d A> in s-j Abhandlung über die Weinberei nach Elisabeth Gervais. Frey übersetzt ans dem Französischen von Anton Alb. Freyherrn v. Maskon, Ausschüsse der k. k. Landwirrhschafts- Gesellschaft in Steuer- mark und correspondirenden Mitglieds der k. k. mährisch- » schlesischen Gesellschaft des Ackerbaues, der Natur - und Landeskunde. Nebst einem Anhänge der Hummel'schcn Ankündigung des Wein-und Bier-Apparates, zu Folge k. k. Privilegiums. Mit einer Abbildung der zur Weinbereitung gehörigen Gerätschaften. L a i b a ck, gedruckt und zu haben bey Jgn. Aloys Edlen v. Kleinmayr. (Kostet ungebunden 14 kr. C. M.) . Manche» zu schaffen hat «in Mädchen, die vielen Gefäß«, Leere Fäßer und Flaschen in reinlicher Ordnung zu halten. Dann betrachtet sie oft de» schäumenden Mostes Bewegung, Gießt das fehlende zu, damit die wallenden Blasen Leicht die Öffnung des Fasses erreichen, trinkbar und Hells Endlich der edelste Saft sich künftigen Jahren vollende. Goethe'» jweyte Epistel lyrischer Gedichten V o r b e r i ch t. ^Eeberall, ws die Traube zur Reise gelangt, wird der aus ihr bereitete Wein mehr oder minder gut seyn, sobald er durch keine fehlerhafte Bereitung Schaden gelitten hat. Allein, wenn man aus Chaprals gelehr¬ ter Darstellung der französischen Industrie die bedeu¬ tende Menge Weine kennen lernt, welche Frankreich erzeugt, doch nur die mindeste Anzahl darunter einen Rang behauptet: so läßt sich schon daraus schließen, daß die anerkannten Gebrechen in den verschiedenen üblichen Behandlungsarten der Weine Ursache an dem geringen Rufe seyn muffen, in welchem noch s» viele derselben stehen. Die Gewinnsucht, dieser große Hebel aller mensch¬ lichen Handlungen, verleitete in Frankreich seit einiger Zeit den Landwirth, zu glauben, daß sein Wohlstand nur von der Menge des Weines, den er erzeugen konn¬ te, abhängig sey; so geschah es, daß viele, ohne Rück¬ sicht aus seine Eigenschaften noch Erfordernisse, den Boden, der den besten Weitzen trug, mit Reben be¬ pflanzten, um nur ihre Keller mit Weinen, gleich viel von welcher Art, zu füllen. Seitdem verdoppelte sich zwar der Ertrag, jedoch auf Kosten ihrer guten frühem » * 4 Weine, nachdem sie die Schwache ihres neuen Produc- res damit heben mußten. Da im Handel viel auf den guten Ruf der Maa¬ re geachtet wird, und viele dieser Weine nun nichrS mehr als den Nahmen ohne eine ihrer früheren geschätz¬ ten trefflichen Eigenschaften behalten: so werden die Unternehmer größerer Kaufe ihr Vertrauen und Ver- . mögen näch und nach verlieren, und dem Landwirthe dadurch den Absatz immer unsicherer machen. Dieß hätte man von der großen Meng? Weines zu erwarten, welche das Land überschwemmt, wenn sich die Besitzer nicht bald bemühen, durch eineVervvll- kommung ihrer Erzeugnisse den Bedarf im Jnlande, und auch die Ausfuhr zu vermehren; wodurch sie al¬ lein ihr Vermögen vor dem sichern Untergange retten, und den wichtigen Weinhandel ihrem Lande erhalte» können. Daher müsse eine neue Verfahrungsarr, welche mit vorliegender Abhandlung für die Bereitung deS Weines bekannt gemacht wird , vom unschätzbaren Wer- the seyn; weil sie sowohl die Menge des Erzeugnisses vermehren, als auch dasselbe während der Bereirung mit den köstlichsten Grundstoffen bereichern, und von allen fremden Körpern, die seiner Feinheit und Schön¬ heit schädlich seyn können, befreyen, endlich gegen alle Einflüsse standhaft beschützen, die seinen Bestandlhei- len in der Folge nachtheilig werden können *). *) Erachten nun die Franzosen ihre Weine so -woher Verbesserungen fähig und nothwendig, um so viel mehr dürften wir Steyermärker auf die Erhebung der unsri- 5 Erklärung des Holzschnittes. Die Kufe. D. Ihr Deckel. 6. Das Kühlfaß. v. Das Wafferfaß. gen hinarbeitsn! Wie sehr unsere löbliche Landwirth- schafts - Gesellschaft diesem Bedürfnisse nachzukommen strebet, beweiset ihre bey Gelegenheit der am n. Sep¬ tember r. I. abgehaltenen vierten Hauptversammlung für das Jahr 1821 erlassene Preisfrage: „Wie der Handel mit step e r m ä r ki sch e n Weinen in die benachbarten österreichischen Provin¬ zen befördert und in das Ausland eröff¬ net werden könne?" Diese ihrem menschenfreundlichen Geiste würdi¬ ge Aufforderung bestimntte mich genz besonders, mei¬ ne lieben Landsleute mit gegenwärtiger, allen Forde¬ rungen einer Weinbereitung entsprechenden, Erfin¬ dung der Mademoiselle Gervais näher bekannt zu machen. Ich habe zu diesem Ende eine dem Origina¬ le mangelnde Zeichnung der Vorrichtung entworfen und beygelegt, auch darnach ein Model verfertigen lassen, welches der Gesellschaft zu ihrem beliebigen Gebrauche gewidmet, und bereits übergeben ist. Durch die früher erfolgte Übersetzung des klassi¬ schen Rebenwerkes eines Elementi können wir uns die so schwer vermißte Lehre über die Eharakteristik der Rebensorten eigen macken; und ich zweifle nun nicht mehr, daß wir mit dieseu Hülfsmitteln recht bald in Stand gesetzt werden, dis passendste Rebensorte aufzufinden, und ihren Ertrag auf eine Stufe zu brin¬ gen, welche ihn nach" obigem, von einer löblichen Ge¬ sellschaft ausgesprochenen, des Vaterlandes Wohl so sehr bezweckenden Wunsche, im Inlands nicht min¬ der, als im Auslande beliebt machen soll; besonders, wenn wir zugleich bemühet find, unsere Erzeugnisse bekannt zu machen, wozu uns die ausgebreiteteu Ver¬ bindungen der Gesellschaft selbst am fchnellesten und 8 5) Der Helm mit seiner Röhre. t>) Die Röhre über das Ventil. c) Das Gewicht auf dem Vencil wird im Große» zu 5 Pfund angenommen. 6) Die konische Klappe. e) Die Achse, auf welcher sie sich auf und nieder be¬ wegt, und worauf das Gewicht gehört. s) Die Schraube, womit das Ventil gehindert wird, daß es nicht ganz herausfasten kann. x) Der äußere Umfang des Ventils, womit ei in die Kufe geschraubt wird. Ir) Der Reif am Helme, womit er am Boden des Kühlfasses so befestiget wird, daß dessen Wasser nicht in dis Öffnung der Kufe dringen kann. i) Vertiefung im Helme, welche die Tropfrinne bildet, aber sehr wenig vertieft ist; denn es darf sich da¬ rin nur so viel sammeln, als es nöthig ist, um die tropfbare Flüssigkeit zur Prüfung durch ie) die Pivve zu lassen. I) Die hölzerne Pippe, darunter eine Rinne, um das sichersten fübren werden. Damit aber der dem Voden, der Lage, und den klimatischen Verhältnissen entspre¬ chend gewählte Weinstock auch den edelsten Wein lie¬ fern könne, müssen wir stets ben Erhebung und Be¬ handlung desselben die trefflichen Belehrungen eines Chantal, Roziers, und ganz vorzüglich die wahrhaft praktische Schule Konrad's, neueste Beschreibung des nachbarlichen Rüster - Weinbaues, genau beachten. Dann werden wir bald den Lohn unserer Bemühun¬ gen einernten, und der Handel wird aufhörcn, ein be¬ schwerlicher Kampf zwischen dem Erzeuger und Ver¬ zehrer zu seyn. Waffer au» dem Kühlfaffe fiießrn zu kaffen, wenn man es abnehmen will. iw) Ein Rohr, durch welches frisches Waffer nachgegos-- sen wird, wenn das im Fasse befindliche zu warm geworden ist; wobey dieses Waffer durch die in »,) angebrachte Rohre von selbst abfließt, weil das wa«> me Waffer leichter als das kalte ist, und sich ims mer nach oben drangen wird. «) Die Pippe zum Ablassen des Sauerwaffers. Erste Abtheilung tiber die in Frankreich übliche Weinbe¬ reitung. Zur künstlichen Bereitung des Weines gibt uns derWeinstock unter allen Gewachsen die köstlichsteFrucht. Zwey wesentliche Bedingniffe werden erfordert, um gute Weine zu erhallen: erstens, gute edle Trauben; zweytens, ein zweckmäßiges Verfahren in der Zuberei¬ tung. Damit aber ein Weingärtner eine gute Frucht erhalten und lesen könne, wird vorzüglich verlangt, daß er verstehe, einen Weinstock zu erziehen, und zu be¬ handeln, seine Verhältnisse in Hinsicht des Bodens, des Klima und der Lage zu bestimmen, die entspre¬ chendste Traubengattung auszumitteln, und den gün- stigen Augenblick zur Lese zu ergreifen. Doch diese Erfordernisse weiß gewöhnlich der Land¬ mann nicht zu beurtheilen, weil sie Kenntnisse voraus¬ setzen, die über seine bloß empirischen Begriffe gehen; daher di«Aufklärungen, welche Manner wie Chaptal, 8 Rozier, Duha m el/ und andere gegebrnkhahsn, unserer Aufmerksamkeit nicht entgehen dürfen. Int gegenwärtigen Aufsatze handelt es sich jedoch vorzüglich um die Beschreibung der Verlichtung/ wel¬ che Demoiselle Elisabeth G e rv a iS kürzlich in Frank¬ reich erfunden / und aus deren Anwendung rin Privi¬ legium erdalte» hat. Diese Ernndunff wird nicht nur allein die Weine vor allen schädlichen Veränderungen, Welchen sie unter¬ worfen sind , bewahren, sondern sie werden auch unge¬ mein an Güte, Kraft und Wohlgeschmack gewinnen', indes« ihnen das erforderliche Gas/ der Geist und die Würze erhalten wird/ wodurch sie zugleich um' zehn und fünfzehn Procent in der Menge zunehmen. Um jedoch die Wichtigkeit dieser Erfindung bester aufzutaffen, wollen wir vor ihrer näheren Beleuchtung einen Blick, mit Beziehung der berühmten Oenologen Frankreichs, auf die anerkannten Fehler in den gewöhn¬ lichsten Arten der Weinbereitung werfen. Von der Unvollkommenheit dieser Verfahrunqs- arten überzeugt, hat die königliche Akademie der Wis¬ senschaften zu Montpellier schon im Jahre 1780 als Preisfrage aufgegeben: „Ein einfaches und jedem Pflan¬ ze« zugängliches Mittel anzvgeben, um den Augenblick