KATHOLISCHE MISSIONSZEITSCHKIFT MAI ■ JUNh -1955 46. JAHRGANG HE FT 3 Inhalt P. Adalbert Mohn: Die Einsetzung des Festes vom Königtum Mariens.................. 49 P. Wilhelm Kühner: Notizen aus Pretoria (Fortsetzung) ............................ 51 P. Anton Kühner: Sorge um den Priesternachwuchs in Huanuco ....................... 55 Fr. Oskar Hofmann: Erzbischof Joseph Otto Kolb f ................................. 57 1250 Sekten in Südafrika ......................................................... 58 Fides: Flucht aus Nord-Vietnam ................................................... 58 P. Karl Fischer: Schlangengeschichten ............................................ 62 Br. August Cagol: Königslanze und Kreuz (Fortsetzung) ............................ 66 Hugo Kocher: Der Schatz des Inka (Fortsetzung) ................................... 68 Fr. Oskar Hofmann: Der Meister ruft Dich! .......................... 3. Umschlagseite Das vordere Umschlagbild zeichnete Rudolf Wirth, München. Zur gefälligen Beachtung Die Missionszeitschrift „Stern der Neger" erscheint alle zwei Monate im Umfang von 24 Seiten. ■— Der jährliche Bezugspreis beträgt in Deutschland DM 2.50; in Österreich 12 Schilling; in Italien 300 Lire. — Allen, die den Bezugspreis für 1955 schon gezahlt haben, sagen wir ein herzliches Vergelt's Gott. Bestellungen werden entgegengenommen: In Deutschland vom Missionshaus Josefstal, Ellwangen (Jagst), Württemberg; in Österreich vom Missionshaus Maria Fatima, Unterpremstätten bei Graz; in Italien vom Herz-Jesu-Missionshaus in Milland bei Brixen. Einzahlungen sind zu richten: In Deutschland auf das Postscheckkonto Stuttgart 54 066 Missionshaus Josefstal; in Österreich auf das Scheckkonto 86211 „Stern der Neger"; in Italien auf das Herz-Jesu-Missionshaus in Millanđ bei Brixen. Miffionsgebetemeinungen Vom Heiligen Vater gutgeheißen und gesegnet Mai: Um Zunahme der Priester- und Ordensberufe auf den Philippinen Juni: Für die chinesische Jugend Herausgeber und Verleger: Kongregation der Missionäre Söhne des Heiligsten Herzens Jesu, Josefstal bei Ellwangen (Jagst), Württemberg. Postscheckkonto Stuttgart 54 066. — Schriftleitung: P. Stephan Untermann. — Druck: Schwabenverlag AG., Zweigniederlassung Ellwangen (Jagst). Mit kirchlicher Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobern. Stern Öer Neger Katholifche Miffione^Zeitfchrift Herausgegeben oon öer Kongregation Miffionäre Söhne öee Heiligften Herzens Jefu 48. Jahrgang Heft 3 Die Einfettung öee Feftee uom Königtum Mariens Von P. Adalbert Mohn, Rom In diesem Jahr wird zum erstenmal das Fest vom Königtum Marias begangen, das Papst Pius XII. am 1. November des vergangenen Jahres eingesetzt hat. Wegen der Pfingstoktav kann es nicht, wie vorgesehen, am 31. Mai gefeiert werden, sondern muß auf den 6. Juni verschoben werden. — Im Folgenden bringen wir einen Bericht aus Rom über die Feierlichkeiten anläßlich der Einsetzung des neuen Marienfestes im Vorjahr. D. Red. Am Feste Allerheiligen war die Ewige Stadt wieder Zeuge eines glanzvollen Festes. In der Woche vorher, vom 24. bis 31. Oktober, tagte ein großer Marianischer Kongreß in einigen Universitäten der Stadt Rom, vor allem in der Lateranuniversität. Professoren und Theologen aus der ganzen Welt hielten eine große Zahl von Vorträgen und Vortragsreihen, in denen alles zusammengetragen wurde, was die theologische Wissenschaft zur Ehre und zum Ruhme der Gottesmutter zu sagen weiß. Nicht nur die Orden hatten ihre hervorragendsten Gelehrten nach Rom entsandt, auch die Nationen des ganzen Erdkreises kamen durch ihre zum Teil hochberühmten Vertreter bei diesem einzigartigen Kongreß zu Wort. Vor allem anderen ergreifend war besonders jene Vortragsreihe, in welcher Vertreter aus allen Ländern der Kirche des Schweigens, jenseits des Eisernen Vorhangs, zu berichten wußten, wie auch in ihrer Heimat das prophetische Wort der Gottesmutter, daß sie seligpreisen werden alle Geschlechter, immer schon seine Erfüllung fand und auch trotz aller Drangsale der Gegenwart weiterhin seine Erfüllung findet. Dann kam das Christkönigsfest. Die deutschen Rompilger feierten ihren Pilgergottesdienst in der Hauptmarienkirche der Christenheit, Santa Maria Maggiore, unter jenem herrlichen Apsismosaik, auf welchem Christus der König seiner heiligsten Mutter die Krone aufs Haupt setzt. Am Nachmittag dieses Tages wurde das berühmte alte Gnadenbild „Maria, Heil des römischen Volkes" in einer triumphalen Prozession unter dem Jubel der Hunderttausende — Römer und Pilger aus der ganzen Welt — von Santa Maria Maggiore durch die ganze Stadt nach St. Peter geleitet. Es ist dasselbe Gnadenbild, das nach der Legende der heilige Evangelist Lukas gemalt haben soll, und vor dem Papst Pius XII. im Jahre 1899 sein erstes heiliges Meßopfer feierte. Am Morgen des Allerheiligenfestes drängten schon in aller Frühe die Menschenmassen zum Petersplatz. Der Andrang war zeitweise derart stürmisch, daß es den Kontrollorganen nicht mehr möglich war, auf die Eintrittskarten zu aphten. Noch nie hatte man die Peterskirche derart voll gesehen. Man schätzt, daß zu den 60 000, die Eintrittskarten besaßen, mindestens noch 20 000 andere den Eintritt in die Basilika erzwangen. Als der Heilige Vater dann feierlich die Einsetzung des neuen Festes verkündete und das uralte Gnadenbild mit einem kostbaren Diadem krönte, brach die gewaltige Menschenmenge in unbeschreiblichen Jubel aus. Wir Deutschen waren ja auch schon begeistert. Aber so viel Temperament wie die Italiener entfalten wir doch nicht. Neben mir stand ein junges italienisches Ehepaar. Der Mann schrie dauernd: „Evviva Maria, Regina dei Cuori!" — „Es lebe Maria, die Königin der Herzen!" Nach der Feierlichkeit in St. Peter wurde der Heilige Vater hinausgetragen auf den Petersplatz, wo eine große Menschenmenge ausharrte, die keinen Eintritt in die Peterskirche gefunden hatte. Der Heilige Vater wurde durch das Bronzetor wieder zum Vatikan hereingetragen und erschien wenig später auf der mittleren Loggia (Balkon) der Peterskirche. Er zeigte das gekrönte Gnadenbild und erteilte den feierlichen Papstsegen Urbi et Orbi — der Stadt Rom und dem Erdkreis. Während dieser Zeremonie standen unter der Loggia die Fahnen von den bedeutendsten Marienwallfahrtsorten der ganzen Welt, die tags zuvor den Triumphzug des Gnadenbildes durch die Stadt Rom begleitet hatten. Man sah die Fahnen von Lourdes und Fatima, von Guadelupe in Mexiko und Tschenstochau in Polen, von Altötting und vielen anderen Heiligtümern Mariens. Als die Feierlich- keiten zu Ende waren, drängten sich viele zu der Fahne von Fatima, um sie zu küssen oder wenigstens zu berühren. Der Allerseelentag brachte dann noch ein besonderes Erleben für die deutschen Rompilger. In der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell'Anima, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, fand ein feierliches Requiem statt. Die Kirche ist ja geweiht der Gottesmutter als der Patronin der Armen Seelen. Am Nachmittag des Allerseelentages fanden sich dann etwa 1500 deutsche Rompilger auf dem deutschen Soldatenfriedhof Pomezia ein, wo 16 000 deutsche und österreichische Soldaten begraben liegen. Kardinal Wendel von München und der deutsche Botschafter beim Vatikan, Dr. Jänicke, hielten ergreifende Ansprachen. Besonders beeindruckte uns die edle und herzliche Anteilnahme des deutschen Vatikanbotschafters, der ja kein Katholik ist, an dieser katholischen Zeremonie. Nach den Ansprachen erteilte Kardinal Wendel die Pontifikalabsolution. Während sich die Masse der deutschen Pilger um das große Friedhofskreuz geschart hatte, sah ich abseits ein altes Ehepaar, das Der Triumphzug des Gnadenbildes „Maria, Heil des römischen Volkes“ durch die Straßen der Stadt Rom am Christkönigstag 1954. Die deutschen Rompilger auf dem deutschen Soldatenfriedhof Pomezia beim Gebet für unsere Gefallenen. (Beide Aufn. Foto Pino, Rom) weinend zum ersten Mal am Grab des Sohnes kniete. Eine Schwester weinte am Grabe ihres Bruders, andere standen schweigend am Grabe des Freundes. So schön es auch ist, wenn so viele Deutsche die Gräber unserer Gefallenen besuchen, so wollen wir doch über allen Massenkundgebungen nie vergessen, wieviel persönliches Leid, wieviel persönlicher Schmerz in jedem einzelnen dieser vielen tausend Gräber verborgen liegt. Vielleicht war das marianische Erlebnis der deutschen Rompilger in diesen Tagen das tiefste und größte: Am Allerheiligenfest erlebten sie Maria als die Königin aller Heiligen und am Allerseelentag als die Mutter, die Beschützerin der Armen Seelen. Notizen aue Pretoria Von P. Wilhelm Kühner, Lydenburg (Transvaal) Pretoria, 26. 7. 