j j/sy £l>. TRAUTENAU. o o o o o VON E. HERRMANN. LAIBACH. DRUCK UND VERLAG VON IG. v. KLEINMAVR FED. BAMBERG. 1904 . Beniitzte Quellenwerke: Osterreichs Kampfe 1866. Das k. k. X. Korps bei Trautenau, Episoden aus den Kampfen der k. 1866, von Bouvier nnd Krainz. Regimentsgeschichten. von Liitgendor k. Nordarmee. C^cro^ZGK Tnbeschreibliche Begeisterung herrschte in den Kan- tonnements cles k. k. X. osterreichischen Armeekorps. Die Aussicht, in kurzer Zeit an den Feind zu komraen, und die Kunde von dem glorreichen Siege der Sudarmee bei Custoza erweckte in jedem Soldaten die Sehnsucht, es den Taten der Kameraden der Sudarmee gleich zu tun. Das X. Korps lagerte in folgender Ordnung: Korpshauptquartier und Brigade Grivičič in Jaromer, Brigade Knebel in Dubenec und Brigade Wimpffen in Schurz; die Brigade Mondel war bis Prausnitz und Kaile vorgeschoben und in Trautenau stand das Regiment Windischgratz - Dragoner mit Vorposten an der Grenze. An einem Wachtfeuer erzahlten sich einRe Offiziere o die Taten der alten Regimenter des X. Korps aus ver- gangenen glorreichen Zeiten. Da war das den Namen des Monarchen fiihrende Regiment Nr. 1, das sich in den Tiirkenkriegen unter der Plihrung des unsterblichen Volkshelden Prinz Eugen seine 1* @ 4 ® ersten Lorbeeren in der Schlacht bei Peterwardein als Regiment «Alt-Lothringen» erkampfte; im Jahre 1730 wehte die Fahne des Regiments am Fufie des Atna und bei dem Uberfall bei Hochkirch focht das Regiment in dem furchtbaren Kampfe im Dorfe; mit Todesverachtung wehrte es bei Aspern die Attacken der franzosischen Eisen- reiter ab und an den folgenden Feldziigen gegen Napoleon I. nahm es tatigen Anteil. Und Manenta und Solferino! Hoher schlucr das Herz O o bei der Erinnerung an die unvergleichlichen Heldentaten des Regiments. Unter den Ersten und Besten zahlten allzeit die stolzen Traper des immerwahrenden Namens «Erzherzogf Karl», die Soldaten des Infanterieregiments Nr. 3. Nie hatten sie der heiligen Pflicht vergessen, welche soleh ewiger Name auferlegt; sie sind seiner wurdig gewesen in dem Wechsel der Zeiten und Ereignisse, die Manner vom Regiment «Erzherzog Karb. Wo immer in den jahrzehntelangen, volkermordenden Kampfen der groben Franzosenzeit Grenadiere und Fusiliere des Regiments «Karl» auf den Plan traten, dort taten sie es gewi(3 den Tapfersten gleich. Unzahlbar sind die Namen derer, die man in jenen sturmbewegten Jahren mit Auszeichnung genannt und mit Auszeichnungen gežiert bat. Der Glorien- schein, der bald den Namen «Karl» umgab, teilte sich auch den Kriegern mit, die ihn mit freudigem Stolze trugen. Das Regiment Nr. 2 verdankte seine Entstehung einer fiir alle Zeiten denkwlirdigen Stunde. Als am 11. Sep- •© 5 ® tember 1741 Kaiserin Maria Theresia zu Prefiburg den ungarischen Standen die Worte zurief: «Von meinen Ver- blindeten verlassen, von den machtigsten Feinden und von den nachsten Verwandten bekriegt, erwarte Ich nur Hilfe von Euerer Treue und Euerem Mute; mein Schicksal ist in Eueren Handen!» flogen die ungarischen Schwerter blitzend aus ihren Scheiden und stiirmische Begeisterung hallte ihr entgegen. Unter dem tiefen Eindruck dieser Stunde beschlofi der Reichstag am 13. September 1741 die General -Insurrektion des Adels und die Aufstellung von sechs Infanterieregimentern. An den wechselvollen Ereignissen des Siebenjahrigen Krieges nahm das Regiment hervorragenden Anteil. In der Schlacht bei Kollin breitete der siegreiche Doppeladler seine Schvvingen aus — zer- pfllickt lag der Lorbeerkranz des bisher nie besiegten preufiischen Schlachtenkonigs. Wahrend noch die osterreichischen Geschiltzkugeln in die fliehenden Massen des Feindes einschlugen und der Pulverdampf sowie der Rauch und Oualm der brennen- den Dorfer den Kampfplatz einhiillten, ritt Feldmarschall Daun vor die gelichtete Front der um ihre Fahnen in sturmischer Beg;eisterung gescharten Bataillone des 2. Re- giments und entblofite sein Haupt. Im Jahre 1809 nahm das Regiment an der blutigen Schlacht bei Aspern teil, in welcher es sich durch wieder- holte heldenmlitige Angriffe auf Efilingen, kaltblutige Be- sonnenheit und eine wahrhaft heroische Standhaftigkeit gegen die umflutenden, unwiderstehlich scheinenden Reiter- @ 6 ® angriffe, vor allem aber durch aufopferndste und nie wankende Ausdauer gegen ein verheerendes Geschiitzfeuer auszeichnete. Und wieder brachte ein weltgeschichtlicher Tag, der Tag der Volkerschlacht bei Leipzig, dem Regimente neue Ehre. — Dumpf tonte der Marschschritt der siegreichen Verbiindeten durch Leipzig. Der Kaiser von Osterreich lieO seine Truppen passieren. Da, als die Division des Feldmarschalleutnants Bianchi mit dem Regiment Hiller Nr. 2 an der Spitze nahte, wandte sich der Feldmarschall Fiirst Schwarzenberg, der an der Seite des Monarchen hielt, zu diesem und sagte, auf die Division deutend, die denkwiirdigen Worte: «Euere Majestat, diese Division ist die Stiitze des Thrones.* Stolz flatterten die Fahnen des 2. Regiments im Jahre 1814 vor Pariš. Das 13. Infanterieregiment bildete einen Teil der Besatzung Wiens vvahrend der unvergefilichen Belagerung der Stadt durch die Tiirken im Jahre 1683. In der Schlacht bei Caldiero im Jahre 1805 fiihrte Erzherzog Karl personlich das Regiment Nr. 13 als seine letzte Reserve gegen den Feind. Begeistert durch das Beispiel todesmutiger Hingebung ihres erlauchten Ftihrers, setzten die Grenadiere ihre letzten Krafte zur siegreichen Entscheidung ein. Das Regiment Nr. 24, das schon im DreiCigjahrigen Kriege als Regiment Graf Hardegg kampfte, beteiligte sich seit dieser Zeit an allen Kriegen in hervorragender @ 7 ® Weise. Feldmarschall Laudon ftihrte die Regimenter Nr. 13 und Nr. 24 zum entscheidenden Sturme auf die Walle Belgrads am 9. Oktober 1789. Das Regiment Nr. 10 war in dem Sturmjahre 1848 eine Stiitze des Thrones und gab ein leuchtendes Vorbild unerschiitterlicher Treue. Gablenz. Und auch der anderen Truppenteile wurde gedacht, die heute hier lagerten und die als erprobte Waffen- gefahrten Habsburgs Kriegsbanner auf vielen Schlacht- feldern zu Ruhm und Elire getragen hatten. Allmahlich brach die Nacht herein. Das rege Treiben verstummte und bald Jrerrschte tiefe Stille, die nur zeit- weilig durch den halblauten Anruf der ausgestellten Posten oder das Schnauben eines Pferdes unterbrochen wurde. Ein prachtvoller Sternenhimmel wolbte sich irber die in Schlummer versunkenen ermiideten Truppen. ® g @ Die Ordre de bataille des X. Armeekorps war folgende: Korpskommandant: Feldmarschalleutnant Baron Gablenz, zugeteilt: Generalmajor Baron Koller, Generalstabschef: Oberst Baron Bourguignon, Artilleriechef: Oberst Eisler. Brigaden; Oberst Mondel (75. Infanterieregiment), Generalstabsoffizier: Hauptmann Wiser; 12. Jagerbataillon, Infanterieregiment Mazzuchelli Nr. 10, Infanterieregiment Parma Nr. 24, 4pfiindige FuCbatterie Nr. l/III. Oberst Grivičič (19. Infanterieregiment), Generalstabsoffizier: Hauptmann R. v. Andrioli; 16. Jagerbataillon, Infanterieregiment Kaiser Alexander Nr. 2, Infanterieregiment Ajroldi Nr. 23, 