zu erkennen, in welchem der in derGährung begriffene Wein in der Kufe die höchste Kraft und Güte, deren er empfänglich ist, erhalten haben werde." Durch ein solches Mittel Härte man wenigstens alle Verluste und Veränderungen , welche aus einer zu langen Gährung entstehen, ersparet, und . diese Frage war allerdings y eines Preises würdig. Allein dis Schrift, welche ihn erhielt, rechtfertigte keineswegs die erregten Erwartun¬ gen, weil das angegebene Mitte! keinen Erfolg bewies*). Sie blieb jedoch für dis Oenologie wichtig, indem sis ei¬ ne sehr gelehrte Abhandlung von Dou de Gentil über *) Dr. Samuel Hahnemann zu Leipzig, der mit dem Wahlspruchs im Herzen „dluila ouinr rs magis all Dens inimartsios »Lcocirrnns, guam liomiiridns dene Laeieu-Io" von Jugend an für das Wohl der Men¬ schen hinarbeitete, der die homoeopatische Heilärt grün¬ dete; welche auch meine Wiedergenesung nach hoff¬ nungslosen, langwierigen Leiden herbeyführts, der nun im vorgerückten Alter wie „ein Fels, umflossen an seinem Gipfel von reinerem Äther, über die dro¬ hendsten Gewitter, ohne zu wanken, emporragt, ge¬ stärkt im Hochgefühls, daß die ewigeQuelle der Wahr¬ heit, die ihm Kraft gab, Gutes zu wirken, ihn auch zu schützen und zu leiten vermag — dieser seltene, mir ewig unvergeßliche Freund übersetzte in früherer Zeit aus dem Italienischen: Adam Fabronis Kunst, nach den vernünftigen Grundsätzen Wein zu bereiten, worin Seite a.-ir Bertolons Weinprüfer (Lnnmotor), der sich damit eben diese Preismedaille der königlichen Akademie zu Montpellier verdiente, genau beschrieben wird. Er bestehet aus einer weißblechernen Röhre, die nur an dem einen Ende offen, über und über aber mit feinen Röhrchen durchbohret ist, damit keine Trester hmsinkommen können. In dieselbe schiebt sich sehr leicht von oben ein ölzerner Cplinder ein, welcher von un¬ ten sich auf Röllchen von Kork stützt. So wie dieses Werkzeug in die Kufe gestellt wird, dringt der Wein durch die Löcher der blechernen Röhre, wodurch der Stock mehr oder weniger in die Höhe gehoben wird, den man in ganze oder Viertel-Zolle eintheilt. Es soll sich damit ein bestimmter Zeitpunct für das Ablassen aus der Kufe angeben lassen : nLhrnlich, entweder wenn der Ltab stille Mt, folglich die Gährung nicht mehr wächst, oder wenn er zu sinken anfängt. ) Anmk- d. Übersetzers. »o die Weinbereitung^ur Folge hatte, worauf sich hier Afters berufen wird. Durch die Lese und Presse der Trauben werden all« Grundstoffe des Mostes gemischt, und in der Kufe zusammen geworfen. Darunter sind derZuckerstoff und die Hefen (Gleger), welche sich in den wäfferichte» Lheilen verbunden finden, wesentlich diejenigen, so die Gährung bewirken. Der Wärmegrad, der Zutritt der Lust und die Größe der Massen haben Len größten Einfluß auf die geistige Gehrung. Bey einer Temperatur von io Graden Reaumur geschieht die Gährung nur sehr schwach ; sie unterbleibt ganz bey einer beträchtlichen Kälte. Zwischen 10 und iS Graden nach Reaumur aber äußert sie sich bald durch eine allgemeine Bewegung, welche der ganzen Masse durch die gegenseitige Wir¬ kung der Bestandtheile auf einander mitgerheilt wird: daraus entsteht durch die Zersetzung und Wiederver¬ bindung aller dieser Stoffe ein neues, seinen Grundla¬ gen ganz verschiedenes, Erzeugniß, welches Wein ge¬ nannt wird. Diese Erscheinungen würden nicht ohne Gefahr vor sich gehen, wenn das kohlensaure GaS, welches sich aus der Masse entwickelt, gesperrt bliebe, weßwegen nach Chaptals Lehre das Entziehen der atmosphäri¬ schen Luft die Bewegungen stärker macht, mitZerspren- gung der Gelaße droht, und endlich die Gährungsvers richtung verlängert. Damit die Gährung sich einfinden, und schnell unb «regelmäßig ihren Zeitlauf durchgehe, wird ein freyerZik- tritt der atmosphärischen Luft zur gahrenden Masse riS- fordert, dann werden sich die dcy derGahrungsverrich- tung entbundenen Stoffe in der Atmosphäre ergießen, di« ihnen «ls LeicungSmirtel dienet; die Gährungsmasse kann von diesem Augenblicke an sich ausdehnen und zu¬ sammenziehen. Nach Gentil ist es ein ausgemachter Grundsatz, daß die Thätigkeit der Gährnng der Masse angemes¬ sen sey. Wir wollen nun mit den gelehrten Beobachtern weiters untersuchen: was die Warme und Bewegung, der Mangel an Zuckerstoff, die anerkannte Norhwen- digkeir, die Weine vor vollendeter Gährung abzuziehen, dann das Einwirken der atmosphärischen Luft auf die Güte und Menge des auf die gewöhnliche Art erzeug¬ ten Weines für Nachtheile bringen. Nach Gentil ist die Wärme und Bewegung noth- rvendig, um schnell und gleichförmig den Zuckerschleinr- ffoff in Alcohol zu verwandeln; dabey man zu bemer¬ ken hak, daß durch eben diese Wärme und Bewegung sich rin Theil des Alcohols verflüchtige. Weil es aber er¬ wiesen ist, daß der Alcohol den Zuckerschleimstoff gegen die nachrheilige Wirkung der Kährung schützet, und auch dieser Stoff zur Erhaltung des WeineS beyträgt, der Alcohol aber an und für sich schon als unverderb- lich eine erhaltende Substanz des Weines ist: so hat man nicht zu übersehen, daß, jsmehr von dem Alcohol sich verflüchtiget, desto weniger Zuckerschleimstoff bey dem Abziehen verbleiben wird. 12 Nach Chaptal verursachet dieWärme und schnel¬ le Bewegung der Gahrung einen Verlust des Aleohols, und in einer großen Kufe, wotin die Gahrung noch stürmischer wird , gehr auch ein Theil des dein Weine eigenen Gewürzstoffes verloren. Nach Gen til sind noch mehrere Nachtheile zu be¬ sorgen. Wie leicht kann der geringe Theil vom Zucker¬ stoffe, der zu Ende der Gahrung übrig bleibt, einem zu großen Wärmegrade ausgesetzt, unversehens aus der geistigen in die Essiggährung übergehen ; und so läuft der damic verbundene Wein in der Kufe ohne Zweifel dieselbe Gefahr. Auf diese Weiss müßte man wenigstens verfahren, wenn man wirklich Essig machen wollte; denn der Erzeugung desselben ist nichts günstiger, als große Wärme und Bewegung in einem offenen Gefäße. Ohne Wärme, sagt Rozier, gibt es gar keine Gahrung; aber zu viele beschleuniget ihren Gang zu sehr, und anstatt die Bestandtheile der ganzen Flüssig¬ keit in die kleinsten Theile aufzulosen, reißt sie selbe auseinander, ohne ihnen den natürlichen Übergang in die gewünschte Verbindung zu gestatten. In diesem Falle entbinden sich die fixe Luft, und der Phlogiston, oder die brennbare Lust mit Gewalt, und die durch eine zu rasche Gahrung erzeugte Flüssigkeit hält nicht so lange an, als wenn dieselbe gemäßigt und allmählig Statt gefunden hätte. Solch ein Wein wird sehr' leicht sauer werden. Es ist bekannt, daß der Wein um so geistreicher wird, fe mehr die Trauben Zuckerstoff enthalten. In regnerischen Herbsten vermehren sich aber dis wässerigen i3 Theile des Mostes sehr beträchtlich; eben so hindert bisweilen das Clima, eine frühe eingetretene Kalte das völlige^Adeifwsrden der Trauben. In diesen Fallen be¬ sitzen sie mehr Wasser und Hefen, als es nöthig ist, um den in der Frucht enthaltenen Zucker zu zersetzen. In derley Most wird nach Chaptal die Gährung nur langsam.und schwer vor sich gehen; geht dieselbe ohne Beyhülfe vor sich, so erhalt man einen schwachen, geistlosen und trüben Wein, der entweder zum Sauer¬ oder Dickwerden geneigt ist, je nachdem er nach der geistigen Gährung oder Zersetzung zu wenig Zucker oder zu viel Hefen beybshalcen hat. Genril sagt ferner: Je länger die Gährung vor sich geht, je mehr wird der Wein a» Geist verlieren, und der Zuckerschleimstoff sich zerfetzen, so zwar, daß bey dem Abziehen des Weines aus der Kufe nur der geringste Theil des geistigen Stoffes noch vorhanden seyn wird; vom Znckerschleime hingegen wahrscheinlich gar nichts. Darum halten sich Weine von unreifen oder zu wässerigen Lesen nicht. Der größte Beweis für das Fehlerhafte bey der in Frankreich üblichen Weinbereitung *), liefert di« *) In Steyermark, Österreich und Ungarn werden die weißen Weine gewöhnlich sogleich von der Presse in die Fässer gefüllt , wo sie ihre Gährung vollbringen; dis Rothen werden gcmostelt fammt den Kämmen und Bälgen durch zwei) bis 3 Tage in einer Kufe flehen gelassen, um ihnen Farbe und den beliebten zusam¬ menziehenden Geschmack zu geben. Zu Ruft wird , nach Konrad's trefflicher Beschreibung, der Most sogleich in das Faß gelassen, jedoch nicht höher Müllt, als bis jur Länge eines zum Spundloch hineingesteckten »4 Nothwendigkeit, ihn var beendigter Gährung aLzieheu zu muffen, das heißt, ehe der Wein noch fertig ist; denn nach Genril ist er et so lange nicht, als sich der Zuckerstoff noch bemerken laßt. Es ist nähmlich ein¬ leuchtend, daß dieser süße Geschmack das Daseyn des Mostes im Weine bezeuget; so wie sich aber die gezucker¬ te Flüssigkeit völlig verloren, und ganz dem Wringe« schmacke den Platz eingeräumt hat, wird der Wein zähe; daher muß Man ihn schnell abziehen, weil die Wärme und Bewegung der Gährung nun viel zu stark für das wirkliche Bedürfniß dieser Flüssigkeit und ihres noch geringen Inhaltes an Zuckerstoff, Liesen letzteren gar bald aus der geistigen in die Essiggährung übergehen »»achen würde, wodurch der schon fertige Wein sauer werden müßte, u. s. w. Allein, wenn man auch den Wein solchergestalt -urH> das schnelle Abziehen im Augenblicke, als sich der süße Geschmack verlieret, rettet, so wird dennoch durch dieses Scheinmirtel