1953 Heute ist Sonntag und zugleich Fest der hl. Mutter Anna. Unser Kirchenchor hat eine einfache, aber eindrucksvolle Messe gesungen und bei der Kommunion das „Panis angelicus" mehrstimmig. Wenn ich den Leib des Herrn austeile — es sind jeden Sonntag in der 7-Uhr- und 9-Uhr-Messe viele Gläubige an der Kommunionbank — und wenn ich die Worte singen höre: „Manducat dominum pauper, servus et humilis" (Gott, seinen Herrn, genießt der Arme, der Knecht, der Staub), überkommt mich jedesmal so eine frohe Stimmung; die Freude, Priester zu sein, der katholischen Kirche mit all ihrer Schönheit und ihrem überirdischen und kulturellen Reichtum anzugehören, durchströmt mein Herz. Liebe deutsche Familien empfangen den Leib des Herrn: Vater, Mutter und Kinder. Auch Schwarze und Mischlinge sind vom heiligen Gastmahl nicht ausgeschlossen, und niemand regt sich auf, daß sie zusammen mit den Weißen kommunizieren. Und wenn ein armer Eingeborener zuerst an der Kommunionbank kniet und weiter unten eine vornehme englisdie Dame, dann bekommt der Sdiwarze zuerst den Herrn. Nađi dem Gottesdienst stehen die Leute auf dem freien Platz vor der Kirdie, und wir beide — Monsignore und ich — gehen hinaus und unterhalten uns mit ihnen. Da wird echter Familiengeist spürbar, der Geist der Liebe, der Gotteskinder. Heute empfing ein Mädchen, Veronika, die ich vergangene Woche getauft habe — sie ist bereits 14 Jahre alt — ihre erste hl. Kommunion. Die Ministranten hatten zuerst gemeint, es sei eine Hochzeit, weil Veronika wie eine Braut im langen, weißen Kleid erschienen war. Ich gratulierte ihr von Herzen. Dann mußte ich das neuerstandene Missale eines Eisenbahners weihen. Er erzählte mir, daß er jetzt alles habe: HL Schrift, Gebetbuch, Missale und Kreuzweg. Dann begrüßte mich ein deutsches Mädchen, ein Flüchtling aus dem Sudetengau, das ich bei deutschen Schwestern untergebracht hatte. Jetzt um 11 Uhr habe ich eine zweite hl. Messe und zwar für Eva Peron, die verstorbene Gattin des Präsidenten von Argentinien. Die argentinische Gesandtschaft gab dafür ein Opfer von drei Pfund (über 30.— DM). Gewöhnlich ist das Stipendium hier 5 Schilling (2.50. DM). Merkwürdig! Durch das hl. Meßopfer komme ich mit einer großen, weltweiten Gemeinde in Berührung. Nach dem Essen kommt ein Telefonanruf: „Frau Lepowski gestorben!" Ich fahre mit dem Rad hin, gebe bedingungsweise Absolution und hl. Ölung. Ihr Sohn ist Lehrer, der von der Religion nichts wissen will. Ich habe früher mit ihm disputiert. Er war aber nicht unfreundlich. 27.7. 1953 Die Beerdigung von Frau Lepowski war so kalt. Lauter abgestandene Katholiken oder verbissene Kalviner als Trauergäste. — Man wartet hier mit der Beerdigung keine 48 Stunden, sondern bringt die Toten möglichst schnell zu Grabe, meist schon am nächsten Tag. Ich habe heute morgen die hl. Messe für die Verstorbene gelesen. Ihr Sohn war nicht da. Ich bin nur froh, daß ich die Heimgegangene während ihrer Krankheit öfters besucht und ihr die Sakramente gespendet habe. Sie war eine gute Katholikin aus Kroatien. 29. 7. 1953 Das ist heute ein Umtrieb im Pfarrhaus. Monsignore ist krank. Ich sause zwischen Sprechzimmer und Telefon hin und her. Eine arme Mutter möchte Unterstützung für ihre Familie, ein Kranker die hl. Kommunion. Mitbrüder von anderen Pfarreien schneien herein. Ein Beerdigungsinstitut fragt an, ob wir die Beerdigung eines diese Nacht im Hospital verstorbenen Italieners übernehmen können. Ich sage zu; gestern telefonierte ich Father Ward in der Capital-Park-Pfarrei, er möge den operierten Italiener versehen. Nachdem ich das Begräbnis auf Freitagnachmittag 3 Uhr zugesagt hatte, denke ich mir, ich muß doch Father Ward anläuten, ob er den Mann auch versehen hat. Welch ein Schrecken! Der Kranke hat den Pfarrer zurückgewiesen, wollte weder beichten noch kommunizieren noch den Krankensegen. Als Father Ward ihm trotzdem den Segen gab, sagte er: „Ich kenne das: ,In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti! Requiescat in pace!" Wir können den Mann natürlich nicht kirchlich beerdigen, wenn er von der Kirche nichts wissen will. Wir müssen seinen letzten Willen respektieren. Ich teile das dem Begräbnisinstitut mit. Nicht lange danach — wie vorauszusehen war — habe ich ein Telefongespräch mit den Verwandten; Sie beteuern erregt: „Der Verstorbene war ein guter Katholik, ging jeden Sonntag zur Kirche; er muß nicht recht bei Sinnen gewesen sein, als er die Sakramente zurückwies." Der Hochwürdigste Herr Erzbischof kommt unterdessen, um seinen kranken Administrator zu besuchen. Der legt ihm den Fall vor. Ich bin froh, daß der hohe Herr selbst die Entscheidung geben will. Um alle möglichen Informationen einzuholen, versuche ich einen Fernruf nach Nelspruit Die Herz-Jesu-Kathedrale in Pretoria. Das Bild im großen Fenster zeigt Jesus, wie er über Jerusalem weint. (Foto W. Kühner) an P. Pius Zeifang, denn der Verstorbene hatte dort gelebt, und seine Nichte versicherte, P. Pius könne bestätigen, daß er ein guter Katholik gewesen sei. Der Fernruf geht in verhältnismäßig kurzer Zeit durch und P. Pius sagt mir, er kenne den Herrn nicht. Ich muß P. Sieberer anrufen, den Nachfolger P. Zeifangs in Nelspruit. Letzterer ist nämlich schon seit zwei Jahren auf der Farm Friedenheim außerhalb Nelspruit. Auch P. Sieberer ist zum Glück zu Hause und er bestätigt mir, daß Herr M. sonntags regelmäßig zur Kirche kam und einmal im Jahr zu den Sakramenten ging. Er könne es nicht verstehen, daß der Sterbende die Sakramente zurückgewiesen habe, er müsse nicht mehr ganz zurechnungsfähig gewesen sein. — Der Tote kann also kirchlich beerdigt werden. Ich teile das den Angehörigen und dem Begräbnisinstitut mit. Alles scheint in bester Ordnung. So trage ich denn die Beerdigung des Herrn M. ins Notizbuch ein für Freitag, den 31. Juli, nachmittags 3 Uhr. Das Telefon klingelt wieder. Die Tochter des Verstorbenen teilt mir mit, daß sie sich entschlossen habe, ihren Vater durch die Dutch-Reformed-Church (die holländisch-kalvinische Kirche) beerdigen zu lassen, da wir uns zuerst geweigert hätten, das Begräbnis vorzunehmen. Wir hätten das nicht tun dürfen. Die Dutch-Reformed-Church habe nach nichts gefragt, sondern sei sofort bereit gewesen. Mit echt italienischem Temperament legt sie dann los. Ich kann kaum verstehen, was sie sagt, da ihre Stimme fast überschnappt. Nur mit Mühe kann ich meine Ruhe bewahren und ich erkläre ihr, unsere Abweisung sei begründet gewesen. Father Ward habe den Eindruck gehabt, daß der Kranke bei vollem Verstand war. Auch die Krankenschwester hätte erklärt, Herr M. sei bei klarem Bewußtsein gewesen. Wenn sie ihn aber jetzt durch eine andere Kirche beerdigen lasse, so würde das die Zurückweisung der Sakramente seitens ihres Vaters verständlich machen. Sie bekennt, daß sie nicht katholisch sei, sondern der Dutch-Reformed-Church angehöre. Sie habe aber ihren Vater katholisch beerdigen lassen wollen, weil er dieser Kirche angehörte. Nun habe diese Kirche sich geweigert, ihre dagegen nicht, also! Sie dankt noch für alle Mühen, die wir gehabt hätten. Ich habe weiter nichts mehr zu sagen. R. I. P. Father L., der Gefängnisgeistliche für die Schwarzen — auch im Gefängnis wird die Trennung zwischen Weiß und Schwarz streng durchgeführt — kommt zu einer Tasse Tee und erzählt mir, daß er soeben die Mörder der Schwester Aidan gesprochen habe. Sie sind nicht katholisch. Beide sind zum Tode verurteilt. Alle Todeskandidaten werden nach Pretoria gebracht und im hiesigen Gefängnis hingerichtet, d. h. gehängt. Auch die Weißen. 31.7. 1953 Soeben bekomme ich einen Telefonanruf vom Magistrat, unser schwarzer Koch Jakob werde von der Polizei festgehalten. Er habe ein Pfund (11.60 DM) zu zahlen. Bis 11 Uhr vormittags kann er entlassen werden, wenn das Geld bis dahin erlegt ist. Was hat der arme Kerl wohl angestellt? Ich habe ihm gestern einen Paß für Germiston ausgestellt, worauf ich vermerkte, daß er in der Nacht zurückkäme. Jeder Arbeitgeber muß seinen schwarzen Angestellten solch eine Bescheinigung mitgeben, sobald sie die Arbeitsstätte verlassen. Ich war auf dem Gericht und hatte nicht ein, sondern zwei Pfund zu zahlen, um Jakob freizubekommen. Er hat den Hof eines Weißen betreten, der ihn ohne vorausgehende Warnung geschlagen hat, worauf unser Koch ihm mit gleicher Münze zurückzahlte und ihn in den Daumen biß. Ich lese zur Zeit die Selbstbiographie und Bekehrungsgeschichte von Monsignore Kolbe, einem Südafrikaner, der von der kalvinischen Kirche zum Katholizismus übertrat und Priester wurde. Am meisten hat mich bis jetzt beeindruckt, was er über die Stegreifgebete der protestantischen Geistlichen sagt. Der gläubige Protestant ist dem persönlichen Empfinden seiner Geistlichen ausgeliefert. Ich erinnere mich an das, was Karl Adam in seinem Buch „Wesen des Katholizismus" sagt, daß sich nämlich in der katholischen Kirche keine Person zwischen Gott und Seele ein-schieben kann. Maßgebend ist die Lehre der Kirche. Keiner darf nur seine persönliche Ansicht verkünden. Heute kam ein junger Priester zu uns, der nach zweijährigem Aufenthalt im Land und nach harter Arbeit in der Diözese Pietersburg epileptische Anfälle erlitt und seit 14 Tagen im Mental Hospital hier in Pretoria weilt. Er ist erst 27 Jahre alt. Seit seinem zehnten Lebensjahr hatte er nie mehr solche Anfälle gehabt. Nun sind sie auf einmal wieder zurückgekehrt. Er wird nach Irland in seine Heimat zurückgeschickt, der Arme. — Die Zahl unserer Besucher im Haus ist zur Zeit auf vier angestiegen; für weitere Gäste ist kein Platz mehr da. Ich bewundere die Gast- freundschaft meines Chefs. Ähnliche Gastlichkeit fand ich nur in Tirol. Zur Zeit ministriert mir immer ein Jungmann von ungefähr 20 Jahren. Heute kamen wir miteinander ins Gespräch. Er erzählte mir, er habe zuerst Weltpriester werden wollen, habe sich aber nach viel Gebet und Beratung und nach Lesen der Bücher des berühmten Thomas Merton entschlossen, Trappist zu werden. In einigen Wochen wird er in' ein Kloster dieses strengen Ordens nach England abreisen, um sein Noviziat zu beginnen. Die Matura hat er schon hinter sich. Er hat ein sehr gesundes Aussehen und ist wohlgestaltet. Man kann bei ihm nicht sagen: „Geh ins