4pfundige FuCbatterie Nr. 2/III. Generalmajor Baron Wimpffen, Generalstabsoffizier: Hauptmann v. Bauer; Infanterieregiment Bamberg Nr. 13, Infanterieregiment Erzherzog Stephan Nr. 58, 4pfundige FuCbatterie Nr. 4/III. •8) 9 ® Generalmajor R. v. Knebel, Generalstabsoffizier: Hauptmann Baron Mayerhofer; 28. Jagerbataillon, Infanterieregiment Kaiser Franz Josef Nr. 1, Infanterieregiment Erzherzog Karl Nr. 3, o o j 4pfundige Fu(3batterie Nr. 3/III. Ulanenregiment Mensdorff Nr. 9: 3., 4. und 5. Eskadron, Dragonerregiment Windischgratz Nr. 2: L, 3., 4., 5. und 6. Eskadron, Korps-Geschiitzreserve: 40 Geschlitze, 3. Kompagnie des 5. Pionierbataillons, 1 Kriegsbrucken-Equipage. Total-Summe: 28 Bataillone Infanterie, 8 Eskadronen, 72 Geschiitze, 1 Kompagnie Pioniere, 1 Briicken-Equipage. Feldmarschalleutnant Gablenz war schon am 26. Juni nachmittags in das Hauptquartier nach Josefstadt berufen worden und hatte vom Armeekommandanten den miind- lichen Auftrag erhalten, am folgenden Tage um 8 Uhr friih gegen Trautenau vorzuriicken, auf dem Vormarsche dahin die bei Prausnitz-Kaile stehende Vorpostenbrigade Mondel einzuziehen und unter Vorschiebung einer Avant¬ garde bei Trautenau Stellung zu nehmen. Gleichzeitie wurde der Korpskommandant davon verstandigt, daO sowohl gegen die Front dieser Position aus der Richtung von Liebau und Schonberg her als auch gegen beide Flanken liber Policz und Starkenbach feindliche Abteilungen im Anrlicken begriffen waren. ■© 10 ® Da der Armeekommandant auf die Besetzung von Trautenau crroCen Wert le°;te, traf Feldmarschalleutnant O O ' Sc)ivnn-bcrq Gablenz MaOnahmen, um am nachsten Tage diesen Ort so bald wie moglich zu erreichen. Um einer Besetzung Trautenaus durch den Feind moglichst zuvorzukommen, S> 11 @ erhielt die bei Prausnitz-Kaile stehende Brigade Mondel den Befehl, am 27. Juni um 8 Uhr friih in Trautenau ein- zuriicken, Vorposten vor dem Orte aufzustellen und in dieser Stellung das Eintreffen des Armeekorps abzuwarten. Mit zwei Eskadronen Mensdorff-Ulanen an der Tete hatten die anderen Abteilungen des Korps, die Brigaden Grivičič, Wimpffen und Knebel, auf der Strahe liber Schurz, Rettendorf und VVeiberkranke den Marsch gegen Trautenau anzutreten. Das I. preufiische Armeekorps brach am 27. Juni um 4 Uhr morgens, in zwei Kolonnen formiert, von Konigshann, siidlich von Liebau, und von Schomberg nach Trautenau auf. Ein rechtes Seitendetachement wurde liber Schatzlar auf Ober-Altstadt dirigiert. Die beiden Hauptkolonnen waren angewiesen, nach Uberschreitung des Gebirges sich bei Parschnitz zu vereinigen und daselbst unter dem Schutze der Avantgarde, welche Trautenau besetzen solite, zwei Stunden zu rasten. Die Ordre de bataille des I. preufiischen Armeekorps war folgende: Kommandierender General: General der Infanterie v. Bonin. Avantgarde: Generalleutnant v. Grofimann, Kommandeur der 1. Division. Vorhut: Oberst v. Beeren; 3. und 5. Eskadron des Dra^onerremments Nr. 1, 1. und 2. Bataillon des Grenadierregiments Nr. 1, 1 Batterie. ® 12 ® Gros der Avantgarde: Generalmajor v.Pape, Kommandeur der 1. Infanteriebrigade; 1., 2. und 3. Kompagnie des 1. Jagerbataillons, Flisilierbataillon des Infanterieregiments Nr. 41, Fiisilierbataillon des Grenadierregiments Nr. 1, 10 Geschiitze, 2. und 4. Eskadron des Dragonerregiments Nr. 1, 2., 3., 4. und halbe 1. Eskadron des Ulanenregiments Nr. 8, 1. Kompagnie des 1. Pionierbataillons. Rechtes Seitendetachement (von der Avantgarde gegeben) : Oberst v. Koblinski; 1. Eskadron des Dragonerresdments Nr. 1, 1. und 2. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 41, 4. Kompagnie des 1. Jagerbataillons, 2 Geschiitze. Gros des Korps: Generalleutnant v. Clausevvitz, Kommandeur der 2. Division. Generalmajor v. Buddenbrock, Kommandeur der 4. In¬ fanteriebrigade; Infanterieregiment Nr. 45, Grenadierregiment Nr. 5. Generalmajor v. Malotki, Kommandeur der 3. Infanterie¬ brigade; Infanterieregiment Nr. 44, Grenadierregiment Nr. 4, Leib-Husarenregiment Nr. 1, 4 Batterien. © 13 ® Reserve-Infanterie: Generalmajor v. Barnekow,Kommandeur der 2. Infanteriebrigade; Fiisilier- und l.Bataillon des Infanterieregiments Nr.43, Fiisilier- und 1’A Bataillone des Grenadierregiments Nr. 3, 1 Batterie, halbe 1. Eskadron des Ulanenregiments Nr. 8. Reserve-Kavallerie: Oberst v. Bredow, Kommandeur der 1. Kavalleriebrigade; Kiirassierregiment Nr. 3, Ulanenregiment Nr. 12, 1 Batterie. Reserve-Artillerie: Oberst von Oertzen; 7 Batterien, 2., 3. und 4 . Kompagnie des 1. Pionierbataillons. Total-Summe: 22‘A Bataillone Infanterie, 21 Eska- dronen, 96 Geschiitze und 1 Bataillon Pioniere; hiezu noch die Kavalleriedivision Hartmann. Die linke Kolonne traf bereits um 8 Uhr frlih bei Parschnitz ein und wartete das Anlangen der rechten Kolonne ab, deren Marsch sich sehr verzogert hatte; wahrend dieser Zeit blieb Trautenau unbesetzt. Die an der Grenze an den Verkehrswegen aufge- stellten Vorposten des k. k. Dragonerregiments Windisch- gratz Nr. 2 zogen sich seit 5 Uhr morgens langsam vor den feindlichen Kolonnen zurlick. Mit sieben Mann attackierte Wachtmeister Kroupa ungestum einen feindlichen Zug und warf denselben, @ 14 @ muCte sich aber vor dem inzwischen angelangten Gros o o der feindlichen Kavallerie zuriickziehen. Obersdleutnant Kutschenbach wartete mit seinen fiinf Zugen bis zum Eintreffen der Spitze der feindlichen Avantgarde, um die in den Seitentalern vorgeschobenen Posten aufzunehmen. Ungestlim warf sich Leutnant Graf Hoyos mit seinetn Zuge auf die feindliche Spitze, aber ein vernichtendes Infanteriefeuer zwang ihn nach grofien Verlusten zuruck- zugehen. ® 15 ® Hinter Trautenau, in der Niederung nachst Hohen- bruck, sammelte Fiirst Windischgratz sein Regiment; hier wollte er das Eintreffen der Brigade Mondel abwarten. Die Brigade Mondel, welche um halb 7 Uhr von Prausnitz aufgebrochen war, traf um 7*8 Uhr auf der Hohe siidlich von Hohenbruck ein. Oberst Mondel, der von der Lage der Dinge unterrichtet worden war, liefi sofort seine Brigade aufmarschieren, und zwar entwickelte sich die Batterie westlich und das 12. Jagerbataillon ostlich der Chaussee, das Regiment Parma marschierte a cheval der Strafie im ersten und das Regiment Mazzuchelli im zweiten Treffen auf und den aufiersten rechten Flugrel bildete die 3. Eskadron Mensdorff-Ulanen. Nach voll- zogenent Aufmarsche rtickte die Brigade um halb 9 Uhr auf die siidlich von Trautenau gelegenen Hohen vor, und zwar das 3. Bataillon des Regiments Parma mit der Direktion auf die St. Johann-Kapelle, rechts von demselben das 2. Bataillon dieses Regiments und am aufiersten rechten Fltigel das 12. Jagerbataillon; das Regiment Mazzuchelli folgte als zweites Treffen, wahrend die Batterie und das 1. Bataillon Parma in der frtiheren Aufstellung ver- blieben. Das Regiment Windischgratz-Dragoner ging gleich- zeitig zur Linken des ersten Treffens gegen den West- ausgang von Trautenau vor. Indessen brach die Tete der PreuOen, bestehend aus der 3. und 5. Eskadron des litauischen Dragonerregiments, denen sich auch die