das unheilbare Übel nicht gehoben. Denn auch im Faste wird die Gährung noch immer lebhaft fortgesetzt; der Wein bleibt darin mit allen vor¬ handenen, zersetzten sowohl, als unzersehten ungleich¬ artigen Theilen geschwängert, welche in Verbindung Fingers, und das Spundloch im ersten Jahre sehr lo¬ cker gedeckt, damit das im Moste sich entwickelnde Gar allmählig entweichen könne- Der Wein bleibt in die¬ sem Jahre auf seiner Stelle im Keller und auf seiner Hefe liegen; jedoch wird er weit öfter, und zwar mit" ganz gleichem Weine, als in den nachfolgenden Jah¬ ren gefüllt. Anmk- d. Übersetzers, »5 mit den Hefen, das Wenige des noch erübrigten Zucker- schleimstoffes zerstören helfen, und ihn auf diese Weist dem Verderben zuführen, welches durch künstliche Mit¬ tel höchstens etwas aufgeschoben werden kann. Wir haben oben bewiesen, daß der Mangel des Zutrittes der atmosphärischen Luft die Bewegung hemmt, mit Sprengung der Gefäße drohet, und daß die Gährung nur langsam sich vollendet, der Zutritt der Luft dagegen der Güte des Weines und der Dauer¬ haftigkeit sehr großen Eintrag macht. Denn die Luft begünstiget nicht nur die Verflüchtigung des Aloohols des kohlensauren Gases und Gewürzes, sondern sie greift «ndlich auch alle festen und flüssigen Theile der gäh- renden Masse an, sie verändert ihre Grundstoffe, und würde sicher die völlige Zersetzung des Weines nach sich ziehen, wenn man nicht allerley Mittel anwendete/ diese Wirkung zu mildern. Zu allen Zeiten haben diese so schädlichen Einwir¬ kungen die Agronomen beschäftiget; sie gaben den Stoff zu vielen Abhandlungen und Vorschriften , welche mehr oder minder geeignet waren, die Wirkungen zu mäßi¬ gen, oder sie zu verlarven; aber alle diese Mittel wa¬ ren den Männern, die sich ernstlich damit befassen, unzulänglich, und erhielten ihre Forschungen zue Beseitigung dieser Nachtheile in steter Regsamkeit. Besonders verwendete Chaptal seinen Scharfsinn darauf, und ihm gelang es anzudeuten, welche Hülfe die Natur von der Kunst benöthige, um die Wein- Lereitung auf den höchsten Grad der Vollkommenheit zu bringen. Zm großen Agricultur-Dictionaire, unter dem Ar¬ tikel Wein, zehnten Bandes, Seite 3i2, sagte er: „Wenn der Wein , welchen man in verschlossenen „Gefäßen gahren ließ, geistreicher und schmackhafter „ist, so geschieht dieses, weil ihm das Alcohol und „der Gemürzstoff erhalten wurde, welche sich in der „Gahrung an sreyer Luft zum Theile verflüchtigen und „durch die Wärme zerstreuen, zum Theile aber mildem „kohlensauren Gase in einem Zustande vollkommener „Auslosung völlig verdunsten. Ter freye Zutritt der ar. „mosphärischen Luft übertreibt die Gahrung, und ver- „ursacht einen großen Verlust der gewürzhaften und „geistigen Bestandtheile, während andererseits das Ent¬ ziehen der Luft die Bewegung hemmc, mit Spren- „gung ces Gefäßes bedrohet, und die Gahrung nur „erst nach langer Zeit zu Stande kommen läßt. Es „zeigen sich also bey einer und der anderen Art Vor¬ teile und Nachtheile. Indessen ließen sich vielleicht „doch beyde Verfahrungsarten vereinigen, um das, „was sie beyde Nachtheiliges haben, zu beseitigen. Dieß „wäre dann allerdings ohne Widerrede die vollkommen¬ ere Art der Weinbereitung." So hat Chaptal in der Theorie voraus bestimmt, was nun durch die Erfindung, von der hier die Rede ist, vractisch ausgeführt ist; daher sie auch ohne Wi¬ derrede die vMommcnste Art der Weinbereitung seyn. muß. Zweyte >7 Zweyte Abtheilung. über die Weinbereitung nach Made¬ moiselle Gervais. Ungefähr bis zum fünfzigsten Grade der Breite, wenn nicht eine besondere Bildung des Landes, sehr hohes Gebirge, und der darauf weilende Schnee daS Clima merklich rauher macht, gibt jeder Boden einen mehr oder minder guten Wein: je nachdem seine De- standtheile, seine Lage, die Eigenschaft der Rebengat- rung und der Wärmegrad darauf Einfluß haben." Von einem glücklichen Zusammentreffen aller die¬ ser Einwirkungen hängt die Vortrefflichkeit dieses Ge¬ wächses ab. Allein, sollen mir uns wohl gegen die gütige Na¬ tur beschweren dürfen, daß nur hier und da, selbst in den zur Cultur geeignetsten Gegenden, oft nur eine schmale Lehne gleichsam ausgezeichnet, den herrlichsten Wein bringt: wahrend ganz in der Nahe, oder ganze Landstrichs unter eben so vortheilhaslen climarifchen und örtlichen Verhältnissen nur unbedeutende oder schlechte Weine liefern. Wir glauben vielmehr, daß der Fehler an uns liegt; weil wir entweder in der Wahl des Gewächses, oder in der Behandlung beyBereitung des Weines feh¬ len^). Empfingen wir den Wein fettig aus den Händen *) Jeder Weingartner, jeder überhauvt, der mit Wei¬ nen umzugehen Gelegenheit hat , wird zuverlässig Er¬ fahrungen hierüber gemacht haben. Dürfen diese Er¬ fahrungen nicht zu schärfcrSn Beobachtungen reitzen, 2 i8 der Natur, so würden wir wahrscheinlich durch die Kunst nichrs daran ändern können; allein sie gibt uns nur die Traube , die Kunst verwandelt sie erst in Wein; wir erstaunen, daß sie in diesem Fache bis nun sowe¬ nig geleistet har, so, daß sie sich noch in der Kindheit besindet, während doch seit so vielen Jahrhunderten der Wein bekannt und beliebt ist. Schon die Griechen und Römer haben diesen Gegenstand der Landwirthschafc studiert, und seil dieser Zeit erschienen manigfaltige Abhandlungen darüber; allein nur die Kenntniß der Gährungsgesetze, und folglich nur die Fortschritte der neueren Chemie konnten zum Ziele führen. Früher war alles nur Versuchen anheim gestellt, der Zufall und die Gewohnheit entschied, und die besten Erfahrungen über anerkannte Vorurkheile und nützliche Verbesserungen gin¬ gen entweder verloren, oder pflanzten sich nur unvoll¬ kommen fort; weil die Grundsätze nicht auf die Kennt¬ niß der Ursachen und Folgen jedes Verfahrens gegrün¬ det waren. Der Nachtheil der Gährung an freyer Luft war indessen schon von den Alten anerkannt, und sie so gut als wir, pflegten in verschlossener Gährung vorzügliche und sehr theuere Weine zu erzeugen. Allein, da sich Liese Bereitungsart auf große Massen nicht anwenden um die Ursache des Unwerthes einiger Weine aufzufin- dcn, die nach meiner Meinung größtentheils in einer schlechten Wahl der Rebensorten , oder in der schlechten Bereitung des Traubensaftes liegen werden. Anmerk. d. Übersetzers. *9 Heß, und selbst im Kleinen stets gefährlich blieb, und beynahe ein Jahr zu ihrer Vollendung benöthigre, so war sie im Allgemeinen gar nicht anzuwenden, und man konnte, trotz der Überzeugung von dem Nachtheile einer offenen Gahrung, davon nicht abgehen. Die Anwendung der von derMlle.Elisabeth Ger¬ vais ausgedachren Vorrichtung schützet den Wein vor jedem Verlust, den er bey der gewöhnlichen Gahrung an Menge und Güte erleidet, daher wir nunmehr zur Beschreibung dieser Vorrichtung schreiten wollen. Beschreibung der Vorrichtung. Ein hölzerner, festverbundener Deckel I) schließet die Kufe .4., worin die Lese sich befindet. Der Rand des Deckels wird init den Wanden der Kufe in genaue¬ ster Verbindung gebracht, und ringsherum mit Gyps, oder einem andern Kitte überstrichen, wodurch die Lese vor dem Einflüsse der Luft vollkommen verwahret ist. In der Mitte di/ses Deckels wird eine große Öffnung angebracht, die genau der Mündung der hineingestell- tcn Vorrichtung anpaßl; auch diese wird bestens verkit¬ tet, damit ja kein Dunst aus der Kufe entweichen könne. Die Vorrichtung u ist aus Weißblech, dem wohl¬ feilsten und zugleich schicklichsten Metalle*) zusammen¬ gesetzt ; sie hat die Gestalt eines zwanzig bis dreyßig Zoll hohen Helms, und wird in die Mitte eines großen *) Kupfer, inwendig gut verzinnt, wird dauerhafter seyn. Anm. d. Übersetzers. 2 * 20 Kühlfasses 6 gestellt, welches noch um io bis i5 Zoll höher und breiter ist. Am Fuße, und in dem inner» Theile des Helms ist eine Rinnei angebracht, welche nach innen eine Kerbe, und nach außen eine Pippe k hat. Aus der Mitte dieses Helms geht eine große Röhre », die in ein nebenstehendes Wasserfaß geleitet wird. Eine Klappe mit dem Ventile (Loupape) über ein starkes Rohr von Weißblech ist ebenfalls in einer gewissen Entfernung von der Vorrichtung angebracht, und bildet an der Kufe eine Art Camins. Dieses Ventil ist mit einer großen blechernen Röhre überdeckt, die in Las nähmliche Gefäß geführt wird, worin die groß« Röhre der Vorrichtung ihren Lauf hat. Der Deckel L dienet erstens zuverhüthen, daß der Wechsel der Temperatur die Entwicklung der geisti¬ gen GLHrung nicht störe; zweytens, daß der weinig- te Geist und Gewürzstoff nicht ausdünste, welche die Wärme und Bewegung der Gahrung bewirken; drit¬ tens, daß das kohlensaure Gas mit dem Geiste und der Würze, die es mit sich fortzunehmen pflegt, zurück- gehalten werde; endlich viertens, daß die Trester und alle Bestandtheile des Hutes der Lese (le clispesw cke In veütlange) gegen Versauern und Faulen durch die zerstörenden Einwirkungen der Luft geschützt bleiben. Der Helm u nimmt die Dünste der Gahrung in dem Maße auf, als die Atmosphäre der Kufe sich damit anfüllet. DaS Kühlfaß 6, welches den Helm umgibt, und stets mit sehr kaltem Wasser angefüllt ist, begün¬ stiget die Verdichtung dieser Dämpfe im Helme, und bewirket die Scheidung aller geistigen, wässerichren und ! l l ! i ! i I s s i ! l I < Sr wüczhaften Theile vom kohlensauren Gas, welche