Kloster, armer Junge, Mädchen lieben bessere Farben." Es ist erfreulich, solche Früchte auf dem heißen und trockenen Boden Südafrikas wachsen zu sehen. Die Gnade wirkt auch hier ihre stillen Wunderwerke. (Im Kar-meliterinnenkloster zu Johannesburg sind etwa 15 Südafrikanerinnen.) (Fortsetzung folgt) Zulu aus Natal. Er wurde im Krieg am Bein verletzt und ist als Chauffeur bei einem Weißen angestellt. (Foto K. Fischer) Sorge um Öen Prteftemachnmche ln Huanuco Von P. Anton Kühner, Huanuco (Peru) Die Bischofsstadt Huanuco ist eine der großen Städte im hohen Andengebirge Perus. Schachbrettartig angelegt, liegt sie im schönen Huallagatal, dort, wo ein Seitenfluß das Tal etwas geweitet hat. Die Stadt wurde 1542 von spanischen Kolonisten gegründet, also gerade 50 Jahre nach der Entdeckung Amerikas. Das katholische Spanien war sich im Zuge seiner Kolonisation immer seiner Sendung bewußt, die Welt für das Christentum zu erobern. So war Huanuco, im Herzen Perus gelegen, zu einem missionarischen Zentrum ausersehen, und noch in den ersten Jahrzehnten wurden vier große Klöster gegründet, ebenso ein Hospital. Man kann sagen, daß sich Spanien, besonders durch die Initiative Kaiser Karls V., hier ein Denkmal seiner einstigen Größe gesetzt hat. Zerfall des kirchlichen Lebens Doch mit dem allmählichen Niedergang des spanischen Weltreichs begannen auch viele seiner Denkmäler zu zerfallen. Huanuco machte keine Ausnahme. Mitgeholfen haben freilich auch Naturkatastrophen und Krankheiten. So ein schweres Erdbeben im Jahre 1748 und die Blattern in den Jahren 1714 bis 1718; die halbe Stadt starb aus. Die Folge war eine große Wirtschaftsnot, die ein halbes Jahrhundert anhielt. Dann kam im Jahre 1826 die nationale Befreiungsrevolution: Peru ward frei von spanischer Vorherrschaft. Im Glauben an die Freiheit und das eigene Können hat man auch die Klöster geschlossen und die spanischen Missionare vertrieben. Die Geschichte hat freilich bewiesen, daß frei sein noch nicht reif sein bedeutet. Woher sollte nun Peru den großen Ausfall an Geistlichen ersetzen? Weniger Priester sollten weiterhin die gleiche Arbeit leisten. Das wäre vielleicht in etwa möglich gewesen, wenn die mangelnde Quantität durch Qualität hätte ersetzt werden können. Konnten das die Priester aus den beiden Bevölkerungsgruppen der Mestizen und Indianer? Die Mestizen und der Priesterberuf Die Mestizen, Mischlinge aus spanischem und indianischem Blut, sind begabt, leiden aber im allgemeinen unter einer Persönlichkeitsspaltung, wenn ich es so nennen darf. Sie wollen Weiße sein, und sind doch keine, und möchten das indianische Erbe, das sehr stark ist, unterdrücken. Diese Menschen sind sehr fähig, lernen schnell, können alles nachmachen, sind liebenswürdig und wohlgelaunt. In allen Fähigkeiten, die man erlernen kann, sind sie uns fast überlegen. Doch was ihnen oft fehlt, ist unverdrossene Stetigkeit und absolutes Pflichtbewußtsein; es gibt, allerdings selten, erfreuliche Ausnahmen. In Behandlung der Indianer spielen sie gern die überlegenen Herren. Daß Priester aus solchen Familien die gleichen vorteilhaften und nachteiligen Eigenschaften haben, liegt auf der Hand. Die meisten dieser Priester sind intelligent, sehr redegewandt, treffend im Urteil. Was aber der Priester vor allem braucht, ist unentwegte Stetigkeit und Pflichterfüllung, gepaart mit vorausschauender Klugheit, Eigenschaften, die ihnen so manchesmal abgehen. — So ist es verständlich- daß in diesen Jahren nicht aufgebaut, ja nicht einmal das Erbe erhalten, sondern abgebaut wurde. Die Indianer und der Priesterberuf Es gab und gibt auch Priester aus den Reihen der Indianer. Der Indianer ist begabt, lernt leicht und schnell fremde Sprachen, und so bewältigen die Studenten meist ohne Schwierigkeit die Studien. Aber diese geistige und geistliche Welt ist für sie eben doch ganz neu, so ganz fremd dem kulturellen Niveau ihrer Familien, in denen sie aufgewachsen sind. Wenn man weiß, daß die Kinderstube den Menschen ganz stark formt, kann man begreifen, was einem Menschen ohne sie fehlt. Die Erlebniswelt des einfachen Indianers ist doch sehr begrenzt. Das Glaubensleben wird erhalten und genährt durch ein religiöses Brauchtum, das zum Glück tief verwurzelt, das aber auch mit allerhand Aberglauben durchmischt ist. Diese Umwelt formt das religiöse Erleben des jungen Indianers. In den Studienjahren im Seminar lernt der Priesterkandidat dann den christlichen Glauben vollends kennen. Das an ihn herangetragene Priesterideal nimmt er auch an und geht mit gutem Willen ans Werk. Doch der gute Wille läßt langsam nach, und es bleiben Charakter und Erbe. Schon die alten Inkas hatten drei Gesetze. Sie lauten: Nicht lügen, nicht stehlen, nicht faulenzen! Gesetze, die wohl die Hauptübel der Untertanen treffen und ihnen abhelfen wollten. Wie sich Nationaltugenden vererben, so auch Nationallaster. Der Priesterrock verpflichtet zwar und ist ein gewisser Schutz. Doch der Mann, der ihn trägt, ist Kind seiner Zeit und seines Volkes. Und ein Volk, besonders ein primitives, braucht Generationen, um ein Christentum und besonders ein Priestertum nach europäischen Begriffen zu entwickeln. Ansätze einer Aufwärtsentwicklung So wie der äußere Zerfall der Klöster und Gotteshäuser in Huanuco symbolisch war für den kirchlichen Niedergang, so gehen seit einigen Jahrzehnten die Restauration der Gotteshäuser und die Erneuerung des religiösen Lebens Hand in Hand. Seit 25 Jahren arbeiten wieder spanische Franziskaner hier in der Stadt. Unser P. Superior Andreas Riedl hat, unterstützt von P. Miguel Wagner, 14 Jahre lang im hiesigen Priesterseminar gearbeitet. Der großen Plage entsprach auch ein gewisser Erfolg: Ein schwaches Dutzend einheimischer Priester, durch die beiden Genannten einst unterrichtet und erzogen, arbeitet heute in der Seelsorge. Seit 1950 betreuen Phtres unserer Kongregation die Pfarrei „Christo Rey\ Die Kirche ist zentral gelegen, nicht prunkhaft, aber schön und sauber. Am Der Oberhirte der Diözese Huanuco, Exzellenz Bischof Teodosio Moreno. Zu seiner Rechten steht P. Karl Wetzel, der jetzt in Lima wirkt; links P. Anton Kühner, Pfarrer von Christo Rey in Huanuco. (Foto K. Lohr) Sonntag beginnt von 6 bis 10 Uhr mit jeder Stunde eine hl. Messe. Wenn Kirchenbesuch und Sakramentenempfang ein Gradmesser für den Stand einer Pfarrei sind, dann war unsere Arbeit in der Seelsorge erfolgreich. Die religiöse Feier mit Kommunion am ersten Monatssonntag zu Ehren der Gottesmutter von Fatima wäre wohl auch für einen Europäer ein kleines Erlebnis. Zur Pfarrei „Christo Rey" gehört eine zweite Kirche, St. Peter. Diese Kirche wird wohl ein Jahrhundert alt sein; sie ist nicht groß, die Mauern bestehen aus gestampfter Erde, im Ganzen gesehen ein armseliger Raum. Zur Kirche gehört ein großer Garten, den unsere Kongregation vor zwei Jahren erworben hat mit der Auflage, hier eine neue Kirche zu bauen. Zunächst gingen wir daran, für uns einen Klosterkonvent zu errichten. Ein Teil ist schon fertig. Es ist ein schöner Bau geworden, der dem Architekten, P. Anton Schöpf, alle Ehre macht. Und schon ist auch der Grundstein zum neuen St. Peter gelegt. Möge der hohe Kirchenpatron seinen Segen dazu geben. Erzbtfchof Dr. Jofef Otto Kolb + Am 29. März 1955, nachts um 23 Uhr, ging Se. Exzellenz, der Hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. theol. h. c. Joseph Kolb im 73. Lebensjahr und im 50. Jahre seines priesterlichen Wirkens heim in die Ewigkeit. Voll tiefer Trauer gedenkt auch unsere Kongregation, aus deren Reihen er vielen Patres im hl. Sakrament der Priesterweihe die Hände aufgelegt hat, des großen Kirchenfürsten. Mit ihm verlor vor allem unser Missionshaus St. Heinrich in Bamberg einen edlen Freund und großen Gönner, der dem Hause vom ersten Tage seines bischöflichen Wirkens an stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Am 19. August 1881 zu Seßlach geboren, oblag der Verewigte nach Absolvierung seiner humanistischen Studien am Neuen Gymnasium in Bamberg dem Philosophie- und Theologiestudium an der Hochschule Bamberg und an der Universität Innsbruck. Am 30. Juli 1905 empfing er die hl. Priesterweihe und war dann bis 1911 als Kaplan in Schlüsselfeld und in Bayreuth tätig. In diesem Jahre wurde er nach Bamberg an das Erzbischöfliche Knabenseminar Otto-nianum berufen, zu dessen Direktor er im Jahre 1923 ernannt wurde. Gleichzeitig war er auch Religionslehrer am Neuen Gymnasium. Im Jahre 1924 berief ihn das Vertrauen seines Oberhirten als Stadtpfarrer der Pfarrei St. Elisabeth nach Nürnberg, wo er bis zu seiner Erhebung zum Titularbischof von Velizia und Weihbischof von Bamberg am 10. August 1935 tätig war. Nach dem Tode des hochseligen Erzbischofs Dr. Jakobus von Hauck ernannte der Hl. Vater Papst Pius XII. den bisherigen Weihbischof am 24. Ja- Am 29. März verschied in Bamberg Exzellenz Erzbischof Joseph Otto Kolb, ein großer Gönner unseres Missionshauses St. Heinrich. (Archiv) nuar 1943 zum Nachfolger. Am 9. Mai 1943 wurde Exz. Joseph Otto Kolb im Kaiserdom zu Bamberg feierlich in Gegenwart der Bischöfe von Eichstätt, Speyer und Würzburg inthronisiert und am 9. April 1946 mit dem Pallium der Erzbischöfe bekleidet. Der verewigte Oberhirte, der vom Hl. Vater mit dem Titel eines päpst- 1250 Sehten Die interkonfessionelle Konferenz in Johannesburg brachte vor kurzem einen Bericht mit der alarmierenden Überschrift: Eintausendzweihundertfünfzig (Sekten-) Kirchen in