vorauseeeilte Eskadron des Ritt- O •& 16 ® meisters Hagen vom Seitendetachement des Obersten Koblinski anschlofi, aus Trautenau hervor. Der feindlichen Kavallerie ansichtig werdend, warf sich Fiirst Windischgratz mit seinem aufjauchzend nach- brausenden Regiment auf dieselbe. Mit unwiderstehlichem Stofie drano- die 1. Division der Draofoner in die Front, die 2. Division in die rechte Flanke der feindlichen Reiter ein. Oberleutnant Baron Esterde vom Ulanenregiment Mensdorff, der die Attacke der Dragoner gevvahr wurde, sprengte, ohne sich lange zu besinnen, mit seiner Patrouille in wildem Galopp in die linke Flanke der preufiischen Reiter. In erbittertem Kampfe wurden die feindlichen Eskadronen geworfen. Aber vor dem Feuer der nach- folgenden preufiischen Infanterie mufiten sich die oster- i reichischen Reiter zurtickziehen. Inzwischen riickte die Avantgarde der preufiischen Armee vollends heran. Die 4pfiindige Batterie Nr. 1 protzte westlich der Stadt auf dem rechten Ufer der Aupa ab, wahrend zwei Bataillone des 1. Grenadierregiments und ein Bataillon des 41. Infanterieregiments nebst drei Jagerkompagnien die Sudlisiere von Trautenau besetzten. Die restlichen zehn Geschtitze sowie die Kavallerie stellten sich am linken Aupaufer zu beiden Seiten der Chaussee, 300 Schritte von der Stadt entfernt, auf. Auch das Seitendetachement unter Oberst v. Koblinski naherte sich, von Ober-Altstadt kommencl, Trautenau. Mit © 17 ® Ausnahme cler 3. Kompagnie cles 41 Regiments, welche die rechte Flanke des Detachements gedeckt hatte und die Direktion auf den Galgenberg erhielt, riickte Oberst v. Koblinski mit seiner Abteilung in Trautenau ein. Uber den Stand des Gefechtes verstandigt, verstarkte er die 3. Kompagnie des 41. Regiments nach und nadi durdi weitere drei Kompagnien. Da die Truppen des Obersten Mondel schon die Hohen siidlich von Trautenau besetzt hatten, entwickelte sich nun ein Feuergefecht. Die am VVestausgange von Trautenau aufgefahrenen feindlichen Geschiitze wurden durch das wohlgezielte Feuer O der bis westlich von Flohenbruck vorgegangenen oster- reichischen Batterie Nr. l/III zum Stellungswechsel ge- zwungen und zogen sich auf die Positionen der anderen Batterien zuriick. Um etwa halb 11 Uhr ertonte in den preufiichen Linien Trommelwirbel, das Zeichen zum Sturmangriff. Feindliche Abteilungen versuchten von der Stadt aus die Hohen zu ersteigen, aber bei dem vernichtenden Feuer der Verteidiger mifilang dieser Versuch ganzlich. Das 3. Bataillon des Regiments Parma ging hierauf ohne Befehl unter Flihrung seines Kommandanten Major Lipoščak vom Kapelleuberg gegen den die Hauser am Fufie des Berges besetzt haltenden Feind zum Gegen- angriff vor. Durch das Signal «Sturm* wurde die ganze Gefechts- linie vorgerissen, und mit gefalltem Bajonett drangen die Herr m a n n , Trau te n au. 2 •& 18 ® osterreichischen Abteilungen unter weithin schallendem «Hurra!» von den Hohen herab auf den Feind. Dieser, anfangs stutzend, fafite sich rasch, und bald entwickelten sich vor seinen Fronten flammende Rauch- wolken, aus welchen sich ein verheerender, den Ansturmen- den ununterbrochen entgegensausender Kugelhagel ergoG, so daG oranže Reihen derselben niedergestreckt wurden. Den im wahren Sinne des Wortes zerschmetterten Sturm- saulen blieb nichts anderes librig, als schleuniger Rlickzug auf die eben verlassenen Hohen, wenn nicht alles am Platze bleiben solite. Der Boden war mit Gefallenen bedeckt, doch auch der Rlickzug brachte nocli vielen Vervnindung oder Tod, da die den Berg Emporklimmenden den aus den Fenstern und Dachluken der Gebaude Trautenaus feuernden feind- lichen Schiitzen ausgezeichnete Zielobjekte darboten. Zwei Stabsoffiziere (Major Lipoščak und Major Gortz), fiinf Hauptleute, zwei Oberleutnants, zwei Leutnants und durchschnittlich 40 Mann von jeder Kompagnie kostete dieser Angriff dem 2. und 3.Bataillon des Regiments Parma. In der St. Johann-Kapelle lag Major Lipoščak, der Typus des markigen altosterreichischen Offiziers in seinen letzten Ziigen. Umsonst versuchte der Kadettfeldwebel Mrowetz seinen verehrten Kommandanten dem eindringen- den Feinde zu entreiCen, bis er, von einer Gevvehrkugel in den Kopf getroffen, seine Heldenseele aushauchte. Als General v. Bonin die starke Besetzung der siidlich von Trautenau befindlichen Hohen wahrnahm, ® 19 ® befahl er dem Gros, welches zu clieser Zeit noch nicht liber Parschnitz hinaus war, drei Bataillone und bald darauf fernere drei Bataillone in der Richtung auf Hohenbruck- Alt-Rognitz in die rechte Flanke der Osterreicher zu detachieren. Die Avantgarde wurde hievon verstandigt und angewiesen, alles zu versuchen, um die Hohen zu nehmen. Ferner wurden die bereits im Gefechte befind- lichen drei Batterien auf die Hohen nordlich von Trautenau gezogen, um daselbst, gedeckt durch ein Bataillon und das Kavallerieregiment des Gros, die Avantgarde bei einem etwaigen Rlickzuge aufzunehmen. Unter Fuhrung des Generalmajors v. Buddenbrock uberschritt das preufiische Regiment Nr. 45 ungefahr 500 Schritte oberhalb Parschnitz und das Regiment Nr. 44 noch innerhalb des Ortes die Aupa. Infolge des durch steile Talrander und bewaldete Bergrlicken aufierst schwie- rigen Terrains konnte der Vormarsch nur in aufgeloster Ordnung und mit gro(3em Zeitverluste ausgefiihrt werden. Um diese Zeit traf Feldmarschalleutnant Gablenz auf dem Kampfplatze ein. Nachdem er sich von der momentanen Ubermacht des Gegners liberzeugt hatte und voraussah, da!3 die ver- einzelte Brigade bei langerem Ausharren Gefahr lief, in sehr ungiinstige Gefechtsverhaltnisse zu geraten, erteilte er dem Oberst Mondel den Befehl, seine Truppen zuriick- zuflihren, nordlich von Neu-Rognitz Stellung zu nehmen und hier das Eintreffen der anderen Brigaden abzu- warten. Oberst Fiirst Windischgratz hatte mit seinem 2 * @20 ® Regimente wiecler vor Hohenbruck Stellung zu nehmen, um im Vereine mit der Batterie den Riickzug der In- fanterie in der linlcen Flanke zu decken. Oberst Mondel traf demgemafi seine Anordnungen, O O 1 und in Ausfiihrung derselben hatte die Brigade um 12 Uhr O O folgende Aufstellung: o o Auf den Hohen nordlich von Neu-Rognitz und a cheval der Chaussee hatten das 3. Bataillon des Regiments Mazzuchelli und das 1. Bataillon des Regiments Parma Stellung genommen, rechts von diesen die Batterie Nr. 1 /III und gegen Alt-Rognitz hin das 12. Jagerbataillon. In zweiter Linie standen das Regiment VVindischgratz- Dragoner, das l.und 2. Bataillon des Regiments Mazzuchelli und das 2. und 3. Bataillon des Regiments Parma. Die Preufien, welche anfanglich heftig nachdrangten, versuchten nun den Zusammenhang zwischen ihren ein- zelnen Abteilungen, die, in der Ausdehnung von 3000 Schritten aufgelost, in dem coupierten Terrain durch- einander geraten waren, wieder herzustellen. Der rechte preufiische Flligel befand sich bei Hohen¬ bruck, wahrend sich der linke auf Alt-Rognitz stbtzte. Ein weiteres Vordringen war mit den ermudeten Truppen, die schon um 3 Uhr morgens auf den Rendezvouspliitzen bereitgestanden waren, nicht