es bey seiner Verflüchtigung mitgenommen haben würde. Nach Maß, als diese kostbaren Grundstoffs sich unter dem Gewölbe des Helms verdichten, strömen sie an des¬ sen Seitenwänden in die Tropfrinnei ab, und von die¬ ser zurück in die Kufe. Will man ihren Geschmack ver¬ suchen, so kann dieses durch die kleine Pippe k, die zu diesem Ende an der Vorrichtung angebracht ist, ge¬ schehen. Während aber diese verdichtete Flüssigkeit zu- rückströniet, entweicht das davon entledigte reine koh¬ lensaure Gas durch die große Röhre des Helms, um sich in das nebenstehende, ebenfalls geschloffene, mir Was¬ ser angefüllte Faß v zu versenken. Die Klappe ist.für di« Gährung zwar nicht noth- wendig, allein für den Fall der Noch eine Vorsichts- Maßregel; indem sich nähmlich die Dämpfe, wenn sie sich zu sehr anhäufen sollten, durch selbe, da sie mit ei¬ nem Sicherheits-Ventil versehen ist, entladen können. Sie ist ebenfalls mit einem blechernen Rohre überdeckt, welches wie das größere des Helms in das Wafferfaß geleitet ist * **) ). Die Lese wird, nachdem sie gepreßt und in die Kufe gefüllt ist*^), wobey Chapkal das Abbeeren em- *) Im Verhältnisse zurKraft des Widerstandes, den die¬ se Gesäße leisten können, muß dieses Ventil mit einem Gewichte beschweret werden. Anmk. d. Übersehers. **) Ein Schuh Raum wird ungefähr leer bleiben muffen- 22 pfiehlt, um edlere Weine zu bekommen *), mit dem Deckel geschloffen, und wohl verkittet, und die in daS Kühlfaß befestigte ebenfalls verkittete Vorrichtung auf¬ gesetzt *"). Die geistige Währung, die vom Einflüsse der äu¬ ßeren Temperatur beschützt ist, stellet sich sogleich ein, und entbindet sich fortschreitend immer im Verhält¬ nisse zu den im Mofle gebundenen Bsstandtheilen. Der innere Wärmegrad und die Bewegung nehmen zu, so wie die Entbindung deS kohlensauren Gases bedeutender wird. Sobald aber die Atmosphäre der Kufe damit ungefüllt ist, wird die Gährung durch dis Wirkung dieser Vorrichtung gleichförmig und be- Die Stiele stud ben Chaptal nur bei) schwachen Wei¬ nen ^ur Erhöhung ihres Geistes nützlich; allein das Verfahren, welches wir hier beschrieben haben, ersetzt durch die Erhaltung der geistigen Theile, was dis Stängel leinen können, auf eine weit kräftigere und natürliche Art. Der Wein kann höchstens herbe, nie aber kräftig durch die Stängel werden st). ff) Da die Kämme beym ersten und zweyten Pressen hier zu Lande noch viel zu wenig auf einander lie¬ gen, als daß sie könnten gedrückt werden, so wor¬ den sie weit besser, ohne daß das am Stielchcn hängende Fleisch verloren geht, nach dem dritten Pressen durch das Abrciben der Trester auf einem Gitter beseitiget. Anmk. d. Übersetzers. ") Das Kühlfaß wird mit-Wasser ungefüllt, welches man nach dem Maße, als es sich erwärmt, mit fri¬ schem Wasser nachfüllet. Ich glaubte daran ein Rohr m mit Vortheil anbringen zu können, in welches das kal¬ te Wasser geschüttet, indessen das im Fasse befindliche warme Wager oben durch die in u angebrachte Röhre von selbst absiießet. st 2 d n n >' L i < i k z l i i l 20 ständig. Das kohlensaure Gas erhebt sich bald in die Wölbung des Helms/ trifft die inneren Wände/ und der mit Geist und Würze gefüllte wäfferichte Theil, welcher mittelst des Gases durch die Wärme und Be¬ wegung in Dunstgestalt übergangen ist, verdichtet sich wieder in Folge der von außen in den Helm eindrin- gsnden Kälte, und fällt beständig in die Kufe zurück, indessen der unaufhaltbare Theil des Gases durch die große Röhre hinauszieht, welche dasselbe aus dem Helme in ein besonderes mit Wasser gefülltes Faß ableitet *). Nach Maß, als dieses solchergestalt entbundene Gas abgeht, wird es durch frisches ersetzt, welches den leeren Theil der Kufe erfüllt hat, um auf dis nähm- liche Weise seinen geistigen und würzhaften Stoff in . tropfbarer Flüssigkeit in dis Kufe abzusetzen; und dieß währet fort bis die Gährung vorüber ist, die Flüssig¬ keit ruhig wird, und anzeiget, daß der Wein fertig ist. Ereignete sich während der stärksten Gährung der besondere Fall, daß die Masse der Kufe eine, die verdich¬ tenden und ausscheidenden Kräfte bey weitem überstei¬ gende, Menge des kohlensauren Gases entwickelt, so wird die Kraft des überflüssigen GaseS das Gewicht der Klappe aufheben, und das Gas durch das darüber ge¬ stürzte Rohr in das nebenstehende Wasserfaß entweichen. Auf diese Weise entsprechen die Dienste dieser Vor¬ richtung nicht allein zu allen Zeiten den Verrichtungen *) Wahrscheinlich wird auch dieses Faß ungefähr bis zu einem Schuhe gefüllt werden müssen. Anmk. d. Übersetzers. 24 der Gährung, sondern sie vereinigen in sich alles/ was zur unbeschwerlichen und ungewaltsamen Vollendung derselben norhwendig ist. Die schätzbaren Vorrheile, die Lese der Wirkung der äußeren Temperatur durch das Verschließen der gan¬ zen Vorrichtung zu entziehen/ und damit zugleich das Eintreten der Gährung zu befördern / sind zu erheblich/ und verdienen daher besonders in Ländern dis volle Auf¬ merksamkeit/ in welchen der Herbst meistens kühl und regnerisch ist/ indem dadurch vorzüglich einem zu wafse- richten / oder einem nicht hinlänglich reif gewordenen Moste geholfen wird. Man pflegt inFrankreich bey zu kal¬ ter Temperatur die Keller einzufeuern / oder kochenden Most in die Kufen zu schütten, UNI damit die Gährung zu unterstützen; allein diese künstlichen Mittel sind im¬ mer uiübkam und kostspielig, bewirken nur sehr unvoll¬ kommen, was sie beabsichtigen, und vermindern die Men¬ ge des Weines, dem sie nebstbey die kostbarsten Bestand- theile versvlirrern. Allein wir haben zugleich gehört, daß das gänzliche Abschließen vom Zutritte der atmo¬ sphärischen Luft die Hitze im Innern über die Maßen Vermehrer, und durch di« dadurch übereilte Gährung eben sowohl uachrheilsg als gefahrvoll wird; so bleibt uns nur noch zu erweisen übrig, daß mit unserer Vor¬ richtung auch diesem dlbel abgeholfen wird. Der Deckel, welcher die Kufe hermetisch schließt, begünstiget und beschleuniget allerdings die Gährung. Er allein für sich würde das Sprengen des Gefäßes un¬ vermeidlich nach sich ziehen, wenn das kohlensaure Gas sich in zu großer Menge entwickelt haben würde; oder L 5 wäre das Gefäß stark genug, so würde die Gährung durch dieses Verschließen völlig unterdrückt werden. Der Helm wird jedoch als eine Leiter, verhindert das Spren¬ gen und zugleich die zu schnelle Gährung. Weil die Maste des Ga'eS, welche sich zwischen dem Moste und bis an die Wände des Helms anhäufc, fortwährend einen Druck aus die Leie übt, so wird die Wirkung der Gährung gemäßiget; so wie durch das gleichförmige Ausstromen des Gases dis Gährung selbst gleichförmig erhallen wird, und zwar im beständigen Verhältnisse mit den ausströmenden und sich verdichtenden Dämpfen, die wie ein kostbarer Regen zurückströmen, dann durch die Bälge der Traube dringen, und durch ihre geistige Kraft den Färbestoff auslösen, der auf diese Art in den Wein übergeht. Es har nähmlich Gentil schon erwie¬ sen , daß sich um so mehr Färbestoff auflösen wird , je mehr sich Weingeist erzeugt. Daher denn auch die Farbe des Weines durch dieses Verfahren viel schöner wird. Wenn nun durch diese Vorrichtung die Berührung mit der atmosphärischen Luft *), folglich die Gefahr *) Die Versäuerungen des Hutes der Weinlese erkläret sich der Herr Verfasser dieser Abhandlung, und Bru- dcrderMlle. Gervais, sehr sinnreich: Während dec Gährung widerstrebet zwar das ausströmende kohlen- saure Gas, das vermög seiner Schwere immer ober¬ halb der Kufe sich lagert, der Berührung mit der at¬ mosphärischen Luft; nichts desto weniger erhebt sich der durch die Wärme und Bewegung der Gährung ausdünstende, mit Geist, Geruchstoff und einigem An- theil des Hefens geschwängerte wässerichte Theil, den auch das nahmliche Gas mit sich fortrcißt, um sich in der Atmosphäre zu verbreiten und zu verlieren; wie L6 des Sauerwerdens vermieden ist, und durch das Ver¬ hüten vor der Verflüchtigung des weinigten Geistes, so wie durch die Vollendung der Gahrung dem Weine alle Stoffe, die ihm schädlich werden können, entzo¬ gen , und dafür die nützlichen und erhaltenden gewon¬ nen werden: so wird der auf diese Art erhaltene Wein dem Erzeuger weit dauerhafter, so wie dem Käufer ge¬ sicherter vor Verderben bleiben, und eine Menge von Mischungen, dis sehr oft der Gesundheit nachtheilig sind, ersparet werden können. Es erübrigt uns nur noch aufmerksam zu machen, um wie vieles vorzüglicher auch der aus solchen Weinen gegohrne Weingeist werden muffe. Die Erzeugung des¬ selben ist von großer Wichtigkeit für die Landwirthschaft. Ein größerer Absatz kann nur durch seine Verbesserung Statt finden , welche erstens von der Eigenschaft des Weines, zwey tens von der Güte des Branntwein¬ kolbens abhängt. Alle Weins sind im Verhältnisse ihrer Reife geeig¬ net, vielen Weingeist zu liefern; er kann jedoch nur schlecht seyn, wenn sich wie gewöhnlich das Beste da¬ von in der Weingährung verflüchtiget. Die Zlpfelsäure herrscht dann vor, und indem sie sich mit den verschie¬ denen herben Säften vereiniget, die aus den Stän- S t s < < i I i I er aber dieselbe berührt, so verdichtet sich ein Theil durch die Kühle dieser Luft, die ihm den Geist und den Würzstoff zugleich raubet, und fallt mit seinem durch ihre Einwirkung säuerlich