgebete gefeiert, ©raf $attl)iant) lub je|t felbft bie 33efa|ung Don ^ürftenfelb, bie brei iEegimenter ©anrau, Dtetternict) unb 31ff)remont, ein, in Ungarn ein^umarfäjieren unb auf bie dürfen togpgehen. 3)ie§ gefdjah beim and). ©teiermarf hatte alfa im Salfre 1683 nii^t unter einem SEürteneinfall, mahl aber burd) bie Ungarn ju leiben. 9Zur jtoei gefangene SEttrten, fa he'fd e§- belam man in ©teiermarf ju fel)en: ber eine rourbe non IRabferSburg nach @raj gefchafft, ber anbere, Uiehmet genannt, roar tian bem Strafen Sari tion ©aurau gefangen unb auf ba§ ©djlafS Sigift gebracht toorben. ®em fdjeint bie 9Zad)rid)t ju toiberfpredjen, bafS e§ ben 3efuiten im Sahre 1685 in ©raj gelang, neben jroolf Sutheranern unb brei ©alüinern and) fünf 9JZohammebancr ju belehren. ®a bie Smrten aud) in Ungarn burd) bie faiferlidjen SBaffen 9Zieberlogen erlitten unb nach unb nad) au§ bem Sanbe tiertrieben tourben, fo fam c§ ju feinem ©infall in ©teiermarf mehr. ®och hörten beSroegen in Ungarn bie Unruhen nod) nicht tiollftänbig auf. ©ä)on 1703 bebrohten ungarifd)e ütebeflen, Surujjen genannt, unter ber Einführung be§ 3 r a n j 9t a f o c j t), bie ©egenb tion ^ürftenfelb, unb im folgenben 3al)re marfd)ierte eine groge ©ihar tion Surujjen tion ©t. ©ottharb l)etnn. Ser ©rajer ©chlof§hauf)t= mann ©eneral ütabatta rüdte ihnen über ^ürftenfelb entgegen, erlitt aber eine 9tieberlage, roorauf bie ganje Slcgenb gebranbfd)a|t rourbe. 9Zun rourbe croatifd)e EJtilij nad) ^ürftenfelb tierlegt, rooburdi biefe ©tabt ganj tierarmte. II. marl VI. 3n feinen lebten 9tegierungSja[)ren l)11^6 Saifcr Seofrolb I. aud) toieber mit granfreid), unb jroar um ba§ ffmnifd)e @rbe ju famhfen. Siefer ffmnifche ©rbfolgefrieg bauerte aud) unter feinem ©ol)n unb 9tad)folger 3ofef I. (1705 big 1711) fort. Sa ber fiutfürft timt Skiern auf ©eite granfreicfjS ftanb, roitrbe fein Sanb timt beit Äaiferlictjen erobert unb feine tiier älteften ©öl)ne nact) Slagenfurt gebrncijt. Stuf Sofef I. folgte fein $ ruber Sari VI. (1711 big 1740) in ber ^Regierung Öfterreid)g unb auf bent beutfctjen Saifertljrone. Sari ließ bie tiier izrinjen ang Slagenfurt unb einen fünften aug 9Rüm$)en nad) ©raj bringen, too fie erlogen mürben. 5)er Saifer gab ben ©rjieljern unb Seljrern genaue 33or= fdjriften, roie ber Unterridit unb bie ©rjiefiung befdjaffen fein foHte. ®er ältefte iflrinj, Sari Stlbert, ber bantalg 17 Saljre alt mar, ftubierte an ber ©rajer Unitierfität. ®rft nad) 2Ibfd)Iufg heg griebeng, int Sa^re 1715, reigten bie tprinjen nad) ÜJtündfen jurüd. ®a Sari VI. feine männlidjen sJtad)fmnnien Ijatte, fo erließ er bie ßragntatif d)e ©anction, bie int Saßte 1724 funbgemadjt mürbe. SDiefeg 3teid)ggefe| beftimmte junddjft, bafg bie ^abgbttrgifcßen Sit über nie meffr unter mehrere ^errfdjer getßeilt ro erben bürften, unb fe|te feft, bafg im gälte beg Slugfterbeng beg 9Jtanngftamme§ bie 5Eöd)ter Sarlg VI. unb ißre 9Iad)fmumen, in Ermanglung folcßer bie $öd)ter feines tierftorbenen SBtuberS Sofef I. unb itfre dtacßfommen, unb menn audj foldje nid)t meßr tiorljanben feien, bie Diudjfommen ber 5Löä)ter SeofiolbS I. auf beut 2d)ron folgen feilten. 3m 3uni 1728 traf ber Saifer mit feiner ©emaßlin unb feiner elfjährigen SEodjter Dllaria SLfierefia in ©raj ein, roo am 6. Suli bie feierlidje @rbf)ulbigung ftattfanb, bie leßte, bie ein SanbeSljerr in ©teiermarf entgegennahm. Ser Saifer fmtte jmar bie ©taube aufforbetn taffen, bei biefer ©elegenheit ßor allem bem Saifer „unbeliebigen SujuS unb barauS entffiringenben gti tiielfältiger Sefdjmerbe gereidjenben unnöthigen Soften" ab= juftehen, allein feiner molite hinter bent anberen jurüdbleiben, unb fo geftaltete fid) bie Erbljulbigung jtt einem überaus glanjenben gefte. ©eorg Safob Ebler timt S e h er IS p e r g , lanbfdjaftlidjer ©hnbicuS unb Cberfecretär, hat bie auf bie Erbhulbigung bejüg= Iid)en Slctenftüde gefammelt unb alle '-Borgänge fdjriftlid) unb bilblid) beleuchtet in feinem SBerfe „Erbljulbigung, roelche bem römiftfjen Sfltjfer ßarolo VI. ju ^tfpanten, ^umjnrn unb $ö()eim Äbnig ic. al§ §er|ogen in ©tcljer timt benen gefilmten ©tebrifctjcn ßnnbftänben ben 6. Suiti 1728 abgeleget toorben". ®a§ Söer! erfct)ien „bet) benen Sßibmanftütterifdjen Erben". Einige Qeilen an§ bet Einleitung, roeldje ber Sßerfaffer red)t fdiroungtioll ju geftnlten tierfudite, mögen al§ ©tilbrobc angeführt toerben: Sein ®ing auf biefer Sßelt, tierfidjert ber SSerfaffer, ift gleid) anfangs tioHfotnmen; and) bei jcbem Sßolfe „rucfet erftenä aus benen büfteren Dtad)t= ©tunben bie frenbige 9Jtorgen=ütöt^e ffertior, bis baS entfernete I)elle ©onnen=Cid)t mit näherer Ülnfunft and) ben mehreren ©lanj unb enblid) tioltommenen 9JUttagS=?Infd)ein Don fid) gibet; in fotctjer ©Ieid)I)eit ift bie UKterbnrdjIandjtigfte $ßeIt=©onne biefem §er|ogt^nm ©tet)er tiortfin aufgegangen, biS[)in fic mit einge= trettener tioHer ©Ian|e§=@egenroart felbcS erfreutidift beftra^Iet I)at". 3)ie Zeichnungen ju ben breijet)n Subferftidien beS 2ßerte§ lieferte Sgnaj glurer, ben ©tid) beforgte SoI)amt |>einrid) ©tördtin in DlugSbnrg. Sm Sal)re 1730 ronrbe bie Sanbtafel eingefiiljrt, roeld)e fd)on Seobolb I. angeregt unb nad) it)m Sofef I. anbefohlen hatte, ffür ©teicrmarl ronrbe 1737 ein ©efetj über baS @rbreä)t erlaffen, baS mit bem für ©ber= unb Stieberöfterreid), Samten unb Srain übereinftimmte, fo bafs alfo in biefer ©ad)e jroifd)en ben ge= nannten Säubern 9ted)tSeinl)eit bcrrfdjte. III. innere nnti CSTnlfuciupäntiß. 1. 2)o§ ^cfcmucfcn.1 Eine ber beflagenSroerteften folgen beS breiftigjahrigcn SriegeS mar bie Unroiffenl)eit beS 33oIfe§, au§ ber fid) eine unglaublidje 'Hoheit entroictelte. 9tid)t baS Soll allein, and) ftubierte DJtänner glaubten bamalS, wie aud) fd)on in früheren Zeiten, an Zal|bercr 1 ®ic ©atlerinn auf ber 9tieger§burg. ®rei SBänbc, ®armftabt 1845. — @teiennättifi|e ©efd)i(|t§6Iätter, III, 1882. — 3Itoof, t)ofition ber ^anbioerfer gegen bie gartet be§ ÜRagiftrateS menigftenS bafjin geführt, baf§ man einen Qčin= 6Iid in ba§ 3Birtfd)aft§roefen getoann unb allerlei DJiängel unb $ßillfürlid)feiten erfennen fonnte. 91ber eine bauernbe 93efferung biefer 3uftönbe ift nidjt eingetreten. $ßieroo()l „bie tRegierung ben beften Ißillen tjatte, burd) ifjte ŽBerftigungefi' allen ÜRifgftünben ein @nbe §11 inanen, ben ÜRagiftrat unb bie Sürgerfdjaft mit ein= anber ^u tierföfinen unb baljin 51t bringen, baf§ fie in beftcr ($in= tradjt ^ur Reibung be§ ©emeinroefenS ^ufammenroirfen unb bie ftiibtifdje $Birtfd)aft in befferen glor 511 bringen, fo gelang ifjr bie§ bod) nitfjt. ®ie meiften mifSlidjeu ^uftünbe blieben in iljrem alten 2Befen, ber 9Ragiftrat felbft fdjaltete unb toaltete, al§ roare ifjm gar feine bcftimmte 9tegel unb iRidjtfdjuur tiotgefdjrieben roorben, unb fonberbarerroeifc fal) and) bie üfegierung biefent 2reibcn für gerobljnlid) rufjig unb gleidjmüfljig 51t". Sod) rourben bon 3e'f 5U 3e't Unferfud)ung3commiffionen eingefetft, bie aber and) nicfjtg beffern fonnten. ®ic (šommiffion bom 3al)re 1723 falj ben Untergang ber ©tabt fdjon feljr nalje, beim, fo fagte fie, e§ genüge ein einziger „UnglüdSftofS, um ba§ gan^e ©ebäube be§ gemeinen $ßefen§ auf einmal Ijöcfjft bebauerlid) über ben Raufen fallen 511 madjen". (šine regelmäßige ©traßenbeleudjtung gab e§ in ©ra^ big in bie Seiten IDtnria SLßerefiag nidjt. 3m 3al)re 1718 trat ber iReidjgritter 3o^ann 3afob ©eelanb, ber allem 9Infd)ein nad) fid) in ber loeiteu üßelt umgefeßen unb bie ©inrid)lungert großer ©täbte fenuen gelernt ßatte, mit bem Ißlane auf, in ©ra; bie ©tabtbeleudjtung eiujufiiljren, roie fie „nit allein in großen ©täbten tßarig, Sßrüffel, SDreSben, ßeib^ig, ©ngelanb, tpollanb, fonbern aud) in ffeftungen nnb fleineren Örtern, alg @ffef", beftanb.1 $ie ÜRittel 1 3. D. 8 af| n S ©teiennartifctjc ©eicf)i4)t§blätter, I, 40 ff. boju moflte er burcf) eine allgemeine ©teuer auf fämmtlid)e „Officianten unb Sebienten" befd)affen, bic fict) in ben 22 ©täbten, 95 iDtärften, 338 @d)löf]ern, 15 Klaftern, 14 Hßropfteien, 4 ßommenben unb einem ©i§tl)um be§ SanbeS auf^alten unb „3^rcr Utajeftüt wenig ober gar nid)t§ contribuieren". (Sr ttjeilt bie Seute, bie er mit biefcr SHuminationSfteuer 511 Mafien gebaute, in fiebjeljn Klaffen unb reäjnet in bie erfte Klaffe bic $octoren ber 9ted)te unb bcr 5Jtebicin faroie bie (Sifentierroefer, in bie brüte bie ©ecretäre unb ©taHmeifter, in bie fünfte bie Kaufmanngbiener, in bic ad)te bie „Kammer=3nngfrauen", in bie neunte bie Künftler unb §anbroerfg= leute, in bie zwölfte bie „lßferb= unb Ojentnedjt", in bie fiebje^nte alle 39ürger auf beut ßanbe. Sie $leifd)tiauer fällten burd) Abgabe Bon Unfdjlitt, baS bamalS in großen DJtengen nad) SBien berfiljidt würbe, bie $eteud)tung ermöglidjen. Srotj Bieter 3Serßnnblungen fant ber ifilan nid)t jur 9tu§= füffrung; beim e§ war oßneyin genug ju jaßlen unb bann war allgemein betannt, bafg „bie ©labt ©riij nit alfo befd)affen, bafg Bon Bielen Ütaubercljen, Siebftaflen unb DJtorbtßaten, als weldjet Urfmißen willen man eine Illumination Bor^ufetjren pfleget, 511 ßören ift, ingleidjen ift felbe aud) nid)t fo üotfreid) ober Bon fo großem §anbt unb Jßanbt, bafg bie näcßtlicße Söeil baju§unemben notßwcnbig ober bie Sanftere fcßäblid)". ©eetanb madjte int 3at)re ] 723 in einer Kingabe an ben Kaifer nod) einmal auf bie SSortßeile bcr ©tnbtbeleudftung aufmerffant, Bon beiten bie $er= minberttttg ber Dtaubanfällc unb Siebftäßle unb bie Scrßittberuug Bon ©djabenfettern bie widjtigften finb. „Kg würben burd) bie Illumination", fagt er, „Biele geuergbrunften Beüjinbert, wo in Krmanglung berfelben Sndeien, ÜJtogb unb Ütnbere mit Radeln, ©ßän unb bergleicßen oft näd)tlid)er Sßeil über bie ©affen geßett, umb ben Kotß 51t üermeibeit, ßernad) burd) entfteßenben ä'ßirtb oft bie flammen in ein Sad) ober ©trot) getragen wirb, woraug bag Reiter entfielet, weldjent oft burd) bic Sdtumination abgeßolfen würbe." Ser Unternehmer machte fogar barauf aufmerffam, baf§ fid) infolge einer guten ©tabtbeteuchtung ber ^rembenoerfehr heben mürbe, roa§ ber ©tabt nur $um iBorttjeile märe. @§ mürbe nach feiner öteinnug „in Sonfurn mehr eingehen, bahero bie 5Dtauth= unb anbere (Sinfünften tiergrößert, inbeme bei einer Illumination oiele ^oriftiere (^rembe) unb anbere ,§)errf(haften animiert roerben, allba fid) cofiiofer (^ahlreidjer) nuf^uhalten, ba§ 2ilumination§= S^roffiect 511 genießen, unb alba roohnhaft 311 machen unb länger nuf§uhalten". 9(bcr ©eelanb geroann felbft ba niemanb für feinen tpiau, als er tierfhrach, „bet) ber ©tabt=31(uminationSeinrid)tung bie ©tabt beiberfeitS ber ©affen mit breiten ©teinern nach iüoth= burft belegen gu laffeu, auch P beforgen, baf§ 9Jioraft, Äott) unb SBaffer abgeleutet unb bie ©tabt einem Sl)611*1'0 t161-- ©djönheit verglichen roerben" fönnte. Sie Einführung ber ©teuer auf bie „Officialen unb 93e= bienten" hätte alfo ber ^aufitftabt §ur 3eü Saris VI. §ur ©traßenbeleuchtung, 511 Sürgerfteigen unb vielleicht p einer 91rt Von Sanalifierung Verhelfen, aber e§ ift nicht bn^u gefommen. 3im Saljre 1724 mürbe auf $efe!)l beš SaiferS Sari VI. auf bem ©rieS ein großes 9IrmenhauS errichtet, baS and) als 9IrbeitShauS benüßt roerben tonnte; beim eS foflte bem überffanb nehmenben $ettelunroefen fteuern. Es erhielt and) eine Širclje mit einem eigenen geiftlichen Seneficinten, unb hinter bem 9lrbeitShaufe entftanb 1732 ein 3ui|thau§ „gur Seftrafung niebercr $erbred)er, gefunber Settier, troßiger untreuer Sienftbothen, unbänbiger ^anbroerfsburfchen, un= gehorfamer Sinber, ©d)ulbenmad)er u. f. ro.". Sie feßon früher gelegentlich ermähnten SBohlthätigteitSanftalten beftanben fort, ein SOßaifenhauS nächft ber Sirdje sUtaria=,lpilf rourbe vor 1679 gegrünbet. Ser eble SBohlthäter ÜJi a 11 h i a S ©d) äff er von © cß ä f f e r Sb e r g ließ 1679 ein neues ©ebättbe bei bem Sonünicnnertlofter aufführen, unb er unb anbere roibmeten ber 91nftalt bebeutenbe Eafntnlien, fo bafS im 3'ahre 1768 barin 200 SBaifen leben tonnten. — 347 — 5. 5cficit in beit Stabten. 2ßie bet ^xmptftabt ©m§, roibmeten auSroürtige ©cfitififteller be§ fiefi^efinten 3afitfiunbert§ auefi ben übrigen ©tübten mefir ober roeniger eingefienbe 33efcfireifiungen. ©o roirb fieifpielStoeife Don Subenburg golgenbeš beričfitet: „3ubenbürg, bie §au))tftnbt in Oberfteljer an ber 9Jlur, ift eine fcfiöne toofilgebanete ©tatt. §ot neben anbern aefit ©affen fonbcrlid) §too ^au^tgaffen, bie beleben ©eiten burit) bie ©tatt gefien unb burifi inelcfier betjberfeitg ber Sänge bež s^latje§ ^roet) SBücfitein fließen. ($§ finb fünf $fior fammt einer Pforten. @S fiat and) ein fcfiön fürftlicfi ©d)lof§ in ber ©tatt, bie $urg genannt, ba bisroeiten, infonberfieit roann ^n ©ratj bie 3ßeft regieret, bie fiirftlicfie §offialtung geroefen. 3)ie ©tatt fiat felbften 33ann unb 9td)t, unb toirb 511111 9JtaIefi|=ütecfit nur ber Utnfläger unb ©d)arf= ri(fiter Don ©räfi fierauff erforbert, unb fotcfieS roirb nid)t auf offeutlicfier ©affe bor bem 9tatfi=.|)au§, roie anberSroo gebrüuefitid), fonbern auf bem 9tatfi=jpauS in einer roeiten ©tube, bafiin man bie armen ©ünber füfiret, gefialten. ®aS ^Regiment betangenb, fo beftefiet folcfieS befi 39urgermeifter, ütiefiter unb fitatfi. @§ fiat biefe ©tatt eine überbiemaffen fcfiöue unb luftige ©egenb, mit ftatttiifien ©cfitöffern unb ®örffern root erbauet unb angefüKet." 9tde jene ÖZeifter, roeltfie ba§ gleitfie ober ein äfintidjeS Jpanbroerf betrieben, bitbeten mit ifiren Arbeitern eine 3 un f t-1 3ur ©ra5er ©cfitoffer5unft gefiörten amfi bie ttfir= unb 33üififen= maefier. ®af§ ber Urffirung ber 3ünfte in ba§ tötittelalter 5imtdreid)t, ift fifion gefagt roorben. Sie anfangs geringe 3nfil fier 3iintt= fafiungen rourbe mit ber 3eit ftart tiermefirt; amfi erfufiren fie im 1 3. ü. Sotjn, ötaterialien 3iir inneren ©cf^iifite ber fünfte in ©teicr= nmrf. 58eiträge 14. 15. 18. - ©omilfdjal, Siinfte in 9iabfer§6urg. SBciträge 16. - Sange, 9JtateriaIien jur ®cfdf)iä()tc be§ $imftmefen§ ;n gurftenfelb, 93ei= träge 19. - Otto d. 3 to'cb i ne tf=© üb en t) 0 r ft, $a§ Edjtoffergeroerbe in ©raj. (3n „Unterfudjungen über bie Sage be§ OanbroerfS in Öfterreidb". Seibgig 1896.) 3eitnlter bet Deformation unb bann roieber feit bet ©egenrefot= mation tiielfadje Deränberungen. 3unftorbnungen finb au§ bem fieb§et)nten unb act)t^et)nten 3afjrf)unbert in großer 3at)l Oor^anben; i^re Seftimmungen finb im großen unb ganzen biefelben. 3ebe 3unft tooüte bie ©törung beS ©eroerbeS burct) unbefugten ©ingriff ^intanßalten, bie „©timpler unb Bretter" unterbrücfen. 9Jtan oerfucfjte mitunter, alle ötcifter be§ ßaube§ 51t tiereinigen; e§ entftanben and) in ben Dierteln be§ SanbeS Siertellaben, bie ^eitroeilig unabhängig, ^eitroeilig unter ber ^auptlabe in ©raj ftanben. ®ie ©ra^er ©d)Ioffequnft umfafste bie Süteifter unb ©efeilen „in unb außer ber fürftlicßen ^auptftabt ©räß auf brei Dteiö 2Beg§ in ©e§iirf ßerumb al§ ©ratmein, geiftriß, großnleiten, Sßaffail, 2Bei§, ©t. Duprectjt, ©leisborf, ©t. ©eorgen, SBilbon, 3ßrebing, ©tain^". 3ebe 3unf* tourbe von einem freigeroählten 3unftmeifter geleitet, ßiclt ißre 58erfamm= lungen in ber 3unftßei'6erge, ©elber unb ©cf)tiften mürben in ber 3unftlnbe tierroaßrt, bie ber Cb^nt be§ .fperbergtiaterS antier= traut mar. $er Knabe, ber ßeßrüng roerben molite, mufste feine „el)r= ließe ©eburt" naeßroeifen. 2)ie fiern^eit bauerte gemößnliä) brei, bei ber ©ra^er ©olbfcßmieb^unft fünf 3nßre. DZandje 3linft= faßungen enthalten eigene ßehrjungenartifel. gretiethafteS Deben, Spiel, Kegelfeßeiben unb Kleiberpuß mar ben ßehtjungen tierboten; fie mürben tierhalten, geiftlicße unb roeltlicße Herren fomie bie grauen ehrerbietig §u grüßen unb „allen ©cßaben tiom ßehrßerm 511 roenben". Sie greifpreeßung beS ßeßrjuugcn gefchaß in ©egen= mart be§ gangen §anbroerfe§, bem bafür eine DJZaßlgeit ober eine Saufe gegeben roerben mufste. Sn gürftenfelb befam ber frei= gefproeßene ©cßneiberleßrling eine Kleibung, befteßenb aus einem DZautel, einer §ofe, einem 9ßaar ©trümpfe au§ Sucß unb einem $ßam§ au§ Sarißent. DuSgelernte ßeßrjungen erhielten einen ßel)r=-brief, roofür einige ©ulben in bie 3unftlabe unb ein ©cßreibgelb gu entrichten mären. Sie (Sefellen gießen aud) Snedjte ober Snažen. 3u'Dlin‘)ei:ni,c ©efellen mufsten in ber beftimmten Verberge einfeljren unb ben „§errn Satter ober bie §rau 9J?utter" bitten, ifjr Sünbet oblegen btirfen. 5Dann erfnnbigten fie |lcf) bei betn tperbetgüater um einen iöteifter. glatte tein Steiftet angemelbet, baf§ er einen ©e= fetten benötige, fo mnfste ber ^erbergOater bei allen Steiftern Umfrage galten. @in ©efelle, ber feine Ülrbeit fanb, erhielt eine Stal)I§eit, bie au§ ber 3unftinbe beftritten mürbe. @ine ehrbare SebenSfül)rung mar jebem ©efellen §ur ißflidft gemadjt. SeOor ber ©efelle Steiftet roerben tonnte, mufSte er brei Satire in ber grembe „auf ber SBanberfdjaft" §ugebrad)t Ijaben. Sen Seberer= gefeiten tion Subenburg, Sfriittelfelb, Oberroel§ unb ütottenmann mar fogar eine brei)äl)t'ige $Banberfd)aft aufserljalb ber ©teiermarf unb ein breijätjriger ®ienft im Sanbe Dorgefdjrieben. Dlber bie ätufnatjme als Steiftet mar nod) an üerfdjiebene anbere SBebingungen getnüpft. ®a in ber Dtegel bie 3nl)l ber ©efdjäftc in einer ©tobt feftgefetjt mar, fo mürbe innndjem „bie Steifterftüd^ begetjrenben" ©efellen ber Sefdjeib: „SBann eine 2Berft)ftatt leer roirbt ober eines SteifterS Bebürfftig, foll er ber erft tjiep Don einem |)anb= merf befürbert roerben." ®ie 3a^ ber ©djloffermeifter in @ra§ betrug lange 3e't Dieqetjn; baS Steifterredjt tonnte nur bann er= morben roerben, roenn einer ber Steifter ftarb ober baS ©eft^aft nid)t langer betreiben roollte. ®er ©efelle tjatte §uerft feine Steifter= ftüde §u madjen; ein frember ©efelle l)atte brei, eines SteifterS ©of)n ober „roeld)cr eines SteifterS 5Eod)ter ober oerftorbenen SteifterS SBittib §ur @be nimbt" §roei ©tüde §u Derfertigen. Stier Sinbermeifter in ißettau roerben toollte, mufSte roenigftenS ein S^br in biefer ©tabt als ©efelle gearbeitet haben unb ein ffafS Don fünfzig (Širnem, ein „bieredete SBobnen" (SBanne) unb ein ißaar „gefaffelte ©mfier (©imer) mit einem eingefaßten Soben" liefern, ©in ©efelle, ber in ©ra§ Sßagnermeifter roerben roollte, mufSte u. a. ein sf3aar „Äartaunenraber" Derfertigen, bie bann unentgelt= lid) in baS lanbeSfürftlidie 3eu9^nu§ abgeliefert rourben. Sie 9Mfterfd)aft im ©d)miebe^anbroerf ju SUH erwarb fid) etn ©efelle babttrd), baf§ er „eines §errn ober ©tnbtrid)ter§ 9tof§" orbentlid) befd)lug, wobei er ©efafjr lief, für jeben frummgefdjlageiten 9htgel ein 'Jßfunb 2Bnd)§ jur ©träfe entridjten ju miiffcn; baf§ er ferner ein Erbgüter für ein genfter nad) beut ülugenmajje uitb eine 2ßein= gart^aue tabelloS ^erftellte. $ßer fid) nidjt getraute, biefe 9Jteifter= ftüde ju liefern, tonnte fid) mit jmnnjig ©ulben, fed)§ ififuttb $ßad)§ unb einer Sanne UBeitt fomie mit 15 Srettjern für ben ©djreiber abfinben. 9iiemanb burfte beut ©efeUen, ber an ben 9Jteifterftüden nur in feiner freien 3eit arbeiten tonnte, |)ilfe leiften; war er nid)t jttr redjten 3eit fertig, fo War er „fo btH er äBodjen barüber arbeiten tljuct, alle SBodjen brei ijßfnnb $Ba$ in bie Sabt ju geben fdjulbig". ,f)atte ein ©tüd me^r als „brei Slabel ober 9Jtängel", fo mufSte ber ©efelle ein IjalbeS 3ßfunb 2Bad)§ als ©träfe jaulen unb brei neue ©tüde liefern. SBaren bie ©tüde ganj fdjledjt, fo würbe er tierurttjeilt, nod) einmal ju wattbern unb baS „^anbwert b eff er ju erlernen". 2) er 3unft= ober 3ed)ineifter übermalte bie 91uSfüt)rttng ber gewerbebolijeiltdjen itiorfd)riften unb berief bie 3linftmitgüeber ju SSerfammlungen. Übertretungen ber SSorfdjriften würben btird) feft= gefetjte ©trafen gebüßt; bie ©trofgelber tarnen in bie 3unftlabe. Sonnte ber 3unftmeifter ©treitigteiten nid)t fd)lid)ten, fo tjatte er bie ©adje beut ©tabtrattje anjujeigen. ©ine ©eridjtSbarfeit ftanb ben 3ünften nid)t ju. 3) ie 3unftmitglieber nahmen mit iljrer galjtte an ber gro^n= leid)itamSf)toceffioit tljeil; „wetdjer nid)t habet) bis an baS ©ttbe Oerbleibt", oerfiel einer ©träfe, bie gewöt)nlidj in einem ißfunb 2Bad)S beftanb. 9tad) ber ißroceffion, um jmölf Uf)r, traten bie Sunftmitglieber ju einer tßerfammlung jufammen. Sie 3unf^abe würbe wie ein Ipeiligtljum attgefeljett. 93eOor fie geöffnet würbe, Ijatten alle 3unftgenoffen bie affen abjulegen, „barunter and) bie 9Jteffer Oerftanben". 3Sor offener Sabe würben Singen üor= gebradjt; folange fie offen ftanb, burfte niemanb bie Sßerfammlung tierlaffen. glucken, ©djmbren, jebe ©otteSläftenmg, gegenfeitige $efd)in4)fung, foltern unb „troljigeS Sieben bor bet Sabe" war mit ©trafen bebrotjt. St6er and) fünft tierlangte man tion jebem SKeifter eine tabetlofe Haltung; ba§ „Übermeinen" unb „$d1(= werben" war tierboten. ®a§ ©efinbe eines anbern SJleifterS gegen biefen auf^utjetjen ober il)m bic ftunben abjufangen, galt ebenfo als eine unet)rbare §anblungSweife wie mit auswärts gemalten Srjeugniffen |)anbel ju treiben. 2öie bie 3af)I ber ©efd)äfte feftgefetjt war, fo war and) beftimmt, wie tiiele ©efellen unb Se^rjungen ein 'Dleifter galten burfte. Sie SJlitglieber einer 3uuft follten eben mit einem geringen Safiital ©uteS leiften unb einen möglidjft gleidjen ©rwerb, ein gutes SluSfommen l)aben; eS füllten nict)t einzelne 3unftgenoffen auf Soften ber anberen ein grojfeS Sßermögen erwerben. Saljer burfte fein SJleifter einer 3unft Slrbeiten auSfüfiren, bic einer anberen 3ltnft jufamen; fo war eS ben ©djloffern tierboten, „©ebäuarbcit §u madjen, als ©d)Iief;en, ©ittcr, Stampfen, ©d)eib= trugen, Srunnemper, fyifdibetjalter unb bcrgleidjen ©djmiebarbeit". SBenn ein SJleifter ferner erfranft war, mufsten il)m bie 9)litmeifter unb ©efetlen burd) $3ad)en unb „anber müglidjeu Sienfte" 33ei= ftanb leiften; tarn einer burd) UnglüdSfälle in 9totf), fo würbe if)tn burd) bie Sobe auf geholfen. 33on großer fittlidjer SSebeutung war baS 3ufonnnenleben ber SJleifter mit ben ©efetlen unb Sefirjungen. Sie SoSlöfung ber ©efeilen tiom öauSljalte beS SlrbeitgeberS ift erft in nuferer 3e't erfolgt. Sie 3unft war bie ©djule beS ^anbwerfS; fie erjag fid) felbft bie fünftigen felbftänbigen ©enoffen. 9Jland)e 3unft Ijatte nod) eigene tßorred)te. ©o befaßen bie 9Jlii()len, weldje jur fjürftenfetber 991üHerjunft gehörten, fogar baS Slfplred)t. SBenn eine „9JlaIefijperfon", b. I). ein Sßerbrcdjer, in cine 9Jltit)le flot), fo burfte ber ^liidjtling nid)t in tpaft genommen werben, foubern ber 9Jliitler ftcllte ipn nad) brei Sagen bem San= beSgeridjte. SaS ©nt, baS ber $erbred)er mit fic^ führte, gehörte beut öiüöer als (Sigenl^um, ausgenommen ben galt, bafe jemanb fein ©gentfjumSredft auf baS ®ut betoetfen fonnte. Sann mufste aber ber 5D?üHer entfdjabigt roerben. Sßon ber ©rajer ©čjlofferinnung toeifi man, bafS fie and) načč) außen l)in ein groffeS 9lnfe'f)en genofS. 3n il)reit ißrotofollen finbcn fid) §al)lreid)e Semerfungen über eingelaufene Anfragen ber ©c£)loffeqitnfte bon SBien, Srünn unb Sßrag mit bem 3ufa|e, bafS baS ©utač^ten in ber fraglichen Angelegenheit abjufaffen fei. Sie IBaber unb ©l)irurgen erhielten bom fiaifer gerbinanb II. im Qahre 1604 ißrioilegien, bie bom Saifer Seopolb I. unb feinen Nachfolgern in ber „,f)anbtoerI§orbmmg unb Artifel ber 23ruber= fd)aft ber Sab er unb SBunbär^te int ^erjogthum ©tet)r" neu beftätigt würben. SB er SJleifter werben wollte, würbe bon ben älteften DJieiftern unb ben Soctoren ber SJiebicin geprüft; babei würbe barauf gefehen, ob er „fich woIfl auf ^tirnwunben, SBein= brüch, SSerrenüungen, allerlei gebrennte, gefallene, gefd)offene, gefto= diene unb gebaute SBunben, wie and) Niftel, falten unb heiffen SBranb, auch in ber 2tnatf)omia, Auffd)neibt= unb 3^'glieberung beS ntenfd)lid)en SeibS unb allerlei ©ebreihen beffelben berftelfe". Um bie Prüfung angenehmer ju geftalten unb einige Abwechslung ju bieten, mufSte ber Sßrüfling ben ©jaminatoren „genuegfam fbattifchen SBein unb ©onfect auffe|en, unb wirb er fid) gegen benen anwefenben Soctoren ju accomobieren unb einjuftelleii wiffen". $ßer bie Prüfung nicht beftanb, würbe nicht nur jurüdgemiefen, fonbern and) ju einer ©elbftrafe öerurtheilt. SaS SJIeifterftüd beftanb in ber .fterftellung Don ©alben unb Sßfloftern. Sie SSabergefellen jeidjneteii fid) nicht immer bitrch großen gdeif) auS; int 3af)re 1688 faubte bie 33ruberfd)aft ber Sab er unb SBunbarjte in ©raj an ihre „fiunftgenoffen" ein Schreiben, in bem fie fid) beflagten, bafS „unfere Surf d)" auf bem Sanbe ihre 3e'f mit „^reffen, Saufen, ©pielen, Staufen unb Schlagen" in ben $BirtSl)aufern Derbrächten unb bie Nachtruhe ftörten, weshalb alten „Herren unb SOßitfrauen" auf getragen würbe, il)re ^auSthore um neun Uhr ju fperren. 353 — 3u ben 3itnften fcmn cmci) bie 9Ji n 1 e r=($ d n f r a t e r n i t ä t geredjnct werben, toelctje im 3n!)re 1619 Don ißeter be 3ßomi§ in ©ra; gegrünbet rourbe. $f)r gehörten bie ötaler unb 33iM)aner Don ©teiermarf an; i()r SBorftanb Ijieji ißatron. ®iefer S3erein erhielt im Saufe ber 3e't tier|'ct)iebene ißrbilegien; tiar allein burfte fein 9Jfaier unb $iibf)auer in ©teiermarf feine „freie Sunft" au§= üben, ber ničf)t ber Fraternität angefjörte. ®iefe führte einen fort= roäf)renben Kampf gegen bie ©törer unb Fetter, wie bie Künftter genannt mürben, melcffe arbeiteten, ofjne ÜJiitgfieber ber Ftaternität ;u fein, (šinem folgen ©törer fonnte bie Ftnkrnität mit |)iffe be§ ©erictjteg fogar alles roegnelfmen, mag er ;ur Ausübung feiner Kunft nöttjig fiatte. (Siner 3unft äf)iilid) mar tiielleidjt bie „ber ©tabt @ra; eintier= leibte 9JZufifanten=(Sompngnie", roeldje ;ur „33efriebigung ber ganjen tßfarrgemeinbe" bie 9)iufif beim ©otteSbienft beforgte, ber aber Don „unmeritierten ©pielleuten unb tfjeilS f)ergeloffenen tßoffenrei^ern tiiel ©intrag unb ©djaben" gefdjaf), meSlialb iljr Ferbinanb III. im 3mf>r-e 1650 ba§ tßritiilegium nerliel), bafS fie üor allen anberen 3nftrumentalmufifern bei allen „fonberlid) bornefimen -fiodjjeiten unb FeftibiS ben tßorjug fjaben unb Dar anberen gebvaudft werben falle". ®ie 3ünfte behaupteten iljre Autonomie bis gegen baS @nbe beS fiebjefmten 3nf)rf)unbertS ungefdjmülert. SSon ba an befahl bie Regierung mieberholt ber einen ober anbern 3unft/ einen 9JZeifter über bie feftgefe|te 311hl anjunehmett. ©old)e „eingefdjaffte DJZeifter" tonnten aber gewöhnlich nur mit 9)tühe unb nach langer 3eit feften F1© faffen. 9Zad) unb nach gieng baS 9fed)t jur SBerlcihung beS 9JZeifterred)teS an ben 9JZagiftrat über, ©inen tiefgehenben @in= griff in ben autonomen ©fjarafter beS 3unftwefeuS führte baS ■.’Öanbmerfspntent Karls VI. Oom 3ahre 1732 herbei. $om feihjehnten bis jum ad)t;ehnten Sahi'hunbert Würbe in ©teiermarf in 5Löpfer= unb ©djmiebearbeiten biel geleiftet.1 91ud) 1 Slgl. ft. 8adjer, ftunftbeiträge au§ ©teiermarf. $rei 3al)rgänge. 3ranf= furt a. 911. 1893—1895. Sürgerfjäufer jeigten bamalS funfttioK gearbeitete 2t)ür= unb ^enfterbefctjtäge, St^ürflobfer, Oberlictjtgitter, StuStjängefitjUber, ttBetterfatjnen unb SEßafferfbeier. 23iclc bation finb üerfdjroimben, boct) meist @ra^ nocf) einige redjt bebeutenbc Arbeiten biefer 9trt auf. Sie fdjonfte ift o!)ne 3toeifel baS f)räd)tige Oberlidjtgitter beS StjoreS im 3ßalafte ©aurait in ber ©fiargaffe 25. Sie $erroaltung ber Stabte unb 9Jtärfte beforgte roie fdjon in beu früheren 3eiten /,9tid)ter unb 9tat()". 1 Ser „äufiere" 9tat() beftanb in ben meiften Stabten feitbem fed)§et)nten 3iit)rt)unbert nid)t met)r, unb ber „innere" mürbe nid)t mclfr überall jätjrtid) erneuert, fonbern bie iltütfje befiielten itfre Sffiiirbe längere 3eit unb betauten oft and) eine Sefolbuug. Ser 9tid)ter mürbe afijatirlict) gemailt, aber e§ tam bor, baf§ berfelbe Sürger biele 3at)re Ijinburd) baS s,)ixid)teraint befteibete. Ser 9tid)ter einer tanbeSfürftüdjen Stabt, roetdje ben Slutbann t)atte, mufstc bie Seftätigung ber Dtegierung in ©ra^ eint)oten, roeldje itjm ben 9td)t= unb SSannbrief übergab; bie 9tid)ter unterttiäniger Orte mürben bon i^rer tjperrfdjaft be= beftätigt. 9tad) ber 9teuroaI)I fanb ein ©otteSbienft ftatt, roorauf bem 9tid)ter bie 3ei4en feiner 2Bürbe unb anbere ©egenftänbe, bie er in feine Obljut 51t nehmen tjatte, übergeben mürben: ba§ Sdjroert, roenn er baS 9ied)t tjatte, über Seben unb Sob §u ridjten, ber ©eridjtšftab, bie Sabe mit ben Utfunben, bie 9Jtarttbüd)er, baS Siegel. 3nle|t fanb bie 9tid)termaljl;eit ftatt. Saš ©infommen beS ÜtidjterS mar fet)r üerfd)ieben; eS beftanb itt größeren Stabten in einem feften ©etjalt unb üerfdjiebenen ©e= fallen. So be^og ber Stabtridjter Uon Seoben ben ©runb^inS Don allen Käufern unb ©rünben im 23urgfrieb; von 5ßfingften bis 9Jtartini von jebem Cd)fen, ber an Freitagen ober Samstagen ge= fcblad)tet mürbe, bie 3mi9e/ unb am St. 9JtartinStag Von jebem §Ieifd)l)auer ^mei Sa mm feile; eine 3>al)rmarftsmaut, btei ^uber §eu, „Sujf unb üßanbel", b. 1). ©elbftrafen für mutljroillige §anb= hingen unb 33efd)imfifungen, einen Sfjeil ber Strafgelber für un= 1 (1. Gange, @ine fteirifcfie Etabt im fiebjtbnten 3abtl)unberi. @tn3 1890. 355 — richtiges 'Dinji unb ©ettndjt, eine ©ebür beim Derfnuf bon Käufern unb für bie 9Iu§fteüimg bon ßnuf=, ^)eirat§=, ©djuibbriefen unb anberen Urfunben. $er 3iid)ter berief bie 9tntf|§Bürger ober nuct) fiimmtlidje ^Bürger ju SSerfnmmtungen. 311 ©eorgi (nm 24. 'itpril) mürbe in Heineren Orten bie gonge ©emeinbe gur S9efič)tigung ber Dininfteine eingeloben. SBer in einer ©tobt nt§ ^Bürger nufgenommen roerben molite, mufste ben ©eburt§fcl)ein unb ben ©ntlnfjungSbrief bor= roeifen, ber nuSfngte, bof§ ber Dittfteller bon feiner früheren §err= fdjoft ober Obrigfeit entlnffen roorben; er mufste ein ^mnbroerf berfte^en, ein jpnug ermerben, berfieirotet fein, ober boc§ bie SBer= ficljerung geben, fid) berefielidjen gu moden, enbliä) eine ©ebür entridjten, bie in berfdjiebenen Orten berfdjieben groß mar. 9tl§ im fiebge^nten 3,:al)r!)unbert in ®rng gu roenig bürgerlidje Käufer moren, gob eS and) unbefiouSte SBürger, roeldje und) Hinterlegung eines ßojntolS auf bem 91atI)l)oufe bom Dtogiftrote bie (Erlaubnis erhielten, ©emerbe gu treiben, ©ie mufsten biefelbcn Steuern unb Soften tragen roie bie behausten Sürger. 2tn bie ©tobt f Treiber ftellte man gröjjere Slnforberungen als früher. Dton berlangte bon iljnen juribifdje ©tubien, unb Ooctoren ber 9ted)te übernahmen gern biefeS 9tmt. Oer ©tobt= fd) reib er führte nunmehr ben Oitel ,,©t)nbicu§". Oie 21nftellung ber ©hnbifer mor bon ber Utegierung abhängig. 9tid)ter unb Ütotf) beforgten olle DermoItungSongelegenheiten unb bilbeten and) boš 9tifhtercoliegium. Sn jeber ütatf)Sfi|ung ttjeilte ber 9tid)ter bie SSerorbnungen ber Dtegierung unb ber Obrigfeit mit, bann mürbe über ©emeinbeangelegenheiten berhonbett, Stagen angehört unb entfdjieben. Oa§ Urtheil erfolgte nach ©rfenntniS ber ütäthe. ©ehr häufig fnmcn $efd)imhfungen, „Snjurimort", Orohungen unb 9toufereien bor, befonberS, roenn Dtilitür im Orte einquartiert mar, boS fiih gemöhnlid) fel)r übermüttiig benahm, ©in 2Bürger bon ©hrenhnilfen berlangte für ihm angethone „3njuri= raort unb ben ©urglgriff, rocläjeS feinem ehrlichen Dtonn mol)! 28* flrtftefyet", eine @ntfd)übigung üon ljunbert iJieiäjgt^nlern, bod) rourbe ber ©djulbige nur 51t einem Erreft bon bier§e()n Zagen berur= tljeilt. ®ie gebräm^lid)ften ©trafen toaren ©trafen am SSermögen unb an bet ^reitjeit. 3)ie ^rei()eitgftrafe mufSte ber ©djutbige in ber „Staidje" ober im „fftarrenfotter" berbü^en. ®ie ©trafgelber fielen in ber Otegel ber ©emeinbe p, bod) ertiielt ber 9ti(|ter einen Zt)eit babon, feinen „SBanbel". ($g fant and) bor, bafg ber ©traf= betrag, roeldjer ber ©emeinbe pfiel, bertnmfen rourbe. 9tid)t feiten rourben $efd)imf)fungen unb ülplidfe „,§i|igfeiten" berglidjen; ber $eleibiger rourbe nämlid) gepungen, mit einigen ef)t!id)en fötännern bem SBeleibigten Ülbbitte 51t leiften, roobei er fid) and) roieberl)olt „aufs 93taul" fdjlagen mufgte. 93tand)er fd>roere §all, ber nad) bem mobernen ©trafred)te mit Werfet beftraft toirb unb bem $erurtf)ei!ten bag Sranbmal beg $erbrect)eng aufbrüdt, rourbe in alten 3eiten in einfadier, faft gemütt)lid)er üßeife abgetan. ®a bie ilnmafiigfeit im Zrinfen l)äufig p ©treitigteiten EnlafS gab, rourbe in mandfen Orten abenbg um §e^n ober elf Ul)t mit einer ©lode, „Sunpenglode" genannt, bag gegeben, bafg bie lebten „Zrinfleute" nad) ipaufe gefjen füllten. 