moglich. Das Feuer verstummte allmahlich auf der ganzen Linie. Es standen preufiischerseits auf dem Gefechtsfelde: 7 Bataillone unter Generalmajor Pape bei Hohenbruck, ® 21 ® 3 Batterien auf den Hohen siidlich von Trautenau, 3 Ba- taillone in der Stadt, 1 Batterie und ein halbes Bataillon nordlich von Alt-Rognitz und etwa 5 Bataillone unter General Buddenbrock auf dem langgestreckten Hohen- oo riicken sikhvestlich von Alt-Rognitz. Um 1 Uhr mittags war die preufiische 1. Garde- division, welche infolge des Kanonendonners ihren Marsch auf das aufierste beschleunigt hatte, bei Parschnitz ein- getroffen; ihre Verwendung im Gefechte wurde jedoch nlcht fiir notwendig erachtet, da man wufite, nur einer osterreichischen Brigade gegeniiber zu stehen. Die Division machte deshalb in Parschnitz eine zweistiindige Rast. Inzwischen naherten sich die anderen Brigaden des osterreichischen Korps dem Kampfplatze, voran die Bri¬ gade Grivičič. An der Hohe nordlich von Schurz wurde dem Oberst Grivičič durch einen Generalstabsoffizier der Befehl iiber- bracht, den Marsch moglichst zu beschleunigen. Die Brigadebatterie Nr. 2/III und die zugeteilte Ulanendivision, die daraufhin die Ordre erhielten, im Trabe vorzugehen, trafen bereits um 12 Uhr bei Neu-Rognitz ein. Vor dem gut gezielten und wirkungsvollen Feuer der osterreichischen Batterien muCte die preufiische Batterie Boehmke weichen. In der Nahe von Weiberkranke legte die Brigade Grivičič die Tornister ab, die sie nie vvieder sah, um ® 22 © dann, erhitzt und bestaubt, jedoch ohne eine Špur von Ermiidung, fast im Laufschritt die Bewegung gegen den Feind fortzusetzen. Die Begeisterung der Truppen wuchs von Minute zu Minute — naher und naher schallte der Kanonendonner, bis endlich um halb 3 Uhr die Brigade Neu-Rognitz erreichte. Nordostlich von Neu-Rognitz auf dem gegen Alt- Rogmitz aewendeten Han^e wurde die Brigade in zwei Treffen entwickelt, und zwar standen von rechts nach links im ersten Treffen: 2 Kompagnien des 16. Jager- bataillons, 1. und 2. Bataillon Ajroldi, 1. Bataillon Kaiser Alexander und 4 Kompagnien des 16. Jagerbataillons; im zweiten Treffen: 3. Bataillon Ajroldi und 2. und 3. Ba¬ taillon Kaiser Alexander. Nach kurzer, anfeuernder Ansprache des Oberst- Brigadiers drang unter seiner FThrung das erste Treffen vor. In mustergultiger Ordnung stiirmten die Bataillone mit flatternden Fahnen und dem Rufe: «Vorwarts! Es lebe der Kaiser!* gegen den Feind. Alle Tamboure schlugen den Sturmstreich und ein begeistertes, nicht endenwollendes «Eljen!>, clas selbst die Kommandos iiber- tonte, erscholl aus den Reihen der vorriickenden Kolonnen. In diesem Augenblicke ertonten machtvoll die elek- trisierenden Klange des Radetzkymarsches und entflammten die Vorgehenden zum hochsten Enthusiasmus. Mit be- wunderungswiirdiger Bravour stiirmten die Osterreicher trotz des heftigen feindlichen Feuers bis auf filnfzig Schritte @ 23 . ® an die. preuBische Linie heran; aber diese, obgleich sie nur diinn und ohne Reserve war, hielt den Andringenden nicht nur stan d, sondern liefi im letzten Augenblicke den Angreifern ein soleh morderisches Feuer entgegenspriihen, dafi binnen kurzem 900 Mann tot und verwundet nieder- gestreekt waren. Einer der heldemnlitigsten Kampfer war Hauptmann Latkovič vom 23. Regiment. An Stelle des schwer ver- wundeten Hauptmanns Stojan das Kommando der 2. Di- vision ubernehmend, eiferte er seine Mannschaft in ihrer Muttersprache zum aufiersten an. Eine Kugel durehbohrte ihm den rechten Arm, aber den Sabel mit der Linken schwingend, stiirmte er weiter; da traf ihn eine zweite Kugel in die Brust — «Eljen a esaszar! Elore, fiuk!> (cHocli der Kaiser! Vorwarts, Burschenb) war die Antwort des wackeren Hauptmannes. Nun zerschmetterte ihm eine dritte Kugel den linken Arm, der Sabel fiel zur Erde; aber immer noch schritt Latkovič seiner Mannschaft voraus und feuerte sie an. Da traf den Helden ein vierter Schufi in die Hiifte, ein ftinfter in den rechten Ober- schenkel und ein sechster zerschmetterte ihm das Schien- bein des rechten FuDes. Mit dem Rufe: «Kinder, haltet euch; ich kann nicht mehrb brach Latkovič vor seiner Division zusammen. Der Gegner, der in den zerschmetterten und dezi- mierten Abteilungen keine Widerstandskraft mehr ver- mutete, unternahm nun einen energischen VorstoB; aber er erlitt dasselbe Schicksal, das er kurz zuvor den sturmenden ■a) 24 © Osterreichern bereitet hatte, clenn das 1. Bataillon des Regiments Alexander und vier Jagerkompagnien, welche beim Vorgehen weniger gelitten und sich in giinstig gelegenen Geblischgruppen festgesetzt hatten, empfingen den andringenden Feind mit einem vernichtenden Feuer, das denselben zum Riickzuge zwang. Da die preufiische Infanterie auch vollkommen er- schopft war, trat eine verhaltnismafiige Ruhe im Gefecht ein. Oberst Grivičič beschlofi nach einiger Ruhe, einen zweiten Angriff zu unternehmen. Gegen 4 Uhr nachmittags traf die Brigade Wimpffen auf dem Gefechtsfelde ein und erhielt von dem Korps- kommandanten den Befehl, in der Position bei Neu-Rognitz, a cheval der Strahe, zum Gefecht aufzumarschieren und den vor Trautenau stehenden Feind anzugreifen. Um dieselbe Zeit erneuerte Oberst Grivičič seinen Angriff, und zwar beorderte er statt der zuriickgegangenen zwei Bataillone des 23. Regiments das 3. Bataillon des Regiments Ajroldi und das 2. Bataillon des Regiments Alexander ins erste Treffen zum Frontalangriff. Das 3. Bataillon des Regiments Alexander und das unter Kommando des Prinzen Rohan stehende Kavallerie- detachement, gefiihrt von dem Obersten Fritz, solite das Vorgehen der Frontgruppe durch eine Umgehung der linken Flanke des Gegners unterstutzen. Oberst Fritz, der Kommandant des 2. Regiments, welcher mit seiner Kolonne das an einigen Stellen brennende Alt-Rognitz passierte, veranlahte durch sein @ 25 @ blofies Erscheinen das am feindlichen linken Flligel be- fmdliche 2. Bataillon und das Fiisilierbataillon des preufii- schen 45. Regiments, welche sich mangels jedweder Unterstlitzuncf der drohenden Gefahr eines umfassenden Angriffes nicht gewachsen glaubten, zum Riickzuge. Nun gab Oberst Grivičič, der das Vorgehen seiner Umeehuncjskolonne aufmerksam beobachtet hatte, der Frontgruppe den Befehl zum Sturm. Die preufiischen Truppen, durch sudlich von Kriblitz stehende Abteilungen des Fiisilierbataillons des Regiments Nr. 44 wahrend einiger Zeit gedeckt, zogen sich gegen Parschnitz zurtick. Nur auf dem Galgen-, Hopfen- und Kapellenberge standen noch die letzten unerschiitterlichen Bataillone der PreuI3en. Fiinf osterreichische Batterien eroffneten nun mit 40 Geschiitzen auf die Stellungen bei Hohenbruck und Trautenau ein verheerendes Geschiitzfeuer. Unter dem Donner der Kanonen marschierte die Brigade Wimpffen auf, und zwar das Regiment Bamberg Nr. 13 rechts der Chaussee, mit dem 1. und 3. Bataillon im ersten und mit dem 2. Bataillon im zweiten Treffen; das 58. Regiment, vor welchem das 13. Regiment durch den sehr beschleunigten Vormarsch einen Vorsprung ge- vvonnen hatte, formierte