gewordenen Hefentheile wie ein schädlicher Nebel auf den Hut der Lese zurück , um dvrt die Versäuerung zu vollenden. §27 geln, und andern halbverschimmelten und halbverfaul¬ ten Theilen entstehen, wird der Bereitung des Wein¬ geistes ein sehr schlechter Stoff untergelegt. Nach C h a p talgeben schlechte Weine einen Wein¬ geist, in welchem die Äpfelsäure vorherrscht; je geistrei¬ cher der Wein ist, desto weniger enthalt er von dieser Säure, die dem Weine sowohl als dem Branntweine den sehr Übeln Fuselgeschmack gibt. Nach Rozier hängt übler Geruch und Geschmack von dem Fehler der Be¬ reitung ab. Der Geist ist immer derselbe, er findet sich in allen zuckerhaltigen Stoffen immer von gleicher Art. Der Unterschied ist nur im Mehr oder Weniger. Es erhellet daraus, daß, wenn die Weine selbst besser gemacht, vor Fnulniß und Säure bewahrt werden, auch der Weingeist besser werden müsse. Überzeugt, das; es für die Bereitung des Brannt¬ weines eine Vorrichtung geben müsse, welche das Wesent¬ liche, das Balsamische, und die feinsten durch das Feuer sich verzehrenden Theile, zugleich in größerer Menge, und in solcher Güte erhalten, daß man ihn vom älte¬ sten Weingeiste nicht mehr unterscheiden kann, beson¬ ders, wenn er aus Weinen, auf die beschriebene Weise bereitet, gebrannt wird, verspricht uns Gervais seiner Zeit eine eigene Abhandlung auch über diesen Gegenstand zu liefern , und damit die Beschreibung eines Weinprüfers beyzugeben, womit die Erzeuger die Güte und Kraft ihrer Weine erkennen, und die Käufer sich gegen Betrug schützen können. Übrigens glaubt er erwiesen zu haben, daß diese mitgetheilte Erfindung seiner Schwester gleich wichtig 28 dem Landwirtbe als dem Handelsmann anerkannt wer¬ den muffe; indem ein solcher Wein von jenem der ge¬ wöhnlichen Behandlung zwölf bis fünfzehn Prozente an Güte, und eben so viel an Menge gewinnet, dabey keine schädlichen Veränderungen in späterer Zeit zu be¬ fürchten sind, und durch die Anwendung dieser Vor¬ richtung auch die entferntesten , von der Natur nicht besonders begünstigten Weingegenden«« dieConcurrenz mit den sich bereits berühmt gemachten Weinländern treten können. Zum Schluffe folgen einige Zeugnisse und Berichts über die Vorzüge dieser Weinbereitung. Beylags Nro. i. ZchEndesgefertigter, Maire zu Fabrigues, bekenne, daß ich mich der öffentlich bekannt gemachten Vorrich¬ tung der Mademoiselle Gervais zur Währung und Be¬ reitung meines Weines bediente. Ich füllte eine Kufe mit nicht abgebeerter Lese so voll an, daß ein Schul) Raum übrig blieb, worauf ich in ihrer Gegenwart die Vorrichtung stellen ließ. Nach ungefähr i5 Tagen zeigte sich der Wein bey Eröffnung der Kufe in einer Güte, welche bey weitem jene des zu gleicher Zeit auf die ge¬ wöhnliche Weise bereiteten Weines übertraf; die Farbe war lebhafter und höher, nebstbey hatte er den Wohl¬ geruch des berühmten Rausillon. Diese Vorzüge erkenn? ich als das Werk der Vor¬ richtung, indem ich bey einer gewöhnlichen Bereitung ähnliche Eigenschaften nie entdeckte. Ich bekenne ferner, eine Vermehrung in derMen- l c r L r t ! r l ! j l I e > 2I ge gefunden zu haben- Die Kufe/ die mir in früheren Jahren zwölf Muid*) Wein gegeben hat/ gab mir nun etwas über dreyzehn Muid ; so wie anderseits eine gleichgroße, bey der altüblichen Weinbereitung auch dieses Jahr nicht über zwölf Muid enthielt. Ich bekenne ferner, daß die Vorrichtung einen Dunst verdichtete, der in die Kufe zurückfiel, und da¬ durch das Austrocknen der oberen Trester des Hutes der Weinlese verhinderte, wodurch dieser Wein an Güte den gemosielten feinen Weinen nicht nachstehk, an Far¬ be noch übertrifft. Endlich bekenne ich , daß die Gährung ordentlich und richtig vor sich gegangen ist, und daß sich die He¬ fen nichr wie auf die gewöhnliche Art erhob, im Ge- genrheile nicht von der Stells wich, wie ich mich dessen durch die Röhre der Klappe mehrmahlsüberzeugerhabe. Urkund dessen meine Bestätigung. Fabrigues den i5. October röiy. Unterzeichneter: Girard, Maire zü Fabrigues. Beilage Nr. 2. Ich Endesgefertigter bekenne, daß ich die Vor¬ richtung der Mademoiselle Gervais, auf eine vor drey Tagen mit 5 Muid nicht abg-becrrer Trauben gefüllte Kufe, durch ihren Bruder, in Gegenwart meiner Pach¬ ter , stellen ließ. Ein Pariser Muid hat igr Österreicher Maß. z» Nach 36 Stunden zeigte sich bey Eröffnung der daran angebrachten Pippe eine wasserklare Flüssigkeit von süßlichem Geschmacks. Die Flüssigkeit nahm täg¬ lich an Stärke zu, und hatte endlich daS Feuer eines Weingeistes. Nach zwey und zwanzig Tagen wurde der Wein durch mich und Herrn Gervais verkostet; der geistige, müde und würzhaste Geschmack überzeugte uns bald, daß er vollkommen fertig sey. Ich habe bey sechs Muid Wein, mit Einschluß der Hefen, aus derKufe erhalten. Die vom Einflüsse der Luft verwehrten Trester hatten den Wohlgeschmack eines Ratasia, und sie dienten mir noch, obgleich sie sehr ausgepreßt waren, zu Trester-- wein, dessen Geschmack sehr angenehm war. Der in dis Fässer gebrachte Wein übertraf, nach dem Urtheile der Weinkenner, bey weitem den Wein, wel¬ cher in einer andern Kufe von nähmlichen Trauben, jedoch auf die gewöhnliche Weise, bereitet wurde. In vierzehn Tagen darauf ließ ich meine Fässer ab¬ ziehen, und es blieben mir über fünf und eine halbe Muid übrig. Es ist daher erwiesen, daß man durch die Vor¬ richtung der Mademoiselle Gervais mehr als das Zehn¬ theil gewinnt, obgleich meine mit Trauben gefüllte Kufe erst nach dreymahl vier -und zwanzig Stunden gesperrt wurde. Zugleich bestätige ich, daß ich dieses Ereigniß dem Herrn Prafecten des Departements Herault zur Kennt- niß gebracht habe, damit es durch ihn der Landwirth- schaftsgesellschafr zu Montpellier mitgetheilt, in das In- er eit ig- >es irr e, d, id n. en nc ;r-- m es- 1/ e. ^b- be >r- n- lre en 'M tt- ch- 3r teresse des Landbau's, des Handels und der Weintrin- ker gebracht werde. Urkund dessen meine Bestätigung. Font-Despiere den 26. October 1819. Unterzeichnet: Lacroir, ausgetretener Kriegscommiffär, Ritter der königl. Ehrenlegion. Beylage Nr. 5. Nachdem mir Herr Gervais die Absicht mirgekheilt hatte, einen Berichr über die Weinbereicung, woiüc seine Schwester einen königlichen Gnadenbries am >3. Jänner a8ig erhalten hat, an die Ackerbau-Gesellschaft dieses Departements, deren Präsident der HerrPräfecr ist, verlassen zu wollen, und nachdem er micy zugleich ersucht hat, über die Wirkungen der von ihr erkauf¬ ten Vorrichtungen, die ich am 2g. September ausstel¬ len ließ, einen Bericht zu erstatten : so erkläre und be¬ kenne ich dem Herrn Prafrcten, und allen, die es zu erfahren wünschen, daß ich 35 Ladungen Trauben, jede Ladung zu 32o Pfund, in zwey gleich großen hölzernen Kufen schaffen ließ. Ich stellte die Vorrichtung übereine Kufe, verschmierte den Rand des Deckels mit Lehm ; die andere mit eben so viel Trauben gefüllte Kufe setzte ich der gewöhnlichen Gehrung aus. Am dritten Tage gab die an der Vorrichtung ange¬ brachte Pippe, um die Güte der Flüssigkeit, die sie verdichtet, anzuzeigen, ein wäfferigkeS Product mit etwas Weingeist vermischt, welches im Ganzen einen n- 32 angenehm reihenden' Nachgeschmack Halle. Dieser Ge- ! schmack besserte sich täglich, so wie die Flüssigkeit gei¬ stiger wurde; am neunten Tage erschien der Wohlge¬ schmack deS Weines/ der sich immer mehrre, bis ich am ist. dieses die Vorrichtung abnahm. Der Herr Unterprcifect, und Herr Dellugon, er¬ ster Secretar, gaben sich die Mühe, die Vorrichtung ! zu besehen / Und konnten von dem Tage ihrer Eröff- ' nung den Unterschied der beyden Weine beurtheilen und l bezeugen. Zu welchem Ende ich in ihrer Gegenwart ! den beyden Kufen eine kleine Öffnung beybringen ließ. Eie erkannten einen sehr merkbaren Unterschied ztt ! Gunsten deS vorgerichteten Weines / der bey weitem gereinigter/ lebhafter und wohlschmeckender war. Als I ich beyde Kufen zugleich überschcinken ließ, gab mir er siere um eilf Procent mehr Wein. Die Schönheit/ und der feine Duft der Wein I irrster bestimmten mich, sie zu einerProbe einemBrannt- z weinbrenner der Stadt zu überlassen, um die Güte und z Menge des daraus zu erzielenden Branntweins zu er¬ fahren ; doch dieser Versuch wurde n ir dm ch die Unacht¬ samkeit der Arbeiter vereitelt, welche fremde Trester - dazu mischten. Ich habe erkannt, daß die aus der Vorrichtung er¬ haltene Flüssigkeit bey dem Herauslaufen sich weiß zei¬ get, welche Farbe aber in kurzer Zeit sich in das Gek- i be umwandelt. (Man schrieb Ließ der Wirkung des Kohlenstoffes zu). Ich habe auch bemerkt, daß der Lehm, womit der Rand der Vorrichtung bestrichen wurde, entweder durch d n d l ; Z r « S k 35 durch die Wirkung der äußern Luft, oder durch die Wär¬ me der Gährung sich leicht spalte, welches eine Ver- flüchtigung bey noch so großer Aufmerksamkeit nach sich ziehen kann, die sich leicht durch einen GypL-oder an¬ dern Kilt vermeiden ließe. Das Wasser, worin die Rohren der Vorrichtung liefen, war zu Essig noch nicht sauer genug. Inder Meinung, daß ich zu viel Wasser für diese Menge der Trauben genommen Hobe, ließ ich es wegschütten, und und ich erfuhr zu meinem Leidwesen durch Herrn Ger¬ vais zu spät, daß sich die Essigsäure erst nach und nach entwickele*). Die Wirkungen würden überhaupt vollkommen gewesen seyn, wenn