Südafrika! Soweit führt der Protestantismus mit seinem Grundsatz von der freien, privaten Bibelauslegung. Wo kein mit unfehlbarer Autorität ausgestattetes Lehramt anerkannt wird, gibt es am Ende so viele Kirchen als es Christen gibt. Jeder glaubt oder gibt vor, die Wahrheit gefunden zu haben. Es ist klar, daß sich die Schwarzen das Prinzip der freien Bibelauslegung rasch zu eigen machen, und neue Kirchen aus dem Boden schießen wie Pilze nach einem warmen Sommerregen. Wir werden daher in Zukunft noch mehr neue Kirchen serviert bekommen. Wie soll sich nun aber in all dem Wirrwarr der arme Heide kuskennen? liehen Thronassistenten und römischen Grafen ausgezeichnet worden war, war in seinem Wesen ein wirklicher Hohenpriester und geistiger Vater seiner Erzdiözese. Sein letztes großes Anliegen, das er in seinem Fastenhirtenbrief zum Ausdruck brachte, war die Sorge für Priester- und Ordensberufe. R. I. P. O. H. in Süöafrtha Die Spaltung der Christenheit hindert die Bekehrung des Landes gewaltig. Und wann wird die Regierung ein-sehen, daß die Neugründung sogenannter christlicher Kirchen, die oft herzlich wenig von Christi Geist haben, nicht so weitergehen kann? Die neue Schulpolitik des Staates in der Eingeborenenerziehung, die vom 1. April 1955 an durchgeführt wird, sieht für den Unterricht in den Staatsschulen nur noch „die Grundlagen der christlichen Religion und ein allgemeines Bibelwissen" vor. Was ist darunter zu verstehen? Das Ministerium für Eingeborenenerziehung wird am Ende bestimmen, was das Wesen des Christentums ist. Der totalitäre Staat will eben auch die Religion 1 herrschen, wie wir es in Deutschland unter Hitler erlebt haben und wie es der Bolschewismus in den Ländern seines Machtbereichs praktiziert. W. K. Flucht aue Norö-Vietnam Ende Juli des vergangenen Jahres war es, daß man für die große Völkerwanderung aus dem kommunistisch gewordenen Nord-Vietnam nach Süd-Vietnam Flugzeuge einsetzte und eine förmliche Luftbrücke schuf. Französische und amerikanische Schiffe wurden für die Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Tag und Nacht kamen im Süden Tausende und aber Tausende an, schon bald zählte man 300 000. Hier wurden sie in Schulen, die gerade leer standen, in Baracken und Militärzelten untergebracht, und das zu einer Zeit, da die Regenperiode eingesetzt hatte. Aber die Flüchtlinge waren froh, der kommunistischen Hölle entronnen zu sein. 80 bis 85 Prozent der Flüchtlinge waren Katholiken. Schade, daß die Regierung im Süden nicht daran dachte, mehr internationale Fachkräfte für Einwanderung zu Rate zu ziehen, denn die Schwierigkeiten häuften sich. Waren die Exilierten doch großenteils Frauen, Kinder und alte Leute, die noch vor Abschluß der Genfer Verträge ihre Dörfer verlassen hatten. Auch die Militärfamilien waren rechtzeitig durch die Behörden aufmerksam gemacht worden. Leider wußten im Innern des Landes die Bauern nichts von der Möglichkeit der Abwanderung. Und die Vietminh, die in aller Eile die Ortschaften besetzten, haben es ihnen sicher nicht mitgeteilt. So erklärt sich das schleppende Tempo des Abtransportes. Andere, die anfangs an die Möglichkeit geglaubt hatten, sich den neuen politischen Verhältnissen anpassen zu können, sahen nach traurigen Erfahrungen ihren Irrtum ein und suchten noch zu entfliehen. In den Städten, wo die internationale Waffenstillstandskommission saß, war das noch leicht. Aber auf dem Land stand der böse Wille der Vietminh entgegen, die scheelen Auges diesen „Auszug" betrachteten, der nicht zu ihren Gunsten sprach. Höheren Ortes wurde schnell die Weisung gegeben, die Bewegung mit allen Mitteln aufzuhalten. Trotzdem und unter Lebensgefahr ging die Flucht weiter, einzeln und in kleineren und größeren Gruppen, bald zu Land durch die Reisfelder, bald auf dem Fluß- und Seeweg, immer aber bei Nacht. Man mietete Barken, man stellte aus Bambusstümpfen Flöße her: lieber ertrinken oder erschossen werden, als in dieser Hölle bleiben. Es gab tragische Zwischenspiele: ganze Familien ertranken in den Fluten. Aber mußte man nicht vor allem seine Seele retten? Das hatte die junge Mutter wohl begriffen, die vor dem Leib ihres kleinen Kindes, das den letzten Seufzer aushauchte, sichtlich frohlockte. Mit schlichter Einfachheit, die an alte Märtyrerberichte erinnert, gab sie zu verstehen, sie habe dem Kind, das sie den Kommunisten entriß, die es hätten verderben können, das ewige Glück gesichert! Immer mehr schließen sich unseren Christen auch Nichtchristen an, die ebenfalls begriffen haben, daß es schnell noch gilt, die Freiheit zu wählen. Unglücklicherweise häufen sich die Schwierigkeiten hinter dem Bambusvorhang. Erst jüngst noch haben sich 70 000 Flüchtlinge, zumeist Katholiken, um Phat Diem gesammelt in der Hoffnung, evakuiert zu werden. Ob die internationale Kommission, von den Kommunisten auf jede Art hinters Licht geführt, sich um diese Leute annimmt, bevor sie zerstreut oder Hungers gestorben sind, das ist die Frage, die man sich angstvoll stellt. In den Städten, wo die Kommissionsmitglieder sitzen, mag das noch verhältnismäßig leicht sein, aber in weiter entfernten Gegenden, wo der Vietminh alles anstellt, um die Leute tot oder lebendig zurückzuhalten, ist das anders. Dank der Fürsorge der katholischen Welt, die von diesen Zuständen mit Recht erschüttert wurde, dank auch der Hilfsmaßnahmen, die von französischen und amerikanischen Kreisen getroffen wurden, ist die endgültige Unterbringung in Süd-Vietnam in Gang. Die helfenden Fachleute aus allen Teilen der Welt können gar nicht zahlreich genug sein. Hoffen und wünschen wir, daß so das unmöglich Scheinende geschieht und die armen Flüchtlinge, die in ihrer übergroßen Mehrzahl alles verließen, zumeist, um ihren Glauben zu bewahren, möglichst schnell wieder in bessere Lebensverhältnisse überführt werden Von der Lösung dieses Problems, das auch mit Hilfe der 700 bis 800 Priester unter Leitung der Oberhirten der Flüchtlinge gelöst werden soll, hängt die Zukunft von Vietnam, aber auch die der blühenden Kirche ab, die eine hervorragende Stelle im Fernen Osten eingenommen hat. (Fides) »T; illlj . Sžž Sv** B;- « . 1 . ■ • ipir, i.. : ffl 1/ n- y JL L NEUEftlMAT IN S UDslETN AM Auf einem Transport-schiff, das katholische Vietnam-Flüchtlinge von Haiphong im kommunistischen Norden nach Saigon im freien Süden bringt, wohnt die Menge der hl. Messe auf der Kommandobrücke bei. Wir sind in Süd-Vietnam. Für die Flüchtlinge wird durch Traktoren der französischen Armee der Wald gerodet und geebnet, um Ackerland zu schaffen. Während der Überfahrt beten die katholischen Flüchtlinge in kleinen Gruppen den Rosenkranz. Neben einer strohgedeckten Hütte arbeiten I zwei Flüchtlinge in dem j Garten, den man ihnen j erst vor zwei Wochen j hergerichtet hat. An Bord eines Schiffes in Saigon, das sich um die Flüchtlinge aus dem Norden annimmt, sehen wir Kardinal Spellman, Erzbischof von New York; neben ihm den Präsidenten der Vietnam-Regierung, Ngo Dinh Diem, und Monsignore Pham Ngo Chi, Ap. Vikar von Bui Chu und Präsident des Flüchtlingskomitees in Saigon. °as neuangelegte Dorf Phuoc-Ly in Süd-Viet-;nam wird mehr als 10 000 katholischen Flüchtlingen zur neuen Heimat. Nach zwei Mosten konnten sich die Flüchtlinge schon ihre Gärten und Reisfelder anlegen. (AUe Aufn. Fides-Foto) Schlangengefchichteo Von P. Karl Fischer, Reichenau Mission (Natal) Man hat vor den Schlangen so große Furcht und meint, in den heißen Ländern sei man nirgends vor diesem häßlichen Gewürm sicher. In Wirklichkeit ist es aber nicht so schlimm. Es gibt wohl genug Schlangen, aber im allgemeinen begegnet man ihnen nur selten. Von denen, die man öfters antrifft, sind viele unschädlich, und die übrigen, wenn auch sehr gefährlich für Mensch und Tier, machen sich dadurch recht nützlich, daß sie in Feld und Wiese die Ratten und Mäuse in Schach halten. Alle Schlangen sind furchtsam und fliehen den Menschen. Nur im Falle der Not oder wenn sie in ihrer Ruhe gestört werden, wehren sie sich. Einige Arten gibt es freilich, die den Menschen direkt angreifen. Ich habe nicht die Absicht, alle Schlangen aufzuzählen, die in Südafrika Vorkommen; ich schreibe nur von solchen, mit denen ich Bekanntschaft gemacht habe, und führe Vorfälle an, die in der Zeitung berichtet wurden. Ich beginne mit der Puffotter (Bi-tis arietans), die sehr häufig vorkommt und deren gut hörbares Zischen großen Schrecken einjagen kann. Die Schwarzen nennen sie „Bululu". Ihre Farbe ist dunkelbraun, mit gelblichen ovalen Zeichen am Rücken. Sie wird bis drei Fuß lang. Es gibt verschiedene Arten, von denen einige recht dick und plump sind. Ein solches Exemplar brachte mir einmal ein Schulbub in Sawoti, in der Gegend der Zuckerrohrpflanzungen. Er sprang durch eine sumpfige Wiese. Plötzlich fühlte er, daß er auf etwas Kaltes getreten war. Er schaute um und sah, wie eine dicke Puffotter gegen ihn zischte. Er erschlug sie mit einem Stock, mit dem jeder Schwarze immer ausgerüstet ist. Uber die Mitte des Bauches war sie gut sechs Zoll breit. Der Kopf der Puffotter ist kurz und dick, und im Rachen, den sie sehr weit aufreißen kann, hängen vom Oberkiefer zwei einen Zentimeter lange Giftzähne herab. Wegen ihrer plumpen Gestalt kön- nen sie sich nur langsam fortbewegen, vermögen aber den Kopf fast blitzschnell nach allen Seiten zu drehen. Die Natur gab ihnen ein Mittel, vor dem Näherkommen zu warnen und dadurch selber Zeit zu gewinnen, das Weite zu suchen. Sie