sich mit dem 2. und 4. Bataillon im ersten und mit dem 1. und 3. Bataillon im zweiten Treffen. Das 13. Regiment erhielt vom Brigadier den Befehl, die Hohe mit der Johanneskapelle zu stiirmen, worauf der © 26 ® Kommandant des Regiments um halb 5 Uhr nachmittags das Sturmsignal geben liefi. Durch den Kanonendonner horte man das Hurra der mit klingendem Spiele vorgehenden Bataillone. Doch ein morderisches Schnellfeuer knatterte den Anstiirmenden entgegen und richtete in den dichtgedrangten Massen entsetzliche Verheerung an; aber die Erbitterung der An- greifer wuchs nur in diesem GeschoChagel. Eine Menge Vervvundete und Leichen bezeichneten den Weg, den ■© 27 ® die Sturmkolonneri genommen hatten. Viele Verwundete rafften sich auf und versuchten, sich den Vorwarts- sturmenden nachzuschleppen. Uberall hallte die Luft vom tobenden Hurra der Osterreicher, wahrend bei dem Ver- teidiger die ernste Stille einer unerschiitterlichen, aufs aufierste gefaCten Entschlossenheit herrschte. Aber jetzt kam durch den iiberwaltigenden Kugelregen der Angriff ins Stocken. Inzwischen rtickte auch das 58. Regiment heran, das beim Vorgehen durch Hohlwege und Ravins wiederholt aufgehalten worden war. Von dem slidlichen Teile des Galgenberges stlirmte das Regiment mit klingendem Spiele und wehenclen Fahnen gegen den Kapellenberg vor, aber infolge des unbeschreiblich heftigen Feuers gerieten die Sturmkolonnen ins Wanken. Zwar gingen die Zurlick- prallenden sogleich wieder mit sttirmischer Begeisterung vor, doch nach drei vergeblichen Versuchen, die Hohe zu nehmen, war auch dieser Angriff der Brigade endgliltig abgeschlagen; durch das heftige Gewehrfeuer dezimiert, wich die Brigade mit auOerordentlich schweren Verlusten von iiber 1200 Mann zuriick. und sammelte sich norcl- ostlich von Hohenbruck. Doch auch die tapferen Verteidiger unter Oberst v. Treskow erlitten groIBe Verluste; das 1. Bataillon des preufiischen Regiments 'Nr. 43 hatte allein in dem heifien Kampfe aul3er dem Kommandeur Major v. Hullesheim 8 Offiziere und 238 Mann eingebuCt. ® 28 ® Die Brigade Knebel war um halb 11 Uhr von O Dubenec aufgebrochen. O Wahrend des Vorriickens aus dem grohen Wald- defilee slidlich von Schurz, jedoch noch am rechten Elbe- ufer, bemerkte man rechts, also elbeabwarts, das Gefecht bei Nachod in vollem Gange. Durch eine Stockung bei der an der Tete marschierenden Brigade Wimpffen wurde Generalmajor Knebel veranlafit, seine Brigade, die mit der Spitze bei dem VVachterhause der Bahn, wo diese die StraCe kreuzt, angelangt war, eine kurze Zeit halten zu lassen. Beinahe samtliche Offiziere sammelten sich bei diesem Wachterhause, denn man konnte von diesem Standpunkte aus die Bewegungen der einzelnen Bataillone und Batterien bei Nachod sehr gut beobachten. In der Truppe war es ganz stili gevvorden; ein jeder verfolgte den Gang des Gefechtes und die gegenseitigen Aufierungen wurden in gedampftem Tone gesprochen. Unter den Offizieren wurde die Frage aufgevvorfen, ob man nicht gegen Nachod marschieren solite, der alten Kriegsregel folgend: «Marcher au sons du canons»; aber Generalmajor Knebel, der die Situation kaltbltitig iibersah, lieJ3 sich von der verfiihrerischen Gelegenheit, ein Gefecht moglicherweise zur Entscheidung zu bringen, nicht ver- locken, sondern marschierte auf der StraOe gegen Trautenau J O fc) weiter; wie recht er daran getan hatte, zeigte der weitere Verlauf des Gefechtes bei Trautenau. Beim Durchmarsch durch Schurz schmuckten zahl- reiche Madchen die Soldaten mit Kranzen und Blumen. @ 29 ® An einer der Windmuhlen auf der Hohe von Schurz, bei welchen die Brigade vorbeimarschierte, war ein Wind- miiller aufgehenkt, welcher durch das Gehenlassen seiner Miihle dem Feinde das Vorriicken der Osterreicher an- gezeigt hatte. Einige hundert Schritte weiter traf man auf einen Generalstabsoffizier, welcher der Brigade den Befehl zum schleunigen Vormarsche gegen Trautenau uberbrachte. Um diesem Befehl besser nachkommen zu konnen, lieC der Brigadier bei Burgersdorf und Weiberkranke die Tornister ablegen und sodann den Marsch im Schnell- schritt fortsetzen. Vom Schlachtfelde kamen bereits einzelne Wagen mit Verwundeten, und die Zahl der Wagen mehrte sich, je mehr man sich dem Kampfplatze naherte; aber die Aussagen der Verwundeten liber den Gang des Ge- fechtes lauteten Iibereinstimmend giinstig’ was auf die Mannschaft einen sehr guten Eindruck machte. Vor dem Dorfe Hohenbruck angelangt, lief3 der Regimentskomman- dant Oberst Du Rieux sein Regiment halten; die Offiziere traten zu ihren Abteilungen, die Fahnen wurden enthiillt und die Gewehre s:eladen. Schon war das Gevvehrfeuer deutlich horbar und einzelne verirrte Kugeln flogen mit o o gellendem Pfeifen iiber die Truppe hinweg. Generalmajor Knebel sprengte vor, um sich liber das Terrain und die Gefechtsverhaltnisse zu orientieren. Er gewahrte, daB die vom Feinde stark besetzte Hohe siidlich von Trautenau von den osterreichischen Truppen bisher vergebens gestlirmt worden war und da(3 das 58. Regiment nach dem Sturme auf den Kapellen- @ 30 ® berg zurlickweichen mu C te. Letzterer Punkt schien ihm o der wichtigste zu sein, da von dessen Einnahme der Besitz des ganzen, Trautenau beherrschenden Hohenzuges abhing. Der Brigadier beschlofi daher, auch ohne Befebl in das Gefecht einzugreifen ; und ordnete den Sturm der ganzen Brigade auf die Hohe St. Johann an. Die Brigade riickte vor und erstieg unter dem ver- heerenden Gewehrfeuer des Gegners den Johannesberg. Die Offiziere eilten ihren Abteilunaen voraus und das o erste Treffen war fast bis an den Kamni der Hohe gelangt, als das nun aus nachster Nahe abgegebene Schnellfeuer des Feindes den Reihen der Stiirmenden furchtbare Ver- luste beibrachte. Oberstleutnant v. Habermann stiirzte an der Spitze seines Bataillons, todlich getroffen, vom Pferde, fast zugleich mit ihm sein Adjutant Leutnant Blumemvitz; die Mannschaft, aufierst erschopft vom Er- steigen der steilen Hohe und erschiittert durch das morderische Feuer und die riesigen Verluste, wankte und wich zurlick; aber schnell war Oberst Du Rieux zur Stelle, welcher im Vereine mit den Hauptleuten Baron Potier und Ferrentz und den iibrigen Offizieren die Ordnung sofort herstellte und sodann das Bataillon zum erneuerten Sturme vorfiihrte. Wie Rasende erklommen die Osterreicher die Hohe. Feldwebel KloC und Korporal Zadek eiferten ihre Leute mit dem Rufe an: «Vorwars, Kameraden! Dort auf dem Berge miissen unsere Fahnen wehen!» Ebenso feuerte @ 31 ® Feldwebel Hermann seine Mannschaft durch Wort und Tat zum Vorrticken an, und als Munition zu mangeln begann, sammelte er solche von Toten und Verwundeten und verteilte sie an seine Mannschaft. Aber der Verteidiger schleuderte einen wahren Kugel- regen herab, so dafi es den im hochsten Grade ermtideten Osterreichern, die sieben Stunden bei gluhender Hitze auf der staubigen Landstrafie marschiert und seit 5 Uhr im Gefechte waren, unmoglich wurde, das letzte, sehr steile Stlick der Hohe zu erklimmen. Somit scheiterte auch der zweite