ich durch die Geschwister Gervais eine vollständigere Belehrung erhalten hätte. Bestätiget zu Lodeve am 19. October 181g. Unterzeichnet: Vallät. Jessau, Unterprafect. Bellugon, erster Secretär. *) Nach ChavtalS Lehre gibt dieses mit Kohlensäure an¬ geschwängerte Wasser, wenn es sich selbst einen Mo- nath hindurch der Luft ausgesetzt überlassen wird, einen ganz guten Essig. In der nähmlichen Zeit, als sich die¬ ser Essig bildet, vräcipikireii sich m der Flüssigkeit Flocken, welche die sogenannte Essigmutter gibt. Anmk- d. Übersetzers. S 34 Bericht der Herren Handelsleute, Mitglieder der bc- rathenden Handelskammer im Departe¬ ment Herault, über die Prüfung der mit¬ telst der Vorrichtung der Mademoiselle Gervais bereiteten Weine. §bir gefertigte Handelsleute und Einwohner zu Mont- pellier untersuchten auf Einladung unssrs Vorstehers, des Freyh. Durand - Fajon , die Wirkungen der von Demoiselle Gervais erfundenen Vorrichtung, die Wei- I ne damit zu verbessern, und verfuhren den i4> Februar 1620 auf folgende Weise: Herr Anglada, Professor der Chemie und derArz- j neywissenschaft, und Herr Gervais brachten uns Pro¬ ben von dreyen auf diese Art bereiteten Weinen: der erste bey Herrn Girard, Maire zuFabrigues, der zwsy- ! te bey Herrn Sapte zu Pignau, und der dritte bey Herrn Lacroix zu Font-Despieres. Jeder dieser Probe» wurde von den dreyen Eigenthümern ein auf die ge¬ wöhnliche Weise behandelter Wein mitgegeben, der aus gleichen zur nähmlichen Zeit gesammelten Trauben ge¬ nommen wurde. Ein vergleichender Versuch aber zeigte uns, daß i der Wein der Vorrichtung starker, gefärbter, schmack¬ hafter und geistiger war. Dieser Unterschied ist zu auf- ! fallend, als daß man die Vorzüge der nach Gervais bereiteten Weine verkennen könnte. 35 Sollte diese vergleichende Prüfung und die ein¬ stimmige Bekräftigung der Gefertigten nicht hinreichen diese Vorzüge zu erweisen, noch den Besitzern von Wein¬ garten den natürlichen Abscheu gegen alle Neuerung zu besiegen, so müßte man sich doch der Wahrheit einer Thatsache ergeben, die ganz geeignet ist alle Zweifel zu heben. Es wurden uns mehrere Proben von der durch die Vorrichtung verdichteten Flüssigkeit vorgelegt, welche man zwischen dem ersten und zehnteüTage der weinigten Gährung erhielt. Sie entstand aus Dünsten, welche in einer gewöhnlichen Gährung vom kohlensauer» Gase fortgeriffsn , sich verflüchtigen, und zum Nachtheile der Menge des Ertrages verloren gehen. Die Prüfung dieser verschiedenen Proben zeigten uns folgende Resultate: Die in den ersten Tagen der Gahrung gesammelte Flüssigkeit ist ein etwas nach Erde schmeckendes Wasser (gout cis terroiv); sie erhalt von dem fünften Tage der Gährung an, eine gelbe Farbe, einen starken, etwas nach Anis dultendenGeschmock, wel¬ ches die Gegenwart der durch die Wärme in der Kufe ent¬ wickelten öhlichten, würzhaften und Alcohols-Stoffe anzeiget, wodurch die Bildung des Alcohols, und die Auflösung des harzigen Extractivstoffes veranlasset wird. Diese Steigerung ist sehr schnell, indem die am zehnten Tage gewonnene Flüssigkeit eine sedr gelbe Far¬ be, und eine solche Sättigung der oben erzeugten Sub¬ stanzen zeigte, daß sie bereits den Charakter eines star¬ ken und scharfen Anisgeistes in sich trug. Man steht daher keinen Augenblick an, der Vor» 5* 56 richtung der Mademoiselle Gervais den doppelten Vor- theil zu bestätigen: Erstens. Daß sie in die Weinkufe eine bestimm¬ te Menge jsner Flüssigkeit zurückführt, welche bey der gewöhnlichen Bereitung sich in die Atmosphäre verflüchti¬ get/ und dadurch die oberen Trester beständig befeuchtet und vor der Versäuerung verwahret. AuS diesem dop¬ pelten Vortheile entspringt ein Zuwachs deS Produktes (nach Gervais zehn bis fünfzehn Procente)/ sowohl durch die Erhaltung dieser Flüssigkeit/ als auch durch die Erhaltung der oberen Trester/ welche bey offener Gährung nur Essig erzeugen können. Zweytens. Nachdem es nun erwiesen ist, daß die aus der Vorrichtung gewonnene Flüssigkeit, Be- standkheile des Alcohvls, des wesentlichen Ohles und des harzigen Errractivstoffes enthalt, so werden sich Liese wiederherstellenden und in die Masse des WeineS rückkehrenden Stoffe darin mildern; sie werden die Schärfe, die auS ihrer Verdichtung entspringt, ver¬ lieren, und zugleich das Verhältniß der Kraft des Gei¬ stes und des Wohlgeruches des in gesperrter Kufe be¬ reiteten Meines vermehren. Auf diese Art verspricht die Vorrichtung der Ma¬ demoiselle Gervais die vortheilhafrelken Resultate für den Landbau sowohl, als für Len Handel. Denn ein Handel, dessen Gedeihen auf einen bedeutenderen Ver¬ brauch sich gründet, muß durch eine Erfindung gewin¬ nen, die zur Vervollkommung des Erzeugnisses un¬ serer Weingärten beylrägl, die nebstbey eine größere Menge zu dessen Verführung und Ausfuhr verschafft- 57 Wir glauben daher, daß die von Mademoiselle Gervais erfundene Vorrichtung in Betrachtung gezogen zu werden verdienet, und nicht genug dem Landman- ne unserer Gegend emvfohlen werden könne. Urkund dessen unsere Fertigung. Die zugegen gewesenen Handels- Mitglieder und Vorsteher. Durand-Fajon. B l o n q u i e r. Raspag. Bazille. 23 Anzeige des Anton Freyherrn von Maskon, uri' Herbste des Jahres 1821 auf seiner Herr¬ schaft Pischatz, im Eiilier Kreise, einen Versuch mit derWeinbereitung nach Ger¬ vais anstellen ;u wollen. kaiserl. Hoheit, der durchlauchtigste Präsident unserer Ack-rbaugelellschaft, stets bemüht, so schnell als 'möglich, dai Gemeinnützige des Auslandes bekannt zu machen, übergaben ihr den neuesten Bericht der königl. französischen Akademie zu Gard, über die vorerwähnte Wein bereit ung der Demoiselle Gervais, welcher in Folge einer durch sie ausgeschriebenen, und am 2c>. December 1822 von dreyen ihrer Mitglieder und Chemiker abgehaltencn Commission erstattet wurde. Nach diesem Berichte bestätigen sich die bereits mitgetheilren Erfahrungen, nähmlich: Erstens, daß ein in dieser Vorrichtung bereiteter Weinmost 12 Procent mehrWein gebe; und daß dieser Aweytens, die möglichste Menge Alcohols und des Geruch - und Würzstoffes beybehalte, wodurch er zu dem angenehmsten, geistreichsten Getränke wird, das nach dem Unheils einer großen Tischgesellschaft, sogar den ihr zugleich credenzten Bourdeaur - Wein vom Jahre 1811 übertraf, obgleich jener erst fünfTage von der Kufe abgezogen, und aus Trauben der schlech¬ testen Gattung bereitet war. Es ist sehr wichtig, daß wir uns von dieser in Frankreich bereits«",erkanntenWeinbereitung selbst über¬ zeugen. Unterzeichneter erklärt daher, daß er in diesem Spätsahre auf seiner Herrschaft zuPischatz, in der Fi¬ liale Rann, mir der Vorrichtung nach Gervais, einen vergleichenden Versuch mit fünf Starrinen (5o W. Ei¬ mern) Wein-Mostes zu machen willens sey, welchen zugleich auch das schätzbare Mitglied, der Herr Vor¬ steher der Radkersburger - Filiale, Graf von Wurm¬ brand, mit einer im Verhältnisse kleineren Vorrichtung, für die dort üblichen Halbstartine anstellen wird, wel¬ chem die benachbarten Herren Mitglieder beyzuwohnen, freundschaftlichst aufgefordert sind, um durch ein ge¬ meinschaftliches Unheil das Zutrauen unserer Landes- leuke zu begründen, und zur Verbreitung dieses Ver¬ fahrens im Vaterlande rühmlichst beyzutragen. Eratz am 28. Marz 1821. Ant. Alb. Freyhcrr von Maskon, Central-Ausschuß der steyermarkischen Laudivirthschafts - Gesellschaft. 4» Belehrung über die Vortheile der gefahrlosen Währung des Mostes in vollkommen geschloffenen Gefäßen nach Casbois. >« . L ' 'i' 'v M - - ! Aus dem Französischen übersetzt, von Ant. Albert Freyherrn v- MaSkon- Vchon lange ist das Verfahren bekannt, den Trauben¬ most in vollkommen geschloffenen Gefäßen ohne Gefahr gähren zu lassen, Herr Casbois empfahl schon im Jahre 1788 in der Likliotkeczns sslutuire, in dieser Absicht eine hydraulische Vorrichtung. In den ^nnalss ckes urts et msnusaetures , fünften Band, Nro. i5, Jahrgang 1817, kündiget Herr Ladvocat ebenfalls eine hydraulische Vorrich¬ tung an, um dadurch die Güte der Weine zu erhöhen. Zu jener Zeit konnten die Vortherle noch bezwei¬ felt werden; aber, nachdem sie sich seitdem durch die Erfahrung bestätigen: so muß norhwendig dieses Ver¬ fahren den Werrh unserer Weine sehr bald erhöhen, und insbesondere zur Verbesserung derjenigen beytragen, die in Gegenden gewonnen werden, in welchen die Traube nicht immer zur gehörigen Reife gelangt. W 3n M Hc Bl bei del so: be w w Ä n 7) )) N st s n s ( i < l 4r Em Eigenthümer, der sich «sch freuet, den Vor¬ schlag des Herrn Casbois befolgt zu haben, dachte den Inhabern der Weingarten, und durch sie, der ganzen Menschheit einen Dienst zu erweisen, wenn er in die Hande des kleinsten Besitzers eine deutliche und faßliche Belehrung verbreitet, welche leichter ausgeführr wer¬ den kann, als die bis nun übliche Weinbereirung, und dennoch entschiedene Vortheile in Anbetracht der Menge sowohl, als der Güte des Erzeugnisses gewahret. Dein zu Folge wird nun die des Herrn Casbois bekannt gemachte Weinbereitung denjenigen erklärt, welche die gewöhnliche zu verlassen geneigt sind, oder welche durch vergleichende Versuche sich von den guten Wirkungen derselben zu überzeugen wünschen. Casbois sagt uns: «Der in Gährung gebrachte «Wein verliert um so weniger von seinen geistigen Be- „standtheilen, je weniger er in Berührung mir der „atmosphärischen Luft ist. Daher man den geistigsten „Wein nur in vollkommen geschlossenen Ge¬ mäßen erhalten wird." Doch diese Gährung entbindet Gas, und diese sich ausdehnends Gasart würde die Gefäße zerspren¬ gen, oder mousierenden Wein erzeugen, wenn sie kei¬ nen Ausgang fände. Die Gefäße müssen daher so ge¬ sperrt seyn, daß vas Gas noch immer entweichen kann. Ein solches Entweichen wird am sichersten durch eine, in Gestalt eines Weinhebers gekrümmte blecherne Röhre erreicht, die anderthalb Zoll im Durchmesser hat, und deren kürzerer Schenkel in Verbindung mit einem da¬ ran befestigten Gefäße gebracht wird. Der aufsteigende 42 Schenkel ist iZZoll, so wie der hsrablaufende r6Zoll lang. Durch letzteren wird das Gas von oben herunter in ein stehendes Gefäß geleitet, welches anderthalb Zoll niederer, als der Weinheber stehen muß. Diese blecherne Röhre kann auch drey bis vier Zoll im Durch¬ messe!