lassen ein heftiges Zischen und Fauchen hören. Mein Pferd, das für mich hören muß, machte bei solcher Gelegenheit immer einen kleinen Seitensprung. Mit einem Stock kann man sie leicht erschlagen. Man muß aber vorsichtig sein und sich schnell etwas zurückziehen, da sie einen bis zwei Fuß weiten Sprung auf den Angreifer machen können. Das Gift der Puffotter wirkt sehr stark. Es löst die roten Blutkörperchen auf, macht die Wände der Adern porös, das Blut dringt durch und ergießt sich unter die Haut. Eine gute Dosis des Giftes tötet das Opfer durch innere Verblutung. In den meisten Fällen kann geholfen werden, wenn ein Arzt rasch zur Stelle ist. In der Missionsstation Centocow wurden an einem Samstagnachmittag ein Schulkind, eine Kuh und ein Pferd von einer Puffotter gebissen. Das Kind konnte gerettet werden, weil rasch Einspritzungen mit einem Gegengift vorgenommen wurden. Das Pferd überließ man seinem Schicksal, da man seine Verletzung zu spät wahrnahm. Es blieb auf der Weide mit stark angeschwollenem Vorderbein und konnte sich kaum bewegen. Mehrere Wochen stand es immer am selben Platz, lebte aber schließlich wieder auf. Die Kuh wurde am Hinterbein unter dem Bauch gebissen, wahrscheinlich beim Niederlegen. Mit Mühe brachte man sie in den Stall und versuchte es mit allen möglichen Hausmitteln. Es war umsonst. Am nächsten Morgen war sie tot. Eine andere Otternart ist die Nachtotter (Lamprophis aurora). Von den Afrikanern wird sie „Nagslang" genannt. Sie ist schwarzbraun und wird bis fünf Fuß lang. Sie kommt aus ihren Schlupfwinkeln, die sehr oft in der Nähe von Stallungen und alten Gebäuden sind, gegen Abend heraus und macht Jagd auf Ratten und anderes kleines Getier. Sie scheint nicht sehr böse zu sein. Bei der geringsten Gefahr oder bei Annäherung eines Menschen verschwindet sie in ein Versteck, und es braucht lange, bis sie wieder zum Vorschein kommt. Ich saß einmal gegen Abend auf einer Bank im Garten, mit dem Rücken gegen das Stiegengeländer, und las in einem Buch. Da kam ein Bub und schrie: „Baba, eine Schlange hinter dir!" Ich schnellte auf und sah sie dicht an der Stiege langsam dahinkriechen. Während ich einen Rechen aus dem Haus holte, war sie verschwunden,, und wir konnten sie trotz langem Suchen nicht mehr finden. Ich kam einmal sehr spät von einem Krankenbesuch zurück. Der Weg in den Speisesaal führte auf einer Steintreppe von 15 Stufen ins Freie. Das weiß ich so genau, weil ich diesen Weg oft in finsterer Nacht ohne Licht machen mußte. Der Abhang an beiden Seiten der Treppe war dicht mit Geißbart bewachsen. Weil ich Hunger hatte und der Speisesaal um 8 Uhr geschlossen wurde, sprang ich mit einigen Sätzen die Treppe hinab. Beim letzten Sprung mußte ich die doppelte Weite nehmen, da ich noch im rechten Augenblick eine Nachtschlange erblickte, die die Stufe entlang kroch, auf die ich gerade aufspringen wollte. Es war gut so. Ich kam schneller hinab als die Schlange, fand einen Stock und machte ihr den Garaus. Ihr Gift hat dieselbe Wirkung wie das der Puffotter. Es kommt vor, daß ein Kind in der Frühe tot in den Decken gefunden wird, ein Opfer der Nachtschlange. Auf der Jagd nach Ratten dringen sie des Nachts auch in die Hütten ein und kriechen unter die Decken der am Boden Schlafenden. Dann gibt es noch die Bergotter (Bitis atropos). Einer solchen bin ich nur einmal begegnet, als ich von einer Außenschule über einen steinigen Bergabhang heimritt. Wenn ich langsam reiten muß oder es absichtlich tue, suche ich mit den Augen genau den Boden ab, eben nach Schlangen oder Blumen und anderen Dingen mehr. Ich bin noch immer derselbe wie in meiner Studienzeit, wo ein Oberer mir sagte, ich sei ein Mistkäfer, der immer im Boden herumwühlt. Ich liebe die Natur und alles, was draußen herumkriecht. Ich liebe mein Pferd, das mir so treu dient, und ich habe auch die Schlangen gern, um sie kennen zu lernen. Also diese Bergotter lag knapp neben dem Fußweg und war von dem grauen Boden fast nicht zu t unterscheiden. Ich konnte das Pferd noch rechtzeitig weglenken, sonst wäre es auf die Schlange getreten und sicher gebissen worden. Ich betrachtete sie dann längere Zeit, da sie mir unbekannt war und eine merkwürdige Kopfform aufwies. Der Kopf war ein gleichseitiges Dreieck, dessen hintere Ecken ausschauten, als wären es zwei abstehende Ohren. Oder wie ein Herz, an dem ein schmaler Hals mit einem dicken Rumpfe hing. Erst zu Hause erfuhr ich ihren Namen. Sie soll sehr giftig sein. Man hört aber nur wenig von ihr, weil sie sich an Berghängen aufhält und von Eidechsen und Schnecken lebt. Es gibt noch andere Ottern hier in Südafrika, mit denen ich aber keine Bekanntschaft machte. Die Teufelsotter, die Cape-Puffotter, die Hornotter. Gefährlicher als die Otterschlangen sind die Cobraschlangen. Ihr Gift greift das Nervensystem an und wirkt sehr schnell. Wenn man von einer Cobra gebissen wurde, beginnt die Wunde bald zu schmerzen, das Fleisch um die Bißstelle herum wird starr und es stellt sich ein Schwindelgefühl ein. Nur die schnellste Hilfe kann retten, aber auch so bleibt das betroffene Glied gelähmt. Die Cobras sind auch deshalb gefährlicher, weil sie des öfteren aus eigenem Antrieb Mensch und Tier angreifen. Die erste Begegnung mit einer Cobra, der Cape-Cobra (Naia flava), machte ich auf der Missionsstation Lourdes an einem Sonntagnachmittag. Ich war für den Sonntagsgottesdienst allein zu Hause. Als am Nachmittag alles fertig war und die Leute wieder den Heim- weg angetreten hatten, machte ich einen kleinen Spaziergang in den Wald oberhalb der Schule. Ich ging in meinen Sandalen und ohne Hut und Stock. Im Gehen hing ich meinen Gedanken nach, sah auf die schönen Kronen der Eichen und gedachte der alten Patres und Brüder der Trappisten, die vor mehr als 50 Jahren die Wälder um Lourdes gepflanzt und die Stockheiden ringsum zu eifrigen Christen gemacht hatten. Auf den Weg, den ich ging, achtete ich nicht. Da durchzuckte mich ein Schrek-ken und eine Gänsehaut überlief mich. Was ist los? Ich schaute nieder auf den Weg und erblicke einige Schritte vor mir eine lange Cobra quer über den Weg liegen, den Kopf mit der vorgestreckten Zunge böse auf mich gerichtet. Ich erkannte sie an ihrer gelblichen Färbung und wußte auch, wie gefährlich sie sein kann. Vergebens suchte ich mit meinen Augen nach einem Prügel oder Stein. Ich blieb daher ruhig stehen und schaute gespannt auf das Tier. Die Schlange senkte schließlich den Kopf und kroch langsam von mir fort, den Weg entlang. Ich folgte. So oft ich absichtlich mit dem Fuß ein stärkeres Geräusch machte, schnellte sie herum und stand wieder mit aufgerichtetem Kopf gegen mich. Da auf einmal, als ich wieder nach einem Stock oder Stein ausspähte, war sie verschwunden. Mit der größten Vorsicht suchte ich nach ihr. Ich gab es dann aber bald auf, da ich befürchten mußte, daß sie in einem Versteck, auf mich lauert und unversehens angreift. Ich begegnete dann dem Kreistierarzt, der in der Mission wohnt, und eben auch im Wald herumspazierte. Dem erzählte ich meine Begegnung mit der Cobra. Er war darüber gar nicht erstaunt, da er von seinen vielen Wanderungen durch Feld und Flur her die meisten Schlangen kennt. Er sagte mir: „Warum haben Sie das Vieh nicht totgeschlagen? Es wäre sehr leicht gewesen, da sie wahrscheinlich voll Ratten war und sich nicht recht bewegen konnte, sonst hätten Sie ihr nicht so lange folgen können." Später ging ich nie mehr ohne Stock in den Wald. Auch dankte ich dem hl. Schutzengel, der zur rechten Zeit das eigenartige Erschrecken über mich kommen ließ. Diese Cape-Cobra war so dick wie das Handgelenk eines Mannes und dürfte, nach der Breite des Weges geschätzt, fünf Fuß (IV2 m) lang gewesen sein. Sie heißt Cape-Cobra, weil sie besonders in der Cape Colonie vorkommt. Ich bin noch anderen Cobras begegnet, die kleiner und von rötlicher Farbe waren. Ich konnte aber ihre Namen Heidnisches Zulumädchen im Tanzkostüm. Sie war Vortänzerin am Osterfest 1954 in Reichenau (Natal). Burschen und Mädchen haben ihre eigenen Anführer und Vortänzer(innen). Dieselben stellen das Programm zusammen, verfassen die Texte und Melodien zu den Gesängen, bestimmen die Tanzarten und üben sie ein. Sie finden bei der Gefolgschaft willigen Gehorsam. nicht ausfindig machen. Vielleicht waren es junge Cape-Cobras, da die Farben der jungen Schlangen oft etwas verschieden sind von denen der alten. Eine andere Art der Cobra ist die Ringhalsschlange (Sepedon hae-machates), die sehr zahlreich in den höher gelegenen und kühleren Orten vorkommt. Hier in Reichenau gibt es deren genug. Sie ist am Rücken schwarz, am Bauch gelblich und hat am Hals einen schwarzen Bandstreifen. Deshalb nennt man sie Ringhals. Sie hat sehr große Giftdrüsen innen an beiden Seiten des Kopfes, kann ihren Hals sehr breit ausspannen und sich einen Fuß und mehr aufrichten. Auf zweifache Weise sucht sie ihr Gift dem Gegner beizubringen. Durch ihre langen Fangzähne und durch Spritzen. Wenn sie spritzen will, erhebt sie den Vorderteil ihres Körpers, bläht den Hals auf zieht den Kopf etwas zurück und wirft ihn wieder mit einem Ruck nach vorn, wobei das Gift bis auf fünf Fuß weit spritzt und gewöhnlich in die Augen des Gegners trifft. Man wird für den Augenblick blind. Werden die Augen sofort mit Wasser, dem man perman-gansaures Kali hinzugesetzt hat, oder mit frischer Kuhmilch ausgewaschen, dann stellt sich das Sehvermögen wieder ein. Auf der Haut, sofern