3)en 9tatl)gl)erren unb anberen ^Bürgern rourben berfdjiebene 9tmter pgetoiefen; ber eine roar ©tabttümmerer unb berroaltete bag beroeglid)e SSermögen ber ©tabt, ein anberer ©fritalmeifter unb mit ber SSerroaltung beg ©fntaloermögeng betraut, bag häufig and) in ©runbftüden beftanb ; ein britter roar Zl)orfd)liiffelberoaf)rer, ein bierter SSaumeifter. ©g ift rool)l bie Dtegcl :geroefen, bafg biefe Simter uneigennü|ig berroaltet rourben, botl) f)at man and) biele Singen bnrüber, bafg fie pm eigenen 5BortI)eil auggenü|t rourben. SSefonberg fdjeint bag Stint beg ©fntalmeifterg pr ltnel)tlid)feit berleitet p l)aben. ©ine Singe aug bem Slnfnng beg ad)tset)nten 3al)rl)iinbertg beraubtet, bafg bie SSürger bie Sluffid)t über ein ©pital „alg eine 33eit)ilff i^rer Sffiirtfdjaft" anftreben. ©obalb einer ©pitalauffefier geroorben, fönne man bemerfen, bafg fein eigeneg tpaugroefen fii| berbeffere, roa^renb fid) beim ©pitale ber „Srebg= flimg ticrft)üren" laffc. Sßenn bann bie Segnungen gelegt roerben, fo jeige e§ fiel), baf§ nie ber ©fitalmeifter bem ©pitale, fonbern biefe§ jenem etroa§ fd)ulbig fei. ©o werbe man balb nidjt me^r roiffen, woljin bie bem ©pitale gewibmeten „©runbftmf unb 6apU talien t^omben fegen". Slnbere Sßitrger waren SBrunnenauffeljer, wieber anbere ^euer-beft^auer, bie bafitr ju forgen Ijatten, baf§ alle geuerlbfdjmittel unb bie 9tauct)fänge in gutem Quftanbe feien. (Sä gab and) 93rot= Wäger, weldje barauf fegen mufsten, bafS ba§ SSrot ba§ tiorge= fäjriebene ©ewid)t gatte. ®en ffleifdjern würbe bie $a$e üorge= fd)rieben. Sie ffiäder unb f^Ieifdjer bereiteten ber Obrigfeit bie meiften ©argen. 3I1§ fid) bie ffleifdjgauer ju ff-tirftenfelb gegen @nbe be§ fiebjegnten 3agr[)unbert§ einmal weigerten, na cg ber Sape ju tierlaufen, lieg ber -ötogiftrat ben ße^meifter ber gleifcggauerjunft „falange in§ Said) fteden", bi§ bie ^leiftggauer erbötig waren, ber begörblidjen Unorbnung fyolge ju leiften. Ser SSäder, ber feine Shmben bemugtgeiligte, tierfiel einer ©träfe, mitunter and) ber ©träfe beS © djupfenS aber © tg n e 11 e n §. Ser ©djulbige würbe auf einem ^oljlaben gefteüt, beffen @nbe über einen fflufS ober Seid) ginragte, unb unter bem ^wgngelädjter ber 3ufd)auer in ba§ SB aff er gefcgnellt, natgger aber wieber gerau§gefifd)t. 3n ©raj befanb fid) eine folcge „S3äderfd)upfen" untergalb ber ©turbrüde, in Seoben im ©arten eines SBürgerS, in Subenburg in ber öhirtiorftabt. Sie @ifen= erjer liefen 1713 eine 23äderfd)upfen am Seopolbfteiner ©ee neu errid)ten, unb im Sagte 1752 war eS in Gült nötgig, eine neue ber= artige $orrid)tung an ber ©ann gerjufteHen. Sn ffürftenfelb würbe im Sagte 1696 einem betrügerifd)en 23üder angebrogt, bafS er „an= beten jum ©pempel öffentlidj mit einem Saib 23rot am §alS" werbe auSgefteöt werben, häufiger traten ©elbftrafen ein. Sn ©raj würbe mitunter and) bie gange 3unft mit ©elbftrafen belegt, unb wenn fie bie S^lung weigerte, würben bie 3unftmeifter auf baS 9tatgi)auS gum „Spiel" gerufen; fie mufsten nämlid) würfeln, wer tion if)nen gefd)upft werben fällte. $>a ba§ ungarifcfje (Setreibe, ba§ bie Säuern bet benachbarten tperrfdjaften ©gjterha^tj, Srbobt), Sattf)ianl), S1''1»), sJtaba§bt) ing Sanb brachten, beffer unb billiger mar alg bag ber fteirifčjen ©ültenbeft|er, fo tauften bie Sä eter lieber bag frembe, fo bafg bie fteirifchen ^errfčhaftgbefitjer oft §u tla gen hatten unb bie ©ren§= fperre tierlangten. Son großer Sebeutung to aren bantalg bie Sahnnarfte. @g gab gewöhnliche unb ^reifirchtage; an le^teren war bag Serfaufg= redit unbefchränft, fo bafg alfo ©etoerbetreibenbe aug allen Orten il)re SBaren feilbieten tonnten, üliht 5Eoge tior einem greifirchtage würbe aug einem genfter beg Sathhoufeg bie greiung auSgeftedt, bie gewöhnlich aug einer hölzernen §anb mit einem ©djtoerte ober aug einer ^alfne beftanb. Sie „burgfrieblidje ©eredjtigteit unb Freiheit" würbe breimal öffentlich auggerufen. Ser SBortlaut biefer Sertünbigung in ber £)errfd)nft §eiftri| an ber SIj war: „Sogt, logt, logt unb hörtg alle Herren! 3hre hc^S^üflidje ©naben ber hod)= unb toohlgeborne §err §err ©ruft tpeinridf beg heiligen römifchen 9teid)eg ©raf tion unb p SMlbenftein . . . §err ber iperrfdinft §eiftri| unb alg Surgfriebengherr allhier läfgt hiemit anbeuten, weiten allhier greitirchtag ift, bafg ein jeber fann taufen unb tiertaufen, wie er fann unb mag, außer falfctjem ©elb unb ©ewidit unb falfdjer Stoß fid) gänjlidjen p enthalten. Stern ber ein ÜB ehr jieht ober ber einen fihlägt, ift tierboten f)er 32 ©ulben ober bie rechte §anb ohne aller ©nab." 91uf ben Sflh^nuirften fanben fid) häufig fahrenbe Srjte ein, roelihe il)re Heilmittel anpriefen, fowie and) „©lüdghafner", bei weldien man gegen einen ©elbeinfaß allerlei Sleinigteiten gewinnen tonnte. Seifen p machen war bamalg unbequem unb foftfpielig. ffür eine gahrt tion ©raj nach SBien tierlangten bie Sanbfutfdjer 36 big 40 ©ulben; bie galjrt nach Sinj ober ©aljburg toftete 58 big 60, bie nach Saibaih 48 big 52 ©ulben. Um 1660 würbe tion ©raj nach Salzburg eine „Crbiuari=sf3oft" eingeridjtet, unb tion bil giengen jtinfdieu biefen ©tiibten regelmäßig jmet Šoten mit Sriefen unb {(einem ©eßäct f)in unb l)er. $Bie bie 2Birtfd)aft bet SnnbeSljnnßtftnbt, ließ im fiebjetjnten 3ot)r!)nnbert nudj bie ber fleineren ©täbte unb ber IRärfte Diel ju miinfdjen übrig, unb bie ©teuerrüdftänbe würben immer größer; bnrüber ßatten bie ©tänbe Diel ju fingen. Sie ^Regierung fdjidte baßer im 3aßre 1660 in alle ©tübte unb IRärftc ©ommiffäre, weldje bie „üble Sßirtßfnft" abfteKen follten. ©ie feilten bie 9ied)= nttngen „Don ber ©tnbt unb ttifnrft ©ammereß, ©ßitnl unb an= beren, item Don ©runbftucfen, SBälbern, SBeingärten unb allen an= bereu, fo baßin genoffen werben, unnnftänbig begeßren, foliße über= feßen unb Darüber berießten", bie ©innaßmen mit Den 91n§gaben Dergleidjen, bie ©mßt, 9teißtSßüubel anjufangen, nbftellen unb unterfueßen, warum fo Diele ©cßulben genmißt würben, ©ie ßatten aueß Den Auftrag, Den Su$u§ „im übermäßigen ©ffen, Srinfen unb Kleibern ju unterfagen unb bie Öiaßljeiten bei Eufbingung unb greifaßung ber ^anbwerfsjuugen unb Eufnembung ber 9Jteifter gänjlicß einjufteflen". ©nblicß füllten fie aueß in ©rfaßrung bringen, ob SRagiftrat unb Sürgerfcßaft in ©inigfeit lebten unb etwaige ©treitigfeiten abfteKen. Ob bie Semüßungen ber ©ommiffäre Don ©rfolg begleitet waren, erfäßrt man nidjt. gür bie ©cßule war fcßlecßt geforgt. Sa§ ©cßnlßauS war ge= wößnlicß ein fleineg, unaufeßnlidjeg £>auS in ber 9'tiiße ber tpfarr= fireße, ber ©cßulmeifter aueß öteßner ober Organift, ober er betrieb ein §anbwerf. 3m fiebjeßnten 3aßrßunbert bejog ber ©djulmeifter Don ©ßrenßaufen einen 3’nßreggeßalt Don fedjjeßn ©ulben, woju er Don jebem Knaben Dierteljäßrlicß noeß bi er Sreujer betam. „Ser aber mitten (reeßnen) lernt, ber foK ein meßrereS geben, wie er fann", worüber fid) ber Seßrer mit Den Sötern ber ©cßüler ju Derftän= hi gen ßatte. Ser Seßrer erßielt Den Üfatß: „SBelcßer bann nit meßr geben will, mügt 3ßr benfeiben Knaben jurüdfdjiden." Sie ©cßule tonnte unter folcßen ümftänbeu unmöglicß Diel leiften. 3m Safjte 1716 besagten fid) bie Bürger bon ßtnbberg über üjren ©djutle^rer, baf§ er mit her Sugenb nur ißoffen treibe, unb ber ültagiftrat ermahnte it)n, öfter in bie ©djute ju fontmen unb meuigfteng „pjufefien". Sin ben Sanbtagen nahmen bie ©täbte nid)t meljr tljeil, ba ifjnen ber Stufen biefer T^eiluabme ben Soften, bie fie berurfadfte, nid)t ju entfpredjen fdjien. SJtan fteflte baffer einen „3K«rfcf)all ber lanbeSfürftlid)en ©täbte unb SJtärtte" als Vertreter beS $ürget= ftanbeg auf, ber ben ©i|ungen bet brei übrigen ©taube, beS 6feru§, be§ fjotjen unb beS nieberen SfbefS beiroolfnen unb and) feine ©timme abgeben burfte. ®iefe bürftige SSertretung jeitigte bie S(n= fidjt, baf§ bem ganjen SBürgerftanb nur eine ©timme im Sanbtage jufomme. ®ie meiften fanbeSfürftlidjen ©täbte unb biele SJtärfte befaßen ba§ 9ied)t ber 33futgerid)t§barfeit, tote ©raj, Siffi, Sitarburg, Ißinbifd)= geiftritj, 2öinbifd)=©raj, ißettau, 9tabfer§burg, dürftenfelb, Seoben, Snittcffelb; ferner f^elbbad), ^rotjnfeiten, ©ifenerj, SSorbernberg, Stuffee, SZeumarft. ®ie geraäfjften 9tid)ter reisten, toie fäjon gefagt, nad) ©raj, um bei ber ^Regierung „33ann unb Sfdjt ju fjofen". SDen ©ifenerjern foftete ber SBannbrief um 1660 nur brei ©ufben, aber ben Sanjlei= beamten unb ben 5Ef)ürf)ütern mufSten SMnfgetber in bie §anb gebrüdt roerben. StlS ^eidjen ber S9Iutgerid)t§barfeit war am 9tatf)= f)aufe gemöffnfid) eine fjöfjerne §anb mit einem ©dauerte angebracht. Sfnbere Saubgeriäjte waren mit ben tperrfdiaften üerbunben unb I)ießen and) tfMrimoninlgeridjte. Sfber fdjon im fedjjetjnten 3af)rl)unberte mürbe bie StuSübung ber S3futgerid)tsbarfeit in größere Sfbßängigfeit tion ber ^Regierung gebradjt. @§ würben nämficß lanbeSfürftfidje 33 a n n r i d) t e r auf= geftetft, bereu fiit) bie Sanbgeridjtsßerren bebienen mufSten, wenn fie nidjt fierfönfid) 9ted)t ergeßen faffen wollten. $er $annrid)ter erfdjien bann mit einem ©ericßtsfdjreiber, einem fanbeSfürftlidjen Stntfüger unb bem ©djarfritßter auf Soften be§ Sanbgerid)tS= inßaberS in bem betreffenben Orte, um ben SßrocefS burcßjufüßren. „ScmtuS entroicfelte ftcf) mit her bte Unterfdjeibung bei- ßunb= geridjte in t)ribüegierte unb nidjt iirioilegterte. ®ie erfteren, jit roeld)en bie 91tef)r^a^t ber tanbegfürftüdjen ©täbte, bann einige 2Jtär$te unb §errfd)nften geprten, tonnten beintidje ißroceffe burc§ itire eigenen 9tid)ter burd)füt|ren, [entere beburften ber iDiitroirfung be§ 33annrid)ter§, toä^renb ber tBoöpg ber SobeSnrttjeite bon ber tßeftätiguug burd) bie ^Regierung abt)ieng".1 tßannridjter gab e§ §roei; ber eine tjatte feinen ©itj in ®ra§, ber anbere in Kilti. 6. Etcncrn. Eutcgmig pr iitbuftrieficn $l)ittißfcit. Sie Dtott) ber 3cit brängte bie Regierung bap, t)ot)e ©tenern 51t forbern unb neue p erfinben. SOBenig 33eifatt fanb bei ber 33e= bölferung eine tßerorbnung bom 3a()rc 1686, burd) toeldje bie ißerroenbung bon © t e nt b e t b a b i e r für llrfunben anbefot)len mürbe. Sie Sebötfernng tonnte fid) fo roenig barmt geroötjnen, bafS int 3a^re 1693 ein neues „©iegtbabierbatent" für ^nneröfterreid) erlaffen mürbe. @S gab „©ieglbabiere" p fettig, fünfptin unb brei Streitern. SanbeSfürfttidje ©unftbepugungen, 9lmtS= nnb Sienft= berleil)itngen, ißribilegien, ©tanbeSerl)ebungen, Sertrage, «^)eiratS= briefe unb anbere Soauneute, in betten eS fid) um einen SBert bon met>r als 500 ©tilbett Ijanbelte, mürben auf ©teinbelbabier bon 60 Sreu^ern gefd)rieben; für SBerte bon 500 bis 100 ©ulben brad)te man ifjabier mit einem 9ünf§el)nfreu§er=©tembel, für äBerte unter 100 fl. foldjeS mit einem Srei$reupr=©tembel. 2Benn 2tn= bringen auf ungeftembeltem tßabier bei ©erid)t einliefen, füllte „nidjt barattf erfeunet nod) berbfdjieben", fonbern bie ©ttjrift „als untüd)tig bermorffen unb prud IjinauSgegeben merben", unb attfierbent mar eine ©tenpelftrafe feftgefe^t. 9tur arme Seute roaren bon biefer ©tempelfteuer befreit. Kitte Ülbnafpte ber ©teuertraft ber ©utsbefitter befürdjtete bie ^Regierung aus ber ftarten ßuna^nte ber ^Bierbrauereien unb 1 Sufd^in Don @6engreutt), Öfterveicbifdje 3teicf)§geicf)i(t)te 1896. — (Sräff, SBerfud) einer @cfd)ict)te ber 6rimtnni=©efe^ge6ung in ©teiermar! 1817. - 3(32 29terfc£)enfen, roeldje eine Verringerung be§ 2Beuuierfd)Ietpe§ jur golge fjaben muf8te. $te ütegierung tie^ batjer im 3nt)re 1682 oermelben: SDn „auf bem fteirifctjen 3Beingetoii$ tiiet tpfunb ®elbt ^errengiilt liegt, roelcfje jätjrtict) f)ot)e 6ontributione§ reirtjen miiffen, fo erforbert bie Ütotburft, ermelte häufige Vier^aufer entroeber ju Ijintertreiben ober in ba§ allgemeine 6ontribution§=iDtitleiben ju jie^en", unb forberte bie §errfct)aften, Vtttrfte unb ©titbte auf, über biefe Siertjaufer ju berichten; bo d) erfährt man nid)ts roeiter über biefe Vngelegentjeit. Sie ütegierung Seofiolbš I. fann jebod) nidjt nur bariiber nad), neue (Steuern ju erfinben, fonbern fie mar and) beftrebt, bie Uuter= trauen ju größerer Sfiätigfeit anjuregen unb itfre ©tcuerfraft ju ftarfen. sJtod) nad) 3at)ren (1730) fällte ein SdjriftfteKer über bie Vemo^ner be§ SanbeS ein fonberbareS Urtlfeil. Sie Steirer, fagte er, finb „insgemein einfältig unb führen ein gan| fimpIeS ßeben". Ob ber Sdjriftftefler und) eigener Ütnfdjauung urteilte ober anberen nad)geff)rod)en I)at, ift fdjmer feftjufteHen, auc^ toeifi man nid)t, ob er ntef)r bie Stäbter ober bie Sanbbeüölferung im Üluge |atte. @inige 3af)re fpäter roirb tion ben Cberfteirern gefagt, baf§ fie an fd)roere ülrbeit geroöljnt, bod) mit Dielen Seib8gebrec£)en, jumal mit „biden §älfeu" behaftet feien, ma§ „bem falten mine= ratifdien ÜB aff er unb bem beftänbigen Vergfteigen" jugefdjrieben merbe. Sen Vemo^nern ber flauen ©egenben roirb geringe 31rbeit= famfeit nadjgefagt. „Sa§ übrige gemeine Volf", Reifet e§, „unb be= fonberS ba§ roinbifdje roirb jur ülrbeit allein burd) bie 9?ot^ an= getrieben, toeffentroegen bie iperrfd)aften Sorge tragen unb and) mit Sdjärfe borgefien müffen, bie Sanbeeumlagen unb übrigen Sdjulbigfeiten einjubringen, unb objtoar in einigen ©egenben grof;e ülrmut anjutreffen ift, fo entffninget folctje bod) mehreren S|eil§ au§ bem Unfleiß ber Verootjner, roeld)e allein auf ben jät)r= lid)en 3Dtoad)S ber ©rbfrüd)te fii.^ berlaffen unb um anbere Ver= bienfte burd) ^anbarbeit ober ©eroerbe wenig beforgt finb. @S roirb aber and) in biefem mit ber 3e't geholfen werben fönnen, wann bie Sonbftünbe unb §enfd)aften auf (Srroeiterung ber jpanbcirbeiten unb gabricaturen ernftlid) roerben bebaut fein." $iellei($)t ffüngt mit biefem geringen gleiße bie langfame (šiubiirgerung be§ iötaifeS ^ufammen, ber um 1680 amt) in Öfterreicf) „metir 8uft§ roegen in bie ©irrten at§ in bie gelber gebaut" rourbe. Äaifer Seofrolb L orbnete an, „auf alle 2Beife bafiin ^u ge= beuten, roie in ben @rbfönigreic£)en unb Sanben bie Gommercia in beffern ©taub gebradjt roerben". 5Die§ tonnte freilid) nur gefdjetien, roenn man and) ber Snbuftrie $(ufmerffamfeit proaubte. Unb and) bie§ ift gefd)el)en, roobei man fid) granfreid), §ot(anb unb ©nglanb gum öfufter natjin. 2tnd) bie ^Regierung Snrl§ VL toar eifrig be= ftrebt, baS §anbroerf, bie ^nbuftrie unb ben iponbel emfror^ubringen. 3m 3at)re 1722 rourbe bie in ütieberöfterreid) geltenbe 2Bed)fet= orbnung and) auf 3nneröfterreid) auSgebe^nt. ®ie IRegierung ridjtete SErieft unb giume ^u greiljafen ein unb erbaute eine ©trafje über ben ©emmering.1 ®ie $erbefferung ber ©trafje tion ba bis SErieft natjm tiiel 3eü in 9Inffrruct). $ei Gitli roar im 3at)t'e 1780 über „baS rafribe unb gefiitjrlidje SBaffer bet ©ann" nod) feine Srütfe, roeSfialb man bie SBaren auf liadjen an ba§ anbere Ufer fdfaffen mufste. 3n ©ra^ rourbe eine inner= öftcrreidjifdje ©bmmercien=Gommiffion erridjtet, toeldje ber inner= öfterreiä)ifd)en Kammer Oerfdjiebene äiorfd)lüge be^üglid) ber 3n= buftrie unb beš ipanbetš Dortegte. 3ronr mürbe in einigen 3meigen be§ StunftgeroerbeS ©ute§, ja täugge^eidjueteS geteiftet, aber eine SSnbuftrie beftanb nid)t. Unter Äart VI. bad)te man loie in anberen Sirnbern and) in ©teiermarf bt^Ud) an bie ©rridjtung Don fyabrifen, bamit baS ©etb im Sanbe bleibe. 3n ©raj follte eine ffobrif feibener ©trümbfe, eine Seinroanb=, eine „roeij; irbene ©efd)irr=ifabrif", enbtid) eine 5Eud)fabrif in ber Satlau er= rid)tet roerben. ©ine $enffcf)rift be^ügtid) biefer 5End)fabrif ent= roidelte folgenben ©ebanfen : 1 5. 3)?. 9)1(11)er, 2>ic Stnfänge be§ Cianbet§ unb ber ^nbuftrie in Öfterreid) unb bie orientalifctje Kompagnie. 3nn§t>rucf 1882. ©teiernmrf be^ieijt au§ Söfimen, SJiüljren unb ©djlefien jöfir= licč) um 160.000 ©ulben 5Eud)TOren; mit biefem (Selbe nähren unb bereichern fiel) bie ßeute in ben genannten ßänbern, roät)reub in ©teiermcirt titele ßeute „ttjeitS in @lenb, ttieilS in lieberlidjem ytügigang 511 großer Sefchmerbe be§ ißublicumS hčiumbtoallen" ober auch inS 31u§lanb gehen, um $rot §u finben. Sicher fofl in @ra§ eine Smchfabtif errichtet roerben, bie zugleich ein 3roang§arbeit§= hauS fein fönnte; benn ßeute, bie arbeiten rooKen, gibt e§ genug. S)ann roäre e§ gut, bie Dielen ©trafjenbettler aufpfangen unb ein= pfperren". ®ie Don biefer ißlage befreiten 33etoohner Don ©ra^ toerben au§ Sianfbarfeit ©elb für bie ^abrif hergeben; benn um bie ©elbbefdjaffung Dor allem hant>elte e§ fid). S)ie ßanbfchaft müfgte auch etroaS beifteuern, in ben ©tobten unb 9Jtärften, in ben ©nabenorten 511 9Jtaria=3efi unb ßanforoitj müfSten ©amm= hingen für bie ffabrif Deranftaltet, ja felbft bie ©bitaler müfSten it)re ©abitalien Dorftreden ; enblid) mürbe eine „@$tra Orbinari= ©ammlung" bei ben ©aDalieren, Prälaten, ütäthen, Officieren unb Sürgern eine hübfdje Summe einbringen; bie Sßfarrer, UlbDocaten unb 9totare müfSten allen jenen, roeldje iljr SEeftament 511 machen im ^Begriffe finb, bie ^u grünbenbe 5Eud)fabrif für „ein ober anberS milbeS bei ©ott unb ber $ßelt hörhft DerbienftlicheS ßegatum bcftenS recommanbieren". ©S ift bamalS ^um Sau ber ffabtif nid)t gefommen. 9tod) im 3’ahre 1733 ermahnte Saifer Sari VI. ben iDlagiftrat, er möge bie ^anbtoerter 511m ffleijje unb pt $erfertigung guter SBaren anhalten unb foldje ^anbmerfer in bie Stabt 511 bringen fmhen, an benen eS noch mangle, 33. 5Euchmad)et. Solange nicht bie SEudjmacherei „nadj Dlothburft in bie Stabt Derlegt roirb, roerben bie 5Euch$ramet baS einheimifche ©elb gegen baS einfühtenbe frembe 5Euch ftetS auS ber Stabt unb aus bem ßanbe führen, toeldjeS bie 33urgerfihaft felbft berbienen unb erhalten fönnte unb foHte". ©r fügt aber biefelbe Sütahnung bei, bie unter ßcofiolb I. ben 39ürgern ber fleineren Orte ^ugefommen roar: „OeSfallS auch ber Säurgerfdjcift bie Üppigfeit in 9Jinf)feiten über i[)t @infommen, in ©pn^iergiingen jur Arbeitszeit unb in ßleibung tion auswärtigem ©etoanb, ©pi|en ober bergleictien ju mäßigen ift." 3n ber Sleibung atjinte and) ber ©teirer gern baS AuSlanb nad). ®er Arjt Sebenwalbt fpridjt |'id) barüb er in feinen „poetifdjen ©d)impf= unb ©rnftreben" fo aus: Gin Keutfcfier furt)t tjcrumb, iua§ ßlet;ber er fofi tragen, @d)ier alle ßäntier bnrd) tljut er umb Dttobi fragen. $a§ Stieberlanb bie §aar, Spanien gibt ben $art, $ie anbre Sbradjt muf§ fein geformt nart) grantjen 2lrt. Sei e§ unb ge£)e t)in! ®a§ fag id) nid^t au§ ©djer^, ülc^t patt unb b’tjalt allein ein reblid)§ teutfdjeS §ertj. 7. Smtft. Sie ßirdjen ©teiermarfS, bie in ber rontanifdjen unb ber gott)ifd)en 3eit entftanben, finb meiftenS tion feinerem Umfang; erft im fiebjebinteu unb adftjelfnten ^a^rlfimbert würben groge, Udjte unb freunblid)e @otte3t)äufer gefdjaffen, fo ju 9Jiaria=3cK» Stein, tßorau, $Bei§, ©tainj unb tßöHau. Ser berühmte italienifctje Zünftler So menico ©ciaffa, ber in ben $af)ren 1640 bis 1644 bie fferrlidjen ©tiftSgebäube ju ©t. ß ambre cf) t gefdjaffen fiatte, baute bie got^ifd)e SBaltfafjrtSfirdje in 91taria=3eII um. Sie Äirdje würbe größer unb erlieft eine Suppet. Sie ©tiftSfirdje Don tßorau, neuerbaut in ben 3af)ren 1660 bis 1662, rourbe tion Sofjann ßpriaf o d!) o f e r, einem gebürtigen Sirofer, mit auS= gezeichneten Silbern gefdjmücft; fo zeigt bie ©acriftei Sarfteflungen beS jüngften ©erid)te§, ber ^)öfte, beS AbenbmaffleS unb beS gug= wafdjung. §adf)oferS ^auptwerfe finb jebod) baS £)od)aItarbfatt unb Seden= unb Sfßanbgemülbe ber Sirdfe zu ^ e ft e n b u r g im Sezirfe ^riebberg. Ser bebeutenbfte 3tenaiffance=Sird)enbau in ©teiermarf ift bie ©tift3fird)e zu tßölfau , bie tion 3 o a d) i m 6 a r t o n in ben Satiren 1701 bis 1725 ffergeftefit würbe. Sie grogartigen greSfen biefet Sh'dje ftammen bon 9)? a 11 () i a § bon © 5 r 5, bet ma[)t= l’d)einlicf) in ißößnn geboten mat nnb bott im ^at)te 1731 ftarb. 3m gnijte 1734 begann bet Umbau be§ @tijte§ Ülbmont nad) bem iplane be§ ©ottljatb § a t) b e r g e t, 93iirget§ nnb SBaumeiftetš bon ©tabt ©teiet, bet jebod) nur gum Slljeüe gut 9(u§fiil)tung lam. 9(u§ biefet üßeriobe ftammen and) einige ißalaftbauten fteirifdjer 9lbel§familien: ba§ ^erberftcin’fc^c 5ßataiS (in bet ©acfftrafie), ba§ eljebem $ietrid)ftein’fd)e (Šutggaffe 9) unb ba§ ©tubenberg’fdje (9teugaffe 7). Srn Satire 1702 entftnnb boš IfMniš beS ©rafen Sotjann Sofef bon SBilbenftein, bn§ nad) bem 9(u§ftetben bet EUIbenftein in ben Sßefifs be§ ©tifteS @t. Sambredjt tam nnb jetjt ba§ allgemeine Ärantentjaug ift, unb gtoifilien 1700 nnb 1710 bet Sßataft bet ©rafen bon $( 11 e m § in bet ©adfitaße. ©djon im fpiiteten SRittelatter tjatte man neue Surgen nidjt mefjt auf fteiten gctfen angelegt unb and) teincn SSergfrieb meljr erbaut. SDie ©djlöffet waten feitbem wotjntidjer geworben. 9It§ fid) and) bet fteirifdje 9tbel bet ftangöfifdjen üßruntfm^t guneigte, würben altere ©djlöffet umgebaut unb and) neue ptädjtige ©djlöffet auf= geführt. @0 entftanb um 1730 9teu=©tatteuberg bei 2Sinbifd)= geiftril butd) ben ©rafen ®i§ma§ 9tttem§ unb ff)ater Sirdjberg an bet Dtaab butd) einen ©rafen föagianet. Sn bet erften ^ütfte be§ adjgetjnten Safjrtjunbertš waren in ©tag unb auf ben ©djtöffern beS 9tbel§ eine s2tngat)t 9Jtaler be= fdjäftigt. Soljanu 9Jt a t) e r berfat) ba§ fogenannte gemalte .S^auS in ©tag mit grešten. Sotjann 2tbam 2B e i p e n t i t d) e t, geboten 1615 in Oberfteier, genofS feine 9tu§bübung in ätom, würbe nad) feiner Dtüdtetjr fürftlid) @ggenberg’fd)er Hofmaler unb malte für ba§ ©d)lof§ ©ggenbetg unb für Sirdjen, befonberS für foldje, bie unter ber §errfd)aft ©ggenbetg ftanben. ®a§ Vergnügen, weld)e§ ein gutes Sweater gewährt, tonnte man bamals nidjt einmal in ©rag genießen. Ontrdjreifenbe ßiinftler, wetdje bem ©raget publicum i^re Sunft geigen wollten, fanben bei ben Sanbftänb’u ftetS ein freunblid)e§ ©ntgegenfommen. 9tl§ fic^ im 3iaf)te 1649 ein „engenünbifdjer Sufftf^ringer" melbetc, würbe il)m bcr ütitterfaal eingeräumt, unb bie ©taube bewilligten ifjm für feine „ejfjibierten Sufftfpring" jwölf Sttjaler. (Sin 9Mt[)ou§ bcftanb feit 1624; e§ war bon einem Italiener mit £»lfe ber ©tänbe ins Seben gerufen worben, fanb aber nicljt tiiet S'iflwwl)-Sagegen tarn um bie DJiitte beS fiebje^nten 3at)rt)unbertS ber sJteit= fport wieber in ©djmung. 3ÜS 1663 ber Sßiener Sudjfjanbter Dltidiaet Stieger ein Sud) bon ber „löblidien Steittunft, bem ©eftütt unb ber Sf3ferbc=©t)ur unb Strjnetj" auS bem 3talienifd)cn ins Seutfdje überfetjen unb mit „bieten barjue gehörigen Figuren unb Stbripen" brurfen lieg, wibmete er baS SBert ben fteirifdjen ©tänben, bamit e§ „bor ber SIbgunft unb neibigen Sßelt wibrigen ülntaftungen befto mefjrer gefidjert fege, and) benen (Sfirberte^enben 3ungen unb altem feinbfetigen Stad)Hang entrannen werbe". 3m Satjre 1659 fant eine ©d)au|‘f>ielergefeHfd)aft nad) ©raj unb fud)te um bie (Erlaubnis nad), fiier „unbterfd)ibtid)e neue geift= unb weltlidje ©omebien" auffütjren ju bürfcn. ©ie tjatte bortjer in granffurt a. 91t. unb in 2Bien Sorfteltungen gegeben, an benen fogar bie „fagfertidje Sltajeftät attergnäbigfteS ©efatlen gehabt". Ser Steferent ber inneröfterreidjifdjen Stegierung überlegte lange, ob er bie Erlaubnis befürworten fotte, enbtid) ttjat er eS bod), obwohl „ein groper ©etbmanget berfpürt wirbet unb nit llrfadje wäre, §u bergteidjen einjurat^en". Sou ba an erfdfienen in ©raj öfter ©djauffüelergefettfc^aften, bie bon ber Sanbfdjaft unterftüpt würben. Sie brnnmtifdjen SorfteKungen würben entweber im ßanbfmufe ober im Sattpaufe gegeben, ©in ©djanfpielpauS ent= ftanb in ©raj erft, als bie italienifd)en Opern in ©ctjwung tarnen, alfo etwa um 1735; eS würbe bon bem „(Entrepreneur bereu ©djaufpielen, tpietro SOtingotti", auf bem Summclplapc erridjtet unb war ein Heiner tpoljbau, ber nad) einigen Saljren bon spiccinelli umgeftaltet würbe, üluperbem beftanb baS fogenannte ©ommertfjeater, eine Sretterbube bor bem ©ifernen Spore, wo be= fonberS tpanSwurfttomöbien aufgefüprt würben. 2luf bem ©ebiete ber Zonfunft Ijnt fid) ber ©teirer Sodann 3 o f e f g u £ große 23etbienfte emorben. @r tourbe um 1660 in ber fleinen, nu§ wenigen Käufern befte^enben ©emeinbe |)irtenfelb bei iJteftelboct) geboren, ober tion feinem 8eben§= unb $ilbung§= gonge l)at man feine nähere Kenntnis. @r mürbe 1696 Organift an ber ©d)ottenfird)e in SBien, 1698 „|)ofcompofitor", 1705 ®om= cnbellmeifter ju ©t. Stefan unb 1715 ^ofcabelimeifter Knifer Karls VI. @r ftarb im februar 1741 ju SfBieu. $)ie 33ebeutung biefeS $onfe|erS unb SDtufift^eoretiferS djarafterifiert ein Kenner1 mit folgenben SBorten: „9)tit biefem fteirifdjen Sauernfofjnc war jum erftenmal ein SDeutfdjer ju bauernber SBirffamfeit an ber ©pijje ber berü^mteften mufifafifdjen Körfierfefjaft ÖfterreidjS unb beS ganjen beutfcfjen 9ieid)eS gelangt. @r t)at ber ftarf broljenben Überflutung mit ben Ausartungen ber ju faft auSfd)fießlid)er §errfd)aft gelangten 9)tufif ber Italiener burd) eifriges ©infdjreiten bagegen, wo eS nötljig war, burd) bie {Berufung bcutfdjer ültufifer in bie ^offabelle, inSbefonberS aber burd) feine Selfre unb fein SBeifbiel einen ftarfen ®amm entgegengefeljt. ©eine ja!)lreid)en 5Eonfd)öf)fungen finb jwar längft faft gänjlid) berffungen, obwohl niä)t wenige berfeiben ber Söieberbelebung in Ijoffem ©rabe mürbig waren, aber als SEIfeoretifer lebt er nod) Ifeute unter uns fort." ©ein im 3al)re 1725 unter bem 5EiteI „ Gradus ad Parnassum" tieröffentlid)teS Sefjrbud) beS ©ontratnmfteS mürbe in Diele ©bradien überfe^t, fanb and) bei ben ©roßmeiftern ber $onfunft Sad), §al)bn unb Utojari Anerfennung unb uerfcljaffte feinem SSerfaffer unber= gänglidjen 9tul)m." 8. 5)cr Abel. ®urd) bie ©egenreformation war and) in ©teiermarf ber Ur= abel feljr gefd)Wäd)t worben; bie neu eingemanberten abeligen ®e= fd)Ied)ter tonnten fid) mit ben auSgewanberten an ©influfS unb ' SSifiboff in ben ÖHttf). 38, 6. 165. 369 23ebeutung nid)t meffen. 316er ber 9IbeI genofS nod) immer befonbere üorred)te. @§ gnb ©üter, bie nur bon Ebeligen befeffen tu erben tonnten, nnb bon biefen „SDominicalgntern" tourbe eine geringere lanbe§-ftirftlidje ©teuer („©ontributionate") erhoben als bon ben unter« tf)ünigen ober SRufticaIbefi|ungen. $a biete ©utsbefi^er feit bem breifiigjütjrigen Kriege mef)r ©utsttjeile als früher im ©igenbetrieb beroirtfctjafteten, fo oerlangten fie mehr Stoboten bon i()ren Säuern, bereu Sage fid) baburd) naturgemäß berfdjtimmerte. ©onft tfatte ber Sauer toie früher ©etbabgaben nnb Qe^nte ju teiften, er jatflte bei Sefißoeränberungen ber §errfd)aft ein 3tn= nnb 3tbfnßrtSgetb nnb ftanb unter ber ©eridjtsbarfeit ber §errfcßaft. Ser ©utsßerr tjatte fotgenbe s^ftid)ten nnb ittecbte: er fcblidjtete alle Streitig« teilen feiner Unterttfanen; ber mit bem @t>rud)e feines ©utSberrn Unjufriebene tonnte an bie SanbeSbaubtmannfdfaft nnb toeiter an bie ütegierung abpeltieren. Sem ©utSberrn ftanb bie Serlaffenfcbafts« abbanbtung, bie ©djäbung ber Sauerngüter 311, nnb er tonnte bei SobeSfäden ben jebnten Pfennig oon ben biotertaffenen ©runb« ftücten beanfbrudjen. @r tonnte rüdfidjtlid) feiner ^errenforberungen fetbft pfänben, burfte aber oljne rečbtticbe ©rtenntniS teinem Unter« tt)anen feinen ©runb ganj toegnebmen. @r mufSte ben Sinbern Oer« ftorbener Untertbanen einen Sormunb (©etijab) feßen. Stenn ein llntertban oljne Stinber nnb SlutSOertoanbte nnb oljne Sefiament ftarb, fo fiel fein Sefiß bem ©runbberrn ju. 3nt fečbsetjnten Sotj^tto^ert tjoUe ber 3tbet am retigiöfen nnb politifdjen Seben lebhaften 3tntfjeil genommen; aber in ber 3eit beS breißigjübrigen SriegeS madjtcn fidj roie überall auch in ©teiermarf in ben Streifen beS 3tbelS Sttotjeit nnb Serioilberung bemertbar. Sie SBorte, bie ein ©raf Urfenbed in ein genfter auf ber StiegerSburg einritjte, finb für biefe 3eit bejeicbnenb: „3tnno 1635 ben 6. 3tprit tjnt fidj baS Saufen angebebt nnb alle Sag ein Staufd) geben bis auf ben 26. detto." Sie Sbeitnabme beS 3tbetS an ben meift frui|tlofen Kämpfen mit ben Sürfen in ben «©renjgebieten toirtte nidjt oerebetnb auf öerj unb ©einüttj; baju 24 Wal) er, ©efttjidjte ber ©teiermarf. fnmcn bet -DZcinget an ebleren literarifdjen @r;eugniffen unb bie Scč)toiid)e ber gčegierung, meldje mandje $orfommni)fe in sÄbelg= {reifen milbe §u benrtfjeilen für angemeffen [jielt. 3e öfter bie§ gefd)a^, befto häufiger geigten bie (Šbelteute itjre $erad)tnng ber gefe|lid)en SSorfdjriften. Siefe Umftünbe Brachten eS mit fid), bafs fid) bie ©itten be§ 9Ibel§ auct) nad) bem breigigjal)rigen Griege nidjt hefferten. ®a§ ©ittenbitb bon ©raj burd) faft ba§ gnnje fieb^etjnte 3nt)rt)unbert unb nod) ein ©tüd länger, urttjeilt ein Renner biefet $erf)ältntffe, 1 ift fein erfreuüd)e§. ®urd) 3a^r= §et)ente bergieng nic^t ein DJZonat, ben nid)t ein auffälliger ©treit gefenn^eidinet fjätte: ein ©ittenfcanbal, eine ©trafjenbalgerei, ein $nell. $om itlbel ^errte fid) bie ©treitfudjt in bie 33ebientenfreife, bie ©tubenten ftanben gegen sperren unb Sienet, unb Herren unb ©tubenten liegen ifjren Übermutf) an Erbeiter unb ^anbiuerfer au§. tarn bar, baf§ borne^me Herren mitten in einer ©efe(!= fäiaft „mit entblößtem ©eroeßr übereinanber" tierfielen ober fid) „in Eubitorio bor gehaltener ßomebi" balgten. $er eine ftößt einem ©efd)äft§mann, ben er au§ feinem Saben herauSgerufen hatte, feinen Segen in§ ©efid)t unb hätte ihn getöbtet, roenn nicht ein anberer 33ürger f)er6eigeeilt märe; ein ^roeiter fchlägt auf bem ifkäbitifl bei (Šifenet^ einen armen Sohlenführer tobt, toeil er nitt)t rafch genug auSroeichen tonnte; ein britter fließt einen Bürger in ©ra^ auf offener ©trage an. ©olche unb ähnliche $hatcn feiten in allen 5Et)e'ten 1368 S»nbe§ bor unb blieben geroöhnlid) ungeftraft; benn bie ©belteute ftanben unter ber ©erichtebarfeit be§ Sanbe§= hauptmanne§ unb beffen iöeifitjer, unb „ein @erid)t bon $erroanbten ift taum oft unabhängig". Sie häufigen SueÜe, ;u beiten geroöhnlid) eine geringfügige ©adje, ein ©d)im))froort, ein 3roift beim ©giele u. bgl. EnlafS gab, rourben in ber 9tegel auf ber tßiehtratte, einer Eu bor bem ©ifenthore, auf bem heutigen Safominiglatje unb am ©ra^badje,. 1 2Sof. o. Sab« in bem Euffatj „3ur 6ittengcf(bi(bte in Eteiermarf“,. Etittf). 36; Styriaca I., 244 ff. 371 auSgefodjten. ®te Dtegierung (;atte red)t, wenn fie al§ Urfadje ber jafjnofeu gwetfärnpfe baS Matrimoniale Sßefen bet ftänbifdjen (Serič^tSbarfeit be§eid)nete. 3rotn' erlief; fie roie and) bie Sanbfd)aft gegen bie SDueBe mehrmals DJtanbate, aber biefe fanben wenig $e= a d) tun g, fo ftreng fie aud) p fein fd)ienen. ©ie bebroljten nämlid) alle 2d)eilnel)mer an einem Suette mit ber 5Eobc§ftrafe. 3roe'milI fant eS in biefent geitraume bor, baf§ nad) bem unglüdlii^en 91uš= gange eines Suells ber itberlebenbe in ein fllöfter flot), roeld)e§ baS s2(ft)lred)t Ijatte, ttnb bie SRegierung mar nidft imftanbe, ben ©d)tilbigen jur ©trafe ju jiefien. SbriegSbienfte nahmen bie jungen (Sbelleute bamalS nidjt mefjr fo gern wie früher, obgleidj bic faiferlittjen Armeen gegen bie dürfen unb bie fjfranjofen ju fämpfeu Ratten. (Sin „moljlmeinenber patriot" ruft im Satire 1687, als ein Ianbfd)aftlid)e§ ^Regiment geworben werben foflte, auf einem ftiegenben 331atte ben DJtitgliebern ber „s2tuSfd)uf§=®ef)utation" ju: „Verbietet boit) bie ©efeUfdiaften, jwinget mit (Srnft ben jungen 5tbel in§ §elb, bamit fie ba§ ©elb bor ba§ ißaterlanb anwenben, maS fie l)ier fo lieberlid) bertl)im. SDu aber, abeligeS grauenjimmer, animier bie Herren, fprid) il)nen ju, reif; itjnen bie Harten au§ ber §anb, wirf ifjnen bie Sßiirfel unter ben $ifd), gib it)nen ben Segen in bie §anb, bitt, baf§ fie bor Sid) festen. Ser nit fort will, ben jie^et au§ (Stierer SefeH= fdjaft, il)r aber getjet in bie Hirdjen." ißou 1700 an mürben bie Sttelle unb ©treitigfeiten feltener; e§ ftinbigt fid) eine neue 3eit an: ber Slbet nimmt reger tfyeil am HriegSbienfte, fogar an ber Snbuftrie, am Jpofteben unb halb aud) an ber Siteratur. 