Angriff. Inzwischen langte das 2. Bataillon des Regiments Kaiser Franz Josef I. unter Major van der Slott, unbe- kiimmert um die Verluste, am Fufie des Kapellenberges an. Nadi einigen Minuten wurde zum letzten Angriff geschritten, eine letzte ungeheure Anstrengung durchzuckte die osterreichischen Linien. Das 2. Bataillon des Regiments Kaiser Franz Josef I. stiirmte vorwarts, voran die Haupt- leute Jauš, Poleschensky und Novak, die Oberleutnants Scolari und Rabenegger und die Leutnants Weyrich, Kristen und Pollak; die 7. und 8. Kompagnie erreichten als erste die Kapelle. «Es lebe der Kaiser!» schallte es vveithin, und be- geistert schwang Oberst Du Rieux die Leibfahne des Regiments. Zum hochsten Enthusiasmus entflammt, brachen die Soldaten in ein nicht endenwollendes Hurrageschrei aus und schwenkten die Tschakos. Verwundete richteten sich jubelnd auf und Sterbende verhauchten den letzten g> 32 ® Odeni mit einem Hoch auf ihren Kaiser. Und in diesen unbeschreiblichen Jubel fiel die Musile ein mit der Hymne der Kaisertreue, mit der herzbewegenden Melodie des Liedes: «Gott erhalte Franz den Kaiser. » Regimentstambour Rabengruber, von der allgemeinen Begeisterung ergriffen, warf seinen Stock weg, nahm das Gewehr eines Venvundeten und stiirmte mit. Durch das Krachen des Gewehrfeuers horte man den dumpfen Taktschritt der unablassig nachfolgenden Sturmkolonnen, unter ihnen das im zvveiten Treffen be- findliche Regiment Erzherzog Karl, das im heftigsten feindlichen F'euer fast gleichzeitig mit dem ersten Treffen bei der Kapelle eintraf. Unter den begeisternden Klangen des Radetzky- marsches ging es mit vereinten Kraften vorwarts. Das Regiment Erzherzog Karl erlitt flirchterliche Verluste; Elaupt- mann Moller, Regimentsadjutant Petzold und noch zwei Offiziere sanken getroffen zu Boden; aber vorwarts ging es mit dem Oberst Pehm und Oberstleutnant Baron Stenglin an der Spitze. Oberleutnant Petzold, der schon aus drei Wunden blutete, konnte sich von seinem Regi¬ mente nicht trennen; da brach sein Pferd, todlich getroffen, zusammen und beorub unter seinem zuckenden Leibe den o Reiter; doch noch in dieser verzweifelten Lage feuerte Petzold mit kraftigen Worten die Soldaten an, bis ein vierter Schul3 seinen Kopf traf — bewufitlos sank er zuriick. Von allen Seiten hagelten die Geschosse hernieder. Durchbohrt von mehreren Ivugeln sank Oberstleutnant i @ 33 ® Baron Stenglin samt seinem Rosse; gleich darauf wankte Oberst Pehm im Sattel — auch ihn hatte die todliche Kugel ereilt. Hauptmann Czedik rang sich unter seinem erschossenen Pferde hervor und ubernahm das Kommando; eine Kugel traf seine Hand, doch ohne Zaudern drang er vorwarts, denn «Hinauf!» lautete die Losung, die jeden erfullte. Unter der hochflatternden Fahne fiel ihr Trager, Fahnenfiihrer Bauer; dem Feldwebel Czumek, der die Fahne ergriff, zerschmetterte eine Kugel die rechte Hand; in der Linken trug er das Panier weiter, bis ihn ein Schufi niederstreckte. Von Hand zu Hand wanderte nun die Fahne, aber sie wurde emporgetragen zur Hohe. Tollkuhne Offiziere erreichten den Gipfel des Berges, und vvenn sie auch der Tod ereilte, so hatten sie doch ihren todesmutig nachstiirmenden Leuten den Weg zum Siege gewiesen. Auch das 3. Bataillon des Regiments Kaiser Franz Josef I., das durch das selbstandige Vorgehen des Haupt- manns v.Wurmb in die linke Flanke des Gegners wesentlich unterstiitzt wurde, erreichte die Hohe. Es war den mit hohem Getreide bewachsenen Abhang hinaufgeeilt und warf sich 100 Schritte vor den an einerWaldlisiere stehenden Preufien an einer Terrainstufe nieder, um Atem zu schopfen. In diesem kritischen Augenblicke stiirzte Major Pilati samt seinem Pferde tot zu Roden. Bataillonsadjutant Leutnant Korner sprengte mit seinem Pferde auf die Stufe hinauf, und auf seinen Ruf: «Auf! Vorwarts!» erhob sich das Bataillon wie ein Mann. Die Offiziere waren nahezu gleich- Herrmann, Trautenau. 3 © 34 «> zeitig auf die Boschung gesprungen, und durch dieses Beispiel angefeuert, sttirzte die Mannschaft unaufhaltsam vor. Hauptmann Poekels, der von zwei Kugeln getroffen worden war, ftihrte. trotzdem das tapfere Bataillon, dessen Fahne in diesem Augenblick abgfeschossen vvurde, weiter. Auch Leutnant Korner, welcher einen Schufi durch die Brust erhielt, blieb zu Pferde an der Spitze der Sturmenden. Der Heldenmut der braven Truppe hatte auch den besten Erfolg, denn der Gegner raumte seine Stellung schleunigst, weil auch sein Ruckzug auf Trautenau von Hauptmann v. Wurmb, der inzwischen mit der 11. und 12. Kompagnie den Feind vom Galgenberge vertrieben hatte, bedroht wurde. Noch rangen in Trautenau selbst die preufiischen Truppen in verzweifeltem Kampfe um den Sieg. Aus allen Hausern und Gehoften knatterte ein morderisches Feuer. Doch schon nalite die unermiidliche Division unter Hauptmann v. Wurmb, und nun wurde der Ort von drei Seiten gesturmt. Nach endlosem Blutvergiefien drangen einige Abteilungen todesmutig in Trautenau ein und in erbittertem Strafienkampfe vvurde der Gegner aus dem Orte geworfen. Preufiische Sturmkolonnen versuchten von Parschnitz aus einen Vorstofi gegen Trautenau, doch scheiterte der- selbe vollstandig. General v. Bonin wollte sein Korps nordlich von Trautenau vvahrend der Nacht Stellung nehmen lassen, doch war das Gros schon zu weit retiriert und iiberhaupt © 35 © derartio- in Unordnuno- oeraten, daC dem kommandierenden General nichts iibrig blieb, als sein durch einen sclrvvierigen, andauernden und endlich ungliicklichen Kampf hart mit- genommenes Korps auf den am Morgen verlassenen Lager- platzen jenseits der Grenze bei Liebau und Schomberg wieder zu sammeln. Infanterie und eine Abteilung des 28. Jagerbataillons unter Hauptmann Theodorowich erstlirmten die Kriblitzer Vorstadt; spater wurde der Ort Parschnitz besetzt, wodurch zwei preufiische Feldspitaler mit etwa 300 Vervvundeten und 26 Arzten und Gehilfen in Gefangenschaft gerieten. Eine ernste Verfolgung konnte nicht stattfinden, weil die Dunkelheit bereits eingetreten war. Das Gefecht war beendet. Der Feind, der aus allen seinen Positionen geworfen vvar, zog sich tiber die Grenze zurlick. Um 9 Uhr abends fielen die letzten Schtisse der Brigadebatterie Grivičič gegen den retirierenden Gegner. Das X. Armeekorps bezog ftir die Nacht folgende Stellungen: Die Brigade VVimpffen mit zwei Bataillonen des 58. Regimenta war auf Vorposten nordlich von Trautenau, die anderen beiden Bataillone des Regiments Nr. 58 bi- wakierten auf dem Kapellenberge; das Regiment Bamberg Nr. 13 war in Trautenau einquartiert, wahrend die Brigade Grivičič auf dem Katrauer Berge, die Brigade Mondel nordlich von Neu-Rognitz und die Brigade Knebel bei Hohenbruck im Biwak iibernachtete; das 28. Jagerbataillon war in Kriblitz und Parschnitz. ® 36 @ Mit schwacher Waffe und starkem Mute hatte das k. k. X. osterreichische Armeekorps einen entscheidenden Sieg liber einen gleich starken, anfanglich liberlegen auf- tretenden Gegner erfochten, diesen aus einer der vorteil- haftesten Positionen geworfen und bevviesen, was