- haben *). Die angegebenen Maße sind keineswegs wesentlich; man 'ann sie nach Belieben ändern, nur daß der eine Schenkel w lang ist, daß er in das Faß geleitet wer¬ den kann, ohne jedoch den Wein zu berühren, und daß der andere Schenkel des Hebers um so viel kürzer ist, da» durch denselben das Wasser, womit das Ge¬ säß gefüllt ist, nicht in das Faß dringen kann. Diese Röhre wird dergestalt angebracht: Ich neh¬ me an, daß die Kufe-oder das Faß auf drey oder vier Zoll bis zum Spundloch« mit Most gefüllt ist, welches man ohnehin zu thun pflegt, sobald man das Auswer- fen des gährenden Weines verhindern will. Darauf umwickelt man das Ende des längeren Schenkels mit Flachs oder Schilf, der ganz genau in das Spundloch, worin er mit etwas Gewalt gedrückt wird, paffen muß. Damit aber das Gas keinen andern Ausgang, als jenen durch die Röhre in das Wasser findet, verkittet man diese Stelle noch überdieß von außen mit Mastix oder, ganz einfach, mit Lehm. *) Dieses nicht kostspielige Instrument kann man sich überall leicht verschaffen; indem es nur aus drey Stücken einer weißblechernen Röhre bestehet, die im Buge gelöthet, und wovon das kürzere Stück in ei» mit Wasser gefülltes Gefäß geleitet wird. 43 Dann wird der kürzere Schenkel in ein mit Was¬ ser vollaekülltes Gefäß gesenkt. Wahrend der Gährnng ist das Gas genöthiget durch den längsrn Schenkel aufzusteigen, und durch den km zern in das, mit Wasser gefüllte Gefäß überzugehen, wo es aus dem Wasser entweichet und im Keller- raume sich verbreitet. Das Wasser, welches zwar dem Gale einen fceyen Durchgang gestattet, versperrt ihn aber der äußern Luft dergestalt, daß derWein von seinem Geiste nichts verlieren kann*). Diese hydraulische Vorrichtung laßt sich eben so vortheilhaft an Kufen, als an Fässern anbringen. Doch müssen Erstens, die Trauben gut gequetscht seyn; Zweytens, die Kufe nur bis zu einem Fuß vom Deckel gefüllt, und Drittens, mit einem gut gefügten Deckel, wie der Boden eines Fasses, geschloffen werden. Viertens. Auch die Fugen des Deckels müssen mit Lehm, oder einem bessern Kitte, z.B.mitGyps, verschmiert, und die Vorrichtung selbst muß *) Dadurch gewinnt man eine größere Menge Wein von einer gegebenen Quantität Most. Indem die gei¬ stigen Theile sich nicht nach außen verflüchtigen können, wie bey der Währung in offenen Kufen oder Fässern, so verdichten sich dieselben in dem leeren Raume am Deckel der Kufe, und fallen in Tropfen zurück; nebst¬ dem, daß im Weine die riechenden Theile (das soge¬ nannte Bouquet) beysammen erhalten werden. 44 Fünftens, an starken Stützen befestiget wer¬ den, damic sie der Gemalt einer stürmischen Gährung widerstehen könne*). Sechstens, muß auch der Deckel eine paffende Öffnung zur Aufnahme der Rohre haben. Die Gährung des Weines wird durch das Spru¬ deln des Wassers im Gefäße ««gezeigt; wie solches aufhört, ist die Gährung vollendet. Ein sicheres und einfaches Mittel den Grad der Gährung zu erkennen, ist der Areometer. So wie der Wein zehn Grade hat, den man sich herauszieht, so ist er auch nach meinen Erfahrungen in unserer Ge¬ gend als vollkommen bereiter anzusehen; denn nun hat er keine starke Gährung mehr zu befürchten**). ü- -i- * ") Dock dieses Übermaß von Vorsicht ist in dem Falle überflüßig, wenn man die Aufmerksamkeit hat, hin¬ länglichem Raum zwischen dem Moste und dem De¬ ckel zu lassen. Immer wird es besser seyn, einen grö¬ ßeren Zwischenraum bey großen Kufen zu lassen. Ja in sehr großen Kufen könnte man mehrere Vor¬ richtungen am Deckel anbringen, und auch den Durch¬ messer der Röhre vergrößern. **) Endlich lehrte auch die Erfahrung , daß der auf drese Art in einer Kufe oder Fasse bereitete Wem sich noch durch lange Zeit darin aufbewahren läßt; ja es unterliegt keinem Zweifel, daß auch darin die sogenannte stille Gährung abgewartet werden kann, um ihn dann bey guter Gelegenheit in die Fässer zu füllen. 45 Der Central-Ausschuß beeilet sich, diese kleine Schrift, die er durch die besondere Sorgfalt seines durchlauchtigsten Präsidenten erhielt, und in welcher mittelst einer sehr einfachen, wenig kostsvieligen und überall anwendbaren Vorrichtung, die Weinbereirung in geschloffenen Fässern und Kufen gelehret wird, vor dem Eintritte der dießjährigen Weinlese zurKennt- niß der rationellen Freunde des Weinbaues zu brin¬ gen: damit dieselben zur Zeit der Weinlese dieses angezeigte Verfahren prüfen, und vergleichende Ver¬ suche mit der Weinbereitung in offenen und geschlos¬ senen Gefäßen nach Gervais und Casbois anstel- len können. Der Herr Central-Ausschuß, Anton Freyherr von Maskon, der auS Gefälligkeit diesen Aussatz aus dem Französischen übersetzte, erklärte nachträg¬ lich, daß er gesonnen sey, den in der vorstehenden Anzeige beschlossenen Versuch, auch auf diese Metho¬ de, nach Casbois, Wein zu bereiten, auszudeh¬ nen, und demnach im Herbste auf seiner Herrschaft Pischätz zugleich s) mittelst der in gegenwärtiger Belehrung em¬ pfohlenen Röhre, fünf Eimer Wein-Most in einem sogenannten Halbfasse; t>) mittelst einer um die Hälfte weiteren Röhre io Eimer Wein-Most in einem Srarrinfaffe, und e) »o Eimer Wein-Most in einem Startinfasse, nach der gewöhnlichen Art behandelt, die Wein- gährung beginnen und fertsetzen zu lassen. 46 Der Freyherr von Maskon verspricht in der künf¬ tigen allgemeinen Versammlung diese Vorrichtungen den anwesenden Mitgliedern der Gesellschaft zur Ein¬ sicht und Beuriheilung vorzulegsn, und in der nächst folgenden Frühjahrs - Versammlung des Jahres 1622 einen umständlichen Bericht üder die Rejulraie dreser verschiedenen Weinbereiiungen, wovon die verschiede¬ nen Kostweine als sprechende Beweise mikfolgen wer¬ den, zu erstatten. Anhang. HUM- Hunrmel'sche Ankündigung des Wein- und Bier-Apparates» Zu Folge kaiserl. königl. Privilegiums. Zeitungsblatter thaten kürzlich Meldung von den glücklichen Resultaten, die der Apparat verschafft, füid welchen dem Herrn Carl Hummel ein allerhöchstes ausschließendes Privilegium errheilc worden ist. Aber eS war notbwendig, alles Umständliche hierüber in einec besondern Note zu erklären, und auf alle damit ver bundenen Folgen aufmerksam zu machen. Bis jetzt wurde in ganz Europa die Weinlese, einiger Modisicationen nahe, auf die nähmliche Art und Weise gehalten. Bey einigen vorzüglichen Weinenc wurde etwas mehr Vorsicht gebraucht; aber stets hatten sich zwey sehr kostbare Eigenschaften dieses Getränkes, der Geist und der Gewürzstoff (^roma) mir dem koh- lensaucen Gas, dessen Entfliehen nokhwendig geworden war, und dessen schädliche Dünste viel Unglück verur¬ sachten, verdunstet. Die größten Chemiker, welche die¬ sen so interessanten Gegenstand bearbeitet haben, hal¬ fen nur wenig diesem wirklichen und außerordentlichen Verluste ab, den die Quantität und die Qualität des Weins, und alle der Gährung unterworfenen Geträn¬ ke erleiden. Aber endlich har man vor^einigen Zäh¬ ren in Frankreich dieses so lang gesuchte Mirtel ent¬ deckt. Alle mit dem glücklichsten Erfolge hierüber gs- 4 . 5o machten Versuche, die Erfahrungen aller Art können Len Herren Weinbergsbesitzern und Landwirthen keinen Zweifel mehr lassen, um Gebrauch dieses neuen Ver¬ fahrens zu machen. Der Apparat ist sehr einfach und wenig kostspie¬ lig; er erfordert wenig Sorgfalt, ist jederman an¬ gemessen, und für alle Art Weinlesen geeignet. Er besteht aus zwey Stücken: aus einem Helm und ei¬ nem Kühlfaß, das ihn umfaßt und über ihn hervor¬ ragt. Diese zwey Stücke, welche ein Ganzes bilden, lassen sich auf die Kufe oder auf das Spundloch des Fasses aufsetzen. Ein wichtiger Umstand dabey ist, daß der Deckel (den man mittelst eines Reifes auf die Kufe legt, der inwendig dergestalt angenagelt wird, daß oberhalb dem Deckel bis an den Rand der Kufe «in Zoll frey bleibt), gut verfertigt sey, und daß man sorgfältig allen Rand und sämmtliche Fugen mit Gyps, Kalk oder Letten verkittet; diesen letztem muß man zu¬ weilen benetzen, damit sich keine Ritzen bilden. Man muß gleichfalls den in die Kufe oder in das Faß ein¬ gehenden Rand des Apparats wohl verkitten. Von der Sorgfalt, die man bey der Verkittung des De- «kels und des Halses des Apparates beobachtet, hangt feine ganze Wirkung ab. Man muß die Kufe nicht mit der Lese, noch Las Faß mit dem Most gänzlich anfüllen. Die Ma߬ gabe des leer zu lassenden Raumes ist ro bis 12 Zoll in Kufen von 5o bis 60 Eimer; i3 bis 14 Zoll in jenen von 80 Eimer, und bis r6 Zoll in jenen *>on roc> Eimer und darüber. Der in den Fässern lleer zu lassende Raum ist ungefähr der nähmliche. Wenn der Apparat ausgesetzt ist, füllt man das Kühlfaß mit frischem Wasser an. Von diesem Au¬ genblicke an beginnt der Gährungsprozeß. Dieses Verfahren verhindert erstlich jede Berührung der Lese mir der äußern Luft, und zwingt alsdann allen Geist, den das kohlensaure Gas mit sich fortzunehmen pflegt. 