9Rit bem Sürgerftanbe war ber s2tbel nid)t metjr in fo enger äierbinbung wie int fei|jet)iiten So^r^unberte, unb bie „Sanb= fdjaft" mürbe immer tne^r eine einfeitige ilcrtretung be§ ©roB= grunbbefitjeS. Sie ©taube beftanben au§ ißrülaten, § errett, Stittern unb enbtid) auS ben lanbeSfürftlidjen ©tobten unb DJtürften, bie aber, wie bereits gefagt würbe, nur burč^ eine ißerfon, ben ©tübte= marfč)al[, tiertreten tonten, unb „biefer führte für fie alle nur ein SBotum in ßanbtnggfadjen".1 ®a§ Obertjnubt ber ©tänbe mar bcr SanbeS^auptnrnnn. ($r mürbe aber niä)t tion ben ©tauben getoatjlt, fonbern tion bem SanbeSfürften ernannt, unb toar batjer ein lanbe§fürftlic£)er 3Bürben= träger. @ttoa feit ber SDtitte be§ fectj^e^nten 3atirt)unbert§ fähigen bie ©tänbe bei (Srtebigung ber 8anbe§t)aubtnnmnStoürbe einige sJJtitgtieber beS tperrenftanbeö tior, au§ beueu ber Sanbegfürft einen 5um äanbegtjaubtmann beftimmen tonnte, ©ein ©telttiertreter toar ber Sanbegtierroefer. ®er ßanbegtjaubtmnnn toar feit $eginn beg tiier^e^nten 3at)r= fiunbertg bie erfte ©erictjtgperfon im Sanbe, ober tiielmetjr fein @erict)t mar baS erfte unb tiorne^mfte. Siefem unterftnnben alte Herren unb Sanbleute unb bie übrigen Ütbeligen, bie nictit Herren unb ßanbleute luaren, alle ftänbifdjen ^Beamten, s21btiocaten, bie Unter= tljanen, bie fid) gegen ifyre @runbl)errfd)aften beflagten, unb alle minbetjadrigen ülbfömmlinge ber Herren unb ßanbleute, benen ber ßanbegijaubtmnnn SSormünbet fe|te. ®ie gan^e ©erii^tSbarteit im ßanbljaufe verfiel in bag lanbeg^aubtmannfd)aftlid)e (Serictit, bem ber ßanbegtiaubtmann tiorfa^, unb in bie eigentlidje ©d)ranne, bereu $orfi|enber in ber Siegel ber ßanbeStierroefer toar. 2)ie 3ot)l ber Seifiger toar in tierfdjiebenen gelten tierfd)ieben; fie tourben tiom ßanbtage getoäljlt unb feit 1618 befolbet. ®ie ©i|ungen toaren öffentlid), ber 33orfi|enbe ^atte ben @erid)tgftab in ber §anb, ©dirannenabtiocaten unterftü|ten bie Parteien, ber SBeigbote Ijatte Drbnung unb 9iul)e unter ben gufdjauern aufrei^tp^alten. „Oft genug toaren jebod) bie $ert)anblungen Dlnlafg gu met)r ober minbet groben Stugfdjreitungen, toenngleid) man bie Oienerfdjaft ber sperren tior bie Z^üre, unb bie gemeinen ßeute, ioeld)e ^utoeilen fogar ber ©erid)tgfd)rnnfen nid)t beirrte, an ben Ofen im ipintergrunbe 1 3. o. 3-abn, baS Sanbt)au§ unb feine potitifibe ©efcbii^te. 3n bem äßerte: ®a§ ßanbf)au§ in ©rag. SBien 1890. — s2tu§ ber Seit ber 3!er: faffungSurntetjr in Steiernmrf 1790. 3n o. 3 «1) n § ©^ftfliibtybtäütrn VI (1885). 37:5 tiemrieS." ®ie 9Jionnte 3uli, 9tuguft unb ©e^tember lonren geud)t§= frei, äßenn e§ fic£) um ba§ 35erbrecfyen eines föfitgliebeS „ber sperren unb Sanbleute" finnbelte, fo rourbc ber iffrocefS „muf) ber SBorfdjrift ber fietnlidjen (Sefebe informiert, bie iMation nbgefofSt, bn§ Ur= t^eil entworfen unb fotd)e§ im offenen Sonbtng jur Sßeftätigung ober ffteformierung bešfelben oorgetragen". iffienn eine entetfrenbe ©träfe erfannt würbe, „ift ber ®elinquent borläufig feines 9IbeIS= ftanbeS entfett, er für feine Sßerfon fomit aus ber 3^1 ber Sanb= ftänbe miSgeftridjen, it)in ein anberer fftamen gegeben jmb bann erft bem (lanbeSfürfttidjen) Orbinär=, S9ann= ober Slutgeridjt jur üfoltjiefjung beS UrtfjeilS übergeben worben". ®ie Seitung ber Sanbtage fam bem Sanbrnarfetjatl ju. ®a§ fötarfdialfamt fjatten in friilfeften 3eiten bie SBitbonier, bann bie ©rafen von ©djaumberg inne, benen bie ipofmann auf ©rünbüd)! unb ©trec^au nacfjfolgten. ©eit bem fedfjetfnten 3a^r()tmbert f)atte ber Sanbmarfdfafi jwifdjen ber iftegierung unb ber autonomen 5Ber= waltung ju bermitteln, er trug bie Sßropofitionen ber fRegierung Bor, leitete bie Sßerljaublungen unb „mufste Bon allen gegenwär= tigen ©tänben bie föteinungen fammeln". $ie ©tänbe wählten aus fid) einen sj(uSfd)ufS, ber in 9(n= gelegenfjeiten, bie ilfm übertragen würben, löefcfjlüffe fafste, fie bcr= fünbete unb ab gef orberte Seridjte unb ©utadjten ju erftatten Ijatte. @S beftanb überbieS baS $erorbneten=©oßegium, gebilbet in ber Siegel aus einem Sßrälaten unb Bier Herren, bie in ben Sanb= tagen juerft auf ein, juletjt auf Bier 3at)re gewählt würben. Die SSerorbneten beforgten bie eigentlidje ftänbifdje Siegierung, bie $or= beratljimg unb bie SluSfüfjrung ber S3efd)lüffe. S^nen tarnen bie Slufnaljmen non ($af)italten unb ilfrc Siüdjaljlung, bie ©ültenum« fdjreibungen unb bie ©rffieilung Bon 3ßäffen für bie @in= unb Durdjfufir frember SBeine ju. 3ur (Sinljebuug ber Einlagen, $(b= gäbe bet lanbeSfürftlidjen Steuern an bie Strarialcaffe, StuSjafjlung ber SSefolbungen, sf3enfioneu, ber Soften ber Serfiftegung be§ SJiilitärS würbe bom ßanbtage aus bem Iperrenftanbe ein ©eneraleinne^mer gewählt, ber Diertdjätjrlid) ben SSerorbneten 9{ed)imng ju legen ^ntte. Sie Viertel = ^riegScommiffäre Ratten ben @in= nnb Surdjmarfd), bie (Einquartierung nnb SBerpftegung be§ iötilitärS 511 beforgen. Sie ©efjalte biefer Sßürbeuträger waren urfbriinglid) beft^eiben, mürben aber mit ber geit fetjr graji. Ser ©et)alt be§ Sanbe§^aubt= manneS flieg bi§ jum Saljre 1720 auf nalje^u 13.500 ©ulben, moju nod) gelegentlidje Segünftigungen unb ©elbgefdjenfe t^eilS Don ©eite ber ©tänbe, t^eilS baut Inifer tarnen. Unter Sari VI. mürben biefe ©eljalte im ^n^re 1733 berringert. San ba an bejog ber CanbeSlfauptmanu 8500, ber ßanbeSbermefer 5200, ber 8anb= marf^aH 2060, ber üßrälat, melier ben Serorbneteu angetjörte, 4000, ber Sßräfibent ber SSerorbneten 4370, bie anberen Sßerorb= neten ungefaßt 4000, ber ©eneraleinnebmer 4760 ©ulben. Siefe Sejüge, bie nod) immer fel)r bod) waren, würben pr 3dt Sitaria SfierefiaS im 3al)re 1749 abermals bebeutenb I)erabgefe|t. ©0 wie fid) in ber ©elbftbermaltung ber ©tobte unb Sltärfte allerlei SJtifSftänbe geigten, fo traten and) in ber ftünbifdjen 9Ser= maltung Unregelmaßigfeiten I)erbor. ©d)on in ber SJtitte beS fed)= gefinten 3af)rl)unbert§ fanb bie Stegierung Unorbnung bei ben ftünbifdjen ©affen; fpiiter würbe bau „feljr großen unb fd)äblic£)en ©jceffen" in ©elbfad)en gefprod)en unb am (Snbe beS fiebgel)nten 3}al)rljunbertS lag ber ftänbifdje ßrebit gang barnieber. ©S war nott)= menbig, bafS bie '«Regierung eingriff. ©ie forberte bie „2Birtfd)aftS= refarmatian", bie im 3af)re 1721 and) bureki geführt mürbe: ber ^offtaat im Sanb^aufe mürbe eingefdjräntt, bie ©elfalte eingelner berringert, bie „aufferarbentlid) taftfpieligen unb roitlfitrlidjen ©ra= tialien unb £md)geitSgefd)enfe" berboten. Siefe unb üljnliäje SJtaf;= regeln nü|ten nur für turge 3eü- StlS bie „eigenmädftigen 3ier= fc^entungen unb ©nabenauSmürfe an gerniffe ißerfonen" wieber iiber^anbnaljmen, griff bie ^Regierung neuerbingS ein unb iiber= wacf)te bou je|t an bie ©elbgebarung im 8anbt)aufe immer ftrenger. Sie ©tänbe fjatten eS nad) ber ©egenreformation nicljt l)inbern tonnen, bafS bie ^Regierung if>r ©teuerbemitligungSred)t mifSai^tete, 375 — inbirecte unb nmndjinal felbft birecte ©teuer» auSft^rieb, unb touren ßiifrieben, wenn itjncn bie ^Regierung für btefe @igenmad|tigfeit fo= genannte „©diabtoSbriefe" nnSfteKte unb bie ©teuer» burä) tunb= fctjaftlidje guuctiunäre eintjeben ließ. 33atb würben aud) bie @d;ab= loSbriefe nid)t mefir gegeben, ja bie ^Regierung tiernbrebete mit ben ©tänben fogenannte 3t ecef f e, b. t). Vereinbarungen, butd) roeldje für eine 9ieit)e uon Sauren bie ©teuerleiftung be§ SanbeS im üor= hinein feftgeftetlt würbe, fo baf§ alfo bie jä^rlidie Vewifligung auf 1) orte. ©o fdjtoanben fdjon jur 3eit ftarl§ VI. 9ted)te ber ©taube bafjin, bie itjnen burd) 3a^r^unberte jugetommen waren. 9iodj blieben itjnen ba§ ©eridjt, bie Verttjeilung ber Steuern unb itjre @inf)ebung, bie ©orge für ben 2Baffenfd)uü beS SanbeS, ba§ ©trafjen= unb ba§ äßalbtoefen. 2)ie folgenbe 3e^ natjm ifjnen jum großen SEßeile aud) biefe 9ted)te. Scdj0ttr Jeitraum. 9)taria $berefia unb Sofef II. I. U)arta €f|erelra. 1. ®ricg§3citcn. 9tl§ Sari VI. am 20. October 1740 geftorben mar, übernahm feine $od)ter DJiaria 5Et)erefia ber f)ragmatifd)en ©anction ge= maß bie ^Regierung ber öfterreidjifdjen Sauber, ©ie war feit beut Satire 1736 mit bem ^erjog grau3 ©tepßan non Sotßringen üer= müßlt, ber im folgenben Satire ©roßßerjog uon $o§cana geworben war. Saum fjatte fDtaria SEßerefia bie Regierung angetreten, fo er= boben fid) jablreidje ^einbe, welcße ißr ihre Sauber ftreitig matten wollten unb uon benen ber Sättig g r i e b r i d) II. Uon Preußen unb ber Surfürft Sari Sllbert uon Vaiern bie miičbtigften waren. Sm Vertrauen auf ißr gutes lRed)t unb bie Brette unb Cbfer= — 376 — mitligfeit ifirer Untertanen nat)in bie junge ^errfctjerin mutig unb entfct)loffen ben Santf auf. ®er Strieg mit bem Shirftirften bon ŠSaiern, ber bon granfreid) mit (Selb unb Zrubfien unterftü|t rourbe, tuirb ber öfterreidfifitie (šrbfotgebieg genannt unb roittfrte 6i§ jum Satfre 1748. Die 3llftänbe in ©teiermarf roaren in ben tetjteu 3eiteit Äart§ VI. feineSroegS erfreulidj.1 Die auS bem lebten Dürfen* triege tion ber unteren Donau ^urudfe^renben Dntfipen ftlefifiten in Ungarn eine üßeftfeudje ein, 511 bereu 9t6toel)r in ©teicrmart ein Gorbon gezogen rourbe. Ülbteitungen tion froei bis 35 9Jtann be§ 9(tt=Daun’fä)en 3nfanterie=9tegimentS ftanben in ^riebberg, tßorau, yartberg, tßaffait, 20ei§, ©leisborf, gürftenfelb, iDtured, sJtabterS= bürg, tßettau, Staun unb anberen Orten. Daburd) rourbe fiuar bie ©cfat' t)intaugct)alten, aber bie Ginquartierung tierurfadjte ben töerootfuern tiiele SBcjdfrocrben. Dafit tarnen fjäufige Durct)ntärfd)e, 9Jtangel an ßebenSmittcln unb infolge beffen and) Dlfcuerung; cnblicb erregten bie Dielen $ßilbfä)äben in tierfdficbenen ©egeuben bie Un^ufriebentfeit ber bäuerlidjen SBetiölferung. Die roeiten 3agb= retiiere ber gciftlidfen unb toeltlidjen Herren roaren tion einem fal)l= reidfen SBilbftanbe belebt, ber ben Reibern ber 58auetn großen ©djaben tat; biefe aber burften feine tpunbe (falten, roeldfe bas 2ßi(b auffdfeudften ober gar töbteten, fie burften nidft ffütjige Sänne anbringen, an benen fid) bie Sagbtlfiere tierle|en tonnten. Sn Dielen ©egenben beS ©nnStlfaleS Ralfen fid) bie gereiften Säuern „mittels eigen* unb geroalttätiger Fällung beS ©etoilbeS unb ürgcrlidfer Dlfätlidffeiten in Sßilbbannen unb fünften", aber and) in 9Jtittel= unb Unterfteier, fitmal in ben Dörfern am Zeitigen* freitfer gorft froifdjen SlrnfelS unb ©tfrentfanfen tarn >S roieber* (folt fu 9(u8fd)reituugen. Sn einem amtlidfcn Serid)te rourbe geflagt, bafS „bie Säuern in ©teiermarf fid) tion einer Seitero felfr renitent unb unbänbig befeigeten, unb bafS itfre ärgerliten Sebrotjuugen 1 St. © u b 0, Steiermatf toäfjrenb bc§ öftcrrei(^ifct)cn ©rbfolfletriegeS. ©ra) 1896, 1897. einen 9Iufftcmb unb ßanbeStumult ju befahren fdieinen". ($§ toiirbe bo()er in Dielen ^Dörfern 9)iilitiit einquartiert, roaS 511 neuen Klagen -)(nlaf§ gab; bie 9tid)ter unb ütmtleute am ,$)eiltgenfreu^er ^orfte crflärten, fie müfstcn, roenn üteiter in it)re Dörfer eingelegt mürben, Don ifjren Käufern entlaufen, ba „fein tpanbooll Butter unb ©trot)" 5,11 Ijaben fei. 9iur mit 9)tül)e fonnten bie Unruhen geftillt roerben. Sie 9tnfül)rer ber SSeroegung mürben geftraft, aber DJZaria Sljerefia bat aud) „ihre 9Jtilbe gegen ben 3lcfer§monn bezeuget, ba ba§ fibroaqe äBilbbret ober bie ©djmein auS^urotten berroitliget, gegen ba§ rottje aber bie ©rünbe einju^mmen unb 511 Derronlfren geftattet morben ift". Unterbeffen bauerten bie Srrubbenburdjmärfcbe fort, unb and) DBerbungen fanben nl(ent()alßen ftatt; beim fd)on mar ber Sönig Don ifkeufsen in ©djlefien eingebrodjen unb batte ben ßanißf gegen Öfterreid) begonnen. 9I1§ bann and) ber Stmrfürft Don 33aiern in Oberöfterreidj einfiel, roaren ©teiermarfS ©renten bebroljt. Ober= öfterreid)ifd)e Familien unb ftlöfter fanbten i()r §ab unb ©nt nad) ©teiermarf; in 91uffee unb im ©tredjauer 3eugbaitfe fammelten ficb eine Itn^abl Don Söffern unb Stiften an, roeldje ©djä^e Der= fdjiebenfter 91rt enthielten. ®er 9lbt Don 9(bmont lieb (mf Dier $Bagen 17 Söffer unb 13 5Erul)en, bie mit ifßretiofen, ©olb unb heiligen ©efaffen gefüllt roaren, nad) Offiach in Störnten bringen. @§ läfst fid) nid)t fagen, roie Diel bei biefem $ran§f)orte ben ©igenthümern entfrembet mürbe. ®ie Söffer unb giften, roeldje bie @d)ä|e be§ SlofterS ©eitenftetten in 9tieberöfterreid) enthalten foHten, gelangten nad) ©ra^ unb mürben ba geöffnet, roobei c§ fid) herau§= ftellte, baf§ fie mit |)olä, Siegeln unb tpobelffmnen gefüllt roaren. Sn ©teiermarf trat ein Sanbe§DcrtheibigungS=s21u§fd)uf§ 511= lammen. 9J?an richtete ba§ Ülugenmerf Dor allem auf bie lBer= hauung unb $erfd)anäung ber roid)tigfteu 9ßitffe, §u benen ber 9)tonbting bei ©d)labming, bie if3ötfd)en, ber üßhhtn, bie bei 9lltenmarft, bei ©d)ottmien unb bei ^artberg gehörten. $ie ©tabt ©ra^ feilte in einen befferen SBertheibigungSguftanb gefegt roerben, ba „f)ier n (leg in )c()(ecf)tem unb fein Ärieggüorratf) für ben SfriegSfad uorfjanben ronr; 2frti(Ierie= unb 3eu9Srequi|'iten roie ainf) (ßrobiant mar fofort ju befdjaffen". Sfarnten unb Strain fodten giir Sefeftigung bon ©raj beitragen, weil biefe ©tabt „als eine SSormauer jur ©icf)erf)eit unb Sebecfung beiber Sauber biene". Sie '«Regierung übertrug bie Surctjfüfjrung ber ©renjffierre, roeldje nur langfame ^ortfcfritte machte, enblicf) beut ^elbmarfifjaKieutenant greifjerrn ban 'JJtolfe, toetdjer feiner Aufgabe mit (šifer nac()fam. Soct) bie Säuern, bie §ur ©renjbert^eibigung f)erauge^ogen mürben, ber (Baffen aber feit langer 3ät entmS|nt roaren, zeigten menig Suft ju ber 'Rufgabe, bie man ifjnen jumut^ete. (Beim bie «Sperren b oran gef) en molften, fielen fie ficf) berneljnien, roollten fie fcf)on mittf)un. ©ie ^aben ficf), fagt ein Sericfft, „mit ffleif; bie «ftröpfe juge^ogen, bamit fie bom ©olbatenleben befreit fein mögen", ©ie erflörten, nicfjt fechten unb nicf)t arbeiten ju roollen; beim „einer fjabe ein franfeS (Beib, ein anbercr ein franfeS Äinb, ein britter eine franfe Stuf), ein bieder fjabe feine Suft, ficf) tobtfäjiepen 511 taffen, ein fünfter roufste nidjt, roarunt er einen Sniern tobtfifjiefien fällte, ber ifjut fein Sebtag nichts gefban fjabe". Sfjre Oluärüftung mar mangelhaft; ein SEtfeit fant unbemebrt, anbere erfdjienen „mit alten roiirmftidjigen 'Ktorgenfternen ober einem alten, berrofteten ©fließe". @g mar baljer notljroenbig, and) (Dtilitür 51t bermenben; aber bie ©renjer, bie au§ bem (Baragbiuer ©eneralat (jerbeigejogen mürben, jeigten fid) rot) unb ungeberbig unb fügten ber Sebölferung mannigfachen ©djaben p. Ser Sf'urfürft bon Sniern, ber eg nnfangg auf (Bien abge= feffen h‘itte, manbte fid) nach Söhnten, mo fid) ber „in §of= unb unb ©taatgbienften beborfiigte böhmifdje Stiel" beeilte, ihm bie Sföniggfrone nufg §aufit fit fe|en. Sa fomit bie ©efaljr für ©teiermarf geringer gerootben mar, fo mürben bie Sefeftigung§= arbeiten eingeftellt unb bie Säuern entlaffeu. Sb er eg jogen bann Sruf)fien burd) bag Sanb, bie aug Italien fnnten unb nach Ober= öfterreich unb Saiern giengen, 11 ad) einiger 3t'it marfchierte roieber 9Jüliiär ins toälfc^e Sanb. Kriegsgefangene mürben 511 berfdfiebenen Seiten nad) ©teiermarf gebraä)t, beim bie 2Baffen ÖfterreidjS roaren fiegreid); biefe (Befangenen mürben auf bem ©ct)tofS6erge in ©ras, in ber Karton, in Gidi unb 9tabfer§burg untergebradjt. $ie i8er= bftegung ber Ü6ermact)nngSmannfd)aft auf bem sHtarfd)e übernahm baS Sanb. ©djroer lafteten auf bem Säuern bie häufigen Sar= ffmnnleiftungen. 3m 3'änner 1742 betrug bie Scdjl ber bairifdjeu, fransöfifctjen, bteupf^en unb fädffifdfen Kriegsgefangenen in ©ras taufenb; biete Von itfnen mürben bann nad) Saibad), ©örs unb Kroatien geführt. s2Iud) ©eifein aus Saiern, baS bon ben Öfter= reidjern befe^t roorben mar, mürben nad) ©teiermarf gebracht, fo ber Sürgermeifter bon Siündjen, Karl bon Sartt), ferner tpofrüttje, ©eifttidje, bie in Klöfter gefdfafft mürben, „Serroatter, Pfleger, ©djreiber, Säuern unb Settier". $ie Serbftegung ber ©efangenen berurfadjte große Koften, iffre Übermadiung mar fet)r befd)roerlid), beim fie berfud)ten alle Siften, um 511 entfommen, unb madjten fid) bnrd) itjr rolfeS ätiefen unb itjre Sei-'ftörungSmutß übel bemerfbar. ©S mufste angeorbnet merben, bafS sur befferen Seroadjnng ber im 91bmonter unb im Sßöllauer §)of (auf bem Sieljtblage) unter= gebradjten ©efangenen innerhalb ber 5E^ore „ein mit fbanifdjen üteitern berroalfrter ^ölserner ©atter errietet, and) bie ißflansung smeier ©tuet 511 adenfalfiger ©egenroe^r gefäjafft roerbe. 3ur roeßr ber beforglicßen ffeuerSgefaßr füllen in beiben Ipöfen Sag unb 9taä)t sroei 9taud)fangM)rertned)te aufgeftedt fein". SBüfirenb beS ©rbfotgetriegeS mufSte Staria Sljerefia mit König griebrid) tion Preußen, ber bon il)r bie tflrobins ©d)tefien berlangte, s'oei Kriege führen unb il)m suleßt ben größten Sßeil ©djlefienS überlaffen. 9US fie biefeS inbuftrietle Sanb surüdgeminnen motite, entftanb 1756 ber britte fd)lefifd)e Krieg, ber aud) ber fiebenjäßrige genannt roirb. Sro| mand)er ©rfolge ber öfter= reid)ifit)en SBaffen blieb ©djlefien bei -flreußen. (53 ift felbftberftänbliet), bafS fid) aud) biefer Krieg in ©teier= mart burd) größere Sruüüenftedung unb bötjere unb neue ©teuern füf)16or machte. „®n§ Stift ©oft", tfeifft e§ in ber 6f)tonit biefeS fflofterS, „t)nt allein über 800 @rbf)o(ben in biefem .ftrieg ju 9te= ernten öerloren unb über 60.000 ©nlben Sarletjen geben müffen." 3ni 3af)re 1759 ronrbe bic (Srbfteuer eingefütjrt, 1762 mürbe bie Stempelfteuer ermeitert unb 1763 „tfat bie fogenannte ©c^ulben= [teuer, ber außer bem Settier jeber Sopf unterroorffen ift, iljren 'Infang genommen unb tjat, bis bie im lebten Srieg contraljierte 5i$)ulben non allen ßänbern bejaht fein roerben, fortjnbanern. Dann ift auf jeben Startin SÖein ein ©nlben 40 Streuner Iuf= fctjlag gemact)t roorben". 2. ^Reformen. 9)inrin Sljcrcfia in Stcicrnmrf. ®ie ffrieben3jal)re bennßte 'Starta S^erefia, bereit ©emaljl ffranj oon ßot^ringen im Safjre 1745 jum beutfč)en Staifer gemaljlt roorben war, jur ®ur(^füf)rung oerftl)iebener Serbefferungen, roo= bnret) ben Sanbftiinben immer met)r 9ted)te entzogen, unb ben lanbcSfürftlidjen Seamten übertragen würben. Dies war nott)= roenbig, wenn fie baS Qici erreidjen wollte, baS il)r vor Ingen fdjwebte: fie gebaute bie Ilpenlänber unb bie Sänber ber böt)mifd)en ßrone in eine innigere Sßerbinbung ju bringen unb i^re Serroaltung ein^eittid) jn geftalten. Dies foflte and) jur fiebung beS $ßo^I= ftanbeS i^rer Untertöanen beitragen, ^fjr IDtinifter ©raf SBenjel M a u n i | fprad) offen ans, bafS bie iDtad)t beS IbelS bef^räntt werben müffe, weil bie „roa^re Störte beS Staates in bem größten Dffeil ber 5?tenfd)en, namlid) in bem gemeinen SJtanne befielt unb biefer bie oorjüglidifte 9tüdfid)t oerbient". Seit bem luffommen ber Steceffe war ber Sanbtag, ber früher bie Steuer= unb $erroaltungSangelcgenf)eiten beraten Ijatte, je^t aber Weber bei biefen ©egenftänben, nod) and) bei ber ©efe|gebung um feine 'Utitroirfung angegangen würbe, eine bloße Formalität. Daf)er würbe ber Sanbtag nur oon wenig Stönbemitgliebern befudjt, oon einer Oppofition gegen bie Regierung war feine lebe metjr. 3)ie Regierung begann fiel) immer metjr um ütngelegen^eiten anpneljmen, bereu Seforgung beut Snnbtage, ben Sßerorbneten, ben ^)errfd)aftcn, ben ©emeinben unb ber Stircbe juftanb, alfo um ©djulcn, Straßenbau, 3unftroefen, SanbeScultur, §anbel, 9teligion§= fadjen unb bäuerlidje Sßerbaltniffe. 3m Saßre 1749 mürbe bie Suftij tion ber $erroaltung getrennt unb für bie fmlitifdjen, 6ameral=, ©ontributmn§= unb iDHlitärfadjen eine eigene 33el)örbe erridjtct, meldje Step reif en ta ti o n unb Kammer unb feit 1763 ©ubernium I)ief;. 9teu erridjtet mürben and) KreiSämter, bie bon ben Stauben unabhängig maren unb nad) unb nad) jur midjtigften Sehörbe mürben. Sie entfpradjen etma ben fünf Vierteln, in meldje ba§ Sanb ge= tljeilt mar; ber Siß ber KreiStjauptleute, bie junädjft an bie Stelle ber lanbfdjaftlichen itiiertelcmnmiffäre traten, mar ju ©raj, Utarburg, ©Uli, Subenburg unb SSrud. @§ mürbe ihnen nidjt allein bie Über= roadjung ber ®urd)führung ber lanbeSfürftliihen SSerorbnungen, fonbern audj bie 3tuffid)t über ba§ $ormunbf(haft§= unb ©runb= budjSmefen, über ben Straßenbau, bie Zhdtigfeit ber Ort§obrig= feiten, ber Pfarrer unb Seßrer übertragen; fie erhielten ferner ben Auftrag, bie Klagen ber Säuern gegen ißre ©utsherrfdjaften an= juljoren unb bie Urfadjen ber llnjufriebenheit abjuftellen. Sie Krei§= ämter maren alfo DJtittelbehörben jmifdien ber Regierung unb ben OrtSobrigfeiten, unb mürben eine Don „Pfarrern, Klöftern, öerr= fd)aftSbefi|ern unb iflriDntbeamten feßr gefürdjtete Sehörbe".1 Sie ^Regierung fudjtc eben and) mit ben unterthänigen Säuern in unmittelbare Serüßrung ju fommen. 3eber ^errfeßaftsbejirf mar biSßer roie ein Staat im Staate, unb ben Säuern mar ber Jperrfcßaftgbefißer mid)tiger als ber ßanbeSßerr. Sie Regierung be= günftigte bie „Dteluitionen", b. ß. bie Sblöfung ber Abgaben unb Sienfte bureß ein ©apital ober eine Diente, aber eS mürben nur menig Üieluitionen burdjgefüßrt. 9Jlit bem Seftreben, bie Saften ber Säuern ju erleidjtern, 1 3. 53eibtet, ©ef^iibte ber ofterreicbifitjen Staatätiertoaltung. .sjerauS= gegeben Bon 31. öuber. I. 5htn§brucf 1896. {fängt c§ jufammcn, bn)S ben ^)errfd)aft§6efi|ern tierboten mürbe, {feimgefatlene Sauerngrünbe mit ben Ijerrfdfaftlidfen liefern 511 tier= einigen. 3ugteic^ mürbe eine neue Sermeffung Der ©runbftücte bnrd)= geführt, ronbei genau ßer^eidjnet mürbe, maS ^errfdjaftlidjer ober bäuerlidjer Sefitj mar, unb bei biefem 3uftnnbe mufšte e§ bleiben. SDamit mürbe and) bie Steuerfreiheit beS si(bel§ unb ber @eiftlid)= feit aufgehoben. Sfmnter mehr SEedjte mürben fo ben Stäuben entzogen. s2t(S im 3ahte 1750 ber SanbeShttuf)tmann Sari 9tbam ©raf Sreuner ftarb, lief; bie gtegierung biefen Soften unbefe|t unb ernannte 1751 ohne $orfd)Iag ber Stäube ben ©rafen tion Sühnburg pm ßanbe§= hauhtmann, ber ben Stäuben feine ütngelobung mehr leiftete. $a§ SanbeSmarfdjallamt mürbe nad) bem SEobe be§ ©rafen ßubmig tion Saurau im Saljre 1755 nicht mehr befeijt. ®ie iftegierung lief; bie ©elbgebarung ber Stänbe genau überroadjen, perft burd) eine gemifthte, ha® lanbeSfiirftlidje, ha® ftänbifdje, feit 1765 nur burd) eine lanbeSftirftüche ßommiffion, auf roelche bie Stänbe feinen ©influfS mehr fmtten. 3m 3nl)re 1754 trat bie {Regierung gegen ben Aberglauben auf, inbem fie befahl: „®er 5)rud unb Aerfauf ber Salenber mit abergltiubifdjen Auslegungen ber 3'nfterniffe, beS AberlaffenS, SchrbhfenS, ©innehmenS unb SabenS, ber fogenannten tierroor= fenen Zage unb anberer alberner unb ungereimter Singe roirb tiet= unb §u boten." 3m 3af)te 1764 entftanb bie Aderbaugefellfdjaft, roelche u. a. bie Aufgabe h11!*6/ Anbau tion Slee, Sartoffeln unb Obft= bäumen foroie bie Sienenpdft unb Seibenraupenpäjt §u pflegen unb §u förbern. Aachbem im 3ahre 1773 5ßapft ©lenteng XIV. ben 3efuiten= orben aufgehoben hotte, mürben bie ©ollegien beSfelbcn 511 @ra§, Aiarburg, 3ubenburg unb Seoben aufgelöst unb bie ©üter einge= pgen. Ser Staat übernahm bie Anftalten, roeldje ber Orben ge= leitet hotte, nämlid) bie Unitierfität unb baS ©hmnafium in @ra§ fotote bog ©tjmmifium in iötnrburg, in eigene $ettoaltung. 3Me Unitierfität unb bie ©tjmnafien erfuhren Diele iBerbefferungen. 2ln ber UniDerfität, roo fdjon 1745 ein mntfjematifdjer (aftronoinifi^er) 5£()Ufm erbnut roorben roar, mürben 1777 SSorlefungen über Anatomie eröffnet unb 1779 baS juribifctie ©tubium eingerictjtet. $ür bie @t)muafien mürbe ein neuer Sefyrptan genehmigt, ben ber s4!iarift ©radian 9Jtar$ nu§ Seoben entmorfen tjntte. ®ie itiolfS= fcfjule mürbe nad) beut Dtattje be§ 91bteS ^elbiger Don ©agan in ^reiif;en DoKftänbig neu eingerid)tet unb unter bie 91uffid)t be§ ©taateS gefteüt. ®a§ ©diulmefen, fugte bie Stniferiu, ift unb bleibt ein ißoliticum, b. t). eine 'llngelegenljeit be§ ©tnateS, unb oft äußerte fie fid): „9tn ber @qiel)ung ber Sugenb ift alles gelegen." 3m 3al)re 1775 mürbe aud) in ©mg eine Dtormnlfdjule, b. p. iDtufterfcpule errid)tet. ©o burd)greifenb mar bie Umgeftal= tung be§ 93olfSfd)ulroefenS, baf§ 91bt Selbiger auSrufen tonnte: „3n feinem ©taate ber SBelt befteljt eine ül)nlid)e Sorgfalt für bie niebrigften ©ämlen roie in Öfterreid)" unb DJtaria Z^erefia mit iltedit ben ^Beinamen „©rünberin ber $olf§fct)ule" Derbient. 9Jtaria 2;l)erefitt lief; ein ©trafgefe|bud) abfaffen, baS im 3a^re 1768 Deröffentlidjt mürbe unb allen öfterreidjifdien Säubern gemeinfam fein füllte. SDiefe tl) ercf i ani f d) e §nl§ gerid)tS= orbnung fannte nod) bie ©träfe be§ SSerbrennenS, beS 9tübernS, beS $iertt)eilen§, be§ 3to'tfen§ mit jungen u. a. unb befielt aud) bie Folter gur ©rpreffung eines ©eftänbniffeS bei. ®ie ^upferftidje, meld)e bie Derfdjiebenen ©rabe ber SEortur Deranfdjaulicfien, tonnen nur ©rauen erregen. 9tber es mürbe eine äiorfdjrift erlaffen, meldje 23orfid)t bei ber Slnroenbung ber Tortur empfahl unb bie Sauer berfelben fel)r furg bemaf;; übrigens ließ fid) bie Saiferin bemegen, bie Ülnmenbung ber Folter gang gu unterfugen. Sind) fdritten bie $et)örben oft um eine 58egnabigung ber 95erurt^eilten ein, unb bie Saifetin roar immer geneigt, ©nabe gu gemäl)ren, fo bafs biefe gu garten ©trafen mit ben Satiren immer fettener ütnroenbung fanbeu. 384 — 3ie mef)r bte lanbeSfitrftlidje 9Jiact)t erftarfte, befto pufiger trat fie auct) gegen 9tect)te unb (šinridjtungen ber Sirene auf. 9tuf;ev= liitie Sirdjenbufien, Sßroceffionen, meldje bte (Srenje überfdritten, unb ber bireete SBerfe^r öfterreiit)ifcfier Untertanen mit ittoin mürben tierboten. 3ßüf)ftlid)e SSerfügungen burften Don ben 33ifd)öfen nur mit SSeroiKigung ber fftegierung angenommen unb nuSgefütjrt roerben. ®a§ 9ltlred)t ber St’irdjeu unb Eiöfter mürbe eingefdjränft. ©eit 1752 !)o(te bie ütegierung nidjt me^r bie (SrlaubniS beS Sßafifteä 311 einer aufterorbentlidjen SBefteuerung ber ©eiftlidjfeit ein, roaS frtiljer gemöt)nlid) gefd)et)en mar. ®a bie Eaiferin einfaf), baf§ bie große ülnjatfl bet Feiertage bie Ütrbeitfamfeit be§ SßolfeS feine§= meg§ förberte unb 311 jafilreidjen 9lu§fd)reitungen 9Maf§ gab, er= roirfte fic beim päpftlicßen ©tußle, baf§ jroeimol eine SSerminberung ber geiertage angeorbnet mürbe. $er ißermeßrung be§ unbemeg= ließen @igentf)um§ ber Eircße trat bie Eaiferin in meßreren (Srläffen entgegen, ©ie ßatte fieß fd)on bei ißrem fftegierungSantritte baßin auSgefbrotßen, baf§ bie (Seiftlid)feit, bie non ißren ütorfaßren fo reieß befdjenft morben mar, nunmeßr „ genugfam unb rooßt funbiert" fei unb baßer nicßtS meßr bebürfe. ®er Ülnfauf öon Sanbgütern burd) ben 6Ieru§ mürbe oßne 23emifligung ber Ütegierung nießt geftattet; e§ mürbe genau feftgefeßt, roa§ Üteueintretenbe in ba§ Elofter mitbringen burften, unb allen Slerifern bie Ülnfertigung öon 8aien=S£eftainenien öerboten. 3n biefent 3wfnntmenßange mag nod) ermäßnt roerben, baf§ im Saß re 1771 an ©teile beS ßeil. ütupert ber ßcit. Sofef junt SanbeSßatron beftimmt mürbe. 51m mießtigften roaren oßne 3";,e'Ül bie üteformen auf bem m11itärifd)en unb bem finanjiellen ©ebiete. 53i§ baßin mar bie (Srßebung ber ©teuern, bie ©rgänjung, 91u§rüftung unb $erf)flegung be§ jpeere§ größtentßeils ©aeße ber ©taube als ber iüertreter ber Sänber. 5Die Eaiferin verlangte nun öon ben cinjelnen Säubern ßößere ©teuern, roofür aber ein großer Sßeil ber milU türifeßen ülngelegenßeiten ben ©tauben abgenommen unb ber ©taat§= M)örbe übertragen werben fällten. Stuf ©teiermarf entfielen jü^rltcf) 1,182.000 ©utben. $ie ©tänbe tiefen fict) juerft nur auf einen 9tecef§ für brei 3af)re ein. hierauf begann man mit üerfcfjtebenen ^Reformen. 3)a§ ipeer mürbe and), nadjbem bie Sonfcription ein= geführt mar, tffeitmeife nod) burd) StuSfiebung unb Sßerbung er= gitnjt. @§ mar 'lieget, brauchbare junge Seute bau fd)led)ter Stuf= füt)rung ot)ne roeiterS jum Utilitär abjuftetten. Sie tRecruten mufšten lebenslänglich bienen, gür bie gefammte Slrmee mürbe eine gleichmäfiige SluSbrudSmeife bejügtid) bcr militärifchen ©cgenftänbe, ber 2Baffen, ber ©eräthfdjaften, ber ^Befehle unb ©Icidjmäfiigfeit im ©freieren unb 'IRarfdjieren, turj, ein neues „^Reglement" angeorbnet. 3ur Sinübung ber Srubben nad) biefen neuen Stnorbnungen ber= fammelte bie fiaiferin non 3eü 5U 3eit größere Srubt'enmaffen in Sägern, bie fie felbft gern befugte. 9tlS im Sabre 1750 mehrere ^Regimenter auf ber iperrfdjaft $ 1). u-rn-i f d) bei tßettau ju Übungen jufammengejogen mürben, erfd)ien bie ßaiferin in unferem Sanbe.1 ©ie butte ben ©tänben melben taffen, bafS bie „Steife incognito gefdjebe", meSbatb abelige Sßerfonen Dar itjr „in ber Orbinari=Sleibung, roie fie unter ihnen ju geben pflegen", erfdjeinen tonnten, ©dbon Diele 2Bod)en Dorber mürben Vorbereitungen ju einem mürbigen Empfange ge= troffen. ßS fommt miš geroifš fonberbar bor, bafS man bamalS anorbnen mufste, bie in ben einzelnen Sanbgeridjten nn ben ©tragen aufgefteftten ©atgen ober menigftenS bie an benfeiben „bängenben ©ababer unb bie an benen pfählen unb Stabern aufgeftedten Ümpf= unb SeibStbeile" abjunebmen unb ju bergraben. Sie ©tobt 'üettau unb baS ©cbtofS Oberpettau, baS bem ^)Dfe jum Slufentbalte bienen feilte unb baS bem ©rafen SeSlie gehörte, mürben binfiä)tlid) ihrer geuerfidjerbeit bon bem „Verorbneten $euer=@ommiffariu§" ©rafen Sguaj bon StttemS unterfud)t. @r tbeilte ben 'Jßettauern, bie bon ber in ©raj „beilfamft beobachteten 5. 9Jt. Dltapet, ötaria $hercfia in ©teiermarf. ötittt). 32. SOI aljet, ®c((t)i(6te ber Steietmarf. 2;> geuerorbmtng feinen Segriff" fjntten, biefe Orbnung mit. $ie Äföfter ber Dominicaner unb Stinoriten, bie, roie @rnf 9tttem§ beriifjtete, „bem SJfagiftrate nidjt, roofjf aber ber ^euetSgefa^r bcn= n o d) unterworfen fetmb", tonnte er aber nidjt unterfudjen. Stan fdjidte bon ©raj eine Dragffjri^e unb überbieS tiier 3taud)fang= fe()rergefetfen nad) ißettau, bie bort roa^renb ber 9(nroefcnf)eit beg -lpofe§ in [teter Sereitfdjaft ftefjen follten. Damit mar jeber ©efafir borgebeugt. Der fwf, ber ant 3. Suni bon ©djönbrunn au§ bie 9teife antrat, bradjte bie erfte 9tad)t im ©djloffe SOßieben bei Sbafifenberg ju, bag bem ©rafen ©tubenberg gehörte. Der (šmbfang in ©raj, mo ber §of ant 4. Suti um jef)n U()r bormittagg eintraf, mar überaus glänjenb. Die erfte Segrüpung erfolgte fdjon bon ber Sitrg ©öfting auS, mo man 128 ©efdjiitje berfd)iebener ©röpe aufgeftellt patte, bie fiimmtlid) breimat gelöst mürben. Sei ber ^afnermüple pielt ber Sürgermeiftcr an ber ©pipe beS ©tabtratpeS eine 9tebe. Die Senb mar ber Uniberfität einge= räumt morben; eS ftanben ba 48 Drompeter in fpanifcper Dradjt, ber ©enat unb bie alabemifcpe Sugenb; biefe mar in Dtotten ge= tpeilt, jebe in anberer Reibung. Sott ber ©üttle auf beut Senb= plape bis jum Sturplape ftanben bie CrbenSgeiftlicpen, auf bem SZurplape eine ©ompagnie Sürger, in ber ©rieSgaffe bie fünfte, auf bem ©rieSpIape meipgelleibete Stäbepen, bie Sffieltgeiftlicpleit unb bie SBaifenfiuber. Den fd)önften Snblid patten bie üteifenben in ber Sarlatt. Dort ftanben bie Sefuiten mit ipren ©djulfinbern, bie als ©d)äfer unb ©cpäferinnen gelteibet mären, bie Knaben in meipen Graden unb ^öSdjett, bie mit rotpem Dttd) auSgelegt roaren, bie Stäb cp en in rotpen 9tödd)en, S tunten int tpaar, ben @d)üfer= ftod in ber tpanb. Die Sinber ftreuten Slutnen auf ben 2Beg, unb auf oerfepiebenen mit üteifig belleibeten ©erüften unb ißpramiben fdjmenften Ä'naben gaptten unb ©tanbarten. Der §of betrat alfo bie ©tabt niept; tion ber Rarlau reiste er weiter naep ©prenpattfen, mo bie StittagStafel gepalten mürbe. 387 9ioct) an bemfelben Slbenbe fant bic Gafferin in bem ©djloffe Cber= bcttau an. 9tacf) ^toeitägigem Aufenthalte fefjrtc ber ^)of nad) SBien äurüd. ®te Saiferin gab bcn Auftrag, in ißettau ein 3nbalibenf)au§ 5U erridjten, unb fčjon im 3ahr.e 1751 famen $eteranen in ber ©tabt an, bie man im ftänbifd)en 9ßrotiiantf)au§ unterbradjte; aud) ein (šr^iefjungSinftitut für 99tilitürftift§fnaben rourbe in fßettau er= richtet. 3)aS 3ntiatibenhau§ rourbe mannigfad) erroeitcrt unb beftanb bi§ 1860. 3m Sahre 1765 befudjte bie Äaifcrin nad) einmal unfer Sanb. SDamalS fotlte in SnnSbrucf bie tßermühhmg beS Gr^he^ogS S eopolb mit ber fbauifdjen ^rin^effin 9Jtaria Suife gefeiert roerben, unb ber ,§of unternahm bie Steife balfin über ©ra§. 9Jtit ber Saiferin famen ihr ©emat)! ßaifer fyran^ L, ihre Söhne, ber römifche @önig 3ofef unb ©qh^og tiecftolb, bie ^toei ütteften Töchter, ber tpring Sari tion Sothringen unb beffen Sdjroefter ©hnriotte. ®a Don ben ©ra^er Samen „bie roenigftcn mit §of= unb Af)hnrtement=Sleibern tierfehen" roareu, gab bie Saiferin 511 erfennen, bafs „felbe ^u Anziehung beriet) ipoffleiber nicht ber= bunben, fonbern ihnen frei gelaffen fet)e, roie fie erfreuten rooKen". Ser ^tof langte am 4. 3fuli in ©rag an unb begab fid) über ben Senbhlatt unb bie töturöorftabt und) bem Schlöffe ©ggenberg, roo er SBohnung nahm. @S gehörte bem ßanbeShfluptmann ©rafen Seoftolb tion |)erberftein. Sie Saiferin befuchte unter anberem aud) bie fogenannte ©djatt=, Sunft= unb Stüftfammer in ber SSurg. Sie Sunftgegenftünbc unb bie fßradjtftoffe, 9JtefSgeroänber, ©obelinS, Sehhidje, toeld)e fid) in biefer Sammlung früher befunben hatten, roareu fd)on im Saljre 1748 auf 58efet)I ber Saiferin nach äßien gefanbt roorben. Sie „in Suftfer unb 9J?ajolifa beftel)enben alten Shid)dgefd)irre, and) alten ©lafet, glafchen" roaren bamalS bem ^Burggrafen @blen tion 3ßoüb für bie 9JZüI)e be§ ©inftadenS überlaffen roorben. SSon bem Sie ft rourbe auch 1764 ein SI)e^ nach SBien gefd)idt. Sei ihrem 33efuä)e im ^ah16 1765 befahl 25* bie Šftuferin, einige bet n d d) botljnnbenen ÜDterfroürbigfeiten nad) 2Bien ju fenben, unb tierfčienfte ben 3teft bet ©ammlung an ^erfüllen üjrer Umgebung. ®er fteirifdje §erjog§t)ut, ben bie ßaiferin mit ad)t foftbaten perlen fdnnüdte, mürbe au§ „fonber= batet ©nabe ju ©ra^ gelaffen". 