sie frei von Wunden ist, hat das Gift keine Wirkung. Es muß ins Blut eindringen. Wenn es so viele Rinder gibt, die teilweise oder ganz erblindet sind, so rührt das meist von schlimm verlaufenen Begegnungen mit Ringhalsschlangen auf der Weide her. Diese Schlange hat noch eine andere Eigentümlichkeit. Wenn man sie nicht richtig getroffen hat, legt sie sich auf den Rücken und stellt sich tot. Hebt man nun den Fuß, um sie zu zertreten, oder will ein Hund sie in dieser Lage anpacken, so schnellt sie mit dem Kopf auf und hackt ihre Zähne in den Angreifer. Vor kurzem wurde hier ein größerer Schulbub auf dem Wege zum Fluß von einer Ringhalsschlange dreimal in den Fuß gebissen. Erst gegen Abend, als wir alle in der Kirche bei der Segensandacht waren, wurde der Vorfall dem Zwei heidnische Zulumädchen, wie sie daheim bei der Arbeit angezogen sind. Den größeren Mädchen obliegt alle Haus- und Feldarbeit. In Blechtonnen holen sie das Wasser am Fluß, sammeln Holz fürs Hüttenfeuer, mahlen den Mais und besorgen die Küche. (2 Aufn. K. Fischer' Obern gemeldet. Mit dem Auto wurde der Bub sofort zum Bezirksarzt gebracht, der 14 Meilen weit weg wohnt. Dieser konnte nur eine Noteinspritzung machen. So mußte man den Patienten dann in das 25 Meilen entfernte Missionshospital in Centocow überführen. Unterwegs erhielt er von einem anderen Arzt eine weitere Einspritzung. Was man im Krankenhaus mit ihm anfing, weiß ich nicht. Er ist jetzt wieder zu Hause mit einem dick geschwollenem Bein und wird wahrscheinlich langsam dem Tode entgegengehen. (Schluß folgt) Kömgslanze unö Kreuz Geschichtliche Erzählung von Br. August C a g o 1 (Fortsetzung) Die alten Schilluk jedoch bewahrten noch ihre abwartende, mißtrauische Haltung. Sie hingen einerseits zu sehr an ihren ererbten Sitten und konnten sich andererseits schwer dem Einfluß ihrer Zauberer entziehen, denen die weißen Glaubensboten nach wie vor ein Dorn im Auge waren. Bischof Geyer, im Mai 1904 aus dem Gebiet des Gazellenflusses zurückgekehrt, trat im August desselben Jahres eine zweite Reise dorthin an, um den zwei neugegründeten Stationen Kayan-go und Mbili die notwendigen Vorräte zu bringen, wozu die Schwellhöhe der Zuflüsse des Nils während der Regenzeit die beste Gelegenheit bot. Bei seiner Rückkehr landete er in Tunga, wohin auch P. Banholzer in seiner kleinen Segelbarke gekommen war, und gemeinsam besuchten sie die Gegend und besprachen die Gründung einer Missionsstation mit dem wohlgeneigten Großhäuptling Janjok. So wurde denn der Beginn der neuen Station auf den Anfang des neuen Jahres festgesetzt. Tunga Im Februar 1905 wurde mit der Niederlassung von Tunga begonnen. Der Missionsdampfer „Redemptor" brachte Einrichtungsgegenstände und Vorräte von Chartum, und P. Kohnen kam von Lull, um die Neugründung in die Hand zu nehmen. Der Distrikt Tunga, der eine langgestreckte Insel zwischen dem Weißen Nil und seinem Nebenarm, dem „Lollo" bildet, hat in seinem Namen die Bedeutung von „Horn" oder „Spitze", wohl deshalb, weil er sich im äußersten süd liehen Zipfel des Landes befindet, das hier in einer dichten Reihe von Dörfern gegen den See No und den Gazellenfluß ausläuft. Am Morgen nach der Ankunft wurde am Missionsplatz ein großes Kreuz aufgepflanzt, ein den neugierigen Schillul unverständliches Zeichen. Danach wur den einige Pfähle in den Grund eingegraben und mit Querstangen gegen den oft stürmischen Nordwind gut verbunden. Ringsherum wurde eine aus Palmblättern geflochtene Matte gezogen und über dem Ganzen ein Dach von dünnen Brettern befestigt. So waren die Missionare vorerst unter Dach, d. h. unter einem Dache, das gegen die sengenden Sonnenstrahlen, nicht aber gegen tropische Regen schützte. Außerdem wurden zwei Zelte aufgespannt. Als Küche diente offenes Feuer im Freien. Die Schilluk von Tunga teilten keineswegs die • wohlwollende Haltung ihres Oberhauptes. Eine Anzahl von ihnen kam zu den Missionaren, um Schadenersatz für den ihnen angeblich abgenommenen Grund zu verlangen. Um sie bei guter Laune zu erhalten, gab man ihnen kleine Geschenke. Da war ein Alter, der kaum mehr reden konnte. Er knurrte heraus: „Wo soll ich nun säen? Ihr habt meinen Acker gefressen. Ich sterbe vor Hunger!" Er erhielt ein Stück Leinwand zur Aufbesserung seiner Adamstracht. Glückselig trollte er sich von dannen. Am folgenden Morgen hockte er wieder am Boden und wiederholte die Jammerei des Vortages. „Du hast doch gestern ein Kleid bekommen!" „Ach, mein Kleid, es wurde mir in der Nacht gestohlen." „Hier hast du ein Halsband von roten Perlen." Wieder geht er zufrieden nach Hause. Am nächsten Morgen findet er sich wieder ein: das Perlenhalsband war zu eng. Dann wieder sind die Perlen nicht schön genug; dann fehlt dieses, dann jenes. Als der Großhäuptling von den Forderungen der Leute erfuhr, wurde er unwillig. „Was wollen sie denn? Der Grund gehört doch nicht ihnen; der gehört dem Ret. Der hat ihn mir geschenkt, und sie haben zu schweigen.“ So ist es. Der Grund gehört in löblichem Gemeinschaftssinn dem ganzen Stamme und wird vom König verwaltet und zugeteilt. Da das Wasser im träge dahinschlei-chenden Flusse ungesund ist, begannen die Missionare alsbald mit dem Graben eines Brunnens. Die Schilluk lachten sie angesichts des großen Loches im Boden weidlich aus. „Die Bonjos suchen Wasser in der Erde, und das Wasser ist doch im Flusse!" Leider war die Mühe des Brunnengrabens vergebens, denn es fand sich erst auf 18 Meter Tiefe nur wenig Wasser und das war wegen seines starken Salzgehalts ungenießbar. So war man wieder auf das ungesunde Flußwasser angewiesen. Der Großhäuptling ließ von seinen Untergebenen zwei Strohhütten für die Missionare bauen. Die bessere wurde als Kapelle in Benutzung genommen und der Schmerzhaften Muttergottes geweiht. Wie es in Lull weiterging Am 21. Oktober 1905 ereignete sich in Lull wieder ein Todesfall. Es war der nur 42jährige Bruder Heinrich Blank, der ein Opfer des Sumpffiebers wurde. Er stammte aus Mainz und war ein ausgezeichneter Schreiner von geradezu künstlerischer Begabung. Außerdem verstand er sich gut auf Krankenpflege und Arzneikunde. Deswegen und wegen seiner Leutseligkeit erfreute er sich großer Beliebtheit unter den Schilluk, die ihm den ehrenvollen Namen „Hakim" (Doktor) gaben. Es fand sich selbst ein Schillukdichter, der den „Hakim" in einem Liede verherrlichte. Sein Hingang war ein schmerzlicher Verlust für Lull. Einige Zeit vor dem Tode des Bruders war ein Jüngling aus F a b u r auf die Mission gekommen, um sich von einem Geschwür an der linken Wange heilen zu lassen. An ein Zahnziehen war bei der großen Geschwulst nicht zu denken. Zur besseren Pflege des Kranken schien es geboten, daß er einige Zeit auf der Mission verbleibe. Der Jüngling Njakwei, der beide Eltern verloren hatte und von seinen Verwandten nicht gerade liebevoll behandelt wurde, machte keinerlei Schwierig- keit. Unter der sorgsamen Pflege des Bruders besserte sich sein Zustand bald. Nebenbei erhielt er Unterricht in den Heilswahrheiten. Der aufmerksame junge Mensch beobachtete aber auch die Missionare auf Schritt und Tritt. Die Fürsorge, die sie ihm und andern Kranken zuteil werden ließen, machten einen guten Eindruck auf ihn. Es war ihm schwer verständlich, wie Leute ohne jeden Lohn ihm und seinen Landsleuten Gutes erwiesen und zwar gerade Kranken, die bei den Negern am meisten vernachlässigt werden. Njakwei blieb auf der Mission, bis das Geschwür verschwunden war und die angegriffenen Zähne entfernt werden konnten. In seinem Innern war inzwischen eine große Veränderung vor sich gegangen. Eifrig setzte er seine Besuche des Religionsunterrichts fort und ließ sich seine Zweifel und Bedenken lösen. Bald bat er um die hl. Taufe, die ihm aber noch aufgeschoben wurde. Eines Tages klagte er über Schmerzen auf der rechten Wange, wie er sie früher auf der linken gehabt hatte. Es zeigte sich, daß das Geschwür sich dorthin gezogen hatte. Der Krankenbruder nahm ihn wieder in Pflege, hatte aber diesmal keinen Erfolg. Statt sich zu bessern, wuchs das Geschwür von Tag zu Tag und griff bereits den rechten Unterkiefer an. Man hielt es fjir geraten, den Leidenden zum Regierungsarzt nach Kodok zu schicken. In Begleitung von P. Beduschi begab er sich dorthin. Die kleine Operation, die dort an ihm vorgenommen wurde, brachte nicht nur keinen Erfolg, sondern eine Verschlimmerung des Übels. Deshalb riet der Arzt, der Kranke möge nach Chartum gehen und dort Heilung suchen. Da der Ausgang der in Chartum vorzunehmenden Operation — Entfernung des angegriffenen Kieferknochens — immerhin unsicher war, beschloß P. Banholzer, dem Katechumenen die hl. Taufe zu spenden, und so wurde Wilhelm Njakwei der erste Schillukchrist. (Fortsetzung folgt) An einem klaren Bachlauf verhält er das Pferd und schwingt sich aus dem Sattel. Behutsam legt er den Indianer in das Gras. Er reinigt die Wunden, kühlt die brandigen Stellen. Dann reicht er dem Erwachenden einen labenden Trunk. Er zieht das seidene Wams aus und deckt damit die Blöße des Geschundenen. Spät am Nachmittag erreicht er Santiago. Mit dem Indianer auf den Armen tritt er Bruder Antonio entgegen, der eben aus der Sakristei kommt. Der Sa-kristan läuft herbei. Nur mit halbem Ohr hört der Bruder auf die Erklärungen Don' Fernaos. Eilig bereitet er ein Lager und beginnt mit kundiger Hand die erste Pflege. Drei Tage voll innerer Qual und Unruhe vergehen, drei Tage schwebt der Gemarterte zwischen Tod und