oster- reichischer Heldenmut wider den machtigsten Feind vermag. Doch war dieser Sieg teuer erkauft worden. Der Gesamtverlust betrug' 191 Offiziere, 4596 Mann und 109 Pferde. Das preufiische I. Armeekorps soli 56 Offiziere, 1282 Mann und 78 Pferde verloren haben. © 37 ® R. Kr. M. Praš. Nr. 3526. Laut Mitteilung Seiner Majestat Oberstkammereramtes vom 5. d. Mts., Nr. 595, geruhten Scine k. u. k. Apostolische Majestat mit Allerhochster Ent- schliefiung vom 30. April 1. J. das von E. Herrmann, Oberleutnant im Regiment Nr. 27, verfafite Werk «Oversee» der huldreichsten Annahme fur die k. u. k. Familien-Fideikommiftbibliothek zu w(irdigen und allergniidigst anzubefehlen, dafi dem genannten Oberleutnant aus diesem Anlasse der Allerhochste Dank bekanntgegeben werde. -sit —% - Rezensionen. Custoza. Von E. Herrmann. Druck und Verlag von Ig. v. Klein- mayr & Fed. Bamberg. Laibach 1904. (K 1 • 20.) Danzers Armee -Zeitung (ij. Februar 1904} : Endlich! Ja, endlich hat sich ein Schriftsteller gefunden, der den herrlichen, vom Mifigeschick im Norden verdunkelten Sieg der kaiserlichen Waffen bei Custoza in einem Buche von jcner popularen Form bearbeitete, die in Karl Bleibtreus «Schlachtdichtungen» so viele Erfolge gefeiert. Endlich kann auch das osterreichische Lcsepublikum von einem herrlichen Siege seiner Armee lesen, ohne nach zwar verdienstvollen, aber durch ihre Wissenschaftlichkeit doch fur die Allgemeinheit schwer verstandlichen Pan- dekten greifen zu miissen, von einem Siege, von dessen Existenz sogar — Gott sei’s geklagt — nur die vvenigsten etwas wissen, wahrend der Ungliicks- name «Koniggratz» in aller Munde liegt. Von diesem Standpunkte mufi das kleine, nett ausgestattete und doch anspruchslos bescheidene Buchlein betrachtet werden. Gewifi, fur die Historie grofien Stils, fur die militarische und sonstige Gelehrtheit wird das Buch E. Herrmanns — Oberleutnant im 27. Infanterieregiment — nichts Neues bieten. Benutzt es doch nur in diesen Kreisen durchwegs bekannte, allgemein zugangliche gedruckte Quellen. Aber es verarbeitet diese Quellen in fesselnder, popularer Form, die geeigneter ist, demselben in den weitesten Kreisen Eingang zu verschaffen. Lebhaft, mit dem Herzen und anschaulich geschrieben, © 38 © wird es der Jugend im Heere und jener im Volke zu einer angenehmen und fafilichen Lekture werden, die den Ruhm Osterreichs und die Kunde von den Waffentaten seines Heeres eher verbreiten wird, als die verdienstvollsten und eingehendsten wissenschaftlichen Publikationen. Dafi militarischer Geist, der Stolz auf das Heer und seine grofie Tradition trotz Sozialismus und Antimilitarismus draufien im Reich noch nicht verblafit sind, ist neben dem systematischen vaterlandischen Geschichts- unterricht vor allem der popularen deutschen Geschichtschreibung zu danken, und dafiir, diesen Geist grofi zu ziehen, ihn zu erhalten, hat der Berufs- soldatenfresser Bleibtreu trotz mancher Absonderlichkeit in seinen «Schlacht- dichtungen» unendlich viel mehr geboten, als die meisten Gelehrten und gelehrten Soldaten. Wir brauchen uns der Vergangenheit unseres Heeres nicht zu schamen, darum ist dieser erste Versuch warm zu begriifien. An genialer, dramatischer Gestaltung, an phantasievoller Lebendigkeit steht dieses «Custoza» den Bleibtreuschen «Schlachtdichtungen» allerdings nach; aber es will ja auch keine Dichtung sein. An klarer Anschaulichkeit, die sowohl den Zusammenhang miihelos erkennen als auch die einzelnen Darstellungen leicht erfassen lafit, ubertrifft es hingegen dieselben. K. Bleibtreu stellt an das Wissen und an die Phantasie seiner Leser bedeutend hohere Anforderungen als E. Herrmann. Aber eben das mag geeignet scin, dem Buche in den weitesten Kreisen Leser zu verschaffen. An der Darstellung der Ereignisse selbst ist nichts auszusetzen. Hochstens das, dafi im Kampfe um die entscheidenden Hohen bei und nachst Custoza zu oft die Uberzahl der Italiener betont war. So gewaltig auch die Uberzahl der Italiener war, hier an dieser entscheidenden Stelle war die Summe der nach und nach eingesetzten osterreichischen Krafte doch hoher als die Gesamtsumme der italienischen Verteidiger. Und waren diese auch meist den Kampfern der ersten vereinzelten osterreichischen Angriffe an Zahl iiberlegen, so ist doch zu bedenken, dafi diese selbst doch immer dieselben blieben, und steter Tropfen hohlt den Stein. Auch war diese Uberzahl nicht gar so erschutternd. Sie kam nur deshalb so zum Aus- drucke, weil die Kr&fte der Italiener in der Verteidigung weniger in Anspruch genommen waren als jene der in tropischer Hitze, im Mantel und schwer bepackt die Hange hinaufkletternden osterreichischen Angreifer. Eine wenig bekannte kleine Affare, die durch das Buch wohl popular werden diirfte, sei hier erwahnt. Ein ganz eigenes Zeichen von richtigem taktischen Blick und echt osterreichischer Gemutlichkeit bot ein Hornist des Infanterie- regiments Nr. 76, der nach der Wegnahme des Palazzo Bevilaqua in Custoza den nun endgiiltig weichenden Italienern lustig das Signal nachschmetterte: «Dreimal Habt Acht! Abblasen.» Denn mit dem Verluste von Custoza war die Schlacht fiir die Italiener ja endgiiltig verloren. @ 39 ® Die Sprache ist lebhaft und erhebt sich manchmal zu dramatischcr Hohe; einige nicht angenehm wirkende VViederholungen hatten vermieden werden konnen. Die Ausstattung des Buches ist sehr wiirdig. Reproduktionen der Originalaquarelle von Myrbachs Meisterhand fur Oberst Dunckers Prachtwerk «Erzherzog Albrecht«, eines Gemaldes von Fattori und eines anderen, den Kampf der Siebzehner in Oliosi darstellenden, vervollstandigen im Vereine mit kleinen wissenschaftlichen Skizzen das Bild der Schlacht. Das beigegebene Material an Kartenskizzen geniigt der Aufgabe des Buches vollkommen. Moge es ihm gelingen, diese Aufgabe zu erfiillen — und moge es viele Nach- folger finden: die Vergangenheit unserer Armee bietet Anlafi genug dazu! Osterr.-ungar. Unteroffiziers-Zeitung (i. Janner 1904)-. Es fehlt noch immer an kurzgefafiten, auf historischen Tatsachen basierenden Schilderungen von Schlachten und Gefechten des vergangenen Jahrhunderts, an vvelchen die Ssterreichisch-ungarische Armee ruhmreichen Anteil nahm. Um nun diese Lučke auszufiillen, hat sich Herr Oberleutnant E. Herrmann die gewifi anerkennenswerte Aufgabe gestellt, eine Reihe von Werkchen zu verfassen, welche durch ihre grofiartige Objektivitat alles ausschliefien, \vas nicht historisch zu erweisen ist und nur falsche, tendenzios gefarbtc Anschauungen hervorzurufen vermag. Als erstes dieser Werkchen liegt uns «Custoza» vor. Die wirklich hubsche Ausstattung wie nicht minder der aufierst geringe Preis (K 1'20) sichert dem Werke eine grofie Verbreitung. «Custoza» solite in keiner Unteroffiziersbibliothek fehlen! Oversee. Von E. Herrmann. Druck und Verlag von Ig. v. IClein- mayr & Fed. Bamberg. Laibach 1904. (K 1-20.) Danzers Armee -Zeitung (10. Marž i<)04J: Der erfreuliche Erfolg, den Oberleutnant Herrmann mit seiner vor einem halben Jahre erschienenen popularen Darstellung der Schlacht von Custoza erzieltc, veranlafite den Autor, gelegentlich der vierzigsten Jahres- gedenkfeier an den ruhmreichen Feldzug 1864 eine Darstellung jenes denk- vvtirdigen Gefechtes von Oversee zu geben, bei dem speziell das Regiment, dem der Autor angehort, unverwelklichen Lorbeer errungen hat. Die Be- geisterung, mit der in dem Belgier-Regiment heute noch die Erinnerung an den Deutsch - danischen Krieg gepflegt wird, durchzittert das vorliegende Buchlein. Aufzeichnungen von Mitkampfern standen dem Verfasser reichlich zur Verfugung, und der frische, lebendige Ton, in dem die Ereignisse vor- getragen werden, zeugen davon, wie geschickt das reiche Material verarbeitet wurde. © 40 @ Das Biichlein begnugt sich iibrigens nicht biofi mit der Schilderung des Gefechtes von Oversee, sondern enthalt auch eine zwar kurze, aber vollstandige Geschichte des Krieges gegen Danemark, in der sogar auch die Taten der Kriegsmarine behandelt erscheinen. Ein prachtiges, farbiges Umschlagbild und mehrere hubsche Text- bilder erhohen den Wert des sympathischen und der weitesten Verbreitung wiirdigen Biichleins. 4 Grcizer Tagespost (29. Jiinner 1904): Oberleutnant Herrmann hat vor kurzem durch sein iiber die Schlacht bei Custoza veroffentlichtes Buch die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. In wenigen Tagen sind es vierzig Jahre, seit sich die osterreichischen Truppen — und darunter ganz besonders die wackeren Belgier — im Gefechte bei Oversee unvergangliche Lorbeeren erworben haben. Osterreich und Preufien haben damals Schulter an Schulter Schleswig-Holstein vom diinischen Joche befreit. Durch genaue Studien iiber den Feldzug 1864, personliche Mit- teilungen und Erzahlungen von Mitkampfern ist der Verfasser in der Lage, eine wahrheitsgetreue, iibersichtliche Schilderung jenes Feldzuges zu ent- rolien. Die freiwillige Raumung des fast unbezwinglichcn Danewerkes, die Gefechte bei Ober-Selk und Jagel, der ruhmreiche Kampf um die Konigshohe, der Heldenkampf bei Oversee, das Gefecht bei Veile und das Seegefecht bei Helgoland sind in fesselnder und auschaulicher Weise geschildert; in iibersichtlicher Weise die weiteren Operationen, einschlicfilich der Besetzung Fridericias, behandelnd, schliefit das Werkchen mit der Schilderung des Einzuges der siegreichen Truppen in Wien. Auch die glanzenden Taten der preufiischen Waffenbriider werden in dem Buche gebiihrend geschildert. Die Ausstattung des Buches ist sehr geschmackvoll. Den Einband ziert eine geniale Farbenskizze, die von H. Torggler nach Motiven eines Gemaldes von K. Bleibtreu entworfen ist. Auch der Text wird durch ver- schiedene Reproduktionen von Gemalden bedeutender Kiinstler geziert. Karten und Plane vervollstandigen die im Texte geschilderten Situationen. Da gerade das Gefecht bei Oversee fiir die steirischen Truppen von besonderem Interesse ist und der Gedenktag von denselben alljahrlich in pietatvoller und festlicher Weise begangen wird, diirfte das Buch be¬ sonders in unserem Kronlande bald die vveiteste Verbreitung finden. Streffleur: Vierzig Jahre sind es her, seitdem das osterreichische VI. Korps unter Gablenz' Fiihrung die Eider iiberschritt, um in raschem Siegeslaufe bis in das Herz Jiitlands vorzudringen. Die meisten derTapferen, welche mithalfen, im Feldzuge gegen Dane¬ mark neue Lorbeerreiser um unsere Fahnen zu winden, sind bereits zur ® 41 ® grofien Armee heimgegangen. Dcren Taten der Vergessenhcit zu entreifien, um den Helden von Ober-Selk, Oversee, Veile und Hclgoland cinen Ehren- platz in der Geschichte unseres Heeres zu sichern, ist der Zweck vor- liegenden Buches. Der Verfasser schildert die Ereignisse des Jahres 1864 in kurzer und leichtfafilicher Weise, enthalt sich jeder Kritik und bictet uns mit seincm Werke eine sehr patriotische wie auch ganz sachliche Darstellung dieses kurzen, aber an Entbehrungen reichen Winterfeldzuges. Die vorliegende, sehr lesenswerte Schrift reiht sich wurdig an das vor kurzer Zeit in derselben Verlagsbuchhandlung erschienene Buch «Custoza». Veifette (25. Marž 1904/: Am 6. Februar waren es vierzig Jahre, dafi sich die osterreichischen Truppen im Verein mit den preufiischen Waffenbriidern im fernen Norden Lorbeeren errangen, die unverganglich geblieben sind in' den Annalen unserer Kriegsgeschichte. Jener Tag bildet sozusagen den Glanzpunkt des Fcldzuges gegen Diinemark im Jahre 1864 und mit ihm ist die Erinnerung an einen Namen verknupft, desscn Klang jedem Mitkampfer und Osterreicher das Herz rascher schlagen macht in freudigem und berechtigtem Stolze: Oversee! Diesen Namen hat auch der Verfasser der vorliegenden Broschiire zum Titel seines Werkes gewahlt. Er gibt eine kurze Darstellung der Vorgeschichte des Krieges und die Zusammensetzung des osterreichischen VI.Korps unterFeldmarschalleutnant Baron Gablenz und derbeiden preufiischen Armeekorps — das Ganze unter dem Oberbefehl des greisen Feldmarschalls Wrangel — und schildert ebenfalls die Organisierung der danischen Streit- macht unter General de Mezza. In den folgenden Abschnitten beschreibt der Autor in ldarer und iibersichtlicher Weise den Verlauf des Fcldzuges. Die Aktion gegen die gewaltigen Verteidigungsaniagen der Diinen, die Dane- werke, deren freiwillige Raumung seitens des Gegners, die Kiimpfe bei Ingel und Ober-Selk und die bravourSse Erstiirmung des Konigsberges ziehen in bunter Reihenfolge an unseren geistigen Augen voriiber. Dann das Treffen bei Oversee! Ein Hcldenkampf im wahren Sinne des Wortes. Die Kern- truppen beider Armeen standen sich hier gegeniiber, fest entschlossen, zu siegen oder zu fallen. Auf osterreichischer Seite waren es besonders das 9. Jagerbataillon und das Regiment Konig der Belgier, befehligt vom Oberst Herzog Wilhelm von Wiirttemberg, welche sich an dcmTage von Oversee wie an jenom von Veile (8. Marž) unverganglichen Ruhm erwarben. — Auch die osterreichische Flotte hatte an jenen Kampfen glanzend teilgenommen. Linienschiffskapitan Tegetthoff, der nachmalige Held von Lissa, bestand bei Helgoland einen glorreichen Kampf gegen die danische Ubermacht. Nach der Raumung der Festung Fridericia neigte sich der Feldzug scinem Ende zu, welches nach einem langercn Waffenstillstande, der nach der Besetzung der Insel Mors im Ljimfjord durch die osterreichische Brigade Kalik und die Windischgratz - Dragoner geschlossen worden war, durch den Frieden von Wien am 30. Oktober 1864 berbeigefiihrt wurde. Das Buch, in welchem der Verfasser auch in aufrichtiger ICameradschaft der hervorragenden Taten der preufiischen Waffenbruder gedenkt, endet mit dem Einzuge der sieg- reichen Truppen in Wien. Die sachliche und dabei doch ergreifende, einfache Darstellung der in diesem Werke geschilderten Ereignisse sichert demselben einen vviirdigen Platz in der osterreichischen Kriegsliteratur, und es ist nur zu bedauern, dafi man erst jetzt, nach so langen Jahren, nach und nach damit beginnt, die oft so glanzenden Waffentaten unserer Armee auf diese Weise gebiihrend zu wiirdigen. NARODNA IN UNIVERZITETNA KNJILNICA 00000476235