9lm 9. 3uli reiste bet §of und) Seoben, mo fünf auf bem 9)tadt))Ia| ftetjenbe Raufet für itjn eingeridjtct morben roaten. 2(n biefen Käufern ^atte man bledjerne Saternen angebradit, in benen fid) „mit fyetten ober anbereu brennenben 9Jtaterien gefüllte erbene Zögerte" befanben. 9tnt fotgenben Zage fanb trot; beS fd)led)ten StßetterS eine ©cmfenjagb auf bem 3teiting ftatt; bie Herren ritten auf ben 93erg hinauf, bie Damen liegen fid) tragen, aber Stegen unb ©turnt jroangen bie Sagbgefettfdjaft halb jur Umfet)r. Zrog= bem waren ben Sägern fünfzig ©entfett jttr S3eute geworben. 9tm 11. Suti würbe bie Steife nad) SnnSbrucf über Stagen« furt fortgefe|t. SBätjrenb beS 9lufentf)atteS beS §ofe§ in ber ,|)aubtftabt ZirolS ereignete eS fid), baf§ Saifer gr an j I. plögtid) Bott einem Unwotilfein befallen mürbe unb turje 3eit barauf feinen ©eift aufgab. Unbefdfrexbtid) mar ber ©djmerj ber Saiferin, bie fogleid) nad) SOßien jurüdte^rte unb feitbcm bie Zrauertleiber nie mef)r ablegte. Streit älteften ©oljit S o f e f, ber nun junt beutfctjen Saifer geroä^lt mürbe, naljm fie jum IDtitregenten an, bod) be= fd)äftigte er fid) meiftentljeilS nur mit ben militärifctien Ungelegen« feiten beS ©taateS. 9tHe übrigen ©efd)äfte oerfat) bie Saiferitt felbft mie biStjer mit uncrmüblid)er 9luSbauer unb tiefer ©inficbt bis ju intern Zobe. Sm Sa^re 1754 Berbflid)teten fid) bie ©taube, jur ©r^altung ber in $ßiener=9teuftabt errichteten 9Jiilitärafabetnie jälfrlid) 5000 ©ulben beijutragen, wofür jmölf tpiä|e in ber 9t!abemie ©öhnen ber bebürftigen ^errett unb Sanbleute tiorbetialten fein füllten. Sm Sännet beSfelben Sfi^reS mürbe angeorbnet, bafS, um „bie 9tnjal)l ber treugeborfamften Untertl)anen DerläfSlid) ju roiffett, in ben gefammten beutfdjen ©rblanben burd) bie Obrigfeiten unb DZogiftmte nlljäfirltd) mit Anfang eines jeben 3al)te§ eine Oerläf§= lictje ©eeleticonfignation ober GonfcribtionStabefie üerfnfgt werbe". $iefe erfte SSoItSjä^Iung ergab für ©teiermarf eine $etiblferung§= jat)! tion 696.606. 3m 3a^re 1770 würbe eine allgemeine Seelenbefcfjreibung ($oIf§gä^lung) jiir gortfe^ung einer bertäf§= lidjen iRecrutierung burct) frei§ämtlid)e ßommiffäre unb sDtilitär= officiere nebft 33efct)reibung be§ 3>l90i^)e§ angeorbnet unb tiotfier bie Numerierung ber Käufer borgenommen. Unter Ntaria SEtjerefia würbe and) bem ©anitätSwefen grofje ^ürforge jngemanbt. 3n ©raj entftanb eine ©anitatScommiffion, ber nad) ffiäteren Seftimmungen ber Sanbfd)aft§=ißrotomebicu§ als ©anitätSratf) angetjörte. „®ie allgemeine ©infüljrung ber 5Eobten= befdjau, bie SBeftellung bon Armenärzten in ben ©tübten, bie ^ür= forge bei 9Jtenfd)en= unb 2i£)ierfeud)en, bie Auffid)t über milbe ©tiftungen, ©pitäler unb SBaifenfjäufer, bie Regelung beS 0rjt= lid)en ®ienfteS bei ©erid)t finb nur einzelne ber bielen unb bal)tt= bredjenben Neuerungen" ber großen ffaiferin. 3n ifter 3eit finben mir and) bie erften ©puren einer djirurgifdjen Seljrtljätigfeit. Nom Sapre 1776 gab ber ßanbfc^aftSdjirurg Anton 33tud ben 3unft= jüngern beS ctjirurgifdjen ©tanbeS Unterridjt in ber „3erglieberungS= tun ft" unb fjiclt in ber SEobtenfammer beS ©t. ©eorgen=griebf|ofe§ in ber NhirOorftabt Norlefungen an ßeidjen. 2)a^er mürben bie ©fjirurgen Don 1770 an in ©raj geprüft, mäfjrenb bie Apottjeter nad) längere 3e^ ^re Prüfungen in Sßien abzulegen patten. 3. fOlnrta fSpercftaS ipcrfönütfifcit. ®aS acptjepnte Saprpunbert fap biele grauen, bie fiep mit ißolitif befafSten, aber feine, bie wie Ntaria SEperefia mit einem folcpen ©rnfte unb einem folcpen Nerftänbniffe für ba§ SßopI iprer Untertpanen unb baS 3ntereffe beS ©taateS arbeitete. Non allen ©taatSfcpriften napm fie ©infiept; fie las fie felbft ober ließ fiep borlefen, beutfep, franjofifcp, italienifcp, lateinifcp, wie eS tarn, oft bis tief in bie Nacpt Ijinein. ©ie mar eine eifrige SČatljolifin. Ungern faf) fie e§, baf§ in Kärnten, Oberfteier unb Oberofterreiti) nož) ißtoteftanten lebten, nnb fie orbnete 1752 bie Überführung mehrerer ißroieftnnten auš Oberfteier in Ungarn an, roeil fie bori ihre Steligion auSüben tonnten. 3ur Setehrung ber @bangetifd)en mürben mehrere sJJtiffion§ftationen unb in SKottenmann ein Setehrung§hf S‘igb, ©giel nnb SE^eater; fgäter aber erfreute fie außer DJiufif nur, was bie Sitegierung beS Staates nnb bie ©rjieljung if)rer ßinber betraf. 3)ie fpfaiferin fd)tif in Öfterreid) eine ©entralgewalt, bie bis in bie entfernteften $l)eile beS SteidieS wirfte. 5luS ber 3eit beS fftanifdien nnb franjöfifd)en StbfolutiSmuS war man gewof)nt, ftol§e 9(n= majfung als eine mit ber ifJtajeftut eng Oerbunbene ©igenfdjaft an= jufe^en. $iefe ©igenfdjaft fam ber Saiferin nic^t ju: fie oer= teerte bertranlid) mit üfren $ölfern, fie betradjtete fid) als baS ipaupt einer großen Sßölferfamilie. Sie feßte eine @f)re barein, eine fd)Iid)te beutfdje §auSfrau, ©attin nnb DJtutter 311 fein. StlleS ©edierte, alles ^alfdje war ilfr üerf)afst, i()r natürliches SBefen brad) felbft bei feftlid)en ©elegenheiten burd). Sin iljre Zodjier DJtaria Slntoinette, weldje mit bem franjöfifd)cn König Subwig XVI. Oer= heiratet war, fdjrieb fie: „9ZeI)men Sie nid)t biefe fran^öfifdje ßeidjtfertigteit an nnb rechnen Sie eS fid) jur ©fre an, eine $entfd)e §it fein." Unb über bie @f)e fprach fie folgenbe fd)öne Sßorte: ,,®aS Söeib ift in allem bem SJtanne untergeorbnet unb barf an fein anbereS $()un benfen, als was ihm gefällt unb ffreube macht. ®aS einzige wahre ©lüd auf biefer @rbe ift eine glücflidie ©hec ich knn baöon erzählen, unb alles hängt Don ber ffrau ab." DJtaria $l)erefia berfd)ieb am 29. Dtoüember 1780. •m II. Snlvf II. 1. 2>ic 9tiiff(nrnnn. Saifcr 3ofcf II. in ©tcimunif. 9?act) bem $obe iDiarta $^erefia§ tibemaf)m i()r erfttjeborener ©of)n Sofef II. bie ^Regierung ber ofterreicffifiljen Sänber, bie fid) in einem guten 3uftanbe befanben. 2)a§ Seifpiel feiner ÜJlutter, bie gute Srjiefiung, bie fie i^m tfntte jut^eil werben taffen, unb bnS ©tnbium tferborragenber ©djriftftetfer feiner 3eit fjatten in bem Äaifer eine eble, menfd)enfreunbtid)e ©efinnnng geroedt unb tiefeftigt. 2luf ben bieten Steifen, bie er in feine Sßrobinjen mad)te, lernte er and) bie guftftnbe unb Sebürfniffe feiner Sßötfer fennen. @r unternahm feine Steifen nidft mit faifertiitjem grünte, fonbern al§ fd)Iid)ter ißribatmann, meift als „ffiraf bon galtenftein". 6r crroieS ja^Ireidie $Bot)ttt)aten unb gab biete SBemcife feiner ©ered)= tigfeitsliebe unb feines ©belfinneS. Stuf einer Steife burdf SJtätjren bertiefs er einft bei einem ®orfe in ber Stütze bon 33rilnn feinen Sßagen, trat an einen adernben Sauer fyeran unb 50g mit bem Sßftuge eine gurdje. Stn ber ©teile, um ber Raifer ber Strbeit beS öanbmauneS in biefer Sffieife feine Stiftung bezeigte, fte^t jur @rin= nerung baran ein SDentmat. $or allen lernten bie Senmljner ber .'pauptftabt feine ©üte fennen. Zäglid) erfdiien er mehrmals in bem fogenannten Sontrolorgange in ber Hofburg, um Sittfdjriftcn entgegenjune^men. $er ©ang mar jebeSmal mit bi eien Sittftcllern angefüllt, bie meift aus ben unteren SoIfSclaffen flammten. Unb Sofef II. Ijalf, roo er Reifen tonnte. „($S gibt feinen fcfjöneren Sei= namen", fagte er einmal, „als ben, Sater feines SolfeS ju Reiften." Raifer 3'ofef II. mürbe gleid) bieten dürften unb @taatS= männern beS ad)tje^nten 3a^r|unbertS bon bem ©eifte ber Stuft!tirung be^errfcf)t, ber auf eine rafcfje Umgeftaltung ber beftefjenben Ser= Ijültniffe fiinbrängte. ®er ©inftufS ber ©eiftlid)feit unb if)r Sefib füllten eingeengt, alte, ben gortfdjritt unb ben SBoljlftanb |emmenbe ©inrid)hingen befeitigt, bie Suftij unb baS UnterridjtSmefen ber= beffert, 2Bol)ttf)ätigfeit§tmftalten in großem ötafiftabe gegrünbet, alle üteügionSbefenntniffe gebnlbet toorben. @§ ift alfo fein S'ösif^l, baf§ alle 9fefotmen be§ ßaiferS au§ bem eblen Streben, @ute§ 511 fcfjaffen, fiertiorgiengen; aber mä^renb feine DJtntter langfam, Sd)ritt für ©c£)rift, borgegangen mar, rooöte 3ofef II. feine ifßläne rafcf) nnb oljne Oiücfficljt auf bie 91nfcl)ttunngen feiner Untertanen nnb bie befteljenben $erl)ült= niffe burdjfnljren. sj(l(e ilnljänger ber 9'lnfflärung mollten baS ©lüd iljrer Untertanen, ba§ „©emeinrooljl" beförbern nnb naljmen, um biefeS 3«! 51t erreidjen, bie unbeftränftefte ©emalt in Ülnffud). „3ebe§ §inberni§, bag ifjnen Riebet im 2Bege ftanb, follte befeitigt, bie 'Jtedjte aller (Korporationen, bie bigfjer eine getoiffe Selbftänbigfeit befjauptet (jatten, ber Stanbe unb ©enternben bernidjtet, ber 'Kbfolutiginng jur Ijödjften 91ugbilbung gebradjt roerben. ffür bie Ijiftoriften ©rnnblagen beg ©taateg, für bag Soll nnb feine ©igentümlidjfeiten Ijatte ber aufgeflürte Ülbfolutiginug nidjt bag geringfte $erftanbnig." Dille ^Reformen feilten bnrdj bie ^Regierung, oljne ßanbftänbe angeorbnet unb burdjgefüljrt roerben; „afleg für bag 93oIf, nidjtg buri) bag $olf", roar bie Sebife. 9Jtan nennt bafjet bie 3eit Sofefg II. bie beg aufgeflärten Dlbfolutigmug. 3ofef II. fam auf feinen Pfeifen and) meljrmalg bnrdj Steier= marf. 2Benn er fidj in ©rag auftjielt, rootjnte er nidjt in ber 39urg, fonbern in bem noctj befteljenben ©aftljanfe ,411m rocipen Santm" in ber ©djmiebgaffe. ©r übernadjtete and) in anberen Stübten, fo in DJtürggufdjlag, 33rucf, Seoben, ßnittelfelb, Ufeumarft, ßeibnitj, Üßettau, ©illi. 3n Seibniti Ijielt fidj ber ßaifer roiebetolt auf, roatjrfdjeinlidj, roeil auf bem Seibnitjerfelbe militärifdie Übungen ftattfanben. Sieg gefdjalj gum leptenmal im 3aljre 1786. Samalg foK ber Saifer ber §errfd)aft Seggau ben Dluftrag gegeben Ijaben, ben grofjen Sagerplag, ber nidjt angebaut roar, unter bie Bürger tion Seibnitj gu Oerttjeilen. „DUg ber Saifer im folgenben Saljre auf einer Pfeife toieber bag Seibnitjerfelb betrat, ben Dorntalg oben 23oben beg Sagerplageg nadj feinem Pöunfdje in frudjU btingenbeš Saufelb umgefčfiaffen faf) unb bon ber genauen @v= füfiung feines Sefe^leS ftd) boUfommen überzeugt l)atte, fo ließ er oljne Setjug bent geiftlidjen Dtentmeifter ber ^errfč^aft, gafanb, meldjer bie Sertljeilung borgenommen fjatte, ein SelobungSbecret ausfertigen unb and) ber Siirgerfdjaft fein SBo^lgefaHen bezeugen. je|t meist man ben SfMatj in ber Safui^inerfirdie, mo biefer Sčonarct) roiitjrenb feines Aufenthaltes im Orte täglid) einer füllen DJteffe tnienb beigemotint Ijat. 3m grofjen ©aftljaufe, in ber fDütte beS fülarfteS gelegen, früher 5um Sirnböd genannt, nun bem Sürger gudjS gehörig, beftanb noch 'm 3nhre 1827 im erften Otodroerfe ein gintmer, baS ffaifeqimmer genannt, in roelchem ein Söanbgemälbe biefen Saifer ju ^ferbe, umgeben uon einer zahlreichen ©eneralität, in ber fötitte beS Sägers auf bem 8eib= ni|erfelbe barftellte, roeldjeS ein früherer ^auSbefi^er zum immer» mährenben Anbenfen, bafS fein !pau5 zui' fniferlidjen Aöohnung roährenb ber ßagerzeit gebient h^e, malen lief;."1 3m Auguft 1765 befudjte 3ofef II. (Sifenerz unb ben Srzberg; er ließ fid) tion einem Sergtnaßben ©chlägel unb @ifen geben unb ftufte @rz ab. 2Bie man in Stühren ben ißflug, an ben ber R'aifer feine §anb gelegt fjntte, aufbemahrte, fo mürben and) bie SBert» Zeuge, bie er in (Sifenerz benüßte, erhalten. 3n (Sifenerz erfäjien Saifer 3o)ef auch i'11 3nhie 1786, ba er 9Jtaria=3efi befudjte. @ine ©ebenttafel, bie an ber ©djule zu ©ifenerz angebraüjt ift, lautet: „3ofef II. römifdjer Kaifer, Satter bereu ©einigen, roürbigte biefe ©djule feiner AHerhödjften ©egenmart, (äußerte) feine 3u= friebenljeit unb befdjenfte fie ben 11. October 1786. Utochmelt mtffe eS unb beneibe uns." Überall, mol)in ber Haifer fam, befmt)te er bie öffentlichen Anftalten, ließ fid) Uon allem unterrichten, nahm Sittfd)riften an unb traf ztoedmäßige Anorbnungen. 3n trieft ließ er fogar über ber Xhür feiner SMjnung eine Uafel mit ber Auffchrift „f. t. §of= fanzlei" aufhängen, zum 3eid)en, bafS jebemann 3utritt ljube 1 <1. 6arb, Slaifer Sofef II. in Seibnil;. Atilttjeil. 1. 395 — unb fein ©efitcf) borbringen forme. SSon ©ra§ au§ erließ er im Qafjre 1784 an ben ©ouberneur ber inneröfterreidjifdjen Sönber, ©rufen ^eben^üöer, jwei |)anbfc£)reiben, in benen er locale unb brobinjielfe 9Jiif§brüud)e fabelte, bie 9Jiittel §ur Serbefferung angab unb 5lnorbnungen traf. Sei aller ©d)ürfe offenbaren biefe ©dfreiben ben Rumänen, eblen 3U9; ber feinem Söefen an^aftete. 3)amal§ orbnete er an, baf§ baS 5lrfenal unb bie baranftofjenbe Äaferne auf bem ©d)lof§berge ju ©raj „bem ßiüili ju einem 3nd)tf)au§ eingeräumt" mürben; bie anbeten ©ebäube füllten bem Uiilitär oerbleiben. ,,®urd) ben 3ngenieur=Officier ift bie geheime ©liege, fo bon ber tßurg auf ba§ ©c^lofg gefyet, nieberreijjen, unmanbelbar mact)en unb ba§ Žfior bermauern ju taffen; fernerS rnufš baS 3u^tl)auS mittels l)ol)en 5ßallifaben ober lfManfen bon ben lDZili= tärgebäuben abgefonbert werben, jebod) fo, bafS bie ©ifterne für ben ©ebraud) be§ DJZilitürS außer ben ißlanfen bleibe, weldjeS ebenfalls bon bem Ingenieur jn beforgen ift. ®a§ DJZilitür fjat jmar mit ben 'Hrreftanten auf bem ©d)loffe nidjtS ju tlfun, jeboc^ ift ben beiben baf)in ju fielen fommenben ©omfragnien ber $efel)l ju geben, bafS fie in bem ffaHe, wo fid) bie Strreftanten empören ober ©omplote anftetlen füllten, ben ßolitifdjen 2Büd)tern alle l)ilflid)e |)anb auf Segel)ren §u leiften l)aben, ju roeldjem @nbe bann bie ^außtleute biefer (Soiußagnien immer eine angemeffene 3a^l bon fdjarfen Patronen bei fid) in Serwalfrung Ijaben müffen, bnmit fie fol^e im sJZotl)fall fogleid) ber 9)Zannfd)aft auStfieilen fönnen." 2Bie beforgt ber R'aifer um bie Sinnen unb Serlaffenen mar unb wie er fid) and) um Singe flimmerte, bie bomalS wenig beadjtet würben, geigen folgenbe Stnorbnungen: „Sie Soft fowoljl im üöaifen* als befonberS im @ebärt)aufe ift fe^r fd)Ied)t unb feinerbingS Weber bem SBadfStlfum ber Sinber, nod) ber SBartung ber ©äugenben angemeffen. Siefe wäre alfo gu tierbefferu, beim man fiel)! bie SBirfung an bem üblen SluSfelfen ber Sinber, bie fd)ier alle mit ber Sra|e behaftet unb gefdjmollen finb." „®a§ unmäßige C'e'5eu *in nßen gimmern her ©pitäler, $erforgungSßäufer unb fogar her 'Jiotmalfcßulen ift nebft her 2lu§= bünftung fo bieler S'inber ganj geroifS fcßttblicß unb märe befonberS bei leßteren um biele§ einjufcßränfen unb bie genfter jur 33er= befferung her Suft öfters ju öffnen." 2. iS au ent unb 5lbel. 6S ift ridjtig, bafS her St'aifer bie Seibeigenfcfiaft aufgehoben (jat; aber in ©teiermarf beftanb fie fi|on feit langer 3eit nicht mehr. $tir unfer Sanb mürbe baS fogenannte It n t e r 11) a n §= patent bom 1. September 1781 bon Söichtigleit. @S fcljürfte bem Säuern ein, ben Slnforberungen her ^errfepaft ^olge ju leiften, beließ ipm aber baS iRecpt her Sefcproerbe beim SreiSamte. 91n bemfelbcn Sage mürbe au cp ein ©trafpateut erlaffen, roeldjeS be= ftimmte, bafS bie ©runbobrigleit, bebor fie gegen ben Untertpanen eine ©träfe auSfprecpe, ipm in ©egenmart beS ®orfrict)terS ober jmeier unbefangener ÜRänner fein Sergepen borpalte, feine 6nt= fcpulbigung anpöre unb bie ©träfe beftimme. @S mar anbefoplen, über biefe Serpanblung ein ißrototoll ju füpren. $)ie ©träfe mufste bolljogen roerben, auep roenn fie bem Untertpanen ju part fepien, boep tonnte er naepper ben iRecurS ergreifen. ®ie ©trafen, melcpe bie ^errfepaft auSfprecpeit tonnte, roaren 9lrreft, allenfalls bei Rßaffer unb Srot, Strafarbeit felbft mit Anlegung bon gußeifen, unb bie ülbftiftung. Sin Slrreft bon mept als aept Sagen unb bie 91b= ftiftung tonnten aber nur mit 3uftimmung beS SreiSamteS berpängt roerben. Sie Obrigfeiten mürben ermapnt, ben Untertpanen nicptS UngebürlicpeS jujuinutpen, unb ben Kreisämtern roarb ftrenge s21uf= fiept empfoplen, bamit feine Sebrücfung borfäme. „3ngleicp aber müffen", befapl her Kaifer, „bie UntertpanSabbocaten roopl beleprt unb angepalten roerben, bafS fie ben Untertpanen in iprer 9totp= burft gefepminb unb unentgeltlich beifiepen, felbe aber jugleicp unterrichten, melcpe Sßege fie 511 gepen paben, um ipr iRecpt gc= fd)toinb ju erhalten." $n§ ©trafredjt bet §>errfd)aften ronr alfo jeljt befd)rünft, aber biefe übten auf il)te Itntert^anen nod) immer eineu großen (finflufs au§, beim bei @rbt£)ei(ungen, ütecrutenau§= Hebungen uub ©eroäljrung tion Unterftiißungen bei UnglüdSfäHen itjrer Säuern Ratten fie nod) ein getoid)tige§ SCßort ju fbredjen. 3m Stai 1786 erfdjien ein ©efe^ über bie ©rbfolge, toeld)e§ baS gleiche ©rbredjt aller ©efd)roifter jur ©ruublage tjatte. ,,®aburd) tourbe jene ©igenfdjaft ber Sauernioirtfdjaften, jufolge bereit fie feit 3al)rt)unberten eine 91rt von öiajoraten geroefen roaren, bernid)tet unb nad) beut Zobe eines Säuern bie ©runb= ftüde be§ iibernet)nier§ mit ©djulben beloben."1 ®a§ 51nfef)en be§ 9tbel§ litt and) burd) biefe ©rbfolgegefe^e. ffrül)er bflegte ber 9lbel ben nad)geborenen Söhnen unb SLödjtern roenig ju geben, um baS Sermögen ber gamilie ju erhalten, je|t er= gelten ©ötjne unb üEöditcr gleiäjeS ©rbrcdjt, rooburd) 3etft)litterimg be§ SermögenS eintrat. 3)ie ©rrid)tung von Siajoraten unb ffibeU commiffen tvar fd)on unter Slaria SEtjerefia erft^roert tvorben; jetit ivnrbe fie nid)t mel)r geftattet; ja ber Sefitjer eines ffibeicommiffeS tonnte baSfelbe in ein ßapital, baS in ben öffentlichen ffonbS an= gelegt inerben mufSte, Verroanbeln unb baburd) ol)ne 'liücffidjt auf bie Ülnroarter baS ffibeicommißgut in fein ©igeiitl)nm verroanbeln; and) tvar il)m geftattet, ein drittel felbft offne Singoben Von Ur= fachen ju verfdjnlben. Sa and) viele Sienftj)lä|e, ineläfe bisher beut Slbel Vorbehalten ju fein fd)ienen, an ltnabelige tarnen, unb manche fylugfdjriften gegen ben Slbel arbeiteten, fo fant biefer in ber Sieinung beS SolteS. ©in 5Ehe*I ^eS StbelS „glaubte ju ge= ivinnen, roenn er felbft bie ehemaligen Slnfidften feines ©tanbeS lächerlich machte, ein anberer, toenn er jebe 91rt von unnü|em Sluftoanb oermieb, nod) anbere, roenn fie bem ©taatSbienfte, ber nicht mehr bie ehemaligen Sorttjeile bot, fid) entzögen. Slber alle biefe 9J?ajjregeln Vergrößerten nur bie Übel, unter benen ber Slbel 1 3. 9)eibtet, ©efibiibte b. öfterr. Staatšuermaltung, Ijcraušg. ». 91. fguber. I. — 398 — litt. 9Bn§ noti) 3ur £>emf>toürbigung be§ ÜtbetS fehlte, ttjat er enbliti) fetbft burč) bic fc^tetiite (šr^ietiung, bie er feinen Stinbern gab, burcb ba§ roüfte 8eben feiner reiferen ©lieber, burti) bie gün^titije $ernati)Iäffigung grünblitijer ftenntniffe ber Sanbroirtftijnft, rooburti) er in bie £)ünbe ungetreuer ^Beamten unb geminnfüi^tiger ißrojectanten geliefert rourbe, unb burti) ba§ oft alberne Senelfmen ber Samen, melctje fiel) in bie neuen 3eitoerf)ältniffe nitijt §u finben roufsten unb unabeligen grauen in Ifetüorragenber ©tetlung oft Dtabelftidje gaben, roelcl)e guroeilen als Seleibigungen aufgenommen unb reicl)liti) tiergolten mürben." Sie§ gilt aber nur für einen Sl)eil be§ 5lbel§. $ßir roiffen, baf§ aurf) unter 3ofef II. alle ^)ofümter unb bie l)öti)ften ©teilen Dtitgliebern be§ 9Ibel§ oerlietien mürben, ber and) feine Ijeröorragenbe fociale ©tellung be^aufitete. 3. Uicligibfc IRcformctt. 3nt 3a()re 1781 erlief) ber Saifer ba§ $ 01 e r a n 5 b a t e n t. @r fiabe fiel), lieißt e§ barin, beroogen befunben, ben 9Inf)ängern ber 91ugäburgifd)en unb l)eltietifd)en ©onfeffion, bann ben nii^t= linierten ©rietijen bie btibate 9Iu§übung il)rer 3teligion 511 ge= ftatten; ber fat()olifti)en Uteligion füllte aber ber IBor^ug ber öffent= lidjen 9teligion§übung Oerbleiben. 9tati) ben Seftimnumgen biefeS ®efe^e§ tonnten ba, mo fid) in ber ©ntfernung tion einigen Stunben ljunbert gamilien Don 9(fatl)olifen beSfelben ©laubenS jufammenfanben, biefe fid) ein gemeinfameS 5ßetl)au§ nebft einer ©ti)ule einriti)ten, boti) burften bie Setffäufer feinen ©lodentlfurm unb feinen öffentlidjen ©ingang Don ber ©affe l)er l)aben. ©ie tonnten itjre eigenen ©ti)ullel)rer beftetlen, mufšten aber bie ©tolgebüren bem fatf)olifti)en Pfarrer entriti)ten. @§ mürbe ben Ulfotffolifen auti) erlaubt, §üufer unb ©üter ;u taufen, baS $iirger=, ba§ lDtcifterreti)t unb afabemiftiie HBürben 511 ermerben. infolge biefeS 9ßatente§ entftanb ftijon im folgenben 3al)re in ber Dtamfau unb im Satire 1783 in ©ctjlnbming eine broteftantifdje ©emeinbe. ®aju tarnen in unferem Snt)ri)unbert ©emeinben in ©röfmting unb Sßatb. SDiefe Hier oberfteirifctien proteftantifi^en ©emeinben tjaben ein eigenes ©eniorat. ®a§ Soteranjtiatent unb bie beabfMjtigte 9tuft)ebung non Rtöftern tieranlafSten ben Sßapft ^iu§ VI. gu einer Dteife nact) üßien; er wollte tierfudien, ben Saifer umguftimmen unb oon weiteren ^Reformen auf tiril)üct)em ©ebiete abgufialten. ®er üßafift fant über ©brg am 19. fütärg 1782 in ©rag an. ,,3tucf) tjier, beißt e§ bei einem ©teiäjgeitigenwaren bie Straßen tion ber letiten Station an mit DJtenfcben befäet, fo bafs gewifs niemals eine foldje Stenge $olfS auf einmal hier ift oerfammelt gewefen. $aft ade angefeßene ©inmol;ner Oon ©rä| waren tl)eit§ gu ißferbe, ttjeitS in Sßagen, bie übrigen aber gu gußc bem beiligen tßater entgegengeeilet. ©eine ^leüigteit fuhren burä) bie Stabt mit l)erab= getnffenen ffenftern unter beftänbiger ©rtbeitung be§ Segens gum Sambrecfiter Spof als bem für Sie eingerichteten Quartier, wo Sie nach Sbm' 9tnfimft ben bafigen 91bet beiberiet ©efditecbtS bttreh ben |)errn ©rafen oon 9ßobftajgfd=Si(i)tenftein, baS Stilitür bttreh ben §errn ©etteral Saron oon '«Riefe, bie ©eifttießfeit aber burct) Se. hochfürftüthe ©naben fterrn 58ifi$)of Oon ©ecfati unb Oiele anbere StanbeSfierfonen bor fid) aufführen ließen. ®er unter bem ffenfter nod) immer häufig Oerfammelten SSolfSmenge geigten fid) Se. «fbeitigfeit öfters am ffenfter unb ertßeilte ißr ben ©egen." 91m folgettben Storgen begab fid) ber 9ßaf)ft gu ben Slino riten bei Staria=|)ilf, wo er einer füllen St eff e beiwohnte; hierauf feilte er bie '«Reife fort. SaäjmittagS gegen fünf Uhr langte er int ©djloffe SBieben bei Äoftfenberg an, wo er feierlich empfangen würbe. ,V)ier übernad)tcte er; am folgettben Storgen „wohnten ©e. Jpeilig= feit in ber gierlicß beleuchteten ©chlofsfapede ber Steffe Shre§ $eid)toaterS bei, nach bereit ©nbigung Sie fid) Oon bem fperrn 1 1 Satter, ®efcf)icf|te ber Dteife be§ ipapfteS 'Piu§ VI. tion Dtom nnd) SBicn. 2 SBänbcßen. SBiett 1782. (šigentijihner be§ ten mit Serad)tung ^utiidfaf), ber t)iftorifd)en ©ntmidelung nidjt gerecht mürbe unb für bie SDentmäler ber alten ßunft unb SMffenfdjnft lein SerftänbniS l)atte. Oaljer lam eS, baf§ mand)e Sunftmerte, mand)e l)iftorifd)e 3eugniffe, Ur= lunbeu, §anbfd)riften unb gebrudte SZBerle berloren gieugen. Oie Stände unb üionnen blieben tiom STage ber Sufljebung nod) fünf Sionate in ißrem ©tifte unb erhielten ein Oaggelb. Oanu tierliejjen fie baS Šlofter unb traten in ein anbereS ein überlebten tion ber üßenfion (200 ©ulben), bie i^nen gemäfirt mürbe. 3m Sa^re 1782 mufSten fid) ^uerft bie neun^e^n © r c m i t e n bem SufljebungSgefetse fügen. ©remiten ober ©infiebler gab eS in ©teiermarl roie in onbereu Säubern p allen Seiten. 3n Diieberöfterreid) roaren fie organifiert; cin Oomljerr p ©t. ©tefan führte bie Suffidjt über fie. ©ie roäljlten fid) einen Sorfteljer, ber ben Oitel „üllttiater" führte, fie batten fiib nach einem Ütegelbuä) ^u ridjten, baS p $ßien in Onuf erfcbienen mar. 3n ©teiermarl mar il)re 3a^I nid)t grog. ©inige mögen in ben au§gebel)nten SBälbern, bie ficb tiom ©djödel bis in ben ©raben bei ©ta; erftredten, gel)auSt haben, unb and) bie * VII. *) 9t. filein, ©efcßiibte be§ @t|riftentf)um§ in Öfterreid) unb ©teiermavf. VII. $ßien 1842. jpöfylen bež ©čjlofšbenjeg in ©tnj waten bon ©tnftebletn bewohnt. SDiefe trugen braune Sutten unb toeifie ipilgerftäbe, it)r 5Utbater mar ber SlguSner §u 9Jt a r i a = © r ü n, wo fie and) i!)te Sanitet hielten. 9Jtand)e ©infiebler wohnten in einfamen §oIjt)ütten, anbere in ber 9tülj.e bon Sirenen unb Sapefien. 9Jtand)e Staufe war äiemtid) grof; unb betfagüd) eingerichtet, fo beifptelgweife bie in ber ip a tf au, weld)e ber Ülbmonter 5lbt ižtnfetm im Sa^re 1713 er= bauen lief;. Sa bie Staufe elf fünfter hatte, fo war fie ein an= fetjulicheS ©ebaube. Ser StauSner, ber bort einjog, war ein 33udj= bi über; er erhielt bom 9lbte eine ausführliche Snftruction, aus weither herborgeht, bafg er jnniichft ber ©etfitfe be§ 9Jiefgnerg, §u= weiten ber Siener beg 3ßfarrerg, bann aber and) Set)rer war „3ft feine $emtl)timg haubtfäd)tid), bie Sinber lefen unb fdjreiben, bann aud) in 3u(ht unb @t)r6urteit, aus bem ©ateihiSmo unb anbern gcifttid)en Süchern ju unterweifen." @r mufgte ferner bei ber heiligen 99teffe miniftrieten, ©hultinber ju iöiiniftranten heranbitben unb mit ihnen baS SOöettertäuten bei ©ewittern bc= forgen. ©nblidj mar er and) 91rjt. „SBeit in biefer ©egenb bie arme Seut alter Slrjneimittetn beraubet, alfo folte er fid) nad) bem löblichen ©jempel beten ©infieblern im 9teid), Saiern unb ©atjburg befteiffen, bie Sräuter unb SBurjen ju erfennen, fetbe nad) bem ihm fd)on gegebenen Srauterbudj ju reihtet 3eü fmnbten, graben unb jur bienlidfen 9trjnei juridjten, bon welchem gemeinen Srüuter= fct)ah bie Söett Oiet hunbert Saht alleinig, ohne anbern Slrjneien, erhalten unb curiret worben."1 9M)t alle ©remiten tonnten ju fo tiielen Sienften üermenbet werben, aber fie waren bod) gewöhnlich 9Jtefgner unb betrieben nebenbei auch ein ©emerbe. 3m Seihte 1782 würben and) jehn Slöfter aufgehoben. 3uerft tarn bag Slofter ber Sarmeliterinnen an bie 'Jteilfe, bag an ber 9Jtur „unter ber Stüde" ftanb. Sie Aufhebung würbe am 21. Sännet tiertünbet, bie Sirche geräumt unb gefperrt, bie 1 2® i ib n e r, ©infiebler auf at>monttfd)en Pfarren. SDtittfi. 35. 26* Elitäre unb bie (Stiftungen für ©ebet, Sicfiter u. a. üerfdjiebenen Kirnen übertaffen. Bon ben 17 Bonnen ließen fii^ 16 tum ben ©etübben toSfttredjen unb traten in bie 2BeIt jurüd. ®a§ ©e= bäube, aus roetctjein bcr Äaifer juerft eine Saferne tjerftetten motite, mürbe bem Biilitür für ein 9Jtontur§be))ot Übermiefen. 3unäcf)ft mürben aufgehoben bie Möfter ber ©tarif[innen int sJßarabei§ ju ©raj unb baS in 3'ubenburg, bie Sarttfaufc Sei baS Stift ber ©hor^erten in ©eda u, baS ber Senebictinerinnen in © b ß, baS ber ^Dominicanerinnen in Stubeni| unb in 9Jtaf|ren= berg, ba§ ber ©öleftinerinncn in 9Jiarburg unb baS ifßautinerttofter gu Ulimie an ber croatifd)en ©renje. ®ie ©ebäube ber ßtöfter Seij, Stubeni| unb sJJtat)renberg beftimmte ber Staifer juerft jur Aufnahme ber Snbatiben, bie ficf) in ißettau befnnben, unb ber unheilbaren ißerfonen beS ©rajer ßranfenhaufeS. @§ ift nicht möglich, bie ©efchictjte ber Aufhebung biefer .Ulöfter inS einzelne ju oerfolgen; nur über baS ültefte fteirifche Älofter [oll noch einiges gefügt roerben. @S mar am 21. 9Mr& 1782, bafS baS Stift © ö ß burd) ben ©ra^er Sreishaubtmann ©raf SBolf oon Stubenberg für nuf= gelöst ertlürt mürbe. 3m ßlofter lebten bie Bbtiffin Btaria @a= briete bon Scfiaffenben, bie bierjigfte Borfteherin, bie ißriorin 93er= narba ©rafin ©aller, 28 ©horfrauen, bie meift abeligen StanbeS untren, 22 Saienfchmeftern, brei Booijinnen, ein Beichtüater, brei Pfarrer unb StiftSgeiftlidje, hier Btufifer, ber ipofridjter mit fechS Beamten, fünf Spitalsleute unb fieben Siedje. ®ie StiftStirdje mürbe pr ißfarrfirihe ertlürt unb bie alte ißfarrtirche entroeiht unb üertauft. SDer Stctioftanb beS ftiftifdjen BerntögenS mürbe auf 585.000, ber Sßaffioftanb auf 27.350 ©ulben beregnet. $ln 6a= pitalien mürben tmrgefunben 105.350 ©ulben, ferner ein 2ßein= oorrath im üßerte oon 19.793 ©ulben, Silber unb tpretiofen int Söerte oon 20.000 ©ulben, unter biefen eine Dtonftranje oon ©olb, mit ^Diamanten, Bübinen, ©ranaten unb perlen befe|t, roeldje ber Bilberhänbler ©eorg Sdjerer in ©raj um 6900 ©ulben fnufte. 9In Itegenben ©iitern gehörten 511m ©tifte bie iperrfc^aft ©ö^, roeldje au§ bielen jerftreuten feilen beftanb unb 1400 Unter« ttjanen fintte; bann 32 Sßeingärten in Unterfteier, Erntet unb ©ütten. ®ie iperrfdjaft mürbe in bie 33erroaltung be§ ©taateS genommen, unb ber ©öjjer §ofricf)ter, Slnton bon ©<$)äfer§fetb, trat al§ 9Serroalter ber ©ameratgüter in ben ©taatsbienft. 3m Sa^re 1783 mürben bie reltgiöfen Sruberfhaften auf« gehoben, bereu e§ in ©teiermart 476 mit einem Vermögen bon 260.000 ©ulben gab. 9(ud) ba§ SErinitarierflofter in ©raj mürbe bamal§ aufgelöst. 3m 3re§ in Kraft trat. 3m 3n()re 1787 erließ ber K'aifet ein allgemeines ©efeß über Serbrecßen unb bereu Seftrafung unb im fol= genben 3nßre eine ©r imin a t = © er i it) t § orbnu n g. 3n biefem ©efeßbud)e roirb erftart, bafS ju einem $erbred)en ber SSorfaß geßbre; and) erfdjeint batin bie 3l1u^erei nid)t meßr, unb bie graufamen 5EobeSftrafen finb abgefdjafft, bod) tonnten bie ©efängniS= ftrafen burd) fünften unb ©todftreidfe foroie burd) 9tnfd)mieben tierfcßnrft ro erben. 5lud) öaS ift ßertiorjutieben: Unter DJtaria SEßerefia mürben Sterbredjer, bie burd) ©eburt unb ©tetlung ßertiorragten, inSgeßeim abgeftraft; beim bie Kaiferin beforgte, baS Sott tonnte tiieüeicßt bie ißergeßen unb Sßerbrecßen einjetner einem ganjen ©taube jur Saft legen unb biefer baburcf) in ber 2Bertfd)ütnmg ber DJienge finfen. ®iefe $eforgni§ ^egte Saifer 3ofef II. nict)t. Rein äußerer ©lanj, meinte er, bürfe bar ©träfe fd)ü|en, bar bem ©efeße müfSten alle gleid) fein. Sie ©trafen waren fel)r Ijart. (Sin „9Jtorb6renner", ber 1789 ba§ SBorf ©t. Sorenjen im öttir^t^nle in SSranb geftecft fiatte, würbe in 33rud „pm ©d)lof§berge" (in ©raj) berurt^eüt. ®a§ Urteil lautete: (S§ fall ifim auf ber einen üßange ba§ Stab, auf ber anbern ber ©algen „eingefdjröpft" unb mit ißulber eingerieben werben; barauf fall er ljunbert unb alle 3a^te am fflorianitag, al§ am Sage feines SßerbrecfyenS, fünfzig ©todftreidje erhalten; er füll fed)§ig 3af)re in ber ffeftung p ©raj im fdjweren ©efängniS fitjen; eine etwaige @rbfd)aft aber ein fonft il)m pfaflenbeS ©elb fall ben ©inroo^nern bau ©t. Sorenjen als @ntfd)äbigung über= wiefen werben. Utit $erbred)ern ^atte ber Raifer mit Üted)t feine ©nabe. 3m 3ud)tfjaufe auf bem ©djlofsberge p ©raj burfte auf feine 9Inorbnung fein Dtrreftant „Weber ©troljfacf nod) ©traf) über= fommen, fanbern mufS auf ber bloßen iflritfcße nur mit einer Ro|e pm 3ubed liegen; jebod) finb bie Rranfen babon auSge= nommen, biefe befommen Settfournituren, werben aber an baS Sett angefdjmiebet. 2öegen ber Raft ßabe itt) fd)on gefagt, bafs fie nur in 33rot unb SB aff er p beftetjen ßabe unb bafS fid) bie Slrreftanten burd) ißren ffleiß beS mehreren ober wenigeren p uerbienen ßaben, weldjeS aber nie bier Rreujer täglid) überfteigen fann." Dieben biefer ftrengen Sfnorbnung ftel)t aber gleid) wieber ein mitbeS SBort: „Sie Söeiber unb befonberS bie Rranfen finb biel p fd)led)t untergebradjt." Sen ©tauben würbe bie peinliche ©eridjtsbarfeit entzogen. Ser Raifer wollte feine (Srblänber p einem ftarfen eint)eit= lidfen 9ieid)e geftalten, baS bon einem ©entmin, SBien, auS regiert werben unb in bem bie beutfdje © pra ä) e bie StmtSfpradfe fein fällte. Saburd) Oerloren bie Sanbtage nod) mef)r an 33ebeu= tung; ber ßaifer fjob fogar bie 2Bitrbe be§ Sanbe§l|aut)tmanne§ nuf unb lief; ben ftemfdjen |)erjog§f)ut nad) Sffiien bringen, bon mo er erft nad) feinem 5Eobe roieber nad) ©raj jnriidgebradjt rourbe. 21I§ ein^eitlid) georbneter ©taai tonnte Öfterreid) fid) in ben furchtbaren ©türmen nnfred)t erhalten, bon benen e§ balb nad) 3ofef§ Sobe überfallen mürbe. ©eine ganje SebenSjeit Ijinburd) mar ber Saifcr für bie Oer= laffenen SBoifen, bie älrinen unb ßranfen beforgt. @r tiatte in ;ffranfteid) tiortrefflid) eingerid)tete §umanität§anftalten gefeben unb mar entfdjloffen, foldje roobltbütige Snftitute and) in Öfterreid) in§ Seben ju rufen. 2Bie anberortS, molite er and) in ©raj bie Dielen ©fntiiler, ülrmenbäufer unb Ülrmenftiftungen Der= einigen unb fo ein großes, einljeitlid) geregeltes Snftitut fdjaffen.1 Sie größte biefer 2Bol)Itf)ätigteitSanftaIten mar bas ©pital jum ßeiligen ©eift, baS jtoei 9Jteierl)öfe mit ben Stuen am ©rieS unb auf ber oberen Senb, Steingärten, ^offtätten, einen SBalb unb ©ülten befaß. Sie na (je bei ber ©tabt gelegenen ©rünbe mürben Derfauft, unb auf ißnen entftanben bie SSorftäbte ©rieS unb Senb. 3ur Unterbringung ber neuen allgemeinen SInftalt rourbe Dom Štaifer ber ©rajer |)of beS aufgehobenen ©tifteS ©t. Sambrecßt in ber SßauIuStfjorgaffe beftimmt, ber einige bauliche Umgeftaltungen erfuhr. Stm 15. Secember 1788 rourbe baS fo entftanbene allge= meine S r a n f e n h a u S eröffnet, baS bamalS einen Selegraum Don 80 Setten hntte, rootion 30 für Sinne beftimmt waren, roeldje nichts jahlen tonnten. 