Leben. Jetzt atmet er kräftiger, sein Blick wird klarer. Bald kann er die Lippen zur Anklage öffnen. Noch ist es zu früh, wehrt Bruder Antonio ab. Aber wo bleibt Don Carlos? Die Nichtachtung seines Wortes treibt Don Fernao das Blut in die Wangen. Er ist im Begriff, etwas Unkluges zu tun. Für den Morgen des vierten Tages beordert er den Hauptmann Miguel mit allen verfügbaren Knechten. Alle Einwände des besonnenen Kriegsmannes tut er mit einer Handbewegung ab. „Kommt Don Carlos nicht vor mein Amt, so muß ich ihn eben holen." Miguel lacht und beschließt zu tun, was in dieser Lage zu tun ist. Seiner Knechte ist er sicher und er versteht es auch, sie mit einem Augenwink zu lenken. Sie verstehen sich auf ihr Kriegshandwerk. Mehr als einmal sind sie in der Schenke mit den Söldnern der Grundherren in Streit geraten, nur gar zu gern würden sie mit einer mannhaften Tat einmal deren Übermut dämpfen. Don Fernao und Hauptmann Miguel reiten voran. Ihnen folgen in langer Doppelreihe die Spießknechte, die Hellebardiere und die Arkebusiere. Die Lunten glimmen im frischen Morgenwind. Wie ein silberschuppiger Wurm kriecht der Kriegstrupp durch die Savanne. Helm und Harnisch blinken in der Sonne, in Bächen rinnt der Schweiß über die braungebrannten Gesichter. Finster ist Don Fernao; wachsam und sprungbereit wie ein Raubtier der Hauptmann, obschon er sorglos lacht und allerlei Schnurren und Streiche seines Kriegsmannsleben zum Besten gibt. Gequält wendet sich ihm Don Fernao zu. „Mir ist nicht zum Spaßen zumut, Miguel." Der Gepanzerte blickt ihn heiter an. „Mit Kopfhängen wird eine böse Sache nicht besser." Leiser fügt er hinzu; „Ich weiß, was Euch drückt, Don Fernao. Don Carlos ist der Vater Lucias und das bleibt er, gleichviel was immer geschieht." Der junge Spanier ist dem Deutschen für das offene Wort fast dankbar. Was sich wie eine eiserne Klammer um ihn legte in diesen Tagen, das drängt nach einer Aussprache. So erzählt er in stok-kenden Worten. Er bekennt seine eigene Schwäche, seine Pflichtvergessenheit, weiß jedoch, daß alles, was er sagt, bei Miguel in festverschlossenem Schreine ruht. Gedankenvoll nickt der Bärtige. Dann lacht er leise. „Wer wollte Euch einen Vorwurf machen um Eurer Jugend willen I Ich nicht und Bruder Antonio auch nicht. Aber laßt Euch warnen, Don Fer-nao. Ihr seid die letzten Wochen blind und taub umhergeritten, dafür habe ich die Augen und Ohren umso besser aufgemacht. Fahrt nicht zu gach drein. Es gärt im Land. Auf allen Wegen und Stegen sind die Boten geritten; Kriegsleute zogen nordwärts auf heimlichen Pfaden. Die Encomenderos haben Gonzalo Pizarro zu ihrem Haupt gewählt. Von einem Knecht Franziscos de Carvajal, den ich trunken machte, erfuhr ich noch mehr. Schon steht das Heer der Aufrührer in einem Bergtal oberhalb Limas. Verräter und gedungene Mörder umlauern in Quito den Palast des Vizekönigs. Wohl möglich, daß Ihr keinen Bericht mehr an Nunez Vela zu senden braucht." Don Fernao verhält sein Pferd. „Miguel, das kann dein Ernst nicht sein. Aufruhr, Empörung gegen die Krone Kastiliens. Wir müssen unverzüglich aufbrechen, dem Vizekönig zu Hilfe kommen, ein Bote soll reiten und ihn warnen." Lächelnd schüttelt der Hauptmann den behelmten Kopf. „Zu spät, Don Fernao. Die Würfel werden fallen, so oder so. Wir sitzen hier unten fest. Bleibt uns nichts übrig, als abzuwarten, Geduld zu üben. Geduld auch gegen Don Carlos. Was nützt es uns, wenn wir dreinschlagen, Gesetzen Geltung verschaffen, die vielleicht schon morgen hinweggefegt sind." Don Fernao reicht seinem Hauptmann die Hand. „Ich danke dir, Miguel, für das offene Wort. Ich will dir auch keinen Vorwurf machen, daß du es erst heute sprichst. Vermutlich wäre ich taub und blind gewesen. Ich mußte schon selbst aus meiner Verzauberung aufwachen. Das ist nun geschehen." Wieder lacht der Bärtige. „Ihr habt Euch schneller als mancher andere auf die Erde zurückgefunden. Manch einer liegt lebenslang im Venusberg in Fesseln. Aber dort ist die Zwingburg Don Carlos. Es ist zu spät zur Umkehr, man hat uns gesehen und wir wollen uns von seinen Soldknechten nicht noch obendrein verlachen lassen." Hauptmann Miguels Augen spähen scharf, wie die eines Falken. „Eine gute Anlage, ist nur in schwerem Sturm zu nehmen. Wall und Graben sind freilich arg vernachlässigt, mit schwerem Geschütz wäre leicht eine Bresche zu schießen. Hört Ihr das Horn? Man ist bereit, uns zu empfangen." „Das Tor auf", fordert Hauptmann Miguel, als der Trupp vor der niedergelassenen Holzbrücke hält. Mißtrauisch duckt er sich im Sattel, denn Joao und Felipe gehorchen ihm aufs Wort. In fester Ordnung marschiert der Trupp in den weiten Hof. Mit einem Wink hat Hauptmann Miguel seine Soldknechte so aufgestellt, daß sie das Herrenhaus in ihrer Gewalt haben. „Es sind nur eine Handvoll Knechte da", tuschelt der erfahrene Kriegsmann Don Fernao zu. „Don Carlos ist seiner Sache ganz sicher, sonst hätte er uns den Zutritt verwehrt." Auf der Freitreppe erscheint Dona Lucia. Ihr Gesicht ist ungewöhnlich ernst. Es blitzt in ihren großen dunklen Augen. Spöttisch kräuselt sie die Lippen. „Ihr kommt im Dienste des Vizekönigs, Don Fernao", segt sie kalt. „Tretet ein, Ihr müßt mit meiner Gesellschaft vorlieb nehmen. Mein Vater ist in wichtigen Geschäften nordwärts, gezogen, es wird eine gute Weile ver gehen, ehe er zurück ist." Wortlos folgt der Hidalgo dem Winl ihrer Hand. Sein Gesicht ist unbewegt Der Sturm, der beim Anblick des schö nen Mädchens in ihm tobt, legt sich unter dem frostigen Klang ihrer Stimme In der Herrenstube angekommen ver beugt er sich. „Dona Lucia", beginnt er doch dann tritt er einen Schritt auf sic zu. „Lucia, laß dir sagen ..." „Ich weiß alles, was vorgefallen ist" versetzt das Mädchen und läßt sich in einem Sessel nieder. „Ein paar Indianer haben sich gegen die Aufseher erhoben und dafür verurteilte sie mein Vater zu fünfzig Peitschenhieben und zum Tod durch Erhängen. UrUpo, den Anführer der Meuterer, hast du den Knechten entrissen, die ihn richten wollten. Was weiter?" Es schneidet Don Fernao ins Herz, die Geliebte so nüchtern und ruhig über Leben und Tod reden zu hören. Jetzt zuckt ein Lächeln um Lucias Lippen. „Was willst du, Fernao? Auf dem Schiff, mit dem ich den Ozean überquerte, brach eine Meuterei aus. Die Schuldigen wurden zum trockenen Untertauchen verurteilt. Ich hörte ihr Schreien, trotzdem ich meinen Kopf in den Kissen meines Lagers barg, als sie von den Rahen gestoßen wurden. Die Gewichte an ihren Füßen zerrissen ihnen bei dem plötzlichen Ruck, mit dem sie hängen blieben, die Gelenke und die Eingeweide. So hart sind die Gesetze auf den Schiffen. Und hier, wo nur eine Handvoll Spanier über Tau sende von Indianern herrschen, sollten sie milder sein? Was hat mein Vater getan? Er übte ein Recht aus, das ihm seit der Besitzergreifung Perus zustand Das neue Gesetz, Fernao, ist noch nich in Kraft und es wird auch nie in Kraft treten. Ich will dir die ganze Wahrheit sa gen. Franzisco de Carvajal ist der An führer der Truppen, die Gonzalo Pi zarro um sich gesammelt hat. In alle Heimlichkeit riefen die Boten die Ver trauten zusammen, der Aufruhr brich los. Niemand kann ihn mehr verhin dem. Du aber, Fernao, willst dich mit meinem Vater über Gesetze streiten, die vielleicht bereits außer Kraft sind. Und was wirfst du dafür in die Waagschale? Dein Leben, deine Sicherheit..., mich selbst, unsere Liebe." Lucia macht eine Pause, voll schlägt sie die Augen zu Fernao auf und wieder erliegt er ihrem Zauber. Mit aller Kraft hält er sich zurück, noch einmal züngelt das Mißtrauen in ihm empor. „Du hast alles gewußt, Lucia?" fragt er zögernd. Das schöne Mädchen schüttelt den Kopf, daß die schwarzen Locken fliegen. Sie lacht silbern perlend. „Was kümmerte mich das Kommen und Gehen der Boten, der nächtlichen Beratungen, das Rüsten und Abrücken der Soldknechte. Ich' hatte Wichtigeres zu tun. All mein Denken und Sinnen gehörte nur dir, Fernao. Ehe der Vater hinter Don Franzisco herzog, sagte er mir alles. Und selbst wenn ich zuvor etwas erlauscht hätte, durfte ich, die Tochter eines Verschwörers, dir, dem königlichen Beamten, die Wahrheit sagen?" Anders als er gekommen ist, zieht Don Fernao mit seinen Soldknechten ab. Er hat eine Niederlage erlitten und er freut sich fast darüber. Der Zwiespalt, der sich zwischen ihm und Lucia auftun wollte, ist überbrückt. Klein und bedeutungslos ist sein Kampf um die neue Ordnung. Jetzt geht es um mehr. Freilich, eine neue Sorge trägt er mit nach Hause. Was wird aus ihm, aus einem Beamten des Vizekönigs, wenn die Aufrührer siegen? 