5i fiH in dem nähmlichen Recipienten zu »erdichten. Das kohlensaure GaS, welches, da es beym Entbin¬ den von dem Moste alle geistigen und balsamischen Dünste mit sich nimmt, keinen andern Auszug, als den darüber aufgesetzten Apparat hat, eircnlirt in dem Heime. Das Gas, schwerer als die Dünste, scheidet allda von ihnen, und entweicht durch dir große, zu diesem Behufs in dem Helme angebrachte Röhre, um sich in ein mit Wasser angefüllres, auf der Kufe oder dem Fasse aufgestelltes Gefäß zu ver¬ senken. Die Dünste hingegen setzen sich an die ober¬ sten Seitenwände des Helmes an, verdichten sich all¬ da in Folge der Einwirkung der Kälte, die ihnen das sie umgebende Wasser beybringt, und rinnen in Tro- vfen in die Kufe oder in das Faß zurück. Auf die¬ se Arc verfliegt das überflüßige kohlensaure Gas, oh¬ ne daß es einen der Grundstoff« dieser Flüssigkeit mir fortreißen kann. Dieser Apparat hat noch fer¬ ner den Vortheil, indem er eine gemäßigtere Gäh- rnng bewirkt, hinlänglich von diesem Gase in dem Weine zurückbehalcen zu können, um seine Stärke, seine Hells Farbe und seine Dauer zu vermehren. Da dieses Verfahren alle Einwirkung der at¬ mosphärischen Luft vermeiden macht, befürchtet mau die Säure nicht mehr, welche diese im Herbst oft sehr kalte Luft dem Hut der Lese gab, und die sich dem ganzen Weins mittheilre; man ist ferner des Re¬ sultates gewiß, und har zudem noch den großen Vor- theil, wenn andere Beschäftigungen es erforderlich machen, den Apparat länger aufgesetzt lassen zu kön¬ nen, als die Dauer der Gährung es erheischet. Die¬ ser Verschub kann nicht nur von keiner üblen Wir¬ kung seyn,. sondern der Wein gewinnt sogar an Qua¬ lität und an Klarheit. Man muß den Apparat, se nach Zeitigung der Trauben und nach dem Grads der Atmosphäre, 20 bis 3c> Tage aufgesetzt lassen. Es ist hingegen dem 4* Ss guten Erfolge sehr nachteilig, ihn früher wegzuneh« men. Durch den Ertrag des kleinen Hahnes, der sich unten am Kühlfofse befindet, wird man von dem Vorüberseyn der Gahrung benachrichtiget. Im In¬ nern des Helmes ist eine kleine Rinne angebracht, welche die abgeflossenen verdichteten Dünste aufnimmt, und wovon man täglich, indem man davon ein we¬ nig durch den kleinen Hahn fließen läßt, die Stark- Versuchen kann. In den ersten Tagen ist diese Flüs¬ sigkeit nur ein fades Wasser, welches ober nachher fortschreitend an Qualität und an Quantität zu- nimmt: und wenn die Gahrung ihrem Ende naht, nimmt, die Flüssigkeit einen aromatischen Geschmack an und nimmt an Quantität ab. Da das Wasser, welches sich im Kühlfaß befindet, in Berührung mit dem Helme ist, der unaufhörlich durch die innere Gah¬ rung erwärmt wird, ist es nochwendig, dieses Was¬ ser, so oft es einen Theil seiner Kühle verloren, zu erneuern. Eine Ausgießungsröhre, welche unten daran angebracht ist, erleichtert das Abfließen des Wassers, wonach man sogleich wieder ein frisches eingisßc. Zu, Augenblicke des Wechselns des Was¬ sers muß man den obern Theil des Helmes mit ei¬ nem kleinen Besen reiben, um ihn von einer Hefe zu reinigen, die sich darauf ansetzc, und deren Di¬ cke der Wirkung der Kalte des Wassers hinderlich ist. Wenn die ganze Overation vollendet, lhut man sehr wohl daran, den Apparat während der Zeit stehen zu lassen, als man den Wein abzieher; man muß nur das Wasser des kleinen Gefäßes ablaffen, in welches sich die Röhre versenkt, damit die Luft Las Abläufen des Weines erleichtere. Ertragnisse des Apparats. Alle seit mehreren Jahren gemachten, und durch glaubwürdige Protvcolle bestätigten Versuche haben 53 bewiesen, daß der Wein-Apparat, je nachdem die Operation mit mehr oocr weniger Sorgfalt gemacht worden, an Quantität eine Vermehrung von io bis i5 Procent, und an Qualität eine Verbesserung, welche den Preis des Weines zu 4 bis 5 Gulden W. W, pr. Eimer erhöht hat, verschafft. Man hat ferner erkannt, daß Weine, die i2 pCt. mehr an Quantität gegeben hatten, bey der Destillation g is2 pCt. mehr Branntwein, und zu stärkeren Graden, lieferten. Diese Versuche geschahen im Vergleichnifse mir Weinen, die nach den gewöhn¬ lichen Arten gemacht worden. Die Traubentrester der Kufen , auf welchen die Apparate gesetzt waren, gaben an Branntwein 4o Procent "mehr, als die dec Kufen ohne Apparat. Bey Berechnung dieser verschiedenen Erträgnis¬ se, und bey Erwägung, daß der Preis des Appa¬ rats, und das Recht, sich desselben während io Jah¬ ren zu bedienen, sehr gering ist, wird man anerken¬ nen, daß die Weinbergsbesttzer, welche Gebrauch davon machen, nicht den vierten Theil des Gewin¬ nes vom ersten Jahre gegeben haben werden, und daß sie während c; Jahren alle Vortheile dieser Ent¬ deckung genießen, ohne neue Kosten zu machen, noch eine neue Gebühr zu zahlen zu haben. Angenommen, daß ein Landwirth 6c> Eimer sechse, und den mindesten Ertrag des Apparats, zu rc> pCt. angesetzt, erhält er eine Vermehrung von 6 Eimer. Schätzt man den Preis davon, im Durch¬ schnitt genommen , zu 2c> fl. W. W., bekommt er für 6 Eimer. 120 Gulden. Hierzu die Verbesserung der Qualität, zu 4 Gulden pr. Eimer, bekommt er für 66 Eimer ........ 264 — 384 Guldeir 54 534 Gulden Abzuziehen für den Preis des Apparats, und für di« Befugniß, ein für alle Mahl bezahlt .......... 120- so ist der Gewinn des ersten Jahres noch 264 Gulden und es ergibt sich dem zu Folge für je¬ des der andern Jahre ein reiner und sicherer Gewinn von ..... 384st. WW. beuchst denen erwiesener Maßen auß dem Brannt¬ weine sich ergebenden Ertragnissen. Erhält man, wie es Freyherr von Schack und andere Gutsbesitzer bemerkt babsn, aus dem Nu¬ tzen des neuen Düngers , Dungharnsalz genannt*), bey dem, Weinstocke eine noch schnellere Fechsung, und eine saftigere und ausgefülltere Frucht, kann man mit Recht muthmaßen, welcher Reichrhum die¬ sen interessanten Zweig der Landwirthschaft begünsti¬ gen wird. Im December 1821 wurden Versuche mit Bier gemacht. Die Resultate davon waren eine augen¬ scheinliche Vermehrung von 5 bis 6 Procent an Quantität, und das Bier wurde weinichter, besser verbunden, und von einem bessern Geschmacks befun¬ den. Um die geistigen Grundstoffe zu bestätigen, die ihm der Apparat beybehalken hatte, wärmte mau auf 4o, dann auf 60, und endlich auf 80 Grade mehrere Bouteillen Bier, wovon eines mir dem Ap¬ parate, und ein anderes auf die gewöhnliche Art zu¬ bereitet wurde. Dieses letztere ging im Verlaufe ei¬ nes Monaths nach der Operation in Säure über, und das andere behielt seine Süßigkeit und seinen Wohlgeruch. ') Die Werkstätte dieser Düngers ist außerhalb der Li¬ nie. bey Hernals, und die Canzley der General-Un¬ ternehmung in der Wollzeil Nro- 785 im äten Stock. 55 Die nähmlichen Resultate würden auch auf dar kleine Bier/ und auf jenes von der Art des Por¬ ters, den die Engländer zubereiten, um es aufzube- wahren und einzuschiffen, erhalten. Herr Carl Hummel glaubt nicht, die Un¬ annehmlichkeiten der Weinbereitungs - Methoden be¬ zeichnen zu muffen. Verschiedene Umstände haben da¬ zu beygerragen, die bestehenden Gebräuche anzuneh¬ men. Besonders zwingt den Weingartner die Furcht wegen der Kälte, die der Gährung schadet, seine Trauben sogleich zu keltern, und die Brühe in Fäs¬ ser einzuschließen, wo der Wein, indem man ge¬ zwungen ist, Luft zu lassen, um die Wirkung der Gährung zu begünstigen, einen großen Theil seiner Stärke und seines Wohlgeschmackes verliert. Einsichtsvolle Agronomen haben die Mittel ge¬ sucht, ihre Kufen zuzudecken, um einen Theil des für die Qualität deS Weines so nothwendigen kohlen¬ sauren Gases zu erhalten: aber diese Mittel wur¬ den wegen der Gefahr der Erplosion für unanwend¬ bar, und rücksichllich der Wirkung für unzuhinrei¬ chend erkannt. Bevor der angekündigte Apparat bekannt war, hatten empfehlungswürdige Chemiker eine Tauchrohre angezeigk. Heute erkennen sie selbst, wie mangelhaft dieses Verfahren sey, weil es dem Weine keine Qua¬ lität beybehaltet, und sich im Gegencheile die mit dem ganzen kostbaren Geist der Lese angefüllte Koh¬ lensäure in den Wasserbehälter versenkt. Dieser Ver¬ lust ist um desto schneller und beträchtlicher, da die Gährung, indem die Kufe oder das Faß der atmo¬ sphärischen Luft nicht ausgesetzt ist, um desto ungestü¬ mer ist. Die Wirkungen des Apparats sind begreiflich, und durch einsichtsvolle Landwirrhe vollkommen ge- würdiget. Es ist demnach, als ein Nutzen für dir österreichische Monarchie, zu wünschen, daß reiche 56 Weinbergbesitzer und Beförderer aller gemeinnützigen Entdeckungen es über sich nehmen mögen, dieses neue und wichtige Verfahren zu verbreiten. Herr Carl Hummel wird es sich zur,wahren Pflicht angelegen seyn lassen, mit denselben Übereinkünfte zu treffen, die ihr beyderseitiges Interesse sichern, und die Ent¬ wickelung seines Geschäftes beschleunigen würden.