3m folgenben 3«hre rourbe auch baS ©ebür= unb $inbelhauS, baS fid) in ber Äarlau befanb, im Sambredjter •Öofe untergebracht. SaS ©pital fthieb fid) in eine Slbfljeilung für interne unb eine für d)irurgifd)e H'ranfe. Sie Oberauffid)t ber Stnftalt führte bie ©taatSbermaltung burd) ben Sanbe§=Sßrotome= bicuS. Sie finanziellen unb öfonomifd)en @efd)üfte beforgte ein Sirector. 3ugleid) mit bem allgemeinen ßrantenhauS rourbe baS „SolthouS" im ehemaligen Hapujinertlofter eröffnet, baS jur Sluf= 1 goffel, ©efdjicijte bei nttgemeinen ßranfentjauieB in ©raj. 1889. nannte von „rafenbcn, ma^nftnnigen unb roüt^enben Slcnfdien" biente. 3m Snfjre 1793 erhielt bie $ürgerfcE)aft bie $nulidj= feiten be§ f)I. (Seift = ©pitaleS roieber in eigene tßertoaltung, roornuf and) bie ©f)itnl§fird)e, bie unter 3ofef II. gcfdjtoffen morben roar, roieber eröffnet rourbe. Ser Saifer roanbte nud) ber ^)eranbilbung ber SBunbär^te feine täufmerffnmfeit 511 unb grünbete ba§ „mebicinifd)=d)irurgifd)e ©tubium" an ber Uniöerfttüt, bie aber gerabe bamalS (1782) in ein ß^ceum umgeroanbelt rourbe. Ser Zutritt biefem ©tubuun, ba§ ^roei 3at)re bauern mufSte unb burd) ba§ „bürgertid)e unb ßanbrounbäräte" tjerangebübet roerben fällten, befdjränfte fid) auf foldie junge ßeute, roeldje fid) at§ ße'f)rlinge bei einem SBunbar^te einige Senntniffe erroorben Ratten; ©djüler mit befferer $orbilbung roibmeten fid) feiten biefem ©tubium. Sie d)irurgifd)e ßel)r = an ft alt roar ben übrigen gacuftäten nid)t gleicfjgeftettt. Sie $or= trüge mürben ^uerft im ©pitale ber Sarinfierjigen, bann im allgemeinen Stanfenljaufe abge^alten. Sem ©ä)ul= unb Unterrid)t§roefen roanbte ber Haifer roie feine DJIntter große 9Iufmerffamfeit 511. 3n feinem .'panbfdjreiben an ben (Souoerneur (Srafen SfiebenljüIIer orbnete er an: „Sie Seförberung, Unterftü|ung unb luSbeljnung ber sJtormalfi^ulen ift ein l)öd)ft mistiger ©egenftanb, ben fid) baS (Subcrniunt eifrigft angelegen fein taffen, geiftlidje unb roettlid)e Obrigfeiten fräftigft beijuroirfen an()alten unb bie genauefte 9Iuffid)t in allen Steifen auf bie Slušroat)! ber ßel)ret unb dtidjtigfeit ber ßet)re beobadjten roirb." Ser Saifer oermet)rte bie 3‘S)1 ber $olf§fcf)ufen unb führte ben ©djul^roang ein. $iele Serorbnungen be§ SaifetS, befonberS folctje, roeld)e ülltt)ergebraä)te§ angriffen unb befeitigten, erregten in ber $eDöl= ferung öiifgmutt) unb fllnjufriebentjeit, ja in bem bamalS gu Öfterreid) gehörigen S3elgien fam e§ fogar §ut offenen Empörung. Setrübt barüber, baf§ feine guten Ülbfidjten fo Oerfannt rourben, ftarb 3ofef II. am 20. februar 1790. III. (Enlfuriultätttre. 3ur 3eü SDioria SE^erefiaS tourbe mit (šifer baran gearbeitet, ben $Bo[)lftanb bcr Srontänber §u Ijeben, unb e§ rourbe and) Biet erreid)t. @§ befferte fidi attmütjlirt) and) in ©teiermarf mie in anberen öfterreidjifdjen Sänbern ber iguftanb bet S a n b ro i r t f (| a f t, ber 9Jtai§ fanb ^iemlidje Verbreitung, bie Kartoffel, bie im 3a§re 1730 in Öfterreid) nod) nl§ ein „tperreneffen" be^eidjnet rourbe, bürgerte fid) taugfam ein. 9lber ber äöeinbnu markte fdjon bamalS biete Sorgen. 3ur 8eit- i31' Ungarn großenteils in ben Rauben ber dürfen roar, fmtte ber fteirifdje SBein, puntat ber Suttenberger, biete Säufer unb gute galjlet gefunben, aber feit ber Vertreibung ber SEürfen mufSte er Bielfad) bem ungarifdfen roeidjen. ®at)cr tonnte man unter Vtaria SEßerefia ben Vattj geben, SEßeingarten aufäulaffen unb 511 „nütjtidjerem @/braud)" ^11 Berroenben;. uinfo= ineßr, atS ber „SBeingenufS bei bem gemeinen Vßlte mehreren 5Ef>eit§ bie fd)äbtid)ften VHrfungen nad) fid) gießet unb nid)t leid)t ein gutes unb fleißiges Volt angutreffen fein roirb, 100 überftüffiger $6ein borßanben ift". 9J?it ber Vie^ucßt ftanb eS gut, bod) roar baS iRinb in Unterfteier fd)ioad) unb ftein. 3n Oberfteier rourben große unb ftarte ipferbe gezogen, bie man bei ben Verg= unb ^ammerroerfen nötßig ßatte; in 9Jturau ßatten bie dürften ©d)roarpnberg ein ©eftüt angelegt. Um bie ©mßorbringung ber © d) n H11 ^ * madjte fid) ber ©utsbefißer Vtagatinfdiegg @bler Bon Saiferfelb Berbient. at eine unge= mein grope 58ebeutung erlangt. 11§ Su|)ferfte($)er mncfjte |ict) Sodann Seit ß a u p er 5 befnnnt, ber 1741 311 ©raj geboren würbe. @r grünbete bnfelbff eine 9ßritiat= ^eid)enfd)ule, nuS ber ficf) bie ianbfdjaftiicije geidjenafabemie entroidelte. SDa ba§ 24)enter auf bem $ummelbtatie für ©raj nid)t mef)r anSreid)te, erbauten bie ©tünbe unter bem Sanbe§l)anbtmann Seopolb ©rafen tion Öerberftein 1774—1776 ba, wo tjeute ba§ SanbeSttjeater fteljt, einen 9teboutenfaal unb ein Sweater, ba§ über taufenb 3ufd)auer faffen tonnte. Sei feftlidjen Sntiiffen würbe ba§ $l)eater mit bem üteboutenfaal burd) ein oberhalb be§ ißarterreS angebradjteS ißobium ju einem ©anjen tiereinigt. 3m 3at)re 1823 brannte biefeš Stjeater ab, worauf nadj ben planen be§ taifer= tilgen ^ofbaurat^ež ißeter be -Robili ein neues, ba§ je^t beftcljenbe SanbeSttjeater, errietet würbe. S)iefe§ tion ben ©tauben erbaute Söfeater würbe unter bem ®irector 3ncobetli am 9. ©efotember 1776 eröffnet, ülufgefü^rt würben Opern unb Operetten, wobei auf bie ÜtuSftattung grofje Sorgfalt tiermenbet würbe, Saftete, $rauer= unb Suftfpiele. Oer @e= fdjmact be§ i]}ublicum§ begann fid) tierfjiiltniSmüfjig fdjnelt §u beffern, wenn and) nod) lange 3fflanb unb Hotjebue beuorjugt würben. ffrül)= jeitig tarnen ©d)itler§ SBerte jur Oarftetlung: 1788 bie „Dtäuber" unb „ffieSco", bann „Kabale unb Siebe" unb „Oon GarloS", tion ©patefpeare würben „©oriolan", „Stacbetp", ber „Kaufmann tion Senebig", „.fjamlet" unb „ütomeo unb 3ulie" aufgefüprt. Seffing» „Stinna tion Sarnpelm" erfepien 1791 auf ber ©rajer Süpne. 3U gleidjer tarnen bie Opern ÜRojartS jur Sluffüprung. Oie ©rbauung be§ OpeatcrS burd) bie ©tünbe ift tion großer Sebeutung: jetjt würbe baS geiftige Sanb jwifepen Oeutfcplanb unb ©ieiermart wieber angetnüpft, bo§ burd) bie ©egenreformation jerriffen worben war, unb ba§ geiftige Scben OeutfipIanbS begann eine tiefere äßirfung auf ©teiermart auSjuüben. ©raj ift ber ©eburtSort eines ber bebeutenbften ©cpaufpieler. 3op. t?ranj Srocfmann würbe 1745 als ©opn eines 3'un= giejjerS geboren, ber aus tßaberborn flammte unb fid) in ©raj — 422 niebergetaffen l^atte. ©eine 9Jiutter beforgte bie Söäfc^e für bie (Befangenen be§ ©djiofSbergeS, unter benen ftd) auct) ©fmnier befanben. SSon btefen lernte ber junge Srocfmann bie fpanifctje ©Üradje. @r trat einer tnanbernben ©djaufpielertrnbbe bei unb tarn tiiel tjerum. @rft in Hamburg tarn fein latent jur Stnerfennnng. ®ort unb am tpofburgtljeater in SEBien, tootjin er 1778 berufen würbe, feierte er grofje SEriumfrlje. 91m meiften 91nerfennung fanb er in ber tRoKe be§ fandet. @r ftarb 1812 in SBien. 3n ber 3eit ber Saiferin 9Jtaria $|erefia gab e§ in größeren ©täbten fdjon gebrudte Leitungen. 3n frütjeren 3e'ten ftonben tjertiorragenbe Ötänner, meldje fo rafd) al§ mögliä) wichtige 9tad)= ridjten empfangen wollten, mit Dtooelliften in SSerbinbung; ba§ waren ötänner, weldje 93erid)te berfafSten, fie burd) ©djreiber ßerniclfältigen liefjen unb itjren Sunbcn jufanbten. ©oldje Dtooetliften befanben fid) in SBien, 3ßrag, 91ug§burg, tßenebig, ütom. Sie fteirifdjen ©tänbe ftanben ebenfalls mit foldjen Sßeridjterftattern in tßerbinbung unb patten and) in manchen ©täbten 91genten, weldje ipre 9tngelegenpeiten beforgten. Ser 91ug§burger 9Igent würbe jnr 3eit beS breifiigjäprigen Krieges beauftragt, bie „fürfpommenben Sractätlein, ßupferftid) unb bergleicpen, item aucp bie palbjäprigen ffranfforter 9telntione§" ben ©tänben jufommen ju taffen. Ser Oenetianifcpe Sorrefponbent (Siacomo Sorri, ber im 3apre 1705 erjäplt, bofS er feit breipig Sapren ffaifer unb Sßäpfte, dürften unb gtatpSperren in üerfcpiebenen ©tübte bebiene, patte and) in (Braj 916nepmer feiner 93ericpte. $on auswärtigen Leitungen las man baS „2Biener Siariunt", bie 91ugSburger, bie Hamburger, bie Srünner 3e^un9i i'1 ®raä erfčpien fcpon feit bem @nbe beS fiebjepnten SaprpunbertS ber „(Brauer SJtercur", ber 1785 fein Srftpeinen einftetlte, worauf bie „(Bräüer Qeitung" p erfcpeinen begann. 33on 1796 an war bem Platte wöcpentliip ein „©onnabenbS=9tnpang" mit literarifcpen unb bel!e= triftifčpen 91rbeiten beigegeben, ber im 3apre 1811 ben Sitel „Ser 9lufmerffame" erpielt unb unter biefem Blamen breipig Sapre lang etftijien. ©in fur^eS S eben (jotte ba§ 3Bod)enMatt für bie 3nner= öfterreid)i|d)en ©tnnten, bng @ebiä)te nnb 9iecenfionen bmdjte, unb bie geitnng „für ®amen unb anbere Frauenzimmer", bie mehrmals tfjren 9imnen ünberte unb bon 1792—1797 beftanb. Siebenter Zeitraum. Slon beit Srangiifeiifriegen bi§ sur ©egenroart. I. Xeupültr n. SofefS II. 9?atl)foIger Seofuilb II. Ijatte bie fdjmere 2iuf= gäbe, bie Diulje unb Orbnung in bcn IjabSburgifctjen Säubern roieberl)erzuftef(en. ŽBiele firdjlidje SSerorbnungen 3ofef§ II. mürben aufgehoben; fo mürben beifpielSmeife bie ©eueralfeminare befeitigt. 9[ud) in ©teiermarf berlangten bie firibilegicrtcn Stäube, ber ©leruS, bie Herren unb Stüter, bie im Sanbtage faft allein bertreten maren, bafS ber Saifer ihnen alle 9ied)te roieber zuriidgebe, bie fie im Saufe bet 3e't an bie ©taatSgeroalt berloren hatten. ®er Saifer mar nidjt geneigt, ben Stänben, bereu SBortführer ber (Sraf Ferbingnb_JŽItt£gt§ mar, alle früheren 9ted)te zurüdzugeben, er molite bielmehr and) bem S3ürger=, ja felbft bem 33auernftaube eine ausgiebige SSertretung im Sanbtage fidjern. ®ie 39iirger bon Steicrmarf hatten bem Saifer ihre Jßünfdje bezüglid) einer roirhmg§= bolleren Sßertretung auf bem Sanbtage in einem tDIajeftätSgefuihe borgelegt, baS bon ülnton 9ta§f)Dr 'n Seoben, 3ofef 2Beniuger in Änittelfelb unb F^nz in @raz „im fJIainen ber lanbeS= fürftlidjen Stabte unb ÜDIürfte Steiranarfg" unterzeichnet mar. SD er Saifer ernannte nun roieber, mie bie jmbilegierten Stäube münfdjten, aus zmölf borgefdjlagenen iötännern einen Sanbe»hauf)t= mann, berüdfiäjtigte aber and) bie Sßünfdjc ber 33ürger, inbein er bie 3ahl ber ißertreter be§ $ürgerftanbe§ bermehrte.1 Sämmtliche 1 Sibermann, $erfnijimg§frifi§ in ©ieiermarf jitr Seit ber elften franjbfifctjen 9teOoIutiDn. SDtittt). 21. — Stmof, Sic ©rafen von ÜtttemS in itjrem Sßirten in unb für ©teiernmrf. ©taj 1897 (Sorfcbungcn gitr $er= faffung§= unb 58ermaltung§gefc()irt)te von ©teiernmrf 11. $b.) Bürger ber 31 InnbeSfürftlidjen ©tiibtc unb 5Diärfte fiatten, toic fcfjon roiebeti)o!t ermähnt rourbe, bisher im Sanbtnge nur einen Vertreter, ben ©tnbtennirfdjnfi; üon jeijt an feilte jeber ber fünf Steife §toei 5lbgeorbncte roä|Ien, unb tum biefen feilte einer nud) 9Jiitg(ieb beS ßoöegiuinS ber itierorbneten fein. 3a nod) ineljr! ®er ßanbtag mufSte im 9Iuftrage beS SaifetS and) bnrüber beraten, roie ber Sürgerftanb mit ben übrigen brei ©tauben, „in eine mit $ermeibung aller Diedereicn ro ed)f elf eilige näljere SSerbinbung jum allgemeinen SBd()1c 511 fetten fein bürfte". 2)er ftänbifd)e 3In§fd)uf§ fragte barübet bic ©täbte unb iDiiirlte fotoie bie Sreistfaufitleute. 3m kanten be§ ©rajer Sreifes gab granj ,£)aa§ ein ©utadjten ab. @r ffirad) fid) entfdjieben gegen ben Sanbtag in feiner bisherigen ©eftalt aus unb tierlangte eine au§= giebige Vertretung ber Vürgcr unb Säuern; bod) müfSten biefe jroci ©tünbe als eine eigene S'örfierfdjaft ben brei anberen gegen= übergeftellt werben; alle Angelegenheiten müfSten jmcimal tier= hanbelt werben: juerft turn ben brei oberen ©tänben (ber erften Sammcr), bann timt ben Vertretern beS $ürger= unb Vauern= ftanbeS (ber ^weiten Santmcr). ©oltte biefe ©eftaltung beS Sanb= tageS umnöglid) fein, fo fei ber ßanbtag „außer aller Sßirffomfeii" 511 fe|en. 2)er Vürger IpaaS tierlangte alfo bie ^meitheilung beS ßanbtageS ober feine Vefeitigung, unb in biefetn fyalle bie Über« nähme ber ©efdjäfte beS ßanbtageS unb ber Verorbneten burd) bie Regierung. Von ben Sreishauptleuten ffirad) fid) ber tion DJtarburg ent= fdjieben gegen bie Vegünftigung ber Vürger unb Vauern auS; bie VMtufd)e biefer jwei ©tänbe fei eine fyolge ber franjbfifd)en 5Retio= lution, bereit Vüdwirfung auf Öfterreid) tierberblid) werben tonnte. 2)iefe Anfid)t würbe nad) unb nad) and) bei ber üfegierung maßgebenb. 3m Sahve 1790 entftanb in ©raj baS uniformierte VürgercorftS.1 2)ie ©ntftehung foll mit bem ©mfifange 1 ©albauf, ®ef(^i(^te bc§ ©iirgercorbS In ©raj. ©raj 1843. — 31 tu o f, fileinc ©eiträge jur ©efct)i(t)te ber ©teiermart u. f, in. ffllittl;. 17. beS [teierifdjcn |)erjog§^ute§, bet im 9)tai nad) ©raj jutitcf= ge6rac£)t roitrbe, in 3ufamirten^an9 ftefien. ©in ©leidjjeitiger crjdfjit: $cr 9Jiagiftrat 6efal)l bantalS bet 2Hirgerfd)aft, fid) „fo ni el al§ mogli d) in gleidje grüne Sode gefleibet unb mit Ober= nnb Untergeroetjr berfe^en bor bie ©tabt jn begeben unb bei ber Sinte en parade bie 9lnfunft ber [tanbifdjen deputierten mit bent £)erjogSl)ut ju erwarten. @§ tam nur eine geringe 9(njat)t ju= fammen, roetdje gleid) getleibet unb jugteidj mit 3agerbitd)|en ber= )e[)en war. die übrigen mad)ten eine buntfdjedidjte ©d)ar au§, bie, mit ©abein, degen, ^)irfd)fängern unb bergteidjen umgürtet, e()er ©elädjter al§ Stefpect erregen tonnte, dies bradjte jebermann auf ben ©ebanten, baf§ ber ?tnbtid einer uniformierten Uten ge ber= gleiten geierlidjteiten me^r berfdjönern inüffe als baS uuorbentlidje ©eroifdje bon braunen, afdjenfarbigen, rötf)tid)en unb fdjmärjlidjen ütöden". dal)et gieng man barnn, ein SürgercorpS ins Seben ju rufen. 3uerft würbe ein 3>ügercorp§ gebilbet, baS unter bem Sefet)! beS bürgerlidjen 33rauereibefi^erS Stidjarb ©eebadjer ftanb, bann ein ©abatteriecorpS, baS OorjugSmeife aus tütitgtiebern beS ,V)anbel5ftanbeS gebilbet würbe unb am 15. Stuguft 1791 ben erften feiertidjen Slufjug t)iett; enblid) entftanb baS ©orp§ ber ©renabiere. Oberft alter brei ßorpS war juerft ©eebadjer, bann ber Kaufmann Safpar dobter. 33on biefen brei GorpS fagt ein glcidjjeitiger 33erid)t: „Spr 3Inblid ift ebenfo angeuepm, als bie Crbnung berounberungSmürbig ift, wenn fic bei feiertidjen ©elegenpeiten parabieren." Unter ßeopotb II. üolljog fid) eine mistige tßeriinberung in ber politifdjen SSerroattung. @r trennte nümlid) bie inneröfter= rcid)ifcpen Sauber, roetdje feit bem ^Regierungsantritte SartS II. jufammengepörten unb gemeinfam berroaltet würben, unb errieptete für ©teiermarf, jgärnten unb Ärain je ein ©ubernium. der 2öir= tungStreiS beS ©rajer ©tattpalterS erftredte fid) baper nur über ©teiermarf. II. Sb Ibit ber Jfranio|enkrtB0B. 1. 2)tc frniijöfifdjc ütcbolution nnb it)rc Sirfintg auf Öftcrrcid) im attgcmeinen nnb auf ©tciermarf iuSbcfonbcrc. 3m Oorte^ien üiegterungSja^re 3ofef§ II. toar im Sbnigreidje granfreict) eine Stebolution auSgebroččjen, melctje ba§ ganje <5taat§= roefen bon ©runb au§ umgeftaltete. ®er Äönig mürbe in feinen 9tecf)ten befdjränft, aller Unterfdjieb ber ©tänbe aufgetioben, bie ®Ieict)I)eit nnb greifieit aller ^ranjofen auSgefprodjen. ®n§ 33oIf burcljbrmti in feinem ©rimme gegen bas Hönigtfjum, ben 9Ibel nnb bie ©eiftlidjfeit alle ©cljranfen ber ©efe|e nnb ber Drbnnng. ißiele ücr^afste ÜJIanner mürben ermorbet, bemoffnete ŽBoItšbanben burdijogen baS Sanb, plünberten bie 9ßaläfte, ©djlöffer nnb Sil öfter unb mifsfianbelten bereit Sßemofmer. Siele Sornefime nerliejjen ba5 Sanb, in bein fie i^re§ SebenS nictjt mef)r fictjer mären, unb and) König Submig XVI., beffen ©emafjlin DJIaria 9Intoinette eine Zodjter Starin $^erefia§, alfo eine ©djroefter ber Knifer Sofef II. unb Seopolb II. mar, fud)te fid) unb feine Familie burd) bie gludjt ju retten. Dlber er mürbe auf bcm Sßege gefangengenommen unb und) ifßariS juriidgebradjt. 9Zad) unb nad) gemnnn bie üßartei ber Salobiner einen großen 9Inf)ang unb ßinflufg. ©ie forberten am lauteften bie OoUftünbige Umgeftaltung aller $er()ältniffe, ^unädjft bie Sefeitigung beS König= tl)um§ unb bie .'perftellung ber Ütebublif, unb e§ gelang iljneu mit ^)ilfe ber unterften SolfSclaffen, ber befiblofen ^Proletarier, alle ^errfdjaft an fid) ju reißen. Obgleid) Kaifer Seopolb II. burd) enge gamilienbanbe mit ber fran§öfi(t)en Königsfamilie uerbunben mar unb bie au§ $ranf= reid) auSgemnnberten 91beligen unablaffig auf it)n einroirften, molite er bod) nid)ts Don einem Kriege gegen granfreid) roiffen; er fiirdjtete nämlitl), e§ tonnte baburd) bie Sßutl) beS franjöfifdjen SolfeS nod) mefjr gereift unb ba§ Beben feiner ©djroefter, ißre§ ©emaljlS unb iprer ftinber noct) mefyx gefütjrbet roerben. Übrigens ftnrb er fd)mt am 1. 9Jiär'5 1792. 2ßie ein erfahrener ©teuermann hatte er ba§ ©chiff beS öfterreid)ifchen ©taateS in fturmberoegter geic'tei-! ©ein ©ahn unb 9tachfolger ^rang II. luar ebenfalls frieb= liebenb, aber ber Srieg ronrbe ihm unb ben öfterreidjifchen tßbltern aufge^roungen. ®ie $ran§ofen nöthigtcn nämlich ihren Sönig, bem Saifer §ran^ ben Srieg gu erflären. ®ieS gefdjat) am 20. 9Ipril 1792, alfa flirre 3eit nad) feinem 9IcgicrungSantritte. ©o mufSte alfo ber junge ßaifer pm ©djmerte greifen. Dtiemanb ahnte bamalS, bafs ber fo leichtfinnig hei'nuf6efchroorene Krieg bis 511m 3al)re 1797 bauern unb unfüglidjeS @lenb über Sauber unb tßölfer bringen mürbe. Öfterreich fühlte ben Krieg, ben man ben erften 6oalition§= trieg »v. nennen gemahnt ift, juerft in $erbinbung mit Preußen. 9tad)bem aber König Subroig XVI. auf ^Betreiben ber Sßartei ber gafobiner hingetidjtet unb ffrantreich 311 einer Dtefmblil erflärt morben mar, fd)loffen fid) biefcn ^roei $erbünbeten noch anbere eurobüifdie 91iäd)te an, tum betten @nglanb befonberS 311 ermähnen ift. 5Der Krieg mürbe in ben erften Sahtett in ben 9?ieberlanben unb in ©übbeutfchlanb geführt, ffiäter and) in gtalien, roo ein 9Jtann an bie ©futm ber fran3öfifd)en 9Irntee trat, ber halb bie 2Belt mit feinem iJtuhm erfüllen füllte. 3)ieS mar ber ©eneral 9Iaftoleon 33ona))arte. 3m rafdjen ©iegeSlaufe brängte erbte Öfterreicher aus Oberitalien hinaus, fo bafs ihnen bafelbft nur bie ffeftung 9IZantua blieb, unb anfangs fyebrttar 1797 mufSte fid) ihm and) biefe nad) fmrtnädiger $ert()eibigung ergeben. 2M§ in biefe 3eit mar bie öfterreid)ifd)e ^Regierung burd) bie ©orge geängftigt, bafs bie tmn ben 3nfobinern uertretenen ftaat§= gefährlichen ©runbfä|e and) in Öfterreid) (Singang unb $er= breitung finben tonnten.1 3n 2Biett mürben mehrere hod)gefte(lte tßerfonen oerhaftet unb 511 harten ©trafen üerurtheilt. 3)er ©tatt= 1 S- 9Ji. 9)tat)er, ^afobinet in ©tciennart. 3eit)c()rift für allgemeine (Seftbithie 1887. f)olter bon ©teiermari © r a f ^5 (j 11 i p p bon 2ß e I § p e r 3 = a i 11 e n n n würbe aufgeforbert, über bic ©e[innung ber ©teirer nad) 2Bien 511 6erid)ten. @r tonnte im ÜJtärj 1793 berfidjern, baf§ fid) foroot)! in ©raj wie and) auf bem Sanbe 3tbfd)eu nnb ($r= bitterung gegen ba§ franjbfifdje $olt tunbgebe, ba§ feinen ßönig bem ©d)affot jugefütjrt nnb beffen Familie in fo fc^mät)Iid)er SBeife befianble. ®em ©tattlfalter würbe hierauf ber Sßunfd) beS KaiferS mitgettjeitt, eS möd)ten tünftig „feine franjbfifdjen ©rjie^er nnb ©rjiefjerinnen jur Silbung ber erbliinbifdjen Sugenb berroenbet werben". 9ttte§, wag irgenbroie an bie franjöfifdje Ütebolution mahnte, würbe je|t genau beadjtet. 9tlg befannt rourbe, bafg bie Äronwirtin in bem ÖZarfte fiinbberg im 9JZtirjtf|aIe bon gu()r= teilten eine franjöfifdje 9Jtiinje erworben tjatte, wetd)e in franjb= fifctjer ©tmufie bie Sßorte „grei^eit nnb @teid)()eit" nnb „fftefmblif $ranfreid)" jeigte, mufšte fie biefe SOitinje gegen eine ©ntfdjäbigung ausliefern, unb eS erfolgte bie ßunbma^ung, bafs fid) tünftig jeber, ber eine foldfe 9Jiünje tjabe, über ben ©rwerb berfeiben werbe ausweifen müffen. ®ie 6aft 110 in ^ubenburg unb Stnittelfelb, 3?ereinignngen ber ©ebilbeten ju gefellfdjaftlidjen Vergnügungen, würben unter tßolijeiauffid)t gefteßt, beim Verfammlnngen, roeldje 5)ireetoren wählen unb Ver()altungSmaf;rcgeln auffteßen, erregten 91uffel)en unb Verbackt. 3 mm er häufiger würben bie geheimen ütnjeigen unb Verbäd)tigungen üon Sßerfonen, welche man ftaatS= gefiil)rlid)er 9tnfid)ten befd)ulbigte unb bie man furjweg als Safobiner bejeidjnete. @S waren bieS aber größtent()eils foldje UZiinner, meldje für eine ftarfere Vertretung be§ VürgerftanbeS int Sanb= tage unb für bie SE^eilnaljme beS VauernftanbeS an ben Arbeiten bie)er SanbeSOertretung eintraten unb bie Vorgänge in ^ranfreid) genau tierfolgten. $ie Dielen geheimen Vnjeigen galten eine traurige SBttfung auf baS fociale Seben. „2Sn bem gegenwärtigen, feljr betrübten fdjrieb ber ^reiS^aufitmann iß u d) e r Don Subenburg bem Statthalter, „ift alles tioü beS 9(rgwof)nS, jeber ©cf)ritt, jebeS Sßort, jebe 91bfid)t wirb tierbüdjtigt." 3u ben DJiiinnern, cjegen meto)e man ben meiften Ergroo^u fjegte, gehörte ber $iirgermeifter 2Beninger unb ber ©^nbicuS 9J2 ü 11 n c r bon Snittdfdb unb ^ran; a a § unb 3ofcf Sari Si über mann in ©raj. Sinbetmann ftammte nuS Ungarn, [)ntte roeite üteifen unternommen, bie itjn fogar in baS ©aplanb unb auf bie Snfel 6el)lon bei Sorberinbien bractjten, unb fid) ^nletU in ©ra^ niebergelaffen, roo er ©Utarbeiter an ber „©rüber 3eitung" rourbe unb eine reid)e literarifd)e Sr^ätigfeit entfaltete. ®ie ge= Reimen 91n§eigen enthielten nid)t immer bie ©amen ber ©iänner, bie man befdjulbigen rootlte, fonbern gaben and) bloße ©nbeutungen unb überliegen es fomit ben $el)örben, ben ©djulbigen §u fiubeu. 2Bie gel)affig bie Senuncianten tiorgiengen, tann man barauS erfet)en, baf§ man fogar auf einen Sifcfjof hin^uroeifen roagte, ber nad) ben ©nbeutungen nur ber 9)ifd)of non Seoben, ©raf Don Güngel, fein tonnte. @§ roar aber in gan§ ©teiermarf niemanb, ber biefem jtoeiunbfieb^igjdhrigen DJtanne Stnfidjten unb Dlbfidjten ^utraute, bie man ben ^afobinern ^ufdjrieb. ©ine Dtn^al)! jener ©tanner, meldje im $erbad)te ftaat§ge= fafirlicfjer 3(nfid)ten unb ißläne ftanben, rourben tiert)aftet unb üer= hört, aber Don biefer Unterfuchung ift nid)t§ in bie Öffentlichfeit gebrungen. ®ie ,,©rä|er 3eitung" ttjeilte nur mit, bafS e§ in ©teiermarf ©ienfd)en gegeben, roeld)e bie ©taatsoerfoffung unter= graben rooBten unb 511 biefem 3wecfe eine „geheime SBerbinbung" eingiengen. 3hte ©träfe beftanb in Serferhaft Don Derfd)iebener Sauer. Siefe ©ättheilung erfolgte im ©türj 1797; im folgenben ©lonate betraten bie ©olbaten ber franjbfifdjen ©eDolutionSarmee ben Soben ber ©teiermarf. 2. Sic g-rangofen i« ©teiermarf 1797. 9tad)bem fid) Sonagarte in ben Sefit; ©2antua§ gefe|t hatte, fd)idte er feine -peere nach Samten bor.1 Son Slagenfurt aus 1 9. 9)1. 9)1 aber, ©teiermarf im ^rangofenseitalter. ®ra3 1888. mnrfct)ierte ©enernl 2)iaffenn, bem Sona^arte folgte, über ^riefac^ gegen bie fteirifc^e ©ren^e. Sei @tnöb tarn eS anfangs 9t))ril 1797 ju einem heftigen Kampfe. ®ie öfteneidjifcfyen ©renabiere fa()en fid) trotj iffrer SEa^ferfeit §um gtiitf^uge genötf)igt, unb bie gran= ^ofen rücften am Storgen beS 3. 9It)ril in flfeumarft ein unb erreid)ten bei ©djeifüng bie SDfur. ©enernl Sonaparte na^m im ©eljloffe ©djrattcuberg einen furzen 5(ufent()alt. 9tad) einem neuen ©efed)t tior Un^martt nahmen bie f^einbe biefen Ort, rooranf fie nad) Subenbnrg unb bon ba nnd) Snittelfelb mnrfdjierten. 2tl§ Sonaparte am 7. Sbril im 9ßfarrt>ofe 511 ^ubenburg fein Hauptquartier auffdjlug, erfdjienen tior if)m als 2I6gefanbte beS ÄaiferS ^ran^ §mei ©enerale, mit benen er einen Sßaffenftillftanb tierabrebete, mü()renb beffen ber Triebe gefd)Ioffen roerben foKte. 3n^tiifd)en rüdte 91taffena roeiter unb befetjte Seoben unb Srud, unb tion ba marfdjierte eine Slbttjeilung ^ran^ofen gegen ©ra^. Sonaparte aber nat)m fein Hauptquartier in ©öf3, too er bie 2ßof)nung beS SifdjofS tion ßeoben be^og. Oer ©inbrud, ben bie fremben ©olbateu auf bie ©teirer madjten, mar ein ungünftiger. llugeroötinlid) erfdjien, bafS Officiere tnie ©olbateu eine Stenge SBeiber unb Sinber mit fid) führten, bereu $ßünfd)e ober ^orberungen ebenfo beaä)tet roerben mufsten roie bie ifjrer nüinnlidjen 9tngel)örigen. Oie meiftcn ©olbateu trugen einen breiedigen niebrigen Hut, einen bunfelblauen ^rad unb Sein= fleiber tion berfelben garbe, anbere giengen in geraubten S8auern= fleibern einljer, Dielen mangelten bie ©djulje. s21n üfren Sajonetteu trugen fie Šrot, ©ped unb ©eflügel aufgefpiejft. 9(n ©teile beS ©tattpalterS unb feiner Seamten, roetdje roie ba§ Stiütür in biefer 3e't ber 9tott) baS Sanb tietlaffen Ratten, beforgte eine SanbeScommiffio n bie öffentlichen ©efdjafte. Oer $orfi|enbe roar ber SanbeSliauptmann Sari 01)omaS ©raf $ renn er, beffen ©teötiertreter ber Sürgermeifter tion ©ra;, Dr. S'ofjnnn 9Jtid)ael ©teffn. tKufferbem gehörten ihr u. a. an: ber ^ürftbifäjof tion ©edau, ©raf 3ofef tion 21rco, ber 91bt tion Sein 916unb Suntf d)n 1, bie ©rufen" 33ranbi§ nnb ^erbinunb Site m §, bie Herren bon <5 d) i cf nnb 3 a f o m i n i, enbRci)" mehrere Sitrger, barnnter ^affmr $ obl er, 9tnbrea§ Sct)fnin nnb ffrun^ £>aa§. ®iefe Gontmiffion fant ifjrer fcfjtberen Aufgabe mit DJiutt) nnb SuSbauer nad), giir bie offentfidje ©id)er= f)eit forgten bie brei SürgercotftS nnb bie Sürger, bie fid) of)uc Uniformierung unter ber allgemeinen „©tabtfalfne" berfammelten. $iefe roaderen SStirger ernteten für ifft erfolgreidjeS SBirfen ein= ftimmigeš Sob. ®er iDžann, bet an il)rer ©fti^e ftanb, Safftar ®obIer, l)at fič^ um bie Saube§t)nuf)tftabt feljr berbient gemadit. 3u ©ra^ im gnijte 1759 geboren, Ijatte er einige gnijte beim SDtilitiir gebient, bann mit bem ©rafen SBeif^arb bon 5Erauttman§borff eine ^toeijiiljrige Dtcife gemadjt nnb Ijierauf ba§ blü^enbe §anbel§gefd)iift, baS fein $ater in ©raj gegrünbet, übernommen. $ie boöftünbige $e^errfčf)ung ber franjbfifdjen ©ftradje fam i£)m, bcr ©tabt nnb bem Sanbe bortrefflid) ju ftatten. 9tl§ man am 10. Spri! in ©raj fidfere Sadjridd erhalten I)attc, baf§ fid) bie f^einbe ber ©tabt näherten, begaben fid) ber Oberft beS 23ürgercorf)§, Safftar ®obler, mit einer Sbiffeilung Sürgercaballerie nnb einigen 9JtitgIiebern ber Sanbegcommiffion jur 2Beinjettelbrüde, mo man bie feinblid)en ©enerale, bie iljrem §eere borauSgeeilt maren, emftfieng. Srn 9(benb bc§ 10. Sftril riidten bie ffranjofen in ©raj ein; fie naljmen it)ren SBeg über ben Senb=, ben ©rieSbUUi unb bie Safominiborftabt, jogen burd) ba§ eiferne 24)or in bie ^errengaffe nnb fteKten fid) auf bem §auf)tt)la|e auf. ©emeinfam mit bem Sürgercorftg lieferten bie granjofen bie §auf)tmad)e unb bie ©fjrenfmften. 9tad) 9Jtitternad)t erfd)ien aud) Sonaftarte in ©raj unb nat)in feine $Bof)nung im §aufe beS ©rafen ©jriftian ©tubenberg, §errengaffe 13. 9Im 11. Sfiril befe|te ein 24)eil ber granjofen ben ©ä)Iof§berg, ein anberer bejog ein Säger auf ber 9ticS. 91m 9Jtorgeu be§ 12. Spril mufSte fid) bie Sanbegcommiffion Oerfammeln, roorauf Sonaparte ben jum ©tabtcommanbanten ernannten ©eneral tßeaumont mit bem Aufträge ju ben Skrfammelten fdjitfte, i^nen ben (šib be§ @e()orfam5 für bie fmn^bftfcfje OiefmMif abjitnelmen. (Sercdjtc @ntmftung bemäditigte fid) aller 9J(itgüeber ber ßommiffion bei biefem 'änfinnen. „SQ3ir fiaben", erflärte ber ^ürftbifdjof non ©edau, @raf üon 21 reo, ball eblen 3ome§ / „Sr. 9J?aje[tüt unferem Saifer ben @ib ber SEreue unb be§ ©eljorfamS gefdjtooren unb roerben biefer ftemben gtefmblif nie einen (šib leiften." 21He übrigen 9Jiitgliebet ber ßoinmiffion ftunmten freubig biefer mannhaften @r= ftärnng 51t, tooranf Seaumont fd)roeigenb ben ©i|ungSfaal tierlieg, ißor bem 5£t|Dre beS Sanblfnufež traf er SBonagarte, ber fdjon im üteiferoagen faf;, ba er nad) Seoben ^urüdfetiren roollte. 3)et Obergeneral forberte unter OrotjlDorten bie Stiftung be§ @ibeS, fuhr aber fofort aus ber Stabt unb begab fid) roieber nad) (Sog. $)ier erfchienen al§ faiferlidjer ©efanbter ber ©raf tion sJJtertielbt unb nad)her auch ^ei' 9Jtarqui§ be ©allo. 3n bem ©arten« häufe be§ Seobner 23ürger§ 3ofef ©bien tion ©ggenroalb ^u Seoben fanben Unterhanblungen ftatt, bie am 18. 24ml ^u einem tßorfrieben führten, bem erft im October ber Triebe tion ©am))0 = formio, einem Schlöffe bei Ubine in grunti, folgte, tßonafmrte traf am 22. 21f)ril roieber in ©ra^ ein, ba§ er erft in ber 9tad)t tiom 26. auf ben 27. tierlieg, um fid) nad) Italien 51t begeben. @rft am 4. 2Jtai tierlieg bie legte 21btt)eilung ber feinblichen Sol« baten bei gran^ ba§ Sanb. $on ben Dielen fputer fo berühmt geroorbenen fran§ofifd)en ©eneralen befanben fid) im 3al)re 1797 in Steiermarf auger 2Jtaffena auch 9Zet), Satiouft, SanneS, 93ernabotte, $ert()ier, 2)tar= mont unb 21ugereau. Segterer h^lk f6©6 militarifche Saufbahn in ber öfterreid)ifd)eu 21rmee begonnen, au§ ber er ^roeimal befertiert roar. Steiermart frotle roührenb biefer erften Sefegung burd) bie ^ran^ofen tiiel gelitten. 3)enu biefe nahmen nicht nur alles Staats« eigentljum in 21nft)rud), fonbern forberten überall and) SebenSmittel, Kleiber unb ©elb, raubten unb glünberten unb tierlangten bie @mc£)timg Don ©pitiilern, bie mit allein Dtotfngen berfe^en to erb en mufSten. $te $iirger bon ^eggau berbnrgcn im 31pril ifire §ab= feligfeiten in ber ©teintoanb; aber einige ^ranjofen, bie bei bem DJtarfte lagerten, tletterten „mit Sencf)tern unb ©panfadeln in btefen Reifen wie Sa|en tjerum, fanben baS berftedte 6igentl)um mieber unb mad)ten ba§ Dtnftänbige jum ütaube". ^n ©rnj toar ba§ 23enel)inen ber granjofen weniger feinbfelig al§ an anberen Orten, bielleidjt, weil f)ier nie DJtangel an SebenSmitteln eintrat. Dtan fjat beobadjtet, baf§ bie geinbe gifdje, ©emtt[e unb @ierft)eifen bem ^leifclje borjogen unb baf§ fie im Zrinfen ben SDeutfdjen nicf)t nacl)(tauben; fie geigten eine „fiier noct) nie gefeljene (Settbttjeit, SBier, SBein unb Siqueure ju berfdjlingen". Oie Umgebung bon 33rud litt bielleid)t am weiften; in unberfdfümter Söeife würben bie SebenSmittel bergeubet, fo baf§ unter ber 33ebölferung halb Dtott) eintrat. 3>m ©ebirge mürbe mand)er biefer übermüt^igen fjeinbe bon ben Säuern unb Jpoljfnedjten erferlagen ober erftroffen. 91m berrufenften mactite fii| bie Oibifion DJtaffena, ber „Dtaub, ffltorb unb Sranb immer jur ©eite" gieng. 9U§ DJtaffena abjog, fdjrieb ein Serid)tcrftatter: „@r nal;m unfere Seradjtung unb unfern fflud) mit." Siele fteirifdje Familien Ratten bor ber 91nlunft ber §ran= pfen bie glud)t ergriffen unb fiel) nad) Ungarn gewenbet, wä^renb anberfeitž §al)lreid)e ^lüctjtlinge aus Klagenfurt, ©örj unb Saibact) nad) ©raj gefommen waren, wo fie blieben. Oie Sewolfner bieler Oörfer bergruben itjre ^abfeligfeiten unb flüdjteten fid) in bie Serge unb SBälber; e§ gab and) foldje, bie bereit waren, mit ©enfen, Siegeln, .lpeu= unb Stiftgabeln bewaffnet, ifjre Heimat 51t ber= tffeibigen; bod) ift e§ ju Kämpfen jwifdjen bem Solle unb bem f^einbe nirgenbS gefommen. 3. Oie g-rmijofcn in ©teiermarf 1800. 3m Snf)1'6 1799 begann Öfterreid) in Serbinbung mit @ng= taub unb ütufSlanb abermals einen Srieg mit ber franjbfifdjen iRepublif, ben man ben jweiten SoalitionSfrieg nennt. 28 90i n t) e r, ©efd)i(^te ber ©teiermarf. Sin ruffifdjeg §eer jog bom SOJiirj 6i§ jum Suit in jtoet 916= tfieilungen burd) ©teiermarf naš Stnlien. SI)t' Oberbefehlshaber to ar bet berühmte ©eneral ©urok,roto, ber feinen $Beg burd) bas IDtiir^thal, über Seoben nnb Subenburg nahm. 3Jian hntte bor ben 9tuffen grojfe ^urdjt, beim e§ mar ba§ ©eriicht berbreitet, bafS fie fogar Heine Sinber berührten. ®a aber in allen Orten, mo fie fid) aufhielten, für gute SSerfiflegung geforgt mar, fo gieng ber $utd)= marfč) ohne größere Söctäftigung ber SBeroohner bor fitt). Sie Slerbiinbeten famfiften auf allen Srieg§fd)aufilätjen glüdlid) mit ben fran^öfifchen feeren. s2HS aber Sonafiarte, ber fid) beim 5lu§brud) be§ Krieges in ?tgt)f.)ten befunben hatte, nach feiner Stüdfetjr ben Oberbefehl in Stalien übernommen hatte, erlag Öfterreich, baSbon gtufslaub berlaffen roorben mar, auf allen SriegSfihaufdütjen. Sn ©übbeutfdjlanb erlitt baS öfterreichifd)e §eer, ba§ bon bem nd)t= zehnjährigen 6 r z 1)e r š 0 g S d h n n n befehligt mürbe, anfangs SDecember 1800 eine Dtieberlage bei § o t) e n 1 i n b e n in ber Utähe bon 9JZünd)en. hierauf erfchienen in ©teiermart bon ©aljburg her bie fogenannten ©onbeer, ein ^)eer, meld)e§ ber ^rinj ßubmig bon 6onbe gemorben hatte, unb baS nach ber ©djladit bei ^tohenlinben bon ben $ranzofen am Sun jerfftrengt morben mar. Sn biefem fonberbaren ^)eere befanben fich fel)r biele ©enerale, nid)tftreitenbe 9lbelige, SBeiber unb Sinber. 