4. Der Schatz des Inka Aushalten und abwarten, das war das Ergebnis aller Beratungen, die Don Fernao mit Bruder Antonio und Hauptmann Miguel abhielt. Fern hinter den Bergen grollte das Gewitter, dort zuckten die Blitze der Empörung nieder. Nur dürftige Kunde drang bis in das abgelegene Bergtal des Rio Apurimac. Nunez Vela hatte an Truppen zusammengerafft, was er erreichen konnte. Unverzagt trat er den Empörern entgegen. Fernao de Lara stürzte sich in diesen Tagen mit Eifer in die verwickelten Amtsgeschäfte. Ruhelos prüfte er die Bücher, das Schatzhaus, die Steuerlisten. Manche Mißwirtschaft deckte er auf und schmiedete neue Pläne zu ihrer Behebung. Er brauchte Arbeit, denn Lucia Orgaz hatte die Leitung der Geschäfte ihres Vaters fest in die kleinen, braunen Hände genommen. So eifrig wie der Jagd, oblag sie jetzt der Verwaltung des ausgedehnten Besitzes. Nur selten fanden sich die Liebenden zu einer Stunde am Timbobaum über dem Fluß zusammen. Umso häufiger saß Don Fernao in der schmucklosen Kammer, in der Urupo, der Inka, seiner Genesung entgegenging. Das Fieber hatte seine starke Natur überwunden. Die irre Angst, die in seinen Augen beinT Anblick jedes weißen Gesichts zuckte, hatte sich verloren. Urupo fühlte sich unter Freunden, unter Beschützern. Staunend erlebte er das Unglaubliche, daß ihm Menschen, die ihn nicht kannten, die er seine Feinde nannte, Gutes taten, daß sie sich um ihn sorgten. Er sprach geläufig spanisch, so hatte Bruder Antonio keine Mühe, ihm die Wahrheiten des Glaubens zu verkünden. Mit verschlossener Miene hörte ihn Urupo an. Sein Vater, seine Verwandten waren im Kampf gegen die weißen Eindringlinge gefallen oder ermordet worden. Aus ihm, dem Häuptlingssohn der Inkas, war ein Sklave geworden. Unter dem Tritt der Gepanzerten sank das Reich, an das er glaubte, sank der Tempel des Sonnengottes, den er verehrte, in Trümmer. Ein Gott der Liebe, der Barmherzigkeit sollte es sein, dem die Fremdlinge dienten? Das ging über sein Verstehen. Lange mußte auch Fernao um sein Vertrauen werben, ehe es ihm gelang, ihn zum Sprechen zu bringen. Eine neue Welt tat sich Don Fernao auf. Was war für ihn das Reich der Inkas? Ein götzendienerisches Barbarenland, dessen Priester Menschenopfer darbrachten. Wer unter den rohen, ungebildeten Eroberern nahm sich schon die Mühe, Leben und Treiben der Unterworfenen zu ergründen. Und als die frommen Brüder den Spuren der Eroberer folgten, war allzu viel in Schutt und Flammen untergegangen, als daß man sich ein klares Bild hätte formen können. Die Augen Urupos leuchteten, wenn er von der einstigen Größe seines Volkes sprach. „Von der Sonne kamen unsere Herrscher. Sie lehrten uns Häuser bauen, das Land pflügen, Getreide und Gemüse pflanzen. Spinnen und Weben lernten unsere Frauen von der Sonnenkönigin. Die heilige Stadt Cuzco erstand. Was ahnst Du, Don Fernao, von ihrer einstigen Größe. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dehnte sie sich. Vierhunderttausend Menschen lebten in ihren festgefügten Mauern. Und über allen Häusern ragte der Tempel der Sonne empor und grüßte mit seinen Strahlen die aus allen Gegenden herbeiwallenden Pilger. Hast du je von Atahuallpa, dem letzten Inkaherrscher, gehört? Barfuß und nur mit einer Last auf den Schultern durften sich ihm die Edelsten des Volkes nähern. Er war die Sonne der Gerechtigkeit, ihm zu eigen war das Land mit all seinen Erträgnissen. Gold und Edelsteine zierten sein Gewand, eine Federkrone schmückte seine Stirn, überall in den Bergen standen die Paläste des Inka, reich an Gold und Silber. Atahuallpa war wie ein guter Vater und das Volk lebte unter ihm glücklich und zufrieden. Jeder junge Mann, der ein Mädchen zur Frau aus seiner Hand erhielt, bekam ein Haus und genügend Land, um sich und die Seinen zu ernähren. Gemeingut blieb aller Besitz. Zur Zeit der Aussaat bestellte das Volk die Ländereien der Sonne, dann diejenigen der Greise und Kranken, der Witwen und Waisen, dann erst den eigenen Grund. So lebten wir glücklich und ohne Sorgen ... bis die Fremden kamen." Tiefe Trauer schwang in Urupos Stimme. Er senkte den Kopf. „Und die Menschenopfer?", drängte Don Fernao, der vergeblich nach all den Greueln suchte, die er über die Wilden der neuen Welt vernommen hatte. Urupo sah auf. „Wenn ein neuer Inkaherrscher den Thron bestieg, so mußten alle Provinzen des Sonnenreiches Kinder Und Jungfrauen senden, die zum Opfer auf den Altären bestimmt waren. In Cuzco versammelte sich die Schar, in kostbaren Gewändern, reich geschmückt, freudig bereit, ihr Leben an die Gottheit hinzugeben. Ihr Opfer brachte den Feldern reichen Segen, es vermehrte die Herden, spendete Regen und Sonne zur rechten Zeit. Gnädig nahm der Sonnengott das Opfer hin." Nichts von Grausamkeit, nichts von Blutdurst enthielt die Erzählung Urupos. Er sprach von den strengen Strafen der Übeltäter, von dem Schutz, den der Inkaherrscher seinen Untertanen gewährte, von den Knotenschnüren, an denen der Kundige wie aus Büchern zu lesen verstand. Er sprach auch von den Trommeln, die aus den Häuten unterworfener Häuptlinge gemacht wurden und die mit Schlegeln aus den gedörrten Händen und Armen der Getöteten geschlagen wurden. Don Fernao mußte an die Worte Urupos denken, so oft er an den Ruinen des Tempels von Santiago vorbeiging. Oft ertappte er den Indianer dabei, wie er unverrückt durch das Fenster nach einem der himmelanragenden Berge starrte. Jetzt ging Urupo schon wieder in Haus und Pflanzung umher. Seine Bewegungen wurden weich und geschmeidig und nur selten zuckte der Schmerz über sein Gesicht, wenn ihn eine der halbvernarbten Wunden brannte. Wie ein treuer Hund folgte er Don Fernao auf Schritt und Tritt. Und eines Tages sprach er freiwillig über das, was er bislang allem Drängen verschwiegen hatte. „Don Fernao, was ich dir zu sagen habe, das hängt mit der Geschichte meines unglücklichen Volkes zusammen", so begann er. „Folge mir hinaus in die Berge, damit kein fremdes Ohr hört, was ich dir entdecken will." Er ergriff die Zügel des Pferdes und leitete es auf schmalem Saumpfad in eine kahle Felsschlucht hinein. Dort setzte er sich auf einen Stein und lud Don Fernao ein, dasselbe zu tun. Würdig und gemessen war sein Gebahren. Er ergriff die Hand des Spaniers und legte sie auf sein Haupt. „Dein Eigen bin ich, ich danke dir mein Leben. Du bist mein Freund, wenn deine Haut auch so weiß ist, wie die von Don Carlos, den der Christengott in die tiefste Hölle verdammen möge. Du weißt, ich bin der Sohn eines Kaziken und von meinem Vater erbte ich das Geheimnis, das ich dir heute schenken will. Als Atahuallapa gefesselt in seinem Palast in Cuzco lag, da forderten die Sieger Gold und Edelsteine, all unsere Tempelschätze. Gehorsam dem Gebot der Priester, raubten die Männer von Ahuanca, so hieß der Ort, den ihr heute Santiago nennt, alle Schätze des Sonnengottes aus dem heiligen Raum. Viele Traglasten waren es, und die Männer schickten sich an, den Tempelschatz, unter Anführung eines alten Priesters, nach Cuzco zu tragen. Aber auf halbem Weg zur Stadt erreichte sie die Kunde, daß Atahuallapa von den verräterrischen Fremden ermordet worden war. Da beschlossen die Männer, den Tempelschatz in einer Felshöhle zu bergen, die nur wenigen bekannt war. Die Spanier durchzogen das Land und wohin sie kamen, erpreßten sie Gold und Silber. Mein Vater und zwanzig der Ältesten starben unter der Folter, aber keiner verriet das heimliche Versteck. (Fortsetzung folgt) Der Meister ruft Dich! Lieber Richard! Nur noch einige Tage und Du wirst Deinen Gesellenbrief in Händen halten. Das heißt natürlich für Dich nicht ausruhen und mit dem zufrieden sein, was Du Dir in den letzten dreieinhalb Jahren angeeignet hast; nein, das heißt Neubeginn, heißt nach neuen Kenntnissen und neuem Wissen im erlernten Beruf streben, heißt für Dich vor allem Meisterwechsel! Ich weiß es nicht, aber ich glaube sicher, daß Dir das Leben des Gesellenvaters Adolf Kolping aus dem bekannten Buch von Wilhelm Hünermann bekannt ist. Wenn ja, dann hast Du sicher auch die Kapitel von der Wanderschaft des einstigen Kerpenet Schuhmachergesellen gelesen, hast gelesen, wie er durch seinen Meisterwechsel die Vollkommenheit in seinem Beruf erlangte, die er später von seinen Handwerkern in seinem Gesellenverein gefordert hat. Lieber Richard! Auch Du mußt jetzt nach Beendigung Deiner Lehrzeit den Meister wechseln. Ich weiß, daß Du Dir schon Sorgen darüber gemacht hast, ob Du auch wieder einen guten finden wirst. Nun, ich kenne einen guten Meister, einen, der Dir nicht unbekannt ist, einen, der einen großen Bedarf an tüchtigen Gesellen hat. Dieser Meister ist der HERR, der König Himmels und der Erde, der Dich geschaffen hat und Dich erhält, der Dich in seiner Güte seither geführt hat. Und dieser Meister braucht DICH, braucht DICH als HANDWERKER auf SEINEM Arbeitsfeld! Ist dies nicht eine Aufgabe für DICH? Weißt Du, was ein japanischer Professor am Kai von Yokohama zu einer Gruppe von Missionaren sagte? „Wir Japaner haben seit 30 Jahren nach einer neuen Lebensart gehungert. Wir schauten nach Amerika, das gab uns Maschinen, Autos, Kinos; England, das gab uns Industriesinn; Rußland, das gab uns Karl Marx. Euch mache ich den Vorwurf, daß Ihr schon 2000 Jfihre die Wahrheit besitzt, ohne uns damit zu beschenken . . .“ Mein lieber Richard! Willst Du, daß dieser Vorwurf auch Dich treffe? Nein! Darin solltest DU DEINE Aufgabe sehen, als Helfer des Priesters Mitkünder der Wahrheit auf dem Missionsfeld zu sein! „Wenn ich noch drei gelernte Maurer hätte, um sie als Laienbrüder hinauszuschicken“, sagte unser P. Generalsuperior, als er von seiner Visitationsreise aus Südafrika zurückkam, „so würde unsere Missionsdiözese anders dastehen!“ Lieber Richard! Willst DU nicht zu diesen gehören! Denke einmal darüber nach! DER MEISTER RUFT DICH ! TRITT IN SEINEN DIENST! Schreibe an Pater Novizenmeister, Missionshaus Josefstal in Ellwangen (Jagst) und bitte um Aufnahme! Für heute grüßt Dich Dein Oskar Hofmann M.F.S.C. Bild auf der 4. Umschlagseite: Auf einer Missionsausstellung der Südafrikanischen Union in Durban (Natal) war die Diözese Lydenburg, die unserer Kongregation anvertraut ist, mit diesem Raum vertreten. Die drei Schwarzen sind lebendige Personen und erregten bei den Besuchern besonderes Aufsehen. (Archiv)