9lm 27. Oecember zogen bie Sonbeer burch SDZautern, roo nach bem im 9)Zarftbud)e enthaltenen $erid)te bie „bornehmften Samen in benen fd)lechteften Räufeln fid) ber 9Zad)t bebienen" mufSten. ©onft fagt biefer 39erid)t: „Sei biefem (SotpS befanben fich bie meiften fet)r grobe unb ungefittete Seute. "■ Set Sßrinz bon ßonbe hatte fein Hauptquartier in Seoben unb zog. bann nach Unterfteier, roo er fein ßorpS auflöste. Sie granjofen marcn nach bem ©iege bei Holjettlinben rafd) nach Oberöfterreich unb ©atzburg borgerücft unb erfdjienen bon ©teter her am 27. Secembcr in ütltenmarft. H’e unb ba mar ber SBerfud) gemacht roorben, baS 33olf zu bemaffuen; bie 9)Zünner bon Stuffee unb ber Umgebung zogen beherzt mit SB affen unb. „o((eri)nnb gräulichen Instrumenten" au§, aber ju Sänibfen tarn eS nict)t. $on öltcnmartt au§ befebten ine gran^ofen ©ifener;, Seoben unb bn§ gan^e obere $)|tur= foroie baS @nn§tfint unb ütuffee. 9Iuct| bieSmnt Setjtte e§ an tßlünberungen unb ©rpreffungen nicht. ®er Pfarrer bon (šifenerj berichtet: „2Bein, $ier unb SBrantroein burften nicht in geroöf)nlichen Zrinfgefd)irren, fonbern mufSten in ©chäffern ^ugetragcn roerben, fo baf§ bie ©charen ber ^ammernben, $ragen= ben unb Saufenben mehr einen SSranb al§ bie Sebienung müitä= rifcher ^rernben berrathen hätten", unb ein anberer ^Berichterstatter meint: „@in 'Jtegiment ©abaöerie, So in unb um gtottenmann lieget, finb alle bom Sucher abgeSanbt roorben, um bie 9Jtenfcf)en 511 plagen." ®a ben gran^oSen alle SBünfthe erfüllt roerben mufSten, fo führten fie in unferem ßanbe ein recht behagliches ßeben. 3'u 9Jturau unb Seoben gaben fran^bfifihc Officiere SheaterborfteKungen: in iDturau führten fie ben „SEob ßäfarS" unb in Seoben Schillers „gtäuber" auf. 3n 91uffee berfauften fie felbft baS ©al; unb nahmen baS (Selb für fiel). $>er ^roeite ßoalitionSfrieg enbete mit bem ^rieben bon Sunebille in Sotfitingen, ber am 9. februar 1801 abgefchloffen rourbe; boch erft im Dtar^ berliehen bie lebten f^einbe ©teiernmrf. 2)ie entlaffenen ßonbeer aber ftrichen §um ©chaben ber Seroohner noch lange im Sanbe umher; ba§ ^reiSamt sJ)tarburg roieS am 8. 3uni alle Dbrigteiten an, bie „in biefem Greife befinblichen Gonbeer alfocgleid) unb ohne roeiteren Aufenthalt nad)er (Sra^ 511 roeifen". Sein „folcheS 3nbibibuum" füllte nad) einer ^roeiten Sunbmachung im Sanbe gebulbet, fonbern fein Aufenthalt angegeigt roerben. Allmählid) berloren fich biefe Seute, bie als ffreunbe Öfter= reichS nach ©teiermarf gefommen unb h'61-' eine Sanbf)lage ge= roorben roaren. 4. 2)ic ^rmijofeu in ©teiermarf 1805. 3m 9)tai 1804 erreichte ©encral 9tapoleon SBonabarte baS Siel feines ehrgeizigen ©trebenS: er rourbe zum erblichen Äaifer ber 28* grnn^ofen ouSgerufen. $te golge btefeš (šretgniffeS mar, baf§ fid) im iÄuguft aud) Inifer granj ben Site! eines erblidjen SniferS tion Öfterreid) beilegte. 3n ben (šinrictjtungen bet öfterreid)ifd)en Sünber trat fiieburd) jebod) feine Anbetung ein. <5djon im folgenben 3at)re unternahm Öfterreid) im Sunbe mit gtu^Ianb einen neuen Krieg mit granfreid), toeldjer ber Krieg ber brüten Koalition genannt roirb. Sind) bieSmal Ijntte Öfterreid) Unglüd. Kine öfterreid)ifd)e Ütrmee, roeldje unter bem (Seneral Karl bon 9Jt a ä burd) ©üb= beutfd)lanb bis Ulm tiorgerüdt mar, mürbe tion Staboleon einge= fd)Ioffcn unb jnr Kapitulation gejmungen. ®iefer entfe|Iid)e @d)tag patte ^ur f^olge, bafS bie Q-ran^ofen rafd) gegen Öfterreid) tior= brangen unb im Dtotiember SBien befe|ten. sjtuf bie 9tad)rid)t tion bem Unglücfe bei Ulm tierließ Krjperjog Karl, ber in Oberitalien glücflid) mit ben granjofen gefämpft patte, biefeS Sanb unb jog burd) Krain unb ©teiermarf, roo er bie aus Siirol peranfommenben öfterreicpifcpen Gruppen aufnapm, nad) Ungarn. 3n ©teiermarf patte aud) bieSmal eine ßanbeSabminiftration bie Seitung aller öffentlicpen ©efcpüfte übernommen. 3pt geporten an ©raf f^erbinanb 31ttemS, ber im 3apre 1801 tiom Kaifer 5um SanbeSpauptmann ernannt roorben mar, ber ^ürftbifcpof tion ©edau, bie 9Ibte tion Ülbmont unb 9tein, ber ©rajer Sürgermeifter granj Oirnpöd, §err tion Safomini, Kafpar Oobler u. a. Kine fran^öfifd)e Ebtpeilung unter ©eneral Oationft erfcpien anfangs llotiember bei 9Jtaria = 3ell unb tiertrieb bie bort ftepenben Öfterreiiper, bie fiip na cp 9Iflenj unb $rud unb enblid) nad) ©raj juritdjogen. ®ie granjofen pausten in bem SBaHfaprtSorte in entfeplitper 2Beife. Sille Käufer mürben geplünbert, alle @eratp= fcpaften zertrümmert, in‘ ber Kinpe mürbe $iep gefcplad)tet unb ©peifen bereitet. $er foftbare ©cpap beS ÜBaHfaprtSorteS mar recptjeitig na cp Ungarn gef (pafft roorben. Kine anbere feinblicpe Slbtpeilung brang unter ©eneral Sltarmont im KnnStpale über Slltenmarft, §ieflau unb Kifenerj nad) Seoben tior unb befepte bo§ obere SUurt^al. Siele Familien ati§ Ofterreicf) unb Oberfteier to aren nncl) ©raj geflogen, ro o e§ nncf) bem $erid)te etne§ 3eitgeno|'fen fe^r lebhaft jugteng. „Überall fat) man 3ßacftoagen unb ©tjaifen mit 2tu§toanbernben, in allen ©tragen begegnete man Steifefertigen unb ßeuten, bie iljr ©gentium von einem tpaufe in ba§ anbere, von einem SEljeile ber ©tabt in ben anberen in ©id)erl)eit jn bringen befd)äftigt waren." 91m 16. StoVember rüdte DDtarmont mit bem ^aupttgeile feiner 91rmee in ©raj ein, wo er eine 2Bofmung im 8e§liel)ofe (Joanneum) bejog. @r Verlangte bie 3nf)lung einer DJtiflion ©ulben, begnügte fid) aber enblicf) mit ber •fpälfte. Sie SanbeSabminiftration mufSte, um ben gorberungeu ber geinbe genügen jn tonnen, ein freiwilliges 91nlel)en au§fd)reiben. Siele ©egenben in Oberfteiermarf befanben fic^ in einer feljr traurigen Sage. „©aHenftein, (Sifenerj unb Sorbernberg", ^eiftt e§ in einem Serid)te, „finb rebenbe Seweife be§ menfd)Iid)en ©lenbs; 9Jtaria=3üI ift ber £mnger§notf) preiSgegebcn, bie Sejirfe @^rnau, DOtaffenberg unb ©ög, bann 9Jtürjjufd)lttg, Sinbberg unb Stapfen= berg finb bttrd) bie häufig geforberten Stequifitionen gIeid)faH§ erfdjöbft." Sou Srud, baS für ein fran^öfifdjeS ©pital forgen mufSte unb oft burd)§iel)enbe§ DJtilitär patte verpflegen ntüffen, wirb beridjtet, bafS, „wenn biefer augerorbentlitpe groge Slufwanb nod) länger fortbauern füllte, alle piefigen Sewopner ipre Käufer verlaffen müfSten unb weit lieber ben Settelftab ergreifen würben, als ein ©d)lad)topfer beS Jüngers ju werben." SafS überall 5ßferbe, Oipfen, Kleiber, §04, 9Jtepl, Sffiein, §afer u. bgl. in groger DJtenge geforbert unb weggenommen würbe, bebarf feiner ©rwäpnung. Staifer Sapoleott gewann am 2. Secember bei 91 u ft e r 1 i | in Stapren einen ©ieg über baS Vereinigte ruffifcp=öfterreicpifcpe ^)ecr. Starmont war beauftragt worben, mit feinen Struppen und) SBien ju jiepen; er 30g am 5. Secember von ©ra§ ab, feprte aber fcpon am 12. wieber jurürf. Sie ffeinbe traten je|t übermütpiger auf als frfiper. Sa ber in ßaibacp ftepenbe ©eneral Staffena Struppen nacp Unterfteier Vorgefcpoben patte unb alfo and) SiHi unb Starburg, bom geinbe 6efe|t waten, [o lag ganj ©teiermarf gef eff eit §u ben ^üßen be§ etbarmungšlofen ©tegerS. Stapoleon forberte bom Sanbe ©teiermarf eine Kontribution bon faft feä)3 SRifiionen ©ulben. ®ie ßanbe§=5Ibminiftration fi^ricb nun allen SBefi^ern unb Korporationen bie ©ummen bor, bie fte jaulen mufSten. Slber e§ war aujjerorbentltcf) ferner, biefe Selber Ijerein^ubringen. Übri= gen§ erprefSten bie ©enerale, bie nieberen Officiere unb felbft bie ©olbaten bon ben Bürgern ber befetjten Ortfdjaften bebeutenbe ©um= men. $on ber großen Kontribution würbe juletst boct) nur etwa eine 9)titlion gejault. 31m 27. SDecember würbe ber Krieg burd) ben ^rieben bon ißrefsburg beenbet, bod) erft SJtitte Sännet 1806 betliepen bie geinbe baS Sanb; nod) auf bem 2Bege Oerlangten fie in allen Orten, befonberS aber in 50tarburg unb Kiöi, groge ©elbfummen „als @rlenntlid)leit für baS gute Senegmen ber Gruppen". 5. Sic graitjofcu tu ©tcicrmarl 1809. Sa fid) ein groger Sljeil ber beutfdjen dürften unter ben ©d)ug 9tapoleon§ fteHte, fo legte Kaifer Stanj II. im 31uguft 1806 bie beutfdje Kaiferfrone nieber, womit baS beutfdje Kaifer= reid) ein Knbe gatte. Sn biefem Sagte übernagm Krjgerjog Karl, ber $ ruber be§ KaiferS, bie Seitung be§ Kriegs wefenS in Ofterreicg unb fügrte biele 23erbefferungen burd). 3In ben ©renjen würben Sergaue angelegt. 3tud) würbe bie Krridjtung einer Sanbwegr angeorbnet, beten Organifation Krjgerjog Sogann übernagm. 2ßie in anberen Sünbern begrügte and) in ©teiermarl bie SBeböllerung biefe neue Kinricgtung mit greuben; bergeiratete Sltänner, junge 33urfd)en unb ©tubenten boten fid) an, bem $ater= lanbe in ber 3^it ber ©efagr ju bienen. Sw ganzen tonnten in ©teiermarl breitet)n Bataillone gebilbet werben, fünf babon im ©rajer Kreife. Sgre Kommanbanten waren bie ©rafen f)r§an, b’SlbernaS, genon, KottulinStt unb ber Btajor Steigert Subwig Don Rummel. ®iefe fünf SntniHonc waren 6000 93tann ftarf unb bilbcten eine Srigabe, bic unter ber Seitnng bež ©enetglž ©ebottenborf ftanb. ©anj Öfterreict) glic^ im 3a^re 1808 einem grofjen £>eer= taget, unb im fotgenben 3al)te fiinbigte bet Saifet gtanfreicf) aber= malž ben Stieg an. Im 24. ötätä 1809 fanb in ©raj auf bent ©laciž Dot bet Seedjfmlje eine ertjebenbe geiet ftatt. ®ie Sataittone bež ©rajer Steifes waren tjier aufmatfd)iert, benn eš foftte bie SBeilje unb Übergabe bet galfnen Dorgenommen werben. ®er ®omfirof}ft lüftet t)ielt eine ^rebigt, worauf ber ^ürftbifdjof eine 9)?effe laž. 9iad) berfelben würben bie ^atjnen geweift, bie bon bem ©rjljerjog Sofjanu ben SataiÜonen überreizt würben. ®er 5Eagežbefef)t wies auf bie ©ntftctjuug ber 8anbwef)r in ben 5fterreid)ifd)en Siinbern ()in. „ütud) ^nnerofterreid) wetteiferte mit ben übrigen ißroDtnjen ber 9Jionard)ie. ©betmann unb SMirger, @utžbefi|er unb ©taatž= beamtet, Sauer unb §anbwerfer, ©etefirter unb Saufmann — atteS, alles ftellte fid) in bunt gemifdjten 'Jteiljen unter baS panier bež SaterlanbeS." Öfterreid) fanb bamalS feinen SunbeSgenoffen, fo bafS eS allein in ben grofjen Sambf jo g. (Eine öfterreid)ifd)e Srmee rüdte unter bem Obcrbefel)! bež ©rj!)erjogS Sari burd) Oberöfterreid) nad) Saiern Dor, würbe ober in mehreren ®efed)ten befiegt, fo bafS fid) ber ©rjljerjog burd) baS füblidie Söffmen gegen bie ®onau bei 2Bien jurüdjog; 9taf)oIeon aber rüdte eilenbS auf bem rechten Sonauufer und) SBien unb befetjte biefe ©tabt. Sn ©teiermarf l)ntte and) bieSmal eine aus jwanjig 9üit= gliebern befteljenbe SanbeS = 9Ibminiftration bie Seitung ber öffentlidjen ©efdjiifte übernommen. $aS ©ubernium leitete ber Sicefmifibent greifierr Don ^ingenau unb nad) beffen ©rfranfung ber ©raf ffranj ®ietrid)ftein. Sein @rjl)erjog Sol)ann war ber Oberbefel)! über bie in Oberitalien fteffenbe ütrmee anbertraut, ju ber and) bie fteirifdjen 8mientn4>t>en unb bie fünf 2anbroe()rßntaillone gehörten.1 $iefe 5trmee fumfifte glücfüÄ) gegen bie granjofen unter beut ®efe()Ie be§ 3Sicefönig§ tion Italien @ugen 5ß e a u [) n r n a i §, beS ietrid)ftein am 10. üluguft bem Krjherjog Johann, „ber SßerfaH ber ißrooinj auffallenb; nur ber balbigfte Triebe ober Sftieg bürfte ©teiermarf unb befonberS ©raj Ijelfen." 311» bie tierlangten ‘Summen niä)t gejault werben tonnten, mürben am 18. September ber gürftbifctjof Soljann griebrid) ©raf 2B alb ft ein, ©raf Sgnaj 3111 e m §, ber für feinen $ater, ben SanbeSpauptmann gerbinanb 31ttem§ eintrat, ©raf ©ajetan tion 3$ i 1 b e n ft e i n unb ber §anbel§mann 3 g n a j © ob o 11a ticrl)aftet unb auf bem Sd)lofSberge gefangen gefeljt. ,,3d) werbe broben and) tein ©elb madjen tonnen", foH bamalS ber ^ürftbifdjof auSgerufen paben. 31m 27. September, al§ ein SEpeil ber ©ontributien gejaplt war, würben bie ©efangenen entlaffen. 5Der Krieg würbe am 14. October burd) ben ^rieben tion SBien beenbet, ber u. a. and) beftimmte, baf§ bie Sefeftigungen be§ Sd)lofgbergeS gefprengt werben füllten, ©rjperjog 3opann bat ben Kaifer, fidj für bie ©rpaltung ber Sd)lof»bergbauten ju ßermenbcn. 9)tan bot für bie ©ebänbe 150.000 ©alben, aber ÜJtacbonalb blieb unerbittlid); e§ piefj, baf» er „tior 9tapoleon gittere unb unbeftecplicp fei". Sie ffranjofen tier= tauften alles §o!ä unb ©ifen an bie 9Jieiftbietenben, legten 9Jänen an unb führten ba§ 3erftbrung§toer$ im ütotiember unb Secember burdi. 9Jlit ber 3etfiörung be§ großen 33runnen§ würbe am 15. Diotiember begonnen, bod) gelang fie nur untiöUftünbig; bann würbe bie lange 33atteric, bie gegen ben ©raben ju ftanb, jerfprcngt. „Sie Sd)Wärje be§ ipultierbampfeS", fagt ein gleidjjeitiger 33erid)t, „gemifcpt mit ben pellauflobernben flammen madjten biefeS traurige Sdjaufpiel bem 3tuSbrud) eines SßuIcanS gang üpnlid), unb bie jerftäubten Ultauertpeile, gemifä)t mit ungeheuren fötauerftüden unb grofjen Steinen, ftrömten gleicp ber Sana über bie SSertiefungen beS SergeS in 9taucp= unb Staubmolteu perab." Sie auf bem Sürgertpurme befinblid;e Upr mürbe tion ben Bürgern in bie Stabt gefüprt, ber Spurm würbe nur wenig befcpäbigt. Sie 3Befi|er ber Käufer in ber unteren Spor= unb in ber Sactgaffe erreidpten burd) Soplung tion 2000 ©ulben bei bem ©enie=6ommanbanten, bafS bie über ipren Raufern befinblidjen SCßerte nid)t gefprengt, fonbern abgetragen mürben. Ser Spurnt mit ber Safe! war tion ber 3erftörung ausgenommen. Sie Siefel ertauften bie 33ürgcr um 2000 ©ulben; als fie aber biefe Summe ben ^tanjofen überbract)ten, er^öljten biefe ben ÄaufbreiS auf 2840 fl. 3n bet erften §älfte beS Jänner 1810 ^ogen bie geinbe ab, roorauf am 13. 3'änner öfterrei(|ifd)e 5Eruf)f)en in ©ta^ eintüdten. 3ebe $efe|ung beS ßanbeS bunt) bie gran^ofen Ijatte 2lrmut unb @lenb im ©efolge. sHlle Orte, roeldfe bet Stieg betüfirt Ijatte, mürben bau Seudjen unb großer Sterblidjfeit bettoffen. 3nt 3a^re 1809 tierbreitete fid) bet gledt^^uS, b am als ittertienfiebet genannt, über baS gange Sanb, unb erft @nbe 9Jtai 1810 erlofä) bie fd)red= lid)e ©fnbemie. $on ben Stiegen, roe!d)e Öftetreid) in 9Serein mit anbeten Staaten mit Dtafmleon in ben Satiren 1813 bis 1815 führen mufste, mürbe Steiermarf nidjt unmittelbar berührt. 91ber eS mürben titele sJJtilitarauSl)ebungen tiorgenommen unb bie Steuern blieben l)od). Sn ber ©egenb tion 91uffee mufsten Sdjangen auf= geroorfen roerben, unb Srantljeiten griffen um fic^. ©in ÜIrbeiter fdjrieb bamalS in fein 5£ngebud): „Obrooljl ber 91nffeer tion fftatur aus gut §eiterfeit geneigt ift, fo tonnte bamalS fein Utenfcf) fröl)liä) fein, roeil niemanb mufste, melden 9luSgang bie SriegSgeit nehmen roerbe." $on 1815 bis 1835 regierte Saifer I. in ^rieben über Öfterreiä). III. 3u 3ft*ißbßns|eit 91n [ben folgen ber langen Stiege Ijatten bie 33eroolfner Öfterrei(|S noc^ lange gu leiben. SEroti ber t)o^en Steuern, bie roäljrenb biefer SriegSgeit eingeforbert roerben mufsten, tiermeljtte fid) bie StaatSfdjulb, unb baS tflnpiergelb, bie Santogettet, tierloren faft i^ren gangen 2Bert. $)a fditieglid) bie Summe ber Sanfogettel 1060 9Jtillionen betrug, fetjte bie Regierung il)ren 2Bert auf ein fünftel beS 9tennroerteS lierab: fie gab ein neues 9ßaf)ier= gelb aus, gegen roeldjeS baS alte umgeroedjfelt mürbe, bod) fo, bafs man für einen früheren ©ulben nur groblf Sreuger betam. 995er alfo ein Vermögen tion 10.000 ©ulben befaß, ßatte jeßt nur 2000 ©ulben. ®urd) biefen Sanfrott mürben niele gmniüen |ef)r §art betroffen. @rft burct) bte ©rünbung ber 9tationaIbanf (1816) befferten ficf) bie tßer^ältniffe einigermaßen. Su ber Sebölferung non ©raj geigte fid) in biefen 3eiten ein bebnuernSroerter 3roteftK'It- ®ie fiegreid) beenbeten gelbjiige ßatten im ÜJtiiitärftanbe ein ftarfeS ©elbftgefüßl geroedt, unb ba ber 9tbel jnm 9Jtilitür= ftanbe Ijielt, mar jroifiljcn bem 9lbel unb bem 33ürgerftanbe, bie in ben fdimeren ßriegSjeiten fo lange gemcinfnm nie! Seib ertragen ßattcn, eine Stuft entftanben. $tl§ nun in ©raj ein abeligeS © a f i n o gegrünbet mürbe, an bem nur 21bel unb ÜJtilitär tl)eil= neunten burften, entftanb eine große Erbitterung unter allen, roeldje biefen jroei ©tänben nitßt angeßörtcn. SDer Saifer genehmigte jmar im februar 1818 bie ©tatuten be§ ©aftnoS, fßrad) aber ben 2Bunfd) aus, baf§ and) bie t)öf)ern Staatsbeamten übeitigußt aufgenommen roerben mosten, ba bie „©infdjräntung auf bloß abelige tßerfonen ben liberalen ©eftnnungen ©einer iBlajeftät nidjt entfpredie". Obgleid) bet ©afinoüerein feine Statuten menigftenS einigermaßen in bem tiom Saifer gemünfd)ten Sinne abänberte, hielten fieß bie gebilbeten Dtichtabeligen bod) Dom ©afino ferne unb fafsten ben @ntfd)IufS, einen Sefeberein ju grimben, beffen Aufgabe nid)t bloße Unterhaltung, fonbern SBeiterbilbung ber einzelnen Utitglieber unb Verbreitung nütilidjer Senntniffe fein follte. ©rjherjog Soßann, beffen Jßirfen für ©teiermart nod) be= fbroeßen roerben roirb, mar für biefe ©aeße gleid) geroonnen, unb feinem ©influffe ift eS ju banten, bafS ber Sefeüerein im 21nfcßluffe an baS auf Anregung bes ©rjherjogS uon ben ©tünben gegrünbete Soanneum juftanbe tarn. ©o mar eS getommen, bafS bem abeligen ©afino, in bem, roie man fagte, nur Vergnügen, ©ßiel unb S£an§ geßflegt mürbe unb baS maneße eine „franjofifcßsitalienifcße VerbilbungSanftalt" nannten, ein roiffenfdjaftlidjer Sßütigleit gemibmeter Verein Un= abeliger gegenüberftanb. ©djon ju ©nbe 1818 ftrebte baS ©afino, um fiel) finiten ju fönneu, bie Bereinigung mit bem SefeOerein an, bie jeboi^ bom ©r^erjoge mit fdjarfen SBorten abgelefint mürbe. „DJtein Snftitut", fagte er bei biefer ©elegenfjeit, „ift roeber ein ÄaffeefiauS, nod) ein Unterfjaltunggfila^, roeber junt i|}Iaufd)en nod) jum ißolitifieren gemadjt, e§ fotl bielmefjr bem Sanbe frommen." ©ine Berünberung in ber Siöcefaneinttjeilung gieng unter granj I. infoferne bor fiif), al§, roie fd)on bemerft tourbe, nad) bem $obe be§ Sifd)of§ ©ngel bon Seoben im Satire 1800 fein neuer Bifdjof eingefe|t, fonbern ba§ Bi§f()um bon einem Bicar bertoaltet rourbe. Sm Snf)re 1808 übernahm ba§ fürftbifd)öflid)e ©eefaner Orbinariat bie Berronftung beS BigffiumS, big 1859 bie ßeobner ©iöcefe boßftünbig mit bem ©eefauer Bigtfium bereinigt rourbe. Siefe Bereinigung ()atte 3ßapft iflius IX. mit ber Bulle bom 26. Bobember 1857 angeorbnet. Bon 1780 big 1802 war Sofef Bbarn ©raf bon Brco, bon 1802 big 1812 Soljann gaiebrid) ©raf bon 2B alb ft ein unb 2Ö artenberg Bifttjof bon ©edau. 3ur 3ett biefer Sirdjenfürften geigten fid) in ber Umgebung bon ^artberg unb ju Soipergborf bei gürftenfelb Bcligiongfdjrottrmer, toeldje behaupteten, bafg Sinken, ©ottegbienft unb felbft bie ©acra= mente unnütj feien; bem Bauer Saget in ber ©egenb bon Soiperg= borf, ber feit Safjren gelähmt barnieberlag, toanbten fie große Ber= ehrung ju. Bur nfimühlid) berlor fičh biefeg Unroefen. ®a bag ©rjbigthum ©al^burg lange unbefetjt roar, fo blieb nad) bem SEobe beg Bifdjofg Sofiann griebrid) auch bag Btgthum ©eefau ohne Oberhaupt, roeghalb bag ©onfiftorium bie bifdjöflidjen ©efd)äfte beforgte. ©rft 1824 ernannte ber ©qbifdjof bon ©aljburg ben BMener Oomhetrn Boman ©ebaftian 3 dn g er 1 e aug Sfird)= berg bei Ulm in BMirttemberg jum gttrftbifdjof bon ©edau. 3ängerle roünfd)te ben Sefuitenorben, ber int Snhre 1814 roieber= hergeftellt unb 1820 and) in ben öfterreid)ifti)en Sanbcrn jugelaffen roorben roar, aud) in feiner SDiöcefe ju höben unb überließ ihm bag Oominicnnerflofter im Btitnjgraben. §ier beftanb feit 1682 ein ^lofter ber Buguftiner, roelä)e feit Sofef II. aud) bie bon biefem fi'aifer errichtete tßfarre uerfntjen. 3m Sa^re 1808 war biefeS Sltofter fammt ber tpfarrtiri^e ben Dominicanern übergeben worben, bie Bon er Familien als Snbioibuen nad) jene Stnjal)! nicht erreiche, welche baS Doleranjbatent jur @rrid)tung eines SethaufeS für notljwenbig erflürt". Sm Sahre 1821 aber hatten bie Sitten ber @Bangelifd)en ©rfolg. Der ft'aifer gewährte ihnen ein „Sicariat, weldjeS Bon bem iflaftorate in 3$alb im Sruder .greife als bem nächften in Steiermarf abjuhüngen h^be" mit bem Seifa|e, bafS ber „Staatsfdjah Weber bereit noch 'n Sutunft bieSfaüS eine Seifteuer ju leiften t)nbe". So bilbete fid) eine ebangelifche ©emeinbe in ©raj, welche bie Bormalige 9Iuguftinerfird)e in ber Sporgaffe benähen wollte unb fie Bon bem banmligen Sefi|er in Ijßacht nahm. Da fid) gegen bie Serwenbung ber Hird)e Schwierigfeiten erhoben, erwarben bie 29 93? a Q e r , ©efd&id&te ber «Steiermarf. ^roteftanten am 3tu§gange ber (Sleisborferftra^e einen fflanbla^, roo [te mit (Erlaubnis bei ^Regierung ein 33ettinuS auffitljren liefen, baS 1824 eingeroeitjt mürbe. (Ein ©eelforger mar bereits beftedt roorben, unb eine ©ctjule mürbe nunmetjr eingerid)tet. (Erft [bitter burfte ein ©locfentfjurin erbaut roerben; and) mürbe bann ein felbftänbigeS Pfarramt unb ein eigener ^riebljof errietet. 3m 3a|re 1827 mürbe baS Stimmt in ©raj roieber ju einer Uniberfitüt erhoben, bie feitbem ben [Ramen t. t. ^art=3:ranjenS= Uniberfitüt trägt. SSetior ficf) jebod) bie UniüerfitätSljörer einem SBerufSftubium mibmen tonnten, mufSten [ie einen jroeijät)tigen b!)ito[obt)ifd)en (EurS burdjmndjen unb [Religion, tpbilofofiljie, (EIe= mentarmat[)emntit, t[31)t)[if in tßerbinbung mit (Efjemie unb ange= manbter slRatt)ematit unb lateinifdje 3ßt)iIotogie l)ören unb auS biefen ©egenftänben tßrüfungen ablegen. 5(1 S freie ©egenftänbe tonnten biefe ©tubenten ©e[d)id)te ber t|3^ilo[op()ie, ©eometrie, 5lft^etif, allgemeine unb ö[terreid)i[d)e @efd)id)te Ijören. 5öer aber ein ©tifienbium genofS ober Dom ©djulgelbe befreit mar, mufSte int erften Sa^rgange Sorlefungen über [Raturmiffenfdiaften am Joanneum unb int jroeiten Satirgange foldje über allgemeine ©efdjidjte prett unb fid) über ben (Erfolg feiner ©tubien mit Qeugniffen auSroeifen. [Rad) $oHenbung ber pilofofit|ifd)en ©tubien begannen bie §ad)= [tubien: bie einen manbten fid) ber Apologie, bie anberen ber 3uri§f)rubenj, roieber nnbcre montaniftifd)en ©tubien ju; mand)er trat als tflrattifant bei irgenb einer Seprbe ein. Sie meiften jener ©tubierenben, bie fid) ber IRebicin roibmeu wollten, oerliepn ©raj unb roanbten fid) nad) SBien. Senn wenn and) an ber ©rajer Uniberfitüt ein mebicinifd)=d)irurgifd)eS ©tubium beftanb, fo rourbe eine mebiciniftp ^acultät bod) erft 1863 errichtet. IV. Jaljr 1848. Haifur Jranf Jttfef I. [Rad) beut Sobe beS HaiferS §rnnj I. folgte fein ©opt fferbinanb auf bem Spott. 3ii feiner 3e't erhielt ©teiermorf bie erften @tfenba^nen: im 3af)re 1844 mürbe bie §mifd)en $fliir^ufč|Iag unb ©rn; eröffnet, 1846 fant bie ©tretfe bon ©raj nad) ©itli in ißetrieb, rooran fid) 1849 bie bon ©itti nad) Saibad) fd)lof§. ®ann mürbe ber 23au ber $af)n über ben 'Semmering §u @nbe geführt, roeldjcr an bie $eci)nifer ungemein große iSnforbetungen fteßte. ©eit tanger 3eit t)errfd)te in Öfterreict) mit ber '.Regierung be§ dürften ©lerneng ßotlfar 9Jtetternid), roeld)er feit 1809 bie ©efdiide Öfterreic^g leitete, große Un^ufriebenfieit. ®a eg ÜRetternid) alg bag Jpaußt^icI feiner Sßolitif anfat), jebeg ©heben nad) SE^eitnatjme an ber ^Regierung 511 unterbrüden, unb er bag beroaffnete ©infdjreiten gegen jene tBötfer befürroortete unb heran« tafgte, roeldje fid) bie Sttjeilnaljme an ber ©efeßgebung er^roingen rooKten, mürbe Öfterreid) überall bertjafgt unb galt atg ber ,?)ort beg 'Itbfotutismug. Safg Öfterreid) bon öeutfdjtanb boH= ftänbig abgefßerrt mar, jebe freiere 'IReinunggüußerung in ©djrift unb äBort berfotgt mürbe, jebeg 3ufammentreten §u einem Vereine unterfagt mar, bafg iibetftdnbe in ber SSerroaltung unb im @erid)tg= berfafiren fortbauerten, erzeugte eine ©rbitterung, roeld^e im ÜJtär^ 1848 junddjft in $Bien 51t einem geroattfamen 91ugbrud)e fam. 3n ©rag mar fdjon im februar eine große 9Iufregung bemerf« bar, ßerborgerufen burd) 9tad)rid)ten unb ©erüdjte über SSorgange in Italien, grantreid), 9Jtünd)en unb burd) bag ©inten ber ©taatg« unb Snbuftriepabiere.1 911 g bie 9tadjrid)t bon ben Segebenijeiten ein« traf, bie fid) am 13. 9Jtürj in SBien ereignet ßatten, fteigerte fid) bie 'Aufregung außerorbentlid). 91m 14. 9Jtiir^ oerfammelten fid) bie ©tubierenben ber Uniberfität unb beg 3oanneumg im Uniberfitätg« faale unb befdjloffen in 91nroefenßeit beg ßanbeggouberneurg ©rafen SBidenburg, ber rafd) ßerbeigeeilt mar, bie 91bfaffung einer Petition an ben ßaifer. Sie berlangten Seßr« unb Sernfreißeit, ißrefgfreißeit, Öffentlicßfeit unb 9Jtünblic£)feit ber ©eredjtigfeitgßflege, ^Rational« >) @atti, ®ie Ercioniffe be§ SaßreS 1848 in ber ©teiermarf, ®ra3 1850. betoctffmmg, <$rricč)tung eines ©tubenten=§reicor))§ unb Vertretung beS VotteS ant beutfdjen VunbeStage. 3ur gletdjen 3eit berieten and) ©ra^er Vitrger im ©afttjaufe „pm golbenen gtbfSl" in ber ÜJturOorftabt eine tžtbreffe an ben Saifer, metile i^re $ßünfct)e enthielt unb mn folgenben $age bem eben einberufenen augerorbentlidien Sanbtage tiorgelegt toerben foltte. ©ie roar bon Dr. ©mberger unb 5EituS 9Jtaref OerfafSt unb ber= langte: Vertretung beš Vürger= unb VauernftanbeS auf bem Sanb= tage, Stifeitnafyme ber SanbeStiertretung an ber ©efetigebung unb au§= fdjliefelidje VefugniS ber ©teuerberoitügung, ($rrid)tung eines befon= bereu DtinifteriumS ifür Raubet unb Snbuftrie, Verantroortlid)feit ber 90tinifter, ®enf=, 9tebe= unb ©eroiffenSfrei^eit, 91ufl)ebung ber Genfur, oolfsttiümlidje 2Be!)rberfaffung, ein ©efetj, roelc^eS beftimmt, bafS teine 9ßerfon oljne einen bon ber bolitifdjen Vetjörbe gegebenen Verljaftbefe^l gefänglid) einge§ogen tuerbett barf, ©infdjränfung ber ^oli^eigeroalt, Vufljebung ber Ver^eljrungSfteuer, 91ttfl)ebung ber sJßatrimonialgerid)t§barfeit unb Übertragung ber bom iötagiftrate auSgeübten ©eridjtsbarfeit an ba§ f. f. ßanbredjt, größere 9ted)te be§ ©emeinbeauSfdjttffeS, Verroeifung ber Qefuiten aus ganj Öfterreid). s2tud) bie SSorftänbe ber ©tabtgemeinbe legten iljre ä'ßünfdje in einer bom Dr. SBafferfall auf gefegten Vbreffe an ben ©tattljalter nieber, ber fie bem Saifer unterbreiten follte. 91m 91benb beS 14. 9Jtar§ fant bie 9tad)rid)t bon ber @nt= laffung beS ©taatSfanjlerS Vtetternid), bie ungemeine Vefriebigung tjerborrief. 3m Zljeater rottrbe an biefent Vbenbe ©djitlerS „®on ©arloS" bargeftellt; bet ben SBorten beS DJtarquiS 5ßofa: ,,©ire, geben ©ie ©ebanfenfreitjeit!" brad) ein enblofer ©turnt loS. 5Der Sanbtag, ber am 15. 9Mrj ^ufainmentrat, naf)in eine Vbreffe an ben üaifer an, in ber bor allem um eine geitgemäffe ©rroeiterung ber ßanbeSbertretung gebeten rottrbe. 3U gleidjer 3eit §og eine VolfSntenge bor baS 3efu^enflofter, zertrümmerte bie ffenfter unb brang in baS innere ein; bod) berl)üteten einige befonnene DJtänner größeres Unßeil unb beroogen bie ÜJtenge, fid) ju entfernen. Sie Sefuiten tierließen ißr ftlofter; al§ fie toieber jurücffeßrten, üßerrebete fie ber ©ouberneur ©raf 'Utatttiiag ßonftantin SBicEenburg, bie ©tabt ju tierlaffen, nadfbem ber Pfarrer im ÜJtünjgraben ifjre ^Realitäten übernommen ßatte. Ser Saifer ßatte jurüictift bie Slufßebung ber ßenfur unb bie 9tationaIgarbe bewilligt, roaS telegrnpßifd) nad) ©raj mitgetljeilt mürbe, ©ofort ließ ber ßommanbierenbe ©eneral ©raf 9tugent ben ©tubierenben ©übel auS bem f. t. geugbaufe übergeben, worauf fiel) bie ©tuben= ten mit bem bewaffneten $ürgercorf>§ auf bem §aufitblaße bereinig« ten unb mit biefen ÜBacljpoften bejogen. DJlit einer allgemeinen 33eleuct)tung ber Käufer enbete biefer benfwürbige Sag. 31m folgenben Sage tarn bie iRacßricßt, bafS ber fiaifer bie ©inberufung eines 9t e i cß § t a g e S angeorbnet ßabe. 9tun würbe an ber ©inrießtung ber iRationalgarbe eifrig gearbeitet unb bie bewaffneten ©tubierenben, bie ofabemifeße Segion, als militärifcßeS ©orßS organifiert. Sie Stationalgarbe mäßlte ben ßenfionierten t. f. ©eneral 9t egroni ju iß rem OberbefeßlSßaber. ©o braeßte bamatS jeber Sag etwas 9teueS, unb überall ßerrftßte lebßafte ^Bewegung. 31n Dielen Käufern flehten 9tnfünbi= gungen, 9(ufrufe, 91norbnungen unb Sßarnungen, ^lugfcßriften unb ©jtrabütter würben auSgegeben, in ben SBucßläben, auf ber 3ßoft, in ber ©ßarcaffe brängten fiel) bie Seute. Me trugen ©ocarben unb beutftße Sauber, ber ßßlinber war Derfeßwunben, an feiner ©teile jeigten fiel) Derfcßieben geftaltete 9Rü|en, §üte mit Gebern ober golboerjiertem ©emSbart. Siele waren bewaffnet unb bie fonber« barften ©übel, felbft gewaltige 9titterfcßwerter, bem ftünbifeßen 3eu9= ßaufe entließen, famen jum Sorfcßein. „Sn allen ©affen größere unb Heinere ©rußben, welcße in lebßafter Söeife bie fieß überflutenben ©reigniffe befßracßen, alltäglicß Seßutationen, bie, nießt feiten in fcßmarjein farade, aber immer mit ber beutfeßen ©ocarbe auf bem fpute unb bem ©übel an ber ©eite, bie ©traßen burtßeilen — bieS alles bringt ben ungemoßnten 3U9 öoBtßätigen SebenS in bie sf3ßt)fio= gnomie ber ©tabt. Sn ben ÜBirtS« unb Saffeeßaufern maeßt fiel) eine nie gefef}ene Seb^aftigfeit bemerfbar, — bn§ 9tecf)t be§ freien 2Borte§ wirb in roeitefter ühtSbefjnung in Slnfpruct) genommen. Sine üollftänbige Umtoöljung fiat bie aufgehobene (Senfur, bie frei= gegebene ißreffe in ben 33miihonbIungen [)ertiorgernfen; trugen bie 9tu§Iagetöften berfeiben seither nur cenfurierte 3Büd)er jur ©cfjau, toälfrenb bie Oerbotenen be§ 9tu§lnnbe§ au§ irgenb einem SBinfel be§ @eroötbe§ für bie jafilreidien ßunben h^borgefucht mürben, fo finb jene jeijt au§ ben 33ehültern, roo nichts fie in ifjrer Ütufie ftörte, mie mit einem 3auberfd)Iage oerfdirounben", unb an ihrer ©teile prangen Bor ben Hingen aller SBelt bie früher tierbotenen ©chriften. Htudj in ben anberen ©täbten unb in ben Dtärtten erregten bie bisherigen Gšrrungenfčhaften lebhafte ffreube. Hochämter, if3ööer= fchüffe, ffefteffen unb ^Beleuchtung ber Käufer gaben bation 3eugni§. 3n ©leisborf, Seoben, 'JJŽarburg, gehring unb anberen Orten begann man bie Organifierung ber Dtationalgarbe, aber in einigen Orten tarn and) ber langgehegte ©roll gegen einzelne £)errfcf)aft§= beamte burcf) ©emaltthättgfeiten unb DJtifShonblungen jum 91u§= brud). ®od) waren bie SreiSömter imftanbe, berartige ätuheftörungen ju unterbrüden. ®a in ©raj ©eroerbe unb yanbei in§ ©toden geratpen waren, oerlangte baS SBoIt eine SBerminberung ber greife ber nothwenbigften SebenSmittel unb machte am 3. Hip nt §unüd)ft einen Hingriff auf bie Siiderlaben, wobei e§ im ©ad, in ber ©porgaffe unb in ber HJturoorftabt am lauteften jugieng. Oie Söder fahen fid) genöthigt, ba§ Srot gröRer ju baden. 3n ber HZadjt bom 4. auf ben 5. Hlpril machte baS Seit and) einen Hingriff auf bie gleifdjbänfe, opne etwas auSjuričhten, es 50g bann oor baS SOtnuthauS in ber @ggen= berger Hltlee, baS in Sranb gefteeft würbe. Oie HZationalgarbe mar trotj aller HMpe nid)t imftanbe gewefen, biefe HluSfdjreitungen ju üerhinbern. Oie gleifdjpreife würben jeboct) heri16gefeht, unb and) bie Sierbrauer waren fo flug, eine ©rinäRigung beS Sier= preifeS eintreten ju laffen. @§ ift I)ier nött)ig, auf ba§ Sßirfen beS SanbtngeS nMjer einjugefien. 2)er ftänbifdie Sanbtag beftanb aus bem 5ßrälaten=, bem .’perren:, bem 9iitter= unb bem Sürgerftanbe. 3um ^ßrülatenftanbe gehörten her gürftbifdjof bon ©ecfnu, bic röte bau Ütein, Ibmont, uli ;u erfdjeinen auf. Uten gegriiubet rourben bie „Slätter ber greilfeit unb beS §ort= fd)ritte§", roelclje ber $ud)l)änbler SDirnböd Verausgab, ©ie giengen halb ein, roorauf bie „SSolfSjeitung" 511 erfd)einen begann, bie ebenfalls fein langes ßeben fiatte unb biefeS ©i^idfal mit einigen anberen Sßlattern tljeilte. 33om 1. ffuli an erfd)ien ber „§>erolb", ber SDtäßigung in feinen Urteilen tierfbrad), aber halb in Sölajilofigfeit tierfiel, ©onft erfdjien nod) baS „(Sillier $8od)eu= Matt". $on biefer 5EageSbreffe ift roenig ©ute§ 511 fagen: tion ob= jectitier 33etrad)tung, roiffenfdjaftlidjer @rörterung roar teine Siebe; über untergeorbnete Singe, über ber ©ud)t, roirtlidje ober fd)ein= bare 9JiifSgriffe ber Beamten §u tieröffentlidjen unb $orfd)läge tion unausführbaren Sieformen unter bie Setiölterung 51t roerfen, tierlor man ba§ 2Bid)tige aus ben Singen. @S entftanben fieben bMitifdje Ißereine, tion benen ber bemofratifcfje am meiften tion fid) reben madjte. SlIS nad) ben Octoberereigniffen in SBien ber 39anuS tion Kroatien, 3ellad)id), mit feinen Kroaten oor Söien rüdte, tier= langte ber bemofratifdje SSerein tiom ©outierneur bie Slufbietung beS SaubfturmeS, ber bann ben Sßienern äuf)ilfe Riehen follte. Ser ©outierneur fnt) fid) genbtt)igt, ben Sanbfturm auf^ubieten, bod) follte bieS nur ben 3>i,ed haben, „burd) Skfetmng beS ©emmeringS unb ber ©egenb bei partberg bie Sßrotiin^ gegen ben etroaigen Kinbrud) croatifdjer ,f)orben 511 filtern". Ktroa 300 9)iann, Slr= beiter, ©arben unb ©tubenten, fuhren nad) SBien, baS tion ben Kroaten umftellt roar unb baS fie bn!)er nur unter allerlei ffül)r= lieferten erreidjten. ©ie tourbcn roäfjrenb ber ^Belagerung bor5itg§= ioeife ^um SBacfjtbienfte im Innern ber ©tabt tierroenbet, nrn^ ber Sefe^ung ber ©tabt gefangen genommen, bann aber in bie ^eimat entlaffen. 9)Zit ber 9Ziebermerfung ber rebolutionüren (Sr^ebung in 2Bien na^m aucf) bie Seroegung in ©tciermarf, roo bie roeitere Organi= fierung be§ SanbfturmeS eingeftetlt roorben roar, ein (Snbe. Sie ©e^nfudjt nad) 9tuf)e unb Orbnung tourbe immer ftürfer. Ser benmfratifdje herein unb bie afabenüfdje ßegion mürben aufgelöst. Ser ©ouberneur ©raf $Bidenburg mürbe §ur Seriditerftattung an baS faiferlidie Zpoflager berufen, ba§ fid) feit bem October in Otmü| befanb, unb teerte nic^t metjr auf feinen 3ßoften gurüd. Sie ©timmung in ©rag blieb nod) lange gebrüdt; benn man fürchtete bie $etf)üngung beS 23elager!mgS§uftanbeS, 100511 eS jeboct) nidjt gefommen ift. Über bie Seioegung in ©teiermarf ließ fid) (Srjlferjog Soßann, ber fid) „einen ffreunb conftitutioneller ^reißeit, foroie be§ gemäßigten gortfcßritteS" nennt, in einem ^Briefe bom DZobember 1848 fo berneßmen: „Sie ©tetjermürfer, für roeld)e id) breißig ^aßre lang gcmirfet, in beren Sanbe alles borbereitet roar, um bie grüßte halb 511 genießen, toeldje bie 3ngeftänbniffe beS SaiferS I)erbor= bringen müffen, laffen fid) bon einem fleinen Raufen 511111 Starren galten, unb roaßrlid), @raß, baS rußige, lebenSfroße . . ., in biefer ©tabt überbietet man fid) in Sßorßeiten, unb niemanb ßat ben ÖZutß, bor baS $olf 51t treten unb eS aufäuflären, niemanb, fid) jenen böStoilligen äBüßlern unb Dtarren entgegenjuftellen, bie alles uinftür5en roollen. Siefe Sanbfturmgefcßid)te tuirb, toenn einft roieber ütuße eintritt, 511111 ©ßotte bienen." 9tod) bor bem $(blaufe beS SaßteS 1848 boK5og fid) ein (Ereignis bon roeittragenber Sebeutung. Saifer Serbinanb bacßte fcßon feit bem sJJZär5 baran, bem Sßrone 5U entfagen. Siefer ©ebante mürbe DJZittc DZobember 511111 feften ©ntfcßluffe, bocß brang barüber nicßtS in bie Öffentlicßfeit. 5lm 2. december mürben bie in Obrnit) toeilenben Siitglieber be§ faiferlidjen ^nnfeS unb bie Ijofjen SBiirbentrager in bie fiirft= er§bifc()0flict)e iftefibenj berufen, too bie fniferličbe ^mnilie roo^nte. §ier Oertonbete Saifer gerbinnnb feinen @ntf<|tuf§, bie %nifer= frone 311 ©unften feine§ 9ieffen, beS (SrjfjerjogS 11115 3ofef, nieberjufegen, nadjbem ©rjtjerjog ^ r n n 3 Sori, ber Sruber be§ Saiferš, auf ba§ if)in jufte^enbe 9ied)t ber SEfjronfolge nergidjtet ^atte. Oer junge Saifer fniete, bon ifiiifjrung übermannt, bor bent Saifer gerbinanb nieber, roeldjer, feibft tief ergriffen, feinen 9tad)= folget umarmte unb fegnete. 3n einem DJtanifefte erftärte barauf Saif er ff r a n j f ef, baf§ er mit 3uberfii^t bie 33at)n betrete, bie 31t einer t)eil= bringenben Umgeftattung unb Verjüngung ber 9Jionard)ie führen werbe. „9tuf ben ©runbtagen "ber magren ffreitjeit, auf ben ©tunb= lagen ber ®leid)bered)tigung alter Voller be§ 9teid)e§ unb ber ®leid)l)eit aller ©taatsbürger bor bem ©efet)e, foroie ber $^eil= nal)me ber VotfSbertreter an ber ©efe^gebung, wirb ba§ Vaterlanb neu erftefien in alter ©röfje, aber mit berjüngter Sraft, ein un= erfd)ütterlid)cr Vau in ben ©türmen ber 3eit, ein geräumiges 2Bol)n= tjauS für bie ©tämme berfd)iebener 3unge, roeld)e unter bem ©cefiter ber Väter ein brüberlidjeS Vanb für 3afir£)unberte umfangen f)ält." V. jD^ann. 3m 3of)i'e 1848 mar bie ütebolution faft burd) gan3 ©urofm ge3ogen; außer Öfterreid) mar molji baS beutfdje Veid) am tiefften aufgemüljlt morben. 3ur fperftetlung einer neuen Verfaffung im beutfdjen Veidie mar and) ber Sr3^er3og 3 0 f) a n n berufen morben, unb fo fdjeint eS 3roedntä^ig, ^ier biefeS VianneS unb feines SBirfenS auSfüljrlic^er 31t gebeuten.1 1 fi: ©. Diitter D. SeitnerS SebenSbefiireifcung be§ 6rjt)erJo0§ in bem SBerfe „@in treueg SBilb be§ §erjogti)um§ ©teiermorf" uon §Iubef 1860. — @ cf)lofiar, ©rjfjergog 3obonn unb fein ©iiiflufg auf ba§ Kulturleben ber ©teiermart 1878. — 3Ito of, 3lu§ Krsberjog So^anng SCagebuct). 1882. (šr^erjog 3 o t) a n rt rourbc ant 20. Jänner 1782 als ber neunte ©o^n bes ©rof^erjogS Seopolb bon $ošcana im Sßalafte tpitti ju glorenj geboren. „3n roeffen ©eele", fagt ber Siograpl) beS (šrjtjerjogS, Sari ©ottfrieb Slitter bon Seltner, „tonnte ju jener 3eit unb an jener ©telic eine Eljnung babon auffteigen, bafS biejeS fürftlidje Snäblein, lueldješ in ben mit Sunftfd)ü|en aller Strt prangenben SJtarmorfälen beS toScanifd)en 9tefibenjf(|loffe§ unb in ben immergrünen 6itroncn= unb s-jMnienl)oinen beS SSoboligartenS feine erften Sinberfpiele fpiclte, ju jenem beutftfjen SJtann t>eran= reifen mürbe, ber fd)on als Jüngling madjtige beutfdje |)ecre gegen einen bamalS no d) ungeahnten Söclteroberer in bie ^elbfdjladjt führen, ber als tiihner ©emfenfdjiitje unb SSlumenlefer auf ben beutfd)en Sllpen, als freunblidjer Šthrcn= unb Stebeupflanjer in unferen 5LhÖlern, auf unferen ipügeln heimifd) toerben, ber, felbft ein biel= feitig auSgejeid)neter Senner beutfdjer Sunft unb SBiffenfdjaft, fie als ihr begeifterter ©önner unb S3efd)ühcr müdjtig förbern, ber als ein in Sßurpur gebotener ffreunb beS beutfd)en SlolteS, biefem fo theuer roerben feilte, bafS es ihn, ben bereits ergreisten, als feinen hödjften Vertrauensmann an feine @pi|e rufen mürbe, um ihm be= hilflid) ju fein, ben grojjen ©ebanteu ber Sßicberaufridjtung beS einigen SteidjeS beutfdjer Station ju üermirtlid)en. Unb bennod) mürbe ihm folih h°he SebenSaufgabe; beim eS mar bieS eben 3o= hann, ber erhobene ©proffe beS erlaudjten ,[laufe» [iabSburg=Soth= ringen." StlS im Sabre 1790 Seopolb II. ben 3:1)ron beftieg, tarn and) ©rjherjog Sot)onn, bamalS ad)t Salfre alt, nad) SBieu. ©eine @r= jiehung mar oorjugSrocife eine inilitarifdie; bod) jeigte er fd)on frühjeitig Diel ©inn für ©efdjidjte unb St a türm iff en f d) a f ten. Sie befte fförberung biefeS ©inneS mar ber Vertehr mit bem berühmten ®efd)id)tfd)reiber SohonneS non ötüller, ber bamalS faiferlidjer [)of= rath in SSien mar, unb bem fid) ber junge ©rjljerjog innig anfd)IofS. SBir roiffen fd)on, bafS ber ©rjherjog im Sllter non adjtjehn Sahren an bie ©pitse einer öfterreid)ifd)en Slrmee geftellt mürbe, bie jeboct) im ®ecember 1800 in ber 9Za|e bon SDtiindjen eine 9tieberläge erlitt, ferner, bnfS er im Sa^re 1808 bie Sanbtnefjr ein= rid)tete unb im folgenben 3’a^re in Italien unb Ungarn gegen bie granjofen im f^elbe ftanb. ©eit Satiren tjatte ber Srj^erjog mit großem (Eifer Urtunben unb 39ii$er, 50iünjen unb Snftrumente, SE^iere, tpflanjen unb Dliineralien gefammelt. @r Ijatte anfangs bie 9Ibfi(|t, biefe ©amm= hing bem Sanbe SEirol ju fdienten, als aber biefeS Sanb berloren gieng, bad)te er an ©teiermarf, baS ilfm auf feinen Dteifen genauer befannt geroorben mar. ,,Sd) fiatte", fdjrieb er, „Seute aus ben oerfc£)iebenen Klaffen, iljr ©uteS unb ifire ©c^wadi^eiten, il)r ®e= mütf) unb ifire Srene feinten gelernt, bnljer au cf) liebgeroonnen. Unter ben Sltännern, rocldie boHfommen geeignet waren, meine 31bficf)ten ju berfte^en, war bor allem ber ©ubernialratl) Süffel, welcfien id) als] einen greunb b etra d) tete; biefem eröffnete iä) meinen @ntfä)luf§." 3)er fiaifer gab bie ^Bewilligung jur @rricf)tnng eines 2anbeS= mufeumS in ©raj burd) bie ©ammlungen beS Krj^erjogS. Sie fteirifdjen ©tänbe, an beren ©pi|e ber SanbeStfauptmann ©raf ^erbinanb SlttemS ftanb, tauften ben fogenannten 2 e S1 i e= 1) o f in ber ütaubergaffe unb bradjten bie ©ammlungen barin unter. Ser Kqfieqog ^atte bem 2anbe ©teiermarf feine ©ammlungen gefdienft mit bem 2Bunfd)e, bafS fie „jur ©eifteSbilbung ber fteier= miirfifd)en Sugenb, jur Krweiterung ber Senntniffe unb ^Belebung beS ^leifieS unb ber Snbuftrie ber tBewofmer ©teiermarfS beitragen möd)ten." Sie ©d)enfungSurfunbe unb bie ©atjungen beS 9JtufeumS, baS ben 9?amen „Soanneum" erhielt, ftammen aus bem Sa^re 1811. ©S füllte alles enthalten, waS „in Snneröfterreid) bie 9iatur, ber 3eitwed)fel, menfd)Iid)er gleiß unb 58ef)arrlid)feit l)erüorgebrad)t l)aben, waS bie 2et)rer ber Derfd)iebenen öffentlichen ülnftalten ihren wifsbegierigen göglingen bortragen; eS foll baS 2ernen erleid)tern, bie SSßifSbegierbe reifen, jenes bem ©elbftbenfen unb hfemit ber ©elbftänbigfeit fo nadjtljeilige bloße Dllemorieren, jene fcf)äblitf)e Shift jmifdjen beni tßegriff unb bet 9(nfct)auumj, bet SE^eotie unb bet ^pra$i§ mefit unb metjr auSfütlen Ijelfen." $et ©efctjictjte füllte bnS IDZufeum bnbutd) bienen, bnf§ e§ alte Uthmben, bie fid) auf ba§ Sanb bejie^en, im Original obet in 9t6fd)riften, alle im Sanbe befinblidjcn SDenfmdler bet Slorjeit, Sftiinjen, SBafjpen, Ijiftorifdie SJianufcrifhe unb 33 ti d) er auffammelte. @§ füllte ferner alle ÜJtaterialien entljalten, welche eine juberläffige ©tatiftif ermöglidjen, aufjerbem filjgfifalifdje unb matljematifdje 3u= ftrumente unb ißrobucte ber brei Dtaturreidje; ein botanifdjer ©arten, ein Saboratorium ber Sljemie füllte angelegt werben; für bie bml-tifdje ßanbmirtfdjaft waren bereits bie DJtobelle ber „agrarifd)en unb tibetijaufit öfonümifdjen 3Bertjeugc unb ®tafd)inen, bann bie neueften unb beften 3tcterbaugerätt)e" üorfianben, um bainit $crfuä)c im großen anjufteflen; eine @eroäd)§= unb ©mucnfammlung füllte beigefügt werben. Gmblid) füllte ba§ 'Dtufeum in feiner ted)noIo= gifdjen ülbtffeilung eine ©ammlung ber fiunftprobucte CfterreidjS unb feiner Dtac^barlänber unb eine 33ibIiotl)et enthalten. ®rei ©uratoren füllten bie 3(uffid)t über ba§ Snftitut Ijaben. 3u biefen ©Ijrenpüften wählte bet ©rjljerjog ben Sonbe§f)aubtmann ©rafen fferbinanb 9t 11 e m § , ben 91b t beS ©tifteS 91bmont, © o 111) a r b ßugel nt a t) r, unb 3 o 1) a u u üon S a 1 d) b e r g. DJtit bem Joanneum fjtingt, wie fd)on erwähnt, ber Sefeberein jufammen, b eff en 9(uSfd)ufg üon 1821 an bie „©teiermärfifdje 3eitfd)rift" er= fdjeinen ließ. Oer ©rtinber wollte, baf§ an feiner 9!nftalt and) Unterricht ertl)eilt werbe. 3lierfi würben n a tur w i ff en f d) a f tli d) e Sel)rtan§eln er= ridjtet unb bafür tüditige Sehrfräfte gewonnen. Oer berühmte Ötineralog ffriebrid) 9Jtoh§ trat fd)on im Saljre 1811 al§ ißrofeffor ein. @r flammte au§ ©ernrobe im 91nhalt=33ernburgifd)en unb lernte mehrere Sünber be§ SaiferftaateS auf feinen wiffen= fd)aftlid)en Steifen len neu. ©eine SBortrage in ©raj erfreuten fid) großen 33eifall§, bod) nahm er 1819 eine 'flrofeffur an ber 33erg= atabemie in ffteiberg in ©adifen an. ©päter tarn er wieber nad) Öfterreict); er führte in äßien bie ütufftellung be§ §)of=9]|tinernüen= cnbinetS burd), mürbe f. f. $ergmt() unb ftarb auf einer Steife 511 Stgorbo in Italien im 3a!)re 1839. 3U be't naiurmiffenfd)aftiid)en Se^rfangeln gefeilten fid) bann Setirfan^eln für ted)iüfd)e f^iidjer, für Sanb= unb ^orftroirtfdiaft. ©0 entroidelte fid) mit ber 3eü eine ted)nift|e Se^ranftatt, roeldje 1865 511 einer ,^od)fi^ute ermeitert unb 1874 in bie $errooltung be§ ©taateS übernommen mürbe. Stuf bie Stnregung be§ (SrjljerjogS errid)teten bie ©taube, um bie§ gleid) t)ier 511 erroüfjnen, in ŽBorbernberg eine 9Jt o n t a n= f d) u 1 e, au§ ber bie SBergafabemie in Seoben tjertiorgieng, unb and) jur ©rünbung her Sanbe§=0berreaIfd)uIe gab ber ($r^er§og bie Slnregung. 3m Satire 1815 ftanb (šr^fier^og Sotjann roiebcr im gelbe. Staäjbem er bie geftung Rüningen ^ur Übergabe ge^toungen, be= gab er fid) nad) ißariS unb non ba mit feinem 33ruber Subroig nad) Sonbon. „süari§ ift für mid) tet)rreid)", fdjrieb er, „aber ba 51t bleiben, nid)t§ in ber 2Belt." Sn Sonbon mie in @ngtanb über^aufit mürben ben üßrin^en bie ^er^tidjften Stufmerffamfeiten erroiefen. $on Sonbon au§ mad)ten fie eine Steife burc^ ganj @ng= lanb unb and) nad) ©dmtttanb. Überall mürben bie f)iftorifd)en ©enfroürbigfeiten, bie lanbroirtfd)aftlid)en @inrid)tungeu, bie gabrifen eingefienb befidjtigt, unb Srjlferjog Sotjann führte über alles ein au§füfirlicf)e§ Zagebui^. Sn einer ©Ia§fd)leiferei §11 ©tieffielb fanben bie Hßrin^en biel rot)eS bö^mifdjeS ©la§, ba§ bort gefd)liffen mürbe, um bann als englifdjeS ©las in bie Sßelt berfä)idt ^u roerben. Sn ©taSgom fatjen fie §uerft 3)amf)ffd)iffe, bie fie gern and) auf ber SDonau t)aben mod)ten, unb als etroaS StujierorbenflidjeS erfc^ien ifinen eine Socomotitie. „SJtan fieljt", fäjreibt ©r^er^og Sodann, „einen Sßagen mit einem 3taud)fang anlangen, ber ^roölf bis bier= ^eljn Sßagen nad) fid) üef)ü bie feine SBefpannung unb feine Sltenfdjen 3ur SBebienung ^aben." SDer $erfef)r mit fjerborragenben SSertretern ber Snbuftrie unb äBiffenfäiaft roirfte ungemein anregenb auf ben ©r^fjet^og, bagegen gefiel tl)m ba§ fiebert am cngliftljen §ofe meitig. ©d grofi aber and) bte 8mbrü(fe waren, roeldje ba§ Sanb ber Sfnbnftrie nnb be§ §anbel§ auf ti)n auStibten, immer gebaute er ber ^eimatličien Serge. Son ber ©tabt SJlandjefter n uš fdjrieb er: „Dbgleid) mitten unter fo Dielen öterfroürbigteiten, finbe id) bod), bafš e§ im Sater= Janbe am beften ift, tinb wa^rlid), id) fel)tte mid) fet)r nad) unferen Sergen unb 5El)älern." 51m 14. ittyml 1816 trafen bie ißrinjen wieber in SÖien ein. 3m 3al)re 1807 Ijatte ber Srjljerjog ba§ @d)lofš 5E1) e r tt= b er g in Ütieberöfterreicf) angefauft, wo er, fern Dom (Seräufdje ber grofsen 2öelt, Diele Sionate be§ 3al)reš jubradjte. 3n ber Utälje lag bie alte Surg ©ebenftein ober Sßilbenftein, wcld)e ber Ötonomieberwalter beS 2öiener=5teuftäbter ($nbettent)aufe§ ©teiger gepadjtet unb aliertl)ümlid) eingerichtet hatte. ®ort bilbete fid) bie „gtitterfdfaft Don ber blauen @rbe", eine heitere ©efellfd)aft, ju ber aud) Srjherjog 3ol)ann als „jpodjmeifter" gehörte. @r felbft erjäf)lt barüber: S)en ÖtonomieDerwalter ©teiger befud)ten feine Sefannten auf ©ebenftein, „borjüglid) jene au§ beut 9teu= ftabter ©abettenhaiiš, auš Sßien unb ber Umgebung Don Steuftabt, eine fröhliche ©efeltfdjnft Dieter ihrem Äaifer unb Saterlanbe treu ergebener 9Jtenfd)en. Siefe 3ufammenfünfte nahmen beit 51nftrid) ritterlicher ©Uten in Sleibttng, Soft unb ©f)rnd)e an; e§ ent= ftanben fpodjmeifter, Oberritter unb alle bie Sinter eines SOtarfctjallS, ©adelmeifterS, SiinnefängerS, SurgüogtS. 3eber SiheUnehmer gab fid) einen entfbredjenben SRitternamen. Sei bett ßufammentünften unb beti 9Jta()4eiten, welche aus fel)r wenigen, aber traftigen ©Reifen beftanben, l)mfd)te 9röl)lid)feit; wer eS Derfat), in ber Dtitterffmidje ju reben, mufSte ©träfe jahlen, baS, was bafür einfnm, nebft freiwilligen Seitrügen würbe 511 beit 91uSgaben ber jLafel, üorjüglid) aber jnr Unterftü|ung Slrmer Derwenbet. Oie Aufnahme eines DtitterS war feierlich, er ntufste groben bitrch= gehen, welche 31nIafS 511 manchen ©diesen boten. OaS Oian^e enbete mit einem ©oftmahle, wo ber Surgbogt Runo beclamierte, 30 5)ia^er, ©efc^idjte ber ©teiermarf. bet TOinnefitnger $ingnl auf bet .fparfe Steber Oortrug, roo enblid) bie ganje Sßerfammlung ©efunbljeiten bractjte unb bie iibltcfjen bet @elegent)ett§gebtcf)te in tioHem 6^or fang." 3hn 3a^re 1818 fiebelte fict) bet (Sr^etjog bauernb in ©teier= mar! an, inbem er ben 93 r a n b!) o f faufte, ein Heines 2tlf)engut ant nbrblicfjcn 916!)ange beS ©eebetgeS §n)if($)en iKfien^ unb 9Jlatia=3elt. Sort richtete er eine muftergiltige Sübenroirtfctjaft ein. Sort roat eS, bafS fict) ber (Srjfierjog im 3af)re 1823 mit 9tnnn, ber Softer beS üßoftmeifterS 9ßlod)t bon Ettffee, oermaI)lte. S a bamalS in alten Steilen ©teiermarfS große 9btt) t)errfct)te, grünbete er eine llnterftü|nng§anftalt, roetd)e an arme Sente Kartoffeln ocrtfieitte unb jum 9tn'6an biefer f^rudjt aneiferte. Um bic Sanbtoirtfdjaft überfiaubt ju ^eben, grünbete er 1819 bie Sanbroirtfd)aftS=@efetl= fdjaft, bie er felbft als 9ßrüfibent bis an fein SebenSenbe leitete. Sie ©tänbe beroog er, bei ©toj einen ©arten« unb 91ctergrunb jur Anlegung eines lanbmirtfdjaftlidjen $erfud)S= unb 9Jtuftert)ofeS anjufaufen. Sie ©tänbe erridjteten liier ein ©ebäube; liier mürben alle 0bft= unb Ulebenforten geprüft, alle ©etreibe«, ffutter« unb §anbelspflanjen angebaut unb iljre ©amen an bie Ultitglieber ber Sanbroirtfd)aftS=@efellfd)aft bert^eitt. 3m 3af)re 1822 faufte ber ©rjljerjog eine auf betu norböft« litten 9Ibt)ange beS 93ad)ergebirgeS gelegene Sßirtfdfaft, bie jur ©egenb Sßicferu ber ©emeinbe Sentbac^ gehörte. Sort pflanjte er Uleben bom Utfiein unb geroann burd) iffre forgfältige pflege einen Söein, mie iljn bie fteirifdjen SBeinberge nod) nie f)erbor= gebradjt Ratten. Ser ffßeinberg in 'Jßicfern, ber ben Ulamen 3o= fianneSberg erhielt, mürbe UHufter unb 33orbiIb für alle 2Beingarten= befißer. 3m 3nb« 1828 taufte er Jld) in ©raj felbft an unb nat)m l)ier feinen 91ufentf)alt. Ser @rjt)erjog gab and) 33eran= laffung jur ©rünbung ber 3Bed)felfeitigen 33ranbfd)aben=93er= fidjerungSanftalt für ©teiermarf, Kärnten unb Krain. 3m 3«l)te 1840 mürbe er burd) ben Ulnfauf ber umfangreichen §errfd)aft ©taiuj ©roßgrunbbefißer in ©teiermarf, enblicf) forcjte er and) für bie jpebung ber Sßief)jud)t. al)te 1793 in ißrefsburg geboren, roo fein $ater SBürger unb §auSbefi|er toar. (Sr abfolüierte bie juribifdjen ©tubien in 2öien, ronrbe 1819 ißro= feffor ber ©tatiftif, beS öfterreid)i)d)en ©taatSredjteS unb ber 5ßer= roaltungSgefe|tunbe am Stjceum in Clmüg unb 1828 tfkofeffor an ber Unitierfität p ©rag. ©r entfaltete eine reidje literarifc£)e Xllätigfeit, bie il)n mit ben erften ©elelfrten ®eutfd)lanbS in 23erül)rung brad)te, machte oft Steifen, befonberS und) Italien, unb roar für bie §ebung beS fteicrmärtifdjen ©eroerbetiereineS ungemein tljätig. 1872 fdjieb er aus bem ßeben. Stuffer ^a()lreid)en Arbeiten in ber allgemeinen beutfct)en 3teal=@nct)flof)äbie für bie gebilbeten ©tanbe, in 9totted=$ßellerS ©taat§le$ifon, in ©rfd) unb ©ruberS ©ncl)llof)äbie unb tierfcf)iebenen 3eüfli)riften fdjrieb er: „©rät}, ©in natur()iftorifd)=ftatiftifd)=tobograf)l)ifd)eS ©emälbe biefer ©tabt unb ihrer Umgebungen, ©raj 1843." fyran§ tion ^lubet roar geboren 1802 311 ©Ijatitfcliau in Öfterreid)ifd)=©dilefien unb ronrbe 1840 tprofeffor ber ßanb= unb gorftroirtfdjaft am Joanneum, ©einer ffeber entflammen ^U)t= reidje ©djriften, tion benen „©in getreues $ilb ber ©teiernmrf" bie Befanntefte ift. Dieben il)m toirtte ber berühmte 93 o tanite r ffran^ Unger, geboren 1800 in ber Stühe tion ßeutfdjncf). ® e or g © b t [) fininmte nu§ SReinborf, bem jetugcn 9iubo(fS= l)eim tn 3Bien, too er 1803 geboren tottrbe. @r toibmete fid) ben mrtt()ematifd)en ©tiibien, trat 1830 als 23ibUott)cfnr unb ^rioat= fecretar in bie SDtenfte be§ ©rj^erjogS Sodann, ronrbe bann Sibliottjefar unb GuftoS ber Sanbroirtfi|aft§gefeflfd)aft tn 2Bien, 1841 tprofeffor ber iDtattjemntit am Joanneum unb fbiiter ©tnbtenbirector an btefer 9tnftalt. ($r ftarb 1873. ©eine jroei §aubt= werte finb: „SSorbernberg in ber neueften 3cit", SBien 1839, unb „®a§ |)erjogtt)um ©tciermarf, geograbI)ifd)=(tntiftifd)=to|wgrabt)ifd) bargefteßt", brei Sanbe, 1840—1843. $er oierte 93anb ift im 9)?nnufcr4>te oortjanben. Sßor Seltner war ß a I d) b e r g ber gefd)ä|tefte ®id)ter bon ©teiermarf. Ser Stjrifer 3of)ann ©eorg ^ e II i n g e r, geboren 1781 §u tpeggau, wo iljm ein Senfmal errietet würbe, ftarb fd)on 1816. 9Jtan nennt if)n ben „fteirifdjen Römer". 3 o I) a n n bon Raldjberg würbe 1765 auf ©djlofS 5ßid)l im 91tiir§tl)ale geboren unb im f. f. ©eminar (Gonbict) in ©ra§, bas unter ber Seitung bc§ gelehrten Rafpar Dtopfo [taub, erjagen. 9tuper bem 9ted)t§ftubium wanbte er ber ©efd)id)te grofje Hlotliebe §u. @r lebte unb wirfte als SSerorbneter ber ©taube in ©raj unb nal)m am wiffenfdjaftlidjen unb Runftleben ber £>auptftabt ftetS regen Ütnt^eil. ©djon 1827 fdjieb er au§ bemSeben; feine @rab= ftätte finbet fid) auf ber ©übfeite ber Seedjfirdje. 'llufier Iprifdjen ©ebid)ten ftammen bon Raldfberg eine 9teit)e bon Sramen. Sn ben „Tempelherren" berherrlidjt er baS tragifdie ©efdjid be§ ©rof5= meifterS be§ TemplerorbenS, Safob 9JtoIai. Sie ®efd)id)te ber „©rafen bon Gitli" beljanbelt er in jwei fünfactigen ©djaufpielen, „griebrid) ©raf bon Gitli" unb „Ulrid) ©raf bon Gitli". Sen ©toff ju bem erften SBerfe gibt bie Siebe beS berheirateten ©rafen §u bem Gbelfräulein feiner ©emahlin, SSeronica bon Tefdjcnilt, unb ihr Untergang; ba§ jweite ©tüd enbet mit ber Grmorbung be§ lebten GillierS. „91nbreo§ $aumfird)er" ift ein ©efd)id)t§bilb, ba§ auf ben fteirifčhen Sühnen oft unb gern auf geführt würbe, weil bie ©eftalt beS @tnpörer§ 33aumtird)er bem SSolle fet)r befannt mar. S)a§ meifte Sob brad)te bem ®id)ter ba§ ®rama „Ste beutfdjen Stüter in 9lccon" ein, ju bem otjne 3roeifel SeffingS „9tatf)an" bie Anregung gegeben Ijatte. ißon geringerer 23 eben tun g war „Slttila, Sönig ber Hunnen". 3n feinen „tpiftorifcf)en ©tijjen", bie 1800 in jwei SBünben crfdjienen, mactjte SMdjberg einjelne $l)eile ber tmterlänbifd)en ©efd)id)te einem größeren ßeferfreife jugünglid), bod) lieferte er nod) einige ftreng roiffenfdjaftlidje 'Arbeiten, bau benen „Urfbrung unb tßerfaffung ber ©tänbe ©teiermarfS" befonberS t)erborjul)eben ift. 8eitner mürbe 1800 ju ©raj geboren.1 ßr befudjte t)ier ba§ ©tjmnafium, ftubierte bie 9ted)te, nal)m aber eine ßel)r= ftelle am ©tjmnafium in ßifli unb bann eine foldje in ©raj an. §ier würbe er mit 2lnton 211e$anber ©rafen bon 21 u e r S b e r g (2tnaftafiu§ ©rün) befannt, mit bem ifin halb innige greunbfdjaft Oerbanb. ßr trat fjernad) in bie ®ienfte ber Sanbftänbe unb würbe ©ecretär. SLroti feiner anftrengenben 23eruf§nrbeiten tonnte er mehrere ^iftorifd)e 2tnffatw beröffentlidjen. ©eit 1819 waren in 3eit= fünften unb Sllmanac^en jal)lreicbe ©ebidjte unb ütobellen bon it)m erfdienen, aber mehr nod) hielt er öerfdjloffen in feinem ifiulte. ®ie llrfadje babon war ber $rucf, ber bamalS auf bem geiftigen 2Irbeiter laftete. ®af§ bie SBieucr ßenfur ein @efd)id)t8merf ©d)neller§ nidjt jum ®rude julief;, ift erflärlid), beim ©djneller war ein 23erel)ter 9taboleon§. $)af§ fie aber ©rillbarjer unb ßeitner oerfolgte, bie ed)te Patrioten unb eble 9Jiitnner waren, ift unberjeiljlid) unb bat feinen Dtutjen gebracht. 211s Seltner 1821 einen 23anb Dtobelten beröffentlichen wollte, ftrid) bie ßenfur, bie ebenfo böS= willig als einfältig gel)anbhabt mürbe, bie Hälfte beS ötanufcribteS unb bereitelte fo bie SDrucftegung. Seltner war tief berftimmt unb entmutljigt, aber enblid) gab er hoch bem angeborenen ©d)affen§= trieb wicber nadj. ©ein 9tnme tarn ju allgemeiner ©eltung unb „feine ©ebidjte fanben ihren 2tßeg in bie 21ntf)o[ogien unb ©thul= 1 2$ 1 ro o f, Start ©ottfricb Stittcv von Seltner. Dltitttjeilungen 41. — 474 büdjer, 6e|onberS feine Skilaben, bie in ber SBa^l aber ©rfinbung be§ ©ioffeS ebenfo eigentifümüd) finb, wie in ber SluSfütirung fräftig unb finnüd) anfc^aulid), nid)t burd) ©djilberung, fonbern burd) §anblnng". ®er ®id)ter erteilte ein I)ü!)e§ Silier; im Suni 1890 fd)ieb er au§ bem Seben, tief betrauert Don jalflreidjeu greunben unb $eref>rern. SIu§ergewöl)ntid)e§ ^at @rj()erjog Sodann für ©teiermarf ge= leiftet. Unb wie tjnt er ba§ fdjöne Sanb unb feine Sewotjner geliebt. „Sind) meinem ©ott", fdjrieb er einmal, „ber mid) nie in Dtotf) unb Summer üerlaffen, (fängt mein (per^ blofj an jmei ©egenftänben, namlid) über alles an meinem Snifer unb an meinen ^Bergbewohnern." Oft unternahm er Steifen burd) ba§ Sanb. Stiles beobachtete er mit fcharfem Sluge, alles intereffierte ihn: bie ©aljgeminmmg in Stuffee, bie Stlmwirtfdjaften, bie Skuerngelföfte im baS Seben unb Treiben ber SUgenbewohner, itjre Slrbeiten unb ihre Suftbarteiten, ilfre Stanje unb ©efänge. Sßie weiß er bie SBirtung beS Hochgebirges auf ben ©täbter ju fäjilbern. ,,3d) hntte"» er= jühlt er in feinem Stagebud) über feine Steife im 3ahre 1810, „auf bem Stabenftein (in ber Umgebung Don Sluffee) ein IferrlidfeS ©d)nufgiel! ©o Diele Duabratmeilen Dor meinen Singen, unter mir fahle Setten, weit unb breit herum Stiefen unb Höhen, feinen Siegel, fein lebenbeS Söefen hört man; bie Stebel ftreid)en unten unb öffnen juweilen bie Überfid)t mandfer ©egenb. Oiefe ©title unb Stulje ift gewifS etwas ©roßeS. $d) hatte ©elegenhcit, mehr= matS auf Sllpenfgihen ju fein, unb ich geftelfe eS, ftets ungern trennte ich ntid) Don ihnen, lieber ©ebnnfe an bie große Sßelt, jeber Summer fd)winbet hier, ffrei ift ber Slthem, unb man benft fid) auch frei, ba man fo 1)°^) über bie übrigen erhoben ift. SticfitS bergätlt einem hier baS Seben. ©einem ©chögfer näher, erfüllt unS bie S(nfü)ammg ber Statur int egroßen mit hiinmüfd)er @m= gfinbung, SJtübigfeit fogar DergifSt man bei biefent erhabenen Stnblid." ©etn befugte er ben Snnbnmnn, unb e§ freute tf)n, roenn er it)n gernbe bei ber Arbeit traf. $on einem folctjen $efud) bei bent reidjften Säuern im oberen @nn§t[)nle, $fnt)er im ©teintetter, ergafitt ber ©r^ergog in folgenber SBeife: „©ein §of liegt in einem Keinen SEtjate an ben unteren ütbftufungen be§ ©rimming. ©eine ©runbftücfe finb gut gelegen unb fiaben beftünbig ©onne. ©ein §of fietjt einem Keinen 3)orfe gleid): perft baS fteinerne 2Bo^nI)au§, bann ber Su^=, Od)fen=, sfßferbe= unb Sleinbie^ftaH, jeber für fidj; oberhalb bie großen ©djcuern in groei ütbt^eilungen. $iefe ©ebäube finb alt, unb er felbft erfennt bo§ fOtangel^afte berfelben. ©aran anfdjüepenb liegen noč) Heinere Seljältniffe. 92 3od) ©runbftüde, an ber ©alp bie SBiefen, im ®onner§bad)= roalb ift bie siKbe. @r baut im erften Safjr gebüngt Sorn mit Slee, im ^weiten Slee, im brüten SBei^en, im oierten O0!61 ü‘)ei: ©erfte. 8r l)at 21 ©ienftleute, befi^t 42 Äül)e, 20 Od)fen, 16 ißferbc, bann Sungtiiel), ©djafe, ©eif;en, in allem bei 200 ©tiid. gleiffig unb oerftünbig baut er feine gelber, unb feine ©raten finb ergiebig. DJZatjet roar eben mit s21u§fii£)ren be§ Süngcrg befdiaftigt, ben er Dom ©tall auf ba§ $elb bradjte unb gleid) auSbreitete; er l)at ben geroöljnlictjen einfachen unb ben ©op^elbflug. ©el)r pfrieben Oerließ id) biefen iüiann." 3n nähere Se^ießungen trat ber ©r^erpg ^u bem fdjou ermähnten ilßaul ülbler p DJtüßlreit bei 91uffee. ©liefet roadere ßanbmann roar ber erfte, ber ben Startoffelbau im größeren betrieb, ©er ©qßerpg nennt ifjn einen gutmütßigen, eifrigen DJtann, ber bie beften lanbroirtfdjaftlidjen ©djriften ßabe. „®rei ©tunben ßictt id) mid) bei biefem feltenen 9Jienfd)eu auf", fcßreibt ©qßerpg 3of)ann in feinem ©agebucße, „unb ließ mir alles geigen. 3d) fanb Diel Vernünftiges, 3roecEmößigeS unb SBiffenSroerteS. 3d) toerbe ißm $ßerf§euge, ©amen unb Ülnleitung fenben, er Oerbient eS. @r ßült orbentlid) über alles Sud) unb jeicfpet alles auf, roaS er unternimmt." 3m Dctober 1824 mad)te er biefem 91tann fogar Stittßeilungen überfeine eigene 2Birtfd)aft: „©ottlob ßabe id) alles glüdlid) unter $aci) gebraut, bte @rbäpfe( finb |ef)t gut geratfien, beffer als im Borigen Sa£)r, mit Butter bin id) gebedt, unb Siel) fjabe id) fd)ön nnd)gejogen." Unb al§ ülbler im 3al)re 1843 feine golbene .£)od)= äeit feierte, fcf)rieb it)m ber (Srj^erjog: „2[Bn§ Deine golbene §od)= jeit betrifft, fo werben mir, wenn mir nad) (Saftein reifen, anfangs 3uli fommen. Sffieniger Umftänbe mürbe eS in Sluffee madjen, feboi^ wenn ®u mel)r greube für Äuni^ f)aft, fo fann bie Eobu= lation bafelbft gefd)el)en, id) gib $ir bann in üluffee in einem (Snft= l)aufe, roelcfjeS Sn beftimmen fannft, eine $afel auf fünfzig ifietfonen, moju ®n alle Seine SBefannten, SSerroanbten unb ßinber einlaben fannft; bann fannft Sn eine DJtufif befteüen, moju fommen fann, roer roifl." 3m Saljre 1848 trat ber ©rj^erjog potitifd) tljätig auf. @r befanb ficf) nod) am 13. 9Jtiir§ in 2ßien, bann reiste er nad) (Sraj. 3113 er am 14. SBien Berließ, wollte man it)m eine 31b= Teilung §ufaren §u feinem ©dju^e mitgeben, er aber fagte: „SJemüfft eud) nid)t, Äinber, unb bleibt §ier. 9Jtir gefd)ie()t nichts, and) wenn id) ganj Öfterreid) o^ne alle SQegleitung unb ju f^uf) burcfjreife." (Sr freute fid) bc§ roeic^enben (SeifteSbrudeS unb er trat überall befdjroidjtigenb, ratljenb unb ^elfenb ein. 31ud) in ben beutfcljen Staaten entftanben im 9Jtär§ 1848 93o(fSbemegungen, unb bie einzelnen ütegierungen mufsten ben 2Bünfcf)en beS 31oIfeS nadjgeben. Sa3 Streben aller (Sebilbeten richtete fid) aber auf eine neue beutfdfe 3teid)3oerfaffung. 3n granffurt a. 9Jt. trat eine größere 3tnja^I beutfc^er 9Jiänner au§ allen Steilen beS weiten 3teid)eS jufammen, um über bie neu ju geftaltenbe üteidfsoerfaffung Sßorfd)läge üorjubereiten, roorauf im KJlai bie aus allgemeinen SBa^len IferBorgegangene eonftituierenbe ütationalberfammlung jufammentrat. 3U biefer SSerfaminlung fd)idten and) bie bem beutfdjen 33unbe angeprigen öfterreid)ifd)en Siinber 3tbgeorbnete, Steiermarf fedjjeljn. Sie 9ßal)len fanben im 9Jžai ftatt. 3n ©raj mürbe granj 9titter Bon $ a I d) b e r g unb nad) beffen Dtüdtritt IDtori; Bon Saiferfelb gewählt; für bie Umgebung non ©raj $r. grunj |)Iube{, ^rofeffor ber 8anb= unb gorftroirtfc^aft am Joanneum unb nad) beffen SRüdtritt Dr. 9brd)er, Vermalter ber ©tift§= I)errfä)aft Stein. Unter ben übrigen befanben fid) 3ofef Snar, Sßrofeffor ber SJtattjematif an ber Uniberfität ©raj, ©nftab ^ranj ©d) rein er, Sßrofeffor ber pülitifdjen SDBiffenfdjaften, SDiorij Stitter bon $r a n d, fteir.=ftünb. 3Iu§fd)uf§ratf), ©eorg 9Jt allt), @t)nmafial= brofeffor in 9Jtarbnrg, Dr. Karl bon © t r e m a i) r, 6oncept§= praftifant ber ftänbifdjen Snmmerf)rocuratnr. $er S3ejirf '^ettau toaste nid)t. 2tm 29. Suni wählte bie 9tationaIberfammlung in granffurt ben ©rjtjerjog Sotjann jum beutfdjen SteidjSberroefer; ant 11. Suit jog er unter bem Subei ber SeböHerung in grantfurt ein unb übernahm bie ©etoalt, roeld)e bisher bem Sßrüfibenten be§ 33unbe§= tageS jugetommen mar. Slber bie Parteiungen unb ©treitigfeiten in ber Dtationalberfammlung, roeldje eine 9teid)§berfa|fung au§ar= beiten follte, berbitterten bem ©rjljerjog ba§ Sßirten. SSetriibt burdi bie ©djmierigfeiten, bie er in granffurt fanb, unb ben Perlauf ber Gegebenheiten, fd)ricb er ant 13. Pobentbcr an §tubef: „Sa ich für mich nichts begehret höbe unb nidjts mitt, fo bleibt mir immer ber 2Beg SßafhingtonS frei, nümtidj nad) boltbradjter 91uf= gäbe in bie liebe Heimat juriicfjutehren unb bort bie leisten Stage ju belieben. Sch h^e bie Sinber ber Gerge ftetS geliebt unb toerbe fte bis ju meinem lebten £)aud)e lieben." ®ie 9tationaI= berfammlung entfd)ieb fich äule^t für ein ©rbtaiferthum, roorauf ein Stheil ber 9lbgeorbneten ben König griebrid) SBilhelm IV. bon Preußen jum erblichen Kaifer mahlte. ®od) biefer lehnte bie Krone ab. SantalS molite ber ©rjherjog feine Söürbe nieberlegen, aber er ließ fid) bewegen, fie noch beijubeljalten, um Öfterreid) nid)t ganj bon ®eutfä)lanb jtt trennen. Sie Germirrung in Seutfdjlanb mürbe je|t immer größer. ,,Sd) gel)e", fchrieb ber ©rjherjog am 26. Suni 1849 (nad) ©aftein), „meil id) ben ©turnt tommen felje, roeldjem 511 begegnen ich fein Giittel höbe. Sd) l)nbe 478 — nuägefjarret unb fjarre noct) eine furje 3e^ «u§, allein id) ^abe ber $emüt^ignngen genug erlitten, um mid) nid)t nod) her letzten au§äufe|en, Don ^ranffurt roeidjen ju müffen." 21m 10. December legte er feine Sßürbe nieber, unb am 1. Sänner 1850 Derlieg er ^ranffurt, um nad) ©ra§ juritdjufe^ren. 21I§ er am 11. 9Jtai 1859 in ©raj au§ bem Seben fä)ieb, l)errfd)te tiefe Drauer in jeber ©tabt, in jebem Dorfe, in jebem ©epfte. Sffienn e§ map ift, roa§ ^eud)ter§leben fagt, baf§ ein tüdjtiger 9Jtann immer ein tücpgeS SBert Dor fid) pben müffe, bann mar ©rjprjog Solfann ber Düd)tigften einer; benn offne Unterbrechung bndjte er baran, Düd)tige§ ju leiften. Unb ba§ 2Bort be§ großen ©efihid)t§fd)reiber§ Dtanfe: „9Ud)t§ f eff eit bie ©emütlfer mep al§ bie SSerbinbung tion berfönlidjein SSerbienft, ppr ©eburt unb populären Beftrebungen" trifft bei it)m in oollem üfftaße ju. @r ftanb hoch unb bemüpe fiep um ba§ Sßopl felbft ber niebrigften feiner 91titmenfd)en. ©ein ßeidjnam mürbe nad) Dirol gebracht unb rupt in ber ©rabfapelle tior bem ©cploffe ©cpönna im paffeiertpale. 21uf bem §auptplape ju ©ra§ mürbe ipm ein Srjftanbbilb errieptet, bag au§ ber 2Berfftätte be§ ßünftlerS ffranj Ifßönnmger pertior= gieng unb ba§ am 8. September 1878 in Inroefenpeit beS SaiferS entpüHt mürbe. 2(uf einer fteinernen ©odelanlage erpebt fid) ba§ eperne ©tanbbilb, ba§ ben prinjen in ©ibilrod unb ötantel jeigt; in ber ütedften palt ber ©rjperjog bie ©tiftungSurfunbe be§ Joanneums. @ine ber Snfcpriften lautet: Unoergeffen lebt im Sötte, ®er be§ Sötte? nie Oergap. ©dlfiifg. Unter SMfer granj 3ofef I. paben bie politifdjen, oolt§= roirtfcpaftlicpen unb focialen SSerpältniffe Öfterreicpg eine boUftänbige Umgeftaltung erfapren. Diefe Umgeftaltung in ©teiermarf eingepen= ber auSeinanberjufepen, liegt niept im piane biefeS Bučpeš. Ser Otodjšratt) mar bon Sfflien nad) %remfter in ÜJiä^ren »erlegt roorben unb ronrbe bort aufgelöst, roorauf ber Satfer für bic gefammte s)J?onard)ie, alfo and) für Ungarn, cine neue 5Uer= faffung gab, bie fogenannte iDtür^berfaffung bom 4. 9Jiiir§ 1849. ©ie tam aber nie §ur ÜluSfü^nmg unb tottrbe ant 1. 3'änner 1852 roieber befeitigt; mit it)r berfdftoanben and) bie @rrnngcn= fünften beš 3at)re§ 1848, ba§ ißrefSgefe|, bie ©runbredjte unb bie ©cfd)toornengerid)te, nur bie lufljebung ber Untert^änigfeit, 9iobot unb ber 3et)nte aufredjt. $on ba an rourbe Öftcrreid) roieber abfolut regiert, bis nad) bcn 9tiebertagen in Italien im Salfre 1859 neuerbingS bie 23af)n beS iKbfolutišmuš berlaffen rourbe. 2tn ben SßerfaffungStambfen, bie fid) nun entftmnnen, nal)m in [jerborragcnbcr $Beifc ber ©teier= märfer 9Jtori5 bon Saiferfelb tfjeit. @r roar im 3at)re 1811 gtt ißettau als ©ol)tt beS Sefitjerš bon fOZonSfierg, gran^ Subtoig Stagatinfdjeg @blen bon Saiferfelb, geboren. 9tad) Seenbigung ber juribifdjen ©tubien tam er 1835 als Suftitiär nad) S^an^aufen bei $Bei§, betu ©d)loffe be§ 9tcid)S= freitierrn ©ubenuS. 3roei 3a^re finiter überfiebelte er als 33erroalter ber tpertfd)aft 39irfenftein=$irffelb auf ©d)lofS SBirfenftein, mit beffen 33efi|erin, ber berroitroeten ©räfin DJZaric bon $RannebilIe, er fid) bermäl)lte. ms Kolititer trat Slaiferfelb ^uerft in ben Satiren 1848 unb 1849 auf; bom Sänner bis iDtitte ülftril 1849 befanb er fid) als m>georbneter ber ©teiermarf in §ranffurt a. 9J?., baS er, ntannig= fad) enttäufd)t, 9Jtitte 9tf)ril berlieff. 9Jtit bcm Unmutffe eines ed)ten Patrioten, ber fid) nad) einer frei^eitlidien ©eftaltung Ofterreid)š feffnt, berfolgte er bie 2Bege, roeld)e bie abfolute ^Regierung gieng; bon 1860 an ftanb er int Sßorbergrunbe beš tmrlamentarifd)en Sebenš unb führte oft in Sanbeš= tnie in 9ieid)Sangelegent)eiten ein entfdfeibenbeS Sßort. @r roar bom februar 1868 bis 511m iötai 1870 ißröfibent beS mgeorbnetenfiaufeS. Sann rourbe er ßanbeSl)auf)tmann bott ©teiermarf unb fomit 9Zad)fotger beS (Srnfert ©1 et § n , bet biefe SMrbe feit 1861 befleibet l)ntte. 2Sm Sluguft 1884 trat er nuS bem offentličtjen Seben jutiict unb ftarb am 14. februar 1885. Sanbe§f)auptmami rourbe hierauf ©raf ©unbafer SButmbranb, ber im 3al)re 1893 jum |tanbet§= minifter ernannt rourbe, worauf ber Saifet ben ©rafen ©buarb 511 tem S junt Sanbe^aufitmann ernannte. 3e^t fte!)t toieber ©raf ©unbafer SBurmbranb an ber ©fn|e be§ Sanbeš. $ie ©tatttfatterroiirbe befteibete in ben Safjren 1870 bi§ 1895 greifierr ©n ib o Ä'übecf bon Sl ii ban, ber fid) um ba§ Sanb biefe unb grofje SBerbienfte ertoorben fiat. ©ein ijfat^folger rourbe Ofibier 9Jf ar qui§ $ a c q u e f) e m. 3m 3af;re 1859 rourbe, roie fčf)on erroäfjnt, bie Seobner ®ibcefe botlftänbig mit bem ©ecfauer 33i§ffium bereinigt. 5) a für fam ber sJJtarburger SlreiS an bie SMocefe Sabant, roeldje itfren färntifi^en Streit bem 3M§tf)um ©urf abtrat. Ser giirftbifctjof bon Sabant 5fnton 9Jfartin @ I o m f ct) e f naf)m baffer feinen ©i| in 9Jtarburg; bie ©tabtpfarrfirdje rourbe jur Somfiuije erfjoben. Sie 9teif)e ber $ürftbifif)öfe bon ©ecfau feit 1848 ift folgenbe: Sofef Ottmar 9fitter bon 91 auf d) er (1849—1853), Ottofar ÜJlaria ©raf 5t 11 e m S (1853—1867), Sofjann $af)tift 3roerger (1867—1893) unb Seo)roIb © ct) u ft e r. 5tuf bem fürftbifcf)öfliif)en ©tuf)le bon Sabant folgte auf ©lomfctief, ber int ^a^re 1862 au§ bem Seben fc^ieb, 3afob fölajimifian © t e f) i f ct) n i g g (1862—1889) unb biefent Jffidiael 91 a ft o t n i f. gür bie bolf§roirtfcf)aftUd)en Quftänbe rourbe bie Befreiung be§ BauernftanbeS bon ben an ©runb unb Boben fjaftcnben Saften bon großer Bebeutung. 3um Sßrafibenten ber ©runbentfaftung§=©ommiffion für ©teier= ntarf roar im October 1849 ^ranj Bitter bon S1 alcfibetg er= nannt roorben. Siefe ©ommiffion rourbe nad) Beenbigttng ißrer fdjtoeren 5trbeit anfangs 5tpril 1852 aufgelöst. 481 ®ic Soften rourben ttjeilS otjne, ttjcilS mit @ntfč)ttbigung ber $erect)tigtcn aufgehoben; ben $er))ftid)teten rourbe bie Stiftung ber ($ntfd)itbigung Don ber Dtegierung in ollen Säubern burd) erjin§lid)en Obligationen biefer ffonbš unb tonnte fiel) burd) ihren $ctfauf ben Gahitalsroert feiner 9lnfhrüd)e oerfd)affen ober bie 3infen beziehen. @§ ift Don Sntereffe, bie sJ(nfid)t be§ @r^[)eqogS @oI)ann über bie ^Befreiung ber Säuern unb ihre folgen 511 bernehmen. „Oie Saften l)ot man auf einer ©eite ben Säuern genommen, bie er gewöhnt roar, bie ihn brüdten; nehme man fid) in ad)t, it)n bafür nicht burd) Auflegung noch größerer in feinen Hoffnungen 511 täufdfen. Oie Saften, roeld)e bie Herrfd)aften bisher trugen, als Serroaltung, patronate, ©djulen, @ebrüud)lid)fciten, Unter= ftütjimgen u. f. ro. hören auf; fie fallen bem ©taate §ur Saft, ber bie ötittel ba§u fid) toieber Don ben Säuern berfthoffen mufS." ©0 ift eS and) gefommen; eS märe toirflid) umnöglid), bem Sanbtoirte nod) mehr Saften auf^ubürben, als er jet)t ^u tragen hnt. DJtit ber Aufhebung ber Unterthänigfeit ftanb im 3ufammen= hange bie Umgeftaltung ber Sufti^ unb ber Sertoaltung, für rocld)e neue Sel)örben gefd)affeu werben mufsten. Diene unb neuartige ©djulen, roie 91derbau=, 2Beinbau= unb Obftbaufdjulen, Sürger= fctjulen, ütealfchulen, HanöelS= unb ©eroerbefchulen trugen §ur Hebung ber Sanbroirtfdiaft, ber (Seroerbe unb beš HrtbbelS bei. Oie inbuftrielle Ohütigfeit fanb and) fförbenmg burd) bie Dtnberung ber infofern 1851 an bie ©teile beS 5proI)ibitibfhftemS ber gemäßigte ©djut^oll trat, burd) HnnbelSbertrage, Segünftigung bon ffabrifSunterneI)mungen, (SeroerbeauSftellungen unb DluSgeftaltung beS 3ßoft=, Oelegrabhen=, Oelehhou^ unb @ifenbal)nroefenS. Euch baS neue SanbeSmufeum erweist fid) für baS ©eroerbe unb bie buftrie bon großem Sortheile. Dieben ber uralten ©ifeninbuftrie 31 9)tat)er, ©ef(l)idbie ber ©teiermart. waren im Saufe ber 3eitot neue ^nbuftriejmeige entftanben, bie je|t in großartigem Ötaßftabe erweitert mürben, fo beifpiel§= weife bie @(a§=, ißaf)ier=, 3ün')toaren= unb Sierfabrication ; eines woßtoerbienten 9tufe§ erfreuen fiel) auct) anbere (šr^eugniffe ber ßeimifdjen Snbuftrie, wie Sßamfiagner, 3roiebacf, .fbiite unb Saßrräber. ®ie bieten inbuftrietten Unternehmungen befdjaftigen eine große 3a^ UDn Arbeitern unb berfenben iß re ©r^eugniffe in weite fernen. 2)ie erfte (Sifenbaßn in ©teiermarf war, wie fdjou früßer erwüßnt mürbe, bie ^mifeßen ötür^ufeßtag unb ©raj; im 3aßre 1846 mürbe bie ©treefe @ra§—ßitti eröffnet, an meteße fitß fßäter bie bon ©iöi naeß Saibacß anreißte. 91m 17. 3uni 1854 erfolgte bie ©röffnung ber f^aßrt über ben ©cminering. 9In biefe §auf)t= linie Inüßften fieß ©eitentinien an, meteße ©teiermarf mit Kärnten, Ungarn unb ©roatien berbinben, fowie bie Sinicn DJtür^ufcßtag— Dteuberg unb 33rii(f—Seoben. 3ur 91u§beutuug ber 3Braunfoßten= fcßäße im Setten ^wifeßen SremS unb Äöflacß, Sanfomits unb sfßiber erbaute eine ©efeßfeßaft bie ©ra§=lt'öftacßer Saßn, bie am 3. tÄprit 1860 eröffnet würbe unb bet 1873 ein Flügel bon Siebotß naeß $ßieS angefeßt mürbe. 3ur Serbinbung mit $uba= peft entftanb 1873 bie ungarifeße Sßeftbaßn. SDurcß Oberfteier füßrt bie 9tuboIf§baßn, mit ber bie ©täßeqogin ©ifelabaßn unb bie ©al^ fammergütbaßn in Serbinbung fteßen. 3n neuefter 3eit entftanben aueß SanbeSbaßnen, fo bie bon ß'aßfenberg naeß 9tu=©eemiefen, bie bon ißöltfcßatß naeß ©onobiß, bon ©itti naeß SBößan, bon üßrebing naeß ©tainj, bie bon Un^marft über Shiran naeß Stautern= borf. Oiefe leßtere Saßn, gewößnticß Sturtßatbaßn genannt, mürbe 1894 eröffnet unb geßört jeßt einer ütctiengefefifeßaft. ßtießt minber regte e§ fiiß auf bem geiftigen ©ebiete. ©S gab unb gibt in ©teiermarf auf bem ÜfrbeitSfelbe ber berfeßiebenften ßßiffenfcßaften, ber fünfte unb ber Siteratur Stürmer, bereu 9tußm weit über bie ©rennen be§ SanbeS ßinauSgebrungen ift. ©ine ßßiirbigung ber Seiftungen biefer Scanner fann ßier unmögtieß tierfucfyt werben unb muf§ einer fbüteren 3e*t twrbe^alten bleiben; bie bloße Euf^äljlung von Flamen aber wäre ^roeiflog. Ser 91u§geftaltung be§ ßanbe§mufeum§ mufS bter in ft'ür^e gebacbt werben. Sie oberfte Seitung be§ 3oannenm§ ’^ielt ber ©r^erjog Sodann bis an fein SebenSenbe in ber föanb, bocf) ftanb if)m ratbenb unb l)elfenb ein Kuratorium §ur ©eite. Sa aber ber ©djwerbunft beS Joanneums von ben Sammlungen auf bie aflmäfflid) ermadjfene tedjnifdje ^)oc()fd)ule übertragen würbe, er= fd)ien ba§ Kuratorium als überflüffig, unb ein neues Statut Vom 3ol)re 1866 ftellte baS Joanneum unter bie Oberauffid)t beS Sanbe§=91nSfd)U|feS. 9Zad)bem im Satire 1874 bie auSgeftaltete ted)nifä)e £)od)fd)uIe Vom Staate übernommen worben war, tonnte ben äurüdgebliebenen Steilen ber 91nftalt wicber größere 91uf= merffamfeit gugemenbet werben. @S entftanb ein 91?ufeumS=$erein, ber fid) bie DtuSgeftaltung ber Oorf)anbenen Sammlungen 51t einem ben ^orberungen ber ©egenwart entfbredjenben SanbeSmufeum §ur 'llufgabe ftellte. 9tad) langen Seratljungen tam im Satire 1887 ein neues Statut ^uftanbe, burd) melä)eS baS Kuratorium wicber ins Seben gerufen würbe, unb ^mar als beftünbigcr Seiratl) be§ Sanbe§= 21uSfd)uffeS. @S l)atte fid) bereits bie Überzeugung ©eltung Verfdjafft, bafs neben ben vortjanbenen naturwiffenfd)aftlid)en Sammlungen bie „funftt)iftorifd)en, bie bisher VorzugSweife aus einem 9JZünzen= unb 91nti!encabinete beftanben, auf bie §ö^e ber gebradjt unb auf biefem ©ebiete aud) ganz neue Slbtljeilungen angegliebert werben müfSten, um bie ©d)öfifung beS ©rünberS iljrer urfprünglid)en Seftimmung gemäß zu einem SanbeSmufeum auSzugeftalten. 9teben bem Stubium ber Dtaturwiffenfcßaften unb ber ©efd)id)te nmfste baßer bie Silbung beS ©efdjmadcS im allgemeinen, unb ganz befonberS bie Hebung beS fünftlerifdjen unb gewerblid)en ScßaffenS Vom 9JZufeum geforbert werben". §ür baS bereits $orßanbene unb für tm§, toa§ neu gefd)offen roerben fodte, maren bie bisher be= nütjten 9täuinlid)feiten ni(f)t nngteicfjenb. 'Jitufj ber Überfiebhmg bet tecfwifdjen §0(|fd)ule in il)r neues ©ebüubc mürben im SeSliebmfe bie fn'üfnftorifdje ©nmmlung, ba§ fDlün^en« unb ütntifencabinet nnb nfle natur^ifiorifdien @amm= lungen in neuer Orbnung aufgeftellt; für bie Sibliotfjef mürbe ein 3ubnu unb für ba§ cniturljiftorifdie iöfufeum ein Dieubnn nuf= geführt. Sie öiittel ^iep mürben grb|3tentf;eil§ burd) bie 58er= änjfernng beS Soanneumgnrteng geroonnen. Sicfer ronr Don ben ©tünben nrfbrüngiiä) al§ botanifäier ©arten angelegt rootben unb tonnte nunmehr befeitigt roerben, ba bie Uniberfität fid) felbft einen botanifdjen ©arten antegte. Ser 9teubau be§ 9JtnfeumS ift im Sarodftil gehalten unb richtet feine -öaufitfront gegen bie 9teut£)orgaffe. Ser mittlere Stjeil ift ^urüdgerüdt „nnb fo entftanb für ben großen fnfifielgefrönten fötittelbau bie (Sjrebrafotm, moburd) ein malerifd) bemegter @runb= rif§ foroot)! ben üftßetifctjen, at§ and) braftifdjen 9tüdfid)ten ent= gegentommt. ©d)on biefe ©tunbrifSanlage, bie ben ^aupteingang bornetnn bon ber ©trage ^urüdlegt, djaratterifiert ben ibealen 3med be§ ©ebänbeS unb ermöglidjt einen Überbtid über baSfetbe. ütber and) it)re praftifdje ©eite ift nnberfennbar; burd) bie @$ebra= form roirb ba§ ©ebäube an ber ©entralfteüe, beim §aupteingange eingefdmürt", moburd) beroirft roirb, bafs beibe Hälften be§ @e= bäubeS ben gemeinfamen ©ingang benütjen unb bod) boflftänbig bon einauber abgefd)toffen roerben tonnen. Sn biefem ©ebäube finb ba§ cutturt)iftorifd)e unb Sunft= geroerbemufeum unb bie lanbfd)aftlid)e Silbergaöerie untergebradjt. Sie Soften für bie innere ©inridjtung beftritt bie fteiermürfifctje ©parcaffe; bie ©ammlung§=@egenftänbe rourben au§ ber Sanbe§= botation, ben SapreSbeiträgen be§ fÖtufeumSbereineS unb aus ben SatjreSfubbentionen angetauft, toetd)e baS 9Jänifterium für ©ultuS unb Unterricht feit einer Üteifie bon Sahren bem SanbeSmufeum§= tiemne unb bem fteiermitrfifdjen Vereine jur görberung ber ßun(t= inbuftrie getoä^rte. S)a§ SanbeSmufeum rourbe am 5. Sunt 1895 tu ©egenwart be§ SaiferS ber Öffentlict)feit übergeben.1 $)a§ cu(turf)t[torif(l)e unb ba§ Hunftgemerbemnfeum geben jnnäct)ft ein $ilb bon bem Sßo^nen unb ©ctiaffen ber oerfct)iebenen ©efeflfcf)aft§fdjtct)teu bež SanbeS. 5)en ^autitttjeit bilben Original müfjnräuute ber ©teiermarf tiom beginne ber 9ienaiffance bt§ jum Anfang bež neunzehnten Sahrt)unbertž. ®až Äunftgeroerbemufeum enthält 9Jtufter unb Sßorbtlber für ba§ Hunftgewerbe unb bilbet bett tötittetfmnft bež tunftgeroerblichen ©chaffenž tm Sanbe. Sin 33üb bež 9(uffct)mungež, ben baž Sanb nad) unb nad) nahm, gaben bte SanbežaužfteHungen, bie 1870, 1880 unb 1890 in ©raj ftattfanben. ®ie Sanbežhauptftabt ©raj nahm natur= gemäß an bem 91itffd)tounge ben größten 3tntheü. Sin Sah1'6 1857 rourbe mit ber ©tabterroeitenmg begonnen, unb non öa an ent= roidelte fid) bie ©tabt in ungewöhnlicher 3‘ßeife. ©ie behüte fid) nach allen ©eiten hin aus, unb in i()r entftanben außer bem fd)ou ermähnten Sanbežmufeum nod) eine große 31njal)l neuer, tiräd)tiger ©ebäube. ®až ©tabtljauž mufžte erweitert unb öollftäubig um= gebaut werben; für bie Suftij würben jroei 3ßrad)tgebäube auf= geführt. ®ie ted)nifche §od)fd)ttle bejog 1888, bie Uuiberfität 1895 ein neuež |)eim, unb in beiben Sahnen erfd)ien ber Raifer in ©raj, um bie Eröffnung biefer §od)fchuleu twrjunel)men. 31ttd) für bie jroei ©hntnafien unb für bie ©tnatžgeroetbefd)ule ließ bie Ütegierung neue ©ebäube herfüllen; ež entftanb ferner ber 'Dteubau bež fürftbif(höflichen ÄnabenfeminarS üluguftineum, baž tpribat= gßmnafiunt ©cholj, unb für bie 33olfž= unb 33iirgerfd)ulen er= richtete bie ©tabt neue, geräumige Käufer, (šine fd)öne unb jroed= mäßige SEurnanftalt war fd)on 1868 oom Sanbež=91užfd)uffe am $uße bež ©chlofžbergež erbaut worben. 1 $gt. bie 3itf)re§6ericf)te be§ SanbeSmufeumS Soanneum, rodele ba§ Gumtonum a(tjäf)rlid() tjerauSgibt. Ser rafd) anmactifenben Sebölterung ber SanbeS^aubtftabt genügten bie tiortjanbenen Sirdjen nietjt metjr; e§ rourben ba()er neue ©otteS'fiäufer erricf)tet, n am ti d) bie ^erg 3efu=Sird)e, ein gotfiifdjer 9ßrm|tban, bereit §erfteHung ben $emüt)ungen be§ früheren gürftbifdjofeS 3ot)anne§ 3toer9ei' F bnnfen ift, bie SJtarienfirdje unb bie Sirdje in 9Ilger§borf, bag ein anfe^nlidjer Crt geroorben mar. @§ entftanben ferner mehrere $ßD^ttf)ütigfeitg= anftatten: bag lanbfdiafttidje Saubftummeninftitut, bag Obitien= 33Iinbeninftitut, ferner 2Baifen= unb Sranfen^äufer. 3n ber 9iät)e Don ©rn^ errichtete bag Sanb bie Srrenanftnlt ^elbttof. @in neuer, umfangreicher, mit großen Soften hergeftellter griebhof, urff)rüng= tid) alg @entrttI = ^riebhof gewinnt, rourbe ber" 33enü|ung ii6et= geben. @g entftanben ferner bie SnbuftriehaKe, bie ßanbegfchie^= ftätte auf ber ütnbritt unb bag ftäbtifdie @d)Iad)thnug. $on beut iäuffdjroumje beg ißerfehrslebeng geben 3eiu3ni§ mehrere neu entftanbene SBantinftitute unb ©harcaffen. üßü'hrenb bie ©emeinbefharcaffe im erroeiterten 9tatf)houfe tierblieb, errichteten fid) bie fteiermärtifd)e ©parenffe unb bie ©parcaffe beg Sk^irteg Umgebung ©rag eigene ©ebaube. Sie roed)felfeitige $ranbfchaben= ißerfidjerungganftalt führte einen 9teubau neben beut Sanbhaufe in ber ^terrengaffe auf, in melcher auch bie SBettfirma ber Sßrüber Shtitiet ^roei grofic ©efchüftg= unb SitiShi™?61 herfteöen üeR- gut tiiele ber größeren dteubauten mürbe ber 'Jtenaiffanceftit angemenbet. Über bie 9Jtur ffiannen fid) jetjt neue $ rüden; bie ißferbe= bahn burd)Üeht bie ^aufitftra^en, eine Srahtfeilbahn führt auf ben ©d)lofgbetg, unb halb roirb bie eleftrifd)e Sahn bie ©tabt mit umliegenben Orten tierbinbeu. Ohne Stoeifet hat alfo ©teiermarf roie and) anbere bfterreid)ifd)e Sauber einen großen 9tuffd)roung genommen. 9tber bamit ift nidjt gefaßt, bafg fid) alte 9fleuerungen, alte neuen ®efe|e alg tiotlfommen erroiefen hoben. Sie Seadjtung, roeldje bie ©efe^gebung ben Sntereffen beg Sauernftanbeg §ugemeubet hot, ift tiiel 511 gering. @r feuf§t unter großen Soften, unb biete Säuern geben tt)ren Sefiß auf, ber einem ©rofsgrunbbefitje eintierleibt wirb. ®ie 9tuSbeI)nung beS Großbetriebes jmingt biete ^anbroerfSmeifter, ißrer ©etbftänbigteit 31t entfngen unb Soßnarbeiter 31t in erben. ©0 tierarmt ber 5)tittel= ftanb, unb baS ülrbeiterfiroletariat tierineßrt fiä). @§ finb mit ber 'jtnberung ber Sertjältniffe überall bie Sebürfniffe beS ©taateS, ber Sauber unb ber ©emeinben geftiegen unb tfaben pßere Steuern unb Umlagen uöttjig gemaetjt; biefe führten roieber eine Steigerung ber greife ber SebenSmittet unb tierfdjicbener anberer $erbramt)S= gegenftänbe Ijerbci, bie gerabe tion bem ärmeren üEtfeile ber 33etiöl= ferung ferner emgfunben wirb. Ülber attä) an jeben einjetnen tritt bie mit größeren Stnforberungen ßeran; biefe tierlangen roieber meßr Ausgaben unb biefe bebingen meßr ©innaßmen. ©0 ift überall baS Streben nact) meßr Sefiß unb meßr ©enufS bemerfbar, unb bamit ßüngt bie Un3ufriebenßeit jufamnten, bie in maneße ©cßidjten ber Setiölferung eingefeßrt ift. ®ie übertrieben raftlofe Zßätigfeit, baS ßaftige Streben nad) ©eroinn, bie tiielfaltigen Semüßungen um einen müßelofen ©rroerb, aber muß bie Siußt nad) Vergnügungen, biefe VuStoüdjfe einer ßoßen ©itiitifation, bie in anberen 3'nbuftrielünbern in fo auffatlenber Stßeife fid) jeigen, finb in unferem Sanbe weniger bemerfbar; aber bie Verßältniffe jroingen and) bei unS feßr Diele, alle 3eit unb alle firafte bem ©rtuerbe ber nötßigen ©jiftensmittel, ber Sorge für bie ©egenroart unb bie ^utunft 311 roibmen, unb baßer gebridjt eS Dielen an ber nötßigen DJhtße, fid) um bie Ver= gangenßeit 311 fümmeru. @§ ift fid)er, bafS troß ber ^ortfeßritte ber ßiftorifeßen 3tiiffenfd)aft, troß ber tiielen ©injelforfcßungen unb tioßulären ®arfteöungen unb troß beS ßiftorifdjen llnterrießtS in ben tiielen Scßulen ber ßiftorifdje Sinn im Volfe ftßroäcßer geworben ift, als er eßebem war. $aßer betraißtet es ber ,7) i ft 0 r i f cß e V e r e i n für Steter« marf and) als feine Aufgabe, tion 3?it P 1111 bie großen gefd)id)tlid)en Vtomente ber Vergangenßeit 31t erinnern, unb er ßatte bic $reube, feine 311 biefeit 3toeden bemnftalteten štierfammlungen ftet§ bon einer großen 3a^ uon ©efdfidftsfrennben befuctjt jn feßen. ©o bernnftaltete er mn 29. Üiprü 1880 in ber Snnbftube eine feierliche Sßerfammlnng jur Srinnerung an bie bor 700 fahren erfolgte Qürlfebung ber ©teiermarf 311 einem ,lperjogtl)um. ®er ©tattf)alter 23aron Sliibect, ffelöjeugmeifter ^reißerr granj Slul)nf ber Wtrgermeifter Dr. Sienjl, ber iflräfibent beS f. t. Oberlanbe§= gerid)te§ Stüter bon SBnfer, ber ginanj=Sanbe§bircctor Äarl Sorab St. bon 9Jtül)lftröm, bie Stectoren ber beiben §od)fct)ulen Dr. Satt tölobig unb $B. §el)ite wohnten ber tßerfammlung bei. Ser @fjren= präfibent be§ SßereineS, Sanbe§l)auptmann Sltorij bon Saiferfelb, eröffnete bie tßerfnmmlung, tuorauf Sanbe§arc£)tbar Dr. Sofef bon 3af)n einen Siortrag über bie StuSbilbung unb ©rßebung ber @teier= mar! jum ^)erjogt()um hielt. 9tn biefen Sortrag anfnüpfenb fpract) ber Sßrof. Dr. granj SroneS Stüter bon SJtarchlanb über bie ^Bereinigung ber ©teiermarf mit bem Sanbe Öfterreich unb feine fpateren ©efdjicfe. Ser ^)iftorifct)e SBerein molite im Salfre 1882 eine S8erfamin= hing jur ©rinnernng an bie bor 600 fahren erfolgte 9Mef)mmg ber Habsburger mit ©teiermarf abhalten, betheiligte fich aber an ber im ©ommer 1883 bom fteiermürfifchen SanbeSauSfchuffe heran= ftalteten freier. Slnlüfslich biefer ©öcularfeier mürbe auch e'llc 9üiS= ftelluug beranftaltet, roelif)e bon ber ßnlturentmtcEIung be§ SonbeS ein anfd)nuliä)eä Stilb gab. 91m 30. 3nni fanb in ber Sanbftube eine f>eftüerfammtung ftatt, 311 ber fich ein felfr jahlreidjeS publicum berfammelte. Sen SSortrag hielt ißrof. granj ft'roneS bon 9Jtard)lanb. 9tm 1. 3uli fam auch ber Saifer nad) ©raj. 3m Sanbe§= theater fanb am 3. 3uli eine fyeftoorftellung ftatt, bei meldjer nad) einem prologe Stöbert |)amerling§ fech§ lebenbe Stüber auS ber ©efd)id)te beS SanbeS bargeftetlt mürben. SaS erfte Stilb ber= gegenmürtigte bie Sterfammlnng ber fteirifdjen Sanbherren im Slofter Stein im Sahre 1276; ba§ jmeite fteltte ben Stbfdjieb be§ jper^ogS (Srnft be§ Sifetnen bon feiner (Bema^ltn ©mburgig bor feiner Pilgerfahrt in bnS heilige Sanb bar; ba§ brüte 93ilb führte ben (šmbfang be§ ©rjherjogS Sari II. unb feiner ©emahtin 9Jtaria an ber SBeinjettelbrtide im Satire 1571, ba§ bterte eine ©cene au§ ber ©chlačit bei ©iffef im Snh>-'e 1593 bor. Srn fünften Silbe geigte fiel) bie Saiferin 9Jtaria SLhcrefia, tote fie bei ihrer ülnroefenheit in ©ra§ im Sahre 1765 ben fteirifd)en ^er^ogShut mit acht foftbaren perlen fchmüifte. 5Da§ feih§te 33ilb führte bie 3nfi'haner in ba§ S« 1814; e§ jeigte an§ bem Sri ege ht’im= fefirenbe S'rieger, begrüßt bon ihren Snnbslcuten. $on ©raj begab fid) ber Saifer am 9. Snü nach Starburg, too ba§ $ e g c 11 h o f f = ®enfmal enthüllt tourbe, ba§ bie Sürger ihrem großen SanbSmanne errichtet hatten. 'Jtadjbem ber Saifer Saibad) unb bie ülbelsberger ©rotte befuä)t hotk, lehrte er über 2arbi§ nach Sfchl jurüd. 9tud) im Sah« 1892 beranftaltetc ber ^iftorifdie Serein eine ^eftberfammlnng. @§ hnnbelte fid) um bie freier ber 700jährigen Bereinigung ber ©teiermart mit Öfterreich, 1192 ftattgefunben hatte. Sie $eier fanb am 20. Dtobember 1892 in ber Sanbftube ftatt; ben Bortrag hielt fberr 9iegierung§rnth Dr. ^ran§ Slwof, ber in tlarer üßeife bie Berhältniffe au§einanberfe|te, unter benen biefe Bereinigung ftattgefunben h^t- Sie nächfte hiftorifdje ©rinnerungSfeier toirb im Sah1'6 1898 ftattfinbeu. Sie ganje Bebölterung ber ©teiermart toirb be§ bor fünfzig Snhl'en erfolgten Regierungsantrittes unfereS SaiferS fvranj Sofef I. gebeuten unb fid) mit ben Bewohnern ber übrigen Sron= länber in bem äßunfdje bereinen, bafS bie Regierung unfereS erhabenen Stouardjen nod) biele Suhre bauern möge. Snlmlto-iimeidjnb ©orßßJ'rf|irf|{B. geite flelten unb Dtömer....................................................... 1 (Evifer Zeitraum. Sieicrmor! bon ber Solfcrtoanbeiung 6i§ gum $eginn ber §etr|"c()aft ber §ab§6urger. I. ©crmanen unb ©laben.........................................10 II. (Sntfteljung ber ©tciermat!.......................................19 1. Kärnten unb bie Kärntner Dllarf.................................19 2. ffllarfgrafen auS berfd^iebenen igaufern.........................20 3. SDie 9)?artgrafen au§ bem §aufe ber $raungauer................23 III. $ie $linifterialen unb bte SSerbinbung ber ©teiermarf mit Öfterreid^ 27 1. ®ie 9JZinifterialen..............................................27 2. Skrbinbung ber ©teiermart mit Öfterreid).........................29 IV. ^ergoge an§ bem igaufe ber Sabenberger ............................30 1. Seobolb II.......................................................30 2. Seopolb III..................................................... 32 3. griebrid) ber Streitbare.........................................33 V. $a§ S>bifdjcnreidj..................................................35 1. ®er Kampf um ©teiermarf..........................................35 2. i)Ifemp§I Dttofar................................................39 3. tpfemt)§I Dttofar unb 9tubolf bon §ab§burg.......................43 4. $ie $elef)nung ber tgabsburger..................................47 VI. SSnnere unb Euftnrguftänbe...........................................48 1. $er ütbel.......................................................48 2. Sie ©eiftfii^feit. Sic äfteften Klöfter.........................57 3. äöirffamfeit unb @inrid)tung ber älteren Klöfter. ®ie Sranci§= caner unb bie ®ominicaner.........................................62 4. Kunft............................................................66 5. ©djule unb ®icbtfunft............................................68 6. Bergbau, ©iäbte unb §anbel.......................................71 7. ®ie Bauern.......................................................76 8. Bermaltung.......................................................80 Bfantsv ^citvaum. ®ie .§ab§burgei bi§ jum $obe gnebti(§§ III. 1493. g I. ültbrecbt 1..........................................................81 II. Sttebricfi bet ©djime..............................................88 III. «llbrec^t 11...........................................................90 IY. Sfubolf IV...............................................................92 V. Seopolb lil. unb SZBilljclm. ®ie dürfen.......................94 VI. @rnft bet Gčifcrne. ®ie ©rafen tion ®itti................................98 VII. ßaifer griebtid) III.................................................101 1. fiaifer Qriebrid) unb bie ©rafen tion Stili.....................101 2. fiaifcr gfriebrtč) al§ SSormnnb be§ 2abi§Iau§ lßoftf|umu§ . . . 102 3. ®cr WuSgang bet ©rafen tion Silit......................104 4. HtnbreaS $autnfird)er................................... . . 107 5. ®ürlen unb Ungarn in ©ieierntar!.................................111 6. $ie leljten 3a^re Ifaifer Sriebric^S. ®ie Sggeitberger . . . 115 VIII. Smete unb Suliurjuftanbe............................................119 1. Skrfaffung unb Sermaltung........................................119 2. ®ie ©labte......................................................121 3. ®ie Sifettgeroinnung............................................136 4. ®ie S3 attern...................................................138 5. IDtUnje. greife unb 2b§ne........................................145 6. SBiffenfc^aft unb fiunft.........................................148 7. ©itten...........................................................154 Svitfcu Sotfraum. ®er Übergang jur Sieujeit. $)Za$imilian 1..................................161 1. ®ie SSerteibung ber Suben.......................................161 2. ®er Sauernaufftanb..............................................166 3. Sur Stjaratteriftif 98ta$imilian§ 1............................170 Bieder Zeitraum. Dicfouitntion unb ©egcnrefornmtion. I. gerbinanb 1.........................................................175 1. 9erbinanb§ DiegierungSantritt. $er ©auernaufftanb................175 2. ®ie ®itrlcnnolf) ................................................179 3. $ie Sleubefeftigung be§ ©c^IofSbergeS unb ber ©labt ©raj . . 185 4. ©iegntunb tion §erberftein.......................................187 Seite IT. $ie Deformation........................................................189 1. Anfang unb Sortfc^ritt ber Dlefornmtion unter fferbinanb I. . 189 2. SBciterer ffortfc^ritt ber Deformation unter Sari II.............200 3. Infänge ber (Segenreformation .................................215 4. (Borge für bie @idjcrl)eit be§ Sanbe§. Sunftbeftrcbungen . . . 231 5. $ie 3cü ber oormunbfdjafttictien Dcgierung.......................235 III. $ic (Segenreformation, fjerbinanb II................................239 1. $un$)fUI)rung ber (Segenreformation in ben Stäbtcn unb SJtärltcn 239 2. Sie (SrjIjerjogimSBittoe ötaria...................................259 3. Surd)fiit;rung ber (Segenrcfonnntion bei beut SIbeI.SIoftergrünbuugen 263 4. SBautcn. SBirfungeu be§ brcifeigjälirigen SricgeS.................267 5. Don fteirifdjcn DbclSfamilien.....................................271 IV. innere unb ßulturjuftänbe.............................................279 1. Sittenjuftänbe.................................................. 279 2. Snbuftrie unb fiunft..............................................283 3. Sergbau. §anbel...................................................294 4. Du§ bem ficben in ben Stabten.....................................298 5. Dom Düdjertoefcn in Steiermarf.................................301 6. Don ber Drjneifunbe unb ber Sßeft..............................304 fünfter ücttvanm. DoIitifc^cS Stillcben. I. gerbinanb III. unb Seopolb 1....................................311 1. Sa§ Saljr 1664 ............................................... 312 2. (Sraf @ra§mu§ Sattenbac^. Ser ßaifer in (Sraj..................315 3. Defiziten......................................................320 4. Sa§ Saljr 1683 ............................................... 323 II. ßarl VI.............................................................327 III. innere unb Sulturjuftänbe..........................................329 1. Sa§ £e$entoefen................................................329 2. Stanb ber Datumiffenfc^aften...................................333 3. ©. Dt. Difd)er.................................................336 4. ©raj...........................................................339 5. $a§ Seben in ben Stabten.......................................347 6. Steuern. Anregung jur inbuftriellen Sptigfeit..................361 7. fiunft.........................................................365 8. Ser Dbel..................................................... 368 Su'rfjsfin: Jeifraum. ajjaria Stjcrcfia unb Sofef II. gei(|, I. SJiatia Stfjerefta...................................................375 1. ßriegSäeiten.................................................... 375 2. Steformen. Dliarta SEfiercfia in ©tciermatf.......................380 3. Sliaria SE^erefinS ißerjbniii^fcit................................389 II. Sofcf II...............................................................392 1. ®ie Mufilärung. fiaifer 3ofef II. in ©ieierntarf................392 2. Säuern unb ülbel..................................................396 3. Sieligiöfe ^Reformen..............................................398 4. 3Inbere SReformen.................................................410 III. (Julturjuftänbc.......................................................414 SiBlmtfßr üctfraum. Son ben SranjoJenfriegen bi§ jur ©egenroart. I. ßeobolb II...........................................................423 II. ®ie Seit ber granjofenfriege...........................................426 1. $ic franjofifcfie SReooluiion unb it)re Sßirfung auf Dftcrmd) int allgemeinen unb auf ©teiermarf inSbefonbere...............426 2. Sie fffranjofen in ©teiermarf 1797 ................... 429 3. Sie grangofen in ©teiermarf 1800 ................... 433 4. Sie tfranjofen in ©teiermarf 1805 ........... .... 435 5. Sie granjofen in ©teiermarf 1809 .................. 438 III. Sie griebenšjeit ...................................................• 446 IV. Sa§ Safjr 1848. ßaifer granj 3ofef 1................................450 V. Srjljerjog 3of)ann..................................................460 ©tf)Iuf§ . .................................................... . 478 ürrlitö »on Idr. itofcre liitrtjljimblmig (I. ptrijcrljojf) in (Brnj. fJuril'ilj, Jnrij.,©tetevniärfifd)cö aBo^^enbucfi 156?'.gacftmtle= brmf rtebft einem iJiadjtoort Don Dr. 3ofef Don 3 a f) n unb ^eralbifct)e $eft)rei$)ung bon Üllfreb 3t. 91 n tl) o ni} Don ©iegen= f e Ib................1...............................fl. 15-—. --------$e$t jum ©teievmflrčifrben 9[öiit)beitbiit.........................................fl. 2.—. ®ieje§ für $f)eologen unb §iftorifer gleicß intereffante SBert befprirtjt in obiectiuer f$orm bie großen ©treitfragen, toeteße um bie tüßenbe brB XVI. 3at)r= ßunbertS ®eutfdßlanb aufregten unb geigt bann ba§ faft tragifeße ©djictjal bc§ großen Iftronomen, feine ©tctlungnaßme gu ben ffragen, fein SBerßältniB gu ben ßatßotifen unb gum „'5aufe Oefterreid)". Siijiifter, Dr. fcofi., ©t. 9tnna «m 3ltflen. ®ebenffct)rift ^um erften ffunbertjü^rigen Subilämn.................................fl. —.10. 6in ©tüd Socalgefcßicßte. 3Birb für jeben ©efd|icßt§forfdjer unb aud) für bic OrtBberooßner uon Snterefje fein. $ci ber Ausarbeitung rourben faft nur örtlidie Criginalacten benütjt. Jal)it, Dr. J. u., Styriaca. ©ebrucfteS unb ltngebrucfteS gur fteiermärfifdjen ©efd)id)te unb Gulturgefd)id)te, 2 $be. ä fl. 2-—. ®aS feßön auSgcftattete 58ud)... bringt SBieleS.. .unb fteßt ßod) über ber ®uljenbmare, bie nur gu oft unter bem gteißenben Au§t)ängefd)ilbe „cultur: gefcßi^tlidte" 6tubie von unberufener §anb für ben SBücßermartt be§ ®ageS „gufammengeflittert" erfeßeint. $er Serfaffer barf fi(ß getröften, burd) biefeS fein SBerf, roaS Sonn ber ©pradje unb 2öaßl ber ©toffe anbetangt, gtnifdjen einem reinen @efd)id)t§-- unb einem eeßten SBoHsbucßc glüäticß uermittelt gu ßaben. u r, n ■ v h* P, k - ' ^ 'v V' v/ ? 04./.* /. /! ?*' fc / M 3 rv, ^ f1; 3 /- 3z x'/: i 3 Studijski